Rush In - Navessa Allen - E-Book

Rush In E-Book

Navessa Allen

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Beschreibung

Get on your knees and prey Get on your knees and prey Lauren Marchetti war für Junior Trocci schon immer off limits – seit der Highschool! Denn während sie stets süße Unschuld verkörperte, lebte Junior in einer Welt voller Gewalt, und er ließ Lauren ständig abblitzen, nur um sie zu schützen. Dennoch konnte er sie nie vergessen und beobachtete jahrelang jeden ihrer Schritte. Inzwischen hat sich Lauren zu einer verführerischen, toughen Frau gewandelt, die online heiße Fotos von sich postet. Zunächst schaut Junior Lauren nur aus der Ferne zu, doch schon bald reicht ihm das nicht mehr … Heiß, heißer, RUSH IN! Hast du schon Band 1 der Reihe: LIGHTS OUT gelesen?

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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((bei fremdsprachigem Autor))

Aus dem amerikanischen Englisch von Vanessa Lamatsch

© Navessa Allen 2025

Titel der amerikanischen Originalausgabe: »Caught Up«, Slowburn, ein Imprint von Zando Projects, New York City 2025

© der deutschsprachigen Ausgabe:

everlove, ein Imprint der Piper Verlag GmbH, München 2026

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Covergestaltung: zero-media.net, München nach einem Entwurf von Christopher Brian King

Covermotiv: s-cphoto / Getty Images, liew hooi feng / Alamy Stock Foto und Shutterstock.com

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Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Contentwarnung

Widmung

1 JUNIOR

2 LAUREN

3 JUNIOR

4 JUNIOR

5 LAUREN

6 LAUREN

7 JUNIOR

8 JUNIOR

9 LAUREN

10 JUNIOR

11 LAUREN

12 LAUREN

13 JUNIOR

14 LAUREN

15 JUNIOR

16 LAUREN

17 JUNIOR

18 JUNIOR

19 LAUREN

20 JUNIOR

21 LAUREN

22 LAUREN

23 JUNIOR

24 LAUREN

25 JUNIOR

26 LAUREN

27 JUNIOR

28 LAUREN

29 JUNIOR

30 LAUREN

31 JUNIOR

32 LAUREN

33 JUNIOR

34 LAUREN

Epilog

LAUREN

Danksagung

Contentwarnung

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Contentwarnung

Rush In ist eine Dark-Romance-RomCom mit bedrückenden Themen und enthält potenziell triggernde Inhalte.

Um euch das bestmögliche Leseerlebnis zu ermöglichen, findet ihr deshalb am Ende des Buchs eine Contentwarnung.

Euer everlove-Team

Widmung

Für alle, die bereit sind zu spielen.

1 JUNIOR

Das Blut war überall. Es war in mein Hemd eingezogen, auf meine Hose gesprenkelt und klebte unter meinen kurzen Fingernägeln. Deswegen kleidete ich mich immer von Kopf bis Fuß in Schwarz. Bei jeder anderen Farbe wäre das Blut zu sehr aufgefallen, aber bei Schwarz waren die feuchten Flecken leichter zu erklären: Jemand hatte mir ein Getränk über den Körper gekippt oder ein Auto war neben mir durch eine Pfütze gefahren und hatte mich angespritzt. Über die Jahre hatte ich schon unzählige Ausreden angeführt.

Glücklicherweise würde ich heute Nacht keine davon brauchen, weil es in Strömen regnete. Blitze zuckten über den Himmel und tauchten die weit entfernten Wolkenkratzer in silberweißes Licht. Direkt danach grollte der Donner, laut genug, um die Scheiben der umstehenden Gebäude zum Klirren zu bringen. In solchen Nächten erinnerte die Stadt an Gotham City. Hart und gefährlich.

Ich riss meinen Blick vom Gewitter los. Neben mir am Flussufer standen drei ebenfalls schwarz gekleidete Gestalten, weil sie in Bezug auf Blutflecken dieselbe Lektion gelernt hatten wie ich. Sie waren bewegungslos und starrten mit toten Augen geradeaus, während ihre Jacken um sie flatterten wie Flügel. Ein weiterer Blitz zuckte über den Himmel und tauchte uns in silbernes Licht. Wir sahen eher aus wie ein Trupp Geier, der bereit war, sich auf einen Kadaver zu stürzen, als eine Gruppe Brüder, die eigentlich unterwegs waren, um zu feiern.

Vier Tage. Es regnete seit vier verdammten Tagen, und der Fluss war durch die Wassermassen so breit geworden, dass der Wagen, den wir gerade hineingeschoben hatten, fast bedrohlich schnell verschwunden war. Vielleicht hatten wir Glück, und die Polizei würde annehmen, der Besitzer wäre von einer Flutwelle überrascht worden und ertrunken, statt herauszufinden, was wir ihm wirklich angetan hatten.

Ich bemerkte ein rotes Leuchten im Augenwinkel. Als ich mich umdrehte, sah ich, wie mein jüngster Bruder Greg eine Zigarette an die Lippen hob.

»Diese Dinger werden dich umbringen«, sagte ich.

Er pustete den Rauch in den Wind. »Nicht, bevor ich auf andere Weise sterbe.«

Damit drehte er sich um und stampfte davon. Stefan folgte ihm.

Alec, der Bruder, der mir vom Alter her am nächsten war, fing meinen Blick ein. »Sind wir hier fertig?«

Ich nickte. Ja, wir waren fertig. Wir hatten uns um Tommy Marchetti gekümmert. Genau, wie Dad es befohlen hatte.

Alec klappte den Kragen seiner Jacke hoch, um zu verhindern, dass ihm der Regen in den Nacken tropfte, bevor er unseren jüngeren Brüdern folgte. Ich blieb allein zurück, um zu beobachten, wie die Rücklichter von Tommys BMW im mitternachtsschwarzen Wasser verschwanden. Der alte Bastard war endlich verschwunden, endlich aus dem Weg. Ich hätte mir kein besseres Geburtstagsgeschenk wünschen können.

Ich wartete gerade lange genug, um sicherzustellen, dass der Wagen nicht aus irgendwelchen Gründen wieder an die Oberfläche trieb, bevor ich zu dem Lagerhaus ging, das neben dem Fluss kauerte. Der Boden bestand aus Gussbeton, und die Lattenwände waren so alt, dass der Wind durch die Risse pfiff. Aber zumindest schützte es mich vor dem Regen.

Meine Brüder standen im Neonlicht, die Blicke auf den großen roten Fleck vor ihren Füßen gerichtet.

Alec deutete darauf. »Was sollen wir damit anstellen?«

»Bleiche«, antwortete ich.

Er ging zum hinteren Schrank.

Ich beäugte Greg. »Er hat übel geblutet.«

Greg fing mit seinen dunklen Augen meinen Blick auf, dann zog er erneut an seiner Zigarette. »Frische Leichen haben diese Neigung.«

Ich mochte Junior genannt werden, aber von uns allen ähnelte Greg Dad am meisten, besonders seitdem jeglicher Humor aus seinen Augen gewichen war und er angefangen hatte, dieselbe abgestumpfte Miene zu zeigen wie der Rest von uns.

Alec schloss sich uns wieder an. Wir traten zurück, als er eine ganze Flasche Bleiche über den Fleck schüttete. Nachdem er fertig war, schleuderte er den leeren Behälter in Richtung des Müllstapels in einer Ecke. Das Lagerhaus hatte einem Fischhändler gehört, bevor die Fischereiindustrie zusammengebrochen war. Jetzt gehörte es einem Bekannten meines Vaters – einem Mann, der gern in die andere Richtung sah, wenn wir das Gebäude hin und wieder nutzten.

Alec drehte sich zu mir um. »Willst du immer noch ausgehen?«

Ich bedachte ihn mit einem bedeutungsschweren Blick. »Was denkst du?«

Er zuckte mit den Achseln. »Wenn dir danach ist, bin ich dabei.«

Stefan warf Alec einen Meinst du das verdammt noch mal ernst?-Blick zu, den er nicht bemerkte. Greg, der neben Stefan stand, wartete einfach auf meine Entscheidung. Als ältester Bruder war ich de facto der Anführer. Derjenige, dem Dad am meisten vertraute und von dem meine Brüder Führung erwarteten. Hin und wieder wünschte ich mir, irgendwer anders würde mal eine gottverdammte Entscheidung treffen, damit ich nicht ständig so viel denken musste.

Ich konzentrierte mich wieder auf Alec. »Nein, ich will nicht ausgehen. Ich bin bis auf die Knochen durchnässt und müde. Bis wir geduscht und uns umgezogen haben, dürfte es zwei Uhr morgens sein, und alle Kneipen machen zu.«

»Also willst du deinen letzten Geburtstag mit einer zwei vorn traurig und allein verbringen?«, fragte Alec. »Klingt verfickt deprimierend.«

Ich schüttelte genervt den Kopf. »Ich habe meinen Geburtstag nicht allein verbracht. Wir hatten ein Abendessen im Kreis der Familie, und dann sind wir vier zu diesem unterhaltsamen kleinen Ausflug aufgebrochen.« Er öffnete den Mund, um mir zu widersprechen, aber ich kam ihm zuvor. »Wir sind hier fertig. Mir ist egal, was ihr drei den Rest des Abends treibt, aber ich fahre in meine Wohnung. Sagt Mom und Dad, dass sie mich ein paar Tage nicht sehen werden.«

Ich ging, ohne auf eine Antwort zu warten. Vielleicht war es deprimierend, aber ich wollte allein sein. Ich wollte Ruhe und Frieden … und das würde ich auf keinen Fall bekommen, wenn ich mit meinen idiotischen Brüdern zum Haus meiner Eltern zurückkehrte.

Meine Wohnung lag nicht weit von den Docks entfernt, vielleicht zehn Minuten zu Fuß. Ich war bereits durchnässt, also war mir vollkommen egal, dass es immer noch regnete. Es fühlte sich fast gut an, ein wenig zu frieren. Die Hitze des Sommers hielt Einzug in der Stadt, und mit all dem Wasser um uns herum war es immer drückend und feucht. Das Gewitter vertrieb die Schwüle ein wenig – aber ich wusste, dass das nicht lange halten würde. Wir konnten uns glücklich schätzen, wenn uns ein oder zwei Tage mit kühleren Temperaturen vergönnt wären, bevor das Thermometer wieder an den dreißig Grad kratzte.

Leute eilten auf den Gehwegen an mir vorbei. Die meisten hatten die Köpfe eingezogen, um sich irgendwie vor dem Regen zu schützen, aber ich ging hoch aufgerichtet, in der Hoffnung, dass der Regen die Beweise meiner Sünden abwaschen würde. Verdammt, ich war müde. Und zwar nicht wegen dem, was ich gerade getan hatte. Vielmehr war es eine tiefreichende Erschöpfung, die sich an mir verbissen hatte wie ein tollwütiger Wolf.

Ich fragte mich, ob unser Vater sich jemals so fühlte. Ob unsere Arbeit ihn auf dieselbe Weise belastete. Anders als ich war Dad nicht in die Mafia hineingeboren worden. Er hatte sich in die Schar der Soldaten eingereiht und dann langsam nach oben gekämpft. Jetzt war er der Kerl, an den die wichtigen Zampanos sich wandten, wenn sie Chaos angerichtet hatten – aber nachdem er sich inzwischen für zu wichtig hielt, um sich noch selbst die Hände schmutzig zu machen, delegierte er diese Aufgaben.

Ein humorloses Lächeln verzog meine Lippen. Natürlich belastete Dad seine Arbeit nicht. Er war ja nicht derjenige, der sie erledigte. Das war ich. Na ja, ich und meine Brüder. Wir trugen die Hauptlast. Riskierten, erwischt zu werden. Riskierten, verletzt zu werden. Riskierten, niemals wieder schlafen zu können, weil jedes Mal, wenn wir die Lider schlossen, vor unserem inneren Auge Bilder von den Dingen aufstiegen, die wir getan hatten, und drohten, uns in scheußlichen Erinnerungen zu ertränken.

Aber vielleicht ging es ja nur mir so. Vielleicht war ich einfach ein griesgrämiger Wichser, weil ich – statt meinen Geburtstag in einer Kneipe zu verbringen, wie ich es eigentlich vorgehabt hatte – mich an den Docks aufgehalten hatte, um weitere Albträume für mich selbst zu schaffen.

Ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich auf meine Umgebung. Dieser Teil der Stadt war alt – und zwar nicht auf romantische Weise. Sondern alt und vergessen, von der Gentrifizierung übersehen. Die nah an der Straße stehenden Ziegelgebäude waren nur ein paar Stockwerke hoch. Auf den Gehwegen standen Pfützen, die das Neonlicht der Ladenschilder reflektierten. Kleine Gruppen Menschen hatten sich unter Markisen gesammelt. Sie rauchten oder unterhielten sich mit Freunden, während sie darauf warteten, dass der Regen nachließ. In diesem Viertel wohnte die Arbeiterklasse, überwiegend Einwanderer, und das konnte man den Straßen ansehen. Es war ein guter Ort, um zu verschwinden, um unbemerkt zu bleiben, und genau deswegen hatte ich mir hier eine Wohnung gemietet.

Überwiegend wollte Dad uns in seiner Nähe haben, weil er ein paranoider alter Mann war. Meine Brüder und ich, obwohl wir alle über zwanzig waren, schliefen noch sehr häufig in unseren alten Kinderzimmern. In Nächten wie heute, wenn ich verschwinden musste, um mal den Kopf freizubekommen, hielt ich mich vom Haus fern, bis ich wieder fähig war, mich mit anderen Leuten abzugeben. Der Anblick und die Geräusche der Stadt erinnerten mich daran, dass die Welt sich weiterdrehte. Dass die Leute hier ihre Leben lebten, in seliger Unkenntnis der Dunkelheit, die direkt unter der Oberfläche brodelte. Das gab mir Hoffnung; erinnerte mich daran, dass das Leben mehr zu bieten hatte als Tod und Zerstörung und die ständige Gefahr, den Rest meines Lebens hinter Gittern zu verbringen.

Als ich endlich die unauffällige Tür zwischen einem Juwelier und einer Bäckerei erreichte, war ich den Regen mehr als leid. Mein kleines Apartment am Ende der schmalen Treppe war dunkel, die Luft abgestanden, und alles verströmte einen muffigen Geruch, der von Vernachlässigung sprach. Wann war ich das letzte Mal hier gewesen? Vor einem Monat? Zwei? Der Frühling war wie im Nebel vergangen, aufgrund dieses versehentlichen Mordes, den meine Cousine Aly und ihr Freund begangen hatten. Ihr Opfer war ein Serienkiller gewesen, aber gleichzeitig auch der Sprössling einer stinkreichen Familie. Es hatte meine Familie viel Zeit und einige Ressourcen gekostet, das FBI davon zu überzeugen, dass Bradley Bluhm am Leben und auf der Flucht war. In dieser Zeit hatte Dads Paranoia ganz neue Höhen erreicht, was dafür gesorgt hatte, dass er seine Söhne kaum aus den Augen gelassen hatte. Wahrscheinlich erwartete mich ein heftiger Anschiss, weil ich mich heute verdünnisiert hatte, aber ich brauchte ein bisschen Zeit für mich selbst.

Ich drückte den Lichtschalter neben der Tür und registrierte erleichtert, dass die Deckenleuchte anging. Immerhin hatte ich nicht vergessen, die Stromrechnung zu zahlen. Das Licht erhellte eine winzige Wohnung, die sich am besten als zweckmäßig beschreiben ließ. Bett rechts, Sofa links, Küche geradeaus, mit einer Tür neben dem Kühlschrank, die ins Bad führte.

Ich schnappte mir frische Kleidung und ging duschen, drehte das Wasser so heiß, dass es mich fast verbrannte. Pinkfarbene Wirbel verschwanden im Abfluss, als ich die letzten Reste des Blutes von meiner Haut schrubbte. Ich erinnerte mich daran, wie Tommys Auto unter die schwarze Oberfläche des Wassers geglitten war, und grinste. Ich war froh, dass er weg war, weil damit eines der letzten Hindernisse beseitigt war, das zwischen mir und seiner Tochter gestanden hatte.

Lauren Marchetti.

Das Mädchen, mit dem ich zusammen in unserem »alten Viertel« aufgewachsen war, wie wir Little Italy nannten, bevor meine Eltern mit uns aus der Stadt in einen schicken Vorort gezogen waren. Sie war einen Jahrgang unter mir gewesen, und am Ende meines letzten Schuljahres war eine Situation, in die wir beide verwickelt gewesen waren, so außer Kontrolle geraten, dass sie letztendlich die Schule hatte wechseln müssen.

Ich schloss die Augen und dachte zurück. Mein Lächeln verblasste, als ich mich daran erinnerte, wie Tommys Knöchel sich angefühlt hatten, als sie mein Gesicht trafen, während ich seine wütende Stimme hörte, die mir mitteilte, dass er mich umbringen würde, wenn ich seine Tochter jemals auch nur noch mal ansah. Danach war ich nach Hause gegangen … hatte versucht, unbemerkt in mein Zimmer zu kommen, weil ich nicht zugeben wollte, dass ich mich von einem alten Mann hatte verprügeln lassen. Aber mein Vater hatte mich erwischt, einen Blick auf mein Gesicht geworfen und sofort wissen wollen, was passiert war.

Ich schüttelte den Kopf, während das Wasser über meinen Körper rann. Wie naiv ich doch gewesen war, selbst noch mit achtzehn, trotz all dem Dreck, den ich zu dieser Zeit bereits gesehen und getan hatte. Dad hatte mir die Geschichte aus der Nase gezogen. Ich hatte panische Angst gehabt, dass er alles schlimmer machen würde, indem er eine Vendetta gegen Tommy vom Zaun brach. Mafiosi waren nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie Angriffe auf ihre Familie ignorierten. Aber statt Rache zu schwören, hatte Dad mich mit weiteren Drohungen überschüttet.

Nun, Tommy war nicht mehr da, um seine Drohungen wahr zu machen … und ich fürchtete mich nicht mehr so vor meinem Alten, wie es früher der Fall gewesen war. Ich hatte die Nase voll. Ich wollte nicht länger warten. Ich hatte mich fast ein Jahrzehnt von Lauren ferngehalten … und Gott möge jedem beistehen, der noch mal versuchte, sich zwischen uns zu stellen.

Sobald ich aus der Dusche getreten war, stopfte ich meine dreckige Kleidung in eine Tüte und trug sie nach unten zum Müllcontainer an der Ecke. Müllcontainer waren fantastisch dafür geeignet, Beweise verschwinden zu lassen. Bis die Cops misstrauisch wurden, wäre der Müll bereits auf die Kippe gebracht worden. Viel Glück dabei, dort etwas aufzuspüren. Und selbst wenn sie meine Kleidung irgendwann finden sollten, die Zeit unter freiem Himmel, umgeben von vergammelndem Müll, hätte sie zu diesem Zeitpunkt so stark kontaminiert, dass sie als Beweis vor Gericht nicht mehr zugelassen werden würde.

Danach schüttelte ich meine Schuhe ab und ließ mich auf die fadenscheinige Couch fallen. Und dann tat ich, was ich jeden verdammten Abend tat: Ich zog mein Handy aus der Tasche, öffnete meine liebste Social-Media-App und rief sofort Laurens Profil auf. Ihre Seite war mit Fotos von ihr selbst gefüllt, auf denen sie kaum bekleidet posierte, kunstvoll und perfekt ausgeleuchtet.

Dazwischen versteckten sich kurze Einblicke in ihr Leben: Was sie zu Mittag gegessen hatte; ein Selfie, wie sie ihren gigantischen Hund knuddelte; ein Foto, das sie mit einem Schild in der Hand auf einer Kundgebung zeigte. Auf dem heutigen Bild trug sie einen schwarzen Hosenanzug und schüttelte die Hand einer älteren weißen Frau in einem Büro. Ich lächelte. Marion Blackwell war eine harte Nuss gewesen. Lauren hatte seit Monaten versucht, die Stadträtin zu treffen, in der Hoffnung, ihre Stimme für eine neue Stadtverordnung zu gewinnen, die Sexarbeit sicherer machen sollte. Die eher konservative Blackwell war Lauren aus dem Weg gegangen, aber ein wenig Graben hatte ein Problem ihres Sohnes mit weißem Pulver enthüllt. Und danach war nicht mehr nötig gewesen, als Blackwell ein paar Fotos zukommen zu lassen, auf denen ihr Söhnchen eine weiße Line im Hinterzimmer eines Stripclubs schnupfte … und schon hatte Blackwell sich zu dem Treffen bereit erklärt.

Ich hätte noch viel Schlimmeres getan, um ein Foto zu sehen, auf dem Lauren so triumphierend wirkte. Sie hatte sich weit über die ruhige, brillentragende Einserschülerin mit dem Arm voller Bücher hinausentwickelt, an die ich mich erinnerte. Diese kurvenreiche Göttin ähnelte ihrem jüngeren Ich kaum noch, aber die Hinweise waren unwiderlegbar: große braune Augen, eine Stupsnase, diese kleine Lücke zwischen ihren Vorderzähnen und, am verräterischsten, der Schönheitsfleck unter ihrem linken Auge.

Ich scrollte zurück an den Anfang ihres Profils, klickte auf den Link in ihrer Biografie und sofort öffnete sich die Me4U-App. Lauren war deswegen so entschlossen, für die Rechte von Sexarbeiter:innen zu kämpfen, weil sie selbst eine war.

Und ich war ihr größter Fan.

Direkt unter ihrem Creator-Profil war ein kleiner Button, der die Möglichkeit bot, ein individuelles Video von ihr anzufordern. Ich klickte darauf, dann schickte ich ihr meinen neuesten Wunsch, zusammen mit einer Nachricht.

Gute Arbeit mit Blackwell heute. Ich bin stolz auf dich. Und jetzt zeig mir, wie stolz du auf dich selbst bist,Lauren.

2 LAUREN

Ich stand hinter der Schulter meiner Mitbewohner:in und starrte auf xiers Computerbildschirm, auf dem gerade in Zeitlupe ein Video von mir lief, in dem ich mich mit den Fingern fickte. In Ryans Raum war es finster wie in einer Höhle, weil die Verdunkelungsvorhänge das helle Nachmittagslicht effektiv abschirmten. Auf dem Bildschirm sah ich atemberaubend aus. Nackt. Verloren in meiner Leidenschaft. Eine echte Sexgöttin. Bis zu dem Punkt, als ich plötzlich einen stummen Schrei ausstieß (Ryan hatte den Ton ausgestellt) und seitwärts vom Bett kippte.

Ryan ging ein paar Bilder zurück und drückte Pause. »Hier«, sagte xier und deutete auf die Editierungssoftware unter dem Video. »Wenn wir hier schneiden und dann zur Seite schwenken, wird es aussehen, als hätten wir durchgehend gefilmt, und du hättest die Kameraposition aus künstlerischen Gründen geändert.«

Ich zog eine Augenbraue hoch. »Nicht mehr, als hätte ich mitten in einer Aufnahme aufhören müssen, weil jemand den Feueralarm ausgelöst hat? Schon wieder?«

Ryan schob sich eine lange, blonde Strähne hinters Ohr, während xiers Wangen anfingen, in diesem spektakulären Rot zu leuchten, das nur bei sehr fahler Haut möglich war. »Ich wollte die Abzugshaube nicht zu laut drehen, um zu verhindern, dass dein Kamera-Mikro das Geräusch auffängt.«

»Hmm-mm«, meinte ich. »Sicher. Genau so war es.«

Ryan wurde noch röter. Xier zu foltern, war so einfach wie unterhaltsam.

Ich öffnete den Mund, um zu schauen, ob ich die Röte bis zu den Zehen treiben konnte, aber in diesem Moment wurde xiers Tür hinter uns aufgerissen. Wir drehten uns um und blinzelten im plötzlichen Licht, weil unsere dritte Mitbewohnerin Taylor in den Raum stürmte. Zuerst sah ich nur ihre Silhouette, aber als meine Augen sich angepasst hatten, erkannte ich das lavendelblaue Haar um ihre Schultern und die Seidenrobe mit Blumenmuster, die sie lose um ihre Kurven geschlungen hatte. Sie war voll geschminkt, ihre Haut perfekt gebräunt, ihre mandelförmigen Augen von falschen Wimpern umrahmt – was mir verriet, dass sie entweder gleich ein Video drehen wollte oder gerade eines beendet hatte.

Sie stoppte ein paar Schritte entfernt, in jeder Hand eine kleine Packung. Dann sah sie von mir zu Ryan und wieder zurück. »Ein Abonnent hat mir gerade eine Videoanfrage für eine Nahaufnahme meines Afters geschickt.« Sie grinste spöttisch. »Wer will mir helfen, ihn zu enthaaren und zu bleichen?«

Ich drehte mich zu Ryan um. Xier hatte in einer Ich-nicht-Geste die Hände gehoben.

»Ich bin raus«, verkündete xier. »Ich muss ihn schon die ganze Zeit anstarren, wenn ich filme und das Video schneide. Ich sollte nicht auch noch bei den Vorbereitungen helfen müssen.«

Meine Schultern sackten theatralisch nach unten, als ich mich wieder Taylor zuwandte. »Schön. Ich werde es machen.«

Sie wackelte angetan mit den Hüften. Ihr Abonnent musste ihr einen Haufen Geld für diese Aufnahme geboten haben. Sie und ich mochten unser Geld damit verdienen, heiße Videos für Abonnenten zu produzieren, aber wir waren beide der Überzeugung, dass Nahaufnahmen sehr intim waren und ein Level von Verletzlichkeit beinhalteten, mit dem wir uns nicht hundertprozentig wohlfühlten.

Ihr Blick huschte an mir vorbei zu Ryans Bildschirm. »Ist das der Shot, den Ryan kaputt gemacht hat, als xier gestern Abend das Abendessen hat anbrennen lassen?«

Ryan drehte sich wieder zum Computer, xiers Wangen immer noch gerötet. »Ich habe ihn nicht kaputt gemacht. Lauren konnte letztendlich fertig filmen.«

Taylor und ich sahen uns grinsend an. Wir wechselten uns mit den Haushaltsaufgaben ab, auch beim Kochen. An manchen Abenden bedeutete das Makkaroni mit Käse und kleingeschnittenen Hotdog-Würstchen (Taylor), an anderen gab es traditionelles italienisches Essen (ich). Und dann gab es noch immer aufwendigere Gerichte aus allen Teilen der Welt, die entweder unglaublich lecker waren oder als Flecken an unseren Küchenwänden endeten (Ryan). Zu Ryans Verteidigung musste ich anführen, dass xier zumindest versuchte, xiese kulinarischen Fähigkeiten zu verbessern. Und xier war in letzter Zeit viel besser geworden. Eigentlich füllte sich das Haus nur noch mit Rauch, wenn xier sich an komplizierten neuen Rezepten versuchte … wie gestern Abend.

»Du schuldest mir eine neue Pfanne«, sagte ich. »Ich glaube, die Tandoori-Paste hat sich ins Metall derjenigen eingebrannt, die du gestern verwendet hast.«

Ryan warf mir einen bösen Blick zu. »Verarsch mich weiter, und ich werde Taylor das perfekt geschnittene Video zeigen, in dem du fällst und wieder nach oben saust und wieder fällst.«

Ich schnappte entsetzt nach Luft. »Das hast du nicht getan.«

Mit einem Klick rief Ryan ein weiteres Fenster der Editing-Software auf – und da war ich und fiel in Zeitlupe vom Bett. Und dann flog ich zurück. Und wieder runter. Meine Brüste sahen aus diesem Winkel schrecklich aus, weil sie in verschiedene Richtungen wippten. Mein Haar wirkte, als hätte ich in eine Steckdose gegriffen, und das Entsetzen auf meinem Gesicht ließ mich aussehen, als dächte ich, ich würde gleich von einem Serienkiller ermordet.

»Eventuell werde ich mich nie davon erholen, mich so zu sehen«, meinte ich.

Ryan gluckste. Neben mir lachte Taylor so heftig, dass sie kaum noch atmen konnte. Meine Rache für xiers Verrat würde die Schlagzeilen dominieren.

Es kostete mich fast fünf Minuten und die Androhung von körperlicher Gewalt, bis Ryan das Bildschirmfenster schloss und versprach, den Clip zu löschen.

Bis Taylor wieder sprechen konnte, vergingen noch mal ein paar Minuten. »Für wen ist das Video eigentlich?«

»Meinen Lieblings-Abo«, erklärte ich ihr.

Sie sah mich an und wischte sich die Tränen aus den Augen. »NT95?«

Ich nickte. Obwohl ich diesen Job seit Jahren machte, wurde ich immer noch nervös, wenn ich gewisse Videoanfragen erfüllte – besonders die, für die viel bezahlt wurde. Ich wollte, dass diese Videos perfekt waren. Wollte, dass meine Abonnenten sich nach mehr verzehrten. Und NT95 war ein Abonnent der ersten Stunde, mein allererster tatsächlich. Er hatte sich angemeldet, kaum dass ich meine Me4U-Seite live gestellt hatte. Wir hatten unzählige Stunden mit Sexting verbracht. Ich wusste Bescheid über seinen schrecklichen Vater und den ständigen Druck, dem er in der Arbeit ausgesetzt war. Er schickte mir jedes Mal eine Gratulationsnachricht, wann immer ich einen neuen Politiker oder eine neue Politikerin auf meine Seite gezogen hatte; bat mich, auf mich aufzupassen, wann immer ich zu öffentlichen Kundgebungen ging. Er war nicht mehr einfach ein gesichtsloser Abonnent. Er war mir wichtig. Was auch der Grund war, wieso ich Ryan über die Schulter geschaut hatte, statt xier einfach in Ruhe arbeiten zu lassen.

»Worum hat er gebeten?«, fragte Taylor.

»Ein Striptease, gefolgt von einer Solo-Show«, erklärte ich ihr. »Hat mir die Wahl überlassen.«

Sie schenkte mir einen verschlagenen Blick. »Glaubst du, er wird Ryans besonderes Video zu schätzen wissen?«

»Ich werde dich dafür umbringen, dass du xier diese Idee in den Kopf gesetzt hast.«

Ryan schnaubte, blieb aber sonst verdächtig still, als xier die letzten Schnitte an der Szene ausführte. Ich würde xier in den nächsten Tagen genau im Auge behalten müssen. Sobald das erledigt war, fing xier an, die Farbgebung des Rohmaterials zu bearbeiten. Wir drei zusammen hatten die perfekte Partnerschaft. Taylor und ich waren die Talente auf dem Bildschirm, und Ryan war unsere magische Person im Hintergrund, schnitt unsere Videos und half sogar beim Filmen komplizierterer Videos – wie dem, für das Taylor sich mit meiner Hilfe vorbereiten wollte.

»Gott«, sagte sie. »Das Licht in deinem Raum ist bei Sonnenuntergang so toll.«

Ich wollte gerade antworten, als ein Schnuppern meine Aufmerksamkeit erregte. Taylor und ich drehten uns gerade rechtzeitig zur Tür, um zu sehen, wie sich Walter, unser riesiger Shiloh Shepherd, in den Raum schob. Er wirkte sehr selbstgefällig, die Ohren hoch aufgerichtet, die Augen genüsslich zusammengekniffen. Er trug etwas im Maul, was ich erst für eines seiner Kauspielzeuge hielt, das sich aber bei näherer Betrachtung als …

»Meine Lieblingspeitsche!«, schrie ich und warf mich auf ihn. Verdammt, er würde sie zerstören.

Er wich mir mit einem leisen Bellen aus, den Kopf gesenkt, bereit zum Spielen.

Ich stoppte abrupt und bemühte mich, streng zu klingen. »Das ist kein Spielzeug, Walter. Aus.«

»Streng genommen …«, setzte Ryan an.

Ich deutete mit dem Finger in xiers ungefähre Richtung, weil ich nicht bereit war, den Blick von Walter abzuwenden – nur für den Fall, dass er meine Ablenkung nutzte, um auf der Peitsche zu kauen. »Du stehst bereits auf meiner schwarzen Liste. Mach es nicht schlimmer, indem du dich auf die Seite des Hundes schlägst.«

Hinter mir fing Taylor wieder an zu lachen.

Walter, der offensichtlich beschlossen hatte, dass definitiv die Zeit zum Spielen gekommen war, kaute kurz auf dem Griff der Peitsche, bevor er auf mich zustürmte und dabei den Kopf schüttelte, auf diese Ich-habe-ein-Spielzeug-und-du-wirst-es-nicht-kriegen-Art. Unglücklicherweise sorgte das dafür, dass die fünf Lederriemen durch die Luft schossen. In unsere Richtung.

»Scheiße!«, schrie Taylor und sprang zur Seite.

Ryan sprang aus xiers Stuhl und entkam so gerade noch einem Hieb gegen den Arm.

Walter wuffte um den Griff, dann sprang er mit einer Energie auf uns zu, die sich nur als begeisterte Freude beschreiben ließ. Wir rannten aus dem Raum und die Treppe herunter, wobei wir in unserer Eile fast übereinander stolperten.

Ich stoppte direkt am Treppenabsatz. Ryan rannte nach links.

Taylor warf sich hinter die Wohnzimmercouch.

»Schnapp dir Ryan!«, befahl ich Walter. »Räche mich!«

»Hey!«, kreischte Ryan und rannte um xiers Leben, unseren irren Köter auf den Fersen.

Glücklicherweise bewohnten wir ein dreistöckiges Stadthaus, also lebte niemand unter uns, der sich über den Lärm hätte beschweren können. Wir hatten das Haus gewählt, weil es gut gedämmt war, demnach auch Schallschutz bot – denn unsere Arbeit ging mit einer Menge seltsamer Geräusche einher. Ein weiterer Vorteil war, dass gelegentliche Ausbrüche von Bellen, Schreien und dem Lärm, der entstand, wenn man vor einem peitschenschwingenden Hund floh, ebenfalls überwiegend unbemerkt blieben.

Nachdem das Sexspielzeug mir gehörte, fiel es wahrscheinlich in meine Verantwortung, in den metaphorischen sauren Apfel zu beißen, egal, wie amüsant es auch sein mochte, Walter dabei zu beobachten, wie er meine Mitbewohner:innen folterte. Es gab eine Sache, die ihn auf jeden Fall dazu brachte, sich anständig zu benehmen … also ging ich, während Taylor und Ryan Walter beschäftigt hielten (sprich: angsterfüllt vor ihm flohen), in die Küche zu der Leckerchen-Dose, die auf der Arbeitsfläche stand. Sobald ich den Deckel öffnete, hörte ich Krallen auf dem Parkett und wusste, dass Walter in meine Richtung unterwegs war.

Er rannte um die Kücheninsel und versuchte zu bremsen, aber er war so schnell, dass er einfach weiterrutschte. Die Sache mit einem Hund mit einer Schulterhöhe von siebzig Zentimetern und einem Gewicht, das fast meinem eigenen entsprach, war allerdings: Man hat keine Chance gegen ihn. Walter schien gleichzeitig mit mir zu realisieren, dass wir direkt auf eine Katastrophe zusteuerten, aber es gab nichts mehr, was wir dagegen unternehmen konnten.

Wir sahen uns an und wechselten einen Oh-verdammt-Blick, der mühelos die Speziesgrenzen überbrückte, bevor er gegen meine Knie schlitterte. Ich fiel mit einem gepressten Schrei hart auf den Fliesenboden. Den Großteil der Energie fing ich mit Ellbogen und Schulter ab, um zu verhindern, dass mein idiotischer Hund mich zerquetschte.

»Oh mein Gott«, keuchte Taylor. »Geht es dir gut?«

Als ich aufsah, entdeckte ich meine Mitbewohner:innen über mir. Ryan hatte sich die Hand vor den Mund geschlagen, um xiers Lachen zu unterdrücken, während Taylor offen gackerte.

Ich rollte mich auf den Rücken. »Ich glaube schon?«

An meiner linken Hand nahm ich etwas Feuchtes wahr. Ich sah hin, und da war Walter, der sanft den Hundekeks aus meinen Fingern zog und davonschlich, als hoffte er, niemand würde ihn bemerken.

Zumindest hatte er die Peitsche fallen lassen.

Eine Stunde später war unser Haus wieder aufgeräumt, Taylors After war bereit für die Kamera, und Ryan und sie hatten sich in Taylors Raum eingeschlossen.

Heute hatte ich Kochdienst. Während meine Mitbewohner also filmten, machte ich mich in der Küche an die Arbeit, meinen Laptop aufgeklappt, um den Fortschrittsbalken zu beobachten, als ich mein wöchentliches Video auf meine Me4U-Seite hochlud – diesmal ein Clip von mir an der Tanzstange in unserem dritten Schlafzimmer, das wir in einen Kink-Palast verwandelt hatten.

Ich hoffte inständig, dass das Video meinen Abonnenten gefiel. Meine Arbeit an der Stange war viel besser geworden, seit ich mit dem Posten angefangen hatte – dank des Kurses, den ich mehrere Wochen besucht hatte – aber ich war wirklich kein Profi. Ich tat das, weil es Spaß machte, tollen Content ergab und gleichzeitig ein erstaunlich gutes Work-out war – Multitasking in seiner besten Form.

Jeder Me4U-Creator war anders und produzierte unterschiedlich viel, aber nachdem das mein Hauptjob war, postete ich mindestens einmal am Tag ein scharfes Kurzvideo auf meiner Seite. Und pünktlich jeden Mittwoch lud ich für all meine zahlenden Abonnenten ein längeres Video hoch. Für gewöhnlich hatte ich die Posts schon weit vorher fertig, aber die letzte Woche war ziemlich hektisch gewesen. Ich musste nach Bedarf produzieren, und das gefiel mir nicht. Das hier war nicht einfach nur ein Job für mich. Meine Abonnenten waren keine beliebigen Leute; sie waren meine Community.

Über die Jahre hatte ich zahllose Nachrichten von Abonnenten bekommen, die mir für den einen oder anderen Post dankten, weil sie einen schrecklichen Tag gehabt hatten oder gerade eine harte Zeit durchmachten. Meine Videos sorgten dafür, dass sie sich gut fühlten und all die hässliche Beschwernis für eine Weile vergessen konnten. Viele verließen sich blind auf mich und meine Pünktlichkeit. Ich lieferte ihnen etwas, auf das sie sich freuen konnten … und der Gedanke, sie zu enttäuschen, indem ich zu spät lieferte, belastete mich.

Ein Zischen sorgte dafür, dass ich den Kopf hochriss und sah, dass das Wasser im Topf überkochte. Wenn ich das Abendessen verbockte, nachdem ich Ryan genau deswegen aufgezogen hatte, würde xier mich das nie vergessen lassen.

Ich trat über Walter hinweg, der sinnloserweise mitten in der Küche lag (und zweifellos seinen nächsten Angriff plante), und drehte die Temperatur herunter, bevor ich langsam die Pasta in den Topf gleiten ließ. Sobald ich sie eingerührt hatte, stellte ich den Timer und fing an, an der Soße zu arbeiten – Butter und Schalotten und Knoblauch und Weißwein, mit einer kleinen Dose Muscheln, die ich ganz am Ende untermischte.

Der Wein begann gerade zu verkochen, als das Piepen meines Handys mir verriet, dass ich eine Nachricht bekommen hatte. Ich griff danach und sah, dass mir NT95 über Me4U geschrieben hatte.

NT95

Ich freue mich bereits darauf, zu sehen, was du uns heute Abend bieten wirst.

Lauren

Ich habe das Gefühl, dass es dir gefallen wird.

Ich grinste und schickte ihm einen Screenshot aus dem Video, auf dem ich oben ohne in die Kamera sah, die Zähne in der Unterlippe vergraben. Ryan sicherte immer mehrere Screenshots aus jedem Video, das Taylor und ich filmten, damit wir sie benutzen konnten, um unsere Abonnenten anzuteasern, während sie auf den Upload warteten.

Eine weitere Nachricht erschien. NT95 hatte mir ein Trinkgeld von fünfzig Dollar geschickt.

Lauren

Warte nur, bis du DEIN Video siehst 😘😘😘

NT95

Kann es kaum erwarten. Ich hoffe, du hast einen schönen Abend, Lauren. Und noch mal Gratulation zu deinem Erfolg von gestern.

Lauren

Danke dir!!!

Ich war immer noch ganz euphorisiert, dass es mir tatsächlich gelungen war, Stadträtin Blackwell für unsere Sache zu gewinnen. Mit ihrer Stimme hatte die Verordnung gute Chancen, tatsächlich verabschiedet zu werden. Bald könnten die Sexarbeiter:innen der Stadt jeden Angriff auf sie melden, ohne deswegen eine Anklage wegen Prostitution fürchten zu müssen. Das wäre ein Riesenfortschritt, für den wir schon seit Jahren kämpften. Und obwohl es eine elende, langwierige Schinderei gewesen war, hätten wir es bald geschafft. Das ließ mich hoffen, dass es uns, wenn wir uns nur genug anstrengten, tatsächlich gelingen würde, diese Arbeiterstadt in die moderne Zeit zu hieven.

NT95 likte meine letzte Nachricht. Lächelnd legte ich mein Handy zur Seite. Es war seltsam, an unsere gemeinsame Geschichte zurückzudenken und festzustellen, wie viel sich verändert hatte, seitdem er meinen Kanal abonniert hatte. Inzwischen hatte ich eine Art »Speisekarte« auf meiner Me4U-Seite, aus der Abonnenten bestimmte Dinge bestellen konnten. Als ich angefangen hatte, hatte ich individuelle Preise für jede Anfrage berechnet, aber als ich mehr Follower bekam, hatte ich dafür keine Zeit mehr gehabt. Also hatte ich auf eine Rate von fünfundzwanzig Dollar pro Kamera-Minute umgestellt, mit einem Minimum von drei Minuten. Es gab Aufschläge für Spielzeuge und Kink und die Benutzung von Namen oder bestimmten Formulierungen. NT95 hatte vor ein paar Tagen ein Video für siebenhundert Dollar angefordert, und ich hatte mich sofort darangemacht, es zu drehen.

Breit grinsend sah ich nach der Pasta. Ich hatte diese Woche 15.000 Dollar verdient. Mit diesem Geld konnte ich so viel Gutes tun, dass mir fast schwindelig wurde. Es hatte mich zwei Jahre gekostet, an diesen Punkt zu kommen, aber inzwischen verdiente ich so viel, dass ich eigentlich nur noch ein paar Jahre arbeiten musste, bevor ich komfortabel von meinen Ersparnissen leben und tun könnte, was auch immer ich wollte.

Die Sache war nur: Ich wollte genau diese Arbeit machen. Ich liebte meinen Job. Und die Tatsache, dass ich damit so viel verdiente, fühlte sich fast unwirklich an. Journalisten und Therapeuten und Politiker und Tastaturkrieger machten sich eine Höllenmühe, Sexarbeit zu analysieren und herauszufinden, wieso irgendjemand so etwas tat. Und auch wenn das durchaus gerechtfertigt sein mochte – weil es sich um ein weites und sehr komplexes Feld handelte, mit unzähligen problematischen und gefährlichen Aspekten –, war die Sache für mich persönlich bei Weitem nicht so kompliziert.

Ich empfand die Kameraarbeit sowohl befreiend als auch heilend. Ich war als Katholikin in einem unglaublich patriarchalischen italienischen Viertel aufgewachsen, in dem Scham ein wichtiger Teil der Kultur war – und Frauen, die gegen das strikte, ungeschriebene Regelwerk verstießen, sofort geächtet wurden. Als Teenager war ich wieder und wieder angegriffen worden, die verbalen Schläge hart genug, dass ich darunter fast zerbrochen wäre. Es hatte mich Jahre gekostet, diese unsichtbaren Wunden zu heilen, aber inzwischen mochte ich Sex. Ich mochte es, mich selbst nackt zu filmen. Ich mochte es, anderen Befriedigung zu verschaffen.

So einfach war das.

Im letzten Jahrzehnt hatte ich meine Handlungsmacht zurückgewonnen, meine Selbstbestimmung, und ich lebte mein Leben offen, wo alle es sehen konnten. Ich umarmte meine Sexualität; ermunterte andere, dasselbe zu tun; kämpfte für diejenigen, die immer noch Scham empfanden und immer noch an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, weil so viele Leute sich weigerten, Sexarbeit als zulässige Arbeit anzuerkennen, deren Sexarbeitende denselben Schutz genießen sollten wie jeder andere Mensch auch.

Mein Erfolg bei Stadträtin Blackwell war ein riesiger Schritt in die richtige Richtung, aber es mussten immer noch unzählige andere Politiker überzeugt werden. Nicht nur in unserer Stadt, sondern auch im Rest des Bundesstaates und des ganzen Landes. Ich liebte meine Kameraarbeit, aber meine Leidenschaft gehörte der Interessenvertretung. Selbst wenn all meine Me4U-Abonnenten morgen kündigen sollten, würde ich den Rest meiner Lebenszeit damit verbringen, die Sexarbeit für alle sicherer zu machen, die nach mir kamen.

Oben schwang eine Tür auf und riss mich damit aus meinen Gedanken.

»Wie ist es gelaufen?«, rief ich.

»Gut«, schrie Ryan zurück. Das Schließen einer weiteren Tür verriet mir, dass xier in xieser Schlafzimmer gegangen war.

Eine Minute später stolzierte Taylor die Treppe nach unten, noch damit beschäftigt, ihre Seidenrobe wieder um den Körper zu schlingen, und gesellte sich zu mir in die Küche. Ihre Nase führte sie direkt zu der köchelnden Soße. »Das riecht toll.«

»Danke«, sagte ich, dann deutete ich mit dem Löffel auf den Kühlschrank. »Der dazugehörige Wein ist kaltgestellt.«

Sie verstand den Hinweis und wirbelte herum, um uns Gläser zu holen. Wir stießen an und tranken beide einen Schluck, bevor sie loszog, um Ryan das dritte Glas in die Schneide-Höhle zu bringen. Während sie weg war, war mein Video-Upload endlich beendet. Ich postete es eilig, bevor der Alarm für die Nudeln piepte.

Taylor schloss sich mir gerade rechtzeitig wieder an, um die Teller zu füllen.

»Komm runter und iss mit uns, du asoziales Miststück!«, rief ich zu Ryan nach oben.

Xier stieg mit nur leicht angesäuerter Miene die Treppe herunter und ließ sich an xiesem üblichen Platz am Tisch nieder. Taylor und ich setzten uns rechts und links neben Ryan, und zusammen ließen wir uns unser Abendessen schmecken. Walter schlief unter dem Tisch, während wir aßen und lachten und tranken, bis unsere Teller leer und unsere Bäuche voll waren. Es war ein perfekter Abend. Ich war unglaublich glücklich und tief dankbar für das Leben, das ich mir selbst geschaffen hatte.

Und dann klingelte mein Handy.

3 JUNIOR

Es war drei Uhr morgens am Freitag, als ich in mein schäbiges Apartment zurückkehrte. Diesmal war die Hälfte des Blutes, das mein Hemd durchnässte, mein eigenes.

Ich schälte mir im Bad den Stoff vom Körper und verzog das Gesicht, als ich im Spiegel meinen Bauch betrachtete. Ich hatte einen zehn Zentimeter langen Schnitt an der Seite, von einem Messer, dem ich nicht schnell genug ausgewichen war. Gottverdammter Revierkampfbullshit. Wieso zum Teufel hatten wir uns damit überhaupt herumgeschlagen? Das war nicht das, was wir gewöhnlich für die Bosse taten. Mein Alter musste irgendwem einen Gefallen geschuldet haben oder irgendwas.

Himmelherrgott, dachte ich, als ich im Kopf noch einmal die Erinnerungen an die Nacht durchging. Wäre ich ein wenig langsamer gewesen, hätte die Klinge meine Lunge durchbohren können.

Mein Blick huschte über die Narben, die sich über den Rest meines Torsos zogen. Sie dienten als krasse Erinnerung daran, wie oft ich dem Tod über die Jahre nur knapp entronnen war; wie eine Zehntelsekunde der Ablenkung mich hätte ins Krankenhaus bringen können … oder ins Grab.

Ich verzog das Gesicht, als ich mich vorlehnte, um den Erste-Hilfe-Kasten unter dem Waschbecken herauszuziehen. Nachdem ich mich gewaschen hatte, machte ich mich daran, die Wunde zu verbinden. Ich war gut darin geworden, meine Wunden selbst zu versorgen, auch wenn der Schnitt heute Abend glücklicherweise zu oberflächlich war, um eine Naht zu erfordern.

Erst, nachdem ich wieder angezogen war, erlaubte ich mir, zur Belohnung Laurens neuestes Video aufzurufen. Mit einer kurzen Berührung des Bildschirms startete ich den Film, und sofort wurde ihr vertrautes Schlafzimmer sichtbar. Goldenes Licht ergoss sich in den Raum und tauchte ihr Himmelbett in sanfte Schattierungen von Bernstein. Sie kniete in der Mitte der Oberdecke, gekleidet in cremefarbene Shorts und ein farblich passendes Oberteil.

Sie spielte am Saum des Tops herum und schenkte der Kamera ein sinnliches Lächeln. Ich drückte auf Pause, als sie begann, das Oberteil zu heben, und startete das Video noch mal neu. Ich zog das Handy näher heran und zoomte auf ihr Gesicht, musterte ihre Miene, wobei ich mich auf ihre Augen konzentrierte. Inzwischen waren mehrere Tage vergangen, seitdem meine Brüder und ich den Wagen ihres Vaters im Fluss versenkt hatten – genug Zeit, um Tommy vermisst zu melden. Aber ich erkannte keine Trauer in Laurens Augen. Keine Sorge.

Hatte sie es noch nicht gehört? Oder wusste sie davon, und es interessierte sie einfach nicht? Nicht, dass ich ihr das vorgeworfen hätte … aber nicht zu wissen, ob die Nachricht über Tommy sich bereits verbreitet hatte, begann langsam an mir zu nagen. Daher beschloss ich, dass es Zeit wurde, in den sauren Apfel zu beißen.

Ich rief die Nummer meines Dads auf. Mein Daumen schwebte einen Moment über dem grünen Button. Er und ich waren in letzter Zeit nicht häufig einer Meinung, und ich hatte mich hauptsächlich hier in der Stadt verkrochen, um ihm aus dem Weg zu gehen. Für mich fühlte es sich an, als würde jeder Kontakt zu einer Diskussion ausarten. Der Druck, den er während des ganzen Bradley-Bluhm-Debakels auf mich ausgeübt hatte, hatte uns an unsere Belastungsgrenze geführt. Ich brauchte die Zeit getrennt von ihm … aber noch dringender brauchte ich Informationen über Lauren, also atmete ich einmal tief durch und rief ihn an.

Er hob beim ersten Klingeln ab. »Wo zum Teufel hast du gesteckt?«

Fast hätte ich aufgelegt. Mit diesem Mann war nie etwas einfach. Jedes verdammte Gespräch begann schon als Streit. »Beschäftigt.«

»Verdammt beschäftigt?«, blaffte Dad. »Es sind Tage vergangen, Junior.«

»Und ich habe alles erledigt, worum du mich gebeten hast«, schoss ich zurück. »Es ist ja nicht so, als würde ich untätig herumhängen. Ich habe heute Nacht kein Messer in die Rippen bekommen, weil ich in meiner Wohnung gesessen und Däumchen gedreht habe.«

Er schnappte nach Luft. »Geht es dir gut?«

»Prima«, knurrte ich, weil ich nicht vorhatte, mich von der Sorge in seiner Stimme einwickeln zu lassen. Er machte sich keine Sorgen um meine Sicherheit, nicht wirklich; so wie ich Dad kannte, interessierte ihn mehr, welche Auswirkungen mein Tod auf sein Leben hätte. »Kann ich dich etwas fragen, oder willst du dich noch weiter beschweren?«

Dad schloss so schnell den Mund, dass ich das Klicken seiner Zähne hören konnte. Ich musste ihn nicht sehen, um zu wissen, dass er so heftig mit den Zähnen knirschte, dass sie zu brechen drohten. Bei dem Gedanken, dass ich einen wunden Punkt getroffen hatte, stieg finsterer Triumph in mir auf.

Wir kitzelten immer das Schlimmste aus uns heraus.

»Frag«, grollte er.

»Hat sich die Nachricht von Tommy bereits verbreitet?«

Dad schwieg so lange, dass ich schon dachte, er würde nicht antworten. »Wieso willst du das wissen?«

Verdammt, ich hätte jemand anderen fragen sollen. Ich hatte gedacht, inzwischen wäre genug Zeit vergangen, und ich hätte meine Spuren gut genug verwischt, dass Dad die Sache mit Lauren vergessen hatte – aber sein misstrauischer Tonfall verriet mir, dass ich mich geirrt hatte.

»Ich will es einfach wissen.«

»Hier geht es nicht um seine Hurentochter, oder?«

Glühender Zorn kochte in mir hoch. Männer wie mein Vater waren der Grund, wieso es Patrizide gab.

Ich atmete tief durch, um meine Wut zurückzudrängen, zwang mich, in diesem desinteressierten Tonfall zu sprechen, den zu perfektionieren mich Jahre gekostet hatte. »Nein. Ist Tommy inzwischen vermisst gemeldet oder nicht?«

»Gestern. Wann kommst du nach Hause? Deine Mom hat sich Sorgen gemacht.«

Ah, die Schuldgefühle-Tour. War ja klar, dass er das versuchte, nachdem sein Drängen nicht geholfen hatte.

»In ein paar Tagen. Ich muss mich in der Stadt noch um ein paar Dinge kümmern.«

Er legte einfach auf.

Mit zitternden Händen senkte ich mein Handy. Eines Tages würde mein Temperament überkochen und in alle Richtungen explodieren. Jahre der unausgesprochenen Feindseligkeit belasteten das Verhältnis zwischen meinem Vater und mir, der Großteil davon so scheußlich, dass ich die Erinnerungen bestmöglich verdrängte. Der Streit über Lauren stand ganz oben auf der Liste. Ich würde niemals vergessen, was er an dem Abend zu mir gesagt hatte, nachdem Tommy mich verprügelt hatte: Besser, wenn es jetzt passiert, auf diese Weise, bevor Lauren wirklich verletzt wird.

Oberflächlich betrachtet mochte das geklungen haben, als hätte er Lauren schützen wollen, aber sein Tonfall hatte seine Worte in eine Drohung verwandelt – er hatte damit angedeutet, wenn ich mich nicht von Lauren fernhielt, wäre er derjenige, der ihr als Nächstes wehtat.

Sicher, Tommy war aus dem Rennen, aber mein Alter war immer noch ein Problem. Eines, um das ich mich würde kümmern müssen, und zwar bald. Der Kampf zwischen uns bahnte sich seit Jahren an. Und ich meinte damit nicht das übliche Schreiduell, sondern eine echte Auseinandersetzung. Die Konfrontation, in der ich ihm mitteilte, dass ich das alles nicht mehr tun wollte, dass ich nicht enden wollte wie er – was passieren würde, wenn ich so weitermachte wie bisher.

Um mich von meinen aufgewühlten Gedanken abzulenken, strich ich mit dem Daumen über mein Handy, um erneut Laurens Video aufzurufen, immer noch pausiert, mit ihrem Gesicht im Zoom. Verdammt, sie war wunderschön. Ich drückte Play und ließ das Video laufen. Sofort wanderte Laurens Top nach oben über ihren Kopf, bevor es aus dem Bild geworfen wurde. Mein Schwanz wurde beim Anblick ihrer dunklen Nippel hart, noch härter, als er ohnehin schon war. Ihr Bauch war flach, ihre Taille schmal, ihre Hüften breit. Im letzten Jahrzehnt hatte sie an Kurven gewonnen … und das stand ihr gut.

Ich beobachtete, wie sie die Hand über ihren Bauch nach oben gleiten ließ, um eine Brust zu umfassen. Perfekt geformt. Sie ließ den Kopf in den Nacken sinken, als sie mit ihren Nippeln spielte. Sie sah nicht aus, als würde sie nur etwas vortäuschen. Sie wirkte, als hätte sie wirklich Spaß … und genau deswegen machten ihre Videos so verdammt süchtig; deswegen hatte ich über die Jahre jeden Clip auf ihrer Me4U-Seite angeschaut. Die Frau erwachte auf dem Bildschirm zum Leben. Sie war vollkommen unbefangen, gab sich ihrer Lust ungehemmt hin. Aber am besten gefiel mir, wenn ihre Persönlichkeit aufblitzte, wenn sie lachte oder dieses leise, frustrierte Stöhnen ausstieß, das verriet, dass der Höhepunkt nahe war, sie aber noch etwas mehr brauchte, um wirklich zu kommen.

Ich hatte mir all ihre Geräusche eingeprägt, hatte studiert, wie sie sich selbst zum Orgasmus brachte. Das mochte besessen wirken, war es aber nicht; dahinter steckte eine Strategie. Eines Tages würde ich alles, was ich über sie gelernt hatte, gegen sie verwenden, würde sie schneller kommen lassen, als es je zuvor einem Mann gelungen war. Würde sie davon überzeugen, dass meine Hände und meine Zunge und mein Schwanz dafür geschaffen worden waren, ihr Lust zu bereiten. Ich wollte, dass sie sich nach mir verzehrte; mich brauchte.

War das manipulativ? Total verdreht? Auf jeden Fall.

Aber das war mir vollkommen egal.

Auf dem Bildschirm öffnete Lauren ihre großen, dunklen Augen und sah direkt in die Kamera. »Das ist es, was ich mir von dir wünsche.« Sie kniff sanft ihre Nippel, und ich beschloss, dass die zusätzlichen hundert Dollar, die ich für Dirty Talk bezahlt hatte, wirklich gut angelegt waren. »Ich würde dich dazu bringen, meine Brüste zu verwöhnen, erst mit den Händen, dann mit dem Mund, bis ich quasi tropfe.«

Ich öffnete die Knöpfe meiner Jeans und schob die Hand in meine Boxershorts, um meinen Schwanz zu umfassen. »Was noch?«, forderte ich, meine Stimme rau vor Lust.

Sie ließ die Hand über ihren Bauch gleiten, dann schob sie die Finger in ihre Shorts. »Dann würde ich dich dazu verlocken, mich hier zu berühren. Nicht meine Klit oder Pussy«, sagte sie. Mein Schwanz wurde steinhart, als diese dreckigen Begriffe über diese einst so süßen Lippen drangen. »Ich will, dass du mich neckst, indem du den Stellen nahe kommst, an denen ich dich brauche, ohne mich wirklich dort zu berühren.«

Mein Blick saugte sich an den Bewegungen ihrer Hand unter diesen fast durchsichtigen Shorts fest. Sie tat genau das, was sie gerade gesagt hatte, neckte sich selbst, ließ ihre Finger immer näher an ihre Mitte wandern.

»Willst du es sehen?«, fragte sie.

»Ja. Zeig es mir«, stieß ich hervor. Gleichzeitig bewegte ich die Hand an meinem Schwanz. Deswegen hatte Lauren so viele Abonnenten. Sie war gut in ihrem Job, schaffte es, mir das Gefühl zu vermitteln, dass wir das gemeinsam taten; dass ich mich nicht gerade zu einem aufgezeichneten Video befriedigte.

Ihr Lächeln wurde fast scheu, als sie die Hand aus den Shorts zog und die Finger über den Bund gleiten ließ. »Sag bitte.«

Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte noch nie in meinem verdammten Leben um Sex gebettelt, und ich hatte nicht vor, eine Ausnahme zu machen, nicht einmal für sie. »Zieh sie aus, Lauren. Ich will sehen, wie feucht du für mich bist.«

Sie lächelte breiter, als hätte meine Antwort ihr gefallen, dann schob sie die Shorts langsam nach unten. Ein kleines, gepflegtes Dreieck von Haaren wurde sichtbar, dann folgten ihre Shorts ihrem Hemd, und sie war vollkommen nackt.

Ihre Hände kehrten zu ihren Brüsten zurück, umfassten sie, kneteten, streichelten. Mein Blick glitt über ihren Körper, weil ich angesichts all dieser nackten Haut kaum wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte. Ich wollte mir ihren Anblick einprägen. Nicht nur, wie sie sich selbst neckte, sondern auch die kleinen, verräterischen Zeichen, die mir verrieten, wie empfindlich ihre Brustwarzen waren. Wie ihr Bauch sich anspannte. Wie sie zitternd den Atem ausstieß, wann immer sie ihre Nippel drückte.

Ihre Lider sanken flatternd nach unten, und das verriet mir, dass sie bereit war für mehr. Und doch blieb sie, wo sie war, trieb ihre Lust immer höher, bis sie gezwungen war, sich auf die Fersen sinken zu lassen, weil ihre Schenkel zitterten. Und die ganze Zeit sprach sie, erklärte mir nicht nur mit ihrem Körper, sondern auch mit Worten, was sie mochte.

»Hier. Genau hier.«

»Ja, so.«

»Sanft, und dann fest.«

Ich fragte mich, ob sie wohl ahnte, wie viel sie mir verriet; wie viel Munition ich über die Jahre gesammelt hatte. Wenn ich sie endlich in die Finger bekam, hätte sie keine Chance gegen mich. Aber statt es in die Länge zu ziehen, wie sie es gerade tat, würde ich sofort zum entscheidenden Schlag ausholen.

»Hör auf, uns beide zu foltern«, knurrte ich und bewegte meine Hand schneller über meinen Schwanz. Ich war es nicht gewöhnt, auf die Dinge zu warten, die ich wollte. Ich hatte mich zusammen mit ihr dieser süßen Folter hingegeben, aber langsam machte meine Ungeduld sich bemerkbar.

Als hätte sie meinen Befehl gehört, zog sie ein Kissen zwischen die Schenkel, ließ die Hand nach unten sinken, immer tiefer, bis sie die Finger zwischen sich und das Kissen schob.

»Ich bin so feucht«, stieß sie stöhnend hervor.

»Darauf wette ich«, erklärte ich ihr. »Du hast dir eine Menge Zeit gelassen, Lo.«

Sie öffnete die Augen und schenkte der Kamera ein verschmitztes Lächeln. »So mürrisch.«

Meine Hand erstarrte an meinem Schwanz, und ich drückte die Pause-Taste, um sicherzustellen, dass es wirklich ein aufgezeichnetes Video war und ich nicht aus Versehen die Einladung zu einer Live-Session akzeptiert hatte oder irgendwas. Lauren erstarrte auf dem Bildschirm. Ich lächelte fast verlegen. Sie hatte wahrscheinlich bei früheren Sexting-Sessions bemerkt, wie ungeduldig ich war, und setzte dieses Wissen jetzt gegen mich ein.

Ich würde einen Weg finden müssen, sie dafür zahlen zu lassen, wenn sie mir gehörte.

Mit einem Tippen startete ich das Video erneut. Das Blut rauschte in meinen Ohren, denn Lauren fing an, sich schneller zu bewegen. Ich trat ebenfalls wieder in Aktion, ließ die Hand über meinen Schwanz gleiten, während ich sie beobachtete. Ich hatte mehr Videos von dieser Frau gesehen, als ich zählen konnte, aber diejenigen, die sie speziell für mich anfertigte, waren immer etwas ganz Besonderes. Weil sie allein mir gehörten.

Die Kameraeinstellung veränderte sich leicht, sodass sie jetzt leicht seitlich zu sehen war. Mir blieb gerade genug Zeit, um mich zu fragen, ob jemand bei ihr im Zimmer war und ihr beim Filmen half, bevor das erste Stöhnen über ihre Lippen drang und Lauren erneut die Gesamtheit meiner Gedanken beherrschte.

Ihre Position und das Kissen verbargen überwiegend, was vor sich ging, aber ich erkannte trotzdem den Moment, in dem sie einen Finger – oder mehrere? – in sich versenkte, weil ein lauteres Keuchen über ihre vollen Lippen drang und sie den Kopf drehte, um in die Kamera zu schauen.

»Gott, du fühlst dich so gut an«, sagte sie, dann schloss sie erneut die Augen, als stellte sie sich vor, ich wäre bei ihr im Zimmer.

Ich gab mich der Fantasie hin, stellte mir vor, wie ich hinter ihr auf dem Bett kniete und ihre Hand zur Seite schob, um sie durch meine eigene zu ersetzen. Eine Brust liebkoste sie selbst, während ich mich der anderen widmete, ihren Nippel kniff und streichelte, während ich gleichzeitig meine Finger in ihrer feuchten Hitze versenkte.

»Magst du, wie feucht ich für dich bin?«, fragte sie.

»Ja«, stieß ich hervor. »Aber ich will, dass du noch feuchter wirst.«

Sie schob ihre Hüften nach vorn, drängte ihre Klit gegen meine Handfläche, fickte sich vollkommen hemmungslos auf meinen Fingern. Sie war atemberaubend. Wild. Perfekt.

»Ich will fühlen, wie du kommst«, befahl ich.

»Ich werde kommen«, sagte sie, als hätte sie mich gehört. »Du wirst mir einen so heftigen Orgasmus verschaffen.«

»Ich bin bei dir«, erklärte ich ihr, als meine Hoden sich hoben.

Einen Augenblick später kamen wir gemeinsam. Wir zitterten gemeinsam, keuchten gemeinsam. Helle Punkte tanzten vor meinen Augen. Verdammt, das war unglaublich. Sie war unglaublich.

Ich beobachtete, wie sie sich seitwärts aufs Bett fallen ließ und auf eine Weise lachte, die mir das Herz verkrampfte. Sie klang so frei, so glücklich. Ich hätte getötet – und das war keine Redewendung – um mich einmal so lebendig zu fühlen; ich konnte mich nicht mal erinnern, wann ich das letzte Mal gelacht hatte.