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Dies ist eine kleine Sammlung verschiedenster brandenburgischer Sagen.
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Seitenzahl: 229
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Frank Stumpf gewidmet!
SAGE VON FRIESACK
SAGE VON RITTER KAHLBUTZ
DIE BRANDFICHTE
DER SCHMIED ZU JÜTERBOG
DIE ERBAUUNG DES KLOSTERS LEHNIN
DIE GRÜNDUNG POTSDAMS
DER LETZTE GROSCHEN
DIE SCHLANGEN UND DIE BÜRGERGLOCKE VON BERNAU
DIE SPRECHENDEN OCHSEN IN DER HEILIGEN NACHT
WIE DIE REHE ZU IHREM WEISSEN HINTERN KAMEN
DIE WILDE JAGD
DER WIND UND DER TEUFEL
DIE TEUFELSMÜHLE
DIE GRÜNDUNG DER STADT BERNAU
DIE PRINZESSIN VOM SCHLOSSBERG IN BIESENTHAL
DER RIESENSTEIN BEI PRENDEN
DER DANKBARE STORCH
DIE GLOCKEN IM WANDLITZSEE
DER RIESENSTEIN VOM BÄGFELD
WIE EIN BAUER ADLIGER WURDE
WIE DIE MARÄNEN IN DEN WANDLITZSEE KAMEN
DER TEUFEL VOM MÜHLENTOR
SPUK IM SCHLOSS ZU GOLZOW
DIE GOLZOWER GEISTERGRUFT
DIE WEISSE FRAU VON GOLZOW
DAS DORF BRODOWIN
RAINFARREN
GEFANGENE PRINZESSIN
FEUERREITER
DER TEUFELSSTEIN
BÖTTCHER BEI DEN UNTERIRDISCHEN
SCHATZ IM KLOSTER CHORIN
SCHATZ IM KLOSTER MARIENSEE
SAGE VOM GERAUBTEN SCHATZ
MÖNCHE VOM MARIENSEE
BRUDER BENEDIKT
KLOSTER CHORIN
GESPENSTER IM KLOSTER CHORIN
DIE WEISSE FRAU
WEISSE FRAU ZU CHORIN
SPUK
QUAKENDE FRÖSCHE IN CHORIN
TRÜMMELMANN
DER TOD VON CHORIN
DIE LETZTE SCHLACHT
SPUK IM GAMENGRUND
EINE KIEFER STEHT KOPF
DAS KIND MIT DEN KLUMPFÜSSEN
UCHTENHAGEN
FREIENWALDER SCHLOSSBERG
VERSUNKENE KAPELLE IM BAASEE
DER TEUFELSSEE BEI FREIENWALDE
MOARE
HOLDE FRUGGE
KÜSELWIND
TOTER MANN
SCHÄFER NEST
WUNDERBLUME AM LIEPER DAMM
ALTARSTEIN
AUS DEM GRABE GEWACHSENE HAND
HAND AUS DEM GRABE
HAUSIERER
DREI ENGEL
LEBENDIG EINGEMAUERT
EINGEMAUERTER KNABE
WEISSE FRAU VOM KLEINEN KREBSSEE
FEUERSPEIENDER BERG
GOTTESBERG
DREIBEINIGER HASE
HASE
FALSCHER WALDEMAR
SAGE VOM SCHLOSSBERG
RITTER DUBA UND DER KOBOLD
ODERBERGER SCHLOSSBERG
DIE SILBERADER
WALTER DER MUSIKANT
HEIDENKIRCHHOF AM PLAGESEE
PRINZESSIN VOM SCHLOSSBERG
DER WEISSE RABE
SCHÄTZE IM TEUFELSBERG
SCHATZ IM DUWELBERG
WENDENBURG
PFANNENSTEIN
OTTERSTEIN
EWALDS HÜGEL
KNÄUEL DEDS GRAUMÄNNCHENS
MAIENPFUHL
UNTERGEGANGENE STADT IM PLAGESEE
STADT BEI LIEPE
ODERBERGER DRAK
GEWITTERMÜLLER
DER KÜSELWIND
UNTERGEGANGENE STADT AM PARSTEINSEE
VERSUNKENE STADT IM PARSTEINSEE
PARSTEINWERDER
VOM STURZWERDER IM PARSTEINSEE
TEUFELSDAMM IM PARSTEINSEE
RIESENMÄDCHEN AM PARSTEINER SEE
FEINDLICHE BRÜDER
BRUDERSTREIT
RIESEN AM PARSTEINSEE
DREI JUNGFRAUEN VOM PARSTEINSEE
SCHÄFER SCHLUCK
DER GRÜTZPOTT
SCHWARZE FRAU
DER RÄUBERBERG BEI KRÄNZLIN
DER WILDE JÄGER IM FRANKENDORFER REVIER
DAS ALTE DORF DREETZ
DER SCHMIED IM MOND
WAHRZEICHEN NEURUPPIN
VON PATERWICHMANN IN NEURUPPIN
SEGERS WISCHE
DER HOLZDIEB
KÖNIG HINZ
DAS KÖNIGSGRAB VON SEDDIN
TRAGSAGE VOM TEUFELSBERG
DER TEUFELSBERG BEI WOLFSHAGEN
DAS HÜNENGRAB BEI MELLEN
ROSWITHA VON MELLEN
SABINE UND DER TEUFEL VON ARNIMSWALDE
DER ROTE HANS
DIE DREI SCHÖNEN VON BERKENLATTEN
DER HECHT VOM GOTTSEE
HOSENTRÄGER
ALTER FRITZ UND DER MÜLLER
DER SCHLANGENKÖNIG
DIE SPREEQUELLSAGE
DIE STIFTUNG DES KLOSTERS HEILIGENGRABE
DAS GRAB DES RIESENKÖNIGS BEI KEMNITZ
DER NAME VON PRITZWALK
HEINE CLEMEN
DER STEINERNE STUHL
DIE WENDENSCHLACHT BEI LENZEN
FRAU GODE
DER HILDEBRAND BEI WITTENBERGE
DIE NIXEN BEI HAVELBERG
DIE ZWÖLF APOSTEL IM HAVELBERGER DOM
BISCHOF WEPELITZ
KURT VON BASSEWITZ
Der Teufel hat einmal Musterung auf der Erde gehalten und alle die Edelleute, die nicht mehr gut tun wollten, in einen großen Sack gesteckt, den auf den Rücken getan und ist lustig damit zur Hölle geflogen. Wie er nun über der Stadt Friesack ist, so streift der Sack etwas hart an der Spitze des Kirchturms, sodass ein Loch hineinreißt und eine ganze Gesellschaft von Edelleuten, wohl ein Viertheil der Bewohner des Sacks, ohne daß der Teufel es gemerkt hätte, herausfallen. Das sind aber die Herren von Bredow gewesen, die nun nicht wenig froh waren, den Krallen des Teufels für diesmal entkommen zu sein. Zum Andenken nannten sie nun die Stadt, wo der Sack das Loch bekommen und sie befreit hatte, Frie-Sack, und von hier haben sie sich dann über das ganze Havelland verbreitet, wo bekanntlich eine große Menge von Rittergütern in ihrem Besitz sind. Die Namen derselben haben sie ihnen ebenfalls gegeben, und zwar meist nach der Richtung des Weges, den sie nahmen; der älteste der Brüder nämlich, der in Friesack blieb, sagte zum zweiten: »geh besser hin«, da nannte der den Ort, wo er sich niederließ, Beßhin, woraus nachher Pessin wurde; ein dritter ging von Friesack, das am Rande des mächtigen havelländischen Luchs liegt, Land einwärts, darum nannte er seine Ansiedlung »Land in« oder Landin; ein vierter ging denselben Weg entlang wie der zweite, und baute Selbelang; ein fünfter ging von dort aus rechts und baute Retzow, ein sechster endlich nannte sein Dorf nach seinen eigenen Namen Bredow.
Ritter Kahlbutz hatte sich in Diensten des Kurfürsten Friedrich-Wilhelm von Brandenburg im Krieg gegen die Schweden besonders hervorgetan und wurde daher mit dem Gute Kampehl bei Neustadt ( Dosse ) erbbelehnt. Er heiratete eine Frau aus dem alteingesessenen märkischen Adelsgeschlecht von Rohr und hatte mit ihr mehrere Kinder. Als Gutsherr soll der Ritter sehr gern und oft das „Recht der ersten Nacht“ ausgeübt haben. Im Jahre 1690 wurde er von Maria Leppin, einer Dienstmagd, des Mordes an ihrem Verlobten, dem Schäfer Pickert aus dem Nachbarort Bückwitz, bezichtigt. Kahlbutz, so die Begründung, habe den Schäfer aus Rache erschlagen, weil die Magd sich dem Ritter versagt hatte.
Es kam zum Gerichtsprozess; Zeugen für die angebliche Mordtat gab es nicht, jedoch musste Ritter Kahlbutz den Reinigungs-Eid schwören, um freigesprochen zu werden. Vor Gericht soll er gesagt haben: „Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen.“ Im Jahre 1794 wollte man die Gruft neben der Kampehler Kirche abreißen und die darin vorhandenen drei Särge erdbestatten. Zwei Leichen waren vollständig verwest, die des Ritters Kahlbutz jedoch nicht. Selbst renommierte Mediziner wie Stauch, Sauerbruch oder Virchow konnten jemals die Mumifizierung erklären.
Und so bleibt am Ende nur das Staunen über ein biologisches Rätsel und dem Grusel desnachtens an der Brücke über die Schwenze (dem Schauplatz der Mordtat), wo der Ritter noch heute spukt und wo in lauen Nächten der Wind den Hufschlag seines Pferdes über die Wiesen ins Dörflein trägt.
Wenn man von Freienwalde aus die Berliner Chaussee emporwandert, trifft man nach etwa einer halben Stunde in der Nähe der Försterei Bodenseichen am linken Straßenrand auf eine hohe Kiefer, an der sich ein unscheinbarer Stein befindet (früher Tafel). Brandfichte steht auf Ihm, und das bedeutet, dass an dieser Stelle im Jahre 1628 eine Hexe aus der Stadt Freienwalde verbrannt worden ist. Sie hieß Anna Liebenwaldt und wurde beschuldigt, sie habe ihren verstorbenen Mann vergiftet. weit außerhalb der Stadt, wo heute die Brandfichte steht, wurde das Urteil vollstreckt. Als Anna Liebenwaldt auf dem brennenden Holzstoß stand, rief sie mit fester Stimme der umstehenden Menge zu:
"So wahr ich unschuldig sterbe, wird aus der Asche dieses Scheiterhaufens eine Fichte hervorkeimen und zu einem mächtigen Baum werden!"
Die Weissagung ging in Erfüllung. Im nächsten Frühjahr keimte an der Stelle, wo die Asche gelegen, ein grünes Spitzchen hervor. Mit Macht wuchs das Bäumchen, überholte bald alle Nachbarn und wurde ein starker hochgipfliger Baum, der im Volksmund den Namen "Die Brandfichte" erhielt.
Es entstand der Brauch, daß jeder Vorübergehende, der die Geschichte und die Stelle kannte, ein dürres Zweiglein hinwarf zum Andenken an die unschuldig Verbrannte.
Wohl ging die Fichte im Laufe der Zeit ein; aber wie die Sage, so blieb auch ihr Name erhalten und wurde stets auf die nächststehende hohe Kiefer übertragen.
Zu Jüterbog lebte einmal ein Schmied, der war ein sehr frommer Mann und trug einen schwarzen und weißen Rock; zu ihm kam eines Abends noch ganz spät ein Mann, der gar heilig aussah, und bat ihn um eine Herberge; nun war der Schmied immer freundlich und liebreich zu jedermann, nahm daher den Fremden auch gern und willig auf und bewirtete ihn nach Kräften. Andern Morgens, als der Gast von dannen ziehen wollte, dankte er seinem Wirt herzlich und sagte ihm, er solle drei Bitten tun, die wolle er ihm gewähren. Da bat der Schmied erstlich, daß sein Stuhl hinter dem Ofen, auf dem er abends nach der Arbeit auszuruhen pflegte, die Kraft bekäme, jeden ungebetenen Gast so lange auf sich festzuhalten, bis ihn der Schmied selbst loslasse; zweitens, daß sein Apfelbaum im Garten die Hinaufsteigenden gleicherweise nicht herablasse; drittens, daß aus seinem Kohlensack keiner herauskäme, den er nicht selbst befreite. Diese drei Bitten gewährte auch der fremde Mann und ging darauf von dannen. Nicht lange währte das nun, so kam der Tod, wollte den Schmied holen. Der aber bat ihn, er möge doch, da er sicher von der Reise zu ihm ermüdet sei, sich noch ein wenig auf seinem Stuhl erholen. Da setzte sich denn der Tod auch nieder, und als er nachher wieder aufstehen wollte, saß er fest. Nun bat er den Schmied, er möge ihn doch wieder befreien, allein der wollte es zuerst nicht gewähren; nachher verstand er sich dazu unter der Bedingung, daß er ihm noch zehn Jahre schenke. Das war der Tod gern zufrieden, der Schmied löste ihn, und nun ging er davon. Wie nun die zehn Jahre um waren, kam der Tod wieder, da sagte ihm der Schmied, er solle doch erst auf den Apfelbaum im Garten steigen, einige Äpfel herunterzuholen, sie würden ihnen wohl auf der weiten Reise schmecken. Das tat der Tod, und nun saß er wieder fest. Jetzt rief der Schmied seine Gesellen herbei, die mußten mit schweren eisernen Stangen gewaltig auf den Tod losschlagen, daß er ach und wehe schrie und den Schmied flehentlich bat, er möge ihn doch nur freilassen, er wolle ja gern nie wieder zu ihm kommen. Wie nun der Schmied hörte, daß der Tod ihn ewig leben lassen wolle, hieß er die Gesellen einhalten und entließ jenen vom Baum. Der zog glieder- und lendenlahm davon und konnte nur mit Mühe vorwärts. Da begegnete ihm unterwegs der Teufel, dem er sogleich sein Herzeleid klagte. Aber der lachte ihn nur aus, daß er so dumm gewesen, sich von dem Schmied täuschen zu lassen und meinte, er wolle schon bald mit ihm fertig werden. Darauf ging er in die Stadt und bat den Schmied um ein Nachtlager; nun war's aber schon spät in der Nacht und der Schmied verweigerte es ihm, sagte wenigstens, er könne die Haustür nicht mehr öffnen, wenn er jedoch zum Schlüsselloch hineinfahren wolle, so möge er nur kommen. Das war nun dem Teufel ein leichtes und sogleich huschte er durch, der Schmied war aber klüger als er, hielt innen seinen Kohlensack vor, und wie nun der Teufel darin saß, band er ihn schnell wieder zu, warf den Sack auf den Amboß und ließ seine Gesellen wacker drauflosschmieden. Da flehte der Teufel zwar gar jämmerlich und erbärmlich, sie möchten doch aufhören, aber sie ließen nicht eher nach, bis ihnen die Arme von dem Hämmern müde waren und der Schmied ihnen befahl aufzuhören. So war des Teufels Keckheit und Vorwitz gestraft, und der Schmied ließ ihn nun frei, doch mußte er zu demselben Loch wieder hinaus, wo er hineingeschlüpft war und wird wohl kein Verlangen mehr nach einem zweiten Besuch beim Schmied getragen haben.
Der Markgraf Otto I. von Brandenburg jagte einst in Gesellschaft seiner Edelleute in der Gegend, wo jetzt das Kloster Lehnin steht. Von der Jagd ermüdet, legte er sich unter eine Eiche, um auszuruhen. Hier schlief er ein und träumte, daß ein Hirsch auf ihn eindrang und mit dem Geweih ihn aufspießen wollte; er wehrte sich tapfer mit seinem Jagdspieß gegen diesen Feind, konnte ihm aber nichts anhaben, vielmehr drang der Hirsch immer hitziger gegen ihn an. In dieser Gefahr rief der Markgraf Gott um Beistand an, und kaum war das geschehen, da verschwand der Hirsch, und er erwachte. Er erzählte hierauf seinen Begleitern diesen Traum, und da er schon längst den Vorsatz gefaßt hatte, aus Dankbarkeit gegen die Vorsehung, die ihn bisher in Gefahren gnädig beschützt hatte, und um sich der göttlichen Gnade noch mehr zu versichern, ein Kloster zu stiften, auch seine Begleiter den Traum so auslegten, daß sie meinten, der Hirsch, der erst bei Anrufung des göttlichen Namens von ihm gewichen, sei niemand als der Teufel selber gewesen, rief er aus: "An diesem Orte will ich eine Feste bauen, aus welcher die höllischen Feinde durch die Stimmen heiliger Männer vertrieben werden sollen, und in welcher ich den Jüngsten Tag ruhig erwarten will!" Darauf legte er auch sogleich Hand ans Werk, ließ aus dem Kloster Sittchenbach (oder Sevekenbecke) im Mansfeldischen Zisterzienser-Mönche kommen und baute das Kloster, das er wegen der noch dem Christentum sehr abgeneigten slavischen Umwohner mit Befestigungen versah, von denen noch Spuren vorhanden sind. Weil aber ein Hirsch den Anlaß zur Erbauung des Klosters gegeben hatte, und dieser in der alten slavischen Sprache den Namen Lanie führte, so nannte er es Lehnin. In der Kirche zeigt man noch bis auf den heutigen Tag den Stumpf der Eiche, unter welcher der Markgraf den Traum gehabt, und hat ihn zum ewigen Andenken an den Stufen vor dem Altar eingemauert.
Zu der Zeit, als der mächtige Wilzan, der in der festen Burg zu Dragowit wohnte, über die Wilzen an der Spree und Havel herrschte, bedeckte den ganzen Potsdamer Werder ein uralter Eichenwald, durch welchen sich von der Gegend des Heiligen Sees bis zu Havel am Lustgarten und von Glienicke her bis nach der Stadt Werder ein tiefes unzugängliches Bruch zog, über welches im Frühling das Wasser der Havel strömte und den ganzen Werder in drei langgestreckte Inseln teilte. Am meisten bewohnt war die nördlichste von ihnen. Denn in der Gegend von Bornim und Eichow und am Pfingstberg lagen zerstreute Gehöfte, welche zum Distrikt der Wublitz gehörten, über welche auch der Krul oder Unterkönig der Heveler herrschte.
Die kleine Insel an der Havel war wenig breiter als der Teil der Stadt, welcher jetzt wieder durch den Kanal zu einer Insel gemacht wird, und nur ihr östliches Ende, der Mündung der Rudow gegenüber, war mit einzelnen Fischerhütten besetzt, deren Bewohner zwar weit und breit die Seen und Arme der Havel befuhren, welche damals noch reich an Stören, Lachsen und Welsen waren, selten aber durch die Sümpfe und Wälder drangen, von denen ihr Wohnplatz im Norden umschlossen war.
Wo jetzt die Kirche des Dorfs Alt-Geltow steht, war eine feste Burg des Krul der Heveller erbaut, in welcher er einen Teil des Jahres zu wohnen pflegte, um von hier aus in den großen Wäldern am Schwielowsee, die reich an Uren, Bären und Wölfen waren, zu jagen, oder den wilden Schwan mit dem gelben Schnabel, wenn er auf seinen Frühlings- und Herbstzügen sich auf den weiten einsamen Wasserbecken niederließ, listig zu locken und zu fangen. Ein hoher doppelter Erdwall umgab einen fast runden Raum, aus dem sich ein turmartiges Gebäude, aus rohen Feldsteinen und Baumstämmen dick und unförmlich zusammengesetzt, erhob. Nur eine leichte, schnell einzuziehende Brücke führte über den trockenen Graben zwischen den Wällen, und außer der kleinen, festen Tür waren keine Öffnungen im Turm, welche von der Erde aus zu erreichen gewesen wären. Denn erst in bedeutender Höhe sah man die schmalen, sich nach innen und außen erweiternden Einschnitte angebracht, durch die das Licht in die niedrigen, nur mit Waffen und dem Gehörn des Urs und Geweihen des Hirsches gezierten Räume dringen konnte, und höher hinauf die schwarzen Löcher, aus welchen der Rauch seinen Weg fand, der von dem mächtigen Feuer emporstieg, das fast beständig auf den breiten Steinherden in allen bewohnten Gemächern brannte.
Der Krul war ein wilder, grausamer Mann, besonders seit sein einziger Sohn in einem Kampf mit den Deutschen gefallen war, zu welchem ihn der Ober-Kriwe wider seinen Willen vermocht hatte, als jener eben das fünfundzwanzigste Jahr erreichte. Zum Erben seiner Macht hatte er zwar seinen einzigen Verwandten erwählt und hielt streng darauf, daß diesem gleiche Ehre wie dem Sohn erwiesen wurde. Aber sein Herz blieb dem Jüngling fremd und selten, nur bei feierlichen Opfern und Festmahlen, sah man diesen in seiner Nähe. Je älter der Krul wurde und je weißer sein Haar, desto einsamer lebte er in seiner Halle, und selbst die langen Winterabende verbrachte er allein auf seinem Lager von Tierfellen am knisternden Feuer; ja sogar in demselben Haus war er ungern mit dem jungen Chocus zusammen, der, ein rüstiger Jäger und Fischer, im Kreis seiner muntern Gesellen fröhlich und sorgenlos die Tage verlebte.
Einmal, als Chocus auf der Wolfsjagd gewesen war, fuhr er spätabends im Frühling von Templin in einem Kahn nach Hause zurück. Das Wasser war hoch, und der Wind stürmte aus Westen. Als sie fast den Wentorf erreicht hatten, verlor der Knecht das Ruder, und sie mußten mit ihren Spießen sich fortzubewegen suchen. Der Sturm trieb sie aber zurück; schon wurde es dunkel, und nachdem sie lange hin und her geworfen waren, trieben sie endlich an einer kleinen Insel fest. Hier suchten sie Schutz gegen den Sturm hinter dem Schilf und schliefen ein.
Als der Fürst am Morgen erwachte, gewahrte er nahe bei sich einen Kahn, darin saß eine Fischerin, welche ein Netz ausgeworfen hatte und sang. Das Mädchen aber war so schön, daß er gar nicht wieder von ihm wegsehen konnte. Als die Fischerin jedoch den fremden, reich gekleideten Mann erblickte, war sie sehr erschrocken und stieß mit dem Kahn vom Ufer ab. Chocus ging ihr nach und sprach so schöne Worte, daß sie dem Mädchen zu Herzen gingen; und als er so gar eigen mit den dunklen Augen in ihre schönen blauen Augen blickte, da folgte sie seinen Wünschen, kam ans Land und dachte den ganzen Tag nicht wieder daran, wegzufahren.
Am Abend aber schifften sie alle drei über den Fluß und landeten da, wo jetzt die Heiligegeist- Kirche steht. Der junge Fürst hieb mit seinem Schwert Zweige von den alten Eichen, und sie bauten sich eine Hütte. Dort lebten sie viele Monate in dem schönen grünen Eichenwald, bis Schnee fiel. Da sagte ihr Chocus, wer er sei, und daß sie die Frau des Kruls werden sollte, wenn auch sein Oheim das reichste Königskind für ihn gewählt hätte. Die schöne Fischerin aber war so glücklich, daß sie sich nicht darüber freuen konnte.
Als nun das Moor zugefroren war, ging er über das Eis nach der Burg zu Geltow und gelobte, nach drei Tagen wiederzukommen mit Roß und Gefolge und sie heimzuführen. Als er jedoch in die Burg kam, war der Krul gestorben. Der Kriwe hatte das Volk versammelt am Opferstein und die Zeichen gedeutet, darauf hatte das Volk des Ober-Kriwen Sohn zum Krul der Heveller gewählt. Der Kriwe aber war bei dem neuen Fürsten in der Burg, und als nun Chocus kam mit seinem Knecht, ließ er ihn in einen tiefen Kerker werfen, ohne Luft und Speise, damit er umkomme. Dieser jedoch öffnete ihm in der zweiten Nacht die Tür, und er floh zu dem Wilzan nach Dragowit. Der nahm ihn freundlich auf und hätte ihn gern in sein Erbe gesetzt, doch fürchtete er den Ober-Kriwen, der großen Einfluß unter dem Volk der Heveller hatte. Chocus aber schämte sich, zu dem Wilzan von der Fischerin zu sprechen, und wenn er trauerte, glaubte der Fürst, es sei um die verlorene Herrschaft.
Am neunten Tag jedoch konnte er es nicht mehr ertragen vor Angst und Sehnsucht, er entdeckte dem Wilzan alles, und dieser und sein Gefolge begleiteten ihn zu der Insel an der Havel.
Als sie aber über den tiefen Schnee nach der Hütte unter den Eichen kamen, fanden sie das schöne weiße Mädchen starr und tot. Von der Stunde an hat der junge Held nie wieder gelacht, sein dunkles Auge erlosch und sein Haupt wurde weiß wie Schnee.
Der Wilzan schenkte ihm die drei Inseln zum Eigentum. Da baute er sich eine Burg auf der Stelle, wo die Hütte stand, und nannte sie Poztupimi, d. h. unter den Eichen. Weil er ein gar guter Herr war, sammelten sich viele Einwohner auf dem Werder, der nach ihm Chocie genannt wurde, und bald entstand ein kleiner Ort um die Burg. Oft erwähnen alte Chroniken den Volkstamm der Chocini und erzählen mancherlei von deren Anhänglichkeit und Liebe zu ihrem Fürsten.
In der Mark Brandenburg kam, als im Lande Teuerung herrschte, ein armer Bauer zu einer Edelfrau und klagte über seine große Not. Er habe eine kranke Frau und viele kleine Kinder und für sie alle nichts zu essen. Die Edelfrau möge ihm doch einen Scheffel Korn vorstrecken. Sie aber schlug die Bitte ab; sie könne nur gegen Bezahlung das Korn geben.
Der Mann ging fort und bettelte und suchte das Geld zu leihen, und er brachte es mit großer Not zusammen. Doch fehlte ihm ein Groschen. Wieder ging er zur Edelfrau und zählte ihr das Geld vor. "Aber da fehlt ja noch ein Groschen!", sagte sie hart. Der arme Mann flehte sie an, aber sie wollte ohne den fehlenden Groschen kein Korn geben.
Weinend ging der Arme fort und endlich gelang es ihm, auch den letzten Groschen zu leihen. Damit ging er nun wieder zur Edelfrau und legte ihn ihr in die Hand. Dabei fiel das Geld hin. Sie bückte sich danach, doch da verwandelte sich das Geldstück in eine große Schlange. Die biss die Frau und sie war nach drei Tagen tot.
Seit alten Zeiten spielen Tiere in Erzählungen und überlieferten Sagen eine große Rolle. Viel Wundersames über allerlei Getier erzählt man sich auch in unserer unmittelbaren Umgebung. So zum Beispiel diese Geschichte: In der näheren Umgebung von Bernau gab es viele Nattern und Schlangen, die immer mehr zu einer großen Plage wurden. Deshalb wurde Beschlossen, alle Einwohner zu einer großen Versammlung zusammenzurufen rund über die Bekämpfung der Natternplage zu beraten.
Nun hatte sich aber in der letzten Zeit die Stadt sehr vergrößert, immer mehr Einwohner waren hinzugekommen. Es war also eine Glocke, zum Zusammenrufen der Bürger notwendig, die Bernau jedoch nicht besaß. Eine Glocke mußte also gegossen werden. Viele Bürger dieser Stadt gaben Gold, Silber, Schmuck und was sie sonst noch besaßen, so daß die Glocke das Ergebnis vieler Spenden von Bernauer Bürgern wurde und der Guß beginnen konnte. Als die Gußmasse kochte, kam noch eine alte Frau und trat an den Tiegel. Sie sagte:"Ich habe zwar nichts an Geldeswert, was ich schenken kann, möchte jedoch etwas geben, was nicht verachtet werden sollte!" Mit diesen Warten holte sie aus ihrer Tasche eine lebendige Schlange und eine Natter und warf beide in den brodelnden Guß.
"Schlangen und Nattern werden verschwinden, soweit der Klang der Glocke reicht. Ohne Schlangen und Nattern wird die Gegend sein."
Die Glocke wurde im Kirchturm aufgehängt. Und siehe da: Nach dem ersten Läuten verschwanden wahrhaftig die Schlangen und Nattern aus der Gegend, soweit der Klang der Bürgerglocke hörbar war.
In einer Ortschaft in der Umgebung von Falkenberg legte sich einst ein Bauer in der Heiligen Nacht unter den Futterbarren, um zu horchen, wie die Tiere sprechen. Denn während der Nacht des 24.12. ist ihnen diese Gabe verliehen. Da hörte er einen seiner Ochsen zum Nachbarn als reden: „Du, wir bekommen dieses Jahr eine schwere Fuhr. Wir müssen unseren Herrn ins Grab fahren.“ Den Bauer überlief es siedend heiß, als er dies hörte. Am liebsten wäre er gleich auf und davon, doch hielt er es für klüger, in seinem Verstecke zu warten, bis die Nacht vorüber war.
Im Morgengrauen schlich er sich, so leise als er gekommen war aus dem Stalle. Was jetzt tun? Sterben wollte er um keinen Preis. Er sann deshalb nach, wie er das Wort seines Ochsen unwahr machen könnte. Erst wollte er den Ochsen schlachten, das ließ aber sein Geiz nicht zu, denn die Fleischpreise waren damals gar niedrig. So kam er denn auf den Einfall, seine beiden Ochsen gegen ein Paar andere einzutauschen. Seine Nachbarn wunderten sich über sein Vorhaben, denn die beiden Tiere waren die schönsten im ganzen Ort. Aber der Bauer bestand darauf, ging nach Eberswalde und vertauschte dort auf dem Markte seine beiden Ochsen. Unterdessen war der Sommer wieder ins Land gezogen. Sein Nachbar hatte sich auf den Viehmarkt nach Eberswalde begeben, um dort ein paar Ochsen zu erstehen. Ohne dass er wusste, dass es die Ochsen seines Nachbarn waren, die dieser im Winter verkauft hatte, erstand er dieselben und stellte sie in seinen Stall. Bald hernach erkrankte der geizig Bauer an einer Lungenentzündung und starb. Weil es in damaliger Zeit Sitte war, dass der Nachbar die Leiche mit seinem Gespann zum Friedhof führte, so erwies auch er dem Verstorbenen diesen Liebesdienst und zwar mit eben den beiden Tieren, die in der Heiligen Nacht den Tod ihres damaligen Herrn vorausgesagt hatten. So behielt also der Ochse doch recht: Es wurde eine schwere Fuhr.
Müllerbursche Hans hatte seine Mühle auf den Höhen des Barnim von seinem Vater geerbt. Der kleine Hügel, auf dem die Mühle stand, überragte die umliegenden Baumwipfel, so dass er immer mit ausreichend Wind gesegnet war. Hans war ein Mann der Tat. Gefiehl ihm etwas nicht, so zeigte er dies unmissverständlich. So erschien einmal ein Büttel vom Amt, welcher die Steurerhöhung bekannt geben wollte.
Hans ließ darauf Mehlsäcke von der Mühle regnen. Man traute sich seit dem nicht mehr mit schlechten Nachrichten zur Mühle. Auch hatte unser Müller einen sehr leichten Schlaf. Wehe dem, der diesen störte. Hans hatte eine wenig zarte Stimme. In Wut glich sie einem Donnergrollen. Neu Hinzugezogene dachten deshalb oft an ein Unwetter, wenn Hans Nachts seine himmliche Ruhe störende Menschen aber auch Tiere in seiner klaren Art zurechtwies. Nun hatte unser Hans auch einen kleinen Gemüsegarten, in welchem er zartes Gemüse zog. Der Garten war sein Heiligtum und wurde ebenso überwacht, wie sein leichter Schlaf.
Es begab sich in einer hellen Vollmondnacht, das einige Rehe den Garten entdeckten und das leckere Gemüse kosten wollten. Doch Hans war auf der Hut. Hatte er doch einen Bindfaden um seinen Garten gespannt, an dessen Ende eine Glocke über seinem Bette hing. In besagter Nacht hatte unser Hans lange gemahlen, denn am nächsten Tage sollte die Fuhre abgeholt werden. Er war so müde, das er, ohne sich auszuziehen, mit seinen bemehlten Sachen und Handschuhen auf sein Bette fiehl und schnarchte. Kaum stiessen jedoch die neugierigen Rehe gegen den Faden, so bimmelte das Glöckchen hell und klar über Hans und der war sofort zur Stelle. Mit seinen bemehlten Handschuh haute er die verdutzten Rehe auf Ihr Hinterteil, das es nur so staubte. Die Rehe mieden nun ebenfalls den Hügel von Hans, dem Müller. Bis zum heutigen Tage jedoch kann man den Mehlabdruck von Hansens Handschuh auf Ihrem Hinterteil sehen.
Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in den geheimnisvollen zwölf Rauhnächten, braust die wilde Jagd alljährlich über die schneeverhüllten Berge, Wälder und Ortschaften des Oberbarnim.
