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Lennard Ekström ist ein erfolgreicher Privatdetektiv, der sein Büro in Gamla Stan, der Altstadt von Stockholm, hat. Seine Assistentin unterstützt ihn bei Büroarbeiten, und in seiner Freizeit geht er ins Fitnessstudio und zum Karatetraining. Er ist Single und auf der Suche nach seiner Traumfrau. Daher lässt er sich von seinem italienischen Kumpel Benedetto Conti überreden, sich auf einer Online-Dating-Plattform anzumelden. Leider ist das Glück nicht auf seiner Seite. Als er fast schon sein Profil löschen will, schreibt ihn Hedda Berglund an. Sie ist Kunsthistorikerin und gibt freiberuflich Führungen zu den künstlerisch gestalteten U-Bahn-Stationen und durch verschiedene Museen der Stadt. Bei einem ersten Treffen stimmt zwischen Lennard und Hedda sofort die Chemie. Es folgen weitere Treffen. Dann erhält der Detektiv einen neuen Auftrag und bittet Hedda um fachliche Unterstützung. Dem Verlagsinhaber Haldor von Rosenqvist ist das Gemälde des Impressionisten Camillo Bonnet mit dem Titel "Gemüsegarten bei Sonnenaufgang" aus seinem Haus gestohlen worden. Er beauftragt Lennard Ekström, das Bild wiederzubeschaffen. Allerdings muss der Detektiv dafür erst ein vom Dieb zurückgelassenes Kunsträtsel lösen. Es sind sieben Fragen, deren Antworten jeweils einen Buchstaben ergeben, die zusammengesetzt ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort verrät den Aufenthaltsort des gestohlenen Bildes. Mit der Hilfe der Kunstexpertin Hedda kann Lennard das Kunsträtsel lösen. Zu seiner Überraschung lautet das Lösungswort "Dresden" in Deutschland. Gemeinsam mit Hedda fliegt er dorthin. In Dresden angekommen, erwartet sie jedoch keine Bildübergabe, sondern ein neues Rätsel. Dies führt sie in die litauische Hauptstadt Vilnius. Es beginnt eine Schnitzeljagd durch das Baltikum. An verschiedenen Orten sieht Hedda immer wieder den gleichen Mann. Werden sie etwa von dem Kunstdieb verfolgt? Wer ist der Mann, der Hedda in Riga bedroht? Wo befindet sich das Bild? Werden Lennard und Hedda den "Gemüsegarten" wiederfinden?
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2025
Kathrin Noreikat
Schwarzer Balsam
Ein Kunstkrimi
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Über das Buch
Kapitel 1
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Danksagung
Impressum neobooks
Kathrin Noreikat
Schwarzer Balsam - Ein Kunstkrimi
Lennard Ekström ist ein erfolgreicher Privatdetektiv, der sein Büro in Gamla Stan, der Altstadt von Stockholm, hat. Seine Assistentin unterstützt ihn bei Büroarbeiten, und in seiner Freizeit geht er ins Fitnessstudio und zum Karatetraining. Er ist Single und auf der Suche nach seiner Traumfrau. Daher lässt er sich von seinem italienischen Kumpel Benedetto Conti überreden, sich auf einer Online-Dating-Plattform anzumelden. Leider ist das Glück nicht auf seiner Seite. Als er fast schon sein Profil löschen will, schreibt ihn Hedda Berglund an. Sie ist Kunsthistorikerin und gibt freiberuflich Führungen zu den künstlerisch gestalteten U-Bahn-Stationen und durch verschiedene Museen der Stadt. Bei einem ersten Treffen stimmt zwischen Lennard und Hedda sofort die Chemie. Es folgen weitere Treffen. Dann erhält der Detektiv einen neuen Auftrag und bittet Hedda um fachliche Unterstützung. Dem Verlagsinhaber Haldor von Rosenqvist ist das Gemälde des Impressionisten Camillo Bonnet mit dem Titel „Gemüsegarten bei Sonnenaufgang” aus seinem Haus gestohlen worden. Er beauftragt Lennard Ekström, das Bild wiederzubeschaffen. Allerdings muss der Detektiv dafür erst ein vom Dieb zurückgelassenes Kunsträtsel lösen. Es sind sieben Fragen, deren Antworten jeweils einen Buchstaben ergeben, die zusammengesetzt ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort verrät den Aufenthaltsort des gestohlenen Bildes. Mit der Hilfe der Kunstexpertin Hedda kann Lennard das Kunsträtsel lösen. Zu seiner Überraschung lautet das Lösungswort „Dresden” in Deutschland. Gemeinsam mit Hedda fliegt er dorthin. In Dresden angekommen, erwartet sie jedoch keine Bildübergabe, sondern ein neues Rätsel. Dies führt sie in die litauische Hauptstadt Vilnius. Es beginnt eine Schnitzeljagd durch das Baltikum. An verschiedenen Orten sieht Hedda immer wieder den gleichen Mann. Werden sie etwa von dem Kunstdieb verfolgt? Wer ist der Mann, der Hedda in Riga bedroht?Wo befindet sich das Bild? Werden Lennard und Hedda den „Gemüsegarten” wiederfinden?
Über die AutorinKathrin Noreikat, geboren 1976 in Esslingen am Neckar, sie machte eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin. Danach arbeitete sie in einer Buchhandlung im Schwarzwald, bei einem Kinder- und Jugendbuchverlag in München und in einer PR-Abteilung bei einer Aachener Firma. Heute lebt sie wieder in ihrer Heimatstadt und arbeitet bei einem großen Zeitschriftenverlag in Stuttgart.
Lennard Ekström schloss die Tür seines Appartements auf. Diese befand sich im 7. Stock eines modernen Wohnblocks im Stockholmer Stadtteil Bromma. Er ging den Flur entlang, an dem rechts das Bad, die Küche und das Schlafzimmer lagen, in den Wohnbereich. Obwohl draußen Minusgrade herrschten, öffnete er die gläserne Schiebetür zum Balkon, um frische Luft hereinzulassen, denn es roch muffig nach abgestandener Luft. Das war nicht verwunderlich, denn der 41-jährige Stockholmer war drei Tage lang nicht daheim gewesen. Er war in Göteborg vor Gericht, um in einem Fall von Unterschlagung als Zeuge auszusagen. Dies war eine Ausnahme gewesen, denn normalerweise war Lennard Ekström kein Zeuge, sondern Ermittler. Genauer gesagt war er ein selbständiger Privatdetektiv mit einem eigenen Büro. Seinen knall-orangenen Rollkoffer packte er im Schlafzimmer aus. Die schmutzige Wäsche warf er vor den Kleiderschrank auf den Boden, um sie später im Keller in der gemeinschaftlichen Waschküche in der Waschmaschine zu waschen. Mit seinem Kulturbeutel betrat Lennard das Badezimmer und räumte die Hygieneartikel in den verspiegelten Alibert und in den Schrank unterhalb des Waschbeckens. Nachdem er die Balkontür wieder geschlossen hatte, entkleidete er sich und stieg unter die heiße Dusche. Es war Anfang Dezember, doch Lennards Haut war leicht gebräunt, weil er manchmal ins Solarium ging. Ebenso war zu erkennen, dass er regelmäßig Sport betrieb, denn sein Oberkörper war sorgfältig trainiert. Seine Augen waren dunkelbraun, und er trug einen gepflegten Dreitagebart. Sein kurzes, dunkelbraunes Haar wusch er mit einem koffeinhaltigen Shampoo. Nachdem er sich umgezogen hatte, stapfte Lennard wenig später durch den Schnee zur nahe gelegenen U-Bahn-Station „Alvik” und fuhr eine Viertelstunde bis zur Haltestelle „T-Centralen”, die auch „Stockholm City” genannt wird. Dort stieg er um und fuhr mit einer anderen Linie bis nach Gamla Stan, der Altstadt von Stockholm. Hier befand sich in einem alten schmalen Haus zwischen Souvenirgeschäften, Cafés und Restaurants sein Detektivbüro. Manchmal kam es vor, dass sich ein Tourist in sein Büro verirrte. Dann schaute er sich irritiert um, weil es keine Postkarten, Pippi-Langstrumpf-Puppen, Tassen, T-Shirts oder Elch-Plüschtiere zu kaufen gab. „Hej”, begrüßte Lennard seine Assistentin Tyra Petterson. Sie saß gleich rechts am Eingang an einem L-förmigen Schreibtisch. Ihre Finger mit den langen und karminrot lackierten Fingernägel tippten in einer rasenden Geschwindigkeit auf der Tastatur. Tyra trug ein graues langes Wollkleid und war dünn wie ein Besenstiel. Ihre Haare waren platinblond und zu einer frechen Kurzhaarfrisur geschnitten. Sie blickte auf. „Hej, Chef! Du bist schon wieder zurück aus Göteborg?” „Wie du unschwer erkennen kannst,” erwiderte er grinsend und sagte: „Ich bin in meinem Büro.” „Okay”, murmelte Tyra und tippte sofort weiter. Lennard ging durch den überschaubaren Empfangsbereich in einen schmalen Flur. Der Raum, den er als Büro nutzte, lag rechts. Die Tür stand meistens offen, denn der Raum war fensterlos und nur so groß, dass gerade ein Schreibtisch, ein Stuhl und ein Sideboard darin Platz fanden. In der gegenüberliegenden Küche gab es eine Kaffeemaschine, einen Wasserkocher, einen Kühlschrank und eine Mikrowelle. Daneben war die Toilette. Am Ende des Flurs führte eine Milchglastür in einen Besprechungsraum. Er machte sich einen Kaffee in der Küche und arbeitete die nächsten zwei Stunden am Computer und beantwortete E-Mails. Gegen 16 Uhr klopfte Tyra an den Türrahmen. Sie trug bereits einen Wintermantel und wickelte sich mehrfach einen schwarzen Schal um den Hals. „Hast du eigentlich schon mein neustes Video gesehen?”, wollte sie wissen und setzte sich eine Mütze mit Bommel auf. Lennard verneinte, worauf Tyra eine Schnute zog. „Ich werde es mir gleich ansehen. Ich verspreche es”, schwor der Detektiv, worauf sich auf Tyras Gesicht ein Lächeln ausbreitete.
Als Tyra fort war, schloss Lennard die Eingangstür ab. Es sollte kein Tourist hereinkommen und womöglich nach einer Toilette fragen. Das war nämlich schon mehrmals vorgekommen. Dann klickte der Detektiv den YouTube-Kanal seiner Assistentin an. Tyra gab im Internet Beauty-Tipps. Sie drehte regelmäßig Videos über Skincare und Makeup. Ihr Traum war es, eine berühmte Influencer zu werden und von ihrem Kanal leben zu können, wie sie ihm anvertraut. Bis der große Internetdurchbruch kam, war Tyra seine Assistentin. Sie tippte Berichte, recherchierte im Internet, buchte Mietwagen, Flüge, Hotelübernachtungen, goss die Yuccapalme im Büro und holte manchmal Mittagessen beim Italiener drei Häuser weiter. Apropos Italiener. Er war mit seinem Kumpel Benedetto Conti verabredet und sollte gleich aufbrechen, sonst würde er zu spät in La Casa del Gusto kommen, wo es angeblich die beste Pizza der Stadt geben sollte.
In diesem Moment klingelte sein Handy. Der Detektiv sah auf das Display und erkannte, es war Benedetto.
„Hej! Wie geht es dir? Wir sehen uns ja gleich, ach so, du kannst nicht kommen. Schade. Nein. Ich bin nicht sauer. Warum kannst du nicht kommen? Verstehe. Deine Chefin Jette. Ja, ich weiß, dass du der heimliche Chef in der Haarspalterei bist und viele Stammkundinnen hast und ihnen die Haare frisierst. Was? Das glaube ich nicht. Wie kann sie dir unterstellen, dass du der Kundin absichtlich die Haare grün gefärbt hättest! Ein Ultimatum? Die Frau spinnt. Ich habe dir schon einmal gesagt, dass du dir einen neuen Friseursalon suchen solltest. Wie? Jaja, Hairstylisten. Was sagst du? Und dann ist auch noch Lars krank. Oh Mann! Das tut mir leid. Was hat er? Oh! Verstehe. Dann richte ihm gute Besserung aus. Sicher. Wir treffen uns ein anderes Mal. Bis dahin. Ciao.”
Tagebuch von Hedda Berglund
15. Dezember 2022
Ich habe es getan. Ich habe mich auf der kostenlosen Online-Plattform www.findlove.de angemeldet. Die Trennung von Adam liegt schon ein Jahr zurück und ich fühle mich jetzt bereit für eine neue Beziehung. Ich habe ein Profil angelegt und gab mir das Pseudonym FridaK, weil ich die Künstlerin Frida Kahlo bewundere. Danach habe ich ein Selfie mit dem Smartphone gemacht und habe rasch ein unifarbenes dunkelblaues Polo-Shirt angezogen). Danach habe ich das Bild auf die Plattform hochgeladen und habe die Felder zur Persönlichkeit, Beruf, Hobbies und Interessen ausgefüllt. Des Weiteren habe ich bei Alter 38 Jahre, bei Größe 1,75 Meter, bei der Figur schlank und beim Kleidungsstil modisch angegeben.
Dann habe ich Nichtraucher und ledig angeklickt sowie bei Essensvorlieben asiatisch, griechisch, mexikanisch und indisch angegeben. Zuletzt habe ich meine Wunschvorstellungen ausgefüllt. Es sollte ein Mann zwischen 38 und 49 Jahren und zwischen 1,70 Metern und 1,90 Metern groß sein, keine Kinder aus früheren Beziehungen haben und Nichtraucher sein.
In der Menueleiste oben kann ich sofort erkennen, wer mein Profil aufgesucht hat, und durch eine Ziffer unter dem Menüpunkt „Posteingang” kann ich sehen, ob ich eine Nachricht erhalten habe. Natürlich kann ich auch einem männlichen Profil eine Nachricht zukommen lassen. Zunächst habe ich planlos auf der Website gesurft, habe das eine oder andere Profil angeklickt, begutachtet und die persönlichen Angaben der jeweiligen Person durchgelesen.
Als Anmeldehinweis stand, dass es ratsam sei, sich ein Pseudonym anzulegen. Manche tun dies wohl nicht, denn es gab einen Peter79, DennisST und LeifamMeer. Andere Pseudonyme sind nicht besonders kreativ, wie ich finde: Floridayboy, InsWasser, spanier82, Vanillacream, HP75, Herzblatt_23, Laubfrosch, hundepapi.
Manche Fotos lassen zu wünschen übrig. Oft sind es Selfies vor dem Badezimmer- oder Kleiderschrankspiegel. Einige Fotos sind verwackelt oder (etwas) unscharf. Manchmal sind andere Personen auf den Bildern zu sehen, die jedoch unkenntlich gemacht wurden. Ex-Freundinnen oder die eigenen Kinder?
Lucas, 46 Jahre alt aus Huddinge schreibt in seinem Profil: „Ich bin Jasper, ein ruhiger, zuverlässiger und schüchterner Mann. Doch ich bin mir sicher, dass ich das Herz am rechten Fleck habe. Seit fünf Jahren bin ich alleine. Ich suche eine liebe Frau, mit der ich eine langfristige Beziehung aufbauen kann.”
Das Statement von Hundefreund34: „Ich bin ein lustiger, positiver, ehrlicher, romantischer, süßer Mann, der DICH sucht!!!”.
Von: Lennard Ekström
Gesendet: 16. Dezember 2022 22:25
An: Benedetto Conti
Betreff: Online-Dating-Erfahrungen
Hi Benedetto,
schade, dass wir uns nicht gesehen haben. Ein anderes Mal klappt es sicher.
Aus dem Leben eines Privatdetektivs:
Den Ahnenforschungsfall habe ich abgeschlossen. Die Klientin war sehr enttäuscht, dass ich keine familiären Verbindungen zum Königshaus herstellen konnte. Die Rechnung hat sie trotzdem beglichen.
Hier ein Update vom Online-Dating, obwohl es schon spät ist und ich morgen früh raus muss. Wie du weißt, warst du es, der mich dazu überredet hat, sich auf einer Plattform anzumelden. Nun bin ich seit einem Vierteljahr auf der kostenlosen Online-Plattform www.findlove.de angemeldet. Ich kann mich vor lauter Anfragen kaum retten. Manche Nachrichten sind sehr einfallslos, andere Frauen schicken mir witzige und geistreiche Nachrichten.
Mit Grete, Astrid und Zoe traf ich mich einmal. Keiner der dreien wollte ein Wiedersehen, nachdem ich ihnen eine Nachricht geschrieben hatte. Mit Mia verabredete ich mich dreimal. Sie war Biologielehrerin, und in ihrer Freizeit spielte sie Volleyball in einer Mannschaft. Ihr Ex-Freund meldete sich wieder bei ihr. Da hatte ich keine Chance mehr.
Von den zwei One-Night-Stand-Angeboten habe ich dir schon in der letzten E-Mail berichtet. Vorgestern bot sich eine Katja aus Södertälje unmissverständlich an. Ich habe erst gar nicht geantwortet.
Nun habe ich Solveig kennengelernt. Seit zwei Wochen chatten wir regelmäßig und haben uns bereits zweimal getroffen. In ihrem Profil gab sie an, dass sie keine Kinder hat. Das finde ich gut. Ich möchte kein Ersatz-Vater sein.
Gestern rief ich sie an, um eine nächste Verabredung zu vereinbaren.
Wer ging an Solveigs Handy? Ihr Sohn!
„Hier ist Lucas. Die Mama ist grad auf dem Klo”, meldete sich eine Kinderstimme. Aha! Die Mama!
Kurz darauf kam Solveig ans Handy: „Hej! Wer ist da?”
Als ich sie zur Rede stellte, druckste sie herum. Es sei schwierig, als alleinerziehende Mutter von zwei (!) Kindern einen passenden Partner zu finden, redete sie sich heraus. Sie dachte, dass sie die Kinder vorerst verschweigen sollte. Vorerst!
Dazu fällt mir nichts mehr ein!
Lennard
Tagebuch von Hedda Berglund
20. Dezember 2022
Heute habe ich eine Touristengruppe aus Deutschland begleitet. Ich biete diese Stadtführung bei verschiedenen Reisegesellschaften an. Ich habe sie selbst zusammengestellt und nenne sie „Kunst im Untergrund”. Das heißt, ich führte Touristen und interessierte Stockholmer zu den in den 70er-Jahren von verschiedenen Künstlern gestalteten U-Bahn-Stationen, die hier in Stockholm T-Bahn-Stationen heißen. Es betrifft die blauen Linien, also Nr. 10 und 11.
Ich stelle immer wieder fest, wie beliebt diese Führung ist. Das freut mich natürlich und meinen Geldbeutel.
Die deutsche Gruppe bestand aus vierzehn Personen im Rentenalter. Die älteste Teilnehmerin war 84, wie sie mir stolz auf gebrochenem Englisch mitteilte. Da ich kein Deutsch kann, sprach ich langsam und deutlich auf Englisch und verwendete einfache Sätze. An der Reaktion der Teilnehmer konnte ich erkennen, dass sie mich gut verstanden.
Unsere erste Station war „Fridhemsplan” im Stadtteil Kungsholmen. An einem normalen Werktag steigen hier über 51.000 Pendler zu und um, erklärte ich. Ingegerd Möller gestaltete die Station u.a. mit Schaukästen, in denen Treibgut wie Holzstücke, ein Puppenkopf und ein alter Stiefel ausgestellt sind.
Die Touristen machten viele Fotos, und ein Teilnehmer filmte fast permanent mit seinem Handy.
Weiterfahrt zur nächsten Station: Radhust
Künstler: Sigvard Olsson.
Der Bahnhof wurde in bergmännischer Bauweise mit zwei Bahnsteigstollen und Querschlägern an den Enden sowie in der Mitte errichtet. Die Bahnsteige befinden sich circa 27 Meter unter der Erde. Wir fuhren die sehr lange Rolltreppe hinauf und gleich wieder hinunter, weil diese Rolltreppe in ihrer Art einzigartig ist.
Nächste Station: T-Centralen.
Künstler: Per Olof Ultvedt
Ich habe der Gruppe erklärt, dass diese Station das Herz des Stockholmer U-Bahn-Systems sei, denn hier treffen alle Linien aufeinander. An normalen Werktagen steigen hier 247.000 Pendler um.
Blaue Ranken, Blumen und Bauarbeiter-Silhouetten von Ultvedt (1975). Außerdem emaillierte Tafeln „Take the A-train” von Carl Fredrik Reuterswärd (1984).
Unsere letzte Station war: Kungsträdgarden.
Künstler: Ulrik Samuelson.
Die Station liegt unter dem gleichnamigen Platz im Stadtteil Norrmalm. Die Bahnsteige befinden sich circa 34 Meter unter der Erde, und am Tag sind hier fast 10.000 Fahrgäste unterwegs. Die Wände waren teilweise im Stil des spanisch-katalanischen Malers Miro gestaltet.
Nach fast zwei Stunden habe ich meine Führung beendet. Die Deutschen applaudierten und manch einer gab mir ein Trinkgeld.
Roderich72 hat mir eine Nachrictht auf der Online-Plattform hinterlassen: „Hej FridaK, ich bin noch bis Februar beruflich in Stockholm. Hast du Lust auf eine Affäre oder ein Liebesabenteuer mit mir?”
Von: Lennard Ekström
Gesendet: 20. Dezember 2022 17:34
An: Benedetto Conti
Betreff: Zwischen den Jahren
Hej Ben,
morgen schließe ich das Büro. Es wird also zwischen den Jahren geschlossen sein. Tyra wird zu ihren Eltern nach Nordschweden fahren. Sicher wird sie wieder ein oder zwei Videos drehen, denn sie kann von überall ihren YouTube-Kanal mit ihren Beautytipps bedienen.
Heute kam eine ältere Dame mit Pelzmantel und passendem Hut ins Büro. Da Tyra gerade in der Mittagspause war, begrüßte ich die Dame. Sie bat mich, ihren entlaufenen Barsoi zu finden. Falls du nicht weiß, was ein Barsoi ist:
Das ist ein großer Windhund, der aus Russland stammt. Er gehört zu den ältesten Hunderassen und ist eines der schnellsten Landtiere der Welt.
Nur mit Mühe konnte ich die Dame davon überzeugen, dass ich solche Fälle nicht übernehme, auch wenn ich Privatdetektiv bin.
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!
Lennard
Von: Benedetto Conti
Gesendet: 21. Dezember 2022 20:45
An: Lennard Ekström
Betreff: Heimat
Lieber Lennard,
gestern bin ich nach bella Italia geflogen. Ich bin in einem kleinen Dorf 60 Kilometer südlich von Rom bei meinen Eltern. An Weihnachten kommen meine drei Geschwister mit ihren Kindern und den Hunden.
Dir ein frohes Fest und alles Gute für das kommende Jahr!
Ben
Tagebuch von Hedda Berglund
28. Dezember 2022
Ich bin wieder in Stockholm, denn ich war über die Weihnachtstage Kerstin in der Schweiz besuchen. Wir kennen uns seit dem Studium und besuchen uns abwechselnd. Sie, ihr Mann, die zwei Teenagermädchen und ich hatten ein gefülltes Programm aus Nachtwanderung, Lagerfeuer und Fondue. Es war sehr schön und der Abschied fiel mir schwer!
Kerstin versprach, zum Mittsommer nach Schweden zu kommen.
Weiterhin bin ich auf findlove.de unterwegs. Kerstin findet das eine gute Idee, und sie drückt mir fest die Daumen.
Ich habe einen Griechen kennengelernt, der seit 30 Jahren in Schweden lebt, Elektroniker von Beruf ist und in Huddinge wohnt. Er heißt Pavlo und schickt mir mehrmals am Tag lustige Bildchen oder Videos. Natürlich revanchiere ich mich mit ebenfalls witzigen Videos, die ich im Internet auf die Schnelle finde. Ich glaube nicht, dass wir uns jemals treffen werden, trotzdem macht es Spaß, mit ihm in Kontakt zu sein.
Kürzlichließ mich Knut, 48 Jahre alt, wissen, dass er seinen Kinderwunsch schon seit Jahren begraben hat. Um seinen CO2-Fußabdruck möglichst gering zu halten, hat er kein Auto. „Ich nehme Bus und Bahn. Die Nachtzüge ins europäische Ausland kann ich durchaus empfehlen. Das Fliegen in exotische Länder oder auf Inseln am anderen Ende der Welt, um dort Urlaub zu machen, verabscheue ich. Am Samstag findet die Demo „Licht aus! Lichtverschmutzung ein Ende setzen” auf dem Sergel-Platzstatt. Wollen wir zusammen dorthin hingehen? Ich würde mich sehr freuen! Danach können wir gerne einen Kaffee trinken, denn ich kenne ein Café, welches nur Kaffee aus Fair Trade anbietet.”
Nein, denn ich habe keinen Bock auf so einen Klimaschutzaktivisten.
Reizvoller finde ich das Profil von Masseurmann aus Barkarby. Ich habe ihm eine Nachricht geschickt und er hat sich nur wenige Minuten später zurück gemeldet. Er heißt Ulric. Das sei die französische Variante von Ulrich und würde Herrscher heißen, teilte er mir mit. Daraufhin habe ich erwiderte: „Ich heiße nicht Frida, sondern Hedda, was ,Die Kämpferin’ bedeutet.”
Das beeindruckte Ulric, dessen Mutter Französin und Vater Schwede ist. Er ist Physiotherapeut und Ernährungsberater und hat in Barkarby eine eigene Praxis mit drei Angestellten. In seiner Freizeit spielt er Gitarre und singt dazu. An den Wochenenden hat er im Großraum Stockholm und bis nach Uppsala Auftritte in Bars und Veranstaltungsräumen.
Wir beide suchen etwas „Festes”.Ulric scheint ein Frühaufsteher zu sein, denn er schickt mir morgens um 5 Uhr eine WhatsApp-Nachricht. Darüber freue ich mich, wenn ich gegen 7 Uhr aufstehe.
Gestern Nachmittag habe ich mich spontan mit Ragnar getroffen. Wir haben einen Spaziergang durch den winterlich anmutenden Königlichen Nationalstadtpark gemacht.
Ragnar ist 51 Jahre alt und stammt aus Malmö. Sein Foto im Internet scheint vor 10 Jahren aufgenommen worden zu sein, denn auf dem Bild sieht er wesentlich schlanker aus. In Natura ist Ragnar kleiner als ich. Er trägt einen nicht zu übersehenden Kugelbauch vor sich her und die blonden Haare hatte er über eine beginnende Glatze gekämmt. Beruflich war er schon alles Mögliche, meinte er. Jetzt arbeitet er im Tierheim und wäre für die Kleintiere zuständig.
Wir waren kaum ein paar Schritte gegangen, da hat er mich mit Fragen bombardiert:
„Wie lange bist du schon Single?”, „Willst du Kinder?”, „Was für Erwartungen hast du an eine Beziehung?” und „Wie wichtig ist dir Nähe, Sex und Zärtlichkeit?”
Ich habe mich wie bei einem Verhör gefühlt. Ein zweites Date, wie es sich Ragnar beim Abschied wünschte, möchte ich auf keinen Fall. Ich habe mich in seiner Gegenwart nicht wohl gefühlt.
Ich hoffe, dass ich nächstes Wochenende endlich Ulric treffen werde.
Von: Lennard Ekström
Gesendet: Mittwoch, 28. Dezember 2022, 14:45
An: Benedetto Conti
Betreff: Alice
Hi Benedetto,
über Weihnachten war ich in Karlstad bei meinen Eltern und meinen beiden Geschwistern und deren Kindern. Es ist immer lustig, laut, feucht-fröhlich und es gibt viel zu essen.
Mit dem 1.000-Teile-Puzzle, welches ich von dir zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, habe ich begonnen. Die Skyline von New York mit der Brooklyn Bridge im Vordergrund gefällt mir sehr gut. Vielen Dank nochmal dafür!
Heute Vormittag war ich im Fitnessstudio und habe fast zwei Stunden trainiert. Das Studio wird zum kommenden Jahr die Gebühren erhöhen, weil sie neue Geräte mit integrierter KI angeschafft haben. Ich glaube, dass mir das Studio dann zu teuer wird und ich den Vertrag kündigen werde.
Nachdem ich erfahren habe, dass Solveig mich bezüglich ihrer Kinder angelogen hat, habe ich den Kontakt zu ihr abgebrochen.
Ich habe jedoch schon wieder jemand Neues kennengelernt: Alice, 42 Jahre alt, keine Kinder. Sie arbeitet als Teamassistentin in einer großen Anwaltskanzlei in Norrmalm.
In ihrer Freizeit geht sie gerne wandern. Um zu entspannen, malt sie Mandalas in einem Block aus. Ich puzzle zur Entspannung, wie du weißt. Mal sehen, wann ich Alice persönlich treffen werde.
VG
Lennard
Tagebuch von Hedda Berglund
Samstag, 7. Januar 2023
Meine erste Führung in diesem Jahr habe ich am Vormittag im Nationalmuseum gehabt. Es hat die größte Kunstsammlung des Landes. Natürlich stelle ich nicht alle 16.000 Gemälde und 30.000 Objekte vor, sondern habe einzelne Gemälde ausgewählt, die ich den Besuchern näher beschreibe. U.a. sind Bilder von Rembrandt, Rubens und Renoir dabei. Die Touristengruppe kam aus Frankreich, daher konnte ich mein etwas eingerostetes Französisch verwenden. Die Museumsleitung ist immer dankbar, wenn ich eine Führung auf Französisch übernehmen kann, weil nur wenige Museumsführer diese Sprache sprechen. Natürlich hatte ich einen Spickzettel dabei (für alle Fälle), auf welchem ich die Fachbegriffe notiert hatte.
Apropos Frankreich:
Den Halbfranzosen Ulric habe ich bis jetzt noch nicht persönlich kennengelernt. Seine WhatsApp-Nachrichten werden immer seltener. Auf meine letzte Nachricht reagierte er nicht. Warum schreibt er plötzlich nicht mehr?
Um meine Enttäuschung darüber zu vergessen, habe ich gemalt. Ich male weiterhin Naturmotive. Das Bild habe ich dann fertig erstellt. Ich nenne es: „Sonnenhungrige Weintrauben, die durch das grüne Laub der Weinstöcke schauen.”
Von: Lennard Ekström
Gesendet: Samstag, 7. Januar 2023, 20:39
An: Benedetto Conti
Betreff: Versetzt
Hej Ben,
deine spontan organisierte Silvesterfeier war der Knaller (im wahrsten Sinne des Wortes).
Es tut mir leid, dass du dich mit deinem älteren Bruder gestritten hast und du vorzeitig aus Italien abreisen musstest. Vielleicht kannst du mit deinem älteren Bruder nochmal telefonieren?
