Rico Antonelli, Paul Etterlin
Schulpraktisches Gitarrenspiel
für den musikalischen AlltagISBN Print: 978-3-0355-1533-6ISBN E-Book: 978-3-0355-1534-3
Notensatz: Rico Antonelli
Dieses Werk erschien von 2009 bis 2017 über die Publikationsstelle derPädagogischen Hochschule Zürich (Verlag Pestalozzianum).
1. Auflage 2020Alle Rechte vorbehalten© 2020 hep verlag ag, Bern
www.hep-verlag.ch
Inhalt
Vorwort 6
Das Instrument 7
Die Haltung 8
Bezeichnung der Finger 9
Die leeren Saiten 10
Stimmen der Gitarre 10
Die Tabulatur 11
Die Stammtöne in der I. Lage 12
Das Griffbrett 13
Übungen Stammtöne 14
Warm-up mit und 15
Die Anschlagstechnik bei Liedbegleitungen 16
Die Begleitung 17
Zupfpatterns in verschiedenen Taktarten 19
Eine Anschlaghand – drei Klangfarben 20
Akkordtabelle 21
Harmonisieren in C-Dur 38
Harmonisieren in G-Dur 39
Harmonisieren in D-Dur 40
Kurze Texte zur Vertonung 41
Pentatonik 62
Akkordfolge 1625 66
Barréegriffe 71
Der Quintenzirkel 72
Binär – Ternär 76
Liedvorspiele 80
Harmonisieren in Moll 98
Der Kapodaster 100
Nebenstufen 103
Modulation 110
Wechselbass 120
Bassverbindungen 121
Slash-Chords 123
Skordatur 124
Vorgezogene Akkorde 130
Vierklänge und erweiterte Akkorde 130
Das Fingerpicking 134
Stiles 138
Mehrstimmiger Anschlag 144
Liederübersicht 152
Liednachweis 153
Bildnachweis 158
Die Autoren 159
Dank 160
5
Vorwort
Durch die Einflüsse aus den Stilbereichen Pop / Rock, Jazz und Folk ist die Gitarre aaa
in den letzten Jahrzehnten zu einem der beliebtesten Instrumente geworden. Mit aaa
ihren hervorragenden Eigenschaften als Begleitinstrument wird sie auch im schul- aaa
musikalischen Bereich von Lehrpersonen aller Stufen überaus geschätzt.
Das vorliegende Lehrwerk «Schulpraktisches Gitarrenspiel» richtet sich sowohl an aaa
Musikstudierende der Tertiärstufe (Universität, Pädagogische Hochschule) als aaa
auch an bereits in der Praxis stehende Lehrpersonen.
Mit einem Liedrepertoire vom einfachen Kinderlied über das gängige Volks- und aaa
Schullied bis zum zeitgenössischen Pop / Rock-, Musical- und Jazzsong gibt die aaa
Publikation eine umfassende Gesamtdarstellung des praxisorientierten Gitarren- aaa
spiels für die Schule (Basis-, Primar- und Sekundarstufe). Die u. a. aus verschiede- aaa
nen Schweizer Lehrmitteln ausgewählten Lieder stellen an Universitäten und Päd- aaa
agogischen Hochschulen die Kompatibilität zwischen Instrumentalunterricht und aaa
insbesondere der Fachdidaktik Musik her. Den Studierenden wird ein umfassendes aaa
Lehrbuch für das schulpraktische Gitarrenspiel geboten, das grundlegende gitar- aaa
ristische Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die in der täglichen Unterrichts- aaa
praxis abrufbereit zur Verfügung stehen sollen.
Neben dem Singen, Musizieren und Bewegen (Tanzen) werden stufenspezifische aaa
Themenbereiche erläutert. Auf der Basistufe sind das etwa Morgenlied, Znünilied, aaa
Geburtstag, Rituale usw., auf der Primarstufe Jahreszeiten, Tageszeiten, Sprachen, aaaa
Ereignisse und auf der Sekundarstufe Grooves, Stiles usw.
Zahlreiche Links zu äquivalentem Liedmaterial und allerlei musik- und allgemein- aaa
didaktische Querverweise vermitteln Anfängerinnen und Anfängern wie Fortge- aaa
schrittenen ein umfassendes Wissen sowie die nötigen Fertigkeiten, den Musik- aaa
unterricht auf der Basis-, Primar- und Sekundarstufe kompetent und förderorientiert aaa
zu gestalten. In den Textkästen, die mit dem Icon gekennzeichnet sind, finden aaa
sich nützliche Hintergrundinformationen, das Symbol weist auf didaktische aaa
Tipps hin.
Aus der Tätigkeit beider Autoren an der Pädagogischen Hochschule Luzern und aaa
ihrer langjährigen Erfahrung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung existieren be- aaa
reits verschiedene Skripte und Publikationen. Diese sind in Form einer Gesamtdar- aaa
stellung des praxisorientierten Gitarrenspiels für die Schule zusammengefasst und aaa
zum vorliegenden Werk entwickelt worden.
Rico Antonelli, Paul Etterlin
6
Das Instrument
Die Gitarre ist ein Saiteninstrument, dessen Saiten mit den Fingern oder einem aaa
Plektrum gezupft oder geschlagen werden. Auf der Gitarre können einstimmige aaa
und mehrstimmige Melodien oder Begleitungen gespielt werden.
Die Gitarre ist ein transponierendes Instrument. Das heisst, sie klingt eine Oktave aaa
tiefer, als sie notiert wird. Die Gitarre besteht hauptsächlich aus Holz. Für die Decke aaa
werden Nadelhölzer (Fichte, Zeder), für die Zarge und den Boden Harthölzer (Pali- aaa
sander, Mahagoni) verwendet. Der Hals besteht auch aus einem Hartholz, oft Ma- aaa
hagoni, und das Griffbrett ist aus Palisander oder Ebenholz gefertigt.
7
Die Haltung
Eine gute Haltung ist beim Gitarrenspiel sehr wichtig. Eine falsche Haltung verur- aaa
sacht Fehler in der Handstellung, wodurch Spannungen entstehen, die eine locke- aaa
re Spielweise verhindern. Die Kunst einer guten Haltung besteht darin, die Gitarre aaa
zu fixieren und gleichzeitig in Körper und Händen die grösstmögliche Lockerheit aaa
zu bewahren.
Auflagepunkte
8
Bezeichnung der Finger
Zur Tonerzeugung und zum Spiel der Gitarre braucht man beide Hände. Die linke aaa
Hand ist dabei die Greifhand, das heisst, sie greift die Saiten auf dem Griffbrett, aaa
verkürzt so die schwingenden Saiten und erzeugt einen entsprechend höheren aaa
oder tieferen Ton.
Die rechte Hand zupft oder schlägt die Saiten an und wird somit zur Anschlaghand. aaa
Um die beiden Hände in der Bezeichnung voneinander zu unterscheiden, benutzt aaa
man für die linke Hand Zahlen und für die rechte Hand Buchstaben.
Haltung der linken Hand
Bringen Sie die Finger der linken Hand ganz rechts im Bund so nahe wiemöglich an den Bundstab!So braucht es wenig Druck und die Saite klingt rein.
Haltung der rechten Hand
Die Haltung der rechten Hand hängt von der gewählten Anschlagsart ab. Grund- aaa
sätzlich gibt es zwei verschiedene Anschlagsarten: das Melodiespiel und das Be- aaa
gleitspiel.
Beim Begleitspiel können wiederum verschiedene Arten angewendet werden wie aaa
das Zupfen (Zerlegen), das Schlagen und Mischtechniken. Diese können mit den aaa
Fingern oder mit einem Plektrum ausgeführt werden. Beim Melodiespiel werden aaa
einzelne Töne nacheinander angeschlagen. Dies kann mit dem Daumen, den Fin- aaa
gern, zum Beispiel dem Zeige- und Mittelfinger, abwechselnd (= Wechselschlag) aaa
oder aber auch mit einem Plektrum erfolgen.
Linke Hand
Rechte Hand
Bezeichnung mitBuchstaben (aus demSpanischen)
9
Die leeren Saiten
Lernen Sie dieNamen und dieNoten der leerenSaiten auswendig!
Stimmen der Gitarre
Die Stimmung der Gitarre muss vor jedem Spiel überprüft werden. Am einfachsten aaa
geht es mit einem Stimmgerät. Es gibt jedoch verschiedene andere Möglichkeiten, aaa
die Gitarre zu stimmen, zum Beispiel nach einem anderen Instrument (Klavier), aaa
mittels einer Stimmpfeife oder mit einer Stimmgabel (Kammerton a' 440 Hz). So aaa
gewöhnt sich das Ohr an die richtige Stimmung. Zur Kontrolle können einige Ak- aaa
korde gespielt werden.
Saite (A) leer
Saite (d) leer
Saite (g) leer
Saite (h) leer
Saite (e') leer
10
Die Tabulatur
Die Tabulatur ist eine Griffschrift. Die sechs Linien zeigen die Saiten der Gitarre und aaa
die Zahlen auf den Linien den entsprechenden Bund.
Die leeren Saiten
Die gegriffenen Stammtöne
Die Töne mit Vorzeichen
Akkorde
11
Die Stammtöne in der I. Lage
Die Lage
Lage, das heisst diePosition der linken Handauf dem Griffbrett. Diesewird mit römischenZahlen bezeichnet.Der 1. Finger gibt an, inwelcher Lage gespieltwird.
12
Das Griffbrett
In der unten stehenden schematischen Darstellung steht jeweils ein ganzes Noten- aaa
system für die entsprechende Saite. Der linke Doppelstrich symbolisiert dabei den aaa
Sattel, beim rechten Doppelstrich wird die Oktave erreicht. Die Taktstriche symbo- aaa
lisieren die mit römischen Zahlen bezeichneten Bünde.
13
Übungen Stammtöne
Üben Sie nach folgenden Kriterien:a) Position der Töne (Saite, Bund)b) Name der Töne (Oktavbereich)c) Notenbild
14
Warm-up mit und
Anschlag
a) mit dem Daumen (p)b) im Wechselschlag mitZeige- und Mittelfinger(i m) abwechselndc) mit dem Plektrum
15
Die Anschlagstechnik bei Liedbegleitungen
Der Rhythmus auf der Gitarre entsteht durch gleichmässige Ab- und Aufwärtsbe- aaa
wegungen des rechten Unterarmes. Beim schulpraktischen Spiel auf der Konzert- aaa
und Folkgitarre ist zu beachten, dass eine grosse und gleichmässige Ab- und Auf- aaa
wärtsbewegung für die Kinder eine visuelle Metronomfunktion darstellt. Beim aaa
Spiel auf Elektrogitarren mit kleinerem
Abschlag
Es erklingen nur die Abschläge, die Hand muss aberwieder nach oben geführt werden.
Aufschlag
Wenn bei der Aufwärtsbewegung angeschlagen wird,entsteht ein Aufschlag.
Luftschläge
Bei Zählzeiten, die nicht angeschlagen werden,muss die gleichmässige Armbewegung trotzdemfortgeführt werden. Dies jedoch ohne die Saiten zuberühren respektive anzuschlagen.
Perkussivschläge
Bei Funk-, Soul-, Hardrock- und Latinpatterns werdenoft Rhythmen mit Perkussivschlägen verwendet. Dabeischlägt die rechte Hand die Saiten an, die jedoch vonder linken Hand abgedämpft werden. Dies ist einehäufige Anwendung beim Spiel mit Barréeakkorden,wobei der Druck der Grifffinger leicht gelöst wird.
Abdämpfen (Staccato) (oder Pausen)
Die Saiten werden mit der rechten Hand nach demSchlag abgedämpft. Dies kann mit der Hand oder mitdem Daumen geschehen.
Triolen
Eine Ausnahme in der regelmässigen Ab- undAufwärtsbewegung des rechten Arms bildet dasternäre Spiel mit Triolen. Der Abschlag akzentuiertdie geraden Schläge.
Swing, Shuffle, Slowrock
Hierfür gibt es zwei verbreitete Anschlagsarten:Für den mehrsaitigen akkordischen Anschlag wirdder dritte Triolenschlag als Aufschlag, für das Single-notenspiel oder das Spiel mit Powerchords alsAbschlag ausgeführt.
Ausführliche Beispiele finden sich im Kapitel «Stiles».
16
Die Begleitung
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Begleitarten: Schlagen oder Zup- aaa
fen. In der Folge wird eine Auswahl der wichtigsten ein- und zweitaktigen Schlag- aaa
und Zupfpatterns in verschiedenen Taktarten vorgestellt.
3/4-Takt
Alle oben aufgeführten Patterns sind auch in adäquaten Taktarten wie 3/8, 3/2 usw. aaa
anwendbar.
4/4-Takt
Schlagen
a) mit den Fingernp / i / m / ab) Kombinationenp i / p ma
Vergleichen Sie dazu«Eine Anschlaghand –drei Klangfarben».
c) mit dem Plektrum
Fingerbezeichnung
17
4/4-Takt
Alle aufgeführten Patterns im 4/4-Takt sind auch in adäquaten Taktarten wie 2/4, aaa
4/8 usw. anwendbar.
18
6/8-Takt
Zupfpatterns in verschiedenen Taktarten
3/8-Takt
4/4-Takt
Fingerbezeichnung
19
6/8-Takt
Eine Anschlaghand – drei Klangfarben
Oft klingen die mit nur einem Finger oder mit dem Plektrum angeschlagenen Pat- aaa
terns in ihrer Klangfarbe etwas monoton. Es gibt daher ein einfaches «Vier-Fin- aaa
ger-Prinzip», mit dem Schlagpatterns mit drei Klangfarben und einer natürlichen aaa
Akzentuierung dynamisch und abwechslungsreich gespielt werden können. Die aaa
Aufteilung der Anschlagsfinger in einem 4/4-Takt sieht dann wie folgt aus:
– Daumen (p) als Abschlag auf den 1. und 3. Schlag des Taktes– Mittelfinger (m) und Ringfinger (a) zusammen auf den 2. und 4. Schlag des Taktes– Zeigefinger (i) für allfällige Aufschläge im Offbeat ( 1 + 2 + 3 + 4 + )
20