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Das sächsische Hüttenwesen steht für eine jahrhundertelange Tradition. Seine Blaufarbenwerke, Saigerhütten und Argentanfabriken machten es weltbekannt. Das vorliegende Buch liefert einen kompakten Überblick über das historische Hüttenwesen in Sachsen. Neben einer Einführung in die technischen Grundlagen steht die Verhüttung von Silber-, Zinn-, Kupfer- und Kobalterzen im Mittelpunkt. Vorgestellt werden bedeutende Verhüttungsstandorte, deren Geschichte und Sachzeugen. Alle Informationen werden in übersichtlicher Form präsentiert und durch zahlreiche historische und aktuelle Abbildungen ergänzt.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
Robin Hermann
Sächsisches Hüttenwesen
Schauplätze· Verfahren · Geschichte
Verlag Robin Hermann
Impressum
Alle Rechte vorbehalten
© 2015 Verlag Robin Hermann, Chemnitz
Layout: Verlag Robin Hermann
Lektorat: Thomas Uhlig, Karsten Richter
ISBN 978-3-940860-19-4
www.verlag-rh.de
Einleitung
Diese Publikation soll sich thematisch nahtlos an das Buch »Sächsischer Erzbergbau« anschließen. Nach der dort geschilderten Suche, dem Abbau und der Förderung von Erzen steht nun deren Verhüttung zu Metallen (Nichteisenmetallen) und weiteren Hüttenprodukten im Vordergrund.
Ähnlich wie in den vorangegangenen Büchern »Sächsischer Erzbergbau« und »Böhmischer Erzbergbau« muss zunächst eine Einschränkung vorangestellt werden. Diese Publikation versteht sich nicht als abgeschlossener Katalog aller ehemaligen Verhüttungsstandorte in Sachsen. Ein Projekt mit diesem Anspruch ließe sich einerseits kaum realisieren, andererseits käme es dem eigentlichen Charakter dieser Buchreihe nicht entgegen.
Beispielsweise kann man die Mehrzahl der historischen Schmelzhütten dem Bereich der Kleinunternehmen zurechnen. Sie beschäftigten nur wenige Hüttenarbeiter, waren vom wechselhaften Ausbringen naher Gruben abhängig und gingen oft schon nach wenigen Jahren wieder ein, ohne größere Bedeutung erlangt zu haben.
Zahllose Hütten aus der Frühzeit des mittelalterlichen Bergbaus sind heute völlig in Vergessenheit geraten. Sie ließen sich nur noch mittels gezielter montanarchäologischer Untersuchungen lokalisieren.
Erschwerend kommt hinzu, dass nahezu keine Schmelzhütte im historischen Originalzustand erhalten geblieben ist. Im Gegensatz zu den repräsentativen Hut- oder Hammerherrenhäusern wurden Hütten als reine Zweckbauten konzipiert. Ihre bauliche Substanz war von Beginn an nicht auf langfristige Nutzung angelegt. Nach dem Erlöschen des Hüttenbetriebs riss man die Gebäude häufig einfach ab oder gab sie dem Verfall preis. Nur in wenigen Fällen fand eine spätere Umnutzung als Wohnhaus und somit eine teilweise Erhaltung statt. Repräsentative Prestigeobjekte wie der Saigerhüttenkomplex Grünthal stellen eine Ausnahme dar.
So hat zwar der sächsische Bergbau mit seinen zahlreichen ober- und untertägigen Bauzeugnissen ein sehr reichhaltiges Erbe hinterlassen, von der historischen Nichteisenverhüttung hingegen existieren nur noch wenige sichtbare Zeugnisse.
Das vorliegende Buch soll einen Überblick über die bedeutendsten Hüttenstandorte Sachsens liefern, die auch stellvertretend für die zahlreichen kleinen, in Vergessenheit geratenen Hütten stehen sollen.
Um den Einstieg in die Thematik etwas leichter zu gestalten, beschäftigen sich die ersten fünf Kapitel mit den Grundlagen des historischen Hüttenwesens: Nach einem kurzen Blick auf die Anfänge der Metallurgie werden einige ausgewählte Erzminerale vorgestellt, die für das sächsische Hüttenwesen von Bedeutung waren. Anschließend schauen wir uns die historische Aufbereitung der Erze als wichtige Vorstufe der Verhüttung an. Das Grundlagenkapitel wird mit zwei Exkursen zur Probierkunst und zur Holzindustrie abgeschlossen.
Die Einzeldarstellung der historischen Verhüttungsstandorte gliedert sich in fünf Kapitel, die jeweils einem Bereich der Nichteisenverhüttung gewidmet sind. Jedes dieser Kapitel stellt die historischen Verfahren zur Verhüttung des entsprechenden Rohstoffs dar. Betrachtet werden die Silber-, Zinn-, Kobalt- und Kupferverhüttung sowie die sogenannten »Gifthütten«. Anhand beigefügter Karten ist ein schneller Überblick über die behandelten Hüttenstandorte möglich.
Das abschließende elfte Kapitel beschäftigt sich mit weiteren Verhüttungsstandorten und »Bergfabriken«, die einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des sächsischen Hüttenwesens hatten.
Auf die Behandlung der sächsischen Eisenverhüttung wurde bewusst verzichtet, da es sich um ein eigenständiges und sehr umfangreiches Themengebiet handelt, das den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Mein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an meine Lektoren Thomas Uhlig und Karsten Richter sowie an meine Familie.
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich viel Freude bei der Lektüre dieses Buchs.
Herzliches Glück Auf!
Robin Hermann
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Die Anfänge der Metallurgie
Die Verarbeitung von Erzen zu Metallen gehört wohl zu den ältesten kulturellen Techniken der Menschheit. Die Verwendung von Kupfer beispielsweise lässt sich bis zum Ende der Jungsteinzeit zurückverfolgen. Diese früheste Phase der Metallbearbeitung verlief aber lokal sehr unterschiedlich und wird deshalb nur inoffiziell als Kupfersteinzeit (Chalkolithikum) bezeichnet. Sie bildete den Übergang zwischen der Jungsteinzeit (Neolithikum) und der darauffolgenden Bronzezeit.
Die ältesten Hinweise auf eine Bearbeitung und Nutzung von Kupfer reichen in das achte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurück. In der Schweiz wurden beispielsweise Nadeln und Schaber aus dieser Zeit gefunden. In Çayönü (Anatolien) stießen Archäologen auf kupferne Schmuckplättchen. Diese Werkstücke wurden jedoch allesamt noch aus gediegenem, also natürlich vorkommendem, reinen Kupfer hergestellt.1
Die Geschichte der Metallurgie setzte aber erst mit der Gewinnung von Kupfer aus Erzen ein. Hierfür waren spezielle Technologien notwendig, die erst im Laufe des siebenten beziehungsweise sechsten Jahrtausends vor Christus entwickelt wurden. So benötigte man hoch spezialisierte Steinwerkzeuge und die Fähigkeit, Temperaturen von mehr als 1.000 °C zu erzeugen. Völker, die bereits über eine fortgeschrittene Keramik und somit über Brennöfen mit hohen Temperaturen verfügten, waren also im Vorteil.2 Dem vorderen Orient kam in dieser Hinsicht eine tragende Rolle zu.
Die erste regelmäßige Verhüttung von Kupfererzen setzte vermutlich um das Jahr 5500 vor Christus ein. In Çatalhöyük (Anatolien), der wohl bedeutendsten archäologisch erschlossenen Siedlung der Jungsteinzeit, konnten Spuren aus dieser Zeit gesichert werden.3Die Karte in Abbildung 1 verdeutlicht, über welch lange Zeiträume sich die Technologie der Kupferverhüttung und der Kupferhandel allmählich nach Südeuropa ausbreiteten. Die früheste Entwicklung der Metallurgie war also kein einheitlicher Prozess.
Abb. 1:Ausbreitung und zeitliche Einordnung der Kupfernutzung in der Jungsteinzeit
Einer der populärsten Zeitzeugen der Kupfersteinzeit ist zweifellos die »Ötzi« genannte Eismumie, welche 1991 zufällig am Hauslabjoch in Südtirol entdeckt wurde. Der Todeszeitpunkt wird auf den Zeitraum zwischen 3359 v. Chr. und 3105 v. Chr. datiert. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang aber der Beifund – ein fast vollständig erhaltenes Kupferbeil mit einem beachtlichen Kupfergehalt von 99%. Bei der nebenstehenden Abbildung handelt es sich um eine originalgetreue Rekonstruktion.
Abb. 2:Kupferklinge am rekonstruierten Beil der Eismumie »Ötzi«
Das Kupfer wurde aus verschiedenen Erzen gewonnen. An vorderster Stelle standen oxidische beziehungsweise karbonatische Erze wie Malachit oder Azurit. Sie kamen direkt an der Oberfläche sowie in der Oxidationszone vor und wiesen einen hohen Kupfergehalt auf, weshalb sie sich in einem relativ einfachen Prozess verhütten ließen. Die Reduktion zu Kupfer erfolgte unter Verwendung von Holzkohle und Sauerstoff. Dieser Prozess wird in Kapitel 8.1 des Buchs genauer erläutert. Etwas schwieriger war die Gewinnung aus komplexeren Erzen wie Kupferkies () oder Kupferglanz (). Diese Erze mussten zunächst geröstet werden, bevor auch sie sich mit Holzkohle zu Kupfer reduzieren ließen. Anschließend konnte das Metall geschmolzen und in Formen gegossen werden.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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