Rache: Blendwerk II - Adam Wutkowski - E-Book

Rache: Blendwerk II E-Book

Adam Wutkowski

0,0

Beschreibung

Rache kann nicht nur ganze Lebensinhalte füllen, sondern auch als politisches Werkzeug eingesetzt werden. Und so stürmen die arkanischen Soldaten über die Grenzen ihres Landes in das Freie Grenzland, aufgepeitscht durch die Blender, davon überzeugt einen gerechten Kampf zu führen. Gewillt dieses Mal als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen, verfolgt die arkanische Führung eine ausgeklügelte Strategie, die sich auf die beiden häufigsten Gefühle der Menschen bezieht. Aber dieses Spiel können auch Jamie, Ilianer, Gul-Marak, Alko und all die anderen spielen. Welches Feuer dieser neue Konflikt entfacht, begreifen die Protagonisten erst, als es schon längst zu spät ist.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 360

Veröffentlichungsjahr: 2021

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Adam Wutkowski

Rache: Blendwerk II

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1: Im Spinnennetz

Kapitel 2: Invasion

Kapitel 3: Der Widerstand

Kapitel 4: Der Anfang vom Ende

Kapitel 5: Rache

Kapitel 6: Epilog

Weitere Bücher von Adam Wutkowski

Impressum neobooks

Kapitel 1: Im Spinnennetz

Rache: Blendwerk II

Für meine Frau und meine Kinder

Danke

Impressum

Rache: Blendwerk II

Untertitel: Was sind die beiden häufigsten Gefühle, die der Mensch ausdrückt?

von Adam Wutkowski

Text Copyright: © Adam Wutkowski

Cover Copyright: © Adam Wutkowski

Alle Rechte,

einschließlich des Nachdrucks in jedweder Form,

sind vorbehalten.

Schönberg 2021

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Im Spinnennetz

Kapitel 2: Invasion

Kapitel 3: Der Widerstand

Kapitel 4: Der Anfang vom Ende

Kapitel 5: Rache

Kapitel 6: Epilog

Zitat aus dem Talmud: »Wer ein Menschenleben rettet, dem wird es angerechnet, als würde er die ganze Welt retten. Und wer ein Menschenleben zu Unrecht auslöscht, dem wird es angerechnet, als hätte er die ganze Welt zerstört.

Mein Dank an dieser Stelle geht an Holger und meine Frau,

die in einem unermüdlichen Kampf

meine Rechtschreibfehler korrigiert haben.

«Wir müssen etwas unternehmen. Sonst wird sich die Geschichte wiederholen.», sprach der eine Verschwörer aus, was den beiden anderen Anwesenden ebenfalls auf der Zunge lag.

Die Nacht war lang gewesen. Und noch schlimmer wog die Tatsache, dass diese eine unerwartete Wendung mit sich brachte. Sie waren in einer Kutsche, im Park am Rande des Schlosses, hinter ein paar Bäumen, von unerwünschten Blicken verborgen. Ihre Gesichter in Schatten gehüllt.

«Das ist einfacher gesagt als getan. Seine Macht scheint grenzenlos zu sein. Nun hat er sein Spinnennetz um die junge Königin gewoben und keiner ist in der Lage es zu durchdringen.», stellte der zweite Verschwörer fest.

«Es war taktisch sehr klug von ihm, die Sache so auszulegen. Nun wird nicht nur die Königin, sondern auch das ganze Volk nach seiner Nase tanzen, im Glauben das zu tun, was richtig ist.», stellte der dritte Verschwörer fest.

«Doch noch ist es nicht zu spät. Wir können es noch verhindern.», riss der erste Verschwörer das Wort an sich und blickte seine beiden Gegenüber an.

Obwohl keines der Gesichter in der Dunkelheit zu erkennen war, ahnten die beiden letzten Verschwörer in der Kutsche, dass ihnen der Vorschlag ihres Mitstreiters nicht gefallen würde. Und doch konnte der zweite nicht anders, als dem Impuls nachzugehen und schließlich zu fragen: «Was schlägst du vor?»

«Wir müssen ihn beseitigen und zwar schnell!»

«Das ist Wahnsinn. Wir wären nicht besser als er.», entgegnete der zweite Verschwörer.

«Und außerdem hat dieser Plan einen Haken.», mischte sich der dritte Verschwörer in den Disput, wobei er sich für einen Moment in Schweigen hüllte, bevor er weitersprach. «Selbst wenn wir ihn töten, wie schaffen wir es, dass nicht ein anderer seinen Platz einnimmt. Zum Beispiel sein Sohn!»

Schweigen legte sich für einen Moment um die schattenhaften Figuren.

Die ausgelassene Stimmung aus dem Schloss begann in jenem Moment der Stille die Geräuschkulisse zu prägen und die Verschwörer an ihre Machtlosigkeit zu erinnern.

Schließlich nahm der zweite Verschwörer den Gesprächsfaden wieder auf. «Wir müssen uns eingestehen, dass unsere Bemühungen, die Königin vor dem Blendwerk eines Größenwahnsinnigen zu schützen, gescheitert sind. Wir haben verloren.»

«Nein, wir können jetzt nicht zurück. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, werden wieder Tausende für die Ambitionen eines einzelnen sterben. Wir dürfen jetzt nicht aufgeben.», flehte der erste seine beiden Mitverschwörer förmlich an. «Denkt an seine Worte während seiner Rede: „Für Ruhm und Ehre. Für euch und eure Familien“.», wiederholte er die Worte, die er vor wenigen Augenblicken aus dem Mund des einen vernommen hatte. «Aber sagt mir, meine Freunde, welcher Ruhm liegt darin, wenn die Lebenden die Toten betrauern müssen. Mit welch einer Bürde müssen jene, die zurückbleiben, leben. Vor allem die Mütter und Väter, die über Jahre ihr Kind gehegt und gepflegt haben und am Ende mit dem Tod ihres Kindes leben müssen. Nein, meine Freunde, wir dürfen jetzt nicht aufgeben. Bitte ich flehe euch an!»

«Es ist zu spät. Wir müssen uns neuformieren und die Gunst der Stunde abwarten. Momentan stehen wir mit dem Rücken an der Wand. Kein Mensch ist bereit uns zu zuhören. Die Stimme der Vernunft ist in dem Tosen des Blenders untergegangen.»

«Deswegen müssen wir ihn auch töten!», beharrte der erste Verschwörer.

«Nein und noch einmal nein. Das Volk und die Königin würden sich einfach eine neue Figur suchen, die ihnen das Blaue vom Himmel lügt. Außerdem möchte ich mit dem Mord nichts zu tun haben.», stellte der zweite fest.

«Ich auch nicht.», ergänzte der dritte.

«Ihr seid naiv. Viel zu naiv.», raunte die Stimme des ersten Verschwörers voller Enttäuschung durch den kleinen Raum der Kutsche.

«Vielleicht.», sagte der zweite, legte seine Hand auf die Türklinke der Kutschentür und läutete das Ende der Unterredung damit ein. «Aber mein Entschluss steht damit fest.»

Im nächsten Augenblick trat der zweite Verschwörer aus der Kutsche.

«Es tut mir leid.», sagte der dritte und folgte einen Augenblick später seinem Kompagnon.

Allein in der Kutsche blickte der erste Verschwörer seinen ehemals Verbündeten nach. Schließlich, als die Niedergeschlagenheit ihn zu übermannen drohte, wandte dieser ein letztes Mal seinen Blick auf das Schloss, auf die prächtige Parkanlage und all den Glanz, der diesen Ort hier widerspiegelte. Und dann wusste er, dass dieser Glanz mit Blut bezahlt wurde. Schließlich fühlte er Übelkeit in sich aufsteigen. Und dann wünschte er sich nur noch fort von hier. Ohne einen weiteren Moment verstreichen zu lassen, lehnte er sich zurück und gab dem Kutscher den Befehl loszufahren.

Kapitel 2: Invasion

Jamie stand auf einem Hügel und blickte in die Ferne. Er sah von weitem die Rauchschwaden gen Himmel aufsteigen. Zwischen all den weißen Wolken wirkten die beiden schwarzen Säulen vor ihm wie ein schwarzer Fleck auf weißem Leinentuch. Trauer übermannte seine Gefühlswelt. Doch er musste sich eingestehen, dass sie trotz alledem Glück gehabt hatten. Schließlich sind sie rechtzeitig gewarnt worden.

Jamies Blick wanderte hinüber zu seiner Mutter, Lena, Melcom, Brutus, Ilianer, Martok und dessen zweijährigem Sohn Ian, sowie den Chiks an der Seite von Gul-Marak.

Wären sie nicht da, dann… dachte sich Jamie und vertrieb sogleich wieder den schrecklichen Gedanken. Er wollte nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn.

Seine Familie und Freunde waren schließlich am Leben. Und nur das zählte. Den Blick nach vorn gerichtet, mussten sie mit ansehen, wie in der Ferne die Arkanischen Soldaten wie Ameisen um das, was einst ihr Hof war, herumschwirrten und alles niederbrannten.

Nach einem Augenblick ließ Jamie seinen Blick zu der zweiten schwarzen Wolke wandern, die sich links von ihnen hinter Bäumen ihren Weg in den Himmel bahnte. Dort wo der Hof von Ilianer und Marok lag.

Das Arkanische Königreich oder besser gesagt der Baron von Illmenstein hat seine Ambitionen gegenüber dem Norden nicht aufgegeben. Mit dem heutigen Tag konnte jeder das mit seinen Augen wahrnehmen. Und wen sie bei ihrem Vorhaben aus dem Weg räumen wollten, war eindeutig. Ihnen allen, so wie sie dastanden, war bewusst gewesen, dass die Gefahr einer erneuten Invasion seitens des Arkanischen Königreiches bestand. Doch dass diese so schnell und so gezielt vonstattenging, damit hat keiner von ihnen gerechnet.

Martok hielt seine Hand fest um die Barbarenstreitaxt umschlungen. Jamie wusste genau, dass in diesem Moment Martok am liebsten dort unten bei seinem Hof wäre, um mit seiner Axt jedem das Fürchten zu lehren. Doch da war Ilianer und Klein-Ian und die damit verbundenen Pflichten.

«Wir sollten so schnell wie möglich von hier verschwinden. Die Arkanischen Späher sind uns dicht auf den Fersen. Außerdem wird der Rest von unseren Männern nicht ewig auf dem Sammelplatz auf uns warten.», durchbrach die Stimme Gul-Maraks die Szene.

«Ich hoffe nur, dass der Rest von unseren Verbündeten genauso schnell gewarnt werden konnte wie wir.», sagte Melcom und wandte sich vom Geschehen ab.

«Wir werden es sehen.», erwiderte Martok und legte seine rechte Hand auf die Schulter seines Vaters.

Die Pferde waren ausgeruht und an die Umgebung gewöhnt. Und so kamen die Flüchtigen gut voran. Als schließlich der Tag sich langsam seinem Ende neigte und die Abendröte immer mehr ihren Schleier über das Land legte, zog der Zug aus Fliehenden über ein Tal an einem Bach entlang gen Norden.

Während ihrer Reise wuchs der Zug an Flüchtigen stetig an. Immer mehr Nordmänner und Frauen schlossen sich ihnen an und reihten sich in den Zug ein. Mittlerweile wuchs ihre Zahl auf zweihundert Reiter an. Mit jedem Ankömmling wuchs auch die Freude und Zuversicht, dass dieser Kampf noch nicht entschieden war. Auch wenn jeder wusste, dass es dieses Mal keinen Ian geben würde, der sich für alle opferte.

Als schließlich die Sonne im Westen untergegangen war, traf der Zug aus Flüchtigen an dem vereinbarten Sammelplatz ein. Jamie blickte auf das Tal herunter und entdeckte ein Meer an Lagerfeuern.

Chiks und Nordmänner vereint, mal wieder.

«Wir müssen hier entlang.», richtete Gul-Marak das Wort an Jamie und jene, die für den Norden sprechen würden. Zielstrebig führte Gul-Marak diese zwischen den Lagerfeuern, an denen Menschen kauerten, sich unterhielten oder vereinzelt ihre Laute erklingen ließen, zu einer Feuerstelle in der Mitte des Lagers.

Die Lagerstelle selbst lag in einer kleinen Senke mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern. Das Feuer in der Mitte unterschied sich nicht von den anderen. Auch der Nachthimmel war nicht anders. Doch die Menschen, die um das Feuer saßen, weckten Zuversicht und Hoffnung in Jamie.

«Jamie, Melcom, Ilianer, Martok, Brutus. Da seid ihr ja. Ich hatte schon befürchtet, dass ich einen Suchtrupp nach euch schicken muss.», begrüßte Alko die Neuankömmlinge und drückte jeden an sich. Bei Ilianers Kind blieb er einen Augenblick länger stehen und betrachtete dieses für einen Moment, nachdem Martok diesem den Namen des Jungen verraten hatte.

Und dann schälten sich aus dem Schatten zwei Gestalten, Drako und Harald.

Jamie war froh, dass auch Harald rechtzeitig von ihren Verbündeten gewarnt wurde. Die Freude über das Wiedersehen führte sogleich zu der Frage nach all den anderen, die hier und jetzt fehlten.

«Was ist mit Sean?», fragte er und blickte Harald und Draco der Reihe nach an.

«Sie haben ihn gefangen genommen. Die Arkanischen Soldaten sind wie ein Sturm über den Norden hinweg gefegt. Sie wussten genau, wo sie als erstes zuschlagen mussten. Sie haben gezielt die Häuser der Redensführer von damals angegriffen und niedergebrannt. Einige unserer Verbündeten haben sie ausgeschaltet, bevor diese die anderen warnen konnten. Anderen ist es wiederum gelungen, ihren Häschern nur mit Müh und Not zu entkommen. Sie waren sehr gut vorbereitet. Viele der Arkanischen Soldaten befanden sich bereits im Land, als der Angriff stattfand. Einige von ihnen haben sich als Händler verkleidet und haben gezielt zugeschlagen. Andere wiederum haben über kurz oder lang bei Sympathisanten Unterschlupf gefunden um anschließend koordiniert zugeschlagen.», berichtete Harald wehmütig.

«Wir wissen bisher nicht viel. Die Informationen sind spärlich. Doch ich habe die Befürchtung, dass, wer es bis jetzt nicht hierher geschafft hat, entweder tot ist oder in den Händen der Arkanischen Soldaten.», ergänzte Drako.

Nach dieser kurzen Zusammenfassung der Ereignisse fühlte Jamie und der Rest der Neuankömmlinge eine gewisse Niedergeschlagenheit in sich aufsteigen. Für Jamie begann das drumherum zu verschwimmen. Plötzlich sah er vor seinem inneren Auge Gesichter auftauchen, von Menschen, die von Arkanischen Soldaten angegriffen wurden und ihrer selbst gewählten Lebensart beraubt wurden.

«Jamie und ihr anderen. Setzt und wärmt euch an unserem Eintopf. Anschließend müssen wir Kriegsrat halten.», ordnete Alko an und zeigte einladend auf den Kessel am Feuer.

Jamie setzte sich neben Martok, Ilianer, Brutus und ein paar anderen Männern aus dem Norden. Lena streckte die Hände Klein-Ian entgegen und richtete das Wort an ihre Schwester: «Ich kümmere mich um ihn. Geh, nimm teil an der Versammlung! Ich bin da drüben am Feuer, wenn du mich brauchst.», erklärte sie, während sich um sie herum immer mehr Menschen versammelten.

Ilianer nickte und reichte Ian an ihre Schwester und blickte den beiden einen Moment nach, bis diese in dem Meer von Leibern verschwanden. Doch sie war nicht die einzige, die ihre Schwester im Blick hatte. Auch Jamie und Gul-Marak hatten ihr Augenmerk auf Lena gerichtet.

Doch nicht nur Ilianer sondern auch Jamie entging nicht, dass Gul-Marak Lena mit seinem Blick verfolgte. Und im selben Moment, in dem Jamie das wahrnahm, verspürte er einen Beschützerinstinkt in sich aufsteigen. Gerade als er Gul-Marak auffordern wollte, dass dieser seinen Blick von seiner Schwester abwenden sollte, legte Melcom eine Hand auf Jamies Schulter.

Jamie blickte zu Melcom. In dessen Gesicht spiegelte sich Freundlichkeit sowie eine gewisse Vertrautheit wider. Verwirrt und verunsichert blickte Jamie in das Gesicht seines Gegenübers.

«Männer und Frauen des Nordens.», lenkte die Stimme von Alko die Aufmerksamkeit von Jamie und den Anwesenden auf die bevorstehende Besprechung. «Wir haben nicht viel Zeit. Und wir wissen nicht, wie lange wir hier bleiben können. Die Informationen, die wir bisher zusammengetragen haben, geben uns einen ersten Eindruck über den Angriff von Seiten unserer Arkanischen Gegenspieler. Wir wissen nicht genau, welche Gebiete die Arkanische Armee bereits unter ihrer Kontrolle gebracht hat. Doch wir müssen vom Schlimmsten ausgehen. Drako und Harald werden uns nun die aktuellen Informationen vom Stand der Invasion schildern. Bitte!», forderte Alko mit einer Handbewegung die beiden Männer auf vorzutreten und nahm seinerseits am Rande der Versammlung Platz.

Das Gesicht der Menge zugewandt, die Feuerstelle im Rücken, begannen die beiden Männer nacheinander zu berichten. «Wie von Alko angesprochen, sind wir noch nicht in der Lage, das Ausmaß der Invasion genau zu beurteilen. Was wir zum jetzigen Zeitpunkt sagen können ist, dass der Schlag gegen den Norden gut geplant und koordiniert verlief. Nach ersten Informationen müssen wir davon ausgehen, dass viele der Arkanischen Soldaten sich bereits im Land befanden, als die eigentliche Invasion vonstattenging. Das lässt sich aus dem schnellen Vorgehen, insbesondere gegenüber unseren Verbündeten weiter im Norden unseres Landes, schließen. Sie kamen vermutlich getarnt als reisende Händler oder Bauern. Andere wiederum haben Unterschlupf bei Männern und Frauen gefunden, die dem Blendwerk der Arkanischen Führung erlegen sind. Festgenommen wurden vor allem jene, die damals bei dem Kampf gegen das Arkanische Königreich beteiligt waren und jene, die das Arkanische Königreich als gefährlich eingestuft hat. Darunter Sean, unser Hauptmann. Zusammengefasst sind nur wenige von damals unseren Häschern entkommen. Wir sind gerade um die 700 bis 800 Männer und Frauen aus dem Norden. Wir müssen davon ausgehen, dass, wer sich bis jetzt uns nicht angeschlossen hat, entweder gefangen genommen wurde oder irgendwo anders Zuflucht gefunden hat.», beendete Harald die Schilderung der derzeitigen Lage im Norden.

Nach diesen Worten war hier und dort Gemurmel, begleitet von verstörten Blicken, wahrzunehmen. Daraufhin begannen erste Beschimpfungen gegen das Arkanische Königreich die Runde zu machen.

Schließlich erhob sich Alko, hob die Hände und brachte die Versammelten nach wenigen Augenblicken wieder zum Schweigen.

«Meine Freunde! Bitte bewahrt Ruhe. Ich kann euren Frust und Ärger nachvollziehen. Auch uns ging es damals, bei den ersten Angriffen auf unsere Souveränität, nicht anders. Doch im Gegensatz zu früher stehen wir von Beginn an Seite an Seite.», stellte Alko fest und erntete sogleich Zustimmung.

Als sich die Gemüter wieder soweit beruhigt hatten, so dass eine Verständigung möglich war, nahm Alko das Zepter in die Hand und fuhr fort: «Mittlerweile sind viele Gerüchte im Umlauf. Doch in unserer Lage haben wir keine Zeit Gerüchten nachzugehen. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir wissen und was wir mit dem Wissen anfangen wollen.», stellte Alko nüchtern fest. Im nächsten Moment blickte er zu Drako herüber und bedeutete diesen mit einem leichten Kopfnicken zu sprechen.

«Unseren Waldläufern zufolge ist das Arkanische Heer mit einer Truppenstärke von schätzungsweise 9000 Soldaten über die Grenze gekommen. Wir gehen davon aus, dass weitere 3000 bereits im Norden waren und nur auf ein Zeichen warteten um zu zuschlagen. Nach der Truppenstärke zu urteilen und dem koordinierten Vorgehen scheint das Arkanische Königreich nichts dem Zufall überlassen zu wollen. Unseren Informationen zufolge bewegen sich die Soldaten schnell, koordiniert, zielgerichtet und lassen sich von nichts und niemanden aufhalten. Uns bleibt wenig Zeit. Morgen früh müssen wir das Lager vor den ersten Sonnenstrahlen abbrechen und möglichst viel Abstand zwischen uns und unseren Häschern bringen. Doch bevor wir das machen, müssen wir eine Strategie für die kommenden Tage festlegen.»

«Gegen einen Feind dieser Größenordnung können wir nichts machen.», warf einer der Chiks aus der Menge ein.

«Es muss uns aber etwas einfallen. Was sollen wir sonst tun. Ein Leben auf der Flucht führen?», schaltete sich sogleich ein Nordmann ein.

«Nein! Natürlich nicht.», antwortete Harald. «Aber, wenn wir wirklich etwas an unserer Lage ändern wollen, dann müssen wir wirklich einen guten Plan haben und etwas Glück. So wie damals auf der Steinebene vor Arag. Militärisch sind wir auf lange Sicht dem Arkanischen Königreich unterlegen. Da brauchen wir uns keine falschen Hoffnungen zu machen.», stellte Harald nüchtern fest.

Für einen Moment entstand eine angespannte Stille unter den Versammelten. Der Kampfeswille, der vor wenigen Augenblicken die Stimmung der Menschen beherrscht hatte, war der Realität von Haralds Worten gewichen.

Jamies Blick wanderte zwischen den Gesichtern der Versammelten hin und her. Plötzlich musste Jamie an die Worte seines Vaters denken; „…die Geschichte wiederholt sich immer wieder aufs Neue. Das einzige was sich ändert ist die Kulisse.“

In dem Moment, in dem er sich der Worte seines Vaters bewusst wurde, konnte er ein Lächeln nicht unterdrücken. Und im selben Augenblick formte sich ein Gedanke in seinem Kopf. Unsicher, ob er diesen aussprechen sollte, blickte er zu Alko hinüber, schließlich zu Harald und all den anderen. Doch diese hüllten sich in Schweigen.

Letztendlich blickte Jamie zu dem Nachthimmel empor. Blickte auf das Sternenzelt über seinem Haupt und sagte im Stillen an seinen Vater denkend: „Nun verstehe ich die Bürde der Verantwortung. Und ich habe Angst an ihr zu scheitern“.

«Vielleicht müssen wir…», begann Jamie mit einer leicht zittrigen Stimme und stoppte als er sich all der Aufmerksamkeit bewusst wurde, die nun auf ihn haftete.

«Ja Jamie?», sagte Harald und blickte nun seinerseits Jamie an.

Für einen Moment wünschte sich Jamie nichts gesagt zu haben. Doch dann spürte er plötzlich einen Ruck von der Seite, der ihn auf die Beine zwang. Von einem Moment auf den anderen stand Jamie in der Mitte der Versammlung. Allein das Feuer hinter ihm war noch zentraler. Und hinter diesem konnte er sich nicht verstecken.

«Sag schon Jamie, welchen Plan hast du?», forderte ihn Martok auf.

Und im selben Moment, in dem er Martok anblickte, hatte er das unbegreifliche Gefühl, dass dieser ihn in die Mitte der Versammlung geschubst hatte.

«Meine Freunde. Mein Vater sagte einmal zu mir, dass sich die Geschichte wiederholt. Und zwar immer wieder aufs Neue. Das einzige was sich ändert ist die Kulisse!», begann Jamie dieses Mal mit einer kräftigen Stimme zu sprechen. «Was wir also machen müssen ist die Kulisse zu ändern. Und damit den Feind mit seinen eigenen Waffen schlagen. So lange bis diesem nichts anderes übrigbleibt, als sich von unserem Land zurückziehen.»

«Ja. Das hört sich gut an. In dir steckt mehr von deinem Vater als du denkst.», stellte Alko fest. «Also sprich, was genau hast du vor?»

Jamie spürte wie die Anspannung anfing von ihm abzufallen. Zugegeben. Er hatte den Worten seines Vaters eine neue Bedeutung beigemessen. Aber hier und jetzt schien das nicht von Bedeutung zu sein. Alles was in dem Moment für alle von Bedeutung schien, war ein Plan. Ein Ziel, auf das sie gemeinsam hinarbeiten könnten.

Durch die Worte von Alko verspürte Jamie neuen Mut in sich aufsteigen. Und nun gab es kein zurück mehr. Der Gedanke, der sich so spontan gebildet hatte, musste nun geformt werden. Aber dafür hatte er ja noch seine Freunde und Verbündeten, die ihm helfen könnten. Entschlossen blickte Jamie der Reihe nach die Versammelten an.

Und dann begann er seine Idee vorzustellen.

Am folgenden Morgen führte Alko seine Mitstreiter an das Ufer des Flusses Muk. Die Sonne brannte bereits unbarmherzig auf die Schar der Verbündeten. Während die Pferde den Moment nutzten und ihren Durst an dem kühlen Wasser des Flusses stillten, ließ Ilianer ihren Blick entlang der wilden Natur des Nordens streifen.

Hier war es nun an der Zeit sich zu trennen.

Ilianers Augen füllten sich mit Tränen. Noch nie hatte sie länger als für einen Abend ihren Sohn an einen ihrer Verwandten abgegeben. Hier und jetzt aber musste sie Abschied von ihrem Kind nehmen. Für wie lange, das wusste sie nicht. Doch der Schmerz, gepaart mit dem schlechten Gewissen, drohte sie förmlich zu zerreißen.

Aber welche Wahl hatte sie? Sie konnte und wollte ihn nicht mitnehmen. Dafür war das, was sie vorhatten einfach viel zu gefährlich. Noch einmal drückte sie ihren Sohn an sich und küsste ihn liebevoll.

«Pass auf deine Großmutter auf, ok. Sei ein braver Junge! Hörst du.»

«Ja, Mama.», erwiderte der kleine und lächelte seine Mutter in seiner kindlichen Art und Weise an.

«Wir werden dich, sobald es in unserer Macht steht, zu uns holen. Verstanden!», verabschiedete sich Martok und legte seine Pranke auf das Haupt seines Sohnes.

Während Ilianer und Martok Abschied von ihrem Sohn nahmen, blickte Jamie auf die Gesichter der Umstehenden. Die Szenerie um ihn herum begann ihn an jenen Zeitpunkt zu erinnern, als er sich mit seinem Vater und all den anderen damals in Richtung Norden aufmachte, um jene, die sie liebten, aus den Klauen ihrer Feinde zu befreien. Und jetzt wiederholte sich die Geschichte. Für einen weiteren Augenblick tauchte das Gesicht seines Vaters vor seinem inneren Auge auf und Trauer begann sich wie ein Tuch über ihn zu legen. Und in diesem Moment, als sich zur Trauer Angst über die Zukunft mischte, begann sich Jamie zu fragen, wie sich die neue Situation auf seine inneren Dämonen auswirken würde. In den letzten Jahren hatte er mit diesen gelernt zu leben. Sie waren immer noch ein fester Bestandteil seinerselbst. Doch würden sie auch so ruhig bleiben, wenn er gezwungen sein würde, sich wieder in den Kampf zu stürzen?

«Wir sind dann soweit!», riss Gul-Maraks Stimme Jamie aus seinem Tagtraum und brachte ihn in das Hier und Jetzt zurück. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen blickte Jamie Gul-Marak an und sagte: «Nun sind wir wieder im Kampfe vereint.»

«Ja.», antwortete Gul-Marak ein wenig zurückhaltend. Mittlerweile war Gul-Marak eine zentrale Figur in der Welt der Chiks. Viele junge Krieger verehrten diesen wie einen Gott. Und jeder junge Mann im kampffähigen Alter träumte davon einmal an der Seite von Gul-Marak zu reiten und zu kämpfen.

«Ich sehe besonders viele junge Krieger, die sich entschieden haben uns zu begleiten.», stellte Jamie nüchtern fest.

«Ja.», stellte Gul-Marak fest und blickte in die Gesichter ihrer Mitstreiter. «Wir können einfach der Natur unseres Seins nicht entkommen.»

«Bleibt nur zu hoffen, dass wir, genauso wie unsere Väter vor uns, es fertigbekommen, möglichst viele dieser jungen Gesichter wieder heil nach Hause zu bringen.»

«Es ist an der Zeit!», durchdrang eine wohl bekannte Stimme das Gespräch der beiden.

Gul-Marak blickte seinen Vater an, als dieser neben den beiden auf dem Rücken seines Pferdes saß und sie anschaute.

«Passt gut auf euch auf. Ich will euch beide wiedersehen. Verstanden!»

Jamie und Gul-Marak überlegten für einen Moment etwas zu erwidern. Doch nichts Sinnvolles wollte ihren Lippen entweichen. Und schließlich verging der eine Moment und Alko wandte sein Pferd von den beiden ab. Jamie und Gul-Marak blieb nichts anderes übrig als auf Alko, Drako sowie Melcom, Martok, Ilianer, Harald und den Rest zu blicken, die ihrerseits sie traurig aber auch voller Hoffnung anschauten und zum Abschied mit ihren Blicken fixierten, so als ob sie versuchen würden, diesen Augenblick für immer in ihr Gedächtnis einzubrennen.

«Es ist so weit. Wir müssen weiter. Möge Ians Gunst mit ihnen sein.», sagte Brutus hinter Jamie und Gul-Marak und gewann somit deren Aufmerksamkeit. Als die beiden hinter sich blickten, sahen sie, wie Mulak bereits einen Teil ihrer Schar den Weg entlang dem Fluss führte.

Jamie und Gul-Marak ritten in Begleitung von Brutus über den Fluss und schlossen sich ihrer Einheit an. Im Gegensatz zu dem Trupp unter der Führung von Alko und Melcom, der sich dem Norden zuwandte, zogen Jamie und Gul-Marak mit ihrer Streitkraft von etwa 400 Nordmännern und Chiks gen Osten in Richtung der Gebirgsketten des Horas Gebirges.

Es war ein langer und anstrengender Ritt durch das Flussbett bis spät in die Nacht. Doch dieser war nötig, um von ihrer Spur abzulenken. Der Feind sollte ruhig glauben, dass all jene die sie verfolgten in Richtung Norden marschierten. Als schließlich der Zug aus Leibern eine kleine Lichtung an einer Bergkette links vom Flussbett erreichte, wurde das Nachtlager aufgebaut.

Jamie wandte sogleich seine Aufmerksamkeit seiner Mutter, dem kleinen Ian und seiner Schwester Lena zu. «Wie geht es ihm?», erkundigte sich Jamie bei seiner Mutter nach dem Wohlbefinden seines Neffen.

«So weit, so gut. Der lange Ritt hat ihn aber ziemlich mitgenommen.»

«Nach Gul-Maraks Einschätzung zu urteilen, werden wir wohl oder übel noch eine Woche im Sattel verbringen, bis wir das Tal erreichen, an dem sich die Familien der Chiks verstecken. Dort aber werdet ihr vor dem Zugriff der Arkanischen Armee sicher sein.», versuchte Jamie aufmunternd zu wirken.

«Ich werde nicht dort bleiben. Ich komme mit dir und dem Rest unserer Männer mit.», mischte sich Lenas Stimme in das Gespräch ein.

«Nein, das wirst du nicht. Du bist noch zu jung. Außerdem ist das hier kein Ausflug. Das ist bitterer Ernst.», tadelte sie Jamie.

«Als Vater dich von deinem jugendlichen Leichtsinn zurückhalten wollte, hast du ihn einen Narren geschimpft. Und nun verwehrst du mir das gleich Recht, welches du dir so gewünscht hast. Du bist wirklich genauso wie …», unterbrach sich Lena und stampfte wütend ein paar Meter davon.

Alko, Melcom, Ilianer, Martok, Drako und der Rest ihrer Schar, bestehend aus 1000 kampffähigen Männern und Frauen, erreichten am Abend ihr Nachtlager am Rand eines Bergrückens. Ihre Spur in den Norden war unverkennbar. Und das war gut so.

Als schließlich der Nachthimmel sein Sternenzelt vollständig offenbarte, saßen die Anführer der Streitkraft um das Lagerfeuer verteilt.

«In drei Tagen erreichen wir das Hauptheer meines Volkes. Wir werden dann mit den Nordmännern zusammen ein Heer von rund 2000 Kriegern befehligen. Die höchste Priorität liegt darin, sich dem Zugriff der Arkanischen Armee zu entziehen. Anschließend müssen wir unbedingt in Erfahrung bringen, welche Strategie das Arkanische Königreich im Norden verfolgt. Erst dann können wir genau den von uns besprochenen Plan in die Tat umsetzen.», stellte Alko fest und schob sich anschließend etwas von dem Wild in den Mund.

«Unsere Waldläufer sind entlang der Grenze aufgestellt und haben die Aufgabe Informationen zu sammeln und zu beobachten. Zum Vollmond, also in etwa 13 Tagen, werden wir uns dann mit unseren Informanten im Tal der Lebenden treffen. Anschließend werden wir in der Lage sein, unseren ersten Angriff zu planen.», ergänzte Drako.

Ilianer lag in den Händen von Martok und nahm die Worte nur beiläufig wahr. Das lag zum einen daran, dass sie von dem langen Ritt Gesäßschmerzen hatte und zum anderen drehten sich ihre Gedanken hauptsächlich um ihren Sohn. Schließlich legte die Müdigkeit sein schwarzes Tuch über ihr Bewusstsein und ohne, dass sie es merkte, fiel sie in ein unruhigen Schlaf.

Der Morgen begann wie die Tage zuvor. Es war Sommer und die Wärme des Tages legte sich über die Täler. Die Arkanische Heerführung hat den Einmarsch in den Norden gut geplant und ausgeführt. Mittlerweile war der Norden von den Truppen der Arkanischen Armee bis zum letzten Winkel in Besitz genommen worden. An den wichtigsten strategischen Punkten und Handelsrouten begannen Baumeister, Soldaten und jene aus dem Norden, die dem Königreich wohlgesonnen waren, Kontrollpunkte und Palisaden zu errichten. Der Widerstand der Einheimischen wurde durch den schnellen Einmarsch, sowie gezielte Festnahmen im Keim erstickt, noch bevor dieser wusste, was überhaupt geschehen war. Sicherlich. Es gab da einige Nordmänner, denen es gelungen war, sich dem Zugriff der Arkansichen Armee zu entziehen und sich weit in das Gebiet der Chicks in den Norden zu flüchten. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis auch diese sich dem Willen des Arkanischen Königreiches beugen würden.

«Heerführer Garak.», salutierte sein Major neben ihm und wartete geduldig, bis ihm sein Kommandant die Erlaubnis zum Sprechen erteilte.

Garak ließ sich jedoch Zeit. Er genoss den Triumph, die damit verbundenen neuen Privilegien und die Macht, die diese mit sich brachten. Hier oben in dem neuen Grenzland war er nun so etwas wie der König. Bis auf die Arkanische Königin und ihren engsten Berater, den Baron von Illmenstein, konnte er hier oben tun und lassen was er mochte. Doch er musste sich vorsehen. Das wusste er genau. Denn diese Macht war auch sehr verführerisch. Und ihre Auswirkungen manifestierten sich in Arroganz und Leichtsinn.

Unabhängig davon. Zuerst galt es hier im Norden für Recht und Ordnung zu sorgen und den Menschen bewusst zu machen, dass sie, die Arkanier, nicht ihre Feinde waren. Und er hatte schon eine Idee, wie er das hinkriegen wollte.

«Entschuldigung.», sagte der Heerführer schließlich an den Major gewandt. «Bitte sprechen Sie!», fuhr dieser fort und nippte an seinem Kelch mit dem verdünnten Wein.

«Heerführer. Wir haben alle Gefangenen zusammengetrieben. Sie sind nun bereit für den Abtransport.»

«Gut. Was ist mit den Baumeistern und ihren Gehilfen?»

«Sie haben alle Werkzeuge und Geräte zusammengepackt und auf die Wagen verladen. Die 300 Mann starke Einheit zu ihrem Schutz steht ebenfalls bereit. Alle warten nur noch auf ihren Befehl sich ihren Zielen zu zuwenden.»

Zufrieden blickte der Heerführer von seinem Zelt auf der kleinen Anhöhe auf den Zug von Wagen, Soldaten und Gefangenen.

«Sind Sie sich sicher, dass 300 Mann als Begleitschutz ausreichen?», hakte der Major unvermittelt beim Heerführer nach.

«Das Heer der Flüchtigen reitet in den Norden. Das Expeditionskorps ist ihnen auf den Fersen. Unsere Feinde sind momentan auf der Flucht. Sie sind weder organisiert noch in der Lage im Moment eine Streitkraft größer als 2000 Mann zu stellen. Bis es jedoch soweit ist, sind wir bereits in der alten Feste und haben uns verschanzt. Haben Sie Vertrauen, mein Guter. Alles läuft genau nach Plan.», antwortete der Heerführer, ohne seinen Blick von dem Zug abzuwenden.

«Wie sieht es mit dem Viehbaron aus?», fuhr der Heerführer nach einem Moment fort.

«Auf Befehl des Königs und des Barons ist dieser mit seinen Getreuen auf sein Land zurückgekehrt und hat mit dem Wiederaufbau seines Gutes begonnen. Seine Felder und…», begann der Major und wurde sogleich von dem Heerführer unterbrochen.

«Nein. Sein persönlicher Haushalt interessiert mich nicht. Ich will wissen, wie es mit der Straße zu der alten Feste aussieht. Wann wird diese fertiggestellt?»

«Darüber kann ich nichts sagen, Heerführer. Aber der Viehbaron kennt seine Order.»

«Hm. Schickt eine Nachricht an unseren „Verbündeten“ und teilt ihm mit, dass ich so bald wie möglich mich persönlich von den Fortschritten beim Bau erkundigen möchte. Diese kleine Botschaft sollte den Viehbaron nicht vergessen lassen, was seine eigentliche Aufgabe ist. Nun gut. Und nun gebt das Zeichen zum Aufbruch!», raunte dieser selbstzufrieden, während sich sein Blick auf den Zug der Gefangenen konzentrierte.

Pflichtbewusst wandte sich der Major den wartenden Offizieren im Hintergrund zu und verteilte sogleich die Order ihres Vorgesetzten.

Begleitet von Fanfaren begann sich dieser schließlich seinen Weg in Richtung Nordwesten zu bannen.

Zufrieden wandte sich der Heerführer seinem Stellvertreter zu: «Major. Lassen Sie die Männer aufsitzen. Es wird an der Zeit, dass wir uns auf den Weg nach Heloport machen. Die Versammlung beginnt in einer Stunde und ich möchte unsere Gastgeber nicht warten lassen.»

«Verstanden, Heerführer.», salutierte dieser und begann sogleich die Wünsche seines Herrn in die Tat umzusetzen.

Zu später Abendstunde ritt der Heerführer in Begleitung seiner persönlichen Leibgarde, bestehend aus 10 Arkanischen Soldaten, in die Hauptstadt des freien Grenzlandes. Die Stadt machte auf den Heerführer keinen besonders wohlhabenden Eindruck.

Obwohl sich die Sonne bereits dem Horizont zuneigte, waren immer noch viele Bürger auf den Straßen der Stadt unterwegs. Langsam aber bemächtigt galoppierte der Hauptmann vor- weg. Die Menschen auf der Straße machten bereitwillig Platz, während ihre neugierigen Blicke die Neuankömmlinge keine Sekunde aus den Augen ließen. Hier und da tauchten vereinzelt Menschen am Straßenrand auf, die den Arkanischen Soldaten freudig zuwinkten oder „Lang lebe das Arkanische Königreich“ zuriefen. Doch mindestens genauso viele der Anwesenden auf der Straße hüllten sich in Schweigen.

Der Heerführer wusste nur zu gut, wie gefährlich die Gradwanderung war, die er hier vollführte. Schon einmal ist sein Vorgänger an jenem Ort, an diesem Volk gescheitert. Er musste sich also hüten. Und vor allem musste er seine Worte mit Bedacht wählen. Es galt sich das Vertrauen zu verdienen und genau das hatte er vor.

Langsam und freundlich lächelnd führte er sein Pferd entlang der Hauptstraße in Richtung der großen Halle des Friedens. Dabei war er stets bemüht hier und da ein freundliches Wort oder ein Lächeln an jene zu richten, die ihm und seinesgleichen freundlich gegenüber traten.

Als er letztendlich draußen vor der großen Halle sein Pferd zum Stehen brachte, fühlte er plötzlich eine gewisse Aufregung in sich aufsteigen. Für einen Moment schloss er die Augen und genoss dieses Gefühl.

Sicherlich, es gab viele Menschen, die dieses Gefühl nicht mochten. Denn es führte auch zur Unsicherheit. Er aber genoss es, denn erst in solchen Momenten hatte er das Gefühl, sich richtig lebendig zu fühlen.

«Heerführer.», durchbrach im nächsten Augenblick eine Stimme zu seiner Rechten seine Gedanken und brachte ihn zurück.

Langsam öffnete der Heerführer seine Augen und blickte auf den Hauptmann seiner Wachen. Mit einem leichten Nicken gab er diesem zu verstehen, dass alles in Ordnung sei Einen Augenblick später stieg der Heerführer von seinem Pferd ab und reichte die Zügel an einen der Soldaten.

«Heerführer. Sind Sie immer noch der Meinung, dass keiner meiner Männer Sie zu der Versammlung begleiten soll?»

«Ja. Alles andere würde die Anwesenden nur noch mehr einschüchtern.», erwiderte der Heerführer und legte mit einem Lächeln auf den Lippen seine Hand auf die Schulter des Hauptmanns. «Keine Sorge. Nur ein Narr würde versuchen, mich hier vor so vielen Zeugen zu töten. Aber falls sie es beruhigt. Ich habe dafür gesorgt, dass sich hinter dieser Tür genügend Männer und Frauen befinden, die uns freundlich gesinnt sind.»

Zufrieden wandte sich der Heerführer von dem Hauptmann ab und schritt gefolgt von diesem in Richtung Eingang. Dort erwartete ihn bereits der Viehbaron.

«Heerführer, es ist mir eine Freude Sie endlich hier im Norden begrüßen zu können. Hier in der Hauptstadt unseres Landes.», begrüßte ihn der Viehbaron.

«Viehbaron. Ich freue mich sehr, Sie hier anzutreffen. Doch fürchte ich, dass wir unseren Plausch auf einen späteren Zeitpunkt verlegen müssen. Kommt! Lasst uns das Volk der Nordmänner nicht länger auf die Folter spannen.», ordnete dieser an und schritt an dem Viehbaron vorbei in die große Halle.

Als schließlich der Heerführer durch den großen Eingangsbereich vorbei an einigen Nordmännern in die große Halle des Friedens eintrat, verstummte auf einen Schlag das Gemurmel der Anwesenden. Das einzige, dass in diesem Augenblick in der Bewegung nicht erstarrte, waren die Flammen der unzähligen Fackeln, welche den Raum in ein gelb-rotes Farbenspiel tauchten.

Mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht ließ der Heerführer seinen Blick entlang der Versammelten schweifen. Und dann, als er das Gefühl von Aufregung in sich erneut aufsteigend spürte, trat er einen Schritt vor und sagte mit fester Stimme: «Volk des Nordens. Ich weiß, dass das, was ich jetzt sage, nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Aber ich meinerseits freue mich hier zu sein. Versammelte, bitte…», fuhr dieser fort und hob die Arme, um seine Rede zu betonen, «lasst uns eins klarstellen. Ich bin nicht hier, um Ihnen irgendwelche Geschichten zu erzählen. Also kommen wir gleich zur Sache. Ich bin hier als Gesandter des Arkanischen Königreiches, um ihrem Volk Rede und Antwort zu stehen. Also bitte. Nur keine falsche Scheu. Fragen Sie mich all das, was Ihnen auf dem Herzen liegt. Und ich werde direkt antworten.», beendete dieser mit einem breiten Lächeln seine einleitende Rede.

«Wo ist mein Sohn und all die anderen Söhne und Töchter des Nordens?», durchbrach die Stimme einer älteren Frau in wohlhabender Kleidung, die gleich unten in der ersten Reihe saß, den Raum.

Der Heerführer blickte die Frau in ihren kostbaren Kleidern an. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters verfügte die Frau über eine Aura, die immer noch viele Männer in ihren Bann zog.

Sie muss eine wahre Schönheit gewesen sein, als sie noch jung war, dachte sich der Heerführer.

«Wenn ich mich nicht irre, dann sind Sie die Mutter von Sean, dem ehemaligen Hauptmann des Freien Grenzlandes.», schätzte der Heerführer sein Gegenüber ein und beugte sogleich leicht das Haupt in Richtung der Frau.

«Ihr Sohn…», fuhr er einen Augenblick später fort, das Wort an die gesamte Versammlung gerichtet «…sowie die anderen Männer und Frauen, die sich damals Ian und den Chicks angeschlossen haben, sind auf dem Weg in die alte Feste. Sie werden dort mit unseren Baumeistern die Minen wiederherrichten und dort solange arbeiten, bis sie gewillt sind, wieder Vernunft walten zu lassen.»

«Und was genau verstehen Sie unter Vernunft?», hakte die alte Dame spöttisch nach.

«Verehrte Anwesende. Ich will Ihnen nichts vormachen. Viele von den Anwesenden glauben, dass wir, das Arkanische Königreich, für die damaligen Überfälle verantwortlich waren und immer noch sind. Wir haben lange genug unsere Unschuld beteuert und ich persönlich bin nicht bereit, Ihnen ein weiteres Mal unsere Sichtweise der Ereignisse von damals zu schildern. Fakt ist, dass jener Personenkreis, den wir vorsorglich in Gewahrsam genommen haben, direkt oder indirekt an dem Komplott gegen unseren König beteiligt waren. Sie und vor allem Ian sind schuld an dem Tod unseres Königs. Wir, das arkanische Volk, sind nicht bereit, diesen feigen Angriff auf das Herz unseres Daseins so einfach zu akzeptieren. Viele Menschen in dem Arkanischen Königreich sind immer noch über das Verhalten, welches wir für unsere Hilfsbereitschaft erhalten haben, nämlich dem Verrat, vorsichtig gesagt, ungehalten. Viele von uns sehnen sich nach Rache und wollen gleiches mit gleichem vergelten. Die neue Königin jedoch sieht davon ab. Aus diesem Grund hat sie beschlossen, jene Männer und Frauen, die damals an der Ermordung ihres geliebten Bruders beteiligt waren, von ihren Verbrechen freizusprechen, wenn diese dem Blendwerk der Chiks sowie ein paar anderer fehlgeleiteter Nordmänner, abschwören. Bis dahin bleiben diese Personen in den Minen und werden für ihre Taten Buße tun.»

«Und bis dahin besetzen sie das ganze Land und berauben all den anderen ihr Recht auf Selbstbestimmung.», stellte die alte Dame verächtlich fest, ihre Abscheu gegenüber dem Heerführer und dem Arkanischen Königreich offen zum Ausdruck bringend.

«Ja und Nein.», fuhr der Heerführer unbeirrt fort und richtete seine Worte an die Versammelten. «Um die Wogen zu glätten und Stabilität in das Land zu bringen sowie ein weiteres Eingreifen seitens der Chiks zu unterbinden, blieb uns keine andere Wahl, als dieses Land vorerst zu seinem eigenen Schutz in die Obhut unseres Königreiches zu legen. Ein weiterer Grund für dieses Vorgehen ist der Tatsache geschuldet, dass es in dem freien Grenzland genügend Menschen gibt, die dem Blendwerk der Chiks nicht erlegen sind und diese wiederum uns um Beistand gebeten haben. Hier möchte ich insbesondere auf die Liga Pro Arkanisches Königreich unter der Führung des Viehbarons verweisen.», sagte er und wandte sich im nächsten Augenblick dem Viehbaron und seinen Getreuen auf der gegenüber liegenden Seite der alten Dame in der Halle zu.

«Heerführer. Bei allem Respekt. Auch wenn dieser nicht wirklich groß ist.», riss die alte Dame das Wort an sich und erntete einen bitterbösen Blick von Seiten des Heerführers. «Können Sie mir und dem Rest der Versammelten mitteilen, und zwar ohne diese ganzen Floskeln und rhetorischen Redewendungen, wie es nun mit dem freien Grenzland weiter gehen soll?»

«Wie Sie wünschen.», begann der Heerführer und unterdrückte die Wut gegenüber der alten Hexe. «Aufgrund der vorangegangenen Ereignisse ist das Königreich nicht gewillt, Sean als euren Vertreter anzuerkennen. Aus diesem Grund möchte ich euch im Namen des Arkanischen Königreiches ersuchen einen neuen Vertreter als Hauptmann zu wählen. Dieser wird, wie seine Vorgänger vor ihm, das Land führen und nach seinem Willen gestalten. Wir, also das Arkanische Expeditionsheer, werden uns mit Beginn des folgenden Tages aus sämtlichen Städten zurückziehen und an strategischen Punkten mit der Errichtung von provisorischen Forts, Kontrollpunkten sowie zivilen Einrichtungen wie Arkanischen Botschaften beginnen, um dieses Land von einer Invasion durch die Chiks zu schützen. Jedem Mann und jeder Frau steht es frei all diese Einrichtungen aufzusuchen, sei es um Handel zu treiben oder Hilfe zu erbitten. Ziel der Arkansichen Botschaften wird es sein, jedem der es wünscht, eine mögliche Anstellung anzubieten für all die ausstehenden Projekte sowie medizinischen Beistand zu geben. Des Weiteren werden die Botschaften als eine Art Kommunikationsstelle fungieren zwischen den Bewohnern des freien Landes und dem Arkanischen Königreich.», stellte der Heerführer die Pläne seines Königreiches knapp vor.

«Für all ihre Projekte benötigen Sie Land. Woher nehmen Sie das und wer soll für all Ihre Projekte aufkommen?», warf ein Mann aus der obersten Reihe ein und erntete sofort Zustimmung unter den Anwesenden.

«Jeder der gewillt ist sein Land an uns zu verkaufen, wird den handelsüblichen Preis sowie einen Bonus von 10% für sein Eigentum erhalten. Für all die, die uns helfen wollen am Straßenbau, Errichtung von Stützpunkten sowie an den vielen anderen Projekten mitzuwirken, sind wir bereit eine Krone am Tag zu bezahlen.», antwortete der Heerführer.

Und seine Worte blieben nicht ohne Wirkung. Die Aussicht eine ganze Krone für einen Arbeitstag zu erhalten, sorgte für Getuschel unter den Anwesenden. Schließlich entsprach eine Krone fast dem doppelten Tageslohn.

«Aber dafür nimmt ihr uns das Erz weg!», bohrte die alte Dame nach, verärgert darüber, dass niemandem das Offensichtliche auffiel.

«Nein! Euch nicht. Wenn ich mich recht erinnere, dann gehört jenes Land den Chiks.», stellte Garak zufrieden fest. «Gute Frau. Ich weiß nicht, was Sie über das Arkanische Königreich denken. Aber bei uns wächst das Geld nicht an den Bäumen. All die Projekte, die im freien Grenzland durchgeführt werden, werden auch den Menschen vor Ort nutzen. Ja, wir behalten das Erz der Chiks. Aber wir sehen es als Reparationszahlung an.»

«Verstehe ich das richtig?», hakte eine stämmige Frau aus der dritten Reihe nach. «Alles was die Gefangenen also machen müssen, um wieder frei zu kommen, ist zu beteuern, dass die Chiks für den Konflikt verantwortlich sind und nicht das Königreich?»

«Ja genau. Die meisten der Männer und Frauen kommen raus, sobald sie hier in der großen Halle des Friedens, vor ihrem Volk und mir als Vertreter des Arkanischen Königreiches zugeben, dass sie auf die Chiks hereingefallen sind und vor den Versammelten einen Eid ablegen keine Handlungen gegenüber den Arkanischen Soldaten und ihren Verbündeten durchzuführen. Des Weiteren sind jene verpflichtet sich an einem der vielen Stützpunkte alle zwei Tage persönlich zu melden.»

«Diese Bedingungen sind unzumutbar!», schrie einer der Anwesenden aus dem Publikum heraus, was sich so mancher dachte.

«Ja, ich gebe es zu. Für einige wird es schwer sein über ihren Schatten zu springen und vor den Versammelten zu zugeben, dass sie auf einige wenige hereingefallen sind. Anderen wiederum mag die Pflicht sich alle zwei Tage an einem der Kontrollpunkte zu melden als mühsam erscheinen. Aber wenn denjenigen die Anstrengung an der frischen Luft zu viel abfordert, hat die Wahl in der Mine zu bleiben.», stellte Garak trocken fest.

«Sie sagten die meisten. Heißt das Sie unterscheiden zwei Gruppen von Gefangenen?», mischte sich erneut die alte Dame ein.

«Ja, das ist richtig. Einen kleinen Teil der Gefangenen wird erst die Möglichkeit auf Begnadigung nach einer Frist von drei Jahren gewährt. Zu den Ausgewählten gehört ebenfalls Sean!», erwiderte dieser zufrieden und stellte zu seiner Freude fest, wie die Farbe aus dem Gesicht der alten Hexe verschwand.