Rosarote Träume in Blau 1 - Rainer Frank - E-Book

Rosarote Träume in Blau 1 E-Book

Rainer Frank

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Beschreibung

Frank Steiner, 30, Kriminalkommissar, lebt offen schwul und will nach seinen zahlreichen Abenteuern, die ihn inzwischen nicht mehr wirklich befriedigen, endlich wieder eine richtige Beziehung aufbauen. Er lernt im Chat eines Abends den gutaussehenden Benny,20, Altenpfleger, kennen und ist total begeistert von ihm. Und auch Benny ist auf der Suche nach einer Beziehung, hat aber weder Erfahrungen noch klare Vorstellungen davon. Er sehnt sich nach Liebe und nach einem Freund, aber er lebt auf einem kleinen Dorf in Brandenburg und fühlt sich dort zunehmend gefangen und eingesperrt. In Franks Umfeld tummeln sich noch einige andere Anwärter. Natürlich testet er einige davon auch aus, will dann aber doch lieber Benny für sich gewinnen. Leider ist dieser ein chronischer Vielchatter und verfängt sich dadurch immer wieder in seiner virtuellen Gefühlswelt. Er weiß zwar, dass er schwul ist, lebt aber bisher aus vielerlei Gründen nicht offen schwul. Nur durch das Internet fühlt er sich an die schwule Gemeinschaft wenigstens etwas angeschlossen. Für ihn öffnen sich plötzlich alle bisher verschlossenen Türen, als er spontan ein erstes Date mit Frank verabredet und dann ein Wochenende bei ihm verbringt. Die Gegensätze des Stadt- und Landlebens treten hervor und bringen manche Ungereimtheit zwischen den beiden mit sich. Frank will Benny mit Haut und Haaren und gern für immer. Doch Benny hat noch Angst vor einer Bindung. Er kann sich nicht so schnell entscheiden und sucht auch virtuell nach Antworten. Aber Frank hat noch ganz andere Probleme zu lösen. Als Kommissar bei der Kripo hat er einen rätselhaften Doppelmord aufzuklären. Er lernt dabei auch die Tiefen der Prostitution, des Drogenhandels, der Korruption und Pascal kennen. Erotik, Spannung und schwule Alltagsprobleme.

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Seitenzahl: 472

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Rosarote Träume in Blau 1

Spätes Erwachen

Himmelstürmer Verlag, Kirchenweg 12, 20099 Hamburg,

Himmelstürmer is part of Production House GmbH

www.himmelstuermer.de

E-mail: [email protected], März 2013

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages

Rechtschreibung nach Duden, 24. Auflage.

Coverfoto: istockphoto.de

Umschlaggestaltung: Olaf Welling, Grafik-Designer AGD, Hamburg. www.olafwelling.de

Printed in Dänemark

ISBN print 978-3-86361-272-6 ISBN epub978-3-86361-273-3

ISBN pdf:  978-3-86361-274-0

Ein Abend im Mai

Es war an einem noch kühlen Frühlingsabend Anfang Mai, an dem sich Frank Steiner entschloss, nach dem abendlichen Besuch im Fitnessstudio seinen PC doch noch mal zu starten. Eigentlich hatte er sich ja vorgenommen, auch heute darauf zu verzichten. Einerseits war es schon nach 23 Uhr und anderseits hatte er im Grunde auch gar keinen Bock auf irgendwelche Nachrichten und den deprimierenden Rest. Doch letztlich siegte mal wieder seine angestaute Neugier. Die war durch das Training zusätzlich angestachelt. Immer wenn er sich so ausgepowert hatte, dann kamen sie, diese erotisch-romantischen Gedanken und Gefühle. Andere würden es sicher als Geilheit bezeichnen. Irgendwie war das schon seltsam. Er war ziemlich fix und fertig, aber auch so richtig aufgekratzt. „Immer das Gleiche“, sagte er zu sich. „Wann hört das denn nur auf?“ Gleichzeitig dachte er aber, hoffentlich nicht so schnell.

Während die Kiste hochfuhr, packte er noch schnell die Tasche aus und beförderte die durchgeschwitzten Klamotten auf den reichlich angewachsenen Wäschehaufen im Bad. Das Duschtuch landete auf der Wäscheleine, die über der Wanne gespannt war. Seit Tagen wollte er schon die Waschmaschine anwerfen. Doch er war zu diesen Dingen im Moment total lustlos, um nicht faul zu sagen. Das war etwas, was er so nicht von sich kannte. Was war denn nur mit ihm los? Torschlusspanik, Midlifecrisis, Einsamkeit, Kuschelentzug? Irgendwie kamen da zurzeit wohl mehrere Faktoren zusammen.

„Scheiss älter werden“, sinnierte er vor sich hin. Obwohl er sich mit Mitte dreißig gar nicht wirklich alt fühlte. Aber die Jahre vergingen eben. Und es war auch schon viel zu lange her, dass hier noch jemand anderes ein- und ausging.

Es hatte ihm doch bisher nie wirklich etwas ausgemacht, wenn er alleine war. Er war sogar ganz gern allein und hatte seineRuhe. Es gab ja dauernd und mehr als genug Abenteuer. Aber er schien das vermeintlich langsam satt zu haben. Er spürte es immer eindeutiger, er wollte wieder einen Partner um sich haben. Sein Unterbewusstsein schien das auch anzumahnen.

Gedankenverloren, fast wie ferngesteuert, öffnete er sein Mailpostfach und holte den Inhalt vom Server ab. Er konnte nichts von Bedeutung entdecken. Keine positiven und keine negativen Nachrichten, keine Besuchsankündigungen, keine Einladungen und zum Glück auch keine Onlinerechnungen. Schnell waren die immer öfters eingehenden Spammails nebst diverser Newsletter im virtuellen Papierkorb verschwunden. Jetzt folgte der Klick auf das Internetprogramm und anschließend auf den Favoritenordner. Dort, wo alle seine Links, auch die diversen Chatlinks und andere schlüpfrige Objekte, gespeichert waren.

„So, da wollen wir doch mal schauen, wer noch alles munter, besser gesagt, wer noch alles geil ist um diese Zeit.“ Murmelte er vor sich hin, während das gespeicherte Passwort schnell den Inhalt seines Profils freigab. Der erste Blick fiel natürlich auf die Nachrichtenbox, aber die war leer. Das wunderte ihn letztlich auch nicht, er hatte diese Seite einige Tage echt links liegen lassen. Diese ganzen Spinner hier gingen ihm in letzter Zeit mächtig auf die Nüsse. Wie zur Bestätigung dessen, klickte er ein Profil an, das er kannte und was noch online war. Mit dem Typ hatte er vor einigen Tagen lange gechattet, aber der war irgendwie nicht das, was er suchte. Trotzdem hatte er sich das Profil mal abgespeichert und schickte ihm jetzt einen optischen Gruß in die Nacht. „Dann schauen wir doch mal, was sonst noch so los ist im schwulen Einwohnermeldeamt.“ Kaum war das ausgesprochen, leuchtet eine Nachricht in seiner Box auf. Die kam von dem Typ, dessen Profil er gerade besucht und einen Taps gesetzt hatte.

„’nabnd, was suchste denn so.“

Frank dachte, er liest nicht richtig, drückte auf Antworten und schrieb ihm schnell zurück:„hi du blödmann, vor kurzem haben wir fast den ganzen abend zusammen gechattet und jetzt fragst du mich was ich so suche. hat man dir in den letzten tagen das gehirn geklaut oder rausgevögelt?“Senden! „So ein Arschloch“, dachte Frank laut. Haben denn hier alle nur noch ein Kurzzeitgedächtnis! Oder ist das doch schon Alzheimer? Sucht eine Beziehung und kann sichkeine drei Tage einen Nicknamen, geschweige ein Gesicht merken. Erneut leuchtet eine Nachricht von dem Typ auf und Frank las sie auch gleich.

„sorry, hatte dich ganz verdrängt.“

Er konnte nur mit dem Kopf schütteln, überlegte kurz, dann war seine Antwort aber schnell fertig.„super, weiter machen!“  Senden!

Frank holte sich jetzt erst mal eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. Als er wieder vor dem Monitor saß, dachte er an früher. Da hatte es so etwas nicht gegeben, da traf man sich noch live und nicht nur in diesen, zumindest halbanonymen Chats. Aber wo sollte man denn noch jemanden live treffen, nicht mal im Park war mehr was los. Dort, wo man vor Jahren immer fündig wurde. Alle hängen nur noch vorm PC rum und warten auf den nie erscheinenden Traumprinz. Da kommt bei einigen der Rentenbescheid garantiert noch eher. Einige wussten gar nicht, was sie eigentlich suchen. Die meisten vertreiben sich anscheinend nur die Langeweile. Das halbe Land scheint dazu auch noch bi zu sein. Spätabends finden sie den Weg dann hierher. Wenn die Alte schon pennt, oder Nachtdienst hat, oder heute mal bei der angeblich besten Freundin übernachtet … Kaum war auch dieser Gedanke zu Ende gedacht, war auch schon eine weitere neue Nachricht da.

„stehe eigentlich nur auf ganz junge Kerle, aber für ein kleines Taschengeld würde ich auch mit dir ficken, siehst ja noch ganz passabel aus.“

Frank überlegte kurz. Es gab zwei Möglichkeiten, entweder diesen Dummfick noch etwas an der Nase herumführen oder gleich eine volle Breitseite abfeuern. Frank entschloss sich dann zu Letzterem. Er war jetzt schon zu müde für Spielchen.„hol dir am besten einen runter und nimm dir dann 20 euro aus der sparbüchse.“Senden! Was denkt sich dieser Heini eigentlich? Siehst noch ganz passabel aus. Frechheit! Aber was soll man von einem mit Innengehirndauerwelle schon anderes erwarten. Hier fehlt echt der „Idiot-Button“ oder auch der „schon mal mit Arbeit versucht?“

Als nächstes betrachtete er seine Besucherliste, da waren ja ab und zu auch interessante Typen dabei. Und siehe da, schon zwölf Schwuppen hatten ihm in den wenigen Minuten einen Besuch abgestattet. Schnell klickte er zum Gegenbesuch auf dieinteressantesten Profile und zwei Mal gab‘s dann auch einen Taps zum Dank zurück. Der wirklich leckere, der mit den blonden Strähnchen, bekam ein „Sexy.“ Der große Hellblonde, der mit den etwas zu dünnen Armen, bekam ein „Sympathisch“ mit auf den Weg. Natürlich wurden auch die mehr oder weniger ergiebigen Bildergalerien noch kurz durchgeklickt. „Sehr nett, der Kleine mit den Strähnchen, den würde ich ja nicht von der Bettkante schubsen. Und wenn, dann nach innen.“ Kam ihm dabei über die Lippen. Die anderen Besucher erschienen ihm nicht sonderlich interessant zu sein, im Grunde waren es auch oft dieselben, die sein Profil aufsuchten.

Er entschloss sich deshalb, die Kiste am besten runter zu fahren und sein müdes Haupt auf die Matratze zu tragen. Aber ein letzter schneller Blick in die Besucherliste zeigte ihm, das „Blonde Strähnchen“ hatte ihm doch tatsächlich einen Taps zurück geschickt.  

Jetzt leuchtete ihm ein „Interessant“ entgegen.

Er setzte einen dagegen. „Habe ich eine Chance bei dir?“ Worauf nach nur wenigen Sekunden vom „Strähnchen“ ein „Würde dich gern kennen lernen“ folgte.

Die Müdigkeit war im nu wie weggeblasen. „Jetzt wird es interessant“, murmelte er und schrieb eine richtige Nachricht.„hi du klasse bengel, wann und wo? und möglichst bald! ich finde dich echt süß und sexy, du bist genau mein typ! ich bin auch nicht ganz so oberflächlich wie es jetzt auf den ersten blick aussieht. ich habe nur angst, dass dich mir einer vor der nase wegschnappt. lg frank.“Er überlegte, ob er das so schicken kann. Warum sollte er denn nicht, so wusste der, was Sache ist und dass er ihn auch kennenlernen möchte. Senden!

Irgendwie begannen seine Shorts jetzt immer enger zu werden. Ein zweiter Blick in das Blondie-Profil zeigte ihm dann, dass so etwa an die 45 Kilometer zwischen ihnen lagen, wenn denn alles stimmt, was da steht. Man weiß es ja nie. Gut 10 Jahre jünger, 175 und 70, das passte auch! Kein Dünnbrett und auch keine Tonne, blaue Augen hatte er ja zu allem Überfluss auch noch. Der war einfach richtig lecker der Typ. „Da werd ich wohl mal dran bleiben müssen“, sagte er zu sich selber.

Neue Nachricht:„nun aber mal langsam mit den jungen pferden, ich komm schon nicht abhanden, ich bin kein typ für die erste und für nur eine nacht. du gefällst mir auch sehr gut und ich könnte mir da schon etwasvorstellen. stimmen deine Angaben alle?? lg benny“

Antwort:„ja, alle meine angaben stimmen, alles ist so wie es da steht und auch zu sehen ist. ich bin hier schon fast eine ausnahme wie mir scheint. es freut mich, dass du nicht so schnell zu haben bist, denn genau das suche ich. einer der es mit jedem treibt kommt mir nicht ins haus, lg frank.“Senden!

Neue Nachricht:„na toll, das klingt ja schon fast zu gut! ich habe in 2 wochen urlaub und noch nichts weiter vor, wenn das bei dir dann auch passt, dann können wir uns auf einen kaffee auf neutralem boden gern mal treffen lg, benny“

Antwort:„du bist ja ein ganz vorsichtiger, aber das gefällt mir, man muss wirklich aufpassen. deine oma sitzt dann aber nicht als spion zufällig am nebentisch, spass beiseite, wir machen uns dann noch tag, ort und zeit aus. ich richte es mir auf jeden fall ein, egal wann, ich will dich auf jeden fall treffen!!!“Senden!

Nachtrag:„ich hoffe du hast mich in 3 tagen nicht schon wieder vergessen, lg frank“Senden! „Na, das ist doch noch ein ganz netter Abend geworden“, murmelte Frank und lehnte sich genüsslich zurück. „Je später der Abend, so hübscher die Typen, das ist ja echt mal ein Zufall.“

Neue Nachricht:„grins*, nee du, meine oma kann ich da nicht brauchen wenn ich einen tollen typen treffe, die wüsste das auch gar nicht einzuordnen. undmach dir mal wegen dem schnell vergessen keine allzu großen sorgen, wenn ich etwas will, dann kann ich sehr hartnäckig sein. und ich will ja, unbedingt sogar! Ich habe schon einen ganz kribbeligen bauch und das ist ein gutes zeichen! meine schmetterlinge erheben sich gerade zum tanzenkiss, benny“

Frank schaute sich noch einmal auf dem nicht mehr ganz so fremden Profil um und fragte sich, ob er einen Knick in der Pupille oder im Kopf hat. Vorhin war der Kerl doch 24 und jetzt steht da 25, oder hatte er sich geirrt… wobei, das war ja völlig egal, ob 24 oder 25. Aber warum sollte der Typ das jetzt um ein Jahr ändern? Das war schon sehr komisch, sonst waren die Sprünge doch viel größer und gingen auch genau in die andere Richtung.

Antwort:„schön dass du die schmetterlinge schon spürst, ich spüre die übrigens auch und bei mir erhebt sich langsam noch was ganz anderesaber mal eine blöde frage, ich bilde mir ein, gelesen zu haben, dass du 24 bist, jetzt steht da aber 25. nicht das es mich stört, aber irgendwie ist das komisch,sorry, es ist schon nach mitternacht und ich bin auch keine 18 mehrlg, frank.“Senden! „Der meint jetzt bestimmt, ich habe einen Riss an der Schüssel“, dachte er laut. Konnte man denn so kein Date beginnen?

Neue Nachricht:„kompliment! du scheinst ja mein profil schon völlig verinnerlicht zu haben, ich habe nichts gemacht, das alter stellt sich automatisch um, zumindest dann, wenn man sein richtiges geburtsdatum angegeben hat. lg benny“

„Na darauf hätte ich auch von selber kommen können, der Kerl hat heute Geburtstag“, entfuhr es ihm.

Antwort:„sorry, da hätte ich auch drauf kommen können anstatt so blöde zu fragen HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH mein lieber!!! Ich wünsche dir alles gute und dass du den richtigen und besten kerl für dich findest, den es auf dieser welt gibt! schade dass du so weit weg bist, sonst hätte ich dich glatt geknuddeltich hole mir gleich ein glas wein und trinke einen auf dich, lg bis gleich.“Senden!

Frank ging in die Küche und baute sich eine Weissweinschorle mit sehr viel Eis. Er balancierte das randvolle Glas vorsichtig an den PC zurück.

Neue Nachricht:„danke für die lieben glückwünsche und das mit dem besten kerl für mich. vielleicht habe ich den ja gerade gefunden! zumindest sagen das meine schmetterlinge. ich hoffe die haben dieses mal recht. das wäre ja das schönste geburtstagsgeschenk! glg benny“

Darauf nahm Frank gleich noch einen großen Schluck und rieb sich die Augen, um es dann ein zweites Mal zu lesen. So gefiel ihm das, das klang ja so richtig gut, was dieser Benny da von sich gab.

Neue Nachricht:„sorry frank, aber ich muss mich jetzt leider verabschieden. es war ein langer tag für mich, aber auch mit einem total unerwartet schönem ausgang und der neue tag fing mit dir auch ganz toll an. ich weiß schon jetzt, dass ich kaum ein auge zubekommen werde, aber ich muss jetzt trotzdem ins bett, 5 uhr klingelt mein wecker. ich hoffe ich höre ihn dann auch. glg und kiss, bis heut abend, dein benny“

Frank versuchte nun schnell noch eine Antwort abzusenden.„schlaf trotzdem gut und hör bitte den wecker, ich werde auch erst mal kein auge zubekommen, mein herz schlägt jetzt auch fast bis zum hals. auch glg und kiss und bis morgen frank.“Senden!

„Dein Benny“, schoss es Frank durch den Kopf, „boahhh das ist doch wohl kein Zufall mehr, Wolke Sieben ich komme!!!“entfuhr es ihm. Nachtrag: „sorry: glg und kiss und bis morgen DEIN frank.“Senden!

Der Morgen danach

Schlaftrunken erwachte Frank am Morgen. Oder sollte man bei 9 Uhr nicht doch schon eher Vormittag sagen? Egal, er hatte frei und er fühlte sich verdammt wohl in seiner Haut. Ihm ging nochmal der Chat mit diesem Benny durch den Kopf, sie waren ja recht schnell auf den Punkt und übereingekommen, das war ja nicht unbedingt so üblich im Chat.

Er dachte darüber nach, was ihm trotzdem so eigenartig an der Sache vorkam. Letztlich standen zwei Tatsachen für ihn fest. Der Kleine ist einerseits schüchtern und sehr vorsichtig, was ja durchaus zusammenpasst und absolut ok ist. Andererseits ging der aber ganz schön in die Vollen und wurde auch sehr direkt. Notstand? Geilheit? Vortäuschungen? Romantiker? Vielleicht war da von jedem etwas, er würde es schon noch herausfinden. Ein wohltuendes Glücksgefühl trieb ihn dann aber aus dem Bett,  natürlich auch seine volle Blase.

Unter der lauwarmen Dusche kamen ihm dann schnell wieder diese netten Bilder vom Profil des „Strähnchens“ in den Sinn. Vor seinem inneren Auge lief ein unglaublich erotischerFilm ab. So konnte er dann unmöglich zum Bäcker gehen. Nicht nur deshalb hatte er das Bedürfnis, sich dringend erleichtern zu müssen. Und es dauerte keine fünf Minuten und die Sache war erledigt. „Erstaunlich, was sich in wenigen Stunden schon wieder so ansammelt“, dachte er laut. Und im selben Moment hatte das Wasser schon alles in den Abfluss befördert.

Eine halbe Stunde später stand er in der kleinen Schlange beim Bäcker, wie immer lockersportlich und leicht aufreizend gekleidet. Das konnte er sich ja schließlich noch leisten. Und er fantasierte schon wieder vor sich hin. Alles um ihn herum schien nebensächlich zu sein. Die Damen, die ihn fast gierig betrachteten, die waren ihm schon immer egal. Aber heute auch der sehr nette und dunkelhaarige Verkäufer, dem er sonst immer mal zugezwinkert hatte. Natürlich nicht so grob auffällig, nur so, dass der das schon begriffen hätte, wenn er auch zur Familie gehören würde. Scheinbar war das leider nicht so.

„Sie wünschen?“, vernahm Frank wie aus weiter Ferne.

„Den will ich, und keinen anderen …“

„Wie bitte, was möchten Sie?“

Frank wurde schlagartig bewusst, dass er wohl gerade voll in ein Fettnäpfchen getreten war und räusperte sich verlegen.

„Äh sorry, ich war grad ganz wo anders, entschuldigen Sie bitte, ich wollte eigentlich vier von den dunklen Körnerbrötchen, wie immer.“

Der nette Verkäufer rollte mit seinen großen Augen und sagte dann etwas leiser, „das war wohl nicht zu übersehen und zu überhören.“ Er rang sich dazu noch ein wirklich süßes Lächeln ab und schaute Frank mit seinen wunderschönen Augen, das allererste Mal überhaupt, sehr direkt an.

Für diese Augen würdest du eigentlich einen Waffenschein brauchen. Das wäre ihm fast noch rausgerutscht. Aber das konnte er ihm ja so nicht sagen, jetzt und hier sowieso nicht. Er bezahlte die üblichen 3 Euro und verschwand so schnell er konnte, ohne dass es gehetzt oder gar nach Flucht aussah. Musste er sich jetzt einen neuen Bäcker suchen? Nee, deswegen eigentlich nicht, entschied er dann sofort.

Zu Hause bereitete ihm sein Automat auf Knopfdruck einenwunderbar starken Kaffee. Er belegte sich auch zwei der frischen Brötchen mit Käse. Er drapierte das dann alles um die Tastatur seines PC und fuhr ihn hoch.  

Was wollte er heute denn alles erledigen? Da gab es noch die eine oder andere Mail der letzten Tage, die müsste er endlich mal beantworten. Auch die Banksoftware müsste mal wieder gestartet werden, da gab es sicherlich einige Bewegungen auf dem Konto. Dann wollte er auch endlich mal die Urlaubsbilder bearbeiten und sortieren. Das schob er schon viel zu lange vor sich her, seine Mutter hatte das schon mehrfach angemahnt. Abwechselnd biss er in seine knusprigen Käsebrötchen und nahm einen Schluck Kaffee. Parallel dazu öffnete er verschiedene Programme und holte auch die Mails ab. Die ratterten dann auch wieder zahlreich rein. Er sah beim ersten flüchtigen Blick, dass auch eine Mail von seinem Chatprofil dabei war. Also hatte er dort auch eine neue Nachricht. Natürlich loggte er sich daraufhin auch postwendend ein und las die Message, die ihm Benny morgens um 05:35 Uhr geschickt hatte.

„guten morgen lieber frank, ich habe den wecker zum glück gehört, auch wenn ich vermutlich erst kurz vorher eingeschlafen bin. jetzt muss ich aber los, ich wollte nur bescheid geben. nicht dass du dir vielleicht sorgen machst. glg benny - ps: hier mal gleich noch meine handynummer.“

Jetzt war sich Frank endgültig sicher, das war kein Spinner, der war wirklich echt! Es gab also tatsächlich noch Menschen, die in der Lage waren, noch ganze Sätze zu bilden! Nur was sucht der schon so früh am Morgen im Chat? Das würde ihm ja nie in den Sinn kommen. Er überlegte, ob er hier antworten oder doch lieber gleich eine SMS schicken sollte. Er entschied sich aus verschiedenen Gründen aber dann für eine SMS.„guten morgen benny, habe mich sehr über deine nachricht gefreut und bin froh, dass du wegen mir nicht verpennt hast. ich bin gerade beim frühstück, habe heute frei und ich denke jede minute an dich, obwohl ich dich noch gar nicht wirklich kenne. das ist mir lange nicht passiertes ist aber ein tolles gefühl. glg frank.“Danach widmete er sich den restlichen Mails, kam aber nicht sehr weit. Als ob Benny auf dem Handy gesessen hätte, kam postwendend seine Antwort.

„danke für deine liebe sms. mir geht es ganz genauso wie dir, das kann doch kein zufall sein. wir sollten nicht so lange warten bis ich urlaub habe, ich würde dich gern so bald als möglich sehen!!! glg benny“

Frank tippte daraufhin auch gleich zurück.„mein lieber, lass uns einfach heut abend telen, ruf mich an, meine nummer hast du ja jetzt auch. glg frank.“

Frank

Der Tag war wesentlich schöner als der vorherige, was sich in dem Fall auch auf das Wetter bezog. Deshalb begab er sich auf den sonnigen Südbalkon seiner Wohnung. Er nahm sich eine Zigarette mit und auch sein altes, schon recht abgewetztes Telefonbuch. Das benutzte er eigentlich schon lange nicht mehr, aber er hatte es immer noch. Alle wichtigen und aktuellen Kontakte waren schon längst im Smartphone gespeichert. Dennoch, dieses alte Relikt blieb irgendwie Bestandteil seines Lebens, zu viele Erinnerungen hingen daran und waren darin verewigt. Irgendwann würde er es sicherlich mal entsorgen, aber jetzt noch nicht. Er wollte nachdenken, zurückschauen, vorausschauen und sich auch klar werden, was diese neue Bekanntschaft für ihn bedeuten könnte und hoffentlich auch bald bedeuten würde.  

Langsam sehnte er sich wirklich wieder nach einer Schulter zum anlehnen, einen Freund und Partner. Einen, der einem auch mal zuhört. Jemanden, der einen versteht und mit dem man Freud und Leid teilen kann. Und wenn er dann noch so schnucklig wie dieser Benny wäre, umso besser.

Er fing nun an, das Telefonbuch durchzublättern. Unter A war nichts zu finden, was ihn zum Nachdenken reizte und woran nennenswerte Erinnerungen festzumachen gewesen wären. Das B überblätterte er gleich, denn unter B könnte es vielleicht bald einen sehr wichtigen Eintrag geben, vielleicht sogar den wichtigsten für eine lange Zeit.

Unter C fiel ihm nur Conny auf. Eine liebe Freundin aus vergangenen Zeiten. Eine, die ihn immer verstand und die auch ein bisschen verliebt in ihn gewesen war, es aber nie zugegebenhatte. Bei Conny konnte er sich ausheulen, wenn es ihm mal schlecht ging, natürlich auch sie sich bei ihm. Doch der Kontakt zu ihr war längst erlahmt. Sie war weit weg gegangen, nachdem sie ihren Prinzen gefunden hatte. Wie viele, so sind auch die beiden einem sicheren Job hinterhergezogen. Und der Prinz von Conny, der stand bei Frank unter D, wie Dennis…

Dennis war auch einer, den er damals sehr mochte. Und er hoffte noch immer, dass Dennis es Conny niemals sagen würde, was lange zwischen ihnen beiden war. Seinerzeit hatten sich die zwei durch ihn kennen gelernt und Conny fand Dennis genauso begehrenswert wie Frank. Doch Dennis wusste nie so ganz genau, wohin er wollte und gehörte. So kam es, dass er mal bei Conny übernachtete und mal bei Frank. Bei Conny spielte er den starken Macker und den potenten Draufgänger, bei Frank lebte er dann seine weiche und feminine Seite aus. Es war sehr schön mit ihm. Das beschränkte sich dann, als er mit Conny ging, aber nur noch rein auf Sex. Dennis war längst abgehakt, er hatte es deshalb auch nicht in die Kontaktliste auf seinem Smartphone geschafft.

Beim E musste Frank länger verweilen. Komischerweise standen unter E sehr viele Namen und Adressen. Aber das lag auch an seinem Tick, dass er Urlaubsbekanntschaften immer unter dem Länderkürzel notierte, wo die Kerle her waren. Und ES für Spanien kam urlaubsbedingt sehr oft bei ihm vor. Drei Hauptzielgebiete gab es für Frank dort. Benidorm, Gran Canaria und Sitges. Dazu kam das ein oder andere Nebenziel. Barcelona, Alicante, Lloret de Mar, Ibiza und Mallorca. Der Einzige, über den es sich noch lohnte nachzudenken war Enrique, dieses kleine versaute Schlitzohr …

Enrique hatte er damals in Benidorm kennen gelernt, einer der schwulsten Orte in Spanien. Enrique war der mit Abstand beste Bläser, den er jemals an seinem Schwanz hatte. Und küssen konnte der, Wahnsinn! Das Einzige, was Frank an Enrique störte, dass er jedem nachlief, der mit einem Schein wedelte. Egal welchen Alters, Geschlechts oder welcher Nationalität. Er sah blendend aus, er war eben das typisch spanische Mannsbild, da kamen Rasse und Klasse einfach zusammen. Der Typ kam bei Männern und Frauen gleichermaßen gut an. Er konnte abends die reiche Witwe trösten und am nächsten Morgen dem erst besten Müllmann seinen Arsch hinhalten. Für ihn zählte nur eins, Geld,Geld und nochmals Geld. Aber er stand auch dazu. Er hatte einen stattlichen Lümmel in der Hose und er verstand es, diesen immer an der richtigen Stelle und gewinnbringend einzusetzen. Es gab sogar Leute, die ihn dafür bezahlten, wenn er mit seinem tollen Körper einfach nur vor ihnen strippte. Aber er war auch gern und auf Wunsch passiv. Er hatte Enrique mal in einer der vielen Schwulenbars kennen gelernt und ihn auf einige Drinks eingeladen. Was dann zur Folge hatte, dass Enrique natürlich mit ihm ins Hotel ging. Die nächsten beiden Tage waren sie permanent zusammen, so lange, bis er ihn am Ende des zweiten Tages an einen noch wesentlich freigiebigeren Holländer verlor.

Unter F und G lohnte sich ein intensives Nachdenken dann nicht, da gab es keine Erinnerungen, an nichts und an niemanden.

Dann kam das H, mit dem H kam auch Henry zurück. Henry war der allererste, mit dem er im Bett war, seine erste große Liebe, die vergisst man ja bekanntlich nicht. „Mein Gott, ist das lange her“, sinnierte Frank und schwelgte in Erinnerungen an sein erstes Mal. Mehrere Filme liefen in dem Moment vor seinem inneren Auge ab …

Wie viele Nächte hatte er sich mit Henry um die Ohren geschlagen, wie viele Tränen hatte er wegen ihm vergossen. Wie oft hatte er sich erniedrigen lassen und wie oft hatte er ihn verflucht. Und wie oft war er dann immer wieder in seine Arme gesunken! Er hatte sich diesem Henry verschrieben, aber Henry gehörte ihm nie allein. Irgendwie verloren sie sich aber dann auch immer mehr aus den Augen und das war nicht so ganz zufällig. Frank hatte erkannt, dass er an diesem Typen zerbrechen könnte, doch er wollte und musste seinen eigenen Weg gehen. Denn Henry tat das auch und so kapselte er sich langsam von ihm ab. Henry war bi, daran führte nun mal kein Weg vorbei. Schon damals hatte er sich gesagt, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

I und J waren zwei Buchstaben, die kaum etwas boten, da stand sehr wenig bis nichts. Deshalb hatten wohl die schlauen Telefonbuchhersteller auch beide gleich auf einer gemeinsamen Seite erfasst.

Das K war dann dafür wieder wesentlich ergiebiger. Karsten, ja das wäre was gewesen und wäre es auch noch, wenn da nicht immer diese Unentschiedenheit gewesen wäre. Karsten wareinfach nicht zu packen, wollte immer Frau und Kinder, aber die Kerle auch nicht missen. Und so ist es bei Karsten auch heute noch. Der Brave zu Hause, der, der kein Wässerchen trüben kann und den treuen Ehemann spielt. Unterwegs ist er dann der schwule Bock, der keinen Schwanz auslässt. Und er ist auch gern und oft unterwegs. Alles rein dienstlich natürlich, er hatte sich dafür auch den passenden Job besorgt.

Unbewusst, aber zielstrebig, begann Frank sich von all seinen Lovern irgendwie zu verabschieden. Die meisten hatten sich eh schon längst erledigt. Er war gerade dabei, seine Geschichte und vor allem seine Geschichten aufzuarbeiten.

Unter L kam er dann schnell zu Lars. Nicht nur, weil der weit oben stand. Lars, den hatte er sich echt selber versaut. Der wollte ihn mit Haut und Haaren, aber er fühlte sich damals zu eingeengt, fast schon kontrolliert. Nichts daran war so schlimm, aber er empfand es trotzdem erdrückend. Aus heutiger Sicht war das total bescheuert. Damals begriff er noch gar nicht genau, wie ihn jemand so intensiv lieben und begehren konnte. Lars war der Erste, über den er jetzt länger nachdachte. Was hatten sie alles zusammen erlebt, was haben sie für Pläne geschmiedet und was für einen Blödsinn angestellt …

Sie hatten sich während der Lehre kennen gelernt. Schon damals hatte er immer das Gefühl, irgendetwas gab es, warum er sich zu Lars besonders hingezogen fühlte. Was es war, das wusste er zu jener Zeit noch nicht so ganz genau. Lars ging es mit ihm ganz genau so, aber Lars wusste damals schon viel genauer warum.

Nach der Lehre hatten sie sich etwas aus den Augen verloren, trafen sich aber rein zufällig mal in einer Disco wieder. In dieser Nacht wurden sie ein Paar, ein Paar auf Zeit. Lars hatte sturmfreie Bude und so trabten sie aus der Disco schon bald zusammen zu ihm. Inzwischen wusste Frank aber, warum er Lars schon zur Lehrzeit so sehr mochte. Er zeigte es ihm dann auch deutlich und intensiv. Als die ersten Vögel zwitscherten fielen sie total ausgepowert in den Schlaf.

Bei den Gedanken an Lars begann sich seine Hose wieder zu straffen. Konnte das sein, nach fast zwanzig Jahren? Ja, es konnte  sein! Lars war ein sehr attraktiver Bursche, bestens proportioniert, in allen Belangen. Sein Knackarsch war etwas ganz besonderes.Wie hatte er den verwöhnt, oft, lange und ausgiebig. Und dieser geile Knackarsch konnte einfach nicht genug von ihm bekommen. Die Beziehung wurde immer enger und intensiver. Lars’ Mutter wusste es aber schon längst, als er es ihr sagen wollte. Sie begrüßte Frank immer wie den Schwiegersohn. Auch wenn sie, wie alle Mütter von Söhnen, lieber eine Schwiegertochter gehabt hätte. Aber sie hat es sich niemals anmerken lassen. Eigentlich passten sie beide wirklich gut zusammen. Fast gleichaltrig, fast gleich groß und viele gemeinsame Interessen. Der blonde Lars mit den blauen Augen und der dunkelhaarige Frank mit den rehbraunen Augen. Der einzige Unterschied war, Lars war damals etwas muskulöser, aber das war zu der Zeit überhaupt noch kein Kriterium.

Lars war so ein richtiges Schnuckelchen und alle mochten ihn, auch die Mädels. Er überspielte das jedoch immer sehr geschickt, so dass die nie den Eindruck hatten, er würde sie ablehnen. Natürlich war ihr Zusammensein kein Geheimnis, was sich hätte lange halten lassen. Schnell war das bekannt und es war ihnen auch total egal. Lars’ Mutter hatte immer zu ihnen gesagt, Hauptsache man liebt jemanden! Das ganze Getuschel und Gerede ging rechts und links an ihnen vorbei.

Nach einigen Monaten beschlossen sie zusammenzuziehen. Endlich eine eigene Bude und auch noch zu zweit, das war‘s doch! Aber der Alltag fraß sich dann schnell auch in diese Beziehung. Lars war tierisch eifersüchtig auf alles, was sich mehr als einen Meter Frank annäherte, obwohl es dazu gar keinen Grund gab. Er war damals sehr treu, treuer wie man kaum sein konnte, quasi hundert Prozent monogam. Er hatte deshalb auch keine Lust, jeden Abend minutiös seinen gesamten Tagesablauf zu beichten, weil es da nichts zu beichten gab. Lars nahm das aber als ein Zeichen, dass er etwas zu verbergen hätte. Was dann dazu führte, dass es immer öfter Streit gab. Zwar folgte jedem Streit eine ausgiebige Versöhnung im Bett, aber letztlich konnte das ja kein Dauerzustand werden.

Und so kam es, wie es kommen musste, er tat das, was Lars ihm unbegründet immer unterstellte, er ging eines Abends einfach fremd. Einfach nur, weil er es satt hatte, nach Hause zu gehen, sich wieder Vorhaltungen anzuhören und um nicht Getanes beichten zu müssen. Er ging in den Park. Dorthin, wo er wusste, dass er auf potentielle Kandidaten treffen würde. Das Handy warauf lautlos gestellt und somit ignorierte er alle Nachrichten und Anrufe von Lars, wo er denn bliebe und ob ihm auch nichts passiert sei. Stattdessen lehnte er an einer der dicken Eichen und ließ sich in aller Ruhe von einem langen schlaksigen Kerl einen blasen. Er hatte sich nur nach einem gesehnt, endlich mal keine Fragen, endlich mal keine Vorhaltungen, endlich mal nichts sagen müssen, endlich nur Ruhe und einen Orgasmus …

Mit einem verdammt komischen Gefühl im Magen hatte er sich dann auf den Weg nach Hause gemacht. Das schlechte Gewissen kam aber schon, als er sich im Park die Hose wieder zuknöpfte. Aber es müsste ja auch keiner erfahren. Doch er hatte nicht mit Lars und seinem 7. Sinn gerechnet. Der sah ihm schon beim Betreten der Wohnung an, dass etwas nicht stimmte und brach sofort in Tränen aus. Wortlos war er damals ins Bad gegangen und duschte. Er wollte sich einfach alles Geschehene von der Haut waschen. Plötzlich stand Lars, immer noch mit Tränen in den Augen, vor ihm. Er hatte damals nur mit erstickender Stimme zu ihm sagen können, „frag nichts, bitte!“

Drei Tage später war Lars nicht da, als er nach Hause kam. Er sah schnell, dass fast alle Sachen von ihm auch nicht mehr da waren. Im Bad stand nur noch einsam sein Zahnputzbecher. Lars hatte die letzten Tage kein einziges Wort mit ihm gesprochen, ihn wie Luft behandelt und sogar auf dem Sofa gepennt.

Er saß still auf dem Balkon und griff nun doch zu der Zigarette, die er sich genau für solche Momente mitgenommen hatte. Seine Augen waren plötzlich feucht. „Ich war so ein Idiot“, brummelte er vor sich hin und blätterte das Telefonbuch um. Doch es war gar nicht so leicht, jetzt einfach so zum M überzugehen, viel zu viele Gedanken hingen ihm noch nach. Er hatte Lars damals nur noch zweimal gesehen. Das erste Mal, als er nach einigen Tagen seine letzten Klamotten abholte. Die gesamte Einrichtung ließ er zurück. Lars wollte nichts haben, was ihn nur immer wieder an ihn erinnert hätte. Das zweite Mal tat dann auch noch weh, obwohl es über ein Jahr später und in einer völlig anderen Stadt war. Er sah Lars mit einem wirklich attraktiven Typ ganz zufällig in einem Straßencafé sitzen. Sie lachten, alberten rum und schienen sich bestens zu verstehen. Er war recht zügig an ihnen vorbeigegangen und wurde von den beiden auch gar nicht wahrgenommen. Larswar damals recht schnell weggezogen, das hatte er erfahren. Scheinbar nach Hamburg, oder war er damals nur zu Besuch dort? Egal!

Er blätterte nochmal zurück zum L und überlegte, ob diese Handynummer vielleicht noch stimmen würde. Er verspürte eine unheimliche Lust, es zu testen. „Lass das“, sagte seine innere Stimme.

Das M brachte nur platonische Bekanntschaften, zumindest bis zu der Zeit, in der er noch Eintragungen in dieses Buch vorgenommen hatte. Aber das lag ja nun auch schon eine ganze Weile zurück. Nur ganz wichtiges kam da noch rein, zusätzlich zum Handy.

Frank legte das Buch zur Seite und ging in die Küche, um sich noch einen Kaffee zu machen, plötzlich schellte es. Am Klang hörte er, es kam von der Haustür und nicht von der Wohnungstür. „Ich komm ja schon“ rief er, als ob es hätte jemand hören können. Er drückte die Gegensprechanlage und fragte, „Ja?“

„Würden Sie vielleicht ein Päckchen für Müller annehmen, da ist niemand zu Hause.“

„Müller? Kenn ich nicht, gibt’s hier nicht.“

„Doch, die sind erst kürzlich eingezogen.“

„Na gut, 3. Stock rechts.“ Dann betätigte er den Knopf für den Türöffner. Sein erster Gedanke war, „Ups, ich muss mir ja noch was drüber ziehen, ich kann ja nicht nur in meiner Boxer öffnen.“ Aber der Gedanke war schnell wieder verworfen. Warum sollte er sich jetzt wegen der Post extra etwas anziehen, nur um es dann nach 30 Sekunden gleich wieder auszuziehen? Er öffnete die Wohnungstür einen Spalt, um zu hören, wenn der Postbote aus dem Lift kam. Dann könnte er schnell das Päckchen entgegen nehmen und gut wäre es. Er war sich relativ sicher, bei der Post würde nichts Attraktives arbeiten, so dass sich aus seiner lockeren Kleiderordnung eine kribbelige Situation ergeben könnte. Plötzlich hörte er feste Schritte, ohne die Fahrstuhltür gehört zu haben. Vielleicht war es ja ein sportlicher Bote oder der hatte den Lift nicht gefunden, das kam auch oft vor. Er zog die Wohnungstür etwas weiter auf und sah direkt in die Augen des Postboten. Der hielt ihm lächelnd das Päckchen entgegen und wollte noch eine Unterschrift für die Annahme auf seinemelektronischen Display.

Doch Frank war plötzlich wie zur Säule erstarrt. Den Kerl da vor ihm, den kannte er. Nur woher, das fiel ihm jetzt auf Anhieb nicht sofort ein.

„So ein Zufall aber auch“, brach der Bote das Schweigen.

„Hm“, stammelte Frank. „Dein Gesicht kenne ich, aber woher, das kommt mir jetzt wirklich nicht in den Sinn.“

„Mir schon“, antwortete der Typ, der etwa um die dreißig sein musste. „August letzten Jahres, Spanien, Alicante, Hotelpool, Disco, Strand. Wir sind uns mehrfach über den Weg gelaufen. Aber in der Dienstkluft ist es sicher schwer, mich zu erkennen.“

Jetzt fiel es Frank wie Schuppen von den Augen, der unnahbare Typ aus dem Urlaub. „Ja, jetzt wo du es sagst. Aber in den Klamotten, da wäre ich jetzt nie drauf gekommen. Zumal wir ja auch nie ein Wort miteinander gesprochen haben, sonst hätte ich dich vielleicht an der Stimme erkannt.“

„Na ja, man sieht und trifft ja oft Leute, speziell im Urlaub, man weiß weder wo sie her kommen noch wie sie ticken. Man will ja auch nicht ins Fettnäpfchen treten. Ich hatte mich deshalb auch nicht getraut, dich dort anzusprechen. Du kamst so unnahbar rüber und überhaupt …“

Jetzt wurde es langsam interessant für Frank. „Was und wie und überhaupt, was soll das denn heißen?“

„Naja, das kann ich jetzt auch nicht so zwischen Tür und Angel erklären. Es ist auch zu kompliziert und ich weiß gar nicht, wie du reagieren würdest.“

„Also wir können das auch gern drinnen besprechen, ich mach uns auch einen Kaffee, wenn du paar Minuten hast, kein Problem.“ Frank unterstützte seine Worte mit einer einladenden Handbewegung.

„Naja, eigentlich habe ich keine Zeit, aber was solls. Was sein muss, muss sein.“ Und schon stand er im Flur.

„Ok, setzt dich, ich hol uns den Kaffee und zieh mir erst mal schnell was über. Milch? Zucker?“

„Milch ja, Zucker nein, und anziehen ist wirklich nicht nötig.“ Kam postwendend zurück.

 Ups, dachte Frank, was soll das denn werden. Im Urlaub kein Wässerchen trüben können und jetzt das. Vielleicht hatte das auch gar nichts zu bedeuten. Frank stellte ihm den Kaffee hin,stellte Milch dazu und setzte sich recht locker gegenüber. „Es ist mir recht, wenn ich mich nicht unbedingt anziehen muss, das war auch mehr aus Anstand gesagt.“

„Nee, ist schon ok. Am Strand und am Pool warst du ja noch knapper bekleidet, das passt schon. Kannst dich ja zweifellos sehen lassen. Das Auge will ja auch was zu tun haben.“

„Sag mal, was wird das denn jetzt? Letzten August die unnahbare Schüchternheit in Person spielen und jetzt das ganze Gegenteil.“

„Tut mir leid, wenn das so rüber kam, aber ich war dort nicht ganz alleine und konnte nicht so, wie ich wollte. Und außerdem war ich mir bei dir auch nicht ganz sicher, in welche Richtung du tickst.“

„Und jetzt bist du dir da aber sicher?“ Hakte Frank nach.

„Eigentlich schon. Wenn ich mich hier so umschaue. Die Bilder an der Wand sprechen ja auch eine eigene Sprache, eins sah ich schon von der Tür aus.“

„So so, du warst im Urlaub nicht ganz alleine. Na, mir wäre da niemand sonderlich aufgefallen. Zumindest hing dir niemand am Hals, wenn wir uns über den Weg liefen.“

„Das stimmt schon. Der Urlaub war halt lange geplant und zwischen buchen und fahren gab‘s Stress und eigentlich eine Trennung. Aber den Urlaub wollten wir nicht verfallen lassen    und noch durchziehen. Der Anstand verbot es mir, dort zu      flirten oder was anzustellen. Das wollte ich einfach nicht bringen, man weiß ja nie…“

„Verstehe.“ War die knappe Antwort von Frank.

„Meine Freundin war immer sehr eifersüchtig und ich war seit einem Jahr doch eher auf dem anderen Trip. Ich fühlte mich eigentlich immer öfter zu Kerlen hingezogen. Ich wollte es mir aber nie richtig eingestehen, dachte, das ist nur so eine Phase. Sie hat das aber irgendwie gespürt und hat deshalb noch mehr Stress gemacht.“

„Und jetzt, was ist jetzt?“ Wollte Frank wissen.     

„Jetzt sind wir auseinander. Sie ist damals sogar getrennt von mir zurückgeflogen, hat heimlich umgebucht, auf zwei Tage früher. Aber dann warst du wohl auch schon weg, sonst hätte ich dich wirklich noch angequatscht.“

„Na so ein Pech aber auch, ich verpasse immer die bestenGelegenheiten. Hätt ich das gewusst, für dich hätte ich doch glatt verlängert. Aber wenn man nicht miteinander redet, dann ist das eben nicht zu ändern.“

„Lebst du alleine hier? Sicher nicht.“ Ging der Postler langsam in die Offensive.

„Warum denn nicht? Ich bin Single, leider, noch. Aber vielleicht ändert sich das ja bald. Ich habe gestern jemanden kennen gelernt und da könnte vielleicht was draus werden.“

„Schade, das Päckchen kam wohl dann doch einen Tag zu spät an.“ War die etwas enttäuscht klingende Antwort.

Nun war es an Frank, die Sache entweder zu packen oder zu beenden. „Nein, kam es nicht, denn gestern wär ich gar nicht da gewesen um diese Zeit.“

„Naja, da kann man wohl nichts machen.“

Langsam erwachte jetzt Franks alter Jagdinstinkt wieder … „Oh doch, machen kann man schon was, noch bin ich Single. Ich stehe eigentlich auf netten Uniformträger, aber du bist ja im Dienst und musst sicher auch weiter.“

„Weiter muss ich, wenn ich es für nötig halte. Was ich jetzt nicht schaffe, das muss ich halt zeitlich hinten dran hängen. Die meisten sind jetzt sowieso nicht zu Hause. Und das hier, das mit dir, das ist mir jetzt erstmal wichtiger.“

Franks Jagdinstinkt war nun vollends wach, jetzt wollte er es ganz unverblümt wissen. „Ok, ich sag‘s dir ganz direkt. Ich würde schon ganz gern das verpasste vom letzten August nachholen, aber ohne Verpflichtungen oder Versprechungen für mehr. Das steht auf Seite zwei, wir sind aber erst auf Seite eins ganz oben. Du hast zwei Möglichkeiten, deinem Job jetzt nachzugehen oder mit mir in die Kiste zu steigen.“

Der Postbote erhob sich, „ok, dann mach ich den Job danach weiter, ich will das jetzt mit dir auch. Vielleicht ist es ja gar kein Zufall, dass wir uns so wiedertreffen.“

Frank dachte, warum soll ich das jetzt weglassen? Ich bin geil, der ist geil und heute darf ich ja noch. „Glaub was du willst, ob an Zufall, Fügung oder was auch immer. Steig erst mal unter die Dusche und dann befördern wir uns einfach mal bisschen in den mittäglichen Sexhimmel. Ich bin jetzt wirklich langsam scharf. Übrigens, ich bin Frank und wie heißt Du?“

„Ich bin Lars.“

„Na toll, das hatten wir doch schon mal, den Namen hab ich noch drauf.“

Während der schnuckelige Päckchenmann seine Klamotten von sich streifte und Richtung Bad abdampfte, sah Frank ihm gierig hinterher. Er fand ihn etwas dünn, aber durchaus attraktiv, nicht nur oberhalb des Halses. Für ihn war es immer wichtig, dass er seine Dates auch für hübsch befand. Er wollte ihnen zwar an den Arsch und an den Schwanz, sie mussten aber auch ein hübsches Gesicht haben, sonst ging gar nichts. Maximal mit gesteigertem Alkoholpegel wurde das vielleicht mal nebensächlicher. „Schön saufen“ nannte nicht nur er das, leider bekam der Begriff „Morgengrauen“ dann allerdings öfters auch eine völlig neue Bedeutung.

Frank zog schnell das etwas zerknitterte Laken auf seinem großen Futonbett noch mal glatt, schlug die am Morgen achtlos zur Seite geschobene Bettdecke in Form und holte aus dem Nachtschrank schon mal Kondome und Gleitgel. Dann zog er noch die Vorhänge zu, um eine etwas romantischere Stimmung zu schaffen und sich komplett aus.

Kaum war er fertig, stand Päckchen-Lars auch schon splitternackt vor ihm. Sein wirklich ansehnliches Rohr war schon steif. Die nassen, dunkelblonden Haare hingen ihm fast bis auf die Schultern. Langsam schritt er auf Frank zu, legte seine Arme um ihn und suchte mit geschlossenen Augen seinen Mund.

In einer ersten Atempause brachte er dann hervor, „nicht dass ich so was im Dienst schon mal gemacht hätte, aber irgendwann ist immer das erste Mal.“

„Nee, ist schon klar, um die Zeit sind ja meistens auch nur die älteren Damen zu Hause. Stehst du auf was Spezielles, oder darf ich einfach das machen, was ich gern mit dir machen möchte?“

„Außer harte Sachen und Dinge mit Gewalt, wie Fesseln und so. Ansonsten kannst du mit mir fast alles machen, nimm dir einfach, was dir gefällt, ich bin da relativ flexibel.“

„Ich bin schon mehr der Aktive und ich würde dich jetzt gern schön durchknattern. Wenn etwas unangenehm ist oder was weh tut, sagst du es einfach. Ok?“

Lars nickte. „Ist mir recht.“

Frank verpasste Päckchen-Lars nun einfach einen leichtenSchubs und beförderte ihn damit rücklings auf das Bett, legte sich daneben und beide versanken in einem intensiven Kuss. Ihre Hände beschäftigten sich dabei mit dem Schwanz des anderen. Wenige Minuten später hatte Frank das Gleitgel schon in Lars’ zuckendem Loch verteilt, sich ein Kondom übergezogen und fing an, erst vorsichtig und dann immer fordernder, in Lars einzudringen.

Lars stöhne immer lauter und bat um mehr. „Ja gib‘s mir, oh ist das geil mit dir … hör nicht auf … jaaa, das brauche ich …“

Frank sagte nur lakonisch. „Du willst es, du kriegst es.“ Er rammte seinen großen Kolben unaufhörlich in Lars’ geiles Loch und stieß die ganze aufgestaute Geilheit, die sich beim Telefonbuchstöbern aufgebaut hatte, jetzt in diesen netten Postboten hinein. Sie wechselten dann auch noch mehrfach die Stellungen und küssten sich in allen, auch den unmöglichsten Lagen. Zum Glück war der Typ sehr gelenkig. Genauso mochte es Frank am liebsten. Das Ganze glich jetzt schon langsam mehr einer Turnübung.

Doch dann zog sich Frank aus Lars zurück. Nein, er wollte jetzt noch nicht kommen. Stattdessen widmete er sich jetzt erstmal der prächtigen Latte des Päckchenbriefträgers. Während er mit seiner Zunge die Eichel umspielte und sie ab und an auch ganz in seiner Mundhöhle verschwinden ließ, kam ihm der Gedanke, ob er diesen Kolben nicht vielleicht auch verkraften würde. Aber das würde ihm sicherlich weh tun, das musste ja nicht dringend sein. Er war ja sehr selten passiv und wäre viel zu eng für dieses Teil, was er da im Mund hatte. Aufgestachelt von diesen Gedanken blies er immer wilder und fordernder das schöne Teil. Diese langen schlaksigen Kerle hatten oft solche stattlichen Lümmel. Bei ihm selber hatte sich die Natur aber noch etwas großzügiger gezeigt, was Lars auch ausgiebig zu würdigen wusste. Inzwischen fing der an, immer wilder zu zucken. Frank hatte das Gefühl, dass er bald seine Fontäne abbekommen könnte.

Er dachte jetzt an einen Lars von damals, der hatte zum Glück keinen ganz so Grossen, brachte dafür aber eine unheimliche Fontäne daraus hervor, auch daran konnte er sich noch sehr gut erinnern. Ab und an hatte er sich damals auch von ihm besteigen lassen. Er fand das Gefühl unbeschreiblich schön, wenn der Orgasmus in seinen Darm schoss. Das war unglaublichgeil, seinen heißen Strahl zu spüren. Damals war das auch noch etwas einfacher, da lief fast alles ohne Gummi. Heutzutage war das schon sehr riskant, nur in einer treuen Beziehung konnte man sich das noch trauen. Doch wer war denn heute wirklich noch treu?

Er war jetzt von diesen Gedanken und Erinnerungen so aufgegeilt, dass er dringend wieder in den Lars vor sich wollte. Er musste das jetzt zu Ende bringen, bevor ihm noch die Schädeldecke abheben würde. Päckchen-Lars lag auf dem Rücken. Frank schob sich seine langen Beine über die Schultern und begann mit langen und intensiven Stößen, in der von ihm bevorzugten Liegestützstellung, seinen Orgasmus vorzubereiten. Das Stöhnen des Typs unter ihm spornte ihn zusätzlich an. Er spürte langsam und unaufhörlich das Kribbeln in sich aufsteigen. Noch drei, vier Stöße und dann kam er auch schon. Er schaffte es gerade noch so, sein Dings aus Lars zu ziehen. Er riss sich das Kondom runter und verteilte sein heißes Sperma auf dem Brustkorb von Lars. Der war inzwischen auch so weit, die erste Fontäne schoss über seinen Kopf bis an die Wand hinter dem Bett. Der Rest landete auf seinem Bauch. Jetzt sank Frank ganz langsam und ausgepowert neben dem schlanken Körper von Lars nieder. Ein letzter intensiver Kuss schloss den Akt dann ab.

Nach der gemeinsamen Dusche zog sich der Postler an und verabschiedete sich von Frank. Allerdings nicht ohne zu bemerken, dass er sich glatt daran gewöhnen könnte und er hoffe, dass sich Frank bald wieder bei ihm meldet. Sein Kärtchen hatte er dabei schon auffällig auf den Tisch gelegt. Frank verabschiedete ihn mit einem letzten kurzen Kuss und betonte noch einmal, dass er im Moment nichts Verbindliches sagen möchte. Er würde es ihn aber ganz bestimmt wissen lassen, wenn sich vielleicht mal wieder etwas zwischen ihnen ergeben könnte.

„Ich schicke dann ein Päckchen an mich. Wenn der Absender und Empfänger der gleiche ist, dann weißt du Bescheid“, sagte er lachend. „Und dieses Päckchen solltest du dann unbedingt auch erst nach Dienstschluss zustellen.“ Er schloss hinter ihm die Tür und wunderte sich über sich selber. Hatte er nicht eigentlich beschlossen, das alte Leben zu ändern, nicht mehr jede Gelegenheit schamlos mitzunehmen! „Na gut, ab morgen, Frank, heut ist ja noch alles offen“, raunte er sich zu.

Sich jetzt wieder mit dem alten Telefonbuch zu beschäftigen, darauf hatte er gar keinen Bock. Jetzt musste er erst mal die Liebesspuren beseitigen, speziell die an der Wand.

Er saß dann einige Minuten später wieder auf dem Balkon und schlürfte einen Kaffee. Die Uhr zeigte 13:45. Er überlegte, was er heute schon alles geschafft hatte… einen Bäcker komplett verunsichert, A bis L im Telefonbuch nach alten Kontakten durchstöbert und den Päckchenbriefträger gevögelt, das war doch eine ganze Menge für die kurze Zeit.

Benny

„Shit, ausgerechnet heute ist so viel zu tun, ich komme gar nicht pünktlich hier raus“, beklagte er sich. Morgens war es ruhig gewesen, dann wurde es immer hektischer. Er kam nicht mal dazu, noch die eine oder andere SMS an Frank zu schicken. „Na ja, was soll’s“, dachte er, „ich kann es eh nicht ändern und muss meine Schmetterlinge weiter im Zaum halten.“

Eine Kollegin kam lächelnd auf ihn zu. „Sag mal, Benny, was ist denn heute mit dir los? Du strahlst als hättest einen Sechser im Lotto gelandet.“

„Nein, ganz bestimmt nicht, das wüsste ich. Ich habe auch gar nicht gespielt.“

„Na dann muss es wohl doch was anderes sein“, hakte die Kollegin weiter nach.

„Also ich weiß nicht, was du hast, ich wüsste nicht, was an mir heute anders ist als sonst.“

„Na dir fällt das selber vielleicht nicht auf, du kannst dich ja selber auch nicht sehen. Deine Augen verraten dich aber, da steckt doch was dahinter.“

In dem Moment kam eine zweite Kollegin um die Ecke und sagte zu der ersten: „Du, Hanne, ich glaub, unser Benny ist verliebt, schau dir den doch bloß mal an heute, der strahl wie ein frisch geputzter Pfennig.“

Im Weggehen sagte er noch, „ich weiß nicht, was ihr habt, scheinbar wisst ihr mal wieder mehr als ich selber. Aber macht ruhig weiter, ich will euch den Spaß ja nicht verderben.“

Eine rief ihm nach, „na so strahl doch keiner, weil er gerade ein Jahr älter geworden ist, noch dazu ein Eitler wie du.“

Insgeheim lachte er sich hinein. „Wenn die wüssten, wie recht sie haben“, aber es war ja alles noch so frisch und es war auch alles noch total offen. Es war nur eine Hoffnung bis jetzt, mehr nicht. Wie oft hatte er schon so ein Gefühl und wurde nur enttäuscht. Doch dieses Mal war es irgendwie anders, dieses Mal sollte ihn sein Gefühl nicht täuschen. „Bitte nicht!“ murmelte er wieder zu sich selber.

Normal hätte er gegen 14:15 Uhr gehen können, es war aber schon 14:45. Zum Glück kam das nicht so oft vor. Während er sich umzog, überlegte er den weiteren Tagesablauf. Er musste dringend tanken, er musste zur Post und in den Supermarkt musste er auch noch. In der Mittagspause war dazu heute keine Zeit, die war mal wieder viel zu kurz für einen Einkauf.

Und wann sollte er den Anruf bei Frank machen? Eher am Abend oder gleich wenn er nach Hause kam? Frühestens nach dem Duschen, beschloss er. Er war eh schon fast zu weit gegangen gestern. Solche Nachrichten zu schicken, das war wirklich fast untypisch für ihn.

Auf der Fahrt gingen ihm dann alle seine Kontakte durch den Kopf. Was gab‘s da überhaupt? Eigentlich nichts, was wirklich erwähnenswert gewesen wäre. Im Grunde hatte er noch gar nichts erlebt mit seinen inzwischen 25 Jahren. Das war wirkliche eine Scheiss Bilanz. Er konnte dafür jedoch noch ohne Skrupel in den Spiegel schauen. Gut, er hatte mit diversen Typen gechattet, auch mal per Webcam. Aber auch das war alles fast harmlos gewesen. Er hatte immer das Gefühl, dass ihn alle nur schnell in die Kiste haben wollten, um ihn dann genau so schnell wieder abzuschieben. Für ihn war klar, keine Trophäenjäger, dafür war er sich zu schade. Das kam für ihn nicht in Frage!

Wenn er ganz ehrlich war, Sex mit einem Mann hatte er noch nie, also zumindest keinen richtigen Sex. Aber wie auch? Er ist schüchtern und sehr vorsichtig. Er lebt auf einem kleinen Dorf, die nächste größere Stadt war Potsdam und doch auch schon weiter weg. Und er wohnte ja auch noch im Elternhaus. Das hatte zwar seine Nachteile, aber auch den Vorteil, dass er keine Miete zahlen musste und so die ganze Kohle für sich ausgeben konnte. Ja gut, er gab mal hier und da was mit dazu, aber das war‘s auch schon. Im Schnitt blieben ihm sicher um die 300 mehr, als mit einer eigenen Bude.

Er liebt schicke Klamotten und er konnte da auch großzügiger zuschlagen als andere. Er hat ein fesches Auto und ist immer bestens gepflegt. Alle vier bis fünf Wochen sitzt er beim Friseur. Sein Äußeres ist ihm wichtig, sehr wichtig sogar. Er ist immer gepflegt, adrett und modisch gekleidet.

Aber er wusste auch, irgendwann musste er sein Leben ändern, irgendwann muss er auf eigenen Beinen stehen und eine eigene Wohnung mieten. Dann war die Kohle zwar knapper, aber er konnte auch mehr wagen als jetzt. Besuch empfangen, das war im Moment eigentlich so gut wie ausgeschlossen. Sein Outing hat er immer wieder vor sich hergeschoben. Er wollte auf den Tag warten, an dem es sich auch wirklich lohnen würde und er einen richtigen Freund und Partner vorzuweisen hatte. Das hatte er schon lange so entschieden. Und dieser Tag schien vielleicht nun doch bald näher zu kommen!

Tankstelle, Post und Supermarkt lagen inzwischen schon hinter ihm. Er konnte sich gar nicht mehr an jede Einzelheit erinnern, seine Gedanken waren die ganze Zeit woanders. Er hatte aber alles perfekt erledigt und der Einkauf war auf den ersten Blick auch komplett. Sein Unterbewusstsein hatte für ihn scheinbar alles geregelt. Er räumte den Kühlschrank ein und ging ins Bad, er musste jetzt erst mal duschen.

Benny arbeitete in einem Altenpflegeheim in der Nähe, genauer gesagt, im Nachbarort. Er hatte das zwar nicht erlernt, aber er machte diese Arbeit seit vielen Jahren sehr gern. Er besuchte Fortbildungen und hatte im Laufe der Zeit eine gute Position erreicht. Er war fleißig, zuverlässig, gewissenhaft, immer hilfsbereit und bei allen beliebt. Er hatte sich in den letzten Jahrenwirklich hochgearbeitet. Ehrlich und einsatzwillig und nicht durch irgendwelche Machenschaften oder Arschkriecherei. Er verdiente auch ganz ordentlich und war deshalb mit dieser Seite seines Lebens recht zufrieden.

Den einzigen Tick, den er hatte und pflegte, war der Chat. Morgens ist es das Erste, was er tat, abends war es das Letzte. Besser gesagt das Vorletzte, das letzte ist das Licht zu löschen.

Was hatte er dort schon alles für Berg- und Talfahrten erlebt. Er hatte ein gutes Dutzend Stammchatter, Leute, die entweder weit entfernt waren oder in einer Beziehung lebten, das schien ihm am ungefährlichsten und sichersten. So konnte keiner plötzlich auf der Matte stehen. Wobei das eh fast ausgeschlossen war, denn er gab als seinen Wohnort ja Potsdam an. Nur drei seiner engsten Chatfreunde kannten seine richtige Adresse, die hielt er aber für ungefährlich.