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Rettungsdienst ist ein wesentlicher Bestandteil der Notfallmedizin. Es geht um optimierte Strukturen, Abläufe, Prozeduren- und Behandlungs-Standards und um Transparenz und Vergleichbarkeit von Ergebnisqualität. Qualitäts- und Risikomanagement wird dann zu einer Verbesserung der medizinischen und ökonomischen Ergebnisse, der Mitarbeiterzufriedenheit und nicht zuletzt der Wettbewerbsfähigkeit führen, wenn QM nicht als bürokratisches Monster aufgezwungen wird, sondern wenn es gelingt, Qualitätsorientierung und Risikobewusstsein als eine täglich gelebte, positive Haltung bei allen Mitarbeitern und Verantwortlichen zu verankern. Das gelingt am ehesten durch ein professionelles, strukturiertes Vorgehen bei der Analyse, Planung und Umsetzung von Qualitäts- und Risikomanagementinstrumenten. Dieses Buch bietet: – zentrale Ansatzpunkte, Methoden und Instrumente des Qualitätsmanagements inklusive Planung und Umsetzung von QM – Planung, Vorbereitung und Durchführung der notwendigen Zertifizierung – glaubwürdige Autoren, die ihre Praxiserfahrung auch mit Fallbeispielen einbringen
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Seitenzahl: 392
Veröffentlichungsjahr: 2013
H. Moecke, H. Marung, S. Oppermann (Hrsg.)
Planung, Umsetzung, Zertifizierung
mit Beiträgen vonP. Gausmann, A. Hackstein, L. Hellmann, M. Henninger, J. Koppenberg, S. Kruse, I. Kurtz-Warnholtz, C.K.
Dieses Buch widmen wir dem Gedenken an Herrn Professor Dr. Hans-Nikolaus Herden (1935–1994).
Als Chefarzt der Anästhesieabteilung des Allgemeinen Krankenhauses Altona (jetzt Asklepios Klinik Altona) in Hamburg und als Gründungsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft in Norddeutschland tätiger Notärzte (AGNN) war er über viele Jahre einer der Pioniere der deutschen Notfallmedizin. Für seine zahlreichen Initiativen und sein Engagement für die kontinuierliche Qualitätsverbesserung sind ihm auch heute noch die in der Notfallmedizin Tätigen zu Dank verpflichtet.
1 Warum Qualitäts- und Risikomanagement im Rettungsdienst?
Heinzpeter Moecke, Hartwig Marung und Stefan Oppermann
1.1 Was ist Qualität?
1.2 Qualitätsmanagement in der Notfallmedizin
1.3 Die Perspektive der Mitarbeiter des Rettungsdienstes
1.4 Zusammenfassung
2 Historische Entwicklung des Qualitätsmanagements in der prähospitalen Notfallmedizin
Heinzpeter Moecke, Christian K. Lackner und Michael Reng
2.1 Einleitung
2.2 Die Geschichte des bundeseinheitlichen Notarzteinsatzprotokolls
2.3 Das bundeseinheitliche Rettungsdienstprotokoll
2.4 Intensivtransportprotokoll
2.5 Weitere Dokumentationsinstrumente
2.6 Zusammenfassung
3 Der Mitarbeiter im QM
Lukas Schmitt und Klaus Runggaldier
3.1 Grundlagen
3.2 Der Mitarbeiter im Implementierungsprozess
3.3 Identifikation der Prozesse
3.4 Stellenwert der Dokumentation durch den Mitarbeiter
3.5 Qualitätssicherung und Controlling
3.6 Fehlermanagement/CIRS – Critical Incident Reporting System
3.7 Ängste der Mitarbeiter in Bezug auf Qualitätsmanagementsysteme
3.8 QM und Personalentwicklung
3.9 Stellenwert der Qualitätspolitik für den Mitarbeiter
3.10 MA im Qualitätszirkel
3.11 Zusammenfassung
4 Anforderungen an Dienstleistungen und Qualitätsmanagementsysteme
Stefan Kruse und Stefan Oppermann
4.1 Von der Qualität zum Qualitätsmanagementsystem
4.2 Ansatz für Qualitätsmanagementsysteme
4.3 Messung, Analyse und Verbesserung
5 Regelungen und Vorschriften im Rettungsdienst – hilfreiche Instrumente des Qualitätsmanagements?
Stefan Poloczek und Hartwig Marung
5.1 Vorschrift, Verordnung, Verfügung, Vermerk – Wie behalte ich den Überblick?
5.2 Infektionsschutz – Wie kann man das alles in die Praxis umsetzen?
5.3 Arzneimittel: Vernachlässigtes Thema im Qualitätsmanagement?
5.4 Fazit
6 Qualitätsmanagement im Rettungsdienst – praktische Umsetzung: Voraussetzungen, Instrumente, Ergebnisse
Thomas Schlechtriemen
6.1 Voraussetzungen für ein effektives Qualitätsmanagement
6.2 Dokumentation
6.3 Praktisches Qualitätsmanagement
6.4 Strukturqualität im Rettungsdienst
6.5 Prozessqualität im Rettungsdienst
6.6 Ergebnisqualität im Rettungsdienst
6.7 Präsentations- und Erlebnisqualität im Rettungsdienst
7 Medizinisches Qualitätsmanagement aus Sicht eines (ehemaligen) Kostenträgers
Ulrich Schreiner
7.1 Was erwarten Kostenträger vom Rettungsdienst?
7.2 Rettungsdienstplanung
7.3 Zukunft und Perspektiven für das Rettungsdiensteinsatzpersonal
7.4 Leitstellen
7.5 Leistungsorientierte Vergütung
7.6 Forderung
7.7 Kundenorientierung
7.8 Ergebnis
8 Crew Resource Management (CRM) und Human Factors
Marcus Rall, Joachim Koppenberg, Lisa Hellmann und Michael Henninger
8.1 Einleitung
8.2 Human Factors: kennt jeder, hat jeder, aber kann nicht jeder
8.3 Zwischenfallmanagement oder Crisis Resource Management (CRM)
8.4 Der Begriff CRM
9 Simulationstraining zur Verbesserung der Teamarbeit und Erhöhung der Patientensicherheit
Marcus Rall, Joachim Koppenberg und Michael Henninger
9.1 Warum Simulationsteamtraining?
9.2 Jedes Simulationstraining ist besser als kein Simulationstraining
9.3 Das Wichtigste sind die Instruktoren
9.4 Teamtrainings mit Fokus auf CRM
9.5 Training für alle – und immer wieder
9.6 Simulationstraining – was und wie?
9.7 Der wichtigste Teil des Simulationstrainings: Das Debriefing (interaktive Nachbesprechung)
9.8 Zukunft und Ausblick
10 CIRS – Meldesysteme für kritische Ereignisse
Marcus Rall, Joachim Koppenberg, Lisa Hellmann und Michael Henninger
10.1 Einleitung
10.2 CIRS
10.3 CIRS im Rettungsdienst
10.4 Weitere Möglichkeiten zur Erkennung von Systemschwächen und zur Erhöhung der Patientensicherheit
10.5 Das kritische Ereignis als Fenster zum Rückenmark einer Organisation
11 Aufbau eines strukturierten Risikomanagements im Rettungsdienst
Peter Gausmann und Hartwig Marung
11.1 Einleitung
11.2 Der Risikomanagement-Prozess
11.3 Erwartungen an Risikomanagement unter den spezifischen Bedingungen im Rettungsdienst
11.4 Modelle für ein präklinisches Risikomanagement
11.5 Instrumente für ein präklinisches Risikomanagement
11.6 Risikomanagement und Zertifizierung
11.7 Effekte von Risikomanagement im Rettungsdienst
11.8 Fazit/Ausblick
12 Qualitätsmanagement in der Leitstelle
Achim Reineke, Wolfgang Lenz und Achim Hackstein
12.1 Warum Qualitätsmanagement in der Leitstelle?
12.2 Rückmeldezahlen im QM-System Leitstelle
12.3 Standardisierte Abfrage-Protokolle
12.4 Telefonische Reanimationsunterstützung
13 QM im Intensivtransport – (k) ein Problem?
Karsten Reinhardt
13.1 Einleitung
13.2 Entwicklung und Stellung des Intensivtransports im Rettungsdienst
13.3 Eckpfeiler des Qualitätsmanagements
13.4 Fazit
14 Zertifizierung eines Qualitätsmanagementsystems im Rettungsdienst
Stefan Kruse
14.1 Einleitung
14.2 Selbstbewertungsphase
14.3 Fremdbewertungsphase
14.4 Die KTQ®-Rezertifizierung
15 Qualitätsmanagement beim MANV – geht das?
Hartwig Marung und Heinzpeter Moecke
15.1 Einleitung
15.2 Strukturen beim MANV – gibt es einen Mindeststandard?
15.3 Prozessqualität: Strukturen im Praxistest
15.4 Datenanalyse: Aus Erfahrungen lernen
15.5 Fazit/Ausblick
Die Autoren
Rettungsdienst ist ein wesentlicher Bestandteil der Notfallmedizin. Es geht um optimierte Strukturen, Abläufe, Prozeduren- und Behandlungs-Standards und um Transparenz und Vergleichbarkeit von Ergebnisqualität zum Nutzen des Notfallpatienten. Qualitäts- und Risikomanagement werden dann zu einer Verbesserung der medizinischen und ökonomischen Ergebnisse, der Mitarbeiterzufriedenheit und nicht zuletzt der Wettbewerbsfähigkeit führen, wenn QM nicht als bürokratisches Monster aufgezwungen wird, sondern wenn es gelingt, Qualitätsorientierung und Risikobewusstsein als eine täglich gelebte, positive Haltung bei allen Mitarbeitern und Verantwortlichen zu verankern. Das gelingt am ehesten durch ein professionelles, strukturiertes Vorgehen bei der Analyse, Planung und Umsetzung von Qualitäts- und Risikomanagementinstrumenten.
Wenn man ein Buch zu diesem Thema konzipiert, müssen zum einen die theoretischen Grundlagen, also eine Vielzahl von Fakten zum Thema dargestellt werden. Mindestens genauso wichtig ist uns aber der Blickwinkel des praktischen Anwenders, und damit der Bezug zur Praxis des Rettungsdienstes. Wir haben dabei darauf geachtet, bewährte Konzepte darzustellen, aber auch aktuellen Entwicklungen wie der Patientensicherheit, dem Qualitätsmanagement beim MANV oder einem neuen Zertifizierungsverfahren für den Rettungsdienst Raum zu geben.
Nicht zuletzt wird dieses Thema immer auch emotional diskutiert:
Wer das Thema „Qualitäts- und Risikomanagement“ im Rettungsdienst angehen oder vertiefen möchte, sei es als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Geschäftsführer oder als QM-Beauftragter, wird manchmal große Zustimmung, aber auch Skepsis bis hin zur Ablehnung durch diejenigen erfahren, die das System tragen sollen: die Mitarbeitenden im Rettungsdienst.
Alle diese Aspekte haben uns bei der Erstellung der verschiedenen Kapitel geleitet. Wir konnten uns auf Autoren verlassen, die in ihren Arbeitsbereichen Verantwortung für das Qualitäts- und Risikomanagement tragen und fast ausnahmslos sehr erfahrene Notfallmediziner bzw. Rettungsdienstmitarbeiter sind. Dabei sind wir durch unseren Verleger und sein Team hervorragend unterstützt worden.
Wir hoffen, dass es allen Beteiligten gelungen ist, diese Themen, deren Bedeutung in Zukunft stark zunehmen wird, aktuell und gut lesbar für Sie aufzubereiten. Ihnen wünschen wir viel Spaß und zahlreiche neue Erkenntnisse – und Erfolg bei der Umsetzung!
Sollten Sie Verbesserungsvorschläge oder allgemeine Anmerkungen haben, zögern Sie bitte nicht, uns diese mitzuteilen. Dafür schon jetzt herzlichen Dank.
Hamburg, im Oktober 2012
H. MoeckeH. MarungS. Oppermann
Heinzpeter Moecke, Hartwig Marung und Stefan Oppermann
Qualitätsmanagement, ursprünglich als Managementinstrument für die Industrie entwickelt, ist heute ein anerkanntes Werkzeug im Gesundheitswesen und hat sich in den vom Sozialgesetzbuch V erfassten Leistungsbereichen flächendeckend durchgesetzt. Nur der Rettungsdienst ist ein Bereich mit vielen weißen Flecken auf der Landkarte. Es gibt viele Organisationen, die sich seit Jahren um dieses Thema mit großem Engagement kontinuierlich kümmern. Genauso gibt es immer noch Rettungsdienstorganisationen, bei denen das Merkmal Qualitätsmanagement noch Verbesserungspotenzial hat. Dies hat u.a. rechtliche Gründe, z.B. die fehlende Verankerung im SGB V oder fehlende Vorgaben in den Landesrettungsdienstgesetzen. Es ist aber auch dem eigentlich sehr positiven Zustand geschuldet, dass die prähospitale Notfallmedizin auf einen enormen emotionalen Vorteil im Vergleich zu anderen medizinischen Tätigkeitsbereichen in der Medizin bauen kann. Die Bürgerinnen und Bürger sind überwiegend felsenfest davon überzeugt, dass „ihr Rettungsdienst“ die für sie bestmögliche medizinische Behandlung im Notfall sicherstellt. Dieser Vertrauensvorschuss geht sehr weit. Er geht so weit, dass auch die Institutionen, die den Rettungsdienst beaufsichtigen oder finanzieren, bisher kaum den Nachweis für die Effektivität, die Effizienz und die Akzeptanz des Rettungsdienstes eingefordert haben.
Die Qualität des Rettungsdienstes ist aber auch ein Gütezeichen, das jeder für seinen eigenen Bereich gern in Anspruch nimmt, ohne dass immer klar definiert ist, was damit eigentlich gemeint ist, ohne dass der Nachweis geführt werden muss, dass dieses Merkmal auch tatsächlich zutrifft (Moecke u. Herden 1992).
Andererseits wird aber auch immer wieder von einzelnen Politikern, Repräsentanten der Kostenträger oder Medienvertretern dem Rettungsdienst mangelnde Qualität und/oder Ineffizienz vorgeworfen. Auch dies häufig ohne jeden objektiven Nachweis.
Hier muss der formale Druck erhöht werden, dass Qualitätsmanagement im Rettungsdienst eine Routineleistung der durchführenden Organisation ist und nicht abhängig von dem Engagement der lokal Verantwortlichen.
Gleichzeitig ist effektives Qualitätsmanagement im Rettungsdienst ohne Berücksichtigung des Risikomanagements nicht denkbar. Dass die präklinische Versorgung ein Hochrisiko-Bereich ist, wird niemand in Frage stellen. Allerdings hat diese Erkenntnis bisher nicht zu einer flächendeckenden Etablierung strukturierten Risikomanagements im Rettungsdienst geführt. Gut gemeinte, punktuelle Initiativen wie die Einführung von Meldesystemen für (Beinahe-)Zwischenfälle bleiben wenig wirksam, wenn sie nicht in ein Gesamtkonzept zur Erhöhung der Sicherheit in einer Organisation eingebunden sind. Auf dieses Defizit möchten wir mit diesem Buch nicht nur hinweisen, sondern wir verbinden damit fundierte Vorschläge zur Implementierung präklinischen Risikomanagements.
Die Diskussion über „Qualität“ in der Medizin wird dadurch erschwert, dass der Begriff häufig nebulös verwendet wird und dass dieser Terminus mit ganz verschiedenen Bedeutungen und Erwartungen belegt ist.
Diese Schwierigkeit resultiert auch daraus, dass Qualität als ein Gut an sich wahrgenommen wird, das unabhängig von den Bedingungen ist, unter denen eine Leistung erbracht wird. Konkreter wird der Begriff, wenn man ihn als ein Ziel definiert, das es zu erreichen gilt. Ist das Ziel das Kernelement von Qualität, ist ein Referenzpunkt vorhanden, an dem Qualität gemessen werden kann (Steffen 1988).
Die Diskussion über Qualität kann man auf drei Bereiche fokussieren:
Effektivität: Wurde für den einzelnen Patienten das bestmögliche Resultat erreicht?Effizienz: Hätte das gleiche Ergebnis mit geringeren Kosten erreicht werden können?Akzeptanz: Waren der Patient und sein Umfeld mit der Behandlung zufrieden (Moecke u. Herden 1994).Qualitätsmanagement in der Notfallmedizin ist ein Managementinstrument, mit dem sichergestellt werden soll, dass die Leistungen des Rettungsdienstes sicher und ethisch vertretbar sind, dass sie dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechen und effizient erbracht werden.
Qualitätsmanagement nutzt nationale und internationale wissenschaftliche Leitlinien, stellt fest, inwieweit diesen Leitlinien gefolgt wird, und korrigiert unerwünschte Abweichungen davon. Dabei geht es weniger darum, das Verhalten einzelner Mitarbeiter zu kontrollieren. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund, warum die Abweichung zustande gekommen ist. Daraus lassen sich dann die notwendigen qualitätsverbessernden Maßnahmen ableiten.
Der Begriff Qualitätsmanagement weckt aber auch zum Teil falsche Erwartungen. Es ist nicht das Ziel, auf eine imaginäre Perfektion hinzuarbeiten. Ziel ist es vielmehr, zu garantieren, dass auf definierte medizinische Probleme mit konstanter Regelmäßigkeit kompetent reagiert wird.
Effiziente Systeme strukturieren den Weg zum Erreichen dieses Zieles, um die Vergeudung von Ressourcen durch „trial and error“-Verhalten oder auch banale Zufälligkeiten zu verhindern.
Qualitätsmanagement identifiziert objektiv Problemfelder und analysiert Lösungsansätze auf ihre Effektivität hin. Dies umfasst weit mehr als die reine Patientenversorgung. Es geht auch um die Bereiche der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Notärzten und Rettungsfachpersonal. Weitere mögliche Themen sind die Auswahl und der Einsatz von Medizintechnologie, die Stationierung von Rettungsmitteln sowie die Effektivität der Rettungsleitstellen.
Qualitätsmanagement berücksichtigt, dass auftretende Probleme nahezu immer durch eine Vielzahl von voneinander abhängigen Faktoren ausgelöst werden. Alle Tätigkeiten sind Teil einer Funktionskette. Abweichungen, die am Ende des Prozesses identifiziert werden, müssen deshalb nicht notwendigerweise dort auch entstanden sein. Sie können ihre Ursache auch viel früher im Prozessablauf haben.
Qualitätsabweichungen – oder auch Varianzen genannt – werden typischerweise durch zwei Faktoren bedingt: durch Zufallsfaktoren und durch zuordenbare Faktoren. Zufallsfaktoren liegen außerhalb der Einflussmöglichkeit des Rettungsdienstes. Zuordenbare Faktoren sind beeinflussbar. Sie liegen erfahrungsgemäß in 85% der Fälle in den Bereichen: Management, Methodik, Aus- und Fortbildung, Material und/oder Personalausstattung. Nur in 15% der Fälle können individuelle Faktoren als Ursache für die Abweichung herangezogen werden (Moecke u. Ahnefeld 1997).
Qualitätsmanagement hat drei Zeitebenen:
prospektiv,zeitgleich undretrospektiv.Für alle Zeitebenen lassen sich typische Arbeitsfelder definieren.
Die Verantwortung für die Durchführung des Qualitätsmanagements im Rettungsdienst liegt beim zuständigen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) (s.a. Kap. 6 „Qualitätsmanagement im Rettungsdienst“).
Qualitätsmanagement kann nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn sich alle Führungsebenen der Rettungsdienstorganisation eindeutig und unmissverständlich zum Qualitätsmanagement bekennen.
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Qualitätsmanagement muss „Chefsache“ sein.
Ebenso wichtig ist es aber auch, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das Konzept einzubeziehen.
Es gibt viele gute Gründe, warum sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst für das Qualitätsmanagement engagieren:
Das Streben nach Qualität in der rettungsdienstlichen Tätigkeit ist eine ethische Verpflichtung gegenüber dem Notfallpatienten.Qualität steigert die Zufriedenheit der Mitarbeiter.Qualität vermindert Frustrationen.Qualität trägt dazu bei, Kosten zu sparen.Es gibt aber auch typische Ursachen, warum mangelnde Akzeptanz der Mitarbeiter die erfolgreiche Umsetzung des Qualitätsmanagements blockieren kann:
Angst vor disziplinarischen MaßnahmenFehlende persönliche Einbindung in das KonzeptZuwenig Feedback über die Ergebnisse des QualitätsmanagementsUnzureichende Unterweisung in die DokumentationsinstrumenteQualitätsmanagement ist ein Managementinstrument, mit dem objektiv beurteilt werden kann, ob der Rettungsdienst die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Es deckt Entwicklungen auf, die auf eine unzureichende notfallmedizinische Versorgung hinweisen, und leitet geeignete Maßnahmen ein, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Es wird dokumentiert, ob diese Maßnahmen erfolgreich waren. Damit folgt das Qualitätsmanagement in der Notfallmedizin dem klassischen PDCA-Zyklus: Plan – Do – Check – Act. Die Identifizierung und Verringerung relevanter Risiken für Patienten, Mitarbeiter und Dritte ist hiermit untrennbar verbunden.
Es wird aber nicht nur das identifiziert, was Verbesserungsbedarf hat. Qualitätsmanagement weißt auch objektiv nach, was gut ist.
Damit sind Qualitäts- und Risikomanagement entscheidende Werkzeuge, um eine als gut empfundene notfallmedizinische Versorgung objektiv besser zu machen.
Moecke H (1994) Qualitätssicherung im Rettungsdienst. Notarzt 10: 95–96
Moecke H, Ahnefeld FW (1997) Qualitätsmanagement in der Notfallmedizin. Anästhesist 46: 787–800
Moecke H, Herden HN (1992) Qualitätssicherung: Wie und warum. Intensivmed 29: 450–455
Steffen GE (1988) Quality Medical Care – A Definition. JAMA 260: 56–61
Heinzpeter Moecke, Christian K. Lackner und Michael Reng
Spätestens in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann sich der Rettungsdienst von einer primären Transportdienstleistung für Patienten zu einer professionellen notfallmedizinischen Organisationsform und einem Aspekt der Daseinsvorsorge zu entwickeln. Viele das System noch heute prägende, grundlegende Entwicklungen wurden auf den Weg gebracht. Einige Beispiele dafür sind die Rettungsdienstgesetze, die bundesweite Etablierung der Notarztarbeitsgemeinschaften, der Fachkundenachweis Rettungsdienst für Notärztinnen und Notärzte, das Berufsbild des Rettungsassistenten samt korrespondierender Prüfungsverordnung. Die Qualifikationsanforderungen für Leitende Notärzte (LNA) und für den Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) wurden erarbeitet, publiziert und schrittweise fast flächendeckend umgesetzt. Neben den Notarztarbeitsgemeinschaften auf Landesebene waren die Sektion Rettungswesen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Notfall- und Intensivmedizin (DIVI) und der Ausschuss Notfall- und Katastrophenmedizin der Bundesärztekammer treibende Kräfte.
Der interdisziplinäre Charakter der prähospitalen Notfallmedizin wurde in den Fachgesellschaften z.B. von F.W.Ahnefeld, W.F.Dick, D.Startmann, P.Voeltz und P.Sefrin für die Anästhesisten, H.P.Schuster für die Internisten und P.Lemburg für die Pädiater geprägt. Aber auch von dem bereits 1994 verstorbenen H.N.Herden, Chefarzt der Anästhesieabteilung am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg-Altona und dem 2012 verstorbenen P.Knuth, seinerzeit u.a. für Notfallmedizin zuständiger Dezernatsleiter bei der Bundesärztekammer in Köln, gingen wichtige Impulse für die Zukunft aus. In dieser Aufbruchsstimmung für eine moderne prähospitale Notfallmedizin gab es darüber hinaus noch viele weitere sehr engagierte Notärztinnen und Notärzte, die sich lokal und überregional für die Verbesserung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität des Rettungsdienstes eingesetzt haben.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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