Schlachthofgeschichten Nr. 1 - Elke Dedenbach - E-Book

Schlachthofgeschichten Nr. 1 E-Book

Elke Dedenbach

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Beschreibung

Wir werfen einen Blick auf das Post-Barbarische Zeitalter, in dem Schlachthöfe ein Relikt der Vergangenheit sind. Damit die Grausamkeit der Menschen nicht in Vergessenheit gerät, muss sich auch unser kleiner Held Jan ein Bild davon machen... Er erlebt hautnah mit, wie es in einem Schlachthof des 21. Jahrhunderts zuging. In meiner Geschichte geht es um eine Zukunft, die wir nur erreichen können, wenn wir die Gegenwart erkennen.

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Seitenzahl: 19

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Elke Dedenbach

Schlachthofgeschichten Nr. 1

2117: Schulausflug zum Schlachthof

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

2117: Schulausflug zum Schlachthof

Impressum

Impressum neobooks

2117: Schulausflug zum Schlachthof

Elke Dedenbach

Schlachthofgeschichten

Nr. 1

2117: Schulausflug zum Schlachthof

Der Junge liegt mit weit offenen Augen in der Dunkelheit. Er kann die Bilder einfach nicht vergessen: Tiere, dichtgedrängt, erbarmungslos zusammen getrieben von weißgekleideten Menschen, die mit Stöcken auf die bebenden Rücken einschlagen. Elektroschocker summen, wenn sie auf die zuckenden Leiber treffen. Die Schreie der Tiere und die Panik in ihren Augen... Ein Schluchzen schüttelt den Jungen, und er fühlt, wie seine Wangen feucht werden. "Ist alles in Ordnung, Tim?" Eine weiche, warme Frauenstimme spricht zu ihm und gleichzeitig wird es etwas heller. Es ist die Stimme der Hauselektronik. "Ich spüre deine Aufregung. Geht es dir nicht gut? Soll ich deine Mutter wecken?" Das fehlte gerade noch! Drei Tage nach seinem zehnten Geburtstag - endlich - will er kein Muttersöhnchen mehr sein. "N..nein. Nein. Bitte nicht. Es ist alles in Ordnung. Morgen ist der Ausflug...", beeilt er sich zu sagen und schluckt die Tränen herunter. "Ich weiß!", verkündet die Stimme fröhlich. "Der Schlachthof-Ausflug! Den machen alle Kinder in deinem Alter. Freust du dich schon darauf?"

Freuen? Tim verschlägt es die Sprache. "Nein, ich meine irgendwie schon. Wird bestimmt spannend..." Er hört selbst, wie unehrlich das klingt, aber wenigstens spricht die Hausanlage nicht mehr davon seine Mutter zu wecken. "Ich muss mal... dann kann ich bestimmt wieder einschlafen!", erklärt er bestimmt und schiebt die federleichte Flachsdecke zurück. Da den Kameraaugen der Hauselektronik - sie hört auf den Namen Nelly - nichts entgeht, tastete er brav nach den Filzpantinen, die vor seinem Schlittenbett stehen. Manchmal schaltet er vor dem Einschlafen den Holografie- Scanner an und spannt ein Rudel imaginärer Schlittenhunde vor sein Bett. Sie ziehen ihn dann durch eine Landschaft aus Eis und Schnee, die es auf der Erde nur noch in kleinen Naturschutzgebieten an den Polen gibt...

Müde lässt er sich auf den ergonomischen, leicht erwärmten Toilettensitz sinken. Die Sensoren messen automatisch Körpertemperatur, Hautmilieu, Atemfrequenz und Herzschlag. Die Urinprobe wird sofort untersucht. "Es ist alles in Ordnung, Tim!", verkündet Nelly in beruhigend sanftem Tonfall, während der Junge langsam zurück zu seinem Bett tapst. "Möchtest du ein Glas warme Mandelmilch?" "Nein, nur etwas Wasser, bitte."