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Praxisnah vermittelt dieses Werk aktuelles psychoonkologisches Basiswissen für die gesamte Brustkrebs-Behandlungskette. Erstmals werden Erkenntnisse aus Neurobiologie, Stress- und Psychotraumaforschung und ressourcenorientierte psychotherapeutische Verfahren umfassend auf psychoonkologische Fragestellungen bezogen. Auch ein spezifisches psychoonkologisches Screening-Instrument wird zum ersten Mal detailliert dargestellt. Ein interdisziplinäres Team von Autorinnen und Autoren gibt einen fundierten Überblick - einschließlich der medizinischen Grundlagen - und viele Anregungen für die ärztliche und psychotherapeutische Praxis. Andere Berufsgruppen, Patientinnen und Angehörige können hiervon ebenfalls profitieren. Praxisrelevanz, Anschaulichkeit, Vielfalt und Kreativität zeichnen dieses Handbuch aus.
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Seitenzahl: 648
Veröffentlichungsjahr: 2006
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Praxisnah vermittelt dieses Werk aktuelles psychoonkologisches Basiswissen für die gesamte Brustkrebs-Behandlungskette. Erstmals werden Erkenntnisse aus Neurobiologie, Stress- und Psychotraumaforschung und ressourcenorientierte psychotherapeutische Verfahren umfassend auf psychoonkologische Fragestellungen bezogen. Auch ein spezifisches psychoonkologisches Screening-Instrument wird zum ersten Mal detailliert dargestellt. Ein interdisziplinäres Team von Autorinnen und Autoren gibt einen fundierten Überblick - einschließlich der medizinischen Grundlagen - und viele Anregungen für die ärztliche und psychotherapeutische Praxis. Andere Berufsgruppen, Patientinnen und Angehörige können hiervon ebenfalls profitieren. Praxisrelevanz, Anschaulichkeit, Vielfalt und Kreativität zeichnen dieses Handbuch aus.
Dr. med. Susanne Ditz, Leiterin des Funktionsbereichs Psychoonkologie am Interdisziplinären Brustzentrum, Universitätsklinikum Mannheim; Dipl.-Psych. Christa Diegelmann und Dipl.-Psych. Margarete Isermann, ID Institut für Innovative Gesundheitskonzepte, Kassel.
Wichtiger Hinweis:
Die Verfasser haben größte Mühe darauf verwandt, dass die Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen dem jeweiligen Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entsprechen.
Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr.
Jeder Anwender ist daher dringend aufgefordert, alle Angaben auf ihre Richtigkeit zu überpr üfen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Verantwortung des Benutzers.
Susanne Ditz Christa Diegelmann Margarete Isermann (Hrsg.)
Psychoonkologie - Schwerpunkt Brustkrebs
Ein Handbuch für die ärztliche und psychotherapeutische Praxis
Mit Beiträgen von Lelia Bauer, Ingeborg Bördlein-Wahl, Elisabeth Bürger, Christa Diegelmann, Susanne Ditz, Brigitte Dorst, Barbara Ehret-Wagener, Cornelia Götz-Kühne, Anne Gutzmann, Gerald Hüther, Margarete Isermann, Wolfgang Kaiser, Anke Kleine-Tebbe, Uta Kraus-Tiefenbacher, Gunhild Kühn, Frank Melchert, Stefan Priebe, Carola Schöber, Hilde Schulte, O. Carl Simonton, Ulrike Söling, Heike Stammer, Daniela Tausch, Jürgen Walther und Frederik Wenz
Verlag W. Kohlhammer
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.
1. Auflage 2006
Alle Rechte vorbehalten © 2006 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
ISBN-10: 3-17-018655-8 ISBN 978-3-17-018655-2
E-Book-Formate
pdf:
978-3-17-026604-9
epub:
978-3-17-027300-9
mobi:
978-3-17-027301-6
GeleitwortVerena Kast
VorwortSusanne Ditz, Christa Diegelmann und Margarete Isermann
Teil I Basiswissen
1 Aktuelle Entwicklungen in der psychoonkologischen Versorgung. DMP Brustkrebs, Risiken und ChancenMargarete Isermann
2 Was ist Brustkrebs?
2.1 Epidemiologie, Onkogenese, Risikofaktoren des MammakarzinomsFrank Melchert
2.2 Früherkennung des Mammakarzinoms. Was ist gesichert?Carola Schöber
Teil II Die Bausteine der Brustkrebsbehandlung
2.3 Operative Therapie des primären MammakarzinomsLelia Bauer
2.4 StrahlentherapieUta Kraus-Tiefenbacher und Frederik Wenz
2.5 Adjuvanter und palliativer Einsatz von Chemo-, endokriner und Antikörpertherapie. Aktuelle TherapieempfehlungenUlrike Söling
2.6 Tumornachsorge als frauenärztliche BegleitungAnne Gutzmann
2.7 PalliativmedizinElisabeth Bürger
2.8 Naturheilkunde in der Behandlung von BrustkrebspatientinnenGunhild Kühn
3 Krebs und Psyche
3.1 Ursachen und Auswirkungen von Angst und Stress und Möglichkeiten der Bewältigung seelischer Belastungen aus neurobiologischer SichtGerald Hüther
3.2 Psychische Komorbidität bei BrustkrebsMargarete Isermann
3.3 Brustkrebs als PsychotraumaMargarete Isermann
4 Diagnostik und Indikationsstellung für psychoonkologische Interventionen
4.1 Diagnostik und Screening psychischer Beeinträchtigungen bei KrebsMargarete Isermann
4.2 Der BC-PASS (Breast Cancer Psychosocial Assessment Screening Scale). Ein Kurzfragebogen zur Erfassung der subjektiven Befindlichkeit von BrustkrebspatientinnenMargarete Isermann, Christa Diegelmann, Wolfgang Kaiser und Stefan Priebe
5 Krankheitsverarbeitung und Lebensqualität
5.1 Coping und LebensqualitätMargarete Isermann
5.2 Sexualität nach BrustkrebsSusanne Ditz
5.3 Sozialrechtliche Hilfen für Patientinnen mit onkologischen ErkrankungenJürgen Walther
5.4 Die Brustkrebspatientin und ihre FamilieHeike Stammer
6 Diagnoseübermittlung, Entscheidungsfindung und präoperatives Aufklärungsgespräch
6.1 Diagnose Brustkrebs: „Breaking bad news“Susanne Ditz
6.2 Entscheidungsdialog. Die Patientin als Partnerin im medizinischen EntscheidungsprozessSusanne Ditz
6.3 Patientenorientierte Kommunikation im präoperativen AufklärungsgesprächSusanne Ditz
7 Ressourcenorientierte psychoonkologische PsychotherapieChrista Diegelmann
8 Burn-out-Prophylaxe und die Sorge um sich selbstBrigitte Dorst
9 Das Spirituelle und das SeelischeDaniela Tausch
Teil III Spezifische Interventionsstrategien und ressourcenorientierte Verfahren in der Psychoonkologie
10 Patientinnenperspektive
10.1 Krebserkrankung und Selbsthilfe heuteHilde Schulte
10.2 Die Selbsthilfegruppe als wichtige Partnerin für Patientinnen und TherapeutenIngeborg Bördlein-Wahl
11 Psychoonkologische Beratung und Betreuung an interdisziplinären BrustzentrenSusanne Ditz
12 Psychoonkologische GruppeninterventionenSusanne Ditz
13 Emotionsfokussierte Patientinnenschulung bei Mammakarzinom in der RehabilitationBarbara Ehret-Wagener
14 Traumatherapeutische Methoden in der PsychoonkologieMargarete Isermann
15 Krisenintervention und Traumaexposition mit CIPBS (Conflict Imagination, Painting and Bilateral Stimulation)Christa Diegelmann
16 Imagination. Die Kraft der Vorstellung im HeilungsprozessO. Carl Simonton
17 Ressourcenorientierte imaginative und kreative Techniken in der PsychoonkologieChrista Diegelmann
18 Körperorientierte Verfahren und EntspannungstechnikenCornelia Götz-Khne
19 Bewegungstraining bei Frauen mit Mammakarzinom während der adjuvanten ChemotherapieAnke Kleine-Tebbe
20 Beratung und Psychotherapie im InternetSusanne Ditz
Weiterführende (Internet-)Adressen
Über die Herausgeberinnen
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Stichwortverzeichnis
Jede schwere Erkrankung – und das ist der Brustkrebs – betrifft den Körper, die Psyche, die Beziehungen zu den Mitmenschen und zur Welt, lässt nach dem Sinn des Lebens fragen, nach der Zukunft. Es stellt sich aber nicht nur die Frage nach der jeweiligen Krankheit, sondern auch danach, wie Betroffene, Ärzte und Ärztinnen, Psychologen und Psychologinnen, die Beziehungspersonen ganz allgemein mit dieser Krankheit umgehen können, damit so viel Lebensqualität wie möglich erhalten bleibt. Eine Frau mit Brustkrebs ist in ihrer ganzen Person, auch in ihrer Identität als Frau, und in ihrer ganzen Lebenssituation von dieser Krankheit betroffen: deshalb ist es so wichtig, die Behandlung und die Begleitung erkrankter Frauen aus möglichst vielen Perspektiven zu ermöglichen.
Ein Buch zum Thema der Psychoonkologie muss sich mit den neusten Ergebnissen sowohl an die ÄrztInnen als auch an die PsychologInnen wenden, dabei jeden Berufsstand auch sensibilisieren für die Belange des anderen Berufsstands. Es geht um Psychoonkologie, also um die Frage, wie sich eine lebensbedrohliche Krankheit auf die Psyche auswirkt: Ein Verlust betrifft uns immer psychisch – und der Verlust der Gesundheit, oder auch der körperlichen Unversehrtheit – ist ein schwerwiegender Verlust. Dieser muss verarbeitet werden und dadurch kann die Erkrankte in der Regel besser mit der Erkrankung umgehen. Im Rahmen der Psychotherapie ist man zunehmend sensibel und kompetent geworden im Umgang mit körperlichen Erkrankungen, besonders auch im Umgang mit Ressourcen. Diese Kompetenz muss aber sichtbar und abrufbar werden. Das gelingt am besten mit einem Buch, in dem ExpertInnen auf ihrem Gebiet in verhältnismässig kurzen Beiträgen das Wesentliche zu einem Thema darstellen.
Besonders freut es mich, dass ressourcenorientierte Verfahren in diesem Buch einen wichtigen Platz einnehmen: Ohne Aktivierung der Ressourcen eines Menschen verändern sich Lebenssituationen nicht oder nur ungenügend. Wie krank Menschen auch sein mögen, sie sind immer auch vital, bringen Kompetenzen mit aus ihrer Zeit vor der Erkrankung, haben Wünsche und Pläne. Menschen sind nie nur krank, sie haben immer auch gesunde Strebungen, die zu unterstützen von großer Bedeutung ist.
Ich wünsche diesem Buch, das interdisziplinär das Thema des Brustkrebs aus der ganzen Lebenswelt eines Menschen heraus versteht und viele praktische Hinweise zur Therapie gibt, eine große Leserschaft.
St. Gallen, im Frühjahr 2006
Verena Kast
Jährlich erkranken in Deutschland ungefähr 350.000 Menschen neu an Krebs, davon etwa 50.000 Frauen an Brustkrebs. Das bedeutet, dass viele Ärztinnen, Psychotherapeutinnen und andere Berufsgruppen innerhalb und außerhalb onkologischer Behandlungssettings direkt oder indirekt mit der Diagnose und deren Folgen konfrontiert sind. Aktuelle Studien zeigen, dass über 40 % der an Krebs erkrankten Menschen erhebliche psychische Beeinträchtigungen aufweisen und dass psychische Variablen einen bedeutenden Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität haben. Dem wird in der derzeitigen medizinischen Krebsbehandlung nicht genügend Rechnung getragen. Die Verbesserung der psychosozialen Unterstützung von Brustkrebspatientinnen wird in politischen Erklärungen und in neuen Programmen wie den Disease Management Programmen (DMP) stets als eine wichtige Aufgabe betont, trotzdem ist die psychoonkologische Versorgung in diesen Programmen nicht ausreichend verankert. Die geforderten strukturierten psychosozialen Unterstützungs- und Behandlungsprogramme gibt es bisher kaum. Dies ist auch eine Folge der fehlenden finanziellen Absicherung. Darüber hinaus müssen die Inhalte derartiger Programme, insbesondere was die psychologische Begleitung und Behandlung angeht, neu definiert werden. Das vorliegende Buch gibt dazu viele innovative Anregungen und stellt einige neue Ansätze und Vorgehensweisen erstmals vor. Aktuelle Erkenntnisse, etwa aus Neurobiologie, Stress- und Traumaforschung, werden auf psychoonkologische Fragestellungen bezogen. Gleichzeitig werden psychoonkologische und psychotherapeutische Ansätze dargestellt, die sich in der Praxis bewährt haben. Auch ein neu entwickeltes psychoonkologisches Screening-Instrument, der BC-PASS (Breast Cancer-Psychosocial Assessment Screening Scale), wird erstmals umfassend beschrieben. Die wesentlichen Kennzeichen des Buches sind seine Vielfalt, Praxisrelevanz, Anschaulichkeit, Lebendigkeit und Kreativität.
Das Buch wendet sich an alle Berufsgruppen, die von Krebs betroffene Menschen behandeln, beraten oder begleiten und kann auch für Patientinnen und Angehörige eine Orientierungshilfe und ein Leitfaden sein. Es ist besonders auf die Bedürfnisse von Psychologinnen und Psychologen und von Ärztinnen und Ärzten ausgerichtet, die mit onkologischen Patienten und speziell mit Brustkrebspatientinnen arbeiten oder arbeiten wollen, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Disease Management Programmen. Es vermittelt das nötige aktuelle psychoonkologische Basiswissen und gibt vielfältige Anregungen zu einem integrativen, ressourcenorientierten Vorgehen. Darüber hinaus gibt es einen fundierten Überblick über die grundlegenden medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Der medizinische Behandlungsverlauf, orientiert an aktuellen Richtlinien, wird eingehend dargestellt und kritisch diskutiert. Dieser doppelte Fokus soll auch das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen der beteiligten Berufsgruppen fördern und zu interdisziplinärer Kooperation ermutigen.
Die akute Bedrohung durch die Krebsdiagnose und die meist unmittelbar einsetzenden und einschneidenden Behandlungsmaßnahmen erfordern spezifische Interventionen. Diese müssen stabilisierend, problemzentriert, lösungsorientiert und Ressourcen aktivierend sein. Das Buch bietet die Möglichkeit, eigene therapeutische Kompetenzen zu erweitern und den ganzheitlichen Blick in der Arbeit mit Krebspatientinnen zu schärfen. Grundlage ist dabei eine salutogenetische Haltung. Das Handbuch ist sowohl für neu in diesem Arbeitsbereich Tätige, als auch für erfahrene Praktikerinnen und Praktiker hilfreich. Es bietet einen umfassenden Überblick und vermittelt gleichzeitig neue Anregungen und konkrete Handlungsstrategien. Darüber hinaus zeigt es Kriterien für eine Qualitätskontrolle auf.
Wir haben uns explizit entschieden, vor allem Frauen als Autorinnen für dieses Kerngebiet der Frauengesundheit zu gewinnen. Die Vielfalt der Themen und Sichtweisen wird durch ein interdisziplinäres Team gewährleistet. Die Autorinnen und Autoren sind in ihrer Disziplin jeweils ausgewiesene Expertinnen und Experten und engagierte Repräsentanten ihrer Fachverbände und Arbeitsgebiete. Sie werfen aber auch einen kritischen Blick auf ihr Fach. Die Mehrzahl sind Dozentinnen des durch das ID Instituts für Innovative Gesundheitskonzepte in Kassel regelmäßig durchgeführten Curriculums Psychoonkologie. Dieses Curriculum wird von der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) ausdrücklich empfohlen.
Die Autorinnen und Autoren dieses Buches gehen mit den Geschlechtszuschreibungen unterschiedlich um. Dort, wo nicht explizit ein Geschlecht gemeint ist, werden die Formen abwechselnd bzw. frei gehandhabt und beziehen sich auf beide Geschlechter. Wir danken allen Beteiligten für ihr Engagement und besonders für die vertrauensvolle und atmosphärisch ausgesprochen angenehme Zusammenarbeit. Wir wünschen und hoffen, dass die Informationen und vielfältigen Anregungen aufgegriffen werden, um die psychoonkologische Behandlung im Sinne einer ganzheitlichen biopsychosozialen Medizin zu verbessern.
Mannheim/Kassel, im Frühjahr 2006
Susanne Ditz Christa Diegelmann Margarete Isermann
Margarete Isermann
Jedes Jahr erkranken bundesweit fast 50.000 Frauen neu an Brustkrebs und mehr als 18.000 Frauen sterben jedes Jahr an den Folgen der Erkrankung. Die medizinische Versorgung von Brustkrebspatientinnen in Deutschland war bisher durch eine Vielzahl von Versorgungsangeboten und Leistungsanbietern gekennzeichnet, die weitgehend unvernetzt agierten. Dies führte zu Informationsdefiziten an wichtigen Schnittstellen und zur Verunsicherung und Orientierungslosigkeit der betroffenen Frauen. Weiterhin bestand und besteht ein erheblicher Qualitätsunterschied in der medizinischen Behandlung zwischen den einzelnen Kliniken und Zentren aber auch den ambulanten Leistungsanbietern.
Einen Ansatz, um hier Abhilfe zu schaffen, bieten Disease-Management-Programme (DMP). Die DMP sollen die medizinische Versorgung von chronisch kranken Menschen verbessern. Es gibt bisher Programme für Diabetes mellitus, Brustkrebs und die koronare Herzerkrankung, weitere Programme werden vorbereitet. Grundlage der DMP ist die Risikostrukturausgleichsverordnung (RSAV) in der 4. Fassung. Grundsätzlich geht es beim RSA nicht primär um eine Verbesserung der Versorgung sondern um einen finanziellen Ausgleich zwischen Krankenkassen mit einem hohen Anteil sog. „schlechter“ Risiken (u. a. chronisch Kranke) gegenüber denjenigen mit einem hohen Anteil sog. „guter“ Risiken (junge, gesunde Versicherte). Obwohl Brustkrebs in dem Sinne keine chronische Krankheit ist, wurden 2002 die rechtlichen Voraussetzungen für DMP Brustkrebs durch die 4. RSAV geschaffen. Die Krankenkassen erhalten für jede in ein DMP eingeschriebene Patientin Geld aus dem Risikostrukturausgleich. Das heißt, in die Disease-Management-Programme fließt, ganz im Gegensatz zu den sonstigen Bereichen des Gesundheitswesens, derzeit zusätzliches Geld. Entsprechend erhalten auch die Leistungsanbieter zusätzliche Vergütungen aus dem DMP.
Im DMP Brustkrebs soll die Behandlungsqualität u. a. durch die Orientierung an evidenzbasierten Leitlinien, durch umfangreiche Forderungen an die Strukturqualität der an den Programmen teilnehmenden ambulanten und stationären Einrichtungen sowie durch die zwingende Vorgabe interdisziplinärer Kooperation verbessert werden. Für das Brustkrebs-DMP werden beispielsweise quantitative Anforderungen bezüglich der Mindestzahl von Operationen gestellt: Mindestens 150 Brustkrebsoperationen jährlich und mindestens 50 pro Operateur (Anlage 3 zu §§ 28b bis 28g der vierten Verordnung zur Änderung der Risikostrukturausgleichsverordnung). Es werden auch genaue Vorgaben gemacht bezüglich Diagnostik, operativer Therapie, Strahlentherapie, Hormon- und Chemotherapie, Nachsorge, Diagnostik und Therapie fortgeschrittener Erkrankungen und besonders auch bezüglich der Dokumentation und Qualitätssicherung. Gleichzeitig soll durch die Konzentration der Versorgung auf wenige, spezialisierte Brustzentren eine verbesserte Ergebnisqualität erreicht werden.
Auf der Grundlage dieser rechtlichen Vorgaben werden nun entsprechend der Länderhoheit die regional etwas unterschiedlichen Einzelverträge ausgestaltet. In Hessen und Berlin wurde beispielsweise der Rahmenvertrag zwischen den Krankenkassen und den Krankenhäusern und nicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) geschlossen, in Nordrhein-Westfalen und anderen Ländern zwischen den Kassen und der KV. In Nordrhein-Westfalen gab es bereits vor den Disease-Management-Programmen Initiativen zur Verbesserung der Versorgung von Brustkrebspatientinnen, insbesondere die vom Gesundheitsministerium initiierte „Konzertierte Aktion gegen Brustkrebs“. Folgerichtig wurde der bundesweit erste DMP-Vertrag im Oktober 2002 zwischen der KV Nordrhein und den gesetzlichen Krankenkassen im Rheinland geschlossen, wobei besonders die AOK Rheinland eine bedeutende Rolle innehatte.
Parallel zu den DMP werden derzeit in den einzelnen Ländern Brustzentren zertifiziert, wobei die Qualitätskriterien teilweise noch über die Anforderungen der DMP hinausgehen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden beispielsweise rund 50 Brustzentren zertifiziert mit einem Einzugsbereich von jeweils etwa 360.000 bis 450.000 Einwohnern. Davor behandelten etwa 250 Krankenhäuser in NRW Brustkrebspatientinnen. Es wurde vereinbart, die Anforderungen, die von den Krankenhäusern im Rahmen des DMP und bei der Anerkennung als Brustzentren zu erfüllen sind, mittelfristig zusammenzuführen. Krankenhäuser, die später nicht als Brustzentrum anerkannt werden, sollen auch aus dem DMP-Vertrag ausscheiden (MGSFF NRW 2003).
Ein ausdrückliches Ziel des Brustkrebs-DMP war die Verbesserung der psychosozialen Versorgung der an Brustkrebs erkrankten Frauen. Es besteht ein hoher Bedarf an psychoonkologischer Begleitung von Brustkrebspatientinnen (s. Kap. 3.2). In der medizinischen Routineversorgung von Brustkrebspatientinnen fehlt aber bisher in der Regel die strukturelle Einbeziehung psychoonkologischer Unterstützungsangebote. Falls überhaupt vorhanden, weist die psychoonkologische Versorgung in den einzelnen Bereichen Akutklinik, Rehabilitation und ambulante Versorgung sehr vielfältige Strukturen auf. Zudem wird sie in den Akutkliniken von den unterschiedlichsten Berufsgruppen, vor allem von Seelsorgern, Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagogen, Psychologinnen aber auch von Ärzten und Krankenschwestern geleistet, in Universitätskliniken häufig von kurzfristig über Drittmittel im Rahmen von Forschungsprojekten eingestellte Mitarbeiterinnen. Überhaupt gab es lediglich in Universitätskliniken und großen Zentren nach der immer noch aktuellen Studie von Weis et al. aus dem Jahre 1998 ein nennenswertes psychosoziales Angebot. Dabei wurden in Universitätskliniken weniger als 20 % eigene Fachkräfte in den onkologischen Abteilungen beschäftigt. In den Großkliniken waren primär die Sozialdienste und die Klinikseelsorge Anbieter. Liaisondienste kamen außerhalb von Universitätskliniken kaum vor und selbst psychologische, psychosomatische oder psychiatrische Konsiliardienste waren dort selten. Kleine Kliniken verfügten praktisch über keine psychoonkologische Versorgung. Selbst in den Universitätskliniken waren nur rund 17 % der Fachkräfte ausschließlich für Tumorpatienten eingestellt, die restlichen für alle Patienten. Ein spezielles Angebot für Brustkrebspatientinnen wurde gar nicht genannt. Die Autoren folgern: „Insgesamt ist deutlich geworden, dass die psychosoziale Versorgung in den Akutkliniken sich primär auf den klassischen Sozialdienst und die Krankenhausseelsorge beschränkt, während die psychoonkologische Betreuungsarbeit unter Einbeziehung neuerer Interventionsansätze zwar vereinzelt vorhanden ist, zahlenmäßig jedoch einen geringen Anteil ausmacht. Die wenigsten Akutkliniken verfügen über Psychologenstellen oder entsprechend fachpsychotherapeutisch ausgebildete Kräfte“ (Weis et al. 1998, S. 340).
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