Saboteure des Glücks - Rudolf F. Thomas - E-Book

Saboteure des Glücks E-Book

Rudolf F. Thomas

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Beschreibung

Der Autor beschreibt ausgesprochen pragmatisch und stets auch unterhaltsam, wo im Alltag die Saboteure des Glücks lauern. Eine Reihe umsetzbarer Lösungsvorschläge machen dieses Buch zu einem Rat gebenden Wegbegleiter. Das Sachbuch beschreibt die verschiedenen Typen unter denen sich Negaholiker, Hater, Mobber und Psychopathen befinden und die auf perfide Art andere sabotieren. Saboteure des Glücks befinden sich in jeder Gemeinschaft also auch in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, im Verein und in den Sozialen Medien. Aber es sind nicht nur die anderen, die für Sabotage sorgen. Häufig steht man seinem Glück als Saboteur in eigener Sache, ohne es zu ahnen, ein Leben lang selbst im Weg. Das Buch führt die Leser anhand der Beschreibung typischer Alltagsszenen zur Selbsterkenntnis. Vor allem zeigt es ohne psychologischen Kauderwelsch eine ganze Reihe von verständlichen und somit anwendbaren Lösungen im Umgang mit Saboteuren des Glücks auf. Selbst für diejenigen Leser, die sich von anderen nicht blockiert sehen, ist dieses Sachbuch ein präventiver Ratgeber.

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EPUB
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Seitenzahl: 329

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Rudolf F. Thomas

Saboteure des Glücks

Ich und meine Negaholiker, Hater, Mobber & Co.

© 2016 Rudolf F. Thomas

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7345-6050-7

Hardcover:

978-3-7345-6051-4

e-Book:

978-3-7345-6052-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort

1993 habe ich das Mobben entdeckt und das Thema Psychoterror dann mit meinem Buch „Chefsache Mobbing“ auch in Deutschland populär gemacht. Die miesen Tricks und perfide Spielchen, die den Psychoterror anheizen, haben mich sogleich fasziniert. Schließlich habe ich kaum zu glaubende Gemeinheiten, doch alle in meinem Berufsleben, aber auch in meinen verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten, selbst erlebt. Damals konzentrierte ich mich auf die Methoden der Mobber. Viele Jahre fragte ich mich, was treibt die vielen Denunzianten, Diffamierer, Rufschädiger, Pöbler, Lügner, kurzum, hinterfotzige Leute an? In zahlreichen Gesprächen mit entlarvten Mobbern wurde mir klar, es handelt sich in Wahrheit um Saboteure des Glücks. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Unter ihnen befinden sich durchaus agile und eloquente Menschen! Freunde genauso, wie Freundinnen, Eltern, Schwiegereltern, Chefs, Vorgesetzte, Professoren und Schullehrer. Ihr Manko? Sie haben Wohlgefallen daran, sich selbst zu sabotieren und zu blockieren. Wann immer sie die Möglichkeit dazu haben, sabotieren sie rücksichtslos auch andere. Sie sind vom Wesen her Negaholiker, Miesmacher, Pessimisten, Scharlatane, Angsthasen und Mobber. Ihnen fehlt der Glaube an sich selbst und deshalb ziehen sie mit Wohlgefallen andere Menschen ganz tief runter in ihr schwarzes Loch. Saboteure des Glücks finden innere Befriedigung durch Selbstzerstörung und Mobbing.

In diesem Buch finden Sie Antworten darauf, wie Sie Saboteure des Glücks erkennen und sie entlarven. Sollten Sie Parallelen zu Ihren eigenen Erlebnissen in diesem Buch feststellen, so wäre das kein Zufall, sondern eine Bestätigung Ihres Alltags. Mehrheitlich geht es in diesem Buch um diejenigen, die uns das Jahr über piesacken. Wer es lieber anders hat, der sollte das Buch trotzdem kaufen, denn man weiß ja nie, in welche Richtung wir uns selbst entwickeln. Wahrscheinlich anders, als es sich jeder von uns ausmalt.

„Saboteure des Glücks“ ist ein pragmatischer Ratgeber ohne psychologisches Kauderwelsch. Dafür klar und verständlich, deutlich und direkt ohne jeden Anspruch auf Rücksichtnahme.

Danken möchte ich allen, die mich, ohne es zu ahnen, zu diesem Buch animierten. Jeder von ihnen war zugleich Ratgeber und Co-Autor.

Rudolf F. Thomas

Würzburg im Sommer 2016

„Als ich 5 Jahre alt war, hat meine Mutter mir immer gesagt, dass Glück der Schlüssel zum Leben ist. Als ich zur Schule ging, fragten sie mich was ich werden will, wenn ich groß bin. Ich schrieb 'glücklich'. Sie sagten mir, dass ich die Aufgabe nicht verstanden habe, aber ich sagte ihnen, dass sie das Leben nicht verstanden haben.“

(John Lennon)

Inhalt

Vorwort

Teil 1 Saboteure des Glücks – Einführung

Es gibt nur das eigene Glück

Nach Glück suchen ist vertane Liebesmüh

Liegt das Glück in unseren Genen?

Die Mär von der Selbstverwirklichung

Vorsicht vor den Negaholikern

Der schwarze Rabe wetzt den Schnabel

Der Staat meint es ernst: Ja nicht lachen!

"Nineteen Eighty-Four" (1984)

Versäumnissen nachjammern

Streichen Sie das Wort Problem

Die Motivationslüge

Der Mensch an sich verhält sich widersprüchlich

Prüfen Sie: Sind das Ihre Saboteure des Glücks?

Teil 2 Mobbing als perfides Instrument der Saboteure des Glücks

Das Phänomen Mobbing

Wo entsteht Mobbing?

Wie entsteht Mobbing?

Was hat der "Blaue Montag" mit Mobbing zu tun?

Ursachen für den Psychoterror am Arbeitsplatz

Sex und Gewalt

Klischeedenken und Vorurteile

Der Faktor Mensch

Mobbing ist Sache der Führungskräfte

Wer sind die Mobber?

Mobbing-Typen: Smombies

Mobbing-Typen: Stalker

Mobbing-Typen: Hater

Mobbing-Typen: Lügner

Mobbing-Typen: Blender

Mobbing-Typen: Der Chef-Psychopath

Mobbing-Typen: Negaholiker

Cybermobbing

Mobbing von oben

Teil 3 Praktische Mobbing-Hilfe

Chefs erkennen

1. Der Streitbare Chef

2. Der unberechenbare Chef

3. Der heimliche Chef

4. Der jammernde Chef

5. Der Du-auf-Du-Chef

Schadensfall Mobbing

Erotik im Chefsessel - ein Beispiel

Bringen Sie Ihren Chef auf den Punkt

Erkennen Sie Vorgesetzte bereits im Vorstellungsgespräch

Mobbing in der Frauenriege

Teil 4 Strategie und Taktik gegen Mobbing

Tipps gegen Psychoterror am Telefon

Undichte Stellen und wie man sie dicht macht

Nutzen Sie die Betriebsversammlung

Qualitätszirkel gegen Psychoterror

Setzen Sie auf Transparenz und Information

Teil 5 Zielorientierte Gesprächsführung

Führen Sie ehrliche Gespräche

Überprüfen Sie Ihr Zuhörverhalten

Zeigen Sie Mut und treten Sie zurück

Wer führen will, muss begleiten können

Widerstand beweist die Dummheit des Gesprächsführers

Vorsicht vor Gesprächsstörern

Aktives Zuhören gegen Mobbing

Durch Ich-Botschaften mehr erfahren

So werden Sie zum Gesprächsförderer

Teil 6 Führung

Wählen Sie Bewerber sorgfältig aus

Neulinge richtig führen

Kontrollen sind richtig und wichtig

Vertrauen verloren, alles verloren

Vom "kleinen Unterschied" in der Beurteilung von Mann und Frau als Mitarbeiter

Führen statt verwalten

Teil 1 Saboteure des Glücks – Einführung

Habe ich mir als ich auf die Welt kam, überlegt, was Glück ist und was es bedeutet? Machten Sie sich einen Kopf über das, was aus Ihnen einmal wird? Kümmert sich jemals ein Kleinkind um das ganz große Glück? Wohl kaum! Kein Menschenkind weiß etwas vom großen und kleinen Glück. Es ist immerzu glücklich, solange es seine Bedürfnisse gestillt bekommt. Irgendwann gehen dem Säugling die Augen auf. Sein erster Blick gilt der Person, die er später Mama nennt. Dann kommt, wenn vorhanden, der Papi hinzu. Beide zusammen werden allen, auch ihrem Kind klarmachen, wie glücklich sie sind. Gemeinhin empfinden es Erwachsene als Glück, ein Kind zu haben. Angeblich ist das Neugeborene Ausdruck ihrer großen Liebe. Ach wirklich? Breche ich mit einem Tabu, wenn ich dabei auf die Statistik verweise, die uns (leider) etwas ganz anderes sagt? Riskiere ich gesellschaftliche Ächtung, wenn ich auf die Psychologie verweise die besagt, das Individuum wird nur durch sich selbst glücklich? Liebe mag in uns durchaus Momente des Glücks bescheren. Wir kennen aber auch die Ernüchterung, den Selbstzweifel, der am nächsten Tag folgt und sich häufig als Angst vor dem eigenen Ich manifestiert. Dem scheinbar kurzen Glück folgt oft die lange Angst. Wir glauben sie wieder loszuwerden, wenn wir das wahre Glück finden. Auf der Suche nach dem Glück lernen wir viele Saboteure des Glücks kennen. Menschen, die vorgeben es gut mit uns zu meinen, aber in Wahrheit alles tun, um unser Glück zu sabotieren. Allein der Gedanke daran verschafft diesen Negaholikern so etwas wie positive Momente.

Negaholiker sind, vergleichbar mit Alkoholikern, negativ-suchtkranke Menschen, die von einem permanent negativen Denken getrieben sind. Auch Pessimisten, Lügner, Blender und Mobber sind professionelle Saboteure des Glücks. Sie nagen wie Holzwürmer an uns, während wir uns wie Goldhamster im Käfig auf der Suche nach dem Glück abstrampeln, bis wir völlig ermattet aus dem Rad fallen. Viele dieser Saboteure des Glücks sind mir in den unterschiedlichsten Rollen auf meinem Lebensweg begegnet. Sie gaben sich als Mütter, Väter, Lehrer, Kollegen, Beamte und Politiker aus. Unter ihnen waren Frauen, die mir Liebe heuchelten, genauso wie neidische Männer, die mir ewige Freundschaft schwuren. Sie alle haben mir in meinem Leben weitergeholfen, obwohl mir einige von ihnen nicht einmal das Schwarze unterm Fingernagel gönnten. Warum haben sie ihr Ziel bei mir nicht erreicht? Weil sie mich als Individuum in meinem tiefsten Inneren nicht erreichten. Wir lassen unsere Gedanken von unseren Saboteuren des Glücks leiten und blockieren unsdadurch selbst. Machen Sie auch immer „die anderen“ für alles verantwortlich? Wie dem auch sei,irgendjemand und da sind sich die meisten Menschen einig, blockiert uns doch immer. Im Grunde wollen wir ja, aber wir können oft nicht.

Es gibt nur das eigene Glück

Vom Glück reden alle. „Glück gehabt“, heißt es, wenn eine Sache glimpflich ausgegangen ist. Macht einer eine Erbschaft, dann hatte er Glück. Gewinnt jemand Millionen im Lotto, so hatte er großes Glück. Das alles hat mit Glück rein gar nichts zu tun. Glück kommt nicht von außen über mögliche Dritte irgendwoher auf einem zugeflogen. Niemand muss es suchen, weil es bereits in uns vorhanden ist. Wir müssen es eigentlich nur abrufen, es aktivieren, so rauslassen, wie wir es als Kleinkind getan haben. Klingt einfach, fast simpel, wäre da nicht der beschwerliche Weg der Entwicklung vom Kleinkind zum Erwachsenen. Für mich ist es bereits Glück als Mensch auf die Welt gekommen zu sein, obwohl ich in jungen Jahren öfters als Esel, Frosch, Fuchs, Affe, lahmer Gaul oder dummer Hund bezeichnet wurde. Scheinbar ist es das Privileg Erwachsener, Kinder, wann immer sie wollen, zu beleidigen. Mit der Ankunft auf der Welt, kommt es nur noch darauf an, wo ich bin und mit wem ich es zu tun habe. Meistens hat ein Säugling keinen Einfluss auf seinen Wohnort und wer seine Eltern sind. Dieses Handicap müssen alle Neugeborenen in kauf nehmen.

Eltern geben im Rahmen ihrer Erziehung von Generation zu Generation das Streben nach Erfolg weiter. Ihre uralte Formel lautet: Über den Erfolg kommt auch das Glück! Dahinter steht das Nachkriegsargument „ihr sollt es mal besser haben“, das spätestens seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts für Kinder als auch für ihre Eltern herhalten muss. Ergo werden Kinder mit Eintritt in die Vorschule zum Erfolgsstreben getrieben. Für die Frage nach dem Glück ist keine Zeit mehr. Schlechte Noten in der Schule verheißen ausbleibender Erfolg und maximal materielle Mittelmäßigkeit. Wer das Pech hat und Miesmacher als Eltern hat, der bekommt ihre Mentalität eingeimpft. Ein früherer Nachbar brachte das einmal auf einen einfachen Nenner, in dem er sagte: „Meine Frau hat nichts gelernt, ich selbst war in der Hauptschule keine Leuchte, also kann ich von meinen Kindern auch nichts erwarten. Ich muss froh sein, wenn sie die Hauptschule schaffen.“ Er argumentierte mit genetischen Nachteilen als Ursache für schulischen Erfolg. Auf meine Frage nach Glück lachte er nur und meinte: „Glück haben die, die sowieso schon welches haben!“ Im Prinzip hat er recht, denn Glück haben immer die, die es sich bewahren.

Kinder lassen sich durch Erziehung ganz leicht vom Glück abbringen. Was sollen sie auch machen, sind sie doch von ihren Eltern abhängig? Ein Kind steigt, umso älter es wird, irgendwann aus der heimischen Idylle aus. Es fängt als Jugendlicher an aufzubegehren, zu widersprechen, um zu rebellieren.

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem voll besetzten Elevator. In der ersten Etage verlassen den Aufzug nur wenige. In den nächsten Stockwerken werden es mal weniger- auch mal mehr Fahrgäste, aber ganz oben in der Beletage steigt meistens nur noch einer aus. Er hat trotz Aufbegehren die Schule gemeistert, mit Auszeichnung studiert, im Beruf überzeugt und seine Eltern sind stolz auf ihn. Neidische Schulfreunde behaupten, der hat einfach nur Glück gehabt und wäre gar keine so große Leuchte in der Schule gewesen. Sein Vater wundert sich darüber, war er doch selbst nur in der Hauptschule. Die Mutter (wer sonst?) ahnte schon immer die besondere Begabung ihres Sprösslings. In solchen Fällen herrscht bei den Eltern fast immer Sprachlosigkeit. Das Kind hat sich weder von seinen Eltern, noch von Lehrern und auch nicht vom Schulsystem nachteilig beeindrucken lassen. Es folgte instinktiv seinem ureigenen Glück.

Über außergewöhnliche Karrieren, etwa als Seiteneinsteiger, Autodidakt oder über Umwege begeistern wir uns immer wieder. Ein Werdegang vom gelernten Werkzeugmacher übers Abendgymnasium, Studium, Promotion bis hin zum heutigen Vorstandsvorsitzenden eines großen Konzerns beeindruckt uns. Solch einen Menschen nennen wir gerne Spätentwickler. Ein falscher Begriff, wie ich finde. Nichts und niemand entwickelt sich spät. Im Gegenteil: lieber spät als gar nicht! Wenn es Spätentwickler gibt, dann gibt es logischerweise auch Jungentwickler, oder nicht? Haben Sie schon jemals etwas von Jungentwicklern gehört? Nein, Eltern schwelgen lieber gleich in Superlativen in dem sie glauben ihr Kind sei wenigstens früh – vermutlich sogar hochbegabt. Den Begriff Spätbegabte haben wir erst gar nicht in unseren Sprachgebrauch aufgenommen.

In unserem Bildungssystem sollen alle schulischen und beruflichen Entwicklungen bereits in jungen Jahren erfolgen. Kaum jemand fragt, ob dafür das Umfeld vorhanden ist. Passt das Elternhaus dazu, ist die Schule gut aufgestellt? Vielleicht erkennen sogenannte Spätentwickler bereits in jungen Jahren, dass sie in dem vorgegebenen Umfeld nicht zurechtkommen? Vielleicht wollen sie sich instinktiv ihr Glück bewahren und sich nicht in ein vorgegebenes System verwahren lassen? Denken wir mal an unsere Kindheit, an unser Elternhaus und an unsere Schulzeit. Wollten wir das alles im Falle einer Reinkarnation noch einmal durchlaufen? Ein Freund, der fest an die Reinkarnation glaubt, hat die Befürchtung, er müsse nochmals von Geburt an durch die Tretmühle des Lebens. Da fällt mir spontan Jean-Paul Sartres Einakter „Geschlossene Gesellschaft“ ein, in der es heißt, „die Hölle, das sind die anderen“. Was würden wir alles ändern, kämen wir noch mal frisch und neugeboren auf die Welt?

Menschen, die Karriere machen, wird gerne rabiates Durchboxen unter Einsatz der Ellenbogen unterstellt. Überhaupt glaubt die Mehrheit unserer Gesellschaft, sie lebe in einer Ellenbogengesellschaft. Wer etwas Außergewöhnliches vorhat, egal ob wir es Karriere oder Laufbahn nennen, muss sich derer erwehren, die ihn aufhalten wollen. Er muss frühzeitig die Saboteure des Glücks erkennen und sich diese auf dem Weg nach oben vom Halse halten. Die Saboteure sind es nämlich, die sich ihm in den Weg stellen, ihn von der ersten Sprosse der Karriereleiter runterziehen wollen. Wir leben in einer Gesellschaft, die im Wesentlichen nicht den Einzelnen –, sondern am liebsten nur die Gruppe fördert. Der Teamgeist soll über jedweder Individualleistung stehen. Die Integrationsfähigkeit des Individuums zählt mehr als seine Leistung. Lesen Sie dazu einmal die Stellenangebote im Internet oder in den Tageszeitungen. Fast in jedem Inserat steht unter Anforderungen an den Bewerber „wenn Sie sich in ein gut funktionierendes Team integrieren können…“

Ist einer ein latentes Talent in Musik, Theater, Kunst, Wissenschaft oder Sport, dann begründen wir seinen Erfolg gerne mit zweckmäßigen und technischen Erklärungen. Viele von uns versuchen als ambitionierte Saboteure des Glücks solche Menschen auf ihre untere Stufe runterzuziehen, um sie regelrecht zu verdummen, um damit kund zu tun „schaut her, ich bin schlauer“.

Es ist ja so einfach aus der Anonymität heraus einen Prominenten für dumm zu erklären, kann er sich schließlich nicht wehren. Wir tun so etwas, weil wir Angst vor Emotionalität und vor eindeutigen Bekenntnissen haben. Über Glück sprechen wir nur als lapidar daher gesagte Begründung. Boris Becker hatte halt das Glück gut Tennis spielen zu können. Der „dumme“ Lothar Matthäus hatte eben mal das Glück Fußballer zu sein. Nein, er hat etwas aus seinem Talent gemacht, sich im Training und im Spiel für den Erfolg geschunden. Wer in seiner Mannschaft nicht mitgezogen hat, der bekam mit ihm Ärger. Lothar wusste frühzeitig um seine einmalige Chance ein ganz großer Fußballspieler zu werden.

Die Mehrheit glaubt, Franz Beckenbauer hat sowieso mit allem, was er anfasst einfach nur großes Glück. Der „Kaiser“ hat sein Glück wahrgenommen. Er hat sich auf sein Talent konzentriert und sich selbst gefördert, in dem er sich mit den richtigen Leuten eingelassen hat. Niemand konnte ihn aufhalten, als er nach New York ging, um dort mit den ganz großen des internationalen Fußballs bei Cosmos zu spielen. Er lernte englisch, gute Umgangsformen, wurde eloquent und Kosmopolit. Eigenschaften, die den biederen Funktionären des Deutschen Fußball-Bund fehlten.

Gewisse prominente Frauen haben das Glück gut auszusehen und landeten deshalb in den Betten einflussreicher Männer. Klingt aus dem Volksmund einfach – ist es aber nicht! Millionen Menschen spielen Tennis. Viele Tausende Eltern haben ihre Kinder auf dem Tennisplatz regelrecht in der Hoffnung hineingetrieben ihr Filius ist ein neuer Boris, das Töchterchen eine neue Steffi Graf. Trotz aller Anstrengungen sehen wir bis heute keinen neuen Tennischampion, der ganz Deutschland vor den Fernseher zwingt, wenn er aufspielt. Stattdessen sehen wir viele, regelrecht ausgebrannte, unglückliche junge Leute, die den hohen Erwartungen ihrer Eltern nicht gerecht wurden.

Völlig entgeistert schauen wir, wenn uns ein erfolgreicher Mensch erklärt, er habe in jungen Jahren schon mehr Ehrgeiz gehabt als andere. Zum Glück schätzten viele junge Talente ihre Chancen realistischer ein als ihre Eltern. Sie verstehen es auch zielgerichtet, bis zur eigenen Existenzfähigkeit durchzuhalten. Ihr unerschütterlicher Glauben an sich selbst basiert auf dem unterbewussten Empfinden inneren Glücks.

Eltern werden von ihren Kindern nie als Saboteure ihres eigenen Glücks empfunden so lange es in der Familie keine Exzesse, wie Alkoholsucht oder anderer Missbrauch gibt. Fast immer akzeptieren Kinder ihre Eltern als Menschen, die aus ihren entsprechenden Möglichkeiten das Beste machen. Durch das Einschätzen der familiären Verhältnisse lernen sie zu begreifen, wann ihre Zeit gekommen ist und was sie tun müssen, um ihrem eigenen Glück zu folgen. Das war nicht immer so! Früher wurde die Laufbahn der Kinder von den Eltern vorgegeben. War Vater Bergmann, so lernte Sohnemann ebenfalls auf Zeche. Hatte Vater eine Schreinerei, so lernte der Erstgeborene Schreiner. In der Landwirtschaft übergaben Bauern von einer Generation an die nächste den Hof. Sollte es jemals einer gewagt haben die Familientradition zu unterbrechen, dann wurde er des Hauses verwiesen und enterbt.

Eines Tages in den 70er Jahren durfte ich als Student mit meinem Professor als Gast zu einem Vortrag im Marketingclub Dortmund. Der Referent war damals in der Szene der bekannteste Werbemanager Deutschlands, über den ich schon sehr viel gelesen hatte. Im feudalen Foyer musste ich warten, bis die interne Club-Mitgliederversammlung beendet war. Dort erblickte ich den Werbepapst, der lässig gelangweilt in einem Sessel lümmelte. Er hatte damals mindestens so lange Haare wie ich, trug zum Anzug Cowboystiefel und lächelte mich an. Sofort ging ich auf ihn zu, um herauszufinden, was seine Faszination ausmacht. „Pass auf“, sagte er, „den vertrockneten Generaldirektoren werden nachher bei meinem Vortrag die Augen rausfallen.“ Er bat mich, ihn nicht wegen seines Doktortitels an die Marketingclub-Mitglieder zu verraten. „Die fallen sonst gleich über mich her“, bemerkte er mit einem herzlichen Lachen. Die lebende Werbeikone studierte nämlich Zahnmedizin, übernahm die Praxis seines Vaters, um sie dann an einen befreundeten Kollegen zu verkaufen. Mit dem Erlös machte er sich selbstständig, in dem er eben seine Werbeagentur eröffnete. „Mit 14 Jahren, genau genommen 1957, machte ich schon für eine Metzgerei Reklame“, erzählte er mir. Schon damals wusste er, was er wollte, obwohl Werbung noch gar kein so gängiger Begriff war. Er nahm den Umweg über ein Studium in Zahnmedizin in Kauf. „Mein Vater hätte mich zeitlebens verdammt, wenn ich etwas anderes gewagt hätte“, machte mir der Werbezar klar. Wie sehr ich beeindruckt war, stand mir wohl ins Gesicht geschrieben. „Weißt Du, ich musste zuerst Zahnarzt werden, um meinem Glück zu folgen.“

Wer um sein Glück weiß, so lernte ich damals, der kennt den Weg zum Ziel. Tatsächlich hätten ihn Auseinandersetzungen mit seinem Vater nur seiner Kreativität beraubt und auch seine Energie genommen. Sein Bewusstsein für sein Glück war so stark ausgeprägt, wie seine Geduld für den richtigen Zeitpunkt zur Gründung einer Werbeagentur. Selbstverständlich war sein Vater geschockt als Sohnemann ihn mit dem Verkauf seines Lebenswerks konfrontierte. Übrigens bezeichneten die damaligen Generaldirektoren der Schwerindustrie im Ruhrgebiet, den Vortrag für einen ausgemachten Mumpitz, wie mir einer von ihnen versicherte. „Student, das amerikanische Zeugs nennen solche Werbe-Schlauköpfe Marketing. In zwei bis drei Jahren ist der Mumpitz wieder verschwunden.“ Irren war schon immer menschlich! Von den Baronen der Schwerindustrie der 70er Jahre hat keiner den späteren Niedergang ihrer Industrieunternehmen an der Ruhr mehr miterlebt.

Nach Glück suchen ist vertane Liebesmüh

Die Suche nach dem Glück ist so unsinnig wie die Teilnahme an einer Expedition zur Suche nach dem Heiligen Gral. Wir Menschen rennen einfach los, nur weil uns irgendjemand Geschichten über oder vom Glück erzählt. Jeden Tag verkündet einer neue Wege zum ewigen Glück. Regelrechte Goldgräberstimmung verbreitet sich, sobald ein neuer Trend schnöden Mammon verspricht. Mit Geld kann sich jeder, bis auf wirkliches Glück, fast alles kaufen. Obwohl wir das genau wissen, geben wir der Versuchung des Zukaufs von ein bisschen Glück nach. Ein paar glückliche Stunden im Bordell. Ein paar glückliche Urlaubstage im Wellness-Hotel. Werbung verheißt uns sogar beim Verzehr von Schokolade Glück. „Pack dein Glück beim Schopf“, ist ein uralter Werbespruch.

Über Geld zum Glück ist der absolut falsche Weg. Bester Beweis dafür sind Lotto-Millionäre. Alle konnten sich alles leisten und viele von ihnen haben alles wieder verloren. Warum ist das so? Haben tatsächlich die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln? Nein, Lottogewinner sind Menschen wie Du und ich. Sie haben zur rechten Zeit richtige Zahlen angekreuzt - nicht mehr und auch nicht weniger. Jeder Spieler kann im Lotto gewinnen, wenn er konstant seine Zahlen tippt. Irgendwann, die Frage ist nur wann, erscheinen genau diese Lottozahlen. Die Chance steht eins zu Abermillionen Ziehungen. Auch hier gilt es, einfach nur durchzuhalten. Die Folgen eines überraschenden Gewinns nennen wir Glück, obwohl wir wissen, Geld steht in keinem direkten Zusammenhang zum Glücklichsein.

Eines Tages stand ein gut gebräunter Mann um die 50 Jahre, der zuvor um diesen Termin nachsuchte, in meinem Büro. Grundsätzlich empfange ich alle Menschen, die mich sprechen wollen. Dadurch sind schon viele interessante Begegnungen und gute Kontakte entstanden. Mein Besucher war Herausgeber eines Glücksbuchs. Das Buch erschien Jahr für Jahr in einer neuen Auflage. Der Mann hatte knapp 135 Tausend Abonnenten von denen jeder 39 Euro (davor 49 DM) bezahlte. Als ich lachend in dem Glücksbuch blätterte, klopfte sich der Herausgeber angesichts meines ungläubigen Kopfschüttelns vergnüglich auf den Oberschenkel. Was ich sah, konnte ich kaum fassen: Seitenweise waren sämtliche Lottozahlen geordnet nach Jahrgängen, Monaten und Wochen abgedruckt. Im letzten Kapital gab es eine Auswertung der Lottozahlen, die am häufigsten gezogen wurden. Der Herausgeber lobte sich wegen seiner genialen Idee ständig selbst. „Dieses Buch ist besser als jeder Lottogewinn“, machte er mir deutlich. Sein Konzept basierte auf Dummheit all jener, die glauben, über Statistiken den Jackpot zu knacken. Die Adressen seiner 135 Tausend Abonnenten bildeten die unglaubliche Datenbank, der fortwährenden gesammelten Dummheit. Eine Frage stellte sich mir noch: War der Herausgeber des Glücksbuchs selber glücklich? „Mir fehlt es an nichts, wenn ich mal von ein paar Schicksalsschlägen absehe“, sprach er mit ernster Miene. Seine Frau sei ein Pflegefall. Sein Sohn lebt in Argentinien und er selbst leidet an Diabetes. Klar kann er seiner Frau eine Pflegekraft zur Seite stellen. Seinen Sohn in Argentinien besuchen, sorgt bei ihm wegen seiner Frau Gewissensbisse. „Warum lebt Ihr Sohn in Argentinien“, wollte ich wissen. „Ich glaube, er konnte unser Elend nicht mehr ertragen“, antwortete er schonungslos offen. „Was würden Sie für die Gesundheit Ihrer Frau bezahlen?“ Er, der Herausgeber des „Glücksbuchs“, war bereit dafür all sein Geld herzugeben.

Glück über Geld finden ist aussichtslos. Geld kann eine Geisel -, ein böser Geist -, ein Saboteur des Glücks sein. „Arm aber glücklich“ ist genauso ein blöder Spruch, wie „reich und glücklich“. Noch nie habe ich, nach unserem Verständnis arme Menschen getroffen, die glücklich und zufrieden lebten. Im täglichen Kampf ums Überleben im Wohlstandsland ist kein Platz für „Armutsromantik“. In unserem Grundgesetz steht nichts vom Bürgerrecht auf das Streben nach Glück. Vermutlich haben sich die Väter des Grundgesetzes auf soziale Gerechtigkeit konzentriert und dabei das individuelle Recht auf Streben nach Glück übersehen. Dabei hätte bei allen Wirren der Nachkriegszeit ein Blick in die amerikanische Verfassung genügt, um das Recht jedes Einzelnen auf das Streben nach Glück, grundgesetzlich zu manifestieren. Die berühmt gewordene Formulierung in der Unabhängigkeitserklärung, wonach es zu den unabänderlichen, gottgegebenen Rechten eines jeden Amerikaners gehöre, nach seinem Glück zu streben lautet:

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed, by their Creator,with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty, and the pursuit of Happiness.

So ist das Streben nach Glück, jedoch nicht das Glück selbst, als ein Grundstein des amerikanischen Gedankens fest verankert. Im Gegensatz zu vielen anderen Nationen sind die Grundzüge der Verfassung vielfach im Leben der Amerikaner zu erkennen. Die Selbstbestimmung und nicht die Fremdbestimmung, ist der Grundsatz der Machbarkeit aus eigenem Antrieb, der im US-Alltagsleben deutlich vorhanden ist.

Kein Meinungsinstitut und keine Regierung hat jemals bei uns eine Volksbefragung zur Ermittlung des Glückszustandes der Bevölkerung durchgeführt. Manchmal frage ich mich, ob es nicht schon ein Glück ist hier auf die Welt zu kommen? Leben wir nicht alle in einer Region, in der wir alle vier Jahreszeiten erleben? Lang anhaltende Trockenheit, wochenlanger Dauerregen, ewiges Eis und lange Dunkelheit bleiben uns erspart. Gegen wilde Raubtiere müssen wir uns auch nicht erwehren. Im Garten blühen Rosen und auf den Bäumen wachsen Äpfel, Birnen und Kirschen. Wer hier lebt, der kann sich, vorausgesetzt er weiß darum, eigentlich auf sein Glück konzentrieren. Was machen aber die meisten von uns? Sie glauben irgendwo anders ihr Glück zu finden, das ihnen Scharlatane fadenscheinig versprechen.

Wer sein Glück kennt und danach handelt, kommt in unserem Land meistens fast automatisch zu Wohlstand. Verstehen Sie bitte unter Wohlstand nicht gleich Reichtum. Wohlstand bedeutet, ein lebensfrohes Dasein führen zu können. Sich, wie das Wort uns sagt, wohlfühlen. Den Stand des Wohlbefindens durch innere Zufriedenheit beibehalten. Dazu gehört auch eine sinnvolle, der eigenen Neigung entsprechende Beschäftigung.

Beobachten Sie einmal morgens im Bus oder Straßenbahn unsere Mitmenschen auf dem Weg zur Arbeit. Herunterhängende Mundwinkel, eine nach vorne gebeugte Körperhaltung, in Brusthöhe verschränkte Arme signalisieren uns alles nur keine Freude am bevorstehenden Tagwerk. Glückliche Menschen gehen anders aus dem Haus und – das sei erlaubt zu erwähnen – sehen auch gepflegter und besser aus.

Seit Jahrzehnten landen auf meinem Schreibtisch Bewerbungen von Menschen, die ein neues berufliches Umfeld suchen. Manche von ihnen wollen sich verändern, einige möchten sich finanziell sogar verbessern. Völlig ins Stottern geraten die Kandidatinnen und Kandidaten, wenn ich sie frage, ob sie glücklich sind? So eine Frage in einem Vorstellungsgespräch – damit rechnet niemand. Entsprechend sind die Antworten: „Ja, ich denke schon“, oder „hm, teilweise“ und „wenn ich die Stelle hier bekomme, dann bin ich glücklich“. Meistens möchte ich es genauer wissen: „Sind Sie dann glücklich oder zufrieden?“ Bei Bewerbern macht sich auf der Suche nach einer Antwort Verzweiflung breit, während Bewerberinnen Zufriedenheit signalisieren. Glück, so ihre Begründung, wäre, wenn sie nicht arbeiten müssten, einfach zuhause bleiben, um sich mit den schönen Dingen des Lebens einzulassen. Männer verweisen, falls ihnen eine Antwort einfällt, auf den Willen im neuen Job etwas leisten zu wollen. Leistung erbringen mache sie zufrieden, die richtige Partnerin zu haben bedeutet für sie Glück. „Haben Sie Glück“, frage ich immer ganz ungeniert. „Ich suche noch“, bekomme ich in 90 Prozent der Gespräche zur Antwort.

Freude an dem zu haben, was gegeben ist, fällt vielen Menschen schwer. Alleine zu leben ist für einen glücklichen Menschen nicht schwer. Er weiß instinktiv um die Gefahr seine Zufriedenheit durch einen etwaigen Saboteur des Glücks zu verlieren. Folglich lässt er lieber seine Tür verschlossen, bevor jemand seine Kreise stört. „Einnisten auf meine Kosten“, so sagt mein Freund Roland immer, „geht bei mir gar nicht!“

Sucht dagegen jemand in der Hoffnung Glück zu finden nach einer Partnerschaft, so fehlt ihm bzw. ihr das Fundament, um aufrichtige Liebe zu geben und auch Liebe zu erfahren. Er und sie begeben sich in Abhängigkeiten, oft auch in geradezu groteske Lebensgemeinschaften.

Nach wie vor spielt die materielle Ausstattung des Partners für Frauen eine große Rolle. Sie will wissen, ist er wohlhaben, hat er eine gute Stelle, kann er ihr etwas bieten? Dabei wird neben der fehlenden materiellen - die geistige Parität zu oft unterschätzt.

Die sexy-tolle Frisörin heiratet einen jungen aufstrebenden Juristen, der die Kanzlei seines Vaters übernehmen wird. Der anständige Handwerker eine promovierte Historikerin. Bei näherem Hinsehen offenbart uns die Scheidungsstatistik fehlende Parität für das Scheitern von Ehen. Eine hohe Zahl alleinerziehender Mütter ist Ausdruck vieler Tragödien im gescheiterten Finden von Glück, erst durch Partnerschaft, dann durchs gemeinsame Kind.

Findet er seine „Glücksgöttin“ und sie ihren „Glücksgott“, dann glauben wir, sie seien Seelenverwandte.

„Alle schlechten Eigenschaften entwickeln sich in der Familie. Das fängt mit Mord an und geht über Betrug und Trunksucht bis zum Rauchen.“ (Alfred Hitchcock)

Seelenverwandtschaft beruht auf beidseitigem Glückspotenzial mit dem sich Partner wunderbar ergänzen. Sie wissen um ihr individuelles Glück und jeder erkennt auch das Glück des anderen. Es herrscht so etwas wie eine Glücksparität. So ein Glück kann niemand suchen. Es begegnet einem irgendwo, zu irgendeiner Zeit und dazu noch völlig ohne Ankündigung. Wer nach diesem Glück sucht, der kann sich auch auf die verzweifelte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen begeben.

Wer sein Glück kennt, es annimmt und danach lebt, wird sich nicht auf die Suche nach noch mehr Glück begeben. Es gibt nämlich kein „glücklich, am glücklichsten, noch glücklicher“.

Viele Lebenswege wohlhabender Menschen sind Ausdruck eines fortwährenden Glückspotenzials. Dieses Potenzial wirkt wie ein Jungbrunnen. Glückliche Menschen sind selbstbewusst, kennen keine Niederlagen, sondern nur Lernprozesse und halten sich nicht lange an der Vergangenheit auf. Selbstverwirklichung ist für sie so selbstverständlich wie Selbstbewusstsein.

Liegt das Glück in unseren Genen?

Den einen, so glaubt der Volksmund, klebt das Glück an den Schuhen. Egal was solche Typen anfangen, es wird zu Gold. Andere dagegen kommen ihr ganzes Leben lang nicht richtig hoch. Sie mühen sich, trotzdem bleibt ihnen der Erfolg versagt. Mühen alleine reicht demnach ebenso wenig wie Talent. Vererbt sich Erfolg, liegt das Glück gar in unseren Genen? Schauen wir der Realität ins Auge: In unserem Leben ereilen uns Zufälle genauso wie Schicksalsschläge. Es gibt Menschen, die trotz Rückschläge und schweren Niederlagen Zuversicht ausstrahlen.Aufgeben ist für sie kein Weg. In noch so schwierigen Situationen wirken sie scheinbar immer glücklich. Warum? Weil sie zu Gott gefunden haben, antwortete mir ein Pfarrer. Die Begründung war mir alleine schon in Bezug auf das Wort „gefunden“ zu platt.

Angeblich sind wir Menschen für Geisteswissenschaftler, wie Theologen, Psychologen und Philosophen, Suchende. Jeder ist demnach Teil eines Netzwerks der Suchenden. Internetfreaks werden sagen, „klar, ich bin bei Google“. In Wahrheit will ja keiner ein Leben lang suchen, sondern finden.

Liegt das Glück in unserer Veranlagung? Zufriedenheit, so waren Psychologen in den 90er-Jahren der Meinung, wäre ein genetisch bedingter Charakterzug, der bereits in der Kindheit geprägt wird. Zufriedenheit okay, aber wie stets um das Glück? Sind zufriedene Psychologen wegen der Zufriedenheit glücklich?

Zu versuchen glücklicher zu werden galt lange Zeit als etwa so aussichtslos wie der Wunsch kleinerer Erwachsener nach körperlichem Wachstum.

Eine Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2010 kommt zu anderen Erkenntnissen. Zehntausende Bundesbürger beantworteten über 25 Jahre Fragen zu ihrem Leben. Wichtig seien für ein glückliches Dasein vor allem fünf Bereiche: Partnerschaft, Lebensziele, soziale Kontakte, Lebensstil, Religiosität und das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit.

Ist Glück also planbar? Sicher ist nur, es hängt weniger von den Genen ab, als bisher vermutet. Stutzig macht mich das Resultat! Demnach leben uneigennützige Menschen, die sich sozial oder politisch engagieren, glücklicher. Dagegen seien Personen mit Karriere- und materiellen Streben weniger glücklich. Ist Geben wirklich seliger als Streben? Da macht sich bei mir weiterer Zweifel breit. Vermeintliche Gutmenschen fühlen sich irgendwann ausgenutzt, haben dann keine Lust mehr für andere „da zu sein“. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie an sich selbst denken. Sich sozialem oder politischem Engagement hingeben heißt verzichten können, um zu dienen.

Religiöse Menschen wären generell besser gestimmt – unabhängig ihrer Konfessionszugehörigkeit. Leider hat sich das bis zu den religiösen Fanatikern, Terroristen und Amokläufern noch nicht herumgesprochen.

Soziale Kontakte steigern die Lebensqualität. „Menschen sind am zufriedensten, wenn sie von Freunden umgeben sind“, sagt der an der Untersuchung beteiligte Soziologe Bruce Headey von der Universität Melbourne. Laut Forscherteam sind die Studienergebnisse grundsätzlich ein Grund zur Freude. Fazit der Studie: Wir sind keine reinen Sklaven unserer Gene und früh kindheitlicher Prägung. Darüber sollten alle nachdenken, die uns immer weismachen wollen, alles sei genetisch determiniert.

Die Mär von der Selbstverwirklichung

Eine Frau um die 50 Jahre jung, erzählte mir von verloren gegangenem Glück. Ihr Ehemann starb plötzlich mit 32 Jahren. Sie stand mit Schulden auf dem Haus und zwei Kindern von heute auf morgen alleine da. Ihren Beruf als Lehrerin konnte sie „zum Glück“ weiter ausüben. Jahre später lernte sie einen Mann kennen, in den sie sich verliebte. Da war sie mit 44 Jahren im sogenannten besten Alter. Die Kinder waren derweil im Studium und wohnten nicht mehr zu Hause. Eines Tages, an einem Wochenende, überfiel sie ihr neuer Freund. Er knebelte sie in ihrem eigenen Haus, um sich drei Tage an ihr zu vergehen. Überraschend kam ihre Tochter zu Besuch. Die Polizei nahm den Mann fest, die Frau ist seither in Therapie. Bis heute macht sie sich selbst Vorwürfe, weil sie sich mit dem brutalen Kerl eingelassen hatte, obwohl ihre innere Stimme sie vor dem Saboteur des Glücks warnte. Trotz dem frühen Tod ihres Mannes lebte sie bis zu diesem brutalen Überfall glücklich und zufrieden. „Hätte ich auf mich selbst gehört, so wäre mein Glück noch da“, machte sie mir deutlich. Der Wunsch nach körperlicher Nähe zu einem Mann war stärker als das eigene Ich. Sie setzte ihr Glück der sexuellen Leidenschaft wegen aufs Spiel. Alles, was sie jetzt unternimmt, dient angeblich der Selbstverwirklichung. „Vielleicht“, meint sie, „habe ich doch noch mal in meinem Leben etwas Glück - die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt“.

Selbstverwirklichung geht vom eigenen Glück aus. Wer glücklich ist, muss nicht mit Selbstverwirklichung kokettieren. Vor allem Frauen ab dem mittleren Lebensabschnitt sind auf dem Selbstverwirklichungstrip.

„Jetzt will ich so leben, wie ich es möchte und ich muss nicht mehr nach der Pfeife der Bedürfnisse anderer tanzen“, lautet ihre neue Zielrichtung. Das klingt so, als wenn alles, was vorher war, nur in einer Dienerschaft erfolgte. Tatsächlich leben viele Frauen in einer ehelichen Gemeinschaft, die von der Pflichterfüllung einer guten Hausfrau geprägt ist. Trägt Pflichterfüllung zum Glück bei oder sabotiert sie das Glück? Darüber nachzudenken lohnt sich allemal!

In ihrem bisherigen Lebensverlauf haben sie wohl ihr ganz persönliches Glück noch nicht erfahren. Das Glück Liebe zu empfinden, war ihnen vielleicht nur ein paar Jahre hold, bis sich der Ehepartner Partner, oder sie sich selbst, anders orientierten. Sich Glück über Partner oder Partnerin zu erhoffen, ist ein Trugschluss. Ist die Seifenblase vom Glück im trauten Heim zerplatzt, so gilt nach der Enttäuschung, die ganze Konzentration der Selbstverwirklichung.

Schnell findet sich eine Leidensgenossin, die beim Trip zum neuen Ich mitmacht. Das Hineinstürzen in die Selbstverwirklichung ohne sein eigenes inneres Glück zu erfahren wird, wie vorherige Lebensabschnitte, genauso scheitern.

Auch die neue Freundin fügte sich den Bedürfnissen des Partners, der Kinder, der Eltern, sogar dem Hund oder wem sonst noch. Ihre Lebensgeschichten beinhalten nur Verweise auf andere, deren Willen wegen, sie sich quasi aufgeopfert haben. Wer sich immer an anderen orientiert, der wird irgendwann scheitern. Sich dem Partner, der Kinder, der ganzen Familie unterzuordnen, ist leichter als auf sich selbst zu setzen, um sich durchzusetzen. Am Schluss ist die Familie zerbrochen und die geschiedene Frau träumt von neuem Glück durch Selbstverwirklichung. „Machte die Partnerschaft für die ich alles getan habe nicht glücklich, so lebe ich jetzt nach meiner eigenen Fasson“, lautet der Grundsatz einer neuen Lebensplanung. Schnell findet sich ein Kreis illustrer Gleichgesinnter auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Und auch in dieser neuen Gruppe befinden sich wieder nur Saboteure des Glücks. Es treffen sich Frauen, die mit dem bisherigen Lebensverlauf hadern und nun gemeinsam hoffen durch das Erlernen von Selbstverwirklichung doch noch Glück zu finden. So einfach liebe Leserinnen funktioniert das aber mit dem Glück nicht.

Glück finden über neue Aufgaben, gar über andere Menschen, führt in den meisten Fällen zur nächsten Enttäuschung, oft auch ins nächste Fiasko. Das Glück lauert weder am Arbeitsplatz, noch in der Selbsthilfegruppe, gar in einem Kurs der Volkshochschule.

Wie viele Teilnehmerinnen belegen Kurse nur, um sich dort im Gruppenrahmen bestätigen zu lassen? Können wir Selbstverwirklichung tatsächlich in einem Kurs, gar im Internet erlernen?

Der Aufbau hin zur Selbstverwirklichung gleicht einer Pyramide. Das Glückspotenzial ist das Fundament, der Mittelteil das Selbstbewusstsein und ganz oben in der Spitze befindet sich die Selbstverwirklichung. Eine aufgesetzte, zu dünne Spitze bricht beim ersten Sturm ab.

Mehr Selbstbewusstsein ist trainierbar, behaupten sogenannte Motivationstrainer. Durch wohlklingende Binsenweisheiten wie „Du schaffst es“ und „alles ist möglich“ können wir, vorausgesetzt, wir glauben an uns selbst, von Null auf Hundert durchstarten. Anspruch auf Wirkung gibt es keinen, selbst wenn wir uns den Spruch am Tag zig Mal vorsagen. Auch wird der angeblich motivierende Gang über Glasscherben und glühende Kohlen nur ein paar Blessuren an den Füßen hinterlassen. Mehr kommt, bis auf die Erkenntnis, das muss ich nicht noch einmal mitmachen, bei dem faulen Zauber nicht herum.

Der Motivationszauber ist nichts anderes als ein gleichermaßen scheinbarer, wie realitätsfremder Showact. Gehen wir lieber weiter der Frage nach Selbstverwirklichung nach. Psychologen haben dafür immer kluge wissenschaftliche Erkenntnisse parat, von denen sie ganz gut leben. Der Hasenfuß daran ist die veraltete Denkweise, die sich hinter vielen Theorien verbirgt. Wie oft muss heute noch in Ratgebern Sigmund Freud mit seiner Erkenntnis der Psychoanalyse herhalten? Was einmal vor mehr als 100 Jahren als bahnbrechende wissenschaftliche Theorie gepriesen wurde, ist für uns heute so gewöhnlich und so sonnenklar wie das Recht zur Selbstbestimmung. Mit dem Wissen von heute wäre selbst der dümmste Mensch den wir kennen im 19. Jahrhundert ein anerkannter Genius gewesen. Mit der Volksbildung war es damals nicht weit her. Jederzeit konnte ein sogenannter geistiger Herr den ihm anvertrauten Menschen ein X für ein U vormachen. Was ein Pfarrer sagte, musste wahr sein, galt doch ein Priester als unfehlbarer heiliger Mann. Kinder glaubten ohne Zweifel das, was ihnen Großeltern, Eltern und Lehrer erzählten. Widerspruch gab es so gut wie keinen. Erst in den 60er Jahren machte sich durch die 68er-Bewegung ein Aufbegehren gegen die Obrigkeit breit. Dennoch ist bis heute Obrigkeitshörigkeit in allen gesellschaftlichen Schichten weit verbreitet. Selbst die enorme Zahl an Skandalen, Korruptionsfälle, sinnlose Geldverschwendungen, Missbrauch von Kindern, allgemeiner Lug und Trug von Politikern, Beamten und Priestern haben der Glaubwürdigkeit der führenden Klasse, gemessen an der Schwere der Verfehlungen nur wenig geschadet. Alle diese Saboteure des Glücks, haben uns immer mit treuherzigen Worten versichert, sie wollen von uns Schaden abwenden.

Denke ich an die größten Irrtümer von Wissenschaftler, dann fällt mir vor allem der „Adler“ ein. Die Dampfeisenbahn fuhr mit, sage und schreibe 30 Stundenkilometer von Nürnberg nach Fürth. Namhafte Neurologen, allesamt Universitätsprofessoren, sahen für uns Menschen ab einer Geschwindigkeit von mehr als 35 Stundenkilometer eine nachhaltige Schädigung des Gehirns voraus. Der Mensch, so die Überzeugung der Wissenschaftler, kann infolge solch eines Tempos dauerhaft geistig verwirren. Heute werden Menschen eher verrückt, wenn sie nur 35 Km schnell fahren müssen.

Als der hessische Lehrer Thomas Reis 1847 seinen Sprechapparat vorstellte, winkten Wissenschaftler, unter ihnen der Freiherr von Siemens, mit dem lapidaren Hinweis, Menschen wollen Morsen, ab. Reis gab auf und die Gebrüder Bell brachten in Amerika den Telefonapparat auf den Markt. Was lernen wir daraus? Die Obrigkeit irrt sich mindestens so oft wie der normale Bürger.

Behauptet ein Psychologe oder eine selbst ernannte Glückstrainerin, wir könnten Selbstverwirklichung erlernen, so wissen beide um die Aussicht auf Verdienstmöglichkeiten.

Selbstverwirklichung ist primär eine Geschäftsidee, die vergleichbar ist mit Wellness. Sie schwappte im psychologischen Zeitalter mit unzähligen Angeboten an Selbstfindungsveranstaltungen wie Kursen, Seminaren und Vorträgen über uns herein. Esoterik hat seit Jahren Hochkonjunktur. Räucherstäbchen, Ohrenkerzen, Musik zur Beruhigung, Glückssteine, Horoskope, egal wie sich der faule Zauber nennt, Menschen kaufen jeden sich bietenden Schabernack. Die Suche nach dem eigenen Ich ist ein riesen großer Markt geworden. Vor allem für alles, was aus Tibet kommt und das Konterfei des Dalei Lamas ziert, erfreut sich einer lebhaften Nachfrage. Lesen Sie nur den Werbespruch „Tibetsalz – schmecke die majestätische Reinheit der tibetischen Himalajas“, dann wissen Sie welch ausgeklügeltes Werbekonzept hinter der Vermarktung steht. In der näheren Beschreibung ist von einer kleinen Insel die Rede, die von buddhistischen Mönchen bewohnt wird. Die