Praktische Sportmedizin -  - E-Book

Praktische Sportmedizin E-Book

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Beschreibung

Machen Sie sich fit!

Sportmedizinische Checks, Leistungs- und Funktionsdiagnostik:

  • Umfassende klinische Untersuchung
  • Sporttauglichkeit für bestimmte Sportarten
  • Kardiale und pulmologische Funktionsdiagnostik, Spiroergometrie, Laktatdiagnostik

Sport bei Erkrankungen, in besonderen Situationen und Lebensphasen:

  • Sport bei Arthrose, Myokarditis, COPD, Diabetes, Insult, u.v.m.
  • Was ist bei Heranwachsenden zu beachten?
  • Besondere Sportarten: Tauch- und Höhenmedizin, Ausdauer

Praktische Tipps und Empfehlungen:

  • Checkliste Sporternährung
  • Tipps zur Leistungsvergütung
  • Alles für die Zusatzbezeichnung Sportmedizin

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Seitenzahl: 681

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Praktische Sportmedizin

Herausgegeben von

Christoph Raschka, Lutz Nitsche

Michaela Axt-Gadermann, Marc Moritz Berger, Tobias Boeselt, Michael P. Conze, Stefanie Donner, Klaus Edel, Thomas Goliasch, Wolfgang Grebe, Thomas S. Heddäus, Jörg Hennig, Lorenz Hotz, Marcus Jahnecke, Cornelia Jaursch-Hancke, Nina Jung, Thomas Katlun, Björn Kliem, Rupert Knoblich, Horst Koch, Rembert Koczulla, Matthias Krüll, Nina Kuhn, Thomas Kunze, Heinz Lohrer, Sarah Noeske, Markus Parzeller, Gerd Reifschneider, Stefan Ries, Stephanie Ruf, Horst Sattler, Tim Sattler, Michael Schneider, Johannes Schröter, Carsten Schumann, Jannos Siaplaouras, Thomas Sitte, Bertram Stitz, Jan C. Tränkner, Ingo Tusk, Nicole Vennemann, Burkhard R. Weimer, Joachim Wiskemann

134 Abbildungen

Vorwort der Herausgeber

Nach der Beschreibung Wildor Hollmanns aus dem Jahr 1958, die 1977 offiziell als Definition vom Weltverband für Sportmedizin (FIMS) übernommen wurde, umfasst Sportmedizin theoretische und praktische Medizin. Vor allem auf den praktischen Aspekt ist dieses Buch ausgerichtet.

Die bekannten umfassenden, hervorragenden Propädeutik-Lehrwerke der Sportmedizin (Hollmann/Hettinger, Rost, Dickhuth) und Sportphysiologie bzw. Sportbiologie (de Marées, Stegemann, Weineck) führen zahlreiche Untersuchungsergebnisse von Studien zum Einfluss von Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel auf den gesunden und kranken Menschen jeder Altersstufe auf. Außerdem werden dem Mediziner auch bereits bekannte Grundlagen (zu) umfangreich erörtert, da sie sich auch an Sportwissenschaftler richteten. Daher fehlte bislang ein übersichtlicher Leitfaden, der sich auf der Grundlage dieser sportmedizinischen Befunde primär an den in der Praxis tätigen Haus- oder Facharzt richtet, der Sport treibende Patienten behandelt und nur über ein äußerst begrenztes Zeitbudget verfügt. Bei der didaktischen Konzeption des Buchs wurden daher die wichtigsten Inhalte als Kurzzusammenfassung in Form von Praxistipps und Merksätzen hervorgehoben.

Während die meisten Sportmedizin-Lehrbücher von Hochschulmedizinern aus sportmedizinischen Instituten bzw. Abteilungen verfasst wurden, kennen beide Herausgeber die praktischen sportmedizinischen Bedürfnisse aus ihrem Berufsalltag als Orthopäde im Krankenhaus sowie Hausarzt in einer Landarztpraxis. Der Praxisbezug steht auch bei allen Mitautoren im Vordergrund. Beide Herausgeber haben ein Standbein in der Sportwissenschaft und verfügen als langjährige Organisatoren der Winter- und Sommer-Sportmedizin-Lehrgänge des Sportärzteverbands Hessen e.V. über eine umfassende Fort- und Weiterbildungserfahrung. Viele Referenten dieser Lehrgänge konnten auch als Autoren für das vorliegende Sportmedizin-Buch gewonnen werden.

Wahrscheinlich wird der Herzenswunsch der Herausgeber kaum einmal Wirklichkeit werden: die Etablierung eines Facharztes für Sportmedizin, der in einigen europäischen Ländern schon Wirklichkeit ist. Im Gegenteil sind mittlerweile leider auch schon die Mitgliederzahlen in den Sportärzteverbänden rückläufig. So reduzierte sich die Mitgliederzahl der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention e.V. von 8147 im Jahr 2014 auf 7846 im Jahr 2015 und jene des Sportärzteverbands Hessen von 716 auf 696 im gleichen Zeitraum. Dabei wird der Niedergelassene fast täglich mit Sport treibenden Menschen oder den Folgen eines zu niedrigen Aktivitätsniveaus konfrontiert. Einigen Menschen gelingt es zwar, den angeborenen Bewegungsdrang aus der Kindheit bis in das Erwachsenenalter fortzuführen. Berufliche und familiäre Beanspruchung minimieren leider oft dieses Bewegungsmotiv sowie die damit verbundene Sportausübung. Es drohen die im Einzelfall mehr oder minder ausgeprägten typischen Zivilisationskrankheiten, wenn nicht rechtzeitig individuell gegengesteuert wird. Diese Entscheidung folgt häufig bei unterschiedlich ausgeprägter „Immobilisierung“ der Erkenntnis, dass vor allem eine Aufnahme sinnvoller körperlicher Tätigkeit (von Gartenarbeit über Tischtennis bis zum Marathonlauf) die Chance auf ein gesünderes Älterwerden erhöhen kann. Hier sollte die sportmedizinische Begleitung dem einzelnen Patienten angemessene Hilfestellungen vermitteln, die Spannbreite potenzieller, psychophysischer individueller Fähigkeiten wiederherzustellen oder auch neu aufzubauen, ohne die allgemeine Gesundheit durch orthopädische Schäden oder Überforderung zu gefährden. Das Querschnittsfach Sportmedizin richtet sich also nicht nur an Leistungs- und Spitzensportler, die die Grenzen ihres körperlichen Potenzials ausloten möchten, sondern auch an die viel größere Zahl der Patienten unserer hausärztlichen oder fachärztlichen Praxen, die ihren individuellen Sport und ihre Bewegungsmöglichkeiten wieder- oder neu aufnehmen wollen. Das vorliegende Praxisbuch Sportmedizin soll den Kollegen in Klinik und Praxis in den wesentlichen sportmedizinischen Fragestellungen weiterhelfen und vielleicht auch dazu beitragen, sich darüber hinaus doch noch näher mit diesem facettenreichen, faszinierenden Querschnittsfach Sportmedizin weiter zu beschäftigen.

Hünfeld und Dreieich im Februar 2016Priv.-Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Dr. Sportwiss. Christoph RaschkaDr. med. Dipl. Sportwiss. Lutz Nitsche

Geleitwort

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Menschheit einen noch nie dagewesenen technischen Entwicklungsschub. Immer neue Methoden und Möglichkeiten wurden ersonnen, den Menschen vor körperlichen Anstrengungen zu bewahren und ihm im Alltagsleben behilflich zu sein. Diese Entwicklung betraf vor allem die hoch technisierten Länder der Erde, wonach ab spätestens Anfang der 1960er Jahre auch das einstmals völlig zerstört gewesene Deutschland zählte. Gerade aber diesem Land entstammen in späteren Jahrzehnten zahlreiche technische Entwicklungen, bestimmt zum Wohle des Menschen. Ob Auto, Zug, Flugzeug oder Schiff - sie erlebten dramatische Weiterentwicklungen mit einem gemeinsamen Endpunkt: ständig wachsende Einschränkung der täglichen körperlichen Beanspruchung. Der Mensch aber ist in seiner biologischen Struktur unverändert geblieben, sein Erbgut entspricht dem des frühen Homo Sapiens vor ca. 40000 Jahren. Unverändert gilt der Satz: Struktur und Leistungsfähigkeit eines Organs werden bestimmt von der Qualität und Quantität seiner Beanspruchung. Je größer sie innerhalb physiologischer Grenzen ausfällt, desto stärker passt sich das Organ an und desto leistungsfähiger wird es.

Es waren sportmedizinische Forschungsergebnisse, die in den 1950er und 1960er Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen legten zu den beschriebenen Erkenntnissen. Erstmals beobachtete man die gesundheitlich negativen Auswirkungen von Bettruhe, was zur Revolution in der Therapie des Herzinfarktpatienten führte: Die übliche sechs- bis achtwöchige Bettruhe wurde ersetzt durch Frühmobilisation, Bewegungstherapie und Rehabilitation. So entwickelte sich die einstmals ausschließlich leistungsbezogene Sportmedizin zur Speerspitze der Präventivmedizin.

In der Folgezeit konnte bei vielen anderen akuten oder chronischen Krankheiten die Bedeutung einer dosierten körperlichen Bewegung ermittelt werden. Damit aber verlagerte sich das Schwergewicht sportmedizinischer Tätigkeit in die alltägliche Praxis. Der niedergelassene Sportarzt hat sich mit den Fragen zu befassen: Welche Form von Bewegung ist angebracht? Wie hoch soll die Belastungsintensität sein? Wie lange soll eine körperliche Beanspruchung an einem Stück andauern? Wie oft soll das Bewegungsprogramm wöchentlich wiederholt werden?

Zur Beantwortung dieser Fragen liegt heute eine gewaltige Zahl von Publikationen vor, fast alle der Universitätsmedizin entstammend. So ist es erfreulich, dass das hier vorliegende Werk dem Wissen und den Erfahrungen von Sportärzten entspringt, die tagtäglich das theoretische Wissen der Sportmedizin in die Praxis umsetzen. Hier wird die berühmte Brücke zwischen Forschung und Praxis geschlagen.

Univ.-Prof . mult. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wildor Hollmann Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention

Danksagung

Wir danken unseren Familien.

Die Herausgeber

Abkürzungsverzeichnis

AAS

anabol-androgene Steroide

AB

Akromialbreite

ABI

ankle-brachial-index

ABK

akute Bergkrankheit

ACE

angiotensin converting enzyme

ACG

Akromioklavikulargelenk

ACSM

American College of Sports Medicine

ACT

autologe Chondrozytenimplantation

ACTH

adrenokortikotropes Hormon

ADH

antidiuretisches Hormon

ADHS

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

AED

automatischer externer Defibrillator (automated external defibrillator)

AHB

Anschlussheilbehandlung

AIX

Augmentationsindex

AKS

aktive Körper-Substanz

AMC

autologe matrixinduzierte Chondrogenese

AMG

Arzneimittelgesetz

AMP

Adenosinmonophosphat

AMS

acute mountain sickness

AMV

Atemminutenvolumen

AP

alkalische Phosphatase

ARVC

arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie

ARVD

arrhythmogene rechtsventrikuläre Dysplasie

ASD

atrialer Septumdefekt (Vorhofseptumdefekt)

AT

anaerobic threshold

ATP

Adenosintriphosphat

ATS

American Thoracic Society

av

atrioventrikulär

AVK

arterielle Verschlusskrankheit

AVNRT

AV-nodale Reentry-Tachykardie

AWMF

Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften

BBAT

Basic-Body-Awareness-Therapy

BBG

Bezirksberufsgericht

BCAA

branched-chain amino acids

BDI

Beck-Depressionsinventar

BDNF

brain derived neurotrophic factor

BGB

Bürgerliches Gesetzbuch

BGHZ

Bundesgerichtshof in Zivilsachen

BIA

bioelektrische Impedanzanalyse

BLD

Beinlängendifferenz

BMI

Body Mass Index

BMS

bare-metal stent

BRMS

Bech-Rafaelsen-Melancholia-Skala

BSG

Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit

CBT

Cognitive Behavioral Therapy

CDC

Center for Diseases Control and Prevention

CDT

Carbohydrate Deficiency Transferrin

CES

Center for Epidemiologic Studies

CK

Kreatinkinase

CMV

Zytomegalievirus

COPD

chronic obstructive pulmonary disease

COX

Zyklooxygenase

CPX

cardio-pulmonary exercise testing

CRP

C-reaktives Protein

CRT

cardiac resynchronization therapy

CT

Computertomografie/-tomogramm

CW

continuous wave

DAV

Durchgangsarztverfahren

DCM

dilatative Kardiomyopathie

DCS

Dekompressionskrankheit (engl. Decompression Sickness)

DET

Diethyltoluamid

DEGUM

Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin

DFB

Deutscher Fußballbund

DGE

Deutsche Gesellschaft für Ernährung

DGMG

Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit

DGPPN

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde

DGPR

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e.V.

DGSP

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention

DGTÜM

Deutsche Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin

DHEA

Dehydroepiandrosteron

DIN

deutsche Industrienorm

DOSB

Deutscher Olympischer Sportbund

DSJ

Deutsche Sportjugend

EAH

exercise-associated hyponatriemia

EBM

einheitlicher Bewertungsmaßstab

EBV

Epstein-Barr-Virus

EDV

elektronische Datenverarbeitung

EEG

Elektroenzephalogramm

EIA

exercise induced asthma

EIB

exercise-induced bronchoconstriction

EKG

Elektrokardiografie/-gramm

EMAS

European Male Aging Study

EMG

Elektromyografie/-myogramm

EPO

Erythropoietin

EPU

elektrophysiologische Untersuchung

ESC

Europäische Gesellschaft für Kardiologie

ETICA

Exercise Training Intervention after Coronary Angioplasty

FAI

femoroazetabulares Impingement

FBA

Finger-Boden-Abstand

FEV

1

forcierte exspiratorische Einsekundenkapazität

FFMI

Fat-Free Mass Index

FFR

fraktionelle Flussreserve

FIFA

Fédération Internationale de Football Association

FIMS

Fédération Internationale de Médecine du Sport, Weltverband für Sportmedizin

FSH

follikelstimulierendes Hormon

funktioneller Überlastungszustand

FVC

forcierte Vitalkapazität

GGT

γ-Glutamyltransferase

GH

growth hormone (Wachstumshormon)

GHRH

growth hormone releasing hormone

GHRP

growth hormone releasing peptide

GIRD

glenohumerales Innenrotationsdefizit

GKV

gesetzliche Krankenversicherung

GOÄ

Gebührenordnung für Ärzte

GOT

Glutamat-Oxalazetat-Transaminase

GPT

Glutamat-Pyruvat-Transaminase

GT

Glutamyltransferase

HAGL

humerale Avulsionsverletzung der glenohumeralen Ligamente

HAM

Hamilton-Skala

HCM

hypertrophische Kardiomyopathie

HCT

Hydrochlorothiazid

HD

Hämodialyse

HDL

high density lipoproteins

HES

Hydroxyethylstärke

HF-pEF

Herzinsuffizienz mit unveränderter Ejektionsfraktion

HF-rEF

Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion

HFF

Hautfettfalte

HFV

high frequency ventilation (Hochfrequenzventilation)

HHÖ

Höhenhirnödem

HIF

Hypoxie-induzierbarer-Faktor

HIIT

hochintensives Intervalltraining

HIV

human immunodeficiency virus

HKB

hinteres Kreuzband

HLA

human leucocyte antigen

HLÖ

Höhenlungenödem

HMB

β-Hydroxy-β-Methylbutyrat

HMV

Herzminutenvolumen

HNO

Hals-Nasen-Ohren

HOCM

hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie

HPLC

high pressure liquid chromatography

HRV

heart rate variability (Herzfrequenzvariabilität)

HSV

Herpes-simplex-Virus

HU

Handumfang

HVF

Herzfrequenzvariabilität

HWR

Height-Weight-Ratio

IAnS

individuelle anaerobe Schwelle

IAS

individuelle aerobe Schwelle

ICD

implantable cardioverter defibrillator (implantierbarer Cardioverter-Defibrillator), international classification (code) of diseases

ICR

Interkostalraum

ICS

inhalative Kortikosteroide

IGF

insulin-like growth factor

IGHL

inferiores glenohumerales Ligament

IL

Interleukin

IMT

Intima-Media-Dicke

IOC

International Olympic Committee

ISAK

International Society for the Advancement of Kinanthropometry

ISG

Iliosakralgelenk

ISO

International Organization for Standardization

ISTUE

international standard for therapeutic use exemptions

IVSD

interventrikuläre Septumdicke

KBV

kassenärztliche Bundesvereinigung

KG

Körpergewicht

KHK

koronare Herzkrankheit

KPVT

katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie

LABA

long acting β-agonist

LÄK

Landesärztekammer

LASIK

Laser-in-situ-Keratomileusis

LBM

lean body mass, aktive Körper-Substanz

LBS

lange Bizepssehne

LDH

Laktatdehydrogenase

LDL

low density lipoproteins

LGE

Late Gadolinum Enhancement

LH

luteinisierendes Hormon

LLN

lower limit of normal

LQTS

Long-QT-Syndrom

LSVT

Lee Silverman Voice Treatment

LVEDD

linksventrikulärer enddiastolischer Durchmesser

LVEF

linksventrikuläre Auswurffraktion, linksventrikuläre Ejektionsfraktion

LVH

linksventrikuläre Hypertrophie

MADRS

Montgomery-Asberg-Depressionsskala

MCP

Metoclopramid

MCT

medium chain triglycerides (mittelkettige Triglyzeride)

MDS

Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes

MET

metabolic equivalent

MFA

medizinische Fachangestellte

MFS

Marfan-Syndrom

MGHL

mediales glenohumerales Ligament

MPH

Methylphenidat

MRSA

Methicillinresistenter Staphylococcus aureus

MRT

Magnetresonanztomograph(ie), -tomogramm

MVC

maximale Willkürkontraktion, maximale isometrische Kontraktion

MVV

maximal voluntary ventilation (Atemgrenzwert)

MVZ

Medizinisches Versorgungszentrum

NADA

Nationale Anti-Doping-Agentur

NADH

reduziertes Nicotinamidadenindinucleotid

NFÜ

nicht funktioneller Überlastungszustand

NGF

nerve growth factor

NIH

National Institute of Health

NK

Natürliche Killerzelle

NO

Stickstoffmonoxid

NSAR

nichtsteroidale Antirheumatika

NSVT

engl. non-sustained ventricular tachycardia; nicht anhaltende ventrikuläre Tachykardie

NTP

nationaler Testpool

NYHA

New York Heart Association

OSG

oberes Sprunggelenk

OSP

Olympiastützpunkt

OTS

overtraining syndrom

OU

Oberarmumfang

PAL

Physical Activity Level

pAVK

periphere arterielle Verschlusskrankheit

PCR

polymerase chain reaction

PDA

persistierender Ductus arteriosus Botalli

PECH

Pause-Eis-Kompression-Hochlagerung (engl. Compression)

PFO

persistierendes Foramen ovale

PHT

plötzlicher Herztod

POMS

Profile of Mood States

PoW

Punkt des optimalen Wirkungsgrades

PRF

Pulsrepetitionsfrequenz

PRK

photorefraktive Keratektomie

PSA

prostataspezifisches Antigen

PTCA

perkutane transkoronare Angioplastie, perkutane transluminale Koronarangioplastie

PUFA

polyunsaturated fatty acids (mehrfach ungesättigte Fettsäuren)

RABA

rapid acting β-agonists

RAST

radio allergo sorbent test

R

AW

Resistance of the airways, Atemwegswiderstand

RCP

respiratorischer Kompensationspunkt

REHA

Rehabilitation

RIVA

Ramus interventricularis anterior

RPE

Rating of Perceived Exertion, Anstrengungsempfinden

RQ

respiratorischer Quotient

RVOT

right ventricular outflow tract (rechtsventrikulärer Ausflusstrakt)

SABA

short acting β-agonists

SGB

Sozialgesetzbuch

SHBG

Sexualhormon bindendes Globulin

SHT

Schädel-Hirn-Trauma

SPECT

single photon emission computed tomography

SSP

Supraspinatus

STH

somatotropes Hormon (Somatotropin)

STIKO

ständige Impfkommission

SVAV

Schwerstverletztenartenverfahren

TEP

Totalendoprothese

TG

Triglyzeride

TLC

total lung capacity

TNF

Tumornekrosefaktor

TRUS

transrektaler Ultraschall

TSE

turbo spin echo

TSH

thyreoidea stimulating hormone (thyreoidastimulierendes Hormon)

TUE

therapeutic use exemption

US

Ultraschall

ÜTS

Übertrainingssyndrom

UU

Unterarmumfang

UV

ultraviolett

UVA

ultraviolettes Licht A

UVB

ultraviolettes Licht B

VAV

Verletztenartenverfahren

VBG

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

VES

ventrikuläre Extrasystole

VKB

vorderes Kreuzband

VO

2

max

maximale Sauerstoffaufnahme

WADA

World Anti-Doping Agency

WHO

World Health Organisation

WPW

Wolff-Parkinson-White

ZNS

zentrales Nervensystem

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort der Herausgeber

Geleitwort

Danksagung

Abkürzungsverzeichnis

1 Sportliches Training und Gesundheit

1.1 Sportliches Training

1.2 Gesundheitsförderung und Prävention

1.2.1 Gesundheitsförderung

1.2.2 Prävention durch Sport

1.2.3 Prävention im Sport

1.3 Literatur

2 Sportmedizinische Untersuchungen

2.1 Anamnese

2.2 Kardiale Auskultation

2.2.1 Praktisches Vorgehen

2.2.2 Auskultationsphänomene

2.3 Nichtkardiale internistische Untersuchung

2.4 Orthopädisch-traumatologische Untersuchung

2.4.1 Umfang

2.4.2 Techniken

2.4.3 Untersuchung bestimmter Körperregionen

2.4.4 Sporttauglichkeit

2.5 Literatur

3 Leistungs- und Funktionsdiagnostik

3.1 Körperbau und Körperzusammensetzung (Sportanthropologie)

3.1.1 Definitionen

3.1.2 Anthropometrie

3.1.3 Bestimmung der Körperzusammensetzung

3.1.4 Konstitutionstypen – Somatotypen – Sporttypen

3.1.5 Fazit

3.2 Kardiale Funktionsdiagnostik

3.2.1 Definitionen

3.2.2 Ruhepuls

3.2.3 Ruheblutdruck/Belastungsblutdruck

3.2.4 Ruhe-Elektrokardiogramm

3.2.5 Belastungselektrokardiogramm

3.2.6 Langzeitelektrokardiogramm

3.2.7 Echokardiografie

3.3 Pulmonologische Funktionsdiagnostik

3.3.1 Definitionen

3.3.2 Spirometrie

3.3.3 Ganzkörperplethysmografie (Bodyplethysmografie)

3.3.4 Biomarker (Auswahl)

3.4 Ausdauerleistungsdiagnostik

3.4.1 Definitionen

3.4.2 Cooper-Test

3.4.3 Laktatleistungsdiagnostik

3.4.4 Spiroergometrie

3.4.5 Herzfrequenzvariabilität

3.5 Leistungsdiagnostik des Bewegungsapparats

3.5.1 Definitionen

3.5.2 Kraftmessung

3.5.3 Beweglichkeitsmessung

3.5.4 Bewegungsanalyse

3.5.5 Druckverteilungsmessung

3.5.6 Elektromyografie

3.5.7 Messung der Sensomotorik

3.6 Sonografie des Bewegungsapparats

3.6.1 Definitionen

3.6.2 Typische sonografische Befunde

3.6.3 Spezielle sportmedizinisch-traumatologische Befunde

3.7 Literatur

4 Sport bei Erkrankungen

4.1 Sportkardiologie

4.1.1 Definition

4.1.2 Koronare Herzkrankheit (KHK)

4.1.3 Koronardissektionen nach stumpfem Thoraxtrauma

4.1.4 Herzinsuffizienz und Sport

4.1.5 Arterielle Hypertonie

4.1.6 Höhenexposition bei kardiovaskulären Erkrankungen

4.1.7 Elektrokardiogramm bei Sportlern

4.1.8 Herzrhythmusstörungen und Sport

4.1.9 Kardiomyopathien

4.1.10 Myokarditis

4.1.11 Kardiale Ionenkanalerkrankungen

4.1.12 Sport nach Implantation eines Defibrillators (ICD)

4.1.13 Sport bei Herzklappenerkrankungen und nach Klappenersatz

4.1.14 Sport nach Aortendissektionen

4.1.15 Sport bei Marfan-Syndrom

4.1.16 Sport nach Thrombose und Lungenembolie

4.2 Pulmologie

4.2.1 Allergische Rhinitis

4.2.2 Asthma bronchiale

4.2.3 Belastungsinduzierte Bronchokonstriktion, belastungsinduziertes Asthma

4.2.4 Doping und Asthmatherapeutika

4.3 Endokrinologie

4.3.1 Definition

4.3.2 Testosteron und Sport

4.3.3 Wachstumshormon und Insulin-like Growth Factor

4.3.4 Insulin

4.3.5 Diabetes mellitus

4.4 Nephrologie

4.4.1 Definition

4.4.2 Epidemiologie

4.4.3 Krankheitsauswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit

4.4.4 Chronische Niereninsuffizienz und Polymorbidität

4.4.5 Nierenersatztherapie

4.4.6 Niereninsuffizienz und Sport

4.4.7 Zusammenfassung und Ausblick

4.5 Onkologie

4.5.1 Definition

4.5.2 Epidemiologie

4.5.3 Krebserkrankungen und Sport

4.5.4 Empfehlungen für die Praxis

4.6 Palliativversorgung

4.6.1 Definition

4.6.2 Typische Probleme

4.6.3 Palliativmedizin und Sport

4.7 Gynäkologie

4.7.1 Definition

4.7.2 Sportamenorrhö

4.7.3 Weibliche athletische Triade

4.7.4 Sport vor/mit/nach gynäkologischen Malignomen

4.7.5 Sport in der Schwangerschaft

4.8 Immunologie

4.8.1 Definition

4.8.2 Immunologie und Sport

4.8.3 Exkurs Hämatologie

4.8.4 Immunschwäche und Infektanfälligkeit

4.8.5 Sportfähigkeit

4.9 Neurologie

4.9.1 Morbus Parkinson

4.9.2 Multiple Sklerose

4.9.3 Epilepsie

4.9.4 Schlaganfall

4.9.5 Polyneuropathie

4.9.6 Schädel-Hirn-Trauma

4.10 Psychiatrie

4.10.1 Definition

4.10.2 Depression

4.10.3 Sport und Depression

4.10.4 Zusammenfassung und Ausblick

4.11 Orthopädie/Traumatologie

4.11.1 Definition

4.11.2 Gelenke, Gelenkkapseln und Bänder

4.11.3 Muskulatur

4.11.4 Sehnen

4.11.5 Knochen – Stressfrakturen

4.11.6 Sport bei orthopädischen Erkrankungen und nach Operationen

4.12 Dermatologie

4.12.1 Definition

4.12.2 Hauterkrankungen durch Sport

4.12.3 Sport bei Hauterkrankungen

4.13 Pädiatrie

4.13.1 Definition

4.13.2 Physiologische Grundlagen, Trainierbarkeit und Auswirkungen von Training

4.13.3 Sportmedizinische Untersuchung bei Kindern

4.13.4 Prävention adverser Effekte von Sport

4.13.5 Sport bei akuten und chronischen Erkrankungen

4.14 Ophthalmologie

4.14.1 Definition

4.14.2 Augenärztliche Untersuchungen im Sport

4.14.3 Augeninfektionen und ‑verletzungen

4.14.4 Auswirkungen von Augenproblemen im Sport

4.14.5 Schulung von Sehfunktionen, Wahrnehmung und Reaktionszeiten

4.14.6 Fazit

4.15 Literatur

5 Sport in der Rehabilitation

5.1 Herzsport

5.1.1 Einführung

5.1.2 Grundlagen der modernen Bewegungstherapie

5.1.3 Training bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit

5.1.4 Herzgruppen

5.1.5 Fazit für die Praxis

5.2 Sportler in der orthopädischen Rehabilitation

5.2.1 Einführung

5.2.2 Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit

5.2.3 Gelenkschwellung

5.2.4 Koordinatives Training

5.2.5 Behandlung und Training der Muskulatur

5.2.6 Medizinische Trainingstherapie

5.2.7 Zusammenfassung

5.3 Literatur

6 Spezielle sportmedizinische Aspekte und spezielle Sportarten

6.1 Reisemedizin

6.1.1 Globalisierte Sport-Planungsgesichtspunkte

6.1.2 Reisekrankheit

6.1.3 Gesundheits-/Leistungsprophylaxe

6.1.4 Leistungsverhalten unter besonderen Klimabedingungen

6.1.5 Reisethrombose

6.2 Tauchmedizin

6.2.1 Einführung

6.2.2 (Tauch)Physik

6.2.3 Tauchtauglichkeit

6.2.4 Tauchunfälle und Taucherkrankheiten

6.3 Höhenmedizin

6.3.1 Akute Bergkrankheit

6.3.2 Höhenhirnödem

6.3.3 Höhenlungenödem

6.4 Kampfsport

6.4.1 Einleitung

6.4.2 Karate-Do

6.4.3 Judo

6.4.4 Taekwondo

6.5 Langzeitausdauersportarten

6.5.1 Überlastungssyndrome

6.5.2 Hautschäden

6.5.3 Training und Wettkämpfe bei Hitze

6.6 Literatur

7 Sport und Ernährung

7.1 Sportlerernährung allgemein

7.2 Energiestoffwechsel

7.2.1 Energiebilanz und Energiebedarf

7.2.2 Hauptnährstoffe und ihre Verteilung

7.2.3 Energiequellen für verschiedene Belastungen

7.2.4 Trainierter Stoffwechsel

7.2.5 Kohlenhydrate

7.2.6 Fett

7.3 Aspekte der Ernährung

7.3.1 Proteine

7.3.2 Flüssigkeitszufuhr

7.3.3 Wettkampfernährung

7.3.4 Mikronährstoffe

7.3.5 Ergogene Substanzen

7.4 Essstörungen im Sport

7.4.1 Anorexia athletica

7.4.2 Inverse Anorexie

7.5 Literatur

8 Übertrainingssyndrom

8.1 Definition

8.2 Häufigkeit und Entstehung

8.2.1 Epidemiologie

8.2.2 Ätiologie

8.2.3 Pathogenese

8.3 Klinik und Diagnostik

8.3.1 Klinik

8.3.2 Diagnostik

8.4 Therapie und Prävention

8.4.1 Therapie

8.4.2 Prävention

8.5 Literatur

9 Doping

9.1 Definitionen

9.2 Verbotsliste

9.2.1 Substanzen und Methoden, die zu allen Zeiten (in und außerhalb von Wettkämpfen) verboten sind

9.2.2 Im Wettkampf verbotene Substanzen und Methoden

9.2.3 In bestimmten Sportarten verbotene Substanzen

9.3 Doping-Regelungen im Leistungssport

9.3.1 Testpools und Risikogruppen

9.3.2 Medizinische Ausnahmegenehmigung

9.3.3 Sportanthropometrische Hinweise auf Doping im Freizeitsport

9.3.4 Zulässige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel

9.3.5 Boosting

9.4 Doping und Bodybuilding im Freizeitsport

9.4.1 Epidemiologie

9.4.2 Synthol

9.5 Nebenwirkungen und Doping-Stigmata

9.6 Was kann der Hausarzt ausrichten?

9.6.1 Doping-Fragen beim Hausarzt

9.6.2 Vorgehen

9.7 Literatur

10 Leistungsvergütung sportmedizinischer Untersuchungen und Betreuung

10.1 Einleitung

10.2 Liquidation ärztlicher Leistungen

10.2.1 Sozialgesetzbuch V

10.2.2 Individuelle Gesundheitsleistungen

10.3 Sport-Check

10.3.1 Marker des individuellen Risikoprofils

10.3.2 Praktische Umsetzung

10.4 Zusammenfassung

10.5 Literatur

11 Betreuung am Spielfeldrand

11.1 Einleitung

11.2 Ablauf der Betreuung

11.2.1 Vor dem Spiel

11.2.2 Während des Spiels

11.2.3 Halbzeit

11.2.4 Nach dem Spiel

12 Betreuerkoffer

12.1 Einleitung

12.2 Ausstattung

12.2.1 Grundausstattung

12.2.2 Medikamentöse Ausstattung

12.2.3 Notfallmedizinische Ausstattung

12.3 Checkliste

13 Organisation des Untersuchungssystems für Kaderuntersuchungen

13.1 Einleitung

13.2 Nationale Struktur

13.2.1 Bundeskaderathleten

13.2.2 Sportmedizinische Betreuung

13.2.3 Gesundheitsuntersuchungen

13.2.4 Kurative medizinische Betreuung

13.2.5 Finanzierung

13.3 Regionale Strukturen in den Bundesländern

13.3.1 Landeskaderathleten

13.3.2 Das Beispiel Hessen

13.4 Literatur

14 Profisportler und berufsgenossenschaftliche Aspekte

14.1 Einleitung

14.2 Berufsgenossenschaft

14.3 Heilverfahren

14.4 Literatur

15 Rechtliche Aspekte für Sportmediziner

15.1 Einleitung

15.2 Sportrecht

15.3 Patientenrechtegesetz

15.3.1 § 630a BGB – vertragstypische Pflichten

15.3.2 § 630b BGB – anwendbare Vorschriften

15.3.3 § 630c BGB – Mitwirkungs- und Informationspflichten

15.3.4 § 630d BGB – Einwilligung

15.3.5 § 630e BGB – Aufklärungspflichten

15.3.6 § 630f BGB – Dokumentation der Behandlung

15.3.7 § 630g BGB – Einsichtnahme in die Patientenakte

15.3.8 § 630h BGB – Beweislast bei Haftung für Behandlungs- und Aufklärungsfehler

15.3.9 Relevante Kritikpunkte

15.4 Anti-Doping-Recht

15.5 Fazit

15.6 Literatur

16 Branchenspezifisches: Nützliche Adressen, wichtige Publikationen

16.1 Branchenspezifische Landes- und Bundesverbände, sowie Fachgesellschaften

16.2 Wichtige branchenspezifische Fachzeitschriften

Autorenvorstellung

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum/Access Code

1 Sportliches Training und Gesundheit

L. Nitsche, J. Hennig

1.1 Sportliches Training

Der Großteil der Medizin befasst sich mit der Pathogenese und der Therapie von Erkrankungen. Nach dem Salutogenesemodell von Antonovsky steht jedoch die Gesundheit als Prozess im Mittelpunkt. Ein zentraler Punkt in diesem Modell ist die Frage „Wie entsteht Gesundheit?“ Gesundheit ist demnach kein eindimensionales Konstrukt, das durch die Aneinanderreihung von Krafttrainingsreizen entsteht. Sie ist vielmehr ein mehrdimensionales Geschehen, das im sozialen und kulturellen Kontext verbunden ist. Kerngedanke einer präventiven Sportmedizin sollte also die Fragestellung sein „Wie entsteht Gesundheit durch sportliches Training?“

Training und Trainierbarkeit Der Begriff des sportlichen Trainings umfasst die Anpassung des Körpers (auf physischer, motorischer, kognitiver und affektiver Ebene) auf einen Trainingsreiz ▶ [2]. Die Trainierbarkeit hängt von endogenen (z.B. Körperbau, Alter) und exogenen (z.B. Ernährung, Umweltbedingungen) Faktoren ab. Sie gibt den Grad der Anpassung an Trainingsbelastungen wieder und umfasst die Komponenten der Kondition und die Koordination:

Zu den Komponenten der Kondition gehören Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit. Sie weisen eine höchst unterschiedliche interindividuelle Trainierbarkeit auf. Die größten Zuwächse durch sportliches Training sind für die Ausdauerkomponente beschrieben. Die Schnelligkeit ist vor allem genetisch determiniert und somit schlecht trainierbar. Vereinfacht werden diese beiden Endpunkte der Trainierbarkeit im Satz: „Zum Sprinter ist man geboren, Marathon kann jeder laufen!“

Eine Kraftsteigerung ist z.B. auch durch ein Training der intramuskulären Koordination möglich (u.a. Frequenzierung und Rekrutierung motorischer Einheiten).

Es gibt weitere, vielfältige Überschneidungen zwischen Koordination und Kondition.

Breiten- und Leistungssport Es ist nicht immer leicht, zwischen Freizeitsport, Breitensport, ambitioniertem Breitensport, Leistungssport und Hochleistungssport zu unterscheiden. Die alleinige Angabe von Trainingsstunden spiegelt nicht die komplexen Prozesse sportlichen Trainings und ihrer unterschiedlichen Ausprägungen wider. Die reinen Trainingsvolumina (in Trainingsstunden pro Woche) eines ambitionierten Breitensportlers im Langdistanztriathlon können weitaus höher sein als in Randsportarten mit geringer Leistungsdichte selbst im Weltklassebereich.

Die meisten Sportler in der sportmedizinischen Praxis sind Freizeit- und Breitensportler, die den Sportmediziner u.a. mit der Frage nach einer sinnvollen Trainingssteuerung konfrontieren. Einem Jogger (Anfänger) sollte z.B. empfohlen werden, zunächst die Trainingshäufigkeit pro Woche zu erhöhen, dann den Umfang pro Trainingseinheit (z.B. von 20 auf 35 Minuten) und zuletzt die Intensität (Prinzip der ansteigenden Belastung). Bei ambitionierten Breitensportlern, Leistungssportlern und Hochleistungssportlern spielt dann auch die Zyklisierung des Trainings eine Rolle, wobei dieser strukturierte Trainingsprozess entweder eine jahrelange Trainingserfahrung oder die Trainingsplanerstellung durch einen Trainer voraussetzt.

Während die Trainingssteuerung in den metrischen Sportarten (vor allem Ausdauersportarten) durch die Verwendung von Herzfrequenz- und Wattmessgeräten gut standardisiert werden kann, gelingt dies in den nicht metrischen Sportarten wie Fußball, Basketball, Turnen oder Tennis nur bedingt. Ein weiteres Problem stellt sich im Mannschaftssport. Weil der Fitnesszustand der Sportler innerhalb eines Teams sehr verschieden sein kann, bedeutet eine vorgegebene Belastung nicht für jeden Sportler die gleiche Beanspruchung. Außerdem lassen sich nicht alle Beanspruchungen in der Sportpraxis messen: Während die Herzfrequenz beim Laufen (kardiopulmonale Beanspruchung) oder das Laktat beim Radfahren bestimmt werden können (Beanspruchung des Energiestoffwechsels [Laktat als Endprodukt der anaeroben Glykolyse]) ▶ [3], ist dies bei der Beanspruchung des passiven Bewegungsapparats (vor allem Sehnen und Knorpel) in der täglichen Sportpraxis nicht möglich ▶ [2].

1.2 Gesundheitsförderung und Prävention

Sport und Bewegung haben angesichts des demografischen Wandels mit steigendem Durchschnittsalter eine zunehmende Bedeutung. Auf der einen Seite ist die körperliche Fitness für viele ein Mittel, um Jugendlichkeit und Gesundheit zu erhalten, und durch die sportmedizinische Forschung ist nachgewiesen, dass regelmäßige moderate Aktivität zahlreichen Erkrankungen und Gesundheitsstörungen vorbeugen kann. Auf der anderen Seite können diese Aktivitäten auch im Fitnesswahn enden oder zu einem Übertrainingssyndrom führen.

Merke

Mediziner werden im Praxisalltag täglich mit sportmedizinischen Problemen und Fragestellungen konfrontiert.

1.2.1 Gesundheitsförderung

Trimm-Dich-Bewegung Um die deutsche Bevölkerung in gesunde Bewegung zu bringen, hat der Deutsche Sportbund 1970 die Trimm-Dich-Bewegung ins Leben gerufen. Durch Unterstützung von Politik, Krankenkassen und Wirtschaft wurde den zunehmenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Übergewicht durch Ausdauersport entgegengewirkt. Städte und Gemeinden haben sog. Trimm-Dich-Pfade installiert. Auf der Basis sportärztlicher Empfehlungen brachte später die Aktion „Trimming 130“ Millionen von Menschen in Bewegung. Leider führten jährlich neue Zielsetzungen und fehlende Gelder, um die Trimm-Dich-Pfade instand zu halten, zu einer weiter abnehmenden Zahl der Trimm-Aktion-Teilnehmer.

Tri-Trimming Krankenkassen fördern Bewegung durch Aktionen wie „Deutschland bewegt sich“ oder „Mit dem Rad zur Arbeit“. Die neue Gesundheitsaktion Tri-Trimming besteht aus den Ausdauersportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen, da die Kombination dieser 3 Sportarten für die Gesundheit besonders förderlich ist. Durch die Abwechslung der Bewegungsmuster treten auch bei Anfängern weniger häufig Sportschäden oder Sportverletzungen auf. Tri-Trimming für Einsteiger umfasst einen „Volkstriathlon“ mit 500m Schwimmen, 20km Radfahren und 5km Laufen pro Woche (www.tri-trimming.de).

Betriebliche Gesundheitsförderung Handlungsfelder der betrieblichen Gesundheitsförderung sind verhaltens- und verhältnisorientierte Gesundheitsförderungsmaßnahmen. Dazu gehören auch Bewegungs- und Freizeitangebote (Rücken- und Bewegungsprogramme, Sportgruppen sowie externe Kursangebote). Nicht nur weil die betriebliche Gesundheitsförderung steuerlich absetzbar und im Präventionsgesetz verankert ist, sollte diese in jedem Unternehmen durchgeführt werden, um Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu gewährleisten.

1.2.2 Prävention durch Sport

Bewegung ist das einzige Mittel, das

zur Verhinderung von Erkrankungen (Primärprävention: z.B. Adipositas),

zur Eindämmung ihres Fortschreitens bzw. der Chronifizierung (Sekundärprävention: z.B. Diabetes mellitus) sowie

zur Rehabilitation von Erkrankungen (Tertiärprävention: z.B. Koronarsport)

Anwendung findet. Wie andere medizinische Therapien ist auch der Sport auf dem Weg, sich als Therapie evidenzbasiert und leitlinienorientiert zu etablieren.

Wirkungen eines Ausdauertrainings Ein körperliches Ausdauertraining hat die folgenden Wirkungen:

Es verbessert die allgemeine Fitness und insbesondere die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems, senkt die Herzfrequenz in Ruhe und unter körperlicher Belastung und den Blutdruck.

Bei Übergewichtigen führt es zur Abnahme des Körpergewichts.

Im Stoffwechsel senkt es erhöhte Blutfettwerte und den Blutzuckerspiegel, verbessert den Muskelstoffwechsel und die Fettverbrennung und erhöht die Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes.

Ein gut dosiertes Ausdauertraining unter ärztlicher Anleitung verbessert die Immunabwehr und Reparaturmechanismen. Dadurch wird Infekten und malignen Erkrankungen vorgebeugt.

Eine erhöhte körperliche Aktivität verändert das Ernährungsverhalten und reduziert den Nikotinabusus.

Der Belastungsstoffwechsel könnte zentralnervöse Effekte hervorrufen, die ähnlich wie die bei Depression eingesetzten Pharmaka wirken.

Durch ein effektives Senken von Stresshormonen wird Stresskrankheiten vorgebeugt.

Merke

Es wird ein täglicher Kalorienverbrauch von zusätzlich mindestens 1000kcal/Woche oder durch eine intensive körperliche Belastung von 200–300kcal täglich gefordert.

Verbesserung der Lebensqualität Die Empfehlung des American College of Sports Medicine (ACSM) zur Verbesserung der Lebensqualität ist ein 30-minütiges moderates Training (50–70% der maximalen Herzfrequenz) an mindestens 5 Tagen pro Woche. Alternativ sind auch 10-Minuten-Einheiten dreimal täglich bei intensiver Intensität möglich (deutlicher Anstieg von Herz- und Atemfrequenz, Schwitzen). Zusätzlich wird ein Krafttraining bis zweimal pro Woche zu einem sonst aktiven Alltag empfohlen.

Krafttraining im Alter In höherem Lebensalter zeigt sich eine Sarkopenie, also ein Abbau von Skelettmuskulatur. Dadurch sind alte Menschen meist nicht nur weniger kräftig, sondern können auch leichter stürzen. Auch im Alter kann die Kraft jedoch gut trainiert werden, wobei ein Krafttraining nicht nur zum Zuwachs der Muskelkraft führt, sondern auch die Gehgeschwindigkeit und das Gangbild verbessert. Mehrgelenkige Kraftbelastungen und Balancetraining führen zu einer Sturzprophylaxe. Dabei gelten die folgenden Empfehlungen:

Für ein Muskelquerschnittstraining ist eine submaximale Trainingsintensität für eine mittlere bis längere Belastungsdauer und mindestens 2 Belastungen pro Muskelgruppe und Woche sinnvoll.

Die intramuskuläre Koordination wird üblicherweise verbessert, indem man die Intensität erhöht, die Wiederholungszahl reduziert und die Pausen verlängert.

Für den Bereich des sensomotorischen Trainings hat sich eine Mindestbelastung von 8–10 Einzelreizen pro Übung zweimal wöchentlich mit einem begleitenden Beweglichkeitstraining als sinnvoll erwiesen.

1.2.3 Prävention im Sport

Bei der Prävention im Sport geht es darum, Sportler vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren. Zum einen kann man mit einer Sportvorsorgeuntersuchung frühzeitig Gesundheitszustände erkennen, die Gesundheitsstörungen oder Sportschäden bedingen können. Zum anderen eignen sich verschiedene Maßnahmen zur Verletzungsprävention in der Sportausübung.

1.2.3.1 Sportvorsorgeuntersuchung

Die präventive Wirkung von Sport zur Krankheitsvorbeugung, zur Therapie von Erkrankungen und zur Rehabilitation ist unbestritten. Das darf jedoch nicht dazu führen, dass jedem Patienten ohne Vorbedingung und ohne Voruntersuchung eine sportliche Betätigung empfohlen wird. Die tägliche Praxis zeigt aber, dass Sportler in der Regel zum Sportmediziner kommen, wenn es bereits zu Sportschäden oder Sportverletzungen gekommen ist, nicht aber vorher, um die Gefahr genau dieser Sportfolgen zu minimieren. Dazu tragen sicher auch leistungsdiagnostische Untersuchungen zur Trainingssteuerung bei, die aufgrund computergestützter Automatisierung von selbst ernannten Leistungsdiagnostikern durchgeführt werden.

Cave!

Eine sportliche Betätigung zur Prävention sollte nur empfohlen werden, wenn auch die Sporttauglichkeit nachgewiesen ist.

Verpflichtende Untersuchung Verpflichtende Sportvorsorgeuntersuchungen findet man in den Sportarten Tauchen, Motorsport, Flugsport, Schwimmen und, wenn Jugendliche am Wettkampfsport der Aktiven teilnehmen. Kaderuntersuchungen werden von speziellen Untersuchungsstellen ausschließlich bei Kaderathleten durchgeführt. In Italien und Frankreich ist eine nachgewiesene Sporttauglichkeit Voraussetzung zur Teilnahme an Laufveranstaltungen. Vor dem Hintergrund zunehmender Klagen Geschädigter ist eine ähnliche Vorgehensweise auch in Deutschland zu empfehlen.

Bedeutung der Untersuchung Vor dem Hintergrund möglicher juristischer Folgen sollten z.B. Krankenkassen, Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung sowie Sportvereine, Physiotherapiepraxen und Fitnessunternehmen ohne Sporttauglichkeitsuntersuchungen keine allgemeinen Empfehlungen zum Sporttreiben mit dem Sinn der Prävention aussprechen. Sportvorsorgeuntersuchungen sollten ausschließlich von qualifizierten Sportmedizinern durchgeführt werden. Ohne weitere Untersuchung eine Sporttauglichkeit zu attestieren, ist grob fahrlässig.

Umfang der Untersuchung Der Umfang dieser Untersuchung orientiert sich in der Regel an der S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention und umfasst die Anamneseerhebung (medizinisch und sportorientiert), eine körperliche internistische und orthopädische Untersuchung, ein Ruhe-EKG und eine Spirometrie ▶ [1]. Bei Risikofaktoren oder leistungsorientiertem Training gehört dazu auch eine Ergometrie mit Laktat-Leistungsdiagnostik. Die Kosten für die Basisuntersuchung betragen ca. 60€, für die um die Leistungsdiagnostik erweiterte Untersuchung ca. 150€. Eine Sportvorsorgeuntersuchung sollte in der Regel alle 2 Jahre durchgeführt werden.

Praxistipp

Viele Krankenkassen haben mittlerweile erkannt, dass Sportvorsorgeuntersuchungen medizinisch sinnvoll sind und erstatten daher zumindest den größten Teil der Kosten, wenn diese beim qualifizierten Sportmediziner durchgeführt werden. Aktuelle Informationen unter www.dgsp.de oder www.check4sports.de.

1.2.3.2 Verletzungsprävention

Einflussfaktoren Zahlreiche intrinsische und extrinsische Faktoren können Sportverletzungen forcieren oder verschlimmern: mangelhafte Ausrüstung, Sportgeräte und Wettkampfanlagen, Witterung, mangelhafte Hilfestellung, Fremdeinwirkungen, sportartspezifische Risiken, mangelhafte Technik und Kondition, Regelverstöße, Übermüdung, Infekte und nicht auskurierte Sportverletzungen und –schäden.

Merke

Durch ein individuell angepasstes und geplantes sportliches Training können Verletzungen im Alltag und insbesondere in der Sportausübung reduziert werden.

Ziel der Verletzungsprävention Ziel der Verletzungsprävention sind das Training der Rumpfstabilität, der Beinachsenstellung bzw. funktionellen Kniegelenksstabilität, die Korrektur fehlerhafter Bewegungsmuster, die Beseitigung von Funktionseinschränkungen von Gelenken und Weichteilen, die Verbesserung der Balancefähigkeit sowie der Ausdauer.

Zur Evidenz der Ablehnung des präventiven Einsatzes von Dehnungsübungen und Aufwärmen zur unmittelbaren und langfristigen Verletzungsprophylaxe besteht noch dringender Forschungsbedarf.

1.3 Literatur

[1] Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. S1-Leitlinie Vorsorgeuntersuchung im Sport. Im Internet: http://dgsp.de/_downloads/allgemein/leitlinie_vorsorgeuntersuchung_4.10.2007–1-19.pdf; Stand: 28.08.2015

[2] Radlinger L, Bachmann W, Homburg J et al. Rehabilitative Trainingslehre. Stuttgart: Thieme; 1998

[3] Weineck J. Sportbiologie. Balingen: Spitta; 2009

Weiterführende Literatur

[4] Weineck J. Optimales Training. Balingen: Spitta; 2009

3 Leistungs- und Funktionsdiagnostik

3.1 Körperbau und Körperzusammensetzung (Sportanthropologie)

C. Raschka

3.1.1 Definitionen

Sportanthropologie