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Sind wir Menschen allein im Universum? Wenn nicht - wer und wo sind denn all die anderen? Und was machen die eigentlich den ganzen Tag? In diesem Buch erfahren wir Dinge über Tod und Teufel, junge Seelen, Geistwesen, Astralebenen und Sonneneruptionen. Wir Menschen: immer mittendrin. Oder doch umgekehrt: Die "anderen" Wesen sind ständig bei uns? Womöglich beides: wir bei ihnen und sie bei uns? Mit einem Augenzwinkern dürfen wir beobachten, was alles passieren kann, wenn Sandkörner das Getriebe des Alltags durcheinanderbringen. Maria M. Eckert: "Müssen Bücher eine Botschaft haben? Na gut, hier ist sie: Danke 'Mutter Erde', dass du so viel Geduld mit uns hast. Danke Erde, du wundervolle Perle des Universums!
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2019
Maria M. Eckert
Projekt Sandkorn
Wenn oben wäre wie unten …
www.verlag-texthandwerk.de
Für Suma
Maria M. Eckert
Projekt Sandkorn
Wenn oben wäre wie unten …
© 2019 Maria M. Eckert
Coverfoto: pxhere.com
Covergestaltung: Uschi Ronnenberg,
ronnenberg-design.de
Lektorat: Maria Al-Mana, texthandwerkerin.de
www.verlag-texthandwerk.de
ISBN
978-3-7482-3599-6 (Paperback)
978-3-7482-3754-9 (e-book)
Druck und Herstellung: tredition GmbH, Hamburg
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Sind wir Menschen allein im Universum?
Wenn nicht – wer und wo sind denn all die anderen?
Und was machen die eigentlich den ganzen Tag?
Schauen wir uns doch einfach mal um, was oben und unten so abläuft.
Und wir als Menschen mittendrin.
Dichtung und Wahrheit
liegen oft sehr nah beieinander.
Inhalt
Fertig
Die Beobachter
Ein Erdenleben
Zwischen den Welten
Willkommener Trost
Eine Praktikantin?
Der Rückruf
Mutter Erde in Rage
Jeder kann es
Überlegungen
Die Suche
Projekt Sandkorn
Der Ausflug
Der menschliche Wille
Das Sandkorn und die Folgen
Die verloren gegangene Seele …
Bibi in Not
Es geht vorwärts
Vater und Sohn
Für die Liebe
Neues Leben
Es ist gut
Helfer wider Willen
Glücklich
Noch lang kein Ende
Sie fliegen wieder
Fertig
Die Versammlung des Großen Rats war beendet. Die Ratsmitglieder waren die Lichtesten, Ältesten und Weisen des gesamten Universums der zwölften Dimension: direkte Strahlenkinder des Schöpfers, der durch sie wirken wollte. Der Große Rat sorgte für die Einhaltung der kosmischen Gesetze und für die Verbreitung wie Ausdehnung des schöpferischen Geistes.
Ba-Hua-Mnu war eins der jüngsten Mitglieder dieses Rats. Ihm war die ehrenvolle Aufgabe übertragen worden, seine besondere Aufmerksamkeit dem Juwel Erde zu widmen. Die Dame Erde war noch recht jung, und man hatte sie wegen ihrer besonderen Lage am Rand der Galaxie ausgewählt. Sie war zu einem einzigartigen, unvergleichlichen Vorzeigeobjekt geworden, vor allem hinsichtlich ihrer Polarität, Dualität, Diversität und Artenvielfalt. Einfach großartig, absolut einmalig und wunderschön!
Ba-Hua-Mnu war zufrieden. Sie hatten es geschafft! Unter Einhaltung aller kosmischen Regeln, Gesetze, Vorschriften und Wünsche hatten sie zur Besiedlung der Erde ein Wesen erschaffen, das nun endlich erdtauglich war. Ein vollkommenes Wesen, bestehend aus Körper, Geist und einer Seele, die ihrerseits Teil der höheren Seele war. Es war ein langer Weg gewesen. Über 20 Rassen aus den Galaxien hatten zufriedengestellt werden müssen. Denn alle hatten Bestandteile ihrer eigenen DNA in die neue Spezies einbringen wollen. Keine einfache Koordinationsaufgabe, denn jeder Teil davon erzeugte spezielle Wirkungen. Nur kleine Teilstücke oder auch mehrere DNA-Teile würden die Neuschöpfung noch lange nicht zu jenem gewünschten, erdtauglichen Wesen machen, das sich von bereits auf der Erde lebenden Tieren und weiteren Erdwesen allein durch aufrechten Gang und die Vereinigung von Körper, Geist und Seele unterschied. Nichts durfte fehlen, Gesamtheit und Ausgewogenheit aller Bestandteile waren von grundlegender Wichtigkeit.
Sie würden das neue Erdwesen Erdling nennen. Zum Glück waren einige der galaktischen Bewohner damit einverstanden gewesen, dass ihr Teil der DNA nur schlafend angelegt wurde. Der könnte zu gegebener Zeit ja aktiviert werden, sozusagen als Bonbon für gute Erdleistungen.
Ähnlich wie ein Tier sollte das neue Erdwesen selbstständig agieren können. Zur Bewältigung künftiger Aufgaben sollte es über sechs Sinne verfügen: Hören, Riechen, Fühlen, Sehen, Schmecken und Wahrnehmen. Der siebte Sinn war für den Anfang nur angelegt, konnte jedoch jederzeit aktiviert werden. Der Erdling sollte anpassungsfähig sein, wobei Eigenschaften wie Erdulden-Können, Belastbarkeit und Durchhaltevermögen nicht unwesentlich waren. Dinge wie Bewegungs- und Fortpflanzungs-Fähigkeit und die Denk-Strukturen des Erdlings konnten bereits zur vollen Zufriedenheit geregelt werden, in letzter Zeit war nur noch an deren Feinabstimmung gearbeitet worden.
Ba-Hua-Mnu war äußerst zuversichtlich, dass sich die neue Schöpfung gut integrieren und besser mit den Erd-Bedingungen zurechtkommen würde als seine Vorgänger. Denn die früheren Bewohner der Erde hatten es aus unterschiedlichen Gründen nicht geschafft, dauerhaft auf der Erde leben zu können.
Ba-Hua-Mnu könnte sich jetzt stolz zurücklehnen. Er war immerhin federführend an dieser Aktion beteiligt gewesen, und das ständige Lob wurde ihm inzwischen fast schon lästig. Aber da war etwas, das ihn beunruhigte. Wie ein Zweifel nagte dieses Etwas an ihm. Er versuchte sich einzureden, dass das nach einer derartigen Anspannung völlig normal sei. Und er hatte doch nun wirklich alles berücksichtigt! Alles war perfekt! Auch die Dame Erde hatte ihre Zustimmung gegeben, die neue Spezies aufzunehmen.
Doch das Nagen hörte einfach nicht auf. Zur Entspannung rief er seinen Goster und flog ein wenig umher. Um den Kopf frei zu kriegen.
„Goster, flieg zum Meer“, beauftragte er das Fluggerät. Doch es reagierte nicht. Sehr ungewöhnlich.
„Goster, zum Meer!“
Der Goster flog geradeaus weiter. Ärgerlich rief Ba-Hua-Mnu: „Goster, was ist los mit dir? Ich sagte doch, dass ich zum Meer will!“
Die monotone Stimme des Gosters antwortete: „Jetzt besser Höhenluft. Nicht Meer.“
Ba-Hua-Mnu fiel es wie Schuppen von den Augen. Das war es, was so an ihm genagt hatte: Maschinen, die sich verselbstständigten, nicht gehorchten, nicht mehr berechenbar waren! Und dieser Erdling war doch auch nichts anderes als eine perfekt funktionierende Maschine. Was also, wenn die Erdlinge sich plötzlich loslösten, ihr eigenes Ding machten, ohne die geringste Ahnung von den kosmischen Gesetzen zu haben? Das ging überhaupt nicht! Hier musste auf jeden Fall nachgebessert werden!
„Goster, bring‘ mich sofort zurück – oder ich tausche dich aus!“
Der Goster kehrte um und brachte Ba-Hua-Mnu zurück, nicht ohne vorher noch ein paar üble Sinkflüge hinzulegen. Mit monotonem Ha-ha-ha gab er zu erkennen, einen Scherz gemacht zu haben. Er wollte schließlich nicht ausgetauscht werden.
Ba-Hua-Mnu stürzte in die Kuppel, in der sich sein Arbeitsbereich befand und blätterte hektisch in den Entwicklungsunterlagen des Erdlings. Es dauerte lang, bis er endlich fand, was er suchte – oder zumindest glaubte, an diesem speziellen Punkt die unabdingbare Nachbesserung durchführen zu können. Sorgfältig arbeitete er einen Vorschlag aus, den er dem Großen Rat zur Begutachtung und Genehmigung vorlegen musste. So etwas durfte er nicht allein entscheiden.
Die Mitglieder des Großen Rats waren keinesfalls entzückt darüber, schon wieder wegen des Experiments Erdling zusammengerufen zu werden. Sie waren gerade dabei, mit großer Sorgfalt eine neue Galaxie zu erschaffen, was einen Eingriff in eine andere Galaxie erforderlich machte. Eine extrem heikle Aufgabe. Und jetzt schon wieder diese Erdling-Sache!
Natürlich war die Erde ein ganz spezielles Projekt, mit dem schon viele Versuche stattgefunden hatten. Sie war ein Vorzeigeobjekt, eine einzigartige Perle in den Galaxien. Die Erde zu bewahren, lag vielen am Herzen, nicht nur Ba-Hua-Mnu. Nicht umsonst hatten die Dinosaurier ausgelöscht werden müssen: Was der Erde nicht dienlich war, musste verschwinden. Klagen, Beschwerden oder Wünsche der Erde wurden stets ernst genommen. Man tat, was immer möglich war.
Ba-Hua-Mnu blickte in die missmutigen Gesichter der Mitglieder des Großen Rats. Er konnte seine Aufregung nicht unterdrücken, also kam er gleich zur Sache: „Großer Rat, ich bedaure sehr, euch schon wieder wegen der Erdlinge gerufen zu haben. Nach einem Ereignis mit meinem Goster wurde mir etwas klar, was unter keinen Umständen unberücksichtigt bleiben darf. Wir haben und hatten auch schon früher und in anderen Kulturen Maschinen, die sich selbst modifizierten, anpassten und verbesserten. Ich erinnere nur an die La-KeTo, bei denen die Maschinen die Wesen versklavt haben. Noch heute kann sich niemand diesem Planeten nähern, denn er ist zu einer großen Gefahr für die ganze Galaxie geworden. Der Erdling darf sich nie und nimmer so entwickeln, dass da etwas Ähnliches passiert! Es muss verhindert werden, dass er sich ohne Kenntnis der kosmischen Gesetze entwickeln und zur Bedrohung mutieren kann. Der Erdling muss unter allen Umständen immer unserer Kontrolle – und somit den universellen Gesetzen – unterstehen. Deshalb habe ich folgenden Vorschlag …“
Die Beobachter
F4 näherte sich langsam S1. Sie konnte sich kaum ein Grinsen verkneifen, als sie S1 ansprach: „Hallo. Na? Alles klar bei dir und deinen Sternchen?“
Etwas irritiert blickte S1 zu F4: „Ja, klar. Warum auch nicht?“
„Dann hast du es wohl noch nicht gehört, was?“
„Was soll ich gehört haben?“
„Na, dass dein Sternchen Robin so mir nichts dir nichts sein Leben ändern will. Einfach so.“
„Waas?“
„Guck doch selbst!“
Auf der Stelle düste S1 düste davon. Er schaltete alle Monitore auf den Erdling Robin, rief all dessen Daten ab und erschrak. Tatsächlich, dieser Robin wollte alles hinschmeißen und sich auf eine einsame Weltreise begeben. Das ging überhaupt nicht! Das war in seinem Plan nicht vorgesehen. Robin sollte gerade jetzt in die absolute Schmerzzone geführt werden, mit Aussichtslosigkeit und allem Drum und Dran. Sein Plan sah vor, dass er in Hoffnungslosigkeit über die Schmerzgrenzen hinaus ausgetestet werden sollte. Dann würde man ihm kurz vor dem Exit etwas Zuversicht geben und sehen, was er daraus machte. Das wäre für ihn, S1, ein absolutes Highlight. Damit könnte er ein paar Punkte auf seinem spärlichen Plus-Konto für gute Arbeit gewinnen. S1 überlege fieberhaft. Zuerst galt es, diese Reise zu verhindern. Womit? Unfall! Ja! Ein richtig guter, schwerer Unfall. Tolle Idee! Der Beginn der völligen Aussichtslosigkeit.
Ein Erdenleben
Robins linkes Augenlid öffnete sich leicht. Er sah schemenhaft eine Gestalt. Nein, es waren drei, aber sehr verschwommen. Sie sahen irgendwie alle gleich aus, wankten aber ständig hin und her. Er hörte dumpf hallend eine Stimme. Robin verstand nicht, was sie sagte. War er denn immer noch in dieser merkwürdigen Welt, in der er sich so unvermittelt und überraschend wiedergefunden hatte? Er hatte seine verstorbene Schwester getroffen. Sie hatte – typisch für sie – wie wild auf einer Schaukel Kunststückchen vollführt. Auch Großmutter war da gewesen. Sie hatte wesentlich jünger ausgesehen als in ihren letzten Tagen auf der Erde und schien sich bester Gesundheit zu erfreuen. Sie hatte ihm zugewinkt und gerufen, dass sie seinen Lieblingskuchen gebacken habe. Aber immer, wenn er zu ihr oder seiner Schwester wollte, hatte sich ihm ein Wesen in den Weg gestellt und gemeint, dass er noch nicht zu ihnen könne. Es sei noch nicht seine Zeit. Das Wesen war nicht unsympathisch, irgendwie war es Robin sogar bekannt vorgekommen. Doch das Wesen meinte unverkennbar ernst, was es sagte. So konnte Robin immer nur wie ein Besucher hinter einer Glaswand seiner Schwester und Großmutter zusehen und winken. Manchmal hatte Robin den Eindruck, als wolle das Wesen von ihm angesprochen werden. Aber was sollte er ihm sagen? Vielleicht Hallo, oder du-bist-groß oder bist-du-ein-Geist? Also ließ er es bleiben.
Aber dieses hin- und herpendelnde Wesen jetzt vor ihm hatte mit diesem … diesem Geist keinerlei Ähnlichkeit. Wieder diese dumpfen Laute. Robin meinte, eine Frage gehört zu haben, etwa wie-geht-es-Ihnen? Was sollte das? Er wollte zuallererst wissen, wo er überhaupt war. Sein Versuch, den Kopf zu heben, scheiterte kläglich. So bemühte er sich, das linke Auge ganz zu öffnen. Es klappte mit großer Anstrengung. Das rechte Auge wollte nicht gehorchen. Jetzt erkannte er, dass diese drei Schemenfiguren nur eine Person waren. Ein Mann im weißen Kittel. Eine Frau, ebenfalls im weißen Kittel, stand neben ihm. Beide starrten ihn mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck an. War das Freude? Nein, eher Besorgnis. Was sollte das? Wo war er?
„Wie fühlen Sie sich?“ Das hatte Robin verstanden. Wie sollte es ihm gehen! Wie immer. Oder etwa doch nicht? Warum öffnete sich sein rechtes Auge nicht? Warum konnte er den Kopf nicht heben?
Der Mann mit dem weißen Kittel beugte sich über ihn und leuchtete mit einer kleinen Taschenlampe in sein halb geöffnetes Auge.
„Wir freuen uns, dass Sie wieder bei uns sind“, sagte er, aber seine Augen sagten etwas anderes. Warum freute er sich nicht, wenn er sich doch angeblich freute? Etwas stimmte hier ganz und gar nicht!
Robin war müde. Er fühlte sich erschöpft. Sein linkes Auge schloss sich wieder, und er schlief einfach ein.
Wie oft war er den Weg zu seiner Schwester und Großmutter schon gegangen, aber jetzt fand er ihn nicht. Er irrte umher, fand sich in einer Siedlung wie aus dem Mittelalter wieder, als Leiche auf einem Kriegsschauplatz, geriet in einen Lichtstrudel, fiel in eine Erdspalte. Aber den Weg zu seinen Lieben fand er nicht.
S1 blickte eher gelangweilt auf seinen Monitor und beobachtete Robins Streifzüge. Wäre der Junge nicht so hektisch gewesen, hätte er tatsächlich Einblicke in seine früheren Leben bekommen können. S1 war sich nicht schlüssig, ob diese Erinnerung für irgendjemanden irgendeinen Nutzen hatte. Aber das sollte nicht sein Problem sein. Der Rat hatte beschlossen, dass die Erdlinge sich nicht an vergangene Leben erinnern sollten, um nicht mit alten Taten emotional „belastet“ zu sein. So ein Quatsch, dachte S1. Er war der Meinung, dass ein Erdling möglichst viele Lasten tragen sollte, um zu begreifen. Was eigentlich? Ursache – Wirkung – Folge, oder was? Müsste ein Erdling mit großem Schuldgefühl nicht besonders darauf bedacht sein, ein guter Mensch zu werden? Was war eigentlich ein guter Mensch? S1 verstand so einiges nicht von dem, was der Rat beschlossen hatte. Ganz und gar nicht. Er wusste nur eins: Seine Aufgabe und die der anderen Wesen auf der Ebene der Energie-Dichte 6, kurz D6, lag darin, fünf Energieanteile von sich, also die „Sternchen“, auszusenden, um sie so viele Erfahrungen wie möglich auf der Erde oder sonstwo in der Galaxie machen zu lassen. Diese Erfahrungen wurden gesammelt und von irgendjemandem ausgewertet. Alle Erdlinge waren an Überwachungsmonitore angeschlossen, die alles aufzeichneten, zumindest nach dem, was S1 bekannt war. Die Gruppen S, T, K und O waren angehalten, ihre jeweiligen Sternchen zu beaufsichtigen und dafür zu sorgen, dass deren Lebenspläne auch wirklich eingehalten wurden.
Und da kommt doch dieses Sternchen Robin auf die blödsinnige Idee, sein Leben – ohne Genehmigung – einfach so umzugestalten. Jetzt hatte er, S1, seine Last mit ihm. Ausgerechnet mit ihm!
Wie viel Mühe hatte sich S1 schon gegeben, mit diesem Sternchen Robin möglichst viele Erfahrungspunkte auf seinem Konto zu sammeln! Es hatte ja auch geklappt. Dieser Erdling war zäh und pfiffig. Deshalb hatte S1 für Robins jetziges Leben etwas ganz Spezielles als Aufgabe geplant.
Wie es der Vorschrift entsprach, hatte sich Robin seine zukünftigen Eltern auswählen dürfen. S1 hatte es jedoch geschickt verstanden, ihm nur die angenehmen Seiten der zukünftigen Eltern zu zeigen, nicht jedoch die schwierigen Erfahrungen. S1 kicherte still in sich hinein. Und dieser Robin war tatsächlich darauf reingefallen. Zum Glück hatte Robin daran keine Erinnerung mehr. Ja, S1 musste schon zugeben, dass es eine ausgesprochen harte und schlimme Jugendzeit für das Kind gewesen war. Doch das war doch nur zu dessen Bestem, dachte er. Hatte es ihn nicht stark und hart gemacht – und ihm, S1, einige dringend erforderliche Pluspunkte eingebracht? Robins Aufgabe lautete, in jungen Erwachsenenjahren in ein wohlgeordnetes Leben zu treten, zu heiraten, und seinen Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Ja, S1 war stolz, Robin hatte das Bonbon des Erfolgs erhalten: super Job, nette Frau, zwei Kinder. Und dann, ein echtes Meisterwerk von S1, geriet Robins Firma in Konkurs. Robin wurde arbeitslos, seine Frau verschwand mit irgendeinem anderen Mann und den zwei Kindern nach irgendwohin. Das Haus musste verkauft werden, und Robin war im Moment völlig mittellos und verschuldet.
Hach, S1 schwelgte in der Erinnerung an Robins überschäumende Emotionen von damals. Das hatte Punkte gebracht! Verzweiflung, Depression, Scham, Wut, Ratlosigkeit. Da war alles drin, was angestrebt wurde. S1 hatte nun vorgehabt, ihm ein kleines Bonbon in Form einer neuen Anstellung zu geben. Aber durch die vielen anderweitigen Interessen von S1 war das wohl in Vergessenheit geraten. So ein Mist! Gleich hatte man ihm wieder Punkte abgezogen. Liebe Zeit, was wollten die Oberen denn noch alles?! Er war Wissenschaftler, ein richtig guter Wissenschaftler. Aber dafür ließ man ihm einfach zu wenig Raum. Wann sollte er jemals diese Kleidung erschaffen, die sich ständig dem Außen anpasste? Er hatte auf der Erde so ein Tier gesehen, das ständig seine Farbe wechselte, wenn es mal auf dem einen Ast oder einem andersfarbigen saß. So sollte die Kleidung werden, die er schaffen wollte. Nicht die, der man gleich ansehen konnte, in welchem Gemütszustand sich der Träger gerade befand. Nur das nicht!
S1 hatte sich in den Anfängen der Entwicklung der Erdlinge viele Gedanken gemacht. Ihm war aufgefallen, dass vor der Besiedlung der Erde die Wesen auf D6 wesentlich ausgeglichener gewesen waren als danach. Da hatte sich bei allen Sternchen-Sendern eine gewisse Neugier eingeschlichen. Was die Erdlinge so alles erlebten, hatte noch keiner von ihnen erlebt. Auch gab es dort Dinge, die wirklich wunderlich waren. Tolle Erfindungen etwa. Beinahe unmerklich, schlichen sich Erdling-Worte auch in den Sprachgebrauch der sechsten Dichte ein. Ehrlich, es gab sogar Sternchen-Sender, die ihre eigenen Sternchen nachahmten. Wie abstoßend! Wenn das nicht zu einem Verfall der Kultur führte, dann wusste er auch nicht weiter. Selbstverständlich hatte er sich von diesem Virus nicht infizieren lassen. Mit Schaudern erinnerte sich S1 an diesen großen Verräter, der selbst und höchstpersönlich auf die Erde gegangen war. Wie hieß der doch gleich? Leon, Leondavini, oder so ähnlich. Der wollte es genau wissen. Immer, wenn er etwas malte, setzte er Codierungen in seine Gemälde, um Zeichen zu geben, und wie es hieß, damit Wahrheiten bekannt zu geben. S1 hatte keine Ahnung, was mit diesem Typ nach dessen Rückkehr passiert war. Wahrscheinlich nicht viel, denn kaum jemand hatte seine Codierungen entschlüsseln können. Sonst wäre es wohl zu einer Katastrophe gekommen. Aber wer wusste das schon? Und dann dieser Jesus. Na ja, der war nur einmal auf der Erde. Kein Wunder, nach dem, was sie ihm auf Erden angetan hatten. Und an diesen … diesen Melch-di-ziche – hieß der so? – ach ja, jetzt fiel es ihm wieder ein, Melchizedek. Ja, so hieß er. Der war gleich mehrmals, natürlich immer unter anderem Namen, auf der Erde gewesen. Angeblich, um den Erdlingen „auf die Sprünge zu helfen“. So ein Quatsch! Egal. Jetzt war erst mal wichtig, Robin den nächsten Schlag zu verpassen. Es galt, wieder Punkte zu sammeln.
F4 trommelte inzwischen mit den Fingern auf ihrer Tastatur herum. Sie war ziemlich schockiert gewesen über die eigenmächtige Handlung von S1, der diesen jungen Mann in eine derart missliche Lage gebracht hatte. Sie musste einfach herausfinden, was S1 noch mit Robin vorhatte! Aber, wenn sie jetzt unbefugt Robin über den System-Monitor aufriefe, könnte das echten Ärger geben. Sie war noch nicht lang auf der Ebene der Energie-Dichte D6 und hatte zum ersten Mal eigene Sternchen ausgesandt. Was ihr aber jetzt schon gehörig stank, war, dass jeder Schritt und Tritt, einfach alles, was sie hier tat, kontrolliert und überwacht wurde. Noch gemeiner war, dass sie auch noch persönlich in bestimmten Abständen Berichte abgeben musste, mit diversen Erklärungen und Begründungen. Wenn sie das nur früher gewusst hätte!
Jetzt saß sie vor dem Monitor und dachte angestrengt nach. Da kam ihr ein genialer Gedanke. Ihr Sternchen Ben war doch mit Robin befreundet. Ben war als Kind sehr ängstlich gewesen. So passte es gut, ihn sich mit einem starken Erdling anfreunden zu lassen, der ihn unter seine Fittiche nahm. Gut! Wenn sie Ben zu Robin ins Krankenhaus schickte, könnte sie bedenkenlos nachschauen, wie es dem armen Kerl ging. Sie musste nur noch kurz ein paar Dinge regeln, bevor sie Ben zu Robin schicken konnte.
Zwischen den Welten
Das sonst so helle, lichte Energiewesen Kti-Ram-Thu der achten Dimension bebte und vibrierte in allen roten Farben, Blitze schossen aus ihm heraus. So war es ihm noch nie ergangen. Es lag an dieser unsäglich erschütternden Situation!
Seit Beginn seiner Existenz hatte es schon viele Tausende von Strahlen in alle Regionen und Ebenen dieser Galaxie geschickt! Und alle Strahlen hatten nach der kosmischen Ordnung selbst wieder Strahlen und Sternchen ausgesandt. Aber eine derartig eigenmächtige Handlung wie die von S1 hatte es noch nie gegeben. Was war mit S1 nur los? Sicher, als er sich auf D7 eingewöhnen sollte, um seine Individualität auszubauen, entwickelte er sich wesentlich schneller als alle anderen. War Kti-Ram-Thu nicht achtsam genug gewesen, diese – im Nachhinein festgestellten – Abweichungen im Wesen von S1 zu erkennen? Man hätte hier bereits handeln müssen! Stattdessen war S1 zu früh, viel zu früh, nach D6 geschickt worden. Und jetzt das! Eigenmächtig, aus geradezu sadistischen Gründen, hatte er einem Menschen entgegen dessen Lebensaufgabe schweren Schaden zugefügt. Das musste auf jeden Fall in Ordnung gebracht werden!
Kti-Ram-Thu hatte alle Fäden in der Hand und war jederzeit in der Lage, korrektive Maßnahmen durchzuführen, falls mal etwas nicht ordnungsgemäß verlief. Genau das würde sie jetzt tun müssen. Auch, wenn sie ein vollkommen neutrales Wesen war, weder weiblich noch männlich, so fühlte sie sich ihren ausgesandten Strahlen gegenüber doch stets als Mutter.
Kti-Ram-Thu verfiel in ein tiefes Nachdenken. Sie würde mit ihren Eltern der Energie-Dichte-Ebenen D8, D9 und D10 Gespräche führen müssen. Es galt nach wie vor die Anweisung, sich nicht in die Leben der Erdbewohner einzumischen. Diese hatten jeweils klare Aufgaben, was sie in ihrem Erdenleben erfahren sollten. Punkt!
Ihre AN-NA hatte sich allerdings eigenmächtig auf die Erde gemogelt, ohne den „Kuss des Vergessens“ zu erhalten. Somit wusste sie, wie sie mit ihrer vom Schöpfer gegebenen Kraft von einer Dichte zur anderen gehen konnte. Ihr war es möglich, willentlich die Frequenz ihres Körpers zu ändern, was sonst nur Menschen in tiefer Meditation möglich war. Nur sie konnte das ohne Meditation bewerkstelligen. Damit war sie eine Wanderin „zwischen den Welten“. Gut. Jetzt war das eben so. AN-NA war nicht die einzige, der das möglich war. Also war auch Kti-Ram-Thu nicht die einzige, die ein derartiges Problem hatte. War es überhaupt ein Problem? Oder war es vielleicht doch irgendwo vorgesehen? Zwar hatte Kti-Ram-Thu die Anweisungen, speziell die von Ba-Hua-Mnu, nochmals zu Rate gezogen. Da stand, dass alle Strahlen, Sternchen und Seelenanteile, die zur Erde gingen, den „Kuss des Vergessens“ erhalten sollten. Aber zu den Ausnahmen war nichts zu finden gewesen. Es verlangte Kti-Ram-Thu dringend nach einer Erklärung
Willkommener Trost
Ben drückte vorsichtig die Klinke zur Tür des Krankenzimmers herunter und schob sich langsam in den Raum. Er erschrak, als er die Gestalt, die sein guter Freund Robin war, sah. Der Kopf war vollkommen bandagiert. Lediglich zwei Schlitze ließen Augen und Mund frei. Die Arme lagen auf einem weißen Betttuch. Und überall Schläuche, Elektroden, Geräte. Robin selbst war nicht zu erkennen.
Ben räusperte sich kurz, bevor er in möglichst heiterem Ton sagte: „Hallo, Rob, was machst du denn für Sachen?“
Als Antwort erhielt er ein geröcheltes „eeehn?“
„Ja“, als Ben vermutete, dass Robin seinen Namen ausgesprochen hatte.
„Ja, ich bin’s“, wiederholte er.
Der Mundschlitz hauchte: „waffpaffiii?“
Ben nahm einen Stuhl und stellte ihn an Robins Krankenbett. Robin schien wissen zu wollen, was ihm passiert war. Hatte man ihm denn nichts gesagt? Wusste er womöglich noch gar nicht, dass er querschnittsgelähmt war und nie wieder würde laufen können?
In möglichst lockerem Ton antwortete Ben: „Ach, hat man es dir noch nicht gesagt? Du wolltest wohl mit deinem Rad einen Lastwagen überfahren. Aber der war dann doch stärker.“
