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Weihnachten ist das Fest der Liebe und Freude. Doch nicht immer werden alle Träume und Wünsche wahr. Um trotz aller Hindernisse fröhliche Weichnachten erleben zu können, müssen die kleineren oder größeren Mißgeschicke aus dem Weg geräumt werden. Jeder tut das auf seine ganz persönliche Art und Weise.
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Seitenzahl: 18
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Inhalt
Weihnachtsgeschichten 2016
von
Gitte Loew
1. Der Wolf
2. Die Grippe
3. Jingle Bells
4. Das Riesenspielzeug
Plötzlich sah ich ihn. Er saß auf einem verwitterten Baum und blickte in die Ferne. Selbst im Sitzen wirkte er groß und gefährlich. Der Wind spielte mit seinem gräulichen Pelz. Die wollweißen Spitzen seines Fells vermischten sie mit dem Blau des Himmels. Seine Augen schweiften über die Landschaft. Er hatte mich schon entdeckt, trotz der Entfernung, die zwischen uns lag.
„Ein Wolf“, stammelte ich aufgeregt, doch bis meine Begleiter reagierten, war das Tier hinter einem Hügel verschwunden. „Was und wo“, murmelte der Fahrer träge, ohne eine Antwort zu erwarten. Wir saßen zusammen in einem schwarzen VW Golf. Der Wagen war alt und verschrammt, aber das hatte mich nicht gestört, als sie mir anboten, mich im Auto mitzunehmen.
„Ein Wolf auf einem Baum“, murmelte ich wieder. Sie lachten und echoten spöttisch: „Ein Wolf.“
Warum sollte es kein Wolf gewesen sein, wo es doch wieder Wölfe an der Grenze zu Polen gab. Sie redeten und lachten und waren fast so weit, wieder umzukehren und nachzuschauen, als plötzlich ein Mann vor uns auftauchte. Er war groß, kräftig gebaut und trug ein Eisbärenfell als Umhang. Der Unbekannte blieb mitten auf der Straße stehen und versperrte den Weg. Der Fahrer hatte schon aus Vorsicht das Tempo gedrosselt und hielt nun an. Der Mann stand im Lichtkegel des Autos und schaute uns unfreundlich an. Sein Gesicht war hinter einem Bart versteckt und auf dem Kopf trug er eine Fellmütze, die er tief in die Stirn gezogen hatte.
Plötzlich sah ich den Lauf eines Gewehres, das er in seinem Mantel versteckt hatte. Die anderen mussten es auch gesehen haben, denn keiner im Auto sprach ein Wort. Der Fahrer öffnete die Wagentür, doch als der Mann das Gewehr hob und auf ihn zielte, ließ er sich wieder auf den Sitz zurückfallen. Die Tür fiel mit lautem Knall ins Schloss. Ich war so durcheinander, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Als ich den ersten Schreck überwunden hatte, flüstere ich: „Was will der Kerl?“
