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Alle Facetten der Geriatrie. Alterstypische Beschwerden richtig einschätzen, Krankheiten korrekt diagnostizieren und ganzheitlich behandeln - das ist der Kern dieses Buches. Von Anamnese und Assessment bis zur Behandlung ist es vor allem bei Multimorbidität wichtig, alle Facetten der Geriatrie mit Fokus auf Polypharmazie und alltagsrelevante Aspekte zu kennen. In der zweiten, umfassend überarbeiteten Auflage von „Praktische Geriatrie“ kommt mit dem Kapitel „Infektiologie und Hygiene“ ein wichtiges Thema hinzu. In einem gut lesbaren und ansprechend bebilderten Format bietet sich „Praktische Geriatrie“ als kompakter Wegbegleiter in Ausbildung und Praxis an. Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.
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Seitenzahl: 1307
Veröffentlichungsjahr: 2016
Praktische Geriatrie
Klinik – Diagnostik – Interdisziplinäre Therapie
Martin Willkomm
Ralf Anding, Gerhard Heinrichs, Jürgen Hinrich Heins, Claudia Hindel, Werner Hofmann, Alexander Katalinic, Ruth Kirschner-Hermanns, Gerald Kolb, Daniel Kopf, Faina Kornblum, Sonja Krupp, Juliane Brunk, Christian Kurth, Niels Körting, Andreas H. Leischker, Kristina Lohse, Andreas Paech, Mathias Pfisterer, Dirk Poppe, Ron Pritzkuleit, Alexander Rösler, Jan Rupp, Heinrich Burkhardt, Morten Schütt, Jürgen Steinhoff, Stefanie Tatsis, Bettina Tiemer, Andreas Christoph Unger, Annika Waldmann, Martin Wehling, Joachim Weil, Peter Wellhöner, Andreas Wiedemann, Helmut Bühre, Peter Zabel, Sven Eisold, Klaus Fellermann, Sebastian Fetscher, Dorothea Fischer
2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
200 Abbildungen
In einer Zeit schnelllebigen Wissens und der unmittelbaren Verfügbarkeit elektronisch abrufbarer Wissensinhalte ist das Verfassen eines Lehrbuches eine große und zunehmend schwierige Herausforderung.
Für ein Lehrbuch der Geriatrie kommt noch eine weitere Aufgabe hinzu: Es kann und will in keiner Weise die vorhandenen Lehrbücher dieses Faches in der Medizin ersetzen und setzt vor allem ein gutes Maß an Grundwissen auf diesem Gebiet voraus. Gerade aber für ein noch vergleichsweise junges Fach wie die Geriatrie, für das die Deutsche Gesellschaft für lnnere Medizin nun auch die Schwerpunktbezeichnung anstrebt, ist die Aufgabe, ein verbindliches und informatives Kompendium zu erstellen, immens wichtig. Da auf lnhalte der anderen Schwerpunkte der lnneren Medizin rekurriert wird, ist der Leser auch mit seinen Kenntnissen gefordert; so gilt es doch, Altbekanntes und Neuerworbenes zu einem eigenen Konzept zusammenzuführen und zu verdichten. Diese Herausforderungen zu meistern ist dem Herausgeber des Buches, Herrn Dr. Martin Willkomm aus Lübeck, und seinen Kapitelautoren auf herausragende Weise gelungen.
Ausgehend von der Idee, dass gerade für Schwerpunktfächer der lnneren Medizin der Brückenschlag zwischen verstreuten Wissensfragmenten geschlagen werden muss, ist hier ein Buch entstanden, das im besten Sinne des Wortes ein praktischer und einsetzbarer Handlungsleitfaden ist. Denn mit diesem Werk steht nun (endlich) ein Handbuch mit dem für das Fach typischen breiten Fächerkanon zur Verfügung und damit ein Buch, das dem geriatrisch lnteressierten und dem in der geriatrischen Fort- oder Weiterbildung befindlichen Kollegen fachspezifisches Denken und Handeln nahe bringt.
Hierzu hat wesentlich das Konzept des Buches beigetragen, nämlich die Wahl von Autoren aus einer geriatrischen Abteilung und einem anderen Fach, sei es beispielsweise lnnere Medizin, Neurologie, Psychiatrie oder eine chirurgische Disziplin. Dieses vorliegende Buch stellt damit nun eine in hohem Maße gelungene Verbindung von evidenzbasierter Medizin und ihrer praktischen Durchführung dar. lch bin überzeugt, dass es in hervorragender Weise dazu beitragen wird, die Versorgung geriatrischer Patienten weiter zu verbessern und auch junge Mediziner für dieses Fach zu begeistern.
lch wünsche diesem Buch den verdienten Erfolg und eine weite Verbreitung in der Ärzteschaft.
Lübeck, im Februar 2013
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hendrik Lehnert
Drei Jahre nach Erscheinen des Buches folgt nun bereits mit der zweiten Auflage die erste umfassende Überarbeitung und Aktualisierung. Darüber hinaus ist mit dem Kapitel „Infektiologie und Hygiene“ ein wichtiges Fach hinzugekommen. Die übrigen Kapitel wurden schonend überarbeitet, dem aktuellen Wissensstand angepasst und zugleich in ihrer Gestaltung und Bildauswahl noch einmal deutlich verbessert. Einen wesentlichen Fortschritt für die Lesbarkeit des Buches stellt das veränderte Format dar. Mit der neuen Schriftgröße konnte ein Kritikpunkt zur ersten Auflage entschärft werden. Das Werk ist damit zwar etwas größer geworden, jedoch nach wie vor in einem gut lesbaren Format geblieben. So steht dem Leser nun mit dem Buch „Praktische Geriatrie“ erneut ein kompakter Wegbegleiter für dieses so breit angelegte Fachgebiet zur Verfügung.
Besonders freut mich, dass auch im Studentenunterricht an etlichen Universitäten und akademischen Lehrkrankenhäusern sowie in der Ausbildung junger Mediziner an vielen Kliniken das Werk Eingang gefunden hat und auf so manchem Ausbildungsweg ein zuverlässiger Wegbegleiter geworden ist. Umso wichtiger ist die weitere Aktualisierung und strikte Fehlerminimierung. Hier möchte ich den vielen Kolleginnen und Kollegen danken, welche mir für die Überarbeitung der ersten Auflage Tipps und Ratschläge gegeben haben. Ich möchte alle Leser bei dieser Gelegenheit ermuntern, auch für die 2. Auflage ein kritisches Auge zu behalten.
Ich danke dem Verlag, seinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie dem großen, in der zweiten Auflage noch einmal leicht gewachsenen Autorenteam für die intensive Mitarbeit. Mein größter Dank gilt jedoch meiner Familie, welche mir große Geduld während der Erstellung der zweiten Auflage entgegengebracht hat, um mit Sorgfalt das Buch bearbeiten zu können.
Ihnen als Leser und Nutzer des Werkes „Praktische Geriatrie“ wünsche ich weiterhin viel Freude an diesem Buch und darüber hinaus eine anregende Lektüre. Für alle zukünftigen Leser hoffe ich, dass es ein zuverlässiger Begleiter im spannenden Fach „Geriatrie“ werden wird.
Anregungen und Kritik nehme ich gerne entgegen, am einfachsten erreichen Sie mich unter [email protected].
Lübeck, im Herbst 2016
Martin Willkomm
Geleitwort zur 1. Auflage
Vorwort zur 2. Auflage
Teil I Allgemeine Geriatrie
1 Geriatrisches Assessment
1.1 Editorial
1.2 Grundlagen
1.2.1 Der Begriff der Frailty
1.2.2 Dokumentation des Gefundenen: Die ICF
1.3 Einteilung des geriatrischen Assessments nach Stufen
1.3.1 1. Stufe des geriatrischen Assessments nach AGAST: Identifikation des geriatrischen Patienten durch multidimensionales Screening
1.3.2 2. Stufe des geriatrischen Assessments nach AGAST: Basisassessment
1.3.3 3. Stufe des geriatrischen Assessments nach AGAST: Spezifisches Assessment
1.4 Physisches Assessment
1.4.1 Anamnese
1.4.2 Körperliche Untersuchung
1.4.3 Assessment der Ernährungssituation
1.4.4 Assessment der Schmerzbelastung
1.5 Assessment der Motorik
1.5.1 Mobilität
1.5.2 Funktionsprüfung der oberen Extremitäten
1.6 Assessment der sozialen Situation
1.7 Assessment der Selbsthilfefähigkeit/Pflegebedürftigkeit
1.7.1 Barthel-Index
1.7.2 Frühreha-Barthel-Index
1.7.3 Erweiterter Barthel-Index
1.7.4 Functional Independence Measure (FIM)
1.7.5 Instrumental Activities of daily Living (IADL)
1.7.6 Erlanger Test zur Erfassung von ADL-Kompetenzen bei Menschen mit leichter Demenz oder MCI (ETAM)
1.8 Assessment der Kognition
1.8.1 Consortium to Establish a Registry for Alzheimer’s Disease (CERAD)
1.8.2 Mini Mental State Examination (MMSE) und seine Varianten
1.8.3 Severe Mini Mental State Examination
1.8.4 Six-Item Screener (SIS)
1.8.5 Brief Alzheimer Screen (BAS)
1.8.6 DemTect
1.8.7 Test zur Früherkennung einer Demenz mit Depressionsabgrenzung (TFDD)
1.8.8 Uhrentests
1.8.9 Mini-Cog und Drei-Wörter-Uhrentest
1.8.10 Montreal Cognitive Assessment (MoCA)
1.8.11 Nürnberger-Alters-Inventar
1.8.12 Global Deterioration Skala nach Reisberg
1.8.13 Nurses’ Observation Scale for geriatric Patients (NOSGER)
1.8.14 Timed Test of Money Counting
1.8.15 Assessment der Verkehrssicherheit
1.9 Assessment der emotionalen Lage
1.9.1 Geriatrische Depressions-Skala (GDS)
1.9.2 Beck-Depressions-Inventar (BDI)
1.9.3 Depression-im-Alter-Skala (DIA-S)
1.9.4 WHO-5
1.9.5 Prime MD Patient Health Questionnaire/Gesundheitsfragebogen für Patienten
1.9.6 Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS)
1.9.7 Hamilton Rating Scale for Depression (HRSD)/Hamilton Depression Rating Scale (HAMD)
1.9.8 Philadelphia Geriatric Center Morale Scale (PGCMS)
1.10 Assessment der Lebensqualität
1.11 Zusammenfassung
1.12 Literatur
2 Interdisziplinäre Behandlung im geriatrischen Team
2.1 Editorial
2.2 Mitglieder des geriatrischen Teams
2.2.1 Ärzte
2.2.2 Pflege
2.2.3 Physiotherapie
2.2.4 Physikalische Therapie
2.2.5 Ergotherapie
2.2.6 Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
2.2.7 (Neuro-)Psychologie
2.2.8 Sozialdienst
2.2.9 Ernährungsberatung
2.2.10 Ergänzende Therapieformen
2.2.11 Seelsorge
2.2.12 Besuchsdienst
2.2.13 An- und Zugehörige
2.2.14 Der Patient
2.2.15 Gemeinsamkeiten der Mitglieder des geriatrischen Teams
2.3 Grundlagen des geriatrischen Behandlungsprozesses
2.3.1 Theoretische Grundlagen
2.3.2 Patientenvisite
2.3.3 Dokumentationsmedien
2.4 Teambesprechungen
2.4.1 Funktion der Teambesprechungen
2.4.2 Zeitliche Verteilung der Teambesprechungen
2.4.3 Erarbeiten von Therapiezielen
2.4.4 Durchführung und Moderation der Teambesprechungen
2.4.5 Dokumentation interdisziplinärer Teambesprechungen
2.5 Interdisziplinäre geriatrische Behandlung in Fallbeispielen
2.5.1 Erläuterung
2.6 Literatur
3 Ambulant-stationäre Vernetzung
3.1 Editorial
3.2 Geriatrische Versorgungsbausteine
3.2.1 Vollstationäre geriatrische Versorgung
3.2.2 Geriatrische Tagesklinik
3.2.3 Ambulante Geriatrie
3.3 Vernetzungspartner
3.3.1 Vernetzung innerhalb der Geriatrie
3.3.2 Vernetzung geriatrischer mit anderen Kliniken
3.3.3 Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten
3.3.4 Vernetzung mit ambulant tätigen Therapeuten
3.3.5 Vernetzung mit ambulanter und stationärer Pflege
3.3.6 Entlassungsmanagement als Teil der Vernetzung
3.4 Rechtliche Grundlagen
3.4.1 Patientenverfügung, Vollmacht, Betreuung
3.4.2 Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
3.4.3 Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen im SGB IX
3.4.4 Gesetzliche Pflegeversicherung
3.5 Literatur
4 Pharmakotherapie – Grundlagen der Arzneimitteltherapie bei älteren Patienten
4.1 Editorial
4.2 Epidemiologische Aspekte
4.3 Pharmakologisch relevante Altersveränderungen
4.4 Adherence bei älteren Patienten
4.5 Risiko-Nutzen-Analyse bei älteren Patienten
4.6 Spezielle geriatrische Risiken in Zusammenhang mit Pharmakotherapie
4.7 Polypharmazie
4.7.1 Kategorisierung von Pharmaka
4.7.2 Kategorisierung besonders vulnerabler Patienten
4.8 Literatur
5 Schmerztherapie und Palliativmedizin
5.1 Editorial
5.2 Schmerztherapie
5.2.1 Schmerz und Schmerzempfindung
5.2.2 Häufige Schmerzursachen bei Älteren
5.2.3 Diagnostik
5.2.4 Schmerzerfassung bei fortgeschrittener Demenz
5.2.5 Medikamentöse Schmerztherapie
5.2.6 Nicht medikamentöse Schmerztherapie
5.2.7 Besonderheiten des Schmerzmanagements im Alter
5.2.8 Der „schwierige“ Patient
5.3 Palliativmedizin
5.3.1 Geriatrische Palliativmedizin – warum?
5.3.2 Unterschiedliche Verläufe am Lebensende
5.3.3 Linderung belastender Symptome
5.3.4 Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
5.3.5 Ethische Fallbesprechung
5.4 Literatur
6 Forschung und Lehre
6.1 Editorial
6.2 Forschung
6.2.1 Forschungsschwerpunkte in Deutschland
6.2.2 Forschungsmethoden in der Geriatrie
6.3 Lehre
6.3.1 Studium
6.3.2 Weiterbildung
6.4 Literatur
7 Demografische Entwicklung
7.1 Editorial
7.2 Grundlagen der Demografie
7.2.1 Die natürliche Bevölkerungsbewegung
7.2.2 Die räumliche Bevölkerungsbewegung
7.2.3 Bevölkerungsstruktur
7.3 Die demografische Entwicklung in Deutschland
7.3.1 Entwicklung ausgewählter geriatrischer Krankheitsbilder
7.4 Literatur
8 Patienten mit Migrationshintergrund
8.1 Editorial
8.2 Grundlagen
8.3 Psychische Vorbelastungen
8.4 Familiäre Situation
8.5 Kommunikation
8.6 Kultur- und Religionskompetenz
8.7 Arzt-Patienten-Beziehung
8.8 Umgang mit Schmerzen
8.9 Rechtliche Verfügungen, Sterben und Tod
8.10 Medizinische und pflegerische Hilfsangebote
8.10.1 Ambulante und stationäre Pflegeleistungen
8.10.2 Medizinische Rehabilitation
8.10.3 Ambulante medikamentöse Therapie
8.11 Infektionskrankheiten
8.12 Impfungen
8.13 Kardiovaskuläre und sonstige Erkrankungen
8.14 Zahnhygiene
8.15 Zusammenfassung
8.16 Literatur
Teil II Spezielle Geriatrie
9 Herz und Kreislauf
9.1 Editorial
9.2 Leitsymptome
9.2.1 Thoraxschmerz
9.2.2 Dyspnoe
9.2.3 Synkope
9.2.4 Palpitationen
9.3 Koronare Herzkrankheit (KHK)
9.3.1 Akutes Koronarsyndrom (ACS)
9.4 Herzinsuffizienz
9.5 Kardiomyopathien (CMP)
9.5.1 Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
9.5.2 Dilatative Kardiomyopathie (DCM)
9.5.3 Andere Formen der CMP
9.6 Erworbene Herzklappenfehler
9.6.1 Aortenklappenstenose (AS)
9.6.2 Aortenklappeninsuffizienz (AI)
9.6.3 Mitralklappenstenose (MS)
9.6.4 Mitralklappeninsuffizienz (MI)
9.6.5 Sonstige erworbene Herzklappenfehler
9.7 Entzündliche Herzerkrankungen
9.7.1 Endokarditis
9.7.2 Rheumatisches Fieber
9.7.3 Myokarditis
9.8 Herzrhythmusstörungen (HRS)
9.8.1 Tachykarde Rhythmusstörungen
9.8.2 Bradykarde Rhythmusstörungen
9.9 Perikarderkrankungen
9.10 Cor pulmonale und pulmonalarterieller Hypertonus (PAH)
9.11 Herztumoren
9.12 Arterieller Hypertonus
9.12.1 Hypertensiver Notfall
9.13 Angiologie
9.13.1 Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
9.13.2 Tiefe Beinvenenthrombose (TVT)
9.13.3 Aortenaneurysma und -dissektion
9.14 Literatur
10 Atmungsorgane
10.1 Editorial
10.2 Anatomie und Physiologie
10.2.1 Untersuchung der Atmungsorgane
10.2.2 Lungenfunktionsdiagnostik
10.2.3 Leitsymptome
10.3 Akute Bronchitis
10.4 Chronic obstructive pulmonary Disease (COPD) – einschließlich chronischer Bronchitis und Emphysem
10.5 Schlafapnoesyndrom (SAS)
10.6 Pneumonie
10.6.1 Ambulant erworbene Pneumonie (Community acquired Pneumonia, CAP)
10.6.2 Nosokomiale Pneumonie
10.6.3 Pilzpneumonien und seltene/sonstige Pneumonien
10.7 Tuberkulose (Tb)
10.8 Nicht infektiöse (interstitielle) Lungenparenchymerkrankungen
10.9 Lungenarterienembolie (LAE)
10.9.1 Pulmonalarterielle Hypertonie (PAH)
10.9.2 Cor pulmonale
10.10 Bronchialkarzinom (BC)
10.11 Pleuraerkrankungen
10.11.1 Pneumothorax
10.11.2 Pleuratumoren
10.11.3 Pleuritis und Pleuraerguss
10.12 Literatur
11 Gastroenterologie
11.1 Editorial
11.2 Leitsymptome
11.2.1 Dysphagie
11.2.2 Hämatemesis
11.2.3 Diarrhö
11.2.4 Obstipation
11.2.5 Bauchschmerzen, akutes Abdomen
11.2.6 Übelkeit und Erbrechen
11.2.7 Ikterus
11.3 Ösophagus
11.3.1 Grundlagen
11.3.2 Refluxkrankheit (GERD)
11.3.3 Ösophagusvarizen
11.3.4 Hernien
11.3.5 Funktionelle Ösophaguskrankheiten
11.3.6 Soor-Infektion
11.3.7 Eosinophile Ösophagitis
11.3.8 Plattenepithelkarzinom/Adenokarzinom des Ösophagus
11.4 Magen und Duodenum
11.4.1 Grundlagen
11.4.2 Gastritis
11.5 Dünndarm
11.5.1 Grundlagen
11.5.2 Malassimilation
11.6 Dickdarm
11.6.1 Grundlagen
11.6.2 Divertikulose und Divertikelkrankheit
11.6.3 Hämorrhoiden
11.6.4 Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)
11.6.5 Kolitis
11.6.6 Kolonpolypen
11.6.7 Kolorektales Karzinom
11.6.8 Analkarzinom
11.7 Pankreas
11.7.1 Grundlagen
11.7.2 Akute Pankreatitis
11.7.3 Chronische Pankreatitis
11.7.4 Pankreaskarzinom
11.8 Leber
11.8.1 Grundlagen
11.8.2 Alkoholische und nicht alkoholische Fettlebererkrankung (AFLD/NAFLD)
11.8.3 Virushepatitis
11.8.4 Leberzirrhose
11.8.5 Gutartige fokale und diffuse Leberveränderungen
11.8.6 Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
11.8.7 Metastasenleber
11.9 Gallenblase und Gallenwege
11.9.1 Grundlagen
11.9.2 Cholelithiasis
11.9.3 Cholangiozelluläres Karzinom
11.10 Literatur
12 Endokrinologie, Ernährung und Stoffwechsel
12.1 Editorial
12.2 Allgemeine Endokrinologie
12.2.1 Regelkreisläufe und Hormonachsen im Körper
12.2.2 Hormonelle Veränderungen im Alter
12.2.3 Hypogonadismus
12.3 Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen
12.3.1 Hypophysenadenome
12.3.2 Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
12.3.3 Nebennierenrinden-Insuffizienz
12.3.4 Nebenwirkungen einer Glukokortikoidtherapie
12.4 Knochenstoffwechselerkrankungen
12.4.1 Endokrine Regulation des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels
12.4.2 Sekundäre Osteoporose
12.4.3 Osteomalazie
12.4.4 Morbus Paget (Osteodystrophia deformans)
12.4.5 Hyperparathyreoidismus
12.4.6 Renale Osteodystrophie
12.4.7 Hypokalzämie
12.4.8 Hypoparathyreoidismus
12.5 Schilddrüsenerkrankungen
12.5.1 Reguläre Funktion und Funktionsstörungen
12.5.2 Morphologische Veränderungen
12.5.3 Funktionelle Autonomie
12.5.4 Maligne Schilddrüsentumoren
12.5.5 Autoimmunthyreopathien
12.5.6 Andere Thyreoiditiden
12.6 Diabetes mellitus
12.6.1 Epidemiologie, Klassifikation und Diagnostik
12.6.2 Diabetesassoziierte Komplikationen
12.6.3 Diabetes mellitus Typ 1
12.6.4 Diabetes mellitus Typ 2
12.6.5 Therapieziele
12.6.6 Therapieoptionen
12.7 Hyperurikämie und Gicht
12.8 Ernährung, Ernährungsstatus und Unter-/Mangelernährung
12.8.1 Ernährung
12.8.2 Ernährungstatus
12.8.3 Unter- und Mangelernährung
12.9 Literatur
13 Nephrologie, Wasser- und Elektrolythaushalt
13.1 Editorial
13.2 Diagnostik von Nierenerkrankungen
13.2.1 Urin-Streifentest
13.2.2 Kreatinin und Kreatinin-Clearance
13.2.3 B-Bild-Sonografie
13.2.4 Arterieller Hypertonus
13.3 Harnwegsinfektionen
13.3.1 Untere Harnwegsinfektionen
13.3.2 Obere Harnwegsinfektionen
13.4 Ausgewählte nephrologische Krankheitsbilder
13.4.1 Glomeruläre Erkrankungen
13.4.2 Interstitielle Nierenerkrankungen
13.4.3 Chronische Nierenerkrankung (CKD)
13.4.4 Akutes Nierenversagen (ANV), Acute Kidney Injury (AKI)
13.5 Komplikationen chronischer Nierenerkrankungen (CKD)
13.5.1 Metabolische Azidose
13.5.2 Renale Anämie
13.5.3 Renale Osteopathie
13.6 Der Dialysepatient in der Geriatrie
13.7 Natrium- und Wasserhaushalt
13.7.1 Hyponatriämie (Na+ im Serum < 135 mmol/l)
13.7.2 Hypernatriämie (> 150 mmol/l)
13.8 Kaliumhaushalt
13.8.1 Hypokaliämie (> 3,5 mmol/l)
13.8.2 Hyperkaliämie (> 5,5 mmol/l)
13.9 Literatur
14 Hämatologie und Onkologie
14.1 Editorial
14.2 Onkologische Grundlagen
14.2.1 Exogene karzinogene Noxen
14.2.2 Angiogenese
14.2.3 Entscheidungskriterien einer onkologischen Therapie des alten Patienten
14.2.4 Knochenmarkfunktion und Hämatotoxizität der Therapie
14.3 Anämien
14.3.1 Eisenmangelanämie
14.3.2 Megaloblastäre Anämie bei Vitamin-B12-Mangel
14.3.3 Megaloblastäre Anämie bei Folsäuremangel
14.3.4 Anämie bei chronischen Erkrankungen (Anemia of chronic Disease, ACD)
14.3.5 Renale Anämie
14.3.6 Hämolytische Anämien
14.3.7 Aplastische Anämie
14.4 Agranulozytose
14.5 Myelodysplastische Syndrome (MDS)
14.6 Neoplastische Erkrankungen der Plasmazellen
14.6.1 Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS)
14.6.2 Multiples Myelom (D: auch Plasmozytom)
14.6.3 Leichtkettenamyloidose (AL-Amyloidose)
14.7 Chronisch myeloproliferative Neoplasien (CMPN)
14.7.1 Chronisch myeloische Leukämie (CML)
14.7.2 Polycythaemia vera (PV)
14.7.3 Primäre Myelofibrose (PMF)
14.8 Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)
14.9 Hämorrhagische Diathesen
14.9.1 Hämophilie A und B
14.9.2 Von-Willebrand-Syndrom
14.9.3 Thrombozytopenien
14.9.4 Vitamin-C-Mangel
14.10 Thromboembolische Erkrankungen
14.10.1 Tiefe Venenthrombose (TVT)
14.10.2 Lungenembolie (LAE)
14.10.3 Thromboseprophylaxe
14.11 Literatur
15 Rheumatologie und Immunologie
15.1 Editorial
15.2 Grundlagen
15.3 Rheumatoide Arthritis (RA) und Differenzialdiagnosen
15.4 Spondyloarthritiden
15.4.1 Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew)
15.5 Vaskulitiden
15.5.1 Riesenzellarteriitis
15.5.2 Polymyalgia rheumatica
15.5.3 ANCA-assoziierte Vaskulitiden der kleinen Gefäße: Granulomatose mit Polyangiitis (Wegener’sche Granulomatose und mikroskopische Polyangiitis
15.6 Kollagenosen
15.6.1 Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
15.6.2 Sjögren-Syndrom
15.6.3 Polymyositis und Dermatomyositis
15.7 Osteoporose
15.7.1 Schmerztherapie
15.8 Literatur
16 Unfallchirurgie und Orthopädie
16.1 Editorial
16.2 Grundlagen
16.2.1 Geriatrische Patienten in der chirurgischen Akutaufnahme
16.2.2 Geriatrische Weiterversorgung unfallchirurgischer und orthopädischer Patienten
16.3 Schultergürtel und obere Extremität
16.3.1 Klavikulafrakturen
16.3.2 Skapulafrakturen
16.3.3 Schulter und proximaler Humerus
16.3.4 Humerusschaft, distaler Humerus und Ellbogengelenk
16.3.5 Unterarm, Handgelenk und Hand
16.4 Wirbelsäule
16.5 Beckengürtel und untere Extremität
16.5.1 Becken und Acetabulum
16.5.2 Hüftgelenk und proximales Femur
16.5.3 Femurschaft, distales Femur und Knie
16.5.4 Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß
16.6 Literatur
17 Viszeral- und Gefäßchirurgie
17.1 Viszeralchirurgie
17.1.1 Editorial
17.1.2 Ösophagus
17.1.3 Magen und Duodenum
17.1.4 Dünndarm
17.1.5 Appendix, Kolon und Rektum
17.1.6 Anus und Proktologie
17.1.7 Leber, Gallenblase und Gallenwege, Pankreas
17.1.8 Endokrine Organe
17.1.9 Hernien
17.1.10 Viszeralchirurgisches Notfallmanagement
17.2 Gefäßchirurgie
17.2.1 Editorial
17.2.2 Akute Arterienverschlüsse
17.2.3 Varikosis
17.3 Literatur
18 Wundmanagement
18.1 Editorial
18.2 Grundlagen
18.3 Therapeutische Optionen
18.3.1 Allgemeine Grundsätze
18.3.2 Therapie der Grunderkrankung
18.3.3 Interdisziplinärer Ansatz
18.3.4 Wunddébridement – Wundbettpräparation
18.3.5 Behandlung von Wundinfektionen
18.3.6 Wundantisepsis
18.3.7 Phasengerechte Wundversorgung
18.4 Durchführung von Verbandwechseln (VW) unter Berücksichtigung hygienischer Aspekte
18.4.1 Mikrobiologische Diagnostik, multiresistente Erreger
18.5 Wundversorgungsprodukte
18.5.1 Wundauflagen
18.5.2 Unzeitgemäße Lokaltherapeutika
18.5.3 Vakuumtherapie
18.5.4 Biochirurgische Wundreinigung (Madentherapie)
18.6 Unterstützende Maßnahmen
18.6.1 Hautpflege
18.6.2 Ernährung
18.6.3 Schmerztherapie
18.6.4 Hilfsmittel/Mobilität
18.7 Strukturen in der Wundversorgung
18.7.1 Rechtliche Grundlagen und Wunddokumentation
18.7.2 Wirtschaftlichkeit und Überleitung
18.8 Ausgewählte Krankheitsbilder
18.8.1 Dekubitus (Druckgeschwür)
18.8.2 Ulcus cruris venosum
18.8.3 Arterielle Ulzera und Gangrän
18.8.4 Mal perforans, diabetisches Fußsyndrom (DFS)
18.9 Literatur
19 Infektionskrankheiten und Hygiene
19.1 Editorial
19.2 Infektionskrankheiten
19.2.1 Diagnostik von Infektionen
19.2.2 Infektionen wichtiger Organsysteme
19.2.3 Nosokomiale Infektionen
19.2.4 Antimikrobielle Therapie
19.2.5 Infektiöse Diarrhöen durch Bakterien und Viren
19.2.6 Clostridium difficile
19.2.7 Multiresistente Erreger (3MRGN, 4MRGN, MRSA, VRE und andere)
19.2.8 Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
19.2.9 Harnwegsinfekte
19.2.10 Candidainfektionen
19.3 Hygiene
19.3.1 Verantwortlichkeiten
19.3.2 Rechtsgrundlagen
19.3.3 Konsequenzen für den Arbeitsalltag aus dem Infektionsschutzrecht
19.3.4 Hygiene beim Umgang mit Patienten
19.3.5 Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen
19.3.6 Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen
19.3.7 Vorgehen bei Nadelstichverletzungen
19.4 Literatur
20 Neurologie und Psychiatrie
20.1 Editorial
20.2 Demenz
20.2.1 Definition, Grundlagen
20.2.2 Epidemiologie
20.2.3 Alzheimer-Demenz (AD)
20.3 Delir
20.4 Depression
20.5 Schlaganfall (Hirninfarkt und intrazerebrale Blutung)
20.6 Morbus Parkinson und andere Parkinson-Syndrome
20.7 Epilepsie im Alter
20.8 Literatur
21 Gynäkologie
21.1 Editorial
21.2 Grundlagen
21.3 Endokrinologie in der Postmenopause und im Senium
21.4 Senkungszustände des inneren Genitales
21.5 Vulva
21.5.1 Prämaligne Erkrankungen und Vulvakarzinom
21.6 Zervix uteri
21.6.1 Intraepitheliale Veränderungen und Zervixkarzinom
21.7 Corpus uteri
21.7.1 Endometriumkarzinom
21.8 Adnexe
21.8.1 Ovarialkarzinom
21.9 Mammakarzinom
21.10 Weiterführende Online-Ressourcen
22 Urologie
22.1 Editorial
22.2 Harninkontinenz
22.3 Urolithiasis
22.4 Prostataerkrankungen
22.4.1 Benignes Prostatasyndrom (BPS)
22.5 Prostatakarzinom (PCa)
22.6 Harnblasenkarzinom
22.7 Nierenzellkarzinom
22.8 Literatur
23 Dermatologie
23.1 Editorial
23.2 Trockene Haut und Juckreiz (Pruritus)
23.3 Hyperpigmentation
23.4 Dyshidrotisches Ekzem
23.5 Seborrhoische Keratose
23.6 Allergien
23.6.1 Urtikaria
23.6.2 Quincke-Ödem
23.7 Fototoxische und fotoallergische Reaktion
23.8 Verbrennungen
23.9 Infektionen
23.9.1 Eitrige Entzündungen (Follikulitis, Furunkel, Karbunkel)
23.9.2 Erysipel („Wundrose“)
23.9.3 Phlegmone
23.9.4 Borreliose
23.9.5 Infektionen durch Pilze
23.10 Herpes zoster (Gürtelrose)
23.11 Parasitäre Hauterkrankungen
23.12 Psoriasis (Schuppenflechte)
23.13 Erythema nodosum
23.14 Autoimmunerkrankungen mit Hautbeteiligung
23.14.1 Autoimmundermatosen
23.14.2 Kollagenosen
23.15 Maligne Tumoren
23.15.1 Basalzellkarzinom (Basaliom)
23.15.2 Plattenepithelkarzinom der Haut
23.15.3 Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs)
23.15.4 Merkelzellkarzinom (auch: neuroendokrines Karzinom)
23.16 Literatur
24 Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Zahnheilkunde
24.1 Editorial
24.2 Ohr
24.2.1 Schwerhörigkeit
24.2.2 Otogener Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
24.3 Nase und Nasennebenhöhlen
24.3.1 Epistaxis (Nasenbluten)
24.4 Speicheldrüsen
24.4.1 Mundtrockenheit (Xerostomie)
24.4.2 Entzündungen der Speicheldrüsen (Sialadenitis)
24.5 Mundhöhle und Pharynx
24.5.1 Habituelle Aphthen
24.5.2 Leukoplakien
24.5.3 Mundsoor
24.5.4 Pharyngitis
24.5.5 Angina tonsillaris
24.5.6 Obstruktives Schlafapnoesyndrom
24.6 Zähne und Zahnhalteapparat
24.6.1 Parodontitis
24.6.2 Kiefernekrose
24.6.3 Zahnprothesen
24.7 Fazialisparese
24.8 Schluckstörung (Dysphagie)
24.8.1 Schluckendoskopie
24.8.2 Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG)
24.9 Tracheostoma (Luftröhrenschnitt)
24.10 Larynx (Kehlkopf)
24.11 Maligne Tumoren
24.11.1 Mundhöhle
24.11.2 Pharynxkarzinom
24.11.3 Larynxkarzinom
24.12 Literatur
25 Augenheilkunde
25.1 Editorial
25.2 Leitsymptom Sehverschlechterung
25.2.1 Presbyopie (Altersweitsichtigkeit)
25.2.2 Katarakt (Grauer Star)
25.2.3 Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)
25.2.4 Amaurosis fugax und Morbus Horton
25.2.5 Netzhautablösung (Amotio retinae), Netzhautblutungen
25.3 Leitsymptom Gesichtsfelddefekt (Skotom)
25.3.1 Akute Gesichtsfelddefekte
25.3.2 Glaukom (Grüner Star)
25.4 Leitsymptome rotes Auge und Schmerz
25.4.1 Trockenes Auge (Keratoconjunctivitis sicca)
25.4.2 Konjunktivitis
25.4.3 Hordeolum (Gerstenkorn)
25.4.4 Fremdkörper
25.4.5 Verätzungen
25.4.6 Erosio corneae
25.4.7 Ektropium
25.4.8 Entropium (Roll-Lid)
25.4.9 Glaukomanfall (akutes Winkelblockglaukom)
25.4.10 Hyposphagma
25.4.11 Dacryocystitis acuta
25.5 Leitsymptom Motilitätsstörung
25.5.1 Doppelbilder
25.5.2 Strabismus (Schielen)
25.5.3 Veränderungen der Pupillomotorik
25.6 Exophthalmus
25.6.1 Endokrine Orbitopathie (EO, Morbus Basedow)
25.6.2 Orbitaphlegmone
25.6.3 Tumoren
25.7 Ophthalmologische Komplikationen systemischer Erkrankungen
25.7.1 Diabetes mellitus
25.7.2 Rheumatische Erkrankungen
25.7.3 Zoster ophthalmicus
25.8 Nebenwirkungen systemischer Medikamente auf das Auge
25.9 Systemische Nebenwirkungen lokaler Augenmedikamente
25.10 Verletzungen des Auges
25.11 Fahrtüchtigkeit
25.12 Sehhilfen
25.12.1 Tablet Computer und E-Books
25.13 Literatur
Teil III Anhang
26 Laborwerte Normalbereiche
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Geriatrisches Assessment
2 Interdisziplinäre Behandlung im geriatrischen Team
3 Ambulant-stationäre Vernetzung
4 Pharmakotherapie – Grundlagen der Arzneimitteltherapie bei älteren Patienten
5 Schmerztherapie und Palliativmedizin
6 Forschung und Lehre
7 Demografische Entwicklung
8 Patienten mit Migrationshintergrund
S. Krupp
„Einschätzung“, „Beurteilung“, „Analyse“, „Bewertung“, „Begutachtung“, „Abschätzung“, „Feststellung“, „Einstufung“, „Leistungsmessung“ – das sind einige der Synonyme für den Begriff des Assessments, der aus dem sprachlichen Repertoire keines Geriaters wegzudenken ist. Gemeint ist die umfassende Wahrnehmung der einem älteren Menschen zur Verwirklichung seiner Lebensziele zur Verfügung stehenden Ressourcen und der Faktoren, welche die von ihm angestrebte Lebensführung gefährden oder bereits alterieren. Dieser diagnostische Prozess ist ohne die Expertise nicht ärztlicher Disziplinen unmöglich zu leisten. Er endet erst mit dem Therapieende – bis dahin wird die geriatrische Behandlung von einem kontinuierlichen Re-Assessment begleitet. Die im Rahmen des Assessments gesammelten Informationen werden dokumentiert und zur Grundlage eines Behandlungsplanes, der stets rehabilitative und (sekundär-/tertiär-)präventive Elemente enthält.
Die Arbeitsgruppe Geriatrisches Assessment (AGAST) hat mit der Veröffentlichung empfohlener Testinstrumente im Jahre 1995 ▶ [37] die Grundlage für das noch heute bundesweit akzeptierte Repertoire geschaffen. Allerdings sollte diese herausragende Leistung die beabsichtigte Wirkung nicht ins Gegenteil verkehren: Wie überall in der Medizin bedeutet auch auf dem Gebiet des Assessments Stillstand Rückgang. Daher wurde 2012 eine Arbeitsgruppe Assessment gegründet (http://www.dggeriatrie.de), in der Mitglieder der verschiedenen deutschsprachigen geriatrischen Fachgesellschaften interdisziplinär zusammenarbeiten.
Bei der Interpretation des Ergebnisses eines im Rahmen des Assessments eingesetzten Testverfahrens ist Vorsicht geboten, da sich durch Funktionsstörungen abseits der Zielgrößen leicht die Gültigkeit der Testergebnisse vermindern kann (z. B. wird eine kognitive Störung eher zu Punktverlust bei einem Performance-Test zur Motorik führen, je komplizierter der Versuchsaufbau ist).
Häufig wird bei Testverfahren ein Summenscore gebildet. Die Analyse der Bewertung der Einzelitems liefert für das Assessment jedoch weit mehr wertvolle Informationen als es diese komprimierte Darstellung vermag und sollte zusätzlich erfolgen.
Der erste Schritt eines geriatrischen Assessments besteht darin zu klären, ob es sich bei einem Mitmenschen höheren kalendarischen Alters überhaupt um einen geriatrischen Patienten handelt. Nicht alle 80-Jährigen sind geriatrische Patienten, aber schon 60-Jährige können es sein. Organe „altern“ unterschiedlich schnell, worauf wir durch unsere Lebensführung einen erheblichen Einfluss nehmen. So kann sich bei einem 70-Jährigen unter einer durch exzessive Sonneneinstrahlung beim Bergsteigen vorgealterten, von aktinischen Keratosen übersäten Haut eine Muskulatur abzeichnen, die man manchem 20-Jährigen wünschen würde, allerdings auch arthrotische Deformitäten. Selbst mit fünf nach ICD (International Classification of Diseases) kodierten Diagnosen hätten wir, wenn all diese die Lebensführung nicht beeinträchtigten, hier keinen geriatrischen Patienten vor uns. Dennoch kann sich dies mit einem einzigen Schlag(-anfall) ändern.
Definition des geriatrischen Patienten
Der Patient ist in der Regel mindestens 65 Jahre alt und weist eine geriatrietypische Multimorbidität auf, d. h. mindestens zwei der in ▶ Tab. 1.1 genannten Merkmalkomplexe sind in einer Ausprägung vorhanden, durch die die selbstständige Ausübung der bisherigen Alltagsaktivitäten beeinträchtigt ist. Ab einem Alter von 80 Jahren ist ein Patient in der Regel geriatrisch, da von erhöhter Vulnerabilität und Chronifizierungsgefahr ausgegangen werden muss.
Tab. 1.1
Geriatrische Merkmalkomplexe.
Merkmalkomplex
Beispiele für assoziierte Diagnosen
ICD 2016
Mobilitätsstörung
Inaktivitätsatrophie der Muskulatur, mehrere Lokalis.
M62.50
ataktischer Gang
R26.0
Sturzneigung/Schwindel
unspezifische Sturzneigung
R29.6
unspezifischer Schwindel und Taumel
R42
kognitive Defizite
Alzheimer-Demenz (Beginn ab 65. LJ)
G30.1+F00.1*
schwere kog. Funktionseinschränkung, MMSE 0–16 P.
U51.22
Inkontinenz
Dranginkontinenz
N39.42
organische Stuhlinkontinenz
R15
Dekubitus/Wunden
Dekubitus 3. Grades linke Ferse
L89.27 L
periphere AVK vom Becken-Bein-Typ mit Ulzera bds.
I70.24 B
Fehl-/Mangelernährung
Adipositas durch Überernährung mit BMI 35–< 40
E66.01
Kachexie (BMI< 18,5)
R64
Störung Flüssigkeits-/Elektrolythaushalt
Dehydratation
E86
Hyponatriämie
E87.1
Depression/Angst-/ Verhaltensstörung
rezidivierende depressive Störung, zurzeit mittelgradig
F33.1
starke Vernachlässigung der Körperpflege
R46.0
Schmerzen
Persönlichkeitsänderung bei chron. Schmerzsyndrom
F62.80
Post-Zoster-Neuralgie
B02.2+G53.0
Sensibilitätsstörung
Hemihypästhesie
R20.1
Critical-Illness-Polyneuropathie
G62.80
Frailty/herabgesetzte Belastbarkeit
Frailty
R54
chronisches Müdigkeitssyndrom
G93.3
Seh-/Hörstörung
Schwere Sehbeeinträchtigung (Stufe 2) beidseits
H54.1
beidseitige Schallempfindungs-Schwerhörigkeit
H90.3
Stimm-/Sprech-/Sprachstörung
Dysphasie und Aphasie
R47.0
Dysarthrie und Anarthrie
R47.1
Medikationsprobleme
unerwünschte Arzneimittelwirkung bei korrekter Dosis
Y57.9!
akzidentelle Überdosierung eines Arzneimittels
X49.9!
hohes Komplikationsrisiko
Rekonvaleszenz nach chirurgischem Eingriff
Z54.0!
Versorgung eines Gastrostomas
Z43.1
ICD: International Classification of Diseases
Die Definition erfolgt in enger Anlehnung an die vom Bundesverband Geriatrie (damals BAG), der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) 2004 veröffentlichten Kriterien ▶ [1] unter Berücksichtigung der Landesrahmenvereinbarung zur geriatrischen Versorgung in Schleswig-Holstein von 2010 ▶ [55]. Diese führt die Stimm-/Sprech-/Sprachstörung als eigenständigen geriatrietypischen Merkmalkomplex auf, was angesichts deren weitreichender Auswirkungen auf die Lebensqualität ein wichtiger Schritt ist.
Auf die oberen Extremitäten bezogene Diagnosen und Funktionsstörungen sind in der offiziellen Zusammenstellung der den geriatrischen Patienten charakterisierenden Merkmalkomplexe nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl sie ebenfalls oft die Selbsthilfefähigkeiten einschränken. Oberarmfrakturen und komplizierte Unterarmfrakturen mit Fixateur externe werden z. B. derzeit nur indirekt über die dadurch verursachten Schmerzen, erhöhte Sturzgefahr und hohes Komplikationsrisiko erfasst, eine schwer gestörte Handfunktion bei Morbus Parkinson oder rheumatischer Erkrankung bildet sich nicht in den Merkmalkomplexen ab. Hier besteht Nachbesserungsbedarf.
Der Begriff der Merkmalkomplexe ist weitgehend synonym mit dem der geriatrischen Syndrome und bezeichnet typische Symptomkonstellationen unabhängig von ihren Ursachen. Einem geriatrischen Syndrom liegen meist mehrere Erkrankungen zugrunde. Umgekehrt kann eine Krankheit im Sinne der ICD sich in mehreren Syndromen manifestieren, die wiederum miteinander in Beziehung stehen und hinsichtlich der Auswirkung auf die Selbstständigkeit des Patienten potenzieren ( ▶ Abb. 1.1).
Geriatrische Merkmalkomplexe.
Abb. 1.1 Im Netz der Syndrome.
Das eindrucksvollste Beispiel für die Verursachung einer Vielzahl von Merkmalkomplexen durch eine gemeinsame Ursache ist der Schlaganfall. Auch andere Erkrankungen wie ein Diabetes mellitus können multiple klinische Folgen nach sich ziehen. Mobilitätsstörung, Sturzneigung, kognitives Defizit, Inkontinenz, Wunden, Mangelernährung, gestörter Wasser- und Elektrolythaushalt, Depression, Schmerz sowie Sensibilitäts- und Sehstörung sind dann mittelbare oder unmittelbare Folgen der Grunderkrankung Diabetes mellitus.
Die wahrscheinlich am häufigsten therapierelevanten Syndrome sind die Mobilitätsstörung und Sturzneigung als typische Beispiele für einen Merkmalkomplex, dem fast stets eine Verkettung mehrerer Ursachen zugrunde liegt, die alle zur Verminderung der Gangsicherheit beitragen.
Gerade der „geriatrischste aller Merkmalkomplexe“, die Frailty, ist bis heute nicht verbindlich definiert und stellt eher eine Kombination aus Syndromen dar. Mit dem deutschen Begriff der Gebrechlichkeit assoziiert man spontan am ehesten einen alten Menschen in fragiler Homöostase, bei dem mehrere Organe nur noch über minimale Funktionsreserven verfügen, sodass Mehrbelastungen nicht kompensiert werden können. Dies gilt besonders häufig für die muskuläre Leistungsfähigkeit, die durch Sarkopenie und verminderte neuromuskuläre Koordination so eingeschränkt sein kann, dass eine Gangunsicherheit mit all ihren Folgen resultiert. Die „Failure to Thrive“ („Gedeihstörung“, entlehnt aus der Pädiatrie) kann als eine Sonderform der Frailty mit besonders rapidem Verlauf angesehen werden. Im erweiterten Sinne trägt auch ein soziales Netz, dessen Maschen durch Wegfall von Bezugspersonen immer weiter werden, zur Frailty bei.
Neben die Definition nach Fried et al. ▶ Tab. 1.2, bei der insbesondere die Bestimmung des Aktivitätsniveaus anspruchsvoll ist (erarbeitet unter Auswertung von Daten der Cardiovascular Health Study, daher auch CHS-Index) ▶ [28], ist der Study of Osteoporotic Fractures (SOF) Frailty Index ▶ [24] getreten. Angesichts des gehäuften Auftretens kognitiver Defizite bei Frailty-Patienten ist das Vertrauen auf anamnestische Angaben nicht immer gerechtfertigt (und der Gewichtsverlauf der letzten beiden Jahre selten dokumentiert und auffindbar). Ein messbarer, zuverlässigerer Faktor ist die reduzierte Muskelkraft, zu der ein chronisch niedriges Aktivitätsniveau führt und die sich in der Reduktion der Gehgeschwindigkeit ▶ [13], Leistung im Stuhl-Aufstehtest und Handkraft manifestiert.
Tab. 1.2
Risiko-Assessment auf Frailty nach Fried und gemäß SOF Frailty Index
▶ [28]
,
▶ [24]
.
Definition nach Fried et al. (CHS-Index)
Definition gemäß SOF Frailty Index
Empfinden von Energielosigkeit, Erschöpfung
Empfinden von Energielosigkeit, Erschöpfung
ungewollter Gewichtsverlust > 5 kg im letztem Jahr
Gewichtsverlust > 5 % in 2 Jahren
muskuläre Schwäche (Handkraftmessung)
Unfähigkeit, 5 × hintereinander ohne Armeinsatz von einem Stuhl aufzustehen
langsame Gehgeschwindigkeit
niedriger physischer Aktivitätslevel
3 Kriterien erfüllt: Frailty
2 Kriterien erfüllt: Frailty
1–2 Kriterien erfüllt: Prefrailty
1 Kriterium erfüllt: Prefrailty
CHS: Cardiovascular Health Study; SOF: Study of Osteoporotic Fractures
Smets et al. veröffentlichten 2014 eine Studie ▶ [90], in der sie vier andere Instrumente zur Erfassung von Frailty einsetzten (abbreviated CGA, Vulnerable Elders Survey-13, Groningen Frailty Indicator, Geriatric 8), von denen keines die prädefinierten Gütekriterien erfüllte, sodass ein das klinische Urteil substanziell ergänzender Informationsgewinn fraglich blieb. Die Edmonton Frail Scale (EFS)▶ [80] berücksichtigt 10 Bereiche, wobei die Kognition über einen Uhrentest, die Mobilität über den Timed Up and Go erfasst wird; Gewichtsabnahme wird über das Loserwerden der Kleidung grob abgeschätzt. Die wertvollen Informationen auf der Ebene eines einfachen multidimensionalen „comprehensive geriatric assessment“ (CGA) können direkt für die Ursachendetektion und Intervention genutzt werden – es wäre schade, lediglich über den Score einen Verdacht auf Frailty zu untermauern. Mit einer Zeitangabe von unter fünf Minuten für die Erhebung liegt der Autor abseits der geriatrischen Erfahrungswelt. Eine App für die elektronische Dokumentation ist verfügbar.
Über den LUCAS Funktions-Index konnten im Rahmen der Longitudinale Urbane Cohorten-Alters-Studie zwei grundsätzliche Wege in die Frailty identifiziert werden: Die „post-robusten“ Patienten verfügen noch über mindestens 3 Schutz- oder Fit-Marker (treiben z. B. regelmäßig Sport), aber bereits auch über mindestens 3 Risiko- oder Frail-Faktoren (z. B. Sturzneigung). Hiervon abgegrenzt wird jene Pre-Frailty mit höchstens 2 Fit- und 2 Frail-Markern, die im Vergleich der beiden Zwischenstadien eine noch schlechtere Prognose hinsichtlich ihrer Selbstständigkeit aufweist ▶ [15].
Mit der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) ▶ [17] liegt ein Katalog vor, der eine ausgesprochen differenzierte Dokumentation fast aller im Rahmen des Assessments festgestellten Befunde hinsichtlich Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten und Partizipation (siehe Box „ ▶ Die neun Domänen der Aktivitäten und Partizipation in der ICF“) sowie Umweltfaktoren ermöglicht. Trotz seines Umfangs reichen die Kodierungsmöglichkeiten jedoch nicht aus, um auf freie Formulierungen zu verzichten. Ohne eine international anerkannte und unmittelbar anwendbare Formulierung der Schweregradeinteilung wird das Ziel des Mammutwerkes nicht voll erreicht.
Die neun Domänen der Aktivitäten und Partizipation in der ICF
ICF: Domänen der Aktivitäten und Partizipation
Lernen und Wissensanwendung
Allgemeine Aufgaben und Anforderungen
Kommunikation
Mobilität
Selbstversorgung
Häusliches Leben
Interpersonelle Interaktionen und Beziehungen
Bedeutende Lebensbereiche
Gemeinschafts-, soziales und staatsbürgerliches Leben
Das geriatrische Assessment kann sowohl im Sinne der Stufendiagnostik als auch thematisch eingeteilt werden ( ▶ Abb. 1.2). An dieser Stelle soll eine Definition der Einteilung nach Stufen erfolgen und einige multidimensionale Screening-Instrumente vorgestellt werden, während die einzelnen Bereichen zuzuordnenden Assessment-Instrumente in den nächsten Unterkapiteln dargestellt werden.
Geriatrisches Assessment – Einteilung.
Abb. 1.2 Einteilung des geriatrischen Assessments nach Stufen.
Ein Screening – wörtlich „Durchsieben“ – besteht definitionsgemäß in der Untersuchung einer größeren Anzahl von Personen mit der Absicht, diejenigen zu finden, die ein bestimmtes Merkmal aufweisen. Die AGAST schätzte, dass sich bei 20 bis 40 Prozent der älteren Patienten, die „neu im Krankenhaus aufgenommen werden“, mittels multidimensionalen Screenings ein Bedarf an weiterem Assessment (→ Stufe 2) zeigen ließe ▶ [37] und empfahl das geriatrische Screening nach Lachs ▶ [54] ( ▶ Tab. 1.3).
Tab. 1.3
Geriatrisches Screening nach Lachs
▶ [54]
.
Problem
Untersuchung
pathologisches Resultat
X
1. Sehen
(bei Bedarf mit Brille)
Fingerzahl in 2 m Entfernung erkennen
Nahvisus oder Lesen einer Überschrift
Frage: „Hat sich Ihre Sehfähigkeit in letzter Zeit verschlechtert?“
kein korrektes Erkennen/Lesen möglich oder Frage bejaht
□
2. Hören
Untersucher flüstert nach Ausatmung aus ca. 0,5 m Entfernung in das angegebene Ohr, während das andere zugehalten wird: links: „6 – 1 – 9“, rechts:„2 – 7 – 3“
mehr als eine Zahl falsch erkannt
□
3. Arme
beide Hände hinter den Kopf legen lassen
Kugelschreiber von Tisch oder Bettdecke aufnehmen
mindestens eine Aufgabe nicht gelöst
□
4. Beine
aufstehen
einige Schritte gehen
sich wieder hinsetzen
keine der Aufgaben kann selbstständig ausgeführt werden
□
5. Harnkontinenz
Frage: „Konnten Sie in letzter Zeit den Urin versehentlich nicht halten?“
Frage bejaht
□
6. Stuhlkontinenz
Frage: „Konnten Sie in letzter Zeit den Stuhl versehentlich nicht halten?“
Frage bejaht
□
7. Ernährung
Untersucher schätzt das Körpergewicht des Patienten
nicht normalgewichtig
□
8a. Kognition
Untersucher nennt folgende drei Begriffe mit der Bitte, sie zu wiederholen und sich zu merken: Apfel – Pfennig – Tisch
□
9. Aktivität
Frage: „Können Sie sich selbst anziehen?“
Frage: „Können Sie mindestens eine Treppe steigen?“
Frage: „Können Sie selbst einkaufen gehen?“
mindestens eine Frage verneint
□
10. Depression
Frage: „Fühlen Sie sich oft traurig oder niedergeschlagen?“
Frage bejaht oder klin. depressiver Eindruck
□
8b. Kognition
Frage: „An welche der drei Begriffe (8a) können Sie sich noch erinnern?“
mindestens einen Begriff vergessen
□
11. Soziale Unterstützung
Frage: „Haben Sie Personen, auf die Sie sich verlassen und die Ihnen zu Hause regelmäßig helfen können?“
Frage verneint
□
12.–15. Allgemeine Risikofaktoren
Frage: „Wann waren Sie zum letzten Mal im Krankenhaus?“
vor weniger als drei Monaten
□
Frage: „Sind Sie in den letzen drei Monaten gestürzt?“
Frage bejaht
□
Frage: „Nehmen Sie regelmäßig mehr als fünf verschiedene Medikamente?“
Frage bejaht
□
Frage: „Leiden Sie häufig unter Schmerzen?“
Frage bejaht
□
Das geriatrische Screening nach Lachs streift fast alle relevanten typisch geriatrischen Themenbereiche (es fehlt der Schlaf), ist jedoch im klinischen Rahmen verzichtbar: Die Fragen sind in ähnlicher Form Bestandteil jeder guten Aufnahmeuntersuchung, „Oder“-Verknüpfungen führen zu Informationsverlust, die Definitionen sind teilweise nicht genau genug. So würde eine Einschränkung der Mobilität erst im Spätstadium auffällig, ebenso entgeht die Mangelernährung so lange, bis es zu Untergewicht gekommen ist.
Ein noch einfacheres Screening-Instrument, konzipiert für die Hausarztpraxis und für einen groben Ersteindruck geeignet, ist die SPICE Scale▶ [41] ( ▶ Tab. 1.4).
Tab. 1.4
SPICE Scale
▶ [41]
.
Zieldimension
Frage
Senses
Haben Sie Probleme mit dem Hören oder Sehen?
Physical Activity
Fühlen Sie sich unsicher beim Gehen oder sind in den letzten Monaten gestürzt?
Incontinence
Verlieren Sie ungewollt Urin (oder Stuhl)?
Cognition
Haben Sie Probleme mit dem Gedächtnis?
Emotion
Fühlen Sie sich einsam oder haben den Eindruck, dass Ihr Leben wertlos wäre?
Mit dem Screening gemäß der Identification of Seniors at Risk (ISAR) ▶ [64] bzw. seiner revidierten Fassung ▶ [100] wurde ein Instrument entwickelt, das bereits in der Notfallaufnahme von Krankenhäusern zum Erkennen geriatrischen Behandlungsbedarfs bei allen Patienten ab 75 Jahren genutzt werden soll, wo die generelle Einbindung eines Geriaters nicht möglich ist. Der ISAR fragt folgende Faktoren ab ( ▶ [100], Einzelfragen entnommen aus der deutschen Version ▶ [97]):
Hilfebedarf („Waren Sie vor der Erkrankung oder Verletzung, die Sie in die Klinik geführt hat, auf regelmäßige Hilfe angewiesen?“)
Akute Veränderung des Hilfebedarfs („Benötigten Sie in den letzten 24 Stunden mehr Hilfe als zuvor?“)
Hospitalisation („Waren Sie innerhalb der letzten sechs Monate für einen oder mehrere Tage im Krankenhaus?“)
Sensorische Einschränkung („Haben Sie unter normalen Umständen erhebliche Probleme mit dem Sehen, die nicht mit einer Brille korrigiert werden können?“)
Kognitive Störung („Haben Sie ernsthafte Probleme mit dem Gedächtnis?“)
Multimorbidität („Nehmen Sie pro Tag sechs oder mehr verschiedene Medikamente ein?“)
Jede mit „Ja“ beantwortete Frage wird mit einem Punkt gewertet. Werden 2 oder mehr Punkte erreicht, liegt geriatrischer Handlungsbedarf vor. Wird der ISAR zum Instrument, das entscheidet, ob der Geriater kommen soll, plädieren einige Anwender dafür, den Grenzwert um einen Punkt zu erhöhen oder die Multimedikation gesondert zu betrachten, da sie bei multimorbiden Patienten oft unvermeidlich sei und eher von hoher Adhärenz zeuge.
„Standardisiertes geriatrisches Assessment zu Beginn der Behandlung in mindestens 4 Bereichen (Mobilität, Selbsthilfefähigkeit, Kognition, Emotion) und am Ende der geriatrischen frührehabilitativen Behandlung in mindestens 2 Bereichen (Selbständigkeit, Mobilität). Lässt der Zustand des Patienten die Erhebung einzelner Assessmentbestandteile nicht zu, ist dies zu dokumentieren. Wenn der Zustand des Patienten es erlaubt, ist die Erhebung nachzuholen“
„Soziales Assessment zum bisherigen Status in mindestens 5 Bereichen (soziales Umfeld, Wohnumfeld, häusliche/außerhäusliche Aktivitäten, Pflege-/Hilfsmittelbedarf, rechtliche Verfügungen). Lässt der Zustand des Patienten die Erhebung einzelner Assessmentbestandteile nicht zu, ist dies zu dokumentieren. Sofern möglich sind die fehlenden Bestandteile fremdanamnestisch zu erheben bzw. ist die Erhebung nachzuholen, wenn der Zustand des Patienten es erlaubt“
Grundvoraussetzung bei der Indikationsstellung für das hausärztlich-geriatrische Basisassessment nach GOP 03360 ist bei Patienten unter 70 Jahren das Vorliegen einer Demenz oder primären, mindestens mittelschweren Parkinson-Erkrankung, bei Älteren reicht der Verdacht auf geriatrietypische Multimorbidität aus und muss mit entsprechenden ICD-Diagnosen unterfüttert werden. Die Beurteilung der Selbsthilfefähigkeit und Mobilität ist ebenfalls obligat, die Abrechnung neben einem Assessment bei Demenz-Verdacht (GOP 03242) ausgeschlossen. Der geriatrische Betreuungskomplex darf nur abgerechnet werden, wenn ein geriatrisches Basisassessment aus einem der letzten vier Quartale vorliegt. Gerade der fakultative Leistungsinhalt (z. B. Wohnraumberatung) ist zeitaufwendig, sodass unklar bleibt, warum diesem nicht eine nur bei entsprechender Notwendigkeit berechenbare eigene Gebührenziffer zugeordnet wurde.
Die richtige Auswahl, exakte Durchführung und korrekte Interpretation von Assessment-Instrumenten erfordert eine gewisse Übung, sodass Ärzte, die sich zur Durchführung entscheiden, die von ihnen benutzten Verfahren regelmäßig anwenden und ihre Erfahrungen mit anderen geriatrisch Tätigen austauschen sollten. Nur die praktische Durchführung standardisierter Tests ist delegierbar. Seinen Sinn erfüllt das Assessment, wenn die Ergebnisse dann zur Einleitung hierzu passender Maßnahmen führen.
Zu den hauptsächlich der Erfassung des Versorgungsbedarfs älterer Menschen dienenden multidimensionalen Instrumenten zählen unter vielen das Standardised Assessment of elderly People in primary Care in Europe (STEP)▶ [45], ▶ [103] mit 32 Themen im Patientenfragebogen, dem sich eine Befunderhebung durch den Hausarzt und sein Fachpersonal anschließt. Das im Auftrag der WHO entwickelte EASY-Care▶ [86] wird mittlerweile in mindestens 19 Staaten eingesetzt. Beide Instrumente liegen in deutscher Übersetzung vor und sind in erster Linie für in häuslicher Umgebung lebende Menschen konzipiert. Das pflegegesetzadaptierte geriatrische Basisassessment (PGBA) ▶ [38] bedient sich einer zum SGB XI kongruenten Nomenklatur und dokumentiert sowohl funktionelle Aspekte als auch die relevante Krankheitsgeschichte und Kontextfaktoren.
Auch zwischen Basis- und spezifischem Assessment sind die Grenzen fließend, die Zuordnung durch den Untersucher orientiert sich nicht zuletzt an dessen beruflichem Werdegang. Für einen Facharzt für Psychiatrie mit Zusatz-Weiterbildung Geriatrie fallen sicherlich einige Testverfahren in den Bereich des Basisassessments, die ein Internist dem spezifischen Assessment zurechnen würde. Der Begriff umschreibt all jene Instrumente, die nur dann zum Einsatz kommen, wenn sich im Rahmen des Basisassessments bereits der Verdacht auf eine weiter abklärungsbedürftige Störung ergeben hat.
Das spezifische Assessment wird nur zum kleineren Teil vom Geriater selbst durchgeführt oder überhaupt beherrscht. Er ist dafür auf die enge Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern des multiprofessionellen therapeutischen Teams angewiesen. So liegen die in der folgenden Box „ ▶ Elemente des spezifischen logopädischen Assessments“ genannten Instrumente in logopädischer, die in der Box „ ▶ Elemente des neuropsychologishen Assessments“ genannten in neuropsychologischer oder psychiatrischer Hand. Dennoch sollte der Geriater gut über die Assessment- und Behandlungsmöglichkeiten der Nachbardisziplinen informiert sein. Dies hilft ihm, die für ein bestimmtes Problem zuständigen Kollegen zum richtigen Zeitpunkt hinzuzuziehen, sie mit den von ihnen benötigten Vorinformationen zu versorgen und die Indikationsstellung zu weitergehender Diagnostik treffsicher zu formulieren. Niedergelassene ärztliche Kollegen haben darüber hinaus die anspruchsvolle Aufgabe zu leisten, jene möglichen Empfänger von Überweisungen und Heilmittelverordnungen zu identifizieren, die über das größte geriatrische Know-how verfügen.
Elemente des spezifischen logopädischen Assessments
Aachener Aphasie-Bedside-Test (AABT)
Aphasie-Check-Liste (ACL)
Aphasie-Schnell-Test (AST)
Aachener Aphasie Test (AAT)
Frenchay Dysarthrie-Untersuchung
Untersuchungsbogen neurogener Sprech- und Stimmstörungen (UNS)
Elemente des neuropsychologischen Assessments
CERAD (Consortium to establish a Registry for Alzheimer Disease)
VLMT (Verbaler Lern- und Merkfähigkeitstest)
VVM (Visueller und Verbaler Merkfähigkeitstest)
ausgewählte Subtests des NAI (Nürnberger Altersinventar)
ausgewählte Subtests der WMS-R (Wechsler Memory Scale)
ausgewählte Subtests des WIE (Wechsler Intelligenztest für Erwachsene)
TMT (Trail Making Test)
ausgewählte Subtests des LPS 50+ (Leistungsprüfsystem 50+)
Benton-Test
TAP (Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung)
Neglect-Test
VOSP (Testbatterie zur Visuellen und Objektwahrnehmung)
PANDA (Parkinson neuropsychometric Dementia Assessment)
Auch in der Geriatrie beginnt die umfassende, systematische Erfassung aller für die Therapie eines Patienten zu berücksichtigenden Faktoren nicht mit dem Einsatz von Testverfahren, sondern mit einer „normalen“ Anamnese und körperlichen Untersuchung, daher sollen auch diese unter Berücksichtigung einiger Besonderheiten kurz genannt werden. Labor- und technische Untersuchungen sind ebenfalls Teil des physischen Assessments, dienen sie doch letztlich alle dazu, Wege zu finden, die Ressourcen zu stärken, die ein Patient zur Erreichung seiner Ziele einbringen kann, und Risiken für eine Verschlechterung seiner Lebensqualität zu vermindern.
Die Anamnese stellt die Basis des Assessments dar und leitet zur körperlichen Untersuchung über. Auch wenn bereits ausführliche ärztliche Berichte vorliegen, kann die Schilderung des zeitlichen Ablaufs in der Krankengeschichte unersetzlich sein, um auf den richtigen Verdacht bezüglich der kausalen Genese der aktuellen Beschwerdenkonstellation zu kommen. Die persönliche Wertung des Patienten hilft, Pathologien hinsichtlich des Handlungsbedarfs zu priorisieren.
Ein gutes Zeitmanagement ist erforderlich, um die in der Regel umfangreiche Vorgeschichte des Patienten zu erfassen. Erinnerungen an traumatische Ereignisse im Leben des Patienten können dem Gespräch plötzlich eine ungeahnte Richtung und Tiefe geben und psychosomatische Zusammenhänge demaskieren.
Die gefühlte Zuwendung entspricht dem „Produkt aus Dauer und Intensität des Kontaktes“, anders ausgedrückt: Ein Gespräch mit einem Arzt, der sich sichtbar in Eile befindet, lässt den Patienten die für ihn investierte Zeit unterschätzen. Bei nur geringer tatsächlicher Zeitersparnis bleibt er mit dem Eindruck zurück, „abgewimmelt“ worden zu sein. Ein intensives, empathisches Zuhören beim Erstkontakt dagegen legt einerseits eine stabile Basis für ein Vertrauen sowohl in den Arzt (bzw. andere Mitglieder des Teams) als auch in die von ihm angebotenen Therapien und bewirkt andererseits eine Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung des Patienten, der sich völlig zu Recht als wichtigen Akteur erlebt. Beides beeinflusst so von Beginn an die Adhärenz und letztlich den Heilungsverlauf.
Häufig beeinträchtigt eine Presbyakusis die Qualität der Kommunikation, bei fortgeschrittener Schwerhörigkeit ist eine Anamnese manchmal kaum möglich. Eine frühe Versorgung mit Hörgeräten erleichtert die Anpassungsphase, eine bereits bestehende demenzielle Entwicklung erschwert sie. Der Arzt sollte seinem Patienten die Wichtigkeit guter Kompensation von Hypakusis zur Reduktion der Risiken für Demenz, Depression und Unfälle vor Augen führen – ihn aber auch darauf vorbereiten, dass es einer mehr oder weniger anstrengenden Trainings- und Nachjustier-Phase bedarf, bis man mit seiner Hörhilfe „warm wird“. Für die Überbrückung bis zur individuellen Versorgung kommen einfache Schallverstärker infrage, deren Anschaffung geriatrischen Einrichtungen zu empfehlen ist.
In der Medikationsanamnese ist nach Schlaf-, Schmerz- und Abführmitteln sowie Nahrungsergänzungsmitteln und Phytotherapeutika gezielt zu fragen; häufig werden diese vom Patienten nicht als Medikamente angesehen, für die sich der Arzt interessiert, und daher auch nicht spontan angegeben. Das gezielte Erfragen von Inkontinenz und die daran anschließende Abklärung stellen wichtige Bestandteile der Untersuchung geriatrischer Patienten dar. Ursachen von „Underreporting“, dem Nichtberichten von Auffälligkeiten, nennt folgende Box „ ▶ Underreporting“.
„Underreporting“
Frage des Untersuchers nicht verstanden
Vergessen der Beschwerden
fehlende Wahrnehmung der Auffälligkeit, z. B. Blutauflagerung auf Stuhl übersehen
Akzeptanz als „normales“ Alterungszeichen ohne Krankheitswert, z. B. bei Schmerzen, Vergesslichkeit
Angst vor den Konsequenzen, z. B. vor Darmspiegelung und Operation bei Blut im Stuhl
Scham, z. B. bei Inkontinenz, vaginalem Juckreiz
keine Motivation zur Anpassung des Lebensstils, z. B. Verzicht auf Bericht über Blutzuckerentgleisung wegen unerwünschter ärztlicher Aufforderung zu mehr Bewegung und gesünderer Ernährung
Geriatrische Besonderheit
In der Impfanamnese bestehen bei fast allen geriatrischen Patienten Lücken, gemessen an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Bei fehlender Auffindbarkeit des Impfpasses ist die Neuausstellung sinnvoll. Ein kleines Ersatzkärtchen mit Hinweis auf die aktuell vorgenommene Impfung geht meist in kürzester Zeit erneut verloren. So kommt es gerade bei kognitiv eingeschränkten, rezidivierend stürzenden Patienten leicht zu Überimpfungen mit Tetanus-Aktivimpfstoff, während die empfohlenen Kombinationsimpfstoffe zu selten eingesetzt werden.
Die körperliche Untersuchung legt in der Geriatrie ein besonderes Augenmerk auf
Kommunikationsfähigkeit
Sensorik
Ernährungsstatus
Schmerzen
Motorik
Kontinenz
Dabei wird speziell nach den alterstypischen Merkmalkomplexen ( ▶ Tab. 1.1) gefahndet.
Während sich alltagsrelevante Hörstörungen in der Regel in der Anamneseerhebung zeigen, können Sehstörungen leicht unentdeckt bleiben. Der Abschätzung der Sehleistung unter Verwendung der vorhandenen Sehhilfen dient die Frage: „Können Sie die übliche Zeitungsschrift lesen oder nur die Überschriften?“. Zum Entziffern der Beipackzettel ihrer Medikamente sind viele ältere Menschen nicht imstande, sodass der Aufklärung durch Arzt und Pflege/medizinische Fachangestellte noch größere Bedeutung zukommt, weil das eigenständige Nachlesen entfällt. Eine grobe Überprüfung des Nahvisus (kleinste noch erkennbare Schriftgröße monokular rechts und links?) und die Verwendung des Amsler-Gitters können binnen weniger Minuten die dringliche Notwendigkeit eines augenärztlichen Konsils ergeben, das sonst verschleppt worden wäre.
Ein wichtiges Ziel des physischen Assessments liegt in der Festlegung der kardiopulmonalen Belastbarkeit, deren Grenzen es im Training zu beachten gilt. Einen ersten Eindruck von der orthostatischen Regulation verschafft man sich durch die Messung des Blutdrucks zunächst am liegenden, dann stehenden Patienten.
Der Palpation der Fußpulse kommt u. a. wegen der hohen prognostischen Aussagekraft des Nachweises einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit als Marker einer multifokalen Arteriosklerose eine große Bedeutung zu. Bei Ödemen sind Fußpulse nicht immer palpabel – ob sie aufgrund der Ödeme dem Tastbefund entgehen oder eine Verschlusskrankheit vorliegt, lässt sich ohne weitere Diagnostik – vorzugsweise Messung des Knöchelarteriendruckes – kaum feststellen. Eine Verordnung von Kompressionsstrümpfen sollte daher nicht ohne diese wenige Minuten erfordernde Untersuchung erfolgen.
Die Erhebung des Hautbefundes, insbesondere in Bezug auf bestehende oder drohende Dekubiti, sollte in der Klinik in ärztlich-pflegerischer Kooperation erfolgen – nicht zuletzt, um eine inkongruente Interpretation und/oder Dokumentation zu vermeiden. Das gängigste Assessment-Instrument zur Einschätzung des Dekubitusrisikos ist die Braden-Skala ▶ [6] ( ▶ Tab. 1.5), gefolgt von der (modifizierten) Norton-Skala ▶ [70] (s. Kap. ▶ 18.8.1).
Tab. 1.5
Braden-Skala
▶ [6]
.
Faktoren
4 Punkte
3 Punkte
2 Punkte
1 Punkt
Erreichte Punkte:
sensorisches Empfindungsvermögen
nicht eingeschränkt
geringfügig eingeschränkt
stark eingeschränkt
vollständig ausgefallen
Feuchtigkeit (der Haut)
selten feucht
manchmal feucht
oft feucht
ständig feucht
Aktivität
regelmäßiges Gehen
eingeschränktes Gehen
an Stuhl/Rollstuhl gebunden
bettlägerig
Mobilität
nicht eingeschränkt
geringfügig eingeschränkt
stark eingeschränkt
vollständige Immobilität
allgemeines Ernährungsverhalten
gute Ernährung
ausreichende Ernährung
wahrscheinlich unzureichende Ernährung
schlechte Ernährung
Reibungs- und Scherkräfte
kein feststellbares Problem
potenzielles Problem
manifestes Problem
Summe
Summe: unter 10: sehr hohes, 10–12: hohes, 13–14: mittleres, 15–18 niedriges Risiko (maximale Punktzahl: 23)
Darauf zu achten, dass der Kranke sich gut ernährt, ist für Angehörige ein wichtiges Thema und eine der wenigen Möglichkeiten, auf die Gesundheit des Patienten Einfluss zu nehmen. Das Mitbringen von Lebensmitteln ins Krankenhaus ist eine übliche Art, seine Zuneigung zu zeigen – und in vielen anderen Ländern die einzige Nahrung, die ein Patient zu erwarten hat. Im modernen Klinikbetrieb war die Ernährung gegenüber den elaborierten Behandlungsmöglichkeiten lange Zeit etwas in den Hintergrund getreten. Das Ernährungsassessment wird auch nicht in der OPS 8–550 explizit erwähnt, sollte jedoch wegen des starken Einflusses der Ernährungssituation auf die Prognose unbedingt durchgeführt werden. Die folgende Box „ ▶ Ernährungsassessment“ nennt die vier Subdimensionen des Ernährungsassessments.
Ernährungsassessment
Die vier Subdimensionen
körperlicher Ausgangsstatus
aktueller Bedarf an Nahrung und Flüssigkeit
aktuelle Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr
Prognose von Bedarf und Zufuhr
Die gängigsten standardisierten Erhebungsbögen sind derzeit das Mini Nutritional Assessment (MNA)▶ [31], die Kurzform, das MNA-SF▶ [81], das weitgehend der „Vor-Anamnese“ des MNA entspricht, das modifizierte Nutritional Risk Screening in seiner Version von 2002 (NRS 2002) ▶ [51] (s. Kap. ▶ 12.8.3), in dessen Hauptscreening die Krankheitsschwere einfließt, ferner für den ambulanten Bereich das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) ▶ [51] (Weiteres s. Kap. ▶ 12.8.3).
Falls der Arzt kein standardisiertes Ernährungsassessment erheben möchte, sollte die Anamnese mindestens die folgenden vorgeschlagenen Fragen in ähnlicher Form enthalten:
Hat sich Ihr Gewicht in den letzten drei Monaten wesentlich verändert?
Wenn ja, wie viel Kilogramm haben Sie in dieser Zeit ab-/zugenommen?
Was schätzen Sie, wie viel Sie jetzt wiegen? (später nachwiegen)
Wie groß sind Sie? (im Zweifelsfall nachmessen; Body Mass Index berechnen)
Leiden Sie oft unter Übelkeit/Erbrechen/Durchfall?
Haben Sie guten Appetit? Meinen Sie, Sie essen genug und gesund?
Können Sie gut kauen/schlucken?
Wie viel trinken Sie durchschnittlich täglich?
Wie viel Alkohol trinken Sie durchschnittlich pro Woche?
Der Unterschied zwischen angegebenem und aktuell gemessenem Körpergewicht ist oft erheblich und zeigt an, in welche Richtung sich die Gewichtskurve entwickelt. Die Kenntnis der korrekten Größe ist für die Berechnung des Body Mass Index (BMI) unerlässlich. Außerdem gibt die Differenz zwischen genannter und gemessener Körperlänge einen möglichen Hinweis auf eine osteoporotisch veränderte Wirbelsäule.
Zum Assessment der Ernährungssituation gehört in der körperlichen Untersuchung die Erfassung des Riech-, Schmeck-, Kau- und Schluckvermögens, eine sorgfältige Untersuchung des Mundraums und Dokumentation der Zahnprothetik.
Bei der Untersuchung der Zungen- und Gaumensegelfunktion werden zugleich die Schutzreflexe überprüft. Deutliche Hinweise auf eine Schluckstörung sind Speisereste in einer Wangentasche, Speichelträufeln und Schwierigkeiten, die Laute k, r, ch oder t (wie in „kracht“) zu artikulieren sowie eine feucht klingende (gurgelnde) Stimme.
Das Dysphagie-Assessment nach Daniels▶ [14], entwickelt für die Akutphase nach Schlaganfall, sucht nach sechs typischen Hinweisen: Dysphonie, Dysarthie, abnormer (in der Regel reduzierter) Würgereiz und abnormer (ineffektiver) willkürlicher Hustenstoß sowie Husten und/oder Stimmveränderung nach dem ggf. folgenden Schluckversuch. Dieser wird mit je zweimal 5, dann 10, dann 20 ml Wasser vorgenommen, jeweils mit einminütiger anschließender Beobachtungsphase, in der auf das Auftreten der genannten Symptome geachtet wird. Erst nach diesem Test dürfte bei weiterhin fehlender Auffälligkeit auch ein Trinkversuch mit 100 ml Wasser stehen. Ggf. kann ein Abfall der transkutan gemessenen Sauerstoffsättigung als Indikator einer Aspiration herangezogen werden (Weiteres zur Schluckdiagnostik s. Kap. ▶ 24.8).
Informationen zur Ernährungssituation werden nicht nur von Ärzten erhoben, sondern oft sind Pflegekräfte die Ersten, die sich um Fragen der Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr kümmern. Hinweise auf eine Dysphagie müssen schnellstens erkannt und entsprechend weitergebildete Sprach-/Schlucktherapeuten umgehend hinzugezogen werden. Neben einer Erstbefundung des Schluckvermögens sollte in Absprache mit dem Geriater ein erstes Therapiekonzept zur Zufuhr von Nahrung und Flüssigkeit festgelegt werden.
▶ Tab. 1.6 zeigt eine Dokumentationshilfe zum hausintern standardisierten Ernährungsassessment, die die Autorin dieses Kapitels in Zusammenarbeit mit der Pflegewissenschaftlerin J. Kasper erstellt hat.
Wichtiger als ein Score ist die direkte Einflussnahme auf die Ursachen von Mangelernährung bzw. das konsequente Verfolgen von Kompensationsstrategien. Das Monitoring der erzielten Fortschritte der Ernährungssituation – falls diese ausbleiben, das Festlegen einer Kurskorrektur – gehört in jede Teambesprechung mangelernährter Patienten.
Tab. 1.6
Dokumentationshilfe zum Assessment der Ernährungssituation (entwickelt von Krupp und Kasper, Forschungsgruppe Geriatrie Lübeck, mit freundlicher Genehmigung von Frau J. Kasper, Lübeck).
Frage
Nein
Ja, nämlich*:
1. Zeichen vorbestehender Mangelernährung?
□
BMI < 22 kg/m² □ , Verd. auf Gewichtsverlust > 5% im letzten Jahr □, Serum-Albumin < 35 g/l □ + (Freitext) ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………
2. Aktuell erhöhter Nährstoffbedarf?
□
Fieber □, großflächige Wunden □, fortgeschrittenes Krebsleiden □, Hyperaktivität □, Verdauungsstörungen □ + (Freitext) ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………
3. Aktuelle oder drohende Mangelernährung (Aufnahme)?
□
Schwierigkeiten beim Kauen □, Schluckstörung □, Schmecken oder Riechen gestört □, Kognitive Störung (inkl. Delir) □, Restriktive Diät □, hoher Alkoholkonsum □, finanzielle Probleme □, Einkaufen nicht geregelt □, Appetitlosigkeit bei V. a. unerwünschte Arzneimittelwirkung □, Appetitlosigkeit bei Depression oder Einsamkeit □, Appetitlosigkeit unklarer Ursache □+ (Freitext) ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………
* Papier gestützte Dokumentation: ankreuzen; elektronisch gestützte Dokumentation: nicht Zutreffendes löschen
Geriatrische Besonderheit
Bei geriatrischen Patienten ist ein Body Mass Index (BMI) von mindestens 24 kg/m² wünschenswert. Erhöhte BMI-Werte sind in Bezug auf die Mortalität protektiv, u. a. weil eine unfreiwillige Gewichtsabnahme in gesundheitlichen Krisenzeiten oft irreversibel ist. Hypokalorische Ernährung bewirkt fast immer Muskelabbau.
Schmerzen begleiten das Leben der meisten geriatrischen Patienten, doch erst ab einer inter- und intraindividuell unterschiedlichen Stärke werden sie als so belästigend wahrgenommen, dass der Patient sie thematisieren oder medikamentös bekämpfen möchte. Zur Dokumentation des Verlaufs der Schmerzintensität werden verschiedene Skalen eingesetzt. Generell muss unterschieden werden, ob es sich um die in der Ruhe bestehende oder durch z. B. Mobilisation/Pflegehandlungen ausgelöste Intensität handelt.
Mit der Umsetzung von Schmerzstärke in Abstände zwischen Schmerzfreiheit und maximal vorstellbarem Schmerz auf einer Skala ohne für den Patienten erkennbare Einteilung (Visuelle Analogskala, VAS) tut sich die Mehrheit der Befragten schwer. Bei der Durchführung ist darauf zu achten, den Patienten nicht die numerisch beschriftete „Rückseite“ der Skala zu zeigen; diese ist nur für den Untersucher bestimmt, der so den visuell festgelegten Wert in eine Zahl (meist zwischen 0 oder 1 und 10, z. B. 2 cm von 10 cm) „übersetzt“. Die Demonstration der VAS als senkrechte Skala („Schmerzthermometer“) soll die Anwendung für viele Patienten erleichtern ▶ [29].
Die Numerische Schmerz-Skala (klinikintern NuSS)/Numeric Pain Rating Scale (NPRS; das Kürzel NRS ist durch Verwendung für das Nutritional Risk Screening doppelt belegt) bietet den Vorteil, keiner visuellen Darstellung zu bedürfen; dies ermöglicht sogar eine telefonische Abfrage. Einigen Patienten fällt es leichter, sich in Prozenten zu äußern. Die Null wird mit Schmerzfreiheit, die 10 (oder 100) mit dem maximal vorstellbaren Schmerz gleichgesetzt. Eine Schmerzintensität von über 3/10 (bzw. 30/100 oder 30%) wird als therapierelevant erachtet, wobei es zu beachten gilt, dass ein Ruheschmerz bereits auf einem deutlich niedrigeren Niveau als ein Belastungsschmerz interventionsbedürftig ist, um dem Patienten einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen, anstatt ihn durch ein chronisches Regenerationsdefizit in eine Depression mit intensivierter Schmerzwahrnehmung abgleiten zu lassen. Geriatrische Patienten kommen mit der Numerischen Schmerz-Skala öfter zurecht als mit der Visuellen Analogskala. Allerdings erlebt man bei beiden Instrumenten immer wieder, dass im Verlauf eine klinische Besserung angegeben wird, aber schlechtere Skalenwerte vergeben werden – oder umgekehrt.
Patienten, die mit der Anwendung der Visuellen Analogskala und der Numerischen Schmerz-Skala überfordert sind, können ihrer Situation unter dem Aspekt von Schmerzen eventuell noch Schulnoten vergeben oder die Intensität zumindest in vorgegebenen Wörtern (keine – leicht – mäßig – stark – sehr stark – unerträglich) beschreiben (Verbal Rating Scale, VRS, ▶ Tab. 1.7).
Empathie ist gefragt in der Abschätzung der Belastung fortgeschritten dementer Patienten durch Schmerzen. Die Skala zur Beurteilung von Schmerzen bei Demenz (BESD-Skala, ▶ Tab. 1.7) ▶ [3] als deutsche Übersetzung der amerikanischen PAINAD-Scale ▶ [101] macht eine 2-minütige intensive Beobachtung von Atmung, Lautäußerungen, Mimik, Körpersprache und Ansprechen auf Trost zur Basis der Bewertung der Schmerzen. Interventionsbedarf wird bei einer Summe von über fünf der zehn möglichen Punkte angenommen.
Bis auf den – aus diesem Grunde an erster Stelle aufgeführten – Timed Up and Go hat es kein aus mehreren Komponenten aufgebautes Testverfahren geschafft, sich als „internationale Währung“ zu etablieren und so z. B. den Erfolg therapeutischer Interventionen in verschiedenen Studien vergleichbar zu machen. Dies ist nicht überraschend, denn ähnlich wie beim aus nur vier Nukleinsäuren bestehenden genetischen Code sind zahllose unterschiedliche Kombinationen der angewandten Balance-, Geh- und Transfer-Aufgaben möglich. Es erscheint unrealistisch, von einer zügigen weitgehenden Vereinheitlichung auszugehen. Sinnvoller für die wissenschaftliche Arbeit (z. B. Reviews) und sensitiver in der Abbildung der Leistung des geriatrischen Patienten ist die Nennung der Werte in den einzelnen Tests zusätzlich zu den aus diesen berechneten Scores.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich der TUG nach Podsiadlo und Richardson ▶ Tab. 1.8, ▶ [73] seit seiner Veröffentlichung 1991 – nicht nur in geriatrischen Kliniken. Seine unangefochtene Position im Aufnahme- und Verlaufsbefund der Mobilität hat dieser Test wegen seiner einfachen Durchführbarkeit und Erfassung mehrerer Bewegungskomponenten inne, die weite Verbreitung wiederum trägt zum Erhalt der Führungsrolle bei, da so eine Vergleichbarkeit zwischen den in verschiedenen Institutionen erzielten Therapieeffekten gegeben ist.
Zu den zahlreichen Varianten gehören der expanded TUG▶ [99] mit 10 m Gehstrecke und sequenzieller Messung der verschiedenen Bewegungsphasen und der TUG als einer der Partner im dual tasking, z. B. unter Ablenkung durch kognitive Aufgaben wie Rückwärtszählen, Rückwärtsrechnen (z. B. 100–3-3–3…), Tiere nennen oder durch eine zweite motorische Aufgabe, z. B. den Transport eines Trinkgefäßes – letzteres erscheint nur ohne Hilfsmittel-Abhängigkeit sinnvoll.
Tab. 1.8
Timed Up and Go (TUG)
▶ [73]
.
TUG: Anleitung und Ergebnisinterpretation
Anleitung
Der Patient sitzt auf einem Stuhl mit Armlehnen (Sitzhöhe ca. 46 cm). Die Arme liegen locker auf den Armstützen und der Rücken liegt der Rückenlehne des Stuhls an. Beim Erreichen dieser Position hilft die untersuchende Person nicht mit.
Nach Aufforderung soll der Patient aufstehen, wobei er sich an den Armlehnen abstützen darf, bis zu einer Linie in 3 m vor dem Stuhl gehen (ggf. unter Verwendung eines Hilfsmittels), wenden, zum Stuhl zurückkehren und sich in die Ausgangsposition begeben.
Die benötigte Zeit ab Startsignal bis Wiedererreichen der Ausgangsposition wird in Sekunden notiert; es ist keine Stoppuhr vorgeschrieben. Vor der eigentlichen Zeitmessung darf der Untersucher den Bewegungsablauf demonstrieren und der Patient ihn einmal üben.
Ergebnisinterpretation
< 10 s
Mobilität uneingeschränkt
10 – < 15 s/15 - < 20 s
Mobilitätsstörung ohne Alltagsrelevanz (ohne/mit erhöhter Sturzgefährdung)
20 – < 30 s
eingeschränkte Mobilität, wahrscheinlich alltagsrelevant
ab 30 s
ausgeprägte Einschränkung der Mobilität
(Abbruch spätestens bei 5 min Testdauer)
Kritische Bewertung Folgende Schwächen des Tests werden in Kauf genommen:
keine ausreichende Vorhersage des Sturzrisikos: Mehrere Autoren legen verschiedene Grenzwerte unterhalb der von 20 Sekunden zur Lösung dieses Problems fest, wie in ▶ Tab. 1.8 angedeutet. Dennoch zeigen Reviews, wie wenig Verlass auf die Vorhersagequalität ist ▶ [83].
ausgeprägter Bodeneffekt: Viele geriatrische Patienten kommen nicht ohne Hilfe in den Stand und bestehen den TUG daher nicht – egal, wie viel Zeit man ihnen dafür einräumen würde (vorgesehen ist die Beendigung des Tests nach fünf Minuten, die praktisch niemand abwartet).
fehlende Berücksichtigung des evtl. gewählten Hilfsmittels bei der Bewertung des Resultats:
Auch wenn ein Patient am Rollator schnell sein mag – wenn er keinen Schritt ohne ihn auskommt, bleiben ihm viele Lebensräume verschlossen.
Die Art des gewählten Hilfsmittels hat Einfluss auf die benötigte Zeit, wodurch Verbesserungen oder Verschlechterungen des Mobilitätsstatus suggeriert werden können. Dieser Effekt lässt sich leicht nachweisen, indem man die dazu fähigen Patienten bittet, den Test mit verschiedenen Hilfsmitteln durchzuführen.
Nichtberücksichtigung des Kurzzeit-Lerneffektes: Von seinen Erfindern mit einem Probelauf und einem gewerteten Testgang vorgeschlagen, finden heute – je nach Untersucher – bis zu vier Durchgänge statt, meist jedoch nur ein einziger. Dabei ist belegt, dass die Patienten bei kurzfristiger Wiederholung – ohne zwischengeschaltete Therapie – bessere Werte erzielen, wobei die Lernkurve bei manchen erst beim 6. Versuch ihr vorläufiges Plateau erreicht.
Fazit Der TUG gewährt einen schnellen Überblick über drei grundlegende Komponenten der Mobilität:
Aufstehen/Hinsetzen
Gehen
Wendemanöver
Sicher wird er weiterhin eines der gängigsten Assessment-Instrumente überhaupt bleiben. ▶ Tab. 1.9 zeigt, wie der TUG zur Weichenstellung für anschließendes Assessment der Mobilität genutzt werden kann. Die entsprechenden Instrumente werden im Anschluss vorgestellt.
Tab. 1.9
Der TUG als Weichensteller im Assessment der Mobilität.
erfolgt
weiteres Assessment der Mobilität
nicht bewältigt, kann nicht ohne Hilfsperson gehen →
Esslinger Transfer-Skala
nicht bewältigt, kann aber ohne Hilfsperson gehen →
mindestens + Gehtest (z. B. 2-Minuten-Gehtest)
bewältigt in >10 Sekunden →
mindestens Stuhl-Aufsteh-Test oder Balance-Tests
bewältigt in < 10 Sekunden →
>
TUG: Timed Up and Go
Der Transfer in den Stand und zurück kann über Stuhl-Aufstehtests (Chair Stand-ups) genauer überprüft werden. Im Unterschied zum TUG ist dabei das Abstützen auf Armlehnen nicht gestattet – die Arme werden vor der Brust verschränkt und man soll auch nicht „Schwung holen“. Es gibt verschiedene Anleitungen zur Durchführung:
5-maliges Aufstehen und Hinsetzen wird sekundengenau erfasst. Ein Ergebnis von über 12 Sekunden (altersadaptierte Bewertung: 10 Sekunden +1 für jedes Jahrzehnt über dem 50. Lebensjahr) spricht für eine unzureichende Muskelkraft insbesondere der Hüft- und Kniestrecker. Auch für Patienten, die nach 60 Sekunden die Performance nicht absolviert haben, ist der Test dann beendet; notiert wird die Anzahl der bis dahin erfolgreich absolvierten Transfers.
Die Anzahl der Transfers innerhalb von 30 Sekunden wird dokumentiert. Altersgestaffelte Normwerte für Männer und Frauen sind verfügbar ▶ [78].
Da die Art des ggf. benutzten Hilfsmittels die Gehgeschwindigkeit beeinflusst, ist dieses bei allen Tests zu dokumentieren Je nachdem, ob die Gehleistung eher unter dem Aspekt der Ausdauer oder der Geschwindigkeit – und damit indirekt auch der Gangsicherheit – bewertet werden soll, kommen längere oder kürzere Gehtests infrage. Bei kürzeren ist in der Regel die Strecke (z. B. 4, 6, 10 Meter) vorgegeben, bei längeren die Dauer (z. B. 2 oder 6 Minuten). In Formeln zur Berechnung der Normwerte fließen Alter und Gewicht als negativ korrelierte Faktoren ein, die Körpergröße ist positiv korreliert. Eine 160 cm große, 60 kg wiegende, weitgehend gesunde Frau sollte im Alter von 80 Jahren in sechs Minuten noch etwa 400 m Gehstrecke erreichen, ein gleichaltriger Mann von 170 cm und 70 kg etwa 450 m. Ein Unterschreiten von 0,8 m/s bei der habituellen Gehgeschwindigkeit wird generell als Hinweis auf Frailty gewertet.
Zur Vergleichbarkeit der Werte im Verlauf muss die dem Patienten erteilte Anweisung einheitlich sein: Soll er „so schnell wie sicher möglich“ gehen oder „mit der üblichen Geschwindigkeit, so wie immer“? Erfahrungsgemäß fällt letzteres in der Prüfungssituation schwer, der Proband neigt dazu, sein Bestes zu geben. Dies spricht zumindest bei Kurzstrecken für das forcierte Gehen, zumal die reduzierte funktionelle Reserve gehbehinderter Patienten die Leistungsdifferenz zu unbeeinträchtigten Personen stärker kontrastiert. Je länger der Gehtest, desto mehr nähert sich der forcierte Gang dem habituellen an, auch spielen Beschleunigungsphänomene bei Strecken über 10 m rechnerisch kaum noch eine Rolle, während bei Kurzstrecken mindestens ein Meter zusätzlich für das Erreichen der Gehgeschwindigkeit und das Abbremsen bemessen werden muss. Ideal ist die Messung sowohl der habituellen als auch der forcierten Gehschwindigkeit – in eben dieser Reihenfolge mit zwischengeschalteter Pause.
Die Anzahl der benötigten Schritte und Gangunregelmäßigkeiten bieten zusätzliche diagnostische Hinweise. Für hoch differenzierte Analysen stehen sowohl Sensorteppiche als auch am Patienten zu fixierende Sensoren zur Verfügung. Letztere ermöglichen eine Langzeiterfassung – vielleicht wird die ungeklärte Sturzanamnese ohne Synkope solche Untersuchungen bald ebenso selbstverständlich triggern wie die unklare Synkope das „Langzeit-EKG“.
Kritische Bewertung Tests der Gehleistung sollten mindestens dann durchgeführt werden, wenn Patienten zwar gehen können, aber nicht ohne Hilfe in den Stand kommen und daher den TUG nicht bewältigen. Für die Beurteilung, ob ein Patient in der Lage ist, während der Grünphase einer Ampel die Straße zu überqueren, sind sie besser geeignet als der TUG; bei einer Geschwindigkeit von 1,0 m/s entfallen dort nur 6 Sekunden auf das Vorwärtsgehen, die übrige Zeit auf Positions- und Richtungswechsel.
Als Verlaufsparameter unterhalb der Gehfähigkeit kann die Esslinger Transferskala ( ▶ Tab. 1.10) ▶ [82]
