Regenbogen - Wolfram Hahn - E-Book

Regenbogen E-Book

Wolfram Hahn

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Beschreibung

Die vorliegende Auswahl lyrischer Texte umfasst im Wesentlichen Gedichte über die Schönheit, die Gefährdungen und die Vergänglichkeit der Natur sowie über die Sinnfrage unseres begrenzten Lebens.

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Seitenzahl: 86

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Wolfram Hahn

Regenbogen

Gedichte über die Farben des Lebens

© 2018 Wolfram Hahn

Verlag & Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback

978-3-7469-3790-8

Hardcover

978-3-7469-3791-5

e-Book

978-3.7469-3792-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bunt sind die Farben des Lebens,so bunt, wie die Blumen der Welt. –Vielfalt, sie wäre vergebens,wenn sie nicht den Geist unsbeseelt.

Das Lied der Nachtigall

Der Mond steht hell am sternenübersäten

Himmel

und zeichnet auf den See wie auf ein dunkles

Seidentuch

die weiche Silbermähne von Poseidons

Schimmel. –

Ruhevoller Frieden! – Ein sanfter Schlaf liegt

auf dem Luch.

Da, plötzlich hebt es an, ein Zwitschern voller

Lieblichkeit.

Ein märchenhaftes Lied erklingt im Schutz der

alten Föhren,

und immer lauter wird das Rufen in der

Dunkelheit. –

Aus weiter Ferne ist ein leises Echo noch zu

hören.

Ein sanftes Zittern mit Flötentönen zart und

süß –

es schluchzt und seufzt durch diese schöne

Frühlingsnacht.

Und immer neu erdachte Melodien sind

gewiss,

entfalten sich in einer nie gehörten Pracht.

Erregung wächst, und gern wird manche

Stunde nun durchwacht,

zu lauschen dieser bunten Vielfalt schönster

Reigen.

Sehnsuchtsvoll ergriffen von einer

unsichtbaren Macht,

die sich der Seele und dem Herzen kann nur

zeigen.

Wer müde war, schläft nun nicht ein.

Der Kranke lächelt und vergisst sein Leid.

Der stille Friedhof muss nicht mehr nur Ort

der Trauer sein.

Erklungen ist das Lied der Liebe und der

Fröhlichkeit.

Der Nachtigallen hohes Lied ist angestimmt

und öffnet uns die Seele voller Wonne.

Nicht nur die Ohren sind’s, es ist das Herz,

was es vernimmt,

uns hoffen lässt auf lang ersehnte

Frühlingssonne.

Es ist ein Klang aus weiten Himmelshöh´n,

der Engel Flöten schönes Widerspiel,

als ob sanfte Winde über Harfensaiten geh’n

und aus gold´nen Sternen das Diadem des

Frühlings fiel.

Abschied und Wiederkehr

Abschied nehm´ ich von dir, meine Rose.

Von dir, die alle meine Sinne schärfte;

die mich mit ihrem zarten Duft liebkoste

und deren wahre Schönheit mich verzehrte.

Letzte Knospe - noch ein jugendlicher Glanz?

Schenk doch im Herbst noch einmal deine

Fülle!

Kommt erst Frost und tötet deine Schönheit

ganz,

entführt er dich in Eis- und Winterstille.

Doch gib mir Mut, zu hoffen und zu glauben

über Kälte und den bitteren Tod,

dass niemand kann geheime Schönheit rauben,

auch wenn des Winters harte Kälte droht.

Siegen wird die Zeit, der Sonne wärmende

Kraft.

Sie wird dich erwecken aus tiefem

Winterschlaf.

Sie, die in dir Leben und neue Schönheit

schafft.

Ein fernes Leuchten als Freude ins Herz mich

traf.

Der Stein

Millionen Jahre alt und oft gewendet,

zersprengt, geschliffen, gelagert und besandet,

versunken in des Meeres große Tiefen,

geprägt mit Löchern und mit Riefen,

in seiner Starrheit doch verändert in Gestalt.

Danach geschleudert aus dem Meer mit Urgewalt

und hingeworfen an des Ufers Rand,

von heißer Sonnenglut gebrannt,

gestoßen von der Gezeiten Brandung,

endlich dann nach seiner letzten Landung

viele tausend Jahre überdeckt mit Sand,

durch Kraft des Windes wieder freigelegt ich

ihn dort fand

und fühle sein bewegtes Leben

Das Frühlingsspiel

Hiddensee im Mai 1990)

Jetzt ist der Duft betörend, mit dem der

Weißdorn sich umgibt,

in dessen Kelchen sich Myriaden von Insekten

tummeln

und jeder sich in diesen süßen Himmelbetten

liebt,

wo es nun einzigartig summt von Käfern,

Bienen und von Hummeln.

Der Traubenkirschen helle Pracht, sie ist noch

nicht erblüht;

noch deckt das grüne Jungfernkleid die blanke

Schönheit zu,

da hat im dichten Dornenstrauch die erste

Heckenrose schon geglüht.

Spendet Sonne jetzt die Wärme, so bricht ein

Feuer aus im Nu.

Schon schaukeln Schmetterlinge über bunte

Wiesen

und suchen einen Partner ihrer Wahl,

dem sie sich gern zur Lust am neuen Leben

überließen

im Meer der bunten Blüten ohne Zahl.

Das ist die Zeit, wo auf zum Himmel

tirilierend Lerchen steigen,

zu keiner Stunde verstummt der Nachtigallen

Schlagen.

Es ist das zauberhafte Frühlingsspiel – ein

fester bunter Reigen.

O öffnet eure Herzen, es will euch so viel

sagen!

Die gelbe Symphonie

Schon wartet tagelang die Blüte

vom gelben Traum Forsythia,

die in der Knospe sich verfrühte,

auf Sonne. – Endlich bist du da!

Schon reckt sich`s in den gold´nen Kelchen,

die nachts vom Frost gepeinigt waren.

Es schwellen tausend kleine Bällchen;

nicht länger sind sie Winters Narren.

Vorwitzig brechen an den Spitzen

schon die ersten Blüten auf

und lassen ihre Fahnen blitzen.

Sie künden an den Frühlingslauf.

Dann bricht sie los, die Invasion!

Die Symphonie in blankem Gold

vermittelt Sommerillusion,

die Winter nur Verachtung zollt.

Zum Frühlingssieg wird schon geblasen

von warmer Sonne großer Macht.

Sie lässt des Winters Kraft verblassen;

sie macht, dass mir das Herze lacht.

Königin der Nacht

Unscheinbar der Kaktus, wo sie geboren wird.

In sich verschlungen lange, grüne

Stacheltriebe.

Doch eine Ahnung wächst, hast du sie erst

erspürt

die Knospen, sanft umsponnen mit

mütterlicher Liebe.

Ganz plötzlich schiebt sie sich heraus aus

ihrem Nest,

und üppig gold´ne Fäden wachsen lang heraus.

Die Zeit sie läuft, es wird gepumpt und arg

gepresst –

schon wächst ein Diadem aus dem

verschloss´nen Haus.

Dann blüht die Königin der Nacht

verströmt den wunderbarsten Duft.

All´ unsre Sinne sind erwacht,

rings ist erfüllt die ganze Luft.

Ein Sonnenglanz umhüllt ihr Haupt,

schneeweiß ziert sie ein lichtes Kleid.

Vordem hat keiner es geglaubt,

sehr spät war ihre Majestät bereit.

Doch in der Früh´, eh´ man´s gedacht

zog sich die Königin zurück;

kehrt in sich ein und ruht nun sacht. –

Sehr groß war es, doch kurz das Glück.

Aus Nichts entstanden und geboren,

erstrahlter Überfluss für den Moment.

Oft wird aus Niederem erkoren

ein Lichterkranz, der in uns lange brennt.

Sonnenuntergang

Der Sonne letzte Strahlen brechen;

bildschön ist ihr Untergang.

Von Farbenpracht die Wolken sprechen.

Ein schöner Traum, ein Lobgesang!

So steigt der Abend still empor;

des Wassers goldnes Spiel wird matt.

Und hinterm Wolkentor hervor

sich kaltes Licht verbreitet hat.

War auch des Tages Glanz zerflossen,

erlosch die Lebenshoffnung nicht,

dass nach der Nacht wird ausgegossen

erneut der Sonne warmes Licht.

Hoffen auf Frühling

Wenn erst die Tulpen wieder blüh´n

und alle Bäume werden grün,

dann ist all Winterleid vorbei,

und alles Leben atmet frei.

Dann geh in Gottes weite Welt,

erfreu dich Herz, erfreue dich!

Denn unter diesem bunten Zelt

ein jeder Schmerz noch immer wich.

Frühlingstag

Endlich scheint die Sonne wieder,

wärmer wird es jeden Tag.

Alles reckt die müden Glieder.

Es grünt und blüht auf einem Schlag.

Hoch in den Bäumen ich schon sah

Vöglein aus der weiten Ferne.

Das Rotschwänzchen ist wieder da

und fühlt sich wohl bei dieser Wärme.

Schon hält man Ausschau nach dem Platz,

wo man ein Nest sich bauen kann

und wirbt um einen süßen Schatz

mit schönsten Melodien dann.

O, wären Schwingen mir gegeben,

dann wär´ der Himmel nicht so weit.

Ich könnt´ in blaue Lüfte schweben,

vergessen wäre alles Leid.

So freu ich mich am frischen Grün,

an bunten Blumen ohne Zahl,

lass` Schmetterling und Vögel zieh´n,

genieß` die Zeit nach meiner Wahl.

Gewissheit

Den ersten Kuckuck hab ich heut gehört

endgültig hat er Winters Macht zerstört.

Auch wenn die ersten Schwalben zieh´ und

Feld und Wiesen lang´ schon grün,

war Winters Hauch noch oft zu spüren,

die ersten Blüten mussten frieren.

Doch jetzt, nachdem der Kuckuck rief,

der Winter aus dem Lande lief.

Schnee, Eis und Kälte sind dahin.

Ein frohes Herz erweckt den Sinn

nach all´ der Schönheit dieser Welt,

die sich alljährlich uns vermählt.

Nun kann uns keine Macht mehr rauben,

dass wir jetzt an den Frühling glauben.

Er kommt geschmückt mit tausend Farben,

lässt uns vergessen Winters Narben!

Frühjahr

Schön, dass du wieder da bist

frisches Grün in meiner Welt.

Aufgebrochen ist das Schuppenkleid,

das schützend dich umgab,

schmückt alles nun mit jugendlichem Glanz.

Es tönen kleine Liebeslieder

aus tausendfachen bunten

neu erwachten Frühlingsblumen.

Es dampft die Erde wieder frei von Schnee.

Die Sonne gibt dem Bache seinen munt´ren

Lauf

mit all´ dem Leben, was er schützte unterm Eis

Da kommt er schon, der erste

lang ersehnte Schmetterling,

getragen von dem warmen Sonnenstrahl,

geht schaukelnd übers Feld

sein wachsamer Erkundungsflug.

Dem folgen bald millionenfach

vielfältiger gestaltete Gesellen.

Noch ist es kühl, und leichter Wind zieht übers

Land;

da flüstern Busch und Bäume sich freudige

Erwartung zu.

Und bald schon hört man´s singen

vom Feld, aus aller Flur, durch Busch und

Baum. –

Der Nestbau wird beginnen.

Belebt ist jeder Raum.

So zieht mit Macht das Frühjahr ein,

nicht aufzuhalten ist sein Streben.

Es ist der Weg in unsrem Sein.

Ein Glück, es zu erleben!

Hoffnung

Wenn je in einer klaren Nacht

auf das, was lebt und sich schon regt,

sich weißer Reif als Schleier legt,

dann zeigt sich nochmals Winters Macht.

Wenn auf dem sonst so stillen Fluss

sich Schaum auf seinen Wellen zeigt

und Sturm die stolzen Kronen beugt,

dann ist es Winters Abschiedsgruß.

Was jedoch trotz Sturm und Kälte

sich aus dem langen Schlaf erhebt

und farbenfroh das Land belebt,

vertreibt die Winterszeit mit Schelte.

Noch schneller, als im Jahr vermutet

hat uns die Sonne Kraft gespendet,

so all das lange Leid gewendet,

das Herz mit Hoffnung überflutet.

So lerne denn vom Jahreskreis,

der stets den Wechsel uns beschert

und immer für uns wiederkehrt,

dass Hoffnung wächst auf sein Geheiß.

Maispaziergang

Berauscht vom Fliederduft und aller

Maienblüte,

kehr´ ich zurück von meinem Gang in die

Natur.

Der Vögel munterer Gesang erfrischt noch

immer mein Gemüte.

Ich lauschte ihnen, folgte leise ihrer Spur.

Die Wiesen und der grüne Saum am

Waldesrand,

sie zeigen prachtvoll all´ ihre bunten Farben.

Ein schäumend´ Elixier ging aus von diesem

Land,

wo alle Sinne sich um höchste Gunst

bewarben.

Wohl ist es Zeit, das Grau der Städte zu

verlassen,

um das zu suchen, was das Herz begehrt:

In die Natur zu ziehen aus dem Staub der

Gassen,

die uns beim Sonnenschein all´ ihre Schönheit

lehrt.

Die Saaten grüner Felder grüßen dich.

Es ist, als ob der Himmel sich geöffnet hat,

und alles zeigt im frischen Glanze sich. -

Jetzt meine Seele, trink dich endlich wieder

satt!

Nächtliche Wege

Im Westen sinkt der Tag ins Meer, -

Orange mischt sich mit Blau und Rot.

Der Mond steigt blass herauf und leer.

Die Dunkelheit dem Lichte droht.

Des Tages Hektik weicht dem Frieden.

Ruhe senkt sich über die Natur.

Die Nachtigall hat sich entschieden