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Auf in den Fahrradurlaub! Können Sie es auch kaum erwarten, endlich wieder mit dem Fahrrad auf Tour zu gehen? Vielleicht sind Sie ja gerade bei der Reiseplanung oder haben den nächsten Radurlaub schon gebucht. In beiden Fällen liefert Ihnen dieses Buch wertvolle Tipps und Infos. Mit diesem kompakten Radreiseführer sind Sie bestens gerüstet. Alle vorgestellten Strecken werden in informativen Texten beschrieben und mit Angaben zur Streckenbeschaffenheit versehen. Wertvolle Tipps zu Tourenkombinationen laden auch zu längeren Radwanderungen ein - Unterwegs auf den schönsten Radwegen Deutschlands: 25 Touren für Tages-, Wochenend- und Mehrtagesausflüge - Radtour planen leicht gemacht: Tipps zu Anreise, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke - Schon vor dem Start in die Radferien rundum gut beraten mit Tipps zu Tourenplanung, Radtransport und dem richtigen Touren-Outfit - Mit detaillierten Karten und GPS-Daten zum Download Alles Wissenswerte für unvergessliche Radreisen in Deutschland Die schönsten Touren liegen oft vor der Haustür – in Deutschland wollen mehr als 50.000 Kilometer Radwege entdeckt werden. 25 Top-Touren und Ziele zum Biken hat der Reisejournalist Armin Herb gemeinsam mit den MYBIKE-Autoren ausgewählt. Egal ob mit der Familie an der Ostsee, mit guten Freunden auf einer Genussreise durch das Allgäu oder auf einem City-Trip per Rad: Mit ihren Beschreibungen und den GPS-Daten zum Download können Sie sofort starten.
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Seitenzahl: 192
Veröffentlichungsjahr: 2024
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ARMIN HERB (HRSG.)
DIE SCHÖNSTEN TOUREN ZWISCHEN OSTSEE UND ALLGÄU
DELIUS KLASING VERLAG
EINLEITUNG Tourplanung, Checkliste Radgepäck, Erste Hilfe
01 NIEDERSACHSENRunde durchs Wendland
02 SCHLESWIG-HOLSTEIN Von der Nordsee zur Ostsee
03 MECKLENBURG-VORPOMMERN Fischland-Darß-Zingst
04 LÜNEBURGER HEIDE Von Hamburg nach Celle
05 KEHDINGER LAND Am Unterlauf der Elbe
06 WESERBERGLAND Zwischen Hameln und Höxter
07 BRANDENBURG Seenland Oder-Spree
08 NIEDERRHEIN Rund um Xanten und Kevelaer
09 RUHRGEBIET Zwischen Mülheim und Herne
10 SAUERLAND Große Runde ab Meschede
11 BERGISCHES LAND Zwischen Rhein und Ruhr
12 BAYERISCHE RHÖN Hochrhön
13 MOSEL Vom Dreiländereck zum Deutschen Eck
14 BAYERN/BÖHMEN Vom Fichtelgebirge nach Karlsbad
15 MITTELFRANKEN Zwischen Feuchtwangen und Rothsee
16 NIEDERBAYERN Bäderdreieck Bayern
17 SCHWÄBISCHE ALB Albtäler-Radweg
18 BADEN Zwischen Basel und Heidelberg
19 SCHWARZWALD Gravel-Runde im Hochschwarzwald
20 DONAU Zwischen Ulm und Donauwörth
21 BODENSEE An der Grenze zu Schweiz und Österreich
22 BAYERN Zwischen Bodensee und Starnberger See
23 OBERBAYERN Münchner Hausberge
24 CHIEMGAU Zwischen Rosenheim und Hallein
25 SÜDBAYERN Vom Karwendel zum Münchner Stadtstrand
Mit dem Fahrrad durch die Lüneburger Heide
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Auf dieser Deutschland-Karte ist zu sehen, wo sich die 25 beschriebenen Radreviere befinden (vgl. dazu die
Seiten 4
und
5
)
.
Zwischen Waterkant und Alpenrand spannt sich in Deutschland ein riesiges Netz an Radwegen. Mit den Tipps und Reportagen in diesem Buch kann jeder Freizeitradler seine Lieblingstour finden – ob für einen Tagesausflug oder einen ganzen Radurlaub.
Das nennt man die Qual der Wahl: Laut Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Club ADFC führen durch deutsche Regionen mindestens 120 Fernradwege, andere Quellen sprechen von über 200. Aufsummiert ergeben das mehr als 50.000 Kilometer Radrouten. Das ist rekordverdächtig!
Bei der Ausweisung neuer Radrouten oder bei der Verbesserung bestehender Wege wird auch stets darauf geachtet, dass gewisse Grundkriterien des ADFC eingehalten werden: von der durchgängigen Befahrbarkeit mit dem Fahrrad, auch mit dem E-Bike, Tandem oder Radanhänger, bis hin zu einer einheitlichen und durchgängigen Wegweisung, von einer möglichst geringen Belastung durch Kraftfahrzeugverkehr bis hin zu einer guten Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Dass wir in der Realität manchmal andere Erfahrungen machen, können die meisten in Kauf nehmen. Denn über unsere Freizeitrad-Infrastruktur können wir uns im Allgemeinen nur wenig beklagen. Das ist wohl auch der Grund, warum sich fast 80 Prozent der Radreisenden für einen Urlaub in heimischen Gefilden entscheiden. Gefragt sind vor allem die klassischen Radregionen, wie Allgäu und Mecklenburger Seenplatte, sowie die bekannten Flussradwege an Weser, Elbe, Rhein, Main, Ruhr, Mosel und Donau.
Die ausgezeichnete Rad-Infrastruktur hat jedoch auch ihre Schattenseiten. Das heißt, insbesondere zu Ferienzeiten und an manchen Wochenenden wird es auf den beliebten Routen am Wasser ganz schön voll und lebhaft, Radunterkünfte sind dann oft ausgebucht, und in den Gaststätten am Radweg werden die freien Plätze rar.
Aber das Radland Deutschland hat ja zum Glück nicht nur touristische Highlight-Routen. Die Vielfalt des deutschen Radwegenetzes ist riesengroß, und es kommen jedes Jahr noch neue Routen hinzu. Die Autoren und Fotografen des Fahrradmagazins MYBIKE haben sich deshalb wieder auf die Suche gemacht nach alternativen, aber nicht weniger attraktiven Radwegen oder haben sich mithilfe von Online-Routenplanern und Insidertipps ihre eigenen Routen zusammengestellt. Die Betonung liegt auf dem Wort wieder, denn die Rechercheteams haben schonmal ein ganzes Tourenpaket für ein erstes Buch zum Thema „Radurlaub in Deutschland“ kreiert (siehe Delius Klasing Buchprogramm, www.delius-klasing.de). Doch für den vorliegenden Band 2 wurden nun ganz andere Strecken zwischen der Waterkant und dem Allgäu ausgewählt. So finden sich in diesem Buch wieder attraktive Schnuppertouren für ein verlängertes Wochenende, wie z. B. durchs Kehdinger Land an der Elbe bei Hamburg oder entlang des Flüsschens Rott im bayerischen Thermenland, aber auch mehrtägige Radreisen, wie auf dem rund 450 Kilometer langen Badischen Weinradweg oder eine große Runde über die vielen Hügel des Sauerlands. Insgesamt finden sich 25 Radregionen mit mehr als 30 Touren in diesem Buch. Das Spektrum spiegelt somit die ganze Vielfalt der landschaftlichen und kulturellen Vielfalt Deutschlands wider.
Navigation und Orientierung per Smartphone oder GPS-Navigationsgerät gehören heute schon fast wie selbstverständlich zum Freizeitradeln
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Die Autoren haben bei ihrer Tourplanung darauf geachtet, dass die Strecken möglichst jenseits des normalen Autoverkehrs auf separaten Radwegen oder auf Wald- und Wirtschaftswegen verlaufen. Allerdings sind nicht alle Wege asphaltiert. Falls sich gewisse Abschnitte auf der Straße nicht vermeiden ließen, wurden möglichst verkehrsarme Straßen ausgewählt.
Ein Großteil der Radreisenden nutzt heute die Vorteile der digitalen Tourplanung mithilfe von Radroutenplanern im Internet. Für die geplante Strecke wird ein GPX-Track erzeugt, der dann auf ein spezielles GPS-Navigationsgerät oder in eine App im Smartphone (Komoot, Bikemap, Outdooractive u. a.) übertragen wird. Der Radler muss dann nur noch dem Pfeil auf dem Display folgen – ähnlich wie beim Auto-Navi. Auch für dieses Buch haben die Autoren für alle beschriebenen Touren GPX-Tracks aufgezeichnet. Diese Tracks kann man sich alle mithilfe eines Webcodes (siehe IMPRESSUM, Seite 160) auf der Website des Delius Klasing Verlages herunterladen. Dann nur noch aufs Smartphone oder das Outdoor-Navi übertragen und schon kann es losgehen. Unser Tipp: Erfahrene Reiseradler haben als Backup stets noch eine gedruckte Karte im Gepäck (siehe Tipps in den Infokästen zur jeweiligen Tour).
Viel Spaß auf der Radtour – irgendwo zwischen Ostsee und Allgäu!
ERSTE-HILFE-KIT FÜR RADTOUREN
Inhalt einer möglichst wasserdichten Tasche:
2 Verbandspäckchen (steril) mit nicht haftender Wundauflage
1 Rettungsdecke
1 Paar Einmalhandschuhe
1 Schere mit einem spitzen und einem stumpfen Ende
1 Splitter-Pinzette
1 kleine Rolle Leukoplast
2 größere, sterile Pflaster mit nicht haftender (Alu)-Wundauflage
5 Pflasterstrips (z.B. Leukoplast oder Cutiplast)
1 Blatt Steristrips (Klammerpflaster)
ggf. noch ergänzen:
flüssiges Desinfektionsmittel (z. B. Octenisept)
Blasenpflaster (z. B. Compeed)
Dreieckstuch
Signalpfeife
Erste-Hilfe-App: Da bei vielen Radreisenden die Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht mehr ganz präsent sind, empfehlen sich zur Unterstützung die kostenfreien Erste-Hilfe-Apps z. B. vom Deutschen Roten Kreuz und ASB oder von den Maltesern.
TOURPLANUNG
RADROUTENPLANER MACHEN DIE REISEPLANUNG EINFACHER
Die Auswahl an Radrouten in Deutschland ist schon so groß, dass man fast den Überblick verliert. Unzählige Tourenvorschläge inklusive GPX-Track findet man z. B. beim ADFC im Internet auf der Website www.adfc-radtourismus.de sowie bei kommerziellen Portalen wie Outdooractive, www.outdooractive.com und Komoot, www.komoot.de.
Zum Teil lassen sich auch eigene Routen generieren: Start- und Zielort eingeben und schon ermittelt der Rechner die passende Radroute, oft sogar mit mehreren Alternativen, wie der schnellsten, der attraktivsten oder der naturnahsten Strecke. Zudem werden Fotostopps, Sehenswürdigkeiten, ÖPNV und Einkehrmöglichkeiten am Weg genannt. Die Infos lassen sich ausdrucken und der GPX-Track aufs Handy oder Outdoor-Navi laden.
Interessante Quellen sind auch der www.radroutenplaner-deutschland.de für die Bundesländer Baden-Württemberg; Bayern; Hessen; Nordrhein-Westfalen; Rheinland-Pfalz; Saarland; Thüringen sowie die Radtouren-Verzeichnisse der anderen Bundesländer:
Berlin: https://www.berlin.de/sen/uvk/mobilitaet-und-verkehr/verkehrsplanung/radverkehr/radverkehrsnetz/radrouten/; www.bbbike.de
Brandenburg: www.reiseland-brandenburg.de/aktivitaeten-erlebnisse/aktiv-natur/radfahren
Bremen: www.bremen.de/leben-in-bremen/mobilitaet-und-verkehr/fahrradstadt; https://map.bikecitizens.net/embedded/branded?cccode=de-bremen&brand=bremen#/!/1/1/-,-/-,-
Hamburg: www.hamburg.de/mit-dem-rad-durch-hamburg/3999360/fahrradkarten-fuer-hamburg-und-umgebung
Mecklenburg-Vorpommern: https://radnetzplaner-mv.de
Niedersachsen: www.reiseland-niedersachsen.de/radroutenplaner
Sachsen: www.sachsen-tourismus.de/euer-erlebnis/natururlaub/radfahren
Sachsen-Anhalt: https://sachsen-anhalt-tourismus.de/aktiv-natur/radreisen-und-radtouren
Schleswig-Holstein: www.sh-tourismus.de/radfahren
CHECKLISTE RADGEPÄCK
Für eine Radreise von rund fünf bis 15 Tagen:
2 wasserdichte Packtaschen hinten (ggf. mit wasserdichten Packsäcken in unterschiedlicher Größe)
ggf. 2 wasserdichte Low-Rider-Taschen vorne
Lenkertasche mit Karten- bzw. Handy-Fach
Fahrradschloss
kleines Drahtschloss für die Packtaschen
Halterungen für 1–2 Trinkflaschen
ggf. Halterung für Navigationsgerät und/oder Smartphone
ggf. Satteltasche für Werkzeug
ggf. Wende-Klickpedale
2 kurze oder ¾-lange Radhosen
2 Paar Funktionssocken
2 Funktionshemden (Kurzarm)
Funktionshemd (Langarm)
2 Funktionsunterhemden
gepolsterte Radunterhose
Radtourenschuhe
leichte Windjacke/Windweste
Regenüberhose
Regenjacke mit Kapuze
Multifunktionstuch
Radhandschuhe (kurz)
Fahrradhelm
Sportsonnenbrille
bei kühler Witterung (zusätzlich):
leichte Isolationsjacke (Daune oder Primaloft)
wasserdichte Socken oder Überschuhe
Unterhelmmütze
Funktionsunterhose (lang)
ggf. Knielinge + Armlinge
Radhandschuhe (lang)
DAS REISE-FAHRRAD RICHTIG BELADEN
Nicht zu viel einpacken: Auch wenn E-Bike-Fahrer heute weniger Kraft aufwenden müssen beim Treten, so beeinträchtigt jedes zusätzliche Kilogramm Gewicht das Fahr- und Bremsverhalten des Fahrrades – ob mit oder ohne Motor – und verringert beim E-Bike auch die Reichweite. Also sollte man genau überlegen, was wirklich mitmuss.
Der Schwerpunkt sollte tief liegen. Wichtig für ein sicheres Fahrverhalten und eine bessere Straßenlage: Schwere Sachen sollte man möglichst weit unten in der Packtasche platzieren und diese mittig ans Rad. An Lenker und Sattelstütze gehört nur möglichst leichtes Gepäck.
Das zulässige Gesamtgewicht nicht überschreiten: Halten Sie die Grenze für die maximale Zuladung und das maximale Gesamtgewicht für das Fahrrad unbedingt ein. Die Werte dafür sollten in der Bedienungsanleitung vermerkt sein! Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Fachhändler oder beim Hersteller.
kurze Hose
lange Hose
2 Paar Socken
3 Unterhosen
Polohemd oder T-Shirt
dünner Fleece-Pullover
Langarmhemd/Bluse
Schlafbekleidung
Badehose/Badeanzug
ein Paar Schuhe/Sandalen
Schirmmütze
Erste-Hilfe-Set
Erste-Hilfe-App für Smartphone
Pflaster + Stretchverband
Insektenschutz + Zeckenzange
Fieberthermometer
Desinfektionsmittel
Aspirin (oder Vergleichbares)
Anti-Durchfall-Medikament
Wund- und Heilsalbe
Gesäßcreme
Sonnencreme
Zahnpasta + Zahnbürste
Zahnseide
kleines Duschgel/Shampoo
Hygiene-Artikel
Kamm/Bürste
Nagel-Necessaire
Rasierzeug
Papiertaschentücher
Mikrofaser-Handtuch
Ersatzschlauch
Reifenheber
Luftpumpe
Flickzeug
Multitool
Schmutzlappen
Kettenschloss
Kabelbinder (unterschiedliche Größen)
Gewebeklebeband
Ersatz-Bremsbeläge
ggf. Ersatz-Speichen
Taschenmesser/Leatherman
Personalausweis/Reisepass/Bahncard Deutschland
Kopien der Dokumente (analog und/oder digital)
Geld/Kreditkarte
Versichertenkarte (Krankenversicherung)
Smartphone mit Ladekabel
Radtourenkarten/Radreiseführer
ggf. Sprachführer (auch als App)
ggf. Navigationsgerät mit GPX-Tracks + Ersatzakkus
Kamera inkl. Ladegerät und Speicherkarten
Mini-Leicht-Rucksack (komprimierbar)
ggf. Ersatzbrille/Lesebrille
Kerze
Stirnlampe
Kugelschreiber/Bleistift
Notizbuch mit Adressen/Notfallnummern
Powerbank
Das Wendland wurde bekannt durch den Widerstand gegen das geplante Atommüll-Lager in Gorleben. Für Radler ist die Region im Osten Niedersachsens ein Geheimtipp.
Wirklich weit sind wir noch nicht gekommen auf unserer Wendland-Tour. Plötzlich ist die Straße dicht. Zack, blockiert von einem Trecker; keine Chance, vorbeizukommen auf diesem Sträßchen zwischen Bredenbock und Schmessau, weder rechts noch links. Moment mal: Traktor, Wendland, Blockade? Da war doch was. Zumindest bei den Älteren, aber auch bei denjenigen, die sich im Laufe ihres Lebens mit dem Sinn bzw. dem Unsinn der Atomenergie auseinandergesetzt haben, dürfte es klingeln. Es waren Bauern aus der Region, die mit ihren Traktoren die Demonstrationen gegen das geplante Atommüll-Endlager in Gorleben anführten und die damit zum Symbol des Widerstands im Wendland wurden.
Von Blockaden irgendwelcher Widerständler konnte bei uns keine Rede sein. Es handelte sich vielmehr um eine höchst unfreiwillige Aktion eines sehr jungen Jungbauern, der mit seinem Trecker samt Anhänger die enge Kurve nicht geschafft und sich festgefahren hatte. Nach ein paar Minuten inklusive einiger wilder Flüche hatte er sich dann wieder zurechtrangiert, und unsere Radtour konnte weitergehen.
Nordöstlich der Lüneburger Heide, südöstlich von Hamburg, bis zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, immer entlang der Elbe auf niedersächsischer Seite erstreckt sich diese wunderbare Region namens Wendland. Der „wilde Osten Niedersachsens“, wie die Bewohner ein wenig selbstironisch sagen. Gleich zwei Naturschutzgebiete prägen die Gegend: der Naturpark Elbhöhen-Wendland und das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalauen entlang des großen Stroms.
Schnackenburg an der Elbe und die Nemitzer Heide.
Dort führt, zumeist auf beiden Seiten des Elbufers, der Elberadweg entlang. Man kann trefflich darüber streiten, aber wie ich finde, ist hier einer der schönsten Abschnitte des insgesamt 1.270 Kilometer langen Fernradwegs. Aber schon wieder Elberadweg? Nein. Und schon war der Plan geschmiedet, mitten hineinzufahren ins Wendland. In diese sanft gewellte bis hügelige Endmoränenlandschaft, durch die Wälder und über die Hügel des Drawehn, durch die Göhrde, den größten zusammenhängenden Mischwald Norddeutschlands und zu den Rundlingen. Zu diesen außergewöhnlichen Dörfern, die lustige Namen wie Mammoißel, Meuchefitz, Jabel oder Thunpadel tragen. Und über deren Entstehung man heute noch rätselt. Aus der Luft betrachtet sehen einige von ihnen aus wie eine Torte, wobei die einzelnen Hofstellen die Tortenstücke sind. Angelegt wurden sie wohl von slawischen Siedlern, auch Wenden genannt, im 11. Jahrhundert. Nicht nur im Wendland gab es diese Dörfer, auch in Brandenburg und Sachsen beispielsweise hat es Rundlingsdörfer gegeben. Aber nirgendwo sind sie so gut erhalten wie hier.
Brücke über die Jeetzel in Hitzacker
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Eines der schönsten ist Satemin, unser erstes Etappenziel. Komplett unter Denkmalschutz gestellt und – gemeinsam mit anderen Rundlingen – guter Hoffnung, dass die UNESCO den Antrag auf Aufnahme in die Welterbeliste irgendwann positiv bescheidet. Bis Satemin begegnen wir deutlich mehr Traktoren als Autos. Radwanderer, die sich in Hitzackers Altstadt noch gegenseitig über den Haufen gefahren haben, sehen wir keine mehr. Alles richtig gemacht also, genau so haben wir uns das vorgestellt.
Unsere Strecke führt durch Bauernland, vorbei an Feldern und Weiden, dann wieder mitten durch den Wald. Weil wir schon Mitte September haben, knacken die Eicheln im Sekundentakt unter unseren Reifen. Bis zur Wiedervereinigung 1990 war das Wendland Zonenrandgebiet. Zonenrandgebiet hatte für den Rest der Wessis stets etwas Hinterwäldlerisches. Wald haben sie hier genug, von hinterwäldlerisch kann keine Rede sein. Vielmehr hat sich im Wendland durch die Protestkultur etwas ganz Besonderes entwickelt. Aus den Demonstranten der ersten Stunde gegen das Atommüll-Endlager Gorleben wurden irgendwann Wendländer. Die scheinbar wilden Zugezogenen und die Alteingesessenen lernten sich kennen, man kam sich näher. Man lernte es mit der Zeit, sich gegenseitig zu verstehen. Es entstand ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Was sehr viel mit dem gemeinsamen Widerstand zu tun hatte. Und was sich unter anderem in der Kulturellen Landpartie ausdrückt, dem größten Non-Profit-Kulturfestival Deutschlands, das an vielen Orten des Wendlands gefeiert wird. Es entstanden zwischenmenschliche Beziehungen, später Ehen, zwischen Bauern und Anti-Akw-Aktivistinnen. Nirgendwo sonst in Deutschland haben so viele Höfe auf biologische Landwirtschaft umgestellt wie im Wendland.
Im Rundlingsdorf Satemin und am ehemaligen Dorfeingang von Gorleben.
Routencheck im Hausboot-Café in Hitzacker und Info am ehemaligen Greenpeace-Schiff in Gorleben
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Die Zutaten unseres Abendessens im Markthof Satemin stammen fast alle von den Höfen aus der Umgebung, beim Frühstück ist das ähnlich. So gestärkt machen wir uns auf ins nahe gelegene Lüchow. Auf dem Marktplatz hat sich die Bürgerinitiative postiert und klärt über den aktuellen Stand in Sachen Gorleben auf.
Gorleben befand sich nach den jahrelangen und massiven Protesten zuletzt über einige Jahre quasi im Stand-by-Modus. Bis 2031 sollte ein Standort festgelegt werden, der „die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet“, wie es offiziell im zuständigen Ministerium hieß. Am Vormittag des 28. September 2020 war es dann amtlich: Gorleben war raus. In einer Presseerklärung nannte die Bundesgesellschaft für Endlagerung 90 bundesweit verteilte Gebiete, die nach Einschätzung der Behörde „günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle“ besäßen. Gorleben war nicht mehr dabei. Die Begründung war genau die, die die Gegner seit Jahrzehnten immer wieder angeführt hatten: Der Salzstock im Wendland sei instabil, liege in einer tektonischen Störungszone, zudem sei die Gewässerchemie ungünstig, und verschiedene Bohrungen hätten überdies auf Gasvorkommen schließen lassen.
Schafherde am Elbdeich bei Schnackenburg
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Die Kirchstraße in Lüchow mit dem Glockenturm im Hintergrund
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Geradezu friedlich, aber durchaus abwechslungsreich präsentiert sich die Landschaft im Wendland. Eine klassische Heidefläche hatten wir wirklich nicht erwartet. Aber es gibt sie, inklusive Schäfer mit Rauschebart, Heidschnucken und Wahl zur Heidekönigin. Entstanden ist die Nemitzer Heide, als im August des Jahres 1975 die Wälder brannten und zwischen Gartow und Lüchow eine Fläche so groß wie 750 Fußballfelder zerstört wurde. Die Kiefernwälder wurden nicht wieder aufgeforstet, und so entstand auf den trockenen und nährstoffarmen Sandböden im Laufe der Zeit die 550 Hektar große Heidelandschaft. Wunderschön ist es hier, zumal noch ein Hauch der lila-violetten Heideblüte zu sehen ist. Nur zum Radfahren taugt die Nemitzer Heide rein gar nicht; auf den Sandböden gerät man sofort ins Schlingern oder sackt ein und kommt kaum vorwärts.
Also weiter auf der Landstraße Richtung Schnackenburg. Hinter Prezelle rollen wir gemächlich durch den Wald und überqueren die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Einige Meter folgen wir dem rumpeligen ehemaligen Kolonnenweg, bevor wir uns wieder auf die Straße begeben. Eine knappe halbe Stunde später erreichen wir die Elbe. Mein Blick schweift über die Elbtalauen in der Hoffnung, einen Seeadler zu entdecken. Vor lauter Schwelgen verpasse ich fast, was genau vor meiner Nase passiert. Da macht sich nämlich gerade ein Biber auf, in einem der Elbe-Altarme von einem Ufer ans andere zu schwimmen. Zwar habe ich davon gehört, dass sich „Meister Bockert“ wieder hier angesiedelt hat. Aber der Anblick in freier Wildbahn ist beeindruckend.
Am nächsten Morgen nach einer sehr entspannten Nacht im Lindenkrug zu Pevestorf kommen wir nach Gorleben. Erinnerungen werden wach an Demonstrationen vor fast 40 Jahren. An manches kann ich mich noch schemenhaft erinnern. Was definitiv noch nicht hier stand, war das ausgediente Greenpeace-Schiff „Beluga“, das 2013 seinen letzten „Hafen“ an der Zufahrt zum geplanten Atommülllager gefunden hat und dort nun als Mahnmal dient.
Wir rollen weiter ganz nach dem Motto „Ab durch die Lucie“. Tatsächlich trägt ein Teil des Wendlands den Namen Lucie, wohl ein Begriff der frühen slawischen Siedler, der in ihrer Sprache so etwas wie Sumpf oder Weide bedeutete. Aber ehrlich: So vielversprechend der Name auch klingen mag – die Lucie ist der langweiligste Teil unserer Wendland-Tour. Beim Mittagessen in Dannenberg entscheiden wir uns, nicht direkt nach Hitzacker zurückzufahren, sondern noch einen Abstecher an die Elbe zu machen. Ein bisschen Elberadweg geht schließlich immer. Und siehe da, am Elberadweg ist es auch wie immer: Die Schafe blöken auf den Deichen, der Blick über die Elbtalauen ist grandios, und über uns kreisen nun wirklich die Seeadler. Und trotzdem war es eine gute Idee, diesmal abseits des großen Stroms zu fahren. Mitten durch das wenig bekannte, das landschaftlich vielfältige, das stille und gleichzeitig so lebendige Wendland.
Als wir am nächsten Morgen in Hitzacker wieder in den Zug steigen, fallen uns die Plakate der Initiative „Zuflucht Wendland“ am Bahnhofsgebäude ins Auge. Zu sehen sind eine ältere Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem heutigen Polen hierher geflüchtet war. Und eine junge Familie aus Somalia, die nach einer vier Jahre währenden Flucht im Wendland gelandet ist. „Flucht und Ankommen sind keine neuen Phänomene“ ist auf den Bannern zu lesen, ein Appell an die Gastfreundschaft und die Menschlichkeit.
TEXT: Sven Bremer | FOTOS: Henning Angerer
TOURCHARAKTER
TOUR: WENDLAND-RUNDE
▶ 177 km, 590 Hm
Der Elberadweg gehört zu den beliebtesten und meistbefahrenen Fernradwegen Deutschlands, das gilt auch für den Abschnitt in den Niedersächsischen Elbtalauen und damit für das Wendland. Fährt man vom Fluss hinein ins Wendland, ist man schlagartig „in the middle of nowhere“, wo man nur noch höchst selten auf andere Radtouristen und ansonsten auf mehr Traktoren als Autos trifft. Die MYBIKE-Strecke führt überwiegend über Wirtschaftswege, verkehrsarme, kleine Kreisstraßen und kurzfristig über etwas rumpelige Waldwege. Das vielfach bewaldete Wendland ist Endmoränenland, das heißt, es geht ein wenig welliger zu als im ansonsten so platten Norddeutschland. Höchste Erhebung ist der Hohe Mechtin mit 142 Metern, der zum Drawehn-Höhenzug zählt. Unsere MYBIKE-Tour schlängelt sich so durchs Wendland, dass wirklich so gut wie keine nennenswerten Steigungen dabei sind. Das Wendland ist ganz viel Natur, die Städtchen wie Hitzacker, Dannenberg oder Lüchow kommen vielfach im Fachwerkgewand daher. Die außergewöhnlichen Rundlingsdörfer wie Satemin, Lübeln oder Schreyahn könnten – wenn die zuständige Kommission zustimmt – schon bald auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO stehen. Die Beschilderung unterwegs ist in Ordnung, wobei es hier keinen Fernradweg gibt, dem man die ganze Zeit folgen kann, sondern man muss sich von Ort zu Ort hangeln. Ein Navi am Rad oder die gute alte Straßenkarte sollte man deswegen schon dabei haben.
TOURVERLAUF:
Hitzacker – Harlingen – Schmessau – Bellahn – Redemoißel – Klein Witzeetze – Karmitz – Küsten – Satemin – Lüchow – Künsche – Vasenthien – Trebel – Nemitz – Groß Breese – Prezelle – Wirl – Bömenzien – Schnackenburg – Pevestorf – Vietze – Gorleben – Gedelitz – Siemen – Zadrau – Dannenberg – Damnatz – Wussegel – Hitzacker
MEHRTAGESTOUR
Auto: Von Hamburg aus auf der B5 nach Lauenburg, über die Elbe und dann via Bleckede nach Hitzacker. Alternativ nach Lüneburg, ab dort auf der B216 Richtung Dannenberg und bei Metzingen abfahren nach Hitzacker. Aus Süden kommend sollte man sich Richtung Uelzen halten und ab dort auf der B191 über Dannenberg nach Hitzacker. Bahn: Der Landkreis Lüchow-Dannenberg gehört zum Hamburger Verkehrsverbund HVV, sodass man von der Elbmetropole mit Bahn und Bus schnell und günstig ins Wendland reisen kann. Alle Zugverbindungen nach Hitzacker führen über Lüneburg. Ab dort braucht die Regionalbahn erixx eine knappe Stunde.
Fahrradwerft Hitzacker: Im Angebot in der Drawehnertorstraße 10 sind stabile Trekkingräder mit pannensicheren Reifen. Tel. 05862/9876765, www.fahrradwerft.de
Mobil vor Ort in Langendorf: Wilfred Freitag verleiht nicht nur Fahrräder und liefert sie an den gewünschten Ort, sondern er bringt Rad-Touristen und deren eigene Räder mit seinem Fahrrad-Taxi auch zu ihrem gewünschten Startort.
Tel. 0171/1758472, www.mobil-vor-ort.de
Stones-Fanmuseum in Lüchow: Mick Jagger war noch nie in Lüchow, aber Ulli Schröder war schon oft auf Konzerten der Rolling Stones. Der beinharte Fan sammelt seit 1965 alles, was man nur sammeln kann. 2008 kaufte er einen leer stehenden Supermarkt in Lüchow und eröffnete 2011 das Rolling-Stones-Fanmuseum. www.stonesfanmuseum.de
Museum Altes Zollhaus in Hitzacker: Exponate zum Leben von August dem Jüngeren, zur Geschichte der deutschen Teilung und Infos über die Hochwasserkatastrophen, die das Städtchen heimgesucht haben. Zudem organisiert das Alte Zollhaus Exkursionen auf einem Sofafloß namens „Herzogin Dorothea“ auf der Elbe. www.museum-hitzacker.de
SATEMIN: Markthof Satemin: Sehr schön restauriertes Bauernhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, gelegen im vielleicht schönsten Rundlingsdorf. Außerordentlich nette Gastgeber, gutes Essen. Wer hier nicht übernachtet, der sollte sich wenigstens eine Pause in dem wundervollen Kaffeegarten gönnen. www.markthof-satemin.de
HITZACKER: Destinature Dorf Hitzacker: Normalerweise produziert das Unternehmen Werkhaus Kleinmöbel und Zubehör aus Holz, in Hitzacker haben sie gleich ein ganzes Feriendorf gebaut. Wobei die Tiny Houses und die mobilen Betten ein ganz ähnliches, minimalistisches Design haben wie die Karteikästen und Regale. Frühstück, Getränke und Snacks gibt es im Bio-Bistro. www.werkhaus.de
Auch im Wendland gibt es, wie in der nahen Lüneburger Heide, Heideflächen, auf denen Heidschnucken grasen. Das Fleisch der Schnucken ist fettarm, schmeckt weniger wie Lamm, sondern eher wie Wild. Auf den Tisch kommt Heidschnuckenrücken, -keule oder -ragout, angeboten wird es auch als Heidjer Knipp oder als Bratwurst. Leckere Heidschnucken-Spezialitäten gibt es in den Trebeler Bauernstuben. www.trebeler-bauernstuben.de
Eine Spezialität an der Elbe ist der Stint. Der kann aber nur in den Monaten Januar bis März gefangen werden, da dürften wohl nur wenige in der Region zu einer Radtour aufbrechen.
Kompass Fahrradkarte Elbe – Wendland – Westliche Prignitz, Maßstab: 1:70.000
Touristinfo Dannenberg, Am Markt 5, Tel. 05861/808545
Touristinfo Hitzacker, Am Markt 7, Tel. 05862/96970
Touristinfo Lüchow, Amtshof 2 a, Tel. 05841/9747386
www.wendland-elbe.de, www.region-wendland.de
Auf einer Radtour von der Nordsee zur Ostsee taucht man ein in die Seele des Nordens. Die Landschaft ist abwechslungsreich, meist flach und daher ideal, um sie mit dem Fahrrad zu erkunden.
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