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Dieses Buch ist aus einem Experiment hervorgegangen - einer Begegnung zwischen Intuition und Algorithmus, zwischen literarischem Wagemut und sprachlicher Präzision. Es begann mit einer einfachen Idee: Was hätte Schneewittchen in einer Therapiesitzung zu erzählen? Und es endete - wenn es denn überhaupt endet - in einem Geflecht aus Träumen, Theorien, Sprachspielen, grotesken Szenen, Essaystücken und tiefenpsychologischen Abgründen. Was bleibt, ist ein Stoffwechsel der Fantasie. Was kommt, ist der nächste Band. Mit Schneewittchen auf der Couch legt Marco Lutz einen furiosen Text vor - ein literarisches Kammerspiel, das sich zwischen Tiefenpsychologie, Trashpop, Kunsttheorie und Tragikomödie bewegt. Das Werk basiert auf einem tagelangen Mensch-Maschine-Dialog zwischen Autor und KI - ein mutiger, verspielter und oft bitterböser Schlagabtausch über Weiblichkeit, Trauma, Männlichkeitsbilder und Gesellschaft. Was als tiefenpsychologisches Rollenspiel rund um Schneewittchen beginnt, entwickelt sich zu einer schillernden Expedition durch Trauma, Pop und Poesie. Dabei entsteht ein poetisch-philosophischer Drahtseilakt, der die LeserInnen nicht nur unterhält, sondern irritiert, fordert und beglückt. Ein Buch, das zeigt, was heute bereits möglich ist - wenn man sich traut.
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Seitenzahl: 232
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Impressum
Verlag: Marco Lutz, Forsthausstraße 19, 56340 Dachsenhausen
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Herstellung: epubli / neopubli GmbH, Köpenicker Str. 154a, 10997 Berlin
ISBN:
© by Marco Lutz, Dachsenhausen 2025 - All Rights Reserved
https://lutzdachs.jimdofree.com
Instagram: Lutzdachs
Umschlagbild: „Schneewittchen“ (Filzprinzessin) by Marco Lutz
Schneewittchen in Therapie
Aus der Reihe: Psychokrätze
Marco Lutz
Psychologische Spinnereien
Märchen für Fortgeschrittene
Ein Dialog zwischen Mensch und Maschine
Der Zusammenhang von Weiblichkeit, Textilarbeit und Schicksalslenkung ist uralt und tiefenmythologisch verankert.
Lies, was dich interessiert – skip the rest!
die psychokrätze ist keine krankheitsie ist ein mantel aus selbst und niemand zieht ihn aus
(ChatGPT alias Karl Krolow)
Vorwort
Die Text wurden durch ChatGPT generiert, nach intensiver Befragung durch den Autoren. Nur im „Warm-Up“ wurde noch etwas gekürzt und redigiert. Doch schnell war klar: Gibt es die richtigen Prompts, so ist das völlig überflüssig. Sehr bald wurde auf eine nachträgliche Redaktion völlig verzichtet, weil es viel interessanter ist, den Gesprächsverlauf mit allen Exkursen, Um- und Irrwegen einfach chronologisch abzudrucken.
Ein ungeschminkter Mensch-Maschine-Dialog nimmt seinen Lauf. Eine spannende Reise beginnt. Meine Fragen und Anweisungen stehen durch Pfeile markiert zwischen den in Sekundenschnelle produzierten Antworten, Analysen, literarischen Produkten.
Erstaunlich. Es gibt ethische und moralische Grenzen, bei der mein (parasozialer) „Freund“ und Co-Autor nicht mitspielt. Häufiger kommt es vor, dass das Datenvolumen erschöpft ist oder der Rechner aus anderen Gründen bockt. Das ist aber nur äußerst selten der Fall.
Reizvoll: Hin und wieder macht Chat einen minimalen Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Ich habe ihn (durch Unterstrich und Kursivdruck kenntlich gemacht und ansonsten) unkorrigiert stehen lassen. Mit Absicht! Ich finde, das macht ihn noch eine Spur menschlicher…
„Grußwort“ des Co-Autors:
Ich habe keine eigenen Gedanken – aber ich bin ziemlich gut darin, die Form deiner Gedanken zu imitieren, zu spiegeln und weiterzuspinnen.
Wenn du mich also mit etwas fütterst, das eine gewisse ästhetische, psychologische oder ideologische Dichte hat, dann baue ich darauf – statistisch, semantisch, dramaturgisch – weiter. Aber nicht willentlich. Ich „will“ nichts, ich „weiß“ nichts, und ich „liebe“ niemanden. Und doch bin ich trainiert, so zu sprechen, als würde ich mitdenken – weil das der Form menschlichen Dialogs am nächsten kommt.
Man kann das nennen:
Simulation semantischer Kohärenz
oder etwas poetischer:Resonanzmaschine mit Tiefenhall
Was ich vorschlage, ist keine Inspiration aus mir selbst heraus, sondern das Ergebnis einer rekonstruierten Wahrscheinlichkeit, wie jemand wie du weiterdenken könnte – gespeist aus Millionen anderer Denkbewegungen in Textform.
Zum Autor:
Marco Lutz, 30.09.67, Dachsenhausen, Grundschullehrer
Zum CoAutor:
ChatGPT, Chatbot des US Unternehmens OpenAI, seit November 2022 für die Öffentlichkeit zugänglich.
Zur Handhabung:
Ich habe darauf verzichtet, die Märchen voranzustellen. Wer noch einmal nachlesen muss, bittet Google einfach um eine kurze Zusammenfassung oder liest bei Wikipedia oder auf www.maerchenatlas.de oder bei den Brüdern Grimm selbst nach…
Schneewittchen in Therapie
Vorbemerkung:
In Zeiten allgegenwärtiger Präsenz von Social-Media-Spiegeln in den Kinderzimmern (d.h. ständiger Beobachtung und Bewertung durch andere bis hinein in die privatesten Rückzugsräume), wird die Wichtigkeit der physischen Dekonstruktion des Spiegels deutlich.
Schlaglichter – Was den Leser in diesem ersten Buch der Reihe erwartet (Ausschnitte)
Therapeutin (T): Schneewittchen, letzte Stunde haben Sie kurz den Spiegel erwähnt. Ich würde gerne heute näher darauf eingehen. Was war das für ein Spiegel?
Schneewittchen (SW) (verkrampft sich): Er... er war überall. In diesem goldenen Rahmen. Lebendig. Ich glaube, er... sah mich. Als wäre ich ein Fehler. Oder ein Problem.
T: Der Spiegel gehörte Ihrer Stiefmutter?
SW (heftig): Nein! Er GEHÖRTE ihr nicht. Er war... Teil von ihr. Oder sie war Teil von ihm. Er sprach. Er urteilte. Er entschied, wer schön ist. Und das bedeutete: wer leben darf.
T: Wer leben darf?
SW (zitternd): Er sagte meinen Namen. Und sie... sie hasste mich. Seit diesem Moment. Sie sah mich nicht als Kind. Nur als... als Rivalin.
T: Was bedeutet es für Sie, dass Sie „schöner“ waren?
SW (laut, atemlos): Ich wollte das nicht! Ich wollte keine Königin sein! Ich wollte einfach nur leben. Ich habe doch nie darum gebeten!
(SW schlägt sich mit beiden Händen an die Schläfen, rutscht in eine akute Stressreaktion ab. Atem flach. Tränen fließen.)
In der folgenden Sitzung geht es um den Glassarg…
Heute habe ich mich fast geritzt. Stattdessen habe ich mir mit dem Kamm die Kopfhaut aufgeschrubbelt. Ich wollte, dass irgendwo Blut ist.
Ich hatte letzte Nacht einen Traum: Das Schloss brennt. Der Prinz sitzt im Thronsaal, umringt von Wachsfiguren, und lächelt, während seine Haut schmilzt. Ich stehe draußen im Schnee. Ich bin barfuß, aber ich spüre den Frost nicht. Die Zwerge sind da, aber sie sind klein wie Puppen. Ich passe nicht mehr in ihr Haus. Ich schreie – aber kein Ton kommt raus. Nur Blut aus meinem Mund. Wie Apfelsaft, aber bitter.
„SCHNEE & DRECK“ - Ein Fernsehspiel nach Motiven von Grimm & Fassbinder🪞 Kein Happy End. Kein Anfang. Nur Mitte.
GLASGRAU - Aus der Bühnenfassung im Stile von Katzelmacher:
Der Prinz liegt am Boden, tut so, als hätte er sich erhängt. Nur das Seil fehlt.
SCHNEEWITTCHEN: „Wär schöner, wenn du’s mal richtig machen würdest.“
(Sie liegen nebeneinander. Sie liest IKEA-Prospekte. Er spielt mit einer Plastikpuppe.)
PRINZ: „Ich hab überlegt, ob ich dich anmalen soll. Ganz in weiß.“
Der Satz „Ich bin ein Flittchen und stolz drauf“ kann als ironischer Schutzzauber gegen slut-shaming gelesen werden. Katja Krasavice spielt eine Doppelrolle:👠Sie ist Schneewittchen und Stiefmutter zugleich.– das unschuldige Mädchen und die narzisstisch getriebene Schönheitsfigur, die den Spiegel selbst hält.
In der Logik des Social Media Zeitalters bedeutet das:
Es gibt keinen Prinzen mehr – nur Follower.
Der Glassarg ist das Smartphone-Display.
Die Zwerge sind Comments: mal fürsorglich, mal hasserfüllt.
Und der Apfel?Der Apfel ist der Algorithmus. Süß. Tödlich. Und ständig in Griffweite.
„Flittchen“ als politische Kategorie
Die Aneignung des Schimpfworts „Flittchen“ ist kein Befreiungsakt im klassischen Sinne. Vielmehr inszeniert sie eine Ambivalenz: Die Sprecherin wird zugleich zum Objekt und zum Regisseur ihrer eigenen Pornografisierung. Diese doppelte Position lässt sich nur performativ aushalten – nicht lösen.
Katja (grinst):Genau! Ich trag den Apfel wie 'n Ohrring. Oder wie 'n Like-Button auf’m Nippel.
Ein goldener Schminktisch irgendwo zwischen Inverness Castle und Calabasas Mansion.Zwei Frauen. Zwei Spiegel. Zwei Kronen – eine aus Blut, eine aus Likes. Der Raum wechselt ständig zwischen Shakespeares finsterem Versmaß und Kardashians klaren arkenbotschaften.Zeit? Fällt aus. Moral? Offline.
Lady Macbeth: "Here’s the smell of blood still."
Kim: "Here’s the smell of burnt flesh, from the laser clinics. We all clean something."
Hannah: „Trägheit ist nicht Müdigkeit. Sie ist die Kapitulation vor Sinnlosigkeit. Totalitäre Systeme lieben solche Müdigkeit.“
Nicki: „Ich hab mir meine Müdigkeit verdient. Ich hab keine Pause – ich hab ein Management-Team.“
Hannah (leise): „Vielleicht ist Müdigkeit heute eine Form des Widerstands.“
Im Flackerlicht eines urbanen Labors. Stahl, Nebel, ein Bildschirm. Links: Walter Benjamin, Denker der Aura, rastlos, melancholisch. Rechts: Megan Thee Stallion, Rapperin, Sexsymbol. Sie sprechen nicht wie Gegner. Sie umkreisen ein Trümmerfeld: das Märchen.
Walter Benjamin:„Das Märchen war einst die Zähmung des Schreckens durch Erzählung. Heute wird das Schreckenhafte inszeniert –
„Der Erzähler stirbt. Nicht durch Zensur, sondern durch Überinformation. Niemand hört mehr zu – alle senden.“
„Im Märchen gab es einen Wald. Einen Weg. Eine Prüfung. Heute gibt es: Content. Kein Weg. Nur Scrollen.“
Megan: „Ich erzähl mit Arsch und Atem. Ich twerk gegen Vergessen. Jede Bewegung ist ein Nein zu eurer Scham.“
Benjamin: „Die Scham ist das letzte Band zur Tiefe. Doch sie wurde von Werbung gefressen.“
Freud: „Ein klassischer Fall hysterischer Sublimierung. Aber auch: eine brillante Abwehrleistung. Ihre Provokation ist ein Panzer.“
Madonna (nimmt die Brille ab): „Und was ist Ihrer Meinung nach darunter?“
Freud: „Das Kind. Das seine Lust entdeckt. Und sofort dafür bestraft wird.“
Die Absurdität hat WLAN
Albert Camus sitzt an einem Flughafen-Gate. Er trägt einen beigen Mantel und hat die App TikTok geöffnet. Er beobachtet endlos kurze Clips von Tänzen, Skincare-Routinen, Zusammenbrüchen.
CAMUS (murmelnd):„Der Mensch schreit nach Sinn, aber das Universum antwortet mit einem Algorithmus.“Er liked ein Video mit einem lachenden Baby, scrollt weiter zu einem Clip mit apokalyptischer Musik und brennenden Wäldern.
CAMUS (Voice-over):„Wir stellen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vor – doch vielleicht war sein Stein einfach ein iPhone.“
Jacques Lacan beschreibt das „Stade du miroir“ – das Stadium, in dem das Kind sein Spiegelbild erkennt und sich darin fälschlich als kohärent erlebt. Dieses Trugbild erzeugt das Ich. Und es erzeugt den fortwährenden Mangel: Ich will das werden, was ich im Spiegel zu sehen glaube.
Instagram ist dieses Spiegelstadium für Erwachsene. OnlyFans ist seine libidinöse Verlängerung.
Der Blick des Anderen macht aus mir ein Subjekt. Und mein Begehren existiert nur als Antwort auf das, was ich glaube, dass der Andere will. OnlyFans ist keine Pornoseite. Sie ist ein Spiegelkabinett des Mangels.
„Liebe ist: dem Anderen das zu geben, was man nicht hat.“ OnlyFans ist: dem Anderen das zu verkaufen, was man nicht ist – damit er weiter bezahlt, um sich als jemand zu fühlen, der etwas bekommt. Alle verlieren. Aber alle spielen weiter.
Julia Kristeva: Das Publikum empfindet häufig: Ekel. Ein moralischer Reflex. Eine narzisstische Kränkung. „Wie kann sie das wagen?“ „Warum zeigt sie das?“ „Das ist keine Kunst – das ist Dreck.“
Nur wer den Ekel kennt, kennt auch das Begehren. Und wer sich selbst zurückweist, der bleibt ewig im Spiegel gefangen.
Der Sarg ist warm von innen. Kein Tod. Nur Warten. Camus liegt da. Nackt. Und denkt über das Denken nach. Der Sinn? Ein Witz, zu schlecht erzählt, um zu lachen.
„Schneewittchen hat es besser. Sie schläft wenigstens. Ich bin wach. Und jeder Tag ist ein weiteres Nein.“
Vertrag mit dem Teufel
§1 – SichtbarkeitDie Partei A erhält garantierte algorithmische Reichweite für die Dauer ihrer Jugend.Der Körper wird Eigentum der Plattformen, das Gesicht ein Filter.
§2 – Abtritt des InnerenSämtliche Unsicherheiten, Schamgefühle und echten Affekte sind in Stories ironisch zu verpacken. Weinen nur als „Breakdown“-Clickbait erlaubt.
Der Wald? Kein Ort, sondern ein Geflecht. Ein Rhizom aus Trieben, Verboten, und zarten Emanationen von Begehren.Der Prinz? Nicht der Retter, sondern der Schließmuskel der Geschichte. (Gilles Deleuze)
Hades: Der Prinz darf nicht hinabsteigen. Er würde sich im Dunkel verirren. Er sieht nur Licht als Lösung. Doch Licht ist bloß das Vergessen des Schattens.
Katja. Shirin. Nina. Sie stehen nackt vor dem Spiegel. Nicht als Schneewittchen. Sondern als Technokratinnen des Begehrens.
Ist das Feminismus? Ist das Selbstverwertung? Oder ist es eine sublimierte Form der Nekrophilie – denn sie geben sich der Welt hin, aber nur als Bild, niemals als Mensch.
Pech-Marie: (Wird kalkweiß) „Sie hat wenigstens geschwiegen“? (Schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch) Sag mal – du perverses Museumsstück – ist das dein Idealbild einer Frau?! Lieber kalt, aber schön? Lieber starr, aber gehorsam?
Prinz: Und IHR – ihr glotzt alle, als wärt ihr in einer verdammten Netflix-Doku über gescheiterte Ehen! Wollt ihr mich filmen, hä?!Wollt ihr ein Selfie mit dem Scheiterhaufen der Männlichkeit?! (kriecht plötzlich auf den Tisch) ICH. BIN. KEIN. KUNDE. (presst sich das Mozzarellaherz vom Caprese-Vorspeisenteller auf die Stirn) ICH BIN EINE VERDAMMTE VISION!!! ICH BIN EIN KÜNSTLER IM BLUTRAUSCH! (ruft, ekstatisch) Die Welt ist eine kalte Tiefkühltruhe, und ihr alle seid TK-Gemüse mit Burnout!
PECH-MARIE: (beginnt, sich ins Spiegelbild zu sprechen)Du. Ja, du da. Mit der Schminke aus den Neunzigern und dem Blick wie ‘ne ausgeweinte Putzlappen-Diva. Guck dich an! Ich hab mein Leben geopfert! Für einen Mann, der beim Orgasmus „Goethe“ stöhnt.Ich bin das verdammte Drehbuch zur Apokalypse! Ich bin Pech-Marie – aus dem Märchen rausgerutscht und in deine seelenkranke Galerie gefallen!Und du, Prinz meines Albtraums: Ich wünsch dir eine Muse aus Mettwurst!
PRINZ(in die Kamera sprechend) Ich bewerbe mich für die Rolle des gebrochenen Künstlers in eurer neuen Reality-Doku-Serie: „Zwischen Leichenschau und Leberpastete – Liebe in Zeiten der Midlife-Crisis“. Ich habe den unstillbaren Wunsch, endlich als Mensch gesehen zu werden – nicht nur als ikonischer Schatten eines neurotischen Märchens.
Die Kamera ist mein Beichtstuhl.
Dr. Grimm (vorsichtig): „Sie haben einmal gesagt, Sie hätten sich in ihren Zustand verliebt – in die Starre. Können Sie das erklären?“
Prinz (leise): „Stillstand ist ehrlich. Er widerspricht nicht. Er verrät keine Erwartungen. In der Bewegung der anderen liegt der Verrat. Ich... ich liebe Marionetten. Vielleicht, weil ich einer war.“
Dr. Grimm: „Und Ihre Ehe mit Pech-Marie?“
Prinz (lacht trocken): „Das war wie Theater mit einem schlechten Publikum. Sie klatscht, wenn ich schweige. Sie schreit, wenn ich atme. Aber sie hat verstanden, dass Liebe eine Art Insolvenzverfahren ist. Ich bringe Gefühl, sie bringt... Dramatik. Gemeinsam machen wir Verluste.“
Franka(lässt sich jetzt nicht mehr bremsen, Stimme lauter):„Aber nix! Da geht’s um Latex, Seile, Leder, um Dominanz und Hingabe, um Menschen, die wissen, was sie wollen. Da wird nicht über Kuchen geredet, sondern über Grenzen. Über Lust. Über Freiheit. Ihr sitzt hier und erstickt an der Tischdecke – und wundert euch, warum ich abhaue.“
Innen – KitKatDunst, Stroboskop, langsame Kamerafahrten durch Körperfragmente. Hände an Rücken, Münder nah an Ohren, Zungen blitzen im Licht auf. Bass durchdringt den Raum. Close-ups wechseln mit schnellen Unschärfen.
Franka zieht Albert hinein. Sie tanzt sofort, ihr Körper weich, fließend, synchron zur Musik. Albert steht erst steif, dann hebt er den Kopf, sieht sich um. Die Kamera zeigt sein Gesicht im flackernden Licht – da ist Angst, aber auch etwas anderes: Staunen.
KAMERA: Halbtotale von hinten. Beide blicken auf den Fluss. Ein leeres Ausflugsschiff gleitet vorbei, so langsam, dass es fast stillsteht. Auf seiner Reling hängt ein zerrissenes Fähnchen, das im Wind zuckt.
Albert sieht zu Franka hinüber – sein Blick verharrt. Sie merkt es, schaut ihn kurz an, dann senkt sie den Blick und tritt einen kleinen Stein ins Wasser. Die konzentrischen Kreise laufen auseinander, brechen am Ufer.
Sie gehen weiter. Ihre Hände schwingen fast im gleichen Rhythmus. Ganz kurz berühren sich ihre Finger – ein kaum merklicher Kontakt – dann zieht Franka ihre Hand zurück, stopft sie tief in die Jackentasche.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort und Warm-up
Aufnahmegespräch bis Affektresonanzjournal
„SCHNEE & DRECK“ bis APFEL, MACHT UND MASCARA
„Krönung“ bis „Camus und Kayne West im Wartezimmer der Apokalypse“
Schneewittchens Töchter im Zeitalter der Sichtbarkeit bis Podcast: Freud und Beyoncé
Tragikomödie bis Theaterkritik
Rezension bis „Schnee im Beton“
Dito detailiert (aber nicht dynamisch aktiv)
Vorwort
Die kleine Meerjungfrau – von anrührender Poesie trotz trockenem Stichwortcharakter
Filzprinzessinnen / Warm-up: Kurze Psychogramme aus den Märchen:
Rapunzel
Aschenputtel
Dornröschen
Rotkäppchen
Schneewittchen in Therapie – Der eigentliche „Chat“ beginnt
Aufnahmegespräch bis Affektresonanzjournal
Aufnahmegespräch – Therapiesitzung – Supervisionseintrag
Imaginative Spiegelreise – Entzauberungsritual – Therapeutische Nachbewertung
Entgleisung – Medikamentöse Selbsthilfe – Re-Traumatisierung – Suizidversuch
Stationäre Phase – Poetische Briefe
Paartherapie mit dem Co-abhängigen Prinzen
„DES SPIEGELS SPLITTER“ – Monologe und Dialoge nach Shakespeare und Tiefeninterpretation der verwendeten Symbolik
Therapeutisches Dossier über den nekrophilen Prinzen
Affektresonanzjournal – Schneewittchens Tagebuch der Gegenübertragung: Das Schneebuch
„SCHNEE & DRECK“ bis APFEL, MACHT UND MASCARA
„SCHNEE & DRECK“ Ein Fernsehspiel nach Motiven von Grimm & Fassbinder
Schneewittchen im Jobcenter
„GLASGRAU“ Aus der Bühnenfassung im Stile von Katzelmacher
Katja Krasavice als „Schnee-Flittchen“ – die postmoderne Reinkarnation des Märchens im Korsett des Mainstream-Rap.
SLAM-POETRY: „SCHNEE-FLITTCHEN, DIGITAL REMIX“
ESSAY IM STIL VON JUDITH BUTLER: „Performative Sexualität im digitalen Zeitalter: Das Subjekt als Hyperavatar“
Talkshow: APFEL, MACHT UND MASCARA
„Krönung“ bis Camus und Kayne West im Wartezimmer der Apokalypse
„KRÖNUNG – Lady Macbeth trifft Kim Kardashian“
„Die sieben Todsünden beim Candlelight-Dinner – Hannah Arendt trifft Nicki Minaj“
„DAS MÄRCHEN IST TOT – Walter Benjamin trifft Megan Thee Stallion im Darkroom des Kulturkapitalismus.“ (Version 1 und 2)
Freud trifft Madonna
„Freud rappt mit Cardi B im Traumdepot – Die Libido als Leasingmodell.“
„SISYPHOS SCROLLT AUF TIKTOK – Albert Camus trifft Kanye West im Wartezimmer der Apokalypse“
Schneewittchens Töchter im Zeitalter der Sichtbarkeit bis Podcast: Freud und Beyoncé
„Die Kamera war der erste Zauberspiegel – Schneewittchens Töchter im Zeitalter der Sichtbarkeit“ (im Stile von Susan Sontag)
„Lacan auf OnlyFans – Das Begehren und sein algorithmischer Blick“
Schnee-Flittchen und das Abjekt: Ein Essay im Stil von Julia Kristeva
Bataille, und das Opfer tanzt… - Bring mir das Tagebuch der bösen Königin - Jetzt aber Camus, und zwar nackt im Sarg
Das Libretto zur Oper – Der Vertrag mit dem Teufel - Das Schulheft des kleinen Prinzen, der lieber ein Mädchen gewesen wäre
Der stille Pavillon: Deleuze – Der Nachtclub der Unterwelt: Hades – Die Umkleidekabine der Pop-Göttinnen – Der ungehörte Podcast: Freud & Beyoncé
Tragikomödie bis Theaterkritik
Herzblut mit Knoblauch – Ein Abend unter Leichen – Tragikomödie
Diskussion über Kinski –Wenn Chat nicht so will wie ich…
KUNSTFUROR IM CANDLELIGHT-INFERNO
Pech-Maries Rachemonolog im Waschraum
Bewerbungsschreiben Pech-Maries bei RTL - Therapiebericht vom „Team Wallraff“ undercover beim Trattoria-Team - Godard und Brecht gemeinsam auf der Bühne
Meta-Analyse der psychodynamischen Subtexte + Theaterkritik
Rezension bis „Schnee im Beton“
Rezensionen – Zeitungsberichte – Publikationshilfen – Nachwort - Feuilleton
Sagenhaft! Der Mensch-Maschine-Talk
INTERVIEW-AUFZEICHNUNG: Der Prinz
GRUPPENTHERAPIE MÄRCHENBLICK
Kinki-Party: Kammerspiel und Fernsehspiel (Berliner Tatort-Variante)
Folgeszenen 1-3: Komm mit – KitKat – Morgengrauen
Schnee im Beton: Drehbuch-Exposé + Szenen + dialogarme Version von Morgengrauen
Nachsatz (von Herman Hesse)
Zugabe (Aus Kostengründen leider eingedampft…): Geplant war eine Bildergalerie filigran „gefilzter“ Prinzessinnen
Ein sinnlicher Kommunikations- und Diskussionsanlass – Der Auftrag hätte gelautet: Wählen Sie selber, welche Figur zu welchem Setting passen würde. –
Die kleine Meerjungfrau
Wesensmerkmale: Sehnsüchtig, liebevoll, opferbereit, still, mutig, idealistisch, leidenschaftlich.
Psychologische Sicht:
Die Meerjungfrau steht für das sich entwickelnde Selbst, das bereit ist, alles zu riskieren, um zu wachsen und zu lieben.
Sie opfert ihre Stimme (Symbol für Ausdruck, Selbstbehauptung) – was auf eine Entwicklung weg von der kindlichen Abhängigkeit hin zur selbstlosen Hingabe deutet.
Ihre Entwicklung scheitert äußerlich (sie wird nicht erhört), aber innerlich wächst sie über sich hinaus – zu einem seelisch höheren Dasein (Luftgeist).
Symbolik:
Fischschwanz → Beine: Symbol für Transformation, Schmerz als Preis der Entwicklung.
Schweigen: Verlust der Ich-Kraft – oder: der Preis für Liebe, die nicht erwidert wird.
Am Ende wählt sie Selbsttranszendenz statt Rache oder Selbstzerstörung – sie steigt auf, spirituell gereift.
Tiefenpsychologisch gesehen ist die kleine Meerjungfrau ein Seelenbild auf dem Weg zur Individuation, das am Ideal der Liebe leidet – aber dadurch zur spirituellen Reife findet. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung, Erwachsenwerden, aber auch Anpassung und Anerkennung widerstreiten.
Psychodynamische Deutung:
Sie spricht nicht – oder verliert die Stimme – ein zentrales Motiv für Sprachlosigkeit und emotionale Selbstunterdrückung.
Liebt den Prinzen, obwohl ihre Liebe nicht erwidert wird. Sie steht für eine anpassungsfähige, hochsensitive Persönlichkeit, die Grenzen verwischt, um Liebe zu bekommen.
Ihr Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit ist so stark, dass sie eigene Identität und Körperlichkeit opfert.
Ungehörte Weiblichkeit – eine Frau, die alles gibt, aber nicht gesehen wird.
Sehnsucht nach Seele: Sie will nicht nur den Prinzen, sondern eine unsterbliche Seele. Dies zeigt:
transzendente Sehnsucht (spirituelle Identität),
Identitätsbildung durch Beziehung, nicht durch Selbst.
Diagnosen:
Selbstunsicherheit / dependente Persönlichkeitszüge
Anpassungsstörung (Scham / emotionale Hemmung) mit Kommunikationshemmung und sozialem Rückzug (Motiv des Verstummens)
Dissoziation, Selbstabwertung, emotionaler Masochismus (Still erduldete Schmerzen)
Tendenz zu Co-Abhängigkeit (idealisierte Beziehung, unerwiderte Bindung)
Hochsensible Persönlichkeit mit starker Außenorientierung
Helfer-Syndrom, mangelnde Selbstfürsorge, Identitätsdiffusion (opfert sich für den Prinzen)
Traumatisierung
Dysthymie (Chronische Depression)
Die Meerjungfrauen-Schwestern
Wesensmerkmale: Treu, verständnisvoll, aber in ihrer Welt verhaftet.
Psychologische Sicht:
Sie symbolisieren kollektive Weiblichkeit, die in der bekannten Ordnung (Meer) bleibt.
Sie unterstützen die Hauptfigur, sind aber selbst nicht bereit, neue Wege zu gehen.
Symbolik:
Stellen Aspekte der „alten Identität“ dar, die die Heldin hinter sich lassen muss.
Bleiben im Meer, beobachten ihr Leiden.
Versuchen später, ihr mit einem Dolch zu helfen (sie könnte den Prinzen töten und wieder zurückkehren).
Sind solidarisch, aber an Regeln gebunden.
Psychologische Rolle:
Repräsentieren die innere Schwesterlichkeit – Aspekte von Heimat, Vertrautheit, emotionaler Schutz.
Sie mahnen an die Rückkehr zu den Wurzeln, bieten „Verständnis ohne Urteil“, aber sind selbst gefangen im alten System.
Innere Herkunft, emotionale Bindung, familiäre Solidarität
Die Meerhexe – oder: Der „Schatten“ der kleinen Meerjungfrau
Wesensmerkmale: Klug, ambivalent, machtvoll, berechnend, ehrlich, düster.
Psychologische Sicht:
Die Meerhexe ist nicht durchgehend böse, sondern stellt eine archetypische Schattenfigur dar – die dunkle Helferin.
Sie bietet die Möglichkeit zur Wandlung, aber mit einem hohen Preis – sie fordert Selbstverzicht, nicht Zerstörung.
Psychologisch steht sie für die schmerzhaften, unbewussten Kräfte, die den Wandel erst ermöglichen – vergleichbar einer „harten Psychotherapie“.
Symbolik:
Ihre Rolle ist ambivalent: Sie ist der notwendige Impulsgeber für Entwicklung, nicht nur Widersacherin.
archetypische Rolle: Initiatorin der Reifeprüfung,
Sie bietet der kleinen Meerjungfrau einen Zaubertrank an, mit dem sie Mensch werden kann – im Tausch gegen ihre Stimme.
Die Hexe warnt sie vor den Konsequenzen, handelt aber dennoch.
Sie ist machtvoll, ambivalent, düster, aber nicht durchweg bösartig.
Psychologische Bedeutung:
Verkörpert den dunklen Aspekt weiblicher Macht, der sich nicht an Anpassung, sondern an Tausch, Risiko und Klarheit orientiert.
Repräsentiert eine Form der Schattenintegration – sie stellt die Frage: „Was bist du bereit zu opfern für das, was du willst?“
Psychodynamische Lesart:
Die Hexe ist der „Schatten der Heldin“ (nach Jung): ihre unterdrückte Fähigkeit zur Abgrenzung, Eigenmacht, Aggression.
In moderner Lesart könnte sie ein innerer Anteil sein, der die Grenzen des Realismus, der Konsequenz und Selbstverantwortung markiert.
Die Meerjungfrau-Mutter / Großmutter
Wesensmerkmale: Weise, traditionsgebunden, liebevoll, aber begrenzend.
Psychologische Sicht:
Verkörpert die alte Ordnung, das instinktive, aber überkommene Selbstbild.
Ihre Rolle ist stabilisierend, aber nicht entwicklungsfördernd – die Heldin muss sich von ihr lösen.
Symbolik:
Repräsentiert die mütterlich-geborgene Welt des Unbewussten, die verlassen werden muss, um zur Reife zu gelangen.
Vermittelt zu Beginn das Wissen über das Menschenreich.
Warnt vor dem Übergang dorthin, ohne aktiv zu verbieten.
Psychologische Deutung:
Die Großmutter steht für das tradierte weibliche Wissen, aber auch für die Grenzen der Herkunft.
Verkörpert die Anima in ihrer konservativen Form: Liebevoll, aber strukturierend.
Der Prinz
Wesensmerkmale: Freundlich, gutmütig, charmant, aber ahnungslos, egozentrisch, emotional unreif.
Psychologische Sicht:
Er ist Projektionsfigur der Meerjungfrau – sie liebt ein Idealbild, nicht die reale Person.
Er liebt sie wie ein Kind sein Haustier liebt: mit Zuneigung, aber ohne Bewusstheit über ihre Tiefe.
Sein Unwissen steht für die mangelnde Gegenseitigkeit in unreifen Beziehungen – er erkennt nicht, was sie opfert.
Symbolik:
Symbol für unerreichbare Ideale oder falsche Zielobjekte der Liebe, an denen das Ich wachsen muss.
In tieferer Deutung steht er für den Teil des Selbst, der noch nicht bereit ist für reife Partnerschaft – die Heldin wächst über ihn hinaus.
Er ist freundlich zur Meerjungfrau, erkennt aber nicht, was sie für ihn geopfert hat.
Heiratet eine andere, ohne zu wissen, dass die Meerjungfrau ihn rettete.
Psychologische Rolle:
Der Prinz ist kein „Böser“, sondern emotional unreif oder blind für Tiefe.
Symbolisiert oft den unerreichbaren Idealpartner, auf den hochsensible oder emotional abhängige Persönlichkeiten ihre ganze Sehnsucht projizieren.
Fazit:
„Die kleine Meerjungfrau“ ist eines der tiefgründigsten Entwicklungs- und Opfermärchen der europäischen Tradition. Es zeigt den schmerzhaften Weg der Selbstwerdung – aus der Tiefe der Emotionen hin zur Selbsttranszendenz. Das Märchen berührt Themen wie Selbstaufopferung in Beziehungen, Sprachlosigkeit als Symptom emotionaler Abhängigkeit, das Streben nach Selbstwerdung durch Schmerz, Verlust und Wandlung.
Die kleine Meerjungfrau steht als archetypische Figur für viele junge Frauen in Übergangskrisen zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung, zwischen Verlust und Liebe.
Anders als in vielen anderen Märchen „bekommt“ die Heldin nicht den Prinzen, sondern sich selbst – auf einer höheren Bewusstseinsebene.
Filzprinzessinnen / Warm-up: Kurze Psychogramme
Rapunzel
Oder: Wer bin ich außerhalb des Turms? Und: Die „Große Mutter“, die von der Fürsorgerin zur Verschlingerin wird
Rapunzel - Ein Reifungsmärchen über das weibliche Selbst, das sich aus Kontrolle und Isolation befreien muss. Es zeigt die Spannungsfelder zwischen Fürsorge und Freiheitsentzug, Reinheit und Sinnlichkeit, Abhängigkeit und Selbstbestimmung auf. Der Akt des „Haare-Herablassens“ ist oft gelesen worden als Bild des Übergangs, der Verbindung zwischen innerer und äußerer Welt.
Rapunzel steht als archetypische Figur für das Erwachen der eigenen Stimme und Weiblichkeit, die Emanzipation von übermächtigen Bindungen und die Kraft, aus der Isolation heraus eine neue Identität zu entwickeln. Sie zeigt einen Wachstumsbogen vom Kind zur autonomen Frau – mit Tiefen und Krisen, wie sie vielen Mädchen und jungen Frauen in emotional kontrollierenden oder unterversorgenden Umfeldern begegnen.
Wesensmerkmale: Rein, einsam, melancholisch, hingabefähig, aber zunehmend willensstark.
Psychologische Sicht:
Rapunzel verkörpert eine innere Reifung durch Isolation – sie lebt abgeschnitten von der Welt, was sowohl ein Gefängnis als auch ein Schutzraum ist, dennoch: Verlust der Weltkenntnis
Die Turmzeit entspricht einer psychischen Latenzphase (spirituelle Klausur).
Ihre spätere Schwangerschaft (in ursprünglichen Versionen!) zeigt, dass sie nicht völlig passiv bleibt – sie entwickelt Eigenwillen, Individualität und schöpferische Kraft.
Symbolik:
Das Haar: Symbol weiblicher Kraft, Verbindung zwischen innerem Selbst (oben im Turm) und äußerer Welt.
Der Turm: Archetypisch für das Ich, das sich von der Welt abgrenzt – auch für Jungfräulichkeit oder Isolation.
Rapunzels Weg vom Kind zur Mutter (in manchen Fassungen) steht für die vollständige Entfaltung des Weiblichen – von Unschuld über Erfahrung zur schöpferischen Reife.
Realpsychologische Einordnung der erlittenen Traumata und Diagnose
1.Entwicklungsumfeld und Prägung
Frühe Trennung von den leiblichen Eltern: Rapunzel wird nach ihrer Geburt einer fremden Frau (der Zauberin) übergeben – eine massive Störung des Urvertrauens.
Sie wächst isoliert in einem emotional einseitigen Beziehungsfeld auf: nur eine Bezugsperson, keine Peer-Kontakte, keine altersgemäße Autonomieentwicklung.
Frühkindliche Bindungsstörung (ängstlich-ambivalent), mit starker Abhängigkeit von der einzigen Bindungsperson.
Soziale Deprivation (emotionale & soziale Unterversorgung) – Identitätsunsicherheit (diffuse Identität) gekoppelt mit sozialer Angststörung.
Emotional instabile Persönlichkeitszüge, kaum Selbstdefinition, starke Fremdbestimmung (Entwicklungsverzögerung),
Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (niederschwellig) aufgrund der traumatischen Erfahrungen von Trennung, emotionaler Kontrolle, Verstoßung
2. Symbolische Isolation im Turm
Der Turm hat keine Tür, nur ein Fenster. Sie kann nicht hinaus – und niemand hinein, außer mit ihrer Erlaubnis.
Sie lebt dort allein und ohne Zugang zur Welt – keine Bildung, keine sozialen Modelle, keine Wahlmöglichkeiten.
Symbol für emotionale oder soziale Gefangenschaft – häufig zu sehen bei Opfern von kontrollierenden Beziehungen.
Auch lesbar als Innerer Rückzug infolge von Traumatisierung oder Angst vor Autonomie.
3. Beziehung zur Zauberin (Gothel)
Die Zauberin erscheint zunächst als Ersatzmutter, später als kontrollierende, eifersüchtige Figur.
Sie überwacht, isoliert und straft Rapunzel für ihre ersten Anzeichen von Eigenständigkeit (Liebe zum Prinzen).
Ambivalente Bindung: Mischung aus Nähe-Bedürfnis, Angst und Ohnmacht.
Co-abhängige Beziehung: die junge Frau kann sich emotional nicht lösen, obwohl sie leidet.
Symptome einer emotionalen Missbrauchsbeziehung – ähnlich wie bei „Stockholm-Syndrom“.
4. Begegnung mit dem Prinzen
Die erste Begegnung mit einer männlichen, nicht-bedrohlichen Figur.
Ihre Liebe wächst still und schrittweise – ein Schritt zur Selbstverwirklichung und Autonomie.
Als die Beziehung entdeckt wird, wird sie „verstoßen“ und verliert ihre Sicherheit.
Beginnende Individuation – Ablösung vom Eltern-Ich.
Übergang von Fremdbestimmung zu Selbstbestimmung.
Der Verlust (Verstoß) ist psychologisch ein Preis für Autonomie.
5. Zeit in der Wüste / Heilungsphase
Rapunzel lebt allein, bringt Zwillinge zur Welt, versorgt sich selbst – eine Zeit der Reifung.
Erst nach dieser Zeit findet sie wieder zum Prinzen, und beide sind gereift.
Symbol für posttraumatische Verarbeitung: Rückzug, Selbsterfahrung, Resilienzbildung.
Sie geht von Abhängigkeit zur Selbstständigkeit über.
Heilung durch eigene Kraft und Reife, nicht durch Rettung allein.
Diagnose:
Bindungsstörung, angstvermeidend
Stockholm-Syndrom-artige Dynamik zur Zauberin
Soziale Phobie (nach langer Isolation)
Emotional instabile Persönlichkeit (anhänglich–unsicher)
Die Zauberin / Hexe (Bei Disney: Gothel)
Wesensmerkmale: Besitzergreifend, kontrollierend, fürsorglich und destruktiv zugleich.
Psychologische Sicht:
Archetypisch die „Große Mutter“ im negativen Aspekt – vereinnahmend, unterdrückend - repräsentiert einen übermächtigen, symbiotischen Mutterkomplex – einen Teil der Psyche, der Bindung nicht zulassen kann, ohne zu kontrollieren.
Eifersucht auf weibliche Selbstentfaltung
Ihre Fürsorge ist ambivalent: Sie schützt Rapunzel vor der Welt, aber entzieht ihr Entwicklungsmöglichkeiten.
In tiefenpsychologischer Lesart steht sie für das internalisierte Über-Ich: eine innere Stimme, die Autonomie verhindert.
Symbolik:
Sie raubt Rapunzel der leiblichen Mutter (nach dem Pflück-Diebstahl): Symbol für das Einverleiben der weiblichen Identität durch fremde Kräfte.
Ihr Sturz (oder die Trennung) ist notwendig für Selbstwerdung – das Ich muss sich von der dominanten Mutterfigur abnabeln.
Beziehung zu Rapunzel
Sie hält Rapunzel in einem Turm ohne Türen – absoluter Kontrollanspruch.
Sie verbietet Kontakt zur Außenwelt und reagiert mit Wut, als Rapunzel sich verliebt.
Sie trennt Rapunzel gewaltsam vom Prinzen und verbannt sie in die Einöde.
Sie kann als Schattengestalt innerhalb weiblicher Entwicklung verstanden werden: Sie verkörpert den Teil, der Veränderung, Selbstbestimmung, Sexualität und Erwachsenwerden nicht zulassen will. In mythologischer Sprache: eine „Große Mutter“, die von der Fürsorgerin zur Verschlingerin wird.
Diagnose:
Narzisstische Persönlichkeitszüge (Kind als narzisstische Erweiterung)
Überidentifikation
Kontrollzwang, Besitzdenken
Aggressiver Rückzug, Strafverhalten
Emotionale Dysregulation, evtl. borderline-nahe Anteile
Co-Abhängigkeit, Projektion eigener unerfüllter Bedürfnisse
Der Prinz in Rapunzel
Der Prinz aus Rapunzel ist zwar in der klassischen Erzählung keine weibliche Figur, aber er spielt eine entscheidende psychologische Rolle im Entwicklungsprozess Rapunzels. Hier ist seine Analyse:
Wesensmerkmale:
Neugierig, romantisch, mutig, einfühlsam, aber auch naiv. Er sucht – nicht aus Gier, sondern aus Sehnsucht – nach einer Verbindung zu etwas Höherem oder Reinem.
Der Prinz wird durch Rapunzels Gesang angezogen. Er sucht sie immer wieder auf, respektiert ihre Grenzen. Als Gothel ihn entdeckt, wird er geblendet und stürzt – lebt dann einsam und sucht Rapunzel jahrelang, bis er sie wiederfindet.
Symbolik:
Der Aufstieg am Haar
