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Klappentext: Dass der langjährige Ehemann sich zur Rente eine neue Lebensgefährtin sucht, ist ein starkes Stück. Doch dass er mit neuer Begleitung all die Reisen macht, die Rosa so gerne gemacht hätte, ist der Gipfel. Zu lange schon hat Rosa es allen recht gemacht. Jetzt ist Zeit für ein eigenes kleines Abenteuer: ein Rundflug über die Fränkische Heimat. Wer hätte gedacht, dass Fliegen so schön ist? Und dass es unter den Piloten so nette Herren gibt? Warum also nicht ein paar Flugstunden nehmen? Dumm nur, dass Rosas Familie von ihrem neuen Hobby gar nicht begeistert ist. Die macht ihr nun ordentlich Gegenwind. "Gegenwind ist gut zum Starten", sagt Rosas Fluglehrer. Der hat gut reden! Zum Inhalt: Rosa hat die Nase voll. Pünktlich zur Rente hat sich ihr langjähriger Ehemann eine neue Lebensgefährtin gesucht. Während er nun in der Weltgeschichte herumreist, darf Rosa Enkelkinder hüten und den erwachsenen Sohn bekochen. Das ist ungerecht, denkt sich Rosa und macht sich auf die Suche nach einem eigenen kleinen Abenteuer. Ein Rundflug über die Fränkische Heimat ist eine willkommene Abwechslung. Doch bei dem einen Flug bleibt es nicht. Denn wer hätte gedacht, dass Fliegen so schön ist? Und dass man sich mit 60 noch einmal so richtig verlieben kann? Rosa lässt sich von ihrem Fluglehrer überreden, es mit dem Pilotenschein zu probieren – vorausgesetzt, sie bekommt ihr Tauglichkeitsdingsbums. Überzeugt davon, dass sie niemals alleine fliegen wird, "verpasst" sie den richtigen Moment, ihrer Familie von ihrem neuen Hobby zu erzählen. Da ist die Katastrophe vorprogrammiert. Spätestens, als sie zum Geburtstag Landkarten für die Luft und Fußmatten mit Zebrastreifen geschenkt bekommt, lässt sich das mit der Sportpiloten-Ausbildung nicht mehr geheim halten. Da ist der Schlamassel vorprogrammiert.
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Seitenzahl: 358
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Rosa startet gegen den Wind
Maja Christ
Roman
Dass der langjährige Ehemann sich zur Rente eine neue Lebensgefährtin sucht, ist ein starkes Stück. Doch dass er mit neuer Begleitung all die Reisen macht, die Rosa so gerne gemacht hätte, ist der Gipfel.
Zu lange schon hat Rosa es allen recht gemacht. Jetzt ist Zeit für ein eigenes kleines Abenteuer: ein Rundflug über die Fränkische Heimat. Wer hätte gedacht, dass Fliegen so schön ist? Und dass es unter den Piloten so nette Herren gibt? Warum also nicht ein paar Flugstunden nehmen?
Dumm nur, dass Rosas Familie von ihrem neuen Hobby gar nicht begeistert ist. Die macht ihr nun ordentlich Gegenwind. »Gegenwind ist gut zum Starten«, sagt Rosas Fluglehrer. Der hat gut reden!
Personen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Einzig die Familie, der Rosa und ihre Kumpanen auf Föhr im Flugplatzrestaurant begegnen, existiert tatsächlich. Den Flugplatz Erlangen und die »Flugschule Fränkische Schweiz« von Hanne und Rudi Frantz gibt es nicht in Wirklichkeit. Doch für all diejenigen, die einmal fliegen möchten, finden sich innerhalb und außerhalb der fränkischen Schweiz viele andere Flugplätze mit netten Fluglehrern und Piloten, die sich über Gäste und neue Flugschüler freuen.
Verwendete Fachbegriffe aus der Fliegersprache sind in einem Glossar am Ende des Buches erläutert. Dort findet man auch die fränkischen Bezeichnungen, die sich ab und zu in den Text geschmuggelt haben.
»Warum sollte es ein Fehler sein, seinen Träumen zu folgen, wenn man die Möglichkeit dazu hat?«
Rudi Frantz, Rosas Fluglehrer
Drei rechts, vier links, sechs rechts … die Stricknadeln klickerten leise. Ich sah auf die alte Uhr, die, auf der Anrichte ihr Dasein fristend, unermüdlich tickte. In einer Stunde würde ich meine Enkelkinder aus dem Kindergarten abholen müssen. Bei dem Wetter sollten wir unbedingt einen Abstecher zum Spielplatz am Alterlanger See machen. Sechs links, vier rechts … kochen musste ich auch noch. Durch die offene Terrassentür hörte man die Vögel im Garten tschilpen. Eine Sippe Spatzen hatte sich mal wieder in unserem alten Apfelbaum niedergelassen und schien lauthals über irgendetwas zu streiten. Apropos streiten – was Helmut jetzt wohl machte?
»Rosa? Alles in Ordnung?«
Ich senkte die Stricknadeln, rückte meine Brille zurecht, schob eine Strähne meiner graublonden Haare aus der Stirn und sah zu meiner Nachbarin im Sessel gegenüber. Sie hatte ebenfalls ihre Stricknadeln beiseite gelegt und musterte mich.
»Ja, ja, alles in Ordnung, Moni. Warum fragst du? Möchtet ihr noch Kaffee haben?«, fragte ich und nickte in Richtung meines Couchtisches, wo eine Thermoskanne und drei, inzwischen leere, Kaffeetassen standen. Meine Freundin Leni, die in ihr Strickmuster vertieft auf dem Sofa saß, schüttelte den Kopf ohne aufzusehen.
»Nein, danke«, erwiderte Monika und spitzte pikiert die Lippen. »Ich trinke doch nur eine Tasse am Tag. Das weißt du doch!«
Warum so vorwurfsvoll? War es etwa unhöflich, jemandem einen Kaffee anzubieten? Moni fuchtelte stirnrunzelnd mit einer ihrer Stricknadeln herum. Ich folgte ihrem Blick auf die rosafarbene Merino-Wolle in meinem Schoß, die ich für den Pullover meiner Enkeltochter ausgesucht hatte.
»Hattest du nicht gesagt, du wolltest einen keltischen Zopf stricken?«, fragte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen.
Ja, das hatte ich. Doch ich musste ihr recht geben: Mein bisher fabriziertes Muster erinnerte nicht im Geringsten an einen mir bekannten Zopf. Seit mehreren Reihen schon hatte ich das Überkreuzen durcheinandergebracht.
»Oh, da habe ich mich wohl verzählt.« Ich zuckte mit den Schultern und begann, die letzten Reihen wieder aufzuribbeln.
Moni schüttelte den Kopf. »Also, Rosa. Wo bist du denn nur mit deinen Gedanken?«
Ja, wo war ich? Jedenfalls nicht auf einer Insel der Balearen oder Kanaren oder Karibik oder wo auch immer. Da saß Helmut gerade mit seiner Ursel. Gut ein Jahr war es her, dass mir mein Bis-dato-Ehemann eröffnet hatte, er habe festgestellt, dass er noch so viel erleben könne, jetzt wo er in Rente wäre. Das war kurz nach dem Tod seiner Mutter gewesen. Auf jeden Fall sagte Helmut mir damals, er habe beschlossen, etwas in seinem Leben zu ändern. Ab sofort wolle er die Abende nicht mehr auf dem Sofa sitzend und vor dem Fernseher verbringen, sondern verreisen und Abenteuer erleben. »Schön«, hatte ich erwidert, »ich möchte auch noch viel erleben!« Und ich hatte ihn gefragt, ob er sich schon überlegt hätte, wo wir als erstes hinfahren könnten. Vielleicht nach Paris? Oder Prag? Oder an die Algarve? Da wollte ich immer schon einmal hin. Doch Helmut hatte mich nur ganz komisch angesehen und den Kopf geschüttelt. Und dann faselte er auf einmal etwas von seiner Physiotherapeutin Ursel, die ganz hervorragend massieren würde und außerdem fast zwanzig Jahre jünger als er wäre und somit seine ideale Reise- und Lebensbegleiterin darstellte. Ich hatte dann erst einmal nichts mehr gesagt.
Nun waren die beiden bereits seit mehreren Wochen auf einer fernen Insel und ließen es sich gutgehen, während ich hier in Erlangen saß, Enkelkinder hütete, meinen erwachsenen Sohn bekochte und mich bei Stricktreffen wie heute mit meinen Freundinnen selbst bemitleidete.
»Rosa? Was machst du denn da? Du bist aber heute wirklich nicht bei der Sache«, rief nun auch Leni.
Aus meinen Erinnerungen aufgeschreckt begutachtete ich erneut mein Stickzeug. Ach herrje, das führte heute zu nichts mehr. Frustriert legte ich die Nadeln samt Wolle beiseite und wandte mich an meine Freundinnen. »Vielleicht sollte ich auch mein Leben ändern«, sagte ich.
Moni runzelte die Stirn. Sie hatte sichtliche Schwierigkeiten damit, meinen Gedankengang nachzuvollziehen. Doch dann rückte sie ihre Hornbrille zurecht, schob ein paar Locken ihrer hellbraun gefärbten Dauerwelle beiseite und nickte eifrig. »Ja, Rosa, das ist eine gute Idee.« Mit einem hoffnungsvollen Lächeln ergänzte sie: »Willst du vielleicht endlich zu meinem Yoga-Kurs mitkommen? Ich würde mich so freuen.«
Das konnte ich mir gut vorstellen – also, dass Moni sich freuen würde. Sie war ganz verrückt nach Yoga, Tai-Chi, Nordic Walking und dem ganzen Kram. Meine Person konnte ich mir da allerdings nicht vorstellen. Meine Freundinnen versuchten seit Jahren, mich zu überzeugen, sie zu ihrem Yoga-Kurs zu begleiten. Einmal hatten sie es geschafft und ich war danach alles andere als entspannt gewesen. Energisch schüttelte ich den Kopf und erwiderte: »Entschuldige, Moni, aber ich dachte eigentlich nicht an Yoga.«
Das Lächeln fror ein und Moni verzog den Mund zu einem Schmollen. Das hatte sie schon in der Schule gemacht. So lange kannte ich sie schon und hatte Zeit gehabt, mich an ihre Marotten zu gewöhnen. Eine davon war, dass sie unglaublich schnell beleidigt war. Wenn etwas nicht nach ihrer Nase lief, schaute sie einen über ihre Brille hinweg verächtlich an – so wie jetzt. »An was hast du denn dann gedacht?«, fragte sie schnippisch.
Ich seufzte. »Das weiß ich noch nicht so genau. Reisen vielleicht?« Gerne hätte ich etwas mehr von der Welt gesehen. Wer nie reisen wollte – außer vielleicht einmal an die Nord- oder Ostsee – war Helmut. Und ausgerechnet der saß nun unter irgendwelchen Palmen und ließ sich vermutlich von seiner Ursel gerade mit frischem Kokosöl massieren. »Oder ein neues Hobby?«, ergänzte ich.
Moni schien noch immer beleidigt. »Aber kein Yoga? Was denn dann? Walking?«
Ich zuckte mit den Schultern. Walking hatte ich ausprobiert, als ich noch mit Helmut zusammen war und keinen Gefallen an dem Herumschlenkern der Stöcke gefunden. Für schwerere Wandertouren waren sie nützlich, aber auf dem Trimm-dich-Pfad im Meilwald hatte ich den Einsatz meiner Wanderstöcke als reichlich überflüssig empfunden – auch wenn Moni das anders gesehen hatte und mich immer wieder ermuntert hatte, die Arme höher zu schwingen. Ich schüttelte mich bei dem Gedanken und schaute aus dem Fenster. Die Frühlingssonne strahlte vom Himmel, die Wolken hinter unserem alten Apfelbaum sahen aus wie lauter kleine Wattebausche und Mauersegler schwirrten über die Dächer. Sie wirkten unbeschwert und frei.
»Du findest sicher etwas Nettes für dich«, sagte Leni aufmunternd. Ich löste meinen Blick von den Wolken und sah zwischen meinen beiden Freundinnen hin und her. Wir waren schon ein seltsames Trio. Moni war etwas kleiner und – trotz Yoga und all dem anderen – ein wenig molliger als ich. Sie trug meist Kleidung in Erdfarben, die Leni für gewöhnlich als bieder umschrieb. Heute war es eine olivfarbene Bluse und eine beige Baumwollhose. Meine Garderobe war zwar meist ebenfalls zurückhaltend, doch ich bevorzugte dezente Blau- und Bordeauxtöne. Leni war ganz anders – nicht nur äußerlich, sondern auch vom Wesen her. Ich mochte ihre freundliche und zuvorkommende Art. Sie war klein und zierlich, doch davon durfte man sich nicht täuschen lassen: Leni verstand es durchaus, ihren Kopf durchzusetzen. Ihre Kleidung war das komplette Gegenteil von bieder: Über einer knallgelben Leggins trug sie heute eine pinkfarbene, fast knielange Tunika. Die langen, inzwischen silberfarbenen Haare hatte sie sich zu einem Zopf geflochten und ihre hellen Augen blitzten schelmisch, als sie weitersprach. »Vielleicht möchtest du einen Tanzkurs besuchen? Da könntest du gleich einen neuen Mann kennenlernen.« Sie zwinkerte mir zu. »Schau doch mal im Internet.«
Nun nickte auch Moni. »Und wenn du verreisen möchtest: Walter und ich fahren diesen Sommer wieder nach Sankt Peter-Ording. Du könntest doch mitkommen?«
Ganz sicher nicht. Und einen neuen Mann wollte ich ebenso wenig kennenlernen. Doch ich wollte meine Besucherinnen nicht vor den Kopf stoßen. Also erhob ich mich aus meinem Sessel und sagte, um das Thema erst einmal abzuschließen: »Ich schaue mal, was sich findet. So, möchte noch jemand Kaffee haben, bevor ich meine Enkelkinder aus dem Kindergarten abhole? Oder ein paar Kekse?«
Zum Abschied klopfte Leni mir auf die Schulter und erinnerte mich daran, im Internet nach einer netten Beschäftigungsmöglichkeit für mich zu suchen. Dann einigten wir uns darauf, bald wieder gemeinsam zu wandern. Schließlich gab es viele schöne Strecken in der Fränkischen Schweiz und unsere letzte Wanderung von Obertrubach zum Signalstein und entlang der Mühlen des Trubachtals lag schon ein paar Wochen zurück. Außerdem könnten wir bei dem schönen Wetter auch mal wieder eine Radtour machen. Seit Leni und ich uns Pedelecs zugelegt hatten, hatte sich unser Radius deutlich erweitert.
Moni ergänzte noch, dass das Senioren-Nachbarschaftscafé einige sehr interessante Kurse und Lesungen anbieten würde. Daraufhin handelte sie sich, statt der erhofften Zustimmung, nur böse Blicke von Leni und mir ein. Vielleicht war ich mit Anfang 60 nicht mehr so jung wie Helmuts Ursel, aber für ein Seniorencafé war ich definitiv noch lange nicht im richtigen Alter. Das Internet zu durchforsten, klang da schon verlockender. Doch das musste warten. Jetzt musste ich schleunigst Klöße mit Soße machen, eine der Leibspeisen meiner Enkel. Und für Tobias galt es noch eine Fleischbeilage zuzubereiten, sonst würde er heute Abend wieder unausstehlich sein. Tobias war mein jüngerer Sohn. Er war Anfang 20, machte nach einigem Hin und Her inzwischen eine Ausbildung zum Industriemechaniker und wohnte noch zu Hause. Das war unter anderem der Grund, dass Helmut es mir überlassen hatte, weiter hier in unserem Haus in Alterlangen zu wohnen. »Das bin ich dir doch irgendwie schuldig«, hatte er mir gönnerhaft erklärt. »Dann musst du nicht nach einer neuen Wohnung suchen und es bleibt fast alles so wie bisher: Tobias kann bei dir leben, Carstens Kinder können hier wie gewohnt spielen und deine Freundinnen sind weiterhin in der Nähe für eure Kaffeekränzchen.«
Das hatte fast so geklungen, als ob er mir damit einen Gefallen tun würde. Tatsächlich hatte sich kaum etwas für mich geändert, seit er ausgezogen war: Unser inzwischen erwachsener Sohn legte mir weiterhin seine schmutzige Wäsche ins Bad – du wäschst doch sowieso – und ließ sich bekochen – du kochst doch so gerne und du machst doch eh Mittagessen für Carstens Kinder. Sogar Helmut kam ständig vorbei, weil er seine ganzen Sachen noch im Haus hatte. Zu seiner neuen Lebensbegleitung hatte er bislang nur das Nötigste mitgenommen.
»Oma, jetzt gehen wir zum Spielplatz!«, rief Anna-Sophia eine Stunde später. Ich hatte meine Enkelkinder vom Kindergarten abgeholt und den beiden ihr Essen serviert. Gerade hatte meine fünfjährige Enkelin ihren Kloß verputzt. Sie wischte sich die feinen, hellbraunen Haare aus dem Gesicht, die sich mal wieder aus dem Haarband gelöst hatten, schob den Kinderstuhl nach hinten und stand auf.
»Ja!«, rief auch Finn-Lukas, ihr drei Jahre jüngerer Bruder. »Spieli gehen!« Er wollte schon aus seinem Kinderstuhl klettern, doch ich hielt ihn zurück. Finni, wie ich den kleinen Blondschopf nannte, hatte erst einen oder zwei Bissen gegessen und würde in einer halben Stunde wieder Hunger bekommen, wenn er jetzt nicht noch eine Kleinigkeit zu sich nahm. Finni plus Hunger war eine sehr explosive Mischung, die er von seinem Vater geerbt hatte. Auf das Geschrei, nachher im Park, konnte ich gut verzichten.
»Kinder, wartet mal«, erklärte ich daher. »Anna, dein Bruder ist noch nicht fertig, gedulde dich einen Moment und setz dich bitte wieder hin. Und du, Finni, iss noch etwas. Komm …« Ich hielt ihm die Gabel mit einem Stück Kloß hin, doch er presste die Lippen aufeinander, schüttelte den Kopf und versuchte erneut, aufzustehen.
»Satt!«, sagte er entschieden. Als ich es noch einmal probierte, schrie er lauthals »NEIN, OMA!!! FINNI SATT!!!«, und stieß meine Hand zur Seite, wodurch etwas Soße auf den Tisch spritzte.
Einmal tief durchatmend stand ich auf, um einen Lappen zu holen. Als ich mich umdrehte, waren beide Enkel bereits im Flur und zogen sich ihre Schuhe an. Kurz überlegte ich, ob ich Finni die Schuhe wieder ausziehen sollte, weil er rechts und links vertauscht hatte, beschloss aber, es nicht zu tun. Erstens fand ich es pädagogisch besser, ihm das Erfolgserlebnis zu lassen – immerhin hatte er sich seine Schuhe ganz allein angezogen. Und zweitens hatte ich gerade keine Lust auf das Gebrüll, das in dem Fall drohte. Ich sah es genau vor mir, wie er sich, aus Trotz brüllend, splitterfasernackt ausziehen würde, während seine Schwester heulend auf die Straße rannte, um zum Spielplatz zu kommen. Vielleicht konnte ich ihm die Schuhe im Park ausziehen. Der Sand war sicher schon warm genug, um ein wenig barfuß darin herumzutollen.
Auf dem Spielplatz am Alterlanger See war bereits einiges los. Kinder tobten kreischend durch den Sand und über die Klettergerüste, Mütter saßen plappernd, mit einem Coffee to go-Becher in der Hand, auf den Bänken oder rannten ihren Sprösslingen hinterher, die sich zu nahe an den naheliegenden See gewagt hatten. Glücklicherweise konnten wir zwei freie Schaukeln nebeneinander ergattern, denn beide Kinder wollten von ihrer Oma angeschubst werden.
»Schneller, Oma«, riefen meine Enkelkinder.
Mein Telefon klingelte.
»Ich muss da kurz rangehen, Kinder«, sagte ich, trat einen Schritt zurück und angelte mein Handy aus der Tasche.
»Rosa!«, flötete meine Schwiegertochter in mein Ohr.
»Hallo, Felicitas«, entgegnete ich. »Wir sind gerade auf dem Spielplatz.«
»Ah, das ist gut«, entgegnete sie. »Haben die Kinder ihre Sonnenhüte auf und hast du sie noch einmal eingecremt?«
»Ja, alles gut«, sagte ich und hob Finnis Sonnenhut auf, den er auf den Boden geworfen hatte, als ich ihn auf die Schaukel gehoben hatte.
»Oma, mehr Schwung!«, rief Anna.
»Gleich, Anna!«, rief ich zurück. »Das ist eure Mutter!«
»Also, Rosa, ich wollte nur Bescheid geben, dass es bei mir eine halbe Stunde später werden könnte. Ich habe noch ein wichtiges Meeting.«
Ich sah auf meine Armbanduhr. Eigentlich hätte ich um drei Uhr Feierabend gehabt. Doch ich hatte ja nichts weiter vor. »Ja, in Ordnung«, sagte ich. »Kommst du dann zum Spielplatz, um sie abzuholen?«
»OMA!! MEHR SCHWUNG!«, schrie Anna. Ihr Bruder stimmte lauthals mit ein.
»Es könnte auch eine Stunde werden«, entgegnete Felicitas.
»Oh, okay.«
»Carsten holt sie nachher bei dir ab, in Ordnung?«
Ich seufzte. »Ja, in Ordnung.«
»Danke, du bist ein Schatz«, trällerte meine Schwiegertochter in den Hörer. Ich wollte das Gespräch schon wegdrücken, da rief sie noch: »Du, Rosa, verwöhn sie nicht so! Hörst du?«
»OMA!«, schrie Anna.
Kopfschüttelnd verstaute ich das Handy in meiner Tasche und entgegnete: »Wie heißt das?«
»OMA, HUNGER!«, schrie nun Finni.
Ich seufzte. Hatte ich es nicht kommen sehen? »Sollen wir zu Hause eine Brotzeit machen, Kinder?«
***
»Mama, du sollst doch die Kinder nicht so verwöhnen.« Carsten ließ seinen Blick kopfschüttelnd über die Essensreste der Brotzeit auf dem Wohnzimmertisch schweifen. »Jetzt haben sie heute Abend keinen Hunger mehr.«
Ich deutete auf die Uhr auf der Anrichte. »Carsten, es ist Abend. Und dein Sohn hat mir die ganze Zeit die Ohren vollgeschrien, weil er Hunger hatte.«
»Dann muss er mittags mehr essen, Mama«, erwiderte mein Sohn. Er war seinem Vater inzwischen wie aus dem Gesicht geschnitten. Braune Haare, die hellbraunen Augen hinter einer dezenten Brille. Mit seinen 1,85 Metern war er zwar, wie auch sein Bruder, deutlich größer als Helmut, dafür aber genauso übellaunig, wenn etwas nicht nach seiner Nase lief.
Ich starrte Carsten an, atmete einmal tief durch und antwortete: »Ach so, ja. Danke für den Hinweis.«
»Warum bist du denn so gereizt? Du hattest doch einen schönen Tag im Park, hast ein bisschen mit deinen Enkelkindern gespielt und – hattest du nicht heute Morgen sogar den Stricktreff mit Moni und Leni?«, zählte mir mein Sohn meine Vergnügungen des Tages auf. »Alles, worum wir dich bitten, ist, dass du den Kindern Grenzen setzt und sie nicht so verwöhnst. Sonst haben wir hinterher den Schlamassel damit – Felicitas und ich.«
Wie bitte? Ich hatte mich wohl verhört. »Wer bitte setzt den Kindern denn keine Grenzen?«
»Mama, was soll das? Wenn ich von der Arbeit komme, habe ich keine Nerven dafür, die ganze Zeit mit den Kindern zu diskutieren, und mit dir auch nicht.«
Tobias’ blonder Haarschopf erschien im Türrahmen. Er war ebenfalls vor Kurzem ins Haus gekommen und sofort in der Küche verschwunden. »Mama, wo ist denn mein Essen?«
»In der Küche, mein Sohn.«
»Nee, da sind nur Klöße mit Soße. Und mein Schnitzel?«
Das hatte ich vergessen bei dem ganzen mittäglichen Trubel.
»Oh, Mama«, maulte Sohn zwei. »Du weißt doch, dass mir Klöße allein nicht reichen. Ich brauche mein Schnitzel.«
»Dann mach dir halt eins, Tobias«, entgegnete ich.
»Ich komme gerade von der Arbeit!«, empörte er sich.
»Ja, ich auch!«, sagte ich, jetzt schon etwas gereizter.
»Du warst im Park, Mama!«, schaltete Carsten sich ein.
Ich starrte ihn an und sagte: »Mit deinen Kindern. Das ist Arbeit.«
»Das ist Freizeit!«, erwiderte Carsten.
»Und Kochen entspannt doch total«, ergänzte Tobias nachdrücklich.
»Ja, prima, dann könnt ihr euch jetzt auch entspannen«, sagte ich nun sichtlich aufgebracht. »Tobias – das Fleisch findest du im Kühlschrank, du musst es dir nur noch panieren, wenn du möchtest, und dann anbraten. Carsten – deine Kinder sind in deinem Kinderzimmer und bewerfen sich vermutlich gerade mit Legosteinen. Die musst du nur noch einsammeln.«
»Mama! Jetzt hab dich doch nicht so!«, riefen meine Söhne im Chor.
Ich wehrte mit der Hand wedelnd ab und verschwand in meinem Handarbeitszimmer.
Etwas ratlos saß ich nun in meinem alten Sessel. Mein Handarbeitszimmer war mein einziger richtiger Rückzugsort in diesem Haus. Hier hatte ich meine Nähmaschine, meine Körbe voller Wolle und im Regal waren, neben meinen Büchern, auch meine zahlreichen Strick-, Häkel- und Stickhefte verteilt. Die Wände zierten Stickbilder mit Motiven der Toskana, die ich vor einigen Jahren, in einer Phase der Strickmüdigkeit, im Kreuzstichmuster erstellt hatte. Inzwischen fand ich kaum Zeit für solche Motive, da meine Enkelkinder recht schnell aus den Pullovern herauswuchsen, die ich ihnen strickte. Und da Anna stets rosa- und pinkfarbene Modelle einforderte, konnte Finni die Pullover nicht auftragen. Mich hätte es nicht gestört und selbst Finni hätte bis vor Kurzem nichts dagegen gehabt, doch Felicitas bestand darauf, dass rosa und pink keine Farben für einen Jungen waren. Sobald also der Pullover für Anna fertig war, würde ein blauer Pullover in Größe 98 folgen. Ohne Zopfmuster, dafür mit einem Baggermotiv. Von Zopfmustern hatte ich seit heute Vormittag sowieso erst einmal genug. Doch jetzt galt es, nachzudenken, was ich an meinem Leben ändern könnte.
Ich hatte noch nichts Bestimmtes vor, ich wusste nur, dass es so nicht weitergehen konnte. Also erhob ich mich aus dem Sessel und startete meinen kleinen Computer. Doch wo sollte ich mit der Suche anfangen? Als die »alte Krücke«, wie Tobias meinen Computer nannte, endlich das erste Browser-Fenster geladen hatte, hatte ich immer noch keine richtige Idee und so tippte ich erst einmal »Erlangen« in das Feld der Suchmaschine ein. Das erschien mir logisch, denn hier wohnte ich ja. Doch alles, worauf ich stieß, waren allgemeine Informationen über die Stadt. Dass Erlangen in Mittelfranken lag, wusste ich selbst. Den Botanischen Garten wollte ich jetzt auch nicht besuchen. Er war zwar wunderschön, doch ich war in der letzten Zeit oft genug mit meinen Enkelkindern in Parks. Das machte ich ja gerne, wirklich. Doch alle nahmen es als selbstverständlich hin, dass ich hier den Haushalt schmiss, Essen zubereitete oder die Kinder hütete. Sogar für Helmut war es vollkommen normal, dass er jederzeit hereinschneien konnte, um einen Hammer aus dem Keller zu holen oder sonst etwas. Lange hatte niemand mehr gefragt, wie es mir ging. Was ich gerne machen würde. Ich war doch verrückt, dass ich das einfach zuließ. Schluss mit Trübsal blasen, dachte ich und klickte mich weiter. Die Seite der Universität erschien. Ich stöhnte auf. So funktionierte das nicht. Ich musste die Suche irgendwie eingrenzen. Die Suchmaschine schlug mir sogar, ganz von selbst, weitere Suchbegriffe vor. »Anstehende Ereignisse in Erlangen«, das klang doch interessant. Auf die Bergkirchweih musste ich nicht unbedingt. Außerdem hatten wir erst April. Ich stieß auf die Ankündigung einer Lesung am Flugplatz. Doch die Autorin sagte mir nichts und der Termin war längst verstrichen. Wer las denn bitte aus seinem Buch an einem Flugplatz vor? Beim Senioren-Nachmittagscafé der Gemeinde ergab so etwas Sinn oder in einer Buchhandlung, aber doch nicht an einem Flugplatz, oder?
Ich rief mir den Erlanger Flugplatz in Erinnerung. Das war kein großer Flughafen, sondern so ein ganz kleiner Sportflugplatz mit einem Turm und ein paar Hallen. Als Carsten und Tobias noch klein waren, waren wir ab und an dort gewesen und hatten den Flugzeugen zugesehen. Ob das Restaurant noch da war? Einmal hatte meine Familie sogar einen Rundflug gemacht – also, Helmut, Carsten und Tobias. Ich nicht, denn in dem Flugzeug hatte es nur Platz für drei Gäste gegeben. Da hatten meine Männer beschlossen, ein Männerding draus zu machen und ließen mich einfach am Boden zurück. Damals hatte ich mich verständnisvoll gezeigt. Doch ich war nach wie vor nicht geflogen. Warum eigentlich nicht? Wäre das nicht ein Abenteuer, das mich ein wenig ablenken könnte? Ich klickte auf die Seite des Flugplatzes. Es gab dort eine Flugschule. Da konnte man doch bestimmt einen kleinen Rundflug über Erlangen buchen.
Am Samstagvormittag setzte ich mich auf mein Pedelec und fuhr zum Flugplatz. Ich hatte mir vorgenommen, einfach mal vorbeizufahren und zu gucken, was sich ergab. Und wenn sich nichts ergab, war ich zumindest an die frische Luft gekommen. Für Ende April war es schön warm und sonnig. Der Flugplatz lag etwas außerhalb, westlich von Erlangen, aber mehr als fünf Kilometer musste ich nicht radeln. Dort angekommen, schob ich mein Pedelec über den Schotterparkplatz, auf dem einige wenige Autos standen. Am Zaun, der den Parkplatz vom Flugplatz trennte, hatte jemand ein Herrenrad angekettet. Ich schloss mein Fahrrad daneben an und überlegte, was ich tun sollte. Das Restaurant gab es noch, auch wenn es einen anderen Namen als damals hatte. Es war noch geschlossen, doch der Zugang zur Terrasse war frei. Von hier aus hatte ich einen schönen Ausblick über das ganze Areal des Flugplatzes. Auf dieser Seite gab es drei Flugzeughallen. Eine weitere Halle älteren Baujahrs stand etwas abseits. Dann war da noch der kleine Tower. Nannte man das überhaupt Tower auf so einem kleinen Flugplatz? Vor der Wiese bis zu den Hallen erstreckte sich ein asphaltierter Bereich, von dem auf jeder Seite Wege für die Flugzeuge zur Landebahn führten. In der Ferne, auf der Wiese, stand ein rot-weiß gestreifter Windsack, den der Wind sanft hin und her wiegte. Ein paar einzelne Krähen liefen über die Wiese und ich meinte, etwas abseits einen Reiher zu sehen.
Am Zaun der Restaurantterrasse entdeckte ich ein Schild, auf dem man Werbung für Gastflüge machte. »Flugschule Fränkische Schweiz« stand da und eine Telefonnummer. Ich sah mich erneut um, doch bis auf ein paar Piloten, die außer Rufweite an ihren Flugzeugen hantierten, war niemand zu sehen. Dann würde ich wohl anrufen müssen. Seufzend, weil ich nicht gerne mit fremden Menschen telefonierte, suchte ich mein Handy heraus und tippte die Nummer ein. Unweit von mir klingelte es. Erschrocken schaltete ich das Handy wieder aus und fuhr herum.
Auf dem Vorfeld, hinter der Absperrung, stand ein alter Mann mit einem Telefon am Ohr. »Hallo?« Er senkte den Arm und musterte verdutzt sein Handy. »Dann wohl nicht«, sagte er, sah auf und entdeckte mich. »Grüß Gott. Suchen Sie jemanden?«, fragte er.
Ich starrte ihn verwirrt an. Eben war er noch nicht da gewesen. »Grüß Gott«, erwiderte ich unsicher.
»Das Restaurant macht erst in einer Stunde auf. Kann ich Ihnen vielleicht solange helfen?«, fragte er nun und kam näher an den Zaun.
Ich zuckte mit den Schultern. »Ähm, kennen Sie sich hier aus?«
Der Mann nickte und ich sah ihn mir genauer an. Unter seiner dunkelblauen Schirmmütze hatte er graue Haare. Grau war auch sein kurzgeschorener Bart. So alt war er wahrscheinlich doch nicht, stellte ich fest. Vielleicht Mitte 60. Er trug eine Jeans und das, was man wohl gemeinhin als Pilotenjacke bezeichnete, und er lächelte mich freundlich an.
»Ich wollte gerade bei der Flugschule hier anrufen«, sagte ich und deutete auf das Werbebanner.
»Ah, wollen Sie eine Pilotenlizenz machen?«, fragte er fröhlich.
Verwirrt zog ich die Augenbrauen zusammen und schüttelte den Kopf. »Sehe ich etwa so aus, als ob ich fliegen lernen wollte?«, entgegnete ich.
Nun war er es, der mit den Schultern zuckte. »Wie sieht denn jemand aus, der fliegen lernen will?«, fragte er zurück.
Wurde das hier eine morgendliche Fragerunde oder was? Vielleicht war es eine Schnapsidee gewesen, ohne Termin herzukommen. Und dieser Herr konnte mir anscheinend auch nicht helfen.
»Woher soll ich das wissen?«, erwiderte ich patzig. Eigentlich hatte ich gar keinen Grund, schlecht gelaunt zu sein. Die Sonne schien und es war ein wunderschöner Frühlingstag. Ich hatte mir das mit meinem Rundflug allerdings irgendwie leichter vorgestellt. »Entschuldigung«, sagte ich daher und versuchte ein Lächeln. »Ich wollte nicht unhöflich sein. Ich hatte mich nur auf einen kleinen Rundflug gefreut und jetzt ist niemand da.«
»Oh, ich bin da. Hatten Sie einen Termin mit meiner Tochter ausgemacht?«
»Sie sind von der Flugschule?«, fragte ich erstaunt.
Der Mann nickte fröhlich. »Kommen Sie mal herüber. Da vorne ist ein Tor.« Er deutete nach links den Zaun entlang, winkte mir zu und setzte sich in Bewegung. Ich lief über die Terrasse und ging durch das Tor, das er mir aufhielt. Dann streckte er mir seine Hand entgegen. »Hallo nochmal«, sagte er. »Ich bin der Rudi Frantz. Oder einfach Rudi.«
»Rosa Linde«, stellte ich mich vor und schüttelte seine Hand. Sie war viel weicher, als ich gedacht hatte.
»Freut mich, Rosalinde.« Er lächelte mich herzlich an. Die Augen hinter seiner Brille blitzten schelmisch und verstärkten damit sein Lächeln. Ich bemerkte, dass ich immer noch seine Hand hielt. Schnell zog ich sie zurück.
»Linde ist mein Nachname«, sagte ich.
»Ah. Entschuldigung, das klang wie ein Vorname.«
»Ja, ich weiß. Kein Problem. Das denken viele. Also einfach Rosa. Ähm, und ich hatte keinen Termin ausgemacht. Ich bin spontan hergefahren.«
»Ach, haben Sie mich eben angerufen?«
Deshalb hatte er sein Telefon so verwirrt angesehen. »Sieht so aus«, erwiderte ich schuldbewusst. Enttäuscht fragte ich: »Brauche ich denn einen Termin zum Fliegen?«
Rudi Frantz schüttelte den Kopf. »Wenn mehr los ist, schon. Aber heute ist es noch ruhig. Ein paar unserer Piloten sind gerade auf einer Frankreich-Tour.«
»Aha«, sagte ich.
Rudi Frantz führte mich über das Vorfeld des Flugplatzes, blieb vor einer kleinen Tür am Nebenbau einer Flugzeughalle stehen und schloss sie auf. »Möchten Sie einen Kaffee trinken?«, fragte er und ließ mir den Vortritt. Von außen hatte der Bau etwas schäbig gewirkt, aber der Raum, in den ich nun eintrat, war gemütlich. In der Mitte stand ein großer Tisch mit Stühlen und in der Ecke gab es eine kleine Teeküche.
»Ja, gerne«, sagte ich.
Während Rudi Frantz Kaffee aufsetzte, schaute ich mir die Luftaufnahmen an den Wänden an. An einer Wand hing eine große Deutschlandkarte. Sie war mit lauter rosafarbenen und blauen Kästen und Strichen versehen, ganz anders als die Landkarten, die ich kannte.
»Also, wie ich schon sagte, haben Sie Glück. Die Mike-India ist bis in den frühen Nachmittag frei. Was möchten Sie denn machen?«
Ich nahm dankend die Tasse mit Kaffee entgegen. »Mike-India?«
»Das ist eine unserer Maschinen – ein Ultraleichtflugzeug. Das Einzige, das gerade nicht in Frankreich unterwegs ist.«
»Ah, okay«, meinte ich. »Keine Ahnung. Was macht man denn so? Und was kostet das dann überhaupt?«
»Ein Rundflug kostet 140 Euro die Stunde.«
Ich pfiff durch die Zähne. »Und wie lange muss man fliegen? Gehen auch zehn Minuten?«, fragte ich.
Rudi Frantz verzog das Gesicht.
»Zwanzig Minuten wären das Minimum; das ist quasi einmal starten, ein Kreis und wieder landen. In der Regel wollen unsere Gäste schon ein bisschen länger fliegen«, sagte er.
»Kann ich dann mit EC-Karte zahlen?«, fragte ich vorsichtig. Ich hatte mich wirklich nicht besonders gut auf dieses Abenteuer vorbereitet, merkte ich, denn ich hatte gerade mal 50 Euro dabei.
Der Pilot lächelte mich an. »Wir können auch eine Rechnung schreiben. Sind Sie denn schon einmal geflogen? In einem Kleinflugzeug?«
Ich schüttelte den Kopf. »Nein, noch nie. Mein Mann ist hier vor vielen Jahren einmal mit unseren Kindern mitgeflogen. Da waren sie noch klein. Jetzt sind sie erwachsen. Aber für mich war damals kein Platz mehr in dem Flugzeug.«
»Und da sind Sie nicht hinterher auch eine Runde mitgeflogen?«
»Nein«, gab ich zu.
»Aber Flugangst haben Sie nicht, oder?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Woher soll ich das denn wissen, wenn ich noch nie geflogen bin?«
Gedankenverloren strich Rudi Frantz sich durch seinen Bart. Dann klopfte er auf den Tisch, stand auf und sagte: »Wir machen das jetzt so. Wären Sie bereit, prinzipiell 140 Euro für einen Rundflug auszugeben?«
»Ja«, sagte ich entschieden. Ich hatte mir das vorgenommen und ich würde das jetzt durchziehen. Wenn Helmut auf irgendeiner Südseeinsel herumlungerte, konnte ich mir auch für 140 Euro einen Rundflug über meine Heimat gönnen.
»Dann machen wir uns jetzt die Mike-India fertig und starten. Wenn Sie nach zehn Minuten merken, dass Fliegen nichts für Sie ist, landen wir und rechnen das anteilig ab. Wenn es Ihnen gefällt, machen wir die Stunde voll. Ich schreibe Ihnen hinterher eine Rechnung. In Ordnung?«
Ich nickte und merkte, wie ich langsam aber sicher weiche Knie bekam. »In Ordnung«, sagte ich dennoch.
Ich sollte noch einen Wisch wegen der Versicherung oder so unterschreiben, dann schob Rudi Frantz mich aus dem Raum ins Freie. Mein Herz klopfte mir inzwischen bis zum Hals. Auf was hatte ich mich hier bloß eingelassen? Ein Fallschirmsprung hätte sich bestimmt nicht schlimmer angefühlt. Noch konnte ich einen Rückzieher machen, oder?
Mein Pilot schob die riesigen Hallentore auf. Ich lugte vorsichtig ins Innere. Staub tanzte in den Sonnenstrahlen. Viele Flugzeuge waren nicht in der Halle und ich erinnerte mich daran, dass er etwas von einem Ausflug erzählt hatte. Rudi Frantz ging auf ein kleines Flugzeug zu, begutachtete es von allen Seiten und schob es dann langsam aus der Halle. Es erinnerte mich an die Maschine, mit der meine Männer damals geflogen waren. Sie hatte noch weniger Sitzplätze – zwei, um genau zu sein. Doch für meinen ersten Flug langte das ja.
»Soll ich irgendwo mit anfassen?«, wollte ich wissen und griff nach einer Strebe unterm Flügel.
»Nein, danke, das mache ich lieber selbst«, rief Rudi mir zu. »Das Flugzeug ist ganz leicht.«
Etwas verloren lief ich hinter ihm her. Nichts zu tun zu haben, war ich nicht gewohnt. Ich packte immer mit an.
Draußen angekommen, hielt er an, lief nach vorne zum Cockpit und öffnete die »Beifahrertür«. Wie nannte man das wohl beim Flugzeug?
»So, Rosa, dann steigen Sie mal ein.«
Jetzt ließ es sich nicht mehr leugnen. Ich war aufgeregt.
Mein Pilot nickte mir aufmunternd zu. »Die Mike-India beißt nicht, keine Sorge.«
Das war aber auch ein seltsamer Name. »Wieso heißt das Flugzeug eigentlich Mike-India?«, wollte ich wissen, nachdem Rudi mir ins Flugzeug und beim Anschnallen geholfen hatte. Wie er das geschafft hatte, konnte ich mir allerdings nicht erklären. Wie war es möglich, den Gurt festzuziehen, wenn mein Herz ständig mit aller Macht dagegen hämmerte? Hoffentlich hatte ich keine Herzerkrankung, von der ich nichts wusste. Inzwischen erwartete ich nämlich jeden Moment, dass meine Pumpe aussetzte. Diese Aufregung war mit Sicherheit zu viel für das arme Ding und die Idee mit dem Rundflug definitiv eine Torheit gewesen. Vielleicht hätte ich mich vorher Leni oder sogar Moni anvertrauen sollen. Die beiden hätten mich bestimmt davon abgehalten. Misstrauisch beäugte ich die Tür, die gerade von außen geschlossen wurde. Ob die in der Luft plötzlich aufgehen konnte?
»Das ist die Flugzeug-Kennung. Genauer gesagt, die letzten beiden Buchstaben im internationalen Alphabet«, erklärte mir mein Pilot, nachdem er einmal um das Flugzeug herumgelaufen war und sich nun neben mich setzte. Ich war so mit meinen Bedenken beschäftigt gewesen, dass ich einen Moment brauchte, um zu verstehen, dass seine Erklärung sich auf meine Frage von eben bezog. »So, also«, führte er seine Erläuterungen fort. »Das hier ist ein Ultraleichtflugzeug, das kann maximal zwei Piloten fassen und …«
Den Rest hörte ich nicht mehr. Was ich stattdessen hörte, war ein Rauschen in meinen Ohren. Das musste die Aufregung sein. Was würde meine Familie sagen, wenn ich jetzt abstürzte? Womöglich noch mitten hinein in Carstens Garten. Und mein Sohn wusste noch nicht einmal von meinem Ausflug!
»Alles in Ordnung, Rosa?«, drang Rudis lautstarke Frage zu mir durch. Er sah mich fragend an.
Ich nickte. »Ja, alles in Ordnung.« Oh jemine, oh jemine, dachte ich.
»Sollen wir dann mal starten?«
Ich nickte wieder. »Ja, bitte.« Nicht, dass ich doch noch einen Rückzieher machte. Ich war zwar kurz davor, aber die Blöße wollte ich mir nicht geben.
Rudi Frantz beugte sich zu mir und reichte mir einen Kopfhörer, der über mir am Gestänge gebaumelt hatte. »Hier, das Headset. Dann wollen wir mal.« Ich setzte mir das Ding auf, Rudi tat es mir gleich und startete den Motor, woraufhin sich das Flugzeug einmal durchschüttelte. Doch dann beruhigte sich der Motor wohl wieder und schien relativ rund zu laufen. Vor uns drehte sich der Propeller so schnell, dass man ihn gar nicht mehr sehen konnte.
»Äh, Rudi!«, rief ich durch das Mikrofon des Headsets und erschrak, weil ich meine eigene Stimme im Kopfhörer hörte, und zwar ziemlich laut.
»Sie können ganz normal sprechen«, meinte Rudi. »Ich verstehe Sie gut.«
»Oh, Entschuldigung«, sagte ich etwas leiser. »Ähm, kann ich etwas fragen?«
Rudi drehte mir freundlich lächelnd den Kopf zu. »Ja, natürlich.«
»Kann die Tür hier während des Fluges aufgehen?«
»Nein, keine Sorge, die habe ich gut verschlossen«, sagte er. »Und wenn was ist und ich nicht mehr reagieren sollte, ziehen Sie hier.« Er zeigte nach oben zu einem roten Griff. »Da aktiviert man den Rettungsschirm für den Notfall. An dem segelt dann das ganze Flugzeug zu Boden.«
Entsetzt starrte ich ihn an. Notfall? Hatte er gerade Notfall gesagt?
»Werden wir nicht brauchen, keine Sorge.«
Ich starrte ihn immer noch an. Rudi ignorierte es und sprach stattdessen seelenruhig mit irgendjemandem über das Funkgerät. Ich nahm eine fremde Stimme im Ohr wahr, aber ich hörte nicht zu, weil sich das Flugzeug nun langsam in Bewegung setzte. Während wir zur Startbahn rollten, krallte ich mich mit beiden Händen in meinem Gurt fest. Worauf hatte ich mich nur eingelassen? Vielleicht wäre Tai-Chi doch besser gewesen? Oder Yoga? Was hätte ich dafür gegeben, jetzt auf einer Yogamatte zu liegen.
»So«, sagte Rudi. »Dann wollen wir mal Gas geben.«
Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass wir uns schon auf der Startbahn befanden. Die war wie eine riesige Straße und wir standen quasi mitten auf dem Mittelstreifen. Sogar einen Zebrastreifen gab es. Wieso brauchte man hier einen Zebrastreifen? Die Flugzeuge konnten doch nicht einfach mitten in der Landung anhalten und einen Fußgänger durchlassen?!
Bevor ich mir weiter darüber Gedanken machen konnte, gab Rudi Gas. Das Flugzeug setzte sich wieder in Bewegung, erst langsam, dann immer schneller. »Oh, jeee …«
»Rosa?«
»Hm?«, machte ich.
»Danke«, grummelte mein Pilot.
Ich verstand nicht. »Wie, danke?«, presste ich hervor. Ich atmete schwer und öffnete erst das rechte, dann das linke Auge.
»Ich wollte bloß sagen, Sie könnten dann jetzt aufhören, zu schreien. Aber Sie sind ja wieder still«, brummte Rudi.
»Oh, Entschuldigung.« Hatte ich gerade tatsächlich geschrien? Vorsichtig schielte ich aus dem Fenster. Wir waren schon in der Luft. »Und die Tür kann wirklich nicht aufgehen?«, fragte ich.
»Solange Sie den Griff in Ruhe lassen, kann da nichts passieren«, sagte Rudi.
Ich schielte wieder aus dem Fenster. Die Hallen, die Bäume, das Restaurant – alles wurde langsam kleiner. Vor uns konnte man bereits die Häuser von Erlangen sehen, den Kanal und die Regnitz. Auf der einen Seite, das mussten Eltersdorf und Bruck sein. Dann war dort Alterlangen. Ich reckte den Kopf. Das Flugzeug flog nun eine sanfte Kurve und ich konnte unter mir deutlich den Boden sehen – wie eine Modelleisenbahnlandschaft. Tatsächlich fuhr da unten sogar ein Zug.
»Da fährt ein Zug!«, rief ich freudig aus. »Allmächd is des fei der Wahansinn!«
Dann sah ich das erste Mal zu meinem Piloten hinüber. Der steuerte ganz souverän das Flugzeug, als wäre es das Normalste der Welt. Nun schaute er ebenfalls zu mir herüber. »Und, wieder landen oder weiter?«, wollte er wissen.
»Gerne weiter. Das ist unglaublich.« Ich kriegte mich gar nicht wieder ein. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Also, ich wusste nicht, ob ich mir überhaupt etwas vorgestellt hatte – aber falls ja: Das hier übertraf alles. Die Sonne spiegelte sich im Wasser unter uns und auch die Wolken sahen wunderhübsch aus – so weiß und weich und nah.
»Kann man die anfassen?«, fragte ich und zeigte hoch zu einem Wattebausch, unter dem wir gerade entlangflogen.
Rudi grinste. »Wenn wir ohne Tür fliegen würden, vielleicht. Aber viel zum Anfassen ist da nicht. Die Wolken sind bloß Nebel in Wattebauschform.«
»Oh, ja, natürlich«, erwiderte ich. Was für eine dumme Idee von mir.
»Schauen Sie«, sagte Rudi irgendwann, nachdem wir eine Weile geflogen waren. »Das Walberla.« Er zeigte nach draußen auf einen kleinen Höhenzug. Dort hinauf, auf die Ehrenbürg, wie das Walberla auch hieß, war ich im letzten Herbst mit Leni gewandert und ich suchte aufgeregt den Wanderweg ab, den wir von Kirchehrenbach aus genommen hatten. Von hier oben sah es zwar etwas unbedeutender aus, als wenn man in der Mittagssonne hochwanderte, doch aus der Luft war es nicht weniger schön anzusehen. Alles sah bezaubernd aus auf unserem Weg. Ich nickte glücklich.
»Möchten Sie mal steuern?«, fragte Rudi. »Hier, übernehmen Sie ruhig den Steuerknüppel.«
Entsetzt starrte ich meinen Piloten an, doch er lächelte mich so freundlich an, dass ich fast dachte, er könnte das ernst gemeint haben.
»Na kommen Sie, ist ganz einfach.« Er rührte ein wenig mit dem Steuerknüppel herum und das Flugzeug wackelte leicht hin und her. Mein Magen sackte eine Etage tiefer.
»Allmächd«, rief ich.
»Es ist wirklich nicht schwer und es kann gar nichts schiefgehen«, sagte Rudi beruhigend.
»Wirklich?«
»Aber ja, natürlich. Ich passe ja auf.«
»Und wir stürzen dann nicht ab?« Ich schielte auf den Griff von dem Notfallschirm über mir.
Rudi lachte. »Nein, das werden wir nicht. Na los! Und kommen Sie nicht auf die Idee, den Rettungsschirm zu ziehen!« Er nahm seine Hand weiter nach unten, damit ich den einzigen Steuerknüppel, den dieses Flugzeug hatte, auch umfassen konnte. Vorsichtig griff ich mit meiner linken Hand nach dem weichen Handknauf.
»Nicht so verkrampfen, ganz locker«, erklärte mein Pilot, doch das war einfacher gesagt als getan. Die Art und Weise, wie ich den Steuerknüppel umklammerte, ließ sich wirklich am besten mit »verkrampft« umschreiben.
»Einfach geradeaus fliegen …«, sagte er.
Der hatte gut reden! Ich atmete einmal tief durch und versuchte, geradeaus zu fliegen. Ich versuchte es wirklich, doch das Flugzeug senkte die Nase nach unten, Richtung Boden. Also riss ich am Knüppel und das Flugzeug stieg nach oben. »Huch! Hilfe«, quiekte ich und schloss sicherheitshalber die Augen.
Rudi brachte das Flugzeug zurück in eine ruhige Lage. Zaghaft öffnete ich meine Augen wieder.
»So, jetzt noch einmal, mit mehr Gefühl«, sagte er lachend. Also versuchte ich es erneut und musste ebenfalls lachen – vor Freude und Faszination.
»Prima«, meinte Rudi. »Und jetzt fliegen wir eine Kurve nach rechts.«
Ich drückte den Steuerknüppel vorsichtig zur Seite.
»Ja, Wahnsinn!«, rief ich. Ich, Rosa Linde, steuerte ein echtes Flugzeug – fast ganz allein. Und es stürzte nicht ab. Es flog einfach weiter – wenn auch in Schlangenlinien.
Moni und Leni fixierten mich. Die Spannung war ihnen regelrecht ins Gesicht geschrieben.
»Kaffee?«, fragte ich in die Runde und hielt die Kanne hoch. Meine Freundinnen nickten. Ich goss ihnen in aller Ruhe eine Tasse ein und hielt dann Leni die Milch hin. Moni nahm keine Milch zu ihrem Kaffee, wegen ihrer Laktoseintoleranz oder was auch immer.
»Jetzt spann uns doch nicht so auf die Folter!«, forderte Leni. »Du grinst schon den ganzen Vormittag. Was hast du dir am Wochenende gegönnt?«
Ich sah erst zu Leni, dann zu Moni und dann sagte ich fröhlich: »Einen Rundflug.«
»Wie bitte? Einen Rundflug?« Moni verschluckte sich fast an ihrem Kaffee und stellte schnell die Tasse ab, damit sie nichts auf ihre Bluse verschüttete. Heute war sie hellbraun und vermutlich hätte man den Fleck gar nicht gesehen.
»Ja«, gluckste ich. »Das hätte ich schon viel früher machen sollen.«
Während Moni nur den Kopf schüttelte, rückte Leni, die neben mir auf dem Sofa saß, neugierig näher.
»Und, wie war es? Erzähl«, wollte Leni wissen. Sie trug heute ein hellgrünes Oberteil und das Knallrot ihrer Hose bildete einen deutlichen Kontrast dazu. Rot waren auch ihre Ballerinas. Wo hatte sie die denn schon wieder aufgetrieben?
»Fantastisch. Wir sind über Erlangen geflogen und bis nach Kirchehrenbach. Hier über der Siedlung war ich auch.« Ich deutete mit der Hand nach oben.
»Aha«, machte Moni. Sie schüttelte sich. »Aber hattest du keine Angst?« Moni hatte Flugangst.
»Und ob ich Angst hatte«, gab ich offen zu. »Ich hätte fast gekniffen. Aber der Rudi war ganz lieb und hat mich beruhigt und dann dachte ich, wenn ich jetzt kneife, dann ärgere ich mich hinterher nur.«
»Der Rudi?«, hakte Leni nach und sah mich dabei ganz seltsam an.
»Ja, der Rudi«, entgegnete ich. »Da musst du mich gar nicht so komisch angucken, Leni. Der ist Pilot und Fluglehrer und dem gehört die Flugschule, zusammen mit seiner Tochter.«
»Und er ist ein ganz Lieber, was?« Leni zwinkerte mir zu.
»Unsinn«, meckerte ich. Doch Leni konnte ich nichts vormachen. Sie sah mir sicher an der Nasenspitze an, dass ich ihn sympathisch fand. »Ach, was weiß ich«, sagte ich daher, nippte schnell an meinem Kaffee und widmete mich meinem Strickzeug. Heute hatte ich viele Reihen aufzuarbeiten. Mehr würde ich erst einmal nicht erzählen. Man musste ja keine schlafenden Hunde wecken, nicht wahr?
