Rixton Falls - Goals - Winter Renshaw - E-Book

Rixton Falls - Goals E-Book

Winter Renshaw

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Beschreibung

In der Liebe gibt es keine Spielregeln ...

Weil sein Trainer genug von Zanes Eskapaden jenseits des Spielfelds hat, wird der Football-Superstar beurlaubt. Die Regeln stehen fest: keine Partys, keine Skandale und keine Frauen! Doch ausgerechnet jetzt trifft er auf die hübsche Delilah Rosewood. Delilah hasst Playboys wie Zane abgrundtief und lässt ihn ihre Abneigung permanent spüren - und doch kann er sich nicht von ihr fernhalten. Denn wenn Zane beim Football eins gelernt hat, dann, dass die größten Herausforderungen das Spiel erst richtig interessant machen ...

"Aufwühlend, unterhaltsam und leidenschaftlich. Dieses Buch hat alles was eine gute New-Adult-Sports-Romance braucht!" GOODREADS

Band 3 der WALL-STREET-JOURNAL-Bestseller-Reihe von Winter Renshaw

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Seitenzahl: 343

Veröffentlichungsjahr: 2021

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INHALT

Titel

Zu diesem Buch

Leserhinweis

Widmung

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel

35. Kapitel

36. Kapitel

37. Kapitel

38. Kapitel

Epilog

Die Autorin

Die Romane von Winter Renshaw bei LYX

Leseprobe

Impressum

Winter Renshaw

Rixton Falls

GOALS

Roman

Ins Deutsche übertragenvon Silvia Gleißner

ZU DIESEM BUCH

Weil sein Trainer genug von Zane de la Cruz’ Eskapaden jenseits des Spielfelds hat, wird der Football-Superstar beurlaubt. In Florida, weit weg von New York, soll er sich Gedanken über sein Image machen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Die Regeln stehen fest: keine Partys, keine Skandale und keine Frauen! Doch Zane lässt sich auch in Florida nichts vorschreiben – schon gar nicht, wenn niemand etwas davon mitbekommt. Denn ausgerechnet hier trifft er auf die hübsche Delilah Rosewood. Die Tochter aus gutem Hause und angehende Therapeutin macht es ihm von Tag zu Tag schwerer, sich an die auferlegten Regeln zu halten. Zwar hasst Delilah Playboys wie Zane abgrundtief und lässt ihn ihre Abneigung permanent spüren – aber sie kann nicht leugnen, dass sie von diesem Mann angezogen wird wie von keinem zuvor. Und wenn Zane beim Football eins gelernt hat, dann, dass die größten Herausforderungen das Spiel erst richtig interessant machen …

Liebe Leser:innen,

dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte.

Deshalb findet ihr hier eine Triggerwarnung.

Achtung: Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch!

Wir wünschen uns für euch alle

das bestmögliche Leseerlebnis.

Euer LYX-Verlag

Für den Bundesstaat Florida. Ja, ich weiß. Seltsam, ja? Er ist ein zweites Zuhause für uns, und als wir hier unsere Ferien verbrachten, kam mir die Idee für diese Geschichte. Also, mein sonniges Florida: die hier ist für dich.

1. KAPITEL

Delilah

Ich war nie gut mit ersten Eindrücken. Und in den Sekunden, bevor die Haustür aufgeht, ist mir sehr bewusst, dass das hier für keinen von uns gut ausgehen wird.

Trotzdem bin ich hier.

Ich stehe vor der Tür des Typen, der im Haus neben meiner Großtante wohnt, in einem gepunkteten lindgrünen Schlafanzug, die Arme verschränkt und drauf und dran, den Mistkerl zu beschimpfen, der an einem Mittwoch um zwei Uhr nachts eine Party schmeißt. Ich bin mehr als bereit dafür.

Meine Fäuste brennen, als ich an die schwere Holztür hämmere. Das feuchte Floridaklima bewirkt sein Übriges an meinem unordentlichen dunklen Haar, das mir an den Schultern klebt, und soweit ich weiß, habe ich unten an den Wimpern noch Reste der Wimperntusche von gestern, aber ein Blick in den Spiegel auf dem Weg hierher hatte jetzt nicht gerade oberste Priorität.

Alles, was ich will, ist eine Mütze Schlaf.

Die Tür schwingt auf, und ein Kerl von der Größe eines Linebackers in einem neongrünen Anzughemd mustert mich mit unkoordiniertem Blick.

»Hier für die Party?«, fragt er, und sein Blick wird leerer, als ihm klar wird, dass ich hier stehe und wie eine Verrückte aussehe.

»Bist du Zane?«, frage ich und verschränke fest die Arme.

»Nein, ich bin Ash«, meint er. »Zane ist drinnen.«

Er bedeutet mir, hereinzukommen, und ich zögere kurz, bevor ich eintrete. Ich bin nicht für nichts um zwei Uhr morgens aus dem Bett geklettert.

Der Typ zögert, als wir uns gegenüberstehen, unter einem Kronleuchter in einem großen zweistöckigen Foyer, das besser zu einem Manager passen würde als zu einem jugendlichen Partylöwen. Er stemmt die Hände in die Hüften und atmet in aller Ruhe aus.

»Bist du sicher, dass du nicht wegen der Party hier bist?« Er macht schmale Augen.

Ich zeige auf meinen Schlafanzug. »Sehe ich aus, als wäre ich hier, um Party zu machen?«

Ich meine, mal im Ernst.

Er streicht sich über die Brust, hebt dann protestierend die Hand und grinst. »In Ordnung. Wenn du das sagst.«

Ein anderer Typ kommt vorbei. Er trägt ein tannengrünes Polohemd, das im Kontrast zu seinen makellos weißen Shorts steht.

»Was soll das mit all den grünen Sachen?« Ich rümpfe die Nase. Großtante Rue erwähnte mal, dass ihr Nachbar Football spielt. »Ist das eine Teamfarbe oder so?«

Der Typ drückt sich die Hand auf den Mund und unterdrückt ein Lachen. »Warte hier. Ich suche Zane.«

Wird auch höchste Zeit.

Eine Frau in einem hautengen Bandagekleid in der Farbe von Santa Claus’ Mantel stolziert vorbei und wirft mir einen Seitenblick zu, bevor sie sich, die Nase hoch erhoben, bei einem Kerl mit riesigen Armen und einem passenden roten Anzughemd einhakt.

Rot und Grün? Im Mai?

»Hi.« Von hinten vibriert eine Männerstimme an meinem Ohr, und ich drehe mich um und sehe einen teuflisch gut aussehenden Mann vor mir, der nach Bier riecht und ein breites Grinsen im Gesicht hat.

Ich weiche zurück, bis ich an die Wand hinter mir pralle, aber er folgt mir. Er stützt die Hand an die Wand über meiner Schulter, hebt eine braune Flasche an seine Lippen und trinkt einen Schluck, ohne dabei den Blick von mir zu wenden.

»Habe dich noch nie gesehen. Bist du gerade erst gekommen?«, fragt er.

»Bist du Zane?«

»Nein.« Er schüttelt den Kopf und fährt mit der Zunge über seine Unterlippe, als glaube er tatsächlich, dass er gleich über mich herfallen könne. »Ich bin Kai Santana.«

Er nennt seinen vollen Namen, als müsse der mir irgendetwas sagen. Seinem Körperbau und der Größe seines Bizeps nach zu urteilen schätze ich, dass er mit Zane Football spielt.

Vielleicht öffnet sein Name ja in bestimmten Kreisen Türen. Und lässt Höschen fallen. Aber genau jetzt ist er lediglich ein weiterer betrunkener Idiot, der glaubt, er könne Casanova Konkurrenz machen.

»Wie ist dein Name?« Er beugt sich vor, und sein Aftershave brennt in meinen Lungen.

»Mir ist nicht klar, inwiefern das jetzt relevant ist.«

Kai lacht. »Du kommst wirklich auf eine Party wie diese, bist so angezogen, und dann spielst du Blümchen-rühr-mich-nicht-an? Ist ja nicht zu glauben.«

»Ich muss mit Zane sprechen.«

Kais Miene wird ernst, und er wirft einen prüfenden Blick über meine Schulter, in einen Raum voll mit gut aussehenden Blondinen, exotischen Brünetten und feurigen Rotschöpfen. Ich folge seinem Blick und sehe nichts als ein Meer aus vor allem Grün, einigem Rot und ein paar Sprenkeln Gelb.

Oh Gott.

Ich bin auf einer Ampelparty.

Und ich bin von Kopf bis Fuß grün angezogen.

»Du willst nicht zu Zane.« Kai wendet sich wieder mir zu und legt eine Hand an meine Wange. Seine Fingerspitzen wandern über mein Kinn, und ich erstarre am ganzen Körper. Er dringt ungeniert in meinen persönlichen Raum ein, tut so, als gehöre der ihm, und mein archaisches Primatenhirn einer Therapeutin in Ausbildung bringt einfach nicht die angemessene Antwort zustande, selbst wenn es um mein Leben ginge. »Du musst wissen: Was immer Zane kann, kann ich besser, Engelsgesicht.«

Ich verziehe die Lippen und reibe sie aneinander, als ich in Kais unausstehlich schöne meerschaumgrüne Augen sehe. Ich wusste nicht einmal, dass Augen so eine Farbe haben können. Ich reiße den Blick von ihm los und lasse ihn demonstrativ über seinen muskulösen, tätowierten Arm gleiten, bevor ich ihn vorsichtig von mir wegschiebe.

Ich weiche vor ihm zurück, und dem Stirnrunzeln nach zu urteilen, das an Stelle seines selbstzufriedenen Grinsens tritt, kapiert er den Hinweis.

Eine Uhr auf der anderen Seite des Foyers zeigt zwei Uhr fünfzehn. Ich weiß, dass dieses Haus übermäßig groß ist, aber Ash sollte nicht so lange brauchen, um Zane zu finden. Ich sollte besser selbst nach ihm suchen … wenn ich nur wüsste, wie er aussieht.

»Kannst du bitte Zane für mich suchen?« Ich mache den Rücken gerade und zwinge mich zu einem positiven Tonfall.

Kais Miene verfinstert sich. Er ist sauer. Sein mächtiger Brustkorb hebt und senkt sich, als er mich anstarrt, noch einen Schluck Bier trinkt und dann ein Stöhnen von sich gibt.

»Vergiss Zane.« Er schüttelt den Kopf. »Such ihn doch selber. Ich bin nicht sein Laufbursche.«

Ich nehme hier eine Art Streitigkeit wahr, die zu erforschen ich jetzt nicht in der Stimmung bin, also lasse ich ihn ziehen, in Richtung einer Horde schöner Frauen, die alle Grün tragen.

»Entschuldige.« Ein blonder Herkules in einem T-Shirt in der Farbe von Sonnenstrahlen tippt mir auf die Schulter.

Gott sei Dank. Ich war noch nie im Leben so froh, jemanden in Gelb zu sehen.

»Hi.« Ein erleichterter Seufzer kommt über meine Lippen. »Bist du Zane?«

Er lacht kopfschüttelnd. »Nein. Ich habe nur gehört, dass du nach ihm suchst. Ich habe ihn vor einer Minute in der Küche gesehen.«

Herkules hat freundliche Augen und hält sicheren Abstand zu mir. Ich fühle mich sofort wohl in seiner Gegenwart.

Ich schaue mich um und blicke dann wieder ihn an. »Ich war noch nie hier. Kannst du mir zeigen, wohin?«

Er nickt und bedeutet mir, ihm zu folgen. Als wir eine dicht gedrängte Menge erreichen, die die Schwelle zum hinteren Bereich des Hauses blockiert, greift er nach meiner Hand und zieht mich an sich.

Wir schaffen es auf die andere Seite und kommen in eine vollgestellte Küche. Unter zerknüllten Chipstüten und halb leeren Weinflaschen sehe ich hier und da einen weißen Marmortresen durchscheinen.

»Gerade war er noch hier.« Herkules fährt sich mit einer Pranke durch das sandblonde Haar und stößt die Luft aus. »Bin gleich wieder da. Ich sehe mal, ob ich ihn für dich aufspüren kann.«

Die Küche ist überraschend leer, obwohl die hämmernde Musik die Fenster in der Essnische wackeln lässt. Eine Lichterkette beleuchtet eine weitläufige überdachte Terrasse, in der Ferne fläzen sich Mädchen in grünen Bikinis auf Luftmatratzen herum, und ein Typ in gelben Shorts macht eine Arschbombe in den Pool.

Ich gehe auf Zehenspitzen und versuche über die Menge, die die Tür blockiert, hinwegzuspähen. So wie ich mein Glück kenne, hat Ash Zane gefunden und zum Foyer gelotst, aber so weit kann ich sowieso nicht sehen. Ich entscheide zu bleiben, wo ich bin. Herkules wirkt ohnehin zuverlässiger auf mich als die anderen beiden. Ich vertraue darauf, dass er tun wird, was er sagt.

Ein Typ in Smaragdgrün und eine Frau stolpern in die Küche. Ihre Hände wandern in gefährliche Regionen, und ihre Lippen scheinen mit sexuellem Superkleber aneinandergeklebt zu sein.

Niemand ist hier außer uns dreien, und es ist mehr als superpeinlich für mich, aber ich kann jetzt nicht gehen, falls Zane kommt.

»Oh mein Gott, das fühlt sich tooooooll an«, keucht das Mädchen. Sie bekommt meine Anwesenheit gar nicht mit. »Oh … oh ja …«

Aus dem Augenwinkel sehe ich seine Hand, die schnelle Bewegungen zwischen ihren Beinen macht, und ihre Finger umschließen locker einen roten Pappbecher. Sie ist einen erderschütternden Orgasmus davon entfernt, ihn fallenzulassen und seinen Inhalt überall zu verschütten.

»Gottverdammt, bist du eng«, keucht der Typ. »Ich habe kaum Platz da unten, Süße. Keine Ahnung, ob mein Schwanz da reinpasst.«

Sie kichert, streckt die Hände nach ihm aus und zieht ihn auf sich.

Meine Wangen werden heiß und meine Beine drohen, auf der Stelle mit mir hier rauszurennen, wenn das hier noch weitergeht. Es fühlt sich falsch an, ein zufälliger Voyeur zu sein.

Ohne jede Vorwarnung zieht der Typ seinen Arm über den Tresen und halb volle Becher und Bierdosen fallen in hohem Bogen herunter, von denen die Hälfte auf mein Oberteil trifft.

Ich atme scharf ein, als kaltes Bier mein Schlafanzugoberteil durchnässt, und stehe wie gelähmt da, während ich zusehen darf, wie die beide nur Zentimeter vor mir zur nächsten Stufe übergehen.

Herkules kommt gerade rechtzeitig für das Nachspiel, als der Typ sein stöhnendes Spielmädchen auf den gerade freigemachten Tresen hebt.

»Hey, hey, hey.« Mein neuer Freund marschiert zu dem Paar. »Nicht hier drin. Macht es woanders.« Er kommt wieder zu mir, holt ein Tuch aus einer Schublade und tupft mein Oberteil ab. »Geht es dir gut?«

»Ja.« Ich nehme ihm das Tuch aus der Hand und trockne mich lieber selbst ab. »Sie waren, ähm, ziemlich beschäftigt mit dem, was sie taten. Ich glaube, sie haben mich hier drin nicht einmal bemerkt.«

»Idioten, alle beide. Die gehören nicht einmal zum Team. Keine Ahnung, wie sie an die Einladung gekommen sind.« Er verdreht die Augen und stößt die Luft aus. »Wie bist du eingeladen worden? Oder bist du mit jemandem hier?«

»Ich bin nicht wegen der Party hier.« So langsam höre ich mich an wie eine kaputte Schallplatte. »Ich wohne den Sommer über nebenan bei meiner Großtante. Ich bin nur hier, um Zane zu bitten, dass er die Musik leiser macht.«

Gott, ich höre mich erbärmlich an. Solche Worte sollten nie über die Lippen einer Person von vierundzwanzig Jahren kommen, aber irgendwer musste hierherkommen, und es hieß entweder Rue oder ich. Und eine kleine alte Dame sollte nicht um zwei Uhr früh auf so eine Party müssen.

Herkules beißt sich auf die Unterlippe und zuckt zusammen. »Oh. Tut mir leid deswegen.«

»Ich bin vor ein paar Stunden gelandet«, sage ich. »Ich war den ganzen Tag unterwegs. Mein Kopf hämmert. Ich schlafe auf einer total harten Matratze mit viel zu flachen Kissen, die voll nach Tante Rues Fliederparfum riechen, und alles, was ich will, ist ein wenig Schlaf, aber alles was ich höre, sind hämmernde Musik und das Geschrei betrunkener Leute.«

Er lacht und mustert mich.

Ich zupfe an meinem Schlafanzugoberteil. »Das Grün ist reiner Zufall.«

»Dann bist du nicht hergekommen, um dich flachlegen zu lassen?« Er legt den Kopf schief, aber seine lächelnden Augen sagen mir, dass er mich nur aufzieht.

»Überhaupt. Nicht.« Ich gebe ihm das biergetränkte Tuch zurück, und er wirft es erstaunlich präzise ohne hinzusehen in das Spülbecken hinter sich. »Ich habe bisher nicht viele Leute in Gelb gesehen heute Abend. Was ist deine Geschichte?«

Er zuckt mit den Schultern. »Ich habe nur gerade eine langfristige Beziehung hinter mir. War nicht sicher, ob heute Abend jemand hier wäre, der es wert wäre, Grün zu tragen.«

»Vorsichtiger Mensch. Daran ist nichts Falsches.«

»So was in der Art.« Herkules blickt mir noch ein wenig länger in die Augen, bevor er ausatmet und dann leicht mit der Hand auf den Tresen neben mir klopft. Er schenkt mir ein bittersüßes Lächeln und tritt einen Schritt zurück. »Okay, also, Zane wird gleich hier sein.«

Damit ist er weg, und ich fühle mich schlecht, weil ich nicht nach seinem Namen gefragt habe. Er war bisher der am wenigsten arschlochmäßige Typ hier, und ich wünschte, ich hätte ihm dafür danken können, dass er mich nicht wie ein Stück Fleisch behandelt hat.

Einmal mehr bin ich allein in der Küche, und ich bin schon halb in Versuchung, mit Aufräumen anzufangen, denn hier zu stehen und Däumchen zu drehen, macht mich mit jeder Minute gereizter.

Mit dem Rücken zur Kücheninsel beobachte ich die Uhr.

Fünf Minuten vergehen.

Dann zehn.

Schließlich sind es zwanzig.

Leute kommen und gehen, marschieren durch und holen sich etwas zu trinken.

Ich gähne und schaue wieder auf die Uhr.

Ich bin Zane de la Cruz noch nicht einmal begegnet, aber schon überzeugt, dass er ein Riesenarsch ist, weil er unter der Woche eine total anstößige Party schmeißt und weil er mich warten lässt, was er, wie ich überzeugt bin, absichtlich tut.

Und die Geschichten.

Oh Gott, die Geschichten.

Er ist derjenige, der Tante Rue die ganze Zeit so aufregt. Ich muss es mir jede Woche bei unseren Telefonaten dienstagabends anhören.

Tante Rue behauptet, er hätte nichts als Schwierigkeiten gemacht, seit er in ihre kleine geschlossene Wohnanlage gezogen ist, und als Vorsitzende des Hausbesitzervereins hat sie das Vergnügen, sich jedes Mal mit ihm herumzuplagen, wenn er sich weigert, seine Hecke auf die vereinbarte Höhe zu stutzen, oder als er seine Haustür in Teamfarben gestrichen hatte oder als er an die Tür gegangen war mit nichts als einer Socke über den Geschlechtsteilen und einem Grinsen im Gesicht, als Tante Rue seinen Dreier um drei unterbrach.

Sie sagt, er hält sich an keine Regeln außer seine eigenen, und es sei ein Wunder, dass die Gainesville Cougars ihn noch nicht zum Teufel gejagt haben.

Kein Wunder, dass sie ihn nicht ausstehen kann: Er hat es sich zur persönlichen Mission gemacht, ein Leben in hedonistischem Trotz zu leben.

Ich puste mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und öffne die Arme. Ich kann keine Minute länger hier stehen und nichts tun. Ich stapele rote Pappbecher in andere rote Pappbecher und werfe sie in einen überquellenden Mülleimer am Ende des Tresens. Dann mache ich weiter mit den leeren Chipstüten, knülle sie zusammen und werfe sie ebenfalls weg.

Den Rest der Fläche füllen diverse Teller und Besteck. Ich stelle sie ordentlich aufeinander, stelle sie auf die linke Seite des Spülbeckens, bevor ich in den Schränken nach einer Flasche Haushaltsreiniger gegen die Flecken auf dem Tresen suche.

Zuletzt kümmere ich mich um das Chaos auf dem Boden und wische mit einem sauberen Tuch all das verschüttete Bier und den Wein auf. Lauter Pfützen bedecken dank der irren Exhibitionisten den dunklen Holzboden.

Ein Mann räuspert sich. »Mir wurde gesagt, dass das Hausmädchen erst morgen Mittag kommt.«

Ich blicke auf, und mein Blick fällt auf eine Beule in der Größe von Texas, die sich unter eng anliegenden, sonnengebleichten olivgrünen Chinos verbirgt.

Eine gebräunte Hand streckt sich, Handfläche nach oben, mir entgegen.

Ich schlucke den Kloß in meiner Kehle hinunter, lege meine Hand in seine und gestatte ihm, mich auf die Füße hochzuziehen. Meine Lungen verlangen nach Luft, während ich mein Gleichgewicht zu finden versuche und ein wundervoller waldiger Duft sich um mich herum ausbreitet.

Der Mann strotzt nur so vor Sexappeal. Er muss nicht mehr tun als nur hier stehen und mich so ansehen, wie er es gerade tut, und schon werden mir die Knie weich.

Niemand, und damit meine ich niemand, hat je so etwas mit mir gemacht.

Tatsächlich bin ich einigermaßen verlegen, und meine Wangen verraten das überdeutlich.

Mein Blick landet auf einem makellosen weißen Hemd, das eng genug anliegt, um einen Waschbrettbauch zu zeigen, und gleitet dann hoch zur blanken Haut eines sonnengebräunten Brustkorbs, betont durch einen V-Ausschnitt, den nur jemand, der so aussieht, außerhalb einer Studentenverbindung tragen kann.

Ich räuspere mich und reiße mich zusammen, straffe die Schultern und stemme die Hände in die Hüften. Vielleicht sollte ich auch meine Libido in Ketten legen. Und das Ende einbetonieren.

»Ich bin Zane«, meint er mit einem neugierigen Grinsen, das ein tiefes Grübchen an seiner rechten Wange zum Vorschein bringt. »Du wolltest was von mir?«

Mir rasen Gedanken durch den Kopf, die nie über meine Lippen finden, und ich mühe mich ab, einen verständlichen Satz zustandezubringen in der Gegenwart eines Mannes, der aussieht wie … so eben.

Sein Kiefer ist perfekt geformt mit einem Grübchen am Kinn, seine vollen Lippen sind an den Mundwinkeln hochgezogen, und seine Augen in der Farbe von Ahornsirup sind auf meine fixiert. Zane stemmt eine Hand in die Hüfte und lässt die andere lässig auf dem Rand des Küchentresens liegen, während er stirnrunzelnd auf meine Antwort wartet.

Ich ringe um Fassung und nehme mir einen Moment Zeit, durchzuatmen und mir ins Gedächtnis zu rufen, dass Zucker wesentlich weiter kommt als Essig.

»Kommst du häufiger auf anderer Leute Partys und fängst an, deren Küche zu putzen?« Er unterdrückt ein Lachen. »Oder bist du von irgendwo entflohen? Sollte ich die Behörden anrufen? Sucht jemand nach dir?«

Pfeif auf Zucker.

Der Typ kriegt einen Mundvoll Essig.

Ich mache den Mund auf und spüre, wie sich das Gift meiner Worte sammelt, aufsteigt und dabei in meiner Kehle brennt.

»Entspann dich, Schönheit.« Seine Hände umfassen meine Schultern, umhüllen sie regelrecht. Der Mann hat echt große … Hände. Und er hat mich Schönheit genannt. Auch wenn ich zu meinem Glück klug genug bin, um zu wissen, dass er das wahrscheinlich nicht ernst meint, und ich werde mir davon ganz sicher nicht meine Entschlossenheit rauben lassen. »Ich ziehe dich nur auf. Aber im Ernst, du musst meine Küche nicht putzen. Dafür bezahle ich Leute.«

Sein widerspenstiges dunkles Haar ist zu einem Kunstwerk auf seinem Kopf zurechtgezupft und betont seine bronzefarbene Haut, den natürlich sinnlichen Blick und sein Lächeln mit weißen Zähnen. Aus seinem Shirtkragen lugt ein Tattoo, und schwarze Zeichnungen bedecken seine muskulösen, von Adern durchzogenen Unterarme.

»Ich bin nur hergekommen, um dich zu bitten, dass du hier ein wenig leiser machst.« Ich verschränke die Arme und weiche einen Schritt zurück. »Ich versuche nebenan zu schlafen, und das ist bei all dem Lärm ziemlich schwierig. Würde es dir etwas ausmachen, deine Gäste zu bitten, dass sie drinnen weiterfeiern?«

Wir werfen beide einen Blick nach draußen, wo eine Gruppe Typen mit Mädchen im Bikini auf den Schultern einen Strandball über das Volleyballnetz über dem Pool werfen. Ihr Lachen dringt bis in die Küche, getragen von einer Brise hämmernder Musik.

»Du bist Rues Nichte?«, fragt er.

»Großnichte. Ja.«

»Ah.« Sein Blick gleitet über mich, von Kopf bis Fuß, ganz langsam. Seine Schultern heben und senken sich und seine Augen werden schmal. »Delilah, richtig?«

Meine Fingerspitzen heben sich an mein Schlüsselbein, um instinktiv mit einer Halskette dort zu spielen, die nicht da ist.

»Woher kennst du meinen Namen?«, frage ich.

»Hat Rue mir gesagt«, antwortet er stirnrunzelnd, als sollte die Antwort offensichtlich sein.

Ich verdrehe die Augen und versuche nicht zu lachen über die Dinge, die in meiner Vorstellung ungefiltert über die Lippen dieser fünfundsiebzigjährigen Frau kommen.

»Aber sie hat mir nicht erzählt, warum du hier bist.« Seine vollen Lippen machen einen Schmollmund, als er die Hände in die Taschen schiebt. »Sie hat mir nur gesagt, dass ich mich unbedingt von dir fernhalten soll.«

Das klingt ganz genau nach Rue.

»Sie hat mir gesagt, dass keine Nichte von ihr sich je mit einem dreckigen Footballspieler abgeben würde«, fährt er fort, doch das Zwinkern in seinen warmen Augen verrät mir, dass er eher belustigt als beleidigt ist.

»Das muss ich Rue lassen, sie nimmt kein Blatt vor den Mund.« Meine undurchdringliche Abwehr löst sich mit Warpgeschwindigkeit auf. Ich muss zurück auf Spur. Ich lege so viel Professionalität in meine Stimme, wie ich zu dieser unchristlichen Stunde aufbringen kann, und fahre fort: »Auf jeden Fall, wenn du die Party einfach nach drinnen verlegen könntest, wüsste ich das zu schätzen.«

Er steht da, starrt mich mit dieser eindringlichen Miene in seinem lächerlich gutaussehenden Gesicht an und macht damit den Moment peinlicher, als er sein muss.

»O…kay.« Ich nicke und schaue zur Tür. Zum Glück sind die Massen woandershin gezogen, und ich kann von hier aus die Haustür sehen. Ich mache einen Schritt und noch einen, den Blick auf den Türknauf fixiert. Ich kann schon fast das kühle Metall an meiner Handfläche spüren.

»Warte.«

Ich drehe mich um, sehe, dass Zane mir folgt und bleibe stehen, um ihn anzusehen, als ich das Foyer erreiche.

»Ich werde sie nicht bitten, reinzugehen«, sagt er.

»Wie bitte?« Verwirrt lege ich den Kopf schief.

»Ich werde sie nicht bitten, reinzugehen«, erklärt er noch nachdrücklicher als beim ersten Mal.

»Wieso nicht?«

»Weil du zu jung bist, um hier die verdammte Spaßpolizei zu spielen«, sagt er. »Und ich würde dir einen schlechten Dienst erweisen, wenn ich auf der Stelle tue, was du sagst, denn dann könntest du tatsächlich anfangen zu glauben, du wärst das Zentrum des Universums.«

Einen Moment lang sehe ich Rot, schnappe nach Luft und sammele meine Gedanken. »Ich halte mich nicht für das Zentrum des Universums, und ich denke keinesfalls, dass es zu viel verlangt ist, um ein wenig menschlichen Anstand zu bitten. Du lebst in einer Wohnanlage. Mit Nachbarn. Es ist mitten in der Woche, und andere Leute schlafen. Du kannst nicht einfach deinen Garten in einen Puff-Schrägstrich-Club verwandeln und dann beleidigt spielen, wenn jemand dich höflich bittet, einen Gang runterzuschalten.«

Zane schenkt mir ein unglaubliches halbes Grinsen und kommt näher. Mein Kopf passt genau unter sein Kinn, aber ich werde mich von seiner Größe nicht einschüchtern lassen.

Oh, nein, nein, nein.

Ich kann es mit dem Blödmann aufnehmen, wenn ich muss.

»Erstens ist das hier kein Puff, sondern eine Ampelparty«, erklärt er in sachlichem Tonfall.

»Bist du nicht ein bisschen zu alt für eine Ampelparty?«, frage ich. »Oder gehörst du zu einer Art Studentenverbindung für Erwachsene?«

Er ignoriert mich. »Zweitens macht ein bisschen Musik noch keinen Club, und drittens hast du mich nicht höflich gebeten, einen Gang runterzuschalten. Du wolltest, dass ich meine ganze Party verlege, und das in ziemlich forderndem Ton.«

»Das ist deine Interpretation«, sage ich. Mir ist sehr bewusst, dass jedes einzelne Wort aus meinem Mund mir gerade keinen Gefallen tut, aber ich weigere mich, hier zu stehen und mich von diesem Abercrombie-Athleten dazu bringen zu lassen, mit eingezogenem Schwanz von dannen zu ziehen.

»Wolltest du sonst noch was, Delilah? Ich muss mich um meine Gäste kümmern, also …«

Ich balle die Fäuste. Er hat Glück, dass ich kein gewalttätiger Mensch bin, denn ein fester Haken an sein kantiges Kinn würde sich jetzt echt gut anfühlen.

»Ich schätze, wir sind hier fertig«, sage ich.

Es ist überdeutlich, dass er meiner Forderung nicht nachgeben wird, also schätze ich, meine Sache hier ist erledigt.

Ich greife nach dem Türknauf, ziehe die Tür auf, werfe ihm noch einen finsteren Blick zu und schlage die Tür hinter mir zu. Ich hielt es nicht für zu viel verlangt, um ein wenig Höflichkeit zu bitten. Ein klein wenig Anstand. Und wenn er denkt, ich hätte das gefordert, dann leidet er an Wahnvorstellungen. Ich war nichts als professionell und würdevoll.

Und ich hatte recht vorhin.

Zane de la Cruz ist ein Riesenarsch.

2. KAPITEL

Zane

Coach Roberts dachte tatsächlich, wenn ich in eine geschlossene Wohnanlage in einem Vorort von Gainesville ziehe, wo der Altersdurchschnitt der Bewohner bei sechsundsiebzig Jahren liegt, würde mich das vielleicht ruhiger machen. Er dachte, es würde mir meine »wilde Natur« austreiben.

Stattdessen fühle ich mich seitdem nur noch wie ein Tiger, der unruhig in seinem Käfig hin und her läuft, unbedingt raus – und nicht gefesselt, herumkommandiert und ständig gesagt bekommen will, was er tun soll.

Meine Nachbarn im Norden sind Clarice und Don Chapman. Sie sind nach ihrer Pensionierung aus Big Sky, Montana, hergezogen. Mitte sechzig. Clarice liegt gern draußen an ihrem Pool, in Badeanzügen mit dezentem Blumenmuster und dick beschmiert mit Sonnencreme, Lichtschutzfaktor 50, und meckert Don an, weil er die Hecken noch nicht auf die von der Eigentümergemeinschaft genehmigte Höhe gestutzt hat. Warum sie dafür nicht jemanden anheuern, so wie der Rest der Nachbarschaft, begreife ich nicht. Bis Don damit fertig ist, hat er einen Sonnenbrand und schlechte Laune, und dann wirft er die Heckenschere beiseite und winkt Clarice zu, während er reingeht, um ihr eine eiskalte Limonade zu holen.

Wenn ein Leben als verheirateter Mensch so aussieht, dann auf jeden Fall ohne mich.

Auf jeden Fall, wenn die Chapmans in ihrem kleinen grünen Golfwagen zusammen durch die Straße kurven, lächeln sie immer und winken, als wären wir hier alle Freunde, aber ich habe gehört, was sie über mich reden.

Die Grundstücke hier sind riesig, aber allesamt bis zum Gehtnichtmehr landschaftlich gestaltet. Stimmen tragen weit. Aus Fenstern heraus. Durch Hecken. Böschungsmauern. Über Zäune.

Ich weiß, was sie von mir denken – vor allem diese unverschämte alte Rue Rosewood von nebenan. Sie ist fünfundsiebzig, hat zu allem eine Meinung und keine Angst, dafür zu sorgen, dass auch jeder innerhalb von fünf Meilen Umkreis in Laguna Palms ihre Meinung kennt.

Außerdem ist sie Vorsitzende des Hausbesitzervereins, und sie nimmt ihre Rolle sehr ernst.

Zu ernst meiner Meinung nach.

Die Frau beobachtet mich wie ein Habicht und sieht immer, wann ich komme und wann ich gehe. Schaut immer mal vorbei mit »freundlichen« Erinnerungen in Form schriftlicher Verwarnungen, die sie mit Klebeband an meiner Tür anbringt.

Woher sollte ich denn wissen, dass die Mülltonne nicht von der Straße aus sichtbar sein darf, und zwar von Dienstag bis Sonntag? Dass bei der Gartengestaltung nur weißer oder grauer Stein verwendet werden darf? Dass rückwärts in die Einfahrt fahren nicht gestattet ist, weil die Zulassungsplakette vom Gehweg aus sichtbar sein muss? Dass wir vorgeschriebene Farben für die Weihnachtsbeleuchtung haben, die im Übrigen mit unseren Hausnummern übereinstimmen?

Ich werde nie vergessen, wie sie in meinem ersten Dezember in Laguna Palms vor meiner Tür stand. Sie war zuckersüß, hatte einen Teller Zuckerplätzchen mit Schneemanndeko dabei. Und dann verlangte sie, dass ich die blinkende blaue Lichterkette von meinem Dach abmontiere und augenblicklich durch eine rote ersetzen soll.

Und hier war ich nun und versuchte nur, mich einzufügen. Ein guter Nachbar zu sein. Ich mag Weihnachten nicht mal besonders.

Aber trotz der Tatsache, dass Rue Rosewood seit dem Tag unserer ersten Begegnung die größte Nervensäge hier war, habe ich irgendwie eine Schwäche für sie. Sie erinnert mich an meine abuela Magdalena, die Großmutter, die mich aufgezogen hat, seit ich neun Jahre alt war. Wir haben sie vor ein paar Jahren verloren, aber es vergeht kein Tag, an dem ich sie nicht vermisse. Oder die verrückten Sachen, die sie die Hälfte der Zeit von sich gegeben hat.

Ich nehme mir Rues Beleidigungen nie zu Herzen, denn wenn sie auch nur ein bisschen ist, wie Magdalena war, kommen diese Beleidigungen alle aus etwas Gutem heraus, und irgendwo unter der harten Schale ist eine ganze Menge harmloser Plüsch.

Ich tauche aus dem übermäßig gechlorten Wasser des Gemeinschaftspools von Laguna Palms auf, hole eine Lunge voll Luft und tauche wieder ein. Meine Arme und Beine treiben mich zum Ende des Pools. Als ich die Wand erreiche, tauche ich auf und reibe mir mit der Hand übers Gesicht, um das Wasser aus den Augen zu bekommen, während meine Atemzüge regelmäßiger werden.

»Ernsthaft?«, dringt eine Frauenstimme an meine wassergefüllten Ohren.

Ich schüttele den Kopf, versuche, die Ohren wieder freizubekommen, und mein Blick fällt auf pink manikürte Zehennägel, die auf einem Liegestuhl vor mir ruhen.

»Hast du nicht deinen eigenen Pool?«, fragt sie, klappt ihr Buch zu und legt es beiseite.

Ich gehe zur Leiter und steige aus dem Wasser. Ich bin tropfnass und nicht darauf gefasst, als sie mir von dem Stuhl neben sich ein Handtuch zuwirft.

»Mein Pool ist … heute außer Betrieb.« Ich beschließe, es dabei zu belassen und nicht detailliert über die darin schwebenden Klumpen von orangefarbenem Erbrochenem zu berichten, die ein mysteriöser Gast heute früh da hinterlassen hat. »Ich bezahle meine Vereinsgebühren. Ich darf hier schwimmen.«

Ich trockne mich ab, versuche halbherzig, mein Haar in Ordnung zu bringen und hoffe, sie denkt nicht, ich würde das ihretwegen tun.

Ich meine, klar, Delilah ist heiß.

Sie ist mehr als heiß.

Sie ist, als hätten eine Meerjungfrau und ein Bademodenmodel in der Sports Illustrated ein Kind zusammen … heiß. Und ich bin nicht mal sicher, ob ihr das klar ist.

Volle Lippen. Kurven wie ein Stundenglas. Dunkle, sinnliche Augen. Langes, dunkles Haar, das ihr ins Gesicht fällt.

Aber nach der Saison, die ich letztes Jahr hatte, wäre ich fast aus dem Team geworfen worden, weil ich im Fernsehen zwölfmal zu oft das F-Wort gesagt und weil ich feststellen musste, dass mein Ruf als Playboy allmählich die harte Arbeit, die ich in meine athletischen Fähigkeiten gesteckt habe, zu überschatten drohte. Daher habe ich eine Notfallrückbesinnung gemacht auf alles, was zur Karriere gehört.

Keine Mädchen.

Weniger Alkohol.

Null Sperenzchen.

Befehl vom Coach – oder ich werde aus meinem wahnsinnig lukrativen Vertrag entlassen.

Ich würde Millionen an künftigen Einnahmen verlieren.

Die Party gestern war eine Ausnahme. Ein paar Spieler und ich hatten beschlossen, zusammen etwas auf die Beine zu stellen für unseren Kumpel Weston, der am Boden zerstört ist, seit mit seiner Langzeitfreundin Schluss ist. Wir erteilten ihm strikte Anweisung, von Kopf bis Fuß in Grün zu erscheinen, und dann hatte der Trottel den Nerv, auf seiner Ampelparty in verdammtem Gelb aufzutauchen.

Gelb!

»Na gut.« Delilah zuckt mit den Schultern, nimmt wieder ihr Buch und vergräbt die Nase zwischen den Seiten. Einen Moment später lässt sie es auf ihren Schoß sinken, schirmt die Augen vor der Sonne ab und schaut zu mir. »Hat dir schon mal jemand gesagt, dass Starren unhöflich ist?«

»Ich starre nicht. Ich habe nachgedacht. Und du bist nur zufällig in meiner Blickrichtung.«

Sie blättert um. »Dann starr in eine andere Richtung.«

»Was, wenn ich nicht will? Wenn ich nun mal nach Norden starren will?« Gott verdammt. Ich habe doch mehr Biss als so was.

Ich glotze weiter und versuche, das Mysterium vor mir zu enträtseln. Ein perfekter, glänzender Dutt ruht auf ihrem Kopf. Nicht ein Haar fehl am Platz. Sie richtet ihre riesige Sonnenbrille, schiebt sie die pfeilgerade Nase hinauf und lehnt sich zurück, holt eine rote Lakritzschnur aus einer kleinen Tüte neben sich und steckt sich das eine Ende in den Mundwinkel.

Oh, was würde ich alles dafür geben, jetzt diese Lakritzschnur zu sein, eingeklemmt zwischen diesen perfekt vollen Lippen.

Und dann fällt mein Blick auf den Rest von ihr.

Ihre kurvige Sanduhrfigur steckt in einem dezenten schwarzen Badeanzug.

Langweilig.

»Du solltest dich wirklich etwas mehr bedecken.« Ich werfe mir das Handtuch über die Schulter und tue so, als wäre ich angewidert.

Sie nimmt die Sonnenbrille ab und sieht mich mit offenem Mund an.

»Ich meine, also wirklich. Das ist eine Familienanlage hier, und du liegst da in so etwas?« Ich deute auf sie. »Ich glaube nicht, dass Myrtle Rickers sehr erfreut sein wird über die Blicke, die du von Mr Rickers auf dich ziehen wirst, wenn sie herkommen in …« Ich werfe einen Blick auf die Uhr an der Wand des Poolhauses. »Oh, in etwa fünfzehn Minuten.«

Delilah blickt an sich herab, und ich unterdrücke ein Lachen. Ich kann ihr schon ansehen, dass sie mich richtig hassen wird, bis der Sommer vorbei ist.

Oder vielleicht hasst sie mich auch jetzt schon.

Ich bin sicher, dass ich gestern Abend nicht den besten Eindruck gemacht habe, aber sie hat mir keine Wahl gelassen. Wenn sie sich wie ein Kleinkind benimmt, wird sie auch wie eins behandelt.

»Ich mache nur Spaß«, sage ich. »Aber du siehst echt aus, als hätten eine Gouvernante und ein Pastor der Amischen ein Kind gekriegt.«

»Du bist ein Arsch.« Sie versteckt das Gesicht hinter ihrem Buch.

»Weißt du, du passt wirklich gut hier rein«, sage ich. »Du hasst Lärm. Und Partys. Und Spaß. Du gehst früh ins Bett. Und du trägst Badesachen, die auf eine Beerdigung passen würden. Du kannst nicht viel älter sein als, was, vierundzwanzig? Fünfundzwanzig? Aber im Grunde bist du schon eine alte Rentnerin. Bitte sag mir, dass du wenigstens ein rebellisches Jahr auf dem College hattest, denn sonst bin ich wirklich total enttäuscht von dir.«

Delilah gibt ein ärgerliches Seufzen von sich und versteckt sich weiter hinter diesem Buch, das dicker ist, als Poollektüre in den meisten Fällen sein sollte. Bei näherem Hinsehen entpuppt es sich als ein kleines Fachbuch. Ich gehe zu ihr hin und bücke mich, um den Titel zu lesen.

»Wenn Ehen scheitern?«, lese ich den Titel vor. »Was zur Hölle liest du denn da?«

Sie klatscht das Buch auf ihren Schoß und sieht mich mit schmalen Lippen an. »Ich bin auf der Graduiertenschule.«

»Und studierst … Ehen?« Ich ziehe die Nase kraus.

»Ich mache meinen Master of Social Work«, sagt sie. »Ich werde zugelassene Sozialarbeiterin und möchte mich auf Ehe- und Familienberatung spezialisieren.«

»Okay«, sage ich. »Aber jetzt hast du Sommerferien, ja? Solltest du dann nicht Nora Roberts oder so was lesen?«

»Beeindruckend.« Sie schirmt die Augen vor der Sonne ab. »Ich bin schockiert, dass du tatsächlich eine Schriftstellerin nennen kannst. Also fix, nenne mir noch ein paar.«

Ich ziehe die Zähne über meine Unterlippe, unterdrücke ein spöttisches Grinsen und weiß ganz genau, dass ich dafür büßen muss. »Danielle Steele. Jackie Collins.«

»Ich will es gar nicht wissen.«

»Gut.« Denn ich bin nicht gerade in der Stimmung, zu erklären, dass ich, als ich mit neun Jahren zu meiner Großmutter zog, noch nicht lesen konnte. Sie brachte mir das Lesen bei, und ich war schnell in der Lage, Romane zu lesen, aber alles, was sie herumliegen hatte, waren kitschige Liebesromane. Ich habe sie alle im Laufe eines Sommers verschlungen. Keine Reue. »Wollte ich dir sowieso nicht erzählen.«

»Musst du jetzt nicht irgendwo sein?« Sie richtet das Handtuch unter sich, sodass es den Liegestuhl bedeckt. »Du spielst doch Football, richtig? Trainiert ihr nicht im Sommer?«

»Das Training beginnt erst Ende Juli.«

»Also dann … hängst du nur herum oder tust du irgendwas?«

»Ich mache Sport. Halte mich in Form. Ich bleibe gut beschäftigt.« Ich ziehe mir das Handtuch von der Schulter und lege es mir um den Nacken, um die brennende Sonne abzuhalten. »Solltest du nicht irgendwas für Rue erledigen, statt am Pool zu liegen wie eine Faulenzerin, die glaubt, sie hätte Sommerferien?«

Sie verdreht die Augen. »Rue ist gerade bei einem Bunco-Lunch. Und morgen treffen wir uns mit ihrem Immobilienmakler. Glaub mir, ich werde diesen Sommer gut beschäftigt sein. Du wirst nicht viel von mir sehen.«

»Ist das eine Drohung oder ein Versprechen?«

Ihr Blick gleitet tiefer und landet auf der feuchten Beule meiner Badeshorts. Sie kann so tun, als würde sie mich hassen, so sehr sie will, aber das hat mir gerade alles verraten, was ich wissen muss. Unter der verklemmten Fassade gibt es noch eine ganz andere Delilah.

Zu schade für sie, dass dies mein Zölibat-Sommer ist.

Und verdammt. Auch zu schade für mich.

»Shit«, sage ich mit einem sarkastischen Funkeln im Auge. »Und ich hatte mich schon darauf gefreut, den ganzen Sommer lang vom Mädchen nebenan gebabysittet zu werden. Wer überwacht denn jetzt meinen Zeitplan und sorgt dafür, dass meine Partys nicht zu laut sind?«

Sie brummelt etwas vor sich hin, schwingt die Beine vom Liegestuhl und sammelt ihre Sachen ein.

»Du gehst jetzt?« Ich ziehe die linke Augenbraue hoch. »Himmel, Delilah, bist du echt so verklemmt? Ich dachte, wir albern ein wenig herum. Veräppeln uns gegenseitig.«

Ihre Arme laufen über mit Handtüchern, Büchern, Sonnenbrille und Sonnencreme, während sie einen Strohhut auf dem Kopf balanciert. Lose dunkle Strähnen umrahmen ihr Gesicht, als unsere Blicke sich treffen.

»Ich bin nicht verklemmt.« Sie drückt die Sachen auf ihrem Arm an sich. »Ich habe gestern Nacht nicht geschlafen, ich bin erschöpft von der Reise und ich habe eine ellenlange To-do-Liste für diese Woche. Ist es zu viel verlangt, dich zu bitten, dass du aufhörst, mich als Gouvernante zu bezeichnen und dich über meine Lektüre lustig zu machen, wenn ich versuche, am Pool zu entspannen?«

»Bleib.« Ich deute auf ihren Liegestuhl. »Ich wollte sowieso gerade gehen.«

Sie erstarrt und beobachtet mich, unsicher, was sie als Nächstes tun soll.

»Aber nur damit du es weißt, Schönheit, wahrscheinlich solltest du nicht austeilen, wenn du nicht auch einstecken kannst«, verpasse ich ihr noch eine letzte Stichelei, weil ich es eben nicht lassen kann und weil ich ihr unbedingt den Anflug eines Lächelns entlocken will, bevor ich gehe.

»Oh, ich kann schon einstecken.«

»Offensichtlich nicht. Schau dich an. Du bist eingeschnappt und willst jetzt mit einem Armvoll Zeugs davonstampfen, weil ich dich mit deinem bescheuerten Badeanzug aus den Fünfzigerjahren aufgezogen habe.«

Sie lässt ihre Sachen auf den leeren Liegestuhl fallen. »Und schon geht es wieder los.«

»Ich mache nur Spaß.«

»Tja nun, das ist nicht lustig. Es ist unhöflich.«

»Du bist zu empfindlich, Schönheit. Sei einfach mal locker.«

»Hör auf, mich jedes Mal Schönheit zu nennen, wenn du dich selbst in die Bredouille gebracht hast«, schimpft sie. »Das läuft nicht bei mir, und es ist unhöflich anzunehmen, dass alle Frauen sich ihrem wahrgenommenen Äußeren nach ansprechen lassen wollen.«

»Unhöflich ist, wenn du um zwei Uhr nachts an jemandes Tür hämmerst, einen behandelst, als wäre man ein Teenager, und verlangst, dass man alles dichtmacht, damit du deinen kostbaren Schönheitsschlaf bekommst.«

»Wollen wir ernsthaft wieder damit anfangen?« Sie gibt etwas von sich, dass sich wie eine Mischung aus Stöhnen, Knurren und Seufzen anhört und sammelt wieder ihre Sachen ein. »Tut mir leid, dass ich nicht bitte oder danke gesagt oder dir die Füße geküsst habe. Ich bin sicher, du bist keine Unterhaltung mit Frauen gewohnt, die sich dabei nicht auf die Lippe beißen, an ihren Haaren herumspielen, zwinkern und kichern. Wahrscheinlich bin ich die einzige Frau auf der Welt, die vor dir stehen kann, ohne sich dir an den Hals zu werfen und vielleicht weißt du deshalb nicht, wie du mit mir umgehen sollst. Ich weiß nicht …«

Sie will noch weiter schwadronieren, aber ich falle ihr ins Wort.

»Damit setzt du voraus, dass alle Frauen, mit denen ich rede, geistlose und notgeile Flittchen sind.« Ich kratze mich am Kopf und sehe ihrem Irrlichtern zu. »Siehst du, das ist eine Beleidigung. Du ziehst mich nicht mal nur auf. Ist das nicht ein wenig heuchlerisch?«

»Genug.« Sie beendet das Gespräch mit einer erhobenen Hand und einem Tonfall, scharf genug, um an diesem milden Nachmittag durch die schwere, feuchte Luft von Florida zu schneiden.

Sie lässt die Hand wieder sinken, unsere Blicke begegnen sich, und ihre Lippen öffnen sich, als wollte sie gleich etwas sagen. Aber stattdessen schiebt sie die Füße in biedere schwarze Flip-Flops und wendet sich zum Gehen.

Irgendwie fühle ich mich schlecht.

Irgendwie.

Sie muss ein wenig lockerer werden und sich nicht benehmen, als wäre sie eine Zwanzigirgendwas-Neunzigjährige. Ein kleines Wortgefecht könnte ihr guttun. Sie ein bisschen aus ihrem Schneckenhaus holen.

Ich blicke mich um und bemerke, dass langsam immer mehr Liegestühle besetzt sind, und links von mir sind die Tratschtanten von Laguna Palms allesamt auf mich fixiert, mit schmalen Lippen und missbilligenden Blicken, verborgen hinter Sonnenbrillen.

Ich nicke ihnen zu, als ich an ihnen vorbeigehe, um meine Sachen zu holen.