Prinzessin Endora - Günter Beckmann - E-Book

Prinzessin Endora E-Book

Günter Beckmann

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Beschreibung

Das Buch beginnt mit "Prinzessin Endora": König Willibald und Kurfürst Archibald hatten insgeheim beschlossen, Prinz Guntram mit Prinzessin Endora zu vermählen. Prinz Guntram war nicht bereit, sich mit 22 Jahren in die Zwänge einer Ehe drängen zu lassen. Es war jedoch nicht ratsam, dem Gebieter die Stirn zu bieten, denn der Befehl des Herrschers ist unumstößlich. In den verflossenen Jahrhunderten war die Liebe in den Adelskreisen nicht immer eine Himmelsmacht. Man musste sich der majestätischen Macht beugen. Prinz Guntram beugte sich, zwar sehr ergrimmt, aber er war machtlos. Bevor es ihm gelang, Endora zu sprechen, war sie in Gefahr geraten, entführt zu werden. Endora wehrte sich, mit dem Schwert in der Hand, verzweifelt gegen die Übermacht.

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EPUB
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Seitenzahl: 182

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Günter Beckmann

Prinzessin Endora

und weitere Adels- und Historische Kurzromane

© 2019 Günter Beckmann

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-7482-6513-9

Hardcover:

978-3-7482-6514-6

e-Book:

978-3-7482-6515-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Prinzessin Endora - Brautgeld für ein Königreich

Duell im Sonnenaufgang

Kampf um ein Königreich

Das Geheimnis der leeren Seiten

Im Bannkreis der Zauberin

Die Belau Saga

Der geschmiedete Jüngling

Die Römer kommen

Die Mondprinzessin

Panzerschiff Kaiser im Einsatz

Die Schmiede des Lebens

Weihnachten in Ostpreußen

Prinzessin Endora - Brautgeld für ein Königreich

Der kurfürstliche Hofstaat wurde von den Bürgern der Residenzstadt, Rodebur, gebührend empfangen.

Männer, Frauen und Kinder stritten um die besten Plätze. „Hoch lebe Kurfürst Archibald und die holde Prinzessin Endora!“ riefen sie und streckten ihre Hände den Ankömmlingen entgegen, in der Hoffnung, die Münzen aufzufangen, die ihnen die liebreizende Prinzessin zu Hohenburg, zuwarf.

Das Gefolge, das aus zwanzig Berittenen bestand, führte zwei Kutschen mit sich, in denen die Kurfürstin und die Hofdamen saßen.

Vier Edelmänner, in Gold glänzenden Rüstungen gewandet und mit Schwert und Schutzschild gerüstet, flankierten den Kurfürsten und seine Tochter.

Prinzessin Endora, auf dem Rücken eines feurigen Rappen sitzend, verkörperte jugendliche Kraft und geadelte Würde. Sie trug ein mit Gold und Diamanten bestücktes Gewand, das seitlich auf ihre ledergeschnürte Beinkleidung herabfiel. Ein goldener Helm zierte ihr weizenblondes Haupt und zwei dunkelblaue Augen schauten lebhaft und freundlich auf die jubelnde Menge herab. Ein Schwert, in goldener Scheide und mit vergoldetem Knauf verziert, das sie an ihrem Gürtel befestigt hatte, verriet dem Betrachter, dass Endora mit der scharfen Waffe vertraut war. Nicht dass der Kurfürst sie gezwungen hätte, sich im Schwertkampf auszubilden lassen, nein, Endora forderte von Kindesbeinen an, mit einem Stock in der Hand, der wie ein Schwert geschnitzt war, die Knaben zum Zweikampf heraus. Die Söhne der Günstlinge, die am Hofe von Hohenburg lebten, waren ebenfalls mit einem Stock bewaffnet und es bereitete ihnen Spaß, sich mit Endora zu duellieren. Ihre Siege, mit dem Degen in der Hand, die sie in späteren Jahren errungen hatte, waren weit über die Grenzen des Fürstentums hinaus bekannt.

„Sie ist so schön, wie der aufgehende Sonnenschein und unermesslich reich“, flüsterten sich die Leute zu.

„Und so manch ein Strauchdieb wurde von ihr besiegt und dingfest gemacht“, wussten die Leute sich zu erzählen.

“Dass diese Edeldame mit den kindlichen Zügen, blutrünstig sein soll, ist kaum zu glauben“, schüttelten einige Bürger verwundert den Kopf.

Im Jahre 1659 ritt die Prinzessin durch die Hauptstadt von Grosswedel und das Volk jubelte: „Hoch lebe Prinzessin Endora!“

König Willibald beabsichtigte Prinzessin Endora mit seinem Sohn, Prinz Guntram zu vermählen. Von der Vermählung ahnten weder die Prinzessin noch der Prinz etwas. Diesen Brauthandel hatten der 50jährige König und der gleichaltrige Kurfürst insgeheim ausgehandelt. Der Kurfürst und sein Hofstaat wurden wie liebe Gäste empfangen.

„Seid Uns willkommen, lieber Archibald, Kurfürstin Hildegund, Prinzessin Endora, Edelmänner, Edeldamen“, begrüßte der König seine Gäste.

„Majestät“, verbeugte sich der Kurfürst.

„Folgt mir in meine Gemächer, Archibald“, raunte der König dem Kurfürsten zu. „Warum so förmlich?“ fragte er ihn. „Schließlich standen wir zwei Seite an Seite auf dem Schlachtfeld. Das verbrüdert.“

„Prinzessin Endora…“

„Sie wird mit der Kurfürstin und den Hofdamen im Seitenflügel einquartiert, so lange bis die Vermählung abgeschlossen ist. Das Brautgeld ist ausgehandelt. Ich werde es in meine Schatzkammer deponieren“, unterbrach der König den Kurfürsten.

„Zwei meiner Männer werden Euch meine Brautgabe überreichen.“

„Habt Dank, mein lieber Archibald“, erfreute sich der König, Hände reibend der großzügigen Mitgift des Kurfürsten, die seine chronisch leere Schatzkammer bereicherte. Vier Kisten mit Dukaten und Edelsteinen gefüllt, wechselten den Besitzer.

„Was veranlasst Euch, die Verehelichung zu verzögern, mein König?“ griff Archibald das Thema Eheschließung wieder auf.

„Die künftige Gemahlin meines Sohnes sollte sich einleben und Prinz Guntram zur Rechten sitzen, so dass er gewillt ist das einschichtige Leben aufzugeben. Erst wenn er Endora begehrt, wird er der Vermählung zustimmen.“

„Prinz Guntram gegenüber seid Ihr zu weichherzig, mein König. Wir müssen Befehle aussprechen und den Zusammenschluss nur mit einem Eheverspruch besiegeln. Endora sollte sofort mit Guntram das Bett teilen, Majestät“, trat Kurfürst Archibald unerschrocken auf. Sein Wunsch aus seinem Fürstentum ein Königreich zu machen, sollte durch die Rücksichtnahme des Königs von Grosswedel nicht gefährdet werden. Prinzessin Endora musste die zukünftige Königin werden, hatte sich Kurfürst Archibald vorgenommen. Für den Titel „Königliche Hoheit“, den seine Tochter Endora in Kürze tragen wird, war er bereit, sein Fürstentum, selbst mit den wohlhabenden Ländereien, zu opfern.

Der König von Grosswedel hätte sich das kleinere Fürstentum Hohenburg auch gewaltsam einverleiben können, jedoch eine friedliche Übernahme kostet kein Geld und kein Blutvergießen und die reichen Hohenburger Bürger werde ich mir mit Abgaben gefügig machen, dachte König Willibald und mit abgewandtem Gesicht lächelte er verstohlen vor sich hin, ehe er sich Archibald wieder zuwandte.

„Ich werde Guntram beobachten und ihn zu gegebener Zeit rufen lassen, um ihm meinen Vermählungsplan zu offenbaren“, sagte er und in seinen braunen Augen blitzte es auf. „Der Anblick der schönen achtzehnjährigen Prinzessin, mit den blonden Haaren und den blauen Augen, lässt gewiss keinen Mann kalt. Selbst meinem Sohn, den hartgesottenen Recken, wird es keineswegs gelingen seine braunen Augen vor so viel Schönheit zu verschließen“, war sich König Willibald sicher.

Selbst Tage später waren sich Prinz und Prinzessin noch nicht nähergekommen. Nur bei den gemeinsamen Mahlzeiten saßen sie nebeneinander.

Dem König war es nicht entgangen, dass die jungen Leute keine Gemeinsamkeiten pflegten. Er empfing Guntram in seinen Gemächern. „Nimm Platz“, deutete er mit seiner Hand auf einen hölzernen Stuhl, während er selber in einem aus Bärenfell gepolsterten Sessel saß, dessen Seiten- und Rückenlehne aus purem Gold gefertigt waren. Von einer dreistufigen Empore schaute er auf seinen Sohn herab.

Hätte Guntram es gewagt, den König anzublicken, wäre ihm aufgefallen, dass ihn alte und müde Augen betrachteten.

Guntram hatte den Blick gesenkt um seinen Vater nicht anzuschauen. Auch war es ihm nicht erlaubt das Gespräch zu beginnen. Die Kinder durften nur sprechen, wenn sie von den Älteren dazu aufgefordert wurden. Diese Sitte hatte sich noch bis in das zwanzigste Jahrhundert hinein gehalten.

Willibalds braune Augen ruhten wohlgefällig auf seinen Sohn, der ihm bereits über den Kopf gewachsen war. „Wie viele Jahre zählt dein Alter?“ fragte er.

„Zweiundzwanzig, Majestät“, antwortete Guntram wortkarg.

„Dann wird es allerhöchste Zeit“, sagte Willibald.

Prinz Guntram hob langsam und vorsichtig den Kopf mit den schulterlangen braunen Haaren. Um sich nicht zu verraten, wie gespannt er war, was nun folgen würde, schaute er unbeteiligt zur Seite.

„In den Stand der Ehe zu treten, mein Sohn“, führte nach einer Pause der König das Gespräch fort. „Du bist dem Throne verpflichtet für männliche Nachkommenschaft zu sorgen. Hast du mich verstanden, Prinz Guntram?“ wurde sein Ton etwas schärfer.

„Mir ist die rechte Jungfer noch nicht begegnet, Majestät“, hielt Guntram dagegen.

„Ist dir die heiratsfähige Jungfer Endora nicht augenfällig?“

„Sehr augenfällig ist sie anzuschauen, Majestät, aber dass die Prinzessin die Ritter Reihenweise mit dem Schwert aus dem Sattel hebt, dünkt mir nicht gerade damenhaft. Unsere Hofdamen…“

„Papperlapapp“, unterbrach ihn der König. „Unsere Hofdamen frönen nur der Langenweile und der Liebesabenteuer. Sie sind kein Maßstab für eine angehende Königin, wie Prinzessin Endora, die deine Gemahlin werden wird.“

Guntram zuckte unmerklich zusammen. „Majestät, ich bin noch nicht gewillt in den Stand der Ehe zu treten. Zu viele Interessen beschäftigen mich. Auch trage ich mich mit dem Gedanken, neues Land zu erobern. Außerdem mangelte es mir an Zeit, Endora näher kennenzulernen. Lasst mir noch ein paar Jahre meine Freiheit, Majestät“, kamen die Worte gedehnt von seinen bebenden Lippen.

„Weil du sie abseitig behandelst und mit ihr kaum ein paar Worte wechselst, war es dir nicht möglich, Endoras Vorzüge zu erkennen.“

„Mit meinen Freunden hatte ich sehr oft ein Treffen…“ versuchte sich Guntram zu verteidigen, während er sich beherrschen musste, aufzuspringen und den Raum zu verlassen.

Dem König die Stirn zu bieten, war nicht ratsam.

„Ich weiß. Bei euren Jagdausflügen und Gelagen ist es dir und deinen Freunden recht, wenn ihr es mit den plumpen Bauerntöchtern treibt.“ König Willibald hatte sich erhoben und auf Guntram herabgeschaut. „Das hat ein Ende!“ wurde seine Stimme schneidend. „Von der Zeit an, befehle ich dir, mach der Prinzessin Komplimente. Unser Königreich dem Fürstentum Hohenburg anhängig zu machen, ist mein Besterben. Mit der Zustimmung des Kurfürsten ist zu rechnen!“

„Ich habe Euch verstanden, Majestät, es geht Euch nur darum Eure Macht zu erweitern, ich möchte aber nicht für ein Fürstentum, diese Schwert schwingende Amazone an meinen Busen nähren. Erst wenn mich das Alter ermüdet, bin ich bereit für Zweisamkeiten. Mich mit Weib und Nachkommen zu befassen, ist mir noch nicht offenbart“, widersprach Guntram trotzig, obwohl er damit rechnen musste, vom Herrscher bestraft zu werden.

Die dunklen Augen des Königs schossen Blitze auf Guntram. „Mein Herr Sohn scheint sich seiner Verantwortung nicht bewusst! Ich aber offenbare ihm, dass seine Vermählung bereits beschlossen ist und dass ich nicht bereit bin Kriege zu führen. Ich verrate dir, dass die ständigen Kriegshandlungen mich daran gehindert hatten, in jungen Jahren eine Familie zu gründen. Und um Neuland zu erobern, bin ich zu müde geworden. Nun ist dir bekannt, was dein König von dir verlangt: Ihm und seinem Volke zu dienen, ist Sohnespflicht!“

„Indem ich ihm auch sein Reich durch Eroberungen mehre. Ich bin noch jung und stark und unser Heer…“

„Ist zum größten Teil mit mir gealtert“, unterbrach ihn Willibald. „Dir fällt ein Fürstentum in den Schoss, das mit Reichtümern gesegnet ist. Und weil Endora eine Augenweide ist, wird der Eheverspruch geschlossen! Das ist mein letztes Wort.“

Die Befehlsgewalt des Gebieters war unumstößlich und ein Aufbegehren hatte zur Folge, dass Guntram mit Wochen langem Freiheitsentzug zu rechnen hatte. Er biss die Zähne zusammen und schwieg minutenlang. „Wo ist die Prinzessin zu finden?“ um seinem Vater seine Verbitterung und seinen grimmigen Zorn nicht zu zeigen, wagte er es nicht, den Kopf zu heben.

„Sie wird, wie bereits fast täglich, ausreiten“, antwortete der König

Prinzessin Endora war tatsächlich ohne Begleitung ausgeritten. Sie fühlte sich sicher im Königreich Grosswedel. Zudem war sie sich der Stärke ihrer Fechtkunst bewusst,

Im Marstall erfuhr Prinz Guntram, dass die Prinzessin, Kassandra hatte satteln lassen und dass sie vor etwa einer halben Stunde ausgeritten war.

Er fluchte leise vor sich hin. Dass er nun gezwungen sei der Prinzessin zu folgen behagte ihm keineswegs. Dem Stallknecht befahl er, Wotan aufzuzäumen.

Auf das Treffen mit seinen Freunden musste er gezwungener maßen verzichten. Auf dem Weg, um nach Endora Ausschau zu halten, beschäftigte er sich mit Endora und stellte fest, dass sie nichts Männliches an sich hatte. Aus einem schmalen fraulichen Gesicht schauten zwei blaue Augen lebhaft in die Welt. Schwere Brüste schienen ihr mit Gold verarbeitetes Brokatkleid zu sprengen und rote weiche Lippen luden zum Küssen ein, so hatte er sie in Erinnerung, als sie vor ein paar Tagen im Schlosshof vor ihm stand und verlegen ihre Hände knetete. Halte dich zurück, hatte er sich damals ermahnt. Sich in jungen Jahren an eine Frau zu binden war ihm zuwider. Eine Gemahlin passte nicht in seine Pläne. Eine junge Gespielin, die nicht abgeneigt war, ihm ihre Gunst zu gewähren, fand er im Dorf. Mit kleinen Geschenken wurde der Liebesdienst abgegolten und Guntram schaute sich nach der nächsten Maid um. Ins Geheim, ohne seinen Vater eingeweiht zu haben, hatte er zudem eine Streitmacht aus jungen Kriegern zusammengestellt, die bereit waren, an einem Feldzug teilzunehmen. Diesen Plan musste er, nach dem heutigen Gespräch mit seinem Vater, aufgeben.

Die Mauern der Stadt lagen hinter Endora, vor ihr dehnte sich ein Grüngürtel aus. Das Pferd ging im Schritt. Die achtzehnjährige Prinzessin war ebenfalls gedanklich mit Guntram beschäftigt. Sie fragte sich, warum er sich so wortkarg gab, warum seine braunen Augen sie kalt musterten, obwohl, wenn sie ihn zufällig beobachtete, er herzhaft lachen konnte und seine Augen vor Freude strahlten. So hartherzig wie er sich gibt, scheint er doch nicht zu sein, hatte sie sich gewundert. Was für ein schöner Mann er doch ist, musste sich Endora eingestehen. Mit den lebhaften braunen Augen, dem kräftigen dunkelbraunen schulterlangen Haaren und dem ausgeprägten Mund könnte er einer Frau schon gefährlich werden, begann Endora für Guntram zu schwärmen. Den ernsthaften Gesichtsausdruck und den kalten Blick, den er immer im Schloss zur Schau getragen hatte, konnte sie sich in ihren Gedanken nicht erklären. War Prinz Guntram ein launiger Mensch? fragte sie sich und zügelte ihr Pferd. Hufgetrappel war zu vernehmen. Im Gebüsch raschelte es, die Zweige flogen auseinander, drei Reiter stürmten heraus und sprangen von den Pferden.

„Die schöne Prinzessin aus dem benachbarten Fürstentum kommt uns gerade recht!“ rief Raubritter Triebold. „Nehmen wir sie gefangen. Sie bringt uns einen Batzen Lösegeld in unsere leeren Schatztruhen! Den großklotzigen Kurfürsten werden wir ausnehmen wie eine Gans zum Weihnachtsfest“, lachte er.

Endora hatte zum Schwert gegriffen, war vom Pferd gesprungen und hatte sich der Übermacht gestellt. Zufällig stand sie neben einer Beerenhecke, die sie als Rückendeckung benutzte. Als Ritter Triebold sie anging, standen sie sich gegenüber, so dass die beiden anderen Angreifer nicht zum Zuge kamen, sie zu bedrängen. Mit der Schlagkraft der Prinzessin hatte Triebold nicht gerechnet. Endora wehrte jeden Ausfall des Gegners geschickt und mit hartem Widerstand ab. Sie drängte ihn zurück, schlug ein paar Finten und ließ ihn ins Leere laufen. Als er daraufhin ins Straucheln geriet, rammte sie ihm ihr Schwert in die Hüfte, so dass er aufschrie und zu Boden stürzte. Einer der Angreifer zog den angeschlagenen Gegner aus der Gefahrenzone und der andere griff Endora an. Sie focht einen erbitterten Kampf. Die Schwerter prallten aufeinander, dass es weithin schallte.

„Was war das, Wotan“, verhielt Prinz Guntram sein Pferd. „Waffenlärm!“ entfuhr es ihm. „Galopp, Wotan!“ trieb er sein Pferd an. „Ich muss ergründen wer es wagt, in friedlichen Zeiten in unserem Königreich Fehden auszutragen.“ Im Galopp jagte er dem Kampflärm entgegen und zuckte zusammen. „Ich erkenne die blonden Haare der Prinzessin. Sie wird von zwei Angreifern bedrängt. Jetzt ringt sie einen nieder. Den hat sie ausgeschaltet, aber der andere greift sie an. Auf ihn, Wotan!“ spornte er seinen Hengst an. Mit langen Sprüngen flog Wotan heran und rammte Endoras Gegner nieder.

Endora wankte. Sie blutete an der linken Schulter. Sie stieß einen befreienden Schrei aus und versetzte ihrem Gegner, der sich nach dem Pferdetritt wieder erhoben hatte, einen Hieb auf den Helm. Der Getroffene stürzte nun kampfunfähig zu Boden. Alle drei Raubritter wälzten sich im Staub. Aber auch Prinzessin Endora stand unsicher auf den Beinen. Ihr Atem ging schwer.

Prinz Guntram lenkte sein Pferd an ihre Seite, zog Endora auf sein Pferd, hielt sie vor sich im Sattel fest und jagte im Galopp zur Stadt zurück.

Die Stute Kassandra galoppierte hinterher.

„Öffnet das Tor! Schickt die Garde aus, Ritter Triebold und seine beiden Spießgesellen einzufangen!“ befahl Guntram der Schildwache und jagte durch das Stadttor dem königlichen Palast entgegen. Vor der Freitreppe zum Palast ließ er sich aus dem Sattel gleiten, hob Endora vom Pferd und trug sie auf seinen Armen die Stufen hinauf.

Ich kann doch allein laufen. Wie oft hatte ich mich schon verletzt und stark geblutet, dachte Endora. Warum rufe ich nicht: Lasst mich frei, Prinz Guntram?

An seiner Brust zu liegen, tut so gut. Mein Körper schwebt wie auf Wolken, gab sich Endora dem angenehmen Gefühl hin. Sie spürte seine Körperwärme, aber nicht die verwundete Schulter.

Die Kurfürstin und die Hofdamen liefen dem Prinzen entgegen. „Ruft den Wundarzt“, rief er ihnen zu.

„Lasst mich herab, Prinz Guntram. Meine Beine sind nicht verletzt, nur meine Schulter.“

„Könnt Ihr ohne meine Hilfe Euer Gemach betreten?“

„Gewiss doch, Prinz Guntram.“

Als Endora auf ihren Beinen stand, schwankte sie.

Guntram griff sofort zu und trug sie in ihr Schlafgemach, bettete sie auf ihre Lagerstatt und befahl dem Wundarzt, sich der Prinzessin anzunehmen. „Er bürgt mir für Leib und Leben der Prinzessin!“

Unterdessen hatte die königliche Garde, Ritter Triebold und seine Mitstreiter, gefangengenommen und sie dem König vorgeführt. „Meine Nachsicht mit Euch hat nun ein Ende, Ritter Triebold!“ donnerte ihn der König an. „Kleine Scharmünzel habe ich bisher durchgehen lassen. Der Übergriff aber auf meinen Gast Prinzessin Endora hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Eure Ländereien und Untertanen, die Ihr Euch in meinen Diensten erworben habt, werde ich meinem Besitze einverleiben…“

„Mein König…“ winselte der am Boden liegende Edeling.

„Keine Gnade“, wehrte der König ab. „Ab mit Euch und Euren Rabauken in den Burgverließ!“ Und damit war das Schicksal der Gefangenen besiegelt. Für ewige Zeiten. Bis zum bitteren Ende.

In dem dunkeln verlassenen Gemäuer würden sie verschmachten, verhungern und verdursten.

Der Wundarzt hatte die Schnittwunde versorgt und einen Verband angelegt. Zehn Tage musste sie das Bett hüten. Am elften Tag bat Guntram die Kurfürstin, Endora sprechen zu dürfen.

„Habt Ihr Schmerzen, Endora?“ fragte er sie im Beisein ihrer Mutter.

„Sie sind erträglich, Prinz Guntram“, antwortete Endora. „Ich möchte einen Spaziergang durch den Park machen.“

„Soll ich Euch geleiten?“

„Wenn es Eure Zeit erlaubt“, stieß sie vorsichtig an.

Während sie Arm in Arm durch den Park schlenderten, schwiegen sie. Die zärtlichen Gefühle, die sie für einander hegten, vermochte keiner der beiden offen auszusprechen.

Ihre Nähe und Köperwärme durchdrang seinen Körper wie ein Sonnenstrahl. Sein Herz, das nur für das Schlachtfeld geschlagen hatte, schmolz dahin, wie Schnee in der Sonne. Fühlt sich die Liebe so warm und weich an wie mein Kamin, der mir im Winter Wärme spendet? fuhr es ihm durch den Sinn. Ihre körperliche Berührung weckte Gefühle, deren er sich nicht widersetzen konnte. Sein Herz schlug heftiger, als es je geschlagen hatte. Vor keinem Zweikampf hatte er jemals dieses Herzklopfen verspürt, wie hier am Arm von Endora. Er musste es sich eingestehen, dass die Liebesabenteuer, die er bislang erlebt hatte, nur oberflächlich waren. Ich mag meine Prinzessin. Meine Prinzessin? Bin ich tatsächlich bereit, mich in die Zwänge einer Ehe zu begeben? dachte Guntram. Ich werde um ihre Gunst werben. Der Druck des Königs und die Macht der Liebe hatten ihn besiegt.

Würde er mich doch nicht mehr loslassen. Ich liebe Guntram. Mein Herz steht in Flammen. Bei meiner Ankunft hatte es bereits gesprochen. Wie soll es nun weitergehen? überlegte Endora. Ich müsste den Kurfürsten, meinen Vater bitten abzureisen, sollte Guntram sich im Schloss wieder kaltherzig verhalten. Ich könnte es nicht ertragen, meinem Herzen zu befehlen, zu schweigen. Ihm täglich zu begegnen würde mich umbringen, die scharfe Klinge des Verzichts, wäre schlimmer als der Tod im offenen Zweikampf, quälten sie düstere Gedanken.

„Bist du müde? Sollten wir uns niederlassen, Endora?“ unterbrach er ihren Gedankengang.

„Noch nicht, Guntram, ich fühle mich so sicher in deinem schützenden Arm“, duzte sie ihn ebenso, und schalt sich eine Närrin, sich mit negativen Gedanken zu kränken.

„So lass uns noch ein wenig lustwandeln, holde Endora.“

„Ich danke dir“, hob sie den Kopf und schenke ihm ein zärtliches Lächeln.

Ein Blitz schoss in seinen Kopf. Er zog sie in die Arme und schaute sie lange an. „Darf ich dich bitten, meine Gemahlin zu werden, Endora?“

„Du gedenkst eine Kranke, eine halbe Waffengefährtin zu freien“, hatte sie geantwortet, den Kopf in den Nacken geworfen und aus vollem Herzen gelacht.

„Du wirst rasch wieder gesunden und noch so mach einen Ritter aus dem Sattel heben“, hatte er geantwortet und sie geküsst.

Und sie hatte zärtlich seinen Kuss erwidert. „Diese Frage stellst du besser meinem Vater, dem Kurfürsten“, hatte sie geantwortet, nach dem Kuss, nach dem sie sich bereits bei ihrer Ankunft gesehnt hatte.

„Wird er nicht einer Eheschließung abhold sein?“ verzog Guntram schmerzhaft das Gesicht.

„Ich liebe dich und werde so lange Jungfer bleiben bis dich mein Vater als Eidam an seine Brust drückt.“

„Wünsch mir Glück, wenn ich deinem Vater gegenübertrete und sage: Kurfürst, ich bitte Euch um die Hand Eurer Tochter.“

„Haha“, lachte Endora. „Dein grimmiges Gesicht könnte den Kurfürsten eher verschrecken als erfreuen.“

„Gefalle ich dir so besser?“, lächelte er und seine braunen Augen schauten sie verträumt an.

„Mein Vater wird begeistert sein.“

Endora sollte recht behalten.

Guntram ließ sich bei Kurfürst Archibald anmelden.

„Was führt Euch zu mir, Prinz Guntram? Was ist Euer Begehr?“ gab sich der Kurfürst unwissend, obwohl er es sich denken konnte, weshalb Guntram ihn zu sprechen wünschte.

„Kurfürst“, begann er und sein ernstes Gesicht entspannte sich. „Ich bitte Euch um die Hand Eurer Tochter.“

„Seid Ihr auch mit dem Herzen dabei, Prinz Guntram?“

„Ich kann nichts anderes mehr denken, als mich mit Eurer Tochter zu einen.“

„Wie denkt Endora darüber? Hat sie sich schon offenbart?“

„Wir sind beide eines Sinnes.“

In der Schlosskapelle wurde das Brautpaar von einem Priester getraut. „Du darfst mit der Braut deine Bettstatt teilen“, schloss der Priester seine Andacht.

Die Tische im großen Speisesaal bogen sich unter der Last der Wildschein- und Rehbraten, der süßen Früchte und der berauschenden Getränke.

Tausend Kerzen strahlten, als in dem großen Krönungssaal, die Schalmaien die jungen Leute zum Tanze aufforderten.

Zu vorgerückter Stunde schaute Guntram seine schöne Braut an. „Was denkst du, sollten wir dem Treiben entfliehen, meine holde Prinzessin?“

„Ich habe nichts dagegen zu erwidern, mein stolzer Prinz“, nickte Endora errötend mit dem Kopf, so dass ihre Haarpracht ihre Augen verdeckte, und Prinz Guntram gezwungen war, sie tragen zu müssen, in die Gemächer, die ihnen der König hatte herrichten lassen. Auf dem weichen Lager versanken Prinz und Prinzessin ins Märchenschloss der Liebe und luden sich gegenseitig zu Liebesfreuden ein. Eingehüllt in himmlischen Wonnen, waren sie der Wirklichkeit entrückt.

Duell im Sonnenaufgang

„Eine Kutsche erwartet Euch, Gräfin“, verbeugte sich der Diener und überreichte der jungen Elvira, Gräfin von Gothen einen versiegelten Umschlag.

„Hat Er sich das Wappen angeschaut?“ fragte Elvira den Diener, während sie das Siegel erbrach.

„Kein Wappen, nur eine Lohnkutsche, Gräfin. Jedoch der Kutscher trägt das Gewand eines fürstlichen Lakaien.“

„Ich sollte mich dem Manne anvertrauen. Auch auf eine Begleitperson könnte ich verzichten. Der Kutscher würde mich geleiten. Gesiegelt, Meister Lambert.“