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Gerade in Zeiten, die von zunehmendem Wettbewerb und Preisdruck geprägt sind, gewinnen sowohl die Höhe als auch die Zusammensetzung der Produktherstellkosten an Bedeutung. Unternehmen suchen Strategien, wie sich diese optimieren lassen, ohne Abstriche bei der Qualität der Produkte machen zu müssen. Hierbei werden sie von der Produktkostenrechnung im SAP ERP unterstützt. Lernen Sie das Modul CO-PC anhand eines durchgängigen Fallbeispiels Schritt für Schritt kennen und erfahren Sie mehr über das Zusammenspiel zwischen Kostenträgern und Stammdaten.
Der Leitfaden führt Sie durch die einzelnen SAP-Kalkulationsarten, erläutert die jeweiligen Einsatzgebiete und das dazugehörige Customizing. Der Autor vermittelt Ihnen, wann eine Auftragsvorkalkulation benötigt wird und wie Sie eine Erzeugniskalkulation mit und ohne Mengengerüst definieren – sei es für ein einzelnes Material oder innerhalb eines umfangreichen Kalkulationslaufs. Zusätzlich zeigt er, wie die Ergebnisse in den Wertefluss des SAP Controllings (CO) integriert und ausgewertet werden. Abgerundet wird das Werk mit der praxisnahen Darstellung der Arbeitsschritte für den Monatsabschluss.
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Seitenzahl: 169
Veröffentlichungsjahr: 2016
Andreas Jansen
Schnelleinstieg in das SAP® Produktkosten-Controlling (CO-PC)
Alle Rechte vorbehalten
1. Aufl. 2016, Gleichen
© Espresso Tutorials GmbH
URL:www.espresso-tutorials.com
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Andreas Unkelbach, Martin Munzel: Schnelleinstieg ins SAP® Controlling (CO)
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Stefan Eifler: Schnelleinstieg in die SAP®-Ergebnisrechnung (CO-PA)
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Martin Munzel: New SAP® Controlling Planning Interface
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Robin Schneider: Investitionsmanagement mit SAP®
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Ingo Brenckmann & Mathias Pöhling: The SAP® HANA Project Guide
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Thomas Bauer, Ralf Pieper-Kaplan, Martin Munzel, Christian Sass, Eckhard Moos: Planung mit SAP ERP, BW und BPC – das richtige Werkzeug auswählen
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Paul Ovigele: Reconciling SAP® CO-PA to the General Ledger
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Ulrich Fahrnschon: Kundenauftrags-Controlling in SAP® ERP CO-PC
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Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Aufbau einer Produktkostenrechnung innerhalb des Systems SAP ERP ECC 6.0. Gerade in Zeiten zunehmenden Wettbewerbs und Preisdrucks auf vielen Absatzmärkten legen immer mehr Unternehmen ein verstärktes Augenmerk auf die Höhe und die Zusammensetzung ihrer Herstellkosten und suchen nach Möglichkeiten, diese zu reduzieren, ohne dabei Abstriche an der Qualität ihrer Produkte in Kauf nehmen zu müssen.
Um derartige Potenziale identifizieren zu können, ist es zunächst einmal notwendig, vollständige Transparenz bzgl. der Herstellkosten zu schaffen. Dabei stehen nicht nur die standardisierten (Plan-)Herstellkosten, wie sie durch eine Erzeugniskalkulation ermittelt und ausgewiesen werden, im Fokus. Der Blick sollte sich darüber hinaus verstärkt auf das tatsächliche Kostenverhalten im Produktionsablauf richten.
Folglich befasse ich mich in diesem Buch mit den beiden zentralen Werteströmen der Produktkostenrechnung: der Produktkostenplanung und der Kostenträgerrechnung im Ist.
Im Kapitel 1 werde ich Ihnen zunächst einige grundlegende Organisationseinheiten und Stammdaten vorstellen, die für den Aufbau einer Produktkostenrechnung erforderlich sind. Dabei betrachten wir nicht nur die im Rechnungswesen angesiedelten Objekte, wie Kostenarten und Kostenstellen. Ich werde Ihnen überdies die wesentlichen Stammdaten der Logistik vorstellen, die Sie ebenfalls für die Produktkostenrechnung benötigen. So lernen Sie in diesem Kapitel auch Einzelheiten zum Aufbau wichtiger logistischer Objekte wie Arbeitsplänen und Stücklisten kennen.
Das Kapitel 2 widmet sich der Produktkostenplanung. Sie erfahren, welche Bestandteile erforderlich sind, um eine Erzeugniskalkulation aufzubauen. Außerdem sehen Sie, wie Sie eine Erzeugniskalkulation für ein einzelnes Material oder innerhalb eines umfangreichen Kalkulationslaufs anlegen und welche Auswertungsmöglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen. Obwohl der Schwerpunkt der Darstellung auf der Beschreibung der Erzeugniskalkulation liegt, wird auch auf die Unterschiede zur Auftragsvorkalkulation eingegangen.
Im Kapitel 3 wende ich mich der Kostenträgerrechnung im Ist zu. Sie können verfolgen, wie bestimmte Produktionsvorgänge in der Logistik, wie etwa Warenverbräuche, die Verrechnung innerbetrieblicher Leistungen oder die Ablieferung der produzierten Materialien an das Lager, unmittelbar zu Kosten auf einem Produktionsauftrag führen. Außerdem zeige ich Ihnen hier, welche Analysemöglichkeiten Ihnen im Rahmen des Produktionscontrollings für diese Produktionsaufträge zur Verfügung stehen und welche Bearbeitungsschritte Sie im Rahmen des Monatsabschlusses durchführen sollten.
Die Kaffeerösterei
Ich habe für die Darstellung ein durchgängiges Beispiel gewählt, an dem die einzelnen Arbeitsschritte exemplarisch gezeigt werden. Bei meiner Beispielfirma handelt es sich um eine kleine Kaffeerösterei, die aus Rohkaffee verkaufsfertig abgepackte Röstkaffeepackungen herstellt.
Die einzelnen Produktionsstufen sind die folgenden:
Zunächst beziehen wir den Rohkaffee unterschiedlicher Sorten und aus verschiedenen Anbaugebieten.Dieser Rohkaffe wird dann im zweiten Schritt geröstet,danach werden die einzelnen Röstkaffees gemischt, gemahlen undschließlich verpackt.Das Buch wendet sich an all diejenigen, die zwar schon in dem einen oder anderen Bereich des Systems SAP ERP (ECC 6.0) gearbeitet haben, für die das Thema »Produktkosten-Controlling« jedoch bislang ein Buch mit sieben Siegeln war oder – wie es auf Neudeutsch heißt – Neuland ist.
Spezielle Vorkenntnisse aus den Bereichen Kostenrechnung und Controlling brauchen Sie als Leser nicht mitzubringen. Es erleichtert jedoch das Verständnis des Buches sehr, wenn Sie die grundlegenden Prinzipien und Zusammenhänge des betrieblichen Rechnungswesens kennen.
Der Zweck eines Tutorials wie diesem kann natürlich nicht darin bestehen, jede einzelne Schaltfläche und jedes Kontextmenü der vorgestellten Funktionen und Bildschirme im Detail zu erklären. Ich habe daher die Darstellung bewusst auf die grundlegenden Techniken sowie auf die relativ einfachen Anwendungsfälle der Werkstattfertigung beschränkt, um die prinzipiellen Zusammenhänge und Abhängigkeiten innerhalb der Produktkostenrechnung verständlich zu machen. Sollten Sie an weiteren Details zu dem einen oder anderen der hier vorgestellten Themen interessiert sein, kann ich Sie nur ermuntern, einfach einmal auf die jeweils in den Bildschirmen angebotenen Buttons, Icons oder Kontextmenus zu klicken und die Ergebnisse zu studieren, ganz nach der bekannten Devise: »Versuch macht kluch.« (Dies sollte nur nicht direkt in einem produktiven System geschehen, reservieren Sie sich hierfür ein Testsystem!)
Es bieten sich zum Thema »Produktkosten-Controlling« noch eine Fülle weiterer Sonderthemen an, die eine eingehendere Erörterung verdienten. Zu nennen wären hier in erster Linie die Kundeneinzelfertigung und immaterielle Kostenträger sowie besonders das Thema »Material Ledger«, dem in letzter Zeit auch innerhalb Europas eine immer größere Bedeutung in den betriebswirtschaftlichen Anwendungen zukommt. Eine Aufnahme all dieser Themen hätte den Rahmen des vorliegenden Werks jedoch über das vertretbare Maß hinaus gesprengt.
Ich wünsche Ihnen nun eine anregende Lektüre und bin Ihnen für Kommentare, Ergänzungen und Kritik dankbar.
Im Text verwenden wir Kästen, um wichtige Informationen besonders hervorzuheben. Jeder Kasten ist zusätzlich mit einem Piktogramm versehen, das diesen genauer klassifiziert:
Hinweis
Hinweise bieten praktische Tipps zum Umgang mit dem jeweiligen Thema.
Beispiel
Beispiele dienen dazu, ein Thema besser zu illustrieren.
Achtung
Warnungen weisen auf mögliche Fehlerquellen oder Stolpersteine im Zusammenhang mit einem Thema hin.
Zum Abschluss des Vorworts noch ein Hinweis zum Copyright: Sämtliche in diesem Buch abgedruckten Screenshots unterliegen dem Copyright der SAP SE. Alle Rechte an den Screenshots liegen bei der SAP SE. Der Einfachheit halber haben wir im Rest des Buches darauf verzichtet, darauf unter jedem Screenshot gesondert hinzuweisen.
In diesem Kapitel stelle ich Ihnen die wesentlichen Organisationseinheiten und Stammdaten vor, die Sie für den Aufbau und die Durchführung einer Produktkostenrechnung benötigen. Neben den zentralen Objekten des Rechnungswesens lernen Sie auch einige wesentliche Organsationseinheiten und Stammdaten der Logistik wie Stücklisten und Arbeitspläne kennen, die für eine Kalkulation mit Referenz auf das Mengengerüst der Produktionsplanung (PP) notwendig sind.
In Darstellungen zu Funktionen des SAP-Systems ist es allgemein üblich, mit der Vorstellung der beteiligten Stammdaten und Organisationseinheiten zu beginnen. Auch für die vorliegende Beschreibung verlangt das Gebot der Vollständigkeit, diese einzelnen Objekte im Folgenden noch einmal kurz darzulegen, obwohl ich davon ausgehe, dass die Begriffe und Konzepte den meisten Lesern dieses Buches bereits vertraut sein werden.
Die oberste Instanz innerhalb eines SAP-Systems bildet der Mandant. Dieser wird eingerichtet, um darin ein komplettes Unternehmensszenario mit all seinen Geschäftsaktivitäten abzubilden. SAP liefert eine Reihe von Mandanten aus, die bereits vordefinierten Zwecken dienen. Daneben können Sie über die Funktion der Mandantenkopie die operativen Mandanten erzeugen, in denen die tatsächlichen Geschäftsvorfälle schließlich verbucht werden.
So sind beispielsweise die Mandanten 000 und 066 in der Standardauslieferung eines jeden Systems vorhanden; Mandant 000 fungiert als Importquelle für bestimmte vordefinierte Objekte, während Mandant 066 der SAP einen Remote-Systemzugriff ermöglicht, um eventuell auftretende Probleme im laufenden Betrieb analysieren zu können.
Wenn Sie sich in einem SAP-System als Benutzer anmelden, geschieht das immer in einem bestimmten Mandanten. Sie haben dadurch lediglich Zugriff auf diejenigen Daten, die innerhalb dieses Mandanten geführt werden. In vielen Unternehmen findet man eine Umgebung vor, in der ein Mandant einzig und allein dafür vorgehalten wird, das System zu konfigurieren, ohne dass hierin operative Geschäftsvorfälle erfasst werden. Man bezeichnet diesen als Konfigurations-, Entwicklungs- oder Customizing-Mandanten.
Für die eigentlichen Buchungen ist ein (selten sind es auch mehrere) weiterer Mandant vorgesehen, in den die Systemeinstellungen aus dem Entwicklungsmandanten mittels Transporten hineinkopiert werden. Die weitaus meisten der in diesem Buch vorgestellten Systemeinstellungen (sogenanntes Customizing) sind mandantenabhängig; das bedeutet, sie gelten genau für denjenigen Mandanten, in dem sie angelegt oder in den sie hineintransportiert wurden.
Es existieren aber, insbesondere in den Bereichen Materialwirtschaft und Ergebnisrechnung, auch einige zentrale Einstellungen, die systemweit, also mandantenübergreifend gelten. Ich werde auf diese Einstellungen, sofern sie für unser Thema relevant sind, an den jeweiligen Stellen explizit hinweisen.
Der Buchungskreis ist die zentrale Organisationseinheit des externen Rechnungswesens (Financial Accounting, FI). Auf der Ebene des Buchungskreises werden die gesetzlich notwendigen (Jahres-)Abschlüsse erstellt. Das bedeutet, dass jede rechtlich selbstständige wirtschaftliche Einheit, die einen eigenen Einzel- oder Gruppenabschluss anfertigt, auch in einem eigenen Buchungskreis abgebildet werden muss. Es ist technisch durchaus möglich, eine rechtlich bilanzierende Gesellschaft in mehrere SAP-Buchungskreise aufzusplitten und deren Konten im Rahmen der Jahresabschlussarbeiten dann wieder zu einer gesamten Bilanz bzw. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) zusammenzuführen. Im Einzelfall mag es hierfür auch gute Gründe geben, beispielsweise bei neu zusammengefassten Gesellschaften, die zunächst als selbstständige Buchungskreise weiterbetrieben werden. Üblicher ist hingegen die Abbildung einer Gesellschaft in genau einem Buchungskreis in einer 1:1-Beziehung. Der entgegengesetzte Ansatz, nämlich mehrere bilanzierungspflichtige Gesellschaften zu einem Buchungskreis zusammenzufassen, ist hingegen keinesfalls zulässig.
Ein Buchungskreis wird im SAP-System durch einen eindeutigen vierstelligen, alphanumerischen Schlüssel definiert. Darüber hinaus werden einige Steuerparameter benötigt, um mit dem Buchungskreis arbeiten zu können, von denen ich Ihnen die zwei wichtigsten im Folgenden vorstellen werde.
Der erste dieser Parameter ist der Kontenplan. Er ist das Verzeichnis aller in einem Unternehmen benutzten Sachkonten, auf denen die anfallenden Geschäftsvorfälle verbucht werden. Es ist möglich, in einem SAP-System und in einem Mandanten mehrere parallele Kontenpläne anzulegen und diese gleichzeitig zu benutzen. Allerdings muss jedem Buchungskreis ein Kontenplan eindeutig als sogenannter Operativer Kontenplan zugewiesen werden. Das bedeutet, dass alle Buchungen innerhalb dieses Buchungskreises auf den Konten des operativen Kontenplans vorgenommen werden, während die parallel hierzu angelegten Kontenpläne für Auswertungen oder die Konsolidierung genutzt werden.
Neben dem operativen Kontenplan eines Buchungskreises besteht die Möglichkeit, zwei weitere Kontenpläne zu nutzen:
einen Landeskontenplan und
einen Konzernkontenplan.
Ein Landeskontenplan kommt typischerweise dort zum Einsatz, wo gesetzliche oder andere bindende Vorschriften eine Gliederung des Kontenplans in einer festgeschriebenen Form fordern, der operative Kontenplan jedoch eine hiervon abweichende Gliederung vorsieht. Beispielsweise könnten Sie in Ihrem operativen Kontenplan festgelegt haben, dass das Konto für den Materialverbrauch auf Produktionsaufträgen in allen Buchungskreisen Ihrer Unternehmensgruppe einheitlich die Nummer »410 000« erhalten soll. Gesetzliche Regelungen in einem Land, in dem Sie eine Tochtergesellschaft unterhalten – nehmen wir als konkretes Beispiel Frankreich –, verlangen jedoch für das entsprechende Konto eine andere Nummer, z.B. im Bereich »500 000–510 000«.
In diesem Fall definieren Sie einen Landeskontenplan für Frankreich mit den zugehörigen Konten und verweisen im für Frankreich geltenden buchungskreisabhängigen Teil des operativen Kontos »410 000« auf das entsprechende Konto »510 000« des französischen Landeskontenplans.
Die nach lokalem Recht im Land der Tochter zu erstellenden Abschlüsse weisen dann für den Materialverbrauch die Kontonummer »510 000« aus, die Abschlüsse auf Ebene der gesamten Unternehmensgruppe verwenden weiterhin die Nummer »410 000«.
Der Konzernkontenplan dient dazu, einen einheitlichen Rahmen für den zusammengefassten Abschluss mehrerer Konzerngesellschaften zu schaffen. Dabei werden mehrere Konten eines oder verschiedener operativer Kontenpläne zu einem Konto des Konzernkontenplans zusammengefasst.
Häufig repräsentiert die Konzernkontonummer direkt eine entsprechende Zeile in der Bilanz oder der GuV. Beispielsweise könnten Sie alle Konten des Bereichs von »410 000–419 999«, auf denen Sie Materialverbräuche für unterschiedliche Zwecke (z.B. für Produktionsaufträge, Forschungsvorhaben, den Eigenverbrauch oder zur Verschrottung) verbuchen, für die Konzernbilanz zu einer Konzernkontonummer mit der Bezeichnung »Materialverbrauch« zusammenfassen.
Falls Ihr Geschäftsjahr sich nicht mit dem Kalenderjahr deckt, müssen Sie eine eigene Geschäftsjahresvariante defineren, die Ihren Anforderungen entspricht. Wie Sie dabei vorgehen, können Sie im Buch »SAP-Finanzwesen – Customizing« (Munzel/Munzel, 2012) nachlesen.
Keine abweichenden Geschäftsvarianten
Achten Sie in jedem Fall darauf, dass die Geschäftsjahresvarianten, die Sie für Ihre Buchungskreise definieren, für alle Buchungskreise eines Kostenrechnungskreises und ggf. auch eines Ergebnisbereichs – zumindest für das führende Ledger – identisch sein müssen.
Der Kostenrechnungskreis bildet im SAP-System die organisatorische Einheit für eine in sich abgeschlossene Kostenrechnung. Stammdaten wie Kostenarten, Kostenstellen, Leistungsarten oder statistische Kennzahlen (für die Kostenrechnung) werden immer mit Bezug zu einem Kostenrechnungskreis angelegt und müssen innerhalb dessen eindeutig sein. Ebenso gelten die meisten Customizingeinstellungen immer genau für einen Kostenrechnungskreis. Nutzen Sie mehrere Kostenrechnungskreise gleichzeitig, so müssen Sie Ihre Daten für jeden separat anlegen und pflegen!
Dem Kostenrechnungskreis direkt zugeordnet sind der oder die Buchungskreis(e). Sie haben grundsätzlich die beiden Alternativen,
Diese Entscheidung treffen Sie bereits bei der Definition (Anlage) des Kostenrechnungskreises im Customizing. Mit dem Begriff Customizing werden all diejenigen grundlegenden und dauerhaften Einstellungen des SAP-Systems bezeichnet, die von der Standardauslieferung abweichen oder diese ergänzen und auf die speziellen Anforderungen des Kunden ausgerichtet werden.
Sie rufen das Customizing mit der Transaktion SPRO auf, oder Sie gehen aus dem SAP-Startbildschirm (im Folgenden als Anwendungsmenü bezeichnet) über den Menüpfad Werkzeuge • Customizing • IMG • Projektbearbeitung in den Customizing-Modus Ihres Systems. Dort klicken Sie auf den Button SAP Referenz-IMG anzeigen, um alle Anwendungsbereiche anzuzeigen und zur Bearbeitung zur Verfügung zu stellen. Sie sehen daraufhin den in Abbildung 1.1 gezeigten Bildschirm.
Abbildung 1.1: Customizing: Ausgangsbildschirm SAP-Referenz-IMG anzeigen
Voraussetzung für eine buchungskreisübergreifende Kostenrechnung ist, dass alle dem Kostenrechnungskreis zugeordneten Buchungskreise denselben operativen Kontenplan nutzen. Außerdem müssen alle Buchungskreise – zumindest im führenden Ledger – die gleiche Geschäftsjahresvariante nutzen. Der Begriff Führendes Ledger bezieht sich auf eine Funktionalität der parallelen Rechnungslegung im Neuen Hauptbuch (Anwendungskomponente FI), die es ermöglicht, Abschlüsse parallel nach unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften (z.B. nach IFRS, HGB, US-GAP, lokalen Steuervorschriften etc.) zu erstellen. Dazu wird der gesamte Buchungsstoff parallel in mehreren virtuellen Büchern (Ledgern) gebucht. Gibt es hinsichtlich der Bewertungsvorschriften keine Unterschiede, schreibt das System in jedem Ledger identische Werte fort. Bei Buchungen, deren Werte sich aufgrund der Vorschriften der zugrunde liegenden Rechnungslegungsvorschriften in den einzelnen Ledgern unterscheiden (beispielsweise die Höhe der Abschreibungen bei unterschiedlich anzusetzender Nutzungsdauer), können diese Differenzen durch verschiedene Werte auf den Konten der jeweiligen Ledger berücksichtigt werden.
Setzen Sie die Ledgerlösung im Neuen Hauptbuch ein, müssen Sie eines dieser Ledger als «führendes Ledger« definieren, das wiederum die Integration ins Controlling bereitstellt. Das bedeutet, dass alle Buchungen aus dem Controlling ins FI, sofern nicht anders spezifiziert, ins führende Ledger gebucht werden. Genau aus diesem Grund müssen die operativen Kontenpläne und Geschäftsjahresvarianten der beteiligten Buchungskreise im führenden Ledger innerhalb eines Kostenrechnungskreises eindeutig sein.
Weiterführende Literatur »Neues Haupbuch«
Weitere Einzelheiten können Sie der einschlägigen Fachliteratur zur Darstellung des Neuen Hauptbuchs entnehmen, wie z.B. »Neues Hauptbuch in SAP ERP Financials« (Bauer/Siebert, 2010) oder das bereits erwähnte Werk »SAP-Finanzwesen – Customizing«.
Eine buchungskreisübergreifende Kostenrechnung empfiehlt sich immer dann, wenn die Kostenrechnungsstrukturen innerhalb des Unternehmens weitgehend identisch und daher gleiche Wertansätze und Verrechnungsprinzipien innerhalb der beteiligten Buchungskreise gewollt sind.
Das Arbeiten mit mehreren parallelen Kostenrechnungskreisen ist – außer im Fall historisch gewachsener Strukturen – insbesondere dann angezeigt, wenn eine Unternehmensgruppe mit ihren verschiedenen Tochterfirmen in derart unterschiedlichen Märkten operiert, sodass eine einheitliche Strukturierung der Kostenrechnung keinen Sinn ergibt. Dies ist etwa in Fällen vorstellbar, in denen eine Firma im kundenindividuellen Großanlagenbau tätig ist, während das Geschäftsfeld einer anderen Tochter die Produktion konsumnaher Massenprodukte ist. Infolgedessen werden Sie höchstwahrscheinlich mit zwei verschiedenen Ergebnisbereichen arbeiten, weil auch die jeweiligen Absatzmärkte unterschiedlich strukturiert sind. Daraus folgt wiederum zwingend eine Aufteilung der Kostenrechnungskreise, da auch die Zuordnung Ergebnisbereich zu Kostenrechnungkreis immer nur eine 1:1- oder eine 1:n-, niemals jedoch eine n:1-Beziehung sein kann.
Sie gelangen zur Anlage und Pflege eines Kostenrechnungskreises im Customizing-Menü über den Pfad Controlling • Controlling Allgemein • Organisation • Kostenrechnungskreis pflegen und definieren hier mittels der Drucktaste Neue Einträge einen neuen Kostenrechnungskreis.
Ein Beispiel für die Ausprägung eines Kostenrechnungskreises mit buchungskreisübergreifender Verrechnung zeigt Abbildung 1.2.
Abbildung 1.2: Grundbild Kostenrechnungskreis 1000
Vergeben Sie zunächst einen vierstelligen Schlüssel und eine Bezeichnung für Ihren neuen Kostenrechnungskreis. Im Feld BuKrs -> KoKrs. Wählen Sie sodann die Zuordnungsbeziehung aus, die für diesen Kostenrechnungskreis und die ihm zugeordneten Buchungskreise gelten soll. Im Beispiel ist die buchungskreisübergreifende Kostenrechnung aktiviert.
Das W&B-Profil benötigen Sie nur, wenn Sie Transferpreise mit parallelen Wertansätzen im Rahmen des Material Ledgers nutzen wollen. Dies wird aber für die weiteren Darstellungen innerhalb dieses Buches nicht benötigt, sodass ich auf diese Einstellungen hier nicht näher eingehe.
Im Bereich Weitere Einstellungen schließlich geben Sie Ihre Werte für den operativen Kontenplan und die Geschäftsjahresvariante ein, mit denen der Kostenrechnungskreis geführt werden soll. Beide Parameter müssen Sie zuvor im Customizing des FI definiert haben.
Schließlich müssen Sie noch ein Kürzel für Ihre (Kostenstellen-)Standardhierarchie angeben. Wenn Sie dieses Kürzel, das später den Ursprungsknoten Ihrer Kostenstellen-Standardhierarchie darstellt, zuvor noch nicht angelegt haben, fragt das System Sie beim Sichern, ob es den entsprechenden Knoten anlegen soll. Das bestätigen Sie.
Nachdem Sie die Grunddaten Ihres Kostenrechnungskreises gepflegt und gesichert haben, müssen Sie festlegen, welche Teilkomponenten des Controllings Sie nutzen wollen. Hierzu wählen Sie in der Strukturdarstellung unter Grunddaten im linken Bildschirmbereich den Eintrag Komponenten aktivieren. Es erscheint der Bildschirm, wie er in Abbildung 1.3 zu sehen ist.
Abbildung 1.3: Komponenten im Kostenrechnungskreis aktivieren
Aktivieren Sie für unser Beispiel mindestens die Komponente Kostenstellen. Die übrigen angezeigten Komponenten können, müssen Sie aber für unsere Zwecke nicht unbedingt aktivieren.
Wenn Sie den Haken im Feld Profitcenter-Rechnung setzen, aktivieren Sie damit die »alte« Profitcenter-Rechnung, die im Controlling angesiedelt ist. Mit Einführung des Neuen Hauptbuchs wird jedoch im Allgemeinen die dort zur Verfügung stehende Version der Profitcenter-Rechnung genutzt, die einige technische Änderungen im Vergleich zur bisherigen CO- Profitcenter-Rechnung aufweist. So wird beispielsweise im Neuen Hauptbuch kein eigener Profitcenter-Beleg mehr erzeugt, sondern die Profitcenter-Information ist als Feld im Hauptbuchbeleg abgelegt. Die praktische Handhabung bleibt hingegen für den Anwender im Wesentlichen gleich.
Wenn Sie die Profitcenter-Rechnung des Neuen Hauptbuchs nutzen, sollten Sie dieses Kennzeichen im Kostenrechnungskreis nicht setzen. Stimmen Sie sich mit Ihren Kollegen aus dem Finanzwesen ab, welche Art der Profitcenter-Rechnung bei Ihnen zum Einsatz kommen soll.
Im Bereich Weitere Kennzeichen finden Sie die Felder Alle Währungen,
