Hurting Love: Heile mein Herz - Leah Docks - E-Book
NEUHEIT

Hurting Love: Heile mein Herz E-Book

Leah Docks

0,0

Beschreibung

Adriana Vance ist eine erfolgreiche und selbstbewusste Geschäftsfrau. Ihre Werbeagentur genießt hohes Ansehen in der Branche. Doch die Scheidung ihrer Eltern sowie eine traumatische Beziehung haben sie so stark geprägt, dass sie keine tiefergehenden Gefühle – geschweige denn Liebe – an sich heranlassen kann. Die Einladung zu einem High School-Treffen führt sie in ihren Heimatort, zurück aufs Land. Adriana hat längst mit ihrem früheren Leben abgeschlossen und nimmt die Einladung nur widerwillig an. Dort trifft sie auf ihren damaligen Klassenkammeraden Ryan Dawson und sofort entflammt die Leidenschaft. Eine gemeinsame Nacht weckt bei beiden die Lust auf mehr, doch Adriana hat viel zu viel Angst vor einer festen Beziehung. Deshalb beginnen sie eine unverbindliche, lockere Affäre. Was Adriana jedoch nicht weiß, ist, dass Ryan bereits seit der Highschool in sie verliebt ist. Aber auch ihr Ex ist nach wie vor in ihrem Leben und bereitet ihr große Probleme. Adriana gelangt schließlich an den Punkt, an dem sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss, damit ihre Zukunft eine Chance hat.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 437

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0


Sammlungen



Leah Docks

Hurting Love: Heile mein Herz

© 2023 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

[email protected]

Covergestaltung: © Sabrina Dahlenburg

(www.art-for-your-book.de)

Coverfoto: © Shutterstock

ISBN Print: 978-3-86495-590-7

ISBN eBook: 978-3-86495-591-4

Alle Rechte vorbehalten. Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Darsteller, Orte und Handlung entspringen entweder der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv eingesetzt. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Vorkommnissen, Schauplätzen oder Personen, lebend oder verstorben, ist rein zufällig.

Dieses Buch darf ohne die ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin weder in seiner Gesamtheit noch in Auszügen auf keinerlei Art mithilfe elektronischer oder mechanischer Mittel vervielfältigt oder weitergegeben werden. Ausgenommen hiervon sind kurze Zitate in Buchrezensionen.

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Epilog

Autorin

Kapitel 1

Die Straße schien nie enden zu wollen. Wohin man auch sah, erstreckten sich weite, flache Felder. Nur vereinzelte, schmale Wege schlängelten sich wie Äste von der Landstraße weg und verschwanden hinter dichten Weizen- und Maisfeldern. Ab und zu tauchte eine alte Eiche am Straßenrand auf, die einen langen Schatten auf den Asphalt warf, da die Sonne bereits den Horizont berührte und den Himmel in leuchtendes Orange tauchte, das in zarte rötliche Töne überlief.

Ein Schatten huschte unerwartet über die Straße und ein scharfer Tritt auf das Bremspedal löste ein schrilles Quietschen bremsender Reifen aus, bevor das Tier blitzschnell im Kornfeld verschwand. Schmale, zarte Hände krallten sich fest ins Lenkrad. Adriana Vance starrte erschrocken vor sich hin und versuchte, ihren rasenden Herzschlag wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Ruckartig fiel ihr Blick in den Rückspiegel. Bei einer derartigen Vollbremsung kracht mir bestimmt gleich jemand hinten rein, schoss es ihr sofort durch den Kopf, doch weder hinter noch vor ihr gab es ein anderes Fahrzeug. Sie war ganz allein auf einer Landstraße im abgelegenen Hinterland Connecticuts.

Genervt rollte sie mit den Augen. „Blödes Vieh!“, schnaufte sie verärgert, sammelte sich und gab wieder Gas. Der Twin-Turbo-Motor des silbergrauen Aston Martin V12 Vantage röhrte auf, als er wieder über die verlassene Landstraße fuhr.

Ihr Blick glitt angestrengt über die einsame Gegend, suchte vergeblich nach etwas und richtete sich dann auf das Display des Bordcomputers, auf dem die Route zu sehen war.

„Das kann doch nicht richtig sein“, murmelte sie gereizt und trommelte nervös mit dem Daumen auf das Lenkrad. Hatte sie sich verfahren? Vielleicht eine Abzweigung verpasst, als vorhin das GPS-Signal verschwand und die Navigation unterbrochen wurde? Mit großer Willenskraft versuchte sie, die aufsteigende Missstimmung, die tief in ihrem Inneren brodelte, im Zaum zu halten.

Schließlich betätigte sie einen Knopf auf dem Lenkrad und die Musik, die leise aus den Lautsprechern drang, wurde durch ein tutendes Freizeichen unterbrochen. Kurz darauf meldete sich eine fröhliche, weibliche Stimme.

„Hey, Süße.“

„Sag mal, bist du sicher, dass du mir die richtige Adresse gegeben hast? Ich fahre schon seit einer knappen Stunde durch die Einöde, aber hier ist weit und breit kein einziges Gebäude zu sehen, nicht einmal irgendwelche Ortsschilder.“

„Ach, dann bist du schon fast da. Es müsste bald eine Rechtskurve kommen und dann bist du schon am Ziel. Kannst du gar nicht verfehlen. Bis gleich.“

Adriana rollte genervt mit den Augen und massierte mit Daumen und Zeigefinger ihre Nasenwurzel, weil das angeblich beruhigen sollte. Warum hatte sie sich nur zu diesem Schwachsinn überreden lassen? Warum veranstaltete man überhaupt Klassentreffen? Wen interessierte es denn, was aus den Leuten von damals, nach lächerlichen zehn Jahren, geworden war?

Adriana war achtundzwanzig, lebte in New York City, war eine erfolgreiche Geschäftsfrau und stand mitten im Leben. Ursprünglich kam sie aus der Gegend, durch die sie gerade fuhr. Doch sie hatte längst mit ihrem früheren Leben abgeschlossen: ihrem Heimatort, ihrem Elternhaus und vor allem mit der Schulzeit, dem Zeitabschnitt ihres Lebens, den sie am liebsten vollständig aus ihrem Gedächtnis streichen würde. Denn nicht nur die ländliche Gegend, sondern auch die Highschool-Zeit erinnerten sie an ihren ersten, schmerzhaften Schicksalsschlag.

Ihre Finger klammerten sich fester um das Lenkrad. Für den Bruchteil einer Sekunde schloss sie die Augen und ließ die Erinnerung daran zu.

Als Kind war Adriana ein fröhliches, glückliches und aufgewecktes Mädchen gewesen. Sie lebte mit ihren Eltern in einem Einfamilienhaus mit großem Garten, einem kleinen Teich, umgeben von sattem Grün, fernab von Großstadtlärm und Hochhäusern. Doch schon bald veränderte sich ihr traumhaftes Leben drastisch. Als die Pubertät an der Türschwelle stand und man sich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich zu verändern begann, als die Gefühls- und die Gedankenwelt bis an ihre Grenzen aufgewühlt waren und einen verwirrt und hilflos zurückließen, beschlossen ihre Eltern, sich scheiden zu lassen.

Ihre heile Welt brach innerhalb von Sekunden zusammen. In dem einen kurzen Moment, als ihre Eltern ihr beim Abendessen am Esstisch gegenübersaßen, sie mit einem mitleidvollen, aber entschlossenen Blick ansahen und wie aus einem Mund ihre Trennung verkündeten, zersplitterte das strahlende Bild einer glücklichen Familie in tausend Teile und prasselte mit voller Wucht auf sie hinab. So sehr sie sich auch gegen die Entscheidung ihrer Eltern wehrte, sich dagegen verschloss, es nicht wahrhaben wollte, wachte sie doch jeden Morgen mit der Gewissheit auf, dass sie keine vollwertige Familie mehr waren.

Die Scheidung ihrer Eltern entwickelte sich zu einem schmutzigen Rosenkrieg. Sie stritten sich um das Sorgerecht, um das Haus und um das Geld, ihr Vater unterstellte ihrer Mutter Untreue, wobei sie ihn wiederum für einen Alkoholiker hielt. In einer Kleinstadt wie Winsted, nordwestlich von Hartford, war das fatal. Jeder wusste sofort über alles Bescheid. Es wurde getuschelt und mit dem Finger auf einen gezeigt. Adriana hasste es deswegen, vor die Tür zu gehen. Doch zu Hause war die Stimmung auch nicht besser. Das angespannte Verhältnis zwischen ihren Eltern zerriss sie regelrecht. Ihren Vater liebte sie über alles und ertrug den Gedanken kaum, ihn womöglich bald nur noch an wenigen Tagen im Jahr sehen zu dürfen. Doch noch schlimmer für sie war, dass er nicht mehr so liebevoll mit ihr umging, wie sie es gewohnt war. Er war ständig gereizt und ließ seine schlechte Laune oft an ihr aus. Und ihre Mutter war aufgrund der permanenten Streitereien nur noch ein Nervenbündel, das bei jeder Kleinigkeit explodierte.

Die Familiensituation erdrückte Adriana. Sie begann, sich zurückzuziehen, wurde zusehends still. In der Schule hielt sie sich immer mehr im Hintergrund, vermied es aufzufallen, um bloß nicht auf die Scheidung ihrer Eltern angesprochen zu werden. Ihre Freundinnen wandten sich irgendwann von ihr ab, weil sie nichts mehr mit ihnen unternehmen wollte, nicht einmal mehr reden. In der Kleinstadt kursierten fiese Gerüchte über ihre Eltern und einige Mitschüler begannen, sie deswegen zu hänseln und zu ärgern.

Ein großer Kloß bildete sich bei dieser Erinnerung in ihrer Kehle.

Doch zu Beginn des Abschlussjahres kam eine neue Mitschülerin in die Klasse: Kaylee Summers. Sie hatte lange blonde Haare, die mit einem glitzernden Haarband zusammengebunden waren, trug modische Jeans und ein bauchfreies, luftiges Top, als sie der Klasse vorgestellt wurde. Die Jungs waren von ihr begeistert. Einige nahmen sofort ihre Rucksäcke von den Stühlen, um zu demonstrieren, dass der Platz neben ihnen frei war. Umso entsetzter starrten alle Mitschüler sie an, als sie sich neben Adriana setzte. Ein verständnisloses Raunen ging durch die Tischreihen. Sofort wurde getuschelt und gekichert. Doch Kaylee nahm davon keine Notiz und lächelte ihre neue Sitznachbarin freundlich an. Mit ihrer fröhlichen und offenen Art schaffte sie es, Adriana aus ihrem Schneckenhaus zu locken und sich mit ihr anzufreunden. Kaylee bemerkte sofort, wie die Klassenkameraden mit Adriana umgingen, nahm sie in Schutz und innerhalb kurzer Zeit traute sich keiner mehr, Adriana auch nur schief anzugucken.

Sogar zehn Jahre später waren sie immer noch eng befreundet, auch wenn sie mittlerweile weit weg voneinander wohnten.

Vielleicht war es Dankbarkeit, die Adriana dazu brachte, Kaylees Drängen wegen des Klassentreffens nachzugeben und aufs Land zu fahren. Wie gut, dass Adriana in Hartford auch noch ein wichtiges Geschäftstreffen hatte. Sie kombinierte gerne Termine miteinander, um ihre knappe Zeit so effizient wie möglich zu nutzen. So konnte sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klatsche schlagen.

Die Landstraße machte eine scharfe Rechtskurve und gab den Blick auf ein kleines, hübsches Gasthaus zwischen großen, breiten Roteichen frei. Eine niedrige Steinmauer mit einigen emporragenden Säulen umgab das Gelände. Entlang der Mauer blühten zahlreiche bunte Feldblumen und verliehen dem Gasthaus einen märchenhaften Charme. Zwischen der Straße und der Einfahrt stand ein großer Stein mit einem rechteckigen Schild aus Messing, das die geschwungene, gut leserliche Aufschrift The Farmers Inn trug. Verschnörkelte Laternen erleuchteten sowohl die Einfahrt als auch den Innenhof. An der Seite führte ein blühender Rundbogen in einen Biergarten, der selbst nach der einbrechenden Dämmerung noch proppenvoll war. Adriana wunderte sich, dass es in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt so viele Menschen gab.

Skeptisch betrachtete sie das grün gestrichene Tor, als der Aston die Einfahrt passierte und sie sich nach einem geeigneten Parkplatz umsah. Der Innenhof war sehr groß und bot viel Platz zum Parken. Das schlichte Gebäude mit Holzverkleidung, welches als Location für das Klassentreffen ausgewählt wurde, war hell erleuchtet, die Doppeltür weit geöffnet. Aus dem Inneren drang Countrymusik. Oh, bitte nicht! Adriana seufzte kläglich. Ihrer Meinung nach war Country die allerschlimmste Art von Musik.

Irgendwie konnte sie es nicht fassen, dass sie tatsächlich wieder in ihrer alten Heimat war, obwohl sie sich geschworen hatte, nie wieder zurückzukehren. Hier erinnerte sie einfach alles sehr schmerzhaft an den Zerfall ihrer Familie, besonders an den Tag, an dem ihr Vater sie schließlich verließ.

Sie hatte Connecticut und ihrem Elternhaus direkt nach der Highschool den Rücken gekehrt und war nach New York gegangen. Sie hatte studiert, sich zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau hochgearbeitet und sowohl innerlich als auch äußerlich stark verändert. Von dem stillen, traurigen Mädchen war nichts mehr übrig geblieben. Sie war selbstbewusst, sexy und genoss ihr neues Leben. Dennoch stieg nun eine leichte Nervosität in ihr auf. Werden gleich wieder alle tuscheln, wie damals in der Highschool? Werden wieder unangenehme Fragen gestellt? Aber vielleicht erkennt mich auch niemand wieder, hoffte Adriana, als sie den Eingang des Gasthofes musterte, an dem zwei junge Männer mit einer Frau standen und rauchten. Mit neugierigen Blicken folgten sie dem schicken Luxuswagen, der an ihnen vorbeirollte.

Adriana parkte ihren Wagen, klappte die Sonnenblende herunter, warf einen Blick in den integrierten Spiegel und überprüfte ihr Make-up. Die dezent geschminkten Augen leuchteten geheimnisvoll. Die zarte Gesichtshaut war makellos. Die langen Haare glänzten in einem warmen Braunton und lagen perfekt. Adriana war absolut zufrieden mit ihrem äußeren Erscheinungsbild.

Ein leiser Ton ertönte aus ihrer Handtasche. Sie holte ihr Smartphone heraus und las die Nachricht. „Bin schon auf dem Weg. Ich freue mich total. Kaylee.“

„Da bist du wohl die Einzige“, brummte Adriana und unterdrückte nur mit Mühe ihren Unmut darüber, dass ihre beste Freundin sich verspätete. Sie musste sich unbedingt beruhigen. Obwohl sie absolut keine Lust auf das Treffen hatte, wollte sie Kaylee zuliebe nicht als griesgrämige Zicke auftreten. Also straffte sie ihre Schultern, atmete tief ein und stieß die Luft langsam aus. Mit einem tiefen Seufzer stieg sie schließlich aus dem Wagen und betrat das Gebäude.

Die Festhalle war hell erleuchtet und sehr altmodisch dekoriert. Überall hingen bunte Luftballons sowie einfache Lichterketten und die Stehtische aus Holz wirkten überhaupt nicht einladend. Aus den Musikboxen dröhnte Countrymusik und weiter hinten in dem großen Raum standen einige Stellwände, die mit Fotos aus der Highschool-Zeit beklebt waren.

Die Partylaune wollte sich bei Adriana partout nicht einstellen und sie seufzte kläglich, als plötzlich jemand ihren Namen rief. Überrascht drehte sie sich um. Neben dem Eingang stand ein länglicher Tisch mit einer weißen Tischdecke, auf dem viele Namensschildchen verteilt waren. Dahinter stand eine junge Frau mit kurzen schwarzen Haaren und Brille, die sie eifrig zu sich winkte.

„Hallo, Adriana. Mein Gott, ich habe dich kaum wiedererkannt. Schön, dass du heute hier bist. Du siehst wirklich toll aus!“, sagte sie fröhlich und bedachte Adriana mit einem bewundernden Blick.

Adriana nickte mit einem aufgesetzten Lächeln und konnte sich beim besten Willen nicht an den kompletten Namen der Schwarzhaarigen erinnern. Sandra McIrgendwas. Sie saß während der kompletten Schulzeit immer in der ersten Reihe und meldete sich ständig für irgendwelche Klassendienste: Klassenbuchdienst, Gerätedienst, Tafeldienst. Jedes Mal, wenn es etwas zu organisieren gab, war sie ganz weit vorne mit dabei. Sicherlich war sie auch für dieses Treffen hier verantwortlich. Adrianas Augen glitten oberflächlich über den Tisch.

„Hier ist dein Namensschildchen. Am besten befestigst du es vorne, so wie ich.“ Sandra reichte ihr ein rechteckiges Kärtchen mit einer Nadel und tippte mit dem Finger auf ihr eigenes Namensschildchen, das auf der linken Seite, oberhalb der Brust, befestigt war.

„Sicher“, bemerkte Adriana zurückhaltend und nahm das Schild entgegen.

„Dein Kleid ist ein Traum“, schwärmte Sandra.

Adriana bedankte sich freundlich, konnte das Kompliment jedoch nicht erwidern. Von Abendgarderobe schien hier wohl kaum einer etwas zu halten. Die meisten hatten lediglich T-Shirts und Jeans oder einfache Kleider mit Strickjacken an. Seufzend ging sie zur Theke, um sich einen Drink zu bestellen. Sie legte sich ihren schwarzen Blazer, den sie kurz vor dem Eintreten ausgezogen hatte, über den Unterarm und steckte das Namensschildchen in die Handtasche. Als ob mein Name hier irgendjemanden interessiert, dachte sie.

„Brauchst du noch lange?“, tippte sie schnell eine Nachricht an Kaylee in ihr Smartphone.

Kapitel 2

Nach und nach füllte sich die Festhalle des Gasthofs. Fröhliche Stimmen vermischten sich mit der dröhnenden Countrymusik, als Ryan Dawson lachend eintrat. Sein bester Freund, Kane Lewis, rief den Rauchern vor der Eingangstür noch etwas zu, bevor er sich grinsend auf Ryans Schultern stützte.

„Party, Party, Party! Heute wird so richtig die Sau rausgelassen. Hey, Sandy“, wandte er sich an die Schwarzhaarige mit den Namensschildchen, „wo kriegt man hier anständige Drinks?“

Mit dem Arm um Ryans Schultern schob er ihn zum Tisch mit den Namensschildchen. Dabei sah Ryan zufällig zur Seite und sein Blick fiel auf eine sehr ansehnliche Rückenpartie einer Frau, die am anderen Ende der Halle an einem Stehtisch stand. Die hochhackigen Schuhe, die die Farbe eines schaumig cremigen Milchkaffees hatten, streckten ihre langen, schlanken Beine, die kurz über den Knien unter einem eng anliegenden schwarzen Kleid verschwanden. Sein Blick verharrte zunächst auf ihrem Po, der von dem Stoff des Kleides sehr sexy umspannt wurde. Als er jedoch weiter hochsah und den breiten Taillengürtel erreichte, der die gleiche Farbe wie die Schuhe hatte, kehrte sein Blick für einen Moment noch mal zu ihrem Po zurück. Seine Lippen schürzten sich anerkennend, während er den Kopf leicht schräg legte. Danach inspizierte er die Frau weiter. Ihre langen braunen Haare schlängelten sich wie fließende Seide auf ihrem Rücken und den Schultern.

Ein Stoß gegen die Schulter löste seinen Blick abrupt von der Frau.

„Komm, wir holen uns erst mal ein Bier“, hörte er Kane sagen, nahm sein Namensschildchen entgegen und ging mit ihm zur Theke.

„Fuck, ich habe wegen des megakrassen Schlittens da draußen immer noch einen Ständer“, sagte Ryan, der eine Schwäche für Sportwagen hatte und gerade eben auf einen Aston Martin V12 Vantage gestoßen war.

Kane lehnte lässig an der Theke und nahm einen Schluck Bier.

„Wegen des megakrassen Schlittens da draußen oder der hammerheißen Braut hier vorne?“, fragte er dann grinsend, denn der Gesichtsausdruck seines Kumpels, als er vorhin die Frau am Stehtisch gierig gemustert hatte, war ihm nicht entgangen. Ryan musste daraufhin ebenfalls grinsen, wobei sein Blick wieder den sexy Hintern der Brünetten streifte.

„Los, schnapp sie dir, Tiger!“, feuerte Kane ihn mit einem auffordernden Flüstern an.

Obwohl Ryan spürte, dass sein Schwanz extrem wild auf die Frau reagierte, ließ ihm der Sportwagen vor der Tür keine Ruhe. „Lass uns erst rausfinden, wem der Aston Martin gehört. Ich hätte jetzt richtig Bock auf eine 700-PS-Spritztour.“

Bei der Vorstellung an den grollenden Sound des Motors eines V12 Vantage und die rasante Geschwindigkeit bekam nicht nur er, sondern sogar Kane eine Gänsehaut.

„Was glaubst du, wem er gehört?“, überlegte Ryan.

Beide sahen sich ihre früheren Mitschüler, die alle mittlerweile Ende zwanzig und längst nicht mehr die pubertierenden, Zahnspangen tragenden und mit Gesichtspickeln kämpfenden Jugendlichen waren, stirnrunzelnd an. Doch keiner sah auch nur ansatzweise wie der Besitzer eines Luxuswagens aus.

„Hm, vielleicht einem, der hinten im Biergarten sitzt“, mutmaßte Kane. „Irgendeinem fetten, reichen Sack mit Glatze und einer heißen asiatischen Braut, die seinen Gärtner vögelt, während er auf Geschäftsreisen ist.“

Ryan grunzte.

„Das ist meiner“, ertönte plötzlich eine ruhige Stimme neben ihnen.

Die beiden Männer drehten sich gleichzeitig um. Die hübsche Brünette stand mit einem Glas Weißwein in der Hand am Stehtisch und tippte einhändig etwas in ihr Smartphone. Bei dem Anblick, der sich Ryan bot, musste er seine Lippen befeuchten. Das Kleid hatte einen raffinierten Ausschnitt und enthüllte gerade so viel, dass die Fantasie der Männer angeregt wurde. Am Ansatz des Dekolletés funkelte ein Edelstein in Tropfenform an einer feinen Kette. Die Ohrringe, passend zur Kette, reichten ihr bis zur Mitte des Halses und blitzten auf, wenn sie ihren Kopf bewegte. Dann führte sie ihr Glas an die Lippen und sah von ihrem Smartphone auf. Seelenruhig trank sie ihren Wein, während sie Ryans Blick scheinbar unbeirrt standhielt.

Fuck, wurden gerade seine Knie weich?

„Der Aston gehört dir?“, hörte er Kane neben sich skeptisch fragen.

„Man sieht euch regelrecht an, wie die Vorstellung an einen fetten Reichen, der eine heiße Asiatin vögelt, wie eine Seifenblase zerplatzt“, erwiderte Adriana amüsiert.

Ryan hoffte, dass er sie nicht allzu lange wie ein Vollidiot angestarrt hatte, als er schließlich seine Augenbrauen verdutzt kräuselte und mit leicht zur Seite geneigtem Kopf auf sie zukam. „Adriana? Adriana Vance?“

Na toll, jetzt gehts los, dachte sie. Du hast dich ja so verändert. Ich habe dich gar nicht wiedererkannt. Bla, bla, bla. Sie unterdrückte ein Augenrollen und wappnete sich innerlich gegen die bevorstehenden Bemerkungen.

„Hi“, sagte er schließlich.

Sie war auf alles gefasst, nur nicht auf diesen warmen Schauer, der beim Klang seiner tiefen, weichen, leicht heiseren Stimme in ihrem Körper ausgelöst wurde. Sie streckte selbstbewusst ihre Schultern, aber da Ryan sehr groß war, musste sie ihren Kopf zurücklegen, um ihn direkt ansehen zu können. Dabei fragte sie sich, ob er eigentlich immer schon so groß war. Das einzige Mal, dass er sich bisher so dicht neben ihr befunden hatte, war, als sie beide in der Hocke saßen und er ihr half, die Bücher aufzusammeln, die ihr beim Tragen runtergefallen waren. Das war das einzige Mal, dass ihr einer in der Highschool geholfen hatte, und diese Geste war unheimlich nett von ihm gewesen.

War Ryan eigentlich jemals gemein zu ihr gewesen? Eigentlich waren es immer die gleichen mit ihren dämlichen Scherzen: Jessica Young, deren Freundin Melody Price und der Kapitän des Schulbasketball-Teams, Steven Sullivan. Die anderen Mitschüler sahen eigentlich nur zu oder lachten sie aus. Hatte Ryan auch über sie gelacht? Sie konnte sich nicht daran erinnern.

„Hi“, erwiderte sie und hoffte, dass man die Verunsicherung in ihrer Stimme nicht hören konnte.

„Du bist doch nie im Leben Adriana Vance“, polterte Kane Lewis ungläubig und stieß seinen Ellbogen mit so einer Wucht auf den Stehtisch, dass dieser stark zu wackeln begann.

Und da war schon der erste nervige Kommentar, auf den Adriana absolut keine Lust hatte.

„Stimmt! Das bin ich nicht“, entgegnete sie schnippisch, ergriff ihr Weinglas, bevor der Inhalt durch das Wackeln überschwappen konnte, ging augenrollend um Ryan herum und stolzierte davon.

Kane wandte sich direkt an seinen Kumpel. „Komm schon, Mann, das ist sie nicht. Never ever!“

„Oh, doch. Das ist sie“, erwiderte dieser, legte seinem besten Freund die Hand auf die Schulter und sah ihr beeindruckt hinterher.

Adriana ging langsam an den Stellwänden mit den Fotos entlang. Mit ihrem Glas in der Hand, an dem sie zwischendurch nippte, betrachtete sie die Aufnahmen aus der Schulzeit. Es waren viele Gruppenfotos dabei, einige von den Ausflügen oder Klassenfahrten, teils waren es Porträtfotos von dem jährlichen Besuch des Fotografen.

Auf einem Foto sah sie ein blasses, mageres Mädchen mit kurzen Haaren und eingezogenem Kopf, das abseits am Giraffengehege stand, während andere Mitschüler lachend posierten. Ein Hauch von Traurigkeit erfüllte sie, denn sie erinnerte sich ganz genau an diesen Tag. Als sie nach dem Schulausflug in den Zoo nach Hause kam, war ihr Vater ausgezogen. Sie wusste noch, wie entsetzt sie darüber gewesen war und bis tief in die Nacht geweint hatte.

Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals und sie trank schnell einen Schluck aus ihrem Glas, um diesen hinunterzuspülen. Da fiel ihr Blick auf ein Bild, das sie nicht kannte. Sie selbst war auf dem Bild zu sehen, stand mit einigen Kärtchen in der Hand vor der Tafel und hielt offensichtlich ein Referat. Stirnrunzelnd betrachtete sie die Aufnahme und versuchte vergeblich, sich an diesen Tag zu erinnern, und fragte sich, wer das Foto wohl geschossen hatte.

„Ich habe dich immer beneidet“, hörte sie plötzlich jemanden neben sich sagen.

Mit vor Erstaunen geweiteten Augen drehte sie den Kopf und musste ihn dann leicht anheben.

„Wie bitte?“

Ryan Dawson stand direkt neben ihr. Seine Hände steckten in den Vordertaschen seiner dunklen Jeans, die ihm – das musste sie zugeben – sehr gut stand und seine durchtrainierten Beine vorteilhaft betonte. Außerdem trug er ein hellblaues Hemd, das seine breiten Schultern und Oberarme umspannte, und ihre Vermutung bestätigte, dass er ziemlich gut gebaut sein musste.

„Du hattest immer Bestnoten“, antwortete er mit Blick auf das Referat-Foto. „Ich habe nie verstanden, wie das möglich war. Vor allem in Fächern wie Physik und Erdkunde.“

Adriana hob fragend eine Augenbraue. „Du hast nie verstanden, dass man gute Noten bekommt, wenn man fleißig lernt?“

„Hey, ich habe auch gelernt. Sehr viel sogar.“

Bei dem rechtfertigenden Unterton in seiner Stimme, der wohl überzeugend klingen sollte, musste sie schmunzeln.

„Einmal“, Ryan hob triumphierend seinen Finger, „ein einziges Mal hatte ich fast die Höchstpunktzahl bei einem Test erreicht. Gott, ich war so stolz.“ Er atmete tief durch. „Dann kam jedoch heraus, dass du die volle Punktzahl hattest.“

Adriana lachte leise auf, versuchte dann aber vergeblich, mitfühlend zu gucken. Es war schon süß, wie er versuchte, Konversation zu führen. „Eine fast erreichte Höchstpunktzahl ist auch eine gute Leistung“, sagte sie schließlich.

Ryan grunzte. „Ja klar. Ein Wagen ist letztendlich auch nur ein Wagen. Aber du hast ausgerechnet einen Aston Martin V12 Vantage.“

Bei dem plötzlichen Themenwechsel stutzte sie kurz, unterdrückte dann aber ein schelmisches Augenrollen. „Der hat es dir angetan, was?“

Adriana grinste ihn über den Rand ihres Weinglases hinweg an und bemerkte, wie seine Augen aufblitzten.

„Zeig mir einen Mann, der nicht auf Sportwagen steht“, zwinkerte er ihr grinsend zu. „Lässt du mich ihn mal fahren?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Ganz sicher nicht.“ Sie wandte sich wieder den Bildern zu.

„Nur mal Probesitzen?“

„Nein.“

Adriana hob schnell ihr Glas an die Lippen, um bei seinem enttäuschten Seufzer nicht zu kichern. Irgendwie gefielen ihr seine Aufmerksamkeit und sein offensichtliches Interesse an ihr. Das erkannte sie an seinem Blick, ohne dass er auch nur ein Wort darüber verlor. Dieser Blick schmeichelte ihr und weckte unvermittelt ein sehnsüchtiges Ziehen in ihrem Unterleib.

Sie schlenderte an ihm vorbei und setzte ihre Rundreise an den Stellwänden fort. An der letzten Wand waren Fotos von der Abschlussfeier zu sehen. Alle Anwesenden waren sehr schick gekleidet. Die Jungs im Anzug und Krawatte, die Mädels in traumhaften Abendkleidern. Bei einem Foto musste sie schmunzeln. Darauf war sie mit Kaylee zu sehen. Nach ihren Kleidern hatten sie wochenlang gesucht und vor dem Abschlussball hatten sie sich hübsche Hochsteckfrisuren gemacht und sich gegenseitig beim Schminken geholfen. So viel Spaß, wie an diesem Abend, hatte sie die ganze Schulzeit über nicht gehabt.

„Ich wollte dich an dem Abend zum Tanzen auffordern“, hörte sie Ryan sagen, der irgendwie wieder neben ihr stand, „aber ich hatte mich nicht getraut.“

„Du hattest wohl Angst, sie würden dich alle auslachen“, erwiderte Adriana und versuchte, die Bitterkeit in ihrer Stimme zu verbergen.

„Nein“, fuhr Ryan unbeirrt fort. „Ich hatte Angst, du würdest ablehnen und mich wie einen Trottel stehen lassen.“

Sie sah verwundert zu ihm auf. Er hatte es vollkommen ernst gemeint. Das war ganz deutlich aus seiner Stimme herauszuhören.

Ryan bemerkte ihren Blick zunächst nicht, denn er war in das Bild an der Stellwand vertieft. Plötzlich drehte er seinen Kopf und sah sie an. Der Blick aus seinen dunkelgrauen Augen war so intensiv, dass sie ihre Oberschenkel zusammenpressen musste, um das Pulsieren zwischen ihren Beinen zu bändigen.

„Aber heute bin ich nicht mehr so schüchtern.“ Nun drehte er sich mit dem ganzen Körper zu ihr um und stellte sich so dicht vor sie, dass der Duft seines Eau de Toilette in ihre Nase drang. Er roch so gut, so männlich. Beinahe hätte sie die Augen geschlossen und geseufzt. Er beugte seinen Kopf zu ihr runter. „Würdest du mit mir tanzen?“, drangen seine Worte zu ihr durch.

Obwohl er freundlich und höflich gefragt hatte, lag in seiner tiefen, rauen Stimme ein derart verlangender Unterton, dass sich die Muskeln in ihrem Unterleib sehnsüchtig zusammenzogen und ihr Kopfkino anfing, unglaublich schmutzige Bilder vor ihrem inneren Auge zu projizieren.

Räuspernd fing sie sich wieder. Ein Nein kam ihr unbewusst und so schnell über die Lippen, dass es schon an Unhöflichkeit grenzte. Und irgendwie war dieses Verhalten Ryan gegenüber auch nicht fair, immerhin war er stets freundlich zu ihr gewesen. Leicht beschämt senkte sie den Blick und drängte sich an ihm vorbei.

„Was? Wieso?“, fragte er verdutzt und folgte ihr.

Adriana drehte sich um und machte eine ausschweifende Handbewegung. „Weil ich ganz bestimmt nicht zur nervtötenden Countrymusik tanze.“

Diese Erklärung fand sie plausibler als die Tatsache, dass dieser Kerl viel zu gefährlich für sie war, denn er sorgte bei ihr schon allein mit seiner Stimme für ein feuchtes Höschen.

Ryan runzelte leicht die Stirn. Ihre Worte passten so gar nicht zu dem feurigen Aufblitzen in ihren Augen. Doch er merkte deutlich, dass ihre – seiner Meinung nach – gespielte Ablehnung lediglich seinen Jagdinstinkt anstachelte.

„An der Musik soll es nicht scheitern“, sagte er verwegen, grinste vielsagend und Adriana registrierte erneut ein verdächtiges Prickeln auf ihrer Haut. Unwillkürlich musste sie schmunzeln. Das Lächeln auf ihrem Gesicht erstarb allerdings, als sie sich umdrehte und plötzlich Jessica Young, ihrer Erzfeindin aus der Highschool, gegenüberstand.

Damals hatte Adriana immer ein unbehagliches Gefühl in ihrer Gegenwart verspürt. Jessica war hübsch und bei allen beliebt, doch sie war auch gemein und furchtbar arrogant. Sie schien immer sehr viel Spaß daran zu haben, Adriana zu erniedrigen oder sich über sie lustig zu machen.

„Na, wenn das nicht unsere Streberin ist“, gab Jessica mit gekräuselter Nase von sich.

Adriana erwiderte gelassen den Blick der Blondine, die viel zu viel Make-up trug. Die Zeiten, in denen sie den Kopf einzog, sich lieber irgendwo verkroch oder den Blick ängstlich abwandte, waren vorbei. Adriana war kein schüchternes Mädchen mehr, das sich durch die Scheidung ihrer Eltern klein und wehrlos gefühlt hatte. Sie hatte gelernt, mit Arroganz und Neid umzugehen, indem sie einfach nichts und niemanden mehr nah an sich heranließ. Dämliche Sprüche prallten einfach an ihr ab. Und sogar jemanden wie Jessica konnte sie mittlerweile mit einem einzigen Satz in den Boden stampfen. Adriana öffnete bereits den Mund, um etwas zu erwidern, als sie plötzlich spürte, wie sich eine warme Hand fest um ihr Handgelenk schloss.

„Nicht jetzt, Jess“, sagte Ryan mit einem leicht genervten Unterton in der Stimme. Er mochte die Blondine nicht. Die Art, wie sie sich immer in der Highschool benommen hatte, war unterste Schublade. Sie hielt sich für etwas Besseres und nahm auf niemanden Rücksicht. Allein die Erinnerung daran, wie sie sich Adriana gegenüber verhalten hatte, brachte ihn zur Weißglut. Auch jetzt erkannte er diese grässliche Feindseligkeit in ihren Augen aufblitzen und verspürte den Drang, sie an die Wand zu klatschen. Er unterdrückte diesen Drang, schob Jessica beiseite und zog Adriana entschlossen hinter sich her auf die Tanzfläche. Im Vorbeigehen rief er dem DJ etwas zu und kurz darauf drängte er sich mit seinem Körper an ihren.

„Also, wo waren wir stehen geblieben?“, fragte er, während er ihren Blick mit leicht gesenktem Kopf einfing und seine Hände sich um ihre Hüften legten.

Hartnäckig ist er ja, musste Adriana gedanklich zugeben, und als sie sich wieder über die Musik beschweren wollte, erfüllte auf einmal Partymusik aus den 90ern den kompletten Saal. Überrascht sah sie zu Ryan auf und musste bei seinem selbstzufriedenen Grinsen beinahe lachen.

Er beugte sich vor und Adriana erstarrte, als sein heißer Atem ihre Wange streifte und sie kurz darauf seine heisere Stimme an ihrem Ohr hörte.

„Tanz mit mir, Adriana!“

Im selben Moment schob er seine Hand an ihren Rücken, drückte sie fest an sich und begann, sich passend zum Musiktakt zu bewegen.

Adrianas Puls schoss in die Höhe. Ihr Herz klopfte so stark, dass es in ihren Ohren widerhallte. Wieso reagierte ihr Körper so heftig auf Ryan? Sie tanzten doch nur. Während diese Frage ihre Gedanken beschäftigte, spürte sie, wie er seinen Oberschenkel zwischen ihre Beine schob, und ihr stockte für einen kurzen Moment der Atem. Ihr enges Kleid hinderte ihn zwar daran, weiter vorzudringen, doch das Reiben des groben Stoffes seiner Jeans auf ihrem Schenkel löste ein derart intensives Kribbeln in ihr aus, dass sie das rasende Pochen ihres Pulses nun sogar zwischen ihren Beinen wahrnahm.

Hitze stieg in ihr auf, und als seine Lippen leicht ihren Hals streiften, schmolz Adriana endgültig dahin. Sie legte ihre Arme um seinen Hals und passte sich seinen rhythmischen Tanzbewegungen an. Im Taumel der ansteigenden Erregung schmiegte sie ihre Wange an seine Schulter und schloss die Augen, um diesen berauschenden Gefühlsmix genießen zu können. Die Wärme, die von Ryans Körper ausging und sie vollkommen einhüllte, fühlte sich so angenehm, so vertraut an ...

Plötzlich schoss ein stechend erdrückender Schmerz wie eine Kugel durch ihr Unterbewusstsein. Ein wutverzerrtes Gesicht tauchte vor ihrem inneren Auge auf und Adriana kam es vor, als würde ihr etwas die Kehle zuschnüren. Nach Atem ringend riss sie die Augen auf und hob ihren Kopf an.

Ryan bemerkte die plötzliche Anspannung in ihrem Körper und schob irritiert die Augenbrauen zusammen, als ein Anflug von Panik durch ihre blauen Augen huschte.

„Alles okay?“, wunderte er sich.

Adriana nickte schnell. „Ich finde, wir haben jetzt genug getanzt.“ Sie schälte sich aus seiner Umarmung und wandte sich bereits um, um die Tanzfläche zu verlassen.

Doch Ryan hielt sie zurück. „Wir haben doch gerade erst angefangen“, merkte er an und seine Lippen verzogen sich zu einem breiten Grinsen, als sie ganz offensichtlich ein Augenrollen unterdrückte.

Ein stetiges Vibrieren in ihrer Handtasche, die sie über der Schulter trug, lenkte schließlich ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie holte ihr Smartphone heraus und nach einem kurzen Blick auf das Display hielt sie es Ryan vor die Nase.

„Telefon“, sagte sie und verschwand von der Tanzfläche. „Wo bist du?!“, zischte sie daraufhin in den Hörer.

„Ich habe eine Panne und stecke fest“, ertönte Kaylees klägliche Stimme. „Der Pannendienst ist schon unterwegs ...“ Adriana hörte ihrer Freundin nicht mehr zu, denn ein Tuscheln hinter ihrem Rücken drang wie spitze Nadeln zu ihr durch.

„Wie, du kannst dich nicht an sie erinnern?“, fragte jemand flüsternd und Adriana erkannte Jessicas Stimme sofort. „Die ganze Stadt sprach von den Vances. Das war so peinlich, wie sie sich bei der Scheidung zerfleischt haben.“ Sie kicherte und fuhr fort. „Es wurde gemunkelt, dass ihre Mutter fremdgegangen ist. Der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm. Kein Wunder, dass die sich jetzt so billig an Dawson ranschmeißt. Irgendwo muss sie sich dieses schlampige Verhalten doch abgeguckt haben.“

Entsetzt von dem, was sie gerade gehört hatte, drehte Adriana sich langsam um und blickte geradewegs in Jessicas zu schmalen Schlitzen verengte Augen. Ein beschämendes Gefühl stieg in ihr auf. Sie kannte dieses Gefühl nur allzu gut, denn es hatte sie fast ihre ganze Highschool-Zeit über gelähmt. Die Gerüchte über ihre Mutter fand sie schon damals sehr verletzend. Und auch jetzt, rund zehn Jahre später, versetzten ihr die Lästereien einen schmerzhaften Stich und brachten ihr solides Selbstbewusstsein ins Wanken. Ich brauche diesen Scheiß nicht, predigte sie sich gedanklich und atmete tief durch.

„Ich hau’ ab“, sagte sie daraufhin entschlossen in den Hörer.

„Nein, wart...“ Der Einwand von Kaylee wurde durch das schnelle Auflegen abgewürgt.

„Warum haust du ab?“

Adriana drehte sich um und war überrascht, Ryan direkt hinter sich stehen zu sehen. Sie war sich nicht sicher, ob er Jessicas Worte ebenfalls gehört hatte, aber ihr war die ganze Situation unangenehm. Und irgendwie machte sie die Tatsache, dass die Mauern, die sie um ihre Gefühlswelt errichtet hatte, anscheinend doch nicht dick genug gegen Jessicas Lästerei waren, wütend.

„Ich muss halt los“, sagte sie genervt.

„Lass dir doch von der nicht den Spaß verderben. Sie redet den ganzen Tag nur Müll.“ Er lehnte sich an die Theke und deutete mit einem kurzen Kopfnicken auf die überschminkte Blondine.

Mist, er hat es doch mitbekommen. Adriana schloss kurz die Augen und überspielte ihren Unmut mit einem Schulterzucken.

„Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, gab sie kurz von sich und zog sich hastig ihren kurzen Blazer über, schob ihre Hände in den Nacken und zog ihre langen, glatten Haare heraus.

Ryan stockte der Atem, als die Haare ihr über die Schultern fielen und er einen herrlichen, spritzigen Duft wahrnahm. Seine Haut begann zu prickeln. Er stieß sich schnell von der Theke ab und versperrte ihr den Weg, als sie an ihm vorbeigehen wollte. Adriana reagierte zunächst irritiert, doch dann blitzte sie ihn wütend an.

Gott, diese Augen sind so wunderschön, schoss es ihm durch den Kopf. Dieses klare, leuchtende Blau faszinierte ihn schon seit der Highschool. Damals lag immer eine tiefe Traurigkeit drin, eine Traurigkeit, die er nicht verstand. Jetzt glänzten sie aber vor Wut, Wut und Herausforderung. Ryan spürte deutlich, wie das Blut heiß und pulsierend in seine Leistengegend schoss. Bei Gott, er wollte nicht, dass sie ging. Er wollte seine Hand ausstrecken, sie an sich ziehen und küssen.

Sie versuchte erneut, an ihm vorbeizugehen. Die Chancen, sie aufzuhalten, schwanden rasant. Verzweifelt überlegte Ryan, wie er sie zum Bleiben überreden könnte. Da fiel sein Blick auf den Autoschlüssel in ihrer Hand.

„Okay, dann machen wir eben eine Spritztour mit deinem Flitzer“, schlug er vor und begab sich zum Ausgang.

Adriana starrte ihn an, als hätte er etwas total Wirres und Irres gesagt.

„Wie bitte?“, fragte sie verständnislos und ihr wurde bewusst, dass er ihr gerade den Schlüssel aus der Hand gerissen hatte. „Ich glaub es ja wohl nicht“, murmelte sie vor sich hin. „Ryan! Warte!“

Sie lief ihm hinterher.

„Wenn du unbedingt gehen willst, dann werde ich dich fahren. Du hast vorhin Wein getrunken, wenn ich mich recht erinnere“, sagte Ryan, während er sich im Gehen umdrehte und einige Schritte vor ihr rückwärts weiterlief. „Safety first, Süße“, fügte er augenzwinkernd hinzu.

Adriana wusste nicht, was sie davon halten sollte. Völlig irritiert starrte sie ihn an.

„Hey, Leute, ihr wollt doch nicht schon gehen“, ertönte plötzlich die polternde Stimme von Kane nicht weit von ihnen.

Adriana warf einen Blick über ihre Schulter. Er hatte zwei andere Mitschüler, Chloe Richardson und Paul Becks, im Schlepptau, als er näherkam. „Hier wird jetzt nicht Feierabend gemacht. Die Nacht ist noch jung und wir wollen durch die Clubs ziehen. Ihr seid auf jeden Fall dabei. Keine Widerrede!“, entschied er.

Ryan sah Adriana mit fragend angehobenen Augenbrauen an. In seinem entschlossenen Blick schimmerte ebenso Hoffnung, Erwartung und ein Hauch von Verzweiflung, denn sie wirkte immer noch so, als würde sie jeden Moment das Weite suchen wollen.

Adriana stellte fest, dass er mit seinen dunkelgrauen Augen, den kurzen dunkelblonden Haaren, die ihm widerspenstig in die Stirn fielen, schon irgendwie süß aussah. Wie ein kleiner Welpe, der gerade aus dem Körbchen gefallen war. Sie stieß seufzend die Luft aus.

Kapitel 3

Ryan öffnete die Autotür und setzte sich in das weiche cremeweiße Leder, das die Sportsitze des Aston Martin überzog. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Vor lauter Aufregung wagte er nicht zu atmen. In den fast neunundzwanzig Jahren seines Lebens war er noch nie so aufgewühlt gewesen. Doch nun kam er sich vor wie ein kleiner Junge am Weihnachtsabend. Ganz vorsichtig, als wäre es zerbrechlich, legte er seine Hände auf das Lenkrad und ließ sie sanft daran entlanggleiten. Mit den Fingern strich er über die Flügel des Aston Martin-Emblems in der Mitte. Er konnte es nicht fassen, am Steuer eines Aston MartinV12 Vantage zu sitzen. Das musste ein Traum sein.

Die Beifahrertür ging auf und Adriana stieg lachend ein. Im Hintergrund hörte man noch Kanes amüsierte Stimme. Sie steckte ihren Kopf aus der geöffneten Tür und wandte sich an ihn, als er sich an den Wagen lehnte. „Also wie besprochen, fahren wir erst zum Hotel, um den Wagen abzustellen, dann steigen wir zu euch um.“

„So machen wir das“, entgegnete er nickend.

„Cool. So, was ist jetzt?“ Sie blickte nun Ryan fragend an, der immer noch vollkommen verträumt das Innere des Wagens bewunderte. „Musst du dir erst einen runterholen oder fährst du jetzt los?“

Ryan grinste sie an. Lachend beugte Kane sich runter und starrte durch die offene Tür zu ihr hinein.

„Sei bitte nachsichtig mit ihm. Gerade erfüllt sich sein sehnlichster Traum. Obwohl ...“, sein neidischer Blick fiel auf das schicke Armaturenbrett, den Bordcomputer, die Ausstattung, „ich würde mir an seiner Stelle erst einen runterholen.“

Sie lachten und Kane ließ die Beifahrertür ins Schloss fallen.

Ryan hielt den Atem an, als er den Motor startete. Eine Vibration zog summend durch seinen Körper und die Glückshormone explodierten regelrecht in seinem Inneren, als der Sound des Motors ertönte. Ein paarmal trat er im Leerlauf auf das Gaspedal, um das tiefe Grollen des Zwölfzylinders auf sich wirken zu lassen. Keuchend kam ihm die Luft über die Lippen und er nahm eine Gänsehaut auf seinem ganzen Körper wahr. Mit einem Seitenblick durch die Windschutzscheibe sah er, wie Kane voller Begeisterung die Arme in die Luft warf und seinen Lippenbewegungen nach eindeutig irgendetwas fluchte. Als Ryan schließlich den Gang einlegte, das Gaspedal durchtrat und der Wagen davonraste, war es ganz um ihn geschehen.

Nach einer halben Stunde kamen sie am Delamar West Hartford Hotel an. Das stylishe Luxushotel wirkte majestätisch und war eine der renommiertesten Unterkünfte in Connecticut. Ryan parkte auf dem Hotelparkplatz. Als er ausstieg, war er wie berauscht und strahlte über das ganze Gesicht. Nie im Leben hätte er sich vorstellen können, dass ihn die Fahrt mit dem Aston Martin so dermaßen packt.

Adriana war ebenfalls ausgestiegen, kam um den Wagen herum und hielt Ausschau nach dem zweiten Auto, mit dem alle in den Club fahren sollten. Ryan kam freudestrahlend auf sie zu, nahm unvermittelt ihr Gesicht in die Hände und drückte seine Lippen auf ihren Mund. „Danke!“, brachte er schweratmend heraus, als er sich wieder von ihr gelöst hatte. Seine Augen leuchteten und er grinste breit. Völlig verdutzt starrte sie ihn an. Doch bevor sie etwas erwidern konnte, bog ein schwarzer Pick-up auf den Parkplatz ein.

„Ah, da ist ja unsere Mitfahrgelegenheit. Hey, haben wir euch etwa abgehängt? Ihr wart doch direkt hinter uns“, rief Ryan und lehnte sich an das geöffnete Fahrerfenster, nachdem der Wagen angehalten und neben ihnen geparkt hatte.

Paul Becks steckte seinen Kopf raus. „Wir haben noch jemanden eingesammelt.“

Vom Beifahrersitz aus winkte ihnen Steven Sullivan zu. Auch wenn der ehemalige Kapitän des Highschool-Basketballteams sich während der Schulzeit Adriana gegenüber furchtbar verhalten hatte, war er ihr auf dem Weg zum Wagen begegnet, und nachdem er sie erkannt hatte, entschuldigte er sich für sein damaliges Verhalten am laufenden Band.

„Hm, zu sechst wird es aber eng im Auto“, murmelte Ryan und kratzte sich am Hinterkopf.

„Und wenn schon“, winkte Adriana ab und stieß ihn in den Pick-up. „Dann müssen wir halt etwas enger zusammenrücken.“

Ryan plumpste auf den Rücksitz zu Kane und Chloe, und ehe er sich versah, stützte Adriana sich an seiner Schulter ab und machte es sich auf seinem Schoß bequem. Leicht verwirrt sah er zu ihr auf.

„Jetzt haben alle Platz“, sagte sie mit einem zufriedenen Grinsen.

„Und wenn wir angehalten werden?“, fragte Paul besorgt und sah sie durch den Rückspiegel an.

„Dein Ernst?“ Adriana beugte sich über seine Rückenlehne. „Wir sind mitten auf dem Land. Wer soll uns denn anhalten?“

„Du bist gar nicht angeschnallt“, bemerkte Ryan, als sie losfuhren.

„Dann hältst du mich eben fest.“ Adriana zwinkerte  ihm kokett zu.

Die Fahrt war lustig. Musik dröhnte aus den Lautsprechern. Die Gruppe war angeheitert, man machte Selfies, lachte über jede Kleinigkeit und unterhielt sich über alles Mögliche.

Ryan fand es nach einiger Zeit ziemlich warm im Auto. Vielleicht wurde ihm auch einfach nur heiß, weil Adriana ständig auf seinem Schoß hin und her rutschte. Sie blieb nicht einen Moment ruhig sitzen und sein Schwanz reagierte auf jede Bewegung, die ihr Hintern auf seinem Schoß vollbrachte. Fast genauso wie in der Festhalle, als sie miteinander getanzt hatten. Ihr Körper hatte sich so geschmeidig in seinen Armen bewegt und passte so perfekt zu seinem, als wäre er nur für ihn gemacht worden. Zu seiner Freude hatte er da außerdem gemerkt, dass seine Berührungen sie ebenfalls nicht kalt ließen, denn er hatte gespürt, wie sie jedes Mal erschauderte, wenn seine Finger ihre Haut streiften, und er hatte Verlangen in ihren Augen aufleuchten sehen. Und als sie ihren Kopf an seine Schulter legte, hatte er sein eigenes Verlangen kaum noch zügeln können.

Er verdrängte die Erinnerungen an den Tanz aus seinen Gedanken, weil die Hitze begann, ihn wahnsinnig zu machen. Sein Blick fiel dabei auf ihre Oberschenkel und er stellte fest, dass ihr Kleid sehr weit hochgerutscht war. In dem schwachen Licht sah er deutlich ihre helle Haut und wo das Kleid endete.

O Mann. Er schluckte schwer. Ich brauche noch nicht einmal die Hand drunter schieben. Einfach am Rand des Kleides hineintauchen, die Finger ausstrecken und ich wäre direkt an ihrem Hös... Scheiße! Ryan kniff die Augen zusammen und sah zur Seite. Reiß dich zusammen, Dawson!

Er versuchte, sich bequemer hinzusetzen und an etwas anderes zu denken. Allerdings war jegliche Ablenkung fast unmöglich, denn sein Körper brannte regelrecht vor Verlangen nach Adriana und sein Schwanz war so hart, dass er zu platzen drohte. Ryan warf einen Blick nach draußen. Sie waren mitten auf dem Highway, und soweit er erkennen konnte, dauerte es bestimmt noch fünfzehn Minuten bis zum Ziel. Er wusste nicht, wie er es aushalten sollte, weiterhin völlig gelassen zu wirken, denn er wollte nichts anderes, als diesen knackigen Hintern auf seinem Schoß zu packen, das Höschen runterzureißen und kräftig in ihre feuchte, heiße Pussy hineinzustoßen, egal womit: Finger, Zunge, Schwanz ... Oh, verdammt!

Sein Blick wanderte Hilfe suchend zu Kane, der allerdings wild mit Chloe knutschte. Ryan rollte mit den Augen. Typisch Kane. Er ließ einfach nichts anbrennen. Plötzlich zuckte er und unterdrückte ein Stöhnen, als Adriana sich vorbeugte, um ihr Smartphone aus der Handtasche zu holen und dabei mal wieder ihren Hintern über seinen Schoß schob.

Ihr Gesicht wurde vom Display beleuchtet, als sie die Nachricht las.

„Wunderbar, Kaylee kommt direkt zum Club.“ Adriana freute sich und legte auf Ryans Schoß ein angedeutetes Tänzchen hin.

„Hör’ mal, Prinzessin“, stieß er schließlich hervor, „wenn du nicht sofort aufhörst, mit deinem hübschen Arsch meinen Schwanz zu massieren, ziehe ich dir das Kleid die restlichen Zentimeter hoch und ficke dich hier vor versammelter Mannschaft.“

Nach einem kurzen sprachlosen Moment brach im Auto schallendes Gelächter und aufmunterndes Gegröle aus. Unter anfeuernden Rufen klatschte Ryan grinsend Kanes flache Hand ab, die dieser ihm auf seinen Spruch hin hinhielt.

Adrianas Gesichtsausdruck zeigte zunächst großes Entsetzen. Doch dann bemerkte Ryan ein merkwürdiges Aufblitzen in ihren Augen und sein Herzschlag setzte kurz aus. Es war, als hätte man ein Rudel schlafender Hunde geweckt. Ihr Blick fesselte ihn. Sein Grinsen gefror und er schluckte.

Langsam, wie in Zeitlupe, legte sie ihr Handy zurück in die Handtasche, im gleichen Tempo schloss sie den Verschluss und ließ sie anschließend in den Fußraum gleiten. Ihr Gesicht, das nun im Dunkeln lag und lediglich von vorbeifahrenden Autos erleuchtet wurde, sagte rein gar nichts darüber aus, was in ihrem Kopf vor sich ging. Nur eine Augenbraue war vielsagend hochgezogen.

Ein merkwürdiges Gefühl beschlich Ryan, eine Mischung aus Schuldbewusstsein, Panik und dem, was einen an Weihnachten überkam, kurz bevor man sein Geschenk öffnete. Außerdem spürte er, wie sein Schwanz noch mehr anschwoll, und war überrascht, dass das überhaupt noch möglich war.

Adriana saß zunächst seitlich auf seinem Schoß, drehte nun langsam ihre Beine nach vorne, stieß sich am Vordersitz ab und rutschte mit einem Ruck nach hinten. Ihr Po stieß mit voller Wucht gegen seinen wild pochenden Ständer, der Ryan bereits seit Beginn der Fahrt großes Unbehagen bescherte. Er stöhnte auf und krallte reflexartig seine Hände in ihre Hüften. Das Blut schoss ihm in den Kopf und vor seinen Augen begannen Sterne zu tanzen.

Adriana, die Hände in die Rückenlehne des Fahrersitzes gestemmt, den Rücken gestreckt, sah ihn lasziv über die Schulter hinweg an.

„Mach doch!“, forderte sie ihn frech auf.

Ryan starrte sie entsetzt an. Kane und die anderen prusteten los und diesmal hielt er Adriana die Hand zum Abklatschen hin, was sie auch lachend tat.

„Das war wohl ein Eigentor, was?“, warf er Ryan lachend zu.

Ryan wusste nicht, wie ihm geschah. Sein Schwanz war hart wie ein Brett und stand wie eine Eins. Er musste die Zähne fest aufeinanderpressen, um seine Warnung nicht in die Tat umzusetzen. Dann sah er auf und begegnete Adrianas Blick. Selbst in der Dunkelheit bemerkte er, wie freche Funken in ihren Augen tanzten. O ja, die Situation hatte er eindeutig unterschätzt.

„Hey, Leute, da vorne steht eine Streife“, rief Paul plötzlich aus und alle richteten den Blick auf die Straße. „Adriana, mach dich unsichtbar.“

Adriana rutschte vor bis auf Ryans Knie. Der nachlassende Druck auf seinem Schwanz ließ ihn erleichtert ausatmen. Doch die Entspannung war nicht von langer Dauer, denn sie lehnte sich zurück und schmiegte sich an seine Brust. Auf diese Weise war sie vom Fenster aus nicht mehr zu sehen. Irgendetwas überschlug sich in Ryans Innerem. Sein Atem stockte und in seinem Bauch zogen sich alle Muskeln zusammen, denn Adriana lag so warm und verführerisch auf ihm, während seine Hand ihre Taille umfasste. Verdammt, sie war so sexy. Von ihr ging ein spritzig frischer Duft aus, eine Mischung aus Zitrusnoten und Jasmin, der seine Sinne benebelte. Ihre Haare streiften seinen Hals, wenn sie sich bewegte, und ließen prickelnde Schauer an seinem Rücken entlanglaufen. Mit aller Mühe versuchte er, das brennende Verlangen in seinem Körper zu bändigen.

„Bequem?“, fragte er durch zusammengepresste Zähne.

„Absolut“, antwortete sie lächelnd.

Der Klang ihrer Stimme ließ seine Nervenenden wie Brausepulver im Wasser knistern, und es kostete Ryan große Überwindung, sich nicht die Hose aufzureißen und seinem nach Erlösung flehenden Schwanz Linderung zu verschaffen.

Adrianas Kopf lag an seiner Schulter, die Hand ruhte auf seiner breiten Brust. Durch das Hemd spürte sie seine harten Muskeln unter ihren Fingerspitzen und ein Bild von seinem nackten Oberkörper manifestierte sich in ihrem Kopf. Das unkontrollierte Pochen zwischen ihren Beinen, das bereits eingesetzt hatte, als er sagte, er wolle sie ficken, und sie seinen harten Schwanz durch den groben Stoff der Jeans spürte, verstärkte sich. Sie nahm erneut diesen angenehmen Duft, der von ihm ausging, wahr. So leicht, frisch und männlich. Sie hob den Kopf an und schnupperte an seinem Hals. Mit geschlossenen Augen atmete sie den herrlichen Hauch von Sinnlichkeit, maskuliner Anziehungskraft und unwiderstehlichem Sex-Appeal tief und gierig ein.

„Wow, du riechst gut. Das ist BOSS Bottled, stimmt’s?“, flüsterte sie und ihr warmer Atem streifte dabei seinen Hals. Sie spürte sofort, wie seine Muskeln sich anspannten und der Druck seiner Hand auf ihrer Taille fester wurde. 

Ryan neigte den Kopf und begegnete ihrem Blick. Eine Weile sahen sie sich einfach nur an. Die Dunkelheit hüllte sie ein. Die Stimmen der anderen, selbst die laute Musik aus den Lautsprechern, rückten plötzlich in weite Ferne. Adriana wirkte von seinem Blick wie hypnotisiert. Sie befeuchtete ihre Lippen und lenkte damit unbewusst Ryans Aufmerksamkeit darauf. Ihm fiel ein, wie er sie vorhin nach der Spritztour mit dem Aston geküsst hatte. Der Kuss war spontan gewesen. Es hatte ihn einfach überkommen. Ihre Lippen waren so himmlisch weich gewesen und schmeckten nach warmem Karamell. Kam ihm das nur so vor, weil er berauscht von der Fahrt war, oder schmeckte sie wirklich so? Er verspürte den Drang, dieser Frage sofort nachzugehen, und senkte seinen Kopf, um sie zu küssen. Ohne dass es ihm auffiel, wurde der Wagen langsamer und kam schließlich abrupt zum Stehen.

„So, da wären wir“, kündigte Paul an.

Ryans Kopf schoss hoch und er sah nach draußen. Vor ihnen tanzten bunte Scheinwerfer des Clubs. Eine Menschenschlange stand vor dem Eingang, die sich nach und nach an den breiten Türstehern vorbeischlängelte.

Adriana richtete sich auf. „Partytime!“, rief sie aus, schnappte sich ihre Handtasche, öffnete die Autotür und stieg aus.

Ryan verspürte sowohl eine Erleichterung, weil sein Schwanz nun endlich aufatmen konnte, als auch eine Enttäuschung, denn er hätte Adriana allzu gerne wieder geküsst. Er lehnte sich vor, fluchte leise und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. Jemand stupste ihn an der Schulter an. Er sah auf und begegnete dem aufmunternden Grinsen seines Freundes.

Kapitel 4

„Was? Jetzt schon?“, rief Adriana entsetzt aus. „Es ist gerade Mal halb zwei. Was willst du um diese Zeit zu Hause?“ Die Tanzfläche war proppenvoll. Eine Menschenmenge drängte sich in den schmalen Gängen des Clubs an ihnen vorbei. Adriana musste sehr laut sprechen, um gegen die dröhnende Musik anzukommen.

„Meine Füße tun schon weh“, jammerte Kaylee. „Und außerdem ...“, sie lehnte sich vor und flüsterte Adriana ins Ohr, „will ich ein bisschen mit Steven alleine sein. Er ist so süß.“

Aus dem Augenwinkel sah Adriana, wie die beiden Händchen hielten. Demonstrativ verdrehte sie die Augen. „Schön, dass du lieber mit einem Kerl rummachst, als mit deiner besten Freundin zu feiern.“

Kaylee grinste und ihre Augen blitzten vielsagend auf. Adriana blickte sich um, denn die anderen sahen auch sehr gehbereit aus.

„Och nö“, seufzte sie. Sie wollte noch nicht gehen. Die Musik war super. Das Tanzen machte riesigen Spaß. Sie war viel zu aufgedreht, um jetzt zu gehen.

„Also, ich bleibe definitiv noch“, hörte sie Ryan nun sagen. Er lehnte lässig an einer Säule und trank einen Schluck aus seiner Bierflasche. Adrianas Gesicht strahlte. Da sonst keiner bleiben wollte, verabschiedeten sie sich von allen und Adriana zog Ryan auf die Tanzfläche.

Die heißen Klänge des R ’n’ B pulsierten durch die Adern der Tanzenden und ihre Körper wiegten sich eng aneinandergeschmiegt im Takt der Musik. Ryans Hände glitten an Adrianas Hüften entlang. Er drückte sie fest an sich und passte sich ihren geschmeidigen Tanzbewegungen an. Er vergaß alles um sich herum, spürte das rhythmische Reiben ihres Körpers an seinem, ihre Hände in seinem Nacken, sah ihre wunderschönen Augen, die bereits seit einiger Zeit seinen Blick festhielten, und ihre halb geöffneten Lippen, die ihn verheißungsvoll lockten. Er wusste nicht mehr, wie es dazu kam, aber ihre Unterlippe war auf einmal zwischen seinen Zähnen und er saugte daran. Seine Zunge fuhr schleichend drüber hinweg. Er nahm ihren Mund gierig ein und hörte sie stöhnen, als ihre Zungen aufeinandertrafen und sich nach und nach im süßen Rausch verloren.

„Ganz schön voll hier“, sagte er heiser, während sein heißer Atem ihre feuchten Lippen schnell und stoßweise streifte. Seine Augen waren vor Verlangen ganz dunkel und sein Blick glitt über ihr Gesicht.

„Zu voll“, bestätigte sie leise und leckte sich mit der Zunge über die Lippen. Ihre Hände lösten sich von seinem Nacken, streiften langsam an seinem Körper hinab und hinterließen sengende Hitze. Plötzlich ergriff sie seine Hand. „Lass uns gehen.“

Auf der Rückbank im Taxi, das sie zurück ins Hotel brachte, wurde es heiß. Adriana vergrub ihre Hände in Ryans Haaren, während seine Lippen ihren Hals erkundeten und die Finger unter dem Saum ihres Kleides verschwanden.

Eindeutig warmer Karamell, dachte Ryan, während er sie küsste und der Geschmack auf seinen Lippen seine Sinne benebelte.

Als das Taxi vor dem Hotel hielt, drückte Ryan dem Fahrer das Geld in die Hand und stieg mit Adriana aus. Er sah zu dem mehrstöckigen Gebäude hinauf, das in den nächtlichen Himmel ragte.

Fuck, gleich wird sie dort reingehen und wieder aus meinem Leben verschwinden, dachte er ernüchternd.

Doch plötzlich drängte sie ihn an einen überdimensionalen Blumenkübel, der die Hotelzufahrt zierte. Augenblicklich verstärkte sich sein Verlangen nach ihr, denn zu sehen, wie sie die Führung übernahm, törnte ihn unglaublich an. Adriana zog ihn zu sich runter und drückte ihre Lippen mit einer derartigen Leidenschaft auf seinen Mund, dass sich jegliche Gedanken aus seinem Kopf verflüchtigten.

Nach einer Weile löste sie sich von ihm.

„Ich habe Durst. Lass uns die Minibar plündern.“