Rebels - Die Legende - Jan Steinmacher - E-Book

Rebels - Die Legende E-Book

Jan Steinmacher

0,0
2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Dystopischer Fortsetzungsroman der Reihe "Rebels" von Jan Steinmacher für Jugendliche und Erwachsene. Eine mitreißende Geschichte über das Schicksal zweier Brüder, die im Jahre 2097 unfreiwillig in einen Krieg um Freiheit, Leben und Tod geraten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 534

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über den Autor

Jan Steinmacher wurde 2001 geboren und veröffentlichte 2017 mit „Rebels - Der Anfang“ seinen ersten Roman. Er besucht derzeit die elfte Klasse des Gymnasiums seines Heimatortes bei Heilbronn. Mit „Rebels - Die Legende“ schrieb er seinen zweiten Roman als Fortsetzung.

© 2018 Jan Steinmacher

Umschlaggestaltung, Illustration: Jan Steinmacher

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN-Nummern:

978-3-7469-4229-2 (Paperback)

978-3-7469-4230-8 (Hardcover)

978-3-7469-4231-5 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Jan Steinmacher

Rebels – Die Legende

Für die beste Familie, die besten Freunde, die besten Mentoren

„Gleich wie Feuer nicht Feuer löscht, so kann Böses nicht Böses ersticken. Nur das Gute, wenn es auf das Böse stößt und von diesem nicht angesteckt wird, besiegt das Böse.“

Lew Tolstoi

1

Irgendwo in Sektor 7

Als Jason Adams erwacht, brummt sein Schädel gewaltig. Nach einer Weile öffnet er die Augen und schaut sich vor Schmerz ächzend um, was seinem völlig steifen Nacken verschuldet ist. Er erkennt den Raum, in dem er sich befindet, nicht wieder und erinnert sich nicht daran, diese vier Wände schon jemals zuvor gesehen zu haben. Nach einiger Zeit allerdings fühlen sich seine grauen Zellen wieder relativ normal an und sein Kopf wirkt angenehm leicht. Aus irgendeinem Grund weiß er überhaupt nichts mehr von dem, was noch vor wenigen Stunden passiert ist. Er erinnert sich nur noch dunkel an einen anstrengenden Albtraum, den er heute Nacht gehabt hat. In seinem Traum hörte er Schreie und dieses verschwommene Grauen endete damit, dass ein gewaltiges Inferno alles um ihn herum verschlang. Den Kopf schüttelnd verschwendet er keinen weiteren Gedanken an den Albtraum und blickt in dem Zimmer umher. Der Raum wirkt kalt, steril und ist nahezu komplett in weiß gehalten. Hier befinden sich neben seiner eigenen noch drei weitere enge Schlafkojen. Zumindest die Gesichter erkennt Jason alle wieder. Direkt unter ihm windet sich sein Bruder Derek mit verschrammtem Gesicht im Schlaf. Auf der anderen Seite sind zwei identische Schlafkojen in die Wand eingelassen, in denen zwei Mädchen liegen und friedlicher schlafen. Doch auch die beiden sehen mitgenommen aus. Ihre Gesichter sind gerötet, als wären sie erst kürzlich intensiv abgeschrubbt worden, und mit etlichen Kratzern übersät. In einer Koje liegt Celine, Jasons Freundin und unter ihr die Freundin seines Bruders, Fiona.

Die Tatsache, dass er sich noch genauestens an alle drei erinnern kann, aber sein gesamtes Leben nur noch lückenhaft in seinem Gedächtnis herumgeistert, stiftet in seinem Inneren große Unruhe und noch größeres Misstrauen. Er schaut sich nochmals um, dehnt seine Glieder und steigt dann leise aus seiner Koje. Sein Blick fällt auf die massive weiße Tür, in die ein kleines rundes Fenster eingelassen ist. Jason drückt die Klinke nach unten, doch es tut sich rein gar nichts. Nervös probiert er es noch einmal, dieses Mal energischer. Nichts. Er schaut durch das kleine Türfenster und die Option „laut losbrüllen, bis irgendjemand kommt“ erscheint ihm mit jeder Sekunde sinnvoller, doch dann reißt er sich zusammen. Stinksauer rüttelt er weiter an der Tür, wohl wissend, dass es absolut nichts bringen wird. Das Wichtigste für Jason Adams ist seine Freiheit und wenn man ihm diese nimmt, dann muss er etwas dagegen unternehmen, das ist seine Natur, sein Kodex. Und Kodizes sind schließlich da, um befolgt zu werden.

Fakt ist jedoch, dass ihm im Moment die Hände gebunden sind. Jason trottet lustlos zurück zu seinem „Schlafsarg“, wie er die Nische „liebevoll“ nennt, und starrt aufgebracht die Türe an. Inzwischen sind durch den Lärm auch die anderen aufgewacht. Celine reibt sich die Augen, Derek klagt wehleidig über Rückenschmerzen und Fiona betastet ungläubig ihr verletztes Gesicht. Die Blicke der Drei lassen sehr eindeutig darauf schließen, dass Jason nicht der Einzige ist, der starke Erinnerungslücken zu beklagen hat. Celine scheint jedoch gerade einen kleinen Geistesblitz zu haben; sie springt auf, durchmisst den Raum mit drei langen Schritten und schaut ihren Freund wütend an. Ehe der sich verwirrt erkundigen kann, wieso sie ihn so wütend anschaut, schlägt sie ihm schallend ins Gesicht. Jason zuckt zusammen und schaut sie mit vollkommen entgeistertem Blick an. Derek schaut nicht minder entsetzt und fragt sie entgeistert, was plötzlich in sie gefahren sei. Fiona beobachtet die Szene indes mit einem gewissen Abstand, da sie all das scheinbar noch nicht ganz einordnen kann. „DU HAST MICH MIT DIESER CARA BETROGEN, DU SCHWEIN!!!“, brüllt Celine jetzt voller Wut und schubst Jason, so stark es ihre zierliche Statur erlaubt, gegen die Wand und brüllt als wäre sie eine wilde Furie.

„Ich erinnere mich an rein gar nichts mehr, also kann es dir auch nicht anders gehen, verdammt. Beschuldige meinen Bruder nicht solcher Dinge“, geht Derek wütend dazwischen, stemmt seinen rechten Arm gegen die Brust Jasons und versucht mit dem anderen, Celine fernzuhalten.

„Halt du dich da raus, Derek!“, zischt ihm Celine sofort entgegen und Dereks Blick wird merklich unsicherer. Zum ersten Mal greift Fiona ein und versucht mit ihrer ruhigen Art, die Situation zu entschärfen.

„Leute, beruhigt euch. Alle!“, sagt sie mit einem Blick auf ihre Freundin, dann fixiert sie Jason und dessen Bruder. Sie spricht schnell weiter, ehe Celine wieder gegen Jason wettern kann.

„Sorry, aber ganz ehrlich, um Beziehungskram können wir uns später noch kümmern. Celine, ich verstehe auch nicht, warum du das noch weißt, aber noch weniger verstehe ich, wieso wir an diesem seltsamen Ort hier sind und warum wir uns an nichts mehr erinnern, und ehrlich gesagt interessiert mich das brennend. Am wichtigsten ist jetzt herauszufinden, wo wir hier sind und was wir hier machen. Also kommt schon, wir müssen das jetzt klären …“ Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf will Celine ihr widersprechen, dann wird sie aber von einer plötzlich einsetzenden Durchsage über einen Lautsprecher an der Decke unterbrochen.

„An alle Neuankömmlinge und die derzeitigen Bewohner in unserem wunderbaren Komplex. Bitte findet euch alle in zehn Minuten in unserer Versammlungshalle ein. Auf jedem Zimmer befinden sich Pläne unseres Komplexes, mit denen ihr den Weg zu allen wichtigen Orten findet. Dort werden wir euch die Fragen beantworten, die euch vermutlich allen auf der Zunge brennen. Ende der Durchsage.“

Die Jugendlichen schauen sich verwundert an und für den Moment scheint es, als hätte Celine den Streit mit Jason vergessen. Kurz nach Ende der Durchsage ist es dann allerdings wieder, als wäre diese niemals gewesen und die Diskussion kommt erneut zum Kochen. Nach einem für beide Seiten sehr beleidigenden Schlagabtausch beruhigen sich die Gemüter etwas und Derek murmelt leise vor sich hin.

„Na, da bin ich jetzt aber mal gespannt, was die auf unsere Fragen sagen werden…“

„Ich auch, Bruderherz. Ich war vorhin an der Tür, sie lässt sich auf Teufel komm raus nicht öffnen.“ Just in dem Moment ertönt ein lautes Summen und die Türe springt automatisch einen Spalt weit auf. Wütend und ungläubig blickt Jason an die Decke, auf der Suche nach Überwachungskameras, Wanzen oder dergleichen.

„Wollt ihr mich eigentlich verarschen?!“, sagt er jetzt lauter werdend zu niemand Bestimmten und schaut erneut an die Decke, als könnte er dort die Lösung auf alles Unheil finden. Immer mehr erscheint es ihm als würden sie beobachtet oder abgehört werden. Das war inzwischen bereits die zweite Situation, in der es wirkte, als schickten die mysteriösen Hausherren eine regelrechte Antwort zu den Jugendlichen, auf Dinge die sie gerade getan oder gesagt haben. Doch die anderen scheint dies nicht weiter zu bekümmern. Außerdem scheint es, als sei der Streit mit Celine nichts gewesen, was innerhalb der nächsten Stunden wieder beigelegt wäre. Ganz im Gegenteil, es scheint sich da um was wirklich Ernstes zu handeln. Die sollten mir besser was echt Interessantes erzählen, denn bisher macht dieser Ort hier einen sehr, sehr negativen und mysteriösen Eindruck auf mich, denkt sich Jason und schüttelt den Kopf.

2

Während sie auf den Gang treten, hören sie das monotone Summen der Türöffner von allen Seiten und immer mehr Jugendliche mit ebenso verwirrten Blicken schwärmen auf den Gang hinaus.Dort sieht es aus wie scheinbar überall hier: Alles ist stechend weiß und steril, doch Jason klammert sich noch an der letzten Hoffnung fest, dass es nur in den Schlaftrakten so aussieht, beziehungsweise, dass er diesen Ort nach der Ansprache komplett verlassen kann. Zu seiner Überraschung erkennt er einige der anderen Jugendlichen augenblicklich wieder, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie er diejenigen einordnen kann; dieses Wissen ist einfach da. In dem Moment treten auch ihre Nachbarn von gegenüber auf den Gang hinaus, es sind zwei Asiaten. Ein zierliches Mädchen, das neben einem Jungen geht, der unverkennbar ihr Bruder ist, sieht sich erstaunt um und saugt alle Details der Umgebung gierig in sich auf. Doch Jason ist ganz auf den Jungen fixiert, auf den er jetzt vorsichtig und mit skeptischem Blick zugeht.

„Lee, richtig?“, fragt er und als der Junge tatsächlich nickt, ist Jason äußerst erstaunt, sogar diesen Namen noch zu kennen, vor allem deswegen, weil er jegliche andere Erinnerung an das vorherige Geschehen immer noch nicht wieder beisammenhat. Sein Gegenüber sagt daraufhin ebenso vorsichtig Jasons Namen und starrt angestrengt seine Hände an, als suche er dort nach einer Erklärung für ihren verwunderlichen Geisteszustand.

„Da ich schätze, dass auch du keinen Schimmer hast, wo wir hier sind, lass uns lieber mal zu diesem Versammlungsraum gehen“, sagt Jason. Der Asiate nickt und nur wenige Sekunden später stößt auch Derek zu dem Duo; nun laufen die drei Jungs gemeinsam den Gang entlang und starren gebannt alles an, was sie zu sehen bekommen. Nach einem knapp fünfminütigen Fußweg befindet sich die mit jeder Türe größer gewordene Gruppe vor einer silbern glänzenden Wand und die Vordersten der Meute schauen sich verwundert an. Von hinten dringen einige Rufe nach vorne, denn der plötzliche Stopp hat viele in der Mitte und in den hinteren Reihen stolpern und aufeinanderprallen lassen. Ohne Vorwarnung öffnet sich plötzlich die Wand vor ihnen und ein leises Raunen geht durch die Menge. Die auseinander gleitenden Wände legen einen Blick auf einen rundum glänzenden Raum frei, der sich bei genauerem Hinsehen als hochmoderner Aufzug entpuppt. Erneut lässt eine Lautsprecherdurchsage die Jugendlichen zusammenzucken.

„Ich bitte euch, jeweils zu siebt in den Aufzug zu treten. Der Aufzug ist vorprogrammiert, er wird euch zu eurem Ziel bringen. Wenn ihr angekommen seid, wird man euch empfangen. Ende der Durchsage.“ Bei dem Klang der Stimme läuft Jason ein kalter Schauer über den Rücken, so glatt, schaurig und emotionslos klingt sie. Langsam treten sieben Leute aus den vorderen Reihen in den hell erleuchteten Lift, dann schließen sich die Türen binnen Sekunden.

Als der Aufzug nach oben schießt, breitet sich unter den vielen Verbliebenen ein angespanntes Gemurmel aus.

„Was denkst du, was genau uns da oben erwartet?“, fragt Jason erwartungsvoll und schaut an die Decke, als könne er dort sehen, wohin der Aufzug sie bringen würde. Lee will gerade antworten, als die Türen erneut aufgleiten. Die beiden schauen sich mit großen Augen an. Dieser Aufzug muss ganz schön viel Speed draufhaben, um in der kurzen Zeit hochund wieder runter zu fahren.

Diesmal stürmen gleich mehrere Leute in den Aufzug und es dauert nur Sekunden, bis dieser maßlos überfüllt ist. Dreizehn Leute tummeln sich darin und weitere wollen hinein. Rufe werden laut und einige schubsen die Kleineren beiseite, um selbst einen Platz zu bekommen.

„Hey Leute!“, ruft da ein Mädchen mit stechend grünen Augen und rotem Haar, „Sie haben uns gesagt, wir sollen zu SIEBT da rein. Also haltet euch daran!“ Erst langsam folgt die Menge der wütenden Anweisung des Mädchens und einige erbarmen sich und verlassen den Aufzug, damit die nächsten sieben nach oben können.

So geht es weiter, der Aufzug verrichtet seine Arbeit und die verbliebene Gruppe wird nach und nach dezimiert. Jason ist in der vorletzten Gruppe, die nach oben geschickt wird. Er betritt das faszinierende Geschoss jetzt zusammen mit Derek, Celine, Fiona, dem Asiaten Lee, dessen Schwester Akira und zwei weiteren Mädchen, die Jason schnell wiedererkennt. Es handelt sich bei den beiden um Bella und Michelle, die beide gute Freundinnen von ihm waren und es seinem Wissen nach immer noch sind- obwohl man sich seit Celines großem Drama bei nichts mehr sicher sein kann, denkt sich Jason missmutig. Die Fahrt ist heftig und beschert den Jugendlichen ein mulmiges Gefühl im Bauch, vergleichbar mit einer Loop-Bahn-Fahrt. Jason hatte ursprünglich den Plan gehabt, mit den beiden zu reden, doch als der Aufzug dann losfährt, hat sich diese Idee sehr schnell in Luft aufgelöst. Bella und Akira lehnen mit blassen Gesichtern an der Wand, auch Lee sucht sich eine Stütze. Sie sind alle froh, als sie den Aufzug verlassen können. Die Jugendlichen schauen sich um und bald sind auch die letzten oben angekommen.

Sie stehen in einem Gang, dessen Boden mit Marmor verkleidet ist und in dessen Wand etliche Türen eingelassen sind, die ebenso undurchsichtig wie ihre Zimmertüren sind. Nur haben hier nicht alle Türen kleine Fenster wie im Schlaftrakt. Vor ihnen stehen jetzt zwei Männer in Uniformen. Einer von ihnen ist unverkennbar ein Amerikaner aus Sektor 7, er hat einen leichten Bauchansatz, grau melierte Koteletten und in seinem Mund steckt ein Zahnstocher. Er verkörpert nicht gerade das typische Bild eines Soldaten, dafür umso stärker das klischeehafte Bild eines Siebeners. Dieser Anblick entlockt scheinbar nicht nur Jason und Derek ein leichtes Grinsen, überall aus der Menge wandern Blicke auf den Umfang dieses Mannes. Die Nationalität des anderen ist dagegen schon schwieriger zu identifizieren. Jason tippt auf das frühere Guatemala, wohingegen Lee mit dem früheren Mexiko dagegenhält und Derek, allein um mitgemacht zu haben, auf das ehemalige Kolumbien wettet. Dieser Mann sieht im starken Kontrast zu seinem Kollegen wie ein Soldat aus einem Actionfilm aus. Er hat einen schwarzen Irokesen-Haarschnitt auf seinem sonst kahl rasierten Kopf, auf dem Schweißperlen glänzen. Er ist muskulös, groß und seine Haut hat einen bronzenen Teint, im großen Ganzen ein ziemlich eindrucksvolles Bild. Beide Männer tragen einen Knopf im Ohr und haben eine schusssichere Weste an, die hier im Moment ziemlich fehl am Platze wirkt. Diese gehört scheinbar zu der Uniform dazu, denn beide Monturen sehen absolut identisch aus. Sie sind khakifarben und haben ein Logo auf der linken Brustseite, das ziemlich schwer zu erkennen ist. Fiona, die eine unglaubliche Liebe zum Detail hat, und zu ihrer eigenen Unzufriedenheit auch einen Hang zum Perfektionismus, betrachtet das Bild eingehend und erkennt nach einer Weile, was das Emblem darstellen soll. Ein flammender Kranz umschließt die ineinander verschlungenen Buchstaben W und T. Auf der anderen Brustseite steht auf einem rechteckigenSchildchen GenTech und darunter auf einem etwas kleineren der jeweilige Name des Uniformierten. Der Siebener, der eher kein Soldat hätte werden sollen, heißt Lieutenant Harper und der angsteinflößende Südamerikaner ist laut seinem Schild Cpt. Martinez, in der Hierarchie also höher als sein fülliger Kollege. Der größere von beiden, Captain Martinez, richtet seine scharfen Worte jetzt an die Jugendlichen.

„Guten Tag. Ich bin Captain Martinez. Das da ist mein Kollege Lieutenant Tom Harper. Wir bringen euch jetzt zur Versammlungshalle, dort wird man eure Fragen beantworten.“ Die beiden Männer führen die Prozession an vielen Türen vorbei und ab und zu erhaschen die Freunde Blicke in Räumlichkeiten, die mit Fenstern ausgestattet sind. Am Ende des Gangs stehen sie vor einer großen, hydraulisch betriebenen weißen Flügeltüre. Vor dieser stehen zwei weitere Uniformierte, stramm in Haltung und die Gewehre im Anschlag. Beide sind, wie auch der Captain, keine wirklich Einheimischen. Ihre Namensschilder kennzeichnen sie als Perez und Gutierrez, Männer des Captains wie es scheint. Bevor die Jugendlichen die beiden böse starrenden Männer passieren können, hält Martinez sie auf und baut sich zwischen der Türe und ihnen auf.

„Benehmt euch da drin, verstanden?! Haltet die Klappe, stellt euch an den euch zugewiesenen Platz und macht einfach das, was man euch sagt. Ich hoffe, ihr habt mich gut verstanden.“ Ein Junge mit Adlernase und fettigem Haar ergreift das Wort, ehe Martinez mit eisernem Blick die Türen öffnen kann.

„Sir, wo ist dieser Bereich, in den wir uns stellen müssen?“, fragt er mit hochnäsiger Stimme und Harper verdreht die Augen, während der Captain herumfährt und ihn wütend anschaut. „Ich sagte doch, dass ihr es sehen werdet, verdammt! Und jetzt nervt mich nicht, ihr dreckigen Blagen!!“, blafft Martinez mit böse blitzenden Augen zurück.

Bevor sie den Raum betreten, flüstert Jason seinem Bruder noch ins Ohr:

„Mit dem werden wir wohl sicher noch großen Spaß haben…“ „Ganz deiner Meinung, Bruderherz. Der ist eine echte Prinzessin“, antwortet Derek und beide kichern leise, als sie zusammen mit den anderen die Halle betreten.

Den Jugendlichen bleibt vor Erstaunen der Mund offen stehen, als sie die Halle zu Gesicht bekommen. Sie ist wahrlich gigantisch. Überall an den Wänden hängen Flachbildschirme, die alle dasselbe anzeigen: das Emblem, das auch auf den kleinen Schildchen an den Uniformen zu sehen ist, ein brennender Kranz, der die Buchstaben W und T umschließt. Jason ist für den Moment so überwältigt von all den Sinneseindrücken, dass er seine Fragen beinahe vergisst. Sieben andere Gruppen stehen bereits stillschweigend und geordnet in Blöcken vor einer großen, breiten Bühne. Zwischen der dritten und vierten Gruppe ist noch Platz und genau dort reihen sich jetzt die Frischlinge unter Martinez´ strengen Blicken ein. Vorne auf der beeindruckenden Bühne stehen drei Leute, die im Vergleich zu dem ganzen Raum nicht größer als Spielfiguren wirken. Ganz in der Mitte ein Mann mit schulterlangen Haaren, einem gestutzten Vollbart, glänzend bernsteinfarbenen Augen und einer Schutzweste, wie auch Martinez und Harper eine tragen. Rechts und links von ihm stehen eine Frau und ein Mann, die die absolute Perfektion zu verkörpern scheinen. Die Frau hat ein hautenges, kurzes Kleid an, das ihre vermutlich nicht ganz echten Brüste eindrucksvoll hervorhebt. Sie hat makellos wallendes, blondes Haar und unglaublich lange Beine. Ihr perfektes Make-Up lässt ihre Wangen glänzen, ihre vollen Lippen violett schimmern und ihre blauen Augen unverschämt gut zum Vorschein kommen.

Fiona und Celine schauen die Frau genau an, dann schauen sich beide augenrollend an und kommen nach einer kurzen Diskussion zu dem Schluss, dass diese Frau einzig und allein ein Produkt aus gut gelungenen Schönheits-OPs ist. Der Mann zur rechten trägt einen maßgeschneiderten schwarzen Designer-Anzug, der seinen Körper attraktiv in Szene setzt. Darunter ein glänzend violettes Hemd, das zum Lippenstift seiner Frau passt und eine Krawatte, die die Farbe des Anzugs und des Hemdes perfekt ergänzt. An seinem linken Armgelenk blitzt eine sündhaft teure, protzige Designeruhr und zwei diamantene Ohrstecker zieren seine Ohren. Außerdem hat er seine graue Mähne auf sehr stylische Weise zurückgekämmt. Trotz allem jedoch sind Jason und die anderen der Meinung, dass dieser Mann ein wenig zu alt für die Frau ist. Hinter den drei imposanten Gestalten, die alle Blicke auf sich ziehen, stehen in einer Reihe sechs Sicherheitsleute, die das gleiche Outfit wie alle Angestellten hier tragen.

Nach einer kurzen Wartezeit, in der er sich mit einem der Sicherheitsleute hinter ihm ausgetauscht hat, den ein Namensschild als Fernando kennzeichnet, schreitet der Mann in der Mitte zu einem Mikrofon, wobei er mit seinen federnden Schritten und dem längeren Haar noch jung und dynamisch wirkt. Würden die Jugendlichen jedoch näher am Geschehen sein, würden sein mit Falten durchzogenes Gesicht und die grauen Stellen in Haar und Bart etwas gänzlich anderes verraten.

„Herzlich Willkommen. Mein Name ist Vector, für euch einfach Sir, und ich bin der Inhaber und Leiter des hiesigen und weiterer Komplexe des Konzerns WarTech und dessen Tochterfirmen.“ Dann zeigt er mit einer ausladenden Geste auf die zwei perfekt gekleideten Leute, die ihn fröhlich anlächeln.

„Und hier stelle ich euch unseren verehrten Präsidenten Mister Sonny DeLuca vor. Lang lebe der Präsident! Ebenfalls nur für euch zu Gast ist seine reizende Frau, unser aller First Lady Miss Sky DeLuca. Es ist uns eine unvorstellbare Ehre, dass uns der Mann an der Spitze dieses Landes in unserem bescheidenen Gebäude beehrt.“

Dann wendet er sich künstlich lächelnd den beiden zu und applaudiert symbolisch, sämtliche Sicherheitsleute, „Berg“-Mitarbeiter und auch Martinez folgen seinem Beispiel, woraufhin Präsident DeLuca zufrieden lächelt.

„Vielen Dank für diese entzückenden Worte, Vector, mein Freund. Ich möchte euch alle auch im Namen der Regierung willkommen heißen. Wir unterstützen die Arbeit des ökonomisch unglaublich wertvollen Konzerns WarTech selbstverständlich zur Gänze. Leider müssen meine Frau und ich aufgrund vieler weiterer Termine bald wieder abreisen. Es war jedoch sehr schön, euch kennenzulernen und wir wünschen euch einen angenehmen Aufenthalt hier“, sagt Sonny freundlich lächelnd und breitet die Arme aus, als wolle er die ganze Welt umarmen. In dem Moment hebt einer der Jugendlichen der sechsten Gruppe seine Hand. Mit einem genervten Gesichtsausdruck bittet Vector den Jungen zu sprechen, während zwei bewaffnete Sicherheitsmänner das Präsidentenpaar aus dem Raum eskortieren.

Ein neuer Präsident? Das Präsidentenpaar hier, nur Symbolik? Wie lang zum Teufel waren wir weg?!, fragt sich Jason entgeistert und wartet, bis der Junge anfängt zu sprechen.

„Mister Vector, Sir. Was ist mit dem alten Präsidenten Banks passiert, ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber daran schon noch. Wir hatten hier jedoch bisher keinen Zugang zu irgendwelchen Medien, deswegen sind wir nicht informiert.

Können Sie uns erklären, wie es zu der Einsetzung eines neuen Präsidenten kommen konnte?“ Vector lächelt dünn und erklärt ihm, dass Banks, „sehr zum Leidwesen aller“, wie er betont, an einer schweren Blutvergiftung gestorben sei. Der Junge nickt, er wirkt mit dieser Antwort zufrieden und Vector kommt ohne Umschweife zum Thema zurück.

„So. Ich werde euch jetzt erklären, warum ihr hier seid und nicht in dieser schlechten Welt da draußen. Ihr seid unsere Zukunft, Kinder, und deshalb wollen wir etwas aus euch machen! Der hiesige Komplex ist Teil des wichtigsten Programms dieses Sektors. Hier werdet ihr zu Botschaftern, Diplomaten und Anführern ausgebildet, um unser starkes Land später noch weiter zu stärken und zu verbessern, um unseren Sektor weiterzubringen. An anderen Akademien bildet man gerade Soldaten, Arbeiter und andere benötigte Kompetenzbereiche aus, die später eure Mitarbeiter, Assistenten und Untergebenen sein werden. Ihr seid also die starke Elite in unserem herausragenden Sektor, den wir durch dieses Programm noch weiter an die Spitze führen wollen und werden. Ab morgen werdet ihr täglich für eine Stunde in die Aufgaben für euren späteren Job, euren Wirkungsbereich eingeführt. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag habt ihr Politikkunde, das ist am wichtigsten. Dienstags lernt ihr Fremdsprachen, um mit den Führern der anderen Sektoren direkt sprechen zu können und donnerstags gibt es jeweils individuelle Kurse. In diesen individuellen Kursen könnt ihr selbst Schwerpunkte setzen, um eure späteren Wirkungsbereiche mit zu beeinflussen. Je nachdem, was ihr werden möchtet, Botschafter oder inländischer Politiker, werdet ihr unterschiedliche Kurse besuchen. In welchen Kurs ihr geht, werdet ihr bald entscheiden können. Sollte jemand unbedingt in ein anderes Camp wechseln wollen, soll derjenige sich bitte bei seinem zuständigen Ansprechpartner melden. Wir sind also hier, um euch zu bilden. Ihr seid hier nicht eingesperrt, keine Sorge“, sagt er und lacht kurz auf, ehe er fortfährt. „Seht das hier einfach als eure Schulpflicht an. Nun zu dem Gebäude, in dem ihr wohnen und lernen dürft. Diese Ebene hier ist tabu für euch, außer es gibt Versammlungen wie diese; dasselbe gilt für die zehnte Ebene. Ihr habt jeden Tag von acht Uhr morgens bis neun Uhr abends die Möglichkeit, euch im Gebäude frei zu bewegen, auch nicht anders als in anderen Internaten. In dieser Zeit könnt ihr mit dem Lift alle Ebenen erreichen, außer natürlich Ebene neun und zehn. Falls ihr dies doch tun solltet, wird das gemeldet und ihr werdet bestraft werden, also rate ich euch dringend, das zu unterlassen. Ohne Regeln funktioniert ein Zusammenleben eben nicht. Der Speisesaal ist auf der achten Ebene, die Unterrichtsräume und die Bibliothek auf der elften und die Räume für Freizeitaktivitäten sind auf der zwölften. Wie ihr vielleicht bereits bemerkt habt, sind wir hier unter der Erde. Jeden Tag könnt ihr für jeweils zwei Stunden, von dreizehn bis fünfzehn Uhr, an die Oberfläche.“ Bei diesen Worten verzieht sich Jasons Miene erneut zu einer wütenden Grimasse, doch die anderen scheinen nicht einmal den wirklichen Kern von Vectors Aussagen zu verstehen. Die Jugendlichen hören aufmerksam zu. Dann, als Vector seine Rede beendet hat, dauert es nicht lange, bis die ersten Fragen aufkommen. Vector flüstert den Wachen hinter sich etwas zu, dann setzt er erneut ein künstliches Lächeln auf, winkt der Menge zu, verbeugt sich und verschwindet auf dem gleichen Weg wie die DeLucas, ohne die vielen Hände zu beachten, die in der Luft sind. Die Wachen beantworten stellvertretend für den Boss bemüht die ersten Fragen. Sie erzählen, dass sie im Bezirk Philadelphia seien und dass man leider nicht beantworten könne, warum sie die Stadt nicht verlassen dürfen, beziehungsweise warum sie gezwungen seien, in diesem Komplex zu „lernen“. Genauso wenig können sie eine Antwort zu der vielgestellten Frage geben, warum alle Jugendlichen so vieles vergessen haben und das scheint die große Menge an Zuhörern sehr unglücklich zu stimmen. Die Stadt mit ihren Möglichkeiten wird den Jugendlichen jedoch definitiv reichen, fügt ein europäisch aussehender Wachmann hinzu und beendet somit diese erste Versammlung. Die Jugendlichen wissen zwar etwas mehr als zuvor, doch die Menge an Fragen, die noch offen sind, sind riesig. Nach und nach werden alle wieder geordnet in die drei verfügbaren Aufzüge gedrängt und wegen der hohen Anzahl an Anwesenden dauert es fast eine Stunde, bis Jason und seine Freunde wieder in ihrem Trakt ankommen. Bevor sie ihr Zimmer betreten, flüstert Jason seinem Bruder ins Ohr:

„Hey, wir werden vermutlich abgehört. Hast du das auch bemerkt? Derek, warte!“ Derek läuft jedoch weiter und blickt Jason nur genervt an. Dann bleibt er doch noch stehen, verdreht die Augen und meint nur:

„Sei froh über diese Situation. Schließlich haben wir hier fließend Wasser, Wärme, Essen und weiche Betten, also alles, was der Mensch begehrt. Wir müssen nicht mehr wegrennen, daran erinnerst du dich doch auch noch, oder?? Sollen sie uns doch abhören.“ Dann schenkt er seinem zweifelnd schauenden Bruder keine Aufmerksamkeit mehr.

Vectors Büroräume Zur selben Zeit

An einem großen runden Tisch sitzen elf Leute. Dieser steht in einem stark verdunkelten Raum, der ebenfalls von Bildschirmen umrundet wird; nur, dass man hier das Innere jeder einzelnen Schlafzelle in den Trakten sehen kann.

Vector selbst sitzt am Kopfende des Glastisches, er hat seine Haare inzwischen zu einem Zopf zusammengebunden. Hinter ihm stehen zwei seiner Leibwächter, Fernando und Lewis. Rechts und links neben ihm sitzt das Ehepaar DeLuca, geduldig wartend auf die Eröffnung der Sitzung. Auf Sonnys Seite sitzen drei Männer und eine Frau, während auf Skys linker Seite zwei Frauen und zwei Männer sitzen. Die wichtigsten Regierungsmitglieder haben an dem Tisch Platz gefunden, vom Verteidigungsminister bis zum Außenminister ist alles vertreten. Zudem sitzen der etwas wahnsinnig wirkende Arzt des Komplexes, Doc Miller und Vectors persönlicher Analyst und Freund Hobbs am Tisch, um der Sitzung beizuwohnen. Gegenüber von Vector haben sich drei hochrangige Militärs eingefunden, die scheinbar eine ebenso wichtige Rolle in den Regierungsgeschäften spielen und von deren Rat Vector viel hält, vor allem in strategischen Belangen. Dazu zählt jener brutale und strenge Captain Martinez, der der Zuständige für die Gruppe der Zwillinge ist und zusammen mit dem ebenfalls anwesenden Colonel die komplette Armee des Sektors führt. Der Colonel, breite Schultern, grauer Dreitage-Bart und Glatze, heißt eigentlich Josh Harman, aber jeder nennt ihn nur Colonel, weil er es so will und was der Colonel will, wird gemacht. Der dritte Mann ist ein Ex-Marine der früheren Ära namens Isaac Terrence, der alle unkonventionellen Einsätze der War-Tech-Einheiten plant und anführt und zudem oberster Boss des Spartaner-Programms ist. Er führt skrupellos jeden Auftrag aus, den er erhält und aus dem Grund schätzt Vector ihn mehr als die meisten anderen. Er hat eine schwarze Augenklappe, eine Erinnerung an einen furchtbar brutal verlaufenen Einsatz im Süden des Sektors, bei dem sie versucht hatten, ein Rebellen-Ausbildungscamp auszuräuchern. Terrence ist jung und trägt einen Undercut, der seinen kantigen Schädel stark in den Vordergrund rücken lässt.

„Alle Jugendlichen sind erst heute Nacht hier angekommen und es gilt jetzt zu besprechen, wie man weiter vorgeht. Miller, bitte beginnen Sie doch vom medizinischen Standpunkt aus.“

„Sir, ich habe mir mit meinem Assistenten und weiteren Beratern und Beraterinnen ausgerechnet, dass wir monatlich drei von den Jugendlichen für die von Ihnen erwünschten Tests brauchen werden. Die Substanz, mit der wir sie behandeln werden, haben wir über fünf Jahre hinweg entwickelt und ich habe meine besten Chemiker darauf angesetzt. Sie haben die normale Buttersäure und die Gammahydroxybuttersäure auf komplexeste Weise verändert und modifiziert. Bei diesem Prozess ist, wie sie wissen, unsere C-Vier-H-Acht-O-Zwei-Probe entstanden. Geläufig nennen wir sie nun Brainwasher-Engineer Zwei Punkt Null, kurz BE-Zwei. Die Jugendlichen wurden alle den Basisdosen von BE-Zwei ausgesetzt, als sie hier angekommen sind. Außerdem bekommen sie, wie besprochen, eine weitere verminderte Dosis mit jeder Mahlzeit, um einen langsam exponentiell steigenden Effekt zu erzielen. Damit sollten wir eigentlich alle von ihnen gefügig halten, so wie Sie wünschten. Ich bräuchte die jeweils drei Jugendlichen monatlich für bestimmte Testzwecke, da BE-Zwei noch nicht vollständig ausgereift ist. Die ersten beiden Testpersonen möchte ich wegen der jetzigen Auswirkung von C-Vier-H-Acht-O-Zwei auf ihre Körper untersuchen und die spezifischen Reaktionen testen. Das lässt sich dann durchschnittlich gesehen auf den Großteil der anderen Jugendlichen übertragen. Diese Testpersonen werden wieder zurück in ihre Gruppen geschickt und dank gewisser Gerätschaften kann ich sie ab jetzt auf Schritt und Tritt verfolgen, kontrollieren und alle Ergebnisse bezüglich BE-Zwei eins zu eins überprüfen. Damit haben wir eine permanente Analyse der Wirkung.“ Er hat in einer atemberaubenden Geschwindigkeit geredet und je mehr er sagte, umso tiefere Falten gruben sich in die Stirn der Stabsmitglieder.

„Geht das soweit klar, Mister Vector?“, fragt der Arzt nach seiner langen Ausführung schwer atmend und übergeht damit den Präsidenten und dessen Frau, die hier tatsächlich nur eine komplett untergeordnete Rolle zu haben scheinen. Die De-Lucas wirken ein wenig gekränkt, doch Vector betont erneut, dass tatsächlich er als CEO und Geschäftsführer von WarTech das alleinige Entscheidungsrecht bei diesen Belangen habe. Er behandelt den Präsidenten inzwischen eher wie einen Untergebenen als wie den politischen Führer seines Sektors. Deshalb ergreift jetzt Vector das Wort und kommentiert die Erklärung des Arztes.

„Nun, Miller, das klang alles sehr kompliziert, also haben Sie scheinbar Ahnung von dem, was Sie tun. Prinzipiell haben Sie zu dieser Sache unser Ja und Amen, allerdings will ich wissen, warum Sie das testen wollen. Bringt es uns weiter?“ Das ist scheinbar genau die Frage, auf die Miller gehofft hat. In seine Augen tritt ein fanatisches Glimmen. Er erklärt Vector langwierig und begeistert: „Die Jugendlichen, die BE-Zwei bekommen, werden später zu Ihrem persönlichem Baukasten heranwachsen. Die Droge wird all die Jugendlichen auf lange Sicht willenlos machen und sie zu perfekten Soldaten, Anführern und Arbeitern für Ihr Regime formen. Mit ihrer Hilfe können Sie die schwachen verbliebenen Regierungen erbarmungslos zerstören, die nicht eine derart funktionierende Armee hinter sich haben.“ Vector hört den Worten seines Forschers mit großer Freude zu und ist von der Aussicht auf die Weltherrschaft schon jetzt ganz geblendet.

„Sie haben grünes Licht von allen Instanzen“, sagt Vector und blickt dabei hämisch grinsend zu den DeLucas. „Führen Sie Ihre Forschungsarbeiten in Ruhe durch.“ Miller wird geradezu euphorisch, als Vector ihm erklärt, dass er sogar mit einer Etaterhöhung rechnen darf, um alles Menschenmögliche tun zu können, damit eine perfekte Armee für ihn entsteht.

Nun fragt Vector an Miller gewandt: „Was wollen Sie dann eigentlich noch mit der dritten Testperson?“ Miller wirft ihm einen vielsagenden Blick zu und wechselt dann hastig das Thema auf die Politik. Er bedeutet Vector, dass er später in den Tiefen seines Labors unter vier Augen mit ihm sprechen muss. Doch jetzt wird das neue Thema begeistert aufgegriffen und die politische Lage in den anderen Sektoren lässt ein lebhaftes Gespräch entstehen.

Nach eineinhalb anstrengenden Stunden hat sich die Versammlung aufgelöst und fast alle Anwesenden gehen zurück in ihre luxuriösen Quartiere in einem überirdisch geparkten Jet, der etwas entfernt von den Stadtgrenzen steht Dieser Jet hat das Weiße Haus für den Moment ersetzt und ist das ständige Heim der Stabsmitglieder geworden, damit sie immer bei dem Präsidenten und Vector sind, wenn sie gerade gebraucht werden. Zwar büßen sie dafür ihre Privatsphäre ein, doch bringt das auch den Vorteil mit sich, dass man auf jedes Problem im Sektor sofort gemeinsam reagieren kann. Das Weiße Haus ist inzwischen nur noch der repräsentative Regierungssitz, während die meisten politischen Entscheidungen tatsächlich in dieser mobilen Kommandozentrale gefällt werden. Die DeLucas fliegen heute jedoch zurück zum Weißen Haus. Es gilt, die Präsenz dort wieder ein wenig zu erhöhen.

3

Vectors Henker Issac Terrence und der Colonel haben keine Quartiere in der mobilen Regierungsmaschine. Sie sind in ihre Schlaftrakte innerhalb des Gebäudekomplexes zurückgekehrt. Jetzt sind nur noch Vector, seine Beraterin Dana Bosh, Analyst Hobbs, Captain Martinez und der Verteidigungsminister da.

„Sir, wie gedenken Sie vorzugehen? Yun Han und die anderen Mitglieder der Führungsgilde werden langsam entmachtet…“, erklärt Hobbs bedenklich und wartet auf eine Antwort seines Chefs.

„Das ist mir egal. Die können entmachtet werden, meinetwegen auch getötet, das einzige Problem ist, von wem sie entmachtet werden. Wie ich gehört habe, Hobbs, ist Yun Hans Sektor fast komplett in der Hand von Verbrechern und anderer Halsabschneider. Auch unser Nachbarland wird inzwischen nur noch von diesen widerlichen Kartellen regiert. Ich weiß, dass dort ein immer blutiger werdender Krieg gerade zu seinem Höhepunkt kommt und ich weiß auch, dass die lieben Herren der Führungsgilde den Moment verschlafen haben, in dem sie hätten eingreifen müssen. Wie auch immer, sie dürfen nur nicht an unseren eigentlich sicheren Grenzen vorbeikommen, darauf müssen wir uns konzentrieren. Passen Sie einfach auf diese Verbrecher rund um den Globus auf, Clinton“, sagt er schnaubend an den Verteidigungsminister gewandt. Doch der wirkt ein wenig hilflos ob der großen Verantwortung, die ihm übertragen wurde.

„Wenn es nötig ist, holen Sie Martinez oder Terrence zur Hilfe, die schicken Ihnen Spartaner-Teams, Warrior oder was immer Sie wünschen, um die Grenzen sauber zu halten. Keine Sorge, keine Sorge, Sie müssen das ja nicht alleine machen. Viel mehr gibt es nicht zu sagen, die Grenzsicherung ist jetzt erstmal oberste Priorität und darum gilt es sich zu kümmern.“

„Okay, Sir. Ich werde das erledigen und alles in die Wege leiten, aber ich würde den Colonel und Terrence tatsächlich gerne miteinbeziehen.“

„Clinton, ich helfe Ihnen bei den Einschätzungen was Soldatenkapazität und dergleichen angeht. Schließen Sie sich mit mir kurz, wenn Sie mich brauchen“, fügt Hobbs hinzu und nickt dem Verteidigungsminister zu.

„Wie ist es eigentlich mit den Aufklärungsdiensten? Können wir mit Unterstützung von Terry Silver rechnen oder hat der momentan andere Aufgaben?“, erkundigt sich Clinton neugierig bei Vector, doch der verzieht keine Miene.

„Miss Bosh, haben Sie nähere Infos über Silver? Ich bin mir gerade selbst ein wenig unsicher über dessen aktuellen Standort.“ Vectors Beraterin zückt ein kleines Touchpad und erklärt den Anwesenden nach einer kurzen Pause, dass Silver im Washingtoner Bezirk sitzt und im Moment vor Langeweile Däumchen dreht.

„Hervorragend, danke Dana. Ich werde mich mit ihm kurzschließen, es wird Zeit, dass der Kerl mal wieder etwas zu tun bekommt. Von meiner Seite gäbe es sonst nichts mehr. Von Ihnen, Sir?“

„Da sind wir jedenfalls absolut gleicher Meinung. Es wird Zeit, dass Terry seinen Arsch in Bewegung setzt und nein, das wäre es für heute. Beenden wir die Sitzung“, sagt Vector. Noch während er zu Ende spricht, steht er auf und verlässt den Raum; Clinton, Hobbs, Bosh und Martinez unterhalten sich noch ein wenig weiter. Vor der Tür bleibt Vector jedoch mit gequältem Gesichtsausdruck stehen und lehnt sich kraftlos an die Wand, um sich die Schläfen zu massieren; es war wahrlich ein langer Tag. Er rafft sein Sakko, legt seine Stirn in tiefe Falten, nimmt heimlich einen Schluck aus einem kompakten Flachmann, schüttelt kräftig den Kopf und macht sich dann auf den Weg zu seinem Quartier, das sich ganz vorne in dem umgebauten alten Flugzeug befindet.

„Martinez, eins habe ich vergessen. Sorgen Sie trotz allem dafür, dass es diesen Jugendlichen hier gut geht“, sagt Vector während des Gehens in ein kleines Headset und Martinez, der nach wie vor im Sitzungssaal ist, verspricht, dass er es den Jugendlichen so gemütlich wie möglich machen wird. Während Vector an den Türen seiner Untergebenen entlanggeht, kommt ihm ein Gedanke, den er immer zu verdrängen versucht, es aber nicht immer schafft. Vielleicht sollte ich das alles nicht tun. Eigentlich haben diese Jugendlichen nicht verdient, was wir mit ihnen machen. Sollte ich einfach zurück nach Hause, mal wieder Dad besuchen? Oder diesen verdammten Posten einem anderen geben? Wenn ich doch nur - ach, Lance! Hör auf, hör auf damit. Er schafft es, seine Gedanken wieder unter Kontrolle zu bringen, denn er weiß, dass Skrupellosigkeit absolut erforderlich ist in seinem alltäglichen Job. In seinem Quartier angekommen, schenkt er sich ein volles Glas Wodka ein und bevor er sich setzt und trinkt, schaut er sich ein Bild seiner verstorbenen Mutter an und kramt währenddessen eine Tablette aus einer kleinen Blisterpackung. Er setzt sich, wirft die rote Pille in seinen Rachen und spült das Ganze mit einem tiefen Schluck Wodka hinunter.

Am nächsten Tag steht den Jugendlichen eine Stunde Politik bevor. Das von Vector angekündigte Programm beginnt. Ein kahl rasierter, eierköpfiger Mann namens Dmitrij Romanoff versucht, sie in diesem Fach zu unterrichten; die Betonung liegt auf versucht. Man merkt, dass er in der früheren Ära vor allem eins nicht war: Lehrer. Unter den Jugendlichen geht die Mutmaßung um, er sei in Ungnade gefallen und müsse deswegen den unliebsamen Job machen. Er erklärt den Jugendlichen mit einem schwer verständlichen russischen Akzent, wie die aktuelle politische Lage ihres Sektors ist. Wenn die hier anwesenden Jugendlichen später Anführer und Politiker des Sektors sein sollen, müssen sie wissen, mit wem sie sich verbünden und wen sie bekämpfen sollten, aus dem Grund wird der Unterricht hier doch relativ parteiisch und subjektiv gestaltet, das bemerkt Jason schon in den ersten Minuten dank seines Hintergrundwissens über Politik von früher. Die trockenen Belehrungen langweilen die Klasse, doch als Romanoff die Feinde der Regierung anspricht, bekommt er schnell mehr Aufmerksamkeit.

Er erklärt, dass in immer mehr Sektoren weltweit kriminelle, skrupellose und sehr alte Organisationen die Führung beanspruchen und es in immer häufigeren Fällen auch schaffen, diese tatsächlich zu übernehmen. Immer mehr Politiker sind nicht mehr durchsetzungsfähig genug, doch dafür bestechlich, außerdem bekommt man als Soldat bei den kriminellen Organisationen eine erheblich bessere Bezahlung als in vielen Sektoren-Armeen. Deshalb werden diese Vereinigungen erst dann zu einer schwerwiegenden Gefahr, wenn die hier vor ihm Sitzenden die Führung übernehmen sollen, erklärt Romanoff; zeitlich gesehen, fügt er noch hinzu während ihn ein großer Haufen verständnisloser Gesichter anblickt. Zum Ende der Stunde berichtet er noch, dass es fünf Organisationen gibt, die man inzwischen als extrem gewaltbereit einschätzt und deren Expansion als hochgefährlich gilt, besonders, da sie schon auf eine enorm lange Geschichte zurückblicken. Als Hausaufgaben sollen die Jugendlichen sich über die ursprünglich aus dem Land namens Italien stammende `Ndrangheta, die aus dem Osten der Erde stammende Yakuza, die Sangres, das vereinigte Kartell Mexikos und vor allem über die Mara Salvatrucha, genannt MS-13, informieren. Danach werde sie für heute entlassen.

Später dürfen sie, wie versprochen, für zwei Stunden nach oben.

Die Zeit dazwischen nutzt die Klasse, in der auch Jason, Fiona, Lee und Bella sind, um die Hausaufgaben zu erledigen. Lee und Jason arbeiten zusammen an einem Touchpad, genauso wie Bella und Fiona. Sie sitzen in einem riesigen Raum, den alle Klassen aus ihrer Ebene nutzen, um die Aufgaben zu erledigen. Jason sieht auf der anderen Seite des Raumes Celine mit einem Kerl, den er nicht kennt und er schnaubt innerlich, wohlwissend, dass sie das nur tut, um die Eifersucht in ihm zu schüren. Er ignoriert das Ganze und konzentriert sich auf die Aufgaben, doch tief im Inneren merkt er selbst, dass es ihn nicht unberührt lässt.

Derek, Akira und Michelle sind in Zweiergruppen auch in dem Raum und starren angestrengt auf ihre Touchpads.

„Womit fangen wir an?“, sagt Lee und reißt Jason damit aus seinen Gedanken, wonach der nach kurzer Überlegung mit „Yakuza“ antwortet. Nach einer Stunde haben die beiden alles zusammengetragen, was sie im hier zugänglichen Netz finden konnten. Die Yakuza ist eine Verbrecherorganisation, die es in ihrer reinen Form bereits seit dem siebzehnten Jahrhundert zu geben scheint, eine unfassbar lange Zeit. Bereits vor hundert Jahren hatten sie in der Politik in dem früheren Land Japan scheinbar viel zu sagen. Die Entstehung selbst liegt zu lange zurück, doch zu der aktuellen Lage haben sie einiges gefunden. Als einflussreichste Verbrecherorganisation aller Sektoren gilt sie als die gefährlichste, laut den Daten des WarTech Servers hat sie inzwischen über 800.000 Mitglieder, fast 700.000 mehr als noch vor hundert Jahren. Eine echt beeindruckende Zahl, finden die beiden.

Die `Ndrangheta bearbeitet eine andere Gruppe, ebenso das Vereinigte Kartell Mexiko und die MS-13. Nur die Sangres ist noch die Aufgabe der beiden. Diese Gang mit unglaublich niedrigem Durchschnittsalter sei noch recht jung, nicht älter als 150 Jahre. Anfangs hießen sie wohl Bloods und waren schon immer aktiv in ihrem Sektor, damals ja noch USA genannt. Der Name der Organisation hat sich durch die starke „Latinisierung“ in den 2060er Jahren verändert, also durch den stetig wachsenden Zustrom von Latinos in das Land. Dieser Boom endete erst mit der Machtergreifung Charles Banks´, der eine extrem rassistische Politik begann. Fast siebzig Prozent der zu dieser Zeit im Sektor lebenden Latinos ist wieder ausgewandert und Banks´ Konzept ging auf: Das Land wurde auch aufgrund des Auszugs vieler Afroamerikaner wieder mehrheitlich von weißen Amerikanern, beziehungsweise inzwischen weißen Siebenern bevölkert. Lee und Jason sitzen noch eine Weile da und unterhalten sich, bis schließlich Pause ist und alle in ihre Quartiere gehen. Jason sitzt zusammen mit seinem Zwillingsbruder an einer Wand in ihrem Schlaftrakt, ungeduldig wartend auf ihre Zeit in der Stadt. Sie unterhalten sich über ein Gerücht, dass sich wie ein Lauffeuer verbreitet hat. Laut den Leuten aus ihrem Trakt haben es vorhin zwei Intelligenzbestien gewagt, zur verbotenen Ebene zu fahren. Nach Augenzeugenberichten wurden sie von sechs Soldaten weggeschleppt und unter lauten Schreien in eines der untersten Stockwerke gebracht. Seitdem, es soll sich vor ungefähr vier Stunden ereignet haben, hat sie keiner mehr gesehen. Nach einiger Zeit steht Derek auf und lässt seinen Bruder alleine, der bekommt jedoch gleich wieder Gesellschaft.

Als er nach oben schaut, steht plötzlich seine Ex-Freundin Celine über ihm. Ein breites Grinsen erfüllt sein Gesicht und er erwartet eine Entschuldigung für die Aktion letztens, so wie er es eben gewohnt ist.

„Jason, wir müssen reden. Keine Ahnung wieso, aber langsam kommen einige meiner Erinnerungen zurück. Wegen der Sache letztens, ich hätte nicht so ausrasten sollen, das tut mir leid.“ Zufrieden nickt er, doch dann setzt sie nach. Ihr Blick wird eiskalt und ihre weiteren Worte schockieren Jason zutiefst.

„Ja, diese Reaktion passt mal wieder so gut zu dir! Ich dachte wirklich immer du wärst anders. Du bist nichts weiter als ein kleines, erbärmliches, arrogantes Arschloch und du denkst, du könntest jede haben. Das Traurige ist, dass die meisten auch noch auf dich reinfallen, Jason. Nicht nur ich, jedes Mädchen da draußen hat etwas Besseres als dich kleinen Haufen Scheiße verdient. Wie konnte ich mich nur so in dir täuschen…“ Jason schaut völlig verdutzt, muss die Worte erst einmal auf sich wirken lassen und das einzige, das er im Moment machen kann, ist Celine verdattert anzuschauen. Ehe sie weiterreden kann, füllen sich ihre hellen Augen langsam mit Tränen und ihr Blick wird glasig. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stürmt sie den Gang entlang und weg von ihrer verlorenen großen Liebe.

Der erste Blick auf die Stadt bläst die negativen Gedanken von Jason sofort weg, er verschwendet nicht einen einzigen weiteren Gedanken an seine trauernde Ex-Freundin, auch wenn er weiß, dass er es sollte. Diesmal hat Jason einen Platz in der ersten Gruppe, die hochfahren darf, erwischt und tritt jetzt als einer der ersten überhaupt in die für ihn vollkommen neue Umgebung hinaus. Die Skyline ist beeindruckend, einige Wolkenkratzer ragen in den tiefblauen Himmel, etliche Hochhäuser und viele architektonisch schön anzuschauende kleinere Gebäude stellen sich als schöne Zierde in ihren Schatten. Für den Geschmack der Jugendlichen gehen die zwei Stunden viel zu schnell vorbei, da sie sich in Kinos, Clubs und kleineren und größeren Shopping-Centern die Zeit vertreiben können. Jason beschleicht das starke Gefühl, dass der Großteil der hier lebenden Jugendlichen inzwischen voll und ganz hinter dem Unternehmen und ihrer hiesigen Unterrichtsorganisation steht. Er sieht zwar auch ein, dass ihnen hier Sicherheit und Beständigkeit geboten wird, aber er selbst hat von Anfang an kein Vertrauen in diesen Schuppen gehabt. Allerdings hat Jason zu seiner Freude auch einige andere gesehen, die sich ähnlich verhalten wie er. Einige scheinen mit ihrer derzeitigen Situation ziemlich unzufrieden zu sein, vor allem, da sie hier gewissermaßen gegen ihren Willen festgehalten werden. Gerade als Jason in Begleitung von Lee wieder in Richtung Aufzug schlendert, während sie sich über ein besonders künstlerisch gestaltetes Gebäude unterhalten, finden sie eine kleine Menschentraube vor dem Lift vor.

„Was is´ da los?“, fragt Lee skeptisch und versucht, auf Zehenspitzen stehend, mehr zu erkennen. Jason probiert es direkt mit der etwas rabiateren Methode und schiebt die vor sich stehenden Menschen zur Seite, als er den Grund für den Stau zu Gesicht bekommt.

Acht Jugendliche, einige aus ihrer Ebene und andere, die er noch nie zuvor gesehen hat, sitzen mit verschränkten Armen vor der geöffneten Aufzugtüre und weigern sich, hineinzugehen oder andere durchzulassen. Jason bahnt sich mit einem wütenden Blick einen Weg bis zu den acht Blockierern, um mit ihnen zu sprechen.

„Was soll das, Leute?“, fragt er und starrt die Sitzenden der Reihe nach wütend an.

„Macht uns keinen Ärger, kommt schon. Wenn ihr unzufrieden seid, Herrgott, dann redet mit euren Verantwortlichen. Aber das hier bringt keinen weiter, glaubt mir.“

„Wir gehen nirgendwohin! Diese Arschlöcher sperren uns hier ein!“, brüllt ein magerer Junge mit eingefallenen Wangen, reckt die Faust in die Luft und die anderen folgen seinem Beispiel.

Jason läuft kopfschüttelnd zurück zu Lee, in Erwartung der Ankunft einiger Verantwortlichen, die den Jugendlichen ins Gewissen reden.

„Weißt du, ich bin ja derselben Meinung wie die. Aber man muss doch nicht so selten dumm sein und eine Sitzblockade errichten, das zieht doch nur deren Aufmerksamkeit an“, flüstert Jason angespannt und Lee nickt eifrig. Gerade will er erneut einen Versuch wagen, die Querulanten zu überzeugen, als plötzlich ein schnelles monotones Geräusch aus der Ferne näherkommt.

„Das sind sicher die - Ach du Scheiße!“, entfährt es Jason, als er den Grund für die lauten Geräusche kommen sieht. Zwei Reihen gepanzerter Sicherheitsleute des Komplexes, der nur „der Berg“ genannt wird, rücken in schnellem Lauftempo an. Jason erkennt hinter der ersten Reihe schockiert einige Warrior und zu allem Überfluss weitere Spartaner, vor denen er seit dem Tod seines Vaters großen Respekt hat. Die Jugendlichen schauen sich nervös um und bemerken mit besorgten Blicken, dass die menschliche Mauer beginnt, sich zu formieren.

„Die schicken Regierungstruppen, eine komplette Reihe Sicherheitsleute und die Spezialeinheit?“, fragt Jason ungläubig an niemand bestimmtes gewandt und Lee antwortet ihm zögerlich.

„Die sind… absolut wahnsinnig. Absolut wahnsinnig, kann ich da nur sagen…“

Jason sieht die letzte Chance für eine Deeskalation in einem klärenden Gespräch und tritt vor, um sein Anliegen vorzutragen, als wie aus dem Nichts vier Gummikugeln auf seinen Körper niederprasseln und ihn unter Schmerzensschreien zurückwerfen. Er krümmt sich jaulend und starrt die beiden Schützen wütend an, auf dem Boden kniend und sich mit einem Arm am Boden abstützend.

„Was habe ich euch denn getan?“, presst er ihnen entgegen und spuckt einen Klumpen Blut auf den Boden. Langsam rappelt er sich auf, läuft auf sie zu und steht dann Auge in Auge mit dem Kommandanten der Eingreiftruppe. Im selben Moment schleudert einer der acht protestierenden Jugendlichen einen Stein an den Kopf eines Warrior und macht damit absolut alles falsch, was nur hätte falsch gemacht werden können. Würde ein Historiker dieses Ereignis beobachten oder auch nur jemals davon hören können, würde er zweifellos einen Vergleich mit einem einschneidenden Ereignis ihrer eigenen Geschichte ziehen, der Schlacht in Lexington 1775. Die Sicherheitsleute eröffnen gnadenlos das Feuer und ein Hagel aus Gummigeschossen geht auf die kleine Gruppe nieder, die dem Beschuss chancenlos ausgeliefert ist. Von den vierzehn Jugendlichen liegen sechs sofort am Boden und bewegen sich kaum noch, zu viele Kugeln sind in ihre Körper eingeschlagen.

Zwei weitere erwischt es, während sie versuchen zu entkommen und nun sind noch sechs Flüchtige unterwegs, zurück in die Gassen der Stadt und auf der Flucht vor ihren Angreifern. Captain Porter, so der Name des Truppenführers, bekommt im selben Moment eine Nachricht von seinem Vorgesetzten, Captain Martinez, der stinksauer ist.

„Dieser Befehl kommt direkt von oben, Porter! Finden Sie diese elenden pubertären Hurensöhne, ehe sie die Grenzen der Stadt erreichen. Das darf keinesfalls passieren, also schicken Sie alles, was Sie haben. Schauen Sie auf Ihr gottverdammtes SmartPad, dort sehen Sie eine Liste, wer oder was Sie unterstützen kann, verstanden!? Schicken Sie die Männer, die gerade bei Ihnen sind sofort los, wir haben keine Zeit zu verlieren!“ Porter runzelt die Stirn und tut wie geheißen. Die Jugendlichen sind in alle Richtungen davongestoben, nur Lee hat sich zusammen mit dem verletzten Jason in einer momentan eigentlich geschlossenen Bäckerei verschanzt. Auf Porters Pad ploppt innerhalb von zwei Minuten eine Liste auf, die von Martinez geschickt wurde:

-3 „Berg“-Einheiten

-1 Black Hawk

-2 Boeing-Sikorsky RAH 66 Apache-Kampfhelikopter 1 IT-Team

-4 Speeder

-1 Spartaner-Sondereinsatzkommando, sechs Männer umfassend

-2 Warrior-Einheiten

Er sieht ungläubig auf sein Pad und schätzt diesen Aufwand für einige Jugendliche als völlig übertrieben ein. Allerdings weiß er auch, dass Captain Martinez´ Befehle Gesetz sind. Also beschließt er, den Black Hawk und einen der Apaches als Späher sofort loszuschicken. Den zweiten Apache-Helikopter lässt der alte Stratege mit Betäubungsmittel bestücken und schickt sie sofort danach los. Die Einheiten vom „Berg“ und die Warrior würden als Bodenspäher eingesetzt werden, während die Spartaner die Festnahmen durchführen sollen. Das IT-Team lässt er zur selben Zeit alle Kameras und elektronischen Geräte überwachen, die man anzapfen kann. Die vier Speeder wird er mit seinen besten Fahrern besetzen und jagt sie durch die Hauptstraßen der Stadt.

Ja, denkt er sich, das klingt nach einem Plan. Sie dürfen auf keinen Fall bis zur Grenze kommen…

4

Jason sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht an einen hochmodernen Ofen aus neuster CookTech- Schmiede gelehnt, während er und Lee nervös darüber nachgrübeln, wie die Situation so eskalieren konnte. Immer wieder schaut Jason vorsichtig aus dem Fenster, vor dem geschäftiges Treiben herrscht. Dutzende bewaffnete Männer hasten dort draußen entlang, in ihre Funkgeräte brüllend. Einmal meint er, sogar einen Helikopter zu hören.

„Weißt du was, Lee?“, murmelt Jason schwer atmend. „Wir stellen uns. Irgendetwas stimmt hier nicht, aber wir wissen nicht was und deswegen können wir auch nichts dagegen tun. Wir sollten uns erst einmal ruhig verhalten und mehr herausfinden. Komm schon. Wir können jetzt nicht schon wieder fliehen, ich will nicht mehr weglaufen. Lassen wir es, bitte Lee.“ Der schlanke Asiate schaut seinen Freund hoffnungslos an, streicht sich schwer seufzend durch die langen schwarzen Haaren und scheint selbst zu dem Schluss zu kommen, dass Jason momentan absolut kampfunfähig ist. Er schüttelt nachdenklich den Kopf.

„Okay, du hast wohl recht“, ist alles, was er ihm entgegnet. Lee rappelt sich auf und bietet seine Hand Jason an. Er schlägt dankbar ein, zieht sich hoch und die beiden treten mit hoch erhobenem Haupt in die Sonne.

In kürzester Zeit dreht einer der Helikopter bei, den Jason als Apache-Kampfhubschrauber identifiziert. Die Haare der beiden werden wild herumgewirbelt und sie halten sich die Augen zu, da Blätter und Staub vom Boden in ihre Gesichter peitschen. Der Helikopter fliegt furchteinflößend tief und vier Männer zielen mit ihren Waffen auf die zwei Jugendlichen, um jedwede Fluchtgefahr zu verhindern. Drei Minuten später sind die beiden völlig verdreckt von all dem Staub und plötzlich dreht der Apache ohne Vorwarnung wieder ab. Verwundert blicken sich Jason und Lee um, doch sie sind allein soweit das Auge reicht. Die beiden haben den anderen Ausgang genommen und stehen jetzt alleine in einem Kreisverkehr, umgeben von ebenjener Bäckerei, einem riesigen Kino und einer kleinen Bank für die Mitarbeiter hier. Sie blicken noch immer verwundert in den Himmel, als ein zweiter Apache-Helikopter aus dem Nichts auftaucht. Keiner der beiden versteht das verwunderliche Manöver, das die beiden Militärhelikopter hier durchführen.

„Moment mal“, stottert Jason, als er den Rumpf des Apaches genauer in Augenschein nimmt. Keine einzige Bordkanone ist zu sehen, dafür eine große Menge winziger Behälter, die dort herunterbaumeln. Ehe die beiden Jugendlichen sich fragen können, was diese mysteriösen Container zu bedeuten haben, fallen ihnen reihenweise graue Metallbehälter vor die Füße, alle sind mit einem dünnen, mit der Hand angebrachten gelben Strich gekennzeichnet.

„Fuck! Die werfen Bomben!“, brüllt Jason und beginnt zu laufen, doch schon brechen die mysteriösen Behälter an dem gelben Strich auseinander und eine Unmenge gelben Rauches breitet sich überall aus. In wenigen Sekunden ist der ganze Platz in den durchscheinenden Dunst gehüllt. Jason hustet ununterbrochen, als ihm immer schwindliger wird. Er sieht aus den Augenwinkeln, dass auch sein Freund mit schweren Hustenreizen zu kämpfen hat, ehe beide zu taumeln beginnen und nach wenigen Sekunden wie zwei nasse Säcke umfallen.

Mit dem letzten Blinzeln sieht Jason, wie Männer mit Atemmasken auf sie zustürmen.

Diego Gálvez rennt. Er stürmt an einer Shopping Mall vorbei und kann seine Verfolger abhängen. Er macht es nicht wie Jason und Lee, sein einziges Ziel ist die Flucht, raus aus dieser Stadt. Er hasst die Leute hier, doch sein Vorsprung wird immer kleiner. Er biegt um die nächste Ecke, als er mit voller Wucht gegen einen anderen Körper prallt. Er erkennt das Mädchen wieder, auch sie war ein Teil der kleinen Protestaktion. Sie wechseln einen kurzen, verstörten Blick, dann brüllt Diego nur „Lauf!“, und sprintet selbst weiter, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Er rennt, denkt nur noch von Sekunde zu Sekunde, bis er vor Anstrengung zusammenbricht und kraftlos auf dem Boden liegen bleibt. Er schaut sich mehrmals um und ihm wird klar, dass er die Warrior abgehängt hat. Nach einer ausgiebigen Pause läuft er im Jogging-Tempo weiter. Bald schon sieht er das letzte Gebäude hinter sich, erwartet einen langen Highway, der aus der Stadt führt oder andere Außenbezirke einer Riesenmetropole. Doch nichts davon ist zu sehen. Alles was er vor sich sieht ist Wüste, soweit das Auge reicht. Nichts als trockene Wüste und verdorrte Sträucher, schleichende Kojoten und tote, fliegenumschwirrte Kadaver längst gestorbener Tiere. Verdutzt blickt er wieder und wieder umher und bald steht auch das Mädchen neben ihm, das er eben beinahe umgerannt hätte.

Es dauert eine Weile, bis die beiden verstehen. Bis sie verstehen, dass alle erfahren müssen, in welch perfides Spiel sie geraten sind. Dass alles auf einer großen Lüge aufgebaut ist. Ihr ganzes Leben hier.

Sie tauschen einen letzten Blick, nicken in gegenseitigem Einverständnis.

Dann kommt der gelbe Rauch.

Zahara drückt sich an der Wand eines hohen Gebäudes entlang, nachdem sie gesehen hat, wie einer der anderen Flüchtigen vor ihren Augen niedergeknüppelt, betäubt und in einem Laster weggebracht wurde.

Wo sind all die anderen? Ich kann unmöglich die letzte sein… Sie ignoriert alles um sich herum, die prüfenden Blicke einiger Angestellter, die an den Wänden justierten Kameras, und rennt jetzt ohne Pause in Richtung des hohen Zauns, den sie schon von weitem ausmachen kann. Dahinter erstreckt sich eine karge Landschaft, wie eine Wüste, doch Zahara hält es für eine optische Täuschung, kann sich darüber gerade aber ohnehin keine Gedanken machen. Kurz bevor sie den meterhohen Wall erreicht, baut sich ein Mann in der Uniform des hiesigen Sicherheitsdienstes vor ihr auf.

„Na, na, junge Dame. Warum denn so eilig? Sie haben ja eine Uniform der Probanden an. Wieso sind Sie dann noch hier draußen?“, fragt er misstrauisch und bewegt seine Hand langsam zu seinem Taser. Zahara fährt sich mit den Fingern durch ihr langes Haar und schaut angespannt nach links und rechts. Sie spielt ihre Rolle perfekt, lässt sich keine Nervosität anmerken.

„Nun, Sir, ich habe mich nur verlaufen. Natürlich habe ich das Signal gehört, aber ich habe komplett die Orientierung verloren. Es tut mir sooo leid, aber können Sie mir helfen, wieder zurückzufinden?“, fragt sie mit gespielter Ängstlichkeit, fühlt sich im tiefsten Inneren dabei allerdings auch so. Ein Kollege des älteren Mannes ist dessen Ruf wohl gefolgt, denn Zahara erkennt aus einiger Entfernung eine schlecht zu erkennende Silhouette auf sie zukommen. Der Mann ist deutlich jünger als sein Kollege. Mindestens zehn Sekunden starren sich Zahara und der junge Officer an, ehe sie ihren Blick abwendet und auf ihr Todesurteil wartet.

„Hallo Dwayne“, begrüßt der Cop den jungen Mann. Dieser nickt zurückhaltend.

„Die junge Dame hier meint, sie hätte sich verlaufen. Stimmt das so, Dwayne? Habt Ihr das schon bei euch unten mitbekommen?“ Der Officer schaut Zahara mit einer Mischung aus Mitleid und Belustigung schmunzelnd an, dann beginnt er zu reden.

„Ja, Terry. So ist es, sie hat ihre Freunde aus den Augen verloren, als sie kurz auf der Toilette war. Wir haben bereits Meldung darüber und alles dokumentiert. Ich übernehme das ab hier, danke.“

Zahara schaut den „Berg“-Wachmann skeptisch an, obwohl sie weiß, dass sie sowieso keine andere Wahl hat, als dem Mann zu folgen. Sie wird aus dem mysteriösen Kerl nicht schlau. Wird er sie ausliefern und sie in den Folterkeller stecken, oder hat er das hier zu ihrer Rettung getan, was absolut keinen Sinn machen würde? Er packt sie unsanft am Arm und reißt sie damit aus ihren Gedanken. Zusammen gehen die beiden weiter und sofort als sie um die nächste Straßenecke biegen, beginnt der junge Officer zu rennen.

Sie laufen pausenlos, bis sie eine verlassene Gasse erreichen.

„Meine Dienstvorschrift besagt, dass ich dich sofort an Doc Miller ausliefern muss, unseren Humanforscher, wie der alte Hurenbock sich selbst schimpft“, sagt der junge Mann mit wütender Miene und beißt die Zähne zusammen, während Zahara ihn entgeistert anschaut.

„Ich kann über die Geschehnisse hier im Berg jedoch kein Stillschweigen mehr bewahren, da stimmt einfach nichts mehr mit dem überein, was man mir als Kind über Moral beigebracht hat. Also werde ich dich gehen lassen. Du wirst meine Keycard nehmen, um durch den Zaun zu kommen. Dadurch werden sie mich ohnehin auf dem Schirm haben und ich werde abtauchen müssen“, fährt er mit ernstem Ton fort und fixiert sie mit zusammengekniffenen Augen.

„Da draußen ist es hart, Mädchen, hier hast du noch meine Waffe. Ich werde untertauchen und hoffen, dass es klappt. Ich werde dir ab diesem Moment keine Hilfe mehr sein, denn sie werden mich umbringen, sobald sie mich haben, und das gedenke ich zu vermeiden. Das verstehst du hoffentlich. Geh, so schnell du kannst, lange wird dein Verschwinden nicht unbemerkt bleiben. Los!!“, drängt er sie, drückt ihr die Waffe und das rechteckige Stück Plastik in die Hände und schiebt sie aus der Gasse hinaus. Der Mann verlässt noch im selben Moment die Gasse über die andere Seite und Zahara hat nicht einmal mehr die Möglichkeit, sich für alles zu bedanken. Sie schaut nur noch ungläubig die Stelle an, an der er bis gerade eben noch gestanden hatte und versteht jetzt nichts mehr.

Allerdings weiß sie auch, dass sie sich nie verzeihen könnte, wenn sie die Chance nicht nutzen würde, die dieser heldenhafte Mann ihr eröffnet hat.

Fieberhaft überlegt sie nun, wie sie es durch den Zaun schaffen kann und tut alles, um ihren unerwarteten Lebensretter aus ihren Gedanken zu verbannen.

Jason erwacht einige Zeit später auf einer Krankenstation, die er noch nie zuvor gesehen hat. Überall um ihn herum laufen Menschen in weißen Kitteln hin und her und in vielen Betten neben ihm liegen andere Jugendliche. Schläfrig hebt er seine Hand, um sich am juckenden Kinn zu kratzen, als er auf Widerstand stößt. Er schaut benommen an sich herunter und sieht, dass sowohl beide Arme als auch beide Beine an reißfesten Gurten festgebunden sind. Zwei Betten weiter erkennt er das zerschundene Gesicht seines asiatischen Freundes Lee. Auch er ist gefesselt und probiert nach Kräften, sich loszureißen, vergeblich. Nach und nach bemerkt Jason, dass tatsächlich jeder einzelne in diesem Raum gefesselt ist, manche dösen nach wie vor, andere versuchen kraftlos, sich zu befreien. Er wirft Lee einen kurzen Blick zu, den dieser erwidert, dann sieht er plötzlich einen Schatten über sich und verliert erneut das Bewusstsein.