Bis 700 v. Chr.
© VISTA POINT Verlag (Archiv), Rheinbreitbach
Die Felsritzungen bei Vila Nova de Foz Cõa stammen aus dem Paläolithikum
Die Frage nach der Urbevölkerung war bisher nicht sicher zu klären. Die ältesten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit, Felsritzungen bei Vila Nova de Foz Cõa, stammen aus dem Paläolithikum vor etwa 10 000–25 000 Jahren. Dolmen an verschiedenen Orten belegen eine Besiedlung vor etwa 3000 v.Chr. Nach dieser Zeit kamen wahrscheinlich Iberer aus Nordafrika und weitere 1000 Jahre später machten Phönizier Station auf dem Weg in den Norden. Sie sind die Gründer Lissabons.
Ihren Handelsplatz nannten sie Alis Ubbo – liebliche Bucht. Aus diesem Namen entwickelte sich über das lusitanische Olisipo, das westgotische Olisbona (Ulixippona) und das maurische Al-Ashbouna (Al-Lisbuna) schließlich das portugiesische Lisboa.
700 v. Chr.– Ab 700 v. Chr. dringen keltische Stämme auf die Iberische
179 v. Chr. Halbinsel vor und siedeln sich besonders im Norden an. Die Kelten verschmelzen mit der einheimischen Bevölkerung zu den Keltiberern. Den südlichen Teil des heutigen Portugals bewohnen die Lusitanier, nach denen das Gebiet Lusitanien genannt wird.
178 v. Chr.– Herrschaft der Römer. Nach dem erbittert geführten
410 n. Chr. Keltiberischen Krieg (197–179) wird Lusitanien Teil der römischen Provinz Hispania ulterior. Damit beginnt die Romanisierung auf allen Gebieten. Latein wird die Hauptsprache, aus der sich im Laufe der Jahrhunderte die Landessprachen entwickeln. Die Christianisierung beginnt um 300.
410–711 Die Völkerwanderung bricht über Lusitania herein. Sueben, Vandalen, Alanen und Westgoten fallen in das Land ein. Sie errichten das Königreich Portucale mit Braga als Hauptstadt. Die Westgoten vertreiben ihre Vorgänger und erklären das von ihnen besetzte Gebiet zum westgotischen Königreich mit der Hauptstadt Toledo. 300 Jahre dauert ihre Herrschaft, bis es bei einer Auseinandersetzung um die Thronfolge zum Bürgerkrieg kommt.
Der rechtmäßige Thronfolger Achila ruft in größter Not die befreundeten Mauren aus Nordafrika zu Hilfe, die dessen Widersacher Roderich so vernichtend schlagen, dass das westgotische Reich aufhört zu existieren. Einmal ins Land gerufen, dringen die Mauren weiter vor und besetzen bis auf einige wenige Gebiete in Asturien die Iberische Halbinsel. 713 erreichen sie Lissabon.
711–1094 Einfall der Mauren.Bereits 713 formiert sich von Norden aus der Widerstand gegen die Mauren. 300 unruhige Jahre stehen den Iberern bevor. Der Kampf ist ein kaum überschaubarer Kleinkrieg auf vielen Schauplätzen mit wechselnden Verbündeten. Erst unter Alfonso VI. von Kastilien und León beginnt die eigentliche Rückeroberung Portugals. Söldner und Ritter aus ganz Europa stehen ihm zur Seite. So kommen auch die Burgunderherzöge Heinrich und Raimond in das Land. Sie erhalten als Dank für ihre Hilfe bei der Schlacht von Badajoz Alfonsos Töchter Teresa und Urraca zu ihren Ehefrauen.
Als Mitgift bekommt Raimond die Grafschaft Galicien und Heinrich die Grafschaft Portucale als Lehen. Heinrich wählt Guimarães zu seiner Residenz, wo er 1114 stirbt. Sein Sohn Henrique übernimmt die Herrschaft und besiegt die Mauren schließlich 1139 bei Viseu. Seine Soldaten rufen ihn zum König aus, das Jahr 1140 wird das offizielle Geburtsjahr Portugals.
1094–1249
© Paulo Magalhães/Instituto de Turismo de Portugal
Römisches Mosaik aus dem Museu Monográfico in Conímbriga
Afonso Henrique muss einen Zweifrontenkrieg führen: Im Süden kämpft er gegen die Mauren, im Norden gegen seinen Schwiegervater und Lehnsherrn Alfonso von Kastilien. Nach einer verlorenen Schlacht erkennt Alfonso seinen Schwiegersohn als König an. Aber erst nach langwierigen Verhandlungen wird Portugal im Vertrag von Zamora 1179 auch vom Papst als eigenes Königreich akzeptiert. 1185 stirbt Portugals erster König Afonso Henriques; seine Nachfolger Sancho I., Afonso II. und Sancho II. haben ein unruhiges Land zu regieren. Erst 1249 gelingt es Afonso III., die Mauren in der Provinz Algarve entscheidend zu schlagen und damit endgültig aus dem Land zu treiben. Für Portugal ist die Rückeroberung abgeschlossen. Es erreicht damit als erstes europäisches Land seine territoriale Ausdehnung, die bis heute unverändert Bestand hat.
1249–1383 Festigung des portugiesischen Reiches. Da Lissabon nun vor den Mauren sicher ist, wird es 1256 Hauptstadt anstelle von Coimbra. 1279 übernimmt Dinis I. die Regentschaft. Er fördert Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. 1290 wird in Lissabon die erste Universität gegründet. Ein 1308 mit England geschlossener Handelsvertrag begründet die engen Beziehungen beider Länder, die bis zum heutigen Tag fortbestehen.
1383–1580
© Werner Tobias, Osnabrück
Heinrich der Seefahrer plante die Fahrt in die unbekannte Welt
Unter der 50-jährigen Regentschaft Joãos I. fängt eine Blütezeit für Portugal an. Er beginnt mit der Expansion in Afrika und fördert Entdeckungsreisen. Die Eroberung Ceutas (1415) sowie die Inbesitznahme Madeiras und der Insel Porto Santo fünf Jahre später sind der Beginn der portugiesischen Expansion, die bis etwa 1530 dauert. Joãos vierter Sohn, Heinrich der Seefahrer, gründet 1418 in Sagres eine Seefahrerschule. Portugal wird so zur wichtigsten Seefahrernation von ganz Europa; seine Monarchen sind auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt. Die Schätze Indiens und Amerikas machen die portugiesischen Monarchen zu den reichsten Europas.
1580–1640 Die Zeit der spanischen Herrschaft.Am 15. April 1580 wird Philipp II. von Spanien zum portugiesischen König Filipe I. in Tomar gekrönt. Portugal muss sich am Kampf gegen Holland und England beteiligen. Mit dem Untergang der Armada Philipps II. 1588 im Spanischen Krieg gegen England verliert auch Portugal seine Flotte. Am 1. Dezember 1640 gelingt ein Aufstand gegen die Spanier unter der Führung des Herzogs von Bragança. Zwei Wochen später wird João IV. als erster Regent aus dem Hause Bragança in Lissabon gekrönt. Den 1. Dezember begeht man fortan als Nationalfeiertag.
1640–1910
© Galeria Mappa Mundi, F. Emmelmann, BergischGladbach/Bensberg
Historische Stadtansicht von Lissabon von 1640
Die Zeit der staatlichen Unabhängigkeit bis zum Sturz der Monarchie. Ein Freundschafts- und Handelsvertrag mit England (1656) bringt Portugal in eine wirtschaftliche und damit auch politische Abhängigkeit. England darf Textilien nach Portugal einführen, umgekehrt wird der Wein von Zöllen entlastet. Die heimische Wollproduktion geht wegen der billigen englischen Importe zu Grunde. Der einseitige Handel wird später noch ausgeweitet, die finanzielle Abhängigkeit noch größer. Am 1. November 1755 zertört ein gewaltiges Erdbeben große Teile Lissabons und des Landes. Ministerpräsident Pombal lässt die Hauptstadt wieder aufbauen. 1793 verbündet sich João VI. mit England und Spanien gegen die junge französische Republik. Doch Spanien schert bald aus diesem Bündnis aus, versucht 1801 wieder nach Portugal einzudringen und lässt nach diesem vergeblichen Bemühen napoleonische Truppen über sein Gebiet nach Portugal ziehen. Drei französische Invasionsschübe müssen die Portugiesen über sich ergehen lassen, bis es 1811 einem englisch-portugiesischen Heer unter der Führung des Duke of Wellington gelingt, die Franzosen endgültig aus dem Land zu vertreiben.
Andauernde politische Umstürze, Unruhen und Militärputsche hören erst auf, als 1851 eine Verfassungsänderung das Wahlrecht ausweitet und sich die konstitutionelle Monarchie konsolidieren kann. Es folgen Jahre relativer Ruhe, in denen das Land modernisiert wird. Doch die wirtschaftliche Abhängigkeit von England besteht weiter. 1892 wird ein Staatsbankrott verkündet. 1901 muss der König Vertreter Englands, Frankreichs und Deutschlands in die Verwaltung des Staatshaushalts aufnehmen. Aufstände in der Armee beschleunigen den Verfall der Monarchie. 1908 wird König Carlos I. mit dem Thronfolger auf der Praça do Comércio in Lissabon ermordet. Am 5. Oktober 1910 wird die Republik ausgerufen, der letzte König Manuel II. flieht nach England ins Exil.
1910–26
© VISTA POINT Verlag (Archiv), Rheinbreitbach
Der letzte portugiesische König: Manuel II. (1889–1932)
Auch die Republik kann die politischen Unruhen trotz weitreichender Reformen nicht beseitigen. Pressefreiheit und Streikrecht werden eingeführt, der Fortfall aller Adelstitel sowie die Trennung von Kirche und Staat verfügt. Eine republikanische Verfassung tritt in Kraft. 1921 gerät das Land in eine existenzbedrohende Finanzkrise.
1926–74 Autoritärer Standesstaat unter Salazar. Die Gläubiger Portugals stellen für die Behebung der Krise harte Bedingungen. Um sie zu bewältigen, beruft das Militär 1928 den Professor für Nationalökonomie António de Oliveira Salazar zum Finanzminister mit weitreichenden Vollmachten. Durch eine rigorose Haushaltspolitik gelingt es ihm, die Staatsfinanzen auch ohne ausländische Hilfe zu ordnen. Doch er will mehr Macht, wird Mitbegründer der später allein regierenden Partei União Nacional und übernimmt am 5. Juli 1932 offiziell das Amt des Ministerpräsidenten.
Mit einer neuen Verfassung wird der Estado Novo, der Neue Staat, begründet. Eine gut organisierte Geheimpolizei geht gnadenlos gegen die Opposition vor. Das Land wird nach außen hin soweit wie möglich abgeschottet.
1949 tritt Portugal der NATO bei. Der wirtschaftliche Aufbau des Landes stagniert. Man lebt aus den Kolonien. In den 1950er Jahren nimmt die Auswanderungswelle nach Brasilien stark zu. Ab 1961 geht der Strom der Emigranten vor allem nach Frankreich und Deutschland. Ab 1961 brodelt es in den Kolonien. Es kommt zu Befreiungskriegen. Diese für Portugal aussichtslosen Kriege verschlingen knapp die Hälfte des Staatshaushalts. Die Opposition formiert sich zunehmend. Schließlich ist die Armee der nutzlosen Kriege in Übersee überdrüssig. Bei einem unblutigen Militärputsch am 25. April 1974 (Nelkenrevolution) übernimmt die »Bewegung der Streitkräfte« unter General A. Ribeiro de Spínola die Macht.
1974–95 Zwischen 1976 und 1987 lösen sich zehn verschiedene Regierungen ab.
Nach achtjähriger Verhandlung wird im Juni 1985 die Beitrittsurkunde zur Europäischen Gemeinschaft unterschrieben. Bei den Wahlen im Juli 1987 gelingt es Aníbal Cavaco Silva mit der konservativen PSD, die absolute Mehrheit zu gewinnen und damit eine gewisse Stabilität in den politischen Alltag zu bringen.
1995–2006 Bei den Wahlen (1995) verlieren die Konservativen ihre Mehrheit.
Die Weltausstellung EXPO findet 1998 in Lissabon statt. Im selben Jahr wird die Autobahnbrücke Ponte Vasco da Gama eröffnet, die den Tejo auf 17 Kilometern Länge überquert.
Bis 2002 regieren die Sozialisten, dann werden sie von den Konservativen unter José Manuel Durão Barroso abgelöst. 2005 erringen die Sozialisten den Wahlsieg; José Sócrates wird Ministerpräsident. 2006 gewinnt der Konservative Cavaco Silva die Wahl zum Präsidenten.
2007 Unter der EU-Ratspräsidentschaft Portugals wird der »Vertrag von Lissabon« unterschrieben.
2009 Die Sozialistische Partei gewinnt die Parlamentswahlen.
2010–14 Portugal gerät in die allgemeine Finanzkrise. 2011 erhält es von der EU und dem Internationalen Währungsfond ein Hilfspaket. Die Sparmaßnahmen – auch und besonders im sozialen Bereich – sind einschneidend. Es kommt zu Streiks und sozialen Unruhen.
2014 Im Mai verlässt Portugal den europäischen Rettungsschirm. Das Bruttosozialprodukt wendet sich allmählich wieder zum Positiven.
2015 Bei den Parlamentswahlen verliert die amtierende Regierung die absolute Mehrheit. Nach einem Misstrauensvotum wird eine sozialistische Minderheitsregierung unter Premierminister Costa gebildet.
2016 Portugal wird Fußball-Europameister.
2019 Immer mehr Portugiesen, die das Land im Zuge der Wirtschaftskrise verlassen haben, kehren zurück in ihre Heimat.
Die Sozialistische Partei (PS) von Ministerpräsident António Costa geht gestärkt aus der Parlamentswahl hervor, allerdings bleibt es weiterhin bei der Minderheitsregierung.
2022