19,99 €
Gemeinsam schaffen wir das!
Die Diagnose Prostatakrebs ist für die Betroffenen und ihre Partnerinnen oft ein Schock und stellt sie vor viele Fragen: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Wie gehen wir als Paar gemeinsam mit dieser Krankheit um? Was sind die nächsten Schritte? Die Autoren und Herausgeber beantworten Ihre Fragen mit ihrem großen Erfahrungsschatz. Professor Maximilian Burger ist Direktor der Klinik für Urologie an der Universität Regensburg, an der auch der niedergelassene Urologe PD Dr. Wolfgang Otto als Forschungskoordinator tätig ist. Dr. Georges Akoa ist leitender Urologe im Parksanatorium Aulendorf, einer Fachklinik für Onkologische Rehabilitation.
Gehen Sie als starkes Paar gemeinsam durch diese Zeit.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 365
Veröffentlichungsjahr: 2017
Prostatakrebs
Der Therapiebegleiter für Paare
Georges F. Akoa Mbida, Maximilian Burger, Wolfgang Otto
1. Auflage 2018
es gibt viele kontrovers diskutierte Aspekte, von Sinn oder auch Unsinn einer Vorsorgeuntersuchung über die beste Art der Therapie von Erkrankungsstadien, die auf die Prostata beschränkt und somit prinzipiell heilbar sind, bis hin zur effektivsten medikamentösen Therapie in metastasierten Stadien.
Wenn man sich über diese wichtige Erkrankung informieren will, kommt noch erschwerend hinzu, dass mehrere Fachgruppen diesen bösartigen Tumor behandeln – alle gut und zum Wohle der Patienten. Aber nicht immer gut miteinander abgestimmt – auch wenn die Zentrumsbildung und die entsprechenden Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) für eine Zertifizierung als Prostatakarzinom-Zentrum zunehmend zur strukturierten Zusammenarbeit zwingen. So wird eine objektive und transparente Bewertung der Behandlung immer wichtiger – und eine einfach richtig gute Beratung.
Wo bekommen Sie eine solche Beratung? In erster Linie natürlich bei Ihrem behandelnden Arzt, wie Ihrem Hausarzt oder Ihrem Urologen. Und auch bei Selbsthilfegruppen. Speziell die Gruppen zum Prostatakrebs sind hervorragend und im Bund der Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen (BPS) auch sehr gut organisiert. Eine gute Beratung bekommen Sie aber auch in diesem Buch. Davon bin ich überzeugt!
Eine Reihe hoch qualifizierter Experten für den Prostatakrebs hat diesen Ratgeber erstellt. Sie alle arbeiten in Praxen oder Kliniken, die den höchsten Qualitätsansprüchen genügen, und haben eine lange und breite Erfahrung. Jeder dieser Experten beherrscht unterschiedliche Bereiche dieser Erkrankung. Aber alle beraten Patienten und Angehörige Tag für Tag, kennen die Sorgen, Nöte und Fragen. Aber eben auch die neuesten Erkenntnisse und daher die Antworten darauf.
Ich bin mir sicher, auch Sie werden die Antworten auf Ihre Fragen hier finden – transparent und objektiv. Und hoffentlich einfach gut. Wenn nicht, kommen Sie bitte einfach auf mich zu. Ich danke im Namen aller Autoren für Ihr Interesse!
Ihr Max Burger
Lieber Leser, liebe Leserin
Teil I Vor der Therapie
1 Was ist Prostatakrebs?
1.1 Die Prostata
1.2 Lage und Aufbau der Prostata
1.3 Funktionen der Prostata
1.3.1 Wachstum in der Pubertät
1.3.2 Aufgaben der Prostata
1.3.3 Prostatatumoren
1.4 Gutartige Prostatavergrößerung
1.4.1 Symptome
1.4.2 Diagnostik des benignen Prostatasyndroms
1.4.3 Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS)
1.5 Prostatakrebs
1.5.1 Wie entsteht Prostatakrebs?
1.5.2 Ursache und Risikofaktoren von Prostatakrebs
1.5.3 Ist eine Prävention von Prostatakrebs möglich?
1.5.4 Einige Zahlen zum Prostatakrebs
2 Der Weg zur Diagnose
2.1 Digital-rektale Untersuchung (DRU) und transrektaler Ultraschall (TRUS)
2.2 PSA-Wert-Kontrollen – Sinn oder Unsinn?
2.2.1 Wie wird der PSA-Wert bestimmt?
2.2.2 Interpretation des PSA-Wertes
2.2.3 Weitere PSA-Parameter
2.3 Die Prostata-Stanzbiopsie
2.3.1 Ablauf der Prostata-Stanzbiopsie
2.3.2 Gleason-Score
2.3.3 Ausbreitungsuntersuchung «Staging«
3 Die Therapieentscheidung – Sie entscheiden mit
3.1 Indikationsstellung
3.2 Prognosefaktoren des Prostatakarzinoms
3.3 Therapieoptionen des Prostatakarzinoms
3.3.1 »active surveillance« oder »watchful waiting«?
3.4 Prognosegruppen des Prostatakarzinoms
3.4.1 Prostatakarzinom mit niedrigem Progressionsrisiko
3.4.2 Prostatakarzinom mit intermediärem Progressionsrisiko
3.4.3 Prostatakarzinom mit hohem Progressionsrisiko
3.4.4 Prostatakarzinom mit sehr hohem Progressionsrisiko
3.4.5 Metastasiertes Prostatakarzinom
Teil II Die Therapie
4 Operative Behandlungsmethoden
4.1 Verschiedene operative Möglichkeiten
4.2 Radikale Prostatektomie
4.2.1 1. Schritt: Entfernung der Lymphknoten
4.2.2 2. Schritt: Die Entfernung der Prostata
4.2.3 Alternative operative Methoden der Prostatakarzinom-Behandlung
4.2.4 Typische Operationskomplikationen
4.3 Wiederauftreten des Krebses nach Operation
4.4 Lokalrezidiv oder Metastasierung?
5 Strahlentherapie
5.1 Therapieindikation: kurativ oder palliativ
5.1.1 Einteilung in Risikogruppen
5.1.2 Argumente für eine Strahlentherapie
5.2 Perkutane Strahlentherapie
5.2.1 Durchführung der perkutanen Strahlentherapie
5.2.2 Perkutane Strahlentherapie mit Hormontherapie?
5.3 Brachytherapie
5.3.1 Durchführung der Brachytherapie
5.3.2 Mögliche Komplikationen
5.3.3 So bereiten Sie sich vor
5.3.4 Brachytherapie mit Hormontherapie?
5.4 Nebenwirkungen der perkutanen Strahlentherapie und der Brachytherapie
5.4.1 Akutnebenwirkungen
5.4.2 Spätnebenwirkungen
5.4.3 Risikofaktoren für Nebenwirkungen
5.5 Strahlentherapie bei Wiederauftreten des Krebses
5.5.1 Therapiemöglichkeiten bei PSA-Rezidiv nach Operation
5.5.2 Therapiemöglichkeiten bei PSA-Rezidiv nach Strahlentherapie
5.5.3 Therapiemöglichkeiten bei Rezidiv nach Strahlentherapie und Operation
6 Antihormonale Therapie
6.1 Hormonentzugstherapie
6.1.1 Einsatz der Hormonentzugstherapie
6.2 Hormonabhängigkeit des Prostatakarzinoms
6.3 Von der Hodenentfernung zur Hormontherapie
6.4 Durchführung der antihormonalen Therapie
6.4.1 Die operative Kastration
6.4.2 Verschiedene Formen der medikamentösen Kastration
6.5 Art und Zeitpunkt der antihormonalen Therapie
6.6 Die maximale Androgenblockade (MAB)
6.6.1 Monotherapie mit Antiandrogenen
6.6.2 Die intermittierende Androgenblockade (IAB)
7 Ernährungsempfehlung bei Hormontherapie
7.1 Übergewicht und Muskelabbau
7.1.1 Tipps für Ihre Ernährung
7.2 Veränderungen des Fettstoffwechsels
7.2.1 Tipps für Ihre Ernährung
7.3 Insulinresistenz
7.3.1 Tipps für Ihre Ernährung
7.4 Kardiovaskuläres Risiko
7.4.1 Tipps für Ihre Ernährung
7.5 Osteoporose
7.5.1 Tipps für Ihre Ernährung
7.6 Küchentechniken
8 Therapieoptionen bei hartnäckigen Tumoren
8.1 Tumorwachstum trotz Testosteronentzug
8.2 Erweiterung des antihormonalen Therapieansatzes
8.2.1 Erste Option: Aufnahmehemmung des Testosterons mit Bicalutamid
8.2.2 Zweite Option: Abirateron und Enzelutamid
8.2.3 Dritte Option: Intravenöse Chemotherapie
8.2.4 Vierte Option: Sequenztherapie
8.3 Ergänzende und supportive Therapiemaßnahmen
8.3.1 Einnahme von Zoledronsäure
8.3.2 Einnahme von Denosumab
8.3.3 Lokale Bestrahlung
8.3.4 Gabe von Radium 223
8.4 Was kann man noch tun?
9 Ernährungsempfehlungen unter Chemotherapie
9.1 Werden Sie Teil des Therapie-Teams
9.2 Tumorkachexie
9.2.1 Tipps für Ihre Ernährung
9.3 Übelkeit und Erbrechen
9.3.1 Tipps für Ihre Ernährung
9.4 Durchfall
9.4.1 Tipps für Ihre Ernährung
9.5 Veränderungen der Geschmackswahrnehmung
9.5.1 Tipps für Ihre Ernährung
9.6 Entzündungen und Pilzinfektionen im Mund
9.6.1 Tipps für Ihre Ernährung
9.7 Kau- und Schluckbeschwerden
9.7.1 Tipps für Ihre Ernährung
9.8 Ohne Nahrung geht es nicht
Teil III Nach der Therapie
10 Rehabilitationsmaßnahmen
10.1 Was bedeutet Rehabilitation?
10.1.1 Ziele einer Reha
10.2 So beantragen Sie Ihre Reha-Maßnahme
10.2.1 Der Antrag
10.2.2 Welche Rehabilitationsklinik?
10.3 Das leistet die Reha
10.3.1 Ambulant oder stationär?
10.4 Mit oder ohne Partnerin in die Reha?
10.4.1 Die Nöte der Partnerin ernst nehmen
10.4.2 Gemeinsam in die Reha
10.5 So bereiten Sie sich vor
10.6 Was erwartet Sie in der Reha und was erwarten Sie von der Reha?
10.6.1 Ihr persönlicher Therapieplan
10.7 Rehabilitationsziele und Therapiebausteine
10.7.1 Rehabilitationsfähigkeit
10.7.2 Rehabilitationsziel: Verbesserung der urologischen Funktionen
10.7.3 Rehabilitationsziel: Steigerung der Kondition
10.7.4 Rehabilitationsziel: Verbesserung der selbstständigen Handhabung
10.7.5 Rehabilitationsziel: psychische Stabilisierung
10.8 Therapie bei Belastungsharninkontinenz
10.8.1 Training für den Beckenboden
10.8.2 Akupunktur
10.9 Therapie persistierender Schmerzen
10.9.1 Legen eines Schmerzkatheters
10.9.2 Schmerzintensität
10.9.3 Schmerzformen
10.10 Allgemeiner körperlicher Aufbau
10.10.1 Ausdauertraining
10.10.2 Krafttraining
10.10.3 Koordinationstraining
10.11 Verhaltensänderung durch Beratung und Seminare
10.12 Psychische Stabilisierung
10.12.1 Die Psyche unterstützen
10.12.2 Werden Sie kreativ
10.13 Beratung durch den Sozialdienst
10.14 Selbsthilfe
11 Harninkontinenz
11.1 Grundlagen zur Harnkontinenz
11.1.1 Risikoeinschätzung
11.1.2 Komponenten des Harnröhrenverschlusses
11.1.3 Ursachen der Inkontinenz nach radikaler Prostatektomie
11.2 Inkontinenzformen
11.2.1 Messung der Belastungsharninkontinenz
11.2.2 Drang- und Mischinkontinenz
11.2.3 Miktionstagebuch
11.3 Wege zur Verbesserung der Harninkontinenz
11.3.1 Veränderungen des Lebensstils
11.3.2 Blasentraining
11.4 Beckenbodentraining
11.4.1 Anatomie des Beckens
11.4.2 Was leistet das Beckenbodentraining?
11.5 Medikamentöse Therapie bei Belastungsharninkontinenz
11.5.1 Therapie mit Duloxetin bei Männern
11.5.2 Therapie mit Anticholinergika
11.6 Hilfsmittelversorgung
11.6.1 Aufsaugende Versorgung
11.6.2 Systeme zum Auffangen des Urins
11.6.3 Eher nicht zu empfehlen: mechanisch komprimierende Hilfsmittel
11.7 So kommen Sie im Alltag zurecht
12 Erektionsstörungen
12.1 Prostatakrebs hat Folgen für Partnerschaft
12.1.1 Heilung – Kontinenz – Potenz
12.2 Was ist Sexualität überhaupt?
12.2.1 Bewusste Sexualität
12.2.2 Veränderung der Sexualität im Alter
12.3 Was passiert bei der Behandlung des Prostatakarzinoms?
12.3.1 Ziel der sexuellen Rehabilitation
12.4 Hat sich Ihre Sexualität verändert?
12.5 Veränderung in der Paarbeziehung
12.5.1 Professionelle Unterstützung durch Ärzte und Psychologen
12.5.2 Die Rückkehr zur Sexualität
12.6 Therapie der 1. Wahl: Phosphodiesterase-Hemmer
12.6.1 Siegeszug von Viagra® und Co.
12.7 Therapien der 2. Wahl
12.7.1 Alprostadil (Prostaglandin E1; PGE1)
12.8 Therapie der 3. Wahl
12.9 »Die schönste Nebensache der Welt«
12.9.1 Das Dilemma der Partnerin
12.9.2 Sprechen Sie miteinander
12.9.3 Ihre Bedürfnisse in der Partnerschaft
12.9.4 Das »Kuschelhormon« Oxytocin
13 Ernährung nach der Behandlung
13.1 Nach dem Krebs gesund bleiben
13.1.1 Mangelernährung richtig ausgleichen
13.1.2 Lactofermentierte Lebensmittel
13.1.3 Ausreichend Flüssigkeit
13.1.4 Vermeiden Sie Risikofaktoren
13.1.5 Nahrungsergänzungsmittel
13.1.6 Besonders empfehlenswerte Lebensmittel
14 Regelmäßig zur Nachsorgeuntersuchung
14.1 Wie läuft die Nachsorge?
14.1.1 Zusätzliche Untersuchungen bei Nachsorgekontrollen
14.2 Therapiemöglichkeiten bei PSA-Rezidiv
Teil IV Psychosoziale Aspekte
15 Wege der Krankheitsverarbeitung
15.1 Gedankenkreise
15.1.1 Gesundheit ist mehr
15.1.2 Schreckensmoment: Die Diagnose
15.1.3 Die Zeit der Behandlung
15.1.4 In die Normalität zurückfinden
15.1.5 Rückkehr in den Beruf
16 Behandlungsbedürftige psychische Belastungen
16.1 Über den Sinn der Angst
16.1.1 Reden Sie über Ihre Ängste
16.2 Ein neues Körpergefühl entwickeln
16.3 Veränderungen der Sexualität
16.3.1 Gemeinsam Lösungen finden
17 Das Leben der anderen
17.1 Das richtige Maß
17.1.1 Veränderungen in der Partnerschaft
17.1.2 Miteinander reden
17.1.3 Klar und eindeutig sein
17.1.4 Gemeinsame Unternehmungen
17.1.5 Pflegen Sie Ihre Partnerschaft
17.1.6 Gespräche über Sex
17.1.7 Gespräche mit Ihren Kindern
18 Was tun, wenn Heilung nicht möglich ist?
18.1 Umfassend informieren
18.2 Schmerzen wirksam bekämpfen
18.3 Fatigue
18.4 Den Weg zu Ende gehen
19 Hilfen und Informationen
19.1 Professionelle psychosoziale Hilfen und Hilfen zur Selbsthilfe
19.1.1 Sozialdienst im Krankenhaus
19.1.2 Rehabilitation
19.1.3 Krebsberatungsstellen
19.1.4 Ambulante Psychotherapie
19.1.5 Seelsorge
19.1.6 Mildred-Scheel-Akademie
19.1.7 Kinder krebskranker Eltern
19.1.8 Berufliche Wiedereingliederung
19.1.9 Partnerschaft und Sexualität
19.1.10 Palliativmedizin:
19.1.11 Selbsthilfe
19.1.12 Bücher von Betroffenen für Betroffene
20 Danksagung
21 Die Autoren dieses Patienten-Ratgebers
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Getty Images |
1 Was ist Prostatakrebs?
2 Der Weg zur Diagnose
3 Die Therapieentscheidung – Sie entscheiden mit
Prostatakrebs, der häufigste bösartige Tumor bei Männern, wird heute dank der verschiedenen Methoden der Früherkennung frühzeitig entdeckt.
Georges Akoa
Wissen nützt, denn nicht jede Veränderung der Prostata ist gleichbedeutend mit Krebs und nicht jede Prostatakrebserkrankung ist gleichbedeutend mit schwerem Leiden.
Die alten Schriften erzählen nicht viel über die Prostata. Vom Altgriechischen stammend »Λprotát ēs« »Vorsteher, Türsteher« ca. 300 v. Chr., fand die Erstbeschreibung des Organs durch Herophilos von Chalkedon statt. Die Wiederentdeckung erfolgte erst 1536 durch Niccolò Massa und 1538 erschienen die ersten Skizzen von der Hand des flämischen Anatomen Andreas Vesalius. Obwohl viel über die Prostata geredet wird, wissen die allerwenigsten, wo sie liegt und welche Aufgaben sie genau hat.
Markus W.
Was wussten Sie vor der Diagnose über die Funktion und Anatomie der Prostata?
Über die genaue Funktion und Anatomie der Prostata wusste ich nur wenig. Sie wurde erst vor ein paar Jahren aufgrund des etwas erhöhten PSA-Wertes von etwa 4 ng/ml ein Thema. Ich radelte viel, die Prostata war nicht auffällig und weich. Deswegen war es erst mal ein Beobachten und regelmäßiges Kontrollieren des Wertes.
Die Bezeichnung »Prostata« leitet sich von »prostates«, dem griechischen Wort für »Vorsteher« ab. Man findet sie vor der Harnblase, wenn man vom Damm zur Harnblase vordringt. Die Prostata liegt auch zwischen der Harnblase und dem Beckenboden. Sie umgreift ringförmig die Harnröhre vom Blasenausgang bis zum äußeren Harnröhrenschließmuskel. Mit der Rückseite grenzt sie an den Enddarm (Rektum) und ist von dort aus tastbar. Vor ihr befindet sich der Unterrand des Schambeins, mit dem sie fest verbunden ist. Nach oben und hinter der Prostata finden sich die Samenblasen und die Samenleiter, die schräg entlang der Prostata verlaufen. Die Samenleiter und die Ausführungsgänge der Samenblasen bilden zusammen die sogenannten Spritzkanälchen, die die Prostata durchziehen und am Samenhügel nahe dem äußeren Harnröhrenschließmuskel in die prostatische Harnröhre münden.
Die Prostata ist ein fibromuskuläres und drüsiges Organ, d. h., sie besteht aus gefäßreichem Bindegewebe, Muskelfasern und zahlreichen Drüsen (30–50 Einzeldrüsen), die mit ihren 15–25 Ausführungsgängen in die Harnröhre neben dem Samenhügel münden. Eine feste Bindegewebskapsel umgibt das prostatische Drüsengewebe und unterteilt es in fünf Lappen: zwei Seitenlappen und jeweils einen Vorder-, Mittel- und Hinterlappen. In der Praxis ist die Gliederung in vier Zonen üblich, diese Aufteilung verhilft zu einem besseren Verständnis des anatomischen Aufbaus der Prostata. Man unterscheidet:
periphere Zone (Außenzone): Sie macht bei erwachsenen Männern ca. 70 Prozent des Gesamtvolumens der Prostata aus. Nur dieser Teil ist vom Darm aus zu tasten und steht unter Testosteroneinfluss.
Übergangszone (Innenzone): Sie macht 5 Prozent des Volumens der Prostata aus und steht unter Östrogeneinfluss.
zentrale Zone: Sie macht 25 Prozent des Volumens der Prostata aus und befindet sich unmittelbar um die Harnröhre.
anteriore Zone (vordere Zone): Sie befindet sich vor der Harnröhre. Dieser Bereich ist klein, hat kaum noch Drüsen und besteht fast nur aus Bindegewebe und Muskulatur.
Die Prostata ist sehr gut durchblutet, die Blutversorgung und die Lymphabflusswege der Prostata stehen in enger Verbindung mit denen des Enddarms und der Harnblase. Zudem ist sie von vielen Nervenfasern umgeben. Die Nervenversorgung erfolgt durch Fasern des unwillkürlichen Nervensystems (Parasympathikus und Sympathikus).
Die Anatomie der Prostata
(Markus Voll, München)
Die Prostata oder Vorsteherdrüse wird sehr oft als walnussgroßes oder kastaniengroßes Organ bezeichnet. Diese Darstellung beschreibt die normale gesunde Prostata bei einem jungen Mann, die ein Gewicht von ca. 20 bis 25 g bzw. ein Volumen von 20 bis 25 ml hat. Mit zunehmendem Alter kann das Gewicht der Prostata auf über 100 g ansteigen.
Die wenigsten Männer und Frauen wissen, dass die Prostata genauso wie die Hoden für die Fortpflanzung unverzichtbar ist. Für das Lustempfinden des Mannes sind beide Organe wichtig. Wie Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Samenstrang und Samenblase gehört sie zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen.
Erst während der Pubertät beginnt die Prostata unter dem Einfluss des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zu wachsen und ihre Funktion, die Sekretbildung, zu erfüllen. Die Prostata selbst produziert keine Hormone, sie ist aber in erheblichem Maß am männlichen Hormonstoffwechsel beteiligt. In der Prostata findet durch den Einfluss von Enzymen (5α-Reduktase) die Umwandlung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron in seine biologisch aktivste Form, das Dihydrotestosteron (DHT), statt. Das Dihydrotestosteron ist verantwortlich für die vermehrte Teilung der Prostatazellen und somit für die Größenzunahme der Prostata.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Prostata besteht darin, einen Teil der Samenflüssigkeit zu produzieren, welche die Samenzellen transportiert. Diese Flüssigkeit ist für die Beweglichkeit der Samenzellen und somit für ihre Befruchtungsfähigkeit sehr wichtig. Sie enthält unter anderem zahlreiche andere Stoffe wie zum Beispiel Enzyme (Fermente). Das sind Eiweiße mit wichtigen Aufgaben. Hierzu gehört auch das prostataspezifische Antigen, abgekürzt PSA, das für die Verflüssigung des Spermas benötigt wird. Zu einem sehr geringen Anteil gelangt das PSA in den Blutkreislauf und kann nach einer Blutabnahme im Labor gemessen werden.
Beim Geschlechtsverkehr müssen die Samenzellen mit dem Prostatasekret vermischt werden. Diese sogenannte Emission geschieht in dem von der Prostata umschlossenen Teil der Harnröhre. Aktiviert durch Nervenimpulse pressen die Samenleiter die Spermien und die Samenblasen ihr Sekret in die Harnröhre. Dorthin wird auch das Prostatasekret abgegeben.
Die Muskulatur von Prostata und Blasenhals sorgt dafür, dass das nun entstandene Sperma nicht in die Harnblase gelangt. Beim anschließenden Samenerguss (Ejakulation) ziehen sich die Beckenbodenmuskeln und die Muskulatur um die inneren Teile der Schwellkörper rhythmisch zusammen und befördern so das Sperma durch die Harnröhre nach außen. Diese rhythmischen Kontraktionen der Prostatamuskulatur bilden einen wesentlichen Teil des männlichen Orgasmus.
Die Prostata ist andererseits auch am Verschluss der Harnblase beteiligt. Beim Wasserlassen werden die Spritzkanälchen und die Ausführungsgänge der Prostata durch die Muskulatur von Blase und Prostata verschlossen. So wird gewährleistet, dass kein Urin eindringen kann.
Unter dem Begriff »Prostatatumoren« werden sowohl gut- als auch bösartige Veränderungen der Prostata zusammengefasst. Sowohl deren Entstehung als auch die Therapie sind sehr unterschiedlich.
Der gutartige Tumor der Prostata entsteht im Bereich der Übergangszone und macht sich hauptsächlich durch eine Blasenentleerungsstörung bemerkbar.
Der Ursprungsort des bösartigen Tumors der Prostata befindet sich meist in den Seitenlappen. Dieser Tumor wächst sehr langsam. Bis Beschwerden auftreten können viele Jahre vergehen.
Die Prostata, die bei einem Neugeborenen nur zwei Gramm wiegt, durchläuft zwei wichtige Wachstumsphasen: Die erste Wachstumsphase findet in der Pubertät statt. Unter Einfluss des Testosterons (männliches Geschlechtshormon) entwickelt sich die Prostata zu einem funktionstüchtigen Organ.
Die zweite Phase der Entwicklung beginnt etwa mit dem 25. Lebensjahr und führt mit zunehmendem Alter zur sogenannten benignen Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung). Die genauen Ursachen für die Entstehung einer gutartigen Prostatavergrößerung sind nach wie vor nicht vollständig geklärt worden und werden weiter erforscht.
Folgende Faktoren können zur Entwicklung einer gutartigen Prostatavergrößerung führen:
Alter
genetische Faktoren (gutartige Prostatavergrößerung in der Familie)
Bewegungsmangel
chronische Prostatitis (chronische Prostataentzündungen)
Adipositas (Fettleibigkeit)
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
Obwohl die Rolle von Ernährung, Rauchen und Alkohol noch nicht geklärt ist, scheint eine gesunde Lebensweise mit gesunder Ernährung und viel Sport die Entstehung der gutartigen Prostatavergrößerung zu bremsen.
Die Entwicklung einer gutartigen Prostatavergrößerung findet üblicherweise in der Übergangszone und in der zentralen Zone (um die Harnröhre) statt. Bei einer entsprechenden Größenzunahme kann es zu einer deutlichen Einengung der Harnröhre und als Folge davon zu einer Harnabflussstörung und zu Veränderungen in der Harnblase und den Nieren kommen.
Das benigne Prostatasyndrom (BPS) beschreibt ein Krankheitsbild, in dem unterschiedliche Zusammenhänge zwischen Prostatavergrößerung, Symptomen (Beschwerden) des unteren Harntraktes (Harnblase und Harnröhre) und Blasenauslassobstruktion (Blasenauslassenge) zusammenwirken. Der früher gebräuchliche Begriff der benignen Prostatahyperplasie (BPH) beschreibt hingegen nur den histologischen Befund.
In Deutschland haben etwa 40 Prozent der Männer im Alter über 50 Jahren behandlungsbedürftige Beschwerden des unteren Harntraktes (Blase und Harnröhre). Nur knapp 20 Prozent von ihnen haben einen verminderten Harnstrahl, was für ein Blasenabflusshindernis spricht. Und etwa ein Drittel dieser Männer weist eine vergrößerte Prostata auf. Einige Untersuchungen haben gezeigt, dass die Prostatavergrößerung, die Harnstrahlabschwächung und die Beschwerden mit dem Alter deutlich zunehmen. Etwa die Hälfe der über 60-jährigen und nahezu 90 Prozent der über 80-jährigen Männer entwickeln ein benignes Prostatasyndrom.
Die Vergrößerung der Prostata bestimmt nicht immer den Schweregrad der Beschwerden. Eine sehr große Prostata kann wenige Beschwerden bereiten, während manche schon bei geringer Vergrößerung große Beschwerden haben. Die Harnblase muss den Widerstand der vergrößerten Prostata überwinden. Dies führt zu einer Irritation der Blase, da die Harnblase Reize aussendet, damit sie sich noch entleeren kann. Beim benignen Prostatasyndrom werden verschiedene Symptome unterschieden:
Blasenentleerungssymptome(obstruktive Symptome):
Startverzögerung beim Wasserlassen (es vergeht Zeit, bis die Entleerung beginnt)
Bauchpresse-Einsatz (man presst, um die Blase zu entleeren)
schwacher Harnstrahl (der Strahl ist nicht mehr kräftig)
Restharngefühl (die Harnblase kann nicht mehr vollständig entleert werden)
Nachträufeln am Ende des Wasserlassens
Blasenspeichersymptome(irritative Symptome):
Pollakisurie (man muss öfter am Tag zur Toilette gehen als früher)
imperativer Harndrang (plötzlicher, unwiderstehlicher Harndrang)
Nykturie (häufiges Wasserlassen in der Nacht)
Dranginkontinenz (starker Harndrang mit unwillkürlichem Urinverlust)
schmerzhaftes Wasserlassen (Aligurie)
Das Fortschreiten der gutartigen Prostatavergrößerung verläuft sehr langsam. Bis Beschwerden auftreten, können viele Jahre vergehen. Deshalb kann man den Verlauf der Erkrankung und die dabei auftretenden Beschwerden je nach Schweregrad in drei Stadien (Stufen) unterteilen:
Stadium 1 oder Reizstadium: verzögerter Miktionsbeginn, häufiges und nächtliches Wasserlassen, keine Restharnbildung
Stadium 2 oder kompensierte Erkrankung: Restharnbildung und Zunahme der Miktionsbeschwerden.
Stadium 3 oder dekompensierte Erkrankung: zunehmende Restharnbildung mit Überlaufblase, Harnstauungsnieren bis zum Nierenversagen.
Unterbleibt im fortgeschrittenen Stadium eine entsprechende Therapie, so können folgende Komplikationen auftreten:
akuter Harnverhalt: Die Harnblase kann spontan nicht mehr entleert werden.
häufige Harnblasenentzündungen aufgrund der Restharnbildung
Harnblasensteine: Kleine Harnsteine verbleiben in der Blase und werden immer größer.
Blutbeimengungen zum Urin: Durch Pressen beim Wasserlassen kann eine von der vergrößerten Prostata gestaute Vene am Harnröhrenanfang platzen.
Harnblasendivertikel (entsteht durch Ausstülpung der Blasenwand, was Steinbildung und Entzündung begünstigt)
Harnstauungsnieren mit der Gefahr der Nierenbeckenentzündung bis zum Nierenversagen
Wegen zunehmender irritativer Miktionsbeschwerden mit Pollakisurie, Nykturie, imperativen Harndrangs, zudem Restharnbildung, verspüren die meisten der Betroffenen einen deutlichen Leidensdruck, der sie zum Arzt führt, weil die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist.
Bei der Untersuchung wird Ihr Urologe primär klären, ob Ihre Beschwerden durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata oder eine andere Erkrankung verursacht werden. Die Diagnostik richtet sich nach den Leitlinien der Deutschen Urologen und umfasst neben der Basisdiagnostik auch eine erweiterte Diagnostik:
Anamnese (Vorgeschichte): Dabei können sogenannte Symptom- und Lebensqualitätsfragebögen (Internationaler Prostata-Symptomen-Score, abgekürzt IPSS) eingesetzt werden. Sie helfen bei der Feststellung und Beurteilung (leicht – mittel – schwer) der Beschwerden und sind auch gut geeignet für eine Verlaufskontrolle.
Körperliche Untersuchung und Abtasten der Prostata: Bei der rektalen Untersuchung erfolgt eine Beurteilung der Abgrenzbarkeit der Prostata von der Umgebung, von Größe und Konsistenz und eventuell der Nachweis von Verhärtungen der Prostata.
Urinuntersuchung: In erster Linie wird Urin auf Blutbeimengungen und Infektionszeichen untersucht. Diese Routineuntersuchungen sind notwendig, da eine Restharnbildung zu einer Harnblaseninfektion und diese wiederum zu einer Prostataentzündung führen kann. Blutbeimengungen können auf eine geplatzte Vene durch eine vergrößerte Prostata oder einen Blasentumor hindeuten.
Blutuntersuchung: Neben normalem Blutbild, Nierenwerten und Elektrolyten kann auch das PSA (prostataspezifisches Antigen) bestimmt werden. Die Bestimmung des PSA erfolgt nicht routinemäßig, wird aber im Rahmen der Früherkennung des bösartigen Prostatatumors von den Urologen empfohlen. Bei einer Vergrößerung der Prostata kann der Wert Hinweise auf ein Voranschreiten der Erkrankung geben.
Sonografie: Zum Ausschluss einer Harnstauungsniere, zur Restharn- oder Größenbestimmung der Prostata wird mit speziellen Schallsonden ein sogenannter transrektaler Ultraschall (TRUS) durchgeführt.
Uroflowmetrie: Es handelt sich um eine Messung der Stärke des Harnstrahls in Milliliter (ml) pro Sekunde. Dabei sollte die Harnblase mit mindestens 150 ml Urin gefüllt sein. Das Messergebnis wird grafisch dargestellt. Die Messkurve gibt anschließend Auskunft über die Beeinträchtigung des Harnstrahls beispielsweise durch eine Vergrößerung der Prostata oder mögliche Einengungen der Harnröhre.
Prostataspezifisches Antigen
Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist eine Serinprotease – ein Enzym, das ausschließlich vom Drüsenepithel der Prostata und den periurethralen Drüsen (»um die Harnröhre herum«) produziert wird. Es dient der Samenverflüssigung.
Als PSA-Test wird die Messung der PSA-Konzentration im Blutserum bezeichnet. Ab einem Wert von über 4 ng/ml besteht Klärungsbedarf. Ein erhöhter PSA-Wert kann daher mit einer Veränderung der Prostata einhergehen. Diese muss aber nicht immer bösartig sein: Bei einer benignen Prostatahyperplasie können die Werte ebenso erhöht sein wie bei einer Prostatitis, der Entzündung der Prostata. Auch Radfahren, eine Prostatamassage oder eine Ejakulation führen zu einem erhöhten PSA-Wert.
Im Einzelfall nützliche ergänzende erweiterte Untersuchungen sind:
Miktionsprotokoll: Der Patient kann in einem Protokoll zwei bis drei Tage jedes Wasserlassen mit Uhrzeit und der jeweiligen Urinmenge eintragen.
Urodynamik (Druck-Fluss-Messungen): Die Untersuchung wird nur bei besonderer Fragstellung durchgeführt. Sie soll helfen, zwischen Blasenauslasseinengung und Blasenschwäche zu unterscheiden.
Sonografische Messung der Harnblasenwanddicke bei Verdacht auf Blasenauslasseinengung.
Urethrozystoskopie (Blasenspiegelung): zum Ausschluss von Vernarbungen der Harnröhre oder Tumoren in der Blase
Ausscheidungsurografie: Die Darstellung der Nieren, Harnleiter und der Blase mithilfe von Kontrastmittel. Ist zum Beispiel bei Blut im Urin, rezidivierenden Harnwegsinfektionen oder auffälligem Ultraschallbefund angezeigt.
Oliver K.
Was verstehen Sie unter Gesundheit?
Ich verstehe unter Gesundheit die weitgehende Abwesenheit von körperlichen und seelischen Beschwerden. Durch die sukzessive ansteigenden PSA-Wert habe ich mich mit dem »Krebs« schon seit Jahren beschäftigt. Das Wort »Krebs« signalisierte mir Angst vor Schmerzen, Verlust und Tod. Ich habe einige an Prostatakrebs Erkrankte im Freundes- und Bekanntenkreis. Einige hatten ein Rezidiv nach der Therapie. Da wird man schon nachdenklich.
Die Diagnostik hat die Aufgabe, eine zielgerichtete Behandlung des BPS zu ermöglichen und krankheitsbezogene Komplikationen zu verhindern. Hat sich bei der Diagnostik der Verdacht auf das Vorliegen eines BPS bestätigt, richtet sich die Behandlung nach dem Stadium der Erkrankung, d. h. dem Schweregrad der Beschwerden, dem Leidensdruck des Betroffenen und den Untersuchungsbefunden. Man unterscheidet verschiedene Behandlungsmöglichkeiten des benignen Prostatasyndroms.
Kontrolliertes Zuwarten: Dieses Vorgehen wird bei Patienten mit geringen und mäßigen Beschwerden des unteren Harntrakts (Harnblase und Harnröhre), ohne Leidensdruck, durchgeführt. Folgende Verhaltensmaßnahmen können empfohlen werden: Verzicht oder Reduktion des Koffein- und Alkoholgebrauchs. Als Trinkmenge (Wasser) sollten etwa 1500 ml, über den Tag verteilt, eingenommen werden. Außerdem sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen geplant.
Phytotherapie (Pflanzliche Therapie): Nehmen die Beschwerden zu, können zunächst Pflanzenextrakte (zum Beispiel Kürbiskerne, Extrakte aus Brennnesselwurzeln, Sägezahnpalmenfrüchten) eingesetzt werden. Da die Wirkung vieler dieser Pflanzenextrakte wissenschaftlich nicht belegt wurde, sind sie auch rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen.
Medikamentöse Therapie mit chemischen Arzneimitteln: Die Konzentration von sogenannten Alpha-1-Rezeptoren ist in der Prostata und am Harnblasenhals hoch. Die Alpha-1-Hemmer oder -Blocker (zum Beispiel Tamsulosin, Alfuzosin, Terazosin, Doxazosin) führen zur Erschlaffung der glatten Muskulatur des inneren Schließmuskels am Harnblasenhals und an der Prostata. Die Wirkung dieser Medikamente tritt rasch ein und führt zur Verbesserung des Urinabflusses und zur Linderung der Beschwerden. Die Prostatagröße bleibt unverändert.
5α-Reduktase-Hemmersind Medikamente, die in der Prostata die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen. Dies führt zu einer Verkleinerung der Prostata. Das weitere Wachstum wird verringert. Die Linderung der Beschwerden tritt langsamer ein als bei Alpha-1-Blockern. Aktuell stehen in der Praxis verschiedene Kombinationspräparate zur Verfügung.
Bei »Reizblase« mit Beschwerden wie imperativem Harndrang, Pollakisurie und Nykturie können sogenannte Anticholinergika (Muskarinrezeptorantagonisten) eingesetzt werden. Sie vermindern durch die Einwirkung auf die Harnblasenmuskulatur die Reizbarkeit der Harnblase.
Phosphodiesterase-5-Hemmer: Tadalafil wurde für die Behandlung von Beschwerden des unteren Harntrakts im Herbst 2012 in Deutschland zugelassen.
operative Therapie: Die Indikation zur operativen Therapie besteht, wenn durch medikamentöse Therapie keine Verbesserung von Beschwerden erzielt werden konnte oder Komplikationen aufgetreten sind. Abhängig von der Prostatagröße wird das Prostatagewebe entweder endoskopisch, transurethral (über die Harnröhre) oder durch offene Schnitt-Operation entfernt.
Neben den etablierten Standardverfahren (transurethrale Elektro-Resektion der Prostata (TUR-P), transurethrale Inzision der Prostata (TUI-P) und offene Operation) stehen heute sogenannte minimalinvasive Verfahren wie zum Beispiel
Holmium-Lasertherapie,
transurethrale Mikrowellentherapie (TUMT),
transurethrale Nadelablation der Prostata (TUNA),
fokussierter Ultraschall hoher Intensität (HIFU),
Hybrid-Lasertherapie
zur Verfügung.
Beim Prostatakrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse des Mannes. Anderes als bei dem benignen Prostatasyndrom macht sich der Prostatakrebs am Anfang der Erkrankung überhaupt nicht bemerkbar. Der Grund liegt nicht nur bei der geringen Wachstumsgeschwindigkeit – im Alter wächst der Tumor sehr langsam; bis Beschwerden auftreten, können viele Jahre vergehen –, sondern auch am Entstehungsort. 80–90 Prozent aller Prostatakarzinome entstehen in der Außenzone der Prostata und sind dort tastbar, wenn sie sich manifestieren, oder bleiben verborgen. Etwa zehn Prozent liegen in der Innenzone (vor und seitlich des Harnröhrenbeginns) und nur wenige in der Zentralzone. Das erklärt den Schock bei vielen Männern, die sich vorher fit und gesund gefühlt haben und plötzlich mit so einer Diagnose konfrontiert werden müssen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Sie den richtigen Zeitpunkt der Diagnose mit besseren Heilungschancen verpassen, weil Sie sich gesund fühlen und dadurch die ▶ Vorsorgeuntersuchungen nicht ernst nehmen.
Man unterscheidet zwei Formen des Prostatakarzinoms:
Adenokarzinom: bösartiger Tumor, der aus Drüsengewebe hervorgegangen ist. Es stellt die überwiegende Mehrzahl der Prostatakrebse dar. Bei frühzeitiger Diagnose mit guter Prognose verbunden.
Neuroendokrines Karzinom: seltene Unterform des Karzinoms. Es nimmt seinen Ursprung im Neuroektoderm (Neuralleiste). Es ist mit niedrigen PSA-Werten und schlechter Prognose verbunden.
Haben Sie mit der Diagnose gerechnet?
Krebs? Prostatakrebs – ich glaube, das ist etwas, das andere haben und bekommen – doch nicht ich. So ist häufig das Denken – so war es bei mir, weil ich nichts Besonderes bemerkte. Ich meinte, dass ich so fit bin, dass mich das gar nichts angeht. Mein Wohlbefinden, ja – man muss schon mal schneller zur Toilette, aber deswegen sich Sorgen machen – oder gar Krebs – nein, doch nicht bei mir. So geht das Denken!!!
Krebs entsteht allgemein durch veränderte Erbinformationen einzelner Zellen unter Einfluss von sogenannten Zellgiften wie zum Beispiel Umweltfaktoren, Strahlung und Chemikalien, Alkohol, Tabakrauch. Häufig kommt eine genetische Veranlagung hinzu. Gehäufte Erkrankungen in der nahen Verwandtschaft sollten Sie hellhörig machen.
Unter diesen schädigenden Einflüssen können Zellen entarten und beginnen, unkontrolliert zu wachsen. Ein bösartiger (maligner) Tumor oder ein Malignom entsteht. Zahlreiche Kontrollmechanismen der Zellen, die eigentlich unkontrolliertes Wachstum verhindern sollen, funktionieren nicht mehr. Der Tumor sichert seine eigene Blutzufuhr. Durch Wachstum dringt ein bösartiger Tumor in umliegende Gewebe ein. Im fortgeschrittenen Stadium verteilen sich einzelne Krebszellen über die Blut- oder Lymphbahnen in anderen Organen und bilden dort Metastasen (Tochtergeschwülste).
Bei Prostatakrebs weiß man, dass die Wachstumsgeschwindigkeit sehr niedrig ist, d. h., der Prostatakrebs wächst sehr langsam. Bei gleichbleibender Zellteilungsrate bedeutet dies, dass es viele Jahre dauern kann, bis aus einer einzelnen, winzigen Krebszelle ein kleiner Tumor heranwächst, der sich im Sinne eines tastbaren Knotens mit oder ohne PSA-Anstieg manifestieren kann. Die Zeitspanne zwischen dem ersten Nachweis histologischer (geweblicher) Veränderungen und dem Auftreten klinischer Symptome beträgt mehrere Jahre. Angegeben werden Zeitspannen zwischen 9,4 und 15,9 Jahren.
Von der Außenzone, dem Entstehungsort von Prostatakrebs, breitet sich der Tumor zunächst Richtung Apex (Prostataspitze) aus oder befällt die anderen Zonen. Man spricht von einem lokal begrenzten Prostatakarzinom. Kommt es zur Infiltration der Samenblasen und benachbarter Organe, wie zum Beispiel Harnblase oder Mastdarm, handelt sich hier um ein lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom. In der Praxis werden vier klinische Manifestationsformen des Prostatakarzinoms unterschieden:
Latentes Prostatakarzinom (auch »schlafender« Tumor genannt): Es handelt sich um Prostatakrebs, der zu Lebzeiten des Patienten nicht auffällig geworden war, zu keinen Beschwerden geführt hat und nur zufällig bei der Autopsie entdeckt wurde. In Autopsiestudien wurde festgestellt, dass der Anteil der Männer mit latentem Prostatakrebs mit dem Alter steigt.
Inzidentelles Prostatakarzinom: Diagnose anhand einer transurethralen Prostataresektion (TUR-P) wegen eines benignen Prostatasyndroms, ohne vorher bestehenden Verdacht auf Prostatakarzinom.
Manifestes Prostatakarzinom: Es handelt sich um Prostatakrebs, der rektal getastet oder mit transurethralem Ultraschall (TRUS) dargestellt oder durch erhöhten PSA-Wert vermutet und mittels Stanzbiopsie der Prostata gesichert wurde.
Okkultes (verborgenes) Prostatakarzinom: Hierbei manifestiert sich der Prostatakrebs durch Metastasierung (Tochtergeschwülste), der Tumor selbst ist durch Untersuchungen nicht zu finden.
Die genaue Ursache von Prostatakrebs ist nicht bekannt. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Ätiologie (Ursache) des Prostatakarzinoms multifaktoriell, d. h. durch viele Faktoren oder Einflüsse, bedingt. Bislang wurden einige Faktoren identifiziert, die sicher mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert sind. Als gesicherte Risikofaktoren gelten:
Der Prostatakrebs ist selten unter 50 Jahren bei Männern. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Mann, an einem bösartigen Tumor der Prostata zu erkranken. Während die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten zehn Jahre an Prostatakrebs zu erkranken, bei einem 45-Jährigen bei etwa 1 : 220 liegt, steigt das Risiko bei einem 75-jährigen Mann auf 1 : 17. Der größte Risikofaktor für die Entwicklung von Prostatakrebs ist das Alter.
Altersspezifische Entwicklungsraten bei Prostatakrebs in Deutschland
(Martina Berge, Stadtbergen)
Die familiäre Häufung von Prostatakrebs ist seit über 50 Jahren bekannt. Das Risiko, an einem Prostatakrebs zu erkranken, steigt mit der Anzahl der erkrankten Familienmitglieder und deren Alter zum Erkrankungszeitpunkt steil an. Bei mehreren erkrankten erstgradigen Verwandten steigt das Erkrankungsrisiko auf das 5- bis 11-Fache. Der Prostatakrebs kann in drei Verhaltensmerkmale unterteilt werden:
Sporadisch Es handelt sich um einen Prostatakrebsfall ohne Familienvorgeschichte (rund 75 Prozent der Fälle).
Familiär Dabei geht es um einen Prostatakrebsfall, bei dem mindestens zwei erstgradig Verwandte (Vater, Bruder, Sohn) oder ein erstgradig und zwei oder mehr zweitgradig Verwandte betroffen sind (rund 20 Prozent der Fälle). Männer, deren Väter an Prostatakrebs erkrankt sind oder waren, haben ein mindestens doppelt so hohes Risiko, bei einem Bruder mit Prostatakrebs ist das Risiko bis zu dreimal so hoch wie in der übrigen männlichen Bevölkerung. Das Risiko steigt, je jünger die Familienangehörigen zum Zeitpunkt der Diagnose waren, je enger verwandt und zahlreicher sie sind oder waren.
Hereditär (erblich) Ein hereditärer Prostatakrebs (rund 2,5 Prozent der Fälle) liegt vor, wenn einer der folgenden Punkte erfüllt ist:
Prostatakrebs bei drei Verwandten ersten Grades (Vater, Bruder, Sohn)
Prostatakrebs bei drei aufeinanderfolgenden Generationen
Prostatakrebs bei zwei Verwandten ersten Grades, wenn beide bis zu einem Alter von 55 Jahren diagnostiziert wurden.
Es erscheint naheliegend, dass man bei Prostatakrebserkrankung eines Familienangehörigen mit der Vorsorgeuntersuchung früh beginnen soll. In diesem Fall sollten Sie ab dem 40. Lebensjahr zur Früherkennungsuntersuchung gehen.
Das Risiko für Prostatakrebs ist in verschiedenen Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich, gering bei den Asiaten, häufiger bei afroamerikanischen Männern als bei weißen amerikanischen Männern, höher in Nordeuropa als in Südeuropa. Diese Verteilung lässt auf folgende Faktoren schließen: Ernährung, Umwelteinflüsse und Veranlagung. Der schlechtere Zugang zur medizinischen Versorgung – wie er in Amerika für Dunkelhäutige der Fall ist – könnte auch eine wichtige Rolle spielen.
Das Dihydrotestosteron, die aktivste Form des Testosterons, ist für die vermehrte Teilung der Prostatazellen und somit für die Größenzunahme der Prostata verantwortlich. Die genaue Rolle der männlichen Geschlechtshormone (Androgene) bei der Entstehung von Prostatakrebs ist nicht eindeutig geklärt. Einiges weist darauf hin, dass sie eine wichtige Rolle spielen könnten. Denn nach der Kastration (Entfernung beider Hoden) oder Hodenverlust vor der Pubertät kann der Mann keinen Prostatakrebs bekommen. Außerdem kommt es zu einer Verkleinerung der Prostata und zur Rückbildung des Prostatakarzinoms, wenn der Testosteronspiegel durch Medikamente im Blut gesenkt wird. Wie auch bei der benignen Prostatavergrößerung hat Testosteron Einfluss auf das Wachstum der Prostatakrebszelle.
Ernährungs- und Umweltfaktoren: Gemäß Studien könnte das Risiko für Prostatakrebs bei kalorien- und fettreicher Ernährung (tierische Fette) steigen. Epidemiologische Arbeiten zeigen, dass Japaner, die in die USA ausgewandert sind, bereits in der zweiten Generation in der gleichen Häufigkeit eine Prostatakrebserkrankung aufweisen wie weiße Amerikaner. Nicht nur die Essgewohnheiten, sondern auch andere Faktoren (zum Beispiel Luftverschmutzung …) könnten dabei eine Rolle spielen – weniger für die Entstehung, sondern mehr für das Wachstum von Prostatakrebs.
Allgemein ist das Krebsrisiko durch Tabakrauchen und Alkohol erhöht. Bei Prostatakrebs wurde in vielen Studien ein Zusammenhang zwischen Rauchen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Diagnose eines metastasierten Prostatakrebses gezeigt.
Möglicherweise könnte die Unfruchtbarkeit zur Prostatakrebsentstehung beitragen.
Bezüglich der Fettleibigkeit gibt es widersprüchliche Angaben.
Infektionskrankheiten: Der Einfluss von Entzündungen in der Entstehung von Prostatakrebs wird schon seit längerem untersucht. Studien zufolge scheint das Erkrankungsrisiko bei sexuell übertragbaren Krankheiten (zum Beispiel Gonorrhö, Syphilis) und Prostatitis (Entzündung der Prostata) erhöht zu sein.
Untersuchungen zu sexueller Aktivität, Vasektomie (Unterbrechung der Samenleiter zum Beispiel wegen Sterilisation des Mannes), gutartiger Prostatavergrößerung, sozialem Status, Körpergröße und Körpergewicht, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) konnten keinen Zusammenhang mit dem Prostatakrebs aufzeigen.
Da die genauen Ursachen für Prostatakrebs zum aktuellen Zeitpunkt wissenschaftlich nicht eindeutig identifiziert werden können, scheint es schwierig, über eine spezifische Prostatakrebsprävention im engeren Sinn zu sprechen. Aber es ist allgemein bekannt und auch in vielen Studien belegt, dass sich körperlich aktive Menschen auch durch spezifische Ernährungsgewohnheiten auszeichnen. Es stellt sich immer wieder die Frage: Kann die Prävention bei einem Prostatakarzinom überhaupt funktionieren?
Der Begriff der Prävention umschreibt generell alle Handlungen, die einer möglichen Gefahr vorbeugen sollen. Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten ein breites Spektrum an sogenannten Phytochemikalien. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Antioxidanzien, Vitamine, Spurenelemente und andere bioaktive Komponenten. Ein hoher Anteil von Obst oder Gemüse an der Nahrung gilt bei mehreren Karzinomen, zum Beispiel dem Kolonkarzinom, als protektiv.
Wie sieht es mit dem Prostatakrebs aus? Seit Jahren wird untersucht, ob und inwieweit Selen, Vitamin E, Lykopen aus verarbeiteten Tomaten, Sojaextrakte, grüner Tee, Carotinoide, Phytoöstrogene sowie die Omega-3-Fettsäuren eine krebsvorbeugende Funktion haben könnten. Die meisten Studien haben bis jetzt nur ernüchternde Ergebnisse gebracht.
Selen/Vitamin E: Selen ist ein Spurenelement, das über Getreide, Fleisch, Fisch und Eier aufgenommen wird. Selen spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Zellmembranen vor oxidativer Zerstörung. Die Selenium- und Vitamin-E-Präventions-Studie (SELECT) wurde 2009 abgebrochen, nachdem keinerlei Einfluss von Selen und sogar mehr Prostatakarzinome unter Vitamin E gesehen wurden. Ein protektiver Effekt einer Vitamin-E-Einnahme scheint ausgeprägter bei Rauchern als bei Nichtrauchern zu sein.
Tomaten/Lycopin: Tomaten sind eine reiche Quelle von Lykopenen. Das Carotinoid wirkt antioxidativ und kommt in Tomaten vor, durch Erhitzung wird die Bioverfügbarkeit gesteigert. Studien zufolge ist eine Senkung von Prostatakrebs bei hohem Lykopengehalt der Nahrung möglich.
Isoflavone (Phytoöstrogene): Phytoöstrogene sind in hoher Konzentration in der Sojabohne, aber auch in Hülsenfrüchten, Getreide und Leinsamen enthalten. Häufige in Soja enthaltende Phytoöstrogene sind Genistein und Daidzein, denen eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird. In den bisher durchgeführten Studien konnte kein präventiver Effekt festgestellt werden.
Grüner Tee: Er enthält Polyphenole und hat eine hohe antioxidative Wirkung. Die Inhaltsstoffe von Tees sind sehr variabel und unter anderem abhängig von Erntezeit und Klimabedingungen. Es besteht ein reduziertes Krebsrisiko bei bestimmten Bevölkerungsgruppen.
Kalzium und Milchprodukte: Eine hohe Kalziumzufuhr kann durch Senkung der Vitamin-D-Produktion das Prostatakrebs-Risiko erhöhen.
Rotwein und Sägepalmöl: widersprüchliche Ergebnisse mit zum Teil präventivem Effekt, zum Teil ohne Effekt.
Eine Empfehlung zur Prävention von Prostatakrebs kann aufgrund der Datenlage nicht ausgesprochen werden. Ein maßvolles Essverhalten basierend auf gesunder, mediterraner, naturbelassener Mischkost mit wenig Fett und Fleisch wird derzeit empfohlen. Die Leitlinie der amerikanischen Krebsgesellschaft (ACS) «Nutrition and physical activity guidelines for cancer prevention« fasst das in vier Hauptempfehlungen zusammen:
Streben Sie ein gesundes Gewicht an.
Seien Sie körperlich aktiv.
Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit dem Schwerpunkt auf pflanzlichen Produkten.
Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum.
Eine medikamentöse Therapie zur Prävention von Prostatakrebs, die sogenannte Chemoprävention, ist derzeit in Deutschland nicht zugelassen, wobei die präventive Wirkung von 5α-Reduktase-Hemmern (Finasterid und Dutasterid) auf die Entstehung von Prostatakrebs in Studien bewiesen wurde. Bei der medikamentösen Behandlung mit 5α-Reduktase-Hemmern wegen Prostatavergrößerung sollte dieser »Nebeneffekt« erwähnt werden, aber auch die Gefahr einer Fehleinschätzung des PSA-Werts durch die Verkleinerung des ebenfalls PSA hervorbringenden gutartigen Prostatagewebes.
Der Prostatakrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und die sechsthäufigste Krebstodesursache mit im Jahr 2008 geschätzt 899 000 Neuerkrankungen und 258 000 Sterbefällen. Die höchsten Inzidenzraten finden sich in den Industrieländern (Nordamerika, Australien, Neuseeland, West- und Nordeuropa). Die höchsten Sterberaten anderseits finden sich in den Ländern mit niedrigem bis mittleren Einkommen (Afrika südlich der Sahara, Südamerika, Karibik).
In Deutschland ist der Prostatakrebs weiterhin die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern. Die Zahl der Neuerkrankungen ist über lange Zeit stetig gestiegen, nimmt seit 2010 (ca. 67 300 Erkrankte) jedoch leicht ab und lag im Jahr 2012 bei rund 63 700 Fällen, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren.
An dieser Stelle ein persönliches Wort
Sie haben sich dieses Buch gekauft. Aus welchem Grund? Ist vielleicht ein naher Verwandter oder ein Bekannter an Prostatakrebs erkrankt? Sind Sie vielleicht sogar selbst betroffen? Ist Ihr PSA-Wert erhöht oder wurde sogar schon eine Diagnose gestellt?
Bei der heutigen Auslastung in den Akutkliniken und Arztpraxen ist es für den Arzt schwierig, wenn nicht gar unmöglich, ausführliche Informationen zu allen Behandlungsmöglichkeiten und ihren Konsequenzen zu vermitteln. Heute möchte meist auch die Partnerin genau wissen, worum es geht, um den Partner bei der Krankheitsbewältigung besser unterstützen zu können. Sie will nicht nur zuhören, sie will auch mitentscheiden können.
Fragen über Fragen gehen Ihnen beiden durch den Kopf. Wir wollen Sie dabei unterstützen, sich durch den Dschungel der Fachbegriffe zu bewegen und die Geschehnisse besser zu verstehen. Nicht jeder erhöhte PSA-Wert bedeutet gleich Krebs, aber etwa 1300 der jährlich neu diagnostizierten Prostatakarzinome sind zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits in die Knochen metastasiert. Dies zeigt, wie wichtig die Früherkennung bei dieser Erkrankung ist.
Die Früherkennung von Prostatakrebs mittels PSA-Test kann zwar das Sterberisiko senken, erhöht aber auch zwangsläufig die Zahl unnötiger Prostatabiopsien und Behandlungen. Und nicht selten wird die Frage gestellt: Welchen Stellenwert hat der PSA-Test in der Früherkennung von Prostatakrebs? Auf alle diese Fragen wollen wir Ihnen Antworten geben.
Für die meisten Frauen in Deutschland ist die jährliche Vorsorgeuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs beim Frauenarzt selbstverständlich. Vielleicht sind sie durch die Schwangerschaften und Geburten hier etwas weniger scheu? Ermutigen Sie Ihren Mann, die Scheu zu überwinden und zum Männerarzt, sprich zum Urologen, zu gehen. Es lohnt sich!
Frauen/Todesursache
Anteil (Prozent)
Männer/Todesursache
Anteil (Prozent)
ischämische Herzkrankheiten
13,3
ischämische Herzkrankheiten
15,6
zerebrovaskuläre Krankheiten
7,6
Lungenkrebs
6,9
Herzinsuffizienz
6,5
zerebrovaskuläre Krankheiten
5,4
Alzheimer-Krankheit und andere Demenz
5,2
chronische Krankheiten der unteren Atemwege
4,2
hypertensive Herzkrankheit, Herz- und Nierenkrankheit
4,6
Herzinsuffizienz
3,7
Brustkrebs
3,8
Darmkrebs
3,2
Lungenkrebs
3,3
Prostatakrebs
3,1
chronische Krankheiten der unteren Atemwege
3,2
Unfälle
2,6
Diabetes mellitus
3,0
Alzheimer-Krankheit und andere Demenz
2,5
Darmkrebs
2,6
Diabetes mellitus
2,4
Quelle Statistisches Bundesamt (2014)
Andreas Al Ghazal
Je früher ein Prostatakrebs erkannt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass durch eine Behandlung eine Heilung erzielt werden kann.
Ziel der Prostata-Vorsorgeuntersuchung ist es, einen Prostatakrebs rechtzeitig oder besser frühzeitig zu erkennen. Durch die regelmäßigen Untersuchungen lässt sich, anders als es der Begriff »Vorsorge« vermittelt, ein Prostatakrebs nicht vermeiden. Zutreffender ist der Begriff »Früherkennungsuntersuchung«. Für die Früherkennung stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung.
Bei der digital-rektalen Tastuntersuchung wird die Prostata durch den Enddarm (lateinisch »rectum«) mit dem Finger (lateinisch »digitus«) abgetastet. Aufgrund der Lage der Prostata unterhalb der Blase und direkt vor dem Rektum ist sie auf diese Weise mit dem Finger am besten zu erreichen und zu beurteilen. Die Digital-rektale Untersuchung, kurz DRU, nimmt nur wenig Zeit in Anspruch und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Dennoch wird sie von einigen Männern als unangenehm oder peinlich empfunden. Die Kosten der DRU werden von den Krankenkassen übernommen. Der Untersucher überprüft die Größe und die Konsistenz der Prostata und kann so unter Umständen einen größeren Krebsherd in der Prostata bereits ertasten. Jedoch bedeutet nicht jeder unauffällige Tastbefund, dass kein Prostatakrebs vorliegt und umkehrt bedeutet ein auffälliger Tastbefund nicht automatisch, dass es sich bei dem Befund um einen Prostatakrebs handelt. Die DRU kann nur einen Hinweis darauf geben, dass eine weitere Prostatakrebs-Abklärung zu empfehlen ist.
Große Studien zeigen, dass mit einer Tastuntersuchung nur etwa jeder dritte Tumor wirklich erkannt wird. Bei Männern, die zusätzlich an einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (BPH) leiden, sind es noch weniger. Somit ist eine alleinige digital-rektale Untersuchung zur Früherkennung nicht ausreichend. Eine Kombination aus der Bestimmung des PSA-Wertes und der DRU erhöht die Genauigkeit der Früherkennungsuntersuchung.
Bei einem transrektalen Ultraschall (TRUS) kann die Prostata ebenfalls über den Enddarm mit Hilfe einer speziellen Ultraschallsonde untersucht werden. Dieses Untersuchungsverfahren wird vom Urologen zur weiteren Beurteilung der Prostata, v.a. zur Größenbestimmung, aber auch zur Beurteilung des Aufbaus der Prostata angewandt. Im Rahmen der Früherkennung hat der TRUS wie jedes andere bildgebende Verfahren aufgrund der Ungenauigkeit und Untersucherabhängigkeit keinen hohen Stellenwert. Ein TRUS muss nicht zwingend durchgeführt werden, kann aber in Kombination mit den Untersuchungsbefunden der DRU und dem PSA-Wert weitere Informationen im Rahmen der Prostatakrebsfrüherkennung erbringen.
Eine sogenannte kurative, also heilende Behandlung eines Prostatakrebses ist nur in einem organbegrenzten, also auf die Prostata beschränkten Stadium möglich. Mithilfe des PSA-Wertes kann ein Prostatakrebs unter Umständen frühzeitig entdeckt werden, lange bevor er Beschwerden bereitet, wenn er in einer digital-rektalen Untersuchung noch nicht zu ertasten ist oder durch andere Untersuchungen sichtbar gemacht werden kann.
Unbehandelt hat ein Prostatakrebs in den häufigsten Fällen einen langsamen Erkrankungsverlauf. In der Regel vergehen vom Zeitpunkt der Diagnose bis zum Auftreten von Beschwerden wie Blutungen oder Schmerzen ca. 10–15 Jahre. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass letztendlich vor allem Männer mit einer entsprechend hohen Lebenserwartung von einer aktiven Therapie eines diagnostizierten Prostatakrebses Vorteile erzielen können.
Viele Männer erkranken jedoch erst im hohen Alter. Dass diese Männer jemals an den Folgen ihres Prostatakrebses leiden oder gar versterben, ist selten.
Ziel der Bestimmung des PSA-Wertes ist eine Früherkennung eines Prostatakrebses in einem frühen Stadium. Es sollen organbegrenzte oder aggressive Tumoren bei bisher beschwerdefreien Patienten mit einer mutmaßlichen Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren erkannt werden. Diesen Patienten soll dann frühzeitig eine potentiell heilende Behandlung des Prostatakrebses angeboten werden können.
Karl-Gustav S.
Wann haben Sie von Ihrer Erkrankung erfahren?
Ich stand kurz vor meiner Rente und ging zum «Gesundheits-Check« zu meinem Hausarzt. Wenn man so will, eine Art TÜV für die Rente. Na klar, der PSA-Wert wird neben Blutdruck, Zucker und Co. mitbestimmt. Gehört zum guten Gesundheits-Check dazu. Und plötzlich sagte mein Hausarzt: »Ihr PSA-Wert liegt bei 7 ng/ml, das ist zu viel. Ich überweise Sie einmal zum Urologen. Der schaut danach.« Mir kam sofort unser Nachbar in den Sinn, der einen ähnlichen PSA-Wert hatte und operiert werden musste. Und ich wollte eigentlich nur fit in die Rente gehen.
Andererseits werden durch die frühere Erkennung im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung auch Prostatakrebse entdeckt, die wahrscheinlich niemals zu Beschwerden geführt hätten, also symptomatisch geworden wären. Bis zum Zeitpunkt des Todes wäre der Prostatakrebs wahrscheinlich niemals in Erscheinung getreten.
Durch die Suche nach noch heilbaren Prostatakrebsen kann es somit im Umkehrschluss letztendlich für einige Männer zu unnötigen Untersuchungen und Behandlungen mit all den damit verbundenen Nebenwirkungen kommen.
Anwendungsgebiete des PSA-Wertes:
dient der Erkennung von Erkrankungen der Prostata (akute oder chronische Entzündung an der Prostata, gutartige Prostatavergrößerung und Prostatakrebs)
dient als Tumormarker im Rahmen der Früherkennung des Prostatakrebses
