Schläge - Lidia Yuknavitch - E-Book

Schläge E-Book

Lidia Yuknavitch

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Beschreibung

»Dieses Buch ist ein Juwel. In den Händen von Yuknavitch sind Worte sowohl Schwerter als auch Federn.« Ms Magazin

Lidia Yuknavitchs Geschichten sind gewagt, provozierend und aufrührerisch. In »Cosmos« baut der Hausmeister eines Planetariums Städte aus Müll, den Teenager hinterlassen. Partner und Liebhaber treffen in ihrer Wut schlechte Entscheidungen und bestrafen oder verdammen sich damit selbst. Menschen verzweifeln an körperlicher Leidenschaft, die sie nicht verstehen. Aber auch wenn die Autorin über Gefangensein, Trauer und die quälende Beziehung zum Körper schreibt, geht es doch letztlich um Heilung: ehemalige Junkies, die jetzt clean sind, ein Mann, der sich an ein Leben ohne Auge und ohne seinen Ehemann gewöhnt, ein Boxer, der nach einem Schlaganfall um seine Genesung kämpft, eine junge Frau und gute Schwimmerin, die als Flüchtling einen Blick auf die Küste erhascht. In »Schläge« ziehen die Charaktere trotz allen Schmerzes Sinn und Stärke aus ihrem Körper und ihrer Körperlichkeit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Lidia Yuknavitch ist eine Schriftstellerin, die immer aufs Ganze geht. In »Schläge« porträtiert sie Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und doch voller Widerstandskraft und Lebenswillen sind. Lidia Yuknavitchs Held:innen ringen mit sich und der Welt, mit Begehren und Wut. Sie sind verwundet und doch weise -und stets gefährdet: Ein Mädchen, das als Kurierin im illegalen Organhandel überlebt; ein rastloser Liebhaber, der von Erinnerungen an seine Mutter heimgesucht wird; eine Teenagerin, die aus ihrem Dachfenster auf ein nahe gelegenes Gefängnis blickt und sich ihren Fantasien hingibt.

In diesen messerscharf gezeichneten Mosaiken, die uns mit unbequemen Wahrheiten herausfordern, zeigt sich die ganze erzählerische Wucht der Autorin. »Die verwundete Schönheit dieser Außenseiter entwickelt eine Sogkraft, der man sich nicht entziehen kann.« TIME

LIDIAYUKNAVITCH zählt zu den herausragenden neuen weiblichen Stimmen der amerikanischen Literatur. Sie ist preisgekrönte Autorin mehrerer Romane, Kurzgeschichten und des gefeierten Memoirs »In Wasser geschrieben«. Zu ihren Fans zählen u.a. Rebecca Solnit und Roxane Gay. Ihr TED-Talk »The Beauty of Beeing a Misfit« wurde mehr als 2 Millionen Mal angeschaut. Lidia Yuknavitch lehrt an der University of Oregon Kreatives Schreiben, Literaturwissenschaft und Women’s Studies. Sie ist eine hervorragende Schwimmerin.

LIDIAYUKNAVITCH

SCHLÄGE

Aus dem Englischenvon Claudia Max

Die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel »Verge« bei Riverhead Books, New York, an imprint of Penguin Random House LLC.Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Die Arbeit der Übersetzerin am vorliegenden Text wurde vom Deutschen Übersetzerfonds gefördert.

Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Personen, Orte und Begebenheiten entstammen entweder der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen, Organisationen, Ereignissen oder Orten ist rein zufällig.

Deutsche Erstausgabe Januar 2026

Copyright der Originalausgabe © 2020 by Lidia Yuknavitch

Die folgenden Geschichten wurden in etwas anderer Form zuvor abgedruckt: »Sexarbeiterin« / »Street Walker« (unter »Bravo America«) in Ms. magazine; »Der Garten der irdischen Lüste« / »The Garden of Earthly Delights« in Another Chicago Magazine; »Zweite Sprache« / »Second Language« in Guernica; »Schwelle« / »Cusp« in Zyzzyva; »Schuss« / »Shooting« in Fiction International; »Wie man ein Ich verliert« / »How to Lose an I« (unter »Eye of the Beholder«) in The Iowa Review.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2026 by btb Verlag

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH

Neumarkter Straße 28, 81673 München

[email protected]

(Vorstehende Angaben sind zugleich

Pflichtinformationen nach GPSR.)

Covergestaltung: semper smile, München,

nach einer Vorlage von Rachel Willey

Autorinnenfoto: © Andrew Kovalev

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

MK · Herstellung: KH

ISBN 978-3-641-29245-4V001

Dieses Buch ist für Andy Mingo, Liebe meines Lebens,danke, dass du mich immer in den Zwischenräumen findest.

Inhalt

Sog

Die Organkurierin

Straßenmädchen

Der Garten der Lüste

Ein Frauenobjekt (explodiert)

Kosmos

Zweite Sprache

Eine Frau setzt ein Zeichen

Das Elfte Gebot

Drive-in

Schwelle

Eine Frau weigert sich

Schuss

Eine Frau entschuldigt sich

Mechanik

Wiederkunft

Schläge

Eine Frau geht aus

Wie man ein Ich verliert

Zwei Mädchen

Danksagungen

Sog

Im Wasser fühlt sich die Schwimmerin schwerelos. Das Blau des Beckens erfüllt ihre Ohren, trägt ihren Körper, blendet die Welt aus. Nie fühlt sie sich wohler als beim Schwimmen. An Land bekommt sie kaum Luft.

Laut einer Familienanekdote war sie noch keine zwei Jahre alt gewesen, als sie sich das erste Mal vom Wasser angezogen fühlte. Bei einem Urlaub am Mittelmeer lief sie, bevor es jemand verhindern konnte, eines Nachmittags zum Ende eines Stegs und plumpste wie ein Stein ins Wasser. Ihre fünf Jahre ältere Schwester sprang hinterher und zog sie wieder an die Wasseroberfläche. Als sie auftauchte, lächelte sie und ging nicht unter. Sie erinnert sich nicht daran; aber es ist eine dramatische Geschichte, die ihre Familie immer wieder erzählt.

Andererseits ist ihre ganze Kindheit eine lange Geschichte, von der sie nichts mehr wissen will. Die Art Geschichte, bei der sich einem beim Zuhören die Brust zuschnürt.

Schwimmen ist ihr wichtiger als alles andere. Sie würde lieber jeden Tag schwimmen, als an einen einzigen Moment ihrer Kindheit zurückzudenken. Sie kann sich nicht einmal mehr daran erinnern, wie die Gebäude in ihrem Viertel ausgesehen haben. Zuhause ist ein zerbombter Ziegelstein in ihrer Kehle.

Im Flur vor ihrem Zimmer hängt ein Familienfoto, das bei einem längst vergessenen Familientreffen aufgenommen wurde. Zwischen den ernst dreinblickenden Verwandten klaffen Lücken, wo eigentlich jemand stehen sollte: Ein Onkel. Eine Cousine. Ein Bruder oder eine Tante. Die ganze Familie schien Körper für Körper zu verschwinden.

Es gibt nichts, was sie so sehr liebt wie das Wasser, außer vielleicht das Gesicht ihrer Schwester. Manchmal glättet sie nachts die Furche zwischen den Brauen ihrer Schwester, wenn diese schlecht träumt, und das tut sie häufig, seit die Panzer aufgetaucht sind. Und wenn sie selbst bis spät in die Nacht mit offenen Augen daliegt, weil sie sich vor den Mörsergranaten fürchtet, zeichnet ihre Schwester zart die Vertiefungen ihres Ohrs nach, um ihr das Einschlafen zu erleichtern. Ihre Schwester ist wie ein Rettungsanker für sie. Zwei Mädchen, die einander am Leben und bei Verstand halten.

Sie kennt keine Albträume. Stattdessen hat sie Wasservisionen. Als würde das Wasser zu ihr sprechen.

Beweg deine Arme, als wärst du schwerelos. Öffne den Mund, wenn du möchtest, aber atme nicht, wie du an Land atmest; erinnere dich lieber an das atembare Blau, indem du die Augen schließt. Dann öffne die Augen. Nun kannst du unter Wasser atmen. Wie wir es alle können. Wie wir es alle getan haben. Vor langer Zeit. Nun lass deinen Körper nach unten sinken, statt dich treiben zu lassen. Wenn du den Grund des Ozeans erreichst, lass deine Füße den Sand finden, lass dein Gewicht nachkommen, richte dich auf. Von jetzt an kannst du gehen, wohin du willst. Seesterne und Schildkröten begleiten dich nun. Ein gelb und blau gefleckter Zitteraal, wie ein S geformt, schwimmt an dir vorbei. Betrachte deine Hände. Kannst du dir Flossen vorstellen? Spreize die Finger weit. Es gab eine Zeit vor Fingern, Armen, Beinen. Vor dem Leben an Land. Im Ozean ist niemand allein. Es existiert nur das Leben und Sterben des Wassers. Wachstum.

Es gibt noch eine Geschichte, die ihre Familie gern erzählt: wie Schwimmtrainer sie entdeckten, als sie ganz allein in einem Hotelpool ihre Bahnen zog. So kam sie in das Schwimmteam. Bevor sich die Erde auftat und Metall vom Himmel prasselte. Wo immer es Wasser gab, sie fand es. Einen nierenförmigen Hotelpool neben einem Supermarkt, das Meer in den Ferien, das halb gefüllte Schwimmbecken eines ausgebombten Apartmentkomplexes mit Blättern und Erde und womöglich auch Blut darin, aber das war ihr egal. Sie schwamm überall. Schwimmen ließ die Welt verschwinden.

Beim Training fühlt sich die Schwimmerin lebendig. Ihre Muskeln bewegen sie durchs Wasser, der Rhythmus von Atmen und Nichtatmen, das Pochen ihres Herzens. Die anderen Schwimmerinnen sind die einzigen Menschen, denen sie sich nahe fühlt. Sie brauchen keine Sprache, um einander zu verstehen. Unter Wasser wirken alle Körper miteinander verwandt, sie bilden dieselben Formen, erzeugen denselben Rhythmus, bewegen sich unterschiedlich durch die Wellen und auch wieder nicht.

Manchmal würde sie am liebsten Tag und Nacht schwimmen, statt nach Hause zu gehen.

Doch es kommt ein Tag, nach dem sich alles, was das Schwimmbecken war und was dort in ihr vorging, ändert. Der Unterricht fällt immer häufiger aus, manchmal wochenlang, aber noch schreiben ihre Freundinnen und sie sich Nachrichten und reden über alltägliche Dinge. Kinder nehmen Veränderung meist nicht wahr; sie möchten einfach mit ihren Freunden zusammen sein, normal sein. Aber es gibt Warnzeichen. Es hat immer Warnzeichen gegeben, und an jenem Tag verbietet ihr ihre Mutter, das Haus zu verlassen, in die Schule und zum Schwimmtraining zu gehen.

An diesem Nachmittag schmerzen ihre Schultern vom Nichtschwimmen, im Himmel ertönt ein Kreischen, gefolgt von ohrenbetäubender Stille, und dann zerstört eine Bombe den größten Teil des Daches und eine Wand des Schwimmbeckens. Zwei Schwimmfreundinnen werden getötet, ihre Leichen treiben auf der Wasseroberfläche, dann sinken sie nach unten. Sie schwimmen nie wieder ihrer Zukunft entgegen.

Nachdem der Tod in ihr Leben getreten ist und ihr das Wasser genommen hat, ist ihr einziger Gedanke, wie sie zum Meer gelangen kann.

In ihrer Wasservision murmelt das Meer unter den Dingen durch die Knochen und die Wracks von Schiffen und Meereslebewesen und die Leichen von Männern und Frauen und Kindern und Tieren, durch strahlende und absterbende Korallenriffe und Plastik und Öl und Plumes … alles fließend, alles ein Teil alles anderen. Ganze Zivilisationen neben neuen Fischschwärmen, neuen Spezies, tieferen und tieferen Bedeutungen. Photosynthese und ihr Ausbleiben und trotzdem mehr und mehr Leben. Unter Wasser weicht der Tod der Dinge dem Leben der Dinge. Keine Mauern oder Straßen oder Zäune oder Staaten oder Bomben, nur thermohaline Kreisläufe, die submarinen Strömungen, die Wirkung der Corioliskraft der Erde. Gezeiten, angezogen und abgestoßen von Sonne und Mond. Die See spricht mit dir. Ihr Anschwellen und Zurückweichen. Ihre Schöpfung und Zerstörung und Neuschöpfung in nie endenden Wellen.

Als sie mit ihrer Schwester das Land verlässt, kennen sie die Gefahren der Reise bereits. Ihre Eltern kennen sie. Alle kennen sie, überall. Die Geschichte, wie man fortgeht, war schon vor ihrer Geburt präsent. Nächtliche Gespräche zwischen Angehörigen und Liebenden und Freunden und Fremden, in denen sie einander von der Kluft erzählen, die das Davongehen hinterlässt. Was vor ihr liegt, ist nun übersät von toten Freundinnen und dem zerbombten Trainingsbecken, es steht zwischen ihr und ihrer Freiheit, zu schwimmen. Sie hat die gleichen Sehnsüchte wie alle Jugendlichen: Sie möchte schwimmen. Freundinnen und Freunde haben. Zur Schule gehen. Nicht hungern. Nicht sterben. Sie beißt die Zähne zusammen.

Als ihre Schwester und sie sich schließlich aufmachen, hat das Fortgehen bereits eine Geschichte. Sie werden sich einer Welle von Gehenden anschließen. Die Reise führt über Land in die Türkei, dann übers Mittelmeer nach Griechenland und von Griechenland zweiundzwanzig Tage lang Richtung Deutschland. Es wird keine Rolle spielen, woher die Menschen kommen, von wem ihre Körper abstammen. Bedeutung hat nur, dass sie gemeinsam unterwegs sind. Als hätte sich durch das Verlassen des Ortes ein neuer Organismus geformt, ein Mischmasch aus Sprachen und Ängsten und Sehnsüchten. Wie eine neue Spezies, die am Ufer aus dem Wasser aufsteigt.

Als in der Abenddämmerung der Motor ihres Schlauchboots – wie bei so vielen anderen überall auf der Welt – in der Ägäis zu stottern beginnt, sind alle derart durstig, dass sich auf ihren Gesichtern und um die Augen und Münder Salz- und Hautschuppen bilden. Die anderen sind Teenager wie sie und ihre Schwester oder noch viel jünger; zwei sind Kinder; einige älter. Zwischen allen herrscht eine unerschütterliche Freundlichkeit, ein ungestümes Mitgefühl, das sie vielleicht überleben lassen wird, wenn sie sich über Wasser halten können. Als das Boot zu kentern beginnt, sieht es für sie einen Moment lang wie ein schiefes Familienfoto aus. Als wäre die Welt aus dem Gleichgewicht geraten und die Menschen würden sich aus dem Bilderrahmen ins Meer ergießen. Sie betrachtet die Gesichter dieser Familie von Fremden, dann blickt sie wieder aufs Wasser.

Der schwierigste Teil: Alle im Boot können in der Ferne das Ufer erkennen, aber ihre Gesichter sagen ihr, dass niemand von ihnen gut genug schwimmen kann, um es zu schaffen.

In ihrer Wasservision spürt die Schwimmerin den Sog.

Manche Menschen spüren eine Sogwirkung, wenn sie in einem großen Gewässer sind. Einen Sog, über den niemand spricht. Der Sog überkommt Menschen, deren Leben zu schwer ist. Menschen, deren Leben die Geschichte hinter sich lässt und Sphären berührt, die alle anderen fürchten. Der Sog ist zugleich kalt und warm; er entlässt einen Körper wieder in die Geschichte; er ähnelt Fruchtwasser, aber er ist stärker. Die meisten Menschen, die den Sog spüren, lassen sich ein wenig herabsinken, tauchen kurz unter. Sie lassen Arme und Beine schlaff werden und sie schließen die Augen und halten mit übermenschlicher Ruhe die Luft an. Mit der Art Ruhe, die Menschen überkommt, die als Kinder geglaubt haben, sie könnten unter Wasser atmen. Wer den Sog spürt, erlebt dann eine von zwei Möglichkeiten. Manche schlagen bis zur Erschöpfung um sich, um sich danach einer Art regloser Unterwerfung hinzugeben, wenn das Wasser – wie vor unserer Geburt – in das eindringt, was zuvor ihr Atem war. Der Sog lebt in allen von uns auf unterschiedliche Weise.

Andere wiederum öffnen unter Wasser die Augen und spüren eine Woge von Tatkraft, die viel größer ist als der Atem, sie spannen den Bizeps an und strampeln an die Oberfläche zurück und saugen wieder kräftig Luft in die Lunge. Sie kämpfen um das Leben.

Sie zieht ihre Schuhe aus. Ihre Schwester zieht ihre Schuhe ebenfalls aus. Sie zieht ihre Hose aus. Ihre Schwester folgt ihrem Beispiel. Sie lässt sich aus dem Schlauchboot ins Wasser gleiten. Ihre Schwester gleitet nach ihr ins Wasser. Zwei Schwimmerinnen, die schwimmen gelernt haben, bevor sie laufen konnten.

Die Schwimmerin späht in die Ferne, ihr Kopf eine Boje auf der Meeresoberfläche. Was für jeden anderen zu weit wirken würde – was für die anderen im Schlauchboot furchteinflößend und wie ein Risiko, zu ertrinken, aussieht –, erscheint ihr absolut machbar. Sie dreht sich zu ihrer Schwester um und erkennt in ihren Augen, dass sie es beide schaffen werden. Sie tritt Wasser, ihre Arme formen Endloszeichen und ihre Beine strampeln mühelos, sie hat keinen Zweifel an ihrem Körper. Sie können dem Leben entgegenschwimmen. Sie streckt die Hand aus und streicht die Stirn ihrer Schwester glatt.

Dann suchen die Schwestern nach den Seilen des Schlauchbootes und binden sie einander um die Fesseln.

Mit außerordentlicher Zuversicht schwimmen sie los und ziehen die anderen hinter sich her. Die schönen Körper der Schwimmerin und ihrer Schwester und der starke Sog des Wassers unter ihnen und der Sog der Augen und Herzen der Menschen im Boot, die gegen alle Hoffnung hoffen, und der Sog der großen verkehrten Welt, die rings um sie tobt, Richtung –

Diese Geschichte hat keinen Schluss.

Wir alle werfen Kinder ins Meer.

Die Organkurierin

Als sie acht Jahre alt war, wurde die linke Hand von Anastasia Radavic für ein halbes Jahr knapp über ihrem Fuß an den Knöchel transplantiert.

Sie war auf einem Weizenfeld von einem Mähdrescher überrollt worden, der die Hand vom Arm abtrennte. Sie arbeitete, seit sie fünf Jahre alt war, mit ihrer Familie auf dem Feld und galt eigentlich als erfahrene Arbeiterin, doch als der Mähdrescher an den Kindern vorbeifuhr, deren Hände knapp über dem Boden waren, genügten drei Sekunden Unachtsamkeit, um die Tragödie auszulösen. Da die Hand zu schwer verletzt war, um sie sofort wieder anzunähen, transplantierten die Ärzte sie für den Heilungsprozess an ihren Knöchel, ein riskantes Verfahren, selbst für die besten Ärzte der Welt. In ihrem Teil der Welt waren die Ärzte allerdings oft Anfänger, die in einem Landstrich mit vielen Patienten und wenigen Auflagen unbedingt ihre Fähigkeiten in den neuesten Methoden verbessern wollten. Ein halbes Jahr später nähten ihr die Ärzte die Hand wieder ans Handgelenk. Es waren mehrere Operationen nötig, bis das Gefühl zurückkehrte, doch mit zunehmender Durchblutung wurde die Hand allmählich wieder rosig und schließlich war sie mit Einschränkungen wieder zu gebrauchen. Anastasia vergaß jedoch nie, wie sie ausgesehen hatte, als sie aus ihrem Knöchel herauswuchs. Zwei Teile ihres Körpers auf eine Art und Weise zusammengenäht, wie es nie hätte der Fall sein dürfen. Sie erinnerte sich daran, wie sie in einem Krankenhausbett die Fußhand angestarrt und sich gefragt hatte, ob sie einander Geheimnisse erzählten.

Nachts wimmerten die anderen Kinder in dem staatlichen Krankenhaus wie kleine Tiere, weinten sich in den Schlaf, manche von ihnen waren von ihrer Familie mehr oder weniger im Stich gelassen worden. So ging es über viele Monate, während Anastasia genas. Die Hand an ihrem Fuß erinnerte sie daran, dass Schimpansen auf den Fingerknöcheln laufen, wenn sie mit den Füßen nach Halt suchen. Ihre Träume handelten immer häufiger von Primaten, sie stellte sich vor, wie sie auf Händen lief.

Anastasia wusste aus der Schule, dass die Sowjets in den 1980ern und 90ern bei ihrem Bion-Satellitenprogramm Rhesusaffen eingesetzt hatten. Sie hatte sich sogar ihre Namen gemerkt: Abrek, Bion, Verny und Gordy, Dryoma und Yerosha, Zhakonya und Zabiyaka, Krosh und Ivasha, Lapik und Multik. Von den Affen war nur Multik gestorben, er war bei einer Biopsie nicht mehr aus der Narkose erwacht.

Während der beinahe zwei Jahre, die Anastasia im staatlichen Krankenhaus verbrachte, erzählte sie jedem Pfleger, der ihr zuhörte, wie faszinierend sie Affen fand. Einer von ihnen steckte ihr heimlich ein Buch der westlichen Primatenforscherin Jane Goodall zu – Ein Leben für die Schimpansen lautete der Titel –, außerdem einen kleinen Plüschaffen. Das Buch versteckte sie sicherheitshalber unter ihrer dünnen, schmutzigen Matratze.

Nachdem ihre Hand bestmöglich verheilt war, wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen. Als sie sich zum Gehen bereitmachte, schob sie das Buch hinten in den Hosenbund. Den Plüschaffen – den sie Goodall getauft hatte – trug sie in der Hand; es war eine kindliche Geste, niemand bemerkte es oder kümmerte sich darum. Sie wurde zu einer entfernten Tante geschickt, die sich, als ihre Familie nicht auftauchte, bereit erklärt hatte, sie aufzunehmen. (Welche Hilfe ist ein einhändiges Mädchen auf einem Bauernhof?, hatte man ihren Vater sagen hören. Wir haben hier nur Arbeit.) Sie wohnte in einem Haus mit siebzehn anderen Kindern.

Die entfernte Tante (War sie wirklich eine Tante?, fragte sich Anastasia) verdiente ihren Lebensunterhalt mit ihrem Körper. Die meisten Kinder waren ihre eigenen. (Waren sie wirklich ihre Kinder?, fragte sich das Mädchen). Die Tante war sehr stolz darauf, dass sie keines ihrer Kinder durch Tod oder etwas anderes verloren hatte. Das jüngste war ein Säugling, der an der Brust der Frau nuckelte, der Älteste ein vierzehnjähriger Junge. Als die Tante älter wurde, mussten neue Einnahmequellen aufgetan werden.

Anastasia kehrte nie in die Schule zurück. Stattdessen begann sie schnell, die Regeln des Hauses zu lernen. Sobald die Kinder das Alter von fünf Jahren erreicht hatten, begann die Tante, sie in dem zu unterweisen, was für ihr Überleben ausschlaggebend war, zumindest wurde ihnen das erklärt. Der menschliche Körper, so lernten sie, besaß acht Organe, die einem anderen Körper gespendet werden konnten: Lunge, Leber, Herz, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Auch Gewebe konnte gespendet werden, ferner Haut, Knochen, Sehnen, Knorpel, Hornhaut, Herzklappen und Blutgefäße. Manche Organe wie die Leber konnten in Teilen gespendet werden. Sperma, Muttermilch, Eizellen, Haare. Alles an einem Körper hatte einen Wert.

Nach Abzug einer Provision für einen Mittelsmann gingen etwa vier Prozent des Spenderpreises an den Organkurier. Vier Prozent sind nicht viel, aber mit siebzehn Arbeitenden multipliziert, war es eine bedeutende Summe. Sie genügte für die Anschaffung eines neuen Kühlschranks oder eines Herdes oder eines Autos, sie genügte, um alles von Grund auf zu ändern.

Anastasia fand schnell ihren Platz im Haus, indem sie sofort jegliches Selbstmitleid einstellte (einen Luxus, den sie schon einmal aufgegeben hatte, als sie zusehen musste, wie ihr Vater ihre Mutter fast quer durch den Raum prügelte). Außerdem sicherte sie sich im vorderen Raum einen Schlafplatz in einer Nische neben dem Kamin – die vermutlich in früheren Jahrhunderten zum Kochen oder Warmhalten von Essen oder Säuglingen oder Hühnern oder was auch sonst genutzt worden war. Sie stopfte Goodall mit etwas Stroh in eine Ecke und bereitete aus alten Decken und Zeitungen ein Lager, das den Nestern der Schimpansen ähnelte, über die sie in Jane Goodalls Buch gelesen hatte. Es war ein guter Platz für ein Kind und einen Plüschaffen: Hier tat ihr niemand etwas zuleide, die Nische war warm und – falls sie flüchten musste – in der Nähe der Tür.

Die meisten der anderen Kinder schenkten ihrer Ankunft wenig Beachtung, sie nahmen sie einfach in ihren Organismus auf. Nur der älteste Junge, Kiril, befand sie seiner Wut wert, vielleicht weil sie mit ihrer kaum funktionierenden Hand neu und nutzlos war. Kinder, die in Gruppen aufwachsen, entwickeln einen Riecher für die Schwachen.

Kirils Lieblingsspiel bestand darin, Goodall zu stibitzen und zu verstecken. Mit der Zeit wurde Anastasia eine Expertin darin, den Plüschaffen zu finden, indem sie sich schnell eine Frage ausdachte: Was würde ein Junge, dem man die Kindheit gestohlen und dem nie jemand Liebe entgegengebracht hatte, mit einem geliebten Gegenstand tun? Seine Verstecke waren leicht zu finden, manchmal sogar ein wenig traurig.

Doch eines Tages widerfuhr Goodall etwas ganz anderes. Als Anastasia auf der Suche nach ihm unter einen Holzschuppen vor dem Haus spähte, kam Kiril um die Ecke und ließ Goodall am Arm über Anastasias Kopf hin und her baumeln. Sie versuchte, nach dem Plüschaffen zu greifen, verfehlte ihn aber. Kiril lachte, und in dem Lachen hörte man ein Kind, das allmählich zum Mann wurde. Dann zog er eine große Metallschere hervor – wie sie Kunstschmiede benutzen – und schnitt Goodall die Hand ab. Als er sie hochhielt, krümmte sich sein Lächeln wie ein Wurm. Anastasia schnürte es die Kehle zu. Sie rannte zu dem handlosen Goodall und hob ihn aus dem Schlamm auf.

Kiril hielt Anastasia die abgeschnittene Hand entgegen.

»Du kannst sie ihm ja an den Fuß nähen.«

Sie unternahm einen zweiten Versuch, die Hand zu fassen zu bekommen.

Kiril steckte sie in den Mund und schluckte sie herunter.

Anastasia wiederholte in Gedanken die Namen der Kosmonauten-Affen: Abrek, Bion, Verny und Gordy, Dryoma und Yerosha, Zhakonya und Zabiyaka, Krosh und Ivasha, Lapik und Multik. Dann gelobte sie mit Herz und Verstand, Kiril zu töten.

Der Gedanke fiel ihr nicht schwer. Die Beilegung einer Streitsache, nichts weiter.

Wäre es ihr gelungen, die Hand des Affen zurückzuerobern, dachte sie später, hätte sie sie eine Zeitlang an seinen Knöchel und erst dann wieder an ihren eigentlichen Platz genäht. Als Beweis, dass man alles auseinandernehmen und wieder zusammensetzen konnte. Stattdessen nähte sie einfach den Arm des Affen am Handgelenk zu.

An seinem fünfzehnten Geburtstag veranstalteten sie eine Art Party für Kiril. Armut und Reichtum gestalten sich unterschiedlich in einem Zuhause. Kinder, die ohne den Rückhalt einer Familie oder das Gefühl von Sicherheit aufwachsen, können unberechenbar, unsicher, brutal werden.

Trotzdem konnte man ihr Leben, verglichen mit Missbrauch oder Vernachlässigung oder der Abschiebung in ein Waisenhaus, durchaus als glücklich betrachten.

Nachdem Kiril die Kerzen auf seiner Torte ausgeblasen hatte, richtete er sich auf, um eine kleine Rede zu halten. Er hob sein Hemd und zog den Hosenbund etwas herunter und erzählte den anderen von seiner Nierenoperation, dabei strich er vorsichtig über die Stiche (die für Anastasia wie ein rötlicher faszinierender Reißverschluss aussahen), die von seinem Bauchnabel bis an seinen Brustkorb reichten. Dann deutete er auf die neue Gefriertruhe, die seine Niere finanziert hatte. Die Tante lächelte. Die anderen Kinder klatschten.

Die mehr oder weniger geschmacksneutrale Torte wurde in sehr kleine Stücke geschnitten – damit sie für alle siebzehn und Anastasia und die Tante und einen Mann reichte, den Anastasia nicht kannte. Anschließend wollten die Kinder einen Blick in die neue Gefriertruhe werfen, in der tiefgefrorenes Fleisch und Brote und Gemüse und Käse wie farbige Eisblöcke aufeinandergestapelt waren. Die Gefriertruhe würde ihr Leben verändern. Nahrungsmittel aufbewahren zu können, bedeutete ein anderes Leben. Anastasia dachte kurz an Kirils rote Reißverschlussnarbe und stellte sich vor, wie sie hineingreifen und ein anderes Organ herausnehmen würde, als wäre es etwas zu essen.

Ein anderes Kind, ein ungefähr acht Jahre alter Junge – vielleicht hieß er Yegor oder vielleicht Iilya; manchmal brachte Anastasia sie durcheinander –, warf lächelnd die Hände in die Luft, als er rief: »Mit diesen Händen! Mit diesen Händen!« Er war der Organkurier gewesen. Für Kirils Niere. Anastasia starrte auf seine hochgehaltenen Hände, ihre eigene taube Hand hing an ihrer Seite herunter.

Die Geschichte des Organkuriers faszinierte die anderen Kinder jedes Mal. Der Arzt (War er wirklich ein Arzt?) hatte den blutigen Klumpen von Kirils Niere in die in Gummihandschuhen steckenden Hände des Organkuriers gelegt, anschließend hatte der Organkurier Kirils Niere in eine Kühlbox mit kostbarem Eis gebettet. Dann rannte und rannte das Kind durch die Nacht, die Gassen zwischen Häusern hinunter und durch Zaunlöcher um Müllberge herum zu einem ungefähr siebenundzwanzig Minuten entfernten Apartment (sie hatten die Strecke immer wieder mit der Stoppuhr gemessen) und drei Stockwerke zu der Wohnung hinauf, in der in einem dunklen Zimmer eine ungefähr sechzigjährige Frau aus Florida in Narkose auf dem Tisch lag. Daneben stand ein weiterer Arzt (War er wirklich ein Arzt?), beide warteten auf die Lieferung. Kinder eignen sich aufgrund ihrer Größe und Wendigkeit, mit der sie durch Gassen und Slums und Abfall und Schutt rennen, am besten als Kuriere, sie werden nicht angehalten und verhört. Dass sie wie Straßenkinder aussehen, die sich in der Nacht herumtreiben, ist genau richtig. Außerdem stellen Kinder keine Fragen, sondern rennen einfach los.

Wenn sie sich in kalten Nächten ums Feuer scharten, erzählten die Kinder noch andere Geschichten. Stellte eines von ihnen eine Frage, hob ein anderes ein lockeres Dielenbrett hoch und holte einen alten Zeitungsartikel aus den Vereinigten Staaten hervor – faltete ihn vorsichtig auseinander, als wäre er ein Schatz – und las laut daraus vor.

Sie lernten einzelne Sätze über eine weit entfernte Person namens Kendrick auswendig: »Starb bei einem tragischen Vorfall in einer örtlichen Schule.« »Erstickte unter einer Fußmatte.« »Leichnam ausgegraben.« »Seine Organe waren dem Leichnam entnommen, die Hohlräume mit Zeitung ausgestopft.«

Geschichten wie diese prägen das Leben von Kindern weltweit, Erwachsene, die alle menschlichen Werte missachten, erzählten sie ihnen oder lebten sie vor. Pass auf, dass du nicht gekidnappt oder entführt oder ausgesetzt wirst, lernen sie. Überall können Augen sein, die euch beobachten. Eure Körper können mit Gold aufgewogen werden.

In der Nacht von Anastasias erstem Kurierlauf erreichten Kirils Wut und Anastasias Hass den Höhepunkt. Sie war die Strecke schon ein Dutzend Mal mit einem Aufpasser gelaufen, jedes Mal in einundzwanzig Minuten von Tür zu Tür, dazwischen eine achtminütige Autofahrt. Als der Fahrer einmal verspätet am Übergabeort erschien – dreiundzwanzig Minuten fünfundzwanzig Minuten zweiunddreißig Minuten –, stand sie in einer Gasse und versuchte, wie die Steine der Wand auszusehen, und trat von einem Fuß auf den anderen. Nach vierundvierzig Minuten öffnete sie die Kühlbox mit dem Eis und der Niere und streifte einen blauen OP-Handschuh aus ihrer Hosentasche über ihre taube Hand, presste sie ins Eis und begann, die Niere zu massieren. Sie konnte keinen Grund dafür nennen. Sie hatte einfach das Gefühl, dass die Niere Hilfe brauchte. Da die Hand so gut wie taub war, konnte Anastasia sie die ganze Fahrt im Eis lassen. Selbst als der Fahrer sich zur Rückbank umdrehte und sie fragte, Deine Hand, deine Hand, ist die nicht allmählich kalt? Kannst du deine Hand noch spüren?, saß Anastasia bloß da und sang für die kleine Niere, bis sie die Wohnung erreicht hatten und der Fahrer dem Arzt (War er wirklich ein Arzt?) und dem Ehemann der Empfängerin erzählte – einer wohlhabenden Frau aus New York City, die aufgrund ihres Alters auf der Transplantationsliste nicht weiter nach oben rücken konnte –, was das Mädchen getan hatte.

Und der Mann der Frau aus New York saß auf einem Stuhl und weinte, weil er wusste, wie wichtig die Hände von Kindern sein konnten.

Danach bekam die Anekdote von Anastasia und wie sie die Niere auf ihrer Reise massiert hatte, etwas Wundersames. Die Leute begannen, nach dem Mädchen zu verlangen, das solch heiliges Geschick für menschliche Organe besaß. Kiril wiederholte die Geschichte seiner Nierenentnahme, zeigte seine Narbe, doch diese war nicht mehr so interessant, wie sie einmal gewesen war, und wurde zugunsten der Geschichte des Mädchens vergessen, die Organe derart liebevoll an dankbare Empfänger lieferte. Überall in der Ukraine und Russland verlangten die Leute nach der jungen Organkurierin, als sei sie eine Art Talisman. Ein Funken Hoffnung in der Dunkelheit.

Die Tante und der Haushalt gelangten zu Wohlstand.

Kiril hinterließ Rattenkot und Hundehaufen in Anastasias steinerner Wandnische.

Anastasia träumte von Kirils Tod und wie sie ihn zerstückeln würde.