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Alt zu werden ist nicht schwer, alt zu sein dagegen sehr… Das kleine Werk von knapp 150 Seiten ist voller Lebensweisheiten, voll Witz und Originalität. Es nimmt Alltägliches unter die Lupe und existenzielle Fragen. Es unterhält und lädt zum Nachdenken ein. Das Buch hat seinen Zweck erfüllt, wenn man es – nach vollendeter Lektüre - mit einem Lächeln weglegt ...
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Weises und Witziges
zum Thema Altwerden
Man möchte leben
ohne zu altern;
und man altert in Wirklichkeit
ohne zu leben.
(Alexander Mitscherlich)
Sprüche und Texte von Philosophen und Humoristen, Lebenskünstlern und Wissenschaftlern, bekannten und unbekannten Autoren
Auswahl: Bernhard Weber
Für Heidi
Der Herausgeber, Bernhard Weber (Jg. 1937) hat schon mehrere Sammelwerke veröffentlicht.
Zuletzt erschien (im Herbst 2015) der Band „Humoristisches Kurzfutter aus der Schweiz“, der die grösste je herausgegebene Sammlung von humoristischen Gedichten, verfasst von Schweizer Autoren, enthält.
Wilhelm Busch
Über das Älterwerden
Das grosse Glück, noch klein zu sein,
sieht mancher Mensch als Kind nicht ein
und möchte, dass er ungefähr
so 16 oder 17 wär‘.
Doch schon mit 18 denkt er: „Halt!
Wer über 20 ist, ist alt.“
Warum? Die 20 sind vergnüglich –
auch sind die 30 noch vorzüglich.
Zwar in den 40 – welche Wende –
da gilt die 50 fast als Ende.
Doch in den 50, peu à peu,
schraubt man das Ende in die Höh‘!
Die 60 scheinen noch passabel
und erst die 70 miserabel.
Mit 70 aber hofft man still:
„Ich schaff‘ die 80, so Gott will.“
Wer dann die 80 biblisch überlebt,
zielsicher auf die 90 strebt.
Dort angelangt, sucht er geschwind
nach Freunden, die noch älter sind.
Doch hat die Mitte 90 man erreicht
- die Jahre, wo einen nichts mehr wundert -,
denkt man mitunter: „Na – vielleicht
schaffst du mit Gottes Hilfe auch die 100!“
Über den Humor
Humor ist mehr als Comedy und Witzemachen. Humor ist, wie der Duden das einmal formulierte, „die Gabe eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen“. So verstanden ist Humor also etwas, das dem Menschen hilft, mit Widrigkeiten klarzukommen. Humor zeigt vielleicht erst gerade dann seine wohltuende Wirkung, wenn es Menschen schlecht geht… (Klaus Aurnhammer und Martina Kern)
Wo der Humor erscheint, da weichen Dummheit und Langeweile samt dem verwandten Gesindel. Er ist der Bruder der Phantasie, an seinem Weg spriessen Blumen. (Reinhold Rüegg)
Vom Umgang mit Ratschlägen
Wem nicht zu raten ist, ist auch nicht zu helfen.
(Deutsches Sprichwort)
Höre jeden Rat, aber befolge keinen –
also auch diesen nicht. (Herkunft unbekannt)
Man muss immer die klugen Leute um Rat fragen und dann das
Gegenteil von dem tun, was sie raten. (Heinrich Heine)
Zu was soll man den Leuten einen Rat geben? Ein Kluger braucht ihn nicht, und ein Dummer befolgt ihn nicht.
(Fliegende Blätter, 1845-1928 in München erschienen)
Der Weise findet gar bei Narren Rat…
(Aus Frankreich)
Das Schreckgespenst Alter
Neu-alt, Jugend-Alter
Die Alten haben Falten
Alt werden ist eine Gunst, alt sein eine Kunst
Das störrische Gedächtnis
Den einen zwickt‘s da, die andern dort
Aktivität und Musse
Sagenhafte Schweizer Langlebigkeit
Zwei uralte Fabeln
Wir sind privilegiert!
Glück oder Unglück, wer weiss das schon?
Liebe
Beethoven - ein unglaubliches Schicksal
Blicke in den Rückspiegel
Werden und Vergehen
Hinterlassenschaften
Kannitverstan
Was ist das Leben?
Das Alter
Das Alter ist ein höflich Mann:
Einmal über‘s andre klopft er an.
Aber nun sagt niemand: Herein!
Und vor der Türe will er nicht sein.
Da klinkt er auf, tritt ein so schnell,
Und nun heisst’s, er sei ein grober Gesell.
(Joh. W. Goethe, 1749-1832)
Fit ins neue Lebensalter!
ging auch in früheren Zeiten um…
Alte Karren knarren.
(Alter Spruch / Deutschland)
Die Jahre, die vergehen, rauben uns ein Glück nach dem andern.
(Horaz, 65-8 v. Chr., römischer Satiriker und Dichter)
Alte tun, als lebten sie nicht mehr,
träg, unbehülflich und wie Blei so schwer.
(William Shakespeare, 1564-1616)
Die zweite Hälfte des Lebens ist oft nur noch der Katzenjammer von der ersten.
(Aus „Fliegende Blätter“, erschienen 1845-1928 in München)
Die Lebenszeit
Die Geschichte der Gebrüder Grimm, die sich anlehnt an eine uralte Fabel von Äsop (um 550 v. Chr.) zeichnet ein recht garstiges Bild vom Alter des Menschen…
Als Gott die Welt geschaffen hatte und allen Kreaturen ihre Lebenszeit bestimmen wollte, kam der Esel und fragte: „Herr, wie lange soll ich leben?“ „Dreissig Jahre“, antwortete Gott, „ist dir das recht?“ „Ach Herr“, erwiderte der Esel, „das ist eine lange Zeit. Bedenke mein mühseliges Dasein: vom Morgen bis in die Nacht schwere Lasten tragen, Kornsäcke in die Mühle schleppen, damit andere das Brot essen, mit nichts als mit Schlägen und Fusstritten ermuntert und aufgefrischt zu werden! Erlass mir einen Teil der langen Zeit.“ Da erbarmte sich Gott und schenkte ihm achtzehn Jahre. Der Esel ging getröstet weg, und der Hund erschien. „Wie lange willst du leben?“ sprach Gott zu ihm, „dem Esel sind dreissig Jahre zu viel, du aber wirst damit zufrieden sein.“ „Herr“, antwortete der Hund, „ist das dein Wille? Bedenke, was ich laufen muss, das halten meine Füsse so lange nicht aus; und habe ich erst die Stimme zum Bellen verloren und die Zähne zum Beissen, was bleibt mir übrig, als aus einer Ecke in die andere zu laufen und zu knurren?“ Gott sah, dass er recht hatte und erliess ihm zwölf Jahre. Darauf kam der Affe. „Du willst wohl gerne dreissig Jahre leben?“ sprach der Herr zu ihm, „du brauchst nicht zu arbeiten wie der Esel und der Hund, und bist immer guter Dinge.“ „Ach Herr“, antwortete er, „das sieht so aus, ist aber anders. Wennʹs Hirsenbrei regnet, habe ich keinen Löffel. Ich soll immer lustige Streiche machen, Gesichter schneiden, damit die Leute lachen, und wenn sie mir einen Apfel reichen und ich beisse hinein, so ist er sauer. Wie oft steckt die Traurigkeit hinter dem Spass! Dreissig Jahre halte ich das nicht aus.“ Gott war gnädig und schenkte ihm zehn Jahre. Endlich erschien der Mensch, war freudig, gesund und frisch und bat Gott, ihm seine Zeit zu bestimmen. „Dreissig Jahre sollst du leben“, sprach der Herr, „ist dir das genug?“ „Welch eine kurze Zeit!“ rief der Mensch, „wenn ich mein Haus gebaut habe und das Feuer auf meinem eigenen Herde brennt: wenn ich Bäume gepflanzt habe, die blühen und Früchte tragen und ich meines Lebens froh zu werden gedenke, so soll ich sterben! O Herr, verlängere meine Zeit.“ „Ich will dir die achtzehn Jahre des Esels zulegen“, sagte Gott. „Das ist nicht genug“, erwiderte der Mensch. „Du sollst auch die zwölf Jahre des Hundes haben.“ „Immer noch zu wenig.“ „Wohlan“, sagte Gott, „ich will dir noch die zehn Jahre des Affen geben, aber mehr erhältst du nicht.“ Der Mensch ging fort, war aber nicht zufriedengestellt.
Also lebt der Mensch siebenzig Jahr. Die ersten dreissig sind seine menschlichen Jahre, die gehen schnell dahin; da ist er gesund, heiter, arbeitet mit Lust und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen die achtzehn Jahre des Esels, da wird ihm eine Last nach der andern aufgelegt; er muss das Korn tragen, das andere nährt, und Schläge und Tritte sind der Lohn seiner treuen Dienste. Dann kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt er in den Ecken, knurrt und hat keine Zähne mehr zum Beissen. Und wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die zehn Jahre des Affen den Beschluss. Da ist der Mensch schwachköpfig und närrisch, treibt alberne Dinge und wird ein Spott der Kinder.
Das Alter ist nicht arm an Freuden…
Das Alter ist nicht bloss ein Abbauen und Hinwelken; es hat, wie jede Lebensstufe, seine eigenen Werte, seinen eigenen Zauber, seine eigene Weisheit, seine eigene Trauer. (Hermann Hesse, 1877-1962)
So wie nicht jeder Wein mit dem Alter sauer wird, so wird auch nicht bei jedem Menschen das Alter sauer…(Cicero, 107-43 v. Chr.)
Es gibt Freuden für jedes Alter und Genüsse für jede Stufe der Geister. (Friedrich Schiller, 1759-1805)
Ich finde das Alter nicht arm an Freuden; Farben und Quellen dieser Freuden sind nur anders. (Alexander von Humboldt, 1769-1859, deutscher Naturforscher)
Das Alter hat zwei grosse Vorteile: Die Zähne tun nicht mehr weh, und man hört nicht mehr all das dumme Zeug, das ringsum gesagt wird.
(George Bernard Shaw, 1856-1950, irischer Dramatiker)
Der Herbst des Lebens streut die buntesten Blätter auf unseren Weg.
(Chinesische Weisheit)
Schade!
Das Leben wäre viel schöner, wenn wir als 80-Jährige geboren würden und langsam, langsam die 18 erreichten.
(Mark Twain, 1835-1910, US-amerikanischer Erzähler und Satiriker)
Das Leben ist voller Anfänge – bis ins hohe Alter
Stufen (Hermann Hesse, 1877-1962)
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Griechische Philosophen reden über das Alter
Sobald mich nun Kephalos erblickte, begrüsste er mich und sagte: „Sokrates, du kommst aber auch gar nicht oft zu uns in den Peiraieus hinab. Und doch solltest du das tun... Je mehr mir die leiblichen Genüsse verblassen, desto grössere Lust und Freude habe ich an Gesprächen…“
„Auch ich , Kephalos,“ erwiderte ich, „unterhalte mich ja wirklich gern mit ganz alten Leuten. Sind sie uns doch gewissermassen auf einem Weg vorangegangen... Und da du ja nun schon in diesen Jahren bist, möchte ich gerne von dir hören, was du von dem hältst, was die Dichter ‚auf der Schwelle des Alters‘ nennen, ob das der beschwerliche Teil des Lebens ist, oder wie du es sonst bezeichnest.“
„Beim Zeus“, gab er zurück, „ich will dir sagen, Sokrates, was ich davon halte. Hin und wieder kommen wir, unser paar Männer fast des gleichen Alters, zusammen – und bestätigen damit das alte Sprichwort. Bei diesen Zusammenkünften jammern dann die meisten von uns; sie sehnen sich nach den Freuden der Jugend zurück, in Erinnerung an ihre Liebeserlebnisse, an die Trinkgelage... ‚Ja, damals haben wir noch so richtig gelebt‘, sagen sie; ‚aber das heute ist überhaupt kein Leben mehr.‘ Einige beklagen sich, sie würden ihres hohen Alters wegen von ihren Angehörigen schlecht behandelt, und deshalb singen sie ihr Klagelied vom Alter als der Ursache dieser Übel. Ich glaube aber, Sokrates, dass sie damit nicht die wirkliche Ursache treffen. Denn wäre wirklich das der Grund, dann hätte ja auch ich, mit meinem Alter, das erleben müssen, und auch alle anderen, die so alt geworden sind…
Wenn die Begierden ihre Heftigkeit verlieren und nachlassen, dann tritt in vollem Masse das ein, was Sophokles sagt: man ist von vielen rasenden Herren befreit. Nein, an diesen Übeln und auch an den Schwierigkeiten mit den Angehörigen ist nur eine Ursache schuld: nicht das Alter, sondern der Charakter der Menschen. Sind sie nämlich in guter Verfassung und zufrieden, dann ist auch das Alter nur eine mässige Last; im andern Fall, Sokrates, ist einem solchen Menschen beides beschwerlich, Alter und die Jugend…“ (Aus: „Der Staat“ / Platon, um 427-347 v. Chr. / Gekürzt)
Wir brauchen nicht mehr den Schein zu wahren…
Herr Gott,
du und ich, wir haben ein Geheimnis.
Das Altwerden bringt einiges mit sich, was Spass macht.
Wir müssen uns nicht mehr von der Welt plagen lassen.
Die Leute übersehen uns.
Wir brauchen nicht mehr den Schein zu wahren,
sondern können kindliche Freuden wieder-entdecken:
Zusehen, wie eine Spinne ein Netz webt.
Vor einem Licht Schattenbilder an die Wand werfen.
Statt einer Hauptmahlzeit Kompott mit Sahne essen.
Die ganze Nacht wach bleiben.
Sterne zählen.
Trödeln.
Zu Hause bleiben und mit alten Freunden Schach spielen.
Einen verrücken Hut tragen.
Warum hast du mir nicht verraten,
dass das Altwerden neben allem,
was ich daran hasse,
auch manches Vergnügen mit sich bringt?
Ach, ich weiss:
Weil ich es nie geglaubt hätte.
(AutorIn unbekannt)
Schattenspiele wieder-entdecken…
Johannes Brahms
und die Absicht, aufs Komponieren zu verzichten…
Gegen Ende seines Lebens vertraute Brahms seinem Freunde an:
„Kürzlich habe ich etwas begonnen, aber nichts wollte mir gelingen. Da meinte ich, nun sei ich doch wohl zu alt und beschloss energisch, nichts mehr zu schreiben. Ich fand, ich hätte doch genug geleistet, jetzt könnte ich mir ein sorgenfreies Alter leisten und es in Frieden geniessen. Und das machte mich so glücklich, so zufrieden, so froh, dass das Schreiben mit einem Mal wieder wunderbar ging.“
(Aus „Gepflückt vom Anekdoten-Strauch… Neue Anekdoten, Witze, Bonmots und Histörchen“ / N. O Scarpi / Zürich 1965)
Der Traum vom Älter-Werden
Viele Erwachsene möchten jung bleiben, nicht die Kinder…
Vater und Sohn (Wilhelm August Corrodi, 1826-1885)
