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Fit für die Facharztprüfung Das komplette Facharztwissen - Systematische und praxisorientierte Darstellung aller psychischen Erkrankungen, ihrer Diagnostik und aktuellen Therapiemöglichkeiten - Fragenkatalog zur Selbstkontrolle - Inhaltliche Gliederung nach dem Weiterbildungskatalog Ideal zum Lernen auf die Facharztprüfung und zum schnellen Nachschlagen im Klinikalltag. Jetzt komplett überarbeitet und aktualisiert!
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Seitenzahl: 1000
Veröffentlichungsjahr: 2014
Psychiatrie und Psychotherapie compact
Das gesamte Facharztwissen
Siegfried Kasper, Hans-Peter Volz
Bernhard Blanz, John Peter Doerr, Peter Falkai, Christina Filz, Here W. Folkerts, Harald Jürgen Freyberger, Reinhard Haller, Alkomiet Hasan, Martin Hautzinger, Sabine C. Herpertz, Magdolna Hornyak, Andreas Karwautz, Siegfried Kasper, Claudia M. Klier, Kai-Uwe Kühn, Iris Maurer, Michael Musalek, Norbert Nedopil, Frank Padberg, Georg Psota, Gerhard Reymann, Dieter Riemann, Henning Saß, Harald Scherk, Friedrich Schmidl, Frank Schwärzler, Gerhard Schüßler, Rolf-Dieter Stieglitz, Birgitta Sträter, Tarik Ugur, Hans-Peter Volz, Wolfgang Weig, Martina de Zwaan
3., überarbeitete Auflage
Im Jahr 2003 erschien die 1. Auflage von „Psychiatrie compact“. Ziel war es, das psychiatrische Wissen knapp, aber genügend ausführlich darzustellen und dem in Ausbildung stehenden Psychiater sowie Ärzten anderer Fachgebiete eine rasche Orientierung über Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten psychiatrischer Krankheitsbilder zu geben. An dieser Zielsetzung hat sich nach wie vor nichts geändert.
Es sind nun 10 Jahre seit der ersten Auflage vergangen und die vorliegende 3. Auflage weist eine noch stringentere Ausrichtung der einzelnen Kapitel auf. Darüber hinaus wurden sämtliche Beiträge, die erneut in ihrer inhaltlichen Abfolge dem ICD-10-Schema folgen, nach dem neuesten Wissensstand aktualisiert und praxisnah dargestellt.
Um dem Leser eine Möglichkeit der Lernkontrolle zu geben (z.B. bei der Vorbereitung auf die Facharztprüfung), schließt jedes Kapitel mit inhaltsbezogenen Fragen ab.
Autoren, Herausgeber und Verlag sind für Rückmeldungen dankbar, damit in zukünftigen Auflagen die notwendigen Veränderungen berücksichtigt werden können, die sich auch durch die dynamische Fortentwicklung unseres Fachgebiets ergeben werden.
Wien und Werneckim Frühjahr 2014
Siegfried KasperHans-Peter Volz
Vorwort
Teil I Allgemeiner Teil
1 Psychopathologie, Diagnostik und Klassifikation psychischer Störungen in Anlehnung an das AMDP-System und die ICD-10
1.1 Psychiatrisch-psychotherapeutisches Gespräch
1.1.1 Therapeut-Patient-Beziehung
1.1.2 Gesprächsformen
1.1.3 Gesprächsführung
1.1.4 Rahmenbedingungen
1.2 Psychiatrisch-psychotherapeutische Anamnese
1.2.1 Überblick
1.2.2 Soziodemografische Angaben
1.2.3 Krankheitsanamnese
1.2.4 Biografie
1.2.5 Somatischer Befund
1.2.6 Persönlichkeit
1.3 Symptomatologische Diagnostik
1.3.1 Definition
1.3.2 Probleme der Symptomerfassung
1.3.3 Strukturierung nach Merkmalsbereichen
1.3.4 Erfassungsmethoden
1.3.5 Relevanz
1.4 Syndromale Diagnostik
1.4.1 Definition
1.4.2 Probleme der Erfassung
1.4.3 Übersicht Syndrombereiche
1.4.4 Erfassungsmethoden
1.4.5 Relevanz
1.5 Klassifikatorische Diagnostik
1.5.1 Definitionen
1.5.2 Probleme der Erfassung
1.5.3 Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-10
1.5.4 Erfassungsmethoden
1.5.5 Relevanz
Teil II Krankheitsbilder
2 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen (ICD-10: F00–F09)
2.1 Einleitung
2.2 Demenz
2.2.1 Überblick
2.2.2 Alzheimer-Krankheit (F00)
2.2.3 Vaskuläre Demenz (F01)
2.2.4 Lewy-Körper-Demenz
2.2.5 Pick-Krankheit (frontotemporale Demenz)
2.2.6 Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
2.2.7 Chorea Huntington
2.2.8 Parkinson-Krankheit
2.2.9 HIV-Infektion
2.3 Organisches amnestisches Syndrom, nicht durch Alkohol oder psychotrope Substanzen bedingt (F04)
2.3.1 Überblick
2.3.2 Korsakow-Syndrom
2.3.3 Zerebrovaskuläre Störungen
2.3.4 Encephalomyelitis disseminata
2.3.5 Schädel-Hirn-Trauma
2.3.6 Elektrokrampftherapie
2.3.7 Transiente globale Amnesie
2.4 Delir, nicht durch Alkohol oder psychotrope Substanzen bedingt
2.4.1 Überblick
2.5 Andere psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Erkrankung (F06)
2.5.1 Organische Halluzinose (F06.0)
2.5.2 Organische katatone Störung (F06.1)
2.5.3 Organische wahnhafte (schizophreniforme) Störung (F06.2)
2.5.4 Organische affektive Störung (F06.3)
2.5.5 Organische Angststörung (F06.4)
2.5.6 Organische dissoziative Störung (F06.5)
2.5.7 Organische emotional labile (asthenische) Störung (F06.6)
2.5.8 Leichte kognitive Störung (F06.7)
2.5.9 Andere organische psychische Störungen (F06.8)
2.6 Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Erkrankung, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (F07)
2.6.1 Organische Persönlichkeitsstörung (F07.0)
2.6.2 Postenzephalitisches Syndrom (F07.1)
2.6.3 Organisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma (F07.2)
2.6.4 Andere organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F07.8)
2.7 Organische Erkrankungen, die gehäuft mit psychischen Störungen einhergehen
2.7.1 Epilepsie
2.7.2 Gehirntumoren
2.7.3 Encephalomyelitis disseminata
2.7.4 Herpes-simplex-Enzephalitis
2.7.5 Lues
2.7.6 Systemischer Lupus erythematodes
2.7.7 Schilddrüsenerkrankungen
2.7.8 Erkrankungen der Nebenschilddrüse
2.7.9 Erkrankungen der Nebennieren
2.7.10 Metabolische Erkrankungen
3 Psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (ICD-10: F10–F19)
3.1 Grundzüge der Klassifikation, der Diagnostik und der Therapie
3.1.1 Einführung
3.1.2 Klassifikation gemäß ICD-10
3.1.3 Diagnostik
3.1.4 Therapie
3.2 Substanzspezifische Störungen
3.2.1 Einführung
3.2.2 Störungen durch Alkohol (F10.xx)
3.2.3 Störungen durch Tabak (F17.xx)
3.2.4 Störungen durch Sedativa und Hypnotika (Benzodiazepine, Zolpidem und Zopiclon, Clomethiazol und Barbiturate; F13.xx)
3.2.5 Störungen durch Opioide (F11.xx)
3.2.6 Störungen durch Kokain (F14.xx) und Stimulanzien (F15.xx)
3.2.7 Störungen durch Halluzinogene (F16.xx) und Cannabinoide (F12.xx)
3.2.8 Störungen durch flüchtige Lösungsmittel („Schnüffelsucht“; F18.xx)
3.2.9 Störungen durch multiplen Substanzgebrauch (Polytoxikomanie; F19.xx)
4 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (ICD-10: F20–F29)
4.1 Definition
4.2 Klassifikation
4.2.1 Schizophrenie
4.2.2 Schizotype Störung
4.2.3 Anhaltende und induzierte wahnhafte Störungen
4.2.4 Vorübergehende akute psychotische Störungen
4.2.5 Induzierte wahnhafte Störungen (Folie à deux)
4.2.6 Schizoaffektive Störungen
4.3 Epidemiologie
4.3.1 Schizophrenie
4.3.2 Schizotype Störung
4.3.3 Anhaltende und induzierte wahnhafte Störungen
4.3.4 Vorübergehende akute psychotische Störung
4.3.5 Schizoaffektive Störungen
4.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
4.4.1 Schizophrenie
4.4.2 Schizotype Störung
4.4.3 Anhaltende und induzierte wahnhafte Störungen
4.4.4 Vorübergehende akute psychotische Störung
4.4.5 Schizoaffektive Störungen
4.5 Klinisches Bild
4.5.1 Schizophrenie
4.5.2 Schizotype Störung
4.5.3 Anhaltende und induzierte wahnhafte Störungen
4.5.4 Vorübergehende akute psychotische Störung
4.5.5 Schizoaffektive Störung
4.6 Verlaufscharakteristika
4.6.1 Schizophrenie
4.6.2 Schizotype Störung
4.6.3 Anhaltende und induzierte wahnhafte Störungen
4.6.4 Vorübergehende akute psychotische Störung
4.6.5 Schizoaffektive Störungen
4.7 Somatische und psychiatrische Komorbidität
4.8 Differenzialdiagnose
4.8.1 Ausschluss einer organischen Erkrankung
4.8.2 Ausschluss anderer psychiatrischer Erkrankungen
4.9 Therapie
4.9.1 Schizophrenie
4.9.2 Schizotype Störungen
4.9.3 Anhaltende und induzierte wahnhafte Störungen
4.9.4 Vorübergehende akute psychotische Störung
4.9.5 Schizoaffektive Störungen
5 Affektive Störungen (ICD-10: F3)
5.1 Definition
5.2 Klassifikation
5.2.1 Depressive Episode (F32)
5.2.2 Rezidivierende depressive Störung (F33)
5.2.3 Manische Episode (F30)
5.2.4 Bipolare affektive Störung (F31)
5.2.5 Anhaltende affektive Störungen (Zyklothymia [F34.0], Dysthymia [F34.1])
5.3 Epidemiologie
5.3.1 Rezidivierende depressive Störung (F33)
5.3.2 Bipolare affektive Störung (F31)
5.3.3 Anhaltende affektive Störungen (F34.0, F34.1)
5.4 Pathophysiologie und Krankheitsmodelle
5.4.1 Rezidivierende depressive Störung (F33)
5.4.2 Bipolare affektive Störung (F31)
5.4.3 Anhaltende affektive Störungen
5.5 Klinisches Bild
5.5.1 Depressive Episode (F32)
5.5.2 Rezidivierende depressive Störung (F33)
5.5.3 Sonderformen der Depression
5.5.4 Manische Episode (F30)
5.5.5 Bipolare affektive Störung (F31)
5.5.6 Anhaltende affektive Störungen (F34.0, F34.1)
5.6 Verlauf
5.6.1 Rezidivierende depressive Störung (F33)
5.6.2 Bipolare affektive Störung (F31)
5.7 Psychiatrische Komorbidität
5.7.1 Rezidivierende depressive Störung (F33)
5.7.2 Bipolare affektive Störung (F31)
5.7.3 Anhaltende affektive Störungen (F34.0, F34.1)
5.8 Differenzialdiagnose
5.8.1 Depressive Episode (F32)
5.8.2 Manische Episode (F30)
5.8.3 Ausschluss anderer psychiatrischer Erkrankungen
5.9 Behandlung affektiver Erkrankungen
5.9.1 Depressive Episode (F32)
5.9.2 Manische Episode (F30)
5.9.3 Langzeittherapie von bipolaren affektiven Störungen und rezidivierenden depressiven Störungen
5.10 Forensische Aspekte
5.10.1 Depressive Episode (F32)
5.10.2 Manische Episode (F30)
6 Neurotische Störungen, Belastungsstörungen und somatoforme Störungen (ICD-10: F40–F49)
6.1 Einleitung
6.2 Angststörungen
6.2.1 Symptomatik
6.2.2 Klinische Erscheinungsbilder
6.2.3 Differenzialdiagnose
6.2.4 Verlauf
6.2.5 Epidemiologie
6.2.6 Ätiologie
6.2.7 Therapie
6.3 Zwangsstörung
6.3.1 Symptomatik
6.3.2 Klinische Erscheinungsbilder
6.3.3 Differenzialdiagnose
6.3.4 Verlauf, Epidemiologie
6.3.5 Ätiologie
6.3.6 Therapie
6.4 Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
6.4.1 Symptomatik
6.4.2 Klinische Erscheinungsbilder
6.4.3 Differenzialdiagnose
6.4.4 Verlauf
6.4.5 Epidemiologie
6.4.6 Ätiologie
6.4.7 Therapie
6.5 Somatoforme Störungen
6.5.1 Einleitung
6.5.2 Symptomatik
6.5.3 Klinische Erscheinungsbilder
6.5.4 Epidemiologie
6.5.5 Differenzialdiagnose
6.5.6 Therapie
6.6 Dissoziative Störungen
6.6.1 Einleitung
6.6.2 Diagnostik
6.6.3 Klinische Erscheinungsbilder, Differenzialdiagnose
6.6.4 Therapie
7 Essstörungen (ICD-10: F50)
7.1 Definition, Klassifikation
7.2 Epidemiologie
7.2.1 Anorexia nervosa (AN)
7.2.2 Bulimia nervosa (BN)
7.2.3 Binge-Eating-Störung (BES)
7.3 Ätiologie, Risikofaktoren
7.4 Klinisches Bild
7.4.1 Anorexia nervosa
7.4.2 Bulimia nervosa
7.4.3 Binge-Eating-Störung
7.5 Verlaufscharakteristika
7.5.1 Anorexia nervosa
7.5.2 Bulimia nervosa
7.5.3 Binge-Eating-Störung
7.6 Psychiatrische Komorbidität
7.6.1 Anorexia nervosa, Bulimia nervosa
7.6.2 Binge-Eating-Störung
7.7 Somatische Komplikationen
7.7.1 Anorexia nervosa
7.7.2 Bulimia nervosa
7.7.3 Binge-Eating-Störung
7.8 Differenzialdiagnose
7.8.1 Anorexia nervosa
7.8.2 Bulimia nervosa
7.9 Therapie
7.9.1 Medikamentöse Therapie
7.9.2 Psychotherapie
7.9.3 Andere Therapieansätze
7.9.4 Gesamtbehandlungsplan
8 Nichtorganische Schlafstörungen (ICD-10: F51)
8.1 Klassifikation
8.2 Dyssomnien
8.2.1 Nichtorganische (primäre) Insomnie (F51.0)
8.2.2 Nichtorganische (primäre) Hypersomnie (F51.1)
8.2.3 Nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (F51.2)
8.3 Parasomnien
8.3.1 Schlafwandeln (Somnambulismus; F51.3)
8.3.2 Pavor nocturnus (F51.4)
8.3.3 Albträume (Angstträume, F51.5)
8.3.4 Sonstige, andernorts nicht spezifizierte Parasomnien (F51.8)
8.4 Differenzialdiagnose: organische Schlafstörungen
8.4.1 Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine)
8.4.2 Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS)
8.4.3 Narkolepsie
9 Sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Erkrankung (ICD-10: F52)
9.1 Einleitung
9.2 Definition
9.3 Einteilung der sexuellen Reaktion
9.3.1 Appetenz
9.3.2 Erregung
9.3.3 Orgasmus
9.3.4 Entspannung bzw. Erregungsrückbildung
9.4 Klassifikation sexueller Funktionsstörungen
9.5 Epidemiologie
9.5.1 Allgemeinbevölkerung
9.5.2 Sexuelle Dysfunktion unter antidepressiver Therapie
9.5.3 Sexuelle Dysfunktion unter neuroleptischer Therapie
9.5.4 Sexuelle Dysfunktion in der Therapie mit Phasenprophylaktika
9.5.5 Sexuelle Dysfunktion bei Substanzmissbrauch und Substitution
9.5.6 Morbogene sexuelle Funktionsstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen
9.6 Methodische Probleme
9.7 Ätiologie, Pathogenese
9.7.1 Morbogene Störungen
9.7.2 Pharmakogene Störungen
9.8 Diagnostik
9.9 Therapie
9.9.1 Neuroleptikainduzierte sexuelle Dysfunktionen
9.9.2 Antidepressivainduzierte sexuelle Dysfunktionen
9.9.3 Auswahlkriterien
10 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (ICD-10: F60–F69 außer F64, F65)
10.1 Definition, Klassifikation
10.1.1 Klassifikation
10.2 Epidemiologie
10.2.1 Spezifische Persönlichkeitsstörungen (F60)
10.2.2 Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63)
10.3 Ätiologie, Krankheitsmodelle
10.3.1 Spezifische Persönlichkeitsstörungen (F60)
10.3.2 Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63)
10.4 Verlauf
10.4.1 Spezifische Persönlichkeitsstörungen (F60)
10.4.2 Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63)
10.5 Therapie
10.5.1 Spezifische Persönlichkeitsstörungen (F60)
10.5.2 Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63)
10.6 Klinisches Bild
10.6.1 Spezifische Persönlichkeitsstörungen (F60)
10.6.2 Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (F61) ohne spezifische Symptombilder
10.6.3 Andauernde Persönlichkeitsänderungen, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns (F62)
10.6.4 Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63)
10.6.5 Andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
10.7 Psychiatrische Komorbidität
10.7.1 Komorbidität mit anderen psychischen Störungen
10.7.2 Komorbidität der Persönlichkeitsstörungen untereinander
10.8 Forensische Aspekte
10.8.1 Begriffsdifferenzierung
10.8.2 Prüfung der Schuldfähigkeit
11 Störungen der Geschlechtsidentität (ICD-10: F64)(2)
11.1 Einleitung
11.2 Transsexualismus, Transsexualität (F64.0)
11.2.1 Definition, Klassifikation
11.2.2 Epidemiologie, Prävalenz
11.2.3 Ätiologie, Krankheitsmodell
11.2.4 Klinisches Bild
11.2.5 Verlauf
11.2.6 Sexualmedizinische Aspekte
11.2.7 Psychiatrische Komorbidität
11.2.8 Differenzialdiagnose
11.2.9 Therapie
11.2.10 Prognose
11.2.11 Rechtliche Aspekte
11.3 Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen (F64.1)
11.4 Störung der Geschlechtsidentität des Kindesalters (F64.2)
12 Störungen der Sexualpräferenz (ICD-10: F65)
12.1 Definition, Klassifikation
12.2 Epidemiologie
12.3 Ätiologie, Krankheitsmodelle
12.3.1 Biologische Parameter
12.3.2 Psychologische Prägung
12.3.3 Umwelteinflüsse/Lebensereignisse
12.4 Verlaufscharakteristika
12.5 Psychiatrische Komorbidität
12.6 Therapie
12.7 Forensische Aspekte
13 Intelligenzminderungen (ICD-10: F70–F79)
13.1 Definition
13.2 Klassifikation
13.2.1 Leichte Intelligenzminderung (F70; IQ-Wert 50–69)
13.2.2 Mittelgradige Intelligenzminderung (F71; IQ-Wert 35–49)
13.2.3 Schwere Intelligenzminderung (F72; IQ-Wert 20–34)
13.2.4 Schwerste Intelligenzminderung (F73; IQ-Wert weniger als 20)
13.3 Epidemiologie, Ätiologie
13.4 Diagnostik
13.5 Klinisches Bild, Verlaufscharakteristika
13.6 Komorbidität, Differenzialdiagnose
13.7 Therapie
13.8 Forensische Aspekte
14 Umschriebene Entwicklungsstörungen (ICD-10:F80–F82)
14.1 Definition
14.2 Klassifikation
14.3 Epidemiologie
14.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
14.4.1 Umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache
14.4.2 Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten
14.4.3 Umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen
14.5 Klinisches Bild
14.5.1 Artikulationsstörung
14.5.2 Expressive und rezeptive Sprachstörungen
14.5.3 Lese- und Rechtschreibstörung
14.5.4 Rechenstörung
14.5.5 Umschriebene Entwicklungsstörung motorischer Funktionen
14.6 Verlaufscharakteristika
14.7 Psychiatrische Komorbidität, Differenzialdiagnose
14.8 Therapie
15 Verhaltensstörungen und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (ICD-10: F90–F98)
15.1 Hyperkinetische Störungen (ICD-10: F90)
15.1.1 Definition
15.1.2 Klassifikation
15.1.3 Epidemiologie
15.1.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
15.1.5 Klinisches Bild
15.1.6 Verlaufscharakteristika
15.1.7 Psychiatrische Komorbidität, Differenzialdiagnose
15.1.8 Therapie
15.2 Störungen des Sozialverhaltens (ICD-10: F91)
15.2.1 Definition
15.2.2 Klassifikation
15.2.3 Epidemiologie
15.2.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
15.2.5 Klinisches Bild
15.2.6 Verlaufscharakteristika
15.2.7 Psychiatrische Komorbidität
15.2.8 Differenzialdiagnose
15.2.9 Therapie
15.2.10 Forensische Aspekte
15.3 Emotionale Störungen im Kindesalter (ICD-10: F93)
15.3.1 Definition
15.3.2 Klassifikation
15.3.3 Epidemiologie
15.3.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
15.3.5 Klinisches Bild
15.3.6 Verlaufscharakteristika
15.3.7 Psychiatrische Komorbidität, Differenzialdiagnose
15.3.8 Therapie
15.4 Elektiver Mutismus (ICD-10: F94.0)
15.4.1 Definition
15.4.2 Klassifikation
15.4.3 Epidemiologie
15.4.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
15.4.5 Klinisches Bild
15.4.6 Verlaufscharakteristika
15.4.7 Psychiatrische Komorbidität, Differenzialdiagnose
15.4.8 Therapie
15.5 Enuresis (ICD-10: F98.0)
15.5.1 Definition
15.5.2 Klassifikation
15.5.3 Epidemiologie
15.5.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
15.5.5 Klinisches Bild
15.5.6 Verlaufscharakteristika
15.5.7 Psychiatrische Komorbidität, Differenzialdiagnose
15.5.8 Therapie
15.6 Enkopresis (ICD-10: F98.1)
15.6.1 Definition
15.6.2 Klassifikation
15.6.3 Epidemiologie
15.6.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
15.6.5 Klinisches Bild
15.6.6 Verlaufscharakteristika
15.6.7 Psychiatrische Komorbidität, Differenzialdiagnose
15.6.8 Therapie
15.7 Tic-Störungen (ICD-10: F95)
15.7.1 Definition
15.7.2 Klassifikation
15.7.3 Epidemiologie
15.7.4 Ätiologie, Krankheitsmodelle
15.7.5 Klinisches Bild
15.7.6 Verlaufscharakteristika
15.7.7 Psychiatrische Komorbidität, Differenzialdiagnose
15.7.8 Therapie
16 Störungen im Rahmen der Schwangerschaft und nach der Geburt
16.1 Schwangerschaft, Geburt, unmittelbare Peripartalzeit
16.1.1 Krankheitsbilder
16.1.2 Therapieformen in der Schwangerschaft
16.2 Postpartumperiode
16.2.1 Postpartumdepression
16.2.2 Postpartumpsychose
16.2.3 Schizophrenie
16.2.4 Angststörung
16.2.5 Störungen der Mutter-Kind-Beziehung
Teil III Somatische Therapie
17 Antidepressiva
17.1 Einleitung
17.2 Grundsätzliches zur Behandlung mit Antidepressiva
17.2.1 Einteilung der Antidepressiva in Klassen
17.2.2 Wirkungsweise der Antidepressiva
17.2.3 Wirksamkeit von Antidepressiva versus Plazebo
17.2.4 Prädiktoren für die Wirksamkeit von Antidepressiva
17.2.5 Applikationsformen
17.2.6 Metabolisierung
17.3 Charakterisierung einzelner Substanzgruppen
17.3.1 Selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SSRI)
17.3.2 Selektive Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahme-Hemmer (SNRI), Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran
17.3.3 Noradrenerg und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA), Mirtazapin
17.3.4 Selektive Noradrenalinwiederaufnahme-Hemmer (SNARI), Reboxetin
17.3.5 Noradrenalin- und Dopaminwiederaufnahme-Hemmer (NDRI), Bupropion
17.3.6 Reversibler Hemmer der Monoaminoxidase-A (RIMA)
17.3.7 Melatonerg und spezifisch serotonerg-antagonistisches Antidepressivum (MASSA), Agomelatin
17.3.8 Glutamatmodulator (G-Mo), Tianeptin
17.3.9 Serotoninantagonist und Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SARI), Trazodon
17.3.10 Klassische Monoaminoxidasehemmer (MAOI), Jatrosom
17.3.11 Johanniskraut
17.3.12 Andere Antidepressiva, Mianserin
17.3.13 Trizyklische Antidepressiva (TCA)
17.3.14 Tri- und tetrazyklische Substanzen mit Verträglichkeitsvorteilen
17.4 Auswahlkriterien für Antidepressiva
17.5 Dosierung der Antidepressiva
17.6 Behandlungsstrategie und Therapieresistenz
17.7 Sonderfälle
17.7.1 Schwere depressive Störung mit psychotischen Symptomen
17.7.2 Dysthymia
17.8 Vorgehen bei Nebenwirkungen
17.8.1 Anticholinerge Nebenwirkungen
17.8.2 Kardiovaskuläre Nebenwirkungen
17.8.3 Sedierung
17.8.4 Unruhe
17.8.5 Schlafstörungen
17.8.6 Sexuelle Dysfunktionen
17.8.7 Appetit- und Gewichtszunahme
17.8.8 Kognitive Beeinträchtigungen
17.9 Allgemeine Verschreibungsrichtlinien, Untersuchungen zur Überwachung der Therapiesicherheit
17.10 Antidepressivagabe während der Schwangerschaft und Stillzeit
18 Antipsychotika/Neuroleptika
18.1 Einleitung
18.2 Wirkmechanismen
18.2.1 Beeinflussung des dopaminergen Neuronensystems
18.2.2 Beeinflussung anderer Neuronensysteme, Wirkung und Nebenwirkungen
18.3 Indikationen
18.4 Einteilung
18.4.1 Einteilung nach Atypizität
18.4.2 Einteilung nach neuroleptischer Potenz
18.4.3 Einteilung nach chemischer Struktur
18.5 Dosierung, Behandlungsschema
18.6 Therapieprinzipien
18.7 Langzeitmedikation
18.8 Unerwünschte Begleiterscheinungen
18.9 Medikamentenwechselwirkungen
19 Antidementiva
19.1 Einleitung
19.2 Alzheimer-Demenz
19.2.1 Acetylcholinesterase-Hemmer
19.2.2 Nootropika, Neuroprotektiva
19.2.3 Glutamatmodulatoren
19.2.4 Andere Substanzen
19.3 Vaskuläre Demenz
19.4 Andere Demenzen
19.5 Akzessorische Symptome bei Demenz
19.5.1 Antidepressiva
19.5.2 Anxiolytika
19.5.3 Antipsychotika/Neuroleptika
19.5.4 Hypnotika
20 Anxiolytika
20.1 Einleitung und Methodik
20.2 Substanzgruppen
20.2.1 Antidepressiva
20.2.2 Antiepileptika
20.2.3 Benzodiazepine
20.2.4 Neuroleptika
20.2.5 Andere Substanzen
20.3 Differenzielle Pharmakotherapie der Angststörungen
20.3.1 Panikstörung/Agoraphobie ± Panikstörung
20.3.2 Generalisierte Angststörung
20.3.3 Phobien
20.3.4 Posttraumatische Belastungsstörung
21 Hypnotika
21.1 Einleitung und Methodik
21.2 Substanzgruppen
21.2.1 Benzodiazepine
21.2.2 GABA-Rezeptor-Agonisten vom Nichtbenzodiazepintyp Wirkung
21.2.3 Antidepressiva
21.2.4 Neuroleptika
21.2.5 Andere Hypnotika
21.2.6 Antihistaminika
21.2.7 Phytopharmaka
22 Phasenprophylaktika
22.1 Einleitung
22.2 Rezidivprophylaxe
22.2.1 Indikation
22.2.2 Dauer
22.2.3 Unipolare Störung
22.2.4 Bipolare Störung
22.2.5 „Rapid Cycling“
22.3 Einzelne Medikamente
22.3.1 Lithium
22.3.2 Valproat
22.3.3 Lamotrigin
22.3.4 Carbamazepin
22.3.5 Atypische Antipsychotika
22.4 Schwangerschaft und Stillzeit
23 Ergänzende Therapien
23.1 Elektrokrampftherapie (EKT)
23.1.1 Einleitung
23.1.2 Historische Entwicklung
23.1.3 Wirkmechanismen
23.1.4 Indikationen
23.1.5 Kontraindikationen, Risiken
23.1.6 Nebenwirkungen
23.1.7 Aufklärung und Einwilligung
23.1.8 Durchführung
23.1.9 Behandlungsparameter
23.1.10 Monitoring
23.1.11 Begleittherapie
23.1.12 Erhaltungstherapie
23.1.14 Weitere Quellen
23.2 Schlafentzugsbehandlung
23.2.1 Einleitung
23.2.2 Wirkmechanismus
23.2.3 Praktische Durchführung
23.2.4 Indikation
23.2.5 Prädiktion
23.2.6 Nebenwirkungen
23.2.7 Schlafentzug und Psychopharmaka
23.3 Repetitive transkranielle Magnetstimulation
23.3.1 Grundlagen
23.3.2 Praktische Durchführung
23.3.3 Experimentelle Anwendungen
23.3.4 Therapeutische Anwendungen
23.3.5 Sicherheit und Nebenwirkungen
23.3.6 Magnetkonvulsionstherapie
23.3.7 Zusammenfassung und Ausblick
23.4 Lichttherapie
23.4.1 Einleitung
23.4.2 Wirkmechanismus
23.4.3 Praktische Anordnung und Durchführung
23.4.4 Indikation, Prädiktion
23.4.5 Nebenwirkungen
23.4.6 Lichttherapie und Psychopharmaka
Teil IV Psychotherapie
24 Verhaltenstherapie
24.1 Lernpsychologische Grundlagen und Wurzeln der Verhaltenstherapie
24.2 Kognitive Ansätze der Verhaltenstherapie (KVT)
24.3 Grundprinzipien der Verhaltenstherapie
24.4 Die therapeutische Beziehung in der Verhaltenstherapie
24.5 Problemanalyse und Therapieplanung
24.6 Verhaltenstherapie bei ausgewählten Störungsbildern
24.6.1 Behandlung von Phobien
24.6.2 Behandlung depressiver Störungen
24.7 Neuere Entwicklungen der Verhaltenstherapie
24.7.1 Schematherapie
24.7.2 Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)
24.7.3 „Cognitive behavioral Analysis System of Psychotherapy “ (CBASP)
25 Psychodynamische (tiefenpsychologisch orientierte) Psychotherapie
25.1 Einleitung
25.2 Grundlagen
25.2.1 Unbewusstes
25.2.2 Konflikt- und Objektbeziehungspsychologie
25.2.3 Übertragung – Gegenübertragung
25.2.4 Hilfreiche Beziehung
25.3 Therapeutische Grundpositionen
25.4 Therapieempfehlungen
25.4.1 Angststörungen
25.4.2 Depressive Störungen
25.4.3 Persönlichkeitsstörungen
25.5 Psychotherapie und Pharmakotherapie
Teil V Sozialpsychiatrie
26 Psychiatrische Versorgung
26.1 Begriffsbestimmung
26.2 Deinstitutionalisierung und Regionalisierung
26.3 Epidemiologie
26.4 Behandlungsbedarf
26.4.1 Störungs- und Problemebene
26.4.2 Behandlung und Betreuung
26.4.3 Wohn- und Berufsrehabilitation
26.4.4 Prädiktoren der Inanspruchnahme, Versorgungslage
26.5 Psychiatrische Versorgungsstruktur
26.5.1 Leitlinien
26.5.2 Grunderfordernisse und Prinzipien
26.6 Versorgungsqualität und Outcome-Forschung
26.7 Patientenzufriedenheit und Lebensqualität
Teil VI Forensik und Begutachtung
27 Forensische Psychiatrie
27.1 Einleitung
27.2 Stellung und Aufgaben des Sachverständigen
27.3 Grundsätze der Begutachtung
27.4 Strafrecht
27.4.1 Schuldunfähigkeit
27.4.2 Verminderte Schuldfähigkeit
27.5 Jugendrecht
27.6 Maßregelvollzug
27.6.1 Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus
27.6.2 Unterbringung in einer Entziehungsanstalt
27.6.3 Einstweilige Unterbringung
27.6.4 Sicherungsverwahrung
27.6.5 Entlassung aus der Maßregel
27.6.6 Kriminalprognose
27.7 Zivilrecht
27.7.1 Geschäftsunfähigkeit
27.7.2 Testierunfähigkeit
27.7.3 Betreuungsrecht
27.7.4 Einwilligung in ärztliche Behandlungen
27.7.5 Unterbringung
27.8 Sozialrecht
27.8.1 Häufige Begriffe
27.8.2 Leistungsträger
27.8.3 Zusammenhangsfragen
28 Forensik und Begutachtung in Österreich
28.1 Einleitung
28.2 Stellung und Aufgaben des Sachverständigen
28.3 Strafrecht
28.3.1 Zurechnungsfähigkeit
28.3.2 Straftaten im Zustand voller Berauschung
28.3.3 Vorbeugende Maßnahmen
28.3.4 Suchtmittelgesetz
28.3.5 Jugendgerichtsgesetz
28.4 Unterbringung psychisch Kranker
28.5 Zivil- und Sozialrecht
28.5.1 Sachwalterschaft
28.5.2 Geschäfts- und Testierfähigkeit
28.5.3 Berufsunfähigkeit – Invalidität
28.5.4 Schmerzensgeld
28.5.5 Pflegegeldgesetz
28.6 Behandlung psychisch gestörter Rechtsbrecher
Teil VII Adressen und Links
29 Adressen und Links
29.1 Allgemeine Informationen
29.2 Englischsprachige Websites zu psychiatrischen Themen
29.3 Adressen in Deutschland
29.3.1 Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivität (ADHS)
29.3.2 Alkoholismus
29.3.3 Alzheimer-Demenz und andere Demenzen
29.3.4 Angsterkrankungen
29.3.5 Borderline
29.3.6 Affektive Erkrankungen
29.3.7 Essstörungen
29.3.8 Frauen – seelische Probleme zwischen Pubertät und Klimakterium
29.3.9 Psychiatrie
29.3.10 Psychiatrieerfahrene/Betroffene/Selbsthilfe/Angehörige
29.3.11 Schizophrenie
29.3.12 Schlafstörungen
29.3.13 Schmerzen, chronisch
29.3.14 Stalking
29.3.15 Suchterkrankungen
29.3.16 Suizid
29.3.17 Telefonseelsorge, Beratung
29.3.18 Trauma
29.3.19 Zwangskrankheiten
29.4 Adressen in Österreich
29.4.1 Notfallnummern
29.4.2 Rechtsberatung
29.4.3 Schuldnerberatung
29.4.4 Selbsthilfe
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Psychopathologie, Diagnostik und Klassifikation psychischer Störungen in Anlehnung an das AMDP-System und die ICD-10
Rolf-Dieter Stieglitz und Harald J. Freyberger
In Diagnostik und Therapie kommen dem Gespräch mit dem Patienten verschiedene Funktionen zu:
Erhebung der Anamnese,
psychopathologische Befunderhebung,
Diagnosestellung als Voraussetzung für eine differenzierte und adäquate Behandlungsplanung,
Beziehungsaufnahme zum Patienten,
Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung.
Zu berücksichtigen sind sowohl die gesellschaftlichen, kulturellen und individuellen Erfahrungen des Patienten als auch dessen unterschiedliche Einstellungen gegenüber dem Untersucher. Ziel ist es, dem Patienten zu ermöglichen, über seine Beschwerden, Probleme und Lebensumstände in einer möglichst offenen sowie vertrauensvollen Atmosphäre zu sprechen.
Das psychiatrische Gespräch ist ein sich wiederholender Bestandteil der Behandlung. Es ist zu Beginn der Behandlung anders zu konzipieren als im Verlauf bzw. am Ende der Behandlung.
Von zentraler Bedeutung ist das Erstgespräch. Es soll
den Patienten über Sinn und Zweck des Gesprächs informieren,
den Patienten (der anfangs unter Umständen eher ängstlich, verunsichert und zum Teil auch misstrauisch ist) ermutigen, seine Gefühle auszudrücken, und den Eindruck vermitteln, akzeptiert zu werden,
dem Patienten zu Beginn die Möglichkeit geben, seine individuelle Sicht der Probleme und Beeinträchtigungen darzustellen.
Eine zu frühe Strukturierung und Kontrolle des Gesprächs sollte daher vermieden werden, damit diese wichtigen Informationen nicht verloren gehen (s. Box).
Methode
Erstgespräch
Der Beginn des Erstgesprächs ist (nach ▶ [7]) charakterisiert durch:
eine längere Anfangsphase;
die Erläuterung von Sinn und Zweck des Gesprächs, z.B.: „Ich möchte Ihnen jetzt einige Fragen zu Ihrem Befinden und Ihren Problemen stellen, um Sie besser verstehen zu können“;
die Befragung stationär behandelter Patienten: „Was für einen Grund gab es für die Aufnahme?“, „Warum sind Sie zu uns gekommen?“
die Befragung ambulant behandelter Patienten: „Warum sind Sie zu mir gekommen?“, „Welche Beschwerden und Probleme führen Sie zu mir?“
In der Regel sind für eine angemessene Informationserhebung 2–3 Gespräche notwendig. Erfahrungsgemäß sollten für diese Sitzungen, in Abhängigkeit von der Belastbarkeit des Patienten, ca. 30–60 min Zeit zur Verfügung stehen. Als hilfreich kann es sich dabei erweisen, zu Beginn des jeweiligen Gesprächs die zur Verfügung stehende Zeit zu benennen.
Dreiteilung des Gesprächs Das Erstgespräch sollte aus 3 Teilen bestehen:
In einem offenen Teil zu Beginn des Gesprächs wird der Patient aufgefordert, seine Probleme und Schwierigkeiten darzustellen.
Dieser Phase schließt sich ein strukturierter Teil an, in dem der Untersucher die Informationen erhebt, die er z.B. für die diagnostische Einschätzung und Behandlungsplanung benötigt.
Das Gespräch sollte wiederum mit einem offenen Teil abschließen, in dem der Patient die Gelegenheit bekommt, nochmals Dinge zu ergänzen, die bisher nicht angesprochen worden sind, und insbesondere auch Fragen zu stellen. Abschließend kann der Interviewer dem Patienten zusammenfassend seine Eindrücke aus der Gesprächssituation mitteilen, weitere Schritte –besonders im Hinblick auf geplante diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen – ankündigen und ggf. weitere Gespräche vereinbaren.
Anwesenheit von Angehörigen Einen wichtigen Punkt stellt die Anwesenheit von Angehörigen dar. Einerseits liefern diese dem Arzt wesentliche Informationen v.a. zur Anamnese, andererseits beeinflusst der Umgang mit den Angehörigen auch die Entwicklung der Therapeut-Patient-Beziehung. In der Regel empfiehlt es sich, zunächst allein mit dem Patienten zu sprechen.
Merke
Üblicherweise wollen die Angehörigen ebenfalls mit dem Arzt sprechen, was jedoch nur mit Zustimmung des Patienten erfolgen kann.
Bei bestehender Selbst- und/oder Fremdgefährdung des Patienten muss eventuell aus rechtlichen Überlegungen die Erhebung einer Fremdanamnese auch gegen den Willen des Patienten durchgeführt werden. Im weiteren Behandlungsverlauf sollte der Versuch gemacht werden, dem Patienten zu erklären, welche Bedeutung Gespräche mit den Angehörigen haben. Meist bietet es sich auch an, gemeinsame Gespräche mit Patienten und Angehörigen durchzuführen.
Die Dreiteilung des Gesprächs lässt sich auch auf nachfolgende Gespräche anwenden. Dabei nimmt jedoch der Anteil des offenen Teils zu Beginn des Gesprächs zugunsten einer stärkeren Strukturierung ab. Dennoch sollte der Patient das Gefühl haben, dass er die für ihn wichtigen Probleme in einem Gespräch immer offen ansprechen kann. Die Beendigung eines Gesprächs sollte nicht abrupt erfolgen, sondern rechtzeitig angekündigt werden.
Methode
Wiederholungsgespräch
Der Beginn des Wiederholungsgesprächs ist (nach ▶ [7]) charakterisiert durch:
eine erneute Erläuterung von Sinn und Zweck des Gesprächs, z.B. „... um zu sehen, was sich geändert hat, möchte ich Ihnen nochmals einige Fragen stellen“;
eine gezielte Exploration, z.B. „Wie ist es Ihnen in den letzten Tagen gegangen?“, „Welche Beschwerden hatten Sie in den letzten Tagen?“
Die Behandlung endet mit dem Abschlussgespräch. Hier geht es darum, den Verlauf der Behandlung zusammenzufassen, d.h. unter anderem auf die erreichten Ziele hinzuweisen sowie aufgetretene Schwierigkeiten und die daraus abgeleiteten Konsequenzen für die weitere Behandlung zu reflektieren. In diesem Zusammenhang ist nach Abschluss einer stationären Behandlung v.a. auch die Weiterbehandlung ausführlich zu besprechen.
Der Therapeut soll sich im Gespräch mit dem Patienten auf dessen individuelle Möglichkeiten (u.a. intellektuelle Fähigkeiten) und auf seinen momentanen Zustand (u.a. Belastbarkeit) einstellen.
Dem Untersucher stehen verschiedene Explorationstechniken zur Verfügung. Allgemeine Hinweise, wie im diagnostischen Gespräch Fragen an den Patienten zu formulieren sind und wie der Gesprächsverlauf gesteuert werden kann, sind hier aufgeführt:
Methode
Allgemeine Hinweise zur Formulierung von Fragen im diagnostischen Gespräch
Verwendung einfacher Formulierungen;
keine doppelten Verneinungen;
Verwendung von Alltagssprache (z.B. „Wie war die Stimmung in den letzten Tagen?“);
keine Verwendung von Fachbegriffen oder Fremdwörtern (z.B. statt „Litten Sie in den letzten Tagen unter Insuffizienzgefühlen?“ besser: „Wie sah es in den letzten Tagen mit dem Selbstvertrauen aus?“);
Formulierung eindeutiger Fragen;
keine Überforderung des Patienten mit dem Inhalt der Frage;
offene neutrale statt suggestive Fragen (z.B. „Wie funktioniert es im Augenblick mit dem Gedächtnis?“ statt: „Sie konnten sich doch schlecht Dinge merken, oder?“);
konkrete statt allgemeine Fragen (z.B. „Konnten Sie den Haushalt schaffen?“ statt: „Wie klappt es denn so allgemein?“);
anschauliche Fragen (z.B. „Gibt es Tage, wo Sie es morgens schlecht schaffen, aus dem Bett zu kommen?“).
Während zu Beginn des Gesprächs und im Erstgespräch eine nicht direktive Haltung erwünscht ist, sollten im weiteren Verlauf und in Folgegesprächen direktive oder strukturierte Fragen stärker in den Vordergrund treten. Direktive Fragen liefern zu Beginn weniger Informationen über die interpersonelle Beziehung und können die Spontaneität der Schilderung der Beschwerden hemmen. Im weiteren Verlauf kommt ihnen größere Bedeutung zu, wenn es das Ziel des Gesprächs ist, Informationen zu erlangen.
Generell lassen sich 2 Arten von Gesprächstechniken unterscheiden:
Techniken, die der Strukturierung des Gesprächs dienen,
Techniken, die der Informationsklärung dienen.
Methode
Interviewerverhalten: Strukturierung des Gesprächs
Die Strukturierung des Gesprächs (nach ▶ [7]) durch den Interviewer ist gekennzeichnet durch:
den Beginn mit einem unverfänglichen Thema (z.B. Befinden, Stimmung);
die gemeinsame Exploration inhaltlich zusammenhängender Themen (z.B. Schlafstörungen und Grübeln), da dann der Gesprächsverlauf harmonischer wird;
das Wiederaufgreifen von bereits vom Patienten spontan genannten Beschwerden im Verlauf des Gesprächs (z.B. „Sie haben vorhin davon gesprochen, dass die Stimmung schlecht sei. Können Sie mir etwas mehr darüber berichten?“);
kein erneutes Wiederaufgreifen von bereits im Verlauf geklärten Beschwerden oder Ähnlichem;
die Überleitung auf andere Themen durch a) den Verlauf des Gesprächs, b) gezieltes Einleiten;
den Hinweis bei spontan genannten Beschwerden darauf, dass diese später noch besprochen werden (z.B. „Darauf kommen wir später noch genauer zurück“);
das vorsichtige Einleiten sensibler Bereiche (z.B. Sinnestäuschungen, Sexualität).
Methode
Interviewerverhalten: Präzisierung von Informationen
Die Präzisierung von Informationen (nach ▶ [7]) durch den Interviewer beinhaltet:
die Aufforderung an den Patienten, unverständliche, vage Angaben zu erläutern (z.B. „Das habe ich nicht ganz verstanden. Können Sie mir das etwas näher erklären?“);
ein Zurückkommen auf die gestellte Frage bei Ausweichen (z.B. „Ich möchte noch einmal auf meine Frage zurückkommen und etwas genauer nachfragen“);
das Wiederholen einer nicht verstandenen Frage bzw. das Wiederholenlassen durch den Patienten (z.B. „Was habe ich Sie gerade gefragt?“);
die nochmalige Wiederholung einer Frage im Verlauf des Gesprächs zur Kontrolle bei Verdacht auf unrichtige Antworten;
eine fortdauernde Exploration von Symptomen, bis eine Entscheidung über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein möglich ist;
ein gezieltes Weiterexplorieren bei Verdachtsmomenten (z.B. „Ich habe den Eindruck, dass ...; wie sehen Sie das?“);
das Nennenlassen von Beispielen bei Verdacht auf Suggestibilität oder Jasager-Tendenz;
Beispiele zur Verdeutlichung bei Verständigungsschwierigkeiten;
Hilfestellung bei sensiblen Themen (z.B. „Manchmal berichten Patienten, dass sie ...; kennen Sie das auch?“);
das Vermeiden einer direkten Konfrontation, jedoch eine Ermutigung des Patienten, über ein bestimmtes Thema zu sprechen (z.B. „Wie meinen Sie, kann man das erklären?“);
Nachfragen bei unlogischen Zusammenhängen (z.B. „Ich verstehe noch nicht, wie ... und ... zusammenhängen. Können Sie mir das etwas näher erklären?“).
Die genannten Techniken der Gesprächsführung sind bei Patienten hilfreich, die ohne große Schwierigkeiten über ihre Probleme berichten können. Anders ist die Situation bei Patienten, die im Gespräch Widerstand zeigen. Hiermit ist nicht Widerstand im Sinne einer psychodynamischen Sichtweise gemeint, sondern eine bewusste, willkürliche Verhaltensweise, z.B. das Vermeiden eines bestimmten Themas. Hinweise hierauf können wiederholte, sehr kurze Antworten des Patienten sein, oder dass er ausweicht und einfach andere Dinge anspricht. Oft sagt der Patient sogar direkt, dass er über ein bestimmtes Thema nicht reden möchte. Dem Untersucher stehen dann verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, darauf einzugehen:
Zunächst einmal kann er die Einstellung des Patienten mit dem Hinweis akzeptieren, vielleicht später nochmals darauf zurückzukommen. Auf keinen Fall sollte versucht werden, den Widerstand „um jeden Preis“ zu brechen.
Hilfreich kann es sein, den Patienten direkt mit seinem Widerstand zu konfrontieren und seine Aufmerksamkeit darauf zu fokussieren.
Oft ist es auch notwendig, Scham, Ängste oder Vorurteile dem Arzt gegenüber anzusprechen, bevor ein besonders nahegehendes Thema behandelt werden kann (z.B. „Ich möchte jetzt auf ein Thema kommen, das Ihnen vielleicht etwas unangenehm ist, das wir aber trotzdem zu besprechen versuchen sollten“).
Den äußeren Bedingungen kommt insbesondere im Erstgespräch eine große Bedeutung zu, da dem Patienten in der Regel sowohl die anwesende Person als auch die Räumlichkeiten unbekannt sind. Auf folgende Punkte ist zu achten:
Die Gesprächssituation sollte frei von äußeren Störeinflüssen sein (z.B. Störung des Gesprächs durch Telefonate oder das Hereinkommen von Dritten). Es empfiehlt sich, das Erstgespräch in einem separaten Arztzimmer durchzuführen und nicht im Patientenzimmer.
Es ist wichtig, dem Patienten eine entspannte Atmosphäre zu bieten,idealerweise in einemruhigen Raum mit bequemen Sitzmöglichkeiten. Es hat sich dabei z.B. als günstig erwiesen, wenn zwischen dem Untersucher und dem Patienten kein Tisch oder Schreibtisch steht, um nicht unnötig den Eindruck von Barrieren zu vermitteln. Zudem bietet eine einander zugewandte Sitzposition die Möglichkeit, den Patienten und seine Körpersprache besser zu beobachten. Der Arzt sollte den Patienten zu Beginn des Gesprächs auf die zur Verfügung stehende Zeit hinweisen und im Gespräch nicht sofort damit beginnen, Notizen zu machen, weil es den Patienten unter Umständen irritieren könnte.
Vor allem im Erstgespräch treten immer wieder schwierige Situationen auf. Diese Schwierigkeiten sind in der Regel im Zusammenhang mit der psychopathologischen Symptomatik des Patienten und seinen interpersonellen Kompetenzen zu sehen.
Strategien Je nach psychopathologischem Bild sind unterschiedliche Strategien sinnvoll:
So wird man bei einem depressiv-gehemmten Patienten das Gespräch vermutlich stärker strukturieren müssen, etwa durch gezielte Fragen oder wiederholtes Nachfragen.
Bei einem motorisch unruhigen, ideenflüchtigen oder dysphorischen Patienten wird man das Gespräch vermutlich zunächst kürzer halten und bei einigen Themen eher vorsichtig sein.
Bei einem sehr ängstlichen Patienten kann es unter Umständen hilfreich sein, das erste Gespräch im Beisein eines ihm vertrauten Menschen durchzuführen bzw. zunächst mit einem eher allgemeinen und unverfänglichen Thema zu beginnen.
Suizidalität und Fremdgefährdung Darüber hinaus lassen sich oft schwierige Situationen im Hinblick auf bestimmte Themenstellungen feststellen. Dies betrifft insbesondere den Bereich derSuizidalität. Jeder Untersucher ist verpflichtet, Suizidalität abzuklären, und zwar bereits im Erstgespräch. Der Untersucher sollte darauf achten, dieses Thema vorsichtig, aber auch in der notwendigen Klarheit anzusprechen. Bei aggressiv gespannten Patienten ist darauf zu achten, sie nicht allein zu lassen (Fluchtgefahr) und unter Umständen das Gespräch auch in Gegenwart einer dritten Person durchzuführen (Gefahr der Fremdgefährdung beachten). Jedoch auch dieFremdgefährdung selbst muss abgeklärt werden, d.h. inwiefern ein Patient eine Gefahr darstellt, anderen Personen einen Schaden zuzufügen. Dies gilt es generell zu prüfen, nicht nur bei Patienten mit Wahnvorstellungen (z.B. Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn).
Eine umfassende Zusammenstellung mit Fallbeispielen und Lösungsvorschlägen von schwierigen Gesprächssituationen findet sich bei Jacob et al. ▶ [9].
Merke
Gerade in der Psychiatrie kommt der Schweigepflicht eine große Bedeutung zu, da eine psychiatrische Erkrankung durch die immer noch bestehenden gesellschaftlichen Vorurteile für den Patienten oft mit Schamgefühlen verbunden ist.
Es hat sich als hilfreich erwiesen, den Patienten gerade zu Beginn der Kontaktaufnahme auf die Schweigepflicht aller an der Behandlung Beteiligten explizit hinzuweisen. Ebenfalls sollte darauf hingewiesen werden, dass gegenüber Personen oder Institutionen keine Auskünfte erteilt werden, wenn der Patient nicht ausdrücklich sein Einverständnis dazu gegeben hat.
Die psychiatrische Befunderhebung ist im Hinblick auf die diagnostische Beurteilung sowie die daraus resultierende Therapieplanung wichtig. Sie kann als komplexer Prozess angesehen werden und besteht aus verschiedenen Teilelementen:
Methode
Psychiatrische Befunderhebung: Überblick
Zu den Elementen der psychiatrischen Befunderhebung gehören:
soziodemografische Daten,
die Erfassung der Krankheitsanamnese (aktuelle somatische und psychiatrische Anamnese, somatische und psychiatrische Vorgeschichte, Familienanamnese),
die Biografie und Lebensgeschichte,
die Beurteilung der sozialen Situation,
die Erfassung somatischer Befunde,
die Beurteilung der aktuellen sowie prämorbiden Persönlichkeit,
der psychopathologische Befund.
Die psychiatrische Befunderhebung soll mit diagnostischen und differenzialdiagnostischen Überlegungen abschließen, aus denen sich die Konsequenzen für einen vorläufigen Gesamtbehandlungsplan ableiten.
Informationsquellen Die Informationsquellen in der psychiatrischen Befunderhebung sind
Aussagen des Patienten,
Beobachtungen des Untersuchers in der Interviewsituation,
Aussagen von Angehörigen, insbesondere zur psychiatrischen und somatischen Krankheitsanamnese,
Angaben vorbehandelnder Ärzte und Institutionen,
Beobachtungen des Pflegepersonals (sofern diese bereits vorliegen).
Im weiteren Krankheitsverlauf erlangen im stationären Bereich die Aussagen des Pflegepersonals zunehmend eine größere Bedeutung, da dieses den zeitlich längsten Kontakt mit dem Patienten hat und ihn zudem in alltagsnahen Situationen erlebt.
Soziodemografische Angaben zielen auf die Identifikation sowie die Beschreibung des Patienten und umfassen Folgendes:
Name,
Adresse,
telefonische Erreichbarkeit des Patienten und seiner Angehörigen,
Geburtsdatum und Geschlecht,
Geburtsort,
Familienstand,
Nationalität,
Angaben zur schulischen und Berufsausbildung sowie zur gegenwärtigen beruflichen Situation.
Mit der Krankheitsanamnese (▶ Tab. 1.1) sollen frühere und aktuelle psychiatrische sowie somatische Erkrankungen erfasst werden.
Tab. 1.1
Krankheitsanamnese.
Aktuelle Erkrankung
Frühere psychiatrische und somatische Erkrankungen
chronologische Entwicklung der Beschwerden und Symptome
Entwicklung und Art der Erkrankungen, Diagnosen
subjektive Gewichtung der Symptomatik, Beurteilung und Erleben der Erkrankung
Zeitpunkt, Dauer und Verlauf der Erkrankungen, der ambulanten und stationären Therapien sowie der psychosozialen Konsequenzen (Krankschreibungen, Arbeitslosigkeit, Berentung, Behinderungen etc.)
Auslösesituationen und dazugehörige Konfliktkonstellationen, die folgende Problemfelder betreffen können:
persönliche Bindungen, Liebesbeziehungen und Familienleben
Partnerwahl und Bindungs- bzw. Beziehungsverhalten
Aufnahme einer neuen Beziehung
besondere sexuelle Konflikte in der Partnerschaft
Auftauchen von Rivalitätskonflikten, Macht- oder Geltungsansprüchen in einer Beziehung
Konflikt in Bezug auf Besitz, Eigentum
Beziehung zu den eigenen Kindern
Verluste durch (reale oder fantasierte) Trennung
Verluste durch Tod
Herkunftsfamilie (z.B. Ablösungskonflikte)
Berufsprobleme, Arbeitsstörungen und Lernschwierigkeiten
Besitzerleben und -verhalten
umgebender soziokultureller Raum
Art und Erfolg der bisherigen Behandlungsversuche (psychotherapeutisch, [psycho-]pharmakologisch, Heilpraktiker u.a.)
Therapiemotivation, Erwartungen an die Behandlung
Komplikationen (Selbstbeschädigung, Suizidalität, delinquentes Verhalten, Missbrauch psychotroper Substanzen)
Die aktuelle Krankheitsanamnese umfasst die differenzierte Beschreibung der aktuellen Symptomatik. Dabei ist darauf zu achten, dass
eine möglichst genaue Beschreibung aller beobachtbaren Phänomene erfolgt,
nicht nur die Symptome betrachtet werden, die für die vermutete Diagnose von Relevanz sein könnten, sondern der gesamte psychopathologische Befund,
der Beginn der Symptomatik genau festgehalten wird; zusätzlich ist festzuhalten, wie sich der Beginn der jetzigen Symptomatik manifestiert hat (z.B. akut versus schleichend); ebenfalls ist der weitere Verlauf der Symptomatik differenziert zu dokumentieren.
Der Arzt sollte versuchen, alle Umstände, die mit dem Beginn der jetzigen Symptomatik in Zusammenhang stehen könnten, zu erfassen. Dies betrifft
kritische Lebensereignisse (z.B. Tod eines Angehörigen),
länger andauernde Belastungssituationen (z.B. chronischer Partnerschaftskonflikt),
aktuelle Probleme (z.B. Probleme am Arbeitsplatz),
aber z.B. auch einen etwaigen Zusammenhang mit dem Konsum psychotroper Substanzen.
Neben der reinen Symptom- und Verlaufsbeschreibung sind weiterhin von Bedeutung:
der Grad der Beeinträchtigung des Patienten durch die Symptomatik bzw.
Konsequenzen in persönlicher, sozialer und beruflicher Hinsicht,
das Krankheitskonzept des Patienten, d.h. seine individuellen Vorstellungen über die Ursachen und die Entwicklung der Erkrankung, sein Krankheitsverhalten und die sich daraus ableitende Therapiemotivation, welche für die Therapieplanung von entscheidender Bedeutung ist sowie etwaige bereits eingeleitete Behandlungen, wobei auf die genaue Dokumentation der Medikation bezüglich Zeitpunkt und Dosierung besonderes Augenmerk zu legen ist.
Die differenzierte Beschreibung der Krankheitsvorgeschichte ist im Bereich der Psychiatrie von besonderer Bedeutung. Sie liefert
Anhaltspunkte für die Entwicklung der aktuellen Symptomatik,
Hinweise für eine diagnostische Zuordnung des klinischen Bildes im Kontext ätiologischer und/oder pathogenetischer Überlegungen,
unter therapeutischem Gesichtspunkt Hinweise auf alle bisherigen Maßnahmen der Behandlung (so kann z.B. die dokumentierte Wirksamkeit einer bestimmten Medikation die erneute Entscheidung für diese erleichtern bzw. umgekehrt das Vermerken einer Unwirksamkeit von Medikamenten eine wiederholte Gabe und eine Zeitverzögerung in der Behandlung vermeiden) sowie Hinweise auf das bisherige Krankheits- und Therapiekonzept des Patienten, welches bei der eigenen Therapieplanung und -besprechung zu berücksichtigen ist, sodass Complianceprobleme verhindert werden können.
In der Vorgeschichte sollen alle früheren psychiatrischen und somatischen Erkrankungen chronologisch erfasst werden. Dabei sind
nicht nur die „objektiven“ Daten der Krankheitsentwicklung, des -verlaufs und der bisherigen Behandlungsversuche,
sondern auch die Einstellungen des Patienten zu seiner Erkrankung und den bisher erfolgten Therapien relevant.
Für jede Krankheit sollte Folgendes erfasst werden:
die Bestimmung des vermutlichen Ersterkrankungsalters (einschließlich der Prodromalsymptome z.B. bei schizophrenen Störungen; s. Kap. ▶ 4),
eine etwaige erste Hospitalisierung.
Die Familienanamnese (▶ Tab. 1.2) dient der Erfassung psychosozialer und krankheitsrelevanter Aspekte aus der Herkunftsfamilie des Patienten. Im Rahmen einer Mehrgenerationenperspektive sollten dabei zumindest Großeltern, Eltern, Geschwister und Kinder berücksichtigt werden. Bei der Erhebung der einzelnen Gesichtspunkte sollte systematisch zwischen der mütterlichen und der väterlichen Linie unterschieden werden, wobei hierbei die Erstellung eines Familienstammbaums hilfreich sein kann.
Tab. 1.2
Familienanamnese.
Familiäre Situation
Erhebung
psychosoziale Situation der Großeltern und Eltern
Alter, Beruf, finanzielle Verhältnisse, ggf. Todesdaten und -ursachen
Geschwister
Anzahl, Alter, Geschlecht, Familienstand, Stellung des Patienten in der Geschwisterreihe
Familienatmosphäre
Persönlichkeitsstruktur und interaktionelle Besonderheiten von Eltern und weiteren primären Bezugspersonen, Einstellungen der Eltern zur Familie, Erziehung, Sexualität
familiäre Belastung mit psychiatrischen und somatischen Störungen
psychiatrische und somatische (Erb-)Krankheiten und Behandlungen in der Familie (Verwandte 1. und 2. Grades), Suizide, Suizidversuche, Störungen durch psychotrope Substanzen, delinquentes Verhalten und andere Auffälligkeiten
Neben objektiven Daten sollte die Familienanamnese auch aus Schilderungen des Patienten und der Angehörigen erschließbare Aspekte des Familienlebens beinhalten. Als objektive Daten zu nennen sind Alter sowie Beruf der Eltern und Geschwister bzw. der eigenen Kinder. Von zentraler Bedeutung ist die Erfassung psychischer Störungen bei Verwandten 1. Grades. Viele Studien belegen genetische Faktoren bestimmter psychischer Störungen (wie z.B. affektiver Störungen). Von besonderer Relevanz sind in diesem Zusammenhang psychotische Erkrankungen sowie Suchterkrankungen und Suizide bzw. Suizidversuche.
Der Erfassung der Biografie des Patienten kommt in der Psychiatrie eine besondere Bedeutung zu, da bei einer Vielzahl von Erkrankungen lebensgeschichtliche Faktoren, die Persönlichkeitsstruktur und die eine Erkrankung auslösende biografische Situation in engem Zusammenhang stehen können (vgl. sog. Z-Codierungen der International Classification of Diseases [ICD-10]).
Äußere und innere Lebensgeschichte Bei der Darstellung biografischer Daten und Faktoren bietet sich oft eine Unterscheidung zwischen äußerer und innerer Lebensgeschichte an:
Während zur äußeren Lebensgeschichte objektive Daten wie bei einem amtlichen Lebenslauf zählen (z.B. Geburtsort, Schulbesuche),
umfasst die innere Lebensgeschichte subjektive Aspekte, d.h., wie biografische Einzelheiten erlebt worden sind und wie sie in ein inneres Selbstkonzept integriert wurden (z.B. Erziehungsstil der Eltern, Erleben der Sexualität).
Merke
Ziel bei der Beschreibung eines Patienten sollte es sein, die Entwicklung der Persönlichkeit und alle mit dem gegenwärtigen Zustandsbild eventuell zusammenhängenden Umstände herauszuarbeiten.
Eine Darstellung biografischer Befunde sollte chronologisch anhand von Themenbereichen erfolgen (▶ Tab. 1.3).
Tab. 1.3
Biografie des Patienten.
Entwicklungszeitraum und Besonderheiten
Biografische Erhebung
Schwangerschafts- und Geburtsumstände
Krankheiten oder psychosoziale Auffälligkeiten während der Schwangerschaft der Mutter, Alter der Mutter und des Vaters zum Zeitpunkt der Geburt, eheliches/uneheliches Kind, Geburtsort, Art der Geburt (Früh- oder Spätgeburt, Geburtskomplikationen oder Kaiserschnitt)
frühkindliche Entwicklung
Entwicklungsschritte des Laufens, Sprechens und der Reinlichkeitserziehung, frühkindliche Störungen (Bettnässen, Albträume etc.), Erziehungsstil, Beziehung zu Eltern und Geschwistern, emotionale Besonderheiten
vorschulische und schulische Entwicklung
Kindergarten, Schulentwicklung, Schulabschluss und damit verbundene Entwicklungsschritte (Schulwechsel, Sitzenbleiben, Stellung gegenüber bestimmten Fächern, Mitschülern und Lehrern; äußere Faktoren mit Einfluss auf die schulische Entwicklung wie z.B. Wohnortwechsel der Eltern etc.)
Pubertät und frühes Erwachsenenalter
Konflikte bei der Ablösung vom Elternhaus, sexuelle Entwicklung (Masturbation, hetero- und homosexuelle Kontakte, Perversionen, Schwangerschaften)
berufliche Entwicklung
Militär-/Zivildienst, Gründe der Ausbildungs- und Berufswahl, Ausbildungsgang und -abschluss, Hintergründe für Berufs- und Stellungswechsel, subjektive Befriedigung durch den Beruf
Partnerschaften, Ehe, Familie und Kinder
Länge der Partnerschaften, Alter, Persönlichkeiten und sozioökonomischer Status der Partner, Umstände der Eheschließung, Zahl, Alter und Herkunft der Kinder, partnerschaftliche Einstellungen (Erziehungs- und Lebensstil, Sexualität)
sozioökonomische Besonderheiten
Wohnverhältnisse, wirtschaftliche Situation, Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften, Vereinen, politischen Organisationen, soziale Kontakte außerhalb der Familie
Freizeit
Hobbys, Interessen
Gewohnheiten
Konsum von Genussmitteln (Alkohol, Tabak), Medikamentenkonsum
Zu jeder psychiatrischen Erstuntersuchung gehört eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung sowie (in Abhängigkeit von den erhobenen Befunden) eine ergänzende laborchemische und apparative Zusatzdiagnostik (z.B. EEG und Kernspintomografie). Dabei sind für jede behandlungsbedürftige Krankheit Diagnose, Medikation und deren Dosierung sowie die Art der Vorbehandlung genau zu erfassen. Eine eingehende körperliche Untersuchung ist aus folgenden Gründen von Bedeutung:
Verschiedene psychische Symptome können als Indikatoren von körperlichen Störungen angesehen werden.
Es sollten keine körperlichen Erkrankungen übersehen werden, die unabhängig von psychiatrischen Erkrankungen existieren.
Verschiedene körperliche Störungen können psychische Störungen (mit-)verursachen.
Weiterhin sollten nicht nur die aktuelle Symptomatik, sondern auch anamnestische Befunde (z.B. traumatische Hirnverletzungen, schwere körperliche Erkrankungen in der Vorgeschichte) erfasst werden.
Die Beurteilung der Persönlichkeitsstruktur, auf deren Grundlage sich psychopathologische Symptome entwickeln können, ist seit jeher von großer Bedeutung. Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung sollte dabei versucht werden, bestimmte strukturelle Dimensionen der Persönlichkeit sowie auffällige Persönlichkeitszüge zu erfassen. Zu den strukturellen Merkmalen gehören Aspekte der Selbstwahrnehmung (Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle) und der Wahrnehmung von anderen, das Ausmaß der Selbststeuerung bzw. Impulskontrolle, die Abwehr sowie die Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit. Zur Charakterisierung der Persönlichkeitszüge lassen sich verschiedene Typen unterscheiden (z.B. abhängige, anankastische oder schizoide Persönlichkeitszüge; vgl. Z-Codierungen der ICD-10 sowie Kap. ▶ 9).
Prämorbide Persönlichkeit Der Erfassung der Persönlichkeit vor Auftreten der Erkrankung, oft auch als prämorbide Persönlichkeit bezeichnet, kommen verschiedene Funktionen zu:
Mit der Erfassung des „Normalzustands“ lässt sich abschätzen, wie weit eventuell durch eine psychiatrische Erkrankung eine Veränderung der Persönlichkeitsstruktur des Patienten erfolgt ist.
Verschiedene Untersuchungen haben darauf hingewiesen, dass bestimmte Erkrankungen mit bestimmten prämorbiden Persönlichkeitsstrukturen in Verbindung stehen (z.B. depressive Störungen mit einer anankastischen Persönlichkeitsstruktur). Aus der Beurteilung der prämorbiden Persönlichkeit können also eventuell zusätzliche Hinweise auf die Diagnose erfolgen.
Das prämorbide Persönlichkeitsbild kann in die therapeutische Zielsetzung einfließen, da es eine genauere Bestimmung des Therapieziels ermöglicht.
Als diagnostische Hilfsmittel zur Erfassung der Persönlichkeitsstruktur sowie der prämorbiden Persönlichkeit können v.a. Selbstbeurteilungsverfahren eingesetzt werden (vgl. ▶ [12]).
Definition
Psychopathologische Befunderhebung
Die psychopathologische Befunderhebung stellt das Kernstück der psychiatrischen Diagnostik dar. Mit der Erhebung des psychopathologischen Befunds sollen die Symptome erfasst werden, die die aktuelle psychische Störung kennzeichnen. Sie sagt allein nichts Definitives über Ätiologie und Pathogenese der zugrunde liegenden Störung aus.
Erhebung des psychopathologischen Befunds Die Erhebung des psychopathologischen Befunds sollte differenziert erfolgen und verschiedene Merkmalsbereiche umfassen (Kap. ▶ 1.3.3).
Ergänzend ist zu beurteilen:
das äußere Erscheinungsbild,
das Verhalten in der Untersuchungssituation,
das Sprechverhalten bzw. die Sprache.
Diese Merkmale sind zwar nicht primär Teil des psychopathologischen Befunds, geben aber wichtige Hinweise z.B. auf die psychosoziale Integration eines Patienten, seine interpersonellen Kompetenzen und sein Krankheitsverhalten (▶ Tab. 1.4).
Tab. 1.4
Psychiatrische Befunderhebung: äußere Merkmale.
Merkmalsbereiche
Untersuchungsparameter
äußeres Erscheinungsbild
Kleidung, Körperpflege, Gestik, Mimik, Physiognomie
Verhalten in der Untersuchungssituation
Auskunftsbereitschaft, Kooperation, Simulation, Dissimulation, interaktionelles Verhalten
Sprechverhalten und Sprache
Klang, Modulation, Sprechstörungen (Stammeln, Stottern), Sprachverständnis und Ausdrucksvermögen
Grundlagen der psychopathologischen Befunderhebung sind
Aussagen des Patienten,
Beobachtungen des Interviewers in der Untersuchungssituation, ergänzt durch fremdanamnestische Angaben (z.B. Angehörige, Pflegepersonal).
„Symptoms“ und „Signs“ Es ist zu beachten, dass bestimmte psychopathologische Phänomene nur durch den Patienten zu beobachten und zu berichten sind (engl.: Symptoms, z.B. Grübeln), andere nur durch einen außen stehenden Beobachter (engl.: Signs, z.B. Neologismen), die meisten jedoch sowohl durch den Patienten als auch durch dritte Personen (z.B. Antriebsarmut, Konzentrationsstörungen).
Die psychopathologische Befunderhebung ist ein komplexer Prozess, der eine Vielzahl von Bereichen berücksichtigen muss. Es hat sich daher zunehmend ein strukturiertes Vorgehen durchgesetzt, z.B. anhand des Dokumentationssystems der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP-System, ▶ [1]), für das es zudem einen Leitfaden zur Befunderhebung gibt ▶ [7]. Das AMDP-System ist das im deutschen Sprachbereich am weitesten verbreitete Instrument zur Erfassung der Psychopathologie. Kernstück ist der aus 100 Symptomen bestehende sog. psychische Befund. Die Symptombewertung erfolgt rein deskriptiv, ohne Bezug auf bestimmte ätiologische Annahmen oder eine vermutete Störung.
Probleme bei der Erfassung und Beurteilung psychopathologischer Symptome ergeben sich sowohl aufseiten des Untersuchers als auch des Patienten.
Probleme aufseiten des Untersuchers:
keine klinischen Erfahrungen im Umgang mit Patienten,
Fehler in der Gesprächsführung (Kap. ▶ 1.1.3),
keine explizite Festlegung eines zeitlichen Bezugsrahmens (z.B. die letzten 7 Tage), auf den sich die Beurteilung der einzelnen psychopathologischen Symptome beziehen soll,
keine Verwendung von Manualen mit Definitionen der Symptome,
unvollständige Erfassung.
Probleme aufseiten des Patienten:
aktuelle und/oder überdauernde kognitive Beeinträchtigungen,
mangelnde Kooperationsbereitschaft, geringe Motivation,
Unklarheit über den zeitlichen Bezugsrahmen, auf den sich die Befragung bezieht (aktuell versus lebensgeschichtlich),
aktueller psychopathologischer Zustand als beeinträchtigender Faktor (z.B. starke Auffassungsstörungen).
Psychopathologische Symptome lassen sich in verschiedene Bereiche gruppieren, wie sie in Anlehnung an das AMDP-System in ▶ Tab. 1.5 enthalten sind (Kap. ▶ 1.3.4 „Erfassungsmethoden“). Diese Unterteilung wird auch der nachfolgenden Darlegung zugrunde gelegt.
Tab. 1.5
Psychiatrische Befunderhebung: Merkmalsbereiche (in Anlehnung an das AMDP-System).
Merkmalsbereiche
Untersuchungsparameter
Bewusstsein
quantitativ (Bewusstseinsverminderung), qualitativ (Bewusstseinstrübung, -einengung, -verschiebung)
Orientierung
zeitlich, örtlich, situativ und zur Person
Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen
Auffassungsstörungen, Konzentrationsstörungen, Immediatgedächtnis, Kurz- und Langzeitgedächtnis
Antriebsstörungen und psychomotorische Störungen
antriebsarm, -gehemmt, -gesteigert, motorisch unruhig, Parakinesen, Hyperkinesen, Akinese, Hypokinese, Stupor, Raptus, manieriert/bizarr, theatralisch, mutistisch, logorrhoisch
Affektivität
Ratlosigkeit, Gefühl der Gefühllosigkeit, affektarm, Störung der Vitalgefühle, deprimiert/depressiv, hoffnungslos, ängstlich, euphorisch, dysphorisch, gereizt, innerlich unruhig, klagsam/jammervoll, Insuffizienzgefühle, gesteigertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Verarmungsgefühle, ambivalent, Parathymie, affektlabil, Affektdurchlässigkeit (-inkontinenz), affektstarr
formales Denken
Verlangsamung, Hemmung, umständliches Denken, eingeengtes Denken, Perseveration, Grübeln, Gedankendrängen, Ideenflucht, Vorbeireden, gesperrt/Gedankenabreißen, inkohärent/zerfahren, Neologismen
inhaltliches Denken
nicht wahnhaft: Zwang, Hypochondrie, Phobien, überwertige Ideen;
wahnhaft: formale und inhaltliche Wahnmerkmale
Sinnestäuschungen
Illusion, Halluzinationen
Ich-Störungen
Derealisation, Depersonalisation, Gedankenausbreitung, -entzug, -eingebung, andere Fremdbeeinflussungserlebnisse
zirkadiane Besonderheiten
Morgentief, Abendtief
Sozial- und Krankheitsverhalten
Krankheitseinsicht, Krankheitsgefühl, Ablehnung der Behandlung, sozialer Rückzug, soziale Umtriebigkeit
aggressives Erlebens- und Verhaltensmuster
Aggressivität, Selbstbeschädigung, Suizidalität
dissoziative Symptome
z.B. Amnesie, Trance, Lähmungen, Fugue
somatische Symptome
z.B. Insomnie, Inkontinenz, Tremor, Impotenz
Das Bewusstsein lässt sich als Zustand der Bewusstheit des Selbst und der Umwelt definieren. Bewusstseinsstörungen werden auf der Grundlage des gesamten Erlebens und Verhaltens des Patienten in der Untersuchungssituation beurteilt. Bewusstseinsklarheit bedeutet dabei nicht nur eine vollständig erhaltene Vigilanz, sondern auch die Fähigkeit, auf Situationen adäquat zu reagieren. Unterschieden wird daher zwischen quantitativen und qualitativen Bewusstseinsstörungen (Bewusstseinsverminderung).
Sie sind durch eine Störung der Vigilanz (Wachheit) bedingt. Vigilanzstörungen weisen nahezu immer auf eine organische Ätiologie hin und werden dem Wachheitsgrad entsprechend weiter unterteilt:
Benommenheit: Patient ist schwer besinnlich, teilnahmslos und verlangsamt, Informationsaufnahme und -verarbeitung sind eingeschränkt.
Somnolenz: Patient ist apathisch, schläfrig, aber weckbar.
Sopor: Patient schläft und ist nur durch starke Reize (z.B. Kneifen) für kurze Zeit zu erwecken.
Koma: Patient ist bewusstlos und nicht mehr weckbar.
Sie stellen Veränderungen des Bewusstseins dar. Die Vigilanz ist erhalten, aber der Patient hat keine adäquaten Reaktionsmöglichkeiten auf sich verändernde Umweltbedingungen. Es wird zwischen folgenden Phänomenen unterschieden:
Die Bewusstseinstrübung ist durch eine unzureichende Klarheit von Denken und Handeln gekennzeichnet, wie sie etwa bei deliranten Zustandsbildern gefunden wird.
Bei der Bewusstseinseinengung, die z.B. bei epileptischen Dämmerzuständen auftritt, kommt es bei weitgehend erhaltener Handlungsfähigkeit zu einer Einengung von Denkinhalten und Erlebnissen. Die Ansprechbarkeit auf Außenreize ist vermindert. Das Erleben ist insgesamt traumartig verändert.
Bei der Bewusstseinsverschiebung oder -erweiterung handelt es sich um einen Zustand, der durch das Gefühl eines gesteigerten Intensitäts- und Helligkeitserlebens, erhöhter Wachheit und der Vergrößerung des Bewusstseinsraums gekennzeichnet ist. Derartige Zustände treten häufiger in Zusammenhang mit der Einnahme von Halluzinogenen auf.
Die Orientierung umfasst die Genauigkeit der Wahrnehmung des Patienten und seines Verständnisses der ihn umgebenden Situation. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit, sich in der zeitlichen, räumlichen und gegenwärtigen persönlichen Situation zurechtzufinden. Die Orientierungsstörungen können teilweise aus dem Gesprächsverlauf erschlossen werden, müssen meist jedoch exploriert werden.
Die zeitliche Orientierung wird etwa durch Abfragen des Datums (Tag, Monat, Jahr), des Wochentags, des Jahres oder der Jahreszeit überprüft.
Die örtliche Orientierung bezieht sich stets auf die Kenntnis des Ortes, an dem sich der Patient gegenwärtig befindet.
Mit situativer Orientierung ist die Fähigkeit gemeint, die gegenwärtige Situation und die dort anwesenden Personen (z.B. die Untersuchungssituation) richtig einzuschätzen.
Die Orientierung zur Person spiegelt das Wissen um Merkmale der eigenen Person und lebensgeschichtliche Zusammenhänge wider (z.B. erlernter Beruf, Zahl der eigenen Kinder).
Zumeist ergeben sich bereits aus dem Gesprächsverlauf erste Hinweise darauf, ob kognitive Einbußen vorhanden sind.
Zu unterscheiden sind Auffassungs- und Konzentrationsstörungen:
Auffassungsstörungen umfassen die reduzierte Fähigkeit, verschiedene Wahrnehmungsinhalte in einen Sinnzusammenhang zu bringen und dessen Bedeutung zu erfassen. Auffassungsstörungen lassen sich prüfen, indem man den Patienten z.B. bittet, den Sinn von Sprichwörtern (z.B. „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“) oder von einer kurzen Fabel zu erklären.
Konzentrationsstörungen beziehen sich auf die reduzierte Fähigkeit, sich über einen längeren Zeitraum einer bestimmten Aufgabe zuzuwenden. Patienten mit Konzentrationsstörungen lassen sich leicht durch von außen kommende Reize ablenken. Konzentrationsstörungen lassen sich z.B. überprüfen, indem man den Patienten auffordert, fortlaufend von einer Zahl den gleichen Betrag zu subtrahieren (z.B. bei 81 beginnen und jeweils 7 abziehen lassen) oder die Wochentage oder Monatsnamen rückwärts aufzusagen. Konzentrationsstörungen sind jedoch oft auch direkt in der Untersuchungssituation zu beobachten.
Hinweise auf Störungen im Bereich des Gedächtnisses ergeben sich ebenfalls häufig bereits aus dem Gesprächsverlauf (z.B. kann sich der Patient an bereits Angesprochenes nicht mehr erinnern). Die Gedächtnisleistung selbst ist ein komplexer Prozess, dessen verschiedene Teilkomponenten (Informationsaufnahme und -entschlüsselung, Behalten dieser Informationen sowie Abruf alter oder neuer Gedächtnisinhalte) gestört sein können. Meist wird aus praktischen Gründen eine relativ grobe Unterscheidung zwischen Ultrakurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis getroffen:
Beim Ultrakurzzeitgedächtnis (oder Immediatgedächtnis) geht es um die unmittelbare Aufnahme und sofortige Reproduktion von Informationen.
Das Kurzzeitgedächtnis umfasst die Reproduktion von Informationen nach einem Zeitabstand von ca. 5–10 min. Die Überprüfung des Ultrakurzzeit- und Kurzzeitgedächtnisses (oft auch als Merkfähigkeit bezeichnet) kann durch das Abfragen vorgegebener Begriffe (z.B. „Helsinki“, „27“, „Tisch“) oder das Nacherzählen einer Fabel nach einem kurzen Zeitintervall (z.B. 5 min) erfolgen.
Beim Langzeitgedächtnis geht es um die Reproduktion von Informationen, die mindestens 10 min, jedoch auch Tage bis Jahre zurückliegen können.
Formen von Gedächtnisstörungen Dem Erscheinungsbild nach werden folgende Gedächtnisstörungen differenziert:
Amnesien: zeitlich begrenzte Gedächtnislücken, die differenziert werden hinsichtlich der Ursache und zeitlichen Distanz zu einem schädigenden Ereignis; totale Amnesie: komplette Gedächtnislücke, ohne auch nur geringe Erinnerungsreste; lakunäre Amnesie: auf einzelne, bestimmte Ereignisse beschränkte Erinnerungslücke; weiterhin wird zwischen der retrograden (Störung für die vor dem Ereignis liegende Zeit) und der anterograden Amnesie (Störung für die Zeit nach dem Ereignis) unterschieden;
Hypermnesie: Steigerung der Erinnerungsfähigkeit (z.B. in Fieberzuständen);
Hypomnesien: Herabsetzung der Erinnerungsfähigkeit;
Paramnesien: Erinnerungstäuschungen, Gedächtnisillusionen oder Trugerinnerungen, die z.B. im Rahmen einer wahnhaften Veränderung der Erinnerung bei schizophrenen Patienten auftreten können; der Patient hat das sichere Gefühl, z.B. bestimmte Situationen oder Ereignisse schon einmal erlebt zu haben, von Dingen schon einmal gehört zu haben; unter den Begriff der Paramnesien fallen auch Déjà-vu-Erlebnisse (falsches Wiedererkennen bzw. vermeintliche Vertrautheit) oder Jamais-vu-Erlebnisse (vermeintliche Fremdheit);
Ekmnesien: Störung des Zeiterlebens bzw. der zeitlichen Einordnung, wobei die Vergangenheit als Gegenwart erlebt wird;
Zeitgitterstörungen: Störung, Ereignisse in das richtige Zeitgitter, d.h. die richtige zeitliche Abfolge, einzuordnen;
Konfabulationen: Erinnerungslücken werden vom Patienten wiederholt mit frei erfundenen Fakten oder Ereignissen gefüllt, die der Patient tatsächlich für Erinnerungen, d.h. für Realität, hält.
Merke
Gedächtnisstörungen sind meist ein Kardinalsymptom von Hirnfunktionsstörungen unterschiedlichster Genese (Ätiologie). Jedoch können bei fast allen psychiatrischen Störungen vorübergehend Gedächtnisstörungen auftreten (z.B. Depressionen, Schizophrenien).
Denkstörungen lassen sich aufgrund der sprachlich-inhaltlichen Äußerungen des Patienten während der Untersuchungssituation erschließen. In der Psychopathologie wird zwischen formalen und inhaltlichen Denkstörungen unterschieden.
Hierbei handelt es sich um objektiv beobachtbare oder subjektiv erlebte Veränderungen in der Geschwindigkeit, Kohärenz oder Stringenz des Gedankengangs. Als wesentliches Kriterium für den Schweregrad von formalen Denkstörungen kann die Erschwerung des Interviews angesehen werden, wobei sich die Denkstörungen manchmal erst bei längerem Verlauf oder im Zusammenhang mit emotional belastenden Situationen zeigen. Formale Denkstörungen sind meist nosologisch unspezifisch und können bei einer Vielzahl psychischer Störungen auftreten.
Merkmale von formalen Denkstörungen In Anlehnung an das AMDP-System werden folgende Merkmale unterschieden:
Denkverlangsamung: vom Untersucher wahrgenommene Verlangsamung des Denkens mit schleppendem Ablauf;
Denkhemmung: vom Patienten subjektiv als gebremst erlebtes Denken, wird wie gegen einen inneren Widerstand empfunden;
umständliches Denken: wenn – bezogen auf den Gesprächsinhalt – das Nebensächliche nicht vom Wesentlichen getrennt wird und der Patient an vielen unbedeutenden Einzelheiten haftet; der inhaltliche Zusammenhang und das Ziel bleiben aber stets erhalten;
eingeengtes Denken: wenn der inhaltliche Gedankenumfang eingeschränkt ist und der Patient einem oder wenigen Themen verhaftet und auf wenige Zielvorstellungen fixiert ist; dem Patienten gelingt es im Gespräch nicht oder nur schwer, auf ein anderes Thema überzugehen;
Perseveration: Haftenbleiben an bestimmten Vorstellungen und Gedanken; Worte oder Angaben, die im aktuellen Gesprächszusammenhang nicht mehr sinnvoll sind, werden mehrfach wiederholt;
Grübeln: unablässiges, jedoch nicht zur Lösung oder zum Ziel führendes Beschäftigtsein mit (meist) unangenehmen Themen, die vom Patienten nicht als fremd erlebt werden;
Gedankendrängen: wenn der Patient dem Druck vieler Einfälle oder Gedanken ausgesetzt ist;
Ideenflucht: Vermehrung von Einfällen, die aber nicht mehr von einer Zielvorstellung straff geführt werden; das Ziel des Denkens kann aufgrund dazwischenkommender Assoziationen ständig wechseln oder ganz verloren gehen und ist vom Untersucher nur noch schwer oder gar nicht mehr zu erkennen;
Vorbeireden/Danebenreden: wenn der Patient nicht auf die Frage eingeht, obwohl aus seiner Antwort und/oder der Situation ersichtlich ist, dass er die Frage verstanden hat;
Gedankenabreißen: plötzlicher Abbruch eines zunächst flüssigen Gedankengangs ohne erkennbaren Grund, was vom Patienten erlebt (Gedankenabreißen) und/oder vom Interviewer beobachtet wird (Sperrung);
Inkohärenz/Zerfahrenheit: Mangel an logischem Zusammenhang zwischen Worten und Sätzen, was dem Patienten nicht bewusst ist; Denken und Sprechen des Patienten sind für den Untersucher nicht mehr verständlich und im Extremfall bis in einzelne, scheinbar zufällig durcheinander gewürfelte Sätze („Wortsalat“), Satzgruppen oder Gedankenbruchstücke zerrissen;
Neologismen: Wortneubildungen (meist Zusammenziehung von bekannten Worten; z.B. Lichtgefäß), die der sprachlichen Konvention nicht entsprechen und oft nicht unmittelbar verständlich sind, sowie semantisch ungewöhnlicher Gebrauch von Begriffen.
Von den formalen Denkstörungen sind die inhaltlichen Denkstörungen abzugrenzen, bei denen der Inhalt des Denkens und die Realitätskontrolle verändert sind; hierunter werden u.a. Wahnphänomene, Zwangs- und Angstsymptome zusammengefasst (s.u.).
Bei den Zwängen handelt es sich um immer wieder gegen inneren Widerstand sich aufdrängende, ich-fremde Merkmale, die vom Patienten als unsinnig und unangenehm erlebt werden. Sie lassen sich nicht oder nur schwer unterbinden, bei Unterdrückung dieser Phänomene tritt oft das Gefühl von Angst oder Unbehagen auf. Unterschieden werden:
Zwangsdenken/-gedanken: zwanghafte Gedanken oder Vorstellungen;
Zwangsimpulse: sich zwanghaft aufdrängende Impulse, bestimmte Handlungen auszuführen (z.B. andere zu beschimpfen oder zu verletzen);
Zwangshandlungen: auf der Grundlage von Zwangsimpulsen oder -gedanken immer wieder ausgeführte Handlungen (z.B. Wasch- oder Kontrollhandlung), die vom Patienten als unsinnig und unnütz erlebt werden.
Weiterhin wird unterschieden in:
Hypochondrie: ängstlich getönte Beziehung zum eigenen Körper, an dem z.B. Missempfindungen überstark wahrgenommen werden, mit der unbegründeten Befürchtung, körperlich krank zu sein oder zu werden; normale Körpervorgänge erhalten oft eine überstarke Bedeutung;
Phobien: Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen, die meist vermieden werden; unterschieden wird zwischen sozialer Phobie, Agoraphobie (Platzangst), Klaustrophophie (Angst vor geschlossenen Räumen) sowie den spezifischen Phobien (z.B. Schlangenphobie); der Patient erkennt diese Angst zwar als unsinnig oder zumindest übertrieben, kann sich aber nicht dagegen wehren;
überwertige Ideen: emotional stark besetzte Erlebnisse oder Gedanken meist negativer Art, die die gesamte Person in unangemessener Weise beherrschen; in Abgrenzung zu wahnhaften Ideen bestehen eine starke Realitätskontrolle, eine größere logische Konsistenz der Inhalte und weniger Ich-Bezogenheit.
Als Wahn (= inhaltliche Denkstörung) wird eine Fehlbeurteilung der Realität bezeichnet, die mit erfahrungsunabhängiger und damit unkorrigierbarer Gewissheit auftritt und an der mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird, auch wenn sie im Widerspruch zu Erfahrungen der gesunden Mitmenschen sowie ihrem kollektiven Glauben und Meinen steht. Es besteht kein Bedürfnis nach Begründung dieser Fehlbeurteilung. Bei den wahnhaften (oder paranoiden) Phänomenen lassen sich formale und inhaltliche Merkmale unterscheiden.
Hierzu gehören:
Wahngedanken: wahnhafte Meinungen und Überzeugungen;
Wahneinfälle: meist plötzliches und unvermitteltes gedankliches Auftreten von wahnhaften Vorstellungen und Überzeugungen;
Wahnwahrnehmung: wenn reale Sinneswahrnehmungen eine abnorme Bedeutung erhalten (meist im Sinne der Eigenbeziehung); die Wahnwahrnehmung ist die wahnhafte Fehlinterpretation einer an sich richtigen Wahrnehmung;
Wahnstimmung: erlebte Atmosphäre des Betroffenseins, der Erwartungsspannung und des bedeutungsvollen Angemutetseins in einer meist unheimlich und bedrohlich erlebten Welt; diese Stimmung ist charakterisiert durch das Beimessen von Bedeutungen, das In-Beziehung-Setzen von Ereignissen, ein Meinen, Vermuten und Erwarten, das vom Gesunden nicht nachvollzogen werden kann; sie ist in der Regel eher diffus; eine Thematisierung des Wahns erfolgt nicht;
systematisierter Wahn: beschreibt logische und paralogische Verknüpfungen einzelner Wahnsymptome mit anderen Wahnphänomenen, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen oder auch nicht krankhaft veränderten Beobachtungen oder Erlebnissen; zwischen diesen Elementen werden kausale oder finale Verbindungen hergestellt, vom Patienten als Beweis oder Bestätigung angesehen und als Gewissheit erlebt („Wahnarbeit“);
Wahndynamik: emotionale Anteilnahme am Wahn; die Kraft des Antriebs und die Stärke der Affekte, die im Zusammenhang mit dem Wahn wirksam werden.
Die inhaltliche Ausgestaltung des Wahns kann sehr vielfältig sein. Zu den häufigsten inhaltlichen Wahnmerkmalen zählen:
Beziehungswahn: wahnhafte Eigenbeziehung, selbst belanglose Ereignisse werden ich-bezogen gedeutet; der Patient ist davon überzeugt, dass etwas nur seinetwegen geschieht (z.B. Anzeigen aus der Zeitung, Fernsehen als Botschaft);
Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn: wenn der Patient sich selbst als Ziel von Feindseligkeiten erlebt; er fühlt sich bedroht, beleidigt, verspottet und glaubt, die Umgebung trachte ihm nach seiner Gesundheit oder seinem Leben;
Eifersuchtswahn: wahnhafte Überzeugung, vom Lebenspartner betrogen und hintergangen worden zu sein, oft verbunden mit dem Versuch, diesem das nachzuweisen;
Liebeswahn: wahnhafte Überzeugung, von einer bestimmten Person geliebt zu werden, zu der bisher nicht einmal Kontakt bestanden haben muss;
Schuldwahn: wahnhafte Überzeugung, Schuld auf sich geladen zu haben, etwas Unverzeihliches getan zu haben (z.B. gegenüber Gott, anderen sittlichen Instanzen, Gesetzen);
Verarmungswahn: wahnhafte Überzeugung, nicht genügend finanzielle Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhalts oder zur Finanzierung der Behandlung zu haben;
Verkleinerungswahn: wahnhafte Überzeugung, unbedeutend und wertlos zu sein;
hypochondrischer Wahn: wahnhafte Überzeugung, an einer schweren, unheilbaren Krankheit zu leiden;
nihilistischer Wahn: wahnhafte Überzeugung, die Realität sei zum Teil oder ganz tot („alles ist wie tot“);
Größenwahn: wahnhafte Selbstüberschätzung und Selbstüberhöhung; der Patient glaubt, besondere Macht oder besondere Fähigkeiten zu besitzen (z.B. Wahn höherer Abstammung, Herrscher der Welt zu sein);
fantastischer oder bizarrer Wahn: wahnhafte unmögliche, realitätsfremde Überzeugungen, z.B. sich fantastisch verwandelt oder verändert zu haben (z.B. in ein Monster oder einen Werwolf);
symbiotischer Wahn (Folie à deux): Übernahme wahnhafter Überzeugungen eines Patienten durch eine dritte (gesunde) Person (z.B. Ehepartner).
Zum Merkmalsbereich der Wahrnehmungsstörungen oder Sinnestäuschungen werden Illusionen, Halluzinationen und Pseudohalluzinationen gerechnet. Differenziert werden können die Sinnestäuschungen anhand des Vorhandenseins oder der Abwesenheit einer Reizquelle und/oder der Fähigkeit bzw. Unfähigkeit der Realitätskontrolle. Folgende Sinnestäuschungen lassen sich unterscheiden:
Unter Ich-Störungen werden Störungen des Einheitserlebens, der Identität im Zeitverlauf, der Ich- Umwelt-Grenze sowie der Ich-Haftigkeit aller Erlebnisse verstanden.
Merke
Ich-Störungen müssen im Gespräch unbedingt erfragt werden, da Patienten oft nicht von sich aus darauf zu sprechen kommen.
Ich-Störungen werden folgendermaßen unterteilt:
Derealisation: wenn Personen, Gegenstände und Umgebung unwirklich, fremdartig oder räumlich verändert erscheinen; dadurch wirkt die Umwelt z.B. nicht mehr vertraut, vielmehr sonderbar oder gespenstisch;
Depersonalisation: Störung des Einheitserlebens der Person im Augenblick oder der Identität in der Zeit des Lebenslaufs; die Person kommt sich selbst fremd, unwirklich, unmittelbar verändert, wie ein anderer und/oder uneinheitlich vor;
Gedankenausbreitung: wenn der Patient meint, die Gedanken gehörten ihm nicht mehr alleine, fremde Personen würden Anteil daran haben und wissen, was er denkt (Gedankenlesen);
Gedankenentzug: wenn die Betroffenen glauben, ihnen würden die Gedanken „weggenommen“ oder „abgezogen“;
Gedankeneingebung: wenn Gedanken und Vorstellungen als von außen beeinflusst, gemacht, gelenkt, gesteuert oder aufgedrängt empfunden werden;
andere Fremdbeeinflussungserlebnisse: wenn Verhalten, Erleben und Befinden als von außen gemacht und gesteuert erlebt werden (z.B. die eigenen Bewegungen werden durch Dritte gesteuert).
Unter Störungen der Affektivität werden Aspekte subsumiert, die Stimmungen (z.B. lang andauernde Gefühlszustände), Affekte (z.B. kurz dauernde Gefühlsabläufe) und Gefühle (Emotionen, z.B. Trauer, Freunde) umfassen. Diese Störungen können teilweise aus dem Gesprächsverlauf erschlossen werden, anderenfalls sollen sie gezielt exploriert werden. Sie werden folgendermaßen unterteilt:
Deprimiertsein/Depressivität: negativ getönte Befindlichkeit im Sinne einer niedergedrückten und niedergeschlagenen Stimmung; Depressivität wird meist vom Patienten berichtet, kann aber auch aus seinem Verhalten (Mimik, Gestik) erschlossen werden;
Hoffnungslosigkeit: pessimistische Grundstimmung, fehlende Zukunftsorientierung; der Glaube an eine positive Zukunft ist vermindert oder ganz abhandengekommen („Schwarzsehen“);
Insuffizienzgefühle: wenn das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit oder in den eigenen Wert vermindert oder verloren gegangen ist; der Patient glaubt, anderen Personen unterlegen und nichts wert zu sein;
Schuldgefühle: wenn der Patient sich für eine Tat, ein Fehlverhalten, für Gedanken oder Wünsche verantwortlich fühlt, die seiner Ansicht nach vor einer weltlichen oder religiösen Instanz, vor anderen Personen oder sich selbst verwerflich sind;
Gefühl der Gefühllosigkeit: Reduktion bis Verlust des affektiven Erlebens, subjektiv erlebte Gefühlsleere; der Patient erlebt sich als gefühlsverarmt, leer, verödet, nicht nur für Freude, sondern auch für Trauer;
Ratlosigkeit: wenn der Patient sich nicht mehr zurechtfindet und seine Situation, seine Umgebung oder Zukunft kaum oder gar nicht mehr begreift; er versteht nicht mehr, was mit ihm geschieht und wirkt auf den Beurteiler „erstaunt“ (verwundert, hilflos);
Affektarmut: Verminderung des Spektrums gezeigter Gefühle; wenige oder nur sehr dürftige Affekte (z.B. gleichgültig, unbeteiligt, teilnahmslos) sind beobachtbar;
Affektstarre: Verminderung oder Verlust der affektiven Modulationsfähigkeit; hier ist die Schwingungsfähigkeit (Amplitude der Gefühle) verringert; der Patient verharrt unabhängig von äußeren Reizen in einer bestimmten Affektlage (z.B. gleichmäßig dysphorisch);
Verarmungsgefühle: wenn der Patient fürchtet, dass ihm z.B. die Mittel zum Bestreiten seines Lebensunterhalts fehlen;
innere Unruhe: wenn der Patient eine innere Aufgeregtheit, Spannung, Getriebenheit oder Nervosität spürt;
Störung der Vitalgefühle: Herabsetzung des Gefühls von Kraft und Lebendigkeit, der körperlichen und seelischen Frische und Ungestörtheit; der Patient fühlt sich kraftlos, matt und energielos;
Ängstlichkeit: wenn der Patient Angst hat (manchmal ohne einen Grund angeben zu können); die Angst kann sich frei flottierend, unbestimmt, in Angstanfällen und/oder durch körperliche Symptome (Schwitzen, Zittern) äußern;
klagsam-jammervolle Stimmung: wenn Schmerz, Kummer, Befürchtungen, Ängstlichkeit, Beschwerden ausdrucksstark in Worten, Mimik und Gesten geäußert werden („wehklagen“);
Euphorie: anhaltender Zustand übersteigerten Wohlbefindens, der Freude, des Behagens, der Heiterkeit, der Zuversicht, der gesteigerten Vitalgefühle;
Dysphorie: missmutige Verstimmtheit; wenn der Patient schlecht gelaunt, mürrisch, verdrießlich, nörgelnd, missgestimmt, unzufrieden oder ärgerlich ist;
Gereiztheit: wenn der Patient verstärkt reizbar ist bis hin zur Gespanntheit;
