Praxis der Psychotherapie -  - E-Book

Praxis der Psychotherapie E-Book

0,0
109,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Das Standardwerk der Psychotherapie

Das Buch vermittelt systematisch und praxisbezogen den aktuellen Stand der Psychotherapie. Führende Fachvertreter stellen alle wissenschaftlich anerkannten Grundorientierungen vor und bieten einen umfassenden Einblick in die Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Systemische und Humanistische Therapie.

  • Aktuell: der neueste Wissensstand zu diagnostischen Verfahren und Behandlungstechniken
  • Ausführlich: Diagnostik, Indikation und Therapieoptionen für ein sehr breites Störungsspektrum
  • Praxisnah: zahlreiche Hinweise und Handlungsempfehlungen für den therapeutischen Alltag
  • Einzigartig: das gesamte Spektrum der psychotherapeutischen Verfahren, detailliert und systematisch aufgeführt in einem Band

Dieses Standardwerk ermöglicht es, andere Therapieverfahren kennenzulernen und gibt neue Denkanstöße für eigene Behandlungsstrategien.

Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 2538

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Praxis der Psychotherapie

Ein integratives Lehrbuch

Herausgegeben von

Wolfgang Senf, Michael Broda, Dunja Voos, Martin Neher

Unter Mitarbeit von

Christoph J. Ahlers, Anna Aydin, Rahel Bachem, Marc Ballerstein, Markus Bassler, Anke Bebermeier, Sönke Behnsen, Jürgen Bengel, Thomas Berger, Matthias Berking, Klaus W. Bilitza †, Jutta Billino, Gaby Bleichhardt, Maria Borcsa, Michael Brünger, Anna Buchheim, Franz Caspar, Reiner W. Dahlbender, Arno Deister, Michael Dieckmann, Christian Dürich, Johannes C. Ehrenthal, Frauke Eibner, Christiane Eichenberg, Yesim Erim, Jörg M. Fegert, Peter Fiedler, Christoph Flückiger, Harald J. Freyberger †, Hans-Christoph Friederich, Michael Geyer, Ulrich Gruler, Martin Grunwald, Harald Gündel, Jan Häusser, Iver Hand, Christine Heim, Sylvia Helbig-Lang, Anja Hilbert, Michael Hölzer, Jürgen Hoyer, Christina Hunger-Schoppe, Frank Jacobi, Tanja Jacobi, Sarah Kegat, Eva-Marie Kessler, Kathrin Koch, Volker Köllner, Ueli Kramer, Katharina Kufner, Robert Kumsta, Angelika Lakatos-Witt, Claas-Hinrich Lammers, Stefan Leidig, Hans Lieb, Michael Linden, Louisa Lorenz, Vanessa Lux, Andreas Maercker, Giovanni Maio, Wolfgang Mertens, Christian Messer, Andrea Möllering, Stephanie Müller, Christoph Nikendei, Bernhard Palmowski, Meinolf Peters, Kurt Quaschner, Miriam Rassenhofer, Sabine Rehahn-Sommer, Hans Reinecker, Gaby Resmark, Karsten Rudolf, Lasse Sander, Gerard A. Schaefer, Rainer Schaefert, Henning Schauenburg, Rainer Scheuer, Frank Schneider, Petra Schuhler, Jochen Schweitzer-Rothers, Hanne Seemann, Inge Seiffge-Krenke, Philine Senf-Beckenbach, Stefan Siegel, Eva-Maria Skoda, Stephanie Spengler, Carsten Spitzer, Sebastian Stegmann, Runald Stritzel, Jennifer Svaldi, Sefik Tagay, Svenja Taubner, Tobias Teismann, Martin Teufel, Brunna Tuschen-Caffier, Gerd Wagner, Hans-Günter Weeß, Silke Wiegand-Grefe, Bettina Wilms, Hans-Ulrich Wilms, Ines Wolz, Tina Zeiss, Max Zettl, Friederike T. Zimmer, Peter Zimmermann

6., überarbeitete Auflage

73 Abbildungen

Vorwort zur 6. Auflage

Mit der 1. Auflage 1996 hatten wir, die Gründungsherausgeber, nicht zu hoffen gewagt, dass 2 Jahrzehnte später eine 6. Auflage folgen würde. Die damalige gleichgewichtige Zusammenführung von Psychoanalyse und Verhaltenstherapie, die aber noch in jeweils eigenen Kapiteln erfolgte, wurde von mancher Seite als ein mutiger Schritt begrüßt. Mutig, weil es von anderer Seite deutliche Kritik und Ablehnungen gab. Damals standen sich die beiden „Schulen“ unversöhnlich bis feindselig gegenüber. Die nachfolgenden Auflagen dokumentieren ein Zusammenwachsen dahingehend, dass die verschiedenen „Therapieschulen“ heute nicht mehr als Konkurrenten, sondern als unterschiedliche therapeutische Kompetenzen verstanden werden, die sich zum Nutzen der PatientInnen optimal ergänzen wenn sie differenziell zum Einsatz kommen.

Auch in dieser 6. Auflage sind die theoretischen und klinischen Grundlagen der verschiedenen psychotherapeutischen Systeme und die daraus entwickelten Behandlungsgrundsätze und Verfahren ausführlich in ihrer Originalität und Eigenständigkeit dargestellt. Es werden aber die theoretischen und klinischen Gemeinsamkeiten noch sichtbarer und deutlicher, z.B. in Bezug auf die Bedeutung der allgemeinen Wirkfaktoren, und es wird ein Schritt gewagt hin zu einer Theorie-übergreifenden allgemeinen Ätiologie und Behandlungstheorie.

Jetzt haben wir fast das Ziel erreicht, dass wir uns schon mit der Konzeptualisierung zur 1. Auflage gesetzt hatten. In diesem Lehrbuch ist zusammengewachsen, was in der psychotherapeutischen Praxis zusammengehört, ohne dass die jeweilige Originalität der unterschiedlichen „Partner“ verleugnet, hinweggeredet oder bagatellisiert wird. Auf diesem Hintergrund hat dieses Lehrbuch seit dem Jahr 2000 ein Geschwister, das wissenschaftliche Journal Psychotherapie im Dialog (PiD), das auch auf dem Boden dieses integrativen Ansatzes steht.

Die Runde der HerausgeberInnen ist mit dieser Auflage um Dunja Voos und Martin Neher erweitert. Das drückt unsere Zuversicht auf weitere Auflagen aus.

In den mehr als zwei Jahrzehnten haben MitautorInnen gewechselt, auch in dieser Auflage sind viele meist jüngere dazu gekommen und andere ausgeschieden. An dieser Stelle danken wir allen den Mitautorinnen und Mitautoren, die in den letzten zwei Jahrzehnten zu dem Erfolg beigetragen haben, jetzt aber nicht mehr dabei sind. Auf eine Besonderheit möchten wir noch hinweisen: das Literaturverzeichnis wurde über die Auflagen hinweg fortgeschrieben, es findet sich fast alle Literatur zur Psychotherapie.

Die psychotherapeutische Versorgungslandschaft ist aktuell in einem Umbruch. In den kommenden Jahren wird es einige Veränderungen geben betreffend die Aus- und Weiterbildungen, die Kassenfinanzierung wie z.B. das Gutachterverfahren, berufsrechtliche Grundlagen und andere Bereiche. Insoweit können einige der vor allem in Teil XI dargestellten Grundlagen in absehbarer Zeit überholt sein. Dafür besteht online die Möglichkeit, die jeweiligen Veränderungen und die dann gültigen Regelungen über einen Link auf ein PDF abzurufen.

Wir hoffen, dass auch diese neue Auflage einen Beitrag zur weiteren Versachlichung der Arbeit mit den unterschiedlichen psychotherapeutischen Kompetenzen zum Nutzen der von uns behandelten Patient*innen leisten wird.

Essen, Dahn, Pulheim, Freiburg im August 2019Wolfgang SenfMichael BrodaDunja VoosMartin Neher

Vorwort zur 1. Auflage

Als sich die beiden Herausgeber vor Jahren in einer Arbeitsgruppe des „Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin“ zusammensetzten und Konzepte stationärer psychoanalytischer und verhaltenstherapeutischer Psychotherapie gegenüberstellten, war der erste Schritt auf einem Weg unternommen, der jetzt in der Fertigstellung dieses Lehrbuchs mündete. Die spannende Diskussion beleuchtete damals Aspekte der jeweiligen anderen Therapieschule, die bislang wohl versteckt hinter einer Mauer von gut gepflegten Vorurteilen blieben, und vermehrte die Erkenntnis, daß manches bei der „Gegenseite“ gar nicht so anders war, nur anders benannt wurde.

Der Zufall, daß diese Begegnung am Tag vor der Öffnung der Grenze zur DDR stattfand, verstärkte sicherlich den Willen, auch Mauern zwischen Therapieschulen durchlässiger zu machen. Zunächst dominierte der Wunsch, sich genauer darüber zu informieren, was die jeweilig andere Schule bei bestimmten Problemen macht und wie sie dies theoretisch fundiert.

Psychoanalytiker stochern immer nur in der Kindheit herum und spekulieren – Verhaltenstherapeuten kurieren Symptome oberflächlich und lassen die Biographie eines Menschen außer acht. Auch wenn niemand die Vorurteile in dieser platten Form ausspricht, so sind sie unserer Überzeugung nach Bestandteil von Überzeugungssystemen vieler Therapeuten. Somit stellten wir uns die Aufgabe, zunächst transparent zu machen, was die jeweils andere Richtung nach heutigem Erkenntnisstand für Positionen vertritt. Daß ein Psychoanalytiker nur in Ausnahmefällen zu einem guten Lehrbuch über moderne Verhaltenstherapie greifen wird – und dann vieles nicht versteht –, ist ein Dilemma, das ein Verhaltenstherapeut gut nachvollziehen kann. Meist erstrecken sich seine Kenntnisse über Psychoanalyse auf ein wenig Freud (meist vor dem Studium) oder einige theoretische Ätiologiemodelle. Und verständlich sind die publizierten Fallstudien in der Regel schon aus begrifflichen Gründen nicht.

Eine weitere Mauer existiert zwischen den Berufsgruppen der Ärzte und der Psychologen. Seit die klinische Psychologie mit dem Aufkommen vor allem der Verhaltenstherapie effektive Verfahren zur psychotherapeutischen Krankenbehandlung entwickelt hat, kämpfen sie und ihre Vertreter um einen gleichberechtigten Platz im Gesundheitswesen. Manche Mediziner sehen dadurch ihre Monopolstellung in der Versorgung gefährdet, manche Psychologen erklären Mediziner in dem Feld der Behandlung psychischer Erkrankungen für überflüssig. Auch hier ist es u.E. unerläßlich, Kooperationsformen unter der gegenseitigen Achtung der jeweiligen Kompetenzen zu fördern und die Chance, die sich aus der Zusammenarbeit dieser Berufsgruppen ergibt, zu nutzen. Die Tatsache, daß als Erstherausgeber des Lehrbuchs ein psychoanalytischer Arzt fungiert, hat mit dieser Problematik nichts zu tun. Er hatte die Idee zu diesem Buch und suchte sich dafür einen psychologischen Verhaltenstherapeuten als Partner.

Die Grenze zwischen den beiden großen Therapieschulen durchlässiger zu machen heißt jedoch nicht, eine Psychowelle nach dem Motto „Hauptsache, es wird etwas in Gang gesetzt“ zu unterstützen. Mit diesem Buch wollen wir auch deutlich machen, daß es Standards in der Psychotherapie gibt, die erfüllt werden müssen, daß die Qualität überprüfbar sein muß und therapeutisches Vorgehen nachvollziehbar zu sein hat. Diesen Forderungen entsprechen längst nicht alle Angebote auf dem „Psychomarkt“, es ist auch Intention dieses Lehrbuchs, Qualität und Mythos voneinander abzugrenzen und unterscheidbar zu machen. In Zeiten vermehrter Diskussion um die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens droht die „sprechende Medizin“, wie die Psychotherapie von Ärzten gerne genannt wird, wegen ihrer geringen Lobby, am ehesten Kürzungen unterworfen zu werden. Wenn dann noch, wie am Beispiel des Psychotherapeutengesetzes demonstrierbar, sich die Therapieschulen und Berufsgruppen untereinander die härtesten Gefechte liefern, wird es noch leichter, Psychotherapie aus der Krankenbehandlung zu drängen. Deswegen sind wir der Ansicht, daß die „Bedrohung“ der Psychotherapie nicht von dem jeweils anderen Therapieverfahren kommt, sondern psychotherapeutische Verfahren insgesamt, so sie qualitativen Überprüfungen standhalten, im Gesundheitswesen als Heilmethode ihren Stand nach außen verteidigen müssen. Nicht zuletzt macht die Diskussion um die Einführung eines Selbstbeteiligungsbeitrags bei ambulanter und stationärer Psychotherapie deutlich, welchen Stellenwert manche Gesundheitspolitiker dieser Therapieform einräumen.

Im Gegensatz zu diesen Entwicklungen kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß sich die Psychotherapie in den letzten Jahrzehnten zu einer respektierten klinischen und wissenschaftlichen Disziplin entwickelt hat, die sich für die Behandlung psychischer Erkrankungen als geeignet und wirksam erwiesen hat. Die heutige Psychotherapie gründet auf Krankheits- und Behandlungstheorien, die sich über Jahrzehnte aus der klinischen Praxis entwickelt und für die klinische Praxis bewährt haben. Dies hat eine bemerkenswerte Vielfalt von therapeutischen Möglichkeiten hervorgebracht, mit denen Krankheiten und Leidenszustände behandelt werden können, die zu früheren Zeiten als kaum behandelbar galten. Dennoch war und ist bis heute kaum eine andere Behandlungsmethodik im Gesundheitswesen einem vergleichbar hohen Legitimationsdruck ausgesetzt. Die Bedeutung von Psychotherapie in der Krankenversorgung wird gelegentlich immer noch angezweifelt, eigenartigerweise auch unter Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit, obwohl feststeht, daß bei vielen Erkrankungen durch eine rechtzeitig eingeleitete Psychotherapie kostenträchtige Patienten„karrieren“ und Chronifizierungen hätten vermieden werden können. Sicherlich auch als Reaktion auf diese Vorwürfe unterzieht sich die Psychotherapie selbst einer, mit anderen Methoden im Gesundheitswesen vergleichsweise sehr strengen, wissenschaftlichen Kontrolle und Evaluation der eigenen Praxis. Zudem ist kein anderes Therapieverfahren einer so konsequenten Qualitätssicherung unterworfen wie die Psychotherapie, wenn bedacht wird, daß keine Behandlung ohne vorherige Genehmigung durch Gutachterverfahren durchgeführt werden darf oder Qualitätssicherungsprogramme von Leistungsträgern entwickelt worden sind, die zu weitestgehender Transparenz und Überprüfbarkeit der erbrachten Therapien zwingen. Wer auf dem Stand der neuesten Erkenntnisse Psychotherapie ausüben will, muß Wissen über und Erfahrungen mit allen in der Patientenversorgung anerkannten und angewendeten Grundverfahren und Behandlungstechniken haben sowie mit Versorgungsstrukturen vertraut sein. Dies ist unerläßlich, um zu einer fachlich korrekten Differentialindikation in der Lage zu sein und Empfehlungen für eine sachgerechte Psychotherapie geben zu können. Voraussetzung dafür ist, daß die Vertreter der verschiedenen Schulen ihre eigenen Positionen kritisch reflektieren und Vorurteile abbauen. Hier sind insbesondere diejenigen angesprochen, die als Lehrende die Inhalte der einzelnen Schulen vermitteln.

Zudem sollte jede Psychotherapeutin und jeder Psychotherapeut zumindest in einem gewissen Umfang in der Lage sein, Diagnostik und Behandlungstechniken der verschiedenen Grundverfahren selbst anzuwenden. Dies wird nicht nur in den neuen ärztlichen und psychologischen Weiterbildungsverordnungen gefordert, sondern sollte zum Selbstverständnis psychotherapeutischer Berufsidentität gehören.

Dieses Lehrbuch stellt die psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Grundverfahren und Behandlungstechniken einander gegenüber und bietet somit erstmals die Möglichkeit, sich systematisch, fundiert, objektiv und gleichzeitig praxisbezogen vom Überblick bis ins Detail über die gegenwärtige psychotherapeutische Praxis zu informieren. Dabei werden auch die Verfahren vorgestellt, die zur Zeit nicht zu den anerkannten Verfahren zu rechnen sind.

Geschrieben ist das Lehrbuch für alle, die an Psychotherapie interessiert sind:

Für den Anfänger, der sich eingehend über die Psychotherapie und die Ausbildung orientieren und einen ersten Einstieg finden möchte.

Für den Lernenden, der alles, was er in der Aus- und Weiterbildung braucht, in diesem Buch finden kann.

Für den Lehrenden, der alle Ausbildungsinhalte von anerkannten Experten kurz und übersichtlich dargestellt vorfindet.

Für den Professionellen, der es wagen möchte, einen Blick über den Zaun seiner eigenen psychotherapeutischen Praxis zu werfen oder zu überprüfen, ob eigene Behandlungsstrategien noch dem heutigen Wissensstand entsprechen.

Für die interessierte Öffentlichkeit (Gesundheitsbehörden, Kostenträger, Politiker), die sich in diesem Buch einen differenzierten und objektiven Überblick verschaffen kann.

Mit diesem Buch wollen wir dazu beitragen, daß die Überzeugung wächst, nur durch das Kennenlernen anderer Sicht- und Vorgehensweisen sich auch aufeinander zu bewegen zu können. Damit setzen wir auf Kooperation zwischen den Schulen statt auf Konfrontation. Für die weitere Entwicklung ist es aus unserer Sicht unerläßlich, sich auf gemeinsame Definitionen des Gegenstands zu verständigen und erprobtes und evaluiertes Wissen auch anderer Schulen zu integrieren. Dies soll nicht mißverstanden werden in Richtung eines unreflektierten Eklektizismus oder Integratismus – es werden nach wie vor auch große Unterschiede zwischen den Verfahren bestehen bleiben. Verschiedene Berufsgruppen müssen auch weiterhin eindeutig unterscheidbar bleiben und die Möglichkeit beibehalten, ihre Ausbildungs- und Anwendungsschwerpunkte nach ihrer persönlichen Entscheidung festzulegen. Die Grundlage für die Entscheidung soll jedoch mit diesem Lehrbuch rationaler gefällt werden können.

Psychotherapie lebt vom gegenseitigen Ideenaustausch. Wir hoffen, daß das Buch die Vertreter verschiedener Schulen vermehrt zu gegenseitigem Austausch anregt und ermutigt.

Wir haben der Grundidee dieses Buchvorhabens entsprechend viele Kollegen und Freunde, Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeuten, Ärzte und Psychologen gebeten, zu unserem Projekt einen Beitrag beizusteuern. Somit konnten wir die verschiedenen Schulen und die verschiedenen Berufsgruppen gleichberechtigt zu Wort kommen lassen und ein Überwiegen einer theoretischen Auffassung oder einer berufspolitischen Position weitestgehend vermeiden.

Das Vorwort ist auch der Ort des Dankes. Großer Dank gebührt an erster Stelle den Autorinnen und Autoren, die wir als Experten für ihr jeweiliges Thema für dieses Projekt gewinnen und auch begeistern konnten. Sie haben alle in ihrer knapp bemessenen Zeit hervorragende und komprimierte Arbeiten beigesteuert. Wir denken, daß sie damit Vorreiter einer zukunftsorientierten Entwicklung der Psychotherapie sind. Wir möchten an dieser Stelle auch nicht verschweigen, daß wir bei manchen Kollegen mit unserem Konzept auf große Skepsis und Ablehnung gestoßen sind.

Herzlichen Dank sagen wir Herrn Dr. med. Thomas Scherb vom Georg Thieme Verlag. Er hat das Projekt mit innerer Verbundenheit, Geduld und Anregungen gefördert und begleitet und uns zum jeweils rechten Zeitpunkt kritisch ermutigt.

Essen/Berus, Wolfgang Senfim Sommer 1996 Michael Broda

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort zur 6. Auflage

Vorwort zur 1. Auflage

Teil I Was ist Psychotherapie?

1 Psychotherapie – Eine Standortbestimmung

1.1 Psychotherapie – was ist das?

1.2 Behandeln durch Kommunikation

1.2.1 Vielfalt und Variationsbreite

1.2.2 Integration als notwendige Perspektive

1.3 Professionalität

1.3.1 Erfolg und Notwendigkeit

1.4 Psychotherapie – Verankerung in der Gesellschaft

2 Geschichte und Entwicklungslinien der Psychotherapie

2.1 Vom Schamanismus zur Psychotherapie

2.1.1 Der Schamane als Psychotherapeut

2.1.2 Seelen- oder Körpermedizin – Anfänge der Spezialisierung

2.1.3 Der Begriff „Psychotherapie“ entsteht – außerhalb der Medizin

2.1.4 Vom Priesterarzt zum Laienarzt – das europäische Mittelalter

2.2 Entwicklungslinien der Psychotherapie im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert

2.2.1 Das Auftauchen von Psychosomatik und allgemeiner Psychotherapie in der modernen Medizin

2.2.2 Die Psychotherapie in der Inneren Medizin der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

2.2.3 Der Erste Weltkrieg – Startpunkt für die Entwicklung der Psychotherapie zu einem Spezial- und Querschnittsgebiet der Medizin

2.3 Tief- und Höhepunkte der Professionsgeschichte im 20./21. Jahrhundert

2.3.1 Die erfolgreiche Institutionalisierung und Professionalisierung der Psychotherapie in der Zeit des Nationalsozialismus

2.3.2 Psychotherapie in Deutschland nach 1945

2.4 Der gesellschafts- und kulturübergreifende Bezug der Psychotherapie

2.5 Methodenvielfalt gegen Schulen

2.6 Perspektiven für die Zukunft

3 Epidemiologie

3.1 Einleitung

3.2 Die wichtigsten Grundbegriffe der Epidemiologie

3.2.1 Prävalenz

3.2.2 Inzidenz

3.2.3 Relatives Risiko, Odds Ratio, attributable risk

3.3 Epidemiologische Studiendesigns und Interpretationsmöglichkeiten

3.4 Prävalenz, Behandlungsangebot und Krankheitslast psychischer Störungen

3.4.1 Aktuelle Prävalenzzahlen aus epidemiologischen Feldstudien

3.4.2 Zur Diskussion um die Zunahme psychischer Störungen

3.4.3 Bedarf an und Nutzen von klinisch-psychologischen Interventionen

3.4.4 Krankheitslast psychischer Störungen

4 Ethik der Psychotherapie

4.1 Psychotherapie als Kunst des Verstehens

4.2 Ethik der Psychotherapie als Hermeneutische Ethik

4.3 Grundcharakteristika einer Hermeneutischen Ethik

4.4 Grundelemente einer Ethik des Verstehens

4.4.1 Verstehen als Anerkennen der Andersartigkeit des anderen

4.4.2 Verstehen als Hineindenken aus der Distanz

4.4.3 Verstehen als Ganzheitsverstehen

4.4.4 Verstehen als Haltung des Wohlwollens

4.4.5 Verstehen als kreatives Erschließen

4.5 Ethische Grenzen der Psychotherapie

4.6 Sinn der Psychotherapie

Teil II Psychologische Grundlagen

5 Der allgemeinpsychologische Kontext menschlichen Erlebens und Verhaltens

5.1 Einleitung

5.2 Lernen und Gedächtnis

5.2.1 Lernen

5.2.2 Gedächtnis

5.2.3 Beispielhafte Anwendung in Psychotherapie

5.3 Kognition

5.3.1 Schlussfolgerndes Denken

5.3.2 Problemlösen

5.3.3 Beispielhafte Anwendung in Psychotherapie

5.4 Emotion

5.4.1 Emotionskomponenten

5.4.2 Emotionstheorien

5.4.3 Beispielhafte Anwendung in Psychotherapie

5.5 Motivation

5.5.1 Bedürfnistheorien der Motivation

5.5.2 Kognitive Motivationstheorien

5.5.3 Beispielhafte Anwendung in Psychotherapie

6 Entwicklung

6.1 Frühkindlicher Stress und Neurobiologie

6.1.1 Einleitung

6.1.2 Epidemiologie

6.1.3 Verlauf und Folgen frühkindlicher Traumatisierung

6.1.4 Neurobiologische Effekte von frühkindlichem Stress

6.1.5 Implikationen für die psychotherapeutische Behandlung

6.2 Epigenetik: Stress und Psychotraumatisierung

6.2.1 Einleitung

6.2.2 Psychosoziale Einflüsse auf epigenetische Prozesse

6.2.3 Wirkmodelle

6.2.4 Befunde aus Humanstudien

6.2.5 Debatte um Transgenerationalität

6.2.6 Integration von Gen-Umwelt-Interaktion

6.3 Körperschema und Körperbild

6.3.1 Einleitung

6.3.2 Körperschema

6.3.3 Körperbild

6.4 Psychoanalytische Entwicklungspsychologie

6.4.1 Einleitung

6.4.2 Psychoanalytische Entwicklungstheorien

6.4.3 Veränderungen in den psychoanalytischen Entwicklungstheorien über die Zeit

6.4.4 Berührungspunkte in den theoretischen Konzeptionen

6.4.5 Empirische Belege für die psychoanalytischen Entwicklungstheorien

6.4.6 Abschließende Bemerkungen

6.5 Entwicklungspsychologische Grundlagen der Verhaltenstherapie

6.5.1 Entwicklungspsychologie als Grundlagenwissenschaft der Verhaltenstherapie

6.5.2 Theorien und Modelle der Entwicklung

6.5.3 Psychopathologie als Ergebnis von Entwicklungsprozessen

6.5.4 Entwicklungspsychopathologie als Bindeglied zwischen normaler und gestörter Entwicklung

6.5.5 Entwicklung als multidimensionaler Prozess

6.5.6 Entwicklung als Selbstregulationsprozess

6.5.7 Die entwicklungsorientierte Betrachtung psychischer Störungen

6.5.8 Das allgemeine biopsychosoziale Modell als Grundmodell der Entwicklungspsychopathologie

6.5.9 Ausblick

7 Bindung

7.1 Begriffsbestimmung

7.1.1 Definition von Bindung und Bindungstheorie

7.2 Internale Arbeitsmodelle von Bindung

7.3 Kindliche Bindungsmuster und deren Auswirkungen auf die weitere Entwicklung

7.4 Diagnostik von Bindungsstilen und Bindungsrepräsentationen bei Erwachsenen

7.4.1 Adult Attachment Interview

7.4.2 Adult Attachment Projective Picture System

7.5 Wissenschaftliche Befunde zur Relevanz der Bindungsrepräsentationen bei verschiedenen Störungsbildern

7.5.1 Affektive Störungen

7.5.2 Angststörungen

7.5.3 Borderline-Persönlichkeitsstörung

7.5.4 Dissoziative Störungen

7.5.5 Neuronale Korrelate von Bindung und psychosomatischen Störungen

7.6 Bindungsforschung in der Psychotherapie und therapeutischen Beziehung

8 Mentalisieren

8.1 Definition und Einordnung des Mentalisierungskonzeptes

8.2 Mentalisieren als multidimensionales Konstrukt

8.3 Mentalisierungspole

8.3.1 Automatische (implizite) versus kontrollierte (explizite) Mentalisierung

8.3.2 Internal fokussierte versus external fokussierte Mentalisierung

8.3.3 Selbstorientierte (Selbst) versus fremdorientierte (andere Menschen) Mentalisierung

8.3.4 Kognitive versus affektive Mentalisierung

8.4 Prämentalisierende Denkmodi

8.4.1 Teleologischer Modus

8.4.2 Psychische Äquivalenz

8.4.3 Pseudomentalisierender Denkmodus

8.5 Entwicklungspsychologische Annahmen zur Entstehung von Mentalisierung und Defiziten

8.5.1 Soziale Bio-Feedback-Theorie

8.5.2 Mentalisierungsdefizite und frühe aversive Erfahrungen

9 Persönlichkeitstheorien

9.1 Persönlichkeit und Pathogenese

9.1.1 Dimensionalität der Persönlichkeit: Typen und Grundmuster einer spezifischen Vulnerabilität

9.1.2 Ordnungsmuster in der Pathogenese: Prototypendiagnostik von Persönlichkeitsstörungen

9.1.3 Dimensionale Strukturdiagnostik: Persönlichkeitsstörungen in der ICD-11

9.1.4 Biosoziale Lerntheorie der gestörten Persönlichkeit: Beginn und Entwicklung in Kindheit und Jugend

9.1.5 Vulnerabilitäts-Stress-Modell der gestörten Persönlichkeit: Variabilität und Permanenz in der Jugend und im Erwachsenenalter

9.2 Persönlichkeit und Salutogenese

9.2.1 Verhaltenskontrolle und Gesundheit als Dimensionen der Persönlichkeit

9.2.2 Soziale Unterstützung und soziale Netzwerke als „Begleitschutz“ im Prozess der Salutogenese

9.3 Abschließende Bewertung

10 Sozialpsychologie, sozialer und gesellschaftlicher Kontext

10.1 Was ist Sozialpsychologie und warum ist sie hilfreich für die Psychotherapie?

10.2 Intraindividuelle Prozesse

10.2.1 Attribution

10.2.2 Kognitive Dissonanz

10.2.3 Selbstregulation

10.3 Interpersonelle Prozesse

10.3.1 Reaktanz

10.3.2 Theorie der sozialen Realitätsbildung

10.3.3 Selbsterfüllende Prophezeiung

10.3.4 Einstellungsänderung

10.4 Gruppenprozesse

10.4.1 Theorie der sozialen Identität

10.4.2 Interkulturelle Aspekte

Teil III Biopsychische Grundlagen

11 Psychotherapie und ihre neurobiologischen Voraussetzungen

11.1 Einleitung

11.1.1 Kartesischer Dualismus

11.1.2 Implikationen der Untersuchungsmethodik

11.1.3 Nutzen für die Psychotherapie

11.2 Basis: Netzwerkmodelle

11.2.1 Verschaltung

11.2.2 Informationsverarbeitung

11.2.3 Spannungslandschaft

11.2.4 Klinisch relevante Merkmale konnektionistischer Systeme

11.2.5 Überlegungen zur Modellanwendung

11.2.6 Neuromodulatoren

11.3 Methodik des Erfassens und Erforschens neurobiologischer Variablen

11.3.1 Methodische Aspekte bildgebender Verfahren

11.4 Neurobiologische Ursachen und Korrelate psychischer Störungen

11.4.1 Depression

11.4.2 Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie auf die Hirnaktivierungsmuster

11.4.3 Angst- und Zwangsstörungen, posttraumatische Belastungsstörung

11.5 Effekt therapeutischer Maßnahmen auf neurobiologische Substrate

11.5.1 Befunde zum Zusammenhang zwischen psychologischen Erklärungsmodellen und physiologischen Parametern

11.6 Möglichkeiten der Berücksichtigung neurobiologischer Erkenntnisse im Rahmen psychotherapeutischer Interventionen

11.6.1 Welche neurobiologischen Veränderungen will die Psychotherapie erzielen?

11.6.2 Welche Bedingungen/Veränderungen sind instrumentell?

11.6.3 Bei welchen PatientInnen wirkt welche Intervention?

11.7 Wie kann der einzelne Therapeut bzw. die einzelne Therapeutin die neue Entwicklung berücksichtigen?

11.8 Machen neurobiologische Erkenntnisse für PsychotherapeutInnen einen Unterschied?

12 Emotionsregulation und Neurobiologie

12.1 Emotionen und Psychotherapie

12.2 Emotionsregulation

12.2.1 Was versteht man unter Emotionsregulation?

12.2.2 Modell der Emotionsregulation nach Gross

12.2.3 Modell der Emotionsregulation nach Berking

12.3 Dysregulation von Emotionen

12.4 Neurobiologie der Emotionsregulation

12.4.1 Explizite Emotionsregulation

12.4.2 Implizite Emotionsregulation

12.4.3 Neurobiologische Studien zur Psychotherapie

Teil IV Theoriemodelle

13 Grundlagen psychoanalytischer Therapien

13.1 Einleitung

13.2 Grundkonzepte der Psychodynamik

13.3 Pluralität psychoanalytischer Richtungen und Konzepte

13.3.1 Einige Gedanken zur Pluralität psychoanalytischer Richtungen

13.4 Einige grundlegende Veränderungen im psychoanalytischen Theoriekorpus

13.5 Psychoanalytisches Erstinterview und tiefenpsychologische Anamnese

13.6 Wahrnehmung des Analytikers bzw. der Analytikerin und deren Methode

13.7 Zur Person des Analytikers bzw. der Analytikerin

13.8 Beziehung – Arbeiten mit unbewussten Prozessen

13.9 Überblick über psychoanalytisch begründete Therapieverfahren

13.9.1 Förderung „regressiver Prozesse“ – Notwendig und sinnvoll?

13.10 Rekonstruktion

13.10.1 Reflexion der Analytikerin, des Analytikers

13.11 Entscheidungsprozesse

13.11.1 Freies Erzählenlassen oder dialogisches Begleiten?

13.11.2 Einsichten ermöglichen oder korrigierende, emotionale Erfahrungen bereitstellen

13.11.3 Technische Neutralität bewahren oder spontan und authentisch kommunizieren

13.11.4 Abgewehrte Bedeutungen im Patienten bzw. in der Patientin entdecken oder sie in der intersubjektiven Begegnung neu erschaffen?

13.11.5 Übertragungsinszenierungen nur im Außen analysieren oder sich selbst als Mitspieler begreifen, der für die Inszenierung verwendet wird

13.11.6 AnalytikerIn als Objekt von alten Beziehungserfahrungen oder als Entwicklungsobjekt, um neue Beziehungserfahrungen zu machen

13.11.7 Genetische Deutung mit Rekonstruktion und Konstruktion oder Übertragung im Hier und Jetzt

14 Kognitive Verhaltenstherapie

14.1 Definition des Verfahrens

14.2 Entwicklung und Grundlagen der kognitiven Verhaltenstherapie

14.2.1 Entwicklungslinien

14.2.2 Lerntheoretische Grundlagen

14.2.3 Kognitionspsychologische Grundlagen

14.3 Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen

14.3.1 Verhaltenstherapeutische Fallkonzeption

14.3.2 Verhaltenstherapie als Problemlöseprozess

14.4 Techniken und Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie

14.4.1 Operante Verfahren

14.4.2 Techniken der Selbstkontrolle und des Selbstmanagements

14.4.3 Reizkonfrontations-/Expositionsverfahren

14.4.4 Kognitive Techniken

14.4.5 Fertigkeitentrainings

14.4.6 Entspannungsverfahren

14.4.7 Achtsamkeit und emotionsregulative Verfahren

14.5 Verhaltenstherapie in der Praxis

14.5.1 Wirksamkeit

14.5.2 Kosten, Nutzen, Nebenwirkungen

14.5.3 Perspektiven und Weiterentwicklung

14.5.4 Verhaltenstherapie im außerklinischen Bereich

14.6 Ausblick

15 Systemische Therapie

15.1 Was heißt systemisch?

15.2 Von der Kybernetik erster zur Kybernetik zweiter Ordnung

15.2.1 Störungstheorie: problemdeterminierte Systeme

15.2.2 Geschichtliche Entwicklung der systemischen Therapie

15.3 Therapeutische Haltungen

15.3.1 Den Möglichkeitsraum vergrößern

15.3.2 Achtung vor der Selbstorganisation

15.3.3 Neutralität

15.3.4 Lösungsorientierung

15.3.5 Kultursensibilität

15.3.6 Kundenorientierung

15.4 Methoden

15.4.1 Kontext- und Auftragskonstruktion

15.4.2 Fragen als therapeutische Interventionen

15.4.3 Schlusskommentare, Schlussinterventionen, reflektierendes Team

15.5 Settings und Verläufe

15.6 Anwendung und Verbreitung

15.7 Systemische Therapie als Krankenbehandlung

15.7.1 Krankheitsverständnis

15.7.2 Diagnostischer Prozess

15.7.3 Therapie

15.7.4 Indikation

15.7.5 Kontraindikation

16 Psychotherapieintegration aus störungsspezifischer und transdiagnostischer Perspektive – evidenzbasierte Praxis am Beispiel der generalisierten Angststörung

16.1 Psychotherapieintegration als evidenzbasierte Praxis

16.1.1 Evidenzbasierte Praxis

16.1.2 Komponenten der psychotherapeutischen Behandlungsplanung und -durchführung

16.2 Psychotherapieintegration durch breite Abklärung und Psychodiagnostik

16.2.1 Generalisierte Angststörung

16.2.2 Sorgenketten als transdiagnostisches Merkmal

16.2.3 Psychosoziale Lebensbedingungen, Lebensstil und Coping

16.2.4 Beziehungsverhalten

16.2.5 Motivationale Ziele

16.2.6 Sichtweise von Nahestehenden

16.3 Psychotherapieintegration durch Berücksichtigung fallspezifischer Erklärungsmodelle

16.3.1 Störungsspezifische Erklärungsansätze im Sinne eines Vulnerabilität-Stress-Modells

16.3.2 Transdiagnostische Erklärungsmodelle

16.3.3 Integration von Komorbiditäten und Patientenanliegen

16.3.4 Erarbeitung einer individuellen Fallkonzeption

16.4 Psychotherapieintegration durch Berücksichtigung schulenübergreifender Interventionen

16.4.1 Vom gemeinsamen Erklärungsmodell zum Behandlungsrational

16.4.2 Integration von Behandlungsmodalitäten

16.5 Psychotherapieintegration durch patientenfokussierte Behandlungsdurchführung

16.5.1 Allianz und Therapieauftrag

16.5.2 PatientInnen-Feedback

16.5.3 Videobasierte Intervision, Supervision und Selbstreflexion

16.5.4 Integration von institutionellen Kontexten, MitbehandlerInnen sowie vor- und nachbehandelten Personen

Teil V Allgemeine Psychotherapie

17 Psychologische Wirkmodelle in der Psychotherapie

17.1 Einleitung

17.2 Drei prädominante Rahmenmodelle

17.2.1 Das Heilkräfte-Rahmenmodell

17.2.2 Biomedizinisches Rahmenmodell

17.2.3 Biopsychosoziales Rahmenmodell

17.3 Psychologische Wirkfaktoren als transdiagnostische, pantheoretische psychologische Konstrukte

17.3.1 Bereitschaft zur Veränderung

17.3.2 Allianz

17.3.3 Feedback

17.4 Die aktive Ausgestaltung der Psychotherapie

17.4.1 PatientInnen als Wirkkomponente

17.4.2 Therapeut als Wirkkomponente

17.4.3 Forscher als Wirkkomponente

17.4.4 Qualität der Zusammenarbeit als Wirkkomponente

17.4.5 Definition des Therapieerfolgs als Wirkkomponente

17.4.6 Einschluss- und Ausschlusskriterien als Wirkkomponente

17.5 Fazit

18 Allgemeine Integrative Psychotherapie

18.1 Vorbemerkungen

18.2 Exkurs: Integrative Psychotherapie

18.2.1 Historischer Rückblick

18.2.2 Integrationsmodelle

18.2.3 Wirkungsbereiche und Wirkfaktoren

18.3 Praxeologie einer Allgemeinen Integrativen Psychotherapie

18.3.1 Allgemeine Ätiologie und Pathogenese

18.4 Allgemeine psychotherapeutische Behandlungsstrategie

18.4.1 Allgemeine Vorbemerkungen

18.4.2 Therapeutische Beziehung

18.4.3 Allgemeine psychotherapeutische Wirkprinzipen

18.4.4 Psychotherapeutisches Handeln

19 Klassifikation psychischer Störungen und Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD)

19.1 Klassifikation psychischer Störungen

19.1.1 Klassifikationssysteme

19.1.2 Aktualisierungsprozesse

19.1.3 Neue Krankheitsentitäten

19.1.4 Nutzen und Anwendungen

19.2 Operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD)

19.2.1 Achsen der OPD-2

19.2.2 OPD-Interview

19.2.3 Fokusformulierung, Therapieplanung und Therapieevaluation

20 Prävention

20.1 Prävention psychischer Erkrankungen

20.2 Prävention oder Gesundheitsförderung

20.2.1 Konzept der primären, sekundären und tertiären Prävention

20.2.2 Konzept der universellen, selektiven und indizierten Prävention

20.3 Risiko- und Schutzfaktoren

20.3.1 Kinder und Jugendliche

20.3.2 Erwachsenenalter

20.3.3 Hohes Alter

20.4 Prävention psychischer Störungen in Deutschland

20.5 Fazit und Ausblick

21 Medizinische Rehabilitation

21.1 Einleitung

21.2 Grundlagen der Rehabilitation

21.3 Psychologische Beratung und Psychotherapie in der somatischen Rehabilitation

21.3.1 Psychische Belastungen und Komorbidität

21.3.2 Psychologische Beratung und Psychotherapie

21.3.3 Allgemeine psychologische Maßnahmen

21.3.4 Psychosomatische Rehabilitation

21.3.5 Kontraindikationen

21.3.6 Abhängigkeitserkrankungen

21.4 Ausblick

22 Fallkonzeption

22.1 Allgemeine Vorbemerkungen und Fall

22.1.1 Vorbemerkungen

22.1.2 Der Fall

22.2 Psychoanalytische Fallkonzeption

22.2.1 Kommentare zum Fallbeispiel

22.3 Psychodynamische Fallkonzeption

22.3.1 Einleitung

22.3.2 Phasen der psychodynamischen Psychotherapie

22.3.3 Beziehungsaufbau und Diagnostik

22.3.4 Therapieplanung und Fallkonzeption

22.3.5 Kommentare zum Fallbeispiel

22.4 Verhaltenstherapeutische Fallkonzeption

22.4.1 Kennzeichen der heutigen Verhaltenstherapie

22.4.2 Konkretes Vorgehen

22.5 Systemische Fallkonzeptionen

22.5.1 Kooperation und Dialog bei der Erstellung des Fallkonzeptes

22.5.2 Kommentare zum Fallbeispiel

22.6 Fallkonzeption integrativ

22.6.1 Objektive Informationen

22.6.2 Verstehen

22.6.3 Handeln

22.6.4 Schlussbemerkungen

Teil VI Spezifische Psychotherapie

23 Belastung, Trauma und Bewältigung

23.1 Einleitung

23.2 Anpassungsstörung

23.2.1 Einleitung

23.2.2 Anpassungsstörung in ICD-11 und DSM-5

23.2.3 Diagnostik

23.2.4 Epidemiologie und Verlauf

23.2.5 Erklärungsmodelle für die Entstehung von Anpassungsstörungen

23.2.6 Therapie der Anpassungsstörung

23.3 Traumafolgestörungen

23.3.1 Die traumatische Situation – Begriffsbestimmung und Abgrenzung

23.3.2 Posttraumatic Growth und Schutz- und Risikofaktoren

23.3.3 Traumatherapie

23.4 Komplextraumatisierung

23.4.1 Leitsymptomatik

23.4.2 Ätiologie und Krankheitstheorie

23.4.3 Diagnostik, diagnostischer Zugang (integriert aus verhaltenstherapeutischer und psychodynamischer Sicht)

23.4.4 Therapeutische Ansätze

23.4.5 Mögliche Komplikationen im Hinblick auf diagnostische Subgruppen, symptomspezifische oder komorbide Besonderheiten

24 Dissoziative Störungen

24.1 Definition und klinische Bilder

24.1.1 Dissoziative Bewusstseinsstörungen

24.1.2 Konversionsstörungen

24.2 Diagnostik und Differenzialdiagnosen

24.3 Epidemiologie

24.4 Ätiopathogenese

24.4.1 Psychodynamische Konzepte

24.4.2 Kognitiv-behaviorale Konzepte

24.5 Behandlung

25 Psychotherapie der Persönlichkeitsstörungen

25.1 Allgemeine Prinzipien

25.1.1 Diagnostik

25.1.2 Therapieziele, Behandlungsdauer und Behandlungsintensität

25.1.3 Behandlungsrahmen

25.1.4 Therapeutische Haltungen und therapeutische Beziehung

25.2 Psychodynamische Ansätze

25.2.1 Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)

25.2.2 Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP)

25.2.3 Strukturbezogene Psychotherapie

25.3 Verhaltenstherapeutische Ansätze

25.3.1 Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)

25.3.2 Weitere kognitiv-behaviorale Ansätze

25.4 Humanistische Ansätze

26 Sexueller Missbrauch

26.1 Begriffsbestimmung

26.2 Epidemiologie

26.3 Folgen

26.4 Hinweise auf sexuellen Missbrauch und Umgang mit Vermutung/Verdacht

26.5 Diagnostik

26.5.1 Aktives Traumascreening

26.5.2 Symptomscreening und traumafokussierte Diagnostik

26.5.3 Projektive Tests, Kinderzeichnungen und anatomisch korrekte Puppen

26.5.4 Körperliche Diagnostik

26.6 Psychotherapie

27 Verhaltensexzesse, Risikoverhalten, „Verhaltenssüchte“

27.1 Kurzdefinition

27.2 Klassifikation

27.3 Diagnoseinstrumente

27.4 Epidemiologie

27.4.1 Prävalenz

27.4.2 Komorbiditäten

27.5 Phänomenologie

27.6 Ätiologie und Krankheitstheorie von Verhaltensexzessen

27.6.1 Lerntheoretische Ansätze

27.6.2 Theorie der Verhaltenssucht

27.6.3 Verhaltensanalytische Reformulierungen „typischer“ Suchtkriterien

27.6.4 Analytische Theorie von Zwang und Sucht als maladaptivem Selbstheilungsversuch

27.7 Interaktion – Aspekte der therapeutischen Beziehung

27.7.1 Selbstverantwortung als Beziehungsgrundlage

27.7.2 Umgang mit Angst, Scham und Schuldgefühlen

27.7.3 Ambivalente Veränderungsmotivation

27.7.4 Spielerische Beziehungsinteraktionen

27.8 Therapie

27.8.1 Grundlagen der Therapie

27.8.2 Erstkontakt/Rahmenbedingungen definieren

27.8.3 Diagnostikphase (Probatorik)

27.8.4 Therapieziele und individuelle Therapieplanung

27.8.5 Therapiephase

27.8.6 Materialien zur Unterstützung der Psychotherapie

27.9 Ausblick

28 Angstkrankheiten

28.1 Einleitung

28.2 Neurobiologische und psychologische Grundlagen von Angst

28.3 Störungskonzeptionen

28.3.1 Kognitiv-behaviorale Störungskonzeption und klinische Implikationen

28.3.2 Psychodynamische Störungskonzeption und klinische Implikationen

28.4 Agoraphobie, Panikstörung, posttraumatische Stresserkrankungen (PTSD)

28.4.1 Diagnostische Kriterien

28.4.2 Epidemiologie und Verlauf

28.4.3 Kognitiv-behaviorales Störungsmodell

28.4.4 Psychodynamisches Störungsmodell

28.4.5 Kognitiv-behaviorale Behandlung

28.4.6 Psychodynamische Behandlung

28.5 Soziale Phobie und selbstunsichere Persönlichkeitsstörung

28.5.1 Diagnostische Kriterien

28.5.2 Epidemiologie und Verlauf

28.5.3 Kognitiv-behaviorales Störungsmodell

28.5.4 Psychodynamisches Störungsmodell

28.5.5 Kognitiv-behaviorale Behandlung

28.5.6 Psychodynamische Behandlung

28.6 Spezifische (isolierte) Phobien

28.6.1 Diagnostische Kriterien

28.6.2 Epidemiologie und Verlauf

28.6.3 Kognitiv-behaviorales Störungsmodell

28.6.4 Psychodynamisches Störungsmodell

28.6.5 Kognitiv-behaviorale Behandlung

28.6.6 Psychodynamische Behandlung

28.7 Generalisierte Angststörung

28.7.1 Diagnostische Kriterien

28.7.2 Epidemiologie und Verlauf

28.7.3 Kognitiv-behaviorale Störungsmodelle

28.7.4 Psychodynamisches Störungsmodell

28.7.5 Kognitiv-behaviorale Behandlung

28.7.6 Psychodynamische Behandlung

28.8 Andere Angststörungen

28.9 Testdiagnostik

28.10 Effektivität der Therapien

28.10.1 Kognitiv-behaviorale Psychotherapie

28.10.2 Psychodynamische Psychotherapie

29 Zwangsstörungen

29.1 Beschreibung der Störung

29.1.1 Merkmale

29.1.2 Klassifikation

29.1.3 Epidemiologie, Verlauf und Komorbidität

29.1.4 Erscheinungsformen, Untergruppen, Inhalte

29.1.5 Diagnostik

29.2 Krankheitsentstehung

29.2.1 Erklärungskonzepte

29.2.2 Theoretische Modelle

29.3 Therapie

29.3.1 Beziehungsgestaltung, biografische Arbeit und Motivationsaufbau

29.4 Ergebnisse der Therapieforschung

29.4.1 Kognitive Verhaltenstherapie

30 Depression

30.1 Einleitung

30.2 Epidemiologie

30.3 Protektiv- und Risikofaktoren

30.3.1 Komorbidität

30.3.2 Verlauf und Rückfallrisiko

30.4 Klassifikation und Diagnostik

30.4.1 Formen und Subtypen unipolarer affektiver Störungen

30.4.2 Differenzialdiagnostik

30.5 Leitlinien zu Psychotherapie und Pharmakotherapie der Depression (Wirksamkeitsnachweise)

30.6 Umgang mit akut depressiven Patienten

30.6.1 Kontaktaufnahme

30.6.2 Umgang mit suizidalem Erleben und Verhalten

30.6.3 Stationäre Einweisung

30.6.4 Stützende Interventionen

30.6.5 Behandlungsfehler bei akut depressiven Patienten

30.7 Weitere Aspekte der Therapie

30.7.1 Einbeziehung von PartnerInnen

30.7.2 Behandlungsdauer, Erhaltungstherapie

30.8 Krankheitsmodelle

30.8.1 Psychodynamische/psychoanalytische Störungs- und Krankheitsmodelle

30.8.2 Lern- und kognitionstheoretische Modelle der Depression

30.9 Psychotherapeutische Ansätze

30.9.1 Analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

30.9.2 Psychodynamische Psychotherapie bei regressiv-verstrickter Verarbeitung des depressiven Grundkonfliktes

30.9.3 Psychodynamische Psychotherapie bei „progressiver“ (vermeidender) Verarbeitung des depressiven Grundkonflikts

30.9.4 Momente der therapeutischen Beziehung als Wirkfaktoren in der psychodynamisch-psychoanalytischen Psychotherapie

30.9.5 Kognitive Verhaltenstherapie

30.9.6 Kognitive Verhaltenstherapie bei rezidivierenden und chronischen Depressionen

30.10 Evaluation

30.10.1 Selbstbeurteilungsskalen

30.10.2 Fremdeinschätzungsskalen

31 Abhängigkeit (psychotrope Substanzen)

31.1 Einleitung

31.2 Theoriebildung

31.2.1 Verhaltenstherapeutische Modellentwicklung

31.2.2 Psychoanalytische Theoriebildung

31.3 Diagnostik

31.3.1 Verhaltenstherapeutische Diagnostik

31.3.2 Psychoanalytische Diagnostik

31.3.3 Differenzialdiagnostik der strukturellen Störungen als Determinanten von Sucht

31.3.4 Störungen der Selbst- und Objektdifferenzierung

31.4 Therapeutisches Vorgehen

31.4.1 Verhaltenstherapeutische Suchttherapie

31.4.2 Differenzielle verhaltenstherapeutische Suchttherapie und die Frage der Behandlungsmotivation

31.4.3 Psychoanalytische Suchttherapie

32 Schizophrenien, wahnhafte Störungen, bipolare Störungen

32.1 Einleitung

32.2 Krankheitsbild der schizophrenen Störungen

32.2.1 Epidemiologie

32.2.2 Ätiopathogenese

32.2.3 Diagnose und Symptomatik

32.2.4 Verlauf, Prognose und Prävention

32.2.5 Spezielle Problembereiche bei schizophrenen Störungen

32.3 Krankheitsbild der wahnhaften Störungen

32.4 Krankheitsbild der bipolaren Störungen

32.5 Allgemeines therapeutisches Vorgehen

32.6 Psychopharmakotherapie

32.7 Psychosoziale Therapiemaßnahmen

32.8 Psychotherapeutische Interventionen

32.8.1 Therapeutische Haltung

32.8.2 Verfahren und Methoden

32.8.3 Supportive Ansätze

32.8.4 Integrative Ansätze

32.8.5 Verhaltenstherapeutische Ansätze

32.8.6 Familieninterventionen

32.8.7 Psychodynamische Interventionen

32.8.8 Gesprächspsychotherapie

32.9 Vorschläge zum konkreten Vorgehen in der Psychotherapie bei Psychosen

33 Essstörungen

33.1 Transdiagnostische Theorie der Essstörungen: Verschiedene Krankheiten oder doch alles verschiedene Ausprägung desselben?

33.1.1 Hintergrund der transdiagnostischen Perspektive auf Essstörungen

33.1.2 Prozess der Aufrechterhaltung von Essstörungen

33.1.3 Die Aufrechterhaltung ergänzende Dimensionen

33.1.4 Transtheoretische Therapie von Essstörungen

33.2 Anorexia nervosa

33.2.1 Geschichte der Anorexia nervosa

33.2.2 Diagnostische Kriterien

33.2.3 Epidemiologie

33.2.4 Ätiologie

33.2.5 Komorbidität

33.2.6 Krankheitsverlauf und Prognose

33.2.7 Therapie

33.3 Bulimia nervosa

33.3.1 Klassifikation

33.3.2 Epidemiologie

33.3.3 Ätiologie

33.3.4 Aufrechterhaltung

33.3.5 Prognose

33.3.6 Behandlung

33.4 Binge-Eating-Störung

33.4.1 Einleitung

33.4.2 Klassifikation

33.4.3 Erscheinungsbild

33.4.4 Epidemiologie

33.4.5 Ätiologie

33.4.6 Aufrechterhaltung

33.4.7 Prognose

33.4.8 Behandlung

33.4.9 Leitlinien

33.4.10 Ausblick

34 Somatische Belastungsstörung und funktionelle Syndrome

34.1 Einleitung

34.1.1 Erscheinungsbild

34.1.2 Leitlinien

34.2 Klassifikation und Diagnostik

34.2.1 Klassifikation

34.2.2 Diagnostik

34.3 Epidemiologie

34.3.1 Prävalenz

34.3.2 Charakteristika

34.3.3 Komorbidität

34.4 Erklärungsmodelle

34.4.1 Psychodynamische Modelle

34.4.2 Kognitiv-behaviorales Modell

34.4.3 Biologische Aspekte

34.4.4 Predictive-Coding-Modell

34.5 Behandlung

34.5.1 Allgemeine Empfehlungen

34.5.2 Störungsorientierte Psychotherapie

34.5.3 Kognitive Verhaltenstherapie

34.5.4 Psychodynamisches Vorgehen

34.5.5 Weitere Therapieverfahren

34.6 Psychotherapieforschung und Evidenzbasierung

34.6.1 Metaanalysen

34.6.2 Kognitive Verhaltenstherapie inkl. Verfahren der sog. Dritten Welle

34.6.3 Psychodynamische Psychotherapie

34.6.4 Andere Therapieverfahren

34.6.5 Danksagung

35 Schmerz

35.1 Einleitung

35.2 Epidemiologie

35.3 Formenvielfalt und Komorbidität

35.4 Definitionen und Diagnostik

35.5 Modellbildung: Schmerz als Kommunikations- und Beziehungsstörung

35.6 Therapie

35.6.1 Funktionsebenen der Kommunikation

35.6.2 Verhaltenstherapie

35.6.3 Plazebo

35.6.4 Psychodynamische Schmerztherapie

35.6.5 Hypnosystemische Therapie

35.6.6 Praktische Schmerzsychotherapie

35.6.7 Vom Problemnarrativ zu den Ressourcen

35.7 Schlussgedanken

36 Sexualität

36.1 Störungen der sexuellen Funktionen

36.1.1 Einleitung

36.1.2 Das biopsychosoziale Modell der Human- und Gesundheitswissenschaften

36.1.3 Die zentralen Funktionen von Sexualität

36.1.4 Der sexuelle Reaktionszyklus

36.1.5 Ätiopathogenese

36.2 Störungen der geschlechtlichen und sexuellen Entwicklung

36.2.1 Störung der geschlechtlichen Differenzierung

36.2.2 Störung der geschlechtlichen Reifung

36.2.3 Störung der sexuellen Orientierung

36.2.4 Störung der sexuellen Identität

36.2.5 Störung der sexuellen Beziehung

36.3 Störungen der Sexualpräferenz

36.3.1 Einleitung

36.3.2 Sexualpräferenz

36.3.3 Analyse der Sexualpräferenz

36.4 Störungen der Geschlechtsidentität

36.4.1 Einleitung

36.4.2 Spektrum der Ausprägungsformen von Störungen der Geschlechtsidentität

36.4.3 Das biopsychosoziale Modell der Human- und Gesundheitswissenschaften

36.4.4 Begrifflichkeit

36.4.5 Psychotherapeutischer Prozess

37 Schlafstörungen: Psychotherapie der Insomnie

37.1 Einleitung

37.2 Ätiologie

37.2.1 Entstehungsmodell der Insomnie

37.3 Psychotherapie der Insomnie

37.3.1 Verhaltenstherapeutische und psychotherapeutische Grundlagen der Insomnietherapie

37.3.2 Psychoedukation

37.3.3 Entspannungsverfahren

37.3.4 Kognitive Techniken

37.3.5 Bettzeitrestriktion

37.3.6 Stimuluskontrolle

37.3.7 Kognitive Verhaltenstherapie (KVT-I) im Rahmen eines Stepped-Care-Ansatzes: KVT-I in der Gruppe

Teil VII Spezieller medizinischer Bereich

38 Spezielle Psychosomatik

38.1 Einleitung

38.1.1 Begriffsbestimmung

38.1.2 Psychosomatische Grundannahmen

38.1.3 Psychosomatische Ätiologie

38.1.4 Psychosomatische Diagnostik und Therapieentscheidung

38.2 Psychotherapie in der Psychosomatik

38.2.1 Vorbemerkungen

38.2.2 Transplantation

38.2.3 Krebs

38.2.4 Diabetes mellitus

38.2.5 Haut

38.2.6 Herz-Kreislauf-System

Teil VIII Besondere Problemstellung

39 Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen

39.1 Einleitung

39.2 Epidemiologie

39.3 Entwicklungspsychologie

39.3.1 Kindesentwicklung

39.3.2 Bindung

39.3.3 Entwicklungsaufgaben

39.4 Biopsychosoziales Modell

39.5 Anfänge der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

39.6 Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen

39.6.1 Grundprinzipien der Verhaltenstherapie

39.6.2 Diagnostik

39.6.3 Der verhaltenstherapeutische Prozess

39.6.4 Kooperationen

39.6.5 Psychotherapie und Psychopharmakotherapie

39.7 Tiefenpsychologische und psychoanalytische Psychotherapie

39.7.1 Grundprinzipien

39.7.2 Diagnostik

39.7.3 Der tiefenpsychologische Prozess

39.7.4 Einbezug von Eltern, Familie und Umfeld

39.8 Gruppenpsychotherapie mit Kindern und Jugendlichen

39.9 Stationäre Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

39.10 Einteilung psychischer Störungen

39.10.1 Entwicklungsvarianten und Belastungsreaktionen

39.10.2 Früh beginnende Störungen mit überdauernder Entwicklungsbeeinträchtigung

39.10.3 Reifungsabhängige Störungen

39.10.4 Altersspezifisch beginnende Störungen

39.10.5 Entwicklungsabhängige Interaktionsstörungen

39.10.6 Früh beginnende erwachsenentypische Störungen

39.10.7 Transition – der Übergang vom Kindes- ins Erwachsenenalter

40 Psychotherapie mit älteren Menschen

40.1 Geschichte und derzeitiger Stand

40.2 Behandlungsbedarf und Inanspruchnahme

40.3 Psychische Diagnostik

40.4 Therapie

40.4.1 Verhaltenstherapie bei Älteren

40.4.2 Psychodynamische Psychotherapie

40.4.3 Die therapeutische Beziehung in der Behandlung älterer Menschen

40.4.4 Neuere psychodynamische Ansätze

40.4.5 Lebensrückblicktherapie

40.4.6 Besondere Aufgaben in der Psychotherapie Hochaltriger

40.5 Psychotherapie mit älteren Menschen – Herausforderungen für die Zukunft

41 Interkulturelle Aspekte

41.1 Psychotherapie mit Migranten – Aspekte der interkulturellen Psychotherapie

41.1.1 Migration – Trauma, Entwicklungschance oder beides?

41.1.2 Kulturelle Anpassung in der Migration

41.1.3 Sprach- und Verständigungsprobleme

41.1.4 Therapeutische Haltungen und Voreinstellungen

41.1.5 Übertragungs- und Gegenübertragungsbereitschaften, Eigenübertragung in der interkulturellen Psychotherapie

41.1.6 Migrationsspezifische Besonderheiten der biografischen Anamnese

41.1.7 Typische Problemkonstellationen

41.1.8 Therapeutische Haltung

41.2 Psychotherapie nach Flucht und Vertreibung

41.2.1 Kontext: Flucht und Asyl

41.2.2 Prävalenzen psychischer Erkrankungen

41.2.3 Psychotherapeutische Versorgung

41.2.4 Lebensabschnitte und familiäre Bezüge

41.2.5 Besondere Herausforderungen in der psychotherapeutischen Arbeit mit geflüchteten Menschen

41.2.6 Belastungen professioneller Helfer und Selbstfürsorge

42 Psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit Intelligenzminderung

42.1 Einleitung

42.2 Psychologische Diagnostik

42.2.1 Spezifische Diagnosekriterien

42.2.2 Diagnostikinstrumente

42.2.3 Erhebung der Symptomatik und Anamnese

42.2.4 Intelligenzdiagnostik

42.3 Therapiestrategien und Interventionen

42.3.1 Flexibilität

42.3.2 Entwicklungsstand

42.3.3 Vereinfachungen und Sprache

42.3.4 Aktivierende Elemente und direktives Vorgehen

42.3.5 Übertragung und Gegenübertragung

42.4 Einbindung von Bezugspersonen

43 Psychotherapie und Pharmakotherapie

43.1 Einleitung

43.2 Psychotherapie und Psychopharmaka bei psychischen Störungen

43.3 Nebenwirkungen von Psychopharmaka

43.4 Psychotherapie und anderweitige Substanzen bei psychischen Störungen

43.5 Psychotherapie und Pharmakotherapie somatischer Erkrankungen

43.6 Zusammenfassung und Fazit für die Praxis

44 Arbeitswelt und seelische Gesundheit

44.1 Grundsätzliche Überlegungen, Epidemiologie

44.2 Häufige Beschwerden und Krankheitsbilder

44.3 Burn-out: Klassifikationen (ICD, DSM), Ätiologie und Krankheitstheorie

44.3.1 Begriffsbestimmung

44.3.2 Abgrenzung Burn-out und Depression

44.4 Diagnose, Prävention und Früherkennung

44.4.1 Prävention

44.5 Frühintervention und Therapie

44.5.1 Den Wiedereinstieg begleiten

45 Sozialmedizin und Begutachtung

45.1 Sozialmedizinische Bedeutung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen

45.2 Das biopsychosoziale Modell der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)

45.2.1 Grundlagen der sozialmedizinischen Begutachtung

45.2.2 Besondere Aspekte der Begutachtung bei psychischen und psychosomatischen Störungen

45.2.3 Renten wegen Erwerbsminderung: rechtliche Rahmenbedingungen

45.2.4 Fehler und Fehlerquellen in der Begutachtung

46 E-Mental Health

46.1 Einleitung

46.2 Internet

46.2.1 Informationsangebote

46.2.2 Psychologische Selbsttests

46.2.3 Online-Psychotherapie

46.2.4 Rechtliche Aspekte

46.2.5 Wirksamkeit

46.2.6 Therapeutische Beziehung

46.3 SMS und Apps

46.4 Virtual Reality-Anwendungen

46.4.1 Effektivität

46.5 Serious Games

46.5.1 Effektivität

46.5.2 Inanspruchnahmebereitschaft

Teil IX Rahmenbedingungen

47 Anwendungsbereich und Versorgungsstrukturen (Psychotherapie als Institution)

47.1 Der Versuch einer „Navigationshilfe“

47.1.1 Wo findet Psychotherapie statt und wie wird sie bezahlt?

47.1.2 Wer ist NutzerIn von Psychotherapie?

47.1.3 Psychotherapie in der ambulanten Praxis

47.1.4 Psychotherapie im Krankenhaus

47.1.5 Psychotherapie in der Rehabilitationsklinik

47.2 Psychotherapeutische Versorgungskonzepte

47.2.1 Typische Konstellationen

47.2.2 Vernetzung-Visionen

48 Praktische Hinweise für den psychotherapeutischen Alltag

48.1 Die Praxis und das Setting

48.2 Bezahlung

48.3 Umfang der Inanspruchnahme

48.4 Dokumentation

48.4.1 Elektronische Medien

48.4.2 Rechtslage

48.4.3 Schweigepflicht

48.4.4 Befundberichte

48.5 Elemente der Therapie

48.5.1 Information des Patienten bzw. der Patientin

48.5.2 Sitzungsvorbereitung

48.5.3 Therapeutisches Arbeitsbündnis

48.5.4 Besprechung der Behandlungsziele

48.5.5 Erläuterung des Therapieprozesses

48.5.6 Anfang und Ende der Behandlung

48.5.7 Auswirkung von Diagnostik

48.5.8 Einbeziehung von Bezugspersonen

48.6 Professionelles Verhalten

48.6.1 Beziehungsgestaltung

48.6.2 Eigene Gefühle in der therapeutischen Beziehung

48.7 Typische Problemsituationen für AnfängerInnen

48.7.1 Ausgrenzung von Themenbereichen

48.7.2 Unter Zeitdruck setzen

48.7.3 Unter Leidensdruck setzen

48.7.4 Zweifel an der therapeutischen Kompetenz

48.7.5 Betonung der Kompetenz der TherapeutInnen

49 Aus- und Weiterbildung

49.1 Ärztliche Weiterbildung

49.1.1 Psychologische psychotherapeutische Ausbildung

49.2 Psychodynamisch-psychoanalytisch

49.3 Supervision – verhaltenstherapeutisch

49.3.1 Erwerb psychotherapeutischer Kompetenzen

49.3.2 Verhaltenstherapeutische Selbsterfahrung

49.3.3 Verhaltenstherapeutische Supervision

50 Antragstellung

50.1 Einleitung

50.2 Historie der ambulanten Psychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung

50.3 Rechtlicher Rahmen für Leistungen ambulanter Psychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung

50.4 Regelwerke der Psychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung

50.5 Rahmenbedingungen einer Richtlinientherapie

50.6 Vorbereitungen einer Richtlinientherapie

50.7 Richtlinientherapien im Einzelnen

50.8 Der Bericht an den Gutachter oder die Gutachterin

50.8.1 Verfahrensspezifische Erläuterungen zu Punkten des PTV 3 bei Anträgen für analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

50.8.2 Verfahrensspezifische Erläuterungen zu Punkten des PTV 3 bei Anträgen für Verhaltenstherapie

51 Rechtliche Grundlagen psychotherapeutischen Handelns

51.1 Zugang zum Beruf

51.1.1 Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen

51.1.2 Ärztliche Psychotherapeuten

51.2 Berufsrecht

51.2.1 Berufsrecht für die psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen

51.2.2 Berufsrecht der psychotherapeutisch arbeitenden Fachärzte

51.3 Recht der Vertragspsychotherapeuten/SGB V

51.3.1 Zulassung

51.3.2 Formen der Berufsausübung/Niederlassung

51.4 Rechtsbeziehungen zwischen Behandler und Patienten/der zivilrechtliche Behandlungsvertrag

51.5 Strafrechtliche Aspekte psychotherapeutischen Handelns

51.5.1 Verletzung der Schweigepflicht (§§ 203 Abs. 1 Nr. 1, 204 StGB)

51.5.2 Antikorruptionsgesetz (§ 299a, 299b StGB)

Teil X Anhang

Literatur

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

Teil I Was ist Psychotherapie?

1 Psychotherapie – Eine Standortbestimmung

2 Geschichte und Entwicklungslinien der Psychotherapie

3 Epidemiologie

4 Ethik der Psychotherapie

1 Psychotherapie – Eine Standortbestimmung

W. Senf, M. Broda, D. Voos, M. Neher

Als eine eigenständige heilkundliche Disziplin definiert sich die Psychotherapie zunächst über ihren spezifischen wissenschaftlichen, strukturellen und klinischen Kontext und über ihre inhaltlichen Aspekte. Vor diesem Hintergrund ist Psychotherapie als ein Verfahren zur Krankenbehandlung eindeutig definiert.

1.1 Psychotherapie – was ist das?

Wissenschaftlich steht die Psychotherapie im Schnittpunkt verschiedener Humanwissenschaften, vor allem der Medizin, Psychologie, Neurobiologie, Psychosomatik, aber auch der Soziologie und der Kulturwissenschaft (s. dazu Teil II: Grundlagen).

Strukturell stellt die Psychotherapie einen eigenständigen Versorgungsbereich in der Krankenversorgung dar (s. Kap. ▶ 4). Die Berufsqualifikationen sind durch die Ärztliche Approbations- und die Weiterbildungsordnung sowie durch das Psychotherapeutengesetz geregelt. Mit den Psychotherapie-Richtlinien sind für die klinischen Anwendungen und für die Finanzierung von Psychotherapie im öffentlichen Gesundheitssystem verbindliche Grundlagen geschaffen (s. dazu Kap. ▶ 47 und Kap. ▶ 48).

Klinisch umfasst die Psychotherapie eine Vielzahl von Behandlungsverfahren, die auf unterschiedlichen theoretischen Grundlagen basieren. Für die Krankenversorgung wird von diesen Verfahren ein hinreichender Wirksamkeits- und Unbedenklichkeitsnachweis als Krankenbehandlungsmethode gefordert, was durch eine empirische Überprüfung und Absicherung in kontrollierten Studien zu leisten ist. Das wird durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie bei der Bundesärztekammer für jedes psychotherapeutische Verfahren und für jede psychotherapeutische Technik überprüft.

Positive Evaluationen liegen vor für die psychodynamisch-psychoanalytischen, die verhaltenstherapeutischen sowie für die systemischen Therapieverfahren, die als theoretische Grundorientierungen in dieses Buch aufgenommen sind. Auch wenn wir auf diesem formalen Hintergrund auf die Darstellung der Humanistischen Psychotherapie verzichtet haben, heißt das nicht, deren Wert für die Entwicklung allgemeiner Grundlagen für die Psychotherapie in Frage zu stellen.

Inhaltlich ist Psychotherapie nach Strotzka ▶ [2530] definiert als:

ein bewusster und geplanter interaktioneller Prozess

zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen,

die in einem Konsensus (möglichst zwischen PatientIn, TherapeutIn und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden,

mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation),

meist verbal, aber auch averbal,

in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptomminimierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit),

mittels lehrbarer Technik,

auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens.

In der Regel ist dazu eine tragfähige emotionale Bindung notwendig.

Auf diesem Hintergrund ist Psychotherapie als ein Verfahren zur Krankenbehandlung eindeutig zu definieren:

Definition

Psychotherapie

Psychotherapie ist professionelles therapeutisches Handeln im Rahmen und nach den Regeln des öffentlichen Gesundheitswesens, das wissenschaftlich fundiert ist mit Bezug auf wissenschaftlich begründete und empirisch gesicherte Krankheits-, Heilungs- und Behandlungstheorien. Dabei handelt es sich um ein komplexes therapeutisches Prinzip mit handlungsorientierten Strategien zur Beeinflussung von Erleben und Verhalten, das geeignet ist, psychisch bedingte oder mitbedingte Krankheiten oder Verarbeitungsstörungen bei körperlicher Erkrankung oder psychosozialer Belastung zu beseitigen oder zu mildern und Krankheitsentstehung vorzubeugen.

1.2 Behandeln durch Kommunikation

„Psyche ist ein griechisches Wort und lautet in deutscher Übersetzung Seele. Psychische Behandlung bedeutet demnach Seelenbehandlung. Man könnte also meinen, dass darunter verstanden wird: Behandlung der krankhaften Erscheinungen des Seelenlebens. Dies ist aber nicht die Bedeutung dieses Wortes. Psychische Behandlung will vielmehr besagen: Behandlung von der Seele aus, Behandlung – seelischer oder körperlicher Störungen – mit Mitteln, welche zunächst und unmittelbar auf das Seelische des Menschen einwirken. Ein solches Mittel ist vor allem das Wort, und Worte sind auch das wesentliche Handwerkszeug der Seelenbehandlung.

Der Laie wird es wohl schwer begreiflich finden, dass krankhafte Störungen des Leibes und der Seele durch bloße Worte des Arztes beseitigt werden sollen. Er wird glauben, man mute ihm zu, an Zauberei zu glauben. Er hat damit nicht so unrecht; die Worte unserer täglichen Reden sind nichts anderes als verblasster Zauber. Es wird aber notwendig sein, einen weiteren Umweg einzuschlagen, um verständlich zu machen, wie die Wissenschaft es anstellt, dem Worte wenigstens einen Teil seiner früheren Zauberkraft wiederzugeben.“ ▶ [894]

Wir haben das lange Zitat gewählt, da Sigmund Freud mit seinem Konzept der „talking Cure“, also mit der „Zauberkraft“ der Worte schon das wesentliche Element und die Kennzeichnung von Psychotherapie benennt:

Merke

Es geht um das gezielte therapeutische Benutzen von Kommunikation.

Unter dem Blickwinkel der Integration gehen heute viele Psychotherapieverfahren davon aus, dass vor dem Hintergrund einer therapeutischen Beziehung während der Psychotherapie „korrigierende Erfahrungen“ möglich werden ▶ [34]. Im positiven Fall können Krankheitszustände überwunden oder zumindest gelindert werden. Es mehren sich jedoch auch Publikationen zu negativen Psychotherapieeffekten. Linden u. Strauß unterscheiden bei den Nebenwirkungen zwischen Kunstfehlern und unerwünschten Ereignissen ▶ [1596].

1.2.1 Vielfalt und Variationsbreite

Die Vielfalt und Variationsbreite in der Psychotherapie sind im historischen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte der Psychotherapie nachvollziehbar. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist es zu einer geradezu stürmischen Entwicklung gekommen ▶ [1132], und neue psychotherapeutische Verfahren und Techniken sind immer dann entwickelt worden, wenn die bisherigen nicht mehr ausreichend waren ▶ [1950]. Denn:

Merke

Kein Behandlungsmodell war und ist jedoch für sich in der Lage, bei allen Problemen, Krankheiten und Störungen und bei allen Persönlichkeitstypen von PatientInnen gleich wirksam zu sein.

Der therapeutische Auftrag an die Psychotherapie ist aber die wirksame Behandlung und Prävention von Krankheit. Er ist nur dann erfüllt, wenn PatientInnen in jedem Fall die Therapie erhalten, die für ihre Krankheit notwendig ist, und wenn der therapeutische Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zu dem Behandlungsergebnis steht.

1.2.2 Integration als notwendige Perspektive

Aus unserer Sicht erfordert die integrative Perspektive sogar in besonderer Weise eine hohe Professionalität.

Der so verstandene therapeutische Auftrag ist ein sehr starkes Argument für Vielfalt und Variationsbreite, denn unter einer ausschließlich „schulenorientierten“ Einengung ist dieser Grundsatz nicht zu erfüllen. Es besteht dann die Gefahr, dass PatientInnen nur das an Behandlungsverfahren bekommen, das der/die jeweilige TherapeutIn gelernt hat und bevorzugt und im Rahmen der vorgegebenen Richtlinien anwendet, und das muss nicht die Therapieform sein, die nach heutigem Wissen besonders wirksam und deshalb angezeigt ist.

Gerne wird übersehen, was Sigmund Freud 1918 auf dem Budapester Kongress seinem Wunsch für die Zukunft der Psychotherapie hinzugefügt hat, nämlich dass dann „das Gold der Analyse … reichlich mit dem Kupfer der Suggestion zu legieren“ sei. Er hatte schon die Weitsicht, dass eine Psychotherapie für „alle“ nur dann stattfinden und erfolgreich sein kann, wenn die Vielfalt der Psychotherapie zum Tragen kommt. Schon aus diesem Grund ist es notwendig, eine Integrative Psychotherapie zu entwickeln.

In Kap. ▶ 18 gehen wir ausführlich darauf ein und entwickeln eine Perspektive, die ein von den Grundorientierungen unabhängiges Referenzsystem für psychotherapeutische Wirkfaktoren beschreibt, wobei es sich um wirksame Teilkomponenten handelt, die in allen Psychotherapieformen vorkommen.

Es wird immer wieder missverstanden, dass mit einem integrativen Ansatz die Notwendigkeit der verschiedenen Grundorientierungen abgestritten werde. Das Gegenteil ist der Fall. Die unterschiedlichen psychotherapeutischen Systeme, die wir als „Therapieschulen“ bezeichnen, stellen unterschiedliche therapeutische Kompetenzen zur Verfügung, die gegenseitig nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich im Idealfall zum Nutzen der PatientInnen optimal ergänzen können bzw. könnten. Deshalb ist es sinnvoll, sich zumindest mit den Grundkompetenzen der verschiedenen psychotherapeutischen Systeme und den daraus entwickelten Behandlungsverfahren zu befassen (s. Teil III).

Damit eröffnet sich eine Perspektivenvielfalt, die es erlaubt, vor der Einleitung und zu jedem Zeitpunkt einer Behandlung mehrere theoretische oder klinisch praktische Perspektiven einzunehmen. Das ermöglicht einen adaptiven Behandlungsprozess, der an den Notwendigkeiten und Bedürfnissen der PatientInnen orientiert ist. Der damit verbundene Perspektivenwechsel verläuft von einem methodenorientierten Ansatz hin zu einer patientenzentrierten Psychotherapie.

Merke

Die unterschiedlichen psychotherapeutischen Grundorientierungen stellen unterschiedliche psychotherapeutische Kompetenzen zur Verfügung, die nicht miteinander konkurrieren, sondern sich im Patienteninteresse optimal ergänzen.

Ein anderes häufiges Argument ist, dass die integrative Perspektive im ambulanten Versorgungsbereich durch die strengen Regeln keinen Raum habe. Dem ist entgegenzuhalten, dass in der stationären psychotherapeutischen Anwendung die Behandlung von Essstörungen, Traumafolgestörungen, Persönlichkeitsstörungen, psychosomatischen Erkrankungen etc. ohne einen multimodalen und methodenintegrativen Ansatz nicht mehr denkbar sind und als obsolet angesehen werden müsste. Entsprechend stellen sich hier auch Fragen an die zukünftige Psychotherapie- bzw. Versorgungsforschung: In welchem Umfang praktizieren im ambulanten Setting die PsychotherapeutInnen „adherent“ oder dient die jeweilige Schule v.a. zur möglichen Abrechnung der Leistung? Wird der Unterschied zwischen integrativem stationärem Behandlungsangebot und ambulantem schulenspezifischem Setting durch den jeweiligen Behandler und oder durch externe Faktoren (z.B. Vorgaben der Kostenträger) begründet, welche sich nicht ausschließlich auf das jeweilige Verfahren rückführen lassen?

1.3 Professionalität

Fachpsychotherapie – ein Begriff, den wir für die etablierten psychotherapeutischen Methoden zur Behandlung von Krankheit verwenden – unterscheidet sich essenziell von der professionellen psychologischen Beratung (siehe Praktische Hinweise für den psychotherapeutischen Alltag in ▶ [2385]) und anderer Art von Lebenshilfe oder auch professionellem Coaching▶ [2663], innerhalb derer einzelne psychotherapeutische Techniken und Methoden ihren jeweils eigenen Stellenwert haben können, allerdings ohne begründeten Anspruch auf Krankenbehandlung. Damit soll keineswegs die wissenschaftliche Psychotherapie lediglich abgegrenzt und vor unwissenschaftlichen Einflüssen geschützt werden. Im Gegenteil geht es auch darum, der professionellenpsychologischen Beratung, die sich u.a. auch psychotherapeutischer Techniken bedienen kann, ihren eigenen, aus unserer Sicht besonders wichtigen Platz einzuräumen. Vermutlich ist professionelle Beratung sogar häufiger notwendig als Fachpsychotherapie, sodass unsererseits die Sorge besteht, dass Beratung zur Psychotherapie umgedeutet wird.

Merke

Hohe Professionalität ist in der Psychotherapie besonders zu fordern, da fraglos auch Fehlentwicklungen zu erkennen sind.

So werden über einen „Psychomarkt“ sog. „psychologische“ Hilfsangebote auch unter dem Label „Psychotherapie“ angeboten, wobei es sich lediglich um eine bunte, unübersichtliche, ungeprüfte und letztlich undurchschaubare Vielfalt von Methoden handelt, in der sich unterschiedlichste Anbieter Konkurrenz machen. Solche „Psycho-Waren“ ▶ [681] organisieren sich nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage, differenzieren sich dadurch aus, dass neue Angebote für jedes erdenkliche Problem auf den Markt kommen und zahlungswillige KundInnen bzw. KonsumentInnen finden. Das sind Angebote manchmal mit, aber überwiegend ohne therapeutische Fachkompetenz bzw. ohne professionelle Ausbildung, leider auch mit einer zunehmenden medialen Präsenz.

Andererseits findet sich in der Psychotherapie immer noch ebenso häufig die Tendenz, sich hinter den Mauern einer „Therapieschule“ zu verschanzen und in Feindschaft gegenüber den vermeintlich anderen „Menschenbildern“ alle anderen Therapierichtungen prinzipiell zu entwerten.

Beide Extreme sind geeignet, die Psychotherapie in Misskredit zu bringen. Deshalb ist eine deutliche Abgrenzung zu Verfahren notwendig, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist oder nicht nachweisbar ist, und es sind Standards der Qualitätssicherung zu formulieren. Ebenso ist ideologischer Dogmatismus, der jegliche Entwicklung hemmt, entschieden abzulehnen.

Andererseits haben sich im historischen Rückblick immer dann auch Variationen oder neue Therapieansätze entwickelt, wenn die bisherigen nicht mehr ausreichend waren oder wenn die TherapeutInnen mit den bisherigen, oft „schulenspezifischen“ Effekten unzufrieden waren und nach Erweiterung suchten wie z.B. bei der Entwicklung von Verfahren wie DBT ▶ [1720] oder EMDR ▶ [1100].

1.3.1 Erfolg und Notwendigkeit

Psychotherapie ist eine sehr anspruchsvolle Behandlungsmethode, die im Vergleich zu anderen medizinischen Behandlungsmaßnahmen und gemessen an der Schwere der Erkrankungen äußerst erfolgreich ist. Das wissen wir aus der Psychotherapieforschung, die unter dem einstigen Verdikt der Legitimation einen in der Medizin vergleichsweise hohen methodischen Standard entwickelt hat.

Aus der Forschung werden an die praktische Ausübung von Psychotherapie hohe Ansprüche formuliert, die Wirksamkeit einer Methode oder eines Verfahrens muss in mehreren Diagnosebereichen gesichert sein. Die Psychotherapieforschung hat auch zu vielen praktischen Ergebnissen geführt, wie z.B. die Einführung der Leistungspflicht der Krankenkassen oder Konzepte zur Qualitätssicherung gefördert. Ebenso wissen wir aus der Psychotherapieforschung um die vergleichsweise sehr hohen Effektstärken von Psychotherapie und um die differenzielle Wirksamkeit verschiedener Psychotherapieverfahren.

Folgen wir der Epidemiologie psychischer Störungen, Behandlungsbedarf und Versorgungssituation (s. Kap. ▶ 3), dann ist evident, dass Psychotherapie einen äußerst hohen Stellenwert einnimmt. Allerdings bedarf es noch erheblicher Anstrengungen, die Versorgungssituation zu optimieren.

1.4 Psychotherapie – Verankerung in der Gesellschaft

„Irgendeinmal wird das Gewissen der Gesellschaft erwachen und sie mahnen, dass der Arme ein ebensolches Anrecht auf seelische Hilfeleistung hat, wie bereits jetzt auf lebensrettende chirurgische. … Diese Behandlungen werden unentgeltlich sein.“

Dies erhoffte Sigmund Freud 1918 auf dem Budapester Kongress für die Zukunft der Psychotherapie. Das ist heute erreicht: Das Gewissen der Gesellschaft ist erwacht, „jede(r)“ hat ein Anrecht auf eine unentgeltliche (kassenfinanzierte) seelische Hilfeleistung. Unsere Gesellschaft und die Gesundheitspolitik haben begriffen, dass die Psychotherapie als Heilmethode unverzichtbarer Bestandteil einer qualifizierten medizinischen Versorgung ist. Durch unsere persönliche und beruflich aktive Teilnahme überschauen wir HerausgeberInnen die Entwicklung der Psychotherapie schon seit langem und können zuerst einmal festhalten, dass sich dieser Bereich in einer bemerkenswerten Weise positiv und professionell entwickelt hat.

Fazit

Unser Versuch einer Standortbestimmung wird neben Zustimmung auch Kontroversen und Widerspruch auslösen.

Dennoch: die „moderne“, zeitgemäße heutige Psychotherapie hat viele der ehemaligen Standards und Vorstellungen, die jeweils zeitbezogen ihre historische Berechtigung hatten, weit hinter sich gelassen. Sie hat sich von einer reinen Methodenorientierung mit einem hohen ideologischen, auf sog. psychotherapeutische Schulen bezogenen theoretischen Überbau, der oft auch heute noch kompetitiv vertreten und verteidigt wird, hinbewegt zu einer klaren Patientenorientiertheit, die auf wissenschaftlicher Evidenz gründet.

Zu dieser Entwicklung hat dieses Buch seit der 1. Auflage beigetragen und wird mit dieser neuen 6. Auflage einen nächsten Schritt gehen (s. dazu auch Kap. ▶ 18) und dabei gleichzeitig die existenziellen Grundlagen der Psychotherapie bewahren.

2 Geschichte und Entwicklungslinien der Psychotherapie

M. Geyer, W. Senf

Unabhängig von historisch-kulturellen Besonderheiten enthält jede Psychotherapie vier Elemente:

Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen einer leidenden Person und einer heilend oder therapeutisch tätigen Person, deren Rolle sozial bestätigt ist und der der leidende Mensch zutraut, ihm helfen zu können,

Eine allgemein akzeptierte Rahmensituation (einschließlich einer „Stätte der Heilung“), innerhalb deren die Therapie stattfindet,

Eine Behandlungstheorie oder ein Mythos der Heilung, verbunden mit einer Erklärung der Ursachen der Krankheit (z.B. als Strafe für Sünden, Besessenheit durch Dämonen, Fehler in der Zusammensetzung der Körpersäfte, Entwicklungsstörungen u.a.).

Eine Behandlungsprozedur oder ein Ritual mit Bezug auf die Behandlungstheorie ▶ [862].

Legt man diese gesellschafts- und kulturübergreifenden allgemeinen Elemente der Bestimmung von Psychotherapie zugrunde, existiert sie seit Beginn der Menschheitsgeschichte.

Im Rahmen dieser kurzen einleitenden geschichtlichen Betrachtung werden Entwicklungslinien der Psychotherapie von den frühgeschichtlichen Heilungsritualen bis zur modernen Psychotherapie verfolgt, um daraus einige Schlussfolgerungerungen für die zukünftige Entwicklung zu ziehen.

2.1 Vom Schamanismus zur Psychotherapie

2.1.1 Der Schamane als Psychotherapeut

Erst mit der Entwicklung der psychosomatischen Medizin ist deutlicher geworden, dass die Heilverfahren des Schamanen oder Medizinmannes weit mehr als primitiver „Hokuspokus“, sondern kulturtypischer Gebrauch psychotherapeutischer Wirkfaktoren sind ▶ [862], ▶ [2287]. Insofern ist die Psychotherapie zweifellos neben Pharmakotherapie und Chirurgie eine der ältesten therapeutischen Disziplinen ▶ [1519]. Ihre Anwendung in Form magisch-suggestiver Heilungsrituale wird seit Beginn der menschlichen Zivilisation vermutet (und findet auch heute noch alternativ zur modernen Medizin statt). Die angewandten Prozeduren setzten besondere persönliche Eigenschaften, intensive Selbsterfahrung und Ausbildung voraus. Die magischen Rituale waren stets eng verbunden mit einer gezielten pharmakologischen Beeinflussung, zunehmend auch mit chirurgischen Spezialkenntnissen ▶ [1877]. Im Papyrus Ebers heißt es: „Wirksam ist das Heilmittel zusammen mit dem Zauber, wirksam ist der Zauber zusammen mit dem Heilmittel“ ▶ [2746].

2.1.2 Seelen- oder Körpermedizin – Anfänge der Spezialisierung

Bereits die Babylonier vollzogen den Spezialisierungsschritt einerseits zum Seelenarzt – „asipu“ – dem Beschwörer, andererseits zum Arzt, der für die lokalen handwerklich angehbaren körperlichen Störungen verantwortlich ist, dem „asu“ ▶ [989].

In den assyrisch-babylonischen und jüdisch-alttestamentarischen Hochkulturen dürfte die Gleichsetzung von Krankheit und Sünde – das assyrische Wort für Krankheit „shertu“ bedeutet auch Sünde (s. auch ▶ [2279]) – dafür gesorgt haben, dass ein richtiger Arzt nur ein Priester sein konnte. Ärztlich handwerkliche Technik war zu kaum einer Zeit ohne „seelenkundliche“ Theorie denkbar. Aber die Schwierigkeit, beides in der Person des Arztes zu vereinigen, drückt sich über die Zeit in ganz unterschiedlichen Arztbildern und Mythen aus.

Der heilkundlich ausgebildete Asklepios bedurfte zusätzlich zu seiner eigenen göttlichen Abkunft der ständigen Begleitung seiner Tochter Hygieia, der Göttin der Gesundheit. Der sich im Gefolge des Heilers Jesus Christus verstehende priesterliche Arzt der Christen machte „die erbarmende Liebe zu der Gefährtin seiner Kunst“ ▶ [1498].

Eine Trennung dieser beiden Aspekte des Arztseins, wie bereits sehr früh in Babylonien zu finden, erfolgte in enger Verbindung mit dem fortschreitenden medizinischen Wissen. Beispielhaft vollzieht sich dieser Prozess in der griechischen Antike.

2.1.3 Der Begriff „Psychotherapie“ entsteht – außerhalb der Medizin

In dem Maße, wie der Mensch zunehmend als Erscheinung der Natur begriffen wurde, war er auch naturwissenschaftlicher Betrachtung zugänglich. So wurden sowohl der therapeutische Kult, der in den Tempeln des Heilgottes Asklepios in Form des heilenden Tempelschlafs zelebriert wurde, als auch die psychokathartischen Orgien des Dionysos-Kultes allmählich abgelöst von der physiologischen Medizin der Hippokrates-Schule, die eine allgemeine Naturlehre (Physiologia), die Heilmittelkunde (Pharmakologia) und die Behandlungslehre (Techne therapeutike) umfasste.

Die um 400 v.Chr. im Corpus Hippocraticum niedergelegte, bis ins Mittelalter gültige allgemeine Krankheitslehre zur Erklärung der Körpervorgänge drehte sich um die Fehlmischung der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Die Physis gewann die Oberhand in der Medizin. Interessanterweise verschwand der explizit psychotherapeutische Zugang in der hippokratischen Medizin auf demselben Wege, wie er in der Neuzeit wieder auftauchte. Die nichtphysiologischen Zugänge wurden zunächst exklusiv und dann randständig.

In der griechischen Antike behandelten besondere Ärzte eine kleine Schicht sehr Wohlhabender auch psychotherapeutisch (bei Platon „pädagogische Medizin“). Ihre Methodik wurde zunehmend außerhalb der engeren medizinischen Wissenschaft in der Philosophie entwickelt. Hier entsteht auch der Begriff Psychotherapie. Platon lässt Sokrates (469–399 v. Chr.) im Dialog „Laches“ von „psyches therapeia“ reden.

Dies ist der Ursprung unseres Wortes „Psychotherapie“.

„Therapeia“ wird heute gängig mit Krankenbehandlung übersetzt. Zur Zeit Platons jedoch hatte „therapeia“ die Bedeutung von Dienen und hilfreicher Begleitung durch einen gleichrangigen Gefährten. So war der Therapeuton der hilfreiche Begleiter des Kämpfers auf dem Streitwagen.

Merke

Psychotherapie wurde also verstanden als seelische Begleitung.

Erst im 18. Jahrhundert nahm „Therapie“ im deutschen Sprachraum die Bedeutung von „Heilbehandlung“ an und wandte sich damit von der Philosophie ab ins Gebiet der Medizin. Es war selbstverständlich, dass nur der wohlhabende und freie Mensch als besonderer, einzigartiger Fall auch psychologische Zuwendung erhielt („pädagogische Medizin“), während der Sklave mit einer Art Veterinärmedizin (bei Platon „tyrannische Medizin“) und der arme Freie mit Radikalkuren vorlieb nehmen mussten ▶ [2033]. Die „schönen Reden des guten Arztes“, die Platon (ebenda) in den Gesetzen beschreibt, erforderten eine philosophische Ausbildung und Haltung, wie auch die Kunst der Überredung (Persuasion) von den Sophisten – also Philosophen – in die Behandlung Leidender eingeführt wurde.

Die von Sokrates als „Hebammenkunst“ (Maieutik) bezeichnete „dialektische“ Methode des ärztlichen Gesprächs hat sich als Technik bis in die Gegenwart erhalten.

Die Grundprinzipien dieser „Geburtshilfe“, die nichts in PatientInnen erzeugt, sondern lediglich den Strebungen von PatientInnen ans Tageslicht hilft, haben praktisch allen aktuellen Gesprächstherapiemethoden Pate gestanden.

Die Psychotherapie blieb eine philosophische Kunst, die dem gewöhnlichen Arzt nicht zur Verfügung stand. Aber schon der Leibarzt von Marc Aurel Galen von Pergamon (129–199), der die Humoralpathologie des Hippokrates weiterentwickelte und ein bis in unsere Tage verwendetes Persönlichkeitsmodell (Temperamentenlehre) davon ableitete, forderte:

„Ein vorzüglicher Arzt muss auch ein Philosoph sein.“ ▶ [1195]

2.1.4 Vom Priesterarzt zum Laienarzt – das europäische Mittelalter

Das in der griechischen und römischen Medizin durch die Integration volksheilkundlicher, philosophisch-psychotherapeutischer und physiologischer Erkenntnisse auf einem hohen Niveau entstandene Expertentum ging im europäischen Mittelalter beinahe verloren. In der Person des Priesters oder „Mönchsarztes