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Die eigentliche Herausforderung der Kirche im Blick auf ihre Bildungsverantwortung und ihr pädagogisches Handeln ist die religiöse und weltanschauliche Pluralität, die gerade auch in der Schule in den letzten zwanzig Jahren erheblich zugenommen hat. In der Grundschule haben bald ein Drittel der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. In dieser Situation hat die Schule die Aufgabe, sowohl die je eigene Identität wie das Gemeinsame inmitten des Differenten zu stärken. Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, in einer pluralen Gesellschaft in gegenseitigem Respekt und friedlich zusammenzuleben. Dazu kann der Religionsunterricht einen entscheidenden Beitrag leisten.
Die vorliegende Denkschrift benennt die veränderten Bedingungen und Herausforderungen religiös-weltanschaulicher Pluralität in der Schule und zeigt Entwicklungslinien auf, denen gefolgt werden muss, wenn der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach auch noch in zwanzig Jahren Teil des schulischen Fächerkanons sein soll.
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Seitenzahl: 109
Veröffentlichungsjahr: 2014
Religiöse Orientierung
gewinnen
Evangelischer Religionsunterricht
als Beitrag zu einer
pluralitätsfähigen Schule
Eine Denkschrift
des Rates der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD)
Gütersloher Verlagshaus
Im Auftrag des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
herausgegeben vom Kirchenamt der EKD
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in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
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Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
ISBN 978-3-641-16380-8
www.gtvh.de
Inhalt
Vorwort
Einleitung
1. Schule und Religionsunterricht vor den Herausforderungen der religiös-weltanschaulichen Vielfalt
1.1 Schule heute: Vielfalt auf allen Ebenen
1.2 Pädagogische Aufgaben
1.3 Wahrnehmungen von Kindern und Jugendlichen
1.4 Situation des Religionsunterrichts
2. Grundlagen in evangelischer Sicht und neue Fragen
2.1 Religionsunterricht als Chance für Kinder und Jugendliche
2.2 Positive Religionsfreiheit in der Schule
2.3 Religionsunterricht als Beitrag zu religiöser Orientierung, Identitätsbildung und Pluralitätsfähigkeit
2.4 Konfessionelle Bindung und dialogische Offenheit
2.5 Glaubwürdig unterrichten: Lehrerinnen und Lehrer im Religionsunterricht
3. Pluralitätsfähigkeit als ein Bildungsziel für Schule und Religionsunterricht
3.1 Theologisch-pädagogische Begründungen
3.2 Pluralitätsfähigkeit und Bildung
3.3 Pluralitätsfähigkeit und Kompetenzentwicklung
4. Religiöse Orientierung und pluralitätsfähiger Religionsunterricht: Leistungen und Reformbedarf
4.1 Anforderungen
4.2 Bisherige Praxis
4.3 Schritte zur Weiterentwicklung
4.4 Religionsunterricht als Ort der Reflexion religiöser Vielfalt in der Schule
5. Pluralitätsfähige Schule: Wege zu einer dialogischen Kultur religiös-weltanschaulicher Vielfalt
5.1 Religion und Toleranz
5.2 Aufgaben der Schule
5.3 Schulleben
5.4 Schulentwicklung und Schulprofil
5.5 Kompetenzen der Lehrkräfte
5.6 Der Religionsunterricht als Anstoß für eine neue Schulkultur
Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend
Arbeitsgruppe Religionsunterricht
Vorwort
Zwanzig Jahre nach »Identität und Verständigung« legt der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erneut eine Denkschrift zum Religionsunterricht vor. Nach der deutschen Wiedervereinigung stand die Kirche vor der großen Aufgabe, die Perspektiven des in den alten Bundesländern etablierten Religionsunterrichts auch für die neuen Bundesländer zu verdeutlichen und ihn im Rahmen der kirchlichen Mitwirkungsrechte entsprechend einzuführen. Das ist mittlerweile in überzeugender Weise gelungen und stellt zugleich eine wichtige demokratische Aufbauleistung dar. »Identität und Verständigung« war weit mehr als eine Schrift zum Religionsunterricht im engeren Sinn. Letztlich ging es ihr um das friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen in einem freiheitlichen demokratischen Staat. Früh verwies sie damit auf Entwicklungen und tiefgreifende gesellschaftliche Kontroversen, die sich in den folgenden Jahrzehnten immer wieder am Thema »Schule und Religion« festmachten und in politischen und juristischen Auseinandersetzungen bis hin zum Bundestag und zum Bundesverfassungsgericht niedergeschlagen haben.
Damit war und ist die eigentliche Herausforderung der Kirche im Blick auf ihre Bildungsverantwortung und ihr pädagogisches Handeln die religiöse und weltanschauliche Pluralität, die gerade auch in der Schule in den letzten zwanzig Jahren erheblich zugenommen hat. In der Grundschule haben – wie jetzt schon in den Kindertagesstätten – bald ein Drittel der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund; der Anteil von muslimischen Schülerinnen und Schülern steigt kontinuierlich. In dieser Situation hat die Schule die Aufgabe, sowohl die je eigene Identität wie das Gemeinsame inmitten des Differenten zu stärken. Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, in einer pluralen Gesellschaft in gegenseitigem Respekt und friedlich zusammenzuleben. Dazu kann der Religionsunterricht einen entscheidenden Beitrag leisten.
Die vorliegende Denkschrift benennt die veränderten Bedingungen und Herausforderungen religiös-weltanschaulicher Pluralität in der Schule und zeigt Entwicklungslinien auf, denen gefolgt werden muss, wenn der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach auch noch in zwanzig Jahren Teil des schulischen Fächerkanons sein soll. In diesem Horizont treten die konfessionellen Differenzen zwischen den christlichen Kirchen zurück, während die Notwendigkeit wächst, sich im Dialog mit islamischen Glaubensüberzeugungen zu verständigen und mit atheistisch geprägten Haltungen auseinanderzusetzen.
Schule muss ferner als Ort verstanden werden, der dazu beiträgt, dass junge Menschen lernen, in einer Gesellschaft zu leben. Sie brauchen eine Vorstellung von sich und ihrem Leben, die ihnen ein sinnvolles und eigenverantwortliches Leben ermöglicht. Hier hilft der Religionsunterricht, die Frage nach dem Ganzen und nach dem tragenden Sinn von allem zu stellen. Er hilft zugleich, diese Frage aufgrund der Förderung des freien und selbständigen eigenen ethischen und religiösen Urteils zu beantworten. Diese Freiheit und Selbständigkeit wächst im christlichen Glauben an Gott zu, der den Lebensmut und die Lebenszuversicht stärken kann; Glaube, Liebe und Hoffnung bilden die Mitte der Beziehung zu Gott, die auf das ganze Leben ausstrahlt.
Der vorliegende Text wurde von der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend und einer von ihr gebildeten Arbeitsgruppe vorbereitet. Der Rat der EKD hat ihn sich mit einem herzlichen Dank an die Mitglieder und Mitarbeiter der Kammer zu eigen gemacht und seine Veröffentlichung als Denkschrift beschlossen. Ich wünsche dieser Denkschrift bei allen, die sich in Staat, Kirche und anderen Religionsgemeinschaften, in Schule und Gemeinde mit Fragen des Religionsunterrichts und seiner weiteren Entwicklung auseinandersetzen, Verbreitung und Aufmerksamkeit. Dabei gilt mein besonderer Dank denen, die als Religionslehrerinnen und -lehrer mit ihrer ganzen Person dafür eintreten, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene religiöse Orientierung gewinnen.
Hannover/Berlin, im Oktober 2014
Dr. h.c. Nikolaus Schneider
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
Einleitung
Religiöse Orientierung zu gewinnen wird heute wichtiger und schwieriger zugleich. Kinder und Jugendliche begegnen von früh auf einer religiösen und weltanschaulichen Vielfalt, die noch weiter zuzunehmen scheint. Gerade auch vor der Schule macht diese Vielfalt nicht halt. Kinder und Jugendliche bringen unterschiedliche Herkünfte, Prägungen und Orientierungen mit. Zu der heute im Blick auf Schule und Unterricht zu Recht hervorgehobenen tritt deshalb von Anfang an auch die religiöse und weltanschauliche . Wie sich Schule und Unterricht auf die Pluralität einstellen und wie sie mit der veränderten Situation umgehen, ist noch immer eine weithin offene Frage. Die vorliegende Denkschrift will zeigen, wie die religiöse und weltanschauliche Pluralität in Schule und Bildungin reflektierter Form wahrgenommen werden kann. Dabei soll deutlich werden, dass der als ein Schulfach, das sich in zentraler Weise mit dieser Pluralität auseinandersetzt, auf grundlegende Aufgaben von Schule und Bildung bezogen ist und einen wichtigen Beitrag zu deren Bearbeitung leisten kann.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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