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  • Herausgeber: Info 3
  • Sprache: Deutsch
Beschreibung

Im Werk Rudolf Steiners kommen vereinzelt diskriminierende und rassistische Bemerkungen vor. Auf diese wiesen und weisen Kritiker der Anthroposophie hin. Von Seiten der anthroposophischen Bewegung wurde darauf in der Regel beschwichtigend mit dem Hinweis auf Steiners humanistisches Welt- und Menschenbild reagiert. Nichtsdestoweniger wurde das Thema Rassismus bei Steiner auch innerhalb der anthroposophischen Gesellschaft ernsthaft diskutiert und untersucht, wovon das vorliegende Frankfurter Memorandum zeugt. Es unterscheidet fünf Kategorien von Steinerzitaten zwischen missverständlichen Formulierungen und tatsächlich rassistischen Äußerungen. Als Fazit kann festgehalten werden, dass Steiner sich trotz seiner Ethik des Individuums nicht in jedem Fall von den Denkgewohnheiten seiner spätkolonial und eurozentrisch geprägten Epoche gelöst hat.

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Seitenzahl: 59

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Schriftenreihe KONTEXT Band 14

Ramon Brüll und Jens Heisterkamp

Rudolf Steiner und das Thema Rassismus

Frankfurter Memorandum

Mit Anhängen zur Entstehung und offiziellen Stellungnahmen zum Thema

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-95779-092-7

Erste Auflage 2008 Sonderdruck aus Zeitschrift Info3

Zweite, um ein Vorwort ergänzte Auflage 2018

Dritte Auflage 2020

Vierte, durchgesehene und ergänzte Auflage 2021

© 2021 Info3-Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG, Frankfurt am Main

E-Book-Konvertierung: CPI books GmbH, Leck

Das Frankfurter Memorandum steht als pdf auch in englischer, französischer, niederländischer und spanischer Sprache unter www.info3.de/frankfurter-memorandum zur Verfügung

Über dieses Buch

Im Werk Rudolf Steiners kommen vereinzelt diskriminierende und rassistische Bemerkungen vor. Auf diese wiesen und weisen Kritiker der Anthroposophie hin. Von Seiten der anthroposophischen Bewegung wurde darauf in der Regel beschwichtigend mit dem Hinweis auf Steiners humanistisches Welt- und Menschenbild reagiert. Nichtsdestoweniger wurde das Thema Rassismus bei Steiner auch innerhalb der anthroposophischen Gesellschaft ernsthaft diskutiert und untersucht, wovon das vorliegende Frankfurter Memorandum zeugt. Es unterscheidet fünf Kategorien von Steinerzitate zwischen missverständlichen Formulierungen und tatsächlich rassistischen Äußerungen. Als Fazit kann festgehalten werden, dass Steiner sich trotz seiner Ethik des Individuums nicht in jedem Fall von den Denkgewohnheiten seiner spätkolonial und eurozentrisch geprägten Epoche gelöst hat.

Autoren

Jens Heisterkamp, Dr.phil, geboren 1958 in Duisburg, studierte Geschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie. Er ist heute leitender Redakteur der Zeitschrift info3 und lebt in Frankfurt am Main.

Ramon Brüll (geb. 1951) gehörte zum Gründerteam der 1976 in Amsterdam ins Leben gerufenen Zeitschrift info3, damals als mehrsprachige Zeitschrift für soziale Dreigliederung. Er studierte Landschaftsgeographie und ist heute Geschäftsführer des Info3Verlages.

Inhalt

Vorwort zur Buchversion

I.Einführung: Warum ein Memorandum?

II.Kritische Auseinandersetzung mit Äußerungen Rudolf Steiners

1.Rassistisch scheinende theosophische Terminologie

2.Antisemitismus und Antijudaismus

3.Diskriminierung durch „Dekadenz“-Zuschreibung

4.Diskriminierung durch missverständliche Ausdrucksweise und Stereotypisierungen

5.Tatsächlich rassistische Äußerungen

III.Steiner vor dem Hintergrund historisch-kritischer Forschung

IV.Entwicklungsdenken ohne Diskriminierung

V.Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Anhang 1Zur Entstehung dieses Memorandums

Anhang 2Dokumentation: Öffentliche Stellungnahmen aus der anthroposophischen Bewegung zu den Rassismusvorwürfen

Vorwort zur Buchversion

Im September 2008 haben wir nach einem intensiven Studien- und Austauschprozess das Frankfurter Memorandum: Rudolf Steiner und das Thema Rassismus veröffentlicht. Das Erscheinen hat damals sowohl innerhalb der anthroposophischen Szene als auch in den Medien für viel Beachtung gesorgt. Seither hat sich diese Studie als die wichtigste kompakte Stellungnahme zu diesem umstrittenen Thema von anthroposophischer Seite etabliert und wird auch immer wieder öffentlich zitiert. Nicht nur viele Waldorfschulen und andere anthroposophische Einrichtungen geben bei entsprechenden Rückfragen dieses Memorandum an Fragende und Interessierte weiter, der Text ist auch ins Englische, Niederländische, Französische und Spanische übersetzt worden – wohlgemerkt auf Initiative von Anthroposophen und Waldorfpädagogen in den entsprechenden Ländern.

Unserer Wahrnehmung nach hat sich insbesondere ein Zweck dieser Studie erfüllt: Die Diskussion ist seither sachlicher geworden, weil für eine von nicht mehr zeitgemäßen Äußerungen Steiners irritierte Öffentlichkeit sichtbar wurde: Anthroposophen sind durchaus in der Lage, sich kritisch mit einer ansonsten hoch angesehenen Gründerfigur auseinanderzusetzen.

Fazit

Das Fazit des vorliegendes Memorandums lautet: Aus Rudolf Steiners Werk sind einige Äußerungen bekannt, die nur als rassistisch oder antisemitisch gekennzeichnet werden können. Die Autoren können nach eingehender Beschäftigung mit der Thematik zu keinem anderen Ergebnis kommen. Auch nach Abzug jener Stellen im Werk Rudolf Steiners, die aufgrund der Verwendung alter theosophischer Begriffe missverständlich sind und jener aus der Frühzeit seines öffentlichen Auftretens, die er später selbst revidiert hat, bleiben einige Passagen, die schlichtweg abwegig sind. Diese sind zwar sowohl quantitativ (gemessen am Umfang des Gesamtwerkes) als auch qualitativ (sie stellen kein zentrales Motiv im Weltbild der Anthroposophie dar) von geringer Bedeutung, bedürfen aber dennoch besonderer Aufmerksamkeit.

Erklärbar (aber nicht entschuldbar) wird das Vorkommen dieser wenigen rassistischen Äußerungen, die im Widerspruch zu dem prinzipiell humanistischen Ansatz Steiners stehen nur, wenn man bedenkt, dass auch Steiner Kind seiner Zeit war. Er hat ganz sicher eine Fülle von auch heute noch aktuellen Anregungen und Erneuerungsvorschlägen zur Philosophie, Religion, Landwirtschaft, Pädagogik, Medizin und zur sozialen Frage auf den Weg gebracht, zumeist in Form von Vorträgen. Dabei knüpfte er häufig, teilweise vielleicht auch unbedacht, an das Wissen und die Diskurse seiner Zeit an, meist in der Absicht, ihnen eine erweiterte Richtung zu geben. Steiner mag noch so vielfältig gewesen sein, alle wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themenbereiche hat er nicht komplett neu gedacht. Dass er teilweise auch auf die eurozentrischen und rassistischen Denkmuster seiner Zeit, die bis in die damals aktuelle Naturwissenschaft hinein wirksam waren, zurückgegriffen hat, ist aus unserer Sicht ebenso ärgerlich wie verständlich. – Nur dürfen wir als Anthroposophen nicht den Fehler begehen, die in diesem Memorandum belegten diskriminierenden Äußerungen Steiners zu verharmlosen: sie sind rassistisch oder in bestimmten Fällen auch antisemitisch und sie wirken nicht nur so, wie es in manchen gut gemeinten früheren Stellungnahmen noch heißt. Auch die manchmal vorgebrachte Position, es sei damals eben üblich gewesen über andere Ethnien abschätzig zu denken, kann unsere Kritik nicht mindern – zumal in der Anthroposophie und ihren Praxisfeldern das Werk Steiners nicht als bloß historisches Opus, sondern als aktuelle Inspirationsquelle gesehen wird. Ebenso können wir Relativierungsversuche nicht gelten lassen, wonach es unrichtig sei, Steiner an später kodifizierten Rechtsvorstellungen zu messen, die zu seiner Zeit noch nicht maßgeblich waren. Denn genauso wenig wie die Sklaverei erst nach ihrer Abschaffung ein Verbrechen war, bildet auch die Diskriminierung bestimmter Menschengruppen nicht erst eine Verfehlung, seit die Maßstäbe moderner Menschenrechte und Antidiskriminierung gesellschaftlich verankert sind. Der Unterschied von „heute“ im Vergleich zu „damals“ ist lediglich ein gesteigertes Bewusstsein für die Frage der Menschenrechte und deren Verletzungen.

Wir freuen uns, dass diese Studie inzwischen in vierter Auflage und in überarbeiteter Form präsentiert werden kann.

Ramon Brüll und Dr.Jens Heisterkamp, Frankfurt am Main, Juli 2021

I.Einführung: Warum ein Memorandum?1

Die Behauptung, der Gründer der Anthroposophie Rudolf Steiner (1861 – 1925) sei Rassist gewesen oder habe rassistisch gefärbte Ansichten vertreten, wird seit einer Reihe von Jahren in kritischen Publikationen, aber auch in Medienberichten immer wieder vertreten. Dabei wird häufig gleichzeitig die Anthroposophie als Lehre und sozial-spirituelle Bewegung grundlegend in Frage gestellt. Diesen Vorwürfen stehen die Mitarbeiter anthroposophisch orientierter Einrichtungen in aller Welt gegenüber, die irritierende Äußerungen Steiners zum Thema „Rassen“ als irrelevant und – im Verhältnis zu den zentralen anthropologischen Beiträgen Steiners – als völlig marginal einstufen. Ein vernünftiges Gespräch zwischen diesen beiden Positionen wird durch fundamentalistische Emotionen auf beiden Seiten bisher eher behindert: von der einen Seite wird ein vollständiges Distanzieren von einer vermeintlich überholten Gründerfigur verlangt, während auf der anderen Seite apologetisch jeder noch so abseitig wirkende Wortlaut Steiners verteidigt wird. Statt sich gegenseitig in den immer wieder aufbrechenden Debatten unvereinbare Positionen vorzuhalten, wäre ein Dialog auf sachlicher Grundlage möglich. Dazu will das vorliegende Memorandum beitragen.

Zu diesem Anliegen ist bereits vor 25Jahren in den für Diskriminierungsfragen besonders sensiblen Niederlanden wichtige Vorarbeit geleistet worden, als 1996 unter Leitung des Menschenrechtsexperten Dr.Th. A. van Baarda eine Fachkommission das Gesamtwerk Steiners auf eventuelle rassistische Äußerungen hin untersucht hat. Die so entstandene Studie2 verfolgt dabei einen Ansatz, der die kritisierten Äußerungen Steiners nicht allein aus dessen Werkkontext3