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Mit Beiträgen von Hedwig Amorosa, Michael von Aster, Manfred Döpfner, Barbara Gasteiger-Klicpera, Frank Häßler, Christian Klicpera, Klaus Sarimski, Peter F. Schlottke, Hans-Christoph Steinhausen, Lydia Suhr-Dachs, Andreas Warnke u.a. Die Institution Schule spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, indem sie Lernen und Leistung ebenso wie Verhalten und Befinden nachhaltig prägt. Die Schule wird ihrerseits durch Bedingungen beeinflusst, die in den Kindern und Jugendlichen liegen. Diese interaktiven Prozesse werden in diesem Buch mit einem speziellen Fokus auf abweichendem Verhalten und psychischen Störungen dargestellt. Diskutiert werden u.a. aktuelle Themen wie Mobbing, Gewalt und Leistungsängste. Dargestellt werden ebenso Programme, die der Schule helfen, die Ziele der Gesundheitsförderung, der Gewaltprävention und der Etablierung einer lösungsorientierten Konfliktkultur umzusetzen.
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Seitenzahl: 540
Veröffentlichungsjahr: 2006
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Mit Beiträgen von Hedwig Amorosa, Michael von Aster, Manfred Döpfner, Barbara Gasteiger-Klicpera, Frank Häßler, Christian Klicpera, Klaus Sarimski, Peter F. Schlottke, Hans-Christoph Steinhausen, Lydia Suhr-Dachs, Andreas Warnke u.a. Die Institution Schule spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, indem sie Lernen und Leistung ebenso wie Verhalten und Befinden nachhaltig prägt. Die Schule wird ihrerseits durch Bedingungen beeinflusst, die in den Kindern und Jugendlichen liegen. Diese interaktiven Prozesse werden in diesem Buch mit einem speziellen Fokus auf abweichendem Verhalten und psychischen Störungen dargestellt. Diskutiert werden u.a. aktuelle Themen wie Mobbing, Gewalt und Leistungsängste. Dargestellt werden ebenso Programme, die der Schule helfen, die Ziele der Gesundheitsförderung, der Gewaltprävention und der Etablierung einer lösungsorientierten Konfliktkultur umzusetzen.
Professor Dr. med. Hans-Christoph Steinhausen ist Ärztlicher Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Ordinarius an der Universität Zürich.
Wichtiger Hinweis:
Die Verfasser haben gräßte Mühe darauf verwandt, dass die Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen dem jeweiligen Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entsprechen.
Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr.
Jeder Anwender ist daher dringend aufgefordert, alle Angaben auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Verantwortung des Benutzers.
Hans-Christoph Steinhausen (Hrsg.)
Schule und psychische Störungen
Mit Beiträgen von Nicole Achermann, Françoise D. Alsaker, Hedwig Amorosa, Michael von Aster, Ludwig Bilz, Stephanie Bohne, Veronika Brezinka, Manfred Döpfner, Mengia Dosch, Barbara Gasteiger-Klicpera, Thomas Grüner, Cornelia Hähne, Frank Hößler, Martin Hautzinger, Franz Hilt, Kathrin Hippler, Stefanie Höfler, Christoph Käppler, Christian Klicpera, Katharina Maag Merki, Beat Mohler (†), Claudia Pecorari, Ellen Plume, Patrick Pössel, Klaus Sarimski, Andreas Schick, Peter F. Schlottke, Simone Seemann, Nina Spröber, Hans-Christoph Steinhausen, Lydia Suhr-Dachs, Daniel Walter, Andreas Warnke, Christa Winkler Metzke und Tanja Wolff Metternich
Verlag W. Kohlhammer
In Memoriam Beat Mohler 1. Juli 1958 – 2. November 2005
Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
1. Auflage 2006 Alle Rechte vorbehalten © 2006 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
Print: 978-3-17-018736-8
E-Book-Formate
pdf:
epub:
978-3-17-027284-2
mobi:
978-3-17-027285-9
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Vorwort
I Die Bedeutung der Schule für Befinden und Verhalten
Schulklima und Schulumwelt in ihrer Bedeutung für psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen – Einführung in die ThematikN. Achermann, C. Pecorari, C. Winkler Metzke und H.-C. Steinhausen
Psychische Folgen von MobbingF. D. Alsaker
Schule und LeistungsängsteL. Suhr-Dachs
Der Einfluss von Schule auf das Gesundheitsverhalten von Kindern und JugendlichenL. Bilz und C. Hähne
Die Entwicklung des Selbstwertes im GymnasiumK. Maag Merki
Erlebte schulische Umwelt und seelisches BefindenC. Winkler Metzke, N. Achermann, C. Pecorari und H.-C. Steinhausen
II Psychische Störungen und ihre Auswirkungen auf die Schule
Geistige BehinderungK. Sarimski
AutismusC. Klicpera, K. Hippler und B. Gasteiger-Klicpera
Schizophrene PsychosenF. Häßler und S. Bohne
HirnstörungenH.-C. Steinhausen
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS)T. Wolff Metternich und M. Döpfner
Störungen der Sprache und des SprechensH. Amorosa
LegasthenieE. Plume und A. Warnke
Entwicklungsbezogene RechenstörungenM. von Aster und M. Dosch
SchulverweigerungM. Döpfner und D.Walter
Störungen des SozialverhaltensB. Mohler
III Programme zur Prävention und Intervention in der Schule
Faustlos – Gewaltprävention in der SchuleA. Schick
LARS&LISA: Ein Programm zur Prävention von Depressionen in der SchuleP. Pössel, S. Seemann und M. Hautzinger
proACT + E: Ein Programm zur Prävention von Bullying in SchulenN. Spröber, P. F. Schlottke und M. Hautzinger
Das »Incredible Years Training« in der SchuleV. Brezinka
Schule und Konflikt-KULTUR®C. Käppler, T. Grüner, S. Höfler und F. Hilt
Stichwortverzeichnis
Lic. phil. Nicole Achermann, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9/Postfach, CH-8032 Zürich
Prof. Dr. Françoise D. Alsaker, Institut für Psychologie, Universität Bern, Muesmattstraße 45, CH-3000 Bern
Prof. Dr. Hedwig Amorosa, Forsterstraße 43, D-10999 Berlin
PD Dr. Michael von Aster, Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie, St. Joseph Hospital Berlin, Baeumlerplan 24, D-12101 Berlin
Dipl.-Psych. Ludwig Bilz, Fakultät Erziehungswissenschaften, Technische Universität Dresden, Mommsenstraße 13, D-01062 Dresden
Dr. Stephanie Bohne, Klinik für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie und Psychotherapie, Universität Rostock, Ulmenstraße 44/PF 100888, D-18055 Rostock
Dr. Dr. Veronika Brezinka, Abteilung Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Klosbachstraße 107, CH-8032 Zürich
Prof. Dr. Manfred Döpfner, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität zu Köln, Robert-Koch-Straße 10, D-50931 Köln
Dr. Mengia Dosch, Universitätskinderklinik, Steinwiesstraße 75, CH-8032 Zürich
Prof. Dr. Barbara Gasteiger-Klicpera, Pädagogische Hochschule Weingarten, Kirchplatz 2, D-88250 Weingarten
Dipl.-Psych. Thomas Grüner, Institut für Konflikt-Kultur, Reichsgrafenstraße 2, D-79102 Freiburg/Br.
Cornelia Hähne, M.A., Fakultät Erziehungswissenschaften, Technische Universität Dresden, Mommsenstraße 13, D-01062 Dresden
Prof. Dr. med. Frank Häßler, Klinik für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie und Psychotherapie, Universität Rostock, Ulmenstraße 44/PF 100888, D-18055 Rostock
Prof. Dr. Martin Hautzinger, Psychologisches Institut, Universität Tübingen, Christophstraße 2, D-72072 Tübingen
Dipl.-Soz.-Arb. Franz Hilt, Fachverband Prävention und Rehabilitation (AGJ), Oberau 21, D-79102 Freiburg/Br.
Dr. Kathrin Hippler, Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie, Universität Wien, Universitätsstraße 7, A-1010 Wien
Dipl.-Psych. Stefanie Höfler, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9/Postfach, CH-8032 Zürich
Dr. Christoph Käppler, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9/Postfach, CH-8032 Zürich
Prof. Dr. Dr. Christian Klicpera, Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie, Universität Wien, Universitätsstraße 7, A-1010 Wien
Prof. Dr. Katharina Maag Merki, Deutsches Institut für internationale pädagogische Forschung und Institut für allgemeine Erziehungswissenschaften, Universität Frankfurt am Main, Schloßstraße 29, D-60486 Frankfurt am Main
Dr. Beat Mohler (†), ehemals Tagesklinik für Kinder, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9/Postfach, CH-8032 Zürich
Lic. phil. Claudia Pecorari, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9/Postfach, CH-8032 Zürich
Dr. Ellen Plume, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Füchsleinstraße 15, D-97080 Würzburg
PD Dr. Patrick Pössel, Psychologisches Institut, Universität Tübingen, Christophstraße 2, D-72072 Tübingen
PD Dr. Klaus Sarimski, Kinderzentrum München, Heilighofstraße 63, D-81377 München
Dr. Andreas Schick, Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie, Universitätsklinikum Heidelberg, Bergheimer Straße 54, D-69115 Heidelberg
Prof. Dr. Peter F. Schlottke, Psychologisches Institut, Universität Tübingen, Gartenstraße 29, D-72074 Tübingen
Dr. Simone Seemann, Psychologisches Institut, Universität Tübingen, Gartenstraße 29, D-72074 Tübingen
Dipl.-Psych. Nina Spröber, Psychologisches Institut, Universität Tübingen, Gartenstraße 29, D-72074 Tübingen
Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9/Postfach, CH-8032 Zürich
Dr. Lydia Suhr-Dachs, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität zu Köln, Robert-Koch-Straße 10, D-50931 Köln
Dr. Daniel Walter, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität zu Köln, Robert-Koch-Straße 10, D-50931 Köln
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Andreas Warnke, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Füchsleinstraße 15, D-97080 Würzburg
Dr. Christa Winkler Metzke, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neumünsterallee 9/Postfach, CH-8032 Zürich
Dipl.-Psych. Tanja Wolff Metternich, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität zu Köln, Robert-Koch-Straße 10, D-50931 Köln
Dieses Buch basiert auf einem interdisziplinären Dialog von Pädagogik, Psychologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das Thema Schule und psychische Störungen verlangt eine entsprechende Darstellung. Zweifellos spielt die Institution Schule eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, indem sie Lernen und Leistung ebenso wie Verhalten und Befinden nachhaltig beeinflusst. Die Schule hat aber nicht nur diese Funktion der Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche in einem der wichtigsten Abschnitte der menschlichen Entwicklung, sondern sie wird auch ihrerseits durch Bedingungen beeinflusst, die in den Kindern und Jugendlichen liegen. Diese interaktiven Prozesse werden in dem vorliegenden Buch mit einem speziellen Fokus auf abweichendem Verhalten und psychischen Störungen dargestellt und diskutiert.
Entsprechend wird in einem ersten Teil in verschiedenen Beiträgen nach der aktiven Rolle gefragt, welche die Institution Schule für das Befinden und Verhalten von Kindern und Jugendlichen hat, wobei sehr aktuelle Themen wie Schulklima, Schulumwelt, Mobbing, Gewalt, Versagensängste, Wohlbefinden und Bewältigungsverhalten von Schülern angesprochen werden.
Im zweiten Teil des Buches wird die Perspektive umgekehrt und es geht um die grundsätzliche Frage, wie die Schule sich auf spezielle Kinder und Jugendliche einstellen und mit der Anpassung ihrer Strukturen für Lernen und Leistung reagieren muss. Für die zentralen psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters wird aufgezeigt, welche in der Symptomatik angelegten Bedingungen bei der Unterrichtung und im Umgang von Lehrpersonal und Mitschülern mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen sind, um die erforderlichen Förderpläne umzusetzen und zu einer Reduktion von Symptomen und Fehlverhalten beizutragen.
Der dritte Teil des Buches widmet sich anschließend der Frage, mit welchen Interventionen und Programmen der Schule geholfen werden kann, die Ziele der Gesundheitsförderung, der Gewaltprävention und der Etablierung einer lösungsorientierten Konfliktkultur umzusetzen. Dabei werden anhand strukturierter Programme Wege für nachhaltige Problemlösungen angezeigt.
Dieses Buch verdankt sein Entstehen der engagierten Mitarbeit von Autoren aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich freundlicherweise der vom Herausgeber gestalteten Aufgabe gewidmet und ein Werk geschaffen haben, das Erkenntnisse der Forschung für die Praxis verfügbar macht. Allen Beiträgern sei dafür sehr herzlich gedankt.
Zürich, im Frühjahr 2006
H.-C. Steinhausen
Nicole Achermann, Claudia Pecorari, Christa Winkler Metzke und Hans-Christoph Steinhausen
Bereits Rutter, Maughan, Mortimer und Ouston (1979) haben uns mit der Tatsache konfrontiert, dass der Anteil der Zeit, in der Schule und Lehrkräfte auf die Entwicklung der ihnen anvertrauten Kinder Einfluss nehmen können, insgesamt rund 15000 Stunden betragen. Über viele Jahre hinweg verbringen also die Kinder in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung fast ebenso viele Stunden des Tages in der Schule wie zu Hause. Fend (1997) fügt dem hinzu, dass über mindestens neun Jahre die Aufgabe des Umgangs mit der Schule im Mittelpunkt der alltäglichen Anstrengungen von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen steht. Schulische Laufbahnen strukturieren die Lebensräume, geben Ziele der Entwicklung vor und antizipieren ebenso lebensentscheidende und berufliche Chancen. Die Erfahrungen mit der Schule bergen daher große Entwicklungschancen, aber auch Gefährdungen. Schule kann für die Beteiligten stärkend wirken, indem gelernt wird, Ziele langfristig und ausdauernd zu verfolgen und Aufgaben genau und diszipliniert zu erledigen. Schule kann jedoch für ihre Schüler auch das Risiko beinhalten, keinen emotionalen Bezug zu deren Anforderungen und Angeboten zu finden und sich im Rahmen schulischer Leistungsprofile nicht sinnvoll definieren zu können. Zu vermuten ist dementsprechend, dass Schule zum einen Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten produziert, zum anderen aber auch auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung wirkt (Fend, 1997).
Basierend auf diesem Hintergrund wird die Frage bedeutsam, wie die unterschiedlichen Erfahrungen in der Schule die Entwicklung des heranwachsenden Menschen beeinflussen. Wie Pekrun und Helmke (1991) aufzeigen, hat sich die Forschung zur Schülerpersönlichkeit oftmals auf schulspezifische Persönlichkeitsentwicklungen konzentriert. So sind z. B. schulische Einflüsse auf die Entwicklung leistungsbezogener Ängste häufig, Einflüsse auf die Angstentwicklung hingegen seltener untersucht worden. Auch schaut die Suche nach Bedingungen zur Prüfungsangst, der Ausbildung von Selbstkonzepten und der Frage nach der leistungsrelevanten Motivation auf relativ eigenständige Forschungstraditionen zurück. Studien jedoch, die sich mit Merkmalen der Schulumwelt und dem psychischen Wohlbefinden befasst haben, sind selten (vgl. Somersalo, 2002).
Unter Schulumwelt wird meist eine Konstellation von Rahmenbedingungen verstanden, die förderlich oder hinderlich auf die Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern einwirken. So leisten nach Jerusalem und Schwarzer (1991) sowohl objektive Umweltmerkmale wie z. B. Schulart und Schulartwechsel als auch die subjektiven Merkmale des Schulklimas einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Nach Dreesmann, Eder, Fend, Pekrun, von Saldern und Wolf (1992) ist es dabei schwierig, den Begriff Schulumwelt klar abzugrenzen. Umwelt als relational gebrauchten Begriff beschreiben Dreesmann et al. (1992) einerseits aus der Perspektive des einzelnen Schulmitglieds und meinen damit die innerschulische Umwelt, zu welcher personenübergreifende Merkmale der Schule ebenso wie die jeweiligen Merkmale der anderen Schulmitglieder gehören. Abzugrenzen von der innerschulischen Umwelt ist andererseits die außerschulische Umwelt der Schule, welche Gemeinde und Siedlungsumwelt, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Hintergrundprozesse einbezieht.
Im Sinne der Definition von Fraser (1986), wonach sich das Klassenklima mittels »work atmosphere« und »social relations« beschreiben lässt, soll nun die Klasse mit ihrem Klassengeschehen als Ort, an dem Jugendliche und Lehrkräfte fast täglich miteinander und untereinander interagieren, im Zentrum stehen. Dass die Schule hierbei auch ein Ort des sozialen Miteinanders ist, welches einmal erfreulich oder problematisch erlebt werden kann, zeigen die folgenden unterschiedlichen Schulerfahrungen (siehe Reisch & Schwarz, 2002).
»Ich gehe sehr gerne in die Schule, weil meine Klasse so toll ist. Wir haben viel Spaß miteinander und wir helfen einander immer, wenn es notwendig ist.«
Sabine, 16 Jahre, Gymnasiastin
»Ich bin froh, wenn ich nach dem Abschluss niemanden mehr sehen muss. Die Oberstufe war eine einzige Qual, wir waren alle von Anfang an zerstritten. Auf eine Abschlussfeier kann ich gerne verzichten.«
Klaus, 18 Jahre, Gymnasiast
»In der Schule bin ich sehr stolz auf meine Mitschülerin, die mir hilft oder der ich helfe, wenn etwas nicht klar ist. Stolz bin ich auch, dass wir einen super
Klassengeist haben.«
Mädchen, 14 Jahre, Realschülerin
Als Charakteristikum für die Beschreibung und Verwendung des Klimabegriffes in der Psychologie kann bereits jetzt auf ihre Uneinheitlichkeit hingewiesen werden. Es erscheint daher sinnvoll, sich vorerst mit dem ursprünglichen und alltäglich-meteorologischem Klimabegriff auseinander zu setzen. Eder (1996) beschreibt diesen mit der Charakterisierung eines geographischen Raumes, der jedoch meteorologische Implikationen aufweist. So kann ein Klima »sonnig« oder »windig«, für bestimmte Regionen typisch sein wie z. B. ein »tropisches Klima« oder es kann unter einer subjektiv-bewertenden Begriffsverwendung als »angenehm« bezeichnet werden. Als »Reizklima« wird schließlich noch auf eine Begriffsverwendung hingewiesen, die Wirkungen des Klimas auf den Menschen einbezieht. Nach Eder (1996) ist eine solche Vergegenwärtigung der unterschiedlichen Bezeichnungen deshalb wichtig, weil diese auch in übertragener Bedeutung zur Beschreibung sozialer Organisationen wie bspw. der Schule verwendet werden. Freitag (1998) umschreibt des Weiteren das Verhalten der Forscher bei der Suche nach einer Begriffserklärung des Schulklimas denn auch passend mit dem Vergleich der sieben blinden Weisen, von denen jeder einen anderen Teil des vor ihnen stehenden Elefanten in der Hand hält und daraufhin behauptet, definitiv zu wissen, wie ein Elefant aussieht. Mit »Are we all hunting the same beast?« (Anderson, 1982, S. 376) kann diese Metapher nach Freitag (1998) nicht treffender beschrieben werden. Das Dilemma des Forschungszweiges besteht demnach in den vielen verschiedenen Teilaspekten, die zur Beschreibung des Schulklimas verwendet werden (vgl. Dreesmann et al., 1992).
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