Praktikum der Hundeklinik -  - E-Book

Praktikum der Hundeklinik E-Book

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Beschreibung

Immer gut gerüstet: Egal, wie schwierig der Fall, hier finden Sie konkrete und aktuelle Lösungsansätze.

Das Praktikum der Hundeklinik ist schnelle Entscheidungshilfe, Nachschlagewerk und Lehrbuch in einem – der perfekte Begleiter für Praxis und Studium! Praxisrelevante, darunter auch seltene Erkrankungen sind so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig beschrieben.

Neben Wissenschaftlern aus nahezu allen deutschsprachigen Universitäten gehören zum Autorenteam auch namhafte Kollegen mit eigener Praxis. Also beste Voraussetzungen für fundierte und erfolgversprechende Therapiekonzepte.

Vertrauen Sie auf den Klassiker – jetzt in der aktualisierten Neuauflage!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 4198

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Praktikum der Hundeklinik

Barbara Kohn, Günter Schwarz

Karin Allenspach, Johann Bauer, Barbara Bockstahler, Felicitas Boretti, Oliver N. Buck-Werner, Margret Casal, Peter Deplazes, Markus Eickhoff, Tony Glaus, Sandra Goericke-Pesch, Mirjam Grobbel, Julia Henke †, Reinhard Hirt, Regina Hofmann-Lehmann, Fredi Janett, Karin Kalchofner Guerrero, Bettina Kandel-Tschiederer, Barbara Kaser-Hotz, Martin Kessler, Manfred Kietzmann, Peter Kook, Marion Kornberg, Martin Kramer, Johann Lang, Monika Linek, Antina Lübke-Becker, Andrea Meyer-Lindenberg, Erika Michel, Reinhard Mischke, Hanspeter Nägeli, Reto Neiger, Barbara Nell, Rafael Nickel, Dagmar Nitzl, Ingo Nolte, Iris Reichler, Ullrich Reif, Claudia Reusch, Friedrich E. Röcken, Jarno Schmidt, Silke Salavati Schmitz, Barbara Schöning, Claudia Schwedes, Ilse Schwendenwein, Nadja Sigrist, Sarah Steinbach, Jörg M. Steiner, Uwe Truyen, Dennis C. Turner, Martin Unger, Imelda Vannini, Rico Vannini, Thilo von Klopmann, Frank Wagner, Birgit Walther, Christiane Weingart, Jürgen Zentek

12., aktualisierte Auflage

879 Abbildungen

Vorwort zur 12. Auflage

Die überaus gute Aufnahme der 11. Auflage des „Praktikum der Hundeklinik“ hat bewiesen, dass ein gedrucktes Handbuch auch in Zeiten des Internets mit seinem weitgehend unbegrenzten Informationszugang gewünscht und wichtig ist.

Autoren, Verlag und Herausgeber haben sich gleichermaßen gefreut, dass diesem 2011 erschienenen Werk so wohlwollende Beurteilung als aktuelles Standardwerk der Hundeklinik im deutschen Sprachraum zuteil wurde. Dies entsprach völlig dem langjährigen Herzenswunsch des Herausgebers bzw. Co-Herausgebers der Auflagen 6 bis 11, Prof. Dr. Peter Suter. Umso trauriger macht uns, dass wir die Freude über den Erfolg seines letzten Buchprojektes nicht mehr mit ihm teilen konnten.

Allerdings war es gerade das Vermächtnis Professor Suters, das unser Herausgeberteam, Barbara Kohn und Günter Schwarz, darangehen ließ, die Bedeutung dieses Handbuchs in Form einer weiteren, von allen Autoren ambitioniert aktualisierten Ausgabe aufrechtzuerhalten. Sehr traurig stimmt uns, dass PD Dr. Julia Henke noch vor Drucklegung der 12. Auflage viel zu früh und plötzlich verstorben ist. Wir verlieren mit ihr eine fachlich und menschlich herausragende Persönlichkeit unseres Autorenteams.

In diesem traurigen Zusammenhang gebührt unser spezieller Dank Frau Prof. Dr. Sabine Tacke für die Durchsicht des von ihrer Freundin Julia Henke verfassten Kapitels.

Der Kreis der Co-Autoren hat sich wiederum erweitert. So erklärten sich mit Assoc. Prof. Dr. Sandra Goericke-Pesch, Prof. Dr. Regina Hofmann-Lehmann, Dr. Peter Kook, Dr. Antina Lübke-Becker, Dr. Erika Michel, Prof. Dr. Rafael Nickel, Dr. Jarno Marius Schmidt, Dr. Silke Salavati Schmitz, Prof. Dr. Ilse Schwendenwein, Dr. Nadja Sigrist und Dr. Sarah Steinbach eine Anzahl weiterer Spezialistinnen und Spezialisten bereit, ihre Expertise und ihre Zeit zur Verfügung zu stellen, um die gebotene Aktualisierung des „Praktikum der Hundeklinik“ zu ermöglichen. Einige Kapitel wurden dafür vollständig neu verfasst, alle anderen auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand gebracht. Dies ohne großzügige Zunahme der Gesamtseitenanzahl umzusetzen, hat den Autoren viel Abwägen und auch Disziplin abverlangt. Für ihr fachliches Engagement und auch das strikte Einhalten der Zeitpläne und der Umfangsvorgaben für ihre Beiträge sei allen neu dazugekommenen und den schon seit früheren Auflagen Mitwirkenden aufs Herzlichste gedankt.

Wir Herausgeber hoffen, dass dieses überarbeitete „Praktikum der Hundeklinik“ wieder als das gebraucht und geschätzt werden wird, als welches es von unseren Vorgängern Dr. H. G. Niemand und Prof. Dr. P. Suter konzipiert und perfektioniert wurde: Als unverzichtbarer Begleiter praktisch tätiger Tierärztinnen und Tierärzte, als Lernbehelf für das tierärztliche Studium und als Nachschlagewerk auch für hoch spezialisierte Experten, die aktuelle Informationen zu von ihnen nicht laufend bearbeiteten Fachgebieten benötigen.

Unser Dank gilt nicht zuletzt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Georg Thieme Verlag KG, allen voran Frau Anna Johne, Frau Carolin Patricia Frotscher, Frau Dr. Ursula Ingrid von Einem und Frau Dr. Maren Warhonowicz für die äußerst angenehme Zusammenarbeit bei der Planung, Ausführung und Fertigstellung dieses Projektes.

Berlin und Hollabrunn, im Sommer 2017

Barbara Kohn und Günter Schwarz

Inhaltsverzeichnis

1 Untersuchung des Hundes, Umgang mit dem Hund und die Problemorientierte Krankengeschichte

Claudia Schwedes, Martin Unger und Manfred Kietzmann

1.1 Untersuchung des Hundes – Umgang mit dem Hund

Claudia Schwedes und Martin Unger

Die Untersuchung eines Patienten stellt die Basis für jedes tierärztliche Handeln dar. Ziel ist es, zu einer Diagnose zu gelangen, wenn auch nicht immer eine ätiologische Diagnose gestellt werden kann. Ferner sollen mögliche Differenzialdiagnosen ausgeschlossen und evtl. vorhandene Nebenkrankheiten erkannt werden. Letztere sind vielleicht sogar gefährlicher als das Problem, das den Besitzer ursprünglich zum Tierarzt geführt hat.

Die Konsultation beginnt mit der Feststellung des Signalements. Die Angaben sollten sorgfältig notiert werden, damit sie auch bei einer späteren Besprechung des Falles oder Beratung des Tierbesitzers präsent sind und nicht neu erfragt werden müssen. Bereits aufgrund des Signalements können bestimmte Erkrankungen ein- oder ausgeschlossen werden (z.B. wachstumsbedingte Erkrankungen beim Junghund oder Prostataerkrankungen bei der Hündin).

Die Anamneseerhebung stellt den nächsten unabdingbaren Teil der Konsultation dar. Sowohl eine gut erhobene Anamnese als auch eine sorgfältige und fachkundige klinische Untersuchung sind die Basis für die sinnvolle Auswahl weiterführender Untersuchungen und letztlich für die Erlangung einer Diagnose.

Von ganz erheblicher Bedeutung ist die Kommunikation mit dem Besitzer, um seine Einstellung zum Tier, seine subjektive Wahrnehmung des Problems, die Haltungsbedingungen und die Aufgabe, die der Hund hat, sowie die voraussichtliche Durchführbarkeit von Therapien herauszufinden. Von nicht unerheblicher Bedeutung ist es, bei der Besprechung des Vorgehens den finanziellen Rahmen abzustecken, da jede Untersuchung auch Kosten verursacht. Nur wenn der Besitzer das Gefühl hat, dass man ihn ernst nimmt, dass man seine Probleme versteht und dass die Problemlösungen in seinem Sinne sind, wird er ein Vertrauensverhältnis zum Tierarzt aufbauen und bei der Behandlung optimal mitwirken. Das optimale Mitwirken des Tierbesitzers bei der Behandlung wird auch als Compliance bezeichnet.

Die Diagnosestellung erfolgt nach folgendem Schema:

Feststellen der Probleme und Symptome

differenzialdiagnostische Betrachtung jedes einzelnen Problems und Symptoms

Reihung der möglichen Ursachen nach ihrer Wahrscheinlichkeit

Erstellung eines diagnostischen Plans zum Beweis oder Ausschluss von Ursachen, wobei die naheliegendsten Verdachtsdiagnosen und schwerwiegenden Differenzialdiagnosen zuerst abgeklärt werden

Die Erkennung eines bekannten klinischen Bildes, z.B. ältere intakte Hündin mit Hängebauch, Scheidenausfluss, Polydipsie (typisch für eine Pyometra), hilft, bei der Betrachtung der Differenzialdiagnosen aller einzelnen Symptome eine gemeinsame Ursache auszumachen. Die Diagnostik dieser evtl. gemeinsamen Ursache sollte vorrangig betrieben werden.

Es sollte jedoch vermieden werden, neben offensichtlichen Problemen andere, vielleicht verstecktere Probleme zu übersehen. Bei dem Beispiel oben wäre dies z.B. ein Nierenproblem oder ein Hyperadrenokortizismus.

Während der Anamneseerhebung und der Allgemeinuntersuchung geschieht also zweierlei: Es werden alle vom Normalen abweichenden Befunde festgestellt und registriert. Aufgrund der Symptome werden die wahrscheinlich betroffenen Organsysteme ermittelt und die möglichen Differenzialdiagnosen gestellt. Nun müssen die Differenzialdiagnosen verifiziert oder ausgeschlossen werden. Außer Überlegungen über die Ursache eines Symptoms sollte man sich auch die Frage nach seinen möglichen Zusammenhängen stellen: Bei Feststellung eines Knotens in der Unterhaut wird man z.B. die regionären Lymphknoten besonders gründlich untersuchen.

Die endgültige Abklärung, das Bestätigen der Verdachtsdiagnosen und das Ausschließen der unzutreffenden Differenzialdiagnosen werden oft Sache der weiterführenden speziellen Untersuchungen sein, die in den entsprechenden Spezialkapiteln abgehandelt werden.

Weiterführende, ausführliche Angaben zum Thema Untersuchungsgang findet der Leser bei Rijnberk und van Sluijs ▶ [5].

1.1.1 Erster Überblick

Die Untersuchung beginnt bereits, wenn der Hund in den Untersuchungsraum gebracht wird. In einer ersten Abschätzung wird geklärt, ob es sich um einen Notfall handelt. Beim Notfallpatienten sollte die erste Untersuchung in der Erkennung einer unmittelbaren Lebensgefahr bestehen und deren Behandlung schnellstmöglich eingeleitet werden.

Als lebensbedrohliche Notfälle sind insbesondere Tiere mit schwerer Atemnot, Kreislaufversagen, Blutungen (offensichtliche oder innere Blutungen) und zentralnervösen Störungen mit Krämpfen sowie Bewusstlosigkeit anzusehen. Grundsätzlich gilt weiterhin, dass ein Hund in Seitenlage i. d. R. als schwer krank und als Notfall zu betrachten ist.

Liegen oben erwähnte Störungen vor, so sind sofort lebenserhaltende Maßnahmen einzuleiten, bevor der Patient ausführlicher untersucht wird.

Liegend hereingebrachte Hunde sollte man (nach der evtl. zunächst notwendigen Notbehandlung) immer versuchen aufzusetzen oder aufzustellen, soweit der Zustand des Patienten dies zulässt. Nur so wird das wahre Ausmaß der orthopädischen und neurologischen Beeinträchtigung (inkl. Schwäche) erkennbar.

Besteht keine Notfallsituation, so kann schon beim Hereinführen des Hundes ein Teil der ▶ Adspektion durchgeführt werden. Man erhält hierbei bereits einen Eindruck des Patienten und des Patienten-Besitzer-Verhältnisses, was bei der weiteren Behandlung hilfreich sein kann.

1.1.2 Anamnese

Noch vor dem Erheben der Anamnese sollten die Patientendaten (Signalement) in der Kartei überprüft und ggf. ergänzt werden.

Es ist empfehlenswert, ausdrücklich nach Vorbehandlungen zu fragen, da viele Tierbesitzer dies nicht aus eigenem Antrieb erzählen. Gegebenenfalls sollte auch erfragt werden, ob das Tier überwiesen wurde. Dann möchte der Besitzer erzählen, was ihn zum Tierarzt führt. Das geschieht mehr oder weniger wortreich und informativ. Man sollte den Besitzer erzählen lassen, was vorgefallen ist, jedoch ist häufig eine geschickte Gesprächsführung notwendig, um das Gehörte zu strukturieren und an die korrekten und nützlichen Informationen zu kommen. Ziel muss sein, Folgendes herauszufinden: 1. den Vorstellungsgrund, 2. was der Besitzer tatsächlich gesehen oder beobachtet hat, 3. was er nun wünscht. Am Anfang stellt man offene Fragen: „Was haben Sie beobachtet?“ Später sind geschlossene Fragen, die mit Ja/Nein beantwortet werden müssen, oft geeigneter. Unbedingt vermeiden sollte man Suggestivfragen; sie können zur irrigen Bestätigung einer falschen Verdachtsdiagnose führen. Durch gezieltes Nachfragen, z.B. bei dem Problem „Durchfall“, kann man erfahren, ob wirklich Kot, in welcher Frequenz und Beschaffenheit, mit oder ohne Drängen und vielleicht auch unter welchen Umständen er abgesetzt wird. Womöglich findet man dann eine Koprostase, an der Schleim vorbeigepresst wird. Ähnliches gilt für alle vom Besitzer genannten Beschwerden. Je genauer man sich das tatsächlich Gesehene einschließlich Beginn und Dauer der Erscheinungen möglichst objektiv beschreiben lässt, umso wertvoller und zuverlässiger ist es.

Die Dauer und der Verlauf der Erkrankung sollten unbedingt erfragt werden. Hierzu gehören auch Auskünfte über plötzlichen oder schleichenden Beginn sowie zunehmende, abnehmende oder wechselnde Schwere der Erkrankung sowie das Ansprechen auf etwaige Behandlungen. Bei Letzteren ist zu erfragen, womit, wie, seit wann, bis wann und ob die Behandlung auch vom Besitzer durchführbar war (ob z.B. Ohrentropfen appliziert werden konnten).

Frühere, gleichartige oder andere Krankheiten sowie auch Krankheiten von anderen Tieren (oder auch Menschen) im Haus sollten erfragt werden. Man versucht ferner, sich ein Bild über die Haltungsbedingungen zu verschaffen, fragt nach dem Auslauf, nach anderen Tieren im Haushalt, dem Verwendungszweck (Jagd-, Diensthund, Hundesport, Begleiter beim Joggen usw.). Des Weiteren ist zu erfragen, ob der Hund seit dem Welpenalter im Besitz ist oder später übernommen wurde. Im letzteren Fall ist eine lückenlose Vorgeschichte nicht zu erheben. Bei unkastrierten Hündinnen fragt man nach den Läufigkeiten, nach Trächtigkeiten und deren evtl. medikamentöser Verhütung.

Man klärt die Impfanamnese möglichst anhand des Impfpasses ab und fragt nach Entwurmungen. Die Frage nach Auslandsaufenthalten, auch länger zurückliegenden, sollte ebenfalls nicht fehlen. Stammt der Hund aus dem Tierheim oder wurde er übernommen, sind Auslandsaufenthalte u. U. nicht ausschließbar.

Die Nahrungs- und Wasseraufnahme muss genau erfragt werden. Die häufige pauschale Aussage „frisst nicht“ sollte präzisiert werden: gar nicht, wählerisch, nur Häppchen? Bei der Fütterung sind die Art des Futters und die Häufigkeit von Interesse. Die Wasseraufnahme sollte nach Möglichkeit quantifiziert werden, im Zweifelsfalle kann der Besitzer gebeten werden, die Wasseraufnahme bis zum nächsten Besuch auszumessen. Auch Angaben über Art und Häufigkeit von Kot- und Urinabsatz sind in der Anamnese zu erheben.

Die weitere Anamneseerhebung wird sich nach den vorliegenden Beschwerden richten und spezifisch auf die einzelnen Organsysteme abgestimmt sein (s. dort). Bei komplizierten Organkrankheiten kann es nützlich sein, sich eines Fragebogens zu bedienen, um Ordnung in den umfangreichen Vorbericht zu bekommen und nichts zu vergessen ▶ [5].

Im Einzelfall kann die Anamneseerhebung verkürzt werden. So entfällt z.B. bei dem Tierarzt bekannten Patienten die Erfragung der Haltungsbedingungen und nicht bei allen Patienten ist eine genaue Fütterungsanamnese bedeutsam. Um Missverständnissen vorzubeugen, empfiehlt es sich, am Ende der Anamneseerhebung die wichtigen Aussagen des Besitzers zu wiederholen und sich zu vergewissern, dass man sie so verstanden hat, wie sie gemeint waren.

1.1.3 Umgang mit dem Hund

Schon während die Anamnese aufgenommen wird, sollte man versuchen, freundschaftlichen Kontakt mit dem Hund aufzunehmen. Man lässt ihn schnuppern, spricht mit beruhigender Stimme zu ihm und erkennt, ob man es mit einem freundlichen Tier, einem eher dominanten, Fremde abweisenden oder einem ängstlichen Individuum zu tun hat. Schwierig sind scheue, zur Panik neigende Hunde und nicht untergeordnete Hunde, die auch ihren Besitzer dominieren. Ist ein schwieriger Hund nicht ganz unzugänglich, kann die Helferin die Zeit der Anamnese nutzen und anfangen, ihn zu streicheln, um ihn so sachte in den Griff zu bekommen. Man sollte ihm nicht gerade in die Augen starren, weil das für Hunde eine den Machtkampf provozierende Geste darstellt. Geschickte Anwendung verhaltenskundlicher Regeln und vertrauenbildendes tierfreundliches Verhalten aller Beteiligten haben nur Vorteile. Ein solches Verhalten beschleunigt und vereinfacht die Untersuchung und Behandlung, es entspricht der tierärztlichen Berufsethik, es vermeidet Risiken für den Hund bei der Anwendung von Zwangsmaßnahmen und es vermindert die Gefahr für das tierärztliche Personal, gebissen zu werden. Es erleichtert darüber hinaus künftige Behandlungen desselben Tieres, es erhält und steigert die Motivation der Mitarbeiter, es befriedigt einen selbst und es schafft Vertrauen zwischen allen Beteiligten. Ohne den Hund durch hastiges Tun zu erschrecken, kann man ihn auch überrumpeln, sodass er auf dem Tisch sitzt, ehe er sichs versieht. Grundsätzlich sind Hunde auf dem Tisch unsicherer als auf dem Boden, was meist vorteilhaft ist, bei zur Panik neigenden Tieren aber Probleme aufwerfen kann.

Beim Umgang mit alten Hunden sollte man auch auf deren besondere Situation achten. Häufig sehen und hören alte Hunde schlecht oder sind sogar blind und/oder taub. Hier sollte eine langsame Kontaktaufnahme erfolgen, um ein Erschrecken des Hundes zu vermeiden. Auch beim Hochheben oder Umlegen sollte daran gedacht werden, dass Beschwerden des Bewegungsapparates häufig beim älteren Hund vorkommen und ruckartige Bewegungen und Festhalten in ungünstigen Positionen vermieden werden sollten. Manchmal sind heftige Abwehrbewegungen kein Ausdruck von Aggressivität oder Unwilligkeit, sondern von Schmerzen.

Einen kleineren bis mittleren Hund setzt man auf den Tisch, indem die eine Hand Kopf und Hals sicher umfasst und die andere den Körper unter dem Bauch, ggf. unter dem Sternum oder den Hinterbeinen, anhebt ( ▶ Abb. 1.1). Es sollte darauf geachtet werden, die Wirbelsäule möglichst gerade zu halten. Größere oder bissige Hunde hebt man besser zu zweit auf den Behandlungstisch. Dabei fixiert eine Hand Kopf und Hals, die andere den Brustkorb und die Vorderbeine. Die zweite Person übernimmt die hintere Hälfte des Hundes.

Abb. 1.1 Hochheben eines Hundes.

Für Hunde, an die man nicht herankommt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um sie doch noch auf den Untersuchungstisch setzen zu können: Man kann den Hund z.B. vom Besitzer oder mit dessen Hilfe (er hält den Kopf) auf den Tisch setzen lassen. Manche Besitzer halten dennoch trotz guten Willens nicht ausreichend sicher, und wenn der Hund seinen Besitzer beißt, kann der Tierarzt u. U. dafür haftbar gemacht werden. Im Zweifelsfall sollte man sich durch Anlegen eines Maulkorbes vor Bissen schützen.

Maulkörbe können meist durch den Besitzer angelegt werden und haben den Vorteil, dass sie dem Hund keine großen Unannehmlichkeiten oder gar Schmerzen bereiten. Maulkörbe existieren in verschiedenen Ausführungen und Größen. Wenn der Besitzer einen eigenen Maulkorb mitbringt und anlegt, sollte der Korb unbedingt auf Größe und sicheren Sitz überprüft werden, da Besitzer dazu neigen, zu große Maulkörbe zu locker anzulegen. Gut geeignet sind Maulkörbe von Diensthunden. Der sichere Sitz des Maulkorbs ist wichtig, da man sich bei der folgenden Untersuchung auf ihn verlässt. In der tierärztlichen Praxis haben sich praxiseigene Nylonmaulkörbe ( ▶ Abb. 1.2) bewährt, die in verschiedenen Größen und Formen existieren, sodass sie z.B. auch bei den meisten brachyzephalen Hunden verwendet werden können. Diese Nylonmaulkörbe sind leicht, reißfest, sicher zu befestigen und in der Maschine waschbar.

Abb. 1.2 Nylonmaulkorb.

In manchen Fällen ist das Anlegen des Maulkorbs wegen zu starker Aggressivität nicht möglich. Dann empfiehlt sich das Zubinden des Fanges mit einer Schlinge. Hierzu wird eine breite, nicht elastische Binde, ein Leinenband o. Ä. verwendet ( ▶ Abb. 1.3, ▶ Abb. 1.4). Das Zubinden muss am gut fixierten Hund (z.B. im Nacken festhalten) sehr rasch und fest erfolgen. Nach dem Überkreuzen der Enden unter dem Unterkiefer wird im Nacken direkt hinter den Ohren eine festsitzende Schleife gebunden. Wenn man an einen Hund überhaupt nicht herankommt, weil er wild um sich beißt, bleibt manchmal nur übrig, die Leine über eine Türklinke, um das Bein eines feststehenden Tisches oder durch einen Haken oder Ring in der Wand zu ziehen.

Abb. 1.3 Anlegen eines Bandes um den Fang. (a) Einfacher Knoten unter dem Unterkiefer, Bänder vertauschen, dicht hinter den Ohren hochführen, festziehen und verknoten. (b) Überwerfen der Bandschlinge. (c) Zwischen den Beinen gehaltener Hund und Anlegen des Bandes.

Abb. 1.4 Korrekt angelegtes Schnauzenband.

Oft ist es bei solchen widerspenstigen oder unerzogenen Patienten ratsam, eine Sedation intramuskulär zur Entspannung der Situation zu geben. Das Risiko, Symptome zu verschleiern oder den Zustand des Tieres durch die Sedation zu verschlechtern, muss gegen die Verletzungsgefahr und den zusätzlichen Stress für Mensch und Hund abgewogen werden.

Geeignet sind Acepromazin (z.B. Vetranquil®) 0,01–0,1 mg/kg KM i. m., Xylazin (z.B. Rompun®) 0,5–1,0 mg/kg KM i. m., Medetomidin (Domitor®) 5–30 µg/kg KM i. m. oder s. c., Levomethadon (Polamivet®) 0,4 mg/kg KM i. m. oder eine Mischung aus Midazolam (Dormicum®) 0,1–0,5 mg/kg KM und Butorphanol (Torbugesic®) 0,1–0,2 mg/kg KM i. m.

Wenn der Hund bekannt ist, kann auch im Vorfeld eine orale Sedation mit Acepromazin (z.B. Sedalin®) 1–3 mg/kg KM p. o. erfolgen. Eine etwas tiefere und länger anhaltende Sedation kann mit einer Kombination aus Acepromazin 0,01 mg/kg KM und Levomethadon 0,25 mg/kg KM i. m. erzielt werden.

Bei jeder Sedation muss bedacht werden, dass sie Atem- und Kreislaufdepressionen verursacht und die körpereigene Temperaturregelung beeinträchtigt. Dies ist v. a. bei verunfallten Patienten oft problematisch. Muss der Hund in eine andere Praxis oder Klinik überwiesen werden, sollten Behandlungen, die eine weitere Abklärung beeinträchtigen, unterlassen werden, sofern sie nicht dringend notwendig sind. Nach Möglichkeit sollte lediglich eine Schmerzbehandlung vorgenommen, das Tier jedoch nicht sediert werden, da einerseits eine neurologische Untersuchung durch den Überweisungstierarzt am sedierten Tier nur stark eingeschränkt möglich ist und andererseits gerade Traumapatienten sehr anfällig für Atem- und Kreislaufprobleme sind.

Auf dem Behandlungstisch sollte der Besitzer, sofern möglich, am Kopf des Hundes bleiben, den Hund halten und beruhigen. Ist dies nicht möglich, so übernimmt eine Hilfsperson diese Position und hält Kontakt mit dem Hund, z.B. durch Umfassen des Halses wie beim Hochheben und festes Kraulen des Kopfes. Der Hund sollte immer möglichst nah am Körper der helfenden Person gehalten werden, da seine Bewegungsfreiheit so geringer ist und somit die Gefahr, dass er beißt, abnimmt. In dieser Haltung können der Nacken des Hundes gut mit der einen Hand, der Fang mit der anderen gehalten werden ( ▶ Abb. 1.5). Bei stark brachyzephalen Rassen darf die Hand im Nacken die Kopfhaut keinesfalls fest nach hinten ziehen, da sonst die Gefahr eines Bulbusvorfalls besteht. Zur Ohrbehandlung ist es besser, wenn der Kopf abgebeugt wird, ggf. kann die Hand hier von oben fassen ( ▶ Abb. 1.6).

Abb. 1.5 Fixation des Kopfes.

Abb. 1.6 Fixation des Hundes zur Ohruntersuchung.

Soll der Hund auf der Seite liegen, hält man ihn wie in ▶ Abb. 1.7 dargestellt. Die Halteperson drückt den Rücken des Hundes gegen sich, indem sie über den Körper hinweg die unten liegenden Gliedmaßen proximal fasst und hält. Das Öffnen des Fanges geschieht am besten (während ein Helfer den Kopf von hinten fixiert), indem man mit Daumen und Zeigefinger der einen Hand den Oberkiefer aboral der Canini umfasst, hierbei die Oberlippe beidseits in die Maulspalte bringt und mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand den Unterkiefer ebenfalls hinter den Canini fasst und die Kiefer auseinanderdrängt. Wenn sich der Hund dies gut gefallen lässt, kann die Hand am Oberkiefer umgreifen und leicht auf den harten Gaumen drücken, um das Maul offen zu halten ( ▶ Abb. 1.8). Das Offenhalten mit Bändern ( ▶ Abb. 1.9) ist eine Alternative, wenn der Hund beißt; dann lässt man ihn auf 2 zwischen den Händen gespannte Bänder beißen, sortiert die Bänder und kann außerhalb seiner Reichweite den Fang öffnen. Meist ist der Hund aber dann ohnehin so unruhig, dass eine Untersuchung schwierig wird.

Abb. 1.7 Fixation des Hundes in Seitenlage.

Abb. 1.8 Offenhalten des Fanges.

Abb. 1.9 Öffnen und Offenhalten des Fanges mit 2 Bändern.

1.1.4 Klinische Allgemeinuntersuchung

Eine systematische Allgemeinuntersuchung sollte man bei jedem Patienten durchführen, auch dann, wenn ein beim Überblick erkanntes Leitsymptom dazu verführen könnte, sich sofort auf das betreffende Organsystem zu konzentrieren. Das Übersehen einer Begleitkrankheit, z.B. einer Herzinsuffizienz bei einem offensichtlichen Trauma, kann für den Patienten fatal ausgehen und wäre ein Fehler, für den der Tierarzt zu haften hätte. Ratsam ist, nach einem festen Schema, wie dem nachfolgend Aufgeführten, zu verfahren, damit nichts vergessen wird.

Im Rahmen dieses Kapitels soll nur auf die allgemeine Untersuchung eingegangen werden. Die speziellen Untersuchungstechniken und die aus den Befunden abzuleitende differenzialdiagnostische Betrachtung werden in Kapitel ▶ Bedeutung von Symptomen und Syndromen und in den Kapiteln der entsprechenden Organsysteme behandelt. Weitere Literatur hierzu siehe auch ▶ [1], ▶ [2], ▶ [3], ▶ [4] und ▶ [5].

1.1.4.1 Allgemeine Adspektion

Während der Anamneseerhebung hat man bereits Zeit, das Tier zu beobachten. Genaues Hinsehen kann eine ganze Reihe wertvoller Informationen liefern über

Exterieur (z.B. Entwicklungs-, Ernährungs- und Pflegezustand),

Verhalten (z.B. rassetypisches Verhalten, Angst, Aggressivität, Schmerz, Unruhe, Juckreiz),

Haltung (z.B. entspannt, aufgekrümmter Rücken, vorgestreckter Kopf),

Gang (z.B. Lähmung, Lahmheit, Ataxie) sowie

Sensorium (z.B. frei, Desorientierung, Somnolenz, Stupor, Koma),

Körperproportionen (z.B. übermäßig dicker Bauch),

Atmung,

Haut und Haarkleid.

Gelegentlich kann schon zu Beginn der Untersuchung ein veränderter Geruch wahrgenommen werden.

1.1.4.2 Allgemeinzustand, Temperatur

Zu Beginn der Untersuchung wird die Körpertemperatur rektal gemessen, damit durch die untersuchungsbedingte Aufregung keine falsch erhöhten Werte entstehen. Bei manchen Hunden reicht leider bereits ein kurzer Aufenthalt im Wartezimmer aus, um die Temperatur ansteigen zu lassen. Wenn ein solcher Verdacht besteht, sollten die Besitzer die Temperaturmessung nach einer Ruhephase des Hundes zu Hause wiederholen.

Die Normaltemperatur liegt bei kleinen Hunden zwischen 38,6 und 39,4 °C, bei großen zwischen 37,5 und 39,2 °C. Bei einer deutlichen Temperaturerhöhung muss zwischen ▶ Fieber und Hyperthermie unterschieden werden, jedoch sind auch Hypothermien bedeutsam ( ▶ Tab. 1.1). Siehe dazu auch ▶ Tab. 6.5.

Tab. 1.1

 Ursachen für zu niedrige Temperatur.

Temperaturerniedrigung

Ursachen

intrinsisch

kreislaufbedingt

Volumenmangel

kardial

vaskulär

narkosebedingt

stoffwechselbedingt

Unterfunktion der großen Parenchyme

endokrin

toxisch

narkosebedingt

zentral

hypothalamische Störung

extrinsisch

Unterkühlung

Fehlmessung

Das allgemeine Befinden sowie der Ernährungs- und Pflegezustand werden beurteilt. Gegebenenfalls kann eine grobe Bestimmung des Alters des Tieres anhand von Entwicklungszustand und Zahnalter erfolgen ( ▶ Tab. 1.2).

Tab. 1.2

 Zahnalter.

Beschreibung

Alter

Milchzähne

Incisivi und Canini erscheinen

3–4 Wochen

Milchgebiss vollständig

ca. 3½ Monate

Zahnwechsel

Erscheinen der Incisivi

ab 4 Monate

Canini gewechselt

6 Monate

Hauptlappen der Incisivi abgenutzt

I1 (Zangen) unten

1½ Jahre

I2 (Mittelzähne) unten, I1 oben

2½ Jahre

I2 oben

3½ Jahre

Hauptlappen nur noch bei I3 (Eckzähnen) oben vorhanden

5½ Jahre

Kaufläche der Incisivi längsoval

unten

7 Jahre

oben

9 Jahre

1.1.4.3 Haut und Haarkleid

Bei der Allgemeinuntersuchung sollten wichtige Veränderungen von Haut und Haarkleid bemerkt und dokumentiert werden. So kann bereits zu Beginn der Untersuchung ein unangenehmer Hautgeruch auffallen (z.B. bei Pyodermie). Beim Fell wird beurteilt, ob es glänzend oder struppig ist. Durch Hochziehen einer Hautfalte prüft man den Hautturgor. Verstreicht die Falte nicht sofort, besteht eine Exsikkose, die Anlass gibt, nach den Ursachen des Flüssigkeitsverlustes oder der verminderten Flüssigkeitsaufnahme zu suchen und diese auch zu behandeln. Direkt auffallend sind weiterhin offensichtlicher Juckreiz, Haarausfall (fleckförmig oder bilateral symmetrische Alopezie), schütteres Haarkleid, Rötungen, Hyperpigmentierungen und übermäßige Schuppenbildung. Die Untersuchung auf Parasiten (Flöhe, Zecken) und auf Umfangsvermehrungen, ggf. der Blick auf die Bauchunterseite sowie die kurze Adspektion der Ohren sollten bei einer Allgemeinuntersuchung ebenfalls nicht fehlen (s. spezielle ▶ dermatologische Untersuchung).

1.1.4.4 Atmung, Puls, Herz, Schleimhäute

Einige Anomalien der Atmung lassen sich bereits bei der Adspektion erkennen. Die normale Frequenz liegt, je nach Größe des Hundes, bei 10–30 Atemzügen/min. Bei erhöhter Atemfrequenz muss das normale Hecheln zur Temperaturregulation oder bei Aufregung von einer pathologischen Tachypnoe unterschieden werden. Auch die Beurteilung des Atemtyps (kostal/abdominal, inspiratorisch/exspiratorisch) ist von wesentlicher Bedeutung. Für die weitere Diagnostik siehe ▶ Erkrankungen des Respirationsapparates.

Die Beurteilung der Schleimhäute ist ein wichtiges und schnelles diagnostisches Hilfsmittel. Sie wird i. d. R. an der Maulschleimhaut durchgeführt. Bei bissigen Hunden (Maulkorb) oder Hunden mit pigmentiertem Maul müssen für die Beurteilung andere Schleimhäute (Vaginalschleimhaut/Präputialschleimhaut, ggf. Konjunktiven oder Analschleimhaut) zur Beurteilung herangezogen werden. Zunächst wird die Schleimhautfarbe beurteilt und dabei auch die kapilläre Rückfüllzeit geprüft: Normalisiert sich der anämische Fleck, der durch Fingerdruck auf die unpigmentierte Schleimhaut der Oberlippe entsteht, nicht in weniger als 2 s, so liegt eine mangelhafte kapilläre Durchblutung vor. Bei einer Anämie ist die kapilläre Rückfüllzeit unverändert. ▶ Tab. 1.3 gibt einen Überblick über häufige Schleimhautveränderungen und deren Beurteilung.

Für die erste Beurteilung des Kreislaufs fühlt man den Puls an der A. femoralis in der Gefäßrinne des Oberschenkels. Dies kann problemlos während der Temperaturmessung erfolgen. Die Pulsfrequenz liegt bei großen erwachsenen Hunden bei 70–100/min, bei mittleren Tieren bei 80–130/min und bei Zwergrassen bei 90–140/min. Bei Junghunden und bei Aufregung kann die Pulsfrequenz auch höher sein. Der Puls wird weiterhin auf Amplitude, Dauer der Pulswelle, Gefäßspannung und Rhythmus untersucht. Eine atemsynchrone Unregelmäßigkeit (respiratorische Sinusarrhythmie) ist beim Hund physiologisch und häufig bei unaufgeregten Hunden zu beobachten. Der Puls sollte immer auch während der gleichzeitigen Auskultation des Herzens gefühlt werden. So können Pulsdefizite erkannt werden.

Vor der Auskultation ermittelt man durch ▶ Palpation der Thoraxwand den Herzspitzenstoß und ein eventuelles Brustwandschwirren. Mit dem glockenförmigen (Trichter-)Aufsatz des Phonendoskops hört man leise, tiefe Töne besser; der Membranaufsatz ist für höhere Frequenzen, wie sie vorwiegend beim Hund zu hören sind, geeigneter. Man achtet auf Lautstärke, Frequenz, Anzahl sowie Rhythmus der Herztöne und beachtet bei Geräuschen deren Lautstärke, zeitliches Auftreten (Systole, Diastole), Qualität und Lokalisation.

Nach der Auskultation des Herzens folgt die ▶ Auskultation der Lunge. Man hört beidseits die Atemgeräusche ab und stellt deren Qualität und womöglich örtliches Fehlen fest. Wenn die Auskultation durch Hecheln gestört wird, kann man es durch kurzzeitiges Schließen des Fanges unterbrechen.

Die Perkussion der Lunge erfolgt beim Hund als Finger-Finger-Perkussion. Sie dient der Erkennung eines Liquidothorax (ventrale Schalldämpfung am stehenden Hund) oder eines Pneumothorax (vermehrt tympanischer Schall in den dorsalen Lungenbereichen). Auch große, einseitig vorliegende Gewebeverdichtungen können durch die vergleichende Perkussion der beiden Lungenhälften erfasst werden. Siehe auch ▶ Schmerzausschaltung, Sedation, Narkose.

Bei der Adspektion der Maulhöhle zur Beurteilung der Schleimhäute wird nebenbei auf den Zustand des Gebisses, evtl. auf Umfangsvermehrungen und andere Maulhöhlenveränderungen, wie z.B. Gingivitis, Ulzerationen, Blutungen, geachtet.

1.1.4.5 Lymphknoten

Die Untersuchung der palpierbaren Lymphknoten sollte in keiner klinischen Allgemeinuntersuchung fehlen. Die regelmäßig beim Hund palpierbaren Lymphknoten sind die Lymphonodi (Lnn.) mandibulares (nicht zu verwechseln mit den Speicheldrüsen, die kaudal der Lymphknoten liegen), die Lnn. cervicales superficiales und die Lnn. poplitei. Die Lnn. axillares sind nicht immer angelegt, jedoch bei Vorhandensein i.d.R. fühlbar. Kniefaltenlymphknoten existieren beim Hund im Gegensatz zum Großtier nicht. Bei den Lymphknoten ist es von großer Bedeutung, ob sie generalisiert (systemisches Problem) oder lokal (Problem im Einzugsgebiet des Lymphknotens) vergrößert sind.

1.1.4.6 Abdomen