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Werner Tobias

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Beschreibung

EINLEITUNG Willkommen in Portugal »Aqui onde a terra se acaba e o mar começa…« (Hier, wo das Land aufhört und das Meer beginnt) – mit diesen Worten beschreibt Luís de Camões, der große portugiesische Dichter des 16. Jahrhunderts, in seinen »Lusiaden« die geografische Lage seiner Heimat. Von den 2047 Kilometern Grenze sind 832 Kilometer Küstenlinie; Steilküsten und kilometerlange Sandstrände wechseln sich ab – ideale Voraussetzungen für einen Strandurlaub. Die Landesfläche teilen sich gut zehn Millionen Einwohner, über zwei Millionen weitere Portugiesen wohnen und arbeiten im Ausland. Portugal bietet eine reizvolle landschaftliche Vielfalt. Die Gebirge steigen im Norden bis auf fast 2000 Meter an, sanfte Hügelketten in der Mitte und weite, wellige Ebenen zum Süden hin wechseln sich ab. Ausgesprochenes Tiefland ist rar. Die Sommer sind allgemein sehr warm, die Winter im Süden kurz und mild, während im Norden in den höheren Gebirgen längere Zeit Schnee liegen kann. Im Küstenbereich dagegen herrschen das ganze Jahr über ausgeglichene Temperaturen. Die Küste an der Algarve weist die meisten Sonnenstunden in Europa auf. Die dreizehn historischen Provinzen Minho, Douro Litoral, Trás-os-Montes e Alto Douro, Beira Alta, Beira Baixa, Beira Litoral, Estremadura, Ribatejo, Alto Alentejo und Baixo Alentejo und Algarve haben bis auf Madeira und die Azoren seit einer Gebietsreform keine administrative Bedeutung mehr. Für den Tourismus hat man daher eigene Regionen mit besonderen Namen geschaffen: Costa Verde und Montanhas im Norden, Costa de Prata in der Mitte, Costa do Estoril, Costa Azul und Planícies in der südlichen Mitte sowie Algarve im Süden. Portugal war im 16. Jahrhundert der wirtschaftliche Mittelpunkt und die bedeutendste Seefahrernation der damals bekannten Welt. An Geschichte, Architektur und Kunst interessierte Reisende werden hier viel Sehenswertes finden, zahlreiche bekannte Bauwerke wie die Klöster von Alcobaça und Batalha oder das Jerónimos-Kloster in Belém verdanken ihre Entstehung wichtigen Stunden in der Geschichte dieses schönen Landes. Es gibt viele Gründe nach Portugal zu fahren, der bekannte portugiesische Wein, der Portwein, ist sicherlich einer davon, aber das Land eignet sich auch für einen Aktivurlaub – Wandern, Reiten, Golf, Tauchen, Segeln … Das Angebot ist breit und vielfältig. Boas Férias – schönen Urlaub!

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Portugal
© White Star, Hamburg
DIE AUTOREN
Werner Tobias lebt in Osnabrück. Über ihrer Arbeiten zu Wissenschaftsgeschichte, Kunst, Fliesen, Keramik und Tourismus kamen er und seine Frau Gisela nach Portugal. ihr erster Reiseführer erschien 1989. Inzwischen führt ihre Tochter Ruth Tobias, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin mitnSchwerpunkt Portugal, ihre Arbeit fort.

Portugal

Top 10 & Willkommen

Top 10: Das müssen Sie gesehen haben

Willkommen in Portugal

Chronik

Daten zur Landesgeschichte

Stadttouren Lissabon

Ein Rundgang durch die Stadt der sieben Hügel

Belém

EXPO‑Gelände – Park der Nationen

Lissabon von der Wasserseite

Service-Informationen Lissabon

Vista Points - Sehenswertes

Reiseregionen, Orte und Sehenswürdigkeiten

Die Estremadura und das Tal des Tejo

Setúbal

Cascais und Estoril

Queluz 

Sintra

Mafra

Óbidos

Alcobaça 

Nazaré

Fátima 

Tomar 

Batalha 

Die drei Beiras

Aveiro

Belmonte

Castelo Branco

Coimbra

Conímbriga

Covilhã

Figueira da Foz 

Guarda 

Parque Nacional do Buçaco/Nationalpark Buçaco

Serra da Estrela

Tondela

Viseu

Porto

Der Minho und Douro Litoral

Barcelos

Braga 

Ausflugsziel:

Guimarães

Ponte de Lima 

Viana do Castelo

Trás-os-Montes und Alto Douro

Bragança

Chaves 

Lamego

Miranda do Douro 

Villa Nova de Foz Cõa

Vila Real

Der Alentejo

Arraiolos, Estremoz und Elvas

Beja

Ausflugsziel:

Castelo de Vide, Marvão und Portalegre

Évora

Ausflugsziel:

Mértola 

Monsaraz 

Redondo

São Pedro do Corval

Die Algarve

Vila Real de Santo António

Monte Gordo

Tavira

Olhão

Reserva Natural/Naturpark Ria Formosa

Faro

Ausflugsziele:

Loulé

Quinta do Lago

São Lourenço – Almansil

Vilamoura

Albufeira

Carvoeiro

Ferragudo

Portimão

Silves

Caldas de Monchique

Alvor

Lagos

Sagres

Costa Vicentina

Service von A bis Z

Portugal in Zahlen und Fakten

Anreise, Einreise

Auskunft

Autofahren, Automiete

Diplomatische Vertretungen

Einkaufen

Essen und Trinken

Feiertage, Feste, Veranstaltungen

Geld, Kreditkarten

Hinweise für Menschen mit Handicap

Internet

Klima, Kleidung, Reisezeit

Medizinische Versorgung

Mit Kindern in Portugal

Nachtleben

Notfälle, wichtige Rufnummern

Öffnungszeiten

Post, Briefmarken

Presse

Rauchen

Sicherheit

Sport und Erholung

Strom

Telefonieren

Trinkgeld

Unterkunft, Camping

Verkehrsmittel

Zeitzone

Zoll

Sprachführer

Extras - Zusatzinformationen

Bildnachweis und Impressum

Top 10 & Willkommen
Top 10: Das müssen Sie gesehen haben
A Lissabon K1
Die Hauptstadt breitet sich auf sieben Hügeln am Ufer des Tejo aus. Die Phönizier wussten, warum sie hier landeten.
© Marcin Krzyzak/Fotolia
B Sintra K1
Hier haben die Könige Urlaub gemacht. Die Schlösser und Parks faszinieren noch heute.
C Alcobaça, Batalha, Tomar H2, G/H2, H3
Zwei monumentale mittelalterliche Kirchen und die Burg der Christusritter – drei UNESCO-Weltkulturerbestätten auf einer Strecke von nur 50 Kilometern.
© Instituto de Turismo de Portugal
D Coimbra F3
Bis 1911 einzige Universitätsstadt Portugals, hoch über dem Rio Mondego gelegen.
E Porto C2
Die geschäftige Stadt ist Konkurrentin von Lissabon. Die Altstadt am hohen rechten Ufer des Douro gehört zum Weltkulturerbe. Auf der anderen Flussseite wird Portwein gelagert.
© saiko3p/iStockphoto
F Braga B3
Sitz des Erzbischof-Primas von Portugal. Eine alte Stadt, durch die Universität jung geblieben.
G Alto Douro/Tal des Douro C4–6
Als Kulturlandschaft von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen. Das grandiose Tal ist die Heimat des Portweins.
H Estremoz K5
Die Stadt des Marmors mit langer Geschichte. Hier sind selbst die Bürgersteige mit dem edlen Gestein gepflastert.
I Évora K4
Römer und Mauren haben ihre Spuren hinterlassen – der komplette mittelalterliche Stadtkern ist heute UNESCO-Weltkulturerbe.
J Tavira O5
Trotz des Tourismus an der Algarve hat diese Stadt ihren ursprünglichen Charakter bewahren können.
Willkommen in Portugal
»Aqui onde a terra se acaba e o mar começa…« (Hier, wo das Land aufhört und das Meer beginnt) – mit diesen Worten beschreibt Luís de Camões, der große portugiesische Dichter des 16. Jahrhunderts, in seinen »Lusiaden« die geografische Lage seiner Heimat. Von den 2047 Kilometern Grenze sind 832 Kilometer Küstenlinie; Steilküsten und kilometerlange Sandstrände wechseln sich ab – ideale Voraussetzungen für einen Strandurlaub.
Die Landesfläche teilen sich gut zehn Millionen Einwohner, über zwei Millionen weitere Portugiesen wohnen und arbeiten im Ausland. Portugal bietet eine reizvolle landschaftliche Vielfalt. Die Gebirge steigen im Norden bis auf fast 2000 Meter an, sanfte Hügelketten in der Mitte und weite, wellige Ebenen zum Süden hin wechseln sich ab. Ausgesprochenes Tiefland ist rar. Die Sommer sind allgemein sehr warm, die Winter im Süden kurz und mild, während im Norden in den höheren Gebirgen längere Zeit Schnee liegen kann. Im Küstenbereich dagegen herrschen das ganze Jahr über ausgeglichene Temperaturen. Die Küste an der Algarve weist die meisten Sonnenstunden in Europa auf.
Die dreizehn historischen Provinzen Minho, Douro Litoral, Trás-os-Montes e Alto Douro, Beira Alta, Beira Baixa, Beira Litoral, Estremadura, Ribatejo, Alto Alentejo und Baixo Alentejo und Algarve haben bis auf Madeira und die Azoren seit einer Gebietsreform keine administrative Bedeutung mehr. Für den Tourismus hat man daher eigene Regionen mit besonderen Namen geschaffen: Costa Verde und Montanhas im Norden, Costa de Prata in der Mitte, Costa do Estoril, Costa Azul und Planícies in der südlichen Mitte sowie Algarve im Süden.
Portugal war im 16. Jahrhundert der wirtschaftliche Mittelpunkt und die bedeutendste Seefahrernation der damals bekannten Welt. An Geschichte, Architektur und Kunst interessierte Reisende werden hier viel Sehenswertes finden, zahlreiche bekannte Bauwerke wie die Klöster von Alcobaça und Batalha oder das Jerónimos-Kloster in Belém verdanken ihre Entstehung wichtigen Stunden in der Geschichte dieses schönen Landes.
Es gibt viele Gründe nach Portugal zu fahren, der bekannte portugiesische Wein, der Portwein, ist sicherlich einer davon, aber das Land eignet sich auch für einen Aktivurlaub – Wandern, Reiten, Golf, Tauchen, Segeln … Das Angebot ist breit und vielfältig. Boas Férias – schönen Urlaub!
© Ernst Wrba, Wiesbaden
Albufeira gehört zu den bekanntesten Ferienorten an der Algarveküste
Chronik
Daten zur Landesgeschichte
Bis 700 v. Chr.
© VISTA POINT Verlag (Archiv), Rheinbreitbach
Die Felsritzungen bei Vila Nova de Foz Cõa stammen aus dem Paläolithikum
Die Frage nach der Urbevölkerung war bisher nicht sicher zu klären. Die ältesten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit, Felsritzungen bei Vila Nova de Foz Cõa, stammen aus dem Paläolithikum vor etwa 10 000–25 000 Jahren. Dolmen an verschiedenen Orten belegen eine Besiedlung vor etwa 3000 v.Chr. Nach dieser Zeit kamen wahrscheinlich Iberer aus Nordafrika und weitere 1000 Jahre später machten Phönizier Station auf dem Weg in den Norden. Sie sind die Gründer Lissabons.
Ihren Handelsplatz nannten sie Alis Ubbo – liebliche Bucht. Aus diesem Namen entwickelte sich über das lusitanische Olisipo, das westgotische Olisbona (Ulixippona) und das maurische Al-Ashbouna (Al-Lisbuna) schließlich das portugiesische Lisboa.
700 v. Chr.– Ab 700 v. Chr. dringen keltische Stämme auf die Iberische
179 v. Chr. Halbinsel vor und siedeln sich besonders im Norden an. Die Kelten verschmelzen mit der einheimischen Bevölkerung zu den Keltiberern. Den südlichen Teil des heutigen Portugals bewohnen die Lusitanier, nach denen das Gebiet Lusitanien genannt wird.
178 v. Chr.– Herrschaft der Römer. Nach dem erbittert geführten
410 n. Chr. Keltiberischen Krieg (197–179) wird Lusitanien Teil der römischen Provinz Hispania ulterior. Damit beginnt die Romanisierung auf allen Gebieten. Latein wird die Hauptsprache, aus der sich im Laufe der Jahrhunderte die Landessprachen entwickeln. Die Christianisierung beginnt um 300.
410–711 Die Völkerwanderung bricht über Lusitania herein. Sueben, Vandalen, Alanen und Westgoten fallen in das Land ein. Sie errichten das Königreich Portucale mit Braga als Hauptstadt. Die Westgoten vertreiben ihre Vorgänger und erklären das von ihnen besetzte Gebiet zum westgotischen Königreich mit der Hauptstadt Toledo. 300 Jahre dauert ihre Herrschaft, bis es bei einer Auseinandersetzung um die Thronfolge zum Bürgerkrieg kommt.
Der rechtmäßige Thronfolger Achila ruft in größter Not die befreundeten Mauren aus Nordafrika zu Hilfe, die dessen Widersacher Roderich so vernichtend schlagen, dass das westgotische Reich aufhört zu existieren. Einmal ins Land gerufen, dringen die Mauren weiter vor und besetzen bis auf einige wenige Gebiete in Asturien die Iberische Halbinsel. 713 erreichen sie Lissabon.
711–1094 Einfall der Mauren.Bereits 713 formiert sich von Norden aus der Widerstand gegen die Mauren. 300 unruhige Jahre stehen den Iberern bevor. Der Kampf ist ein kaum überschaubarer Kleinkrieg auf vielen Schauplätzen mit wechselnden Verbündeten. Erst unter Alfonso VI. von Kastilien und León beginnt die eigentliche Rückeroberung Portugals. Söldner und Ritter aus ganz Europa stehen ihm zur Seite. So kommen auch die Burgunderherzöge Heinrich und Raimond in das Land. Sie erhalten als Dank für ihre Hilfe bei der Schlacht von Badajoz Alfonsos Töchter Teresa und Urraca zu ihren Ehefrauen.
Als Mitgift bekommt Raimond die Grafschaft Galicien und Heinrich die Grafschaft Portucale als Lehen. Heinrich wählt Guimarães zu seiner Residenz, wo er 1114 stirbt. Sein Sohn Henrique übernimmt die Herrschaft und besiegt die Mauren schließlich 1139 bei Viseu. Seine Soldaten rufen ihn zum König aus, das Jahr 1140 wird das offizielle Geburtsjahr Portugals.
1094–1249
© Paulo Magalhães/Instituto de Turismo de Portugal
Römisches Mosaik aus dem Museu Monográfico in Conímbriga
Afonso Henrique muss einen Zweifrontenkrieg führen: Im Süden kämpft er gegen die Mauren, im Norden gegen seinen Schwiegervater und Lehnsherrn Alfonso von Kastilien. Nach einer verlorenen Schlacht erkennt Alfonso seinen Schwiegersohn als König an. Aber erst nach langwierigen Verhandlungen wird Portugal im Vertrag von Zamora 1179 auch vom Papst als eigenes Königreich akzeptiert. 1185 stirbt Portugals erster König Afonso Henriques; seine Nachfolger Sancho I., Afonso II. und Sancho II. haben ein unruhiges Land zu regieren. Erst 1249 gelingt es Afonso III., die Mauren in der Provinz Algarve entscheidend zu schlagen und damit endgültig aus dem Land zu treiben. Für Portugal ist die Rückeroberung abgeschlossen. Es erreicht damit als erstes europäisches Land seine territoriale Ausdehnung, die bis heute unverändert Bestand hat.
1249–1383 Festigung des portugiesischen Reiches. Da Lissabon nun vor den Mauren sicher ist, wird es 1256 Hauptstadt anstelle von Coimbra. 1279 übernimmt Dinis I. die Regentschaft. Er fördert Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. 1290 wird in Lissabon die erste Universität gegründet. Ein 1308 mit England geschlossener Handelsvertrag begründet die engen Beziehungen beider Länder, die bis zum heutigen Tag fortbestehen.
1383–1580
© Werner Tobias, Osnabrück
Heinrich der Seefahrer plante die Fahrt in die unbekannte Welt
Unter der 50-jährigen Regentschaft Joãos I. fängt eine Blütezeit für Portugal an. Er beginnt mit der Expansion in Afrika und fördert Entdeckungsreisen. Die Eroberung Ceutas (1415) sowie die Inbesitznahme Madeiras und der Insel Porto Santo fünf Jahre später sind der Beginn der portugiesischen Expansion, die bis etwa 1530 dauert. Joãos vierter Sohn, Heinrich der Seefahrer, gründet 1418 in Sagres eine Seefahrerschule. Portugal wird so zur wichtigsten Seefahrernation von ganz Europa; seine Monarchen sind auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt. Die Schätze Indiens und Amerikas machen die portugiesischen Monarchen zu den reichsten Europas.
1580–1640 Die Zeit der spanischen Herrschaft.Am 15. April 1580 wird Philipp II. von Spanien zum portugiesischen König Filipe I. in Tomar gekrönt. Portugal muss sich am Kampf gegen Holland und England beteiligen. Mit dem Untergang der Armada Philipps II. 1588 im Spanischen Krieg gegen England verliert auch Portugal seine Flotte. Am 1. Dezember 1640 gelingt ein Aufstand gegen die Spanier unter der Führung des Herzogs von Bragança. Zwei Wochen später wird João IV. als erster Regent aus dem Hause Bragança in Lissabon gekrönt. Den 1. Dezember begeht man fortan als Nationalfeiertag.
1640–1910
© Galeria Mappa Mundi, F. Emmelmann, BergischGladbach/Bensberg
Historische Stadtansicht von Lissabon von 1640
Die Zeit der staatlichen Unabhängigkeit bis zum Sturz der Monarchie. Ein Freundschafts- und Handelsvertrag mit England (1656) bringt Portugal in eine wirtschaftliche und damit auch politische Abhängigkeit. England darf Textilien nach Portugal einführen, umgekehrt wird der Wein von Zöllen entlastet. Die heimische Wollproduktion geht wegen der billigen englischen Importe zu Grunde. Der einseitige Handel wird später noch ausgeweitet, die finanzielle Abhängigkeit noch größer. Am 1. November 1755 zertört ein gewaltiges Erdbeben große Teile Lissabons und des Landes. Ministerpräsident Pombal lässt die Hauptstadt wieder aufbauen. 1793 verbündet sich João VI. mit England und Spanien gegen die junge französische Republik. Doch Spanien schert bald aus diesem Bündnis aus, versucht 1801 wieder nach Portugal einzudringen und lässt nach diesem vergeblichen Bemühen napoleonische Truppen über sein Gebiet nach Portugal ziehen. Drei französische Invasionsschübe müssen die Portugiesen über sich ergehen lassen, bis es 1811 einem englisch-portugiesischen Heer unter der Führung des Duke of Wellington gelingt, die Franzosen endgültig aus dem Land zu vertreiben.
Andauernde politische Umstürze, Unruhen und Militärputsche hören erst auf, als 1851 eine Verfassungsänderung das Wahlrecht ausweitet und sich die konstitutionelle Monarchie konsolidieren kann. Es folgen Jahre relativer Ruhe, in denen das Land modernisiert wird. Doch die wirtschaftliche Abhängigkeit von England besteht weiter. 1892 wird ein Staatsbankrott verkündet. 1901 muss der König Vertreter Englands, Frankreichs und Deutschlands in die Verwaltung des Staatshaushalts aufnehmen. Aufstände in der Armee beschleunigen den Verfall der Monarchie. 1908 wird König Carlos I. mit dem Thronfolger auf der Praça do Comércio in Lissabon ermordet. Am 5. Oktober 1910 wird die Republik ausgerufen, der letzte König Manuel II. flieht nach England ins Exil.
1910–26
© VISTA POINT Verlag (Archiv), Rheinbreitbach
Der letzte portugiesische König: Manuel II. (1889–1932)
Auch die Republik kann die politischen Unruhen trotz weitreichender Reformen nicht beseitigen. Pressefreiheit und Streikrecht werden eingeführt, der Fortfall aller Adelstitel sowie die Trennung von Kirche und Staat verfügt. Eine republikanische Verfassung tritt in Kraft. 1921 gerät das Land in eine existenzbedrohende Finanzkrise.
1926–74 Autoritärer Standesstaat unter Salazar. Die Gläubiger Portugals stellen für die Behebung der Krise harte Bedingungen. Um sie zu bewältigen, beruft das Militär 1928 den Professor für Nationalökonomie António de Oliveira Salazar zum Finanzminister mit weitreichenden Vollmachten. Durch eine rigorose Haushaltspolitik gelingt es ihm, die Staatsfinanzen auch ohne ausländische Hilfe zu ordnen. Doch er will mehr Macht, wird Mitbegründer der später allein regierenden Partei União Nacional und übernimmt am 5. Juli 1932 offiziell das Amt des Ministerpräsidenten.
Mit einer neuen Verfassung wird der Estado Novo, der Neue Staat, begründet. Eine gut organisierte Geheimpolizei geht gnadenlos gegen die Opposition vor. Das Land wird nach außen hin soweit wie möglich abgeschottet.
1949 tritt Portugal der NATO bei. Der wirtschaftliche Aufbau des Landes stagniert. Man lebt aus den Kolonien. In den 1950er Jahren nimmt die Auswanderungswelle nach Brasilien stark zu. Ab 1961 geht der Strom der Emigranten vor allem nach Frankreich und Deutschland. Ab 1961 brodelt es in den Kolonien. Es kommt zu Befreiungskriegen. Diese für Portugal aussichtslosen Kriege verschlingen knapp die Hälfte des Staatshaushalts. Die Opposition formiert sich zunehmend. Schließlich ist die Armee der nutzlosen Kriege in Übersee überdrüssig. Bei einem unblutigen Militärputsch am 25. April 1974 (Nelkenrevolution) übernimmt die »Bewegung der Streitkräfte« unter General A. Ribeiro de Spínola die Macht.
1974–95 Zwischen 1976 und 1987 lösen sich zehn verschiedene Regierungen ab.
Nach achtjähriger Verhandlung wird im Juni 1985 die Beitrittsurkunde zur Europäischen Gemeinschaft unterschrieben. Bei den Wahlen im Juli 1987 gelingt es Aníbal Cavaco Silva mit der konservativen PSD, die absolute Mehrheit zu gewinnen und damit eine gewisse Stabilität in den politischen Alltag zu bringen.
1995–2006 Bei den Wahlen (1995) verlieren die Konservativen ihre Mehrheit.
Die Weltausstellung EXPO findet 1998 in Lissabon statt. Im selben Jahr wird die Autobahnbrücke Ponte Vasco da Gama eröffnet, die den Tejo auf 17 Kilometern Länge überquert.
Bis 2002 regieren die Sozialisten, dann werden sie von den Konservativen unter José Manuel Durão Barroso abgelöst. 2005 erringen die Sozialisten den Wahlsieg; José Sócrates wird Ministerpräsident. 2006 gewinnt der Konservative Cavaco Silva die Wahl zum Präsidenten.
2007 Unter der EU-Ratspräsidentschaft Portugals wird der »Vertrag von Lissabon« unterschrieben.
2009 Die Sozialistische Partei gewinnt die Parlamentswahlen.
2010–14 Portugal gerät in die allgemeine Finanzkrise. 2011 erhält es von der EU und dem Internationalen Währungsfond ein Hilfspaket. Die Sparmaßnahmen – auch und besonders im sozialen Bereich – sind einschneidend. Es kommt zu Streiks und sozialen Unruhen.
2014 Im Mai verlässt Portugal den europäischen Rettungsschirm. Das Bruttosozialprodukt wendet sich allmählich wieder zum Positiven.
2015 Bei den Parlamentswahlen verliert die amtierende Regierung die absolute Mehrheit. Nach einem Misstrauensvotum wird eine sozialistische Minderheitsregierung unter Premierminister Costa gebildet.
2016 Portugal wird Fußball-Europameister.
2019 Immer mehr Portugiesen, die das Land im Zuge der Wirtschaftskrise verlassen haben, kehren zurück in ihre Heimat.
Die Sozialistische Partei (PS) von Ministerpräsident António Costa geht gestärkt aus der Parlamentswahl hervor, allerdings bleibt es weiterhin bei der Minderheitsregierung.
2022