Prostatakrebs-Kompass - Dr. med. Ludwig Manfred Jacob - E-Book

Prostatakrebs-Kompass E-Book

Dr. med. Ludwig Manfred Jacob

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Beschreibung

Dieses Buch hat das Ziel, als Kompass zu dienen und einen Weg durch den Dschungel der verschiedensten Meinungen zur richtigen Ernährungs- und Lebensweise bei Prostatakrebs aufzuzeigen. Ist es Zufall, dass überall in der Welt, wo die westliche Ernährungs- und Lebensweise auftritt, nicht nur Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch Prostatavergrößerung und Prostatakrebs epidemieartige Ausmaße annehmen? Was sind die wirklichen Ursachen? Was können wir gegen die Zivilisationskrankheit Prostatakrebs tun? „Prostatakrebs-Kompass“ mit nahezu 1000 zitierten Studien erklärt die vielen Widersprüche in Ernährungsfragen und liefert ein mehrdimensionales Gesamtbild. Es vereint die epidemiologisch und klinisch besten Konzepte zur Ernährungs- und Lebensweise bei Prostatakrebs in einem praxisnahen Aktionsplan. Das Buch richtet sich gleichermaßen an Fachleute, die medizinisch oder ernährungswissenschaftlich tätig sind, wie an alle, die sich fundiert über die Zusammenhänge und Ursachen von Prostataerkrankungen informieren und Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen möchten. Die Empfehlungen sind besonders wertvoll für Männer mit familiär erhöhtem Prostatakrebsrisiko, für Männer mit Niedrigrisiko-Prostatakrebs, die sich für eine aktive Überwachung entschieden haben, sowie für Männer, die nach erfolgter Primärtherapie effektiv das Risiko für ein Rezidiv minimieren wollen. Aus dem Themenspektrum: • Erst wächst das Bauchfett, dann die Prostata, schließlich oft der Prostatakrebs – Zufall oder Kausalität? • Welche Rolle spielen Insulin und IGF-1 bei Prostatakrebs, wie senkt man sie? • Gutartige Prostatavergrößerung und Prostatitis – harmlos oder Risikofaktor? • Welche Ernährungs- und Lebensweise schafft den Nährboden, welche hemmt das Wachstum von Krebs? • Welche Lebensmittel sollte man bei Prostatakrebs essen, welche meiden? • Was ist das Gesundheitsgeheimnis der mediterranen und asiatischen Küche? • Welche Nahrungsergänzungsmittel nützen, welche schaden? • Welche Rolle spielen Kanzerogene, Androgene und Östrogene? • Wie beugt man effektiv Knochenmetastasen vor? • Psychoonkologie: Je schlechter die Prognose, desto wichtiger die Seele • DNA-Zytometrie als wertvolle Entscheidungshilfe (Gleason-Grading – Konsens statt Evidenz, Beitrag von Prof. A. Böcking und Josef Dietz) Mit Geleitwort von Prof. Dr. med. Klippel: Mit „Prostatakrebs-Kompass“ hat Dr. med. L. M. Jacob ein hochaktuelles, wissenschaftlich fundiertes Buch verfasst, das wichtige, bisher eher weniger bekannte „Wahrheiten“ über das Prostatakarzinom einer breiten Öffentlichkeit mitteilt und das nicht nur an Ärzte gerichtet ist, sondern auch und gerade an den Prostatakrebs-Patienten. Das vorliegende Buch von Dr. Jacob setzt nicht nur einen neuen Maßstab in der verständlichen Vermittlung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern auch in der lebens-praktischen Umsetzung wertvoller Ratschläge für Betroffene. Ein neues Standardwerk“, dessen hoher Anspruch voll und ganz erfüllt wird.

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Seitenzahl: 757

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Prostatakrebs-Kompass

Prävention und komplementäre Therapie mit der richtigen Ernährungs- und Lebensweise

Dr. med. Ludwig Manfred Jacob

Gewidmet allen Männern, die selbst Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen wollen, und ihren Familien sowie meinem Doktorvater Prof. Dr. med. K. F. Klippel.

Dr. Jacob’s Institut für komplementär-medizinische Forschungwww.DrJacobsInstitut.de

© 2014 Dr. med. Ludwig Manfred Jacob

Alle Rechte vorbehalten.

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile (auch aller Grafiken und Abbildungen), ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen oder auf digitalen Medien sowie in mündlicher Form z.B. in Vorträgen, bei Funk- und Fernsehsendungen oder über Internetplattformen. Rechte können per E-Mail bei [email protected] angefordert werden.

1. Auflage

ISBN 978-3-9816122-7-1

Nutricamedia Verlag

[email protected]

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

Hinweis

Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden mit größter Sorgfalt vom Autor erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Ebenso ist eine Haftung des Autors bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ausgeschlossen. Erkrankungen mit ernstem Hintergrund gehören immer in ärztliche Behandlung. Bei bereits bestehenden Beschwerden kann das Buch deshalb keinen ärztlichen Rat ersetzen.

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Geleitwort von Prof. Dr. med. K. F. Klippel

Vorwort des Autors

1. Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs

2. Prostatabeschwerden als Zivilisationserkrankung

2.1 Lage, Aufbau und Funktion der Prostata

2.2 Prostatitis und Prostatodynie

2.3 Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

2.4 Lower Urinary Tract Syndrome (LUTS)

2.5 Prostatakrebs als Zivilisationskrankheit

2.5.1 Erst wächst der Bauch, dann die Prostata, dann oft ein Karzinom

2.5.2 Metabolisches Syndrom und Prostatakrebs

2.5.3 Prostatavergrößerung als Vorstufe von Prostatakrebs?

2.5.4 Entzündungen in der Entstehung von Hyperplasie und Prostatakrebs

2.5.5 Entwicklung von BPH und PCa in Asien

2.5.6 Medikamentöse Behandlung von BPH und PCa

3. Entstehung des Prostatakarzinoms

3.1 Schritt für Schritt zum Prostatakrebs

3.2 Zellbiologie des Prostataepithels

3.3 Prostatische intraepitheliale Neoplasie als Krebsvorstufe

3.4 Sind Stammzellen die eigentlichen Übeltäter?

3.4.1 Was unterscheidet normale Stammzellen von Krebsstammzellen?

3.4.2 Die entscheidende Rolle des Milieus (Nische)

3.5 Einfluss der Hormone auf die Kanzerogenese

3.5.1 Bedeutung der Androgene für die Kanzerogenese

3.5.2 Bedeutung der Östrogene für die Kanzerogenese

3.5.3 Altersbedingte Veränderungen fördern Kanzerogenese

3.6 Insulinresistenz, Insulin und IGFs in der Krebsentwicklung

3.6.1 Insulinresistenz, Hyperinsulinämie und Übergewicht

3.6.2 Tumorstammzellen: Hochaffin für IGFs und Insulin

3.7 Einfluss von Entzündungsprozessen und oxidativem Stress

3.7.1 Prostatitis als Risikofaktor

3.7.2 Proliferative inflammatorische Atrophie als Präneoplasie

3.7.3 Proentzündliche Faktoren

3.7.4 NF-kappaB-Aktivierung macht Tumorzellen unsterblich

3.7.5 Matrixmetalloproteasen ermöglichen die Tumorinvasion

3.7.6 Prooxidative, proinflammatorische Wirkung von Kupfer und Eisen

3.8 Natrium fördert Krebs, Kalium hemmt Krebs

3.8.1 Erhöhtes Natrium-Kalium-Verhältnis fördert die Krebsentstehung

3.8.2 Der Natrium-Protonen-Antiporter ist wichtig für Krebszellen

3.8.3 Natrium-Einlagerung ins Bindegewebe fördert Krebsmetastasen

3.8.4 Reduktion des Membranpotentials fördert die Krebsentstehung

3.8.5 Übersäuerung als Kausal- und Cofaktor des Krebsgeschehens

3.8.6 Entsäuerung bei Krebs

3.8.7 Diät nach Max Gerson

4. Ernährung bei Prostatakrebs

4.1 Was ergeben klinische Studien zur Veränderung der Ernährungs- und Lebensweise?

4.2 Ernährung auf Basis von Fleisch, Milch und Zucker: bis zu 27-mal höhere Prostatakrebssterblichkeit

4.3 Ernährung – weniger ist mehr

4.3.1 Risikofaktor Fleisch

4.3.2 Risikofaktor Milch und Calcium

4.3.3 Risikofaktor tierische Lebensmittel und Zucker

4.3.4 Risikofaktor Alkohol

4.3.5 Prostatakrebs liebt Fett

4.3.6 Ursachen der Fettleber: Fett, Zucker, Fruktose, Weißmehl

4.3.7 Sonnenlicht liefert Vitamin D, Calcium senkt die Vitamin-D-Synthese

4.3.8 Schützen oder schaden Fisch, Fischöl und Omega-3-Fettsäuren?

4.3.9 Hemmt Olivenöl Prostatakrebs?

4.3.10 Ungesundes durch Gesundes ersetzen statt ergänzen

5. Nahrungsergänzung bei Prostatakrebs

5.1 Multivitamine und Spurenelemente

5.1.1 Vitamin E (Tocopherole)

5.1.2 Selen – die Menge macht‘s

5.1.3 Melatonin– das Geheimnis des Heilschlafs?

5.2 Sind wir schlauer als ein Jahrmillionen-langer Reifeprozess?

5.3 Pflanzenpower gegen Prostatakrebs

5.3.1 Tomaten und Lykopin

5.3.2 Andere Carotinoide

5.3.3 Kreuzblütler, Brokkoli und Sulforaphan

5.3.4 Resveratrol

5.3.5 Curcumin

5.3.6 Soja-Isoflavone

5.3.7 Grüntee

5.3.8 Kaffee

5.3.9 Modifiziertes Citruspektin (MCP)

5.3.10 PC-Spes, Prostasol, synthetische Östrogene

5.3.11 Fazit: Prävention, low risk und aggressives Prostatakarzinom

5.3.12 Qualität und Dosierung

5.4 Granatapfel-Polyphenole hemmen Prostatakrebs

5.4.1 Klinische und präklinische Studien

5.4.2 Spektrum antikanzerogener Wirkungen

5.4.3 Verlängerung der PSA-Verdopplungszeit in klinischen Studien

5.4.4 Antiöstrogene Wirkungen

5.4.5 Wirkungen beim hormonrefraktären Prostatakarzinom

5.4.6 Hemmung der Androgenrezeptor-Expression und Androgensynthese

5.4.7 Wirkung auf Zellsignalwege, Genexpression und Genregulation

5.4.8 Mögliche Wirkung von Granatapfel-Polyphenolen gegen Prostatakrebsstammzellen

5.4.9 Mögliche Synergie zwischen Chemo- und Strahlentherapie mit Granatapfel-Polyphenolen durch NF-kappaB-Aktivierungshemmung

5.4.10 Konsequenzen für die Praxis

5.4.11 Breites Wirkspektrum von Granatapfel-Polyphenolen

5.4.12 Lebendfermentation steigert Bioverfügbarkeit und Bioaktivität

5.4.13 Qualität und Verarbeitung von Granatapfelsäften

5.5 Effektiv Knochenmetastasen vorbeugen

5.5.1 Zu viel Calcium erhöht Prostatakrebsrisiko

5.5.2 Übersäuerung greift Knochen an

5.5.3 Knochen- und Calciumstatus verbessern mit Kaliumcitrat

5.5.4 Entzündungsmodulation zum Knochenschutz

5.5.5 Bor, Silizium und Vitamin K2

5.5.6 Bewegung erhält Fitness, Muskelmasse und Knochen

5.6 Zusammenfassung der Empfehlungen zur Chemoprävention und adjuvanten Ernährungstherapie des Prostatakarzinoms

6. Die Ursachen unserer Zivilisationserkrankungen

6.1 Welche Ernährungsweise hält lange gesund?

6.1.1 Das Phänomen der Hundertjährigen von Okinawa

6.1.2 Wegweisende Ergebnisse der Adventist Health Study

6.2 Kohlenhydrate böse, Fett und Protein gut?

6.2.1 Kohlenhydrate schaden nur als „Stichflamme“ im Stoffwechsel

6.2.2 Proteine sind primär keine Brennstoffe, sondern Baustoffe

6.2.3 Fett – der energiereichste Makronährstoff

6.3 Insulin macht uns erst groß, dann dick und schließlich krank

6.3.1 Glykämischer Index, Glykämische Last, Food-Insulin-Index

6.3.2 Das metabolische Syndrom und die Fettleber

6.3.3 Die Sucht nach den Zucker-, Eiweiß- und Insulinwirkungen

6.4 Störungen der Natrium-Kalium- und Säure-Basen-Balance als zentrale Cofaktoren von Zivilisationserkrankungen und Krebs

6.4.1 „Mythos“ Übersäuerung

6.4.2 Natrium-Kalium-Dysbalance und Übersäuerung fördern Krebs

6.4.3 Extreme Verschiebung des Natrium-Kalium-Verhältnisses

6.4.4 Erhöhte Aldosteron- und Cortisolspiegel

6.5 Von Eiweißmangel bis Eiweißmast: Wie viel Protein ist sinnvoll und welches?

6.5.1 Personen unter 65 essen meist zu viel Protein

6.5.2 Warum ältere Menschen häufig „sauer“ sind

6.5.3 Lysin – kritisch bei pflanzlicher Ernährung

6.5.4 Eiweißspeicherkrankheit – wohin mit überschüssigen Aminosäuren?

6.5.5 Viel Protein fördert Insulinresistenz und Diabetes

6.5.6 Erhöhte Krebsmortalität bei proteinreicher Ernährung

6.5.7 Effekte einer Methioninrestriktion

6.6 Der Darm – das Medium zwischen Nahrung und Mensch

6.7 Kohlenhydratarme Ernährungsweisen gegen Krebs

6.8 Schadstoffe sind nicht nur im Essen

6.9 Was ist die artgemäße Ernährung des Menschen?

6.10 Der gesündeste Weg – klinisch & epidemiologisch bestens belegt

7. Dr. Jacobs Weg zu nachhaltiger Gesundheit

7.1 Wir essen uns krank statt Gutes zu genießen

7.2 Die drei Säulen der Insulin-, Redox- und Säure-Basen-Balance

7.3 Dr. Jacobs Ernährungspyramide

7.4 Dr. Jacobs drei Ernährungsregeln

7.4.1 Wichtige Ergänzungen

7.4.2 Unverträglichkeiten und Allergien

7.5 Gezielter Ausgleich einer einseitigen Ernährungsweise

7.5.1 Ausgleich von Störungen der Insulin-, Basen- und Redox-Balance

7.5.2 Vitamin-B 12 -Mangel

7.5.3 Eisenmangel

7.5.4 Schilddrüsenfunktion, Hypothyreose und Jodaufnahme

7.5.5 Makro- und Mikronährstoffe im Überblick

7.6 Sonnenlicht kann Leben retten: Vitamin D ist nicht alles

7.6.1 Vitamin-D-Mangel

7.6.2 NO-Bildung in der Haut

7.6.3 Infrarot-Wärmestrahlung

7.7 Stammbetontes Übergewicht abbauen: Umsetzung in die Praxis

7.8 Bewegung, Atmung und Entspannung

7.8.1 Die Vorteile körperlicher Aktivität

7.8.2 Sport und Bewegung sind gut gegen den Krebs

7.8.3 Sitzkrankheit durch regelmäßige Bewegung heilen

7.8.4 Sport allein reicht nicht aus

7.8.5 Entspannung und Tiefenatmung

7.8.6 Tiefschlaf ist Heilschlaf

7.8.7 Überforderung vermeiden beginnt im Überdenken tiefer Prägungen

7.8.8 Psychologische Ursachen von Übergewicht beleuchten

7.9 Gesund auf jeder Seinsebene

7.10 Psychoonkologie ist wichtig

7.10.1 Auch starke Männer haben Angst

7.10.2 Psychosoziale Unterstützung: Liebe und Empathie helfen

7.10.3 Wie Ängste, Stress und Sorgen Krebs fördern

7.10.4 Studien: Je schlechter die Prognose, desto wichtiger die Seele

7.10.5 Palliative Behandlung

7.11 Die Suche und Frage nach dem Sinn

7.12 Seit Jahrtausenden bewährt: Der goldene Mittelweg

Anhang A: Gleason-Grading – Konsens statt Evidenz

A.1 Bewertung von Malignität

A.2 Methodische Kritik am Gleason-Score

A.3 Performance des Gleason-Scores

A.4 Therapeutische Konsequenzen

A.5 Konsens statt Evidenz

A.6 DNA-Zytometrie als effektivster adjuvanter prognostischer Test

A.7 Therapeutische Konsequenzen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Glossar

Stichwortverzeichnis

Danksagung

Über den Autor und das Dr. Jacobs Institut

Klappentext

Geleitwortvon Prof.Dr. med. K. F. Klippel

Mit „Prostatakrebs-Kompass“ hat Dr. med. L. M. Jacob ein hochaktuelles, wissenschaftlich fundiertes Buch verfasst, das wichtige, bisher eher weniger bekannte „Wahrheiten“ über das Prostatakarzinom (PCa) einer breiten Öffentlichkeit mitteilt und das nicht nur an Ärzte gerichtet ist, sondern auch und gerade an den Prostatakrebs-Patienten.

Bereits der erste Satz, „Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs“ weist auf die gelegentlich verdrängte Problematik hin, dass, wie Prof.Hackethal einst griffig formulierte, zwischen „Haustierkrebs und Raubtierkrebs“ unterschieden werden muss. Pro Jahr erkranken in Deutschland ca. 70.000 Männer an PCa. Damit ist PCa die häufigste Krebserkrankung des Mannes, gefolgt von Lungenkrebs.

Systematisch listet Dr.Jacob die „Facts“ auf, die ursächlich prostatakrebsfördernd oder -hemmend sind. Das Angebot notwendiger praktischer Hinweise zeigt sich beachtlich: angefangen von der Nahrung und speziellen PCa-präventiven Lebensmitteln und Nahrungsergänzungen bis hin zur Prävention von Knochenmetastasen unter Berücksichtigung von körperlicher Aktivität, Entspannung, Tiefenatmung und psychologischer Begleitung nicht nur durch den Arzt, sondern auch durch die Familie.

Das vorliegende Buch von Dr.Jacob setzt nicht nur einen neuen Maßstab in der verständlichen Vermittlung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern auch in der lebenspraktischen Umsetzung wertvoller Ratschläge für Betroffene. Ein neues „Standardwerk“, dessen hoher Anspruch voll und ganz erfüllt wird.

Prof.Dr. med. Karl Friedrich Klippel

Präsident der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.

Vorwort des Autors

Dieses Buch hat das Ziel, als Kompass zu dienen und einen Weg durch den Dschungel der Meinungen zur richtigen Ernährungs- und Lebensweise bei Prostatakrebs aufzuzeigen.

Prostatakrebs-Erkrankte möchten häufig mehr Verantwortung bei ihrer Behandlung übernehmen. Das Prinzip der Eigenverantwortung kann nicht nur Ängste reduzieren und den Betroffenen schützen, sondern sein Leben verbessern und verlängern. Änderungen der Ernährungs- und Lebensweise sind dabei zentrale Bausteine einer komplementären Therapie. Komplementär wird dabei als Ergänzung verstanden. Am sinnvollsten ist die Suche nach einer optimalen, kompletten Therapie, die Wirkungen und Nebenwirkungen kritisch abwägt. Daher sei kurz auf die aktuelle interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms verwiesen. Sie bildet eine sinnvolle Grundlage und findet sich im Internet, wenn man nach „S3 Leitlinie Prostatakarzinom“ sucht. Auch Patientenleitlinien sind z.B. über www.krebshilfe.de verfügbar. Sie können helfen, sich für die richtige Behandlungsstrategie zu entscheiden.

Der eigenverantwortliche, informierte Wunsch des Patienten ist letztlich entscheidend, denn er muss jede Therapie und vor allem deren Folgen mittragen und ertragen.

Es fällt uns unbewusst sehr schwer nachzuvollziehen, dass wir selbst eine Epidemie neuer Zivilisationserkrankungen geschaffen haben, die nicht durch Mangel, sondern stark durch einseitigen Überfluss bedingt ist. Schließlich wurde der Mensch Jahrtausende nicht von Überfluss, sondern vom Mangel bedroht. Dennoch ist es eine alte Weisheit, dass Gesundung und Heilung – natürliche Funktionen unseres Organismus – nicht nur durch das Hinzufügen von „mehr“ geschehen, sondern vor allem auch durch das Weglassen von „zu viel“.

Wo immer eine westliche Ernährungs- und Lebensweise in der Welt auftritt, wachsen Bauch und Prostata – zunächst in Form einer gutartigen Vergrößerung. Erst allmählich und verzögert, dann dramatisch steigt die Sterblichkeit durch Prostatakrebs. Das metabolische Syndrom bereitet dabei den wachstumsfördernden, proentzündlichen Nährboden für die Entstehung unserer Zivilisationserkrankungen, zu denen nicht nur Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-, sondern auch Prostata-Erkrankungen zählen. So starben nach WHO-Daten im Jahr 2000 altersstandardisiert 27-mal mehr Männer in der Schweiz, Norwegen oder Schweden und 18-mal mehr Männer in Deutschland an Prostatakrebs als in China.

Änderungen der Ernährungs- und Lebensweise können in der Vorbeugung und Heilung hocheffektiv sein, wie dieses Buch zeigt, doch sie scheitern häufig an zwei Dingen:

Wurst, Fleisch, Käse, Butter und Zucker bilden die Basis unserer gewohnten Ernährung und werden als Teil unserer Lebenskultur und Baustein der täglichen Lebensqualität empfunden. Plötzlich sollen sie aber als krebsfördernd deutlich reduziert werden. Dabei ist die Umstellung nur anfangs schwer und gelingt bei einer konstruktiven Unterstützung durch die Familie und mit leckeren Speisealternativen überraschend gut und nachhaltig. Fakt ist, dass von der Umstellung der Ernährungs- und Lebensweise in puncto Gesundheit und damit Lebensqualität die ganze Familie stark profitieren kann und damit der Prostatakrebs das Potential hat, eine „versteckte Segnung“ für alle Familienmitglieder zu werden. Mehr Prostatakrebs-Erkrankte sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als an ihrem Krebs. Die Ernährungsumstellung wirkt nachweislich auch hier hervorragend. Der Genuss zahlloser neuer, schmackhafter Lebensmittel kann eine kulinarische Entdeckungsreise werden, die den zunächst empfundenen Verlust mehr als kompensiert.

Jeden Tag erscheinen neue Studien, die sich nicht selten widersprechen. Dies verhindert eine klare Entscheidung, die man für echte Veränderungen im Leben benötigt. Denn jeder Konflikt hemmt ein entschlossenes Vorgehen. In diesem Buch werden Widersprüche zwischen den Ergebnissen verschiedener Studien sinnvoll erklärt. Häufig lösen sich diese Widersprüche bei tieferer Betrachtung auf. Allerdings muss leider auch festgestellt werden, dass Zusammenhänge häufig von wirtschaftlichen Motiven und anderen Interessen verschleiert werden, was dieses Buch zu berücksichtigen versucht.

Ziel dieses Buches ist es, aus den vielen Einzelbildern ein mehrdimensionales Gesamtbild zu zeichnen und eine klare und wissenschaftsbasierte Vorgehensweise abzuleiten. Dies ist wichtig in der Prävention (insbesondere bei familiärer Vorbelastung), bei Männern mit Niedrigrisiko-Prostatakrebs und auch nach erfolgter Primärtherapie, um das Risiko eines Rezidivs zu minimieren. Solange keine Kachexie (Auszehrung) vorliegt, ist die hier vorgestellte Umstellung von Ernährung und Lebensstil auch bei hochgradigem Prostatakrebs sinnvoll.

Ebenso wichtig und vielleicht noch wichtiger als die zusätzliche Einnahme bestimmter Substanzen ist es, krebsfördernde Ernährungsgewohnheiten zu reduzieren, sich regelmäßig zu bewegen und sein Körpergewicht zu normalisieren. Sowohl Studien als auch persönliche Erfahrungen zeigen, dass sich bei einer Umstellung der Ernährungsweise im Sinne dieses Buches nicht nur der Krankheitsprogress meist stark verlangsamt, sondern auch der PSA-Wert als wichtigster Kontrollparameter sogar deutlich fallen kann.

Bei unserer ersten Begegnung bot mir Prof.Dr. med. K. F. Klippel spontan an, zum Themenkreis Prostatakrebs und Granatapfel-Polyphenole meine Doktorarbeit zu schreiben. Dieser Vorschlag freute mich sehr und legte die Grundlage für vieles weitere. Von Prof.Klippel kam auch der Vorschlag, ein komplettes Buch über Prostatakrebs zu erstellen, weshalb schließlich das vorliegende Buch entstand. Hierfür sei ihm herzlich gedankt!

Daher möchte ich dieses Buch allen Männern, die selbst mehr Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen möchten, und ihren Familien sowie meinem Doktorvater Prof.Klippel widmen. Es ist die Quintessenz meiner Beschäftigung mit Prostatakrebs und dessen Ernährungstherapie auf der Basis des aktuellen Standes der Wissenschaft.

Ein wichtiger Hinweis: Dieses Buch will wissenschaftlich fundierte Fakten, die nicht nur von Fachleuten, sondern auch von vielen Prostatakrebskranken gewünscht werden, mit Allgemeinverständlichkeit verbinden. Das kann aufgrund der Komplexität des Themas nicht immer gelingen. Daher sind die farblich mit einem blauen Balken gekennzeichneten Kapitelzusammenfassungen sowie die praktischen Handlungskonsequenzen einfach gehalten (Kapitel 5.6 und 7, Seiten 155 und 201) und fassen die wissenschaftlich teils komplexeren Ausführungen des jeweiligen Kapitels zusammen.

Viele neue Erkenntnisse beim Lesen und alles Gute für Ihre Gesundheit wünscht Ihnen

Ihr

Dr. med. Ludwig Manfred Jacob

1. Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern in Deutschland. Vor dem 50. Lebensjahr ist die Diagnose sehr selten. Doch bei jedem 6. Mann über fünfzig wird heute Prostatakrebs festgestellt, jeder 33. stirbt daran.

Zu den Risikofaktoren gehören u.a. ein höheres Alter, die Hormonproduktion, Übergewicht und die genetische Vorbelastung. Prostatakrebs tritt familiär gehäuft auf. Ist bereits ein enger Verwandter (Vater, Großvater, Bruder) an Prostatakrebs erkrankt, ist das Risiko selbst zu erkranken deutlich erhöht. Je mehr Fälle in der Familie auftreten und je jünger der Betroffene ist, desto höher ist das Erkrankungsrisiko für den Angehörigen. Auch Brustkrebsfälle in der Familie gehen mit einem leicht erhöhten Prostatakrebsrisiko bei den männlichen Familienmitgliedern einher. Tatsächlich sind allerdings nur etwa 5% der Prostatakrebsfälle erblich bedingt.

Um 1990 stiegen die Inzidenzraten für Prostatakrebs stark an, hauptsächlich da der PSA(prostataspezifisches Antigen-)Test zur Früherkennung vermehrt verfügbar war. Doch auch zuvor waren die Prostatakrebsraten stark steigend. Der PSA-Test führte zur Entdeckung vieler Prostatatumore, die klein sind und keine Symptome verursachen. Diese können unbehandelt unbemerkt fortschreiten – oder aber klein bleiben. Der Wert des Screenings ist daher umstritten, weil er zu einer nebenwirkungsreichen Übertherapie führen kann. Die groß angelegte PLCO-Studie zeigte keinen Überlebensvorteil, in der European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) ergab sich eine leicht reduzierte Mortalität: Um einen Todesfall durch ein Prostatakarzinom zu verhindern, mussten aber über 1.400 Männer einen PSA-Test durchführen und – was gravierender ist – 48 Patienten operativ behandelt werden.

Der PSA-Verlaufstest an sich ist dennoch ein sehr wertvolles Frühwarn-Instrument, wenn man sich vom Ergebnis nicht verängstigen lässt, sondern bedacht die richtige Strategie wählt. Sinnvoll ist insbesondere bei familiärer Vorbelastung ein erster Test ab dem 40. Lebensjahr mit regelmäßiger Nachkontrolle in Abhängigkeit vom PSA-Wert. Eine einmalige Erhöhung kann auch durch eine Prostatitis oder andere Ursachen bewirkt werden: Sie sollte im Gesamtbild gedeutet werden und nicht automatisch eine Biopsie auslösen.

Die Diagnose „Prostatakrebs“ ist meist kein Notfall, der schnelles, aggressives Handeln erfordert wie akute Leukämie, schwarzer Hautkrebs oder Hodenkrebs. Angst ist ein schlechter Ratgeber, und schneller Aktionismus führt schnell zu vielen, irreversiblen Nebenwirkungen.

Prostatakrebs-Erkrankungen können aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Tumorbiologie und -genetik häufig relativ gutartig, aber auch hochaggressiv verlaufen. Die Diagnose Prostatakrebs darf daher nicht als Todesurteil aufgefasst werden. Aus US-Studien (Rullis et al., 1975; Sakr et al., 1994) ist bekannt, dass 60-70% der älteren Männer mit einem Prostatakarzinom, jedoch nur 3% an einem Prostatakarzinom (Jemal et al., 2006) versterben.

Das Robert Koch-Institut geht bei Prostatakrebs für 2014 von 70.100 Neuerkrankungen und einer 5-Jahres-Prävalenz von 279.000 in Deutschland aus. In Deutschland wurden im Jahr 2012 73.789 Prostatakrebspatienten vollstationär im Krankenhaus behandelt (Statistisches Bundesamt, 2013a). Mit 12.957 Verstorbenen war Prostatakrebs 2012 bei Männern insgesamt die sechsthäufigste Todesursache nach Koronarer Herzkrankheit (KHK), Lungenkrebs, Herzinfarkt, chronisch obstruktiver Lungenkrankheit und Herzinsuffizienz, berichtet das Statistische Bundesamt (2013b).

Bei früher Diagnose ist die Krankheit gut behandelbar und in den meisten Fällen auch heilbar. Die 5-Jahres-Überlebensrate hängt vom Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ab: Sie beträgt derzeit 93% (RKI, 2013), wenn sich der Tumor auf die Prostata beschränkt. Sind bereits Metastasen vorhanden, geht die Überlebensquote auf 25% zurück. Ein PSA-Screening zur Früherkennung ab dem 45. Lebensjahr dürfte daher im Rahmen einer Prostatakarzinom-Vorsorgeuntersuchung sinnvoll sein, wenn sie nicht automatisch zur Übertherapie führt. Auch hier kann weniger Therapie oft mehr Lebensqualität bedeuten.

Der PSA-Befund oder die Urintestmethoden wie der PCA3- und der DiaPat-Test geben leider wenig Aufschluss über die Bösartigkeit, die Lage und die Ausdehnung des Karzinoms. Ist es ein relativ langsam wachsendes, noch gut differenziertes Karzinom, mit dem der Patient alt werden kann? Oder handelt es sich um einen „Raubtierkrebs“ (Julius Hackethal) mit einer hohen Aggressivität? Die Aussichten hängen stark mit der Biologie und Ausbreitung des Tumors zusammen.

Im Frühstadium verursacht ein Prostatakarzinom keine Beschwerden. Die Diagnose wird meist bei einer Früherkennung oder nach Auffälligkeiten bei einer rektalen Untersuchung gestellt. Bei fortgeschrittener Tumorerkrankung kommt es zu Symptomen wie LUTS (s.u.), Harnverhalt, Inkontinenz, erektiler Dysfunktion, Blut im Urin, Knochenschmerzen aufgrund von Knochenmetastasen, Blutungsneigung und Niereninsuffizienz.

Für die Therapie stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Je nach Lebensalter, Stadium des Tumors und Wunsch des Patienten kommen auch nicht-invasive Strategien (watchful waiting, active surveillance) in Frage, bei denen auf eine akute Behandlung verzichtet wird. Da bestimmte häufig diagnostizierte Formen von Prostatakrebs in der Regel langsam fortschreiten, sind dies gängige, anerkannte Vorgehen, um belastende Behandlungen aufzuschieben oder ganz zu umgehen.

Als Behandlungsverfahren werden in Abhängigkeit von der individuellen Situation die operative radikale Prostatektomie (vollständige Entfernung der Prostata; in der Gefäß- und Nervengeflechte-schonenden Form als mikrochirurgische, robotergestützte DAVINCI-Methode), Strahlentherapie, Hormonentzugstherapie, Chemotherapie, Brachytherapie und Kryotherapie angewendet. Gute Erfahrungen konnten auch mit der alternativen Behandlungsmethode High-Intensity Focused Ultrasound (HIFU) erzielt werden.

Bei der Hormonentzugstherapie kann durch die Androgen-Blockade das Krebswachstum zunächst meist sehr effektiv gehemmt werden. In der Regel nach durchschnittlich 18-24 Monaten kommt es beim Prostatakarzinom unter Androgensuppression zum PSA-Progress. Bei etwa 50% der Patienten kann in diesem Stadium durch eine sekundäre Hormonmanipulation eine erneute PSA-Regression über 6-12 Monate erreicht werden, bevor die totale Hormonrefraktärität eintritt (Schilling et al., 2009).

Da die Hormonentzugstherapie einer chemischen Kastration entspricht, geht sie mit einer Vielzahl an möglichen Nebenwirkungen einher, zu denen u.a. Impotenz, Antriebslosigkeit, Hitzewallungen, Gewichtszunahme, der Abbau von Muskelmasse, Osteoporose und ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko zählen. Viele Patienten nehmen das Risiko für starke Nebenwirkungen und die damit verbundene Einschränkung der Lebensqualität in Kauf, da sie sich von der Behandlung mehr Lebenszeit erhoffen. Dabei gibt es keinen Nachweis, dass die Hormonentzugstherapie das Leben von Prostatakrebskranken tatsächlich verlängert, wie die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie darlegen (Heidenreich et al., 2014). Den erhofften Nutzen bei älteren Patienten widerlegt eine aktuelle Studie von Lu-Yao et al. (2014), die den Einfluss einer Hormonentzugstherapie auf die Überlebensrate von 66.717 Prostatakrebs-Patienten in einem Alter ab 66 Jahren untersuchte. Die Patienten waren primär nicht operiert oder bestrahlt, sondern chemisch (LHRH-Analoga) oder chirurgisch kastriert worden. Die Behandlung ging mit keiner verbesserten krebsspezifischen oder gesamten 15-Jahres-Überlebensrate bei den Probanden mit lokalisiertem Prostatakarzinom einher. Die Therapie konnte das Leben der Patienten also nicht verlängern. Insbesondere bei älteren Patienten scheint die primäre Hormonentzugstherapie daher wenig sinnvoll zu sein. Nach Ansicht der Autoren der Studie sollte sie nur zur Behandlung bzw. Verhinderung von Symptomen eingesetzt werden.

Bei der Hormonentzugstherapie ist eine einfache, doppelte und dreifache Hormonblockade möglich, die permanent oder intermittierend stattfinden kann. Sinnvoll erscheint vor allem die intermittierende Blockade, da hierdurch eine Resistenzbildung des Tumors verzögert wird. Wer sich für eine Androgenblockade entscheidet, kann von der Therapie profitieren, wenn sie fachmännisch und umsichtig durchgeführt wird und der Patient auch selbst darauf achtet, die Nebenwirkungen wie Knochen- und Muskelabbau, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etc. durch entsprechende Maßnahmen (vgl. Kapitel 5.5, Seite 150), richtige Ernährung (vgl. Kapitel 5.6 und 7, Seiten 155 und 201) und regelmäßige Bewegung (vgl. Kapitel 7.8, Seite 251) auszugleichen.

Für viele Betroffene sind die nicht-invasiven Strategien watchful waiting und active surveillance eine sinnvolle Alternative. Unter „watchful waiting“ (beobachtendes Abwarten) versteht man langfristige Beobachtung und sekundäre, symptomorientierte Therapie statt kurativer Behandlung. Diese Vorgehensweise soll bei Patienten erörtert werden, die eine mutmaßliche weitere Lebenserwartung von unter zehn Jahren haben. Dabei wird erst bei symptomatischem Fortschreiten der Erkrankung palliativ behandelt.

Die Patienten, die sich für die Methode des „active surveillance“ (aktive Überwachung) entscheiden, wägen Nebenwirkungen und Nutzen einer frühzeitigen, invasiven Therapie (OP, Bestrahlung) ab. Durch active surveillance unter Aufsicht eines Arztes können immer noch rechtzeitig kurative Schritte unternommen werden, wenn diese aufgrund eines Fortschreitens der Krankheit nötig werden sollten. Ein Review von Weißbach und Altwein (2009) im deutschen Ärzteblatt kommt zur wichtigen Schlussfolgerung: Die 88 gesichteten Studien zur aktiven Überwachung weisen konsistent hohe tumorspezifische Überlebensraten (99 bis 100%) für die aktive Überwachung auf. Alle sieben recherchierten Leitlinien zur Behandlung des Prostatakarzinoms seit 2006 erwähnen in ihren Empfehlungen die aktive Überwachung als Therapieoption für Prostatakrebs mit geringem Progressionsrisiko. Das National Institute for Health and Clinical Excellence, Großbritannien, empfiehlt in diesem Fall sogar die aktive Überwachung als erste Behandlungsstrategie. Für die aktive Überwachung spricht auch das Ergebnis einer aktuellen Studie von Satkunasivam et al. (2013). Die Arbeitsgruppe fand heraus, dass Personen mit einem niedriggradigen Prostatakarzinom, die sich für active surveillance entschieden hatten und sich im Verlauf der Erkrankung einer Prostatektomie unterziehen mussten, keine nachteiligen pathologischen Folgen gegenüber Patienten hatten, die sich im selben Krankheitsstadium sofort operieren ließen.

Voraussetzung für die aktive Überwachung ist ein Niedrigrisiko-Karzinom, bei dem bestimmte medizinische Kriterien zutreffen müssen (PSA-Wert ≤ 10 ng/​ml; Gleason-Score ≤ 6; c T1 oder c T2a; Tumor in ≤ 2 Stanzen bei leitliniengerechter Entnahme von 10-12 Stanzen; ≤ 50% Tumor pro Stanze). Die DNA-Zytometrie (vgl. Anhang) gibt Auskunft über die Malignität und Aggressivität des Karzinoms. Sie ist in der Indikationsstellung zur active surveillance sowie in der Prognose des Krankheitsverlaufs dem Gleason-Score deutlich überlegen (Pretorius et al., 2009) und kann daher eine sehr wertvolle zusätzliche Entscheidungshilfe sein. Ob die aktive Überwachung für den jeweiligen Patienten in Frage kommt, muss mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Auch für Männer nach Primärtherapie sind zur Prävention eines Rezidivs die in diesem Buch empfohlenen Maßnahmen sehr empfehlenswert. In den Richtlinien der European Association of Urology (Heidenreich et al., 2014) heißt es: „Trotz dieser Verbesserungen [Fortschritte bei Operationen und Strahlentherapie] besteht immer noch ein signifikantes Risiko für ein erneutes Auftreten des Karzinoms nach Therapie. Zwischen 27% und 53% aller Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie oder einer Strahlentherapie unterziehen, entwickeln innerhalb von zehn Jahren nach Ersttherapie ein lokales Wiederauftreten oder entfernte Tumorrezidive und 16-35% der Patienten erhalten innerhalb von fünf Jahren nach Initialtherapie eine Zweitbehandlung.“ Die Weiterbehandlung hängt davon ab, ob es sich um ein lokales Rezidiv oder um Metastasen handelt.

Viele Männer tragen einen latenten Prostatakrebs in sich, der nicht ausbricht, so dass die Erkrankung nicht in Erscheinung tritt. Ob sich aus diesen „schlafenden“ Krebszellen eine Krebserkrankung entwickelt, ist abhängig von dem „Milieu“, das im Prostatagewebe herrscht und das durch die Ernährungs- und Lebensweise stark beeinflusst wird. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in Kapitel 3.4.2 ab Seite 30.

Wie wichtig die Lebensweise für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms ist, zeigt auch die Tatsache, dass das Auftreten von Prostatakrebs von extrem großen geographischen Unterschieden geprägt ist. Welchen Einfluss die Ernährungsgewohnheiten in unterschiedlichen Regionen der Welt auf die Sterblichkeit ausüben, wird im Kapitel 4.2 ab Seite 69 dargestellt.

Erstaunlich wichtig sind, gerade auch bei einer schlechten Prognose, die seelische Situation des Betroffenen und die liebevolle Unterstützung, die er in seinem Umfeld findet. Im Kapitel 7 (Seite 201) werden hierzu harte wissenschaftliche Fakten aufgeführt, die zeigen, wie wichtig weiche Therapien wie Liebe und Zuwendung für den Krankheitsverlauf sind.

Immer mehr klinische Studien zeigen, dass man den Verlauf des Prostatakarzinoms durch eine Änderung der Ernährungs- und Lebensweise stark beeinflussen kann und sein Wachstum sogar stoppen kann. Dabei sind die gesundheitlichen Nebenwirkungen im Gegensatz zu den klassischen Therapieansätzen durchweg positiv: So sparen sie Kosten, ersparen Leid und verringern auch deutlich das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben. Mit anderen Worten: Sie machen das Leben gesünder und lebenswerter. Und es liegt ganz in der eigenen Hand, Verantwortung für sich und seine Gesundheit zu übernehmen. Aus dem Patienten, dem „Erduldenden“, wird dadurch ein Mann, der selbst Verantwortung für seine Heilung übernehmen kann und diesen Weg als aktiver Partner mit dem Arzt geht.

2. Prostatabeschwerden als Zivilisationserkrankung

Der Sinn dieses Buches ist es, einerseits die wirkungsvollsten ernährungstherapeutischen Maßnahmen zur Prävention und komplementären Therapie von Prostatakrebs aufzuzeigen, aber gleichzeitig auch einen Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit zu leisten, indem es wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse in eine gesundheitsförderliche Ernährungsweise übersetzt und für jeden anwendbar macht. Dadurch sollen „typische Ernährungsfehler“ der modernen Gesellschaft ausgeglichen, insgesamt Zivilisationserkrankungen vorgebeugt und therapiert sowie die Anzahl der gesunden Lebensjahre gesteigert werden.

2.1 Lage, Aufbau und Funktion der Prostata

Wer bereits mit der Prostata und ihren Erkrankungen vertraut ist, kann direkt bei Kapitel 2.2 weiterlesen. Der Vollständigkeit halber soll dieses Basiswissen hier knapp vermittelt werden:

Die Prostata liegt anatomisch unter der Harnblase und grenzt nach hinten an den Dickdarm. Die gesunde Prostata hat etwa die Größe und Form einer Kastanie, das Volumen beträgt ca. 20ml. Die Prostata besteht aus Muskel- und Bindegewebe, in die eine Vielzahl von Drüsen eingelagert ist. Für den Samenerguss wirken die Muskeln als Pumpe und führen zur Freisetzung des Prostatasekretes. Als Außenhülle dient eine Bindegewebskapsel.

In der Prostata werden zwei Leitungssysteme des männlichen Körpers zusammengeführt, die Harnwege und die Geschlechtswege. Die Harnröhre durchzieht die Prostata als vereinigter Strang von oben nach unten und führt schließlich zum Penis, durch den sowohl der Urin als auch die Samenflüssigkeit den Körper verlassen (s. Abb.1).

Abb.1: Gesunde Prostata (links) und Prostatakrebs (rechts)

Als Drüse produziert die Prostata das Prostatasekret, das für die Fortpflanzung notwendig ist. Es schützt die Spermien und macht das Sperma dünnflüssiger. Es gelangt durch viele Ausführungsgänge der Prostata in die Harnröhre und vereinigt sich dort mit der Samenflüssigkeit. Doch auch unabhängig von der Ejakulation wird Prostatasekret abgegeben, wenn auch in erheblich geringeren Mengen.

Das Prostatasekret enthält unter anderem das prostataspezifische Antigen (PSA), das zur Diagnose verschiedener Prostataerkrankungen, insbesondere auch des Prostatakarzinoms, herangezogen wird. Es wird auch in das Blut abgegeben, wo es leicht nachgewiesen werden kann. Die Prostata ist stark von Nerven und Blutgefäßen durchzogen.

Die Prostata wird in verschiedene Zonen aufgeteilt: Die vordere/​fibromuskuläre Zone, die Übergangszone, die Zentralzone und die periphere Zone. Die periphere Zone ist die größte Zone, in der sich auch die meisten Drüsen befinden (s. Abb.2). Die restlichen Drüsen liegen in der Übergangszone. Prostatakrebs entsteht am häufigsten in der peripheren Zone der Prostata. Nicht selten existieren mehrere Krebsherde gleichzeitig. Wächst die Prostata, stößt sie an das Rektum, weshalb man Veränderungen, die auf ein Karzinom hinweisen, oft vom Enddarm aus ertasten kann.

Abb.2: Prädisposition der Prostatazonen für Prostataerkrankungen (nach: De Marzo et al., 2007)

Die häufigsten Erkrankungen der Prostata sind eine Prostataentzündung, die Prostatitis, die akut oder chronisch auftreten kann, die gutartige Prostatavergrößerung (BPH) und das Prostatakarzinom (PCa). Männer unter 40 Jahren leiden hauptsächlich unter einer Prostatitis. BPH und PCa werden in der Regel erst ab dem 50. Lebensjahr relevant, dann sind Veränderungen der Prostata jedoch weit verbreitet, so dass die Diagnose BPH häufig bereits als „normal“ gilt. BPH und PCa sind beides chronische Erkrankungen, die relativ früh im Leben beginnen und nur langsam fortschreiten, weshalb sie häufig lange Zeit unbemerkt bleiben (Alcaraz et al., 2009).

2.2 Prostatitis und Prostatodynie

Bei Männern unter 50 Jahren sind Beschwerden aufgrund einer akuten oder chronischen Prostatitis (Prostataentzündung) oder eine Prostatodynie (nicht entzündliches, abakterielles, chronisches Schmerzsyndrom des Beckens) häufige urologische Diagnosen.

Etwa 5% aller Männer zwischen 20 und 50 Jahren leiden unter einer Prostatitis. Die Ursache können eine Infektion, Harnrückstau oder andere Faktoren, z.B. Unterkühlung des Unterleibes, sein. Wahrscheinlich ist jedoch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die die Krankheit auslösen und aufrechterhalten. Zu den Symptomen der chronischen Prostatitis zählen Schmerzen sowie Beschwerden beim Wasserlassen wie Restharngefühl oder häufiger Harndrang (LUTS, s. Kapitel 2.4, Seite 9). Wird die Prostatitis behandelt, sind 60% der Patienten nach 6 Monaten beschwerdefrei, bei 20% variiert der Verlauf, weitere 20% weisen dauerhafte Beschwerden auf.

Eine akute Prostatitis ist dagegen eine akute bakterielle Infektion der Prostata, die mit Fieber und Schmerzen einhergeht und durch die Behandlung mit Antibiotika meist abklingt.

Die Prostatodynie, auch chronisches Schmerzsyndrom des Beckens, gilt als psychosomatische Erkrankung und betrifft vor allem jüngere Männer zwischen 25 und 45 Jahren (Günthert, 2013). Die Symptome ähneln denen einer Prostatitis: Charakteristisch sind chronische Schmerzen im Beckenbereich, häufiges Wasserlassen und vermehrter Harndrang; zudem können Potenzstörungen auftreten.

Im Gegensatz zur Prostatitis liegt der Prostatodynie keine Infektion oder Entzündung zugrunde. Die Schmerzen stammen möglicherweise aus den Beckenbodenmuskeln, die Blase und Harnröhre unterstützen. Bei Stress kann es dazu kommen, dass diese Muskeln nicht vollständig entspannen, was zu Problemen beim Wasserlassen führt. Prostatodynie tritt häufiger bei Männern auf, die vermehrt unter Druck stehen und gestresst sind, z.B. bei Typ-A-Persönlichkeiten (ehrgeizig, leistungsorientiert, Neigung zu Perfektionismus und Konkurrenzdenken), Sportlern und Fernfahrern (Barrett, 2000).

Prostatodynie ist eine Ausschlussdiagnose, die getroffen wird, wenn alle anderen in Frage kommenden Diagnosen ausgeschlossen werden. Die tatsächliche Ursache einer Prostatodynie lässt sich nicht festlegen, allerdings wirken viele Faktoren begünstigend. Hierzu zählen Verletzungen und Traumata im Damm- und Analbereich. Auch wiederholte Belastungen, z.B. durch Radfahren oder Reiten, können eine Rolle spielen.

Die Behandlung geschieht symptomatisch und psychosomatisch mit Schmerzmitteln, Physiotherapie und Verhaltenstherapie, z.B. Stressmanagement. Gegebenenfalls können alpha-Blocker helfen, die Beckenbodenmuskeln zu entspannen.

2.3 Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

Die benigne Prostatahyperplasie ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Dabei kann die Prostata bis auf die zehnfache Größe anwachsen und ein Volumen von mehr als 200ml einnehmen. Jeder zweite Mann zwischen 50 und 60 Jahren und 90% der über 80-Jährigen sind von einer Prostatahyperplasie betroffen (Mc Vary, 2006). Die BPH entsteht in der Übergangszone der Prostata, wächst nach außen und drückt dabei auf die periphere Zone in Richtung Blase oder Darm (s. Abb.3). Je nach Ausdehnungsrichtung der Prostata sind die Symptome der BPH unterschiedlich. Durch das Wachstum wird auch die Harnröhre eingeengt, was zu Beschwerden beim Wasserlassen (LUTS, s. Kapitel 2.4), z.B. häufiger Harndrang, schwacher Harnstrahl oder Nachtröpfeln, führt. Auch Harninkontinenz und erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) gehören zu den Folgen der BPH.

Abb.3: Prostatahyperplasie (BPH)

Ohne Behandlung schreitet eine BPH immer weiter fort. Es entstehen häufig Beschwerden wie Blasendysfunktion und -vergrößerung, was zu einem akuten Harnverhalt führen kann, der weitere, auch schwere Komplikationen nach sich ziehen kann (Fitzpatrick, 2006; Fitzpatrick und Kirby, 2006; Roehrborn, 2008).

Wer frühzeitig seine Ernährung entsprechend dem Ernährungsplan im Kapitel 7 (ab Seite 201) umstellt, kann die Prostata auf normaler Größe halten. Auch Soja (mit Isoflavonen und dem Phytosterin ß-Sitosterin), Sägepalmen-Früchte (Sabal) und Brennnessel haben eine gewisse Wirksamkeit in frühen Stadien der Vergrößerung. Ist die Prostata allerdings bereits deutlich vergrößert, entsteht ein proentzündlicher Teufelskreis, der die Vergrößerung vorantreibt. Aber auch bei nichtentzündlicher Vergrößerung kann die BPH medikamentös behandelt werden. Können mittlere bis schwere Symptome nicht ausreichend mit Medikamenten gelindert werden, ist eine Operation, wie z.B. TURP (transurethrale Resektion der Prostata), notwendig.

2.4 Lower Urinary Tract Syndrome (LUTS)

Das Lower Urinary Tract Syndrome (LUTS) ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom-Spektrum, das bei verschiedenen Erkrankungen der Harnwege oder der Prostata auftritt. Das Syndrom umfasst Beschwerden, die vom unteren Harntrakt ausgehen. Dazu gehören häufiges, schmerzhaftes und vermehrtes nächtliches Wasserlassen, Harndrang, schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, verzögerter Beginn der Blasenentleerung, Pressen beim Wasserlassen, Nachträufeln, Restharngefühl und Harnverhalt. Bei einem Harnverhalt kann die Blase nicht spontan entleert werden, was weitere Komplikationen nach sich ziehen kann.

Die BPH ist bei Männern über 50 Jahren die häufigste Ursache für LUTS, doch auch viele andere Krankheiten können LUTS verursachen. Dazu zählen u.a. eine Prostatitis oder ein PCa, Krankheiten der Harnröhre, der Harnblase, aber z.B. auch psychische Ursachen.

Weitere Hintergrundinformationen zur Prostatagesundheit und zu Prostatakrebs erhalten Sie in diesen beiden empfehlenswerten Büchern:

Gesunde Prostata – Von Vorbeugung bis Heilung;Dr.PeterDüweke.StiftungWarentest,2011.

Diagnose: Prostatakrebs. Ein Ratgeber – nicht nur für Männer;Prof.LotharWeißbachundEdithA.Boedefeld.2.Auflage.ZuckschwerdtVerlagGmbH,2007.

Die gute Nachricht: Prostata-Erkrankungen müssen nicht als Schicksal hingenommen werden. Jeder kann selbst Verantwortung übernehmen und über die Ernährungs- und Lebensweise vorbeugen oder die Therapie unterstützen. Mehr dazu erfahren Sie in den Kapiteln 4, 5 und 7.

2.5 Prostatakrebs als Zivilisationskrankheit

2.5.1 Erst wächst der Bauch, dann die Prostata, dann oft ein Karzinom

Unsere moderne Zivilisationskost mit reichlich Fleisch- und Milchprodukten, Zucker, Weißmehl sowie vielen stark industriell verarbeiteten Lebensmitteln fördert Stoffwechselerkrankungen, Übergewicht und das metabolische Syndrom. Der Mensch wächst immer mehr in die Breite, was sich auch an den Drüsen wiederspiegelt. Für jedermann sichtbar wird dies bei Übergewicht an der Brustdrüse von Mann und Frau, doch auch die Prostata ist eine Drüse, die bei Männern, welche sich nach dem westlichen Muster ernähren, stetig wächst.

Unsere Zivilisationsernährung führt zu einer Ansammlung von Fett in Bauch und Leber und zu Stoffwechselstörungen. Nach außen sichtbar ist vor allem das Übergewicht, doch im Blut finden sich zu viele Fette, Cholesterin, Zucker, Insulin, IGF-1 und Aminosäuren, die eine anabole Mast auslösen und ideale Voraussetzungen für gut- und bösartiges Zellwachstum schaffen. Auch die Ausschüttung von Hormonen wird so stimuliert. In der Prostata führt dies zunächst zu einer Prostatahyperplasie (BPH), einer gutartigen Vergrößerung durch Zellvermehrung. Die BPH resultiert in einer vermehrten Anfälligkeit der Prostata für Entzündungen oder verstärkt diese in Form eines Teufelskreises. Denn Entzündungsprozesse fördern wiederum das Wachstum der Prostata und die BPH (s. Kapitel 2.5.4, Seite 13 sowie Kapitel 3.7, Seite 47).

Die Inflammationsprozesse bei einer chronischen Prostatitis fördern schließlich insbesondere durch den chronisch erhöhten oxidativen und nitrosativen Stress die Entstehung eines Prostatakarzinoms. Dazu tragen auch Beschwerden beim Wasserlassen und Stuhlgang bei, die zum vermehrten Ausüben von Druck führen können, was das Eindringen von Keimen in die Prostata begünstigt.

Erreger kommen häufig über den Harnweg in die Prostata, jedoch lässt die anatomische Nähe zum Mastdarm auch an eine Einwanderung von Darmbakterien denken, insbesondere beim Vorliegen von Schleimhautschäden (vgl. Kapitel 3.7.1 ab Seite 47). So haben Patienten mit Hämorrhoiden ein um 40% erhöhtes Risiko für Prostatakrebs. Dies ergab eine Studie mit über 70.000 Patienten, die über einen Zeitraum von 6,23 Jahre durchgeführt wurde (Lee et al., 2013).

Wie PCR-Untersuchungen von Prostatakarzinomen auf virale und bakterielle DNA von 83 Erregern ergaben, verteilen sich Mikroorganismen nicht homogen auf das Prostatagewebe, sondern bilden abgegrenzte Herde, welche möglicherweise die Entstehung des späteren Karzinoms, das ja ursprünglich immer aus einem lokalen Zellklon entsteht, begünstigen (Sfanos et al., 2008). Dies dürfte auch deshalb interessant sein, weil in einer Prostata häufig mehrere Krebsherde feststellbar sind.

Durch die direkte nachbarschaftliche Lage der vergrößerten Prostata zum Dickdarm können auch Kanzerogene, z.B. PAKs aus gegrilltem Fleisch (Knize und Felton, 2005), und möglicherweise andere krebsauslösende Erreger aus dem Rektum in die Prostata diffundieren und die Entstehung eines Tumors zusätzlich fördern (vgl. Kapitel 4.3.1, Seite 80). Gegrilltes Fleisch ist nicht nur außen kanzerogen, sondern innen häufig noch rot und ungar. Wie wohl der deutsche Nobelpreisträger zur Hausen (2012) richtig vermutet, können zusätzlich infektiöse Faktoren aus diesem nicht durchgekochten, roten Fleisch das Risiko für Dickdarmkrebs stark erhöhen. Konkret vermutet zur Hausen, Chef des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) in Heidelberg, onkogene Viren, die den Dickdarm infizieren. Der Weg vom Darm zur Prostata ist nicht weit.

2.5.2 Metabolisches Syndrom und Prostatakrebs

Die Daten der Nationalen Verzehrsstudie II (MRI, 2008a) zeigen: Insgesamt 58,2% der Deutschen wiegen zu viel; 37,4% sind übergewichtig und 20,8% adipös. Etwa 20% der Bundesbürger haben die nächste, bereits pathologische Stufe erklommen: das metabolische Syndrom. Die Diagnose wird in der Regel gestellt, wenn mindestens drei der folgenden fünf Kriterien erfüllt sind:

Ein stammbetontes Übergewicht mit einem Bauchumfang über

102

cm

bei Männern bzw. über

88

cm

bei Frauen

Ein erhöhter Blutdruck (130/​85 mmHg oder darüber)

Eine erhöhte Nüchternblutglukose von mindestens 5,6 mmol/​l (

100

mg

/​dl) und/​oder ein Gelegenheitszucker von 11,1 mmol/​l (

200

mg

/​dl) oder darüber und/​oder ein bekannter Diabetes mellitus

Erhöhte Blutfettwerte (Triglyzeride ≥ 1,7 mmol/​l bzw

. 150

mg

/​dl)

Ein erniedrigtes „gutes“ Cholesterin (

HDL-Cholesterin

< 1,03 mmol/​l bzw

. 40

mg

/​dl bei Männern und < 1,29 mmol/​l bzw

. 50

mg

/​dl bei Frauen)

Aber: Laut International Diabetes Federation und WHO liegt bei Männern europäischer Herkunft bereits ab einem Taillenumfang von 94cm und bei Frauen ab 80cm ein stammbetontes Übergewicht vor. Nach diesen wesentlich realistischeren Kriterien der International Diabetes Federation und der WHO wäre die Prävalenz des metabolischen Syndroms in Deutschland wesentlich höher. Tatsächlich muss der Bauch- und Leberfettgehalt nicht äußerlich sichtbar erhöht sein, um ernste Stoffwechselstörungen mit erhöhten Blutspiegeln von Insulin, IGF-1, Blutfetten, Cholesterin, Zucker und anabolen Aminosäuren auszulösen. Das Bauchfett ist in den Organen und zwischen den Eingeweiden eingelagert und von der Bauchmuskulatur bedeckt.

Bei Männern kann vor allem regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum die Verfettung von Bauchraum und Leber vorantreiben. Bier ist aufgrund der Kaloriendichte und der oft hohen konsumierten Menge deutlich ungünstiger als ein Glas Rotwein. Der „Bierbauch“ bedarf keiner weiteren wissenschaftlichen Erklärung.

Patienten mit metabolischem Syndrom haben ein erhöhtes Risiko für eine Prostatahyperplasie (BPH) und Prostatakrebs (PCa) (Alcaraz et al., 2009). Immer mehr Studien zeigen, dass das metabolische Syndrom an der Pathogenese und dem Fortschreiten von Prostataerkrankungen wie der BPH und dem PCa kausal beteiligt ist (z.B. Alcaraz et al., 2009; de Nunzio et al., 2012). Die typischen Kriterien des metabolischen Syndroms, nämlich chronisch erhöhte Insulinspiegel (Hyperinsulinämie), Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und erhöhtes Bauchfett, gelten alle als Risikofaktoren für BPH und PCa (Hammarsten und Högstedt, 1999, 2004 und 2005; Irani et al., 2003, Nandeesha et al., 2006; Xie et al., 2007).

Es besteht ein Zusammenhang zwischen metabolischem Syndrom und Progression, Schweregrad und Prognose eines PCa. PCa-Patienten, die erhöhte Insulinspiegel, Blutfette und Übergewicht haben, weisen deutlich häufiger höhergradigen (G3), schlecht differenzierten und damit aggressiveren Prostatakrebs auf (Hammarsten und Högstedt, 2004). Insbesondere erhöhte Insulinspiegel stehen in Zusammenhang mit PCa und könnten ein Marker für die Aggressivität und Prognose des Tumors sein (Alcaraz et al., 2009), was mit der proentzündlichen, anabolen Wirkung einer Hyperinsulinämie in Verbindung stehen könnte. Auch Diabetes mellitus Typ 2 und behandelter Bluthochdruck stehen mit tödlich verlaufendem PCa in Zusammenhang (Hammarsten und Högstedt, 2005).

Insulinresistenz, Hyperinsulinämie und eine Ernährung, die reich an tierischem Protein und einfachen Kohlenhydraten wie Zucker oder Weißmehl ist, fördern die Produktion von IGF-1 in der Leber, das als Wachstumsfaktor zur Entstehung eines PCa beiträgt. Entsprechend gehen erhöhte IGF-1-Werte im Blut mit einem erhöhten PCa-Risiko einher (Price et al., 2012). Dies wird noch ausführlich im Kapitel 3.6(Seite 43) und 6.3(Seite 170) erörtert.

Adipositas ist ein starker Risikofaktor für aggressiven Prostatakrebs (MacInnis et al., 2003; Gong et al., 2006). In der Cancer Prevention Study II mit fast 70.000 Männern ging ein hoher Body Mass Index (BMI) mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko im 11-jährigen Follow-Up-Zeitraum der Studie einher. Adipöse Männer mit BMI < 30 hatten ein 1,54-faches Risiko für einen aggressiven Prostatakrebs im Gegensatz zu Männern mit BMI < 25 (Rodriguez et al., 2007). Dies ist u.a. auf Änderungen der Östrogen-, Testosteron- und Insulinspiegel sowie auf die insgesamt proentzündliche Stoffwechsellage bei Übergewicht zurückzuführen.

Übergewicht fördert vor allem die Progression zu bösartigen Tumoren: Während das Risiko für niedriggradigen Prostatakrebs mit höherem BMI leicht sank, erhöhte sich das Risiko für höhergradigen, aggressiven und tödlich verlaufenden Prostatakrebs deutlich (Rodriguez et al., 2007). Männer, die innerhalb der 10 Jahre vor Beginn der Studie mehr als 5kg Gewicht verloren hatten, konnten dagegen ihr Risiko, an einem höhergradigen, aggressiven Prostatakrebs zu erkranken, um 42% senken.

In der Studie von Roehrborn et al. (2006) mit 4820 Männern wurde ein Zusammenhang zwischen einem hohen BMI und dem Prostatavolumen, dem Volumen der Übergangszone und der Ausprägung eines LUTS festgestellt.

Das metabolische Syndrom wird auch mit schnell wachsender BPH in Zusammenhang gebracht, welches ein weit stärkerer Risikofaktor für PCa sein kann als eine langsam wachsende BPH (Hammarsten und Högstedt, 1999 und 2002; Ozden et al., 2007).

2.5.3 Prostatavergrößerung als Vorstufe von Prostatakrebs?

Epidemiologische Zusammenhänge zwischen BPH und PCa sind schon lange bekannt, doch auch anatomische, pathologische und genetische Zusammenhänge werden immer stärker sichtbar (Alcaraz et al., 2009). BPH und PCa weisen Ähnlichkeiten auf und existieren häufig gleichzeitig. Bei der Entstehung beider Erkrankungen spielen Androgene und Östrogene eine bedeutende Rolle. Und in beiden Fällen wird die Evidenz für die Bedeutung von Entzündungsprozessen stärker, wenn auch bisher noch kein kausaler Zusammenhang eindeutig nachgewiesen werden konnte (Bostwick et al., 2004).

BPH wird zwar nicht offiziell als Vorläufer von PCa eingestuft, doch vielen Prostatakarzinomen geht eine BPH voraus (Alcaraz et al., 2009). Autopsiestudien zeigen, dass die meisten Prostatatumoren (83%) sich bei Männern entwickeln, die eine BPH haben, unabhängig vom Alter des Patienten (Bostwick et al., 1992). Insbesondere eine schnell wachsende BPH geht mit einem erhöhtem PCa-Risiko und mit erhöhtem Risiko für aggressiven und tödlich verlaufenden PCa einher (Alcaraz et al., 2009). Das Tempo des BPH-Wachstums kann daher möglicherweise ein prognostischer Faktor für PCa sein.

Die meisten PCas entstehen in der peripheren Zone (68%), nur 24% in der Übergangszone, wo sich auch die meisten BPHs entwickeln (McNeal et al., 1988; Guess, 2001). Speziell ein PCa, das in der Übergangszone entsteht, könnte demnach mit einer BPH in Zusammenhang stehen (Bostwick et al., 2004). Etwa ein Drittel der PCas in der Übergangszone entsteht nachweislich in BPH-Knoten (Bostwick et al., 1992).

Ursächlich für die Zusammenhänge zwischen BPH und PCa sind die westliche Ernährungs- und Lebensweise, welche beide Erkrankungen durch ein wachstumsförderndes, proentzündliches Milieu fördern, sowie zusätzlich die direkten Auswirkungen der BPH auf das Milieu in der Prostata. Die BPH fördert entzündliche und oxidative Prozesse, welche die Entstehung eines PCas begünstigen (s. folgendes Kapitel). Die ausreichende Aufnahme von natürlichen Antioxidantien ist daher bei bereits bestehender BPH besonders wichtig, um einem Prostatakrebs vorzubeugen.

Auch wenn eine BPH nicht die direkte Vorstufe von Prostatakrebs ist, ist sie doch über ihre prooxidativen und proentzündlichen Auswirkungen in der Prostata ein Risikofaktor für die schleichende, meist deutlich langsamere Entwicklung eines Tumors.

2.5.4 Entzündungen in der Entstehung von Hyperplasie und Prostatakrebs

Entzündungsfaktoren und ihre Mediatoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von chronischen Prostataerkrankungen. Daher gehört eine chronische Prostatitis zu den wichtigen Faktoren, die zur Entwicklung von BPH und PCa beitragen, und stellt auch eine mögliche Verbindung zwischen beiden Diagnosen dar.

Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass zwischen Entzündungsprozessen und Prostatawachstum (gut- und bösartig) ein enger Zusammenhang besteht (z.B. Alcaraz et al., 2009; Elkahwaji, 2013). So zeigen epidemiologische Studien Überschneidungen zwischen Prostatitis und BPH. Die USA Health Professionals Study ergab, dass Männer mit BPH 7,7-mal so häufig eine Prostatitis gehabt hatten. Umgekehrt hatten Männer mit Prostatitis in der Vorgeschichte 3,4-mal so häufig eine BPH (Collins et al., 2002). Eine leichte chronische Entzündung ist die häufigste Form von Entzündung, die bei klinischen BPH-Patienten gefunden wird (Fibbi et al., 2010). Bei PCa wird häufig eine chronische Inflammation im Biopsat festgestellt. Die entzündliche Atrophie (Gewebsrückbildung) ist ein möglicher Vorläufer einer intraepithelialen Neoplasie, einer PCa-Vorstufe (Elkahwaji, 2013; vgl. Kapitel 3.3 ab Seite 26).

Eine Entzündung kann in jedem Gewebe entstehen als Reaktion auf traumatische, infektiöse, post-ischämische, toxische oder autoimmune Verletzungen. Sie wird chronisch, wenn die ursächlichen Faktoren fortbestehen und die Mechanismen zur Auflösung der Entzündung versagen. Die chronische Entzündung fördert die Zellteilung, die Ausschüttung von Immunzellen, Cytokinen und Chemokinen, die exzessive Bildung freier Radikale sowie aktive proteolytische Enzyme, die im Zusammenspiel zu Zellschäden, DNA-Schäden und verminderten DNA-Reparaturen führen. Zudem werden Wachstumsfaktoren ausgeschüttet, die das Zellwachstum fördern und zusätzliche zelluläre und genomische Schäden verursachen. Dies führt zu ständigen Gewebsschäden, unkontrolliertem Zellwachstum und genomischer Instabilität. So kann aus der chronischen Entzündung ein Krebsgeschwulst entstehen (Nelson et al., 2004; Palapattu et al., 2005; de Marzo et al., 2003; Albini und Sporn, 2007). Die chronische Inflammation aktiviert beispielsweise den NF-kappaB-Signalweg (Elkahwaji, 2013). Die Aktivität verschiedener Cytokine steht sowohl in Zusammenhang mit der Entstehung von BPH als auch PCa (Elkahwaji, 2013). Eine chronische Entzündung sorgt auch für eine Umgebung, die die Progression eines Tumors begünstigt (de Marzo et al., 2007).

Zellschäden und darauf folgende Entzündungen in der Prostata können durch verschiedene Faktoren hervorgerufen werden. Zu den Krankheitserregern, die eine Prostatitis auslösen können, zählen Bakterien, die sexuell (z.B. Chlamydien, Gonokokken, Trichomonaden) oder nicht-sexuell (z.B. E. coli) übertragen werden können. Viren, die in der Prostata entdeckt wurden, sind u.a. verschiedene Herpes-Viren oder das humane Papillomvirus (HPV) (Strickler und Goedert, 2001; Zambrano et al., 2002).

Auch der Reflux von Urin begünstigt die Entstehung einer Entzündung, da er zu einer chemischen Irritation führt. Die chemischen Bestandteile des Urins, z.B. Harnsäure, können toxisch wirken und das Prostataepithel beschädigen (Kirby et al., 1982; Isaacs, 1983). Daraufhin werden entzündungsfördernde Cytokine produziert, die wiederum den Einstrom entzündlicher Zellen steigern. Ebenso wie Krankheitserreger kann der Rückfluss von Harn auch die Intensität einer chronischen Inflammation in der Prostata steigern.

Tiefergehende Informationen zum Einfluss von Entzündungsprozessen auf die Entstehung von Prostatakrebs erhalten Sie in Kapitel 3.7 ab Seite 47.

2.5.5 Entwicklung von BPH und PCa in Asien

Die Prävalenz einer BPH steigt in Deutschland beginnend ab dem 35. Lebensjahr jede Dekade um etwa 15%. Fast 100% der 90-Jährigen haben im pathologischen Sinne eine BPH.

Japan folgte als eines der ersten asiatischen Länder dem Beispiel des westlichen Lebensstils. Dadurch haben BPH und PCa stark zugenommen. Die PCa-Sterblichkeit liegt heute zwischen derjenigen Chinas und der westlichen Länder.

China schlug diesen Weg deutlich später ein, aber mit ähnlichem Erfolg – und das nicht nur wirtschaftlich: In China lag 1991-1997 die Inzidenz für BPH am urologischen Institut der Universität von Peking bei 18,5%, 1951-1960 waren es noch 7,6% (Gu, 2000). Anfang des Jahrhunderts war kaum ein Mann betroffen – inzwischen nähert sich die Diagnose dem Niveau westlicher Länder (Gu et al., 1994).

Die Diagnose Prostatakrebs betraf 1951-1960 in Peking 0,6% der urologischen Patienten, 1991-1997 war die Zahl auf 3,4% angestiegen. Demnach steigt die Inzidenz beider Erkrankungen in China stark an, wobei PCa derzeit noch relativ selten ist (Gu, 2000).

2.5.6 Medikamentöse Behandlung von BPH und PCa

Androgene spielen bei der Entstehung von BPA und PCa eine wichtige Rolle. Das Enzym 5-alpha-Reduktase bildet aus Testosteron Dihydrotestosteron, das an den Androgenrezeptor bindet und auf diese Weise zelluläre Differenzierung und Proliferation in der Prostata und somit BPH und PCa fördert (Carson und Rittmaster, 2003). Hemmer der 5-alpha-Reduktase werden zur Behandlung von BPH und zur Prävention von PCa eingesetzt. Große randomisierte, kontrollierte Studien bestätigten die Wirkung von Dutasterid (Avodart) und Finasterid (z.B. Proscar) bei der Verbesserung des LUTS und der Senkung des Risikos für das Fortschreiten von BPH (Debruyne et al., 2004; McConnell et al., 1998). Eine Behandlung mit Finasterid ging auch mit verminderten BPH-Symptomen und einem 25% geringeren relativen Risiko für PCa innerhalb von 7 Jahren einher (Thompson et al., 2003).

Die Behandlung mit Dutasterid senkte in der REDUCE-Studie das relative Risiko für PCa innerhalb von vier Jahren um 22,8% im Vergleich zur Placebogruppe. Zudem wurde das Auftreten von akutem Harnverhalt reduziert (Andriole et al., 2010). Allerdings stieg das Risiko für aggressiven Prostatakrebs in beiden Studien deutlich: So erkrankten im Jahr drei und vier der Dutasterid-Studie zwölf Personen an einem PCa mit Gleason Score 8-10, aber nur einer in der Placebo-Gruppe. Dies wird zum Teil auf eine verbesserte Diagnostik bei einer verkleinerten Prostata zurückgeführt. Allerdings wird durch die Absenkung der Dihydrotestosteron-Pegel durch 5-alpha-Reduktase-Hemmer auch die Bildung von 3beta-Adiol unterbunden. 3beta-Adiol spielt bei der Regulation des Prostataepithels eine wichtige, schützende Rolle (vgl. Kapitel 3.5.2 ab Seite 36), was die höhere Rate an entdifferenzierten, aggressiven Prostatakarzinomen in Zusammenhang mit diesen Medikamenten erklären könnte.

Neue Untersuchungen aus der REDUCE-Studie mit Dutasterid (Fowke et al., 2014) und dem Prostate Cancer Prevention Trial mit Finasterid (Gong et al., 2009) zeigen, dass besonders bei Männern, die Alkohol tranken, Finasterid und Dutasterid wirkungslos in der Prävention von aggressivem, hochgradigem Prostatakrebs waren oder sogar das Risiko deutlich erhöhten: Bei Männern, die neben der Behandlung mit Dutasterid wöchentlich mehr als sieben alkoholische Getränke zu sich nahmen, wurde ein um 86% höheres Risiko festgestellt ein hochgradiges Prostatakarzinom zu entwickeln (Fowke et al., 2014).

In der Finasterid-Studie erhöhten schwerer Alkoholkonsum (≥ 50g Alkohol täglich) und regelmäßiges starkes Trinken (≥ vier alkoholische Getränke täglich an ≥ fünf Tagen pro Woche) das Risiko für ein hochgradiges Prostatakarzinom um 101% bzw. 117% (Gong et al., 2009). 50g Alkohol sind enthalten in ca. 1,25l Bier, 570ml Wein oder 165ml Wodka.

Der Arzt, der die Kontrolle des PSA-Wertes übernimmt, muss über die Einnahme von Dutasterid oder Finasterid informiert sein, weil diese den PSA-Wert senken und der Wert folglich anders gedeutet werden muss.

Medikamente sind wichtig, um das natürliche Fortschreiten von BPH zu verhindern, und sie können möglicherweise auch zur Prävention eines PCas beitragen. Doch Medikamente bergen immer das Risiko für Nebenwirkungen in sich und sie können in Bezug auf PCa bei Männern, die ihre Lebensweise nicht ändern, wirkungslos oder sogar ungünstig sein.

Eine richtig durchgeführte Umstellung der Ernährungs- und Lebensweise (s. Kapitel 7, Seite 201) dagegen hat keine negativen Begleiterscheinungen, sondern stattdessen sogar spürbar stark positive Nebenwirkungen auf Vitalität, Körpergewicht und Herz-Kreislauf-Gesundheit.

3. Entstehung des Prostatakarzinoms