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Folgen Sie den Diagnosepfaden: Das Buch führt Sie schnell und sicher zu über 120 Diagnosen der Herzbildgebung sowie der großen Gefäße.
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Seitenzahl: 1406
Veröffentlichungsjahr: 2018
Konstantin Nikolaou, Ulrich Kramer, Hatem Alkadhi, Karl-Friedrich Kreitner
Claus Claussen, Maximilian Reiser, Manfred Thelen, Hatem Alkadhi, Florian André, Fabian Bamberg, Jörg Barkhausen, Jürgen Bauer, Meinrad Beer, Dietrich Beitzke, Thorsten Bley, Philipp Brantner, Jens Bremerich, Horst Brunner, Matthias Christian Burg, Philipp Burghard, Barbara Burkhardt, Luigia D'Errico, EBCR, Marco Das, Sarah Feger, Gudrun Feuchtner, Alexander Gotschy, Juliane Göbel, Matthias Grothoff, Matthias Gutberlet, Sandra Hamada, Philipp Heermann, Walter Heindel, Tilman Hickethier, Kai Higashigaito, Ricarda Hinzpeter, Boris A. Hoffmann, Andreas Hornung, Armin Huber, Peter Hunold, Christoph Jensen, Lilly Kaufmann, Thorsten Klink, EBCR, Bernhard Klumpp, Harald Kramer, Gabriele A. Krombach, Patrick Krumm, Lukas Lehmkuhl, Michael Lell, Sebastian Leschka, Sebastian Ley, Julia Ley-Zaporozhan, Christian Loewe, Joachim Lotz, Christian Lücke, Gunnar Lund, Andreas Mahnken, David C. Maintz, Stefanie Mangold, Robert Manka, Manoj Mannil, MSc, Agnes Mayr, Oliver K. Mohrs, Fabian Morsbach, Claas Nähle, Kai Naßenstein, Felix Nensa, Christian O. Ritter, Michael Scharf, Christopher Schlett, Thomas Schlosser, Günther Schneider, Christoph Schülke, Johannes Schwab, Ludger Sieverding, Elena Stenzel, Dietrich Stoevesandt, Emanuela Valsangiacomo-Büchel, Florian Vogt, Roland Weber, Julius Weinrich, Joachim E. Wildberger, Bernd J. Wintersperger, Florian Wolf, Dominik Zinsser, Tanja Zitzelsberger
1260 Abbildungen
Die Motivation zu dem vorliegenden Buch entstand aus dem Wunsch heraus, einen neuen Zugang und einen möglichst umfassenden Überblick zur Vielzahl bildgebender kardiologischer Entitäten und Diagnosen zu bieten. Gleichzeitig sollte ein Format gefunden werden, in welchem die Leserinnen und Leser aufgrund einer klaren Systematik und einfachen Struktur die Übersicht über diese komplexe Thematik nicht verlieren. Die Bildgebung in der kardialen Diagnostik erlebt auch von technischer Seite eine rasante und stetige Weiterentwicklung, daher werden bei den verschiedenen Krankheitsbildern alle relevanten bildgebenden Verfahren einschließlich Röntgendiagnostik, Computer- und Magnetresonanztomografie, Koronarangiografie und Echokardiografie beschrieben und diskutiert.
Auf der Basis jeder Entität und Diagnose werden dabei der aktuelle Stand des Wissens fokussiert zu einer Synopse zusammengeführt und gleichzeitig die Fortschritte auf dem Gebiet der Herzdiagnostik zusammenfassend vorgestellt. Besonderer Wert wurde in der Gestaltung des Buchs auf eine homogene Strukturierung gelegt. Jedes Kapitel folgt einem klaren Schema, in dem Kernaussagen, Definition, Pathophysiologie, Ätiologie, Demografie, Klinik, Therapie, Prognose, Bildgebung und Differenzialdiagnose aufgeführt werden. Alle Diagnosen sind dabei mit den Hauptmodalitäten der kardialen Bildgebung bebildert, insgesamt finden sich über 1200 Bilder aller relevanter bildgebenden Modalitäten in diesem Buch wieder.
Die Leserinnen und Leser werden über Diagnosepfade schnell und sicher zu allen relevanten Diagnosen in der Herzbildgebung sowie der Darstellung der herznahen Gefäße geführt. Diese Diagnosepfade sind immer zweifach angelegt, zum einen über die Herzanatomie, zum anderen über den pathologischen Befund. So können relevante Fragen in der Befundung und im radiologischen Alltag effektiv bearbeitet und umfassend beantwortet werden.
Der Inhalt des Buchs steht den Leserinnen und Lesern auch online in der Wissensplattform Thieme eRef zur Verfügung. Auf der Basis des Differenzialdiagnosenbaums gelangen Sie über Klickpfade zum Befund – wie beim realen Arbeiten am Befundungsplatz. Zusätzlich stehen dazu auch noch Videofilme bereit, um die Situation im Alltag widerzuspiegeln. Mit der Thieme eRef App werden zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit sein.
An wen richtet sich also unser Buch? Aufgrund der umfassenden Darstellung aller relevanten kardialen Pathologien ist dies ein Buch auf Expertenebene, das vollständig und umfassend auch für den Kenner der kardialen Diagnostik geschrieben wurde. Zudem ist das Buch aber auch für Anfängerinnen und Anfänger und Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sehr interessant, da der bildgebende Teil immer in eine Beschreibung der Klinik und Pathophysiologie der Erkrankung eingebettet ist – dieser enge Bezug zur Klinik und die beschriebenen Diagnosepfade machen das Buch zu einem praktischen Helfer im radiologischen Alltag – unabhängig von den eigenen Vorkenntnissen.
Allen Freunden und lieben Kolleginnen und Kollegen, die für dieses Buch einen Beitrag geleistet haben, sei zuletzt auf diesem Wege ganz herzlich gedankt. Ohne die exzellenten Beiträge unserer Autorinnen und Autoren und deren strikte und konsequente Einhaltung der vorgegebenen Struktur wäre die Zusammenstellung dieses Buchs sicher nicht möglich gewesen.
Tübingen/Winnenden/Zürich/Mainz, im Herbst 2018
Konstantin Nikolaou
Ulrich Kramer
Hatem Alkadhi
Karl-Friedrich Kreitner
Vier ausgewiesene Experten der nicht invasiven kardialen Bildgebung, die maßgeblich die Entwicklung der Herz-CT und der MRT des Herzens mitgestaltet und evaluiert haben, haben es auf sich genommen, ein wahrhaft umfassendes Werk zur radiologischen Differenzialdiagnostik der Erkrankungen des Herzens und der großen Gefäße herauszugeben. Sie konnten für dieses Werk zahlreiche Experten gewinnen, die informative und gut verständlich geschriebene Kapitel beigetragen haben, die sich einer einheitlichen Gliederung in „Definition, Demografie, Pathophysiologie und Ätiologie, Klinik, Therapie und Prognose, Bildgebung, Differenzialdiagnose und Literatur“ unterworfen haben. Es ist gelungen, eine in sich geschlossene und durchgängige Struktur zu erreichen, während andere „Vielmänner- Bücher“ nicht selten unter einer störenden und für den Leser beschwerlichen Variabilität der Einzelkapitel leiden.
Die Überkapitel folgen sinnvollerweise einer vorwiegend anatomisch orientierten Gliederung in Myokard, Koronararterien, Koronarvenen, Herzklappen, Endokard, kongenitale Vitien, herznahe Gefäße und Perikard. Dadurch und mit Hilfe eines umfangreichen Sachverzeichnisses kann sich der Leser schnell orientieren und die interessierenden Inhalte zielsicher finden.
Die Informationen sind gut fassbar und in didaktisch hervorragender Weise dargestellt und zu jedem Einzelkapitel in tabellarische Form am Ende zusammengefasst. Die Befunde, die Untersuchungstechniken, die Aussagekraft und die Einschränkungen der verschiedenen bildgebenden Verfahren werden präzise dargestellt, miteinander verglichen und kritisch diskutiert. Als besonders wertvoll erachten wir es auch, dass jeweils der klinische Kontext hergestellt wird, sodass die Befunde der nicht invasiven radiologischen Bildgebung für den Diagnose- und Behandlungsplan der Patienten praxisnah und patientenorientiert eingeordnet werden können. Soweit verfügbar, werden die für die verschiedenen Krankheitsentitäten verfügbaren Leitlinien dargestellt und erläutert, wo nötig auch kritisch hinterfragt.
Der Echokardiografie als in der täglichen Praxis breit eingesetztem Verfahren wird relativ viel Raum eingeräumt, wobei das Schwergewicht auf dem Röntgenbild und insbesondere der CT und der MRT liegt. Es werden auch die Aspekte der Verfügbarkeit und der Kosten der einzelnen Methoden gewürdigt. Auch die untersuchungsspezifischen methodischen Aspekte werden berücksichtigt, ohne dass eine systematische Darstellung der Methodik erfolgt, was auch nicht die Aufgabe und die Zielsetzung dieses Werks ist.
Das Buch ist reich illustriert, wobei die Abbildungen von hervorragender Qualität sind und die Bildlegenden den Leser auf die relevanten Befunde verweisen. Zu den einzelnen Kapiteln wird die relevante, auch aktuellste Literatur in einem Literaturverzeichnis zitiert.
Dieses mit fast 700 Seiten sehr umfangreiche Werk, das auch seltene und sehr seltene Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße nicht unerwähnt lässt, füllt aus unserer Sicht eine Lücke in der deutschsprachigen Literatur. Wir gehen davon aus, dass die Leser die Lektüre dieses Buchs als ebenso genussvoll und informativ empfinden, wie wir das getan haben. Es befriedigt wichtige Bedürfnisse in diesem an Bedeutung zunehmenden Feld der Bildgebung und wird aus unserer Sicht für die tägliche Praxis vieler Kolleginnen und Kollegen unverzichtbar werden.
Für den Leser, der sich schon länger mit der Materie Herz befasst, ist das Buch eine wahre Fundgrube. Für den „Einsteiger“ wirft es hingegen viele Fragen auf. So macht es für diesen Leserkreis durchaus Sinn, sich zur Vertiefung des Verständnisses auch mit den klinischen Aspekten der Kardiologie auseinanderzusetzen. Dies erleichtert das Verständnis der funktionellen, morphologischen und hämodynamischen Aspekte, die in diesem Buch sehr eindrucksvoll dargestellt werden.
Den Herausgebern und den Autoren möchten wir zu ihrem sehr gelungenen Werk gratulieren und wünschen Ihnen, dass sie die Anerkennung und Resonanz erhalten, die sie verdienen.
Tübingen/München/Mainz, im Herbst 2018
Claus Claussen
Maximilian Reiser
Manfred Thelen
A./Aa.
Arteria/Arteriae
ACE
Angiotensin converting Enzyme
ACR
akute zelluläre Abstoßungsreaktion
ACS
akutes Koronarsyndrom
ADC
Apparent Diffusion Coefficient
AHA
American Heart Association
AIDS
erworbenes Immundefizienzsyndrom
ANCA
antineutrophile zytoplasmatische Antikörper
a.–p.
anterior-posterior
ARVC/ARVD
arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie/Dysplasie
ASD
Vorhofseptumdefekt
ASE
American Society of Echocardiography
AT1
Angiotensin-II-Rezeptor-Subtyp 1
ATP
Adenosintriphosphat
AV
atrioventrikulär/Atrioventrikular-
AVSD
atrioventrikulärer Septumdefekt
BICC
Betaferon in Patients with chronic viral Cardiomyopathy
bSSFP
Balanced Steady-State free Precession
CATCH-Syndrome
Syndrom mit Herzfehler, Gesichtsfehlbildungen, Unterentwicklung des Thymusgewebes, Gaumenspalte und Kalziummangel im Blut
CSS
Canadian Cardiovascular Society
cc-TGA
kongenital korrigierte Transposition der großen Arterien
CHARGE-Syndrom
genetischer Defekt (häufigste Symptome: Kolobom des Auges, Herzfehler, Atresie der Choanen, retardiertes Längenwachstum und Entwicklungsverzögerung, Genitalfehlbildung, Ohrfehlbildungen)
CK-MB
Isoenzym der Kreatinkinase
COPD
chronisch-obstruktive Lungenerkrankung
COVADIS
Coronary Vasomotion Disorders International Study Group
CRP
C-reaktives Protein
CRT
kardiale Resynchronisationstherapie
CT
Computertomografie
CTA
computertomografische Angiografie
CTEPH
chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie
CTPA
CT der Lungenarterien
CUP
Cancer of unknown Primary
CW-Doppler
Continuous-Wave-Doppler
2-D/3-D/4-D
2-/3-/4-dimensional
DCM
dilatative Kardiomyopathie
DCRV
Double chambered right Ventricle
DGK
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
DGPK
Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie
DILV
Double Inlet left Ventricle
DISH
diffuse idiopathische Skeletthyperostose (Morbus Forestier)
DNA
Desoxyribonukleinsäure
DORV
Double Outlet right Ventricle
DRG
Deutsche Röntgengesellschaft
DSA
digitale Subtraktionsangiografie
d-TGA
Dextrotransposition der großen Arterien
DWI
diffusionsgewichtete Bildgebung
EAW
European Association of Echocardiography
EGE
Early Gadolinium Enhancement
EKG
Elektrokardiografie/-gramm
ENPP1
Ectonucleotide-pyrophosphatase/phosphodiesterase 1
EPI
Echo Planar Imaging
ESC
European Society of Cardiology
ESH
European Society of Hypertension
EuroSCORE
European System for Cardiac Operative Risk Evaluation
F
fLUOR
FDG
Fluorodesoxyglukose
FFR
fraktionelle Flussreserve/Fractional Flow Reserve
FISP
Fast Imaging with Steady State Precession
FLASH
Fast low Angle Shot
FSE
Fast-Spin-Echo
fT3/fT4
freies Trijodthyronin/Thyroxin
Ga
Gallium
GE
Gradienten-Echo
GERD
gastroösophageale Refluxkrankheit
GRACE
Global Registry of Acute Coronary Events
HACEK-Gruppe
Gruppe von Bakterien, die selten eine Endokarditis hervorrufen und in der entsprechenden Blutkultur nachweisbar sind
HASTE
Half Fourier-acquired single Shot Turbo Spin Echo
HCM
hypertrophe Kardiomyopathie
HE
Hounsfield-Einheiten
HELLP-Syndrom
schwerwiegende Erkrankung während der Schwangerschaft mit hämolytischer Anämie, erhöhten Leberwerten und Verminderung der Thrombozytenzahl
HFpEF
Heart Failure with preserved Ejection Fraction (diastolische Herzinsuffizienz)
HFrEF
Heart Failure with reduced Ejection Fraction (systolische Herzinsuffizienz)
HHT
hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie
HIV
humanes Immunschwächevirus
HLHS
hypoplastisches Linksherzsyndrom
HOCM
hypertroph-obstruktive Kardiomyopathie (Sonderform der hypertrophen Kardiomyopathie)
ICA
invasive Koronarangiografie
ICD
implantierbarer Kardioverter-Defibrillator
ICD-10
International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, Ausgabe 10
ILVNC-Kardiomyopathie
isolierte linksventrikuläre Non-Compaction-Kardiomyopathie
In
Indium
INR
International normalized Ratio
IR
Inversion Recovery
ISFC
International Society and Federation of Cardiology
ISHLT
International Society for Heart and Lung Transplantation
ISSVA
International Society for the Study of Vascular Anomalies
IVUS
intravaskulärer Ultraschall
KHK
koronare Herzkrankheit
LAO
left anterior oblique (von hinten rechts schräg nach vorn links durch den Körper; Projektionsebene der Herzkatheteruntersuchung
LGE
Late Gadolinium Enhancement
Lig., Ligg.
Ligamentum, Ligamenta
LIMA-Bypass
linksseitiger A.-mammaria-interna-Bypass
I-TGA
Lävotransposition der großen Arterien
LVAD
Left ventricular Assist Device
LV-EDD
linksventrikulärer enddiastolischer Diameter/Left ventricular enddiastolic Diameter
LV-EDP
linksventrikulärer enddiastolischer Druck
LV-EDV
linksventrikuläres enddiastolisches Volumen
LV-EF
Ejektionsfraktion des linken Ventrikels
LVOT
linksventrikulärer Ausflusstrakt
LV-SV
linksventrikuläres Schlagvolumen
M., Mm.
Musculus, Musculi
MACE
Major adverse cardiac Events
MDCT
Multidetektorcomputertomografie
MIP
Maximumintensitätsprojektion
MOLLI
Modified Look-Locker Inversion-Recovery
MPR
multiplanare Reformation
MRA
Magnetresonanzangiografie
MRT
Magnetresonanztomografie
MSCT
Multislice-Computertomografie
N
Stickstoff
N., Nn.
Nervus, Nervi
NSTEMI
Non-ST-Segment Elevation myocardial Infarction (Nicht-ST-Hebungsinfarkt)
NYHA
New York Heart Association
OCT
optische Kohärenztomografie/Optical Coherence Tomography
ÖGD
Ösophagogastroduodenoskopie
p.–a.
posterior-anterior
PAPVR
Partial anomalous pulmonary venous Return (partielle Lungenvenenfehlmündung)
PAU
penetrierendes atherosklerotisches Ulkus
PAVM
pulmonale arteriovenöse Malformation
PCI
perkutane koronare Intervention
PDA
persistierender Ductus arteriosus Botalli
PEA
pulmonale Endarteriektomie
PET
Positronenemissionstomografie
PFO
persistierendes Foramen ovale
PISA
Proximal Isovelocity Surface Area
PSIR
Phase-sensitive Inversion Recovery
PTA
perkutane transluminale Angioplastie
PTCA
perkutane transluminale Koronarangioplastie mit Stent-Implantation
PW-Doppler
Pulsed-Wave-Doppler
R., Rr.
Ramus, Rami
RAO
right anterior oblique (von hinten links schräg nach vorn rechts durch den Körper; Projektionsebene der Herzkatheteruntersuchung)
Rb
Rubidium
RCM
restriktive Kardiomyopathie
RIMA-Bypass
rechtsseitiger A.-mammaria-interna-Bypass (Right internal mammary Artery Bypass)
RNA
Ribonukleinsäure
RV-EDP
rechtsventrikulärer enddiastolischer Druck
RV-EDV
rechtsventrikuläres enddiastolisches Volumen
RV-EDVI
rechtsventrikulärer enddiastolischer Volumenindex
RV-EF
rechtsventrikuläre Ejektionsfraktion
RV-ESV
rechtsventrikuläres endsystolisches Volumen
RVOT
rechtsventrikulärer Ausflusstrakt
RV-SV
rechtsventrikuläres Schlagvolumen
SCCT
Society of Cardiac Computed Tomography
SE
Spin-Echo
SPECT
Single Photon Emission computed Tomography
SR
Saturation Recovery
SSFP
Steady-State free Precession
STEMI
ST-Segment Elevation myocardial Infarction (ST-Hebungsinfarkt)
STIR
Short-tau-Inversion-Recovery
STS-PROM
Society of Thoracic Surgeons Predicted Risk of Mortality
T
Tesla
T1w/T2w/7T2*w
T1-/T2-/T2*-gewichtet
TAPVR
totale Lungenvenenfehlmündung
TAVI
Transkatheter-Aortenklappenersatz
Tc
Technetium
TEE
transösophageale Echokardiografie
TIMI
Thrombolysis in myocardial Infarction (Klassifikation)
TIMIC
Randomized Study on the Efficacy of immunosuppressive Therapy in Patients with virus-negative inflammatory Cardiomyopathy
TIRM
Turbo-Inversion Recovery-Magnitude
TI
Thallium
True FISP
True fast Imaging under Steady State Precession
TSE
Turbo-Spin-Echo
TSH
thyreoideastimulierendes Hormon
TTC
Tako-Tsubo-Kardiomyopathie
TTE
transthorakale Echokardiografie
TVP
Transplantatvaskulopathie
TWIST
Time-resolved Angiography with interleaved stochastic Trajectories
V./Vv.
Vena/Venae
VENC
Phase Contrast Velocity Encoding
VIBE
Volume interpolated Breathhold Examination
VRT
Volume interpolated Breathhold Examination/Volume-Rendering-Technik
VSD
Ventrikelseptumdefekt
Titelei
Vorwort
Geleitwort
Abkürzungen
1 Myokard
1.1 Ischämische Genese
1.1.1 Myokardischämie
1.1.2 Akuter Myokardinfarkt
1.1.3 Chronischer Myokardinfarkt
1.1.4 Ischämische Kardiomyopathie
1.1.5 Infarktfolgen
1.2 Nicht ischämische Genese (Kardiomyopathien)
1.2.1 Hypertrophe und hypertroph-obstruktive Kardiomyopathie
1.2.2 Dilatative Kardiomyopathie
1.2.3 Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie
1.2.4 Restriktive Kardiomyopathie
1.2.5 Non-Compaction-Kardiomyopathie
1.2.6 Weitere Kardiomyopathien
1.2.7 So genanntes Sportlerherz
1.3 Entzündungen und Speichererkrankungen
1.3.1 Akute Myokarditis
1.3.2 Chronische Myokarditis
1.3.3 Kardiale Sarkoidose
1.3.4 Amyloidose
1.3.5 Hämochromatose (inklusive Thalassämie)
1.4 Varia
1.4.1 Transplantiertes Herz
1.4.2 Hypertensive Herzerkrankung (linksventrikulär)
1.4.3 Cor pulmonale
1.4.4 Contusio cordis
1.5 Kardiale und extrakardiale Tumoren
1.5.1 Benigne Tumoren
1.5.2 Maligne Tumoren
2 Koronararterien
2.1 Stabile koronare Herzkrankheit
2.1.1 Definition
2.1.2 Pathophysiologie und Ätiologie
2.1.3 Demografie
2.1.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.1.5 Bildgebung
2.1.6 Differenzialdiagnose
2.1.7 Literatur
2.2 Akutes Koronarsyndrom und Prinzmetal-Angina
2.2.1 Definition
2.2.2 Pathophysiologie und Ätiologie
2.2.3 Demografie
2.2.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.2.5 Bildgebung
2.2.6 Differenzialdiagnose
2.2.7 Literatur
2.3 Koronararterienanomalien und -varianten
2.3.1 Definition
2.3.2 Pathophysiologie und Ätiologie
2.3.3 Demografie
2.3.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.3.5 Bildgebung
2.3.6 Differenzialdiagnose
2.3.7 Literatur
2.4 Koronardissektion
2.4.1 Definition
2.4.2 Pathophysiologie und Ätiologie
2.4.3 Demografie
2.4.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.4.5 Bildgebung
2.4.6 Differenzialdiagnose
2.4.7 Literatur
2.5 Koronarembolie und akute Koronarthrombose
2.5.1 Definition
2.5.2 Pathophysiologie und Ätiologie
2.5.3 Demografie
2.5.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.5.5 Bildgebung
2.5.6 Differenzialdiagnose
2.5.7 Literatur
2.6 Koronaraneurysma
2.6.1 Definition
2.6.2 Demografie
2.6.3 Pathophysiologie und Ätiologie
2.6.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.6.5 Bildgebung
2.6.6 Differenzialdiagnose
2.6.7 Literatur
2.7 Kawasaki-Syndrom
2.7.1 Definition
2.7.2 Pathophysiologie und Ätiologie
2.7.3 Demografie
2.7.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.7.5 Bildgebung
2.7.6 Differenzialdiagnose
2.7.7 Literatur
2.8 Aortokoronarer Bypass
2.8.1 Definition
2.8.2 Indikation
2.8.3 Komplikationen, Therapie und Prognose
2.8.4 Bildgebung
2.8.5 Differenzialdiagnose
2.8.6 Literatur
2.9 In-Stent-Restenose bei Koronar-Stents
2.9.1 Definition
2.9.2 Pathophysiologie und Ätiologie
2.9.3 Demografie
2.9.4 Klinik, Therapie und Prognose
2.9.5 Bildgebung
2.9.6 Differenzialdiagnose
2.9.7 Literatur
3 Koronarvenen
3.1 Koronarvenenanomalien und –varianten
3.1.1 Definition und Demografie
3.1.2 Bildgebung
3.1.3 Bedeutung der Koronarvenen für die Interventionsplanung
3.1.4 Literatur
3.2 Schrittmachersonden
3.2.1 Aufbau des Schrittmachersondensystems
3.2.2 Bildgebung
3.2.3 Literatur
3.3 Linksatrialer Thrombus
3.3.1 Definition
3.3.2 Pathophysiologie und Ätiologie
3.3.3 Demografie
3.3.4 Klinik, Therapie und Prognose
3.3.5 Bildgebung
3.3.6 Differenzialdiagnose
3.3.7 Literatur
4 Herzklappen
4.1 Aortenstenose und -insuffizienz
4.1.1 Definition
4.1.2 Pathophysiologie und Ätiologie
4.1.3 Demografie
4.1.4 Klinik, Therapie und Prognose
4.1.5 Bildgebung
4.1.6 Differenzialdiagnose
4.1.7 Literatur
4.2 Mitralstenose und -insuffizienz
4.2.1 Definition
4.2.2 Pathophysiologie und Ätiologie
4.2.3 Demografie
4.2.4 Klinik, Therapie und Prognose
4.2.5 Bildgebung
4.2.6 Differenzialdiagnose
4.2.7 Literatur
4.3 Trikuspidalklappenstenose und -insuffizienz
4.3.1 Trikuspidalklappenstenose
4.3.2 Trikuspidalklappeninsuffizienz
4.4 Pulmonalklappenstenose und -insuffizienz
4.4.1 Pulmonalklappenstenose
4.4.2 Pulmonalklappeninsuffizienz
4.5 Transkatheter-Aortenklappenersatz bei Aortenklappenstenose
4.5.1 Definition
4.5.2 Pathophysiologie und Ätiologie der Aortenstenose
4.5.3 Demografie der Aortenstenose
4.5.4 Klinik, Therapie und Prognose der Aortenstenose
4.5.5 Bildgebung vor und nach Intervention
4.5.6 Periinterventionelle Komplikationen
4.5.7 Differenzialdiagnose
4.5.8 Literatur
4.6 Mitralklappenprolaps
4.6.1 Definition
4.6.2 Pathophysiologie und Ätiologie
4.6.3 Demografie
4.6.4 Klinik, Therapie und Prognose
4.6.5 Bildgebung
4.6.6 Differenzialdiagnose
4.6.7 Literatur
4.7 Mitralannulusverkalkung und verkäsende Verkalkung
4.7.1 Definition
4.7.2 Pathophysiologie und Ätiologie
4.7.3 Demografie
4.7.4 Klinik, Therapie und Prognose
4.7.5 Bildgebung
4.7.6 Differenzialdiagnose
4.7.7 Literatur
4.8 Bikuspide Aortenklappe
4.8.1 Definition und Pathophysiologie
4.8.2 Demografie
4.8.3 Klinik, Therapie und Prognose
4.8.4 Bildgebung
4.8.5 Differenzialdiagnose
4.8.6 Literatur
5 Endokard
5.1 Infektiöse Endokarditis
5.1.1 Definition
5.1.2 Pathophysiologie und Ätiologie
5.1.3 Demografie
5.1.4 Klinik, Therapie und Prognose
5.1.5 Bildgebung
5.1.6 Differenzialdiagnose
5.1.7 Literatur
5.2 Nicht infektiöse Endokarditis
5.2.1 Definition
5.2.2 Pathophysiologie und Ätiologie
5.2.3 Klinik, Therapie und Prognose
5.2.4 Bildgebung
5.2.5 Differenzialdiagnose
5.2.6 Literatur
5.3 Endomyokardfibrose
5.3.1 Definition
5.3.2 Pathophysiologie und Ätiologie
5.3.3 Demografie
5.3.4 Klinik, Therapie und Prognose
5.3.5 Bildgebung
5.3.6 Differenzialdiagnose
5.3.7 Literatur
5.4 Karzinoidsyndrom
5.4.1 Definition
5.4.2 Pathophysiologie und Ätiologie
5.4.3 Demografie
5.4.4 Klinik, Therapie und Prognose
5.4.5 Bildgebung
5.4.6 Differenzialdiagnose
5.4.7 Literatur
6 Kongenitale Vitien
6.1 Shunt-Vitien
6.1.1 Vorhofseptumdefekt
6.1.2 Ventrikelseptumdefekt
6.1.3 Atrioventrikulärer Septumdefekt
6.1.4 Persistierender Ductus arteriosus Botalli
6.2 Fallot-Tetralogie
6.2.1 Definition
6.2.2 Pathophysiologie und Ätiologie
6.2.3 Demografie
6.2.4 Klinik, Therapie und Prognose
6.2.5 Bildgebung
6.2.6 Differenzialdiagnose
6.2.7 Literatur
6.3 Transposition der großen Arterien
6.3.1 Dextrotransposition der großen Arterien
6.3.2 Kongenital korrigierte Transposition der großen Arterien
6.4 Univentrikuläres Herz mit funktionstüchtigem linkem Ventrikel
6.4.1 Definition
6.4.2 Anatomie und Pathophysiologie
6.4.3 Demografie
6.4.4 Klinik, Therapie und Prognose
6.4.5 Bildgebung
6.4.6 Differenzialdiagnose
6.4.7 Literatur
6.5 Univentrikuläres Herz mit funktionstüchtigem rechtem Ventrikel
6.5.1 Double Outlet right Ventricle
6.5.2 Hypoplastisches Linksherzsyndrom
6.6 Truncus arteriosus
6.6.1 Definition
6.6.2 Pathophysiologie und Ätiologie
6.6.3 Demografie
6.6.4 Klinik, Therapie und Prognose
6.6.5 Bildgebung
6.6.6 Differenzialdiagnose
6.6.7 Literatur
6.7 Angeborene Klappenvitien
6.7.1 Aortenstenose
6.7.2 Pulmonalstenose
6.8 Ebstein-Anomalie
6.8.1 Definition
6.8.2 Pathophysiologie und Ätiologie
6.8.3 Demografie
6.8.4 Klinik, Therapie und Prognose
6.8.5 Bildgebung
6.8.6 Differenzialdiagnose
6.8.7 Literatur
6.9 Heterotaxiesyndrom
6.9.1 Definition
6.9.2 Pathophysiologie und Ätiologie
6.9.3 Demografie
6.9.4 Klinik, Therapie und Prognose
6.9.5 Bildgebung
6.9.6 Differenzialdiagnose
6.9.7 Literatur
6.10 Cor triatriatum
6.10.1 Definition
6.10.2 Pathophysiologie und Ätiologie
6.10.3 Demografie
6.10.4 Klinik, Therapie und Prognose
6.10.5 Bildgebung
6.10.6 Differenzialdiagnose
6.10.7 Literatur
7 Herznahe Gefäße
7.1 Anomalien der großen thorakalen Gefäße
7.1.1 Persistierende obere Hohlvene
7.1.2 Lungensequester
7.1.3 Pulmonary Sling
7.2 Erkrankungen der thorakalen Aorta
7.2.1 Aortenisthmusstenose
7.2.2 Aortenbogenanomalie
7.2.3 Aortenaneurysma und Marfan-Syndrom
7.2.4 Akutes Aortensyndrom
7.2.5 Vaskulitis
7.3 Erkrankungen der Lungengefäße
7.3.1 Pulmonale arteriovenöse Malformationen
7.3.2 Lungenvenenanomalien
7.3.3 Iatrogene Pulmonalvenenstenose
7.3.4 Embolische Lungenarterienerkrankungen
7.3.5 Pulmonalarteriensarkom
8 Perikard
8.1 Perikardzysten und -divertikel
8.1.1 Definition
8.1.2 Pathophysiologie und Ätiologie
8.1.3 Demografie
8.1.4 Klinik, Therapie und Prognose
8.1.5 Bildgebung
8.1.6 Differenzialdiagnose
8.2 Perikardaplasie
8.2.1 Definition
8.2.2 Pathophysiologie und Ätiologie
8.2.3 Demografie
8.2.4 Klinik, Therapie und Prognose
8.2.5 Bildgebung
8.2.6 Differenzialdiagnose
8.3 Perikarditis
8.3.1 Pericarditis constrictiva
8.3.2 Perikarditis (Dressler-Syndrom)
8.3.3 Perimyokarditis
8.4 Maligne Perikarderkrankungen
8.4.1 Definition
8.4.2 Pathophysiologie und Ätiologie
8.4.3 Demografie
8.4.4 Klinik, Therapie und Prognose
8.4.5 Bildgebung
8.4.6 Differenzialdiagnose
8.5 Perikardtamponade
8.5.1 Definition
8.5.2 Pathophysiologie und Ätiologie
8.5.3 Demografie
8.5.4 Klinik, Therapie und Prognose
8.5.5 Bildgebung
8.5.6 Differenzialdiagnose
8.6 Literatur
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
Oliver Mohrs
Kernaussagen
Die Myokardischämie entspricht einer unzureichenden Versorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut. Diese kann bedingt sein durch Koronarstenosen (KHK) oder Störungen der Mikrozirkulation. Als Risikofaktoren gelten genetische Disposition, Fettstoffwechselstörungen, Nikotinkonsum, arterielle Hypertonie, Hyperurikämie und Diabetes mellitus. Klinisches Leitsymptom ist die Angina pectoris. Die nicht invasiven bildgebenden Verfahren nutzen myokardiale Perfusionsheterogenitäten oder eine nachweisbare regionale Wandbewegungsstörung als indirekten Ischämienachweis. Unbehandelt kann die Ischämie zu einem Myokardinfarkt führen. Die chronisch-ischämischen Herzkrankheiten sind die häufigste Todesursache in Deutschland.
Die Ischämie ist definiert als Minderdurchblutung oder Durchblutungsausfall eines Gewebes oder eines Organs. Bezogen auf das Herz kann dies bedingt sein durch Veränderungen der Makrozirkulation, den epikardialen Koronararterien entsprechend, oder der myokardialen Mikrozirkulation. Je nach Dauer verbleibt eine Ischämie ohne Zellschäden oder führt aufgrund des Sauerstoffmangels zu einem irreversiblen Schaden, der Nekrose, dem Myokardinfarkt.
Die arterielle Verschlusskrankheit wird am Herzen als „KHK“ bezeichnet und entspricht einer Störung der Makrozirkulation. Die Koronarinsuffizienz als Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und -nachfrage entsteht insbesondere dann, wenn der Gefäßdurchmesser der Herzkranzarterien aufgrund von Gefäßablagerungen reduziert wird. Dazu sind folgende klassische Risikofaktoren bekannt:
genetische Disposition
Fettstoffwechselstörungen
Nikotinkonsum
arterielle Hypertonie
Hyperurikämie
Diabetes mellitus
Unter dem Oberbegriff „metabolisches Syndrom“ werden abdominale Fettleibigkeit, arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörung und Glukoseintoleranz bzw. Insulinresistenz als Risikofaktoren zusammengefasst. Sie resultieren aus dem industriellen Lebensstil mit hyperkalorischer Ernährung und Bewegungsarmut. Dagegen stellen Embolie, Vaskulitis, Koronarspasmen und äußere Gefäßkompression seltenere Genesen einer makrozirkulatorischen Ischämie dar.
Als „Mikrozirkulationsstörung“ werden pathologische Veränderungen der koronaren Endstrombahn bezeichnet. Als Risikofaktoren gelten insbesondere ein langjähriger Diabetes mellitus und die hypertensive Herzerkrankung. Das sog. Syndrom X entspricht einer Unterform der Mikrozirkulationsstörung aufgrund einer Endotheldysfunktion.
Die sog. Ischämiekaskade beschreibt die Sensitivität für den Nachweis einer Ischämie in Abhängigkeit von Belastungsdauer und -intensität. Der Ischämienachweis als myokardiale Perfusionsstörung gelingt bereits bei geringer Dauer und Intensität der Belastung. Mit zunehmender Erhöhung der Belastungsintensität und -dauer folgen Stoffwechselstörungen, Relaxationsstörungen, Kontraktilitätsstörungen, elektrokardiografische ST-Strecken-Veränderungen und letztlich das klinische Symptom der Angina pectoris.
Die myokardiale Perfusion wird in erster Linie von den Arteriolen über die Regelung des Gefäßwiderstands gesteuert. Der erhöhte Sauerstoffbedarf unter Belastung wird gedeckt durch ein erhöhtes Flussvolumen. Dies kann beim Gesunden durch die Reduktion des Gefäßwiderstands um den Faktor 5 gesteigert werden und wird als „koronare Flussreserve“ bezeichnet. Bei hämodynamisch bedeutsamen Koronarstenosen reagieren die Arteriolen bereits in Ruhe mit einer solchen Dilatation. So ist unter Belastung keine zusätzliche Steigerung des Flussvolumens möglich. Es besteht dann eine Sauerstoffschuld, die letztlich in einer Angina pectoris resultiert.
Die ischämischen Herzkrankheiten entsprechen einer Volkskrankheit. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 659 907 vollstationäre Fälle als ischämische Herzkrankheit nach dem Schlüssel ICD-10 klassifiziert. Dabei betrug das Verhältnis erkrankter Frauen zu Männern 1:2. Die chronische ischämische Herzkrankheit war 2013 in Deutschland mit 8,2% die häufigste Todesursache, gefolgt vom akuten Myokardinfarkt (5,8%), der Herzinsuffizienz (5,1%) und den malignen Neubildungen von Bronchien und Lunge (5,0%).
Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 897 939 Linksherzkatheteruntersuchungen durchgeführt. Nur in 377 763 Fällen erfolgte eine PCI, einem Anteil von 42% entsprechend. Insofern besteht der Bedarf an nicht invasiven und ambulanten Untersuchungsverfahren zur Vorselektion, um den invasiven und meist hospitalisierenden Linksherzkatheter weniger als Diagnostikum und mehr als Therapeutikum einsetzen zu können.
Als Leitsymptom der koronaren Ischämie gilt die Angina pectoris, ein retrosternales Engegefühl mit klassischerweise in den linken Arm ausstrahlenden Beschwerden. Die sog. instabile Angina pectoris kennzeichnet erstmals auftretende Beschwerden im Rahmen eines ACS, pektanginöse Beschwerden in Ruhe (Ruheangina) oder stetig zunehmende Beschwerden (Crescendo-Angina). Die sog. stabile Angina pectoris entspricht einer chronischen KHK mit rezidivierenden pektanginösen Beschwerden unter Belastung (Belastungsangina). Ihr Schweregrad wird nach der Klassifikation der CCS eingeteilt. Dyspnoe, Hypotonie, Tachykardie, Kaltschweißigkeit, Gesichtsblässe und Todesangst können als weitere klinische Zeichen auftreten. Nicht selten verläuft eine Myokardischämie stumm, insbesondere bei Diabetikern aufgrund der diabetischen Polyneuropathie.
Der therapeutische Ansatz beruht je nach Schweregrad auf 3 Strategien:
myokardiale Revaskularisation (interventionell als PTCA oder PCI oder chirurgisch als koronare Bypass-Operation)
medikamentöse Therapie zur Sekundärprophylaxe
Änderung des Lebensstils zur Reduktion der Risikofaktoren (z.B. Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion, Bewegungstherapie, Nikotinentwöhnung)
Ohne Therapie und kontinuierlich fortschreitend kann die Myokardischämie zu Herzrhythmusstörungen, zu Herzinsuffizienz und zu einem Myokardinfarkt führen. In diesen Fällen besteht eine sehr schlechte Prognose bis hin zu einem plötzlichen Herztod. Aufgabe von diagnostischen Verfahren muss es daher sein, die Erkrankung möglichst frühzeitig zu erkennen. So lässt sich eine myokardiale Revaskularisierung oder eine medikamentöse Prävention fortschreitender Stadien erwirken.
Die im klinischen Alltag etablierten bildgebenden, nicht invasiven Verfahren nutzen zum Ischämienachweis die Prinzipien einer linksventrikulären Wandbewegungsstörung oder einer myokardialen Perfusionsstörung.
Zur Analyse einer Kontraktilitätsstörung dienen entweder die Stressechokardiografie oder die Stress-MRT unter Verwendung des Katecholaminanalogons Dobutamin (pharmakologische Stressuntersuchung) oder alternativ bei der Stressechokardiografie unter körperlicher Anstrengung. Dobutamin wirkt positiv inotrop und chronotrop und bewirkt einen erhöhten Sauerstoffbedarf. Zuvor sollte eine 24-h-Karenz an Betablockern und Nitraten erfolgen. Als Kontraindikationen gelten eine schwergradige arterielle Hypertonie, eine instabile Angina pectoris, eine hochgradige Aortenklappenstenose, eine akute Perimyokarditis und das Glaukom. Die Untersuchungen sind so konzipiert, dass unter Steigerung der Dobutamindosis die regionale Wandbewegung als normokinetisch, hypokinetisch, akinetisch und dyskinetisch bewertet wird. Als Nebenwirkungen können Vorhofflimmern, ventrikuläre Tachykardie, AV-Block, Blutdruckentgleisung und Übelkeit auftreten. Die Stress-MRT stellt gegenüber der Stressechokardiografie das aufwendigere Verfahren dar. Sie bietet jedoch signifikante Vorteile bezüglich patientenabhängiger Kriterien (z.B. kein begrenztes Schallfenster) sowie hinsichtlich untersucherbezogener Aspekte (z.B. Interobserver-Variabilität).
Zur Analyse einer myokardialen Perfusionsstörung dienen entweder die Myokardszintigrafie oder die kontrastmittelverstärkte MRT-Myokardperfusion. Die Untersuchung erfolgt unter Ruhebedingungen und in einer Belastungssituation. Diese kann pharmakologisch mit einem Vasodilatator simuliert ( ▶ Abb. 1.1) oder alternativ bei der Myokardszintigrafie durch körperliche Anstrengung herbeigeführt werden. Die Untersuchung ist so konzipiert, dass anhand des Vergleichs von Ruhe- und Belastungsmessung regionale Perfusionsdefekte identifiziert werden können. Entscheidende Vorteile der MRT-Myokardperfusion gegenüber der Myokardszintigrafie sind die fehlende Strahlenexposition und eine höhere diagnostische Genauigkeit. Andererseits ist die Myokardszintigrafie das länger etablierte Verfahren mit einer demzufolge weitreichenderen Datenlage. Aufgrund der hohen Sensitivität der Perfusionsheterogenität in der Ischämiekaskade wird im Folgenden besonders auf die kontrastmittelverstärkte MRT-Myokardperfusion eingegangen.
Myokardischämie.
Abb. 1.1 MRT-Myokardperfusion: Kurzachsenschnitt, SSFP-Sequenz.
Abb. 1.1a Unter Ruhebedingungen homogene Kontrastmittelanflutung im linksventrikulären Myokard in der visuellen Auswertung.
Abb. 1.1b Unter medikamentöser Vasodilatation Signalminderung (Pfeil) durch unzureichende Kontrastmittelanflutung der linksventrikulären Hinterwand als Ischämienachweis in der visuellen Auswertung.
Obwohl die MRT-Myokardperfusion methodisch annähernd seit 2 Dekaden etabliert ist und weltweit in der Alltagsroutine angewandt wird, existieren unterschiedliche Konzepte in Bezug auf Sequenztechnik, Kontrastmittelgabe, Medikation und Auswertung. Standard aller Konzepte stellt die kontinuierliche Betrachtung des linksventrikulären Myokards in einer basalen, mittventrikulären und apikalen Kurzachsenschicht unter Kontrastmittelgabe und medikamentöser Vasodilatation dar. Die Sequenztechnik beruht auf der EKG-getriggerten T1w Bildgebung und sollte als minimale Voraussetzung 3 Kurzachsenschichten pro Herzschlag akquirieren, mit einer In-Plane-Auflösung von weniger als 3 mm. Je nach Konzept weisen die verschiedenen Sequenztypen unterschiedliche Vorzüge auf: SSFP-Sequenzen bieten eine höhere Signalintensität, Turbo-FLASH-Sequenzen zeigen häufig eine geringere Artefaktrate und EPI-Sequenzen ermöglichen eine höhere zeitliche Auflösung.
Die MR-Perfusion wird als First-Pass-Perfusion nach Applikation eines Gadoliniumbolus durchgeführt. Das Gadolinium wird in der Regel über eine antekubitale Vene appliziert. Die Dosis variiert je nach Analyseverfahren. In der Literatur haben sich folgende Dosierungsempfehlungen etabliert:
pro Messung 0,050 mmol/kg Körpergewicht Gadolinium für die visuelle sowie die semiquantitative Analyse der Myokardperfusion
pro Messung 0,025 mmol/kg Körpergewicht Gadolinium für die absolut-quantitative Analyse der Myokardperfusion
Verschiedene Analyseverfahren:
Visuelles Auswertungsverfahren: Hämodynamisch relevante Stenosen führen zu einer zeitverzögerten Kontrastmittelanflutung im territorialen Versorgungsgebiet unter Gabe eines Vasodilatators im Gegensatz zur Ruhemessung. Dies ist visuell als signalgemindertes Areal erkennbar.
Semiquantitatives Auswertungsverfahren: Betrachtet wird die Steigung der Signalintensität über die Zeit (sog. Up-Slope), möglichst mit Normierung der linksventrikulären Füllung (sog. Arterial-Input-Function). Dazu werden entweder die Signalintensität-Zeit-Kurven der unterschiedlichen Myokardregionen (meist in Anlehnung an das AHA-Segmentmodell; ▶ Abb. 1.2) oder Parameterkarten mit Voxel-zu-Voxel-Analyse der Messung unter medikamentöser Vasodilatation und unter Ruhebedingungen analysiert ( ▶ Abb. 1.3).
Absolut-quantitatives Auswertungsverfahren: Als Resultat soll die Myokardperfusion in ml/(g·min) angegeben werden und es bedarf komplexer mathematischer Algorithmen. Im Gegensatz zu den beiden ersten Auswerteverfahren existiert dazu jedoch derzeit noch keine kommerzielle Software. Deshalb wird dieses Verfahren bis heute nicht in der klinischen Routine, sondern vielmehr im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen angewandt.
Myokardischämie.
Abb. 1.2 Darstellung von Signal-Zeit-Kurven des linksventrikulären Myokards einer Kurzachsenschicht, aufgeteilt in 6 Sektoren.
Abb. 1.2a Unter Ruhebedingungen homogener Kurvenanstieg aller Myokardareale in der semiquantitativen Auswertung.
Abb. 1.2b Unter medikamentöser Vasodilatation reduzierter Kurvenanstieg der Sektoren 4 und 5 als Ischämienachweis in der semiquantitativen Auswertung.
Myokardischämie.
Abb. 1.3 MRT-Myokardperfusion: Parameterkarte, Kurzachsenschnitt.
Abb. 1.3a Unter Ruhebedingungen homogene Kontrastmittelanflutung im linksventrikulären Myokard in der semiquantitativen Auswertung.
Abb. 1.3b Unter medikamentöser Vasodilatation fokales Ischämieareal (dunkelrot, Pfeil) der linksventrikulären Hinterwand in der semiquantitativen Auswertung.
Die Detektion von Perfusionsheterogenitäten des linksventrikulären Myokards beruht bei der MR-Perfusion auf der medikamentösen Vasodilatation der myokardialen Widerstandsgefäße. Myokardareale, die einer hämodynamisch bedeutsamen Koronarstenose nachgeschaltet sind, weisen bereits in Ruhe eine Vasodilatation auf. Deshalb ist unter medikamentöser Vasodilatation eine zusätzliche Steigerung der Durchblutung und damit der Gadoliniumanflutung nicht möglich. Die Vasodilatation wird erwirkt durch die intravenöse Gabe von Adenosin (A1- und A2a&b-, A3-Rezeptor-Agonist) oder Regadenoson (selektiver A2a-Agonist). Zuvor sollte mindestens eine 12-h-Karenz von Methylxanthinen (z.B. Koffein und Theophyllin) erfolgen. Als Antidot wirkt Aminophyllin (50–250 mg intravenös; 100 mg/min). Kontraindikationen:
AV-Blockierungen der Grade II–III
Hypotonie (weniger als 90 mmHg)
therapiebedürftiges Asthma bronchiale (nur bei Adenosin)
Sinusbradykardie (nur bei Adenosin)
dekompensierte Herzinsuffizienz (nur bei Regadenoson)
Schwindel, Kopfschmerzen, passagere AV-Blockierung, Hypotonie, Tachykardie und Bronchospasmus (Adenosin) sind als Nebenwirkungen bekannt, die insgesamt bei Regadenoson als selektivem A2a-Agonisten geringer ausfallen.
Die Myokardperfusionsanalyse erfolgt oftmals in Kombination mit einer linksventrikulären Volumetrie (Cine-Darstellungen) und einer Analyse der Myokardvitalität (sog. LGE).
Bildgebung
Analyse von myokardialen Perfusionsstörungen
MRT-Myokardperfusion:
Analyse der myokardialen Kontrastmittelanflutung (First-Pass-Bildgebung); Detektion regionaler Perfusionsdefekte unter Belastung gegenüber dem Ruhezustand
Belastung durch medikamentöse Vasodilatation mittels Adenosin als intravenöse Infusion mit 140 µg/(kg·min) über 3–6 min oder mittels Regadenoson als intravenöse Einmaldosis von 0,4 mg
Myokardszintigrafie:
Analyse der myokardialen Anreicherung eines radioaktiv markierten Tracer (99mTc) über die Zeit (Akkumulationsbildgebung); Detektion regionaler Minderbelegungen unter Belastung gegenüber dem Ruhezustand
körperliche Anstrengung (Fahrradfahren) oder pharmakologische Wirkstoffe (Vasodilatation durch Adenosin oder Regadenoson) als Stressoren
Analyse von regionalen Wandbewegungsstörungen
Stress-MRT:
Detektion regionaler Wandbewegungsstörungen unter kontinuierlicher Erhöhung des myokardialen Sauerstoffbedarfs
Stress pharmakologisch verursacht (Dobutamin):
intravenös fraktionierte Steigerung nach je 3 min auf 10, 20, 30 und 40 µg/(kg·min) bis zum Erreichen der maximalen Herzfrequenz (220 - Alter · 0,85) oder Blutdruckerhöhung (maximal 240/120 mmHg)
alternativ Niedrigdosisprogramm mit 5 und 10 µg/(kg·min); Beendigung der Untersuchung mittels intravenöser Atropingabe (maximale Dosis: 2 mg, Steigerung in 0,25-mg-Schritten)
Stressechokardiografie:
Detektion regionaler Wandbewegungsstörungen unter kontinuierlicher Erhöhung des myokardialen Sauerstoffbedarfs
Stressoren in Form körperlicher Anstrengung (Fahrradfahren) oder pharmakologisch (Dobutamin)
Die wichtigste Differenzialdiagnose der Ischämie in Bezug auf die MRT-Myokardperfusion ist die Kenntnis der Möglichkeiten von Fehlinterpretationen. Insbesondere für das rein visuelle Analyseverfahren hat sich gezeigt, dass die Standardisierung eines festen Untersuchungsprotokolls und die damit verbundene subjektive Erfahrung des Betrachters einen hohen Stellenwert besitzen. Beispielsweise dürfen signalgeminderte, subendokardiale Zonen (sog. Dark Rim Artifacts), die nicht nur in der Belastungsmessung, sondern auch in der Ruhemessung auftreten, nicht als Ischämiezonen fehlinterpretiert werden. Sie entsprechen nämlich Suszeptibilitätseffekten zwischen Myokard und Herzhöhle ( ▶ Abb. 1.4). Zonen, die während der gesamten Messung kein Kontrastmittel aufnehmen, stellen meist Myokardinfarkte mit Obstruktion der Arteriolen dar (sog. Microvascular Obstruction, No Reflow myocardial Infarction; ▶ Abb. 1.5). Die MRT-Perfusion weist methodische Schwierigkeiten bei der balancierten 3-Gefäß-KHK auf. Regionale Perfusionsheterogenitäten können dabei nicht zuverlässig differenziert werden. Ein Ischämienachweis kann somit der visuellen Analyse entgehen.
Differenzialdiagnose: Suszeptibilitätsartefakt.
Abb. 1.4 MRT-Myokardperfusion: Kurzachsenschnitt, SSFP-Sequenz.
Abb. 1.4a Unter Ruhebedingungen annähernd zirkuläre lineare Signalaussparungen zwischen linksventrikulärem Myokard und linker Herzhöhle (Pfeile).
Abb. 1.4b Unter medikamentöser Vasodilatation Signalminderung (Pfeil). Diese entspricht nicht einem Ischämienachweis, sondern in Zusammenschau mit der Ruhemessung (s. a) einem Suszeptibilitätsartefakt.
Differenzialdiagnose: Myokardinfarkt.
Abb. 1.5
Abb. 1.5a MRT-Myokardperfusion: Kurzachsenschnitt, SSFP-Sequenz. Die Signalminderung (Pfeil) entspricht nicht einem klassischen Ischämienachweis, sondern in Zusammenschau mit der Vitalitätsbestimmung (s. b) einer mikrovaskulären Obstruktion bei Hinterwandinfarkt.
Abb. 1.5b MRT-Vitalitätsanalyse desselben Patienten: Kurzachsenschnitt, gleiche Lokalisation. Die signalreiche myokardiale Zone an der inferoseptalen Zirkumferenz (Pfeil) repräsentiert einen Myokardinfarkt mit einer signalfreien, subendokardialen Zone einer mikrovaskulären Obstruktion (gestrichelter Pfeil).
Dem Betrachter muss darüber hinaus bewusst sein, dass die nicht invasiven bildgebenden Methoden zur Ischämiediagnostik zwar hämodynamisch bedeutsame Koronarstenosen, nicht aber eine KHK als solche ausschließen können. Es sollte daher bei der Erstdiagnostik einer KHK klinisch abgewogen werden, ob bereits der Nachweis von gering- bis mittelgradigen Koronarstenosen für den Patienten Implikationen für eine medikamentöse Therapie oder Prophylaxe haben könnte.
Sämtliche Mikrozirkulationsstörungen können in der MRT-Perfusionsanalyse Ischämieareale aufweisen, ohne dass hämodynamisch bedeutsame Stenosen der Makrozirkulation (der epikardialen Koronargefäße) in der sich in der Regel anschließenden ICA nachgewiesen werden könnten. Solche Fälle bedürfen der interdisziplinären Diskussion und sollten nicht als falsch-positive Ergebnisse der MRT-Perfusion deklariert werden. Eine Unterform der Mikrozirkulationsstörung wird als „Syndrom X“ bezeichnet: Aufgrund einer Endotheldysfunktion der koronaren Endstrombahn bestehen die klinischen Symptome einer KHK und ein positiver Ischämietest in der Ergometrie deutet auf eine Ischämie hin. Hingegen bieten Modalitäten zur Beurteilung der Makrozirkulation wie beispielsweise die ICA einen unauffälligen Befund.
Auch HCM können trotz unauffälliger Makrozirkulation Perfusionsheterogenitäten aufweisen. In diesen Fällen besteht eine relative Ischämie zwischen vermehrtem Herzmuskelgewebe und normalem Sauerstoffangebot.
Differenzialdiagnosen
artifizielle Bildstörungen (z.B. „dark rim artifacts“)
Perfusionsdefekte durch mikrovaskuläre Obstruktion nach Myokardinfarkt
Differenzierung Makro- versus Mikrozirkulationsstörungen
Syndrom X
relative Ischämie bei hypertropher Kardiomyopathie.
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Armin Huber
(in der Humanmedizin gebräuchliche Abk.: HI [Herzinfarkt], MI [Myocardial Infarction] oder AMI [Acute Myocardial Infarction])
Kernaussagen
Ursache eines Myokardinfarkts ist eine anhaltende Minderdurchblutung des Herzmuskels, die zum Untergang von Herzmuskelzellen führt. Die Diagnose wird im Akutstadium nicht mithilfe aufwendiger bildgebender Verfahren gestellt, sondern durch den Nachweis von typischen EKG-Veränderungen und biochemischen Markern. Im Akutstadium werden meist nur schnell verfügbare bildgebende Verfahren wie die konventionelle Röntgenaufnahme des Thorax und die Echokardiografie eingesetzt. Erst im subakuten Stadium gewinnen bildgebende Verfahren wie die Myokardszintigrafie oder die MRT an Bedeutung.
Der Myokardinfarkt oder Herzinfarkt ist ein akutes und lebensbedrohliches Ereignis infolge einer Erkrankung des Herzens. Führendes Symptom des Herzinfarkts ist ein plötzlich auftretender, anhaltender und meist starker Brustschmerz, der typischerweise linksseitig in die Schultern, die Arme, den Unterkiefer, den Rücken und den Oberbauch ausstrahlen kann. Er wird oft von Schweißausbrüchen und/oder Kaltschweißigkeit, Übelkeit und evtl. Erbrechen begleitet. Von etwa ¼ aller Patienten mit akutem Herzinfarkt werden nur geringe oder keine Beschwerden berichtet. Dann liegt ein sog. stummer Herzinfarkt vor. In der Akutphase eines Herzinfarkts treten häufig lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auf. Auch kleinere Infarkte können durch das Auftreten von Kammerflimmern zum plötzlichen Herztod führen. Etwa ⅓ aller Todesfälle beim Herzinfarkt tritt vor jeder ärztlichen Behandlung ein.
Der Mehrzahl der Herzinfarkte liegt eine (stenosierende) KHK zugrunde. Fast immer ist eine plötzliche Minderdurchblutung in einem Herzkranzgefäß ursächlich. Diese ist auf eine arteriosklerotische Gefäßveränderung mit zusätzlicher Bildung eines intrakoronaren Thrombus (sog. Koronarthrombose) zurückzuführen. Sie kann von einer krampfartigen Gefäßverengung (Koronarspasmus) begleitet sein. Das sich daraus entwickelnde Krankheitsbild hängt von der Dauer, der Lokalisation und dem Ausmaß der Durchblutungsstörung des Herzmuskels ab. Bei einem STEMI zeigt sich im akuten Stadium bei über 90% der Patienten eine von einem Thrombus verschlossene Koronararterie. Bei einem NSTEMI sind hingegen nur in der Hälfte der Fälle Thromben in den Koronargefäßen nachweisbar. Etwa 70% der STEMI entstehen durch die Ruptur einer „vulnerablen“ Plaque, also durch den Einriss der dünnen fibrösen Kappe einer entzündlich veränderten, lipidreichen Gefäßwandveränderung. Etwa 75% der Infarkte entstehen an nur leicht oder mittelgradig veränderten Abschnitten der Herzkranzgefäße, ohne dass dort höhergradige flussrelevante Einengungen des Gefäßes vorlägen. Äußerst selten ist ein Herzinfarkt infolge einer anderen Erkrankung. Infrage kommen Verschlüsse der Herzkranzgefäße aufgrund anderer Ursachen wie langanhaltender „Verkrampfungen“ (Spasmen) bei Prinzmetal-Angina oder Embolien. Auch Einrisse der Gefäßinnenwand (Intima) bei einer Aortendissektion können zum Verschluss eines Kranzgefäßes und damit zum Herzinfarkt führen.
Wenn seine Blutzufuhr komplett unterbrochen ist, fängt der Herzmuskel nach 15–30 min an abzusterben. Dieser Vorgang der Infarzierung beginnt in den Innenschichten (Endokard), die der Herzkammer zugewandt sind, und setzt sich zeitabhängig und abhängig vom jeweiligen Ausmaß der Durchblutungsstörung nach außen fort. Ursächlich für dieses Phänomen ist die Richtung der Blutversorgung des Myokards aufgrund der epikardial verlaufenden Koronararterien. Die Innenschicht ist dabei als die „letzte Wiese“ anzusehen.
Der Herzinfarkt gehört zu den führenden Todesursachen in den Industrienationen in Nordamerika und Europa. Die Inzidenz beträgt in Deutschland ca. 300 Infarkte jährlich pro 100 000 Einwohnern. In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 280 000 Menschen einen Herzinfarkt. Laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts starben in Deutschland im Jahr 2011 über 52 000 Menschen infolge eines akuten Herzinfarkts. Somit lag der akute Herzinfarkt 2011 an 2. Stelle der Todesursachen in Deutschland. Sowohl die absolute Anzahl der Sterbefälle infolge eines Herzinfarkts als auch die relative Häufigkeit sind in Deutschland seit Jahren leicht, aber stetig rückläufig.
Die Befunde der körperlichen Untersuchung sind variabel: Sie reichen vom Normalbefund eines unbeeinträchtigten Patienten bis hin zum bewusstlosen Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Eindeutige klinische Zeichen des Herzinfarkts gibt es nicht, typisch aber ist der Gesamteindruck eines schmerzgeplagten Patienten mit Blässe, ängstlich wirkendem Gesichtsausdruck, Erbrechen und Schweißneigung.
Andere Befunde weisen bereits auf eingetretene Komplikationen hin. Dazu gehören Veränderungen des Pulsschlags, die sich in einer Pulsunregelmäßigkeit oder -beschleunigung äußern können. Neben den normalerweise 2 vorhandenen Herztönen kann ein 3. Herzton auftreten. Es können Rasselgeräusche über der Lunge oder eine Halsvenenstauung als Ausdruck der reduzierten Pumpleistung beobachtet werden. Des Weiteren kann es zum Kollaps, zur Bewusstlosigkeit und schließlich zum Herz-Kreislauf-Stillstand kommen, die durch schwerwiegende Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern, ventrikuläre Tachykardien oder Asystolien verursacht sein können.
Das wichtigste Untersuchungsverfahren bei Infarktverdacht ist das EKG. Im Akutstadium treten dabei gelegentlich Überhöhungen der T-Wellen und häufig Veränderungen der ST-Strecke auf. Dabei weisen ST-Strecken-Hebungen auf den kompletten Verschluss eines Herzkranzgefäßes hin. Im weiteren Verlauf kommt es nach etwa einem Tag oft zu einer sog. Negativierung (Ausschlag unterhalb der sog. Nulllinie) von T-Wellen. Veränderungen des QRS-Komplexes weisen in dieser Phase auf einen transmuralen Infarkt hin, einen Gewebsuntergang, der alle Wandschichten des Herzmuskels betrifft. Auch für die Erkennung und Beurteilung von Herzrhythmusstörungen als häufige Komplikationen eines Infarkts ist das EKG von entscheidender Bedeutung. Daher ist in der Akutphase eine kontinuierliche EKG-Überwachung notwendig.
Als sog. Biomarker werden Enzyme und andere Eiweiße bezeichnet, die von absterbenden Herzmuskelzellen freigesetzt werden. Sie sind im Blut nach einem Herzinfarkt in erhöhter Konzentration messbar. Die klassischen Biomarker sind die Kreatinkinase, deren Isoenzym CK-MB, die Aspartataminotransferase und die Laktatdehydrogenase. Hinzugekommen sind in letzter Zeit das Myoglobin und das Troponin (Troponin T und Troponin I). Die Messung der Blutkonzentrationen dieser Biomarker wird meist in regelmäßigen Abständen wiederholt. Ihr Anstieg, ihr höchster Wert und der Abfall der Konzentration erlauben nämlich Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des Infarktbeginns, die Größe des Herzinfarkts und den Erfolg der Therapie.
Die ersten beiden Stunden nach Eintritt eines Herzinfarkts sind zumindest bei einem STEMI für den weiteren Verlauf und die Überlebenschance des Patienten von entscheidender Bedeutung. Dies hat seinen Grund darin, dass die Mehrzahl der Todesfälle in dieser Zeit in der Regel durch Kammerflimmern verursacht wird und die während dieser Zeit eingeleitete Reperfusionstherapie die Prognose maßgeblich beeinflusst. Die Akutsterblichkeit jener Patienten, die im Krankenhaus aufgenommen werden, beträgt heute nach verschiedenen Untersuchungen zwischen weniger als 10 und knapp 12%. Jedoch stirbt fast ⅓ aller Patienten vor Aufnahme in eine Klinik, sodass die 1-Jahres-Sterblichkeit aller Infarktpatienten in den letzten 30 Jahren nahezu unverändert bei etwa 50% verblieben ist. Die Sterblichkeit im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt wird vom Alter des Patienten stark beeinflusst: Ältere Patienten haben eine höhere Sterblichkeit als jüngere Patienten. Insgesamt ist die Rate an Sterbefällen nach Herzinfarkten jedoch stark abgesunken. So haben sich die Herzinfarktsterbefälle seit 1980 in Europa halbiert.
Als bildgebendes Verfahren steht zunächst die Röntgenthoraxuntersuchung zur Abschätzung der Herzgröße insgesamt, der Größe der Herzhöhlen und der pulmonalvenösen Stauungszeichen sowie zum Nachweis eines Pleuraergusses zur Verfügung. Mit der Echokardiografie ist es möglich, die Ventrikel- und die Klappenfunktion sehr genau zu beurteilen und ggf. einen Perikarderguss nachzuweisen. Für die morphologische Darstellung der Koronararterien gilt die invasive Herzkatheteruntersuchung mit der Möglichkeit der interventionellen Revaskularisation nach wie vor als das genaueste Verfahren.
Die MRT-Untersuchung erreicht die diagnostische Genauigkeit der Herzkatheteruntersuchung bei der Darstellung der Koronararterien bei Weitem nicht. Jedoch gilt die MRT als führendes und genauestes Verfahren, um die ventrikuläre Funktion quantitativ und das Myokard hinsichtlich globaler Funktion, regionaler Wandbewegung, hinsichtlich Perfusion in Ruhe und unter Adenosinstress und hinsichtlich der Myokardvitalität genau zu untersuchen. Die MRT-gestützte Perfusionsuntersuchung erweist sich dabei als genauer als das nuklearmedizinische Verfahren der Myokardszintigrafie in SPECT-Technik. Die räumliche Auflösung der MRT-gestützten Myokardvitalitätsuntersuchung ist der PET-Untersuchung deutlich überlegen. Darum können mit ihr ein nicht transmuraler von einem transmuralen Myokardinfarkt genau unterschieden und sogar das Ausmaß der Transmuralität quantitativ bestimmt werden. Die MRT bietet die Möglichkeit, die späte Kontrastmittelaufnahme im Myokard (LGE) zu bestimmen, die es erlaubt, das infarzierte Myokard sehr genau mit hoher örtlicher Auflösung darzustellen. Darüber hinaus ist es auch möglich, das durch den Myokardinfarkt verursachte Ödem im MRT darzustellen ( ▶ Abb. 1.6). Seit einigen Jahren werden darüber hinaus in wissenschaftlichen Studien Veränderungen der T1- und T2-Relaxationszeiten mithilfe sog. Mapping-Techniken direkt quantifiziert. Damit können visuell nicht erfassbare Veränderungen direkt bildmorphologisch dargestellt werden ( ▶ Abb. 1.7).
Akuter Myokardinfarkt.
Abb. 1.6
Abb. 1.6a Ödem inferior in einer mittpapillären Schicht mit transmuraler Ausdehnung. Kurzachse.
Abb. 1.6b LGE in gleicher Lokalisation in einer Schicht in der Orientierung der kurzen Achse.
Abb. 1.6c LGE in gleicher Lokalisation in einer Schicht in Orientierung des 2-Kammer-Blicks.
Akuter Myokardinfarkt.
Abb. 1.7 MRT-Bilder (Colour-Maps), berechnet aus mehreren MRT-Bildern zur Quantifizierung der T1-Zeit.
Abb. 1.7a Deutlich verkürzte T1-Zeit in schwarzer Farbe 15 min nach Kontrastmittelgabe als Ausdruck pathologischer Kontrastmittelaufnahme.
Abb. 1.7b Verlängerte T1-Zeit in blaugrüner Farbe vor Kontrastmittelgabe, verursacht durch ein Ödem in gleicher Lokalisation in einer Schicht in der Orientierung der kurzen Achse.
Als „Myocardial Salvage“ bezeichnet man die Differenz des Areals, das bei initialem Auftreten eines Myokardinfarkts als gefährdet und in der Bildgebung pathologisch verändert erscheint, und des Bereichs des letztlich tatsächlich untergegangenen Myokards, das nicht mehr vital ist. Traditionell ließ sich dieses Areal in der sehr frühen Phase, unmittelbar nach Auftreten des Myokardinfarkts, nur in den ersten Stunden mithilfe der Myokardszintigrafie darstellen. In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass sich nicht nur der Myokardinfarkt selbst auf späten Aufnahmen nach Kontrastmittelgabe im MRT (LGE) darstellen lässt, sondern auch das gefährdete, aber noch vitale Areal (Area at Risk) dargestellt werden kann.
Während in der Myokardszintigrafie, heute meist als 99mTc-Sestamibi-SPECT durchgeführt, der Tracer in den Zellen aufgenommen wird und sich in den Mitochondrien anreichert, wird in T2w MRT-Aufnahmen das Ödem im Myokard dargestellt. Es entsteht aufgrund eines gestörten zellulären Metabolismus, der ein Elektrolytungleichgewicht verursacht und Wasser aus der Proteinbindung freisetzt, sowie einer gestörten Endothelfunktion. Letztlich resultiert daraus eine reversible zelluläre Schwellung. Bei akutem Myokardinfarkt kann die Ausdehnung des Myocardial Salvage im MRT etwas unterschätzt werden, da sich das Ödem noch nicht vollständig entwickelt hat. Insgesamt stimmen die Ergebnisse beider Methoden aber sehr gut überein. Die MRT bietet den Vorteil, dass sich das Areal des Myocardial Salvage im MRT mit T2w Aufnahmen über Wochen nachweisen lässt. Hingegen besitzt die Myokardszintigrafie bei dieser Fragestellung nur in den ersten 8 h eine entsprechende Aussagekraft.
Bildgebung
Röntgen:
orientierende Beurteilung der Herzgröße und der Herzhöhlen
pulmonalvenöse Stauungszeichen bei Linksherzinsuffizienz
Pleuraerguss
Echokardiografie:
Beurteilung der ventrikulären Funktion, insbesondere linksventrikulär
Beurteilung der Klappenfunktion, insbesondere AV-Klappen-Insuffizienz
invasive Herzkatheteruntersuchung:
morphologische Darstellung der Koronararterien
endovaskuläre Behandlung von Stenosen und Verschlüssen
SPECT (klinische Indikation erst im subakuten Stadium):
Differenzierung belastungsinduzierte Ischämie versus persistierender Perfusionsdefekt
Myocardial Salvage
MRT (klinische Indikation erst im subakuten Stadium):
Differenzierung belastungsinduzierte Ischämie versus persistierender Perfusionsdefekt
Myocardial Salvage
detaillierte Beurteilung der transmuralen Ausdehnung des Myokardinfarkts
PET (klinische Indikation erst im subakuten Stadium):
FDG-PET: Vitalität
82Rb- oder 13N-Ammonia-PET: Perfusion (Einsatz meist unter wissenschaftlichen Bedingungen)
In der Akutsituation kommt aus klinischer Sicht häufig eine Reihe von Differenzialdiagnosen infrage. Dazu gehören Krankheitsbilder wie eine Lungenembolie, Aortendissektion oder Ruptur, ein Lungenödem anderer Ursache, eine Stresskardiomyopathie, eine Erkrankung des Gastrointestinaltrakts wie das Roemheld-Syndrom, eine psychische Erkrankung wie die sog. Herzneurose oder auch eine Gallenkolik. Heute wird der Begriff des „Myokardinfarkts“ bis zu seinem definitiven Nachweis meist vermieden. Stattdessen wird vom „ACS“ gesprochen, um der häufigen diagnostischen Unsicherheit in den ersten Stunden Ausdruck zu verleihen.
Klinische Differenzialdiagnosen
Lungenembolie
Aortendissektion oder -ruptur
Roemheld-Syndrom
psychische Erkrankungen
Gallenkolik
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Armin Huber
(in der Humanmedizin gebräuchliche Abk.: HI [Herzinfarkt] oder MI [Myocardial Infarction])
Kernaussagen
Der chronische Myokardinfarkt wird durch eine länger zurückliegende, ehemals anhaltende Minderdurchblutung des Herzmuskels verursacht. Diese hat zum Untergang von Herzmuskelzellen geführt. Im chronischen Stadium gewinnen elektiv verfügbare, bildgebende Verfahren wie die SPECT- und die MRT-Untersuchung an Bedeutung. Infarkt und minderperfundiertes, jedoch noch vitales Myokard können zuverlässig differenziert werden, ebenso nicht transmurale und transmurale Myokardinfarkte.
Unter dem „chronischen Myokard- oder Herzinfarkt“ versteht man die verbleibende Narbe und Funktionseinschränkung des Myokards frühestens 8–12 Wochen oder 2–3 Monate nach Auftreten eines akuten Myokardinfarkts. Zu differenzieren ist der chronische, alte Myokardinfarkt von der chronischen KHK, bei der die chronische myokardiale Ischämie und die Spätfolgen eines Myokardinfarkts zusammengefasst werden. Die chronische Ischämie zeichnet sich durch eine wiederkehrende Schmerzsymptomatik aus, die mit einer Einschränkung der linksventrikulären Funktion einhergehen kann. Ist die linksventrikuläre Funktion stark eingeschränkt, können Zeichen der Herzinsuffizienz auftreten. Wesentliches Kennzeichen des chronischen Infarkts ist die Ausbildung einer Narbe mit entsprechender Fibrose nach vollständiger Nekrose des Myokards mit Einlagerung von Kollagenfasern und dem Verlust der Fähigkeit zur Kontraktion.
In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass die Langzeitprognose nach Myokardinfarkt sehr unterschiedlich ist; eine Risikostratifizierung ist möglich. Es gibt Patientengruppen mit hohem Risiko und einer jährlichen Mortalität von über 50% und solche mit niedrigem Risiko mit einer nur 2%igen Mortalität pro Jahr. Ist der akute Myokardinfarkt mit seinen möglichen Komplikationen überlebt worden, dann hängt die Langzeitprognose des Patienten im Wesentlichen von 3 Faktoren ab: Das Ausmaß des linksventrikulären Schadens und das pathologische Remodeling mit seinen Auswirkungen auf die systolische und diastolische Funktion haben einen wesentlichen Einfluss. Die elektrische Stabilität, d.h. das Auftreten von ventrikulären Extrasystolen, ventrikulären Tachykardien und ggf. Kammerflimmern spielt ebenfalls eine bedeutsame Rolle. Natürlich haben auch das Ausmaß und die Progression der Koronarsklerose mit der Gefahr einer erneuten Myokardischämie einen relevanten Einfluss auf das klinische Outcome des Patienten.
Für alle Postinfarktgruppen gilt, dass die Korrektur von Risikofaktoren und ein gesunder Lebensstil im Vordergrund stehen sollten. Bei manifester und fortgeschrittener Erkrankung muss alles getan werden, um ein weiteres Fortschreiten der Grunderkrankung und das Auftreten damit verbundener weiterer Komplikationen zu verhindern. Das gilt auch für diejenigen Patienten der verschiedenen Untergruppen, die einer PTCA oder einer Bypass-Operation zugeführt wurden. Korrektur der Risikofaktoren, medikamentöse Langzeittherapie und interventionelle Maßnahmen wie PTCA und Bypass-Chirurgie sollten innerhalb eines langfristigen Therapiekonzepts aufeinander abgestimmt sein.
Wie beim akuten Myokardinfarkt steht die Röntgenthoraxuntersuchung auch beim chronischen Myokardinfarkt zur Beurteilung der Herzgröße sowie der pulmonalvenösen Stauungszeichen und zum Nachweis eines Pleuraergusses im Vordergrund. Für die Funktionsuntersuchung wird meist die Echokardiografie als breit verfügbares bildgebendes Verfahren bei Infarktpatienten eingesetzt.
Die MRT erlaubt mittels zusätzlicher Perfusionsuntersuchungen unter medikamentösem Stress sowie in Ruhe, einen chronischen, alten Myokardinfarkt direkt anhand des LGE darzustellen ( ▶ Abb. 1.8, ▶ Abb. 1.9, ▶ Abb. 1.10 u. ▶ Abb. 1.11). Beim lange zurückliegenden Myokardinfarkt ist allerdings im Gegensatz zum akuten Myokardinfarkt kein Ödem mehr nachweisbar.
Chronischer Myokardinfarkt.
Abb. 1.8 Die MRT-Bilder zeigen einen überwiegend subendokardial lokalisierten Myokardinfarkt (lange Pfeile) mit pathologischer Kontrastmittelaufnahme, der in seinem Zentrum ein kleines Areal mit transmuraler Kontrastmittelaufnahme aufweist (Pfeilspitzen). In der Vorderwand ist ein kleines fleckförmiges Infarktareal (nicht transmural) zu erkennen (kurze Pfeile).
Abb. 1.8a MRT: 15 min nach Kontrastmittelgabe, 3-D-PSIR-Sequenz. Kurzachsenschnitt mittventrikulär.
Abb. 1.8b MRT: 15 min nach Kontrastmittelgabe, segmentierte IR-GE-Sequenz. Kurzachsenschnitt basal.
Chronischer Myokardinfarkt.
Abb. 1.9 Die MRT-Bilder eines 62-jährigen Patienten, aufgenommen 15 min nach Kontrastmittelgabe mit einer 2-D-PSIR-Sequenz.
Abb. 1.9a Es zeigt sich ein überwiegend transmuraler Myokardinfarkt im Septum und an der Herzspitze mit vermehrter Kontrastmittelaufnahme (langer Pfeil).
Abb. 1.9b Das Myokard ist an der Herzspitze stark ausgedünnt. Benachbart im Ventrikel lässt sich hypointens thrombotisches Material nachweisen (kurzer Pfeil).
Chronischer Myokardinfarkt.
Abb. 1.10 Die MRT-Bilder eines 57-jährigen Patienten zeigen eine stark ausgedünnte Wand (a, Pfeil) bei altem, transmuralem Infarkt in der Vorderwand und im Septum ohne Kontraktilität, aber mit pathologischer Kontrastmittelaufnahme (b, Pfeil).
Abb. 1.10a MRT: Cine-Sequenz ohne Kontrastmittel.
Abb. 1.10b MRT: segmentierte IR-GE-Sequenz 15 min nach Kontrastmittelgabe.
Chronischer Myokardinfarkt.
Abb. 1.11 Die MRT-Bilder eines 73-jährigen Patienten zeigen eine stark ausgedünnte Wand bei altem, transmuralem Infarkt in der Vorderwand und in der Herzspitze ohne Kontraktilität bei überwiegend transmuralem Myokardinfarkt. Es lassen sich 2 kugelige Thromben im linken Ventrikel in der Herzspitze (b, Pfeile) als Komplikation des Myokardinfarkts nachweisen, die keinerlei Perfusion besitzen und so von einem kardialen Tumor zu unterscheiden sind.
Abb. 1.11a MRT: Cine-Sequenz ohne Kontrastmittel.
Das am längsten etablierte bildgebende Verfahren, um einen alten Myokardinfarkt und einen Perfusionsdefekt zu differenzieren, ist die Myokardszintigrafie, die heute meist in SPECT-Technik durchgeführt wird. Wie im MRT ist es grundsätzlich möglich, vitales, aber minderperfundiertes Myokard zu identifizieren. Nachteil dieses nuklearmedizinischen Verfahrens ist allerdings die geringe räumliche Auflösung, die der der MRT deutlich unterlegen ist. Des Weiteren ist in großen Studien belegt, dass die diagnostische Genauigkeit der Perfusionsuntersuchung im SPECT der der MRT-gestützten Perfusionsuntersuchung ebenfalls unterlegen ist. Eine PET-Untersuchung kann im Rahmen der Vitalitätsuntersuchung eingesetzt werden, allerdings ist auch ihr räumliches Auflösungsvermögen der räumlichen Auflösung einer MRT-Untersuchung unterlegen.
Bildgebung
Röntgen:
Beurteilung der Herzgröße und der pulmonalvenösen Stauungszeichen
Nachweis eines Pleuraergusses
Echokardiografie:
Funktionsuntersuchung bei Infarktpatienten
MRT:
Darstellung eines alten Myokardinfarkts anhand des LGE mit zusätzlichen Perfusionsuntersuchungen
Szintigrafie:
Differenzierung eines alten Myokardinfarkts und eines Perfusionsdefekts
SPECT-Technik
PET (Vitalitätsuntersuchung)
Der akute Myokardinfarkt kann in der frühen Phase entweder nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Bei ihm kommen zunächst andere klinische Differenzialdiagnosen infrage. Dagegen ist beim chronischen Myokardinfarkt die Diagnose bereits gesichert, wenn er nicht klinisch stumm verläuft. Allerdings werden in der Bildgebung, speziell in der MRT, in bis zu 20% der Fälle klinisch stumme, alte Myokardinfarkte beobachtet.
Hatte der Patient keine typischen EKG-Veränderungen und zeigten sich in der Anamnese keine klinischen Symptome eines Myokardinfarkts, sind andere kardiale Differenzialdiagnosen zu berücksichtigen, die ein positives LGE aufweisen. Dazu gehören u.a. folgende Erkrankungen:
Myokarditis
Sarkoidose
ARVC
Endomyokardfibrose
iatrogene Narben nach Biopsie
Ablation einer septalen Hypertrophie
Narben bei HCM oder DCM
Meistens lässt sich das für eine ischämische Genese typische Muster des LGE mit subendokardialer bis hin zu transmuraler Ausdehnung zuverlässig von nicht ischämisch bedingten Differenzialdiagnosen abgrenzen. In Einzelfällen kann aber eine zuverlässige bildmorphologische Differenzierung auch unmöglich sein.
Differenzialdiagnosen des LGE
Myokardinfarkt:
subendokardial: nur Innenschicht betroffen
transmural: gesamte Myokarddicke betroffen
Kardiomyopathien:
intramurale Fibrose (subepikardiales und subendokardiales Myokard oft nicht betroffen)
geringe bis kräftige Kontrastmittelaufnahme
Sarkoidose: fleckige, oft kräftige Kontrastmittelaufnahme
Myokarditis:
oft subepikardiale und ggf. auch perikardiale Ausdehnung
Kombination mit ödematösen Veränderungen typisch, aber nicht immer vorhanden
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Matthias Gutberlet
Kernaussagen
Die ischämische Kardiomyopathie entsteht in der Regel auf dem Boden einer stenosierenden KHK und ist eine der häufigsten Ursachen für eine Herzinsuffizienz. Eine chronische Ischämie führt zu fibrotischen Myokardveränderungen und im Rahmen eines Infarktgeschehens zu myokardialem Zelluntergang mit Narbenbildung im Rahmen eines sog. Remodeling. Das am meisten herausstechende bildmorphologische Merkmal ist meist die linksventrikuläre Vergrößerung ( ▶ Abb. 1.12), es kann aber auch der rechte Ventrikel mit betroffen sein.
Ischämische Kardiomyopathie ohne höhergradige Mitralklappeninsuffizienz.
Abb. 1.12 Der linke Ventrikel ist in der p.–a. Projektion deutlich vergrößert (a). Auch der rechte Ventrikel imponiert deutlich vergrößert und wird rechts randbildend. Dies zeigt sich auch in der lateralen Projektion (b) mit Ösophagusbreischluck. Der Ösophagus stellt sich bei normaler Größe des linken Vorhofs ohne Verlagerung dar.
Abb. 1.12a Röntgenthorax: p.–a. Projektion.
Abb. 1.12b Röntgenthorax: laterale Projektion mit Ösophagusbreischluck.
Kardiomyopathien sind Erkrankungen des Myokards, die mit einer Dysfunktion einhergehen und deren Ursachen üblicherweise unbekannt sind. Die Ursache der kardialen Dysfunktion bei der ischämischen Kardiomyopathie ist zwar bekannt, das Ausmaß der Einschränkung der Pumpfunktion lässt sich aber häufig nicht alleine durch das Ausmaß der Ischämie erklären. Sie stellt somit oft eine Form der Herzinsuffizienz mit Minderdurchblutung des Myokards und konsekutivem Gewebsuntergang dar und somit eine Unterform der chronisch-ischämischen Herzkrankheit. Dabei wird funktionelles Myokard durch Bindegewebe ersetzt, was zu einer Dilatation des betroffenen Ventrikels und einer weiteren Funktionseinschränkung führt.
Die myokardiale Funktionsstörung bei der ischämischen Kardiomyopathie kann sowohl die Systole als auch die Diastole betreffen. Eine rein systolische Funktionsstörung ist sehr selten. Aufgrund der chronischen Ischämie mit Fibrosierung und sog. Remodeling des Myokards kommt es zu einer verminderten Dehnbarkeit (verminderter Compliance) mit erhöhter Steifigkeit und konsekutiv erhöhtem diastolischem Druckanstieg und Ventrikeldilatation. Als ein Kompensationsmechanismus kommt es häufig zu einer deutlichen Herzfrequenzsteigerung, u.a. auch infolge einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Darauf beruht u.a. auch die Betablockertherapie bei Herzinsuffizienz. Eine entscheidende Rolle bei kardialen Wandspannungsveränderungen im Rahmen der ischämischen Kardiomyopathie spielt auch das Renin-Angiotensin-System, das eine entscheidende pathophysiologische Rationale für den Einsatz von ACE-Hemmern und AT1-Blockern ist. Im Rahmen der Ventrikeldilatation kommt es häufig zu einer Gefügedilatation des Mitralklappenanulus und konsekutiv zu begleitender Mitralklappeninsuffizienz.
Die ischämische Kardiomyopathie ist eine der häufigsten Ursachen für eine chronische Herzinsuffizienz mit einer durchschnittlichen Inzidenz von 0,5–1,5 und einer Prävalenz zwischen 1 und 3%. Sowohl Inzidenz als auch Prävalenz nehmen mit zunehmendem Alter bei Frauen und Männern stark zu.
Ein typisches Symptom der ischämischen Kardiomyopathie und allgemein der Herzinsuffizienz stellt die Belastungsdyspnoe bis hin zur Ruhedyspnoe aufgrund einer chronischen pulmonalvenösen Stauung wegen ventrikulärer Dysfunktion dar. Ein weniger spezifisches Symptom ist eine oft begleitende extreme Müdigkeit. Des Weiteren treten aber auch die typischen Symptome der KHK auf – die klassische Angina pectoris (Brustenge). Vor allem bei noch bestehender Ischämie und sog. Hibernating Myocardium, also bei „Winterschlaf machendendem“, vitalem, aber minderperfundiertem Myokard, treten diese pektanginösen Beschwerden auf. Bei noch ausreichend erhaltener Vitalität ist durch revaskularisierende Maßnahmen wie PCI und Bypass-Operation meist eine funktionelle Verbesserung zu erzielen.
Zusammenfassung wichtiger klinischer Symptome bei ischämischer Kardiomyopathie:
Dyspnoe mit Husten durch pulmonalvenöse Stauung
extreme Erschöpfung
Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht
Brustschmerzen (Angina pectoris)
Tachykardie
Gewichtszunahme
periphere Ödeme mit Anschwellen der Beine und Füße
Schlafstörungen
Therapeutisch kommt die klassische Herzinsuffizienztherapie zur Anwendung. Dabei steht u.a. eine Vorlastsenkung, die Senkung des diastolischen Füllungsdrucks durch Diuretika, AT-II-Blocker und ACE-Hemmer, im Vordergrund.
Im Falle einer höhergradig eingeschränkten Ventrikelfunktion besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für das Auftreten von malignen Herzrhythmusstörungen mit erhöhter Gefahr eines plötzlichen Herztods. In diesem Fall kann bei hochgradig eingeschränkter Ventrikelfunktion die Implantation eines Defibrillators (ICD) notwendig werden ( ▶ Abb. 1.13). Als ergänzende Therapie kommt auch eine spezielle Herzschrittmachertherapie, die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) bei Dyssynchronie infrage (s. ▶ Abb. 1.13e u. ▶ Abb. 1.13f).
Ischämische Kardiomyopathie (LV-EF unter 35%), implantierter ICD, hochgradige Mitralklappeninsuffizienz und Dyssynchronie.
Abb. 1.13 Röntgenthoraxaufnahmen eines Patienten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Vor Therapiebeginn kardiale Dekompensation mit rechtsseitigem Pleuraerguss und Zeichen der pulmonalvenösen Stauung (a, b). Rekompensation nach Diuretikatherapie und rechtsseitiger Pleurapunktion (c, d). Dyssynchronie nach zusätzlicher Implantation einer Elektrode über den Koronarsinus zur Lateralwand mit erfolgreicher CRT-Therapie (e, f).
Abb. 1.13a Zustand vor Therapiebeginn, p.–a. Projektion.
Abb. 1.13b Zustand vor Therapiebeginn, laterale Projektion.
Abb. 1.13c Zustand nach Diuretikatherapie und rechtsseitiger Pleurapunktion, p.–a. Projektion.
Abb. 1.13d Zustand nach Diuretikatherapie und rechtsseitiger Pleurapunktion, laterale Projektion.
Abb. 1.13e Zustand nach zusätzlicher Implantation einer Elektrode über den Koronarsinus zur Lateralwand mit erfolgreicher CRT-Therapie, p.–a. Projektion.
Abb. 1.13f Zustand nach zusätzlicher Implantation einer Elektrode über den Koronarsinus zur Lateralwand mit erfolgreicher CRT-Therapie, laterale Projektion.
In der Übersichtsradiografie findet sich vor allem ein vergrößerter linker Ventrikel (s. ▶ Abb. 1.12). Zusätzlich sind Zeichen der chronischen pulmonalvenösen Stauung mit entsprechenden Lungengerüstveränderungen zu erkennen. Zeichen der akuten Stauung bis hin zum Lungenödem und das Therapieansprechen, z.B. nach Diuretikagabe, können alleine mit der konventionellen Übersichtsradiografie gut dargestellt werden (s. ▶ Abb. 1.13a, ▶ Abb. 1.13b, ▶ Abb. 1.13c u. ▶ Abb. 1.13d). Im Falle einer zusätzlichen, länger bestehenden Mitralklappeninsuffizienz kann es auch zu einer Vergrößerung
