Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Autonomisierung von Schulen und Regionalisierung von Entscheidungen sind europaweite Tendenzen in den staatlichen Bildungssystemen. Neue Aufgaben und Einflussmuster zwischen Schule, regionaler Schulverwaltung und zentraler Verwaltung entwickeln sich. Dies hat deutliche Auswirkungen auf die Leitung von Schulen. In "Schulleitung" werden Konzepte, Erfahrungen, Reflexion und Analysen zu Kontexten, Bedingungen, Anforderungen, Rollen und Aufgaben von Schulleitung für eine adäquate Unterstützung und Qualifikation in internationalen Beiträgen vorgestellt. Es wurden Beispiele aus Ländern ausgewählt, in welchen die Verlagerung von Entscheidungen an lokale und regionale Strukturen im Vergleich zur österreichischen Situation schon weiter voran getrieben wurde (Norwegen und Dänemark) oder wo traditionell autonome Entscheidungsstrukturen bestehen (Irland) bzw. wo in den letzten Jahren eine starke externe Qualitätskontrolle durch Inspektion eingeführt wurde (England).
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 253
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Franz Rauch, Colin Biott (Hrsg.)
Schulleitung
SchulentwicklungBand 34
Arbeits- und Forschungsberichte aus dem Bereich der SchulentwicklungHerausgegeben von Anton Dobart
Franz Rauch, Colin Biott (Hrsg.)
Rahmenbedingungen, Anforderungen und Qualifikation aus internationaler Perspektive
StudienVerlag
InnsbruckWienMünchenBozen
© 2003
by Studienverlag Ges.m.b.H. Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck
e-mail: [email protected]
homepage: www.studienverlag.at
Buchgestaltung nach Entwürfen von Kurt Höretzeder/Circus, Innsbruck
Umschlag und Satz: Markus Glettner/Studienverlag
Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme
Ein Titeldatensatz für diese Publikation ist bei der Deutschen Bibliothek erhältlich.
ISBN 978-3-7065-5800-6
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at.
Europaweit werden Schulen zunehmend autonomer. Die verstärkte Selbstständigkeit bezieht sich in erster Linie auf die Gestaltung der Curricula und die Ressourcenbewirtschaftung. Damit einher gehen Entwicklungen im Bereich der Qualitätsevaluation und Qualitätskontrolle sowie Veränderungen innerhalb der Verwaltungsstrukturen. Einerseits gewinnt schulstandortbezogene Selbstevaluation an Bedeutung. Zum anderen wird eine Akzentuierung externer Kontrolle durch Vorgabe von Standards, nationaler Tests und Fremdevaluation deutlicher. Daneben werden aber Verwaltungsstrukturen stärker regionalisiert. Diese aktuellen Entwicklungen sind durch vielfältige Spannungsfelder und Brüche gekennzeichnet. Die Komplexität der Aufgaben von Schulleiterinnen und Schulleitern wird vor diesem Hintergrund immer größer. Fragen der Qualifizierung werden zusehends virulenter.
Der vorliegende Band ist auf Basis einer vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Sektion I, in Auftrag gegebenen Studie zu Rollenbild und Qualifikation von Schulleiter/innen entstanden. Die einzelnen Beiträge der Autor/innen aus Österreich, Norwegen, Dänemark, England und Irland bieten Beschreibungen und Analysen zu aktuellem Schulleiter/innenhandeln im jeweiligen gesellschaftspolitischen und verwaltungsstrukturellen Kontext der einzelnen Länder. Es wird darüber hinaus der Frage nachgegangen, wie Schulleiter/innen adäquat unterstützt und (weiter)qualifiziert werden können.
Die dargestellten Erfahrungen und Spannungsfelder sollten Anregungen für notwendige Entwicklungen in Österreich vor allem im Bereich der Gestaltung von Rahmenbedingungen für Schulen sowie der Unterstützung, Ausund Weiterbildung für Schulleitungen bieten.
Sektionschef Dr. Anton Dobart
Leiter der Sektion I im Bundesministerium für Bildung,Wissenschaft und Kultur
Einleitung
Franz RauchSchulleitung im Kontext aktueller Entwicklungen: Rollenbilder und Qualifikation
Marlies Krainz-DürrDie Rolle der Schulleitung für die Steuerung von Entwicklungsprozessen
Jorunn MoellerSchulleitung in der norwegischen Grundschule
Lejf MoosSchulleitung in Dänemark: Spannungsfelder und Qualifikation
Colin Biott & John GulsonErfahrungen einer kollegialen Unterstützungsgruppe von Volksschulleiter/innen in England
Ciaran SugrueErfahrungen irischer Volksschulleiter/innen mit professioneller Weiterbildung im Rahmen einer kollegialen Unterstützungsgruppe
Franz Rauch & Colin BiottSchulleitung - Kontexte, Herausforderungen, Qualifikation und Unterstützung: Zusammenfassende Betrachtungen
Autorinnen und Autoren
Autonomisierung von Schulen und Regionalisierung von Entscheidungen sind europaweite Entwicklungen in den staatlichen Bildungssystemen. Dies bedeutet aber nicht automatisch einen Rückgang an zentralem Verwaltungseinfluss. Es entwickeln sich vielmehr neue Aufgaben und Einflussmuster zwischen Schule, regionaler Schulverwaltung und zentraler Verwaltung. Dies hat deutliche Auswirkungen auf die Leitung von Schulen. Im vorliegenden Band werden Konzepte, Erfahrungen, Reflexion und Analysen zu Kontexten, Bedingungen, Anforderungen, Rollen und Aufgaben von Schulleitung sowie für eine adäquate Unterstützung und Qualifikation mit Beiträgen aus Österreich, Norwegen, Dänemark, England und Irland vorgestellt. Es wurden internationale Beiträge aus Ländern ausgewählt, in welchen die Verlagerung von Entscheidungen an lokale und regionale Strukturen im Vergleich zur österreichischen Situation schon weiter voran getrieben wurde (Norwegen und Dänemark) oder wo traditionell autonome Entscheidungsstrukturen bestehen (Irland) bzw. wo in den letzten Jahren eine starke externe Qualitätskontrolle durch Inspektion eingeführt wurde (England).
Das Buch nahm seinen Ausgangspunkt mit der Beauftragung einer Studie zu Rollenbildern und Qualifikation von Schulleiter/innen im Kontext aktueller Entwicklungen im Bildungswesen durch das Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (heute Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur). In der Studie wurden Rollen und Aufgaben von Schulleiter/innen auf Basis einer Literaturanalyse deutsch- und englischsprachiger Publikationen identifiziert, durch fünf Interviewpor-traits österreichischer Schulleiter/innen vertieft und in Thesen zusammengefasst. Darauf aufbauend wurden ausgewählte Qualifikationsprogramme aus Kanada, Schottland, den Niederlanden und England analysiert und Aspekte einer zukunftsorientierten Weiterbildung in Österreich extrahiert. Diese von Franz Rauch erstellte Studie bildet in einer bearbeiteten und gekürzten Version der erste Beitrag des vorliegenden Sammelbandes.
Im zweiten Beitrag geht Marlies Krainz-Dürr der Frage nach, welche Steuerungsfunktionen Schulleiter/innen wahrnehmen müssen, um Entwicklungen nachhaltig voranzutreiben. Neben der Analyse der aktuellen organisatorisch-strukturellen Rahmenbedingungen und dem Versuch einer Klärung des Steuerungsbegriffes liegt der Schwerpunkt des Beitrages auf konkretem Führungshandeln von Schulleiter/innen in Veränderungsprozessen. Die Argumentation baut auf einer Organisationslogik von Entwicklung auf, daraus wird die Frage der Funktion von Schulleitung sowie dafür notwendiger Unterstützung herausgearbeitet.
Im internationalen Teil des Bandes beschreibt und analysiert Jorunn Moeller in ihrem Beitrag die Auswirkungen geänderter Rahmenbedingungen auf die Arbeit von Schulleiter/innen in Norwegen, die vor allem durch eine Verschiebung der Entscheidungsbefugnisse von der staatlichen auf die kommunale Ebene im Geiste einer effizienzorientierten Ökonomisierung der Bildung geprägt sind. Für die Arbeit der Schulleitung bedeutet dies eine dramatische Zunahme an administrativer Arbeit sowie an Widersprüchlichkeit (beispielsweise das Loyalitätsdilemma zwischen der pädagogischen Perspektive an der eigenen Schule und effizienzorientierten Vorgaben lokaler Verwaltung). Es besteht unter anderem die Gefahr, dass die wichtigste Aufgabe der Schulleitung, die pädagogische Tätigkeit an der Schule zu leiten, auf der Strecke bleibt. Auch die Qualifikationsangebote für Schulleiter/innen wurden in Norwegen regionalisiert, was zu einer sehr heterogenen Situation in der Angebotslandschaft führte.
Lejf Moos geht in seinem Beitrag aus dänischer Sicht vom Spannungsfeld der Schulleitung zwischen Schulgesetzgebung der staatlichen Behörden, dem New Public Management der kommunalen Behörden und der Kultur an der einzelnen Schule aus. Vor diesem Hintergrund wird das Konzept einer demokratisch reflektierten Schulleitung mit Bezug auf die Machtfrage aus der Sicht des Autors vorgestellt. Es besteht in Dänemark keine Tradition für eine besondere Ausbildung von Schulleiter/innen. Da es in den letzten Jahren immer schwieriger wurde, Stellen mit qualifizierten Bewerber/innen zu besetzen, wurden in jüngster Zeit jedoch Initiativen für die Aus- und Weiterbildung von Leiter/innen gesetzt, die im Beitrag kurz skizziert werden.
Die beiden Aufsätze aus England und Irland greifen Erfahrungen mit kollegialen Unterstützungsgruppen für Schulleiter/innen auf, die vor dem Hintergrund der auch in diesen Ländern rigorosen Reformen besondere Bedeutung erlangen. Colin Biott & John Gulson berichten von Erfahrungen einer Peer Support Group von Volksschullehrer/innen in Nordengland. Als wiederkehrendes zentrales Thema wird die Spannung zwischen erforderlicher Management-Tätigkeit und dem Bestreben, ein Gemeinschaftsgefühl an der Schule zu schaffen, herausgearbeitet. Die Treffen ermöglichen den Leiter/innen, im Kontext eines ständig steigenden Leistungsdruckes, der durch legistische Vorgaben ausgelöst wird, berufliche Werte wie Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder und dem Wohlergehen der Lehrkräfte sowie ein autochthones Verständnis von Qualität zu bewahren.
Das Fehlen eines systematischen staatlichen Weiterbildungsangebotes für Schulleiter/innen in Irland bildet den Anlass für die Entwicklung einer kollegialen Unterstützungsgruppe von Leiter/innen, die an einem universitären Grundkurs teilgenommen hatten. Ciaran Sugrue beschreibt die Erfahrungen und Interventionen als Koordinator dieser seit nun mehr als zehn Jahren aktiven Gruppe. Eines der Resümees lautet, dass eine Unterstützungsgruppe wertvolle Impulse für lebenslanges Lernen liefern kann, die vor allem durch ein von Kollegialität bestimmtes Netzwerk ermöglicht werden.
Der vorliegende Band wird durch ein Resümee der Herausgeber Franz Rauch & Colin Biott entlang der Kategorien Kontexte und Herausforderungen sowie Qualifikation und Unterstützung abgerundet.
Die Herausgeber, Klagenfurt und Newcastle upon Tyne im April 2002
Die Grundlage für dieses Kapitel stellt die Studie „Trends im Rollenbild und in den Aufgaben von Schulleitung und Schulaufsicht in einer sich dynamisch entwickelnden Gesellschaft“ (vgl. Rauch 1998) dar. In dieser Studie wurden auf Basis einer Expertenbefragung 55 ausgewählte Publikationen und graue Texte aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, England und den USA analysiert. Die Hauptergebnisse dieser qualitativen Literaturanalyse werden anschließend, angereichert durch Analysen von Fallstudien an österreichischen Oberstufenschulen (vgl. Rauch 1999), zusammenfassend dargestellt.
Um diese Aussagen exemplarisch zu vertiefen, wurden mit fünf Schulleiter/innen in Österreich halbstrukturierte Interviews geführt. Diese Gespräche werden im dritten Kapitel anhand von Portraits dargestellt, die plastische Eindrücke vermitteln sollen, wie Schulleiter/innen ihre Tätigkeit definieren und ausführen. Im vierten Kapitel werden die beiden Datensätze zu Thesen für Merkmale guter Schulleitung verdichtet.
Der Frage der Qualifikation von Schulleiter/innen wird im fünften Kapitel nachgegangen. Im Zentrum steht die kursorische Darstellung von vier ausgewählten Qualifizierungsprogrammen in der internationalen Arena. Darauf aufbauend werden Bausteine für ein qualitätsvolles Weiterbildungsprogramm aus der Sicht des Autors zusammengefasst.
Die umfangreiche Literatur zur Schulleitung belegt (vgl. Rauch 1998), dass in den letzten Jahren die Komplexität der Rollen und Aufgaben von Schulleiter/innen zumindest in den westlichen Industriegesellschaften zugenommen hat. Neben die klassischen Aufgaben der Verwaltung sind im Gefolge zunehmender Autonomisierung von Schulen Finanzmanagement und Personalentwicklung, pädagogische Führung sowie Qualitätsentwicklung und Qualitätsevaluation hinzu gekommen. Eine besondere Herausforderung für Schulleiter/innen stellen in jüngster Zeit Qualitätsentwicklung und Qualitätsevaluation dar. Es wird argumentiert, dass für eine zukünftige Bewältigung der Leitungsaufgabe kooperative Führungsmodelle, eingebunden in fördernde strukturelle Rahmenbedingungen und hochwertige Weiterbildungsprogramme, zielführend erscheinen. Professionalisierung von Schulleiter/innen wird in einer systemischen Perspektive in enger Verbindung mit der Entwicklung von Einzelschulen und von Schulsystemen gesehen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
