Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Seit hundert Jahren erforschen die Menschen den Weltraum und erleben Abenteuer im Kooperations-Sektor. In ihm leben Dutzende raumfahrende Völker friedlich zusammen - und doch ist er voller Abenteuer! Die Familie Ambrose fliegt mit ihrem Frachtschiff zwischen den Sternen und transportiert alles, von Kartoffelchips bis zu Dracheneiern. Es ist ein Markt mit viel Konkurrenz, die nicht immer fair spielt. Als die Ambroses von einem Konkurrenten herausgefordert werden, nehmen sie ohne zu zögern an. So starten sie in die Qualifikation des Djibril-Cups: der berühmten und berüchtigten Sternen-Rallye. Hier müssen sie halsbrecherische Rennen fliegen und gefährliche Aufgaben lösen. Die halbe Galaxis schaut ihnen dabei zu. Teil 1 von 3 des Djribil-Cups.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Buchbeschreibung:
Seit hundert Jahren erforschen die Menschen den Weltraum und erleben Abenteuer im Kooperations-Sektor. In ihm leben Dutzende raumfahrende Völker friedlich zusammen - und doch ist er voller Abenteuer!
Die Familie Ambrose fliegt mit ihrem Frachtschiff zwischen den Sternen und transportiert alles, von Kartoffelchips bis zu Dracheneiern. Es ist ein Markt mit viel Konkurrenz, die nicht immer fair spielt.
Als die Ambroses von einem Konkurrenten herausgefordert werden, nehmen sie ohne zu Zögern an. So starten sie in die Qualifikation des Djibril-Cups: der berühmten und berüchtigten Sternen-Rallye. Hier müssen sie halsbrecherische Rennen fliegen und gefährliche Aufgaben lösen. Die halbe Galaxis schaut ihnen dabei zu.
Teil 1 von 3 des Djribil-Cups.
Über den Autor:
Ulli Schwan schreibt seit Jahren fantastische Geschichten. Mit den KosmoKurieren kehrt er zurück zum Space Adventure: Abenteuergeschichten zwischen den Sternen.
Für Mara. Du brachtest den Drachen ins Abenteuer und Freude in unser Leben.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
»Mom, Paps ... das solltet ihr euch besser mal ansehen«, sagte Nick Ambrose. Da seine Eltern nicht bei ihm waren, richtete er die Kamera des MultiArmbands auf den Gegenstand seiner Sorgen.
Seine Schwester Robin trat neben ihn. »Es schlüpft.«
»Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn ein zweihundert Kilo schwerer Babydrache auf unserem Schiff schlüpft.«
»Sehe ich auch so.«
Die Geschwister standen vor einem Ei. Einem weißgolden glitzernden, fünf Meter hohen Ei. Es hing in einem Netz, gut einen Meter über dem Boden. Von dem Netz spannten sich viele elastische Seile durch den ganzen Frachtraum; dies sollte verhindern, dass das Ei während des langen Fluges beschädigt werden konnte. Das hatte auch gut geklappt.
Nur wurde es jetzt von innen beschädigt.
Aus dem Lautsprecher von Nicks MultiArmband erklang die Stimme ihres Vaters. »Oh Mann, die Risse werden immer größer. Wenn wir den Kran benutzen, könnten sie aufbrechen. Nun gut, lassen wir das Ei schweben. Wir sind schon im Landeanflug auf Emila. Dauert noch fünf Minuten. Macht schon mal die Exobots bereit. Robin, du hilfst mir.«
Robin sah ihren Bruder an und zog eine Grimasse. Nick verdrehte die Augen – aus Enttäuschung, dass er keinen Roboter steuern durfte und wegen ihres albernen Gehabes.
Vor fast fünfzehn Jahren war Nick ganze zwei Minuten früher als Robin zur Welt gekommen, aber manchmal fühlte er sich wie der viel ältere Bruder – und der viel reifere. Warum also durfte sie ihren Vater so oft begleiten? Er wusste, wie man einen Exobot bediente, von dessen Technik verstand er sogar mehr.
Auf der anderen Seite, warum sollte er sich lange darüber aufregen? Es gab immer genug zu tun auf dem Raumschiff ihrer Familie, der Jig. Also zuckte er nur mit den Achseln.
Robin hingegen rieb sich die Hände. Jede Möglichkeit, das Raumschiff für einen Einsatz zu verlassen – egal wie lang oder kurz – freute sie.
Obwohl Nick und Robin Zwillinge waren, hatten sie äußerlich wenig gemein.
Er trug sein sandfarbenes Haar halblang, sie hatte den Nacken ausrasiert und die Haare links grün und rechts rot gefärbt. Er war breitschultrig und kräftig, sie sportlich und etwas kleiner. Seine blauen Augen lagen unter starken Brauen, ihre Augen waren braun.
Robin trug ein grünes Kleid mit langen Ärmeln, dazu weiße Schlaghosen mit neonblau leuchtenden Nähten. Nick trug T-Shirt, einen weiten Overall mit vielen Taschen und eine Schirmmütze. Dazu hatte er eine Brille auf – nicht wegen schlechter Augen, sondern weil er über die Brille jederzeit Computerdaten ablesen konnte.
»Was für eine Farbe das Baby wohl haben wird?«, fragte Robin. »Männchen sind in der Regel lila, Weibchen grün.«
Nick fand eine andere Überlegung viel wichtiger. »Welches ist hungriger?«
»Da sind Teg-Drachen wie alle anderen Tiere: Bei ihrer Geburt wollen sie fressen und sich an ihre Mutter kuscheln.«
»Nun, die Mutter ist nicht hier«, sagte Nick. »Also wird der Teg-Drache uns alle fressen wollen.«
»Schwarzseher.«
»Realist.«
»Wir haben bestimmt noch genug Essen, um ihn für eine Weile durchzufüttern.«
»Weißt du denn, was das Baby fressen will?«
Jetzt zögerte Robin doch. »Teg-Drachen sind Fleischfresser. Jäger. Nun, sie bevorzugen lebendiges Fressen.«
»Echt klasse! Das Einzige auf dem Speiseplan des Babys sind also wir, Mom, Paps, Haja und Opa.«
Robin wiegte den Kopf. »Wir landen ja gleich.«
»Am besten, wir bereiten schon alles für das Entladen vor«, meinte Nick.
»Und schnell«, stimmte Robin zu.
Sie befanden sich im Frachtraum, mit sechzig Metern Länge der größte Raum der Jig. Zu beiden Seiten standen auf den Regalen Fässer, Container und Kisten, alle gut gesichert in Frachtkäfigen. Die Regale reichten fünfzehn Meter hoch und beherbergten das Versandgut mit dessen schnellen Transport die Besatzung der Jig ihren Lebensunterhalt verdiente.
Am hinteren Ende des Frachtraums, unter den Ladeschleusen, parkten die Exobots. Es waren zwei gesteuerte Roboter, große Maschinen mit Armen und Beinen, die von einem Menschen gelenkt wurden, der in ihrem Cockpit saß. Jeder der Exobots war knapp vier Meter hoch. Der linke hatte eine gelbe Brust und Kopf, dafür waren Arme und Beine rot. Der rechte hatte weiße Extremitäten, Brust und Kopf waren blau. Zumindest da, wo die Farbe nicht abgeschabt oder zerkratzt war.
Robin trat zum linken Exobot und verband ihr MultiArmband mit seinem Wartungscomputer. Schnell ging sie die Checkliste durch, während Nick es bei dem anderen ebenso machte.
Gerade als sie die Tests beendeten, betrat ihr Vater den Frachtraum. Harald Ambrose war ein großer kräftiger Mann. Sein dunkler Vollbart war getrimmt, sein Lächeln warm. Der Pullover spannte etwas über dem Bauch, was ihn nur noch mehr wie einen gutmütigen Bären wirken ließ. »Alles klar?«
Robin und Nick bejahten.
Harry ging zu dem Ei und kniff die Augen zusammen. »Wohl keine Minute zu früh. Also gut, Robin, machen wir die Banane.«
Robin kletterte das linke Bein des Roboters hinauf, raffte ihr Kleid und setzte sich auf den schmalen Sitz im Cockpit. Sie zog den leichten Helm auf ihren Kopf und aktivierte Mikrofon und Kopfhörer. »Verbindung?«, hörte sie Harry fragen.
»Verstehe dich.«
»Okay. Du nimmst das Netz links, ich rechts. Mit den Levitatoren schweben wir herab. Bereit?«
Robin steckte Arme und Füße in die Waldos. Sie wirkten wie lange Handschuhe und Stiefel; durch sie konnte Robin die Bewegungen des Exobots steuern. »Bereit.«
Sie betätigte einen Schalter. Die Vorderfront des Cockpits fuhr von unten herauf und verschloss sich pfeifend und schmatzend. Sofort erschienen alle nötigen Anzeigen auf dem Cockpitfenster.
Robin tat, als würde sie gehen, und die Waldos gaben die Bewegung an die Motoren weiter. Der Exobot kopierte ihre Bewegungen und schritt durch den Frachtraum.
Etwas schepperte im Cockpit, dann fiel es herab. Robin sah nach unten. Neben ihrem rechten Waldoschuh lag eine Tasse. Ihre zweitliebste Tasse, die sie schon überall gesucht hatte. »Hier hast du dich versteckt«, flüsterte Robin zu sich selbst. Nur war ihr Mikrofon angestellt und jeder konnte sie hören.
Harry fragte: »Was ist, Robin?«
»Nichts, ich rede nur mit mir selbst.«
Robin liebte es, Maschinen zu steuern. Sie glaubte, einen Instinkt dafür zu haben. Vielleicht war er angeboren. Vielleicht hatte er sich ihr Leben lang entwickelt, denn seit sie ein Kleinkind war, lebte sie mit einer Prothese. Bei ihrer Geburt war ihr linker Arm nur bis zum Ellenbogen ausgewachsen gewesen, sie lebte seither ohne linken Unterarm oder Hand. Stattdessen trug sie dort, seit sie sich erinnern konnte eine Roboterprothese. Was war der Exobot anderes als eine Verlängerung ihrer Arme und Beine – wenn auch eine sehr große und sehr starke?
»Darf ich stören?« Aus dem Kopfhörer klang die Stimme ihrer Mutter. »Wir sind angekommen. Schweben zehn Meter über dem Ziel.«
»Einen Moment noch«, funkte Harry zurück.
Robin ging neben das Ei. Sie streckte die Arme, der Exobot tat es ihr nach. Vorsichtig griff sie in das Netz, das das Ei hielt. Der Roboter würde es halten können – obwohl das Ei gut fünf Zentner wog. Robin stellte die Genauigkeit der Motoren neu ein, bevor sie gekonnt die große Roboterhand des Exobots an das Netz führte. Vorsichtig zog sie die Stricke vom Ei fort, schob Finger zwischen das Netz und die glitzernde Oberfläche, ohne sie anzukratzen. Die Finger ballten sich zu Fäusten, als sie das Netz griff.
»Ich habe es«, meldete Robin.
»Ich auch«, sagte ihr Vater einen Moment später. »Lass uns schweben. Nick, löse die Seile.«
Robin sagte: »Exo. Aktiviere Levitatoren. Höhe dreißig Zentimeter.«
Ihr Befehl wurde sofort umgesetzt und sie schwebte wie befohlen in die Luft, getragen von den Schieffer-Levitatoren, die in den Exobot-Beinen verbaut waren.
Nick löste per Fernsteuerung die Seile, vom Netz. Jetzt trugen nur noch Harry und Robin das Ei.
»Öffne Frachttor«, sagte Nick.
Am Kopfende des Frachtraums kippte ein Bodenstück und verband sich mit einer Rampe, die durch ein großes Tor im Raumschiffboden führte. Robin und Harry schwebten die Rampe hinab und hinaus, auf sandigen Boden.
»Vorsichtig«, flüsterte Harry. Robin wusste nicht, ob er zu ihr oder nur zu sich selbst gesprochen hatte. »Absetzen in drei ... zwei ... eins ...«
Sie ließen die Arme sinken.
Harry sagte: »Wir müssen es in den Boden drehen, sonst kippt es. Erst links, dann rechts.«
Sie drehten, bis das Ei fest stand. Robin glaubte, dass die Risse in der Schale länger wurden.
»Gut, lassen wir es los.«
Behutsam öffnete Robin den Griff der Roboterfäuste und zog sie aus dem Geschirr. Sie trat zurück – und ertappte sich dabei, die Luft angehalten zu haben. Tief atmete sie ein.
»Geschafft!«
Das Ei stand vor ihnen in einer kleinen Mulde. Die Umgebung war trist und trocken, nur vereinzelt ragten karge Sträucher aus dem harten Boden.
»Echt öde hier«, sagte Robin.
Harry schritt um das Ei herum. »Umso weniger kann der Kleine in Brand setzen, wenn er schlüpft.«
»Teg-Drachen können kein Feuer speien«, korrigierte ihn Robin.
Harry hob einen Roboter-Finger. »Aber eine stark ätzende Flüssigkeit. Die könnte sogar die Außenhaut der Jig angreifen.«
Da hatte ihr Vater recht.
Bei der Erwähnung ihres Raumschiffs sah Robin nach oben und musterte die Jig: Sie war ein terranischer Kosmoklipper mit dem typischen zigarrenförmigen Rumpf und platten Aufbauten. Die flachen, langgezogenen Aufbauten beherbergten Projektoren und Levitatoren, Steuerdüsen und Sensoren.
Vom Heck standen drei über zwanzig Meter große, dreieckige Finnen ab. Sie hatten zwei Funktionen: als Radiatoren zur Kühlung bei Raumflügen und Sitz der hinteren Masten der Gravosegel. Beidseitig ragten Ladeschleusen aus dem Rumpf.
Die Agrav- und Manövriertriebwerke für den unterlichtschnellen Flug lagen in den beiden wuchtigen Auslegern, die sich hufeisenförmig zu beiden Seiten vom Bug bis zur Mitte des Schiffs zogen. Sie beherbergten auch weitere Masten für Gravosegel, die erst beim Flug durch den Hyperraum ausgefahren wurden.
Die Spitze des Schiffs bildete ein dicker Ring von zehn Metern Durchmesser: In ihm lagen Sensoren und sein Zentrum war ein riesiges Bullauge aus dickem Glasal, durch das man die Brücke des Klippers sah.
Der Rumpf der Jig war hundertzwanzig Meter lang und bis zu zwanzig Meter im Durchmesser. Rumpf und Finnen waren moosgrün, die Aufbauten und Haupttriebwerke orangemetallic. Auffällig prangte das Emblem der Terranischen Post auf dem Kiel: Zwei silberne Sterne, mit einem dunkelblauen Posthorn verbunden.
Keines der Triebwerke war gerade aktiv, denn das Raumschiff schwebte dank seiner leistungsstarken Schieffer-Levitatoren zehn Meter über dem Boden.
Dieses Schiff war das zu Hause der Ambrose-Familie und Robins Patentante. Mit der Jig reisten sie zwischen den Planeten, als Kuriere für wichtige, dringende Fracht. Seien es private Reichtümer, lebenswichtige Medikamente – oder Eier von Wesen, die nahezu ausgestorben waren und an einen lebensfreundlichen Ort gebracht werden sollten: In diesem Fall nach Emila.
Tatsächlich war Emila eine gewaltige Raumstation – errichtet als ein Zoo mit an die hundert Reservaten, jedes errichtet, um Tieren einen Lebensraum zu geben, die auf ihren Heimatplaneten vom Aussterben bedroht waren. Die besten Landschaftsgestalter entwarfen Reservate für die exotischen Tiere, in denen sie ihre Leben genießen konnten. Jedes Reservat war der Heimatwelt der Tiere so weit wie möglich nachgebildet. Gebirge und Flüsse wurden extra gestaltet, Flora angelegt. Ganze ökologische Nischen wurden geformt, damit die seltenen Tiere hier heimisch werden konnten.
Harry trat neben seine Tochter. »Gut, wir haben das Baby abgeliefert.«
»Ziehen wir weiter?«, fragte Robin. Sie hoffte, sie würden noch bleiben. Zu gern wäre sie dabei, wenn der Teg-Drache schlüpfen würde.
»Wir sollen warten, bis die Zoowärter mit der Adoptiv-Mutter vorbeikommen. Dafür müssen wir aber nicht am Boden bleiben. Etwas mehr Distanz wäre besser.« Er zeigte in den Himmel.
»Wir können zusehen«, sagte Robin erfreut.
Harry grinste. »Das lasse ich mir nicht entgehen.«
Beide fuhren herum, als neben ihnen etwas schwer auf den Boden krachte. Zu ihren Füße wippte ein großes Stück Eierschale. Langsam hobensie ihren Blick – und starrten in die funkelnden Augen eines Teg-Drachen.
Seine lilafarbenen Schuppen glitzerten wie Edelsteine. Ein langer, immer länger werdender Hals entrollte sich, hob den Kopf immer höher. Der Kopf ähnelte dem einer Echse, die drei Augen blinzelten, geblendet von der Sonne.
Robin starrte das große, wunderschöne Tier an und wusste nicht, ob sie vor Begeisterung auflachen oder vor Furcht fliehen sollte. Sie sah zu ihrem Vater.
Offensichtlich ging es ihm genauso.
Der Teg-Drache sah nach oben, musterte das große Raumschiff über seinem Kopf. Einen Moment verharrte er.
Im nächsten Moment riss er das Maul auf und schrie.
Automatisch regelte der Exobot die Lautstärke im Kopfhörer herunter, sonst hätte Robin sicher einen Hörschaden davon getragen. Auch so ging ihr der Schrei durch Mark und Bein. Wir hätten fliehen sollen, dachte sie.
»In die Jig«, befahl ihr Vater. »Sofort!«
Sie flogen hinauf. Dabei konnte Robin nicht den Blick vom Drachen wenden.
Der Teg-Drache schien sich in sein Ei zurückzuziehen, jedenfalls machte er sich kleiner.
Wollte er sich verstecken?
Da passierte es: Der Drache hatte nur Anlauf genommen, denn jetzt schnellte er aus seinem Ei heraus. Seine feuchten Flügel konnten ihn noch nicht tragen, aber er erreichte auch so sein Ziel. Lang gestreckt sprang er durch die Luft. Im nächsten Moment schlugen seine Zähne in den rechten hinteren Flügel der Jig. Er zerbiss die Außenwand, Sabber lief aus seinem Mund und Funken sprühten aus zerstörten Kabeln.
Als Robin durch die Ladeluke in die Jig schwebte, schlang der Drache seinen Körper um den Flügel und hielt sich mit aller Kraft fest.
»Er will kuscheln«, flüsterte Robin.
*
»Er hält die Jig für seine Mama«, stellte Harry fest.
»Na großartig«, rief Tia Ambrose aus. Sie marschierte im Frachtraum auf und ab, ihre Hände bewegten sich dabei wie die Flügel einer Windmühle. Tia Ambrose war Nicks und Robins Mutter und mit Harry verheiratet. Mit ihm teilte sie sich auch das Kommando der Jig. Sie hatte rotblondes Lockenhaar, das sie immer zu einem Pferdeschwanz band. Sie war klein, pummelig und lebhaft, ständig in Bewegung. Sie trug schwarze Hosen, Bluse und eine rote Weste. »Wieso bauen wir nicht einfach Zitzen an den Rumpf und warten, bis das Kindchen flügge wird?«
»Vielleicht kann ihm Sylvester ja einen leckeren Brei kochen«, schlug die Ingenieurin des Schiffes vor: Hajastan Shakarian. Sie lehnte elegant am Verladekran. Zu ihrem Hosenrock trug sie eine bunte Wickelbluse und einen Seidenschal, der sich farblich von ihrem schwarzen Vollbart abhob.
Haja wurde zwar im Körper eines Mannes geboren, hatte aber schon als Teenager entdeckt, dass sie sich als Frau fühlte. Statt den Körper ihrer Seele oder die Seele ihrem Körper anzupassen, hatte sie sich entschieden, sich zu akzeptieren wie sie war und zu behalten, was ihr gefiel: Alles.
Robin schüttelte den Kopf. »Teg-Drachen fressen nur lebendes Essen.«
»Sowas haben wir sicher nicht in der Speisekammer«, sagte Haja.
»Kinder werden unleidig, wenn sie Hunger haben«, sagte Harry. »Wann kann denn die Adoptivmutter hier sein?«
»Nicht früher als in drei Stunden«, antwortete Tia und führte wild gestikulierend aus: »Die Zoobetreiber müssen die Adoptivmutter von einem anderen Reservat hierher überführen, da das jetzige Domizil der Drachen-Dame nicht groß genug ist für zwei. Sie haben erst morgen mit uns gerechnet, wie es geplant war. Wir haben ja auch nur Gas gegeben, weil das Ei aufbrach. Dass das Baby schon geschlüpft ist, haben sie mir erst geglaubt, als ich ihnen die Kamerabilder zeigte. Sie sind es wohl nicht gewohnt, dass die Natur ihren Plänen nicht gehorcht.«
Woraufhin Nick sagte: »Wenn man auf einer Station mehrere Ökosysteme nachbauen kann, scheint so ein Ei wohl nicht sonderlich kompliziert.«
Harry grinste. »Wenn ich eines für unberechenbar halte, dann die Natur.«
»Genau dafür gibt es doch Emila, den Zooplaneten«, sagte Robin. »Damit die Natur hier unberührt bleibt. Jedes Tier findet hier einen Ort zum Leben.«
Harry nickte. »Ja, aber dafür werden die Habitate so gestaltet, dass jedes Tier seinen Platz findet. Natürlich entstanden ist hier nichts, genau wie in jedem anderen Zoo. Nur deswegen fühlen sich all die unterschiedlichen Spezies hier so wohl.«
»Wie auch immer«, sagte Tia, blieb stehen und steckte die Hände in die Hosentaschen. »Das Baby schmust mit unserem Schiff und knabbert sich gerade durch einen Flügel. Wie groß ist der Schaden bisher?«
Haja sah auf ihr MultiArmband. Es war mit den inneren Sensoren der Jig verbunden und hielt die Ingenieurin auf dem Laufenden über den Zustand des Raumschiffes. »Bisher nur Schäden an den außen liegenden Radiatoren, das lässt sich durch die anderen ausgleichen. Falls das Kleine sich durch die Verkleidung beißt, erwischt es vielleicht die Gravomasten – und wenn es sie beschädigt, werden wir beim Segeln durch den Hyperraum Probleme haben. Wenn er weiterkaut, trifft er auf Starkstromleitungen. Keine Ahnung wie der Kleine reagiert, wenn er sich Stromschläge einfängt.«
»Bevor der Drache und das Schiff ernstlich Schaden nehmen, müssen wir es von der Jig wegkriegen«, sagte Harry. »Vorschläge?«
Nick meinte: »Wir setzen die Außenhaut unter Strom. Der Drache kriegt einen Schlag und lässt los.«
Robin boxte ihn gegen die Schulter. »Du kriegst auch gleich einen Schlag. Das arme Baby.«
Harry schüttelte den Kopf. »Zum einen könnte der Drache dadurch aggressiv werden und nur mehr Schaden anrichten. Zum anderen würden uns die Zoowärter deswegen bestimmt unsere Bezahlung kürzen.«
»Es will doch nur seine Mutter«, sagte Robin. »Also warten wir einfach ab.«
Harry schüttelte den Kopf. »Und wer kommt für die Schäden auf?«
»Die Verwaltung von Emila?«
»Steht so nicht im Vertrag.«
»Das mit der Mutter«, sagte Tia nachdenklich. Sie knetete ihre Hände. »Lasst uns das mal genauer überdenken.«
Harry zog die Augenbrauen hoch. »Hast du zufällig einen Drachen unter unserem Bett versteckt?«
»Nicht auf diesem Flug. Vielleicht brauchen wir keinen echten Drachen. Sondern nur einen, den das Baby für seine Mutter hält.«
»Eine Ersatzmutter? Wo willst du die herkriegen?«
»Aus dem Materialdrucker.«
»Ich glaube nicht, dass es leicht zu täuschen ist.«
Tia sah Harry schräg an. »Es hält die Jig für seine Mutter.«
»Der Punkt geht an dich.«
Nick hatte sich inzwischen die Datei über Teg-Drachen aus der Stations-Amonatronik geladen und an die Armbänder der Anwesenden verteilt. »Ausgewachsene Drachen haben eine Spannweite von zwanzig Metern und sind zehn Meter lang.«
»Es gibt Hördateien mit dem Ruf von einem Drachen«, sagte Robin begeistert und spielte eine ab.
Das Gebrüll hallte ohrenbetäubend durch den Frachtraum.
Und wurde von draußen erwidert. Der junge Drache hatte geantwortet.
»Okay, hier ist der Plan«, sagte Tia. »Ich designe eine kleine Version eines Drachenkostüms, sagen wir mit fünf Metern Spannweite. Das ziehen wir über eines von denen«, sie zeigte auf die Exobots, »und damit locken wir das Junge von der Jig weg.«
Robins Arm schnellte nach oben. »Kann ich das machen? Bitte, bitte, bitte!«
*
Tia war eine Meisterin am Materialdrucker. Ihr Hobby war es, Kleidung zu entwerfen. Sie konnte nicht einen Stich nähen, was nicht schlimm war, da der Drucker jeden Gegenstand herstellen konnte, solange er die Grundsubstanzen in seinen Tanks hatte. Alte Klamotten und anderer Müll wurden in den Zersetzer geworfen und dort solange verarbeitet, bis sie nurmehr eine zähflüssige Paste an Grundstoff waren. Diese Pasten waren dann die Grundlage für neue Ausdrucke: Kleidung, Geräte, Kabel – oder eben eine Verkleidung als Teg-Drache. Tia nutzte die Aufzeichnung aus dem NATI-Netz, um eine möglichst originalgetreue Verkleidung herzustellen. Als der Drucker die Verkleidung ausgab, brachte Tia sie in den Frachtraum und legte sie dort auf dem Boden aus. Die Anwesenden nickten wohlwollend.
