90,99 €
Spielend leicht zum „Röntgenblick“ - mit Struktur und System.
Hier lernen Sie schnell und sicher ein Röntgenbild richtig zu betrachten und systematisch vorzugehen. Schon bald erkennen Sie routiniert, worauf es ankommt. Häufige Fehlerquellen werden klar angesprochen, z.B. Artefakte oder „versteckte“ Befunde. Das gibt zusätzliche Sicherheit.
Die röntgenologische Untersuchung von Thorax und Abdomen wird anschaulich erklärt, übersichtlich gegliedert nach Anatomie, Physiologie und Pathologie. Mind-Maps verschaffen Ihnen einen Überblick über die Differenzialdiagnosen, und Flussdiagramme helfen bei der methodischen Interpretation. Darüber hinaus unterstützen Sie viele Praxistipps, Checklisten, Vergleiche "Hund vs. Katze" und Quizfragen zur Selbstkontrolle. Hervorragenden Röntgenaufnahmen stehen jeweils klar interpretierende Zeichnungen gegenüber. Auffällige Strukturen werden direkt in den Aufnahmen illustriert hervorgehoben und erleichtern das Identifizieren.
Die Autorinnen sind erfahren in der Aus- und Weiterbildung von Tiermedizinern. Sie kennen die Fragen, Probleme und Stolperfallen in der Röntgendiagnostik aus eigener langjähriger Praxis. Ihr Buch führt sicher durch den Röntgen-Dschungel und vermittelt auch komplizierte Sachverhalte leicht verständlich.
Dieses Werk eignet sich als Arbeitsbuch wie auch als Nachschlagewerk bei unklaren Befunden - eine wertvolle Unterstützung für die sichere röntgenologische Diagnostik.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 231
Veröffentlichungsjahr: 2025
Herausgegeben von
Kerstin von Pückler
Charlotte Günther, Antje Hartmann
2., aktualisierte Auflage
420 Abbildungen
Die Bildgebende Diagnostik gehört in der Tiermedizin seit vielen Jahren zur alltäglichen Praxis und ein großer Teil der Aufarbeitung klinischer Fälle stützt sich auf die Röntgenuntersuchung. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass die Röntgendiagnostik und die anschließende Bildinterpretation besonders genau und routiniert ausgeführt werden.
Im Sinne unserer Patienten und mit Berücksichtigung des Strahlenschutzes sollte
anhand hochwertiger Bilder
mit möglichst wenigen Aufnahmen
eine routinierte Befundung mit
detaillierter und auf den Fall abgestimmter Differenzialdiagnosenliste
erfolgen.
Dieses Buch soll bei der Interpretation von Röntgenbildern Hilfestellungen bieten. Als praxisnahes Buch konzipiert, eignet es sich sowohl für Studierende und Berufseinsteiger als auch für Erfahrenere, die ihren strukturierten Blick auf Röntgenbilder von Thorax und Abdomen überprüfen wollen.
Dem Buch liegt die Überzeugung zu Grunde, dass besonders zu Beginn der Arbeit mit Röntgenbildern, für eine konsistente Interpretation mit einer möglichst spezifischen Differenzialdiagnosenliste ein strukturiertes Vorgehen hilfreich ist.
Das Buch verzichtet an mehreren Stellen bewusst auf einzelne Erkrankungen oder Details, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, zunächst einen Überblick über relevante Themen und eine allgemeine Herangehensweise zu bekommen. Anhand des Aufbaus der einzelnen Kapitel soll ermöglicht werden, im ersten Schritt das Erheben der Veränderung und im zweiten Schritt die strukturierte Interpretation an Beispielen nachzuvollziehen. Hierfür wird ein Schwerpunkt auf häufige Veränderungen gelegt. Sobald sich eine Routine in der Befundstruktur gebildet hat, kann es hilfreich sein für detailliertere Betrachtungen auf Quellen im Literaturverzeichnis zurück zu greifen.
In den Kapiteln 1–3 werden Grundlagen des Röntgen unter besonderer Berücksichtigung der Untersuchung von Thorax und Abdomen behandelt. Der Rest des Buches teilt sich in einen ersten Teil, der physiologische und pathologische Befunde am Thorax beschreibt und einen zweiten Teil, mit Normalbefunden und Veränderungen am Abdomen. Alle Kapitel schließen mit einer Zusammenfassung, Checkliste zur Bildbetrachtung oder speziellen Anmerkungen ab.
In den Abbildungen der Kapitel 4 bis 15 kommt eine Farbkodierung zum Einsatz, die im Folgenden genauer erläutert wird:
physiologische Strukturen im Röntgenbild: gelb und blau
pathologische Veränderungen: in der Regel rot
flächige Veränderungen ausserhalb der Lunge: blau
diffuse Veränderungen der Lunge: weiß
fokale und multifokale Veränderungen der Lunge (nodulär und kavitär): rot
flächige Infiltrate im Lungenparenchym: in der Regel grün
Herzsilhouette: rot
Arterien: rot
Venen: blau
Massen/Veränderungen des Magen-Darm-Traktes: rot
Nieren: grün und gelb
Harnblase: blau
Pathologien am Harntrakt: rot
Der letzte Abschnitt des Buches besteht aus den Kapiteln 16–18. In Kapitel 16 werden Differenzialdiagnoselisten als Flowcharts zusammengefasst. Diese bieten eine stufenweise Orientierung zu unterschiedlichen Themen. Sicherlich ergänzen sich diese „Listen“ mit wachsendem Erfahrungsschatz des Untersuchers und werden auch durch die Kombination mit „subjektiven Eindrücken“ mit der Zeit ergänzt.
Kapitel 17 zeigt beispielhaft Normalbefunde in Röntgenbildern auf und gibt zusätzlich die typischen Lokalisationen von Veränderungen wieder. Kapitel 18 nennt wichtige Quellen und weitere Literatur.
Der Aufbau des Buches folgt der Reihenfolge, in der die einzelnen anatomischen Strukturen während der Bildbetrachtung begutachtet werden. So kann das Buch auch als Nachschlagewerk während der Befundung zum Einsatz kommen. Die Leser können sich sowohl anhand der Lokalisation der Veränderung als auch anhand der Flowcharts und des Index im hinteren Teil des Buches orientieren um einzelne Fragen im Alltag zu klären.
Abschließend wünsche ich viel Freude und Erfolg beim Betrachten von Röntgenbildern und dass das Buch Sie beim Erarbeiten spannender Befunde unterstützen wird und damit eine praktische Hilfe im Alltag und in der Ausbildung darstellt.
Gießen, 2018Kerstin von Pückler
Die Entstehung des vorliegenden Buches wäre ohne die Unterstützung durch Familie, Freunde und KollegInnen nicht möglich gewesen. Mein besonderer Dank gilt den beiden Mitautorinnen dieses Buches, Dr. Antje Hartmann und Dr. Charlotte Günther, die hochmotiviert mit mir an diesem Buch gearbeitet haben.
Frau Dr. Sandra Schmidt vom Thieme Verlag hat das Projekt ins Leben gerufen und unterstützt. Sie hat das Buch über einen weiten Weg begleitet - auch ihr gilt mein besonderer Dank. Eine weitere wichtige Hilfe waren Frau Dr. Nicola Schmidt, sowie Frau Dr. Marion Drachsel, die als Redakteurinnen dem Buch schließlich die wichtige Struktur verliehen haben.
Vielen Dank an alle MitarbeiterInnen des Schattauer und Thieme Verlages, ganz besonders an Frau Désirée Schwarz und Frau Dr. Carolin Frotscher für die wunderbare Zusammenarbeit und den „finalen Schliff“.
Außerdem herzlichen Dank an alle Helfer und Unterstützer, die mich motiviert und ermutigt haben. Danke an Dr. Bernd Tellhelm, dessen Begeisterung für die Radiologie und das Lehren immer eine Inspiration für mich ist. Ein weiterer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. Martin Kramer für die Erlaubnis, Bildmaterial aus der Klinik für Kleintiere der JLU Gießen einzubinden sowie Dr. Sebastian Schaub für die Unterstützung bei der Recherche von „besonderen Röntgenfällen“.
Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an meinen Ehemann Tassilo, meinen Sohn Vincent und meine restliche Familie: für die Urlaubsreisen, die Abende, Nächte, Wochenenden und Feiertage durch die das Projekt uns begleitet hat und die Freiräume, die Ihr geschaffen habt, damit die Idee zu einem Buch werden konnte.
Gießen, 2018Kerstin von Pückler
physiologische Strukturen im Röntgenbild: gelb und blau
pathologische Veränderungen: in der Regel rot
flächige Veränderungen ausserhalb der Lunge: blau
diffuse Veränderungen der Lunge: weiß
fokale und multifokale Veränderungen der Lunge (nodulär und kavitär): rot
flächige Infiltrate im Lungenparenchym: in der Regel grün
Herzsilhouette: rot
Arterien: rot
Venen: blau
Massen/Veränderungen des Magen-Darm-Traktes: rot
Nieren: grün und gelb
Harnblase: blau
Pathologien am Harntrakt: rot
Titelei
Vorwort
Danksagung
Farbkodierung der Kapitel 4–15
Teil I Grundlagen und Untersuchung der Organe
1 Physikalische Grundlagen
1.1 Röntgenstrahlen
1.2 Röntgenröhre
1.3 Artefakte
2 Patientenlagerung und Aufnahmetechnik
2.1 Vorbereitung
2.2 Durchführung
2.2.1 Thoraxröntgen
2.2.2 Abdomenröntgen
2.2.3 Zusätzliche Projektionen
3 Befundaufbau
3.1 Einleitung
3.2 Strukturierte Befundung des Thorax
3.3 Beschreibung der Befunde
4 Normalanatomie des Thorax
4.1 Einleitung
4.2 Extrathorakale Strukturen
4.2.1 Weichteilgewebe
4.2.2 Knöcherne Strukturen
4.2.3 Zwerchfell
4.2.4 Abgebildete Anteile des Abdomens
4.3 Intrathorakale Strukturen
4.3.1 Trachea
4.3.2 Mediastinum
4.3.3 Gefäße
4.3.4 Pleura
4.3.5 Lungenparenchym
4.4 Altersbedingte Normalbefunde
5 Mediastinum
5.1 Anatomie und physiologische Befunde
5.1.1 Anatomie
5.1.2 Physiologische Befunde
5.2 Pathologische Befunde
5.2.1 Mediastinale Massen
5.2.2 Mediastinaler „Shift“
5.2.3 Reduzierte Sichtbarkeit mediastinaler Strukturen
5.2.4 Verbesserte Sichtbarkeit mediastinaler Strukturen: Pneumomediastinum
5.2.5 Trachea
5.2.6 Ösophagus
5.2.7 Lymphknoten
6 Herz
6.1 Physiologische Befunde
6.1.1 Messung des Vertebral Heart Score (VHS)
6.1.2 Die „Herzuhr“
6.2 Mögliche pathologische Befunde
6.2.1 Veränderte Position
6.2.2 Fokale Veränderungen
6.2.3 Generalisierte Veränderungen
6.3 Häufige kardiologische Erkrankungen bei Hund und Katze
6.3.1 Kardiomyopathie bei Katzen
6.3.2 Dilatative Kardiomyopathie
6.3.3 (Degenerative) Mitralklappeninsuffizienz
6.3.4 Kongenitale Herzerkrankungen
7 Gefäße
7.1 Einleitung
7.2 Physiologische Befunde der großen Gefäße
7.2.1 Aorta
7.2.2 V. cava caudalis (VCC)
7.2.3 V. cava cranialis und V. azygos
7.2.4 Truncus pulmonalis
7.3 Pathologische Befunde der großen Gefäße
7.3.1 Dilatation des Aortenbogens
7.3.2 Fokale Dilatation der Aorta descendens
7.3.3 Veränderungen des Verlaufs der Aorta
7.3.4 Veränderungen der Dichte der Aorta, Mineralisationen
7.3.5 Verbreiterung der V. cava caudalis
7.3.6 Verschmälerung V. cava caudalis
7.3.7 Veränderungen des Verlaufs der V. cava caudalis
7.3.8 Verbreiterung des Truncus pulmonalis
7.4 Physiologische Befunde der Lungengefäße
7.4.1 Kraniale lobäre Lungengefäße
7.4.2 Kaudale lobäre Lungengefäße
7.5 Pathologische Befunde der Lungengefäße
7.5.1 Reduzierter Gefäßdurchmesser/Hypovaskularität
7.5.2 Vergrößerter Gefäßdurchmesser
8 Lunge
8.1 Physiologische Befunde
8.2 Beurteilung
8.2.1 Der 1. Schritt
8.2.2 Der 2. Schritt
8.2.3 Der 3. Schritt
8.3 Pathologische Befunde
8.3.1 Alveoläre Lungenzeichnung
8.3.2 Bronchiale Lungenzeichnung
8.3.3 Interstitielle Lungenzeichnung
8.3.4 Fokal reduzierte Röntgendichte der Lunge
9 Abdomen und angrenzende Strukturen
9.1 Physiologische Befunde
9.2 Zwerchfell
9.2.1 Normalanatomie und physiologische Befunde
9.2.2 Pathologische Befunde
9.3 Abdominalwand
9.3.1 Veränderungen der Form und Kontur
9.3.2 Veränderte Röntgendichte der Abdominalwand
9.4 Knöcherne Strukturen
9.4.1 Traumapatienten, neurologische Patienten
9.4.2 Onkologische Patienten
9.5 Retroperitonealraum
9.5.1 Generalisierte Vergrößerung des Retroperitonealraums
9.5.2 Fokale Vergrößerung des Retroperitonealraums
9.5.3 Erhöhte Röntgendichte des Retroperitonealraums
9.5.4 Reduzierte Röntgendichte des Retroperitonealraums
10 Magen-Darm-Trakt
10.1 Einleitung
10.2 Magen
10.2.1 Normalanatomie und physiologische Befunde
10.2.2 Pathologische Befunde
10.3 Dünndarm
10.3.1 Normalanatomie und physiologische Befunde
10.3.2 Pathologische Befunde
10.4 Dickdarm
10.4.1 Normalanatomie und physiologische Befunde
10.4.2 Pathologische Befunde
10.5 Kontrastmittelstudien und Indikationen
11 Leber
11.1 Anatomie und physiologische Befunde
11.2 Pathologische Befunde
11.2.1 Veränderung der Lebergröße
11.2.2 Entzündliche Leberveränderungen
12 Biliäres System
12.1 Normalanatomie und physiologische Befunde
12.2 Pathologische Befunde
13 Pankreas
13.1 Normalanatomie und physiologische Befunde
13.2 Pathologische Befunde
14 Milz
14.1 Normalanatomie und physiologische Befunde
14.2 Pathologische Befunde
15 Harnwege
15.1 Physiologische Befunde
15.2 Pathologische Befunde
15.2.1 Nieren und Ureteren
15.2.2 Harnblase
15.3 Ausscheidungsurografie
15.3.1 Grundlagen
15.3.2 Durchführung
15.3.3 Häufige pathologische Befunde
15.4 Kontrastmitteldarstellung von Harnblase und Urethra
15.4.1 Vorbereitung und Durchführung
15.4.2 Häufige pathologische Befunde
Teil II Anhang
16 Strukturierte Befundung und Differenzialdiagnosen
17 Röntgenübersichten
18 Literatur
19 Abbildungsnachweis
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Access Code
Wichtige Hinweise
Alle Inhalte jetzt kostenlos auch im Internet nutzen !
Schnellzugriff zum Buch
Impressum
1 Physikalische Grundlagen
2 Patientenlagerung und Aufnahmetechnik
3 Befundaufbau
4 Normalanatomie des Thorax
5 Mediastinum
6 Herz
7 Gefäße
8 Lunge
9 Abdomen und angrenzende Strukturen
10 Magen-Darm-Trakt
11 Leber
12 Biliäres System
13 Pankreas
14 Milz
15 Harnwege
Kerstin von Pückler
Röntgenstrahlung wird zu den ionisierenden Strahlen gezählt. Ionisierende Strahlung verursacht eine Energieübertragung bei Interaktion mit Materie bzw. Gewebe. Durch die Interaktion der Röntgenstrahlen mit unterschiedlichen Elementen entstehen die typischen „Röntgenzeichen“ im Röntgenbild.
Man unterscheidet in der Projektionsradiografie 5 unterschiedliche Dichten: Gas-, Fett-, Weichteil-, Mineral- und Metalldichte. Es ist nicht möglich, unterschiedliche Weichteilgewebe oder Flüssigkeiten anhand ihrer Dichte zu unterscheiden, da sie die Röntgenstrahlung in ähnlichem Ausmaß abschwächen.
Röntgenstrahlen, die in der bildgebenden Diagnostik eingesetzt werden, bestehen nur zu einem geringen Teil aus den sog. charakteristischen Röntgenstrahlen. Den größten Anteil am „Nutzstrahlenbündel“ haben sog. Bremsstrahlen. Physikalisch betrachtet handelt es sich bei Röntgenstrahlung um eine elektromagnetische Wellenstrahlung.
Die wichtigsten Bestandteile der Röntgenröhre ( ▶ Abb. 1.1) sind die Kathode und die Anode ( ▶ Abb. 1.1a). Sie werden vom Gehäuse der Röntgenröhre in einem Vakuum umgeben. Die Kathode repräsentiert den „Glühdraht“ und besteht i. d. R. aus 1 oder 2 Wolframdrähten, die von einem definierten Strom durchflossen werden können. Die Anode besteht üblicherweise aus einem sog. Anodenteller. Diese Scheibe aus einer Wolframlegierung rotiert während der Entstehung der Röntgenstrahlen, um Hitze gleichmäßig und damit möglichst „materialschonend“ über den Anodenteller zu verteilen.
Zur Herstellung von Röntgenstrahlen müssen 3 besondere Einstellungen beachtet werden:
die Stärke des Stroms, der durch den Kathodendraht fließt
die Dauer dieses Stromflusses
die Spannung, die zwischen Kathode und Anode angelegt wird
Der Strom fließt mit den zuvor vom Untersucher am Gerät angewählten Milliampere durch den Kathodendraht in einer definierten Zeit, die in Sekunden ausgedrückt wird (Milliamperesekunden, mAs). Dabei werden durch den thermionischen Effekt bei Erhitzen des Drahts Elektronen freigesetzt, die sich als Elektronenwolke um die Kathode sammeln. Diese Elektronen werden anschließend durch das Anlegen einer Spannung, die durch Einstellen der notwendigen Kilovolt bestimmt wird, vom Glühdraht zum Anodenteller beschleunigt ( ▶ Abb. 1.1b). Dort kommt es zu unterschiedlichen Interaktionen der Elektronen mit dem Anodenmaterial. Vorwiegend entstehen Bremsstrahlung und Wärme. Die Intensität der entstehenden Strahlung hängt dabei direkt von der angelegten Röhrenspannung und damit der Beschleunigung der Elektronen ab. Die Quantität der entstehenden Röntgenstrahlen hängt von der Dauer des Stromflusses am Glühdraht ab.
Abb. 1.1 Röntgenröhre.
Abb. 1.1a Schematische Darstellung einer Röntgenröhre mit ihren wichtigsten Bestandteilen Kathode und Anode.
Abb. 1.1b Die Elektronen (blau) werden durch Anlegen einer Spannung (kV) im Vakuum zur Anode hin beschleunigt.
Merke
Die Intensität der Röntgenstrahlung hängt von der Röhrenspannung (in Kilovolt, kV) ab.
Aus Bremsstrahlung und Röntgenstrahlung entsteht das Nutzstrahlenbündel. Die Bremsstrahlung weist ein breites Spektrum von niedrig- und hochenergetischen Röntgenstrahlen auf. Dabei ist die größtmögliche Intensität die „kVp“ (kilovoltage peak). Hierbei wird ein Elektron mit maximal möglicher Beschleunigung von der Anode angezogen und gibt bei Interaktion mit dem Anodenmaterial seine Energie vollständig an die entstehende Bremsstrahlung weiter.
Mithilfe von in der Röhre platzierten Filtern (z. B. Aluminium) wird besonders niedrigenergetische Strahlung vom Nutzstrahlenbündel entfernt. Dies dient der Reduktion der Strahlenbelastung des Patienten und verbessert die Bildqualität.
Bei der Anwendung von Röntgenstrahlen sollte man allerdings daran denken, dass es keinen homogenen, optimalen Nutzstrahl geben kann, sondern nur maximale Werte angegeben werden können.
Merke
„Kilovolt (kV)“ bestimmen die Strahlenhärte und damit die sog. „Qualität“ und Durchdringungsfähigkeit der Röntgenstrahlen, während „Milliamperesekunden (mAs)“ die Strahlenmenge und damit die „Quantität“ bestimmen.
Artefakte sind als Strukturen definiert, die zwar im Röntgenbild sichtbar sind, jedoch keiner real existierenden Struktur entsprechen.
Definition
Sinngemäß wird ein Artefakt definiert als „unbeabsichtigter künstlicher Kausalzusammenhang durch Fehler in der Datenerhebung oder Verarbeitung“.
Artefakte können anhand ihres Entstehungszeitpunkts in mehrere Kategorien unterteilt werden:
Artefakte, die vor der Belichtung entstehen. Beim konventionellen Röntgen spielen hier v. a. die Lagerungsbedingungen der Röntgenfilme und Folien eine wichtige Rolle. Nur ein trocken und dunkel gelagerter Film kann ein optimales Bild aufnehmen. Im digitalen Röntgen sind besonders Installations- und Softwarefehler an Artefakten schuld.
Artefakte, die bei der Belichtung entstehen. Falsch eingelegte Filme, unpassende Belichtungsparameter oder Bewegungen des Patienten (sog. Bewegungsartefakt) können eine große Rolle spielen.
Artefakte, die bei der Nachbearbeitung oder Lagerung entstehen.
Eines der häufigsten Artefakte ist das Bewegungsartefakt ( ▶ Abb. 1.2). Durch physiologische Bewegung (Atmung, Herzschlag) oder durch Abwehrbewegungen des Patienten kommt es zu unscharfen Grenzen im Röntgenbild und Doppelkonturen. „Verwischte“ Areale machen eine verlässliche Befundung häufig unmöglich. Um Bewegungsartefakte zu vermeiden, sollten am Thorax kurze Belichtungszeiten eingesetzt werden. Optimal ist eine Belichtung bei maximaler Inspiration, da eine kurze „Bewegungspause“ entsteht, wenn das Thoraxvolumen maximal ist.
Abb. 1.2 Laterale Röntgenaufnahme der Brustwirbelsäule eines Hundes: Durch Bewegung während der Belichtung kommt es zu „Doppelkonturen“ und zum Verwischen des Bildes.
Artefakte im konventionellen Röntgenbild sind häufig Unter- oder Überbelichtung der Aufnahme oder fehlerhafte Filmentwicklung. Die entstandenen Röntgenbilder sind entweder zu dunkel (Überbelichtung) oder zu hell (Unterbelichtung) ( ▶ Abb. 1.3). Bei der Filmentwicklung können Beschädigungen der Emulsion auf dem Film zu Kratzern, Knicken, dunklen Arealen oder elektrostatischen Entladungen mit schwarzen Linien führen.
Abb. 1.3 Laterolaterale Röntgenaufnahmen des Thorax beim Hund: Beispiele für Überbelichtung (a) und Unterbelichtung (b).
Ein häufiger Fehler bei der Entwicklung von Röntgenfilmen ist die mangelhafte „Fixierung“ des entwickelten Films. Dies führt zur späteren Oxidation der Bilder mit Farbschleier. Die Bilder werden mit der Zeit immer weniger sichtbar ( ▶ Abb. 1.4).
Abb. 1.4 Beispiel für eine Farbschleierbildung. Die ventrodorsale Aufnahme des Beckens bei einem Hund zeigt durch Oxidation einen gleichmäßigen Farbschleier.
Für eine optimale Kontrastdarstellung sollte im konventionellen Röntgen auf die Anwendung einer passenden Film-Folien-Kombination geachtet werden, während in der digitalen Radiografie auf die Anwendung passender Algorithmen (Software-Voreinstellungen) sowie den Einsatz von veterinärmedizinischer Software geachtet werden sollte.
Unterbelichtung ist auch in digitalen Röntgenbildern möglich. Hierbei entsteht ein schlechtes „Signal-zu-Rausch-Verhältnis“ und die Bilder bekommen eine generalisierte Körnigkeit, welche die Befundung kleiner Strukturen sehr schwierig machen kann ( ▶ Abb. 1.5).
Abb. 1.5 Kopf einer Katze im laterolateralen Strahlengang: Durch Unterbelichtung (a) entsteht im digitalen Röntgen ein körniges Bild, das im Vergleich zum optimal belichteten Bild (b) deutlich weniger Details erkennen lässt.
Sowohl für das Röntgen des Thorax als auch für das Abdomen ist eine hervorragende Bildqualität entscheidend.
Merke
Um Bewegungsartefakte zu vermeiden, sollte die kurze (!) Belichtung bei der Thoraxröntgenaufnahme in maximaler Inspiration erfolgen.
