Schottische Märchen -  - E-Book

Schottische Märchen E-Book

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Beschreibung

Frederik Hetmann alias Hans-Christian Kirsch (geb. 1934 in Breslau / gest. 2006 in Limburg) hat hier eine Sammlung schottischer Märchen und Sagen zusammengetragen, die uns in die Welt der Männer und Helden, der starken Frauen und in die Anderswelt entführen. Eingeteilt nach den unterschiedlichen Landschaften Highlands, Lowlands und die Inselwelten gibt uns der Autor auch Einblicke in Land und Leute und historische Hintergründe.

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Seitenzahl: 253

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Über das Buch

Literatur, Märchen, Sagen und Landschaft gehen in Schottland häufig eine engere Verbindung miteinander ein als anderswo. Viele der Geschichten in diesem Buch wurden Frederik Hetmann auf seinen Reisen mündlich überliefert. So ist es nicht verwunderlich, dass er dieses Buch nicht nur Märchen- und Geschichtenliebhabern, sondern eben auch Schottlandreisenden ans Herz legen möchte, die einen besonderen Reiseführer suchen. Es ist auch ein Buch, das zu einer Wanderung durch den Zauberwald Schottlands einlädt.

Über den Herausgeber

Frederik Hetmann (Hans-Christian Kirsch), geb. 1934 in Breslau, gest. 2006 in Limburg/Lahn, Autor zahlreicher preisgekrönter Romane, Biographien und Jugendbücher. Ende der 1960er-Jahre begann Hetmann auf Reisen durch Westirland und Schottland Geschichten zu sammeln. Seitdem galt seine Leidenschaft der lebendigen Erzählkunst und dem Sammeln und Übersetzen dieser Märchen und Sagen. Er gilt als profilierter Kenner der keltischen und indianischen Überlieferungen.

Schottische Märchen

Herausgegeben von Frederik Hetmann

Überarbeitete Sammlung schottischer Märchen und weiterer Texte aus Frederik Hetmanns Nachlass.

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

E-Book-Ausgabe2015 Krummwisch bei Kiel

© Frederik Hetmann c/o Montasser Media© 2015 by Königsfurt-Urania Verlag GmbHD-24796 Krummwischwww.koenigsfurt-urania.com

Umschlaggestaltung: Jessica Quistorff, Seedorf,unter Verwendung des folgenden Motivs»Red scottish plaid.« © eAlisa - Fotolia.comProject Management: Olivia Michalowski, KielKorrektur: Claudia Lazar, KielSatz: Stefan Hose, Götheby-Holm

ISBN 978-3-86826-300-8

Inhalt

Einleitung

Annäherung an Schottland

Die Highlands

Die Lowlands

Helden- und Abenteuergeschichten

Die Abenteuer des Mac Ian Direach

Das Königreich in den Grünen Bergen

Das Schiff, das nach Amerika fuhr

Der junge König von Easaidh Ruadh

Geschichten aus dem Leben

Eine Liebestragödie

Macfarlane

Der Schäfer, der nicht lügen konnte

Wie Clanranald Ormaclate House baute

Des Tinkers Hotel

Burke und Hare

Märchenhafte Geschichten

Lod

Der König, der seine Tochter heiraten wollte

Die Tochter des Riesen

Geschichten mit der Anderswelt

Die Tochter des Nordlandkönigs

Tam Lin

Tom der Reimer

Von den Selkies

Die Saga von der Insel der Frauen

Wie Morrigu von der Insel der Frauen nach Island fuhr

Hexengeschichten

Was Hexen vermögen

Die Frau des Pfarrers

Die blaue Mütze

Des Harfenspielers Stein

Literaturverzeichnis

Einleitung

Annäherung an Schottland

Literatur, Märchen, Sagen und Legenden gehen in Schottland häufig eine engere Verbindung miteinander ein als anderswo. Gedacht ist diese Sammlung schottischer Folklore deshalb auch als Begleitbuch für den Schottland-Touristen, der mehr sucht als nur einen Reiseführer. Das Buch lädt ein zu einer Wanderung durch den Zauberwald der Phantasie dieses Landes.

Schottische Märchen und Folklore sind nicht nur durch keltische Einflüsse geprägt, wie es zunächst scheinen mag. Tatsächlich findet sich eine Vielzahl von Elementen aus verschiedenen Kulturen darin wieder, die die schottischen Märchen und Traditionen beleben. Zu den wichtigsten Völkern unter ihnen gehören die Kaledonier, die das Gebiet vom Tal der Tay bis zum Great Glen besetzt hielten, die Pikten – sie gelten als die Ureinwohner -, die irischen Einwanderer, also die benannten Kelten, die Nordmänner und auch die Römer, die von Süden her vordrangen.

Ein keltischer Stamm, genannt die Skoten oder auch Scotti, überquerte, von Irland her kommend, das Meer im 5. Jahrhundert n. Chr. Die Einwanderer fanden in den Highlands und auf den Inseln die Pikten vor und gaben dem Land seine gälische Sprache. Dieses historische Ereignis spiegelt sich in der häufigen Erwähnung Irlands in schottischen Märchen. 843 wurde Kenneth MacAlpin aus dem Fürstentum Dalriada König von Alba, wie sein Teil des Landes damals genannt wurde, aber erst nach der Schlacht von Carham 1018 fasste Duncan I. die verschiedenen Stammesgebiete zum eigentlichen Schottland zusammen, dies allerdings mit Ausnahme der Orkneys, Shetlands und der Hebriden, die damals von Norwegen beherrscht wurden.

Seit Beginn seiner Geschichte bestand Schottland aber doch aus zwei »Nationen«: den reichen Lowlands und den Highlands, doch darauf kommen wir noch später.

Viele alte Bräuche und Vorstellungen sind selbst heute noch in der mündlichen Überlieferung lebendig. Geschichten von der letzten großen Rebellion gegen England 1745 und den Vertreibungen (evictions) des schottischen Adels in den folgenden Jahrzehnten werden erzählt, als habe sich all dies erst gestern zugetragen.

Der Glaube an das zweite Gesicht ist mehr oder weniger überall in den schottischen Highlands vorhanden. Im gälischen Westen Schottlands gibt es bis heute Menschen, die behaupten, direkten Kontakt mit Feen zu haben.

Der Kampf gegen die gälische Sprache und die an sie gebundenen Geschichten und Traditionen begann letztlich mit der Christianisierung ab dem 7. Jahrhundert. Aus einer Schrift von John Carswell, Bischof der Inseln, aus dem Jahr 1567 wissen wir um die Polemik der seit 1560 reformierten Kirche gegen solch »heidnischen Aberglauben«. Dies zielte vor allem gegen die Mythen um die Tuatha De Danann1, die ursprünglich auch von Schreibern der frühchristlichen Evangeliare in Freiräumen zwischen den christlichen Texten überliefert worden waren.

Zwar trug die Unterdrückung der gälischen Sprache und des mündlichen Erzählens in dieser Sprache durch die protestantische Kirche entscheidend dazu bei, dass viele Märchenstoffe untergingen, aber letztlich triumphierte doch in den entlegenen Landesteilen die keltische Erzählfreude. Was den Lauf der Zeiten und die politischen Konflikte überdauerte, war umfangreich und bizarr genug.

Die systematische Erfassung der Märchen und Sagen in den schottischen Highlands begann im 19. Jahrhundert mit der Arbeit von John Francis Campbell (Iain Ög Ile, der junge John von Islay). Campbell war vor allem an Geschichten der Highlands interessiert und versuchte diese nach den verschiedenen Typen zu ordnen.

Ein anderer wichtiger Sammler war Alexander Carmichael, der vor allem die Zaubersprüche und Inkantationen sammelte, aber auch alle gälische Folklore, die er hörte. In unserer Zeit ist es die School of Scottish Studies an der Universität von Edinburgh, wo auf Tonband die nun rasch versickernden letzten Stücke einer oralen Überlieferung festgehalten wurden.

Wie ist Schottland? Diese Frage werden sich Menschen vom Kontinent vielleicht stellen, die zum ersten Mal planen, dorthin zu reisen. Auch darauf soll hier eine, freilich subjektive, Antwort gegeben werden.

Auf den Highlands, den Inneren und Äußeren Hebriden, den Orkneys und Shetlands hat man das Gefühl, weit nördlich zu sein, was ja auch objektiv stimmt. Man befindet sich auf der Höhe von Südnorwegen und ich behaupte: Das merkt man auch!

Schwieriger ist es auszumachen, worauf dieser subjektive Eindruck beruht. Ich will versuchen, es zu beschreiben: Luft und Licht sind anders als im südlichen England, erst recht anders als in Mitteleuropa: nördlich-maritim, immer etwas windgeschwängert, auch wenn kein Wind geht, dennoch weich.

Wenn man erfahren will, was Stürme sind, wirkliche Stürme, muss man nicht bis auf die Orkneys fahren, wo der Sturm die Wasser wolkenkratzerhoch aufwühlen kann. Auch ein windiger Dezember- oder Januartag auf dem Festland genügt, um zu erleben, was Wind in Schottland bedeutet. Das muss man mögen, denn es schafft eine andere physische und psychische Befindlichkeit als jene, die man aus Deutschland gewohnt ist.

Aber bleiben wir bei der Frage: Wie ist Schottland?

Ein Land der weiten Wiesen, der lieblichen Hügel, ausgedehnter Wälder, ruhiger, von Ebbe und Flut veränderter Buchten in den Lowlands, jenem Landstrich südlich von Glasgow und Edinburgh. In den Highlands wilde Bergtäler, die Berge wie Festungen von Riesen, ein Land voller Seen und Meeresfjorde.

Ein Land mit zwei Großstädten, Edinburgh und Glasgow, beide völlig verschiedenen Charakters.

Ein Land, in dem der Export von Whisky, Lammfleisch und Lachs wichtige Einnahmequellen im nationalen Budget darstellen.

Ein Land, das zu Großbritannien gehört und immer, bis heute, seine Selbständigkeit behauptet hat, ja sie in den letzten Jahren sogar auszuweiten verstand.

Ein geschichtsträchtiges Land. In der Frühzeit kamen die Pikten, es folgten keltische Stämme aus Irland, Sachsen und Norweger. Als die Normannen in England einfielen, flohen viele englische Adlige nach Norden. Nicht selten wurden sie in den Lowlands, an den Borders, ansässig, und ihre Nachkommen ritten später unter den »Eisenkappen« als Rinderdiebe bei den Überfällen auf englische Nachbarn mit.

Ein Land, das ein eigenständiges Königtum entwickelte, ein Land, in dem das gälisch-katholische Christentum vom römisch-katholischen verdrängt wurde, in dem zumindest seit 1295 die Auld Alliance, also das politische Bündnis zu Frankreich besteht.

Ein Land aber auch, in dem die Wikinger und die norwegischen Könige eine Rolle spielten, in dem über ein paar Jahrhunderte die Stuarts an der Macht waren, die Stuarts, die nach England und Frankreich heirateten, was zu fast ununterbrochenen Konflikten zwischen England und Schottland führte. Bis schließlich, seit dem Besuch des englischen Königs George IV. und während der Regierungszeit der Königin Victoria in England eine neue romantisierende Schottland-Begeisterung ausbrach.

Ein Land, dessen Natur durch die Wirtschaft kaum beeinträchtigt wird, weil Schwerindustrie nach dem Niedergang der Schiffs- und Stahlindustrie selten geworden ist.

Ein Land mit einem kulturellen Erbe von europäischer Ausstrahlung. Um nur fünf Orte ziemlich willkürlich herauszugreifen, die nicht allein für schottische, sondern auch für europäische Kulturgeschichte von Bedeutung sind, Orte, deren Aura auf jeden Besucher einen besonders nachhaltigen Eindruck machen wird:

Skara Brae: jene zufällig ans Tageslicht gekommene menschliche Siedlung, die ungefähr zwischen 3100 bis 2500 v. Chr. angelegt wurde.

Iona: Colum Cille’s Insel, Wiege des Christentums in Schottland, Entstehungsort des wunderbaren Book of Kells2, das heute im Trinity College in Dublin aufbewahrt wird, Begräbnisstätte von 48 schottischen, vier irischen und acht norwegischen Königen. Whithorn: Zentrum des britischen Handels während der römischen Besetzung des Südostens von England, in Galloway, im Südwesten der Lowlands gelegen, im Mittelalter Ziel von Wallfahrten aus ganz Nordwesteuropa bis zu deren Verbot 1581 durch das (protestantische) schottische Parlament.

Kirkwall: Die St.-Magnus-Kathedrale, aus rotem Sandstein errichtet, inspiriert von normannischer Bautradition.

Schließlich, um die Moderne nicht zu vergessen: Helensburgh bei Glasgow: und hier Hill House, das weiße Haus über der Clyde-Mündung, erbaut von Charles Rennie Mackintosh um 1903 für den Verleger Walter Blakie für 5.000 Pfund, ein Haus als Gesamtkunstwerk, romantisch, märchenhaft und durchaus fraglich, ob im Alltag praktisch, aber von einer konzentrierten Schönheit.

Zu preisen wären Schottlands Gärten und Parks: beispielsweise der von Inverewe im Norden, jener andere um das Macbeth-Schloss Cawdor Castle in den östlichen Highlands, die Botanischen Gärten von Edinburgh, Glasgow und Logan und der schier endlose Park um Castle Kennedy, die beiden letzteren in Galloway. Besser noch wäre es, einmal in der Woche dort spazieren gehen zu können.

Es muss noch ein Wort zum Essen und Trinken gesagt werden, zum Haggis als Fabeltier und als rituell servierte Speise: Der Haggis-Segen des schottischen Nationaldichters Robert Burns3 muss darüber gesprochen, der mit Innereien und Hafer gefüllte Schafsdarm dann mit zwei Dolchen zerteilt werden!

Das Schottland der Märchenphantasie und das Schottland der Wirklichkeit sind einander, wie man entdecken wird, nahe. Wer das eine kennt, wird das andere besser verstehen und genießen können. Andererseits begreift man, wenn man die Szenerien des realen Schottlands sieht, dass dies ein Land ist, das phantastische Geschichten geradezu suggeriert. Die Würze bei all dem ergibt sich aus dem besonderen Erzählsinn der Kelten und der bei ihnen ausgeprägten und lange beibehaltenen Tradition der mündlichen Überlieferung.

In diesem Sinn: Auf zu ein paar Spaziergängen durch den schottischen Zauberwald, er ist schier endlos und hält für den neugierigen und ausdauernden Wanderer immer neue Überraschungen und Entdeckungen alten, schon unterzugehen drohenden Wissens bereit.

Die Highlands

Die Highlands beginnen nördlich von Edinburgh und Glasgow. In früheren Zeiten waren die Menschen der wildromantischen Landschaft der tiefen Fjorde, der Hochmoore und Gebirge in Clans organisiert. Frühe Aufzeichnungen zeigen, dass es das Clansystem in Schottland mindestens seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. gab.

Nahezu alle Highland-Clans haben ihren Ursprung in Irland, die »echten« Clansnamen erscheinen im 10., 11. und 12. Jahrhundert. Die meisten Genealogien werden zurückgeführt auf Loarn, Sohn des Erc, einen jener drei Brüder, die Ende des 5. Jahrhunderts in Argyllshire das Königreich Dalriada gründeten.

Die Campbells scheinen rein legendären Ursprungs und die MacLeods und Nicholsons haben starke nordländische Elemente in ihren Stammbäumen.

Das Konzept des Clans unterscheidet sich von dem des Stammes, indem der wesentliche Gesichtspunkt des Clans die Blutsverwandtschaft ist, während der Stamm (tuath) eine territoriale Basis besitzt. Das Wort dann bedeutet Nachkommen oder Kinder.

Die Mitglieder eines Clans trugen einen gemeinsamen Namen und dieser Name leitete sich von einem gemeinsamen Ahnen her, der in einigen Fällen eher eine heidnische Gottheit gewesen sein dürfte als eine historisch-reale Person. Der Clanchef genoss ein halb göttliches Ansehen, seine Entscheidungen hatten absolute Geltung, auch konnte er von seinen Männern unbedingte Loyalität fordern. Er war der tatsächliche Besitzer des Landes, das er an die Clansmänner verlieh, die ihm dafür Abgaben zahlten und im Kriegsfall Waffendienste leisteten. Bei Loyalitätskonflikten zwischen König und Clanchef hatte letzterer immer den Vorrang.

Die Clans wurden in Notzeiten mit dem Fiery Cross zu einem besonderen Versammlungsplatz zusammengerufen. Zwei Männer trugen jeweils einen Baumstamm, dessen Holz über dem Feuer geschwärzt worden war, durch das Clangebiet und riefen dazu die militärische Parole. Sobald sie müde wurden, löste man sie ab. Jeder Mann griff daraufhin sofort zu den Waffen und eilte zur Sammelstelle, um die Befehle der Clanchefs entgegenzunehmen.

Clanmitglieder waren an besonderen Abzeichen zu erkennen und noch heute weisen sie ihre Zugehörigkeit durch das Webmuster ihres Tartans4, der traditionellen Kleidung der männlichen Highlander, aus. Aber das war nicht immer so. Die MacDonalds erkannte man früher an einem Sträußchen Heidekraut; dementsprechend war es auch ihr Kriegsruf, nämlich toach. Die Grants trugen Fichtenzweige, die MacIntoshes eine Stechpalme.

In gewissem Sinn war die Wahl der Abzeichen durch etwas bestimmt, was in der Gegend wuchs, aus der der Clan stammte, aber es ist denkbar, dass man den als Abzeichen gewählten Pflanzen ursprünglich auch magische Wirkung zuschrieb.

Die Clans waren häufig untereinander bis aufs Blut verfeindet und man könnte Bände mit Berichten über solche Clanfehden füllen.

Der Ursprung der Tartans, soll im 15. Jahrhundert in der Regierungszeit James III. liegen. Der Tartan war zunächst aus grobem Stoff, die frühesten Beschreibungen schottischer Armeen sprechen davon, dass die Krieger fast nackt gingen und farbige Westen trugen.

Das breacan-feile, das gemusterte Tuch, ist noch heute das traditionelle Bekleidungsstück der Highlander. Es besteht aus einem einfachen Tartanstoff, sechs Yards lang und zwei Yards breit, die plaid wird um die Hüfte gelegt und mit einem Ledergürtel befestigt, so dass das Unterteil bis auf die Mitte des Kniegelenks fällt. Der obere Teil wird mit einer Brosche oder Nadel an der linken Schulter zusammengehalten, die rechte längere Seite des Tuchs wird in den Gürtel gesteckt. Vorn trägt der Highlander den sporan, eine Tasche aus Ziegenhaut oder Dachsfell. Sie ist in mehrere Fächer unterteilt und enthält die Uhr und das Geld.

Ursprünglich gingen die meisten Highlander barfuß, manche banden Fetzen ungegerbter Häute um ihre Füße. Der Gebrauch von Strümpfen kam verhältnismäßig spät auf. Sie bestanden ursprünglich aus demselben Stoff und hatten dieselben Muster wie der Tartan. Die Strumpfgürtel waren breit und von kräftigen Farben. Die Mütze mit verschiedenen Mustern vervollständigte die Nationaltracht, hinzukam das Breitschwert, im Gürtel steckten häufig ein Paar Pistolen und ein Löffel.

Die reichen Gegenden in den Lowlands waren ein beliebtes Ziel ihrer Raubzüge, bei denen sie vor allem die Viehherden forttrieben. Da die Highlands damals schwer zugänglich waren, war es fast unmöglich, die Räuber zu verfolgen oder gar zu fangen.

Die Lowlands

Die Lowlands umfassen das Gebiet südlich der Linie Glasgow - Edinburgh und den Cheviotbergen. Sehr zu Unrecht ist dem Touristen über lange Jahre hin immer geraten worden, hier einfach durchzufahren, denn Schottland, das seien doch die Highlands. Viele Fremde meinen deshalb, Schottland beginne erst hinter Glasgow. Sie verpassen so einige der schönsten und geschichtsträchtigsten Landschaften. In Jedburgh beispielsweise, der ersten schottischen Stadt jenseits der Grenze von Carter Bar, stößt man auf das Haus, von dem aus Maria Stuart mit ihrer Hofdame Mary Fleming nach Hermitage Castle zu ihrem Geliebten Bothwell aufbrach. Galloway Forest spielte im Kampf Schottlands um seine Eigenständigkeit eine wichtige Rolle. Hier schlug 1307 Robert the Bruce, der sich damals auf der Flucht befand, mit einer kleinen Schar von Anhängern die überlegenen englischen Streitkräfte. Culzean Castle an der Westküste sollte man besuchen, nicht nur wegen der phantastischen Aussicht auf den Firth of Clyde und wegen der walled gardens, sondern auch, weil es eines der Meisterwerke des berühmten schottischen Architekten Robert Adam darstellt.

Oder nehmen wir das vielleicht schönste schottische Märchen, die Geschichte von Tam Lin, den die Feen entführen und den seine Liebste Janet am Halloweentag auf dem Kreuzweg erlöst. Das Gehöft Carterhaugh hat sich bis in unsere Tage in den Lowlands erhalten. Es gäbe noch hundert Beispiele mehr für die Behauptung, dass, wer die Lowlands nicht kennt, nur das halbe Schottland kennt.

Freilich sind die Lowlands, wenn man sie von England her betritt, eine »etwas andere Welt«, deren Menschen das Scottish Tourist Board als »freundlich, gastlich, aber wildwütig auf ihre Unabhängigkeit bedacht« charakterisiert. Zudem gilt es nun für den Fremden, eine neue Sprache zu lernen. Statt shopping heißt es messages, statt know ken, Kartoffeln sind tatties, Jungen sind loons.

Es gibt zwischen der Grenze und Edinburgh die belebte Autobahn, auf der der Fernverkehr von Süden nach Norden und von Norden nach Süden rollt. Zudem liegt im Osten die Durchgangsstraße von Glasgow nach Carlisle, die mit Lastwagenverkehr meist stark belegt ist. Im Übrigen aber braucht man nur ein paar Meilen von den großen Verkehrsadern abzuweichen und man kommt in ein Land, das gegenüber den Highlands einen eher sanften Reiz hat.

Es sei das atavistische Gefühl, wieder in seinem eigenen Land zu sein, das wohl auch die Border-Räuber empfunden hätten, wenn sie von ihren Rinderdiebstählen jenseits der Grenze aus England zurückkamen.

Tatsächlich kommt man hier in einen Landesteil ganz individueller Atmosphäre und höchst unterschiedlicher Landschaften, die vom Meer oder dessen oft tief eingeschnittenen Buchten, häufiger noch von lieblichen Flussläufen geprägt werden. Ein merkwürdiges Phänomen ist es, dass eine der markantesten Landschaften in den Lowlands Southern Uplands genannt wird. Erst fährt man durch ganze Staffeln von Hügeln mit abgeplatteten Spitzen, über von Wind und Regen gegerbte Moore mit engen Glens (Tälern), rasch fließenden Bächen und schwarzblauen Lochs. Die Uplands erstrecken sich über das ganze mittlere Südschottland. In ihrem Westen liegt das für den von Glasgow kommenden Touristen überraschend auftauchende große Waldgebiet des Galloway Forest Parks mit den höchsten Erhebungen des Südens.

Von Ardrossan setzt man mit der Fähre auf die Isle of Arran über und von dort nach Kintyre. Wieder kommt man in eine andere Welt, in der man verlockt wird, von Insel zu Insel springend, auch noch Gigha, Islay Jura zu besuchen. Denn hier gerät man immer tiefer in die wohltuende Stille, die einen auch schon auf dem Festland umgibt, und sieht sich einer wild-bizarren Natur gegenüber, ähnlich der der Highlands, die man gern als Wanderer näher in Augenschein nehmen möchte. Von der Küste bei Campbelltown aus hebt sich in der Ferne Nordirland als blauer Schatten aus dem Meer. Von Whithorn, im Süden von Galloway, ist es nicht Irland, sondern die Isle of Man, die sich am Horizont aus dem Dunst schält. Und schließlich finde ich in meiner Erinnerung den Umriss jenes geheimnisvollen Eilands wieder, das man, von Culzean Castle aus gegen Süden blickend, bei einigermaßen klarem Wetter nicht übersehen kann: die Feeninsel, bei deren Anblick man plötzlich begreift, wie die keltische Vorstellung von einer Anderswelt entstanden sein mag. In den zentralen Lowlands erblickt man fast überall am Horizont die drei Spitzen der Eildonberge, wie überhaupt in dieser Landschaft die Zeugnisse früherer vulkanischer Tätigkeit nicht zu übersehen sind.

Wieder zurück im Südwesten der Lowlands, lassen sich die Rhinns of Galloway und in den Machars eine ganze Anzahl prächtiger Parks und Gärten erkunden, die allein den Besuch in dieser Region lohnen. Schließlich liegt dort auch das bereits erwähnte Whithorn, das sich mit einiger Berechtigung »Wiege der Christenheit« nennt und wo der Besucher, dank der umfangreichen Ausgrabungen während der letzten Jahrzehnte, sein Wissen um Schottlands frühe Geschichte erweitern kann.

Vor 1500 Jahren, als die römische Herrschaft gerade zusammenbrach, baute St. Ninian, Schottlands erster Heiliger, hier eine Kirche. Sie und der Schrein wurden nach St. Ninians Tod bis zur Reformation zum Zielpunkt von Pilgern aus ganz Nordwesteuropa. Beide standen bei den Einwohnern Northumbrias, bei den christlich gewordenen Wikingern und bei den Schotten selbst, in hohem Ansehen. Eine Kathedrale nahm schließlich die Gebeine des Heiligen auf.

Nicht weit entfernt an der Colvend Küste liegt Rockcliff, wo man auf einem Hügel, nun von üppiger Vegetation überwuchert, auf ein dun (Fort) der Pikten stößt, das den Archäologen insofern Rätsel aufgibt, als die Fugen zwischen den Steinmauern aus einer glasartigen Flüssigkeit bestehen, deren Herstellung eine Temperatur von 1150 Grad Celsius voraussetzt.

Im Norden der unwirtlichen Cheviot Hills, die sich quer über die Borders hinziehen, liegen im Tal des Tweed eine Reihe schmucker kleiner Landstädte. Hier befand sich zur Zeit der Stuartkönige deren bevorzugtes Jagdgebiet. Am Ufer des Tweed, vor allem in Peeblesshire, erkennt man auf den Höhen immer wieder turmartige Befestigungen, peels genannt.

Gerade so, wie die Border-Schafe ihre angeblich besonders langfaserige Wolle an Zäunen und Grashalmen als Spuren ihres Weidens zurücklassen, ist die Gegend durch unsichtbare Fäden der Erinnerung mit der Vergangenheit verbunden. Jene Ereignisse, die bis heute am stärksten nachwirken, sind die langen Grenzkriege, die Ritte der border reivers oder moss troopers, deren Zeugnisse und Orte der Handlung freilich nun auch unter romantischer Verklärung zum Anlocken der Touristen herhalten müssen. Gerade deshalb muss man die geschichtliche Realität kennen, wenn man den Geist dieser Landschaft und das Fühlen und Denken der Menschen, die in ihr leben, verstehen will.

Der Begriff border kann leicht missverstanden werden, da nicht alle countries der Lowlands an England grenzen. Im Sinn von Verwaltungseinheiten gesprochen, gehören Berwickshire, Roxburgh, Ettrick, Lauderdale und Tweeddale im engeren Sinn zur Border, während weiter im Westen Dumfries und Galloway und das Land am Solway Firth von den Traditionen, die mit ihr im Zusammenhang stehen, weit weniger geprägt sind.

Es waren die Römer, die mit dem Hadrianswall vom Solway Firth über Carlisle nach Newcastle im Osten im Jahr 123 v. Chr. die erste einschneidende Grenze setzten.

Sie liegt (südlich) außerhalb des eigentlichen Schottlands. Doch unter dem zunehmenden Druck der verschiedenen keltischen Stämme zogen sich die Römer schließlich von diesem, ihrem nördlichsten Vorposten zurück. Wichtig zu wissen ist, dass bei der normannischen Invasion unter William dem Eroberer viele Angelsachsen nach Norden flüchteten. Darunter auch Prinzessin Margaret, die den schottischen König Malcolm heiratete.

1072 marschierte William nach Norden und stellte Malcolm vor die Alternative: Unterwerfung oder Krieg. Zwischen diesen beiden Kontrahenten ging die Auseinandersetzung noch unentschieden aus: Sie starben, ohne dass sich die Lage eindeutig geklärt hätte. Williams Nachfolger Rufus gelang es, den Schotten 1092 Carlisle abzunehmen, Stadt und Burg aufzubauen und mit ihr einen wichtigen englischen Machtfaktor zur Sicherung der Grenze zu schaffen. Es folgte eine Zeit des Friedens zwischen den Nachbarn, die damit endete, dass, Ironie des Schicksals, 1286 König Alexander III. von Schottland von einer Klippe stürzte und starb, weil er es eilig hatte, bei Nacht heim zu seiner schönen Frau zu kommen. Der schottische Thron ging damals auf ein Kind, seine Enkeltochter Margaret, über, die Edward I. von England halb unter Zwang mit seinem Sohn verheiratete. Aber 1290 starb Margaret und Edward machte seine Marionette Balliol zum Herrscher über Schottland. Da drängte es offenbar beide Seiten zu einer Auseinandersetzung. Die Engländer kassierten schottisches Eigentum im Süden, die Schotten richteten unter englischen Matrosen ein Massaker an. Balliol schlug sich ins schottische Lager, weil er sich in eine schottische Adlige verliebt hatte. Der Krieg begann. Die Schotten kamen über die Grenze und brannten Carlisle nieder. Edward fiel in Schottland ein und tötete bei der Einnahme von Berwick zwischen 7000 und 8000 Menschen, nach offizieller Schreibweise »jeden Waffen tragenden Mann«, nach inoffizieller Version auch Frauen und Kinder. Edward schlug das schottische Heer bei Dunbar und brachte den heute noch wichtigen »Stein des Schicksals«, die Reliquie der schottischen Königswürde, an sich. Er sicherte sich die Unterstützung der schottischen Großgrundbesitzer und der Kirchenmänner und ließ einen ältlichen, inkompetenten Gouverneur zurück.

Danach erlebte Edward, was seitdem viele englische Herrscher und Politiker erlebt haben: Es ist leichter, Schottland zu besiegen als es zu beherrschen. Die Unzufriedenheit mit der englischen Verwaltung ausnutzend, stellte William Wallace, Sohn eines Adligen aus Renfrewshire, eine Armee aus Fußvolk zusammen, die im September 1297 die aus Bogenschützen und Kavallerieverbänden bestehenden englischen Truppen bei der Überquerung des Forth bei Stirling entscheidend schlugen. Zwar wurde dieser schottische Volksaufstand 1298 niedergeworfen. Wallace wurde gefangen genommen und 1305 in London wegen Hochverrats verurteilt, enthauptet, sein Leichnam gevierteilt, Teile in Newcastle, Berwick, Stirling und Perth zur Abschreckung öffentlich ausgestellt, während der Kopf die London Bridge zierte. Doch schon 1314, unter seinem Enkel Robert the Bruce, der 1306 in Scones zum schottischen König gekrönt worden war, regte sich der schottische Widerstand abermals. Bei Bannockburn wurden die Engländer geschlagen, aber Bruce, der keine Reiterei besaß, konnte ihnen nicht nachsetzen.

Es war in dieser Epoche, dass sich im Land nördlich und südlich der Grenze eine nun lange gültige Lebensform mit eigenen Verhaltensmustern abzeichnete.

Für den durchschnittlichen Einwohner der Borders bestand zwischen Krieg und Frieden kein großer Unterschied. In den anglo-schottischen Kriegen gab es keinen Gewinner und sie konnten jederzeit wieder ausbrechen.

Es lohnte sich für die Leute einfach nicht, sich irgendwo fest niederzulassen, selbst nicht im so genannten Frieden. Wozu auch, wenn man Gefahr lief, dass die Ernten noch auf dem Halm verbrannt wurden? Warum sich ein Haus bauen, wenn es einem schon nächste Woche angesteckt werden konnte? Warum Kinder ein friedliches Gewerbe lernen lassen, wenn sie in einer Gesellschaft aufwuchsen, die im Grunde von Raub und Verderben lebte?

Natürlich nahm unter solchen Umständen der nationale Hass ständig zu. Und immer war das jeweils andere Land an allem schuld und es war ganz selbstverständlich, dass man berechtigt war, Rache zu nehmen. Verschärft wurde die allgemeine Unsicherheit noch dadurch, dass beide Regierungen sich offiziell über die Untaten empörten, aber gleichzeitig das Bestehen mobiler Kampfverbände für ihre Zwecke nutzten.

Unter den so genannten reivers (Räuber, Plünderer) ritten Adlige und Landarbeiter mit, einige waren lediglich Räuber, andere teilten ihre Zeit zwischen Arbeit in der Landwirtschaft und den Räubereien. Häufig fanden sich ganze Großfamilien in den Räuberhaufen zusammen. Unter den Trupps aus Liddesdale tauchen die Namen der Elliots, Armstrongs und Nixons immer wieder auf, unter denen aus Tynedale waren die Charltons, Dodds, Burns und Robsons ständig vertreten.

George MacDonald Fraser5 stellt fest: »Offensichtlich kannten die Raubzügler einander, dieselben Leute ritten immer zusammen und es gibt Hinweise auf eine ausgeprägte professionelle Loyalität, ob man nun derselben Familie angehörte oder nicht. Das berufliche Band spannte sich oft auch über die Grenze hinweg, Engländer ritten in schottischen Trupps mit und umgekehrt.

Die Raubzüge begannen meist mit einem tryst, einem Rendezvous, bei dem über die letzten Einzelheiten und Ziele beraten wurde. Dann ging’s ins Feindesland, man stahl Getreide oder Vieh, machte mit der Beute sofort kehrt, um möglichst noch in derselben Nacht wieder zur eigenen Familie zu stoßen. Zum Anführer brachte es, wer besonders sichere Wege durch die Wildnis oder Verstecke kannte, in die man sich samt der Großfamilie und der Beute verkroch und für eine Weile unsichtbar blieb.«

Die Ritte der reivers hielten bis in die Regierungszeit James I. beziehungsweise VI., König von England und Schottland, des Sohnes von Maria Stuart, an. Die Beamten, die er ernannte, um die Borders zu befrieden, gingen hart vor und die damals begangenen Greueltaten sollen nicht beschönigt werden.

Immerhin kann man George MacDonald Fraser wohl zustimmen, der schreibt:

»Abermals muss man das, was da geschah, im größeren Zusammenhang betrachten. James war entschlossen, aus einem zweigeteilten Land eines zu machen, die alten Streitigkeiten zu begraben und den Frieden herzustellen. Es war nicht seine Art, dabei übermäßig friedfertig oder geduldig vorzugehen. Wer die Borders und ihre Geschichte kennt, wird ihn dafür nicht nur tadeln ... es ist richtig, dass man mit den ›Border-Reitern‹ harsch verfuhr, aber man muss dazu auch sagen, dass sie ihrerseits nicht zimperlich gewesen waren. Ohne Zweifel kam es bei der Befriedung der Borders zu Ungerechtigkeiten und Ausschreitungen, aber indem man das feststellt, werden die Opfer nicht edler.«

Interessant ist in diesem Zusammenhang die mit Ironie getränkte Äußerung Alastair M. Dunnetts, eines Highlanders unserer Tage: »Zusammen mit meinem Clan und meiner Verwandtschaft habe ich von der Geschichte her Grund genug, den Borders und ihren Bewohnern dankbar zu sein. Für viele Jahrhunderte hielten sie uns die ständig anrennenden Engländer vom Leib oder beschränkten ihr Vordringen auf den Süden von Schottland. So konnten wir im Norden und Westen weiter unsere kleinen Clanfehden und Gefechte austragen und immerhin für kurze Zeit ein unsicheres jakobitisches Königreich errichten. Indem sie wie die Israeliten der alten Zeit so verfuhren, entwickelten die reivers sich zu einer kämpfenden Macht, deren Ruhm, was immer ihre eigenen Forderungen gewesen sein mögen, selbst ihre bittersten Feinde nicht bestritten.« Hier ist von Ruhm und Ehre die Rede, aber man muss auch die katastrophalen Folgen der Raubzüge und Brandschatzungen an der Grenze erwähnen. Allein während der Invasion der Engländer 1544 bis 1545 wurden vier der großartigsten königlichen Abteien, nämlich Kelso, Jedburgh, Melrose und Dryburgh, zerstört, Gebäude, so eindrucksvoll in ihrer architektonischen Gestaltung, dass Scharen von Touristen noch heute die Ruinen besuchen.

Die Stadt Kelso wurde wieder aufgebaut, nicht so die Abtei. Abteien niederzubrennen hatte Tradition. Der englische König Richard II. verbrachte eine Nacht in Melrose, am nächsten Tag hatte er schlechte Laune, weil seine Invasionspläne sich als undurchführbar erwiesen hatten. Also verbrachte er den Nachmittag damit, die Abtei niederbrennen zu lassen. Viele Jagdschlösser schottischer Könige lagen im Bereich der Border. Von Zeit zu Zeit nahmen die englischen Herrscher auf den Feldzügen solche Residenzen ein und bewohnten sie mit ihrem Hofstaat. Ehe sie abzogen, steckten sie sie meist in Brand, damit die andere Seite darin nicht Winterquartier nehmen konnte. Dies gilt beispielsweise für Roxburgh, einst die viertwichtigste und bevölkerungsreichste Stadt Schottlands. Ein schottischer König heiratete dort, ein anderer wurde dort geboren, ein dritter kam in Roxburgh ums Leben. Danach wechselte die Stadt so häufig den Besitzer, dass schließlich Stadt und Schloss von der Landkarte verschwanden und es heute dort nur ein paar grasüberwucherte Steine gibt.

1Ein Urvolk, das von der Göttin Danu abstammen soll.

2Enthält die vier Evangelien als auch aufwändige Abbildungen von Maria, Christus und den Evangelisten.

3(1759-1796)

4Plaid in buntem Karomuster, karierter Umhang der Schotten.

5Schottischer Autor historischer Romane und Drehbücher (1925-2008).

Helden- und Abenteuergeschichten

Die Abenteuer des Mac Ian Direach

Als die Welt noch jünger war, lebte ein Königssohn, dessen Name war Ian Direach, das bedeutet so viel wie »Ehrlicher John«. Er war ein großer Jäger und als er eines Tages die Wälder durchstreifte, mit Pfeil und Bogen in der Hand, sah er über sich den schönsten Vogel, den man sich vorstellen kann, einen blauen Falken.

Rasch surrte sein Pfeil durch die Luft, aber der Falke entkam dem Geschoss und nur eine blaue Feder fiel auf die Erde herab.

Ian hob die Feder auf und als er heimkam, zeigte er sie seiner Stiefmutter, der Königin.