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Die Galaxis wird seit Milliarden Jahren von uralten Intelligenzwesen beherrscht, den Protogenoi. Diese Wesen haben gewaltige mentale Fähigkeiten und beherrschen eine Technologie weit jenseits der menschlichen Möglichkeiten. Jeder Protogenoi lebt innerhalb eines Planeten und kann diesen nicht verlassen. Mit ihren Stellvertretern und ihrer Technologie beherrschen sie aber Lichtjahre große Gebiete unserer Galaxis. Und sie führen Kriege. Allerdings kultivierte und in ihren Auswirkungen begrenzte Kriege. Die Mittel sind Keulen und Kanonen, Panzer und Raketen, aber auch Plasmawaffen und überlichtschnelle Raumschiffen. Protogenoi beherrschen Antimaterie und haben Zugang zu einem unserem Universum übergeordneten Metaraum, aus dem sie gewaltige Energien transformieren können. Die Vernichtungspotentiale sind gewaltig, doch die Protogenoi kontrollieren diese zerstörerischen Energien. Sie setzen auch bei ihren Kriegen bestimmte Grenzen. Seit Milliarden Jahren sind diese Kriege nach immer gleichen Regeln geführt worden, in begrenzten Gebieten mit gut beherrschbaren Risiken. Zerstörerische Energie wurde nur kontrolliert eingesetzt und nie wurde ein Protogenoi getötet. Als jemand die Regeln ändert und Tannhäuser Tore ganze Planeten verschlingen, sucht Gaia, der Protogenoi der Erde, dringend Verbündete. Er bietet ein Bündnis und will menschliche Krieger in die Schlacht schicken. Die Völker der Erde nehmen das Angebot des Protogenoi an und entscheiden sich für den Kampf. Ausgewählte Elitesoldaten der Erde betreten die Schlachtfelder der Protogenoi. In einem Vernichtungskrieg gegen einen unbekannten Feind, der vielleicht keine Regeln mehr kennt, müssen der tödliche Einfallsreichtum und die Kriegskunst menschlicher Strategen sowie der Mut menschlicher Soldaten den Sieg bringen. Military Science Fiction aus Deutschland
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Seitenzahl: 362
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Viktor Fermi
Protogenoi
Krieger der Erde
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Für...
Prolog
1 Kontakt
2 Reflexion
3 Aufklärung
Wissenschaftliche Datenbank der Protogenoi
4 Verhandlung
Ernst, Alexander, persönliche Aufzeichnungen
5 Gaia
Ernst, Alexander, persönliche Aufzeichnungen
6 Die Stadt
Memo des Direktors des FBI
7 Strategie
Ernst, Alexander, persönliche Aufzeichnungen
8 Taktik
Ernst, Alexander, persönliche Aufzeichnungen
9 Erstes Gefecht
Zwischenspiel, ein amerikanischer Flugzeugträger
10 Sharon
11 Claude und Pierre
12 Luca, Leon und Levin
13 Briefing
14 Politik I
15 Veränderungen
Zwischenspiel: In der Stadt
16 Strategie II
17 Warum ?
18 Der Plan
19 Erster Test
20 Politik II
21 Zu den Waffen
22 Appell
23 Ausrüstung
Wissenschaftliche Datenbank der Protogenoi
24 Training
25 Generalprobe
26 Debriefing
27 Der Abend vor der Schlacht
28 Aufmarsch
29 Die Schlacht
Epilog
Anhang
Impressum neobooks
Mascha und Alexander, die das hier eines Tagen lesen werden.
Und Rainer, für den das überraschenderweise auch gilt ...
„Ein Protogonos oder Progogenos (Plural: Protogonoi oder Protogenoi, zuerst geborene) ist in der griechischen Mythologie in engerem Sinn eine Bezeichnung für Phanes, den ersten Gott in der Kosmogonie der Orphiker.“
Aus „WIKIPEDIA Die freie Enzyklopädie“
Der Widersacher folgte einem uralten Ritual. Eine Herausforderung war ausgesprochen und angenommen worden. Zeitpunkt, Energieniveau und Koordinaten wurden wie gewohnt vereinbart. In diesem Arm der Milchstraße waren militärische Auseinandersetzungen keine Seltenheit. In der Nähe einer blauen Riesensonne an der linken Schulter des Orions trafen sich die beiden Flotten an den äußeren Rändern des Sternensystems zur Schlacht. Gigantische Schiffe bezogen in einer mathematisch präzisen Weise ihre Positionen. Im Zentrum der defensiven Aufstellung standen schwer gepanzerte Schlachtschiffe, umgeben von hoch energetischen Schutzschirmen, gebaut um apokalyptischen Energiegewittern standzuhalten. Tödliche Angriffsschiffe stürzten sich auf die Verteidiger um diesen ein vernichtendes Energieinferno entgegen zu schleudern. Schutzschirme wurden überladen und brachen zusammen, Schiffe explodierten. Der Befehlshaber, ein aus Nanobots gebildeter Bewusstseinssplitter des verteidigenden Protogenois, wusste diese Art Kampf zu führen. Pläne für die Strategie einer Begegnung auf diesem Energieniveau waren seit Äonen bekannt und hoch optimiert. Diese Art Schlacht hatte eine lange Tradition in der Milchstraße.
Der Angreifer entfesselte Urgewalten. Die Taktik seines Vorstoßes war neu, verblüffend und durchschlagend. Innerhalb von Minuten brannten die meisten Schlachtschiffe des Verteidigers, lichtschnelle Strahlenbündel glänzten im Dunkeln. Der interstellare Raum wurde durch gewaltige Detonationen erleuchtet.
Die vollständige Niederlage der Verteidiger kam überraschend. Noch überraschender war der anschließende Mord an dem verteidigenden Protogenoi. Die damit verbundene Zündung eines Tannhäuser Tores bedeutete einen Verstoß gegen grundlegende Prinzipien. Alle Erinnerungen eines zehn Milliarden Jahre währenden Lebens waren verloren in der Zeit.
Ausgelöst durch den Verlust und die Tatsache, dass diese Region der Galaxis nun durch ein schwarzes Loch unbewohnbar wurde, musste die interstellare Gemeinschaft der Protogenoi reagieren.
Eine existentielle Bedrohung konnte nicht ignoriert werden.
Es verschwand auch nach dem zweiten Blinzeln und einem ernsthaften Konzentrationsversuch nicht.
Träge und schläfrig vom langen Tag am Strand spürte ich außer dem abendlichen Wind und der nachlassenden Hitze des Tages nicht vielmehr als bleischwere Augenlider. Da die Familie Minigolf spielen gegangen war, lag ich hier allein und war im Begriff einzuschlafen. Zwei Flaschen Bier und ein opulentes Mahl vom Strandgrill hinterlassen Spuren an einem eigentlich gut funktionierenden Verstand, aber irgendwie ging das jetzt zu weit.
Auch nicht an einem sehr heißen Tag bildet der Sand an der Ostsee ohne erkennbaren Grund ein gurkengroßes Männchen, das mit unangenehm lauter Stimme losposaunt:
"Los aufwachen.
Wir werden gebraucht, Ms. Peel.
Achtung !
Alarm !
Das Ende ist nah.
Hannibal ante portas!
Alarmstufe Rot!"
Es machte ca. zwei Minuten so weiter. Solange dauerte es, bis ich überhaupt bereit war, mich mit seiner Existenz zu beschäftigen.
Augenscheinlich intelligent, eindeutig nichtmenschlich, erkennbarer Kommunikationswunsch.
Angesichts der Situation wäre intuitiv also eine subtile und freundliche Begrüßungsformel der angemessene Weg. Oder die Flucht.
"Was?", sagte ich.
Pause.
"Bist du auf Drogen?", fragte es patzig.
"Ne. Äh, kaum."
"Geisteskrank?"
"Ne."
"Hast Du für das, was Du siehst irgendeine Erklärung, die simpel und plausibel ist?". Es hüpfte und lief ein bisschen im Kreis.
Ich dachte einen Moment nach.
"Nein, eigentlich nicht." Ich wurde langsam wach.
"Also wirst du das Folgende bitte aufmerksam anhören?“
"Äh, was?"
"Die planetare, vier Milliarden Jahre alte, dominierende Intelligenzform deines Heimatplaneten benötigt deine Hilfe. Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel."
Ich dachte nach.
"Kannst Du das bitte wiederholen?“
"Ja, aber was würde das ändern?“
"Ähm."
"Du bist einer von zehn Millionen Ausgewählten, die den Protogenoi helfen werden, euren Planeten gegen eine feindliche Entität zu verteidigen. Du und Deine Familie werden in eine der unterirdischen Städte umziehen und die nächsten Jahre dort verbringen. Es wird gut für Euch gesorgt", sagte es.
"Auserwählt, wieso?“
"Ausgewählt, übertreibe nicht. Es wird Dich ein Anwalt aufsuchen und alles mit Dir regeln. Wenn Du mit mir sprechen willst, benutze das hier."
Aus dem Sand formte sich ein Smartphone.
"Nimm das bitte an Dich. Die Nummer ist zweiundvierzig. Aber rufe nur an, wenn Du etwas aufnahmebereiter bist als jetzt", sagte es.
"Ich soll anrufen?", sagte ich zweifelnd.
"Ich werde jetzt verschwinden, danach brauchst Du etwas Zeit, dann willst Du reden. Du wirst anrufen."
Das Männchen fing an, sich aufzulösen.
"Wie heißt Du?", ich war stolz auf die Frage.
"Ah, endlich. Erste konstruktive Hirntätigkeit nach drei Minuten, gut. Ich heiße Puc."
Dann war er weg.
Es soll Menschen geben, die Ereignisse komplett verdrängen, die ihren Erfahrungshorizont sprengen. Ich nicht.
Die ganze Nacht und den folgenden Vormittag und auch die Jahre danach nicht.
Was haben wir da also?
Eine sprechende, gurkengroße Erscheinung. Etwas über eine vier Milliarden Jahre alte, planetare Intelligenz, 10 Millionen Ausgewählte und irgendeine Gefahr. Nein, nicht irgendeine, eine für die ganze Menschheit.
Und ein Smartphone aus Sand. Also, das vor meinen Augen aus Sand gebaut wurde. Oder besser, sich selbst baute.
Um damit zu leben, musste ich mir eine ernste Störung meiner ansonsten guten Beziehung zur Realität eingestehen oder darüber ausführlich nachdenken.
Am Ende des ersten Weges lag der schlichte Irrsinn, daher dachte ich also ausführlich nach.
Puc war nicht wegzuleugnen, ich konnte nach dem Verschwinden noch die Spuren im Sand sehen. Das Smartphone hatte ich eingesteckt.
Das Ganze war ziemlich unglaublich und phantastisch. Offensichtlich wollte man mich manipulieren.
Die Radikalität der Aussagen und die Tatsache, dass die Familie involviert wurde, waren natürlich ziemlich verstörend. Ich dachte an alle möglichen Verschwörungen, ein illegales Drogenexperiment, einen Alienangriff, irgendwelche elektronische Sinnestäuschungen und viele andere Elemente, die die Lektüre der phantastischen Literatur der letzten Jahrzehnte so in mir hinterlassen hatten.
Im Nachhinein waren Naniten das Einzige, was dabei Sinnvolles herauskam. Und dass ich wohl anrufen sollte.
Man fühlt sich blöd, wenn man auf einem im Sand erschienenen Smartphone diese Ziffern tippt. Eine platte Anspielung, die genau das bezweckte. Dachte ich.
"Hier ist Puc."
"Und ?"
Er war jetzt etwas mitteilsamer und ich stellte Fragen. Viele Fragen. Er antwortete und mein anfänglicher Schock wandelte sich über aggressive Ablehnung in eine leidenschaftliche Neugierde. Es war das, was er erreichen wollte, bis heute weiß ich nicht, ob es auch das war, was ich wollte.
Vor ca. vier Milliarden Jahren bildeten sich in dem jungen Planeten Erde erste informationsverarbeitende Strukturen auf, naja, sagen wir subatomarer Ebene. Viel kleiner als Atome und irgendwo versteckt in einem Zoo anderer Elementarteilchen, von dem wir immer noch nicht den ganzen Lageplan kennen, wohl noch lange nicht.
Die wachsende Komplexität war stetig steigend und benutzte Ressourcen, die wir heute nur zum Teil identifizieren können. Zu einigen davon sagen wir Dunkle Materie, andere nennen wir Quintessenzfelder. Für viele Teile dieser Ressourcen haben wir keine Bezeichnung. Es gibt da Sachen im Universum, von denen die Menschheit schlichtweg keine Ahnung hat.
Gemessen am Gesamtzusammenhang der Dinge haben wir von den meisten Sachen keine Ahnung, wie Puc sagte. Keine Ahnung in dem Sinne, dass wir nicht einmal ahnen, dass wir ahnungslos sind.
Der Gesamtzusammenhang von dem er sprach, war wohl die Gesamtheit des Universums (und wie ich später erfuhr, des Metauniversums) incl. der spezifischen Merkmale wie Materie, Energie, Naturgesetze und -konstanten. Es dauerte etwas, das zu akzeptieren. Der Mensch ist eitel und die simple Tatsache, dass wir nur die wenigsten wichtigen Dinge im Kosmos erkannt haben oder gar verstehen, würde für viele Menschen eine schwer verdauliche Tatsache sein. Und für einen Physiker der mit Stolz die Ereignisse in CERN in den Medien verfolgte und eine Menschheit die das Higgs Boson entdeckt hatte, war das eine wirkliche Enttäuschung.
Korrekterweise muss ich sagen eine der ersten Enttäuschungen.
In der Ursuppe des Planeten Erde existierten also Strukturen, etwas das Informationen verarbeiten konnte, viele Informationen und das ziemlich schnell. Sie erlangten nach ca. einer Milliarde Jahren ein Bewusstsein.
Genau eines, nicht mehr. Es war, wie alle seiner Art, ein Einzelgänger.
Seitdem forscht es und baut Sachen, wenn man das so einfach ausdrücken will.
Um Zweifeln vorzubeugen, uns hat es nicht gebaut, auch wohl die meisten der anderen kohlenstoffbasierten Lebensformen nicht. Es machte nicht alles, nur weil es konnte. Bestimmte Dinge erschienen falsch.
Dennoch, es muss in all der Zeit vieles getan und gebaut haben, bemerkenswert viele Dinge, denke ich.
Vor zwei Milliarden Jahren entdeckte dieses Bewusstsein etwas, was man vielleicht als Metaraum bezeichnen kann. Das ist ein Teil des Gesamtzusammenhanges, der für die heutige Menschheit gänzlich unbekannt und bisher undenkbar ist.
Durch den Metaraum waren Entfernungen nicht mehr so relevant, Masse und Energie waren reichlich vorhanden und es gab dadurch einen Zugang zu einer Menge dieser Sachen, für die wir keine Namen haben.
Die Entdeckung versetzte die Entität aber vor allem in die Lage, etwas Folgenschweres zu finden. Andere.
Sie nennen sich Protogenoi, kurz Genoi. Sie existieren in den Planeten. Manchmal auch in einem großen Mond. Aber immer nur eines pro Sonnensystem. Sie brauchen einen bestimmten Abstand zueinander. In vielen Sonnensystemen der Milchstraße waren welche zuhause.
Sie kommunizieren, entwickeln Beziehungen und in der Begegnung mit den Anderen begann die Struktur in unserem Planeten sich zu sozialisieren. In diesem Prozess gab die Struktur sich einen Namen. Er nannte sich Gaia.
Gaia erlebte nun vieles, das er aus der langen Zeit seines Alleinseins nur als theoretisches Konzept kannte, wenn überhaupt.
Er erlernte die Bedeutung von eigenen und fremden Interessen und von Konflikten, von Verbündeten und Feinden, er erlebte Gewalt, Zerstörung und Krieg. Man lehrte ihn Spielchen um Rangfolgen und Macht, Politik und alles Mögliche sonst. Die Artgenossen waren zahlreich und vielfältig. Nicht alle verdienten das Attribut „gut“, ethisch gesehen.
Sie haben einen Intellekt jenseits von unserem und Puc sagte, auch so etwas wie Gefühle. Sie haben Witz und Charme und Raffinesse, sind wissend und erfahren und haben so etwas wie eine Ethik. Eigentlich sogar mehrere. Leider.
Ziemlich interessante Zeitgenossen. Einige machen Angst. Alle beeindrucken einen.
Allerdings gab es auch Eigenschaften, die wir als Defizite werten können.
Sie haben keine Nachkommen, sie haben keine Intuition und nur wenig Fantasie, sie sind sterblich und haben eine Heidenangst vor dem Ende.
"Darum benötigt Gaia Euch", sagte Puc am Telefon.
Vereinfachte Darstellung: Metaraum
Der Metaraum ist eine für den menschlichen Verstand nicht erfassbare Struktur. Es wird wohl lange dauern, bis ein menschliches Hirn genügend stark mutiert ist, um hier eine sinnvolle physikalische Begriffswelt zu erschaffen. Der Metaraum gestattet es, die Grenzen der Lichtgeschwindigkeit zu sprengen. Objekte des Einstein-Universums können ihn nutzen, um Entfernungen abzukürzen und sich scheinbar mit vielfacher Lichtgeschwindigkeit zu bewegen. Er ist gleichzeitig ein Energielieferant, der sich wie eine endlose Batterie in unbegrenzten Mengen anzapfen lässt. Doch das Einsteinuniversum ist da sehr streng in seinen Regeln. Es besteht auf Energieerhaltung, unter dem Strich jedenfalls. Das heißt, man muss alles zurückgeben, was man nimmt. Allerdings nicht von der gleichen Stelle. Das Nehmen kann konzentriert erfolgen, um beispielsweise ein Raumschiff anzutreiben. Das Geben ist dann nach streng statistischen Gesetzen geregelt. Es wird aus einem Raumvolumen ein gleichmäßiger Fluss zurück in den Metaraum gegeben. Dadurch werden die Atome und Moleküle langsamer. Es wird kälter. Es kann in riesigen Gebieten sehr kalt werden, wenn man sorglos Metaenergie zapft. Das kann gefährlich werden, falls man unauffällig sein möchte.
Man muss für die Nutzung des Metaraumes und der Metaenergie die dafür nötigen Gerätschaften bauen, aber dann steht dieses Wunder unbegrenzt zur Verfügung. Die Antriebe von Raumschiffen sind ziemlich groß, die Zapfanlagen für die notwendige Energie dagegen können sehr klein sein.
Gaia entdeckte diese Physik und die Anwendungsmöglichkeiten dazu vor zwei Milliarden Jahren. Man kann mit Metatechnik riesige Flotten Lichtjahre weit fliegen lassen. Man kann Schiffe im Einsteinraum fast bis zur Lichtgeschwindigkeit beschleunigen. Man hat Energie in Hülle und Fülle, um zu tun, was immer man will. Man kann ein kleines Tor bauen, das eine unbegrenzte Menge Energie auf eine immer kleinere Stelle konzentriert, bis das Gefüge des Raumes selbst zerstört wird. Übrig bleibt dann nur ein schwarzes Loch. Diese Technik nannte ein Scherzbold ein „Tannhäuser Tor“.
"Wer oder was bist Du eigentlich?", entgegnete ich mit einer Mischung aus Aggression und ungläubigem Staunen. Ich wollte mich nicht wieder aus dem Konzept bringen lassen.
Aus meiner Schreibtischplatte formte sich Puc vor mir, einfach so.
"Du kannst jetzt auflegen", sagte er.
Ziemlich erschrocken legte ich das Smartphone beiseite.
"Und um Deine Frage zu beantworten, ich bin ein semiautonomer Teil Gaias, der mittels Metatechnik und Naniten manifestiert. Konfiguriert als Dein persönlicher Unterstützungscyborg, kurz Puc."
Ich starrte ihn an, wieder etwas fassungslos.
"Du bist kein Cyborg, dazu müsste etwas Menschliches in Dir sein", warf ich ein und gewann damit etwas gefühlte Würde zurück.
"Nur in einem anthropozentrischen Weltbild", sagte er. "In einem gaiazentrierten Weltbild muss etwas von Gaia in mir sein, richtig?"
"Und warum sollte ich aufhören, in einem anthropozentrischen Weltbild zu denken?", fragte ich.
"Weil es für das Überleben von allem das Du kennst notwendig ist", sagte Puc.
"Das ist ein ziemliches Totschlageargument, findest Du nicht?", konterte ich.
"Ich muss wohl etwas ausholen", begann er.
Er ging auf und ab und verschränkte die Hände hinter dem Rücken und begann zu sprechen: "Also gut, das Leben auf den Planeten - beispielsweise die Menschen - sind für Gaia aber auch für die anderen Protogenoi von großer Bedeutung. Gaia hat es beobachtet und darüber nachgedacht und das sehr gründlich. Ich glaube, Du ahnst noch nicht wirklich, wie gründlich Gaia nachdenken kann. Gaia hat beschlossen, nicht in den Lauf der Entwicklung des Lebens einzugreifen, jedenfalls nicht sehr. Gaia fand es ethisch richtig und dazu extrem unterhaltsam, Euch zu studieren. Das halten die meisten anderen Protogenoi genauso, mit denen er Kontakt hat. Von allen unterhaltsamen Dingen im Universum sind die spätgeborenen, intelligenten Wesen das bei Weitem Interessanteste."
"Wirklich? Das klingt wie eine Mischung aus gelangweilten Göttern und spielenden Kindern", bemerkte ich sarkastisch.
Puc fuhr fort: "Die Protogenoi sind nahezu unsterblich. Sie sind leidenschaftliche Forscher, Entdecker und Politiker. Sie haben hochentwickelte ethische Konzepte und Philosophien. Sie haben das Universum erforscht. Ihre Technik ist ausgereift und sie hatten viel Zeit, um zu lernen und Sachen auszuprobieren. Langeweile und damit verbundene Probleme sind ihr größter Feind. Gleichzeitig haben sie extreme Machtmittel zur Verfügung, die das Potential haben, ganze Sektoren des Universums zu verwüsten. Daher haben die Protogenoi sich viele komplexe Regeln gegeben."
"Und wo ist dann das Problem?", fragte ich nun.
"Nicht alle haben die gleichen ethischen Konzepte, nicht alle die gleichen Regeln, einige haben scheinbar nichts davon", sagte Puc.
Ich dachte über das Gesagte nach.
"Also hat Gaia Streit mit einigen unethischen, zügellosen und mächtigen Artgenossen?", hakte ich nach.
"Genau", sagte Puc.
"Aber das muss doch schon länger der Fall sein", erklärte ich verwundert.
"Ja, klar", sagte Puc.
"Also was hat sich geändert?", fragte ich.
"Mindestens Einer von Ihnen hat angefangen zu töten. Er tötet andere Protogenoi, vernichtet ganze Planeten", sagte Puc mit überraschend deutlichen Anzeichen der Bestürzung.
"Aber im Krieg ist das so", sagte ich.
"Verstehst Du nicht, so war es noch nie, in all den Milliarden Jahren nicht", sagte Puc traurig. "Protogenoi haben sich noch nie gegenseitig getötet. Etwas ist passiert, von dem wir nicht wissen, etwas passt nicht in die bisherige Wirklichkeit, seitdem hat Gaia Angst. Und nicht nur Gaia", Puc sah mich an.
"Darum hat Gaia beschlossen, dass er Eure Hilfe benötigt. Die Menschen sind sehr kreativ im Umgang mit dem Undenkbaren und produzieren sprunghafte Erkenntnisse."
"Also soll ich nun meinen gewohnten Bezug verlassen, mir das gaiazentrierte Weltbild aneignen und in diesem das Undenkbare denken", schlussfolgerte ich ohne den Versuch, witzig zu klingen.
"Ich denke, Du hast begriffen", sagte Puc.
"Und was soll das mit der Umsiedlung und den 10 Millionen Ausgewählten und was sollen unterirdische Städte sein?", ich war noch nicht mit ihm fertig. Noch lange nicht. Nicht solange es um meine Familie ging.
„Du bist natürlich nicht der Einzige. Gaia hat sich eine Menge Berater ausgesucht. Um optimale Bedingungen zu schaffen, hat Gaia Städte angelegt, in denen diese Berater arbeiten werden“, aus Pucs Mund klang das fast normal.
„Warum unterirdisch?“, ich ahnte es.
„Zum Schutz natürlich, vor dem Rest der Welt“, sagte Puc. Ich wusste, er meinte nicht nur diese Welt.
„Und die Familien sollen mit, damit die Produktivität hoch ist?“, ich wusste, da war noch etwas.
„Es sind Archen, falls etwas schief geht“, gestand er.
„Schön, dass Gaia uns erhaltenswert findet“, allerdings beunruhigte mich die Möglichkeit eines Szenarios, in dem Archen sinnvoll wären.
Puc drängelte.
“Wir müssen Deine Familie informieren und den Umzug organisieren, die Zeit läuft davon! Ich kontaktiere den Anwalt.“
„Vorher habe ich einige Bedingungen, Du Cyborg", warnte ich ihn.
Intelligentes Leben und das Fermi Paradoxon
Das Weltall ist ziemlich groß und weitgehend leer. Es gibt dann hier und da Ansammlungen von Sternen, so genannte Sterneninseln, auch Galaxien genannt. Die Milchstrasse ist die Insel, in der sich unserer Sonnensystem und alles andere, das man als Nachbarschaft bezeichnen könnte, befinden.
Diese Milchstrasse besteht aus einigen hundert Milliarden Sternen und unsere kleine gelbe Sonne ist eine davon, eine ziemlich unauffällige sogar. Es gibt von diesem Typ Sonne Milliarden Stück in unserer Galaxis. Nun hat sich ausgerechnet hier der Planet Erde gebildet und darauf eine intelligente Spezies, die Menschen.
Ein bestimmter Teil dieser Menschen denkt schon ziemlich lange, dass es noch andere intelligente Lebensformen dort draußen geben muss, aber bisher fehlt jede Spur von ihnen. Darüber hat unter anderem der berühmte Physiker Enrico Fermi laut nachgedacht und damit entstand ein beliebtes Denkspiel namens „Fermi Paradoxon“.
Seit nun in unserer Zeit offensichtlich wurde, dass es nahezu überall im All Planeten gibt, wird diese Frage eigentlich immer interessanter. Außer vielen Spekulationen und Vermutungen gab es bis heute keine gesicherten Erkenntnisse zu dem Thema. Die gibt es auch jetzt nicht, weil Gaia da eine sehr restriktive Informationspolitik pflegt. Aber zumindest haben wir jetzt eine andere Intelligenz gefunden, wenn auch keine außerirdische. Aber irgendwie zählt das schon.
Gaia berichtet von den vielen anderen seiner Art und den vielen jüngeren Spezies. Also scheint es doch eine große Vielfalt intelligenten Lebens da draußen zu geben. Die Frage, warum wir keine andere dieser Spezies bisher gesehen haben, ist einfach zu beantworten. Sie müssten in Gaia´s Sektor eindringen, dazu bekommen sie keine Erlaubnis.
Warum wir nichts hören, im Sinne von Funk oder Laser oder ähnlichen Techniken, ist da schon schwerer zu erklären. Wird dies von den Protogenoi unterbunden? Oder gibt es irgendwo einen milchstraßenweiten Amateurfunkerclub und wir sind einfach noch kein Mitglied? Dahinter steht natürlich die Frage, wie das Zusammenleben von Protogenoi und andere intelligenten Spezies im Allgemeinen so aussieht. Was genau ist der Modus Vivendi für solche wie uns? Was haben wir zu erwarten, von diesen Protogenoi?
Wie spricht man mit einer planetaren Intelligenz? Neben einer außerordentlichen Vergütung und absoluter Sicherheit für die Familie hatte ich ein direktes Gespräch mit Gaia verlangt.
Gaia wählte einen mannsgroßen Avatar aus einem kobaltblauen Etwas. Ein haarloses Neutrum von zwei Metern Größe. Unbekleidet, mit einer schwach leuchtenden, gelben Aura. Die Komposition war gerade außergewöhnlich genug, um einen nicht vergessen zu lassen, dass man kein normales Gespräch führte. Gaias einleitende Zusammenfassung der Situation entsprach Pucs Ausführungen. Die Präsenz und Stimme dieser Erscheinung und der Eindruck intellektueller Tiefe und geistiger Reife vor einem Hintergrund äonenalter Erfahrungen waren allerdings ganz anders. Anders als alles jemals von Menschen Gehörte.
Gaia stellte mir die Gemeinschaft dar, mit der er sich verbunden fühlte. Eine Kultur, die auf einer interstellaren Kommunikation beruhte, deren Struktur extrem vielschichtig war.
Sie tauschen sich auf mehr Ebenen aus, als sich Menschen derzeit vorstellen können. Vieles, das diese Wesen denken und fühlen, werden niemals Menschen verstehen. Aber ein paar Dinge sind fassbar und bedeutsam.
Sie können nicht reisen. Sie können jede Art Raumschiff bauen und Roboter und Bots und alles Mögliche sonst, aber sie selbst sind an ihre Planeten und Sonnensysteme gebunden.
Sie können Splitter ihrer selbst erzeugen, so wie Puc. Kleine Inkarnationen, die aber ein eigenes Bewusstsein hatten. Diese können das Metafeld der eigenen Zone verlassen, aber nur begrenzte Zeit.
Sie haben den Weltraum in Interessensphären aufgeteilt, jeder Protogenoi hat sozusagen ein eigenes Revier.
Da jeder Protogenoi mit jedem kommunizieren kann, ist die räumliche Anordnung ihrer Einflussbereiche nicht so bedeutsam. Für die Schaffung einer gemeinsamen Basis aus Philosophie, Ethik und gemeinsamen Interessen behinderte diese nicht. Ein paar Sekunden Verzögerung in der Kommunikation stören solche Wesen nicht, sie organisieren parteiartige Gruppen, haben Freunde und Feinde und machen Politik. Die Sekunde, die das Überwinden einer Distanz von zehn Lichtjahren im Metaraum kostet, spielte für ihre interstellare Zivilisation normalerweise keine Rolle.
Für die Kriege die sie führten war das anders. Raumschlachten sind schnell, jede Entscheidung vor Ort muss ohne Verzug getroffen werden. Daher erschufen sie unabhängige Bewusstseinssplitter, Teile ihrer selbst, so wie Puc. Diese schickten sie als Befehlshaber in den Kampf, neuerdings auch als Botschafter zu den Verbündeten.
Sie kämpften um Ressourcen, Ressourcen wie Materie und Energie, aber auch um die Ressource Weltraum. Raum, der nahe an der eigenen Zone lag, war mit seinen Ressourcen wertvoller, als Raum in entfernten Galaxien. Ressourcen wurden gebraucht, um zu gestalten. Sie benutzen dabei Materie und Energie und alles was sie sonst so fanden, um nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Sie bauten Schiffe und Stationen und Sachen, die wir nicht verstehen.
Für uns der vielleicht wichtigste Aspekt war aber die Haltung, die sie zu den intelligenten Wesen und Zivilisationen hatten, die auf ihren Planeten anzutreffen waren.
Einige benutzten unbewohnte Sonnen und Planeten für ihre Zwecke. Andere benutzen auch die Lebensformen dieser Welten, einige auch die intelligenten Lebensformen. Und für einige waren diese vollständig gleichgültig, bedeutungsloses Ungeziefer.
Es gab auch über solche Fragen Streit und Krieg. Einige wollten ganze Zivilisationen auslöschen, andere das verhindern.
Sie kämpften mit allen Mitteln. Gewaltige Schlachten. Nach Millionen zählende Flotten prallten auf mondgroße Kampfstationen. Konstrukte aus Nanobots kämpften auf jedem denkbaren Schlachtfeld. Brennende Schiffe, zermalmte und zu Schlacke verkohlte Planeten, verlöschende Sonnen und willkürlich erzeugte schwarze Löcher, die in den Zonen der Feinde Lichtjahre große Bereiche für immer verwüsteten. Eine unvorstellbare Choreographie der Zerstörung über die gesamte Weite unserer Galaxis.
Die autonomen Bewußtseinssplitter der Genois waren für die Strategie ganze Raumsektoren verantwortlich. Sie lenkten und erreichten Siege und Niederlagen und sie starben auch. Allerdings wurden sie auch wiedergeboren. Einige hatten Erinnerungen an tausende gewaltsame Tode.
Es gab komplexe Regeln die den Kämpfen Grenzen setzten und die Zerstörung des Universums verhindern sollten. Und eine Regel gab es, an die sich alle hielten.
Ein Protogenoi tötet keinen anderen.
Jedenfalls war das bis vor etwa zehn Jahren so.
„Ihr würdet sie Freunde nennen. Drei von Ihnen höre ich nicht mehr. Ihre Sektoren sind verwüstet. Staub. Sie sind nicht mehr.“, Gaias Trauer war fast nicht zu ertragen. Und da war der Zorn. Er war körperlich spürbar, das Adrenalin ließ das Blut in meinem Ohr rauschen.
„Meine Gemeinschaft ist bereit zu kämpfen, wir stellen bereits Ressourcen bereit. Aber wir wissen nicht, gegen wen. Und auch das Wie ist noch offen.“, Gaias schwarze Augen waren intensiv.
„Das verstehe ich nicht“, sagte ich. „Ihr kämpft seit Milliarden Jahren und jetzt wisst ihr nicht mehr wie?“
„Genoi kämpfen nach Regeln, wir legen begrenzte Ziele fest, definieren Sektoren und Energiemengen. Wir halten die Destruktion in einem beherrschten Rahmen“, Gaia leuchtete. Stolz ist wohl eines der Gefühle, zu denen sie fähig sind. Wir haben immer die Kontrolle behalten, in all den Äonen unserer Existenz. „Die Mörder beschwören die Drohung eines unbeschränkten Vernichtungskrieges.“
Ich dachte nach. „Eine Entität wird fast alles unternehmen, um ihrer Vernichtung zu entgehen. Und die Mörder Deiner Freunde wissen, dass ihnen der Tod droht, oder? “, ich glaubte die Antwort zu kennen.
„Auslöschung ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, für die es Konsens gibt“, sagte Gaia in einem Tonfall kälter als der absolute Nullpunkt.
„Und wie sollen menschliche Berater Euch bei der Metzgerarbeit helfen?“, meine Wut war ein Nachklang des Zorns meines Besuchers. Die Aussicht, ein simples Hilfsvolk für den Krieg eines wütenden, gottähnlichen Superwesens zu werden und am Ende ein Blutbad unter anderen seiner Art anzurichten, war deprimierend. Es machte mich wütend.
„Euer Verstand ist anders als der unsere. Ihr neigt zu Sprüngen, kommt zu Lösungen, für die es eigentlich keine Grundlagen gibt. Ihr fällt Urteile, obwohl die Datenbasis unzureichend ist. Eure Kreativität und Sprunghaftigkeit sind Eigenschaften, die uns fehlen. Unsere Extrapolationen zeigen, dass ein sprunghaftes Element unseren Analysen einen Vorteil verschaffen könnte. Wir haben die Hoffnung, mit Euch zusammen eine effizientere Strategie umsetzen zu können“, Gaia sprach nicht weiter.
Gaia hatte Hoffnung gesagt. Ich stutzte. Da war ein Widerspruch.
„Das ist nicht genug, erkläre, warum jetzt. Du führst seid Milliarden Jahren Krieg. Warum schaltest Du erst jetzt menschliche Berater ein, was ist anders?“
„ Warum denkst Du, dass es erst jetzt geschieht?“, die Frage war ein Rückzuggefecht, ahnte ich.
„Du sagst, ihr habt die Hoffnung. Die Hoffnung auf was? Worauf genau hofft ihr? Oder besser, warum? Das ist die eigentliche Frage, oder?“, ich hatte es. „ Warum hofft ihr? Ihr müsst doch genau wissen, wo Stärken und Schwächen einer Spezies wie der unseren liegen. In den Milliarden Jahren hatten Du und Deine Freunde doch genug Zeit, jede Konstellation der Zusammenarbeit auszuprobieren.“
„Du irrst Dich. Die Genoi haben die jungen Völker studiert, beeinflusst, geformt, manchmal bestaunt, sehr oft einfach missachtet. Und einige von uns haben ihre Völker missbraucht und zerstört. Doch niemals, in all der Zeit, waren Genoi bereit, sich mit einer jungen Rasse im Kampf zu verbünden. Niemals, bis heute.“
„ Und Du bist der erste und einzige? Was ist mit Deinen Freunden? Halten die das jetzt auch so?“, fragte ich.
„Keiner meiner Freunde, kein Genoi den ich kenne. Nur Ihr und ich“, Gaia sah mir in die Augen.
„Sag mir, warum?“, forderte ich.
„Ich glaube in der jetzigen Situation sind die Besonderheiten Eurer Spezies eine Chance. Es gibt im bekannten Raum derzeit nichts Vergleichbares“, sagte Gaia trocken. „Wir stehen hier vor einem unbekannten Feind und werden einen Vernichtungskrieg führen müssen. Das ist Eure Spezialität. Seit es Euch gibt tötet ihr einander. Ihr führt seit zehntausend Jahren Krieg und Ihr werdet wohl nie damit aufhören. Jeder Fortschritt heißt neue Waffen. Mehr Tote. Ihr seid wahrhaftige Schlächter. Ihr kennt keine Grenzen in Eurem Wahn, jedes Mittel ist Euch recht, wenn es um den Sieg über Eure Feinde geht. Ihr seid intelligent, strategisch klug und kämpft mit bisweilen kreativer Eleganz. Ihr seid mutig, skrupellos und ihr lernt auf eine unheimliche Weise. Ihr seid die geborenen Krieger. Trotzdem kennt ihr Schönheit, Ehre und Spiritualität. Ihr sucht die bessere Welt, auch wenn ihr dafür die alte zerstören müsst. Eure Religion ist oft Euer Fluch gewesen, aber sie lehrte Euch vor allem auch, keine Angst zu haben. Nicht einmal vor Euren Göttern. Von allen Völkern in unserer Sphäre, all den Millionen Kulturen seid ihr es, von denen wir glauben, dass ihr bereit seid, Krieg gegen etwas zu führen, dass niemand von uns versteht.“
Ich schwieg eine Weile und dachte über das Gesagte und die Menschheit nach. Ich hatte schwer zu schlucken, an dem was er sagte. Aber ich konnte und wollte nicht diskutieren. Nicht zu diesem Zeitpunkt.
Er erläuterte mir dann noch, dass der Feind wahrscheinlich in naher Zukunft ihn und die Erde angreifen würde. Damit war meine Entscheidung klar. Ich unterschrieb und wir zogen um.
Krieg
Seit es Menschen auf diesem Planeten gibt, führen diese Krieg gegeneinander. Zwar können wir den organisierten Kampf von ganzen Gemeinschaften auch im Tierreich beobachten, allerdings sind die Dimensionen dieser Auseinandersetzungen nicht mit dem vergleichbar, was die Spezies Mensch auf diesem Gebiet leistet.
Menschen führen Krieg in einem Umfang, einem Einfallsreichtum und einem Maß an Zerstörungswut, das beispiellos ist. In der aufgezeichneten Geschichte haben mehr als 14000 Kriege stattgefunden. Es wurden ca. 3-4 Milliarden Menschen getötet. In ungefähr jedem Jahr der bekannten menschlichen Geschichte wurden so statistisch gesehen 1 Million denkende und fühlende Wesen ausgelöscht. Es waren wohlgemerkt Wesen der gleichen Spezies, manchmal Nachbarn, manchmal Freunde und nicht selten auch Familie.
Die Gründe hatten fast nie mit unmittelbar vitalen Interessen wie beispielsweise Nahrung oder Wasser zu tun. Die Anlässe waren eher nebensächlich. Oft ging es um abstrakte Ideen oder die Auslegung der Worte toter Männer. Im Nachhinein wurde gern erklärt, wie überflüssig diese Veranstaltungen waren. Trotzdem wurden die Vorbereitungen für den nächsten großen Event immer mit äußerstem Einsatz getroffen. Der Berufsstand des Soldaten hatte zu fast allen Zeiten großes Ansehen. Und es flossen immense Ressourcen in die immer größer werdenden Kriegsmaschinen.
Millionen von Menschen zu allen Zeiten verbrachten ihr Leben mit dem Ausarbeiten immer besserer Methoden der organisierten Kriegsführung. Das massenhafte Töten von gegnerischen Soldaten war in den verschiedenen Kulturen der Menschheitsgeschichte eine fast immer anerkannte und zur Perfektion entwickelte Disziplin. Militärisches Denken wurde häufig auf andere Lebensbereiche übertragen. Besonders gilt dies auch für militärische Begriffe. Die Menschheit hatte eine ausgewiesene Expertise im organisierten, bewaffneten und gewalttätigen Austragen von Konflikten. Insbesondere ihre Innovationsfreude und ihr Variantenreichtum werden durch die Geschichte eindrucksvoll belegt. Menschen kämpften an Land, in der Luft, auf und unter dem Meer. Sie kämpften mit Steinen, Stöcken, Gewehren, Panzern und Flugzeugen, neuerdings mit Drohnen. Vom Schwert zur Nuklearwaffe benötigte man nur ein paar hundert Jahre.
Gemessen an den Zeitabläufen, in denen Protogenoi agieren, bewegt sich unsere Lust an der Veränderung in einer anderen Dimension. Protogenoi kämpfen seit Milliarden von Jahren auf die gleiche Weise. Allein die individuellen Fähigkeiten der Pucs, deren körperliche Strukturen mit nahezu identischer Leistungsfähigkeit ausgestattet waren, entschieden den Kampf. Auf der Basis uralter, immer gleicher Strategien entschieden winzige Unterschiede in der Führung und dem individuellen Geschick über Sieg oder Niederlage.
In der menschlichen Kultur dominierten dagegen immer wieder geniale menschliche Strategen die Schlachtfelder, die in ihrer Zeit sprunghafte Neuerungen durchsetzten und damit unwahrscheinliche Erfolge hatten. Situationen, die aussichtslos waren, wurden durch eine überraschende Taktil oder den Einsatz neuartiger Mittel in Siege verwandelt. Die Kunst, den Gegner zu überrumpeln, ihn mit immer neuen Spielarten der Taktik und wechselnden Strategie zu verwirren und schließlich vernichtend zu schlagen, war für menschliche Feldherren die größte Befriedigung. Menschen kämpften trickreich, waren verschlagen und konnten dennoch heldenhaft mutig sein.
Man nehme also einen Haufen Energie, Nanobots und jede Menge Rohstoffe. Dazu eine nahezu unbegrenzte Rechenleistung. Gaia hatte da eine Stadtplanung hingelegt, die nichts zu wünschen übrig ließ. Für ca. jeweils eine Million Berater und ihre Familien, also mehrere Millionen Menschen, waren Städte gegründet worden, die sich im Inneren der Erdkruste befanden. Es gab künstliche Sonnen und landwirtschaftliche Nutzflächen, riesige Parkanlagen, Strand- und Skigebiete, sogar Tiefseetauchen war möglich. Man wohnte in Bungalows oder Wohnblöcken, Blockhäusern, Höhlen oder Zelten, einige unter Wasser. Von der Muschel bis zur Berghütte war alles vertreten. Gaia stellte einem eine Immobilie ganz nach eigenem Geschmack zur Verfügung.
Innerhalb der Stadt gab es jede Möglichkeit zur Gestaltung, nur wenige Bauwerke und Infrastrukturkomponenten waren vorgegeben. Man konnte sich eine Architektur ausdenken und Gaia setzte diese dann mit Nanobots um. Innerhalb vernünftiger Grenzen natürlich. Das Design unserer Wohnstätte war auf meinen sechsjährigen Sohn zurückzuführen. Wir wohnten in einem Zoo mit mehreren zahmen Braunbären, einem kleinen tropischen Regenwald und einem Fußballplatz. Einige Einhörner und langhaarige Elfen ergänzend diese Menagerie, hier war meine Tochter Ideengeberin.
Die Berater, wenn man sie so nennen will, deckten nahezu jeden Bereich menschlichen Könnens ab. Natürlich waren die ganze harte Wissenschaftswelt und das Ingenieurwesen vollständig vertreten. Es gab Militärs (nicht so viele, wie ich dachte), Ärzte, Wirtschaftswissenschaftler und Juristen. Natürlich Philosophen und Vertreter jeder Religion, von der ich jemals gehört hatte. Aber auch Künstler und sogar Politiker. Ich sprach mit Clowns und Zauberern, mit Mystikern und Leuten, die ich nicht verstand.
Meine Rolle war durch meine Ausbildung zum Physiker, meine Vorliebe für Militärgeschichte und Waffen und meine Tätigkeit als Autor für Science Fiction bestimmt. Es gab noch einige mehr wie mich. Wir sollten kreativ quer denken, sagte mein Puc mir einmal.
Jeder Berater hatte einen Puc, der als Mischung aus Lexikon, Lehrer, Psychologe und gelegentlich als direkte Verkörperung Gaias fungierte. Ein Puc war auch ein Personalcomputer mit gewaltiger Rechenleistung und audiovisuellen Kapazitäten. Er konnte virtuelle Realitäten erschaffen, die scheinbar unendliche Möglichkeiten boten. Jeder konnte mit seinem Puc überall beliebige Informationen abrufen, jede Idee, jedes Szenario, jede Phantasie konnte man sich als sehr lebensechte Virtuelle Realität darstellen lassen. Die Puc´s sorgten dabei für Orientierung und assistierten einem bei der Organisation. Mit einem Puc war man immer in der Lage, auf dem eigenen Gebiet zu forschen und zu entwickeln. Ein Puc konnte als ziemlich fortgeschrittenes Smartphone agieren und einem ein Interface zu jedem und jeder Datenbank der Anlage verschaffen. Er war in der Lage, multimedial jede denkbare Kapazität anzubieten. Er konnte holographische Bildschirme erschaffen, auf denen man mit Gestensteuerung Bedienelemente nutzen konnte, berührungssensitiv wie bei Tabletcomputern, allerdings in jeder Größe und ohne weitere Hardware. Puc konnte alle Sinne mit Eindrücken versorgen, Bilder direkt auf die Netzhaut projizieren, perfekten Raumklang erzeugen, absolut echt wirkende Geruchserlebnisse bieten und für ein perfektes haptisches und taktiles Empfinden sorgen. Eine perfekte Illusion, oder wissenschaftlich gesprochen, vollständige Immersion. In einer virtuellen Realität, die von einem Puc projiziert wurde, hatten schon einige Berater den Kontakt zur Realität fast verloren. In der Stadt war Pucsucht eine gefürchtete Krankheit.
Wir hatten eine Leistungsverpflichtung, jeder musste lernen und regelmäßig Prüfungen ablegen. Man war in Kolloquien und Pflichtseminare eingebunden. Diese beinhalteten u.a. die Aufarbeitung von ethischen, wissenschaftlichen, psychologischen und militärischen Themen jeder Art. Wir lernten die Kultur der Protogenoi und ihre Technologie kennen. Die Zusammenarbeit mit den menschlichen Institutionen war ein Thema. Die galaktische Politik ein anderes.
Ergänzend musste jeder wöchentlich eigene Arbeiten abgeben. Dafür gab es keine vorgegebenen Themen oder Formen. Die Beiträge waren so frei von Vorgaben wie möglich, nur sollte jeder erkennbar sein Potential einsetzen. Ich erledigte diese Aufgabe, indem ich mit diversen Schlachtaufstellungen und den verschiedensten Truppenarten in der VR experimentierte. Ein Mischung aus den Aufstellungen der historischen Schlachten, die ich kannte und den Info´s aus der Protogenoikultur. Eine Schlacht von Rittern, Pikenieren und Langbogenschützen mit einem Puc in voller VR zu kommandieren, war ein ziemlich umwerfendes Erlebnis. Ich simulierte auch Raumschlachten gegen Aliens und experimentierte mit jeder Art Waffengattung und Soldaten, die mir einfiel. Raumäxte gegen Schutzschilde, Laserschwerter gegen Strahlenpistolen, phasengesteuerte Plasmagewehre gegen riesige Roboterarmeen und laut röhrende Kampfjets mit roten und blauen Laserstrahlen.
Andere Berater analysierten sehr wissenschaftlich alle denkbaren sozialen, ökonomischen und politischen Szenarien. Die Naturwissenschaftler und Ingenieure simulierten und konstruierten Modelle in gewaltiger Vielfalt. Man arbeitete allein oder in Gruppen. Die Fähigkeiten zur Selbstorganisation waren ausgeprägt. Die Themen entwickelten sich nach einem kreativen Zufallsmuster. Die Gesamtheit von einer Million Spezialisten produzierte Ideen und Fragen, lernte und analysierte.
Die Technologie und Wissenschaft der Protogenoi war unüberschaubar. Die Implikationen für die Menschheit nicht abzuschätzen. Bisher waren die Städte allerdings geheim. Außer den ausgewählten Beratern und deren Familien wusste niemand von den Protogenoi. Die Informationsbarriere war absolut. Gaia wollte noch nicht an die Öffentlichkeit.
Der eigentliche Zweck dieser ganzen Situation war die Bereitstellung kreativen Potentials. Gaia schmiss Wissen in die Menge, ließ über alle möglichen Themen nachdenken. Er hoffte hier auf Sprungphänomene. Plötzliche intuitive Einsichten, die seinen systematischen intellektuellen Prozessen einen Vorteil verschaffen sollten.
Dazu kamen Diskussionskreise, Arbeitsgruppen und Seminare „in real Live“ oder virtuell. Jeder Aspekt des Zusammenlebens mit den Genoi wurde bearbeitet.
Die aktuelle strategische Situation sollte dazu als gemeinsame Grundlage dienen. Gaia erklärte diese als Dozent in einer Vorlesung, die jeder in der Stadt kannte. In der einen oder anderen Form hatten alle Berater und die meisten Einwohner sich dieses Infopaket angeeignet.
„ Ich stehe in einem Austausch mit ca. zehn Millionen Protogenoi, die diese Galaxis bevölkern. Wir bilden eine Gemeinschaft, die viel lockerer organisiert ist, als die Staatswesen, aus denen die meisten von Ihnen stammen. Wir haben jede denkbare Form der Interaktion aber nur wenige Regeln. Die meisten betreffen die Verteilung unserer Zonen und auf welchen Teil des Weltalls wer von uns Zugriff hat. Einige Regeln betreffen den Einsatz von Technologien und sollen das Risiko einer totalen Vernichtung kontrollieren. Wir haben viele Regeln, die das Konfliktmanagement betreffen. Es gibt ein allgemein anerkanntes Prozedere für Kriegshandlungen. Es gilt ein absolutes Tötungsverbot für Protogenoi.“
Der blaue, zwei Meter große Humanoide sah das Auditorium an. „Bis vor ca. 100 Jahren galten diese Regeln ohne Einschränkung. Seitdem wissen wir, dass jemand sich nicht daran hält. Drei von uns sind getötet worden. Jedes Mal durch einen Gegner, der wie ein Protogenoi auftrat. Aber der Gegner setzte verbotene Technologien ein, er tötete den gegnerischen Genoi und verwüstete die zugehörige Zone des Alls. Keine Regel ist mehr gültig. Wir haben daher beschlossen, den oder die Täter zu vernichten. Sie werden dabei helfen.“ Es lag eine deutliche Endgültigkeit in dieser Formulierung.
Gaia fuhr fort:“ Wir müssen Sie über einige Grundlagen unterrichten, bitte lesen Sie die dieser Darstellung beigefügten Informationspakete.“ Wir erhielten eine Einweisung in die Technologie und Kosmologie der Protogenoi sowie die politischen, sozialen und ökonomischen Strukturen unserer Milchstraße.
Man kann sagen, technologisch galt „Anything Goes“. Die Protogenoi waren in der Lage, Materie vollständig in Energie umzuwandeln und umgekehrt. Sie hatten Nanobots, die von der subatomaren Ebene bis hin zu riesigen Raumschiffen und Sternenfestungen alles bauen konnten, was denkbar war. Vom Faustkeil bis zum Lasergeschütz konnten Nanobots jede technische Konstruktion herstellen, für die es Baupläne gab. Die Wissenschaft der Genoi war Milliarden Jahre alt, es gab keine unerforschten Bereiche mehr. Sie hatten den Metaraum entdeckt, eine dimensional übergeordnete Sphäre, aus der man Energie zapfen konnte. Allerdings musste man auch wieder Energie zurückführen. Ihre überlichtschnelle Raumfahrt und Kommunikation führte durch den Metaraum. Unsere Physiker waren hier an ihre Grenzen gestoßen. Die Konzepte der Metatechnik verstand kein menschlicher Wissenschaftler. Allerdings gab es eine Geschwindigkeitsgrenze von 10 Lichtjahren pro Sekunde. Weder Informationen noch Materie konnten schneller durch den Metaraum reisen. Ich verstand die zugrunde liegende Physik nicht, aber diese Grenze war wohl absolut.
Die Existenz der Genoi hing mit dem Metaraum zusammen. Im Inneren eines Planeten, der um eine Sonne kreist, gab es Bedingungen, die es der Materie gestatteten, ein gewaltiges Maß an Selbstorganisation zu erreichen. Gespeist durch einen natürlichen Metaraumzugang, bildeten sich bei günstiger Topologie Protogenois.
Die Kultur der Genois definierte sich auf der Basis von Lebewesen, die es gewohnt sind allein zu sein. Ein Genoi ist eine lange Zeit in seiner Entwicklung allein, er erlangt Bewusstsein und benötigt dann ca. eine Milliarde Jahre um den Metaraum und die anderen Protogenoi zu finden.
In dieser Zeit werden sie, platt gesagt, zum Eigenbrötler. Diese Halbautisten beginnen dann eine zögerliche Kommunikation mit anderen Individuen, eine Gemeinschaft gibt es eigentlich nicht. Daher ist ihre soziale Interaktion minimal. Sie brauchen einander nicht, der andere ist hauptsächlich Konkurrent. Protogenoi sind unabhängig, weil sie weder zur Fortpflanzung noch zum Lebensunterhalt oder zur Aufzucht von Nachwuchs auf die Kooperation mit anderen angewiesen sind. Aufgrund ihrer Struktur langweilen Sie sich auch nie. Sie erschaffen semiautonome Ableger, die Pucs, geben diesen Aufgaben und studieren die Ergebnisse.
Genoi sind Baumeister, hervorragende Ingenieure und Forscher. Sie vermessen ihren Herrschaftsbereich, katalogisieren die verfügbaren Ressourcen und bauen zu ihrem Vergnügen alle möglichen Artefakte. Dazu gehören Raumschiffe, aber auch Stationen im All.
Künstliche Welten kreisten um kunstvoll geschaffene Sonnen, mehrere Lichtjahre große Nebel mit Wasserstoffplasma wurden von künstlichen Feldern zu einer Ursuppe aus Energie und exotischer Materie angeregt. Manche erschaffen biologisches Leben, wie wir es kennen und auch bisher unvorstellbare Formen. Manche bauen Heerscharen von Nanobots und Robotern, riesige Fabriken im All. Manche griffen in die Entwicklung der Lebensformen auf ihren Welten ein um zu verändern, manche erschufen eigene Spezies.
Das Verhältnis zu den intelligenten Spezies in den von ihnen kontrollierten Raumzonen war extrem uneinheitlich. Es gab keine Tabus im Umgang mit anderen Spezies. Da es ihnen ohnehin schwer fiel, etwas wie allgemein verbindliche Regeln zu akzeptieren, hatten Sie sich auf das Notwendigste beschränkt. Ihre Regeln, wenn man so will Gesetze, schützten die Protogenoi vor sich selbst. Für uns, eine immerhin intelligente und fühlende Spezies, gab es in der Kultur der Genoi keinen Schutz. Wir waren Ressourcen, die allein in der Verantwortung des Protogenoi waren, in dessen Raumsektor unsere Welt lag. Diesen Genoi banden keine Gesetze, er war allein verantwortlich, wie er in seinem Sektor verfuhr. Mit Gaia hatten wir jemanden, der wohl einen sehr „humanen“ Kodex pflegte und alle bisherigen Erfahrungen waren gut. Allerdings durften wir nie vergessen, dass wir es hier mit einer zwar hoch entwickelten aber völlig fremdartigen Entität zu tun hatten, für die die Menschheit nur eine Randerscheinung der neueren Geschichte darstellte.
Über die Beziehung der anderen Genoi zu den intelligenten Spezies in dieser Galaxis hatten wir keine Kenntnisse. Für die Menschheit war aber nach meiner intuitiven Überzeugung die möglichst enge Form der Zusammenarbeit mit Gaia der für die Menschheit beste Weg. Vor allem da dieser unbekannte Feind zusammen mit dem jeweiligen Protogenoi auch die bewohnten Planeten inclusive den darauf lebenden Intelligenzwesen zerstört hatte. Dieser Feind war eindeutig auch unserer Feind, soviel stand fest.
Gaia fuhr fort:
„Für die Vernichtung eines Protogenoi wurde vom Gegner eine Überladungszone innerhalb des Ursprungsplaneten geschaffen. In Eurer Sprache ein so genanntes „Tannhäuser Tor“. Die ungebremste Metaraumenergie führte zu einer Implosion des Raumes, jetzt befindet sich dort ein schwarzes Loch. Diese Technologie ist in unserer Kultur tabu. Dieser Bereich des Weltalls ist nun nicht mehr nutzbar. Diese Vergeudung von Ressourcen und die Zerstörung eines Teils unserer Lebensgrundlage ist in unserer Kultur ebenfalls nicht vorstellbar. Der Feind steht scheinbar völlig außerhalb unserer Gemeinschaft, er ist unkalkulierbar in seinen Handlungen und kennt keine Skrupel.
Bisher hat er streng entsprechend der vorgesehenen Protokolle kommuniziert, er hat sich authentifiziert, den Krieg erklärt und die Konfrontationen ausgehandelt. Dabei hat er nur wenig über sich und seinen Absichten verraten. Es wird nun Ihre Aufgabe sein, mit mir zusammen alle notwendigen Strategien zu erarbeiten und umzusetzen. Um es zusammenzufassen, wir planen ein einfaches „Search and Destroy“. Falls wir vorher mehr über diesen Gegner und seine Motive erfahren, okay. Aber es geht in erster Linie um seine Vernichtung.“
