Redle -  - E-Book

Redle E-Book

0,0

Beschreibung

Ferdinand Redle gründete seine Fuhrhalterei in Müllheim (Baden) im Jahr 1899. Mittlerweile trägt die vierte Generation die Verantwortung. Jeder Wechsel auf die Nachfolger klappte reibungslos und innerhalb der Familie. Ein Glücksfall! Das vorliegende Buch entstand anlässlich des 120-jährigen Bestehens des Unternehmens. Es verdeutlicht, wie sich aus dem Ein-Mann-Betrieb der Fuhrhalterei über die Jahrzehnte hinweg ein moderner Entsorgungsfachbetrieb entwickelte. Wie beeinflusste dabei die Müllheimer Stadtgeschichte den Betrieb? Wie die Zeitgeschichte? Welche Richtungsänderungen ergaben sich durch die Branche und die Politik? Welche entscheidenden Akzente setzte die Familie Redle selbst? Schlaglichter auf die Entwicklung und die Besonderheiten der Firma Redle setzen darüber hinaus die Mitarbeiter. Was ist das Außergewöhnliche an diesem Betrieb, der jetzt seit über 120 Jahren existiert? Dieses Buch liefert lesenswerte Antworten.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 65

Veröffentlichungsjahr: 2019

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Das Buch zum 120-jährigen Bestehen der Firma Redle GmbH & Co. KG wurde verfasst von:

Sabine Frigge

Rombach Biografien

Paradiesgasse 4

79356 Eichstetten

Telefon +49 (0) 7663/605 977

[email protected]

www.rombach-biografien.com

Inhalt

Vom Landwirt zum Fuhrunternehmer

Kurzer Aufenthalt in den USA

Gelungener Start der Müllentsorgung

Die dritte Generation

Jede Menge zu entsorgen

Ein neuer Geschäftszweig

„Qualität tut nicht weh!“

Was uns wichtig ist

Anmerkungen

Literatur- und Quellenverzeichnis

Fotonachweis

Vom Landwirt

zum Fuhrunternehmer

Man könnte sagen, er hat die Zeichen der Zeit erkannt. Oder vielleicht waren es eher die Möglichkeiten der Zeit! Als Ferdinand Redle 1899 in Müllheim sein Fuhrunternehmen gründete, nutzte er nämlich eine relativ neue Form des Transportes – es ging um die Eisenbahn.

Erst fünfzig Jahre vorher, im Juni 1847, war der Winzer- und Mühlenort Müllheim an das badische Eisenbahnnetz angeschlossen worden. Den Bahnhof hatte man weit vor den Toren der Stadt errichtet: Rund zwei Kilometer waren es von der Hauptstraße 67, wo Ferdinand Redle nicht nur wohnte, sondern auch seinen „Firmensitz“ hatte, bis zum stattlichen Bahnhofsgebäude. Um Bahnverbindungen auch mit den umliegenden Ländern eingehen zu können, stellte das Großherzogtum Baden 1854 seine Bahnlinien von der Breitspur auf die Normalspurweite um. Ein Jahr später war bereits die Bahnlinie Mannheim – Basel, die Müllheim mit „der Welt“ verband, fertiggestellt, so dass mit dem Bau ergänzender Strecken und Verbindungslinien begonnen werden konnte. Um die Stadt selbst sowie Badenweiler an das neue Verkehrsmittel anzubinden, gründete man 1894 unter Beteiligung einer Berliner Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft die Müllheim-Badenweiler Eisenbahn AG. Das erste „ Badenweiler Bähnle“, wie es liebevoll genannt wurde, fuhr bereits zwei Jahre später. Zwischen dem Bahnhof Müllheim und Badenweiler hielt das „Bähnle“ – es verfügte neben sechs Personenwagen auch über einen Pack- und Postwagen sowie über vier Güterwagen – auf einer Länge von nur 7,5 Kilometern acht Mal, wobei sich vier Haltestellen in Müllheim selbst befanden.

Der 1847 in Betrieb genommene Bahnhof Müllheim lag weit vor den Toren der Stadt.

Ferdinand Redle war Landwirt, als er sein Unternehmen gründete. Er war am 5. November 1871 in Gottenheim auf die Welt gekommen, wo sein Vater einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb besaß. Ferdinand Redle zog nach Müllheim, um als Rosser, also als Stallbursche, für die bekannte Familie Blankenhorn zu arbeiten. Am 22. April 1902 heiratete er die am 11. Juni 1882 in Müllheim geborene Marie Emma Scholer, deren Familie der Hof in der Hauptstraße 67 gehörte.

Das „Bähnle“ prägte von 1896 bis 1955 das Stadtbild von Müllheim.

Viele Landwirte gingen zum Holzrücken in den Wald und so muss Ferdinand Redle auf die Idee gekommen sein, nicht nur sein eigenes Holz mit dem Pferdefuhrwerk zur Laderampe am Bahnhof zu transportieren, sondern auch das anderer Müllheimer Bürger. Am Bahnhof wurde das Holz auf Waggons verladen und zu den Sägemühlen der Region gebracht. So konnten erstmals auch größere Strecken überwunden werden. Da Ferdinand Redle nun bereits am Bahnhof war, lag es nahe, die dort angekommenen Güter mit zurück in die Stadt zu nehmen und an die jeweiligen Empfänger auszuliefern. Aus dem Landwirt Ferdinand Redle war der Landwirt und Fuhrunternehmer Ferdinand Redle geworden!

Wie viele andere Städte, entwickelte sich Müllheim bis 1918 recht dynamisch. 1802 hatte die Stadt gerade einmal 1700 Einwohner, 1871 waren es bereits 3000 und bis zum Ersten Weltkrieg wohnten schon über 4500 Menschen dort. 1876 wurde die evangelische Kirche im neugotischen Baustil erbaut, 1878 weihte man die katholische Kirche ein. In der Werderstraße war 1867 nicht nur ein neues Rathaus im venezianisch beeinflussten Stil gebaut worden, sondern, da Müllheim Sitz des Amtsgerichtes war, auch ein eindrucksvolles Gerichtsgebäude. So entwickelte sich die Werderstraße zu einer wichtigen Verkehrsachse. Zwischen dem architektonisch sehr auffälligen „Spartempel“ der Bezirkssparkasse Müllheim, der 1911 eingeweiht wurde, und der Stadtkirche wurden in der Folge repräsentative Villen in den großen Gartengrundstücken der weitverzweigten Familie Blankenhorn gebaut. Reinhard und Babette Blankenhorn stifteten 1893 ein Thermalfreibad, das ein Jahr später eingeweiht wurde. Ernst Blankenhorn war ab 1891 Bürgermeister von Müllheim; ihm folgte ab 1900 der Arzt Karl Nikolaus. In der Amtszeit von Karl Nikolaus bis 1919 wurden nicht nur die Wasserversorgung und die Kanalisation modernisiert, es wurden auch die Straßen und Häuser elektrifiziert. Ein weiterer Entwicklungsschub folgte ab 1901, als Müllheim Garnisonsstadt wurde und eine Infanterie- und Artilleriekaserne gebaut wurde. In diesem Zuge entstand auch ein neuer Stadtteil.

Der Firmengründer Ferdinand Redle auf einer undatierten Aufnahme.

Wo gearbeitet wird, wird natürlich auch gelebt – und Müllheim war für seine zahlreichen Wirts- und Gasthäuser bekannt. Bereits 1807 hatte der Dichter Johann Peter Hebel dem Müllheimer Gasthof „Zur Post“ mit diesem Teil eines längeren Gedichtes, in dem auch Freiburg und Staufen genannt werden, ein Denkmal gesetzt:

Z’Müllen an der Post,

Tausigsappermost!

Trinkt me nit e guete Wi!

Goht er nit wie Baumöl i,

z’Müllen an der Post!

Weiterer Aufschwung für Müllheim: Die Infanterie- und Artilleriekaserne.

Im Mai 1910 feierte Müllheim das 100-jährige Stadtjubiläum gleichzeitig mit der Einweihung des neu angelegten Hebelparkes, in dem auch ein Gedenkstein für den Dichter seinen Platz fand. Mit 14 Pferden wurde der Stein, der aus den Granitsteinbrüchen von Ottenhöfen stammte und 300 Zentner wog, vom Bahnhof in den Hebelpark gebracht.1 Zu dieser Zeit hatte Müllheim „4533 Einwohner (2991 Protestanten, 1352 Katholiken und 170 Israeliten)“, wie im „Führer von Müllheim“, der 1913 im Auftrag des Gemeinnützigen Vereins Müllheim erschienen war, zu lesen ist. Die Einwohner charakterisierte der „Führer von Müllheim“ folgendermaßen: „In dem altbadischen Markgrafenlande, zu dem Müllheim gehört, wohnt im allgemeinen ein kräftiger Menschenschlag, ein friedliches, biederes, anfangs ernstes und verschlossenes, dann aber umso desto treueres und zuverlässigeres Landvolk, politisch freisinnig bei treuer Anhänglichkeit an das Fürstenhaus. Das weibliche Geschlecht trägt vielfach noch die freundliche Markgräfler Tracht, welche die Anmut schöner Frauen zur vollen Geltung gelangen lässt.“2

Großherzog Friedrich I. von Baden weilte gerne zur Kur in Badenweiler. Zur Feier seines 80. Geburtstages reiste er gemeinsam mit seiner Frau, der Großherzogin Luise, an. Auf der Fahrt vom Müllheimer Bahnhof nach Badenweiler wurde er von Bürgermeister Klaus Nikolaus, vom Gemeinderat und von Bürgern begrüßt.

Ob diese Beschreibung des „Landvolkes“ auch Ferdinand Redle charakterisiert? Wir können es nicht mit Sicherheit sagen, aber unter all den genannten Möglichkeiten wird sicher auch die ein oder andere auf den Fuhrhalter, wie seine Berufsbezeichnung im „Markgräfler Adressbuch“ aus dem Jahr 1908 lautete, zutreffen. Über die Entwicklung seines Betriebes ist nicht allzu viel bekannt. Überliefert ist, dass 1901 ein Schreiben der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft aus Dresden im Bürgermeisteramt Müllheim eintraf. Darin stand: „Dem Bürgermeister-Amt überreichen wir unter Bezugnahme auf die §§ 109 und 144 des Unfall-Versicherungsgesetzes vom 30. Juni 1900 in der Anlage 1 Mahnliste mit dem ergebenen Gesuchen, die Mahnung gefälligst vornehmen und die demnächstige Rückleitung dieser Liste an uns geneigtest veranlassen zu wollen. Der Genossenschafts-Vorstand.“

Feierliche Einweihung des Hebel-Gedenksteins anlässlich des 150. Geburtstags des alemannischen Dichters und des 100-jährigen Stadtjubiläums.

Wesentlich bedeutsamer als dieser Verwaltungsakt war sicher die Geburt der beiden Kinder: Zunächst kam am 12. Dezember 1903 Tochter Friederike Wilhelmine Ida auf die Welt, am 23. November 1904 wurde Ferdinand Ernst Redle geboren.

Anzeige von Ferdinand Redle aus dem „Führer von Müllheim“, 1913.

Viel Konkurrenz im Geschäft der Fuhrbetriebe hatte Ferdinand Redle nicht, denn nach Auflistung des „Führers von Müllheim“ gab es 1913 nur zwei „Speditionsgeschäfte und Fuhrhaltereien“: Die „Fuhrhalterei Engler – Amtliche Güterbestätterei, Spedition und Lagerung, Last- und Chaisen-Fuhrwerke, Erledigung von Möbel-Transporten“ sowie das „Speditionsgeschäft und Rollfuhrwerk Ferdinand Redle“, das auch dafür warb, Umzüge zu übernehmen. Außerdem existierten sechs Gasthäuser und Restaurants, fünf Restaurationen, ein Hut- und Mützengeschäft, zwei Kohlenhandlungen, eine Kupferschmiede, eine Mineralwasserfabrik, vier Weinhandlungen, zwei Bildhauer, zwei Buchdruckereien sowie ein Dentist. Darüber hinaus spricht das Buch von 36 Vereinen sowie verschiedenen gewerblichen Innungen.

Die Stadt Müllheim im Jahr 1913 – klein und überschaubar.

Kurzer Aufenthalt

in den USA

Die lange Zeit des