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Tradition und Moderne liegen in Bremen dicht beieinander. Die bewegte Geschichte der Hansestadt lässt sich im Schnoor-Viertel oder dem Ostertorviertel erleben. Als Stadt der Luft- und Raumfahrt spielen aber auch Forschung und Fortschritt eine große Rolle. In den vergangenen Jahren hat die Hansestadt zudem ihre maritime Seite neu entdeckt: Das junge Hafenviertel Überseestadt und die neue Weseruferpromenade Schlachte sind immer einen Besuch wert!
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Seitenzahl: 81
Veröffentlichungsjahr: 2016
Thomas Fröhling
BREMEN
ZU GAST BEI DEN STADTMUSIKANTEN
Koehlers Verlagsgesellschaft
Hamburg
Fotos (soweit nicht anders angegeben): Thomas Fröhling
Titelabbildung (groß): Shutterstock
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elSBN: 978-3-7822-1402-5
Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg
© 2016 by Koehler
im Maximilian Verlag GmbH & Co. KG
Alle Rechte vorbehalten.
Layout: Inge Mellenthin
Printed in Europe
WILLKOMMEN BEI DEN STADTMUSIKANTEN
BREMEN – STADT MIT TRADITION UND GESCHICHTE
MEHR ALS NUR DIE STADTMUSIKANTEN
VIELE SEHENSWÜRDIGKEITEN AUF EINER TOUR
FÜHRUNGEN IN DER STADT
SCHIFFE IN BREMEN
DIE ÜBERSEESTADT
BREMEN – DIE GRÜNE STADT
MUSEEN IN BREMEN
Wissenswelten und Erlebnismuseen
Kunst
Geschichte
THEATER IN BREMEN
GUT ESSEN & TRINKEN
AKTIV & FREIZEIT
Zu Lande, zu Wasser und in der »Luft«
Bäder und Wellness (Auswahl)
Golf und Minigolf
Parks und Friedhöfe
Stadtviertel
Mitmachen
Essen und Trinken
SHOPPING IN BREMEN
RETTUNG AUF SEE VON BREMEN AUS
BREMERHAVEN – BEDEUTENDE HAFENSTADT AN DER WESER
AUSFLÜGE INS UMLAND
Serengeti-Park Hodenhagen
Weltvogelpark Walsrode
CasarettoArt
Freilichtbühne Lilienthal
Nordwolle Delmenhorst
Otto-Modersohn-Museum
FRS Helgoline
Worpswede und das Teufelsmoor
Wind is our Friend
Cloppenburg
Wildeshausen
Delmenhorst
Zu Besuch in Hamburg
HOTELS & UNTERKÜNFTE
FESTE & EVENTS
ALLES, WAS SIE WISSEN SOLLTEN
Bremen ist zurückhaltend, nicht laut, nicht schrill. Die Hansestadt kommt ruhig daher, wie eine Kogge, die gemächlich auf der Weser ihre Route fährt. Bremen ist eine alte Stadt der Kaufleute, der Seefahrt und der Forschung. Die Bremer streben ins All. Luft- und Raumfahrttechnik und die Fliegerei sind starke Wirtschaftsfaktoren. Sie stehen im Gegensatz zu den kleinen Gassen und historischen Vierteln, in denen einst die Seeleute, Fischer und Handwerker lebten. Bremen liebt diese Tradition.
Unverwechselbar bleiben das prächtige Rathaus im Stil der Weserrenaissance und die ehrwürdige Figur des Roland auf dem historischen Marktplatz. Sie verkörpern seit 1404 den Bürgerwillen nach Unabhängigkeit. Rathaus und Roland stehen als einzigartiges Welterbe der Menschheit unter dem Schutz der UNESCO, doch auch der Schnoor – Bremens ältestes Stadtviertel –, die ungewöhnliche Architektur der traditionsreichen Böttcherstraße oder der Bremer Dom suchen ihresgleichen. Für einen Rundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist nicht mal ein Stadtplan nötig. 2.000 Nägel aus Messing und Stahl auf dem Boden führen vom Liebfrauenkirchhof über Marktplatz und Schnoor zur Böttcherstraße.
Mit dem Rücken zum Rathaus und mit Blick zum Liebfrauenkirchhof präsentiert sich die von Gerhard Marcks entworfene Bronzestatue der Bremer Stadtmusikanten. Das Märchen von Esel, Hund, Katze und Hahn ist in aller Welt bekannt und seit den Brüdern Grimm so eng mit Bremen verbunden wie Rathaus und Roland. Wer den Esel an den Beinen berührt, hat einen Wunsch frei. Doch die Geste will gelernt sein. Mit beiden Händen müssen die Beine des Esels leicht gerieben werden, sonst ist der Wunsch für die Katz’. Übrigens bedeutet die unkorrekte Variante, bei der nur eine Hand zum Einsatz kommt, aus Sicht der Bremer, dass sich zwei Esel »Guten Tag« sagen.
Alte Kaufmannstraditionen und der freie Handel finden durch ehrwürdige Gebäude in der Stadt ihren Ausdruck. Nie verloren die Bremer den Blick auf das Ganze. Stets wird für einen guten Zweck gesammelt, bei der Eiswette oder der Schaffermahlzeit kommen Beträge im sechsstelligen Bereich zusammen, die karitativen Zwecken dienen. Dezent und ohne großes Aufsehen hilft der Bürger, wo er kann. Diese Tugend steht im Gegensatz zur Finanzsituation der Stadt. Abgeschlagen von anderen Bundesländern geht es dem Stadtstaat nicht gut. Trotzdem ist die Millionärsdichte im Vergleich zum Rest der Republik hoch. Das wird aber nicht sichtbar. Eher kopfschüttelnd registrieren echte Bremer, wie der ehemalige Torhüter mit seinem Sportwagen die Martinistraße entlangbrettert.
Hanseatisches Understatement wäre hier erfunden worden, wenn die Hamburger es nicht schon gehabt hätten. Zwischen den beiden Stadtstaaten gibt es seit jeher eine gepflegte gegenseitige Abneigung, die sich nicht nur in der Beziehung zwischen den Fans von Werder Bremen und denen des HSV widerspiegelt. Die Derbys dieser beiden Mannschaften werden stets zu einem Hexenkessel. Für die Sicherheit der Besucher ist natürlich bestens gesorgt.
In Bremen zeigt man nicht gerne, was man hat. Schon gar nicht kommt man extravagant daher, wie das in anderen Städten der Fall ist. Man spricht noch nicht einmal darüber, wer viel Geld besitzt oder wer in der größten Villa wohnt. Gönner der Stadt machen kein Aufsehen darum, wenn sie für Kunst, Bildung, Soziales und für Hilfsbedürftige in den Geldbeutel greifen. Das hat lange Tradition: zum Beispiel, als 1843 Bremer Bürger für den Bau des Theaters privates Geld einsetzten. Etwas später finanzierten sie so auch die Kunsthalle. So ist es mit vielen Dingen in der Stadt. Bremer kommen nicht mit der ausgestreckten Hand. Man ist distinguiert und verbrüdert sich nicht gleich, sondern wartet die Entwicklung ab. So gewinnt man Freunde fürs Leben. Das ist es, was den Hanseaten ausmacht: nicht die schnelle Bekanntschaft, sondern Partner auf Zeit.
Und so mag es den Anschein erwecken, dass die Bremer stur und unnahbar sind. Jemand, der sich vom Gegenteil überzeugen möchte, sollte das legendäre Sechs-Tage-Rennen zu Jahresbeginn oder den Freimarkt besuchen. Dann bleibt kein Auge trocken, dann gibt es kein Halten mehr. Bei den Sixdays kämpfen Radprofis um Geld und Trophäen, drumherum findet ein Rahmenprogramm aus Musik, Show und Unterhaltung statt. Beim Freimarkt, der fünften Jahreszeit, steht die Stadt Kopf, die Menschen feiern und genießen das Leben. Als Besucher sollten Sie diese Feste nicht verpassen. Es sind die Highlights im Jahr und Mega-Events in der Stadt. Der Freimarkt ist das größte Volksfest in der Region und zieht die Massen zum Feiern und Tanzen an. Neben Fahrgeschäften, Buden und Imbissläden findet in den Großzelten eine Art Oktoberfest für Küstenbewohner statt. Bands bringen die Gäste in Wallung, man trifft sich und hat jede Menge Spaß.
Ein Blick vom Riesenrad auf das Freimarktgelände
Bremen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Einiges, was früher das Stadtbild geprägt hat, ist verschwunden. Wahrzeichen sind gewichen, Neues ist hinzugekommen. Wo einst die großen Schiffe gelöscht wurden, stehen heute Luxusbauten. Dem Hafen ist der größte Wandel widerfahren. Weil die Weser immer mehr versandete und den größer werdenden Schiffen weniger Wasser unter dem Kiel bot, verlagerte sich ab 1829 die Hafenwirtschaft nach Bremerhaven. Hier findet der Güterumschlag in Containern statt, hier werden Autos in alle Welt verschifft. Containerschiffe mit einer Länge bis zu 400 Metern laufen Bremerhaven an. Undenkbar, dass solch große Schiffe über die enge Weser nach Bremen hätten kommen können.
An der Schlachte herrscht reges Treiben.
Foto: kuegi – Fotolia
Impressionen von der Schlachte
Trotz der Verlagerung wesentlicher Hafenaktivitäten ist die Hansestadt immer noch ein wichtiger Handels- und Logistikhafen. In Bremen gehören der Industriehafen, der Neustädter Hafen sowie der Holz- und Fabrikenhafen zu den Zentren des Schiffsverkehrs. Jedoch kommen weit weniger Schiffe nach Bremen als beispielsweise nach Bremerhaven, dem zweitgrößten Hafen Deutschlands und einem der bedeutendsten Europas. Bremenports betreibt beide Häfen.
Große Werften wie die AG Weser und der Bremer Vulkan sind längst Geschichte. Allein Spezialwerften an der Weser sind noch geblieben. Die großen Reparatur- und Neubauwerften befinden sich in Bremerhaven.
Brach liegende Flächen wie der Europahafen haben sich zu einem neuen Stadtteil gewandelt, bieten Menschen Wohn- und Arbeitsraum. Geschäfte, Boutiquen und Unternehmen beleben den neuen Stadtteil, in dem sich Flair und Romantik mit alten Industriebauten, ehemaliger Hafengeschichte und moderner Architektur verbinden. Die Überseestadt ist ein gelungenes Beispiel für Wandel und Umgestaltung. Durch die verlängerte Uferpromenade Schlachte über das Stephaniviertel bis ins Hansequartier der Überseestadt ist der stetig wachsende Bezirk bei einem Spaziergang entlang der Weser zu erreichen. In unmittelbarer Nähe des zugeschütteten Hafenbeckens beleuchtet das Hafenmuseum im Schuppen XI die letzten 120 Jahre Bremer Hafengeschichte anhand persönlicher Erinnerungen spannend und anschaulich.
Portal des Schütting, des ehemaligen Gildhauses der Kaufleute und jetzigen Sitzes der Handelskammer an der Südseite des Bremer Marktplatzes
Weiter flussabwärts im Stadtteil Vegesack in Bremen-Nord werden die maritimen Traditionen besonders gepflegt. Hier, wo vor fast 400 Jahren der erste künstliche Hafen Deutschlands entstand, präsentiert sich die 1.852 Meter lange Maritime Meile entlang der Weser mit ihren Sehenswürdigkeiten rund um Museumshaven, Kapitänshäuser und Signalstation.
Seit 1996 liegt hier das einzig erhalten gebliebene Vollschiff der deutschen Schifffahrtsgeschichte, das »Schulschiff Deutschland«, das heute Platz für Übernachtungen, Tagungen und Trauungen anbietet. Vegesack selbst ist alljährlich Schauplatz maritimer Veranstaltungen: Rund um den ehemaligen Heimathafen der größten deutschen Heringsfangflotte und einer Walfangflotte findet zum Beispiel im August das Festival Maritim statt. Es präsentiert Sea Songs und Shantys aus aller Welt bei einem Musikereignis zwischen Kunst, Kultur und Kuriosem im Bremer Norden. Bands aus Deutschland und dem Ausland sowie regionale Shanty-Chöre verwandeln Vegesack drei Tage lang in eine maritime Open-Air-Bühne.
Der Außenhandel hat für die Hansestadt seit jeher eine große Bedeutung. Auch wenn der Schwerpunkt des Seeumschlags in Bremerhaven liegt, hat Bremen durch seinen Hafen noch einen hohen Anteil. Die Palette der verschiedenen Handelsgüter, die hier im- und exportiert werden, erstreckt sich von Fisch, Fleisch und Molkereiprodukten über traditionelle Rohstoffe, wie die an der Bremer Baumwollbörse gehandelte Baumwolle, sowie Tee, Reis und Tabak bis hin zu Wein und Zitrusfrüchten. Während die BLG Logistics Group (Bremer Lagerhaus-Gesellschaft) den Umschlag organisiert, sind Hafengroßhändler wie C. Melchers, Otto Stadtlander und UNIVEG Deutschland als Spezialisten im internationalen Handel tätig. Bremen ist ein wichtiger Standort der Automobil-, Schiffbau-, Stahl-, Elektronik- und Nahrungsmittelindustrie.
