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»Ich bin eine schlampige Perfektionistin, eine attraktive Übergewichtige, eine kluge Nichtswisserin und eine langsame Ungeduldige. Nächsten Juni werde ich 31. Ich habe einen 39 Jahre alten Freund, der zurzeit in Budapest lebt und einen 21 Jahre alten Liebhaber, der gleich um die Ecke wohnt. Und meine Nachbarin Gloria wollte mich als Aktmodell für ihre Zeichenmappe, die sie in fünf Wochen an der Kunstakademie abgeben musste.« Die Journalistin Minna Schönfeld steckt seit ihrem dreißigsten Geburtstag in einer handfesten Krise. Ihre Fernbeziehung mit dem Italiener Francesco verliert sich in Unverbindlichkeiten, die Affäre mit dem eigentlich viel zu jungen und viel zu wohlerzogenen Anwaltssohn Franz-Josef ist zwar ein Trost, aber alles verkompliziert sich zusätzlich, als sich auch noch ihr gutaussehender Redaktionskollege Felix für sie interessiert. Affärenmäßig geht es zu wie am Roulette-Tisch und Minna fragt sich, wie viele Frösche sie denn noch küssen muss, um endlich auf den echten Prinzen zu treffen. Ein unterhaltsamer Frauenroman, der in Graz und vor der Kulisse der Südsteiermark – der Toscana Österreichs – von den Turbulenzen bei der Suche nach der wahren Liebe erzählt. Bei »Prinzenroulette« handelt es sich um eine überarbeitete Neuausgabe des bereits von der Autorin selbst unter demselben Titel publizierten Werkes. Begeisterte Leserstimmen: »Sehr erfrischend!« »...wunderschön geschrieben!« »...ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert.« »Prinzenroulette« ist ein eBook von feelings –emotional eBooks*. Mehr von uns ausgewählte romantische, prickelnde, herzbeglückende eBooks findest Du auf unserer Facebook-Seite: www.facebook.de/feelings.ebooks Genieße jede Woche eine neue Liebesgeschichte - wir freuen uns auf Dich!
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Seitenzahl: 232
Veröffentlichungsjahr: 2015
Verena Maria Mayr
Roman
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Die Journalistin Minna Schönfeld steckt seit ihrem dreißigsten Geburtstag in einer handfesten Krise. Ihre Fernbeziehung mit dem Italiener Francesco verliert sich in Unverbindlichkeiten, die Affäre mit dem eigentlich viel zu jungen, wohlerzogenen Anwaltssohn Franz-Josef ist zwar ein Trost, aber alles verkompliziert sich zusätzlich, als sich auch noch ihr gutaussehender Redaktionskollege Felix für sie interessiert. Affärenmäßig geht es zu wie am Roulette-Tisch, und Minna fragt sich, wie viele Frösche sie denn noch küssen muss, um endlich auf den echten Prinzen zu treffen. Ein unterhaltsamer Frauenroman, der in Graz und vor der Kulisse der Südsteiermark – der Toskana Österreichs – von den Turbulenzen bei der Suche nach der wahren Liebe erzählt.
»Prinzenroulette« ist ein E-Book von feelings – emotional eBooks*.
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Widmung
Prolog
Von dreißig …
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Jänner
Februar
März
April
Mai
… bis einunddreißig …
Für alle Froschliebhaberinnen
Was soll ich sagen? Die Dreißiger-Krise ist vorbei. Ich bin eine schlampige Perfektionistin, eine attraktive Übergewichtige, eine kluge Nichtswisserin und eine langsame Ungeduldige. Nächsten Juni werde ich einunddreißig. Ich habe einen neununddreißig Jahre alten Freund, der zurzeit in Budapest lebt, und einen einundzwanzig Jahre alten Liebhaber, der gleich um die Ecke wohnt. Und meine Nachbarin Gloria wollte mich als Aktmodell für ihre Zeichenmappe, die sie in fünf Wochen an der Kunstakademie abgeben musste. »In drei Monaten vielleicht, wenn ich zehn Kilo weniger habe«, lautete meine entschiedene Antwort.
»Minnalein, ich will keine Skelette malen, sondern Frauen. Richtige Frauen mit schönen, sinnlichen Rundungen. Sogar auf den Laufstegen geht der Trend von der Twiggy weg«, erklärte sie mir.
»War ja auch Zeit!«, rief ich begeistert und fügte hinzu: »Rubens hat ja bekanntlich auch nur runde Frauen gemalt.« Ich fing an, »When I was just a little girl, I asked my mother what will I be …« vor mich hin zu summen. Wie viel man wohl als Aktmodell zusätzlich verdienen konnte? Als Nebenjob sozusagen, mit Aussichten auf Berühmtheit. Wenn Gloria nämlich eine prominente Malerin würde, würde ich als ihr sie inspirierendes Modell bekannt werden. Und der Franz-Josef würde ein berühmter Regisseur, und ich war natürlich auch seine Muse, und überhaupt würde ich als die Muse der Musen in die Geschichte eingehen. Ich wurde ganz aufgeregt bei dem Gedanken.
»Du bekommst ja richtig rote Wangen«, bemerkte Gloria und schüttelte den Kopf. »Willst du jetzt also oder nicht? Du genierst dich eh nicht vor mir?«
»Ach wo … Na ja, vielleicht ein bisschen. Welche Stellung schwebt dir denn vor?«
»Wie gelenkig bist du denn noch?« Gloria grinste, und ich lief los. Als wir ungefähr fünfmal um ihren Zeichentisch gerannt waren, ließen wir uns erschöpft auf ihre Fünfziger-Jahre-Ledercouch fallen. Bei Gloria war alles sehr retro.
Meine Einfälle bezüglich Muse sollte ich vielleicht am Wochenende in Ruhe beim Fünf-Uhr-Tee mit meiner Urgroßmutter besprechen. Marika war siebenundachtzig Jahre jung, geistig topfit und konnte, wenn sie wollte, über eine spannende Vergangenheit berichten. Sie war die Frau des Verwalters von Schloss Weißensee in der Südsteiermark und hatte ein Verhältnis mit dem Schlossherrn gehabt, von dem sie als ihrem Prinzen sprach, wenn sie mir davon erzählte. Mein Urgroßvater hatte nichts mitbekommen, denn er lebte in einer eigenen Welt. Oder zumindest ließ er sich nie etwas anmerken, meinte Urgroßmutter Marika. Außerdem ist Urgroßvater früh gestorben. Bald darauf starb allerdings auch der Schlossherr. Meine Urgroßmutter war aber in seinem Testament bedacht worden und erhielt lebenslanges Wohnrecht im Verwalterhaus. Manchmal dachte ich mir, dass es schade war, dass sie es nicht geschenkt bekommen hatte, um es anschließend mir weiterzuvererben. Obwohl ich mir natürlich wünschte, Marika würde das Zeitliche nie segnen. Die Schlossherrin Hildegard versuchte vergebens gegen das Testament ihres verstorbenen Gatten anzukämpfen. Sogar für geisteskrank wollte sie ihn erklären lassen. Dann kam heraus, dass Hildegard sich auch einmal mit Marikas Mann vergnügt hatte, und seit damals waren sie beide Freundinnen und nahmen jeden Tag gemeinsam den Fünf-Uhr-Tee ein. Hildegard hielt Marika von Zeit zu Zeit noch immer das Verhältnis zu ihrem Mann vor. Ich musste lachen, wenn ich an meine von Osteoporose gebeugte kleine Urgroßmutter mit dem dichten schneeweißen Haar und dem messerscharfen Mundwerk dachte. Ihr Rücken mochte krumm sein, doch ihr Wille war keineswegs gebeugt. Ich wusste, dass auch Schlossherrin Hildegard sie liebte, denn schließlich leistete sie ihr seit Jahrzehnten Gesellschaft. Ihre Kinder, Enkel und Urenkel waren viel beschäftigt, um das prächtige Renaissance-Schloss zu erhalten, wie sie sagten, oder lebten im Ausland. Das Schloss war im 15. Jahrhundert als Wasserschloss von einem italienischen Architekten erbaut worden. Wassergraben gab es keinen mehr, dafür einige Teiche mit eigener Karpfenzucht sowie einen kleinen See, in dem man schwimmen konnte, wenn man sich nicht daran störte, ihn mit adeligen Fischen zu teilen. Ein Landwirt aus der Umgebung kümmerte sich um die Zucht. Das Schloss war immer im Eigentum der Familie gewesen. Nur meine Urgroßmutter hat sich für die Zeit ihres Lebens eingeschlichen.
Ja, ich würde Marika in mein Liebesleben einweihen, denn in Affärensachen kannte sie sich aus.
Es war kurz vor Mitternacht und ich hörte die Radio-Single-Hotline, denn ich würde mich bald wieder im Revier der Suchenden tummeln müssen. Ich hatte meinen Freund Francesco, einen freiheitsliebenden Wassermann, dieses Mal endgültig verlassen, weil er sich nach fünf Jahren Beziehung noch immer nicht festlegen wollte. Wehmütig suchte ich Fotos, Geburtstagskarten – Francesco war kein Briefeschreiber –, abgerissene Kinokarten und eine Herzseife, die ich einmal zum Valentinstag von ihm bekommen hatte, zusammen und unterdrückte die Tränen, die schon in Startposition in meinen Augenwinkeln standen. Die Erinnerungsstücke landeten alle in einer Schachtel, die ich später neben die anderen – bei Gelegenheit wollte ich sie einmal zählen – unter das Bett schieben würde.
»Steinbock mit Aszendent Skorpion«, sagte die mystisch klingende Stimme der Horoskop-Spezialistin. Meiner Meinung nach war der Typ für jede Sich-noch-finden-lassen-Wollende a priori gleich abzuhaken! Steinbock bedeutete dickköpfig, und der Skorpion war mit der Eigenschaft »eigenwillig« verbunden. Ich selbst bezeichnete mich gerne als etwas unentschlossenen Krebs mit harter Schale und weichem Kern. Und mein Waage-Aszendent konnte einfach nicht nein sagen.
Jetzt war ich also wieder allein. Gleich dick wie vorher, wie seit eh und je. Ich trank noch immer zu viel Alkohol. Ebenso verhielt es sich mit dem Lachen und dem Reden. Immer zu viel, zu laut und unkontrolliert. So war ich: Minna Schönfeld. Ich tat nichts, was dem Benimmhandbuch entsprach oder von dem, was sich die sogenannte Gesellschaft erwartete. Aber was sollte ich machen? Gegen meine Natur ankämpfen? Das wäre auf Dauer sicher anstrengend. Und so fragte ich mich, ob ich jemals jemanden finden würde, der mich mochte, so wie ich war – einmal abgesehen von der besten Freundin und der Urgroßmutter?
Eine Frau rief an. Die war achtundvierzig. Es ging doch nichts über Ehrlichkeit. Aber sie fühlte sich wie achtzehn, beteuerte sie. Ha! Das tröstete mich sehr. Ich war dreißig! Fühlte mich allerdings wie sechzig.
Es ertönte die gleichgültig klingende Stimme des Wetteransagers. Sicher war dieser Beitrag schon heute Vormittag aufgezeichnet worden, vielleicht sogar schon gestern. Glauben schenkte ich diesen Vorhersagen ohnehin nie. Hagel und Sturmböen? Das war mir sehr, sehr recht. Denn bei dieser Juli-Hitze rieben sich meine Oberschenkel an der Innenseite. Röcke zu tragen war in diesem Fall nicht wirklich angenehm. Aua! Ich hatte mich mit dem Papier eines von Francescos seltenen Briefen geschnitten. Blut tropfte auf das Blatt und ich steckte mir den rechten Zeigefinger schnell in den Mund. Während ich ins Badezimmer huschte und nach einem Pflaster suchte, fiel mein Blick im Spiegel auf meine Problemzonen. Röcke würden zwar meine üppigen Schenkel kaschieren, ließen aber auch zu, dass der Schweiß zwischen den Beinen runterlief. Ich trug am liebsten weite Leinenhosen. An Bademode wollte ich schon gar nicht denken, und ich hatte überhaupt keine Lust, in einer öffentlichen Badeanstalt einen Badeanzug, geschweige denn einen Bikini vorzuführen.
Sicher, man musste sich erst selber akzeptieren, um sich selbst zu lieben. Oder war das umgekehrt? Und erst wenn man sich selbst liebte, dann konnte man die anderen lieben. Und dann wurde man auch dünn. Irgendeine Passage hatte ich da nicht mitbekommen. Doch so ähnlich war das.
Aber mal ehrlich: Wer von uns war denn schon schlank genug, politisch auf dem neuesten Stand, witzig, geistreich und aus normalem Elternhaus? Und wenn schon nicht normal, dann wenigstens reich! Ich war nichts davon – außer vielleicht witzig.
Und im Moment nicht mal das, da ich an furchtbarem Liebeskummer litt. Ja, es war wieder einmal so weit. Und nun entsprach ich tatsächlich dem totalen Klischee.
Ich war soeben dreißig geworden, hatte vor vier Tagen meine erste Cellulitis entdeckt, meine Schwester hatte mir mein erstes graues Haar ausgezupft – dabei wusste doch jeder, dass man gerade das erste nicht ausreißen durfte, weil sie sich dann verhundertfachten – und ich konnte meinen Lieblingsrock nicht mehr zuknöpfen. Hilfe!
Aber es war mein Recht, mich gehenzulassen und mich selbst zu bemitleiden. Ich war schließlich sooo arm, sooo allein, sooo unglücklich und sooo dick. Heul, schluchz, rotz. Wie ungerecht die Welt doch war. Schnief.
Er war ja so ein Blödmann! Und ganz leise flüsterte ich das verbotene A-Wort. Gut, dass Urgroßmutter Marika mich jetzt nicht hören konnte. Aber es war doch wahr. So ein feiger, beziehungsunfähiger Riesentrottel! Und ich war wieder auf ihn reingefallen. Jetzt war aber endgültig Schluss. Ich wollte ihn nie wieder sehen. Nie, nie wieder. Ich fand den Korken der Weinflasche, die wir zu unserem ersten Jahresjubiläum getrunken hatten, und nun lösten sich doch einige Tränen. Mich selbst bemitleidend blinzelte ich den Schleier weg und legte auch dieses Souvenir in die Kiste, auf die ich die rot-weiß-grüne Flagge malte. Als nächsten Schritt würde ich Francescos Telefonnummern und E-Mail-Adresse löschen und alle bitten, seinen Namen in meiner Gegenwart nicht mehr auszusprechen. Vielleicht sollte ich zur Sicherheit ein Verbrennungsritual durchführen? Gesagt, getan. Ich schnappte mir meine größte Keramikschüssel und legte sie mit Aluminiumpapier aus. Dann kippte ich den gesamten Schachtelinhalt hinein und zündetet die Papierecken an. Sie wollten nicht brennen. Immer wieder erlosch die Flamme und hinterließ nur einen schwarzen Rand, obwohl mein Wohnzimmer schon komplett mit Rauch vernebelt war. Ärgerlich blies ich Luft in die Schüssel und musste husten. Der Krempel wollte sich nicht entzünden. Vielleicht war das ein Zeichen? Vielleicht sollte ich mit dem endgültigen Abschließen noch etwas warten und die Schachtel doch unter dem Bett zwischenparken? Ich brach meinen gescheiterten Versuch ab und dachte an Francesco.
Ich saß hier in Graz und er hatte sich wieder einmal in eine entfernte Stadt versetzen lassen. Dabei war Graz so schön. Die ehemals habsburgische Residenzstadt war im Jahr 2003 die Kulturhauptstadt Europas, und die Grazer Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Francesco meinte bloß, dass es hier keine internationalen Jobs gäbe. Obgleich Graz die zweitgrößte Stadt Österreichs ist.
Also hatte er sich in irgendein Ostblockland versetzen lassen. Er behauptete, dass das förderlich für seine Karriere wäre. Francesco war auf internationale Projekte innerhalb der EU spezialisiert und dort im Speziellen auf östliche Länder. Er kümmerte sich um die Bewertung verschiedener Einreichungen. Ständig fragte ich mich, ob es den Ostblock überhaupt noch gab. Egal. Polen, Tschechien oder Ungarn. Was war es denn? Ist ja auch nicht so wichtig. Budapest, genau. Jetzt fiel mir die richtige Reihenfolge wieder ein. Francesco war von Prag nach London, von dort nach Bratislava, von der slowakischen Hauptstadt nach Wroclaw und vom ehemaligen Breslau nach Budapest gezogen. Ich kannte noch nicht einmal seine exakte Adresse. Das musste man sich einmal vorstellen. Da war man seit fast fünf Jahren mit jemandem zusammen und wartete – ja, worauf eigentlich?
Wir hatten bisher noch nie zusammengewohnt. Wir hatten ja noch nicht einmal für länger als sechs Monate in der gleichen Stadt gelebt, geschweige denn im gleichen Land!
Und das hatte ich doch tatsächlich Beziehung genannt? Meine Therapeutin sagte, ich müsste eben noch herausfinden, welches spezielle Thema ich mit ihm aufzuarbeiten hätte. Dabei fragte ich mich Tag und Nacht, warum ich von Francesco nicht loskam. Wie lange sollte dieser Zustand denn noch dauern? Wahrscheinlich war ich im vorhergehenden Leben Italienerin gewesen, und er war wegen meiner eifersüchtigen Brüder, die einen anderen für mich vorgesehen hatten, umgebracht worden. Nun klebte er in meinem jetzigen Leben an mir wie eine Tätowierung, die sich nur durch eine kosmetische Korrektur entfernen ließe. Aber wie sollte diese Korrektur umgesetzt werden? Herausschneiden erschien mir entsetzlich brutal.
Meine beste Freundin und Nachbarin einen Stock direkt unter mir, Gloria, riet mir, eine Familienaufstellung zu machen. Darüber musste ich allerdings noch nachdenken. Dabei sollte so allerhand über die Muster, die man durch seine Ursprungsfamilie vererbt beziehungsweise anerzogen bekommen hatte, ans Tageslicht kommen. Das war ganz bestimmt ein sehr interessantes Erlebnis, aber irgendwie war ich einfach noch nicht bereit für eine Erfahrung dieser Art.
Nein, diesmal hatte ich meine italienische Liebesbeziehung abgeschlossen. Alles musste einmal sein Ende haben. Wie pflegte meine Urgroßmutter Marika immer zu sagen? »Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.«
Sobald ich diese verkorkste Beziehung komplett aufgearbeitet haben würde, würde ich mich nur noch für den Richtigen öffnen. Der käme dann und verliebte sich unsterblich in mich und würde mich heiraten wollen. Ach, wie schön! Ja, so würde das sein. Und um mir das Liebesleid zu erleichtern, schenkte ich mir einen Martini Bianco ein.
»Riiing!« In aller Frühe läutete mein Handy, das seltsamerweise neben meinem Kopfkissen mit dem Apfelmusterbezug lag. Ich hatte anscheinend vergessen, es auszuschalten, was ich normalerweise immer tat, und wurde unsanft aus dem Tiefschlaf gerissen. Musste doch mehr als ein Martini gewesen sein. Ich hasste es, in Kater-Ausschlaf-Phase aufgeweckt zu werden, und versuchte, einen Apfel zu fixieren. Mürrisch brummte ich ein »Hallo?« in den Hörer, und mir grauste ein bisschen, als ich meinen eigenen Mundgeruch wahrnahm. Langsam dämmerte mir, dass Gloria gestern Abend, besser gesagt sehr spät am Abend noch vorbeigekommen war und wir letztendlich eine ganze Flasche Martini vernichtet hatten, während wir die halbe Nacht über meine Beziehung zu Francesco diskutiert hatten.
»Minna, mein Schatz. Tesoro! Ich vermisse dich schrecklich. Ich musste unbedingt sofort deine Stimme hören. Wie geht es dir, bella mia? Amore!«
Oh, du meine Güte! Francesco war dran. Das hatte man davon, wenn man die halbe Nacht vom Teufel sprach …
»Geht«, krächzte ich leicht nervös in mein Handy. »Was willst du?«
»Bist du krank?«, hörte ich ihn fragen. Mit enormem Kraftaufwand versuchte ich, mich auf das Gespräch zu konzentrieren. Es war nicht fair, denn er hatte mich in einem schwachen Moment erwischt. »Nein. Ich schlafe noch.«
»Soll ich dich später anrufen?«
»Nein. Jetzt bin ich ohnehin wach. Was willst du?«, wiederholte ich.
»Minna-Liebling, ich weiß, es war in letzter Zeit alles ein bisschen viel. Aber ich mache es wieder gut. Ich mache alles wieder gut.«
»Hm?« So leicht durfte und wollte ich es ihm nicht machen, doch die Neugier siegte, und ich lechzte danach zu hören, was er sich diesmal einfallen ließ.
»Lass uns zusammen Urlaub machen«, schnurrte mein Italiener, der unwiderstehlich charmant sein konnte, wenn er wollte, ins Telefon. »Nur wir beide. Eine oder zwei Wochen – alleine.«
Das hörte sich verlockend an. Wo war der Haken? Ich mochte in keine Falle tappen. So oft hatte Francesco mir schon versprochen, gemeinsam irgendwohin zu fahren, und dann kam immer etwas dazwischen. Seine Arbeit, seine Familie, seine Freunde …
»Minna?«
Ich legte eine weitere Kunstpause ein.
»Jaaa.«
»Was meinst du?«
Was ich wohl meinte? Was sollte ich schon meinen? Zumindest war ich doch an der Materie interessiert. Mein Herz klopfte schneller. Ich zeichnete einen Apfel auf dem Bettdeckenbezug mit dem Zeigefinger nach.
»Wann, wohin?«, versuchte ich so gleichgültig wie möglich zu fragen.
»Amore! Liebling, ich wollte dich eigentlich damit überraschen, aber ich hatte an Irland im August gedacht. Wir borgen uns ein Auto und fahren die Insel ab.«
Francesco wusste, dass mich die grüne Insel seit Langem reizte und eines meiner bevorzugten Reiseziele war.
»Spaziergänge, Fisch essen und Irish Stew, in den Pubs herumhängen und Guinness trinken …«, köderte er mich weiter.
Das klang verdammt gut, aber so leicht war ich nicht rumzukriegen.
»Ich lade dich ein.«
»Okay.«
»Minna, es wird fantastisch, und wir werden uns die ganze Zeit lieben.«
Wenn ich an seine Hände dachte, seine Lippen und sein Aftershave, wurde mir ganz kribbelig. Der Mann hatte vielleicht doch noch eine Chance verdient.
»Ich liebe dich, Minna-Schatz.«
»Ich dich auch«, hörte ich mich in den Hörer flüstern. Glücklich drehte ich mich zur Seite, legte auf, schlief wieder ein und wachte erst zu Mittag wieder auf. Ich hatte von Francesco geträumt, wie er mich in einer wunderschön mit Äpfeln dekorierten Kirche in der Toskana zum Altar führte. Alle anwesenden Gäste waren überwältigt von unserem Liebesglück, das wir nun offiziell vor aller Welt bekundeten. Ich war die schönste und glücklichste Braut, die sie je gesehen hatten.
Noch nicht vollkommen munter und mit halb geöffneten Augen kontrollierte ich auf meinem Handy, ob sein Anruf tatsächlich stattgefunden hatte.
Ich hüpfte aus dem Bett, angezogen war ich ja, lief zu Gloria hinunter, rutschte fast auf der Fußmatte vor der gegenüberliegenden Wohnung von Frau Doktor Waldmann aus, und läutete Sturm. Verschlafen öffnete sie mir.
»Frühstück bei dir«, eröffnete ich ihr und schob mich an ihr vorbei direkt in ihre Küche.
»Warum bist du schon so munter?«, wollte sie misstrauisch wissen.
»Francesco hat mich auf einen Irland-Trip eingeladen.« Das Strahlen im Gesicht verging mir, als sich ihre Augenbrauen immer weiter in die Höhe zogen und unter ihrem blonden Pony verschwanden.
»Und dafür muss ich heute mit einem Mega-Kater büßen?«, herrschte sie mich unfreundlich an.
»Es tut mir leid«, gab ich kleinlaut zu. »Vielleicht war ich gestern doch etwas zu drastisch.«
»Das nennt man nicht drastisch, sondern realistisch«, schnaubte sie wütend.
Mit dem Rücken zu mir und ohne ein Wort zu sprechen kochte Gloria Kaffee und wärmte die Magermilch auf. Wütend drückte sie mir schließlich den Milchkaffee in die Hand.
»Aua! Heiß! Ich verbrenn mich ja.«
»Das hast du wahrscheinlich schon.«
»Gloria, bitte! Vielleicht meint er es diesmal wirklich ernst, und wir können endlich einmal in Ruhe über unsere Zukunft reden. Nur wir zwei allein. Und er hat gesagt, er liebt mich.«
»Minnalein, du musst natürlich für dich entscheiden und ich weiß, dass du dich in keiner leichten Situation befindest. Francesco sieht gut aus, ist charmant, auf dem besten Weg, Karriere zu machen, und er liebt dich wahrscheinlich wirklich. Aber: Er ist so gut wie nicht präsent, und er hat dich bis jetzt noch nicht gebeten, ihm zu folgen, beziehungsweise dir einen Heiratsantrag gemacht.«
»Ich weiß, ich weiß. Aber ich will so sehr, dass es mit ihm, mit uns, klappt. Ich bin jetzt dreißig und will nicht mehr. Ich will geheiratet und geschwängert werden.«
»Minna, wir alle, oder viele von uns, wollen das. Aber dazu muss schon auch die Beziehung stimmen, und ich glaube nicht, dass du auf einmal über die nicht vorhandenen Aufmerksamkeiten hinwegsehen könntest.«
Francesco hatte meinen Geburtstag vergessen. Meinen Dreißigsten! Er hatte mir noch aus keiner Stadt eine Postkarte geschrieben. Ich kannte nicht einmal seine exakte momentane Wohnadresse. Es gab kein romantisches Foto von uns, meinen einzigen Heiratsantrag hatte ich sicher nicht von ihm, sondern im Kindergarten vom Sohn unserer Kindergartentante bekommen. Und apropos Kinder, darüber weigerte er sich zu diskutieren. Er hätte ja noch Zeit. Ja, er schon. Aber ich nicht mehr lange. Zweifel überkamen mich.
»Vielleicht hätte ich diesmal wirklich standhaft bleiben sollen.«
Gloria umarmte mich. »Schau es dir einfach noch einmal an. Du bist eben noch nicht so weit, dass du dich trennen kannst.«
»Du hörst dich wie meine Therapeutin an.«
»Und wer weiß, vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.«
»Das sagt meine Therapeutin nicht.«
Schweigend schlürften wir unseren Caffè Latte und dachten an unsere Männer. Gloria an Johannes, ich an Francesco. Beide hatten immer sehr wenig Zeit für uns. Gloria schien meine Gedanken zu erraten: »Vielleicht sollten wir uns beide von unseren aktuellen Partnern trennen … und dann machen wir eine WG.«
Ich grinste müde. »Vielleicht reicht ja ein bisschen Ablenkung. Oder zusätzliche Zuwendung?«, bemerkte ich.
»Wie meinst du denn das?«, wollte Gloria nun wissen.
»Das weiß ich auch nicht so genau. Wir sollten wieder mal unter Leute, andere Leute, neue Leute …«
»Glaubst du tatsächlich, dass du deinen Traummann beim Weggehen kennenlernst?«
»Keine Ahnung. Wir könnten uns ja auch mal im Internet umsehen.«
»Also Minna, Ideen hast du immer!«
Ich nahm noch einen Schluck Kaffee. So schlecht fand ich den Gedanken gar nicht …
Für das nächste Wochenende hatte mein Cousin Herwig zu einem Gartenfest eingeladen. Ich dankte dem Himmel für dieses Ablenkungsgeschenk, denn Gloria machte einen Wochenendausflug mit Johannes, den ich ihr von Herzen gönnte, weil das so gut wie nie vorkam, und ich hatte keine Lust, allein daheim zu sitzen beziehungsweise mit anderen Pärchen auszugehen. Ich war kein Single, aber doch ständig allein. Francesco rief mich zwar zurzeit jeden Tag an, aber bei mir war er ja doch nicht.
Das Motto des Gartenfestes lautete »Hänsel und Gretel im Walde«. Cousin Herwigs Partys waren immer sehr lustig und ausgefallen. Diesmal war Tracht Pflicht. Also brezelte ich mich als sexy Gretelchen auf, zwängte mich in ein echtes Dirndl, das ich günstig bei eBay ersteigert hatte, flocht mir zwei kurze Zöpfe und marschierte los. Auf dem Weg heimste ich einige Komplimente ein, die sich allesamt auf meinen Ausschnitt bezogen. Na ja, wer hat, der hat. Bei uns sagt man, dass man für ein Dirndl »ordentlich Holz vor der Hütte« braucht. Und das hatte ich.
In bester Stimmung langte ich in der Stadtvilla meiner Verwandten an. Ohne zu zögern, voller Vorfreude auf ein rauschendes Fest und weil ich meinen eigenen Geburtstag ein bisschen nachfeiern wollte, trat ich durch das Garagentor in den Garten der Familie Steinberger. Was der reiche Teil meiner Familie als Garten bezeichnete, war in meiner Arbeiterinnenklassenauffassung eher als Park zu benennen. Meine Verwandtschaft teilte sich in eine sehr gut situierte Hälfte und in eine Mittelklasse. Ich gehörte zu Letzterer. Dafür war meine Wohnung ein kleines Juwel und befand sich im letzten Stock eines Altbaus in der Mandellstraße. Das Leonhardviertel war mein Lieblingsstadtteil in Graz. Ich war in fünf Minuten zu Fuß bei der Herz-Jesu-Kirche, deren Turm ich von meinem Dachausbau sehen konnte, und in drei Minuten beim Kaiser-Josef-Markt, auf dem ich mein frisches Obst und Gemüse direkt beim Bauern kaufte. Manchmal leistete ich mir auch einen schönen Sonnenblumenstrauß oder einen Cocktail an der Eckbar. Jetzt freute ich mich aber schon auf einen kühlen Drink bei den Steinbergers.
Kleine, gepflegte Alleen mit duftenden Rosenbüschen in allen erdenklichen Farben schlängelten sich durch die Gartenanlage, es gab Steinskulpturen, einen Springbrunnen und sogar einen Pavillon, der zum romantischen Stelldichein einlud. Davor standen ein schmiedeeiserner Tisch sowie Bänke und Liegestühle aus echtem Teakholz, die mit grün-weiß gestreiften Sitzkissen – weil patriotische Familie, und es ging doch nichts über die grüne Steiermark – belegt waren. Jedes Mal genoss ich den Anblick, sog den Duft der Rosen mit geschlossenen Augen ein und stellte mir vor, alles würde mir gehören. Ich schritt auf den Pavillon zu und konnte schon das gegrillte Fleisch riechen, als beim Anblick der Gäste langsam die schreckliche Wahrheit in mein Bewusstsein drang: Ich war sicher die Älteste unter allen Anwesenden! Onkel ausgenommen. Meine Tante urlaubte in Marokko.
Nächster Schreck: Es waren lauter Pärchen da. Manche sogar mit Kind, und die waren noch keine dreißig! Mist, Mist, Mist! Was sollte ich tun? Mich unauffällig verdrücken oder mich betrinken? Während dieses Hin und Her sekundenschneller Denkprozesse kam plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ein junges männliches Wesen im Steireranzug auf mich zu und fragte mich: »Guten Abend die Dame. Darf ich dir ein Glas Wein bringen oder etwas kühl Prickelndes?«
Verdutzt, aber sehr erfreut, weil dieser echte Gentleman von annehmlicher Gestalt war, offensichtlich sehr gut erzogen und als Einziger nicht verpaart außer mir, wie es zumindest den Anschein hatte, antwortete ich mit mädchenpensionatshöflichem Augenaufschlag, um von plötzlich aufgetretener Wangenröte abzulenken: »Gerne. Prosecco, bitte.«
Obwohl mir ein Bier viel lieber gewesen wäre, aber bei so viel Manieren und guter alter Erziehungstradition … Man legte doch wieder Wert auf Werte, und der Junge hatte tatsächlich eine Taschenuhr umgehängt und schien mir ein sehr reiches Hänselchen zu sein, da wollte ich in Vornehmheit in nichts nachstehen. Ich gehörte zwar zum armen Teil der Verwandtschaft, aber eine gute Erziehung hatte auch ich genossen.
»Franz-Josef mein Name«, stellt sich mein neuer Kavalier vor und deutete eine leichte Verbeugung an. Das gab’s doch nicht. Vielleicht hatte ich mich beim Motto vertan? War ja besser als in der Romy-Schneider-Verfilmung. Ja, das Leben selbst schrieb die besten Geschichten.
»Sissi«, grinste ich ihn über das ganze Gesicht an, bis ich merkte, dass der junge Mann keine Miene verzog.
Doch kein Film? Gab es diesen Namen denn im 21. Jahrhundert wirklich noch? Und wenn die Eltern ein derartiges Verbrechen begingen, dann ließe ich mich doch sofort umtaufen!?
»Ähem, Minna … Minna Schönfeld. Angenehm«, stotterte ich und nestelte an einem meiner rothaarigen Zöpfchen.
»Ganz meinerseits«, antwortete der Besterzogene.
»Wie kommst du auf dieses Fest?«, fragte ich, als ich mich wieder gefangen hatte.
»Ich bin ein Freund des Gastgebers sowie der gesamten Familie Steinberg«, erklärte mir Franz-Josef. »Und du?«
»Ich bin die Cousine des Gastgebers. Das heißt, eine der Cousinen des Gastgebers.«
»Oho«, gab sich der kleine Kaiser erstaunt. »Ich habe dich bei den Steinbergers noch nie gesehen.«
»Ich habe lange im Ausland gelebt und bin erst seit Kurzem wieder in Graz«, klärte ich ihn auf. Ja, ich war eine Dame von Welt.
»Wo warst du?«, wollte er wissen. Aha, jetzt ging also die ganze Fragerei los. Wie heißt du, woher kommst du, wie alt bist du, was machst du beruflich, was sind deine Hobbys, hast du einen Freund, mit wem bist du wo unterwegs. Blablabla. Das Übliche.
»Ich war in Italien«, lautete meine einsilbige Antwort, und ich wartete bereits auf die nächste Frage zur näheren Erläuterung. Doch nichts kam da.
»Schön«, kommentierte er trocken. »Willst du auch ein paar frisch gebratene Gemüsestreifen?«, wechselte Franz-Josef das Thema und lächelte mich an. Der Mann redete vom Essen. Sehr, sehr sympathisch! Obwohl mir Fleisch viel lieber gewesen wäre. Ein saftiges Steak, ein mariniertes Hühnerbrüstchen oder ein Käsekrainer mit Senf und Kren. Das waren sozusagen meine geheimen Gelüste, die ich bei dieser illustren Gartengesellschaft natürlich nicht einmal unter Folteranwendung preisgegeben hätte. All die Paris-Hilton-Mäderln, die die zarten Knochen ihrer Audrey-Hepburn-Mütter geerbt hatten, nahmen doch nur einige Salatblätter zu sich. Und als Nachtisch Zitronensorbet, das ich zwar auch mochte, jedoch keinem Nougatcremeeis vorziehen würde. Ich hatte Knochen vom Typ Marianne Sägebrecht vererbt bekommen.
Kunstvoll richtete Franz-Josef mir Melanzani, Zucchini und gelbe Paprikastreifen auf einem Teller an. Die Party gefiel mir schon langsam. »Noch einen Prosecco?«, erriet der Gentleman, den ich auf fünfundzwanzig schätzte. Junges Hänselchen!
»Gerne«, strahlte ich – reifes Gretelchen. Obwohl mir die Vorstellung von Kaiser und zukünftiger Kaiserin viel besser gefiel. Ich hatte zwar kein langes schwarzes Haar, aber dicht war es – und dazu hellrot und leicht gelockt. Franz-Josef sah dem jungen Karlheinz Böhm sogar ähnlich. Zumindest vermutete ich unter dem sorgfältig gepflegten Vollbart ähnliche Gesichtszüge. Eigentlich mochte ich Männer mit Bärten nicht, aber ihm passte er ausgezeichnet.
Mit frisch gefüllten Prosecco-Gläsern standen wir im Garten und prosteten einander zu. »Was studierst du, wenn ich fragen darf?«
Oh, war der süß! Er hielt mich für gleichaltrig.
»Ich bin Journalistin«, antwortete ich nicht ohne einen Anflug von Stolz. Mein Gebiet verschwieg ich ihm und sprach ganz allgemein von einer städtischen Wochenzeitung. Ich wollte meinem jungen Kaiser, der sicher ein Arzt- oder Anwaltssöhnchen war, schließlich nicht gleich verklickern, dass ich grundsätzlich nur über Kühe, Schweine oder Maisanbau und die neuesten Traktoren berichtete.
Dass ich einmal für die Zeitung »Der moderne Bauer« schreiben würde, hätte ich selbst nie gedacht. Im Traum wäre mir das nicht eingefallen. Gerade war ich sogar offiziell in den Verband der Agrarjournalisten aufgenommen worden.
