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Der Autor Marek Hewitt ist 1982 in Mannheim geboren. Aufgewachsen in verschiedenen Stadtteilen der Rhein-Neckar-Metropole, kennt er das besondere Flair der Cityz zwischen Fernmeldeturm und Jungbusch ganz genau. Seine Geschichten spiegeln die vielen Facetten Mannheims wieder, mal komisch, mal erotisch, immer authentisch.
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Seitenzahl: 168
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Nachtschwärmer
Kaffeeträume
Aus den Augen und doch nicht aus dem Sinn
Bittersüßes Erwachen
Marischa, Marischa
Drei Kater und ein Hosenknopf
Salzige Briefe aus Mannheim
Zick und Zack
Du legst ein Tape in den Walkman, Progression Sessions, LTJ and Connrad, ein set von 98`. Es ist Samstagabend, eine Woche Stress im Hospital liegt hinter dir.
35 Stunden, in denen du dich mit Blut-Lungen und Vaginalabstrichen beschäftigst.
Frisch geduscht stehst du vor dem Spiegel, hast dich in ein stylishes Outfit geworfen, weil Frauen nun mal auf freshe Typen mit modischem Flavour stehn, was aber im Grunde genommen scheißegal ist, weil du seit Ewigkeiten keinen geilen Fick mehr hattest.
Im Grunde weißt du, wie der Abend bzw. die Nacht schon wieder aussieht.
Du wirst dir erst mal ein kleines Warmup bei Freunden oder in irgendeiner Bar geben, um den Anstoß für ein exzessives Wochenende einzuleiten.
Ein letzter Blick in den Spiegel, Cappy gerichtet und raus geht’s.
Während du deinen Weg zum Supermarkt antrittst, verwöhnen dich Bukem and Connrad mit Drums und Vocals, die dein Hirn, gemischt mit Nikotin, anregen ein kleines Szenario des Abends abzuspielen, welches natürlich völlig utopisch aussieht.
Enter the store!
Dein Weg führt dich straight zu dem Regal mit den Spirituosen.
Eine Vielfalt von Toxinen in flüssiger Form nimmt mit einer penetranten Aufdringlichkeit dein Blickfeld ein.
Henessy, Wodka, Bourbon, Bacardi, Scotch und wie die Dinger alle heißen.
Dein Verstand und deine gute Kinderstube sind total ins Abseits gedrängt, ganz zu schweigen von deiner Vernunft.
Das Primärziel deines Handelns beschränkt sich darauf, wie du dir einen gemütlichen Einstieg gibst, für das, was in den nächsten 48 Stunden vor dir liegt.
Jack Daniels reizt deine Sinneszellen mit seiner goldbraunen Farbe und seinem stylishen schwarz-weißen Etikett.
Jedoch ist dir das viele Geld zu schade.
Auch der kristallfarbene Bacardi versucht sich deinem Willen aufzuzwängen, hat aber keine Chance gegen den kalifornischen Rotwein, der dich durch seine gebräunte Glaswand anlächelt.
Die Wahl ist getroffen und du entscheidest dich für die Kunst, aus Trauben ein berauschendes Getränk zu machen, das dich mit langsamen Tropfen in den Rausch gleiten lässt.
Dein Weg zur Kasse führt dich an Menschen vorbei, deren Blicke dich mustern.
Ihr Blick reflektiert ihre Abneigung deiner Jugend gegenüber und ihren Neid auf deine Unbefangenheit durchbohrt dich.
Wahrscheinlich, weil du noch in einem Lebensabschnitt bist, in dem du noch machen kannst was du willst, und die gesellschaftlichen Fesseln noch nicht so straff gezogen sind.
Na ja, auf die Meinung der Mittvierziger und Rentner gibst du einen Feuchten und gehst unbekümmert weiter.
An der Kasse reihst du dich ein, wippst zum Beat, der dein Gehör liebkost und dich das dumme zwischenmenschliche Gelaber der sogenannten braven Steuerzahler überhören lässt.
Als ob die keinen Dreck am Stecken hätten, aber wenn´s nach 35 Jahren Berufssklaverrei oder 20 Jahren Ehe mit dem Partner nicht mehr läuft, weil man einander überdrüssig geworden ist, muss man sich halt was anderes zum Aufgeilen suchen.
Eine gefrustete Kassiererin, die sich auch weiß Gott vom Leben mehr versprochen hat, spielt ihre Machtposition aus und verlangt von dir vorwurfsvoll deine Personalien.
Perso raus, Kohle in die Hand, Wechselgeld zurück und nerv mich nicht weiter, heißt es dann.
Raus geht’s durch die automatische Schiebetür und das Wochenende kann endlich beginnen. Diesen Ablauf kennen wahrscheinlich hunderttausende Jugendliche in diesem Land.
Doch jeder von uns hat nach der Einführung in 48 Stunden feiern eine andere Fortsetzung und einen anderen Ausgang, der ihm am Montag morgen wieder bewusst wird.
Doch der Kater am Morgen ist noch weit entfernt.
Deine Füße tragen dich durch die Straßen und Wege deines Stadtteils, der einen kleinen Hauch von Vorstadt hat.
Jeder hält sich an die Kehrwoche, zäunt sich ein und pflegt die Botanik, um sich seinen kleinen Grünstreifen, inmitten von Asphalt, Verputz und Dachziegeln, zu bewahren.
Eines der zahlreichen Gartentürchen, die auf deinem Weg vorbeigezogen sind, öffnest du und steigst die vier Stufen im Eingangsbereich hinauf.
Du klingelst und weißt, die erste Etappe hast du problemlos hinter dich gebracht.
Die Tür öffnet sich und Daniel bittet dich her rein.
Hände schütteln sich und ein Minimaldialog zwischen Tür und Angel findet statt.
„Servus Rico.“
„Alles klar Daniel, geht’s dir gut!?“
„Ach ja, komm rein, die anderen sind schon da!“
Ihr geht durch den Flur und findet euch im Wohnzimmer wieder, wo sich der Rest der nach Nachtleben lechzenden Nachtschwärmer bereits eingefunden hat.
Händeschütteln hier, Küsschen rechts und links da.
Freundschaftspflege zwischen Sophie, Marc, Verena, Judith, Chris, Alex und wie sie alle heißen.
Der innere Kreis der Bekanntschaften ist komplett versammelt um den Wohnzimmertisch und bereit, in den nächsten Stunden Geld aus dem Fenster zu werfen und sein Hirn mit den netten kleinen Teufelchen der Rauschwelt zu ficken.
Der Klang aneinanderstoßender Gläser betört dich und du zögerst nicht lange und genießt die ersten Tropfen Rotwein, die deine Kehle streicheln und langsam deine Speiseröhre hinunter gleiten.
Entspannt blickst du in die Runde und betrachtest das zyklische Schauspiel, das sich dir im wöchentlichen Rhythmus bietet.
Köpfe, deren Nasen eben noch auf der Tischplatte klebten, tauchen wieder auf und wischen sich den kleinen Pulverrest weg.
Ableger halluzinogener Grünflächen werden gebröselt und in weiße Lacken aus Papier eingewickelt.
Flüssigkeiten benetzen den Mund und Rachenraum, blauer Dunst legt sich wie ein Schleier über die Anwesenden und dämpft die Atmosphäre im Raum.
Plattenspieler speisen deine Ohren mit Drums.
Rhythmen und Töne durchdringen dich und setzen sich direkt ans zentrale und das periphere Nervensystem.
Dir kommt es vor, als würdest du schweben, wenn du die Augen schließt und dann weißt du, dass der Producer, als er sich in seinem Studio kreativ betätigt hat, alles richtig gemacht hat.
Du lässt dich von den musikalischen Klängen entführen und folgst der Stimme wenn sie über den Beat flowed.
Ja genau, das ist es , „just take me away!“.
Jetzt kommt der Film Wochenende erst richtig ins rollen.
Die Flasche Rotwein überlebt in deinen Händen nur 45 Minuten und wofür die Sonne und Winzer Monate brauchten, verschwindet Schluck für Schluck im Minutentakt.
Die Zeit rennt einem davon, wenn man chillt und sich berauscht.
Auf einmal ist es 23:27 Uhr und langsam bricht die Hektik aus.
So ist es jedes mal.
Erst sind alle gemütlich und dann werden sie nervös, weil sie endlich raus wollen aus den vier Wänden, um im Club abzufahren.
Das bringt natürlich auch Probleme mit sich, wenn drei Leute gleichzeitig noch mal schnell pissen wollen und zwei andere schon abfahrbereit in der Tür stehen.
Weil man noch einen Tankstellenstop einlegen muss, bevor man sich endgültig auf den Weg macht, ist das gesamte Unterfangen „Aufbruch“ ziemlich übertrieben, aber notwendig um nicht zu versacken und völlig der Melancholie zu verfallen.
Inzwischen ist es 24 Uhr und wir stehen vor der Tanke, Treibstoff fassen, sprich Benzin, Bier und Schokolade.
Autotüren schließen sich, Musik an und weiter gehts.
Im Tapedeck laufen Breakbeats und Euphorie macht sich breit.
Du sitzt auf der Rückbank und der Rhythmus hämmert dir aufs Trommelfell.
Neben dir unterhalten sich Verena und Sophie, aber verstehen tust du kein Wort.
Ziel der Fahrt ist der Fernmeldeturm in Mannheim.
Noch 20 Minuten Fahrt liegen vor dir.
Um die Zeit zu überbrücken, wirfst du erst mal`ne Valium ein und spülst sie mit Red Bull runter.
Das nette dämpfende Medikament presst dich in die Rückbank des GTI´s und dein Kreislauf läuft erst mal auf low-battery.
Eigentlich solltest du den Scheiß lassen, aber was dir die Ärzte in der Psychischen verschrieben haben, beruhigt dich viel zu sehr, als das du dir den Stress deiner Mitmenschen und ihre Zwischenspiele ohne Beruhigungsmittel reinziehen willst.
Und du liebst es, weil es dich teilweise gefühllos werden lässt und deine innere Unruhe und Unsicherheit mit dem netten Turn überspielt wird. Deshalb verliebst du dich auch in Wodka Lemon, der dich vergessen lässt und so wunderbar wärmt, wenn man das Glas in einem Zug leert. Tja, du berauschst dich, weil du zu emotional bist und keine seelischen Wunden mehr ertragen willst.
Deshalb hältst du es wie Jonesmann „mein Geist schreit auf der Erde niemandem vertrauen, geh allein auf der Fährte ohne Liebe durch den Raum“.
Am Fernmeldeturm angekommen, steigt dann die ganze Meute aus und du schlenderst ihnen hinterher und zündest dir erst mal`ne Kippe an.
Langsam stecken dich deine Freunde mit ihrer euphorischen und losgelösten Stimmung an und ein Lächeln ziert dein sonst so trostloses Gesicht.
Vor dem Eingang stehen schon jede Menge anderer Partysüchtiger, weil der Einlass an Nachtschwärmern heute begrenzt ist. Doch seit deine Freunde und du resident sind, genügt nur ein kurzer Anruf von Sophie und ihr könnt hintenrum reinspazieren.
Dann geht’s mit dem Aufzug nach oben, viel zu verrückt, high in über dutzenden Metern Höhe.
Du spürst den Druck, der auf deinen Ohren lastet, während sich die Kabine auf dem Weg nach oben begibt.
Langsam wird die Musik immer lauter, mit jedem Meter, dem du dich dem Floor näherst, hörst du die Menge, die bereits zu den Drums abgeht.
Alle Fahrstuhlinsassen werden schon kribbelig, weil sie den Bass spüren, der durch ihre Glieder fährt.
Die Schiebetür geht auf und die Musik schlägt dir direkt ins Gesicht. Die Zelebrierenden der musikalischen Hochglanzveranstaltung sind ekstatisch und ausgelassen, was nicht nur an der Musik liegt.
Langsam und schleppend gehst du durch die Menge, deine Brillengläser beschlagen und dein Verlangen nach Flüssigkeit wird immer unerträglicher. Auf dem Weg zur Bar drängen sich kleine Sonnen in dein Blickfeld, wie sie in ihren knappen Kleidchen oder mit ihren engen Jeans grazil und aufreizend ihren Arsch bewegen.
Dein Blick streicht über ihre kleinen süßen Ohren, die mit Ringen oder Perlen verziert sind. Blicke begegnen sich und verlieren sich wieder in der Menge.
Die Atmosphäre flashed dich und die Musik pumpt dir mit melodischen Kabinettstückchen die Ohren voll.
Zwischendurch wirst von Leuten begrüßt, die sich an dein Gesicht erinnern, weil du sie im Vollsuff mal zugelabert hast oder dich einfach verwechseln.
Das bunte Treiben der Nachtschwärmer amüsiert dich und du gehst Schritt für Schritt der Bar entgegen, damit sich deine Gefühlslage entspannt.
Angekommen heißt die Order Bacardi-Cola und schon nimmt die Dienstleistung für ein paar Euro ihren Lauf.
Drei Eiswürfel ins Glas, Bacardi, Cola, einen Strohhalm ins Gemisch und her damit.
Ein Drittel trinkst du an Ort und Stelle ab, damit hat der Strohhalm seine Schuldigkeit getan und landet wieder auf der Theke.
Jetzt musst du erst mal zurück durch das Gewühl tanzender Menschen und deine Leute wiederfinden.
Die steigende Promilleanzahl, die du seit vier Stunden ständig neu speist, erhöht die Schwierigkeit des Unterfangens, deine Freunde in der Menge wieder zu treffen um ein Vielfaches.
Während du den Balanceakt durch die Menge führst, erblickst du Daniel und Sophie, wie sie am Rand der Tanzfläche stehen und die Aussicht durch die Fenster vom Fernmeldeturm in Augenschein nehmen.
Lächelnd bewegst du dich auf die beiden zu, froh darüber, dass du sie nicht verloren hast und den Rest der Party nicht umherirren musst auf der Suche nach ihnen.
Du chillst dich zu ihnen und liebäugelst mit Mannheims Skyline, die sich majestätisch und anmutig im nächtlichen Abendkleid unter dir ausbreitet.
Währenddessen lässt Verena ihren Körper rhytmisch auf dem Floor schweben.
Du nippst an deinem Glas und bleibst erst mal fünf Minuten auf der Aussicht hängen, die dich einfach deines Atem beraubt.
Du gibst dich diesem optischen Orgasmus hin und vergisst für einige Momente den ganzen Scheiß, der dich die Tage über beschäftigt und dich die Nächte wach und schlaflos lässt.
Ja, „life could be so beautiful“, doch du weißt, dass wenn du dich wieder umdrehst, die Realität wieder alles einnimmt und traumhafte Vorstellungen einfach verschwimmen.
Denn was du siehst, sind nur Impressionen, die um 6 Uhr morgens nicht mehr da sind und mit dem Anschalten der Lichter zerlaufen.
Doch noch ist es nicht so weit.
So lange die Nadel den Tonträger küsst, wird weiter gefeiert.
Inzwischen ist es 1 Uhr und du hast keine Lust mehr, dich dem Rhythmus hemmungslos hinzugeben.
Du brauchst ne kleine Auszeit und da kommt Marcs Angebot euch auf den Weg in eure Lieblingsbaran zu machen gerade im rechten Moment.
Angekommen, bestellst du dir nen Kamaya-Tee und rauchst dazu eine Shisha.
Die Abwechslung der Konversation und gemütliche chill-out-beats gönnen deinem Körper eine erfrischende Erholphase.
Marc klinkt sich irgendwann aus und du spielst mit dem Gedanken es ihm gleich zu tun.
Aber dein Erlebnisdrang ist noch nicht gestillt.
Außerdem ist die Schicht von unserer Freundin Maya in der Bar in einer Stunde zu Ende und du kannst mit ihr und ihrem Bruder Maurice pünktlich zum mainact wieder im Fernmeldeturm sein.
Während du mit Maurice und Marc die zweite Shisharunde einläutest, Maya etappenweise zu eurem Tisch kommt, um ein paar Mal am Schlauch der Wasserpfeife zu ziehen, philosophierst du mit ihm über den Verlauf der kommenden vier Stunden.
Du lässt dir von Maya noch einen Tequila Sunrise geben, um ein zweites Mal am Tag die Sonne aufgehen zu lassen, und zwar um 2 Uhr nachts.
Langsam macht sich der Alkpegel bemerkbar und deine Artikulation verliert mit dem wiederholten Ansetzen des Glases an Verständlichkeit. Doch im Verlauf der Nacht wird man noch öfter auf Menschen treffen, deren Sprachvermögen durch Alkohol oder andere Rauschmittel beeinträchtigt sein wird.
Scheißegal, den es ist 2:30 Uhr, Mayas Schicht ist vorbei und ihr drei macht euch auf den Weg in den Turm.
Noch jeder zwei kleine Jägermeister in die Kehlen, durch den Hintereingang, hoch mit dem Aufzug und ab auf den Floor.
Pünktlich als der DJ den ersten burner dropped bist du wieder im Metier von grellen Farben, lauten Bässen und Partysüchtigen.
Der Fernmeldeturm bebt, die Leute sind am Flippen und du fährst mitten in der Menge ab.
Der Raum schmeckt nach Schweiß, Alk und Deos. Du atmest die heiße stickige Luft in einer Wahnsinnsatmosphäre, die einem Cocktail aus sexuellen Trieben, Musik und Amphetaminen gleicht.
Du schaust dich um, ob du ein dir bekanntes Gesicht in der Menge siehst und bleibst einen Moment lang stehen.
Deine Blicke streichen über die kleinen Sonnen, die ihren grazilen Körper durchs Laserlicht schwingen.
Ärsche links und rechts von dir, Drums in den Ohren und den Barcadi Cola in der Hand verzaubert dich und das Nachtleben mit all seinen Facetten und Fassaden.
Mitten in der Menschenmenge fällt dir auf ein mal die kleine karamellfarbene Elfe auf, die in ihrem cremefarbenen Kleid leichtfüßig über die Tanzfläche schwebt.
Sie blickt zu dir rüber und zieht dich mit ihren dunklen Augen in ihren Bann.
Du näherst dich dezent, während du dich in ihren schwarzen Diamanten verlierst, die ihr Gesicht zieren und funkeln, wenn sie dich ansieht. Als sie direkt vor dir steht und sich leicht auf die Unterlippe beißt, hast du dich bereits völlig in ihrer Aura verloren ohne Chance auf einen u-turn.
Du spürst ihren Atem und wirst süchtig nach ihrem Duft, der nach Vanille und einem Schuss Rum schmeckt.
Deine Lippen berühren ihre und eure Zungen gehen auf Tuchfühlung.
Eng umschlungen steht ihr im Raum und während du sie umarmst, verdrängst du den Gedanken, dass sie dich wegstoßen könnte, weil du sie mit deiner Zuneigung erdrückst.
Dein Verstand sagt dir, lass es nicht zu emotional werden, doch wenn sie dich berührt, spürst du eine Wärme und Vertrautheit, als wäre sie das fehlende Puzzleteil, das dein Leben komplett macht.
Du fährst ihr mit den Fingern langsam und sanft über den Nacken und sie lächelt.
Die anderen Nachtschwärmer, die um euch herum auf dem Floor abfahren und sich dem Rausch der Drums hingeben, existieren im Angesicht des Augenblicks nicht mehr und alles, was um euch passiert, hat jegliche Relevanz verloren, weil du nur noch den Moment wahrnimmst, in dem du deine Unterlippe leicht über ihre streichen lässt.
Ein leichtes Zittern durchfährt deinen Körper und dein Herz schlägt nach dem Rhythmus der Turntables, die musikalische Träume ertönen lassen und du spürst, dass die süße Frau in deinen Armen dasselbe fühlt.
Ihre Hände streichen über deinen Rücken und verweilen bei deinen Schulterblättern.
Du fährst ihr mit deinen Händen über ihren Arsch, schmiegst dich an sie und küsst ihr den Hals.
Nach zehn Minuten intensivem Speichelaustausch und sinnlicher Zungengymnastik fragst du die Kleine nach ihrem Namen.
Sie sagt dir, dass sie Schirin heißt und diese sieben Buchstaben klingen süßer als Schweizer Nougatschokolade, wenn du sie hörst und du sie dir auf der Zunge zergehen lässt.
Schirin, dass klingt so lieblich, als hätte Gott aus den Silben ihres Namens die Sprache der Welt geschrieben und sie in Laute gehüllt.
Schirin, aus dem Persischen, was in unseren Breitengraden „die Süße“ bedeutet.
Und in ihrem Fall könnte die Bezeichnung passender nicht sein.
Du gibst ihr zu verstehen, dass sie mitkommen soll.
Ihr verlasst den Floor und findet euch am Rand der Tanzfläche wieder.
Du setzt dich auf die Brüstung vom Turm und reichst ihr deine Hand, damit sie zu dir rauf kommt.
Eng aneinander geschmiegt sitzt ihr da und blickt über Mannheims Skyline.
Du flüsterst ihr deinen Namen ins Ohr und sagst ihr, dass sie das Schönste und Süßeste ist, was dein Augenlicht je wahrgenommen hat. Sie lächelt und küsst dich.
Erst bedacht und zurückhaltend, dann immer wilder und heftiger.
Die Spannung zwischen euch wird immer erregter und ihr wollt eigentlich nur noch übereinander herfallen.
Du sagst ihr, dass sie einen Augenblick auf dich warten soll, weil du mal für kleine Königstiger musst.
Du gehst aufgeregt durch die Menge und kämpfst dich drückend und schiebend zur Toilette vor.
Erst mal pinkeln und den Kopf klar kriegen.
Beim Abschütteln bekommst du hinter dir ein Gespräch mit, was sich mit dem Phänomen von Angebot und Nachfrage in Sachen pharmazeutischer Betäubungsmittel, beschäftigt.
Doch das Gelaber zwischen Anbieter und Abnehmer von chemischen Freudenspendern interessiert dich jetzt nicht.
Die Vorstellung, dass dich die Kleine, die draußen auf dich wartet, emotional ficken wird und dir die Süße das Herz rausreißen könnte, quält und schmerzt.
Deine Kopf spielt Szenarien ab, von exzessiven Flüssigkeitsaustausch bis hin zu gefühlsmäßigen Verstümmelungen.
Deine Phantasie spielt völlig verrückt.
Wird sie dich verletzen, wird sie dir seelische Wunden zufügen die dein Fleisch zeichnen und deine Einstellung zu Frauen komplett ins Abwertende treiben werden.
Oder wird sie Licht und Wärme, in deinen sonst so tristen und von Pessimismus geprägten Lebensabschnitt bringen.
Probiers einfach aus.
„Learning by doing“ heißt die Devise.
Auf dem Weg zurück zum Floor schaust du in Gesichter von Menschen, deren Gesichtszüge die Auswirkungen der pharmazeutischen und halluzinogenen Teufelchen nicht verbergen können.
Menschen taumeln im Gang, Paare stecken sich die Zunge in den Hals und Alkoholleichen chillen mit dem Rücken zur Wand.
Zwischen all den Gesichtern suchst du den kleinen Engel, der dir mit seinen dunklen Augen deinen Verstand geraubt hat und als Geisel genommen hat.
Du fragst dich, ob sie noch auf dich wartet oder ob du für sie zur Befriedigung ihres Triebes und Mittel zum Zweck warst, um sich`ne Anregung für ihr nächstes Opfer zu verschaffen.
Wird das Letztere eintreten, wirst du wieder für Jahre keine einzige Gefühlsregung für ne Frau haben und das letzte bisschen Vertrauen zu Frauen mit Wodka-Lemon erdrosseln, bis Frauen für dich nur noch zu Verschleißprodukten mit Schlitz werden.
Du wirst immer nervöser, weil du ihr Gesicht nicht finden kannst, das über Frust oder innerliche Zufriedenheit der nächsten Stunden entscheidet.
Innerlich bekommt deine Seele schon Risse und das Gefühl der Enttäuschung macht sich breit.
Doch auf einmal siehst du sie, wie sie anmutig und unschuldig aus dem Fenster in die Lichterkette der City blickt.
Du bewegst dich langsam auf sie zu.
Sie steht mit dem Rücken zu dir und du streichst ihr zart über ihr niedliches Öhrchen.
Sie dreht sich um und blickt dir in die Augen und du fühlst dich völlig wehrlos, weil sie dich mit ihren sinnlichen Blicken verzaubert.
Du stehst regungslos da, als wäre dein Körper in Marmor eingebettet und doch fühlst du die fließende Bewegung deiner Begierde, die deinen Körper nach den Freuden des Fleisches lechzen lassen.
Ihre Hand berührt dein Gesicht und ihre seidenen Finger wandern von deinem Jochbein bis zu deinen Lippen.
Sie nimmt dich an die Hand und ihr bewegt euch in Richtung Ausgang.
Im Aufzug macht ihr da weiter, wo ihr auf der Tanzfläche aufgehört habt.
Du suchst die körperliche Nähe zu ihr und befriedigst deinen Durst nach Zuneigung, der dich seit Monaten gequält hat.
Ihre Lippen schmecken süß wie Honig und du kannst es kaum erwarten von ihrer Pussy zu kosten.
Du verlässt mit ihr den Aufzug und ihr seit raus aus dem Club.
