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"Nicht ganz wie sonst" erzählt die Geschichte einer Segeltour nach Hamburg. Drei Männer machen sich anfangs ohne rechtes Ziel zu ihrer alljährlichen Frühjahrstour auf. Irgendwo auf der Nordsee einigen sie sich auf einen ersten Zwischenstopp in Hamburg. Danach führt ihre Segelreise sie nach Helgoland und Hooksiel im Jadebusen. Ein ruhiger, häufig launiger Bericht, der gegen Ende ungewollt dramatische Züge annimmt. Die Besatzung der Kohinoor gerät in der Nacht ohne jede Vorwarnung in einen Seenotfall und beteiligt sich an der Suche nach drei vermissten Seeleuten. Völlig anderes berichten die "Bilder aus Amerika", die eine kurze Reise in die Staaten lebendig werden lassen. Der Autor schildert die Eindrücke und Erlebnisse dieser facettenreichen Fahrt viele Jahre später seiner Ehefrau, die das Erlebte gern noch einmal Revue passieren lassen möchte. Dazu bedient er sich alter, schon angegilbter Fotos aus dem Familienalbum und malt so ein ganz persönliches Bild der Städte New York, Dallas, Cleveland und Buffalo mit den Niagarafällen. Eine erlebnisreiche interessante Tour dreier Menschen, die sich gut verstehen.
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Zu diesem Buch:
„Nicht ganz wie sonst“ erzählt die Geschichte einer Segeltour nach Hamburg. Drei Männer machen sich anfangs ohne rechtes Ziel zu ihrer alljährlichen Frühjahrstour auf. Irgendwo auf der Nordsee einigen sie sich auf einen ersten Zwischenstopp in Hamburg. Danach führt ihre Segelreise sie nach Helgoland und Hooksiel im Jadebusen. Ein ruhiger, häufig launiger Bericht, der gegen Ende ungewollt dramatische Züge annimmt. Die Besatzung der Kohinoor gerät in der Nacht ohne jede Vorwarnung in einen Seenotfall und beteiligt sich an der Suche nach drei vermissten Seeleuten.
Völlig anderes berichten die„Bilder aus Amerika“, die eine kurze Reise in die Staaten lebendig werden lassen. Der Autor schildert die Eindrücke und Erlebnisse dieser facettenreichen Fahrt viele Jahre später seiner Ehefrau, die das Erlebte gern noch einmal Revue passieren lassen möchte. Dazu bedient er sich alter, schon angegilbter Fotos aus dem Familienalbum und malt so ein ganz persönliches Bild der Städte New York, Dallas, Cleveland und Buffalo mit den Niagarafällen.
Eine erlebnisreiche interessante Tour dreier Menschen, die sich gut verstehen.
Peter Thiemt wurde 1954 in Bad Rothenfelde geboren und lebt heute im kleinen Melle bei Osnabrück. Bis Ende 2016 war er runde 40 Jahre selbstständig unternehmerisch tätig.
Seit Übergabe der Geschäfte an seine Nachfolger genießt er einen ganz und gar nicht langweiligen Ruhestand und widmet sich vielfältigen Hobbys. Mit Segelbooten, anfangs waren es kleine Jollen, ist der Autor seit seinem 20ten Lebensjahr unterwegs.
Nicht ganz wie sonst
ein Törn über die Nordsee nach Hamburg
Bilder aus Amerika
eine Flugreise ins gelobte Land
Dieses Buch ist für Reni Sie interessiert sich so sehr für Ausrüstungslisten
Der begann eigentlich schon gestern, nämlich genau in dem Moment, als ich mein Auto zum Beladen in unsere Halle fuhr. Die für diese anspruchsvolle Tätigkeit immer notwendigen Listen (Bestückungs-, Lade- und Einkaufslisten) wurden, weil ich grundsätzlich virtuos und vorausschauend plane, mit Unterstützung braunen Schnapses im Verlaufe einiger vorhergehender Abende angefertigt:
Segel, Teile für Spibaum, Ventilator 80 mm, Spiritus, Diesel ... Bücher, Akkordeon, Ohrenschützer, Hose für Wim, Rotwein, Feuerzeuge ... O-Saft, A-Saft, 50 Eier, 4 x Butter, Pilze, Ketchup, Majo, Lachs, usw., usw.
Weitere Details dieser schier unendlichen Aufzeichnungen sollen dem Leser gnädigerweise vorenthalten bleiben.
Abreisen wollte ich früh am Morgen, also heute, spätestens gegen zehn. Insofern machte es Sinn, die Ruhe des zweiten Pfingsttages zu unterbrechen um eben einen Teil der vielen notwendigen Gegenstände ins Auto zu werfen. Lebensmittel sollten sowieso erst vor Ort eingekauft werden – ich brauchte mich damit noch nicht zu belasten. Wohl aber musste ich streng nach Liste Segel, Teile für den Spibaum etc. zusammensuchen, teils sogar noch montieren. Kein Problem für jemanden wie mich, der über eine gehörige Portion handwerklichen Geschicks verfügt.
Obwohl mir die erwähnte Gabe geschenkt ist, neige ich dazu, mein Auto in Wartungsdingen sträflich zu vernachlässigen. Heute nun wollte ich dieses Manko ausbügeln und machte mich trotz der anderen schon erwähnten Verpflichtungen an die kleine, immer schnell erledigte Grundwartung:
Ölkontrolle und Überprüfung des Reifendrucks. Mehr muss gemeinhin nicht sein. Unsere Autos sind so ungemein zuverlässig heutzutage. Nicht preiswert, weder in der Anschaffung noch im Unterhalt, Inspektionen inkludiert, aber eben zuverlässig.
Der Ölstand ist in Ordnung, der Reifendruck auch, zumindest bei drei von vier montierten Reifen, das Ersatzrad ist sowieso seit Monaten platt, es hatte sich einen Nagel eingefangen und da in Wahrheit, siehe ADAC-Statistik, nie ein Reifenschaden auftritt, war eine Reparatur überflüssig erschienen.
„Können wir dann irgendwann mal mitmachen“, hatte es von meiner Seite aus geheißen. Gut, einer der Reifen hatte zuwenig Druck, nur 1,5 von drei notwendigen Bar. Ein Problem, das schnell erledigt ist. Druckluftschlauch holen, auf drei Bar aufblasen, fertig. Ende der Wartung. Es konnte ans Packen gehen. Auch das ging fix von der Hand. Gegen halb sieben, ich war wirklich schon fast fertig, eilte ich in die Küche, hatte versprochen, Abendessen zu machen: Hähnchenleber sollte es geben. Ich kann prima Hähnchenleber. Sowohl natur, nur mit Butter und Petersilie, als auch ungarisch. Mit unendlich viel Paprika und einem Hauch Zucker. Ich mag beide Sorten. Ein echter Kindergenuss!
Aber denkste:
„Mag ich nicht!“
„Ich auch nicht. Ist das innen aus ’nem Huhn? Innereien?
Igitt! Das soll ich essen?“
„Wenigstens probiert wird!“
Sie ahnen, lieber Leser, dieses Abendessen verlief nicht ausschließlich harmonisch.
Ich hatte keinen weiteren Küchendienst, den hatten aus selbst zu vertretenden Gründen die lieben Kleinen, ich konnte also zurück in meine Halle um die Restarbeiten zu erledigen. Den linken Reifen hatte ich am späten Nachmittag nachfüllen müssen. Jetzt wurde mir klar warum. Er wurde, genau wie der, der jetzt als platter Reservereifen im Kofferraum lag durch einen Nagel verletzt. Auf dem kurzen Stück vom Carport bis zur Halle. Keine zwanzig Meter Strecke. Unglaublich. Mich haben sie in dieser ADAC-Statistik wohl übergangen.
„Deibel auch. Wie oft hab ich den Männern schon gesagt, sie brauchen die Dinger nicht zu säen. Sie wachsen doch nicht an.“ Meine Laune war nicht mehr die beste. Obwohl ich doch gemeinhin als sehr ausgeglichen gelte.
Kein Gedanke mehr an frühes Wegkommen mit nur drei Rädern – vier braucht mein Auto mindestens. Besser fünf, lautet die Lehre, die ich für mich ziehe. Aber egal, ist ja eh Urlaub, ich werd Willi, Willi ist Autohändler und Inhaber einer hervorragenden Werkstatt, morgen früh zwei neue Reifen montieren lassen. Und los mit dem Schiff wollen wir ja eh erst am Donnerstag, was reg ich mich da auf?
Also morgens zu Willi. Vorher noch kurz ins Büro. Nur eben kurz. Hat prima geklappt, um 12:30 Uhr konnte ich abrauschen und damit beginnt der erste Tag dann wirklich:
Ankomme in Weener um etwa 14:00 Uhr. Mein Freund Jörg betreibt dort einen Yachtservice. Direkt vor seinem Geschäft liege ich im Frühjahr immer ein paar Wochen. Da lässt es sich prima basteln – und Kaffee trinken. Jörg hat immer welchen, auch heute. Ansonsten einige kleine Restarbeiten erledigt, gegen Abend sind wir beide dann einkaufen gefahren, jeder von uns hat seinen bevorzugten Schiffsausrüster. Meiner heißt „Aldi“, Jörgs nennt sich „Lidl“. Wir waren bei beiden. Wegen der Gerechtigkeit und weil meiner nicht alles hatte. Zum Beispiel keine französischen Aufbackbrötchen aus Blätterteig, ich kann das Wort nicht schreiben, jeder aber weiß was ich meine. Danach Stauen der eingekauften Köstlichkeiten und danach Essen bei Pia, Pia ist Jörgs Freundin und sehr nett. Es war lecker, nur zu viel.
Ein Tag, so ganz ohne besondere Vorkommnisse, früh aufstehen, gemütlich frühstücken, Diesel bunkern, zum ersten Mal ganz ohne Probleme, ich habe die Tankentlüftungen neu gemacht. Funktioniert einfach super. Dann war noch die Buglaterne zu reparieren. Nach gut einer Stunde stellt sich raus, dass der Glühwendel der Birne sich einseitig gelöst hat; darum also brannte das Ding mal und mal brannte es nicht. Wer soll darauf kommen? Die neue Birne kostet Euro 8,60 und ist in knapp einer Minute montiert.
Aber ein Gutes hat meine Kontrolle der Zuleitungen schon: Zwei verrottete Kabelübergänge hab ich gefunden und erneuert. Vorauseilende Wartung also und die ist nie verkehrt.
Ja und morgen geht’s dann los. Wohin? Das wissen wir auch noch nicht. Entscheiden werden wir das irgendwo bei Borkum, also morgen gegen Abend. Seit zwei Jahren halten wir es so, weil wir früher, als wir noch Ziele planten, zu häufig einen auf die Mütze bekommen haben. Einmal am ersten Tag im Hubertgat dermaßen, dass wir zwei Wochen lang mit völlig versalzenen und natürlich immer nassen Klamotten durch die Gegend gefahren sind. Besonders betroffen waren dreiundneunzig der fünfundneunzig immer mitgeführten Hand- und Geschirrtücher. Verschont blieben nur die zwei in der Pantry hängenden.
Warum man so viele Handtücher braucht auf einem gewöhnlich großen Segelboot? Ich weiß es nicht. Aber ich würde auch nie eine gewisse, wirklich sehr nette weibliche Person danach fragen. Oder mich gar abfällig zu diesem Thema äußern.
Gesprochen hatte ich eben von wir. Und wir, das sind Jörg und eigentlich Karel und auch Guido, ja und dann noch ich.
Abend an der Schleuse Weener
Karel aber fährt schon seit zwei Jahren nicht mehr mit. Ich vermute, weil er jetzt schon älter ist und auch zwei kleine Kinder hat, insgesamt hat er vier, aber zwei davon sind noch ganz klein. Und Guido kann in diesem Jahr nicht, er hat ein wichtiges Seminar und der Professor hat’s verboten. Schade. Ich fahr gern mit Guido. Dafür aber wird Wim mitkommen, wir holen ihn morgen in Emden ab.
Und weil ich gerade so ins Erzählen komme: Wir machen das schon seit etlichen Jahren. Immer im Frühjahr, mal im späten April, meist aber im Mai fahren wir für knapp zwei Wochen los, mal hierhin, mal dorthin, nach England, nach Dänemark, Norwegen haben wir mal versucht, war eine prima geplante Reise. Nur mit dem Wetter passte es nicht so. Also wurde nichts aus Norwegen. Inzwischen haben wir an Karten alles, was man hier in der Region so nötig haben könnte und deshalb ist es schon egal.
Ich will mal früh ins Bett – darum ist Schluss für heute.
Puh, viel zu früh wachgeworden. Wir müssen doch erst um halb zwölf ausschleusen und jetzt ist es kurz vor acht. Auch nicht besonders gut geschlafen heute Nacht. Normal geht das viel besser auf dem Schiff. Aber wird wohl noch. Schau mer ma.
Duschen, lecker frühstücken, natürlich mit weichem Ei, pflaumenweich muss es sein, dann schmeckt es am besten.
Ab 10:00 Uhr die letzten Vorbereitungen getroffen, unter anderem Wasser gebunkert, nur 400 Liter, den Mitteltank habe ich leer gelassen.
Gegen 11:00 Uhr zu Jörg rüber in den Laden:
„Jörg, kommst du?“
„Ja gleich, wart man noch eben. Trink noch `nen Kaffee mit mir.“
„Nee, ich will jetzt nicht, sieh zu dass du in die Hufe kommst. Um halb zwölf wollen wir schleusen.“
„Ja, ich muss nur noch eben...“
Um viertel vor zwölf kommt er dann. Normal, das muss gesagt werden, ist er mehr als pünktlich. Also wird er Gründe haben. Und musste ja seinen Laden auch noch übergeben.
Schleusen konnten wir sofort. Insofern gab es eigentlich keine Zeitverluste. Mit Wim hatten wir besprochen, ihn um zwei im Emder Außenhafen aufzunehmen. Klappt natürlich nicht ganz, aber fast. Um drei sind wir da und er kann an Bord springen.
„Moin.“
„Auch Moin.“
Auf der Ems gibt es Kaffee und Mutter Roelfs Erdbeertorte. Mit Mürbeteigboden. Lecker, nur leider zerbrochen. Ein Transportschaden, wird von Jörg versichert. Er kann natürlich nichts dafür. Iss klar.
Kurz unter Emden, der Strom schiebt kräftig
Wohin es denn nun gehen solle, frage ich. Die beiden mögen doch bitte Vorschläge machen.
„Jo.“
„Iss eigentlich schon egal, man nur weg.“
„Vielleicht zum Hering fischen vor die holländische Küste. Das wär doch mal was.“
„Sag du doch wohin wir fahren wollen.“
Ich werd wahnsinnig. Warum eigentlich soll ich immer bestimmen, wohin es geht. Nur um mir hinterher anzuhören:
„Och ja, woanders wär’s sicher auch ganz schön gewesen.“
