Risky Love: Wunden der Vergangenheit - Leah Docks - E-Book

Risky Love: Wunden der Vergangenheit E-Book

Leah Docks

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Beschreibung

Logan Hammington ist ein angesehener Elitesoldat mit dunkler Vergangenheit. Jede Nacht jagen ihn die Erinnerungen an seine erste Liebe. Ausgerechnet sie hat ihn verraten und lächelnd dabei zugesehen, wie man versuchte, ihn zu ermorden. Während ein Teil von ihm damals für immer starb, kämpfte Logan sich nicht nur ins Leben zurück, sondern auch die Karriereleiter im Militär nach oben.   Als er zum Ausbilder einer Spezialeinheit berufen wird und unter seinen Rekruten eine Frau vorfindet, tut er alles, damit sie sein Team freiwillig verlässt. Frauen sind - Logans Meinung nach - nicht zum Personenschutz geeignet, sondern selbst schutzbedürftig! Ab diesem Moment ist Ärger vorprogrammiert, denn bei jeder Begegnung fliegen zwischen den beiden die Fetzen. Dass Cassy Candle jedoch eine ebenso mutige wie schöne Kämpferin ist, hat Logan nicht erwartet. Widerwillig muss er sich nicht nur eingestehen, dass sie ihn beeindruckt, sondern auch, dass sie die erste Frau ist, die seinen harten Schutzpanzer durchbrechen und längst vergessene Gefühle in ihm wecken konnte. Verbotene Leidenschaft und Gefühle entflammen. Als Logan dann auch noch von seiner Vergangenheit eingeholt wird, droht er erneut in einem Sumpf aus Geldgier, Macht und Korruption zu versinken. Doch noch schlimmer ist, dass er sich plötzlich zwischen seiner einstigen großen Liebe und Cassy entscheiden muss ... Leah Docks entführt ihre Leser in ihrer Militärromanze auf eine Achterbahnfahrt, bei der nichts ist, wie es scheint. "Risky Love: Wunden der Vergangenheit" ist ein Roman über die Kraft der Liebe, der bis zur letzten Seite mitreißt.

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Leah Docks

Risky Love: Wunden der Vergangenheit

© 2022 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

[email protected]

Covergestaltung: © Sabrina Dahlenburg

(www.art-for-your-book.de)

Coverfoto: © Shutterstock

ISBN Print: 978-3-86495-522-8

ISBN eBook: 978-3-86495-523-5

Alle Rechte vorbehalten. Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Darsteller, Orte und Handlung entspringen entweder der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv eingesetzt. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Vorkommnissen, Schauplätzen oder Personen, lebend oder verstorben, ist rein zufällig.

Dieses Buch darf ohne die ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin weder in seiner Gesamtheit noch in Auszügen auf keinerlei Art mithilfe elektronischer oder mechanischer Mittel vervielfältigt oder weitergegeben werden. Ausgenommen hiervon sind kurze Zitate in Buchrezensionen.

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Epilog

Autorin

WIDMUNG

KAPITEL 1

August, 1999

Durban, Südafrika

Die Sonne ging gerade im Osten auf, als die einmotorige Cessna 208 Caravan im Anflug auf den Militärflugplatz der South African Air Force in Durban war. Die knapp sechzehn Meter langen Tragflächen warfen einen riesigen Schatten auf die kurze Landebahn, als die großen Räder schließlich den Boden berührten. Das elfeinhalb Meter lange Zubringerflugzeug bot gerade mal Platz für maximal neunzehn Passagiere und wurde aufgrund seiner Größe hauptsächlich für regionale Kurzstrecken eingesetzt. Nachdem es seine Parkposition erreicht hatte und der Propeller zum Stillstand gekommen war, wurde die schmale Zugangstreppe zum Verlassen des Flugzeugs für die wenigen Passagiere an Bord herausgefahren. Alle Insassen waren Mitglieder der südafrikanischen Streitkräfte.

Als Offizier Logan Hammington die Gangway betreten wollte, musste er den Kopf einziehen, denn er war viel zu groß für die niedrige Flugzeugtür. Ein rotes, leicht schräg auf dem Kopf sitzendes Barett mit schwarzer Randeinfassung und dem aufgestickten Truppengattungsabzeichen der südafrikanischen Armee blitzte zuerst unter der Tür hindurch, gefolgt von einer Uniform im Camouflage-Muster, die seinen kräftigen Körper eng umschloss. Die Sonne spiegelte sich in der großen Metallschnalle des schwarzen Ledergürtels wider, als er schließlich ausstieg und sich aufrichtete.

Während Logan die frische Luft tief und genussvoll einatmete, klopfte sein Herz vor lauter Vorfreude über seine Heimkehr, denn es war schon einige Jahre her, seit seine Füße zuletzt heimischen Boden berührt hatten. Die vielen Außeneinsätze und UN-Missionen im Kongo und in Burundi hatten ihn lange von zu Hause ferngehalten.

Mit einem stolzen Lächeln dachte er an das Gespräch mit Feldkommandeur Solly Shoke zurück, das er vor einigen Tagen im Hauptquartier geführt hatte …

„Setzen Sie sich, Major“, wies ihn sein Vorgesetzter, der vor Kurzem zum Direktor für Personalplanung der südafrikanischen Streitkräfte ernannt worden war, mit einer einladenden Handbewegung an. Logan nahm in einem gepolsterten Sessel Platz und bedachte sein Gegenüber mit einem neugierigen Blick. Es war ungewohnt, den kräftigen Südafrikaner mit Schnäuzer hinter einem massiven Schreibtisch sitzen zu sehen, denn noch vor einem Jahr hatte Shoke siebenhundert Soldaten, zu denen auch Hammington zählte, bei einer zweimonatigen Militäraktion in Lesotho angeführt.

„Wissen Sie, Major Hammington“, fing Solly Shoke an, beugte sich vor und verschränkte seine Finger ineinander, „ich beobachte Sie schon seit einer ganzen Weile. Sie haben einen sehr rasanten Aufstieg bei uns hingelegt, sind sehr zuverlässig, und die Kampfleistung der Truppen, die Sie ausbilden, ist phänomenal. Ich konnte mich in Lesotho ja selbst davon überzeugen und denke, dass der Einsatz dort deshalb so erfolgreich war.“

Während Shoke sprach, nahm er seine Brille ab und putzte die Gläser mit einem weichen Tuch.

Die Anerkennung ließ Logans Brust vor Stolz anschwellen. Es war ein schönes Gefühl und er genoss es in vollen Zügen.

In seiner Jugend war sein Selbstwertgefühl noch ganz anders gewesen. Er war ein schmächtiger Junge, eine gebrochene Waise, als er sich mit achtzehn Jahren für den Wehrdienst meldete.

In Südafrika herrschte zu dem Zeitpunkt eine strikte Rassentrennung, die Apartheid, die zu schlimmen Auseinandersetzungen und Aufständen unter den verschiedenen Volksgruppen führte. Der Staat musste die Streitkräfte einsetzen, um den Frieden zu wahren. Beim Militär wollte Logan, der in seinem jungen Leben bereits viele Ungerechtigkeiten miterlebt und sehr viel Leid erfahren hatte, seinen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Nach dem Ende der Apartheid, im Jahre 1994, veränderte sich das politische Leben des Landes drastisch. Sogar die Armee, so, wie Logan sie bisher gekannt hatte, gab es nicht mehr. Sie wurde aus verschiedenen militärischen Gruppierungen und Organisationen neu zusammengesetzt. Es gab ein dreijähriges Eingliederungs- und Ausbildungsprogramm, das auch farbige Bürger in die Armee integrieren sollte und durch ein Ausbildungsteam der britischen Armee unterstützt wurde. Hier lernte Logan neben dem Kommandieren einer Brigade auch das Ausbilden neuer Rekruten. Seine schnelle Auffassungsgabe und die Kampfkraft der von ihm ausgebildeten Truppen überzeugten seine Vorgesetzten von seinem Können, sodass ihm sogar wichtige Führungsaufgaben übertragen wurden.

Mit einunddreißig Jahren wurde er schließlich zum jüngsten Major der South African National Defence Force.

„Neuerdings erreichen mich immer mehr Mitteilungen, dass es in Pietermaritzburg verstärkt zu Unruhen kommt“, fuhr Shoke fort, nachdem er seine Brille wieder aufgesetzt hatte. „Die Hauptstadt der südöstlichen Provinz KwaZulu-Natal ist kaum wiederzuerkennen. Wir müssen dort umgehend reagieren und diese Unruhen stoppen, damit wieder Frieden in die Stadt einkehren kann. Deshalb möchte ich, dass Sie eine Sondereinheit im Rahmen der Stabilisierung und zum Schutz des dortigen Bürgermeisters ausbilden und sie in der Stadt anführen.“

Für Hammington war dies eine willkommene Aufgabe, denn neben der großen Chance, sich gegenüber seinem Vorgesetzten zu beweisen, brachte sie ihn auch nach Hause.

Obwohl es noch früh am Morgen war und in Südafrika Winterzeit herrschte, lag die Außentemperatur bereits bei 24°C. Logans Blicke aus seinen stahlblauen Augen, die er wohl seinen nordeuropäischen Wurzeln zu verdanken hatte und die sich in seinem tief gebräunten Gesicht besonders leuchtend hervorhoben, glitten über den Flugplatz, bis er einen sandfarbenen Toyota Land Cruiser J9 nahe des Terminals entdeckte. Neben dem Geländewagen, der ganz offensichtlich seine Glanzzeit längst hinter sich hatte, stand ein hochgewachsener Soldat. Er hielt ein Namensschild hoch, das die Aufschrift Major Logan Hammington trug, und salutierte, als sich der Major mit großen Schritten näherte.

„Lieutenant Bongani Mpande, Sir“, stellte sich der Afrikaner vor.

Hammington nickte und erwiderte die formelle Begrüßung. Er kannte den Mann von den Bildern aus seinen Unterlagen. Bongani Mpande gehörte der Volksgruppe der Zulu an, die die größte ethnische Gruppe Südafrikas bildete. Er war Ende zwanzig, einen Kopf kleiner als Logan und nicht so kräftig gebaut. Seine Haare waren sehr kurz, stark gekräuselt. Das Gesicht wurde von einer sehr breiten Nase und mächtigen Lippen dominiert und die schwarzen Augen strahlten Wärme und Freundlichkeit aus. Er sollte Logans rechte Hand werden und ihn bei der Ausbildung der Sondereinheit unterstützen.

Das Gepäck, das Hammington bei sich hatte, wurde im Kofferraum verstaut, das Namensschild warf Mpande auf den Rücksitz. Danach stiegen sie ein und machten sich auf den Weg zu einem früheren Militärstützpunkt nahe dem kleinen Örtchen Highmoor, das inmitten der hohen Bergkette Drakensberge lag.

Logan zog sein Barett vom Kopf, steckte es sich lässig in die Hosentasche und fuhr sich mehrmals mit der Hand durch seine kurzen, dunkelblonden Haare. Sie hatten eine dreistündige Fahrt vor sich, und er war froh, in einem geräumigen Auto zu sitzen, in dem er sich zurücklehnen und die Beine ausstrecken konnte.

Bongani Mpande entpuppte sich als gesprächiger und unterhaltsamer Zeitgenosse, der Logan auf den neusten Stand bezüglich der Geschehnisse in der Provinz brachte, viel von sich erzählte und die Fahrt mit witzigen Anekdoten aufheiterte.

Logans Blick streifte die Townships, an denen sie gerade vorbeifuhren. Jedes Mal, wenn er die kleinen Siedlungen mit ihren eng aneinandergereihten Wellblechhütten sah, in denen Armut und Gewalt herrschten und in die während der Apartheid dunkelhäutige Menschen aus den Städten abgeschoben worden waren, erfüllte ihn eine Mischung aus Verständnislosigkeit, Wut und Mitleid.

Schon als Kind empfand er das Verhalten den Nicht-Weißen gegenüber als ungerecht und erniedrigend. Aufgrund der Rassentrennung war es den Schwarzen zum Beispiel verboten, öffentliche Parkanlagen, Badestrände und Schwimmbäder zu betreten. Es gab separate Abteile in öffentlichen Verkehrsmitteln und eigene Schulen. Einige Einrichtungen, wie hochpreisige Hotels, waren nur für Weiße zugänglich. Es gab getrennte Türensysteme in Geschäften, getrennte Toiletten und Kantinen, und alles wurde unmissverständlich mit Schildern gekennzeichnet.

Doch schon bald lehnten sich immer mehr Schwarze gegen das Regime auf. Es folgte ein langer Zeitraum des Widerstandes, mit Streiks, Protestmärschen, internationalen Aktivitäten, Sabotagen und auch Terrorangriffen verschiedener Anti-Apartheid-Bewegungen.

An den wichtigsten Tag der südafrikanischen Geschichte erinnerte sich Logan, als wäre es gestern gewesen. Es war der 11. Februar 1990. Er saß mit seinen Kameraden um ein kleines Radio herum und lauschte neugierig dem Bericht, wie einer der größten Apartheid-Gegner, Nelson Mandela, aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Mandela forderte die Abschaffung der Apartheid und wurde im April 1994 schließlich zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er sorgte dafür, dass eine neue Verfassung verabschiedet wurde, die den Bürgern umfangreiche Rechte wie Gleichheit für alle, Freiheit und Unversehrtheit, den Schutz vor Diskriminierung, Sklaverei und Zwangsarbeit garantierte.

Auch wenn das Volk aufatmete, in vielen Köpfen blieben Erinnerungen an die alten Zeiten fest verankert.

Bongani lenkte den Wagen an den Straßenrand vor ein kleines Restaurant. Sie machten einen kurzen Stopp, um sich dort zu stärken. Sie bestellten ein Straußensteak mit Maisbällchen und Kartoffeln, dazu einen kleinen Karottensalat, und Logan genoss die Mahlzeit in vollen Zügen, denn die südafrikanische Küche hatte ihm schon sehr gefehlt.

Als sie das Lokal verließen, stand die Sonne bereits hoch am Himmel. Hammington warf einen flüchtigen Blick auf seine Armbanduhr. Sie lagen gut in der Zeit und würden pünktlich am Stützpunkt ankommen. Zufrieden nickte er Bongani zu und sie stiegen in den Wagen.

Während der Weiterfahrt wurde Logan zusehends stiller und nachdenklicher. Sein Gesicht bekam einen melancholischen Ausdruck, denn immer öfter tauchten Ortsnamen auf, die in ihm teils schöne, zum größten Teil aber sehr schmerzhafte Erinnerungen weckten. Er wehrte sich innerlich dagegen, verdrängte krampfhaft die aufsteigenden Gefühle, die sich wie eine eiskalte Metallkralle um sein Herz schlossen und als unerträgliches Brennen in die Magengrube ausstrahlten. Sosehr er auch versuchte, dem fröhlichen Geplapper seines Fahrers zu folgen, die Erinnerung an seine Vergangenheit übermannte ihn und er versank darin wie in feinkörnigem Treibsand.

Im Alter von sechs Jahren hatte Logan seine Eltern und sein Zuhause bei einem schweren Brand verloren, deshalb wuchs er beim Halbbruder seines Vaters auf, der nichts für ihn übrighatte. Er wurde schlecht behandelt, oft geschlagen und zu harter Arbeit gezwungen.

Mit sechzehn Jahren floh er schließlich von dort und wurde obdachlos. Lange musste er jedoch nicht auf der Straße verbringen, denn seine direkte und herzliche Art, aber auch sein Enthusiasmus verhalfen ihm schnell zu gut bezahlten Aushilfsjobs. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er ein Weißer war.

Irgendwann landete er in der Kleinstadt Newcastle, die im Norden der Provinz KwaZulu-Natal am Ufer des Flusses Ncandu lag. Hier fand er auf einer der größten Farmen der Stadt Arbeit. Die Stevens-Farm war aufgrund ihrer Viehzucht der Hauptlieferant für Milch und Fleisch in der Umgebung. Außerdem war Mitchel Stevens, der Besitzer der Farm, auch an einigen Kohleminen beteiligt, deren Erträge ihm enorme zusätzliche Einnahmen verschafften.

Logans Aufgabe war es, Mist zu schaufeln, das Vieh auf die Weiden zu treiben, Kühe zu melken und manchmal auch im Garten zu helfen. Die Arbeit war hart und verlangte ihm viel ab, aber er war froh, dass er ein Dach über dem Kopf hatte, satt war und deutlich besser behandelt wurde als bei seinem Onkel.

Eines Tages brachte er das Vieh auf die Weide und hörte plötzlich ein helles Lachen. Er wandte den Kopf in die Richtung, aus der das Lachen kam, und erstarrte. Am anderen Ende der halb vertrockneten Wiese saß ein Mädchen auf einer Schaukel, die an einem großen Ast eines Korallenbaumes hing. Sie trug ein rotes Kleid mit Rüschen und einem weißen Gürtel, hatte lange blonde Haare, die sich in Locken um ihr Gesicht kräuselten und im Wind hin und her wehten. Hinter ihr stand ein jüngeres afrikanisches Mädchen in einem einfachen, braunen Baumwollkleid und schubste sie an.

Das fröhliche Lachen des blonden Mädchens erfüllte Logans Körper mit einem leichten Flattern. Er war überwältigt von ihrer Schönheit und wollte unbedingt erfahren, wer sie war. Doch auch wenn er sehr offen und nicht gerade schüchtern war, traute er sich nicht, zu ihr zu gehen und sie anzusprechen, denn er war sich seiner schäbigen Erscheinung durchaus bewusst. Seine dunkelblonden Haare waren schon länger nicht geschnitten worden und stanken nach Kuhmist. Das ausgeblichene und durchgeschwitzte T-Shirt hing teils aus dem Hosenbund der ausgebeulten, braunen Arbeitshose, die genauso dreckig war wie der Rest von ihm.

Auf einmal sah das Mädchen zu ihm rüber und winkte. Er lächelte überrascht und hätte fast die Hand gehoben, um zurückzuwinken, als ihn ein lautes eindringliches Muhen in die Realität zurückholte. Eine Kuh hatte sich von der Herde entfernt und lief direkt auf den Korallenbaum zu.

Logan stockte der Atem. Er packte eine Peitsche, die er aufgewickelt über der Schulter trug, und sprintete hinterher, wobei ihm die viel zu großen Gummistiefel, die fast vollständig mit Kuhmist bedeckt waren, um seine Knie herum schlackerten. Er hörte die Mädchen erschrocken kreischen, als er die Kuh einholte und sie mit der Peitsche zum Umkehren bewegte.

„Los! Zurück mit dir!“, rief er und ließ die Peitsche mit einem lauten Knall immer wieder auf den Boden sausen. Die Kuh machte kehrt und begab sich wieder zur Herde. Logan drehte sich kurz zu den Mädchen um und entschuldigte sich mit einem betretenen Lächeln für seine Unachtsamkeit, bevor er zurück zu den Tieren lief.

Das blonde Mädchen ging ihm seither nicht mehr aus dem Kopf, und er fragte sich pausenlos, wer sie war. Jedes Mal, wenn er an der Wiese vorbeiging, sah er zur Schaukel rüber, die leider leer blieb. Er begann schon, daran zu zweifeln, dass er sie tatsächlich gesehen hatte, doch ein paar Tage später kam der Gärtner auf ihn zu und forderte ihn auf, ihm beim Beschneiden der Büsche zu helfen.

Logan schnitt fast den ganzen Tag die ausgewucherten Büsche zurecht und fegte Gehölz und Laub weg, als er ein leises „Hallo“ hörte. Er blickte auf und erstarrte. Vor ihm stand das hübsche blonde Mädchen, nach dem er schon seit Tagen Ausschau gehalten hatte.

„Du bist doch der Junge, der uns neulich vor der Kuh gerettet hat“, sagte sie und lächelte ihn strahlend an.

Logan stützte sich mit verschränkten Händen auf dem Besenstiel ab und nickte.

„Ja. Und du bist das Mädchen von der Schaukel.“

Sie senkte verlegen den Blick, und ihre Wangen röteten sich. Als sie ihn wieder ansah, versank Logan in ihren großen, blauen Augen. Sie leuchteten und waren viel dunkler als seine. Ihre Haare waren diesmal mit einem Haarband zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Einige Locken hatten sich gelöst und umspielten ihr herzförmiges Gesicht. Sie hatte eine kleine, freche Stupsnase, schmale Lippen und ein zauberhaftes Lächeln. Sie trug ein ärmelloses pastellblaues Kleid, das bis zu ihren Knien ging, und um ihre Taille war ein dunkelblaues Band zu einer Schleife gebunden.

Logan fiel auf, dass sie eine recht zierliche Figur hatte. Neben ihr fühlte er sich riesig, schmutzig und verschwitzt, was irgendwie auch den Tatsachen entsprach. Sie reichte ihm knapp bis zu den Schultern und musste ihren Kopf weit zurücklegen, um ihn direkt ansehen zu können.

Plötzlich streckte sie selbstbewusst ihre Hand aus und stellte sich vor.

„Ich bin Leandra. Leandra Stevens.“

Logan wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn, zog den rechten Arbeitshandschuh aus und ergriff zögernd ihre Hand.

„Logan“, sagte er und fügte stirnrunzelnd hinzu: „Du bist die Tochter des Chefs?“

„Schuldig“, antwortete sie lachend und ihre Augen funkelten wie tausend Sterne.

Logan verspürte ein prickelndes Flattern im Bauch, und irgendetwas sagte ihm, dass es ihr nicht anders ging, denn sie zog ihre Hand nicht zurück und schien auch nichts dagegen zu haben, dass er sie länger festhielt, als es für einen gewöhnlichen Händedruck üblich war.

Sie wechselten noch einige harmlose Sätze über das Wetter und die hübschen Blumen im Garten, bevor sie ins Haus gerufen wurde.

„Warte bitte“, hielt Logan sie zurück.

Er nahm die Gartenschere, knipste eine rosafarbene Rose von einem blühenden Busch ab, entfernte vorsorglich einige Dornen und reichte sie Leandra.

Ihre Wangen nahmen die gleiche zarte Farbe wie die Blütenblätter der Blume an.

„Danke“, hauchte sie verlegen und lächelte ihn so intensiv an, dass sein Herzschlag kurz aussetzte.

Von nun an sahen sie sich öfter. Leandra fand immer einen Vorwand, um im Stall vorbeizuschauen, interessierte sich plötzlich für Weidetiere und nutzte jede Möglichkeit, viel Zeit im Garten zu verbringen, wenn Logan dort seine Arbeit verrichtete.

Logan freute sich jedes Mal, wenn er im Garten aushelfen musste, denn er fand es viel angenehmer, die Zeit mit Leandra inmitten duftender Blumen zu verbringen statt im stinkenden Stall.

Logan verliebte sich bis über beide Ohren in Leandra. Er, der vom Leben bisher nur die traurige Seite kannte, lachte immer öfter, hatte etwas, worauf er sich täglich freuen konnte, und sah die Welt durch eine rosarote Brille.

Wenn er seinen freien Tag hatte, gingen die beiden fernab der Farm spazieren, schwammen im Fluss Ncandu oder lagen stundenlang unter Korallenbäumen. Die prächtigen Giganten waren typisch für die südafrikanische Landschaft und ihre roten Blüten zeichneten sich wie loderndes Feuer vor dem leuchtend blauen, wolkenlosen Himmel ab.

Logan erlebte mit Leandra den ersten Kuss, die zaghafte Erforschung des weiblichen Körpers, das erste Mal. Sie bedeutete ihm alles. Trotz des Standesunterschiedes waren sie auf einer Wellenlänge, hatten den gleichen Humor und teilten sogar einen bitteren Schicksalsschlag.

Leandras Mutter war vor vier Jahren an Malaria gestorben. Für das damals zwölfjährige Mädchen brach eine Welt zusammen. Ihre Mutter war alles für sie gewesen. Sie waren nie länger als einen Tag voneinander getrennt und hatten ein sehr inniges und liebevolles Verhältnis zueinander.

Von ihrem Vater hatte Leandra wenig, denn er arbeitete von früh bis spät und war oft für mehrere Tage weg, um die Arbeiten in den Kohleminen zu beaufsichtigen. Leandra hatte das Gefühl, dass ihrem Vater mehr an der Arbeit lag als an ihr. Umso mehr hatte sie sich an ihre Mutter geklammert.

Logan konnte den schmerzhaften Verlust voll und ganz nachvollziehen. Obwohl er noch sehr klein gewesen war, als seine Mutter aus seinem Leben gerissen wurde, konnte er sich noch sehr gut an sie erinnern. Er wusste allzu gut, wie die Sehnsucht nach ihrer Umarmung, ihrer Stimme oder diesem besonderen Duft nach Geborgenheit, Sicherheit und Wärme einen auffressen konnte. Durch diese Erfahrung fühlten sich die beiden einander noch näher.

Leandra traute sich allerdings nicht, ihrem Vater von sich und Logan zu erzählen. Logan war ein Straßenjunge und gehörte zum Personal, zum Fußvolk, wie ihr Vater seine Angestellten verächtlich nannte.

Mitchel Stevens war ein furchtbarer Snob und behandelte jeden von oben herab, der nicht zu seiner Gesellschaftsschicht gehörte. Leandra fand dieses Verhalten abscheulich und konnte es nicht nachvollziehen. Sie mochte alle Leute auf der Farm, und seit dem Tod ihrer Mutter waren sie für sie wie eine Familie. Immerhin hatte sie, außer ihren Vater, sonst niemanden mehr. Doch sich gegen ihn zu stellen, ihn zu kritisieren, wäre ihr nie in den Sinn gekommen, denn er duldete keine Widerworte.

Leandra wollte nicht, dass Logan ihretwegen Schwierigkeiten bekam oder seine Arbeit verlor und von der Farm geschmissen wurde. Also hielten sie ihre Liebe geheim und dachten, niemand würde etwas von den heimlichen Treffen erfahren oder die zarten Berührungen, Küsse und verliebten Blicke bemerken. Doch sie ahnten nicht, dass Mitchel Stevens längst im Bilde war. Er hatte sie von seinem Balkon aus zufällig beobachtet, und die Tatsache, dass seine Tochter sich mit einem Jungen aus der Gosse herumtrieb, bohrte sich in sein Auge wie ein spitzer Dorn, der die Wunde langsam zum Eitern brachte. Grimmig überlegte er, wie er diese Liebe im Keim ersticken konnte, ohne zu viel Aufruhr zu erregen.

Im Juli 1985 wurde die Beziehung der beiden auf eine harte Probe gestellt, als ein Sturm von Streiks und Unruhen über das Land fegte und sich die unterdrückte Bevölkerung immer stärker gegen die Apartheidspolitik auflehnte. Auf den Straßen wurde es immer gefährlicher und Leandra durfte sich sogar auf dem sicheren Gelände der Farm nur noch unter Aufsicht bewegen. Sie vermisste es, mit Logan allein zu sein. Also trafen sie sich nachts heimlich im Garten und verbrachten dort die wenigen Stunden, die sie hatten, eng umschlungen unter blühenden Magnolienbäumen.

„Mein Vater fährt morgen zu den Kohleminen raus und besteht darauf, dass ich mitkomme“, teilte sie ihm eines Tages mit, während ihr Kopf auf seiner Schulter ruhte und sein Arm sie fest umschlungen hielt. „Ich habe überhaupt keine Lust dazu. Es wird bestimmt furchtbar langweilig werden und die Geschäftspartner meines Vaters sind immer so arrogant und hochnäsig“, sagte sie herablassend, hob dann den Kopf und sah ihn flehend an. „Ich will lieber bei dir sein.“

Logan wäre es auch lieber, sie würde bleiben, doch es war viel zu gefährlich für sie, ohne ihren Vater auf der Farm zu bleiben. Die Unruhen waren nicht zu unterschätzen. Immer wieder gerieten Polizei und Aufständische aneinander, sogar Farmen blieben nicht verschont und wurden überfallen.

„Ich wünschte auch, du würdest hierbleiben. Aber es ist sicherer, wenn du bei deinem Vater bist. Ihr seid ja auch bald wieder zurück.“

KAPITEL 2

Für Logan verging die Zeit ohne Leandra wie in Zeitlupe. Er vermisste sie und konnte sich kaum auf seine Arbeit konzentrieren. Irgendwie lief an dem Tag alles schief: Zuerst kippte eine Schubkarre mit Kuhmist um, bei der Reparatur eines Holzzauns traf er mit dem Hammer seinen Daumen, stieß sich den Kopf an einem Balken an und, als ob das nicht schon genug wäre, stolperte er über einen Wasserschlauch und fiel in einen Dornenbusch.

Nachts wälzte er sich von einer Seite auf die andere und konnte nicht einschlafen. Schließlich ging er in den Garten, setzte sich unter einen Magnolienbaum und versank tief in Gedanken an Leandra.

Die Nacht war klar und kühl, die Sterne funkelten wie tausend Diamanten am Himmel und wirkten dabei so nah, dass Logan den Drang verspürte, die Hand danach auszustrecken. Ob es ihm jemals möglich sein würde, Leandra einen Diamanten zu schenken? Oder einfach nur etwas anderes als eine Blume aus deren eigenen Garten? Grübelnd rieb er über einen Kratzer, den er sich am Dornenbusch zugezogen hatte.

Er hatte sich nie zuvor Gedanken über sein Leben gemacht, nahm die Dinge immer so, wie sie waren oder kamen. Doch seit Leandra in sein Leben getreten war, erfuhr er wieder, wie schön es war, einen geliebten Menschen um sich zu haben. Er erwischte sich bei dem Wunsch, sich etwas Eigenes aufzubauen, auf eigenen Beinen zu stehen. Er wollte kein Niemand mehr sein, wollte nicht, dass Leandra sich für ihn schämte. Sie hatte ihm zwar nie das Gefühl gegeben, minderwertig zu sein, aber ganz tief im Inneren wusste er, dass er es war. Seine Kleidung war abgetragen und schäbig, seine Hände voller Schwielen, er konnte weder lesen noch schreiben, hatte kein Geld, keine Familie, kein richtiges Zuhause. Nichts, was er Leandra hätte bieten können, und ihm war vollkommen klar, dass ihr Vater niemals jemanden wie ihn an der Seite seiner Tochter dulden würde.

Logan seufzte und vergrub seinen Kopf in den verschränkten Armen, die auf seinen angewinkelten Knien lagen. Ein merkwürdiges Gefühl überkam ihn, doch es vergingen einige Minuten, bis er den Kopf hob und stirnrunzelnd in sich hineinhorchte. Es war kein Gefühl von Minderwertigkeit oder Selbstmitleid. Es war etwas anderes, etwas Alarmierendes. Besorgniserregendes. Logan spürte, wie sich sein Körper mit Gänsehaut überzog. Leandra!

Er sprang auf und lauschte. Alles war ruhig und friedlich. Man hörte lediglich einige Grillen zirpen und den Wind leise durch die Blätter rascheln. Logan fuhr sich mit der Hand durch die Haare.

„Es kann ihr nichts passiert sein. Ihr Vater hat ja genügend Leute zu ihrem Schutz mitgenommen“, murmelte er vor sich hin.

Langsam setzte er sich wieder hin und lehnte sich an den Baum. Auch wenn er krampfhaft versuchte, sich zu beruhigen, raste sein Herz und die Handinnenflächen wurden feucht.

Logan bekam nicht mit, dass er eingeschlafen war, bis ihn lautes Vogelgezwitscher und das Bellen der Hunde aus seinem unruhigen Schlaf weckten. Er riss die Augen auf und sah sich verwirrt um. Es war bereits hell und er saß immer noch unter dem Magnolienbaum. Sein linkes Bein war angewinkelt, der Arm lag darüber, und er verzog schmerzhaft das Gesicht, als er sich aufrichten wollte. Sein Nacken hatte sich durch die ungünstige Schlafposition versteift, sein Steißbein pochte und sein Hintern fühlte sich unangenehm taub an. Keuchend und stöhnend stand er auf, streckte den Rücken, ließ die Schultern kreisen und rollte den Kopf langsam von einer Seite zur anderen. Er hörte, wie seine Knochen und Wirbel dabei knackten, griff sich in den Nacken und massierte die schmerzenden Stellen.

„Gut, dass du schon da bist“, hörte er den Gärtner namens Sizwe hinter sich sagen, und er drehte sich fragend um. „Ich habe bereits im Stall Bescheid gesagt, dass ich dich heute hier brauche. Die Blumen müssen bewässert und die Hecke um das Haus herum zurückgeschnitten werden. Am besten bevor der Chef zurück ist.“

Logan nickte und nahm wortlos die ihm gereichten Gartenutensilien entgegen. Er sah dem dreißigjährigen Schwarzafrikaner hinterher, als dieser den Wasserschlauch über die schmalen Kieselsteinwege schleifte. Er mochte den Gärtner.

Sizwe war ein herzensguter Mensch und immer sehr freundlich zu Logan. Wenn er mal von sich und seiner Familie erzählte, bewunderte Logan den liebevollen Ausdruck auf seinem Gesicht und den sanften Ton in seiner Stimme. Sizwe erinnerte ihn an seinen eigenen Vater, der seine Familie auch über alles geliebt hatte. Leider war Sizwes Frau bei der Geburt seines Sohnes gestorben und er zog ihn mit seinen Eltern zusammen auf. Der vierjährige Junge war sehr schwach und schien an einer Augenkrankheit zu leiden. Sizwes Geld reichte jedoch nie aus, um seinen Sohn von einem Arzt untersuchen zu lassen, zumal auch nur die Weißen das Privileg hatten, sich an Spezialisten zu wenden. Logan verabscheute diese Ungerechtigkeit und gab die Hoffnung auf eine bessere Welt nie auf.

Während Logan seine Aufgaben erledigte, stieg wieder das beunruhigende Gefühl der vergangenen Nacht in ihm auf. Immer wieder fiel sein Blick zur Einfahrt. Wann sie wohl wiederkämen?

Er war gerade dabei, die Hecke vor der Außenterrasse der großen Villa zu stutzen, als er die Motorengeräusche eines heranfahrenden Autos hörte. Voller Hoffnung drehte er sich um und sah den dunkelblauen BMW M745i, der der ganze Stolz des Stevens-Oberhaupts war, durch das Tor fahren. Er hatte den Wagen direkt vom Werk in Pretoria erworben und demonstrierte mit der Oberklasselimousine seinen Reichtum. Dass der 7er-BMW während seiner Fahrten noch nicht von den Aufständischen zertrümmert worden war, wunderte Logan allerdings, denn es war nicht ganz ungefährlich, während der Unruhen, die wegen Unterdrückung und Armut entstanden waren, mit seinem Vermögen zu protzen. Der Gedanke verflüchtigte sich jedoch sofort aus seinem Kopf, als er Leandra aussteigen sah.

Vor lauter Erleichterung, dass sie wohlauf war, gaben seine Knie fast nach. Ihm fiel allerdings auch auf, dass sie bedrückt wirkte, irgendwie niedergeschlagen und verstört. Ihre Schultern hingen herab, ihr Blick war gesenkt, sie war ungewöhnlich still und hatte die Arme fest um ihren Körper geschlungen. Voller Sorge ließ Logan alles stehen und liegen und lief zum Wagen.

„Was willst du hier?“, brüllte Mitchel Stevens ihn an.

Logan blieb stehen. Er bemerkte, dass Leandra kurz aufsah, doch seinem Blick schnell auswich.

„Ich … wollte Ihnen beim Entladen helfen, Sir“, sagte er vorsichtig und versuchte, Leandras Blick doch noch irgendwie einzufangen.

„Das Gepäck liegt im Kofferraum. Stell alles vor die Haustür und geh wieder zurück an die Arbeit“, forderte sein Chef schroff und stieß seine Tochter die Stufen hinauf ins Haus.

Trotz der anfänglichen Erleichterung über die Rückkehr verstärkte sich ein ungutes Gefühl in Logans Brust. Hier stimmt irgendetwas nicht, schoss es ihm durch den Kopf.

In den nächsten beiden Tagen arbeitete er ungewöhnlich langsam an der Hecke, um länger in der Nähe des Hauses zu sein. Immer wieder sah er zu Leandras Fenster hinauf, doch sie ließ sich nicht einmal blicken. Er wurde ganz krank vor Sorge und war kurz davor, ins Haus zu stürmen, um nach ihr zu sehen.

Als die Nacht hereinbrach, sich Stille über die Farm legte und die Lichter im Haus nach und nach ausgingen, kletterte Logan auf den großen Baum vor Leandras Fenster. Er hielt die Ungewissheit nicht mehr aus. Lautlos wie eine Katze erklomm er den Baum bis zu der Fensterbank und war erleichtert, als er feststellte, dass das Schiebefenster nicht verschlossen war. Vorsichtig öffnete er es und stieg ein.

Der Raum war dunkel, die Luft roch abgestanden, und Logans Augen brauchten einen Moment, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Er sah Leandra im Bett liegen. Leise näherte er sich ihr. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt, aber als sein Schatten über das Bett fiel, drehte sie sich plötzlich um und wollte aufschreien. Doch Logan konnte ihr noch rechtzeitig die Hand auf den Mund drücken. Mit dem Zeigefinger auf den Lippen bat er sie, ruhig zu sein. Ihre Augen waren weit aufgerissen, sie nickte zweimal kurz und Logan nahm vorsichtig seine Hand weg.

„Was machst du hier?“, zischte sie ihn an und setzte sich schnell auf.

„Ich wollte sehen, wie es dir geht“, erklärte er flüsternd. „Lea, was ist los?“

„Nichts ist los. Bitte geh!“, forderte sie ihn auf.

Logan runzelte die Stirn. Das abweisende Verhalten ihm gegenüber passte gar nicht zu ihr. Noch vor zwei Tagen hatte sie in seinen Armen gelegen und nicht weggewollt, und anstatt ihm nun vor Wiedersehensfreude um den Hals zu fallen, schickte sie ihn weg?

„Geh!“, wiederholte sie etwas lauter, als er sich nicht rührte, und schubste ihn von sich weg.

„Erst wenn du mir sagst, was los ist.“

Logan setzte sich auf die Bettkante, lehnte sich vor und stützte sich mit den Händen auf der Decke ab.

„Was ist auf eurer Fahrt passiert, dass du auf einmal so abweisend bist?“

Leandra sagte lange nichts. In dem schwachen Licht, das durch das Fenster fiel, sah er Tränen in ihren Augen aufblitzen. Er legte seine Hände vorsichtig auf ihre Schultern und fühlte, wie sie zitterte.

„Lea?“

Seine Stimme war voller Sorge.

„Nein!“ Sie riss seine Hände weg und schrie so laut auf, dass ihre Stimme durch das stille Haus hallte.

Im Flur waren plötzlich schnelle Schritte zu hören, die sich der Tür näherten, und Licht leuchtete unter dem Türspalt auf. Als die Tür aufgerissen wurde, warf Logan sich auf den Boden neben dem Bett und hoffte, nicht gesehen zu werden. Leandras Vater stand in der Tür und das Licht aus dem Flur erhellte einen großen Teil des Zimmers.

„Warum schreist du so?“

Leandra sah ihn aus großen, erschrockenen Augen an. Sie atmete schnell und schwer.

„Ich … hatte einen Albtraum“, brachte sie schließlich heraus.

Mitchel Stevens ließ einen prüfenden Blick durch den Raum gleiten, drehte sich kopfschüttelnd um und schloss mit einem genervten Brummen hinter sich die Tür. Die Schritte entfernten sich. Das Licht unter der Tür erlosch, aber es vergingen noch einige Minuten, bis Logan wieder hinter dem Bett auftauchte.

Er stand auf und hielt Leandra stirnrunzelnd ein kleines Tütchen mit einem weißen Pulver hin, welches auf dem Boden neben dem Nachtschränkchen gelegen hatte. Als er einige Tage auf der Straße gelebt hatte, hatte er so etwas schon mal gesehen. Die Leute zogen sich das Pulver mit einem schmalen Röhrchen durch die Nase, wurden plötzlich euphorisch und hyperaktiv; manche begannen sogar, zu halluzinieren.

„Ist es das, was ich denke, was es ist?“, fragte er leise.

Leandra lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Schnell griff sie nach dem Tütchen, versteckte es in ihrer Hand und drückte diese in die Decke.

„Das geht dich nichts an“, blaffte sie ihn an und ihre Augen funkelten wütend.

„Das sind Drogen, Lea. Wieso hast du so etwas bei dir?“

„Ich habe es satt, mich ständig zu wiederholen“, zischte sie ihn an, stand vom Bett auf und schubste ihn zum Fenster. „Verschwinde endlich. Ich will dich nie wieder sehen!“

Logan sah sie einen Moment lang voller Entsetzen an. Er versuchte, irgendwo in ihren Augen, ihrem Gesicht, die Leandra zu finden, in die er sich verliebt hatte, die ihn immer so verträumt ansah, die ihm zeigte, dass das Leben auch schön sein konnte. Doch ihr Blick blieb hart, ihr Gesicht und ihre Haltung drückten völlige Ablehnung aus.

Ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen, stieg er aus dem Fenster und verschwand in der Dunkelheit.

KAPITEL 3

„Sollen wir kurz anhalten, Sir?“, fragte Bongani Mpande, der mit gerunzelter Stirn beobachtete, wie der Offizier seit einiger Zeit mit leerem Blick aus dem Fenster starrte. Erst nachdem er seine Frage wiederholt hatte, reagierte Logan und sah ihn an.

Hammington dachte kurz über die Frage nach und schüttelte dann den Kopf.

„Nein. Wir sollten lieber durchfahren.“

„Ja, Sie haben vielleicht recht“, entgegnete Bongani und deutete mit einer kurzen Kopfbewegung nach draußen. „Die Leute sind schon durch die ganzen Unruhen und Zusammenstöße mit der Polizei gereizt. Wenn die auch noch Camouflage sehen, flippen die vielleicht völlig aus. Immerhin herrschen hier momentan Zustände wie zum Ende der Apartheid.“

Logan sah sich um und bemerkte erst jetzt, dass sie Pietermaritzburg passierten. Die Hauptstadt der Provinz KwaZulu-Natal war der Grund für seine Rückkehr nach Südafrika.

Seit Wochen erschütterten Aufstände und Streiks die Stadt. Vor allem die Wahl des neuen Bürgermeisters schien eine große Unzufriedenheit bei den Stadtbewohnern hervorgerufen zu haben. Wahlplakate hingen an Laternen und Mauern. Sie waren zerrissen, mit Farbe beschmiert oder hatten Brandflecken auf dem Gesicht der abgebildeten Person.

„Ist die Lage hier wirklich so kritisch?“, fragte er.

Mpande nickte. „Früher waren die Aufstände vergleichsweise harmlos. Die Polizei kam gut zurecht. Doch seit der neue Bürgermeister feststeht, ist es, als ob hier alles explodiert. Es wird behauptet, dass die Wahl manipuliert wurde.“

„Ist den Behauptungen nachgegangen worden?“

Mpande gab einen grunzenden Laut von sich, warf dem Major einen vielsagenden Blick zu und Logan verstand sofort. Es war nichts Neues, dass Korruption, vor allem bei Polizei und Justiz, ein großes Problem im Land war. Wenn schon Straftäter trotz Anzeigen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, was wollte man dann bei einer manipulierten Wahl erwarten?

„Es ist schon schade, dass in unserem Land so kurz vor der Jahrtausendwende trotz der vielen Verbesserungen immer noch so ein Chaos herrscht“, bemerkte Logan voller Bedauern und seine Blicke glitten über die vorbeiziehenden Gebäude und Straßen.

Bongani seufzte zustimmend. „Das stimmt. Die Apartheid ist zwar abgeschafft, aber es wird wohl noch länger dauern, bis die Wunden der Vergangenheit verheilt sind.“

Ein Schatten huschte über Logans Gesicht und er spannte sich innerlich an.

„Übrigens, wenn Sie Durst haben, Sir, die Kühlbox hinten ist voll mit Getränken.“ Bongani Mpande deutete mit dem Daumen über seine Schulter.

Logan drehte sich um, streckte den Arm aus und griff in die blaue Kühlbox, die hinter Mpandes Sitz verstaut war. Er holte eine eisgekühlte Flasche Wasser heraus, öffnete sie und reichte sie zunächst Bongani, der sie überrascht, aber dankend annahm. Anschließend versorgte Logan auch sich mit einem Getränk. Er nahm einen großen Schluck aus der Flasche und genoss das kühle Wasser, während er aus dem Fenster sah.

Der Lieutenant musterte den Major mit einem bewundernden Blick. Er hatte schon viel Positives über Hammington gehört. Nicht nur bei den Truppen, die er ausbildete und kommandierte, sondern auch bei seinen Vorgesetzten war er sehr beliebt. Er hatte eine lockere Art, mit Menschen umzugehen, und behandelte jeden fair und respektvoll. Mpande war schon auf das Training gespannt, das für seine Härte berühmt war. Er freute sich auf die Zusammenarbeit und war unheimlich stolz, mit jemandem wie Major Logan Hammington ein Team ausbilden zu dürfen.

Sie verließen die Stadt und fuhren an gepflegten Häusern vorbei. Bunte Blumen zierten die Gärten und Zäune, die Büsche waren sorgfältig geschnitten, und Logan beobachtete, wie jemand im Vorgarten arbeitete. Der Duft von frisch gemähtem Rasen stieg ihm in seine Nase und weckte unvermittelt die Erinnerung an einen Vorfall, der tiefe Narben auf seiner Seele hinterlassen hatte …

Der sechzehnjährige Logan beugte sich runter und leerte den Auffangkorb des Rasenmähers, als ein Schatten auf ihn fiel. Er richtete sich auf und sah in Mitchel Stevens’ düsteren Gesichtsausdruck. Zwei seiner Leute, die ihm ständig auf Schritt und Tritt folgten, gingen um Logan herum und positionierten sich einige Schritte hinter ihm, und obwohl es ein warmer und sonniger Vormittag war, überkam ihn jetzt ein leichtes Frösteln.

„Kann ich etwas für Sie tun, Sir?“, fragte der Junge ihn höflich.

„Du kannst tatsächlich etwas für mich tun“, erwiderte Stevens mit eisiger Stimme. „Für den Anfang kannst du mir erklären, was du gestern Nacht in meinem Haus zu suchen hattest.“

Logan schluckte und wurde blass. Doch bevor er etwas sagen konnte, fuhr sein Chef mit einem mörderischen dunklen Ton in der Stimme fort:

„Glaubst du ernsthaft, du kannst dich in mein Haus schleichen, meine Tochter unter Drogen setzen und sie vergewaltigen, ohne dass es bemerkt wird?“

Logan glaubte, sich verhört zu haben. Doch noch ehe er den Mund aufmachen konnte, griff Stevens in seine Hosentasche und warf ihm ein kleines Tütchen mit einem weißen Pulver zu, das an seiner Brust abprallte und vor seinen Füßen landete.

Logan starrte sprachlos darauf. Es war genau das, das er gestern bei Leandra auf dem Boden gefunden hatte. Völlig schockiert schüttelte er den Kopf und versuchte, sich zu rechtfertigen.

„Ich habe damit nichts zu tun, Sir!“

Die Hand seines Chefs schoss hervor und packte ihn am Kragen seines ausgeblichenen T-Shirts. „Du hältst mich wohl für total bescheuert“, brüllte er. „Glaubst du, ich weiß nicht, dass du meiner Tochter seit Wochen nachstellst?“

„Sir, ich … habe niemanden vergewaltigt und habe damit auch nichts zu tun.“

Logan zeigte mit der Hand auf das Tütchen und versuchte, sich aus dem brutalen Griff zu befreien.

„Willst du etwa sagen, dass ich lüge?“

„Nein …“

„Also sagst du, dass meine Tochter lügt?!“

„Sir, bitte …“

Mitchel Stevens stieß ihn so heftig von sich, dass Logan das Gleichgewicht verlor und beinahe gestürzt wäre.

„Niemand vergreift sich ungestraft an meiner Familie“, zischte er kaltblütig und nickte dem Mann zu, der hinter Logan stand.

Bevor Logan reagieren konnte, ergriff er ihn von hinten und schlug zu. Logan verspürte nur noch einen dumpfen Schmerz im Nacken, bis alles um ihn herum schwarz wurde.

Zögernd öffnete Logan die Augen. Die Sonne blendete ihn und unerträgliche Schmerzen durchzuckten seinen Körper. Teile seines Gesichts schienen angeschwollen zu sein, sein Mund war staubtrocken und er lag bäuchlings auf dem Boden. Er stützte sich zitternd auf seinen angewinkelten Arm und hob vorsichtig den Kopf. Völlig benommen schaute er sich um. Sein Blick fiel auf weiße Pumps, die mehrmals vor seinen Augen verschwammen, bis sie sich schließlich zu einem festen Bild zusammenfügten. Langsam sah er an den langen, schlanken Beinen hoch. Ein zartes, weißgeblümtes Kleid bewegte sich sanft im Wind.

Einen kurzen Moment verharrte sein Blick auf einer kleinen, glänzenden Perle, die an einer schmalen Kette am Ansatz eines tiefen Dekolletés baumelte. Sein Herz machte einen Sprung, als er in das vertraute hübsche Gesicht sah, das von langen, blonden Locken umrahmt war und aus dem ihn strahlend blaue Augen anlächelten.

„L-Lea …“, krächzte er. Auf seiner Zunge bemerkte er den metallischen Geschmack von frischem Blut.

Logan kniff die Augen vorsichtig zu schmalen Schlitzen zusammen, als ihr Vater sich neben sie stellte und ihr tröstend einen Arm um die Schultern legte.

Mitchel Stevens sah ihn mit einem angewidert verzogenen Gesicht an.

„Ich werde dafür sorgen, dass er für alles bezahlt, mein Schatz“, sagte er und nickte wieder jemandem zu.

Schläge und Tritte prasselten gnadenlos auf Logan ein. Er schrie und krümmte sich unter Schmerzen zusammen. Flehend sah er Leandra an, doch ihr Blick war völlig ausdruckslos. Für Logan brach eine Welt zusammen, als er sah, wie sie … lächelte. Ein eiskaltes Lächeln, das sich in ihren leuchtenden blauen Augen widerspiegelte. Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper, als ihr Vater seine Männer in einem scharfen Ton anwies, Logan zu töten …

„Da wären wir, Sir!“

Hammington fuhr zusammen und sah sich um, als wäre er gerade aus einem Albtraum erwacht.

Bongani Mpande zog die Handbremse an und grinste so breit, dass eine Reihe leuchtend weißer Zähne zum Vorschein kam.

„Herzlich willkommen in unserem bescheidenen Trainingslager.“

Der Wagen stand mitten auf einem großen Platz, der umgeben war von einstöckigen Gebäuden, die eher Baracken ähnelten und zu einem zentralen, zweistöckigen, grauen Hauptgebäude zusammenliefen.

Die beiden Männer stiegen aus.

„Ihre Unterkunft ist dort drüben, Sir“, sagte der Lieutenant und zeigte mit seinem schlanken, langen Finger auf ein Gebäude auf der rechten Seite, „Sie können sich erst mal einrichten, in Ruhe ankommen und danach zeige ich Ihnen alles.“

Bongani holte das Gepäck aus dem Kofferraum, während Logan seinen Blick über das Militärgelände schweifen ließ. Er war erschüttert über den Anblick, der sich ihm bot. Ihm war zwar klar, dass dieser Stützpunkt seit Jahren verwaist war, doch ein dermaßen heruntergekommenes Lager war eine Zumutung.

In einer Ecke erblickte er zwei SAMIL-20-Trucks, die teils offene Fahrerkabinen hatten und auf deren Verladeflächen es Platz für bis zu zehn Personen oder einige Tonnen Militärausrüstung gab. Die Trucks hatten einen Allradantrieb und waren damit ideal für Einsätze in unwegsamem Gelände. Die Lkw waren jedoch in einem noch bescheideneren Zustand als der Toyota, mit dem er hergebracht worden war.

Wenn schon der Stützpunkt zu wünschen übrig ließ, was war wohl von der Truppe zu erwarten? Eine dunkle Vorahnung überkam ihn.

„Das kann ich im Anschluss machen. Zuerst will ich die Rekruten sehen.“

KAPITEL 4

Hammingtons Truppe bestand aus zwanzig Soldaten, die ein strenges Auswahlprogramm durchlaufen und eine schwere Aufnahmeprüfung absolvieren mussten, um in die Sondereinheit aufgenommen zu werden. Nur wer die besten Ergebnisse erbrachte, bekam die Chance auf diese Spezialausbildung.

Die Kadetten hatten sich in einer Reihe schnurgerade aufgestellt, die Blicke waren nach vorn gerichtet.

Der hochgewachsene Major betrachtete sie zusammen mit Lieutenant Bongani Mpande, der die Truppe zuvor herbeordert hatte, mit einem taxierenden Blick. Die fünffarbige Camouflage-Uniform umspannte straff seinen muskulösen Körper, und mit seinen breiten Schultern wirkte er wie ein Koloss, der die Anwesenden wie ein Turm überragte. Er hatte sein rotes Barett gegen eine Feldmütze getauscht, deren Schirm er tief ins Gesicht gezogen hatte. Breitbeinig und mit hinter dem Rücken verschränkten Händen stellte er sich vor. Seine tiefe Stimme hallte laut und deutlich über das Gelände.

„Mein Name ist Major Logan Hammington. In den nächsten Wochen werdet ihr zu einer Sondereinheit ausgebildet, die die Polizei von Pietermaritzburg bei der Eindämmung der Aufstände unterstützen und den neuen Bürgermeister vor Angriffen schützen soll. Bevor wir den Ausbildungs- und Trainingsplan im Detail durchgehen, will ich jedoch wissen, wer ihr seid und was ihr könnt.“

Der Verwalter, Sjef de Rijk, ein kleiner, rundlicher Niederländer, der ebenfalls anwesend war, wühlte hektisch in einem Papierstapel herum, den er mit sich trug, und reichte Mpande schließlich eine Namensliste. Dieser stellte sich neben Hammington und rief die Namen der Kadetten nacheinander auf.

Jeder, der aufgerufen wurde, machte einen Schritt nach vorn und stellte sich ausführlich vor. Fast alle hatten Kampferfahrung, wirkten kräftig und Logans anfängliche Bedenken fingen an, zu verblassen.

Als der Name Candle aufgerufen wurde und eine weibliche Stimme ertönte, traute er seinen Ohren nicht. Mit leicht zur Seite geneigtem Kopf und zusammengekniffenen Augen ging er auf die Person zu und blieb vor ihr stehen. Mit einem langen und prüfenden Blick überzeugte er sich davon, dass ihm seine Ohren keinen Streich gespielt hatten und tatsächlich eine Frau vor ihm stand. Als solche hatte er sie auf den ersten Blick gar nicht wahrgenommen, denn mit einer Frau in seiner Truppe hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Da platzte ihm endgültig der Kragen.

„Habt ihr sie noch alle?“ Hastig drehte er sich um und brüllte seine Begleiter an. „Was hat eine Frau hier zu suchen?“

Bongani Mpande senkte verwirrt seinen Blick. Sjef de Rijk zuckte hingegen nur mit den Schultern und antwortete ruhig: