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Hauptkommissar Jäger und Hanna Wolf müssen zwei Mordfälle aufklären, die innerhalb einer Woche in Frankfurt verübt wurden. Der Täter hat keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Staatsanwältin Stern will einen weiteren Mord verhindern und übt Druck auf die Mitarbeiter des K13 aus. Hanna Wolf vertraut sich ihrem früheren Kollegen Max Adler an, der wegen Fehlverhaltens zur Bundespolizei versetzt wurde. Plötzlich wird im Wohnumfeld von Adler eine Schülerin entführt, die sich ihm zuvor anvertraut hatte. Wolf und Adler geraten in ein Räderwerk von Vorschriften, persönlichem Engagement und echter Freundschaft.
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Seitenzahl: 287
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Gitte Loew
Rauch und Asche
Frankfurt Krimi
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Samstag, 1. Juni
Montag, 3. Juni
Dienstag, 4. Juni
Mittwoch, 5. Juni
Donnerstag, 6. Juni
Freitag, 7. Juni
Sonntag, 9. Juni
Montag, 10. Juni
Dienstag, 11. Juni
Mittwoch, 12. Juni
Donnerstag, 13. Juni
Freitag, 14. Juni
Samstag, 15. Juni
Montag, 17. Juni
Dienstag. 18. Juni
Mittwoch, 19. Juni
Donnerstag, 20. Juni
Freitag, 21. Juni
Montag, 24. Juni
Dienstag, 25. Juni
Mittwoch, 26. Juni
Donnerstag, 27. Juni
Freitag, 28. Juni
Samstag, 29. Juni
Montag, 1. Juli
Dienstag, 8. Juli
Impressum neobooks
»Roman wach’ auf, es hat gebrannt!« Der Angesprochene rührte sich nicht und schlief weiter.
»Jetzt mach’ endlich die Augen auf, es qualmt noch!« Boris stoppte in der Kurve vor dem Lager und stieg aus. Er näherte sich dem ausgebrannten Fahrzeug und versuchte zu erkennen, ob noch jemand im Auto saß. Der Innenraum war zu einem Plastikknäuel zusammengeschmolzen und mit schwarzem Ruß überzogen. Die Hitze des Feuers hatte die Scheiben zum Bersten gebracht. Auf dem Weg lagen verstreut kleine Glasstücke. Boris kramte sein Handy aus der Jackentasche und wählte die Nummer der Polizei. Es dauerte, bis sich jemand meldete.
»Hallo, hier ist Boris Bilas. In der Homburger Landstraße steht ein ausgebrannter Wagen. Hinter der Eisenbahnbrücke am Bahnhof Frankfurter Berg, dort wo es zur Baustoffhandlung Kruck geht. «
»Befinden sich noch Personen im Fahrzeug? «
»Nein, ich konnte niemanden sehen. «
»Warten Sie bitte am Unfallort. Ich schicke Ihnen eine Streife vom 15. Revier vorbei. «
Roman war mittlerweile wach geworden und rieb sich die Augen. Er starrte mit offenem Mund auf den Weg. »Oh, das war mal ein silberfarbener Mercedes. «
»Sei still, du Idiot. Wir sollen hier auf die Bullen warten. Das kostet uns Zeit. Der Chef wird meckern, wenn wir nicht pünktlich auf der Baustelle sind. Ich sag’ ihm Bescheid. «
»Mann spinnst du, guck’ mal auf die Uhr! « Es dauerte nicht lange, und ein Streifenwagen kam den schmalen Weg entlanggefahren. Die Fensterscheibe ging nach unten: »Guten Morgen, haben Sie angerufen?«
»Ja, mein Name ist Boris Bilas, ich habe mit Ihrem Kollegen telefoniert. «
Die Polizeibeamten stiegen aus und gingen auf das ausgebrannte Wrack zu. Was machen Sie so früh am Morgen hier?«, der Beamte beäugte die beiden Arbeiter misstrauisch von Kopf bis Fuß.
»Wir wollten Material holen. « Er zeigte mit dem Finger auf ein weiter entfernt liegendes Gebäude.
»Gehören Sie zur Firma Kruck? «
»Nein, wir arbeiten beim Gartenbau. Ich muss meinem Chef Bescheid sagen, dass wir später kommen. «
»Haben Sie den Wagen hier schon einmal gesehen?« Polizeiobermeister Olbrich kam die Sache nicht ganz geheuer vor. Vielleicht war das ein krummes Ding.
»Nein. Wir haben mit dem Auto nichts zu tun. Wir wollten nur Sand und Steine holen. Das sieht doch jeder, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. « Boris verschränkte die Arme vor der Brust und blieb breitbeinig stehen.
Der andere Polizist lief umher und inspizierte die Gegend. Olbrich rief ihm zu: »Thomas notierst du die Personalien der Männer, ich rufe die Kripo an.« Polizeimeister Reichert drehte sich um und winkte die beiden Arbeiter zu sich heran. »Also Herr Bilas, wo sind Sie polizeilich gemeldet? «
»Wir schlafen in einer Firmenunterkunft. Der Chef hat eine Wohnung in Burgholzhausen für uns gemietet und da wohnen wir. «
Reichert seufzte. »Auch das noch, zeigen Sie mir bitte Ihre Arbeitserlaubnis. «
Boris kramte einen Zettel aus seiner Jackentasche und hielt ihm das zerknüllte Papier unter die Nase. Roman Magdic, der hinter Boris stand, tat unaufgefordert das Gleiche. Der Ablauf einer Überprüfung war den beiden anscheinend gut bekannt.
Olbrich ging zum Streifenwagen und griff nach dem Funkgerät. »Hallo, hier ist Frank 315. Wir sind zu einem ausgebrannten Mercedes in die Homburger Landstraße gerufen worden. Das Wrack steht in der Nähe des S-Bahnhofs, seitlich des Bahngeländes. Scheint leer zu sein. Vielleicht wurde er gestohlen und sollte entsorgt werden. Die Nummernschilder fehlen. Könnt ihr die Kollegen von der Kripo vorbei schicken? Ja, wir warten hier und sichern den Tatort. « Nachdem er aufgelegt hatte, kramte er kleine Pflöcke aus dem Kofferraum, steckte sie in die Erde und sperrte den Weg mit einem Plastikband ab. Reichert ließ in der Zwischenzeit die Namen der beiden Zeugen über die Datenbank abgleichen.
Boris war ungeduldig: »Könnten wir nicht schnell unser Material holen? Der Weg ist doch eine Sackgasse und wir kommen auf dem Rückweg sowieso wieder hier vorbei. «
Olbrich war genervt. Die Nachtschicht ging dem Ende zu und dann hatte ihn das noch erwischt. Ungehalten schnauzte er den Arbeiter an: »Ihr müsst auf die Kollegen von der Kriminalpolizei warten. «
Roman wich erschrocken zurück. Als Boris merkte, dass er so nicht weiterkam, schlug er einen anderen Ton an. »Chef, bis die Leute von der Kripo auftauchen, sind wir wieder zurück. Es dauert nicht lange. « Er gab Roman einen Wink ins Auto einzusteigen. Der Laster ratterte langsam zu dem weiter entfernt liegenden Gehöft.
»Ihr habt gehört, was ich gesagt habe«, schimpfte Olbrich ihnen hinterher.
Eine Viertelstunde später kam ein Opel Insignia den Weg entlanggefahren und vier Personen stiegen aus. »Morgen, ich bin Kommissarin Wolf vom K13 und das ist Herr Rogler der Brandsachverständige. Die anderen Kollegen sind von der Spurensicherung. Wer von Ihnen hat das Auto gefunden? «
»Zwei Arbeiter«, erklärte Olbrich. »Sie waren auf dem Weg zu ihrem Lager. Im Augenblick laden sie ihr Material bei Kruck auf. Auf dem Rückweg kommen sie wieder hier wieder vorbei. «
Es begann, fein zu regnen. Hanna zog eine Strickmütze über den Kopf. »Keine schlechte Stelle für einen Brand. Die Böschung zur Straße hin ist hoch. Die Bäume und das Unterholz verdecken die Sicht. « Der Polizist nickte zustimmend. »Ja, nach der anderen Seite hin schirmt die zwei Meter hohe Brombeerhecke den Wagen ab. Außerdem stehen wir direkt am Feld. Da hinten gibt es ein Anwesen, aber da wohnt kaum jemand. « Olbrich kannte sich in der Gegend gut aus.
»Das ist kein einfacher Diebstahl. Da steckt etwas anderes dahinter«, murmelte Hanna Wolf leise vor sich hin. Der Brandsachverständige kam von seiner ersten Begutachtung zurück. »Wir müssen den Wagen in der Werkstatt untersuchen. Durch die vielen Bäume ist es zu dunkel, um überhaupt etwas sagen zu können. Außerdem lassen sich die Türen und der Deckel des Kofferraums nicht öffnen. «
»Ich rufe den Abschleppdienst. «
»Frau Wolf, brauchen Sie mich noch? « rogler war stehen geblieben. »Nein, aber schicken Sie mir bitte Ihren Bericht so schnell wie möglich. «
»Ich habe viel Arbeit, aber ich tu’, was ich kann! «
Hanna Wolf lachte. Sie wusste, dass es dauern würde. Der Abschleppdienst kam aber glücklicherweise schneller, als sie alle erwartet hatten.
»Moin«, rief der Mann aus dem Fahrerhaus und rangierte den Transporter geschickt in die richtige Position. Hanna Wolf stand mit den Kollegen von der Schutzpolizei am Feldrand und beobachtete das Schauspiel. Auf der anderen Seite wartete mittlerweile auch der kleine Laster des Gartenbaus. Nachdem der Fahrer noch zusätzliche Metallstreben unter das Wrack geschoben und befestigt hatte, hob er vorsichtig den Schrott hoch. Beim ersten Ruck sprang plötzlich der Kofferraumdeckel auf.
Kommissarin Wolf rief: »Halt! « Sie gab Handzeichen, das Ding wieder auf den Boden zu stellen. Der Fahrer setzte seine zerbrechliche Fracht behutsam auf die Erde zurück. Hanna stiefelte zum Auto und leuchtete mit der Taschenlampe in den Kofferraum.
»Jetzt wissen wir, warum der Täter hierher gefahren ist, und Feuer gelegt hat. « Den Kollegen von der Spurensicherung rief sie laut zu: »Wir haben eine Leiche im Kofferraum. Ich werde den Gerichtsmediziner anrufen, damit er sich vor Ort einen Eindruck verschaffen kann. Der Wagen kann erst danach abtransportiert werden. «
Die Männer der Spurensicherung machten sich auf den Weg, und steckten das Gelände weitläufig ab.
»Und was ist mit uns? Können wir vorbeifahren? « Boris guckte ganz verdutzt.
»Tut mir leid, ihr könnt erst weiterfahren, wenn alle Spuren gesichert sind. «
»Und wie lange wird das dauern? «
»Das weiß ich im Moment noch nicht, aber es wird besser sein, ihr informiert euren Chef. « Hanna kümmerte sich nicht weiter um die Arbeiter und ging auf die wartenden Schutzpolizisten zu. Olbrich sah müde aus. Er winkte mit der Hand ab: »Ich schick’ meinen Kollegen auf die Wache zurück. Er kann schon anfangen, den Bericht für die nächste Schicht zu schreiben. Wir haben in einer Stunde Dienstübergabe. Ich bleibe zur Verstärkung hier. Sie können mich nachher am Revier absetzen. «
Die Kommissarin widersprach ihm nicht. Olbrich stand kurz vor der Pensionierung, da war Nachtdienst anstrengend. Hanna Wolf telefonierte zuerst mit der Staatsanwältin und anschließend mit dem Institut für Gerichtsmedizin. Sie hatte mittlerweile kalte Füße und sehnte sich nach einer Tasse heißen Tee. Nach weiteren 30 Minuten tauchte endlich der Wagen des Arztes auf. Ein grauhaariger Mann stieg aus. Hanna ging ihm entgegen.
»Morgen Dr. Keller. Wir dachten zuerst, dass jemand etwas entsorgen wollte. Nachdem das Blech angehoben wurde, sprang der Deckel auf. Aber sehen Sie selbst, was der Täter für uns versteckt hat. «
»Frau Wolf, ich sage ja immer, Sie verkehren in den falschen Kreisen. « Der Arzt verzog sein Gesicht zu einem schiefen Lächeln und lief mit gebeugtem Rücken in Richtung Wrack.
»Den Job möchte ich auch nicht haben«, entfuhr es Olbrich, der neben der Kommissarin stand. Hanna holte Luft: »Wir nennen ihn nur die Kellerassel. Er ist den Tierchen aus den Grüften doch sehr nah. Meinen Sie nicht? «
»Ach hören Sie auf. Das wäre nichts für mich. « Olbrich schüttelte sich. Sie waren inzwischen vom Regen ziemlich durchnässt. Hanna fühlte sich im wahrsten Sinne des Wortes wie ein begossener Pudel. Kurze Zeit später kam der Gerichtsmediziner zurück. Er wog den Kopf abschätzend hin und her.
»Nach meiner Einschätzung muss es zwischen 2 und 4 Uhr in der Früh gebrannt haben, aber das kann Ihnen der Brandsachverständige genauer sagen. Im Freien ist es nicht ganz einfach, den Zeitpunkt des Todes festzustellen. Der Wagen ist nur zum Teil verbrannt. Der Täter hat hauptsächlich das Opfer mit Benzin übergossen und angezündet. Ihm ging es wohl darum, die Leiche unkenntlich zu machen. Das war ein Anfänger, sonst sähe das Ganze anders aus. «
»Anfänger ist gut, da haben wir vielleicht eine Chance«, Hanna Wolf wischte sich mit einem Taschentuch über ihr nasses Gesicht. Sie wandte sich dem Schutzpolizisten zu, der hinter ihr stand: »Ab wann fahren die S-Bahn-Züge? «
Olbrich dachte einen Moment nach. »Soviel ich weiß, beginnt der Betrieb wochentags um 4 Uhr. «
»Gutes Timing«, murmelte Hanna kaum hörbar. Obwohl sie leise gesprochen hatte, war ihre Bemerkung dem Arzt nicht entgangen.
»Was für ein Glück, das ich mit dem Auto zurückfahren kann. Ich möchte ungern einem Feuerteufel begegnen. « Er reichte Hanna die Hand. »Bericht kommt so schnell wie möglich. Schönes Wochenende Frau Wolf. « Er stieg ins Auto und fuhr davon.
Hanna schlenderte zu den Männern der Spurensicherung. »Wie sieht es bei euch aus? «
»Der Regen macht uns die Arbeit auch nicht leichter. Trotzdem werden wir die Gegend noch weitläufig absuchen. Heute Morgen ist noch niemand hier entlanggefahren. Wenn du verschwinden möchtest, ordere bitte einen Wagen für uns, damit wir ins Präsidium zurückkommen. «
»Kann der Laster vom Gartenbau passieren? «
»Ja, am Weg haben wir alles gründlich abgesucht. Keine weiteren Reifenspuren. Der Täter muss den Rückweg zu Fuß angetreten haben. «
Hanna Wolf winkte den Kleinlaster vorbei. Dann ging sie zu dem übermüdeten Olbrich. »Es bringt nichts, weiter hier herumzustehen. Ich nehme Sie mit und setze Sie am Revier ab. «
Sie stiegen ins Auto und die Kommissarin wendete das Fahrzeug. Sie fuhr hoch zur Eisenbahnbrücke, die über die Bahngleise führte. Die dahinter stehenden Hochhäuser ragten im Regen wenig einladend in die Höhe. Hanna musste an der roten Ampel anhalten.
»Vielleicht hat unser Brandstifter überhaupt nicht die S-Bahn benutzt, sondern haust in einem der Wohnsilos. Was meinen Sie? «
»Das glaube ich nicht. Wir haben die Leute aus der Siedlung Frankfurter Berg gut im Griff. Es herrscht Ruhe hier. «
»Glauben Sie das wirklich? «
»Aber ja doch, nicht weit von ihr entfernt ist die Unterkunft der Bundespolizei. Die Beamten sind in den ehemaligen amerikanischen Kasernen stationiert. So viel Polizei, wie in dieser Gegend, gibt es vermutlich in der ganzen Stadt nicht. « Er grinste sie zufrieden an.
Kommissarin Wolf hielt vor dem 15. Polizeirevier und Olbrich stieg aus. Sie ließ das Seitenfenster runter. »So gut wie Sie, möchte ich es auch mal haben. Sie können mitten im Grünen arbeiten, direkt neben Kirche und Kindergarten. Traumhafte Zustände. «
Olbrich lachte und verschwand hinter der Eingangstür des Reviers.
In Frankfurt stieg die Temperatur stetig an. Die Sommerhitze wurde unerträglich. In der Nacht fiel das Thermometer kaum unter 24 Grad. Die Stadt kühlte nicht mehr ab. Hanna saß an ihrem Schreibtisch mit Schweißperlen auf der Stirn. Im Moment telefonierte sie mit der Firma Mercedes. Das Gespräch zog sich schon eine ganze Weile hin. Die Nummernschilder des verbrannten Wagens waren verschwunden. Hanna hatte jedoch von der Spurensicherung die Fahrgestellnummer erhalten. So konnte sie über die Autofirma den Erstkäufer des Wagens ermitteln. Der Mann hieß Edgar Walter und war vor 5 Jahren gestorben. Ihre Nachfrage bei der Zulassungsstelle erbrachte weitere Hinweise. Das Fahrzeug gehörte mittlerweile der Witwe des Verstorbenen.
»Können Sie mir die Adresse der Halterin geben? «
»Ja natürlich, Berger Straße 79 A, in Frankfurt am Main. «
»Vielen Dank, Frau Heinrich. « Kommissarin Wolf stand auf und verließ ihr Büro. Sie öffnete die Tür zum Nebenzimmer.
»Morgen, Robert. Ich habe die Besitzerin des Mercedes ausfindig gemacht. Bevor wir uns zur ersten Besprechung in der Sache treffen, möchte ich weitere Informationen einholen. «
Hauptkommissar Jäger lehnte sich im Stuhl zurück und überlegte einen Augenblick. »Ist der Wagen eigentlich als vermisst gemeldet worden? «
»Nein, die Halterin weiß noch nichts von ihrem Glück. «
»Naja, mir schwant da nichts Gutes. Hoffentlich triffst du die Frau noch lebend an. Wir setzen uns am besten heute Nachmittag zusammen und sehen uns die Meldungen an, die bis dahin eingegangen sind. Was meinst du, soll ich dich nicht lieber begleiten? «
»Das wäre gut Robert. Ich habe auch kein gutes Gefühl bei der Sache. «
»Geht in Ordnung. Organisiere ein Auto. Ich bin in 10 Minuten in der Tiefgarage. «
Hanna Wolf erledigte die Formalitäten und fuhr mit dem Aufzug ins Untergeschoss. Nachdem Jäger eingestiegen war, lenkte sie den Wagen aus der Tiefgarage des Präsidiums und fuhr auf die Adickesallee Richtung Bornheim. Selbst am Morgen war es nicht einfach, auf der Berger Straße einen Parkplatz zu finden. Doch sie hatte Glück, als ein kleiner Lieferwagen aus einer Parkbucht herausfuhr, huschte sie schnell in die freie Lücke. Die beiden Kommissare stiegen aus. Sie machten sich auf den Weg, um die Hausnummer zu suchen. Hanna entdeckte die Ladenadresse zuerst. Über dem Schaufenster hing ein Firmenschild mit der Aufschrift: „Frankfurter Burleske“. Hinter der Scheibe war auf schwarzem Samt ein rosa Büstenhalter drapiert. Daneben lagen Spitzenhemdchen und das passende Höschen. Jäger lachte vergnügt. »Läuft so ein Laden überhaupt noch? «
Hanna Wolf musste unwillkürlich auch grinsen. »Trägt deine Frau etwa nur baumwollene Unterhosen? «
»Natürlich nicht. Wobei ich mir schon öfter die Frage gestellt habe, warum die kleinen Fummel so teuer sind. Schau dir das an, die drei Teile kosten 175 Euro. «
Hanna zuckte mit den Schultern und drückte die Türklinke zur Boutique herunter, doch die Tür war verschlossen. »Noch zu, wie spät ist es denn? «
Jäger sah auf seine Armbanduhr. »Schon 10 Uhr. Wann macht das Geschäft denn auf? Siehst du irgendwo ein Schild mit den Öffnungszeiten? «
Hanna reckte den Hals und suchte nach einem Hinweis. »Nein, aber da ist noch ein Namensschild an den Klingeln. Frau Walter scheint auch ihre Privatwohnung hier im Haus zu haben. «
Hauptkommissar Jäger drückte auf den Klingelknopf. Kurz darauf summte es und die Tür ging auf. Die beiden Kriminalbeamten stiegen die Treppen nach oben. Die Wohnung befand sich im letzten Stockwerk. Eine kleine grauhaarige Frau guckte durch den Türspalt. Die Tür war von innen mit einem Schieber verriegelt.
»Guten Morgen, sind Sie Frau Walter? «
»Nein, sie ist nicht zu Hause, was wollen Sie? Soll ich ihr etwas ausrichten? «
Hanna Wolf zog ihren Ausweis aus der Tasche und hielt ihn der höchstens ein Meter fünfzig großen Person entgegen. »Ich bin Kommissarin Wolf von der Kriminalpolizei Frankfurt. Wir möchten mit Frau Walter sprechen. Wer sind Sie denn? «
»Ich bin die Putzfrau, Angelina Montano. Ich weiß nicht, wo Frau Walter hingegangen ist. Als ich heute Morgen kam, herrschte ein ziemliches Durcheinander, aber die Wohnung war leer. Ich dachte, Frau Walter würde bereits im Laden sein. Erst als ich den Müll nach unten gebracht habe, fiel mir auf, dass die Boutique noch geschlossen war. «
»Wäre es nicht besser, wenn wir uns in der Wohnung unterhalten würden? «
»Entschuldigen Sie bitte. » Frau Montano öffnete die Verriegelung und wich einen Schritt zurück. Die Kommissare betraten den Flur und sahen sich erstaunt um. Die Wohnung war mit Biedermeiermöbeln eingerichtet. Das passte irgendwie nicht zu einem Geschäft mit dem Namen Frankfurter Burleske. Frau Montano schien zu ahnen, was die beiden dachten. »Alles, was Sie hier sehen, ist aus Kirschbaumholz. Die Antiquitäten sind ein Hobby von Frau Walter. « Die Putzfrau lächelte stolz, als wenn die Möbel ihr selbst gehören würden.
»Wo könnte Frau Walter denn hingegangen sein? Ist sie schon öfter verschwunden, ohne Ihnen eine Nachricht zu hinterlassen? « Hauptkommissar Jäger beobachtete Frau Montano, die in Gedanken versunken mit einem Staubtuch über die Tischplatte wischte.
»Nein, eigentlich nicht. Seit Herr Walter tot ist, hat sich aber einiges verändert. «
»Was wollen Sie damit sagen? « Die Frau gab ihm keine Antwort. Sie blickte stattdessen zum Fenster hinaus. Jäger gefiel das nicht. »Frau Montano, vielleicht ist Frau Walter etwas passiert. Sie müssen uns darüber informieren, was Sie wissen. «
Die Putzfrau sah erschrocken auf. »Ist Frau Walter mit dem Auto verunglückt? «
Die Kriminalbeamten warfen sich stumme Blicke zu. Jäger schluckte, bevor er zu reden begann: »Nein, nicht direkt. Wir haben nur ihr Auto gefunden. «
Die Putzfrau sah ihn verständnislos an: »Und was ist mit Frau Walter? Was hat das zu bedeuten? «
Hanna Wolf zog einen Stuhl unter dem Tisch hervor und setzte sich. Dann gab sie Frau Montano mit der Hand ein Zeichen, sich zu ihr zu setzen. »Wir müssen Ihnen die Sache erklären. Der Wagen von Frau Walter wurde gefunden. Er ist ausgebrannt. Im Kofferraum lag eine verkohlte Leiche. Wir können noch nicht sagen, wer das ist. Im Moment laufen die Untersuchungen. Bei dem gefundenen Opfer muss es sich nicht um Frau Walter handeln. «
Frau Montano sagte kein Wort. Sie hielt sich entsetzt die Hände vor den Mund. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, dann heulte sie los. Hanna hatte das befürchtet. Den Kriminalbeamten blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis sich die Putzfrau wieder beruhigt hatte. Nach einer Weile berichtete sie stockend, was sie wusste. »Frau Walter hat seit dem Tod ihres Mannes einige neue Bekannte. «
»Sie reden von Männerbekanntschaften«, bohrte Hanna Wolf weiter. Sie wollte es genauer wissen.
Frau Montano nickte: »Das gehört zum Geschäft. Im Laden haben schon immer Frauen und Männer eingekauft. « Während sie sprach, sah sie Hanna geistesabwesend an. Sie war mit ihren Gedanken im Moment ganz woanders.
»Kennen Sie vielleicht die Namen der neuen Bekannten von Frau Walter? «
Plötzlich zuckte die Frau zusammen: »Ich kann mich nur an die Vornamen Horst und Siegfried erinnern. Mit Horst saß Frau Walter einmal am Tisch, als ich morgens zur Arbeit kam. Sie hat mich an diesem Tag zum Arbeiten ins Geschäft geschickt. Sie wollte nicht, dass ich höre, was besprochen wurde. Sie war trotzdem eine nette Chefin. Nicht das, was Sie denken. Das Ehepaar hat eine gute Ehe geführt. «
»Wir denken gar nichts Schlechtes über Frau Walter. Wir möchten nur herausfinden, wo sie sich im Moment aufhält, und ob sie noch am Leben ist. Es ist gut möglich, dass es sich bei der verkohlten Leiche um eine ganz andere Person handelt. Vielleicht ist das Auto gestohlen worden. Oder es wurde eine Straftat damit begangen. Im Augenblick wissen wir nicht viel. Uns liegen noch keine Untersuchungsergebnisse vor. Wann haben Sie Frau Walter denn das letzte Mal gesehen? «
Der Putzfrau liefen Tränen übers Gesicht. Sie putzte sich die Nase. Danach hatte sie sich etwas gefasst: »Letzten Freitag. Ich komme immer montags, um die Wohnung sauber zu machen, und freitags kümmere ich mich um den Laden. «
Sie stützte ihren Kopf in die Hände. Die Nachricht über den verbrannten Wagen drang nur langsam in ihr Bewusstsein. Sie wirkte verwirrt. Hanna tat die Frau leid, aber sie konnte keine Rücksicht auf ihre Gefühle nehmen. Die Kripo mußte schnell an Informationen herankommen.
»Ist es richtig, das Sie Schlüssel für die Wohnung und die Boutique haben? « Anstelle einer Antwort sackte die Frau noch mehr in sich zusammen und nickte hilflos. Hanna spürte, dass es im Moment schwierig war, weiter mit ihr zu reden. »Bitte geben Sie uns die Schlüssel. Bevor Sie gehen, müssen Sie ihre privaten Sachen zusammenpacken. Die Wohnung wird anschließend versiegelt. Sie können die Räume danach nicht mehr betreten. Ich muss die Spurensicherung informieren.«
Die Putzfrau beugte sich vor und versuchte aufzustehen.
»Moment, ich habe noch eine Frage. Können Sie sich daran erinnern, wann dieser Horst hier übernachtet hat? «
Frau Montano sackte auf den Stuhl zurück und zuckte mit den Schultern. »Tut mir leid, das ist schon eine Weile her. Ich weiß es nicht mehr genau. Ich glaube, dass ich den Mann nur einmal gesehen habe. «
Hanna Wolf blickte zu Jäger, der stumm den Kopf schüttelte. »Hat Frau Walter ein Telefonverzeichnis? «
»In ihrer Handtasche. Das wird sie dabei haben, als Sie die Wohnung verlassen hat. «
Jetzt schaltete sich Hauptkommissar Jäger ein: »Gibt es einen Schreibtisch in der Wohnung, oder steht er im Laden? «
»Nein, die Bürosachen sind alle im Geschäft. Wissen Sie, Frau Walter hat mehr in ihrem Geschäft gelebt, als in der Wohnung. Wer sie treffen wollte, kam in die Boutique. «
»Hatte Frau Walter einen großen Bekanntenkreis? Kennen Sie jemanden mit Namen? «
Ein bitteres Lachen drang aus ihrem Mund: »Wer selbstständig ist, hat einen langen Arbeitstag. Das Geschäft lief seit ein paar Jahren nicht mehr so besonders. Frau Walter hat nach dem Tod ihres Mannes einmal zu mir gesagt, dass sie eigentlich aufhören müsse. Doch der Laden war mehr für sie, als nur Arbeit. Das Ehepaar hat keine eigenen Kinder. Die Stammkunden waren ihre Bekannten. Im Lauf der Jahre wurden es immer weniger. Bevor er starb, gab es eine Verkäuferin in der Boutique. Das lohnte sich später nicht mehr. «
»Können Sie uns die Namen der Stammkunden nennen? «
»Ich kenne nur Frau Holler. Sie wohnt in Sachsenhausen. Mit ihr hat sich Frau Walter öfter sonntags getroffen. Die Frauen sind manchmal in den Taunus gefahren, oder haben irgendwo zusammen Mittag gegessen. Vielleicht finden Sie andere Adressen im Schreibtisch. «
Kommissarin erhob sich. »Wir werden nachsehen. Können Sie uns bitte das Geschäft aufschließen? «
Die Putzfrau kam nur schwer auf die Füße. Offenbar war ihr die Nachricht in die Glieder gefahren. Hanna Wolf beobachtete sie und meinte zu ihrem Begleiter: »Robert, kannst du mit Frau Montano nach unten gehen? Ich telefoniere in der Zwischenzeit mit Frau Staatsanwältin Stern. Sie wird uns einen Durchsuchungsbefehl ausstellen müssen. So wie es aussieht, ist Gefahr in Verzug. Danach rufe ich die Spurensicherung an. «
»Kommen Sie Frau Montano. Ich begleite Sie in die Boutique. «
Hanna Wolf wählte die Nummer der Staatsanwaltschaft. »Guten Morgen Frau Stern. Ich bin am Samstag zu einem ausgebrannten Mercedes gerufen worden. Im Kofferraum lag eine verkohlte Leiche. Ich konnte über die Zulassung die Halterin des Wagens ermitteln, aber die ist zurzeit nicht auffindbar. Ihre Putzfrau hat uns die Wohnungstür geöffnet. Um nach weiteren Hinweisen zum Aufenthaltsort der Vermissten suchen zu können, brauchen wir einen Durchsuchungsbefehl. «
»Was sagen denn die Nachbarn? «
»Die Wohnung der Familie Walter umfasst das gesamte Dachgeschoss. Die Gesuchte ist Witwe und Eigentümerin des Hauses. In der Wohnung darunter wohnt eine schwerhörige alte Dame, die von alldem nichts mitbekommen hat. Nebenan ist ein Maklerbüro. Der erste Stock des Hauses ist als Praxis an einen Hautarzt vermietet. Im Erdgeschoss befindet sich die Boutique der Hausbesitzerin. Frankfurter Burleske.«
»Frankfurter was? «, Frau Stern glaubte, sich verhört zu haben.
»Burleske, das ist so eine Art Tanz in Unterwäsche. «
»Was habt ihr denn da wieder an Land gezogen! Und das am Montagmorgen. Ich stelle Ihnen den Durchsuchungsbefehl aus. Im Augenblick bin ich sehr in Eile Frau Wolf. Tschüss. «
Hanna blickte zum Fenster hinaus. Das Eckhaus bot einen schönen Ausblick auf die Stadt. Zu ihren Füßen lag Bornheim. Geschäftig liefen Menschen durch die Berger Straße. Hanna dachte eine Weile nach. Warum hatte der Täter den Mercedes angezündet? Auf dem Schwarzmarkt hätte das Fahrzeug noch Geld eingebracht. Der Mörder wollte sein Opfer nicht nur töten, sondern auch unkenntlich machen. Wobei es Unsinn war, die Tote im eigenen Auto zu verbrennen. Der Brand sollte vermutlich die Arbeit der Kripo behindern. Bis der Obduktionsbericht vorlag, würde eine Weile vergehen. Die Zeit konnte der Brandstifter für seine Zwecke nutzen. Eines stand fest, dieser Täter würde ihnen Kopfzerbrechen bereiten.
Am nächsten Morgen marschierte Kommissarin Wolf mit diversen Aktenmappen unterm Arm ins Besprechungszimmer. Es roch muffig, aber die Fenster ließen sich nicht öffnen. Sie drehte an dem Thermostat der Klimaanlage herum und gab nach einigen erfolglosen Bemühungen auf. Als nächster erschien Torsten.
»Was habt ihr im Fall Walter herausgefunden? «
Hanna blickte spöttisch zu ihm rüber. »Du nervst, das gibt schlechte Punkte. Ich fange erst mit meinem Bericht an, wenn alle eingetroffen sind. Ich habe keine Lust, alles zweimal zu erzählen. «
Torsten zwinkerte schelmisch, trank einen Schluck aus seiner Wasserflasche und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Er war Anwärter für den gehobenen Polizeidienst und ein pfiffiger junger Mann. Hanna fragte sich manchmal, ob sie in seinem Alter auch so penetrant war.
»Kannst du bitte den Kaffee aus meinem Büro holen? «
Torsten machte sich ohne Murren auf den Weg, um die Sachen zu besorgen. Wenige Minuten später erschienen Pat und Patachon, wie die beiden Kommissare Lotz und Feuerstein genannt wurden. Manfred dokumentierte die Fälle des K13 und Jürgen Feuerstein hatte eine Weiterbildung zum Spezialisten für Tatort-Dokumentation gemacht. Als Letzter kam Hauptkommissar Jäger angerannt. Nachdem sich alle mit Kaffee versorgt hatten, begann Hanna mit ihrem Bericht.
»Im Fall des verbrannten Autos gibt es neue Hinweise. Der Mercedes gehört einer Frau Ulla Walter. Besitzerin der Boutique Frankfurter Burleske auf der Berger Straße. Wir konnten Frau Walter gestern weder in ihrer Wohnung, noch in ihrem Geschäft antreffen. Die Fahndung nach ihr läuft. Ich befürchte allerdings, dass sie nicht mehr am Leben ist. Ihre Privatwohnung befindet sich im gleichen Haus. Wir haben ihre Putzfrau in der Wohnung angetroffen und vorort vernommen. Sie ist nur stundenweise beschäftigt. Leider wusste Frau Montano nicht viel, über ihre Chefin zu berichten. «
Hauptkommissar Jäger schaltete sich ein. »Das ist unser Problem. Wir wissen nicht, seit wann genau Frau Walter vermisst wird. Sie ist verwitwet und lebt allein. Ihre Putzfrau hat sie am vergangenen Freitag das letzte Mal gesehen. Es gibt bisher keine weiteren Zeugen, die über den Verbleib von Frau Walter Auskunft geben können. Wohnung und Laden wurden von uns versiegelt. «
Hanna fuhr fort: »Frau Montano gab uns allerdings einen Hinweis auf eine Bekannte der Vermissten. Sie heißt Holler und wohnt in Sachsenhausen im Hainerweg. Die Frauen sollen miteinander befreundet sein. Meine telefonische Nachfrage bei ihr ergab, dass sie mit ihrer Freundin vor einer Woche telefoniert hat, aber nichts Außergewöhnliches besprochen wurde. Sie geht davon aus, dass ihre Freundin aus geschäftlichen Gründen verreist sein könnte. Wir halten das für eher unwahrscheinlich, da Frau Walter an ihrer Ladentür keinen Hinweis wegen einer Schließung hinterlassen hat. «
Hanna durchsuchte ihre Papiere nach weiteren Notizen, fand aber nichts. »Das ist vorerst alles von meiner Seite. «
Jäger rückte mit dem Stuhl näher an den Tisch heran, bevor er seine Ermittlungsergebnisse erläuterte: »Ich habe jedoch im Zuge der Durchsuchung etwas Eigenartiges entdeckt. Im Raum hinter dem Laden steht ein verschlossener Schrank, den ich durch die Spurensicherung habe öffnen lassen. Wir fanden Damenunterwäsche, also keine neue Ware, sondern alte Sachen, die sicher aus den Sechzigerjahren stammen. Strapse, Mieder und so ein Zeug. «
»Strapse sind noch immer gefragt. «
»Fetischisten und getragene Damenwäsche? Die zieht doch kein Mensch mehr an. «
»Vielleicht gibt es ältere Herren, die auf besondere Ware fixiert sind«, Manfred Lotz verdrehte die Augen.
Hanna lachte leise in sich hinein. »Leute, ihr wisst anscheinend nicht, dass es in Japan Automaten gibt, aus denen man getragene Damenslips kaufen kann. «
»Gleich neben der Banane zum Frühstück«, feixte Torsten vergnügt.
Hanna musste lachen, war sich aber über den Ernst der Lage bewusste, und kam wieder zur Sache. »Der Name des Dessous- Geschäftes lautet übrigens Frankfurter Burleske. Es ist eine Anspielung auf die Anfänge der erotischen Shows. Burleske ist der Vorläufer des Striptease. Die Mädchen bewegen sich noch immer an Stangen rauf und runter, aber im Gegensatz zu früher sind sie mittlerweile völlig nackt. «
Hauptkommissar Jäger beendete die Spekulationen mit einer Handbewegung. »Egal ob Automaten, Stangen oder Strapse, wir haben eine Leiche, um die wir uns kümmern müssen. Vielleicht hatte Frau Walter etwas mit Fetischisten zu tun. Unter Umständen ist sie deshalb in gefährliches Fahrwasser geraten. Sie könnte auch Kunden erpresst haben. Das sind aber alles nur Vermutungen. Wir wissen im Moment noch nicht, ob es sich bei der Leiche aus dem Mercedes wirklich um Ulla Walter handelt. «
Hanna stimmte ihm zu. »Wir wollen Morgen weitere Vernehmungen in der Umgebung des Geschäftes durchführen. Vielleicht haben andere Nachbarn mehr mitbekommen, als die Putzfrau. Wer will mich begleiten? «
Torsten hob die Hand und wollte gerade etwas sagen, als die Tür aufging und Frau Stern ins Zimmer kam. Er schluckte seine Bemerkung herunter und zog es vor, den Mund zu halten. Die Staatsanwältin stöckelte schick vom Scheitel bis zur Sohle zum nächst freien Platz und ließ sich nieder. Sie war perfekt geschminkt und erstklassig gekleidet. Trotz ihrer beeindruckenden Erscheinung galt sie in Frankfurt als nicht besonders beliebt. Ihr eilte der Ruf voraus, arrogant zu sein. Hanna hatte keine Probleme mit Frau Stern. Vielleicht lag es daran, dass sie ebenso extravagant aussah, wie die Staatsanwältin. Ihr rotes Haar umwehte sie wie eine Fahne, die man schon von Weitem sah. Sie glich mehr einer Walküre aus einer Mythologie, als einer Kriminalkommissarin.
»Guten Tag, meine Damen und Herren. Frau Wolf hat mich bereits informiert. Der Fall mit dem ausgebrannten Mercedes ist eine unangenehme Sache. Was es mit dem Dessous Geschäft auf sich hat, muss auf alle Fälle diskret ermittelt werden. Vielleicht geht es ja auch um Erpressung. So lange wir nichts Näheres über den Täter wissen, bitte keinerlei Information an die Presse «, dabei warf sie den Kollegen einen mahnenden Blick zu. Es geisterte intern das Gerücht umher, dass es einen Maulwurf bei der Kripo gab, der bis jetzt noch nicht entdeckt worden war.
»Wir hatten bisher in Frankfurt wenig mit ausgebrannte Autos zu tun. Andere Kommunen haben in dieser Hinsicht große Probleme. In unserer Stadt finden viele internationale Verhandlungen statt. Wir müssen dafür sorgen, dass dieser Brandstifter rasch gefasst wird. Herr Jäger, falls Sie Unterstützung brauchen, lassen Sie es mich wissen. Ich werde mich für Sie verwenden. Sehen Sie zu, dass der Fall schnell zu den Akten gelegt werden kann. Stehen noch Fragen an? «
Hanna sah aufmerksam in die Runde, als niemand sich anschickte zu reden, ergriff sie das Wort. »Die vermisste Ulla Walter ist bisher noch nicht aufgetaucht. Wir haben sie zur Fahndung ausgeschrieben. «
»Gut Frau Wolf, sonst noch etwas? «
Keiner der Anwesenden rührte sich. Eine sonderbare Stille trat für einen Augenblick ein. Hanna fand es albern, die Staatsanwältin auf Distanz zu halten. Sie seufzte: »Vielen Dank für ihre Unterstützung Frau Stern, ich werde Sie anrufen, falls Neuigkeiten eingehen sollten.«
Die Staatsanwältin erhob sich, nickte den Mitarbeitern zu und verließ den Raum.
»Ich möchte nicht laut sagen, an wen die mich erinnert«, sinnierte Torsten verträumt.
»Du hältst dich in deinem eigenen Interesse besser raus«, Jäger warf ihm einen eindringlichen Blick zu.
Torsten grinste seinen Chef unbekümmert an, behielt aber seine wenig schmeichelhafte Meinung lieber für sich. Jäger ging ihm mit seinem korrekten Getue mächtig auf die Nerven.
Dem Leiter des K13 missfiel dieser Fall außerordentlich. Es gab kein richtiges Motiv, nur vage Vermutungen. Jäger war nervös und wusste nicht so recht, was er als Nächstes tun sollte.
»Wir sollten einen Kollegen losschicken, der sich in speziellen Kreisen auskennt,« murmelte er halblaut vor sich hin.
Auf dieses Stichwort hatte Hanna gewartet. »Das sehe ich auch so. Es muss ein Kripobeamter mit viel Erfahrung und guten Kontakten sein. Ich könnte mich mit Hauptkommissar Adler in Verbindung setzen. Er kennt sich mit solchen Fällen aus. «
»Halt, stopp. Adler ist versetzt worden und das dürfen wir nicht übergehen. » Jäger reagierte alarmiert.
Aber Hanna ließ nicht locker. »Vielleicht sollten wir der Staatsanwältin einen Tipp geben. Sie hat uns ihre Hilfe schließlich angeboten. «
»Das ist eine klasse Idee«, schwärmte Torsten und sah anerkennend zu ihr rüber. Hanna war die Einzige in dieser lahmen Truppe, die nicht immer nur an Vorschriften dachte. Es war an der Zeit, dass etwas Schwung ins Kommissariat kam. Er schob mutig hinterher. »Ich würde Adler gern persönlich kennenlernen. «
Jäger sah ihn mit verkniffenem Gesicht an. Dann presste er zwischen seinen Lippen hervor: »Ich will keine Problemfälle in meinem Kommissariat haben. « Zu Hanna gewandt meinte er süffisant. »Wenn du Adler unbedingt zurückholen möchtest, musst du dich persönlich an Frau Stern wenden. Ich gehe das Risiko auf keinen Fall ein. Adler hat mit seinem Verhalten nicht nur für Unruhe gesorgt, sondern auch den guten Ruf der Kriminalpolizei aufs Spiel gesetzt. «
»Ist schon klar Robert, ich habe verstanden. « Durch Hannas Kopf schwirrte das Wort Platzhirsch, aber das behielt sie lieber für sich. Die wahren Hintergründe, weshalb Adler aus dem Dienst entfernt worden war, hatte er nicht erwähnt. Jäger war ein scheinheiliger Kerl. Sie griff nach ihren Unterlagen und stand auf.
»Wenn es nichts Weiteres zu besprechen gibt, muss ich gehen. Ich habe noch zu tun, bis dann. «
Torsten folgte ihr auf den Fuß. Als sie beide auf dem Flur standen, flüsterte er ihr zu: »Was war mit Adler? «
Hanna war an ihrem Büro angekommen und öffnete die Tür. Sie zischte: »Komm’ herein und mach’ die Tür hinter dir zu. »
»Warum bist du so sauer? «
