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In der Anthologie "Schreibzauber" sind Werke zusammengefasst, die die Autoren/Innen des gleichnamigen Autorenkreises geschrieben haben. Der Autorenkreis gründete sich im Mai 2008 und besteht aus sechs Mitgliedern. Den geschriebenen Wörtern verbunden, treffen sie sich einmal im Monat. Ihr Ziel: Ideen zu Papier bringen. Aus ihrem umfangreichen Vorrat an Prosatexten und Lyrikwerken wurden Auswahlen getroffen, die in dieser Anthologie zum ersten Mal erscheinen.
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Uschi Böhle
Eine Reise zu einem geheimnisvollen Loch
Nachtschwärmer
Mein Freund Bodo
Hans im Glück
Gerhard Brinkmann
Das Glück ist weg
Walpurgisnacht
Meine schlimmsten Stunden
Andrea Hennecke
Immer wieder Bahnhof
Jugendsünden
Buslady
Das Glückskleeblatt
Kofferchaos
Birgit Malow
Blütenbotschaften
Trost
Der Jabulani
Scheidungsmutter
Eine Aufgabe der Liebe
Verwandlung
Ein Licht für Abdul
Bettina Wells
Herr Schmidtke lebt
Gemüsebluesmus
Abgründe
Nicht Neues im Wilden Westen
Coolness
Traumjob
Andreas Witteler
Een Neuer im Dorp.
Lisas Nebenwirkungen
Worte im Sand
Frischwelk im Winter
Vom Schmetterling geführt
*1947, lebt in Iserlohn
»Schreiben ist eine köstliche Sache; nicht länger mehr man selbst zu sein, sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst erschaffen hat.« (Flaubert)
Das ist es, warum ich Freude am Schreiben empfinde. Ich lache und leide mit meinen Figuren. Daher bevorzuge ich heitere Texte. Gelegentlich gönne ich mir einen Ausflug in das ernste Genre.
Mein Anspruch an alle Geschichten: Sie dürfen nicht langweilen und müssen eine Pointe haben.
Wir saßen gemütlich auf dem Sofa und lasen gemeinsam die Zeitung. Mein Hund Till blickte mir interessiert über die Schulter. Gebannt starrten wir auf ein Foto, auf dem das sagenhafte Loch Ness zu sehen war und die schemenhaften Umrisse des berüchtigten Seeungeheuers.
Till und ich schauten uns aufmerksam an. Wir beide verständigten uns durch Telepathie. Ich hatte die Angewohnheit, zusätzlich meine Gedanken laut auszusprechen. Mein kluger Golden Retriever nutzte dazu seine ausdrucksvolle Mimik und Körpersprache.
»Dieses Monster fasziniert mich«, sagte ich, »gibt es dieses Fabelwesen wirklich?«
Baron Till sah mich empört an: »Lord Ness ist kein Monster, sondern ein Wasserdrache.«
»Meinetwegen«, antwortete ich, »aber ich glaube erst daran, wenn ich dieses legendäre Wesen mit eigenen Augen gesehen habe. Fotos können manipuliert werden.«
Tills Reaktion ließ mich staunen. »Gut, machen wir uns auf den Weg.«
»Und wie soll das gehen?«, fragte ich verwundert. »Die Einreisebedingungen der Briten für Hunde sind extrem kompliziert. Außerdem würden sie dich in eine Flugbox stecken und du müsstest im Gepäckraum reisen.«
Ein unvorstellbarer Gedanke: Mein ‚weißer Baron‘ als Gepäckstück.
Till schien zu lächeln. »Ich habe es dir bisher verschwiegen, aber ich kann fliegen. Der berühmte Glücksdrache Fuchur ist mein Vorfahre.«
»Der aus der ‚Unendlichen Geschichte’ von Michael Ende? Das ist ein Scherz, oder?«, sagte ich zweifelnd.
Natürlich war mir immer bewusst gewesen, dass mein Hund in jeder Hinsicht außergewöhnlich war. Ich schaute ihn prüfend an. Tatsächlich wiesen sein wunderschön geformter Kopf und das perlmuttfarben schimmernde Fell große Ähnlichkeit mit dem berühmten Glücksdrachen auf. Wenn man bedenkt, dass im Laufe der Jahrhunderte aus Urvater Wolf, dank freundlicher Unterstützung der Menschen, ein Mexikanischer Nackthund entstehen konnte, so ist der Gedanke, dass mein Golden Retriever von Fuchur abstammt, gar nicht so abwegig.
»Warum hast du mich eigentlich nicht Fuchur genannt?«, fragte sein Blick.
»Weil Baron Till von der Lauensteiner Burg der einzig passende Name für dich ist, irgendwie standesgemäß.«
Meinem ‚weißen Baron’ gefiel diese Antwort, denn seine einzige Schwäche war eine gewisse Eitelkeit.
»Wie funktioniert das mit dem Fliegen?«, wollte ich wissen. Ohne seine Antwort abzuwarten, begann ich bereits zu planen.
»Ich gehe am besten in den Baumarkt und besorge Drachengestänge, Sicherheitsgurte, usw... Außerdem werde ich mich im Sauerland für einen Schnupperkurs im Drachenfliegen anmelden«, geriet ich in Begeisterung.
Baron Till signalisierte energisch: »Stopp! Glücksdrachen sind Geschöpfe der Luft und Wärme. Sie fliegen ohne Flügel, getragen von der Liebe und durch die Kraft ihrer positiven Gedanken. Du musst fest daran glauben und mir vertrauen.«
Sein Blick war beschwörend.
»Das will ich«, antwortete ich ungewohnt kurz.
Ich konnte es aber nicht lassen, die Überlegene zu spielen: »Die Navigation übernehme ich! Oder wie hast du dir das vorgestellt?«
»Vielleicht sollte ich die Kursbestimmung übernehmen. Ich würde mich an der Sonne und die Sterne und den Magnetfeldern orientieren«, schlug er vor.
»Pah, in Britannien ist die Sonne ein seltenes Erscheinungsbild am Himmel und die Sterne lassen sich nicht ständig blicken. Magnetfelder, was soll das sein? Ich bestimme die Richtung, basta!«
Till war zu höflich, um mich daran zu erinnern, wie häufig wir unter meiner kundigen Führung stundenlang im Kreis herumgeirrt waren. Mein Orientierungssinn war berüchtigt, aber das hatte ich für einen Moment verdrängt.
»Morgen machen wir uns auf den Weg«, entschied ich.
Wir starteten in der Dämmerung. Ich zog meine Wanderjacke
an und packte etwas Reiseproviant in die Taschen. Für meinen Mann hinterließ ich einen Zettel auf dem Küchentisch: »Ich bin dann mal weg!«
Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden seit Beginn unserer Reise vergangen waren. Meine Hände hielten Till fest umklammert, ich verbarg meinen Kopf in seinem Fell, um nicht nach unten schauen zu müssen. Es war mir fürchterlich schlecht. Trotzdem tat ich so, als ob ich genau wüsste, in welche Richtung wir fliegen müssen und gab meine scheinbar kompetenten Anweisungen. Wir waren beide völlig erschöpft, als wir zur Landung ansetzten.
Unter uns lag eine bizarre Vulkanlandschaft. So hatte ich mir Schottland nicht vorgestellt. Wir landeten unsanft am Fuß einer Felsformation in der Nähe einer Springquelle. »Willkommen am Loch Ness«, verkündete ich selbstbewusst.
Mein ‚weißer Baron‘ schaute mich fassungslos an: »Mensch Frauchen, wir sind in Island. Wir haben uns ein wenig verflogen.«
Dieses Understatement liebte ich an ihm.
»Da wollte ich schon immer mal hin. Bei diesem ständigen Nebel kann man leicht die Orientierung verlieren«, ergänzte ich kleinlaut.
Inzwischen hatte Till seine gewohnte Gelassenheit wiedergefunden: »Die Springquelle da drüben ist ein Geysir! Und
dieser Fels vor uns ist gar kein Fels, sondern ein Troll.«
Erschrocken schaute ich meinen klugen Hund an: »Sind das nicht ziemlich ungehobelte Typen?«, fragte ich ängstlich.
»Nicht unbedingt. Hier in Island haben sie eher ein positives Image«, versuchte er mich zu beruhigen. »Es gibt übrigens eine Möglichkeit, um diese raubeinigen Riesen zu besänftigen, indem man eine Kerze anzündet und singt.«
Ich befürchtete, dass der Klang meiner Stimme das Gegenteil bewirken könnte. Deshalb schlug ich eilig vor: »Besser nicht. Wir sollten hier verschwinden, denn wir haben noch einen langen Weg vor uns. Außerdem habe ich einen Vulkan grummeln hören.«
Mein gescheiter Golden schmunzelte. »Das Rumoren stammt nicht von ihm. Es ist der Troll, der so dröhnend schnarcht. Wir sollten uns ein wenig ausruhen, bevor wir unsere Reise fortsetzen.«
Schutzsuchend kuschelte ich mich an meinen Glücksdrachen. Er strahlte Ruhe und Zuversicht aus. Diesmal würde ich ihm die Navigation überlassen.
Ich konnte nicht einschlafen. Immer wieder blickte ich misstrauisch zu dem geräuschvoll schlummernden Felsen.
Solange sein grollender Atem die Erde erbeben ließ, bestand keine Gefahr. Dachte ich zumindest.
Baron Till hatte inzwischen wieder Kraft geschöpft. Er hob den Kopf und schaute besorgt in meine Richtung. »Achtung Frauchen, Troll von hinten!«
Vorsichtig drehte ich mich um. Ein hünenhafter Unhold kam mit plumpen, riesigen Schritten auf mich zugetrabt. Er ruderte wild mit den Armen und bewegte dabei gestikulierend seine Schaufelhände. Die Erde unter mir bebte. Ich zitterte. Wollte er mich töten oder herzlich willkommen heißen? Ich hatte mich bisher nicht mit der Gebärdensprache dieser furchterregenden Spezies beschäftigt. Jetzt war eindeutig nicht der richtige Zeitpunkt dieses Versäumnis nachzuholen. Vielleicht würde mich der garstige Geselle nur versehentlich unter seinen überdimensionalen Fußsohlen zermalmen. Aber was half es, wenn er sich anschließend dafür entschuldigte. Also rannte ich los und blieb nach wenigen Schritten erschrocken stehen. Meine Füße schienen Wurzeln zu schlagen, die mich an die Erde fesselten. Das lebendige Gestein vor mir entfaltete sich zu seiner vollen Größe. Ein Gesicht mit einer gewaltigen Nase, listigen Augen und einem verfilzten Bart wurde sichtbar. Es war umrandet von strähnigen langen Haaren. Dieses ungepflegte Haupt thronte auf einem gigantischen Körper. Einen Ausweg suchend schaute ich zur Seite. In diesem Augenblick spuckte der Geysir eine etwa sechzig Meter hohe Fontäne in die Luft. Geschätzte 90 Grad Celsius empfand ich nicht als geeignete Badetemperatur. Ich hatte nicht die geringste Lust, als Brühwürstchen für hungrige Trolle zu enden. Dieser Fluchtweg war uns versperrt.
Till war aufgestanden. Scheinbar lässig bewegte er sich in eine Richtung, aus der keine Gefahr drohte.
»Es ist besser, wir trollen uns«, gab er mir betont ruhig zu verstehen. Er kletterte auf einen Felsen, um die Thermik zu nutzen. Ich folgte ihm zögernd, weil er nahe am Abgrund lag. Eine riesige Hand packte mich wie eine Spielzeugpuppe und setzte mich behutsam auf Tills Rücken. Der Aufwind trug uns davon. Unten standen die beiden Hünen und schwenkten bettlakengroße Taschentücher zum Abschied. ‚Harmlose Burschen, nur ein wenig zu groß geraten‘, dachte ich und winkte lächelnd zurück.
Wir flogen den ganzen Tag und durch eine sternenklare Nacht. Im Morgengrauen hatten wir Loch Ness erreicht. Diesmal war die Landung perfekt, wir fielen sanft ins weiche Gras. Völlig erschöpft von dieser ungewöhnlichen Reise schliefen wir unter einem Haselnussbaum ein.
Als ich erwachte, verspürte ich Hunger und Durst. In meinen Jackentaschen fand ich eine kleine Flasche Mineralwasser, sowie eine Tüte mit Hundekuchen. Wir teilten uns die Verpflegung. Ich zauberte ein Metallfläschchen hervor. »Möchtest du einen Schluck, ich habe mir von Herrchen etwas von dem ‚Lebenssaft der Schotten’ geborgt«, bot ich an.
»Nein danke, ich muss noch fliegen.«
Wir blickten auf Loch Ness. Der See war in Nebel gehüllt. Im Hintergrund sahen wir auf einem Felsvorsprung, wie einen Schattenumriss, die Ruine von Urquart Castle. Hier hatte im Jahre 565 der Heilige Columban von Iona zum ersten Mal von einer Begegnung mit einem mysteriösen Seeungeheuer berichtet.
»Werden wir Nessie bald sehen? Wie wirst du dich mit ihm verständigen?«, sprudelte es aus mir hervor.
»In der Seedrachensprache. Der schottische Akzent ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.« Baron Till lächelte schelmisch. Langsam näherte er sich dem Ufer des Sees und begann mit einer ungewöhnlichen Stimme zu singen. Es klang durchdringend und melodisch wie ein Dudelsack. Dieser vielseitig begabte Hund versetzte mich immer wieder in Erstaunen. Woher kannte er den Lockruf des Seedrachens?
Wir warteten. Nach einer gefühlten Ewigkeit kräuselten sich Wellen auf der bisher spiegelglatten Oberfläche des Sees. Es erschien ein Kopf, der einem Meeressaurier ähnelte. Das Wesen schaute erstaunt zu Till. Durch die dichte Wolkendecke hatte sich ein Sonnenstrahl gekämpft. Das Fell des ‚weißen Barons’ verwandelte sich in einen schimmernden Drachenpanzer. Eine perfekte Inszenierung. Die beiden unterhielten sich angeregt. Leider verstand ich kein Wort.
Nessie hatte sich dem Ufer genähert. Ich konnte seinen gewaltigen Körper unter dem Wasser nur erahnen. Während ich die beiden adeligen Drachen beobachtete, fiel mir ein: ‚So ein Mist, ich habe meinen Fotoapparat vergessen.’
Ich ließ das Bild, das sich mir bot, auf mich einwirken und versuchte, es in meinem Herzen zu bewahren. Nach einer Weile beendeten sie ihre Unterhaltung. Sie verabschiedeten sich mit einer höflichen Verneigung. Till kam zurück. Das Gespräch schien ihn beeindruckt zu haben.
»Worüber habt ihr gesprochen?«, fragte ich gespannt.
»Zunächst hat Lord Ness gefragt: Wer hat mich gerufen?«
»Und, was hast du geantwortet?«, drängte ich ungeduldig. Mein Golden sah mich missbilligend an. Ich beschloss, ihn nicht mehr zu unterbrechen und ruhig zuzuhören. Nicht gerade eine meiner Stärken.
Er fuhr fort. »Ich sagte: Mein Name ist Baron Till, ich bin ein Nachfahre von Fuchur und danke dir, dass du gekommen bist. Daraufhin hat der edle Lord wohlwollend genickt: Du bist willkommen. Wir haben ein wenig über die Vergangenheit geplaudert. Mein schottischer Freund hat mir erzählt, wie sich die Geschichte mit dem Heiligen Columban damals wirklich abgespielt hat. Der Scheinheilige hat doch überall das Gerücht verbreitet, er habe einen Pikten vor einem Seeungeheuer gerettet. Angeblich habe er dem Drachen tapfer ein Kreuz entgegengehalten und gerufen: Nicht mehr weiter! Berühre ihn nicht!
Ich versuchte vergeblich, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich keine Ahnung hatte, was ein Pikte ist.
»Der Name leitet sich von der bei diesem Volksstamm üblichen Tätowierung ab«, erläuterte mein hochbegabter Hund.
Er wirkte ungewöhnlich aufgebracht: »Es ist völlig anders
gewesen. Dieser Mann ist über einen Steg am Fuße der Burg gelaufen und gestolpert. Er fiel in den See. Weil er nicht schwimmen konnte, hat er verzweifelt um Hilfe gerufen. Lord Ness war gerade in der Nähe. Geistesgegenwärtig hat er einen Ponton gebildet und der Tätowierte konnte sich daran festhalten. So gelang es ihm, das sichere Ufer zu erreichen. Sobald er an Land war, ist dieser Columban aufgetaucht und hat sein Kreuz geschwenkt. Der Gerettete war völlig überrascht und hat die Wahrheit feige verschwiegen. Wer will es sich schon mit einem Heiligen verderben?«
»So eine Gemeinheit«, zischte ich empört. »Aber das ist doch angeblich im Jahre 565 passiert, wie alt ist Nessie denn inzwischen?«
»Es gibt nicht nur einen Lord Ness, er entstammt einem uralten schottischen Clan und jeweils der älteste Sohn trägt den Titel Lord«, erklärte mein blaublütiger Golden.
»Hat er dir auch erzählt, warum er sich so selten blicken lässt?«
»Im Jahr 1934 hat ein Zirkus ein Kopfgeld von 20.000 Pfund auf seinen Vater ausgesetzt. Damals begann eine gnadenlose Jagd, an der sich auch die Reporter der Regenbogenpresse beteiligt hatten. Kannst du dir vorstellen, was diese Meute mit ihm und seiner Familie angestellt haben würde?«
Ich nickte.
»Du musst mir versprechen, keinem von unserem Abenteuer zu erzählen - und bitte auch keine Fotos«, bat Baron Till eindringlich.
»Die Sache mit den Fotos ist kein Problem für mich. Aber es wird mir nicht leichtfallen, darüber zu schweigen«, antwortete ich zögernd.
»Wir sollten uns auf den Heimweg machen«, schlug Till vor.
»Bitte warte noch. Ich möchte nur noch zum Steg und mich von Lord Ness verabschieden.«
Eilig lief ich zur Brücke, stolperte über einen losen Stein und landete im Wasser. Es war eisig. Als erklärte Gegnerin der kalten Dusche konnte ich einen schrillen Schrei nicht unterdrücken. Lord Ness schaute sich nach mir um.
Ich winkte ihm freundlich zu und beeilte mich, an Land zu schwimmen. Besorgt spähte ich zum Ufer. Es war niemand zu sehen. Auch kein Anwärter auf einen Heiligenschein. Völlig durchnässt und erschöpft schleppte ich mich an Land und ließ mich ins Gras fallen. Als ich aufstand, um nach meinem Glücksdrachen zu schauen, hörte ich Stimmen. Ein junges Paar mit einer gigantischen Fotoausrüstung, vermutlich japanische Touristen, näherte sich. Hektisch rannte ich auf den Mann mit der Kamera zu. ‚Nein’, dachte ich. ‚Die Geschichte von damals darf sich nicht wiederholen.‘
»Stop. No Foto, please«, brüllte ich. Meine immer noch patschnasse Hand legte sich vor das Objektiv. Der verhinderte Reporter schaute mich vorwurfsvoll an. Er kramte ein Taschentuch hervor und trocknete damit seine Brillengläser und den Fotoapparat. Seine Begleiterin zwitscherte begeistert: »Oh, so very beautiful.«
Nun war ich leicht verwirrt. Unauffällig schaute ich mich um und stellte erleichtert fest, dass der Lord inzwischen untergetaucht war. Hinter mir stand Baron Till von der Lauensteiner Burg. Wie üblich, galten ihm die entzückten Schreie. Das japanische Pärchen deutete auf ihn: »Foto?«
Ich nickte.
