Das Kombiticket - Kathrin Noreikat - E-Book

Das Kombiticket E-Book

Kathrin Noreikat

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Beschreibung

An einem verregneten Sonntag kauft Tante Ruth ein Kombiticket für das paläontologische Museum und Planetarium. Ihr neunjähriger Neffe Conrad und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Theodor sind begeistert. Sie interessieren sich nämlich sehr für Dinosaurier und das Weltall. Kaum hat die Vorführung "Gibt es Leben im All?" begonnen, klagen die Kinder über Durst. Auf der Suche nach dem Getränkestand öffnen sie eine Tür. Plötzlich befinden sie sich an einem anderen Ort. Sie sind auch keine Kinder mehr, sondern Erwachsene, die marineblaue Uniformen tragen. Nach und nach erfahren Conrad und Theodor, dass sie sich auf dem Raumschiff Invictus befinden und Teil einer internationalen Crew sind. Ihre Reise führt sie zu dem erdähnlichen Planeten namens Kepler-186f. Mit an Bord sind 3.000 Kolonisten, die in Hyperschlafkammern, liegen sowie Fahrzeuge und Baumaterial für die Besiedelung des Exoplaneten. Werden Conrad und Theodor einen Rückweg auf die Erde und zurück ins Planetarium finden? Oder werden sie für immer auf dieser neuen Super-Erde leben müssen?

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Seitenzahl: 140

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Kathrin Noreikat

Das Kombiticket

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Über das Buch

Über die Autorin

Wenn ich das Wunder eines Sonnenuntergangs oder die Schönheit des Mondes bewundere, so weitet sich meine Seele in Ehrfurcht vor dem Schöpfer.

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Tagebucheintrag Conrad Jakoby

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

Tagebucheintrag Conrad Jakoby

10. Kapitel

11. Kapitel

Tagebucheintrag Conrad Jakoby

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

Artikel aus “Die neue Zeit” von Aubrey Breckenridge Expedition ins Ungewisse

17. Kapitel

Wettervorhersage in “Die neue Zeit” von Meteorologin Margot Oberski

18. Kapitel

Sensationelle Entdeckung in einer Höhle

Zurück in die Urzeit?

Tagebucheintrag Conrad Jakoby

19. Kapitel

20. Kapitel

Danksagung

Artikel aus “Die neue Zeit” von Aubrey Breckenridge

Artikel aus “Die neue Zeit” von Aubrey Breckenridge

Impressum neobooks

Über das Buch

An einem verregneten Sonntag kauft Tante Ruth ein Kombiticket für das paläontologische Museum und Planetarium. Ihr neunjähriger Neffe Conrad und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Theodor sind begeistert. Sie interessieren sich nämlich sehr für Dinosaurier und das Weltall.

Kaum hat die Vorführung `Gibt es Leben im All?’ begonnen, klagen die Kinder über Durst. Auf der Suche nach dem Getränkestand öffnen sie eine Tür. Plötzlich befinden sie sich an einem anderen Ort. Sie sind auch keine Kinder mehr, sondern Erwachsene, die marineblaue Uniformen tragen. Nach und nach erfahren Conrad und Theodor, dass sie sich auf dem Raumschiff Invictus befinden und Teil einer internationalen Crew sind. Ihre Reise führt sie zu dem erdähnlichen Planeten namens Kepler-186f.

Mit an Bord sind 3.000 Kolonisten, die in Hyperschlafkammern, liegen sowie Fahrzeuge und Baumaterial für die Besiedelung des Exoplaneten.

Werden Conrad und Theodor einen Rückweg auf die Erde und zurück ins Planetarium finden? Oder werden sie für immer auf dieser neuen Super-Erde leben müssen?

Über die Autorin

Kathrin Noreikat wurde 1976 in Esslingen am Neckar geboren. Sie machte eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin. Danach arbeitete sie einige Jahre in einer Buchhandlung im Schwarzwald. Nach einer Weiterbildung zur staatlich geprüften Betriebswirtin war sie bei einem Kinder- und Jugendbuchverlag in München tätig. Heute lebt sie in Aachen.

Wenn ich das Wunder eines Sonnenuntergangs oder die Schönheit des Mondes bewundere, so weitet sich meine Seele in Ehrfurcht vor dem Schöpfer.

Mahatma Gandhi

Kapitel

Sie wurde von einem ohrenbetäubenden Krachen geweckt. Schlaftrunken stand sie in ihrem geblümten Nachthemd auf und schlurfte in ihren rosa Plüschpantoffeln über den schmalen Flur. Woher war an diesem frühen Morgen der Lärm hergekommen? Im Wohnzimmer fand sie die Quelle. “Guten Morgen”, sagte Ruth. Ihr beiden Neffen saßen in ihren bunten Schlafanzügen auf dem Fußboden und sortierten kleine Spielzeugautos nach Farben. Neben ihnen lag eine leere Kiste. Ruth kombinierte: Es war das Umstürzen der vielen kleinen Blechautos aus der Kiste gewesen, das sie aus dem Schlaf gerissen hatte.

Sie schlug die Hände über den Kopf. “Wie sieht es denn hier aus?”

Das Wohnzimmer sah aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte: die Matratzen, auf denen die Kinder geschlafen hatten, lagen nicht mehr vor dem zweisitzigen Sofa, sondern lehnten an der Schrankwand. Die Schlafsäcke lagen zusammengeknüllt unter dem Fenster und zahlreiche Buntstifte waren im ganzen Zimmer verteilt.

“Wann gibt es eigentlich Frühstück? Ich habe Hunger”, fragte Theodor und boxte mit einem Spielzeugauto an ein anderes.

Über das Wochenende war ihr jüngerer Bruder mit seiner Frau in einem Wellness-Hotel ins Allgäu gefahren. Sie nahmen sich so eine kleine Auszeit von ihren Kindern. Seit Freitagabend waren der neunjährige Conrad und sein zwei Jahre jüngere Bruder Theodor bei ihrer Tante. Ruth Jakoby war im April 41 Jahre alt geworden, vor zwei Jahren hatte sie sich von ihrem langjährigen Freund getrennt und war kinderlos geblieben.

Sie verdiente ihr Geld als Floristin in einem Blumenladen in der Stuttgarter Innenstadt. Ihr Traum war es, eines Tages einen eigenen Blumenladen zu führen.

Die Tante gähnte, sie hätte gerne noch länger geschlafen. Jetzt war sie wach und konnte somit auch gleich das Frühstück vorbereiten. In der Küche kochte sie Kaffee und stellte Brettchen und Tassen auf den Tisch. Die Kinder wollten nur Toastbrot mit Nutella essen. Dabei hatte Ruth extra ein teures Schokoladenmüsli ohne Zuckerzusatz im Bioladen gekauft

“Was machen wir heute?”, wollte Conrad wissen und strich sich daumendick die braune Nussnougatcreme auf eine Toastscheibe. Genüsslich biss er hinein. Ruth schaute aus dem Fenster. Es war immer noch regnerisch und grau. Gestern waren sie schon bei Nieselregen in der Wilhelma, dem Stuttgarter Zoo, gewesen. Einen Ausflug zum Waldspielplatz wollte die Tante bei diesem Schmuddelwetter nicht vorschlagen. Nachdenklich rührte die Floristin in ihrer Schüssel mit Waldbeeren-Porridge. “Wie wäre es mit einem Besuch im Völkerkundemuseum? So weit ich weiß, gibt es dort eine Sonderausstellung zu den Azteken. Sie haben eine Hochkultur geschaffen und lebten zwischen dem 14. und dem frühen 16. Jahrhundert in Mexiko und ....”

Theodor, der einen Milchbart um seinen Mund trug, unterbrach seine Tante: “Wir wissen was die Azteken sind. Das wurde neulich in der `Sendung mit der Maus’ erklärt.”

“Aha. Habt ihr Interesse an der Ausstellung?”

Die Kinder schüttelten synchron die Köpfe. “Wir mögen Dinosaurier”, erklärte Conrad und nahm sich eine weitere Toastscheibe aus dem Brotkorb.

Ruth nickte und schlug deshalb einen Besuch im paläontologische Museum vor.

Diese Idee fanden die Kinder “sehr cool”.

Der Vorschlag, vor dem Museumsbesuch noch das Wohnzimmer aufzuräumen, wurde von den Jungs strikt abgelehnt.

An diesem regnerischen Sonntagvormittag hatten mehrere Familien die Idee ins Dinomuseum zu gehen. Die Schlange vor der Kasse war dementsprechend lang. Endlich stand Ruth mit ihren Neffen vor dem Ticketschalter.

“Grüß Gott. Ein Erwachsener und zwei Kinder, sieben und neun Jahre alt”, sagte Ruth.

“Wollen Sie normale Eintrittskarten oder drei Kombitickets?”, wollte die Kassiererin wissen.

“Kombiticket? Was ist das?”, erkundigte sich Ruth.

“Das Kombiticket beinhaltet den Eintrittspreis unseres paläontologischen Museums und zusätzlich noch das vom Planetarium. Sie sparen damit sagenhafte 20%.”

Die Kinder hörten aufmerksam zu. “Planetarium, au ja!”, jubelten sie.

Die Kassierin sprach weiter: “Die Vorstellung im Planetarium beginnt um 14.30 Uhr und heißt `Gibt es Leben im All?’. Sie ist wirklich sehenswert und wie gesagt, Sie sparen 20%.”

Ruth schaute in zwei verzückte Kindergesichter.

“Drei Kombitickets, bitte”, beschloss sie.

In der Ausstellung waren hauptsächlich ausgestorbene Lebewesen Baden-Württembergs ausgestellt. Dinosaurier aus der Triaszeit und Fisch- und Flugsaurier aus der Jurazeit. Die Kinder waren begeistert und rannten von Vitrine zu Vitrine. Eifrig füllten sie das Quiz aus, das ihnen die Kassiererin noch mitgegeben hatte. Sie beantworteten sämtliche Fragen richtig und erhielten jeder daraufhin einen kleinen Schokoladendinosaurier von einer Museumswärterin geschenkt.

Beim Hinausgehen des Dinosauriermuseums, regnete es immer noch. Obwohl den Kindern der Besuch Spaß gemacht hatte, bemängelte Theodor, dass es keinen Tyrannosaurus in der Ausstellung gegeben hätte und Conrad beklagte das Fehlen eines Megalodon.

Ruth verdrehte die Augen, schaute auf die Uhr, denn schließlich mussten sie pünktlich zur Vorstellung im Planetarium sein.

“Wie wäre es, wenn wir jetzt zu McDonalds gehen?”, schlug sie vor.

Das musste die Tante nicht zweimal sagen, denn die Jungs bekamen leuchtende Augen. Im Schnellrestaurant bestellte Ruth zweimal das Happy Meal Menü für die Neffen und für sich selbst einen Caesar Salat. Zum Nachtisch gab es noch ein McFlurry-Eis.

Kapitel

Schon von weitem sahen Tante und Neffen das schwarze, kugelförmige Gebäude. Es war das Planetarium der Stadt. An der Garderobe gaben sie ihre Jacken und Regenschirme ab. Sie gingen am Ticketschalter vorbei, direkt zur Eingangstür des Vorführraums. Dort stand eine Frau in einer dunkelblauen Uniform mit einem weißen Halstuch und kontrollierte den Einlass.

“Grüß Gott! Henn Sie a Kombiticket oder a normales?”, erkundigte sie sich auf Schwäbisch.

“Wir haben Kombitickets”, erwiderte Ruth und hielt die drei Eintrittskarten der Frau entgegen. Diese riß jeweils eine kleine Ecke von den Karten ab.

“Viel Spaß bei unserer Show ‘Gibt es Leben im All?’”, sagte sie lächelnd.

Da freie Platzwahl herrschte und der kuppelartige Raum noch fast leer war, rannten die Kinder gleich zur ersten Reihe und warfen sich in die drehbaren und bequemen Sessel. In der Mitte des Saals stand der Projektor, der eine löchrige, große Kugel auf Stelzen war.

Ungeduldig warteten Ruth, Theodor und Conrad auf den Beginn der Vorführung. Endlich wurde das Licht gedimmt und eine Männerstimme aus einem Lautsprecher tönte: “Herzlich willkommen im Stuttgarter Planetarium! Kommen Sie mit auf eine Reise zu den Sternen. Erforschen Sie fremde Welten und entdecken Sie neues Leben in anderen Galaxien.”

Musik spielte und auf der Leinwand oben an der Kuppel wurden die ersten Bilder projiziert. Hunderte, nein tausende von Lichtpunkten, die Sterne darstellten, leuchteten auf.

“Wir werden uns zusammen auf die Suche nach Leben im unendlichen Universum machen und die Frage beantworten, ob auf erdähnlichen Planeten wie Proxima b, Kepler-1625b oder Kepler-186f oder auf Gliese- 581g Lebewesen existieren”, kam es aus dem Lautsprecher.

An der Kuppel wurde nun ein Modell des Sonnensystems mit der großen gelb strahlenden Sonne, dem roten Mars, dem blauen Uranus und den anderen Planeten gezeigt. Mit offenem Mund betrachtete Ruth dies alles. Der Kauf des Kombitickets hatte sich gelohnt, dachte sie und verfolgte weiter gespannt die Show. Auf einmal zog jemand an ihrem Ärmel.

“Ich habe Durst”, jammerte Theodor.

“Pst”, machte die Tante und stöhnte innerlich auf.

“Ich habe auch Durst”, meldete sich nun auch Conrad.

Widerwillig kramte Ruth fünf Euro aus ihrem Geldbeutel.

“Hier ist Geld, damit könnt ihr euch etwas zu Trinken kaufen”, flüsterte sie. “Und beeilt euch.”

Die Kinder sprangen aus ihren Sesseln und verließen den Vorführraum. Draußen führte ein Gang um den runden Saal herum.

“Wo ist der Getränkestand?”, fragte Theodor.

“Keine Ahnung. Gehen wir mal nach links”, schlug Conrad vor. An denschwarz gestrichenen Korridorwänden hingen großformatige Fotos auf rahmenlosen Leinwänden. Sie zeigten Aufnahmen von der Milchstraße, einzelnen Planeten, Raumsonden und Raumschiffen. Immer wieder blieben die Jungs stehen und betrachteten interessiert die Fotos. Dass er durstig war, hatte Theodor fast schon wieder vergessen. Vor einem länglichen Foto, das fast bis auf den Boden reichte und einen Raketenstart mit einem Feuerstrahl abbildete, blieb der Junge stehen. Mit dem rechten Zeigefinger fuhr er immer wieder den Feuerstrahl nach. Daraufhin begann das Bild an zu wackeln. Letztendlich fiel es von der Wand. Gemeinsam versuchten die Brüder das Bild wieder aufzuhängen. Allerdings gelang es ihnen nicht. Sie lehnten es daher an die gegenüberliegende Wand an.

“Schau mal, Conrad, hinter dem Bild ist eine Tür”, stellte Theodor erstaunt fest.

Die Tür war genauso schwarz, wie die Wand und nur durch einen kleinen goldfarbenen Knauf als solche zu erkennen. Sie war schmal und niedrig.

Nur in gebückter Haltung hätte ein Erwachsener hindurchgepasst. Theodor fasste den Knauf an, zog und drückte daran. Die Tür sprang auf. Helles Licht drang heraus. Neugierig machte Theodor einen Schritt darauf zu.

“Stopp!”, rief Conrad. Doch es war schon zu spät, sein Bruder war über die Schwelle getreten und in dem Licht verschwunden. Conrad warf einen Blick nach links und rechts. Es war niemand auf dem Gang zu sehen.

Er konnte seinen Bruder nicht alleine lassen, daher folgte er ihm. Hinter Conrad schloß sich lautlos die kleine Tür.

Kapitel

Während die Zuschauer im Kuppelsaal die Weltallshow ansahen, machte Paul Koslowski seinen Kontrollgang. Er war im Rentenalter, trug eine Brille mit dicken Gläsern und zog das linke Bein etwas nach. An den Wochenenden half er als eine Art Hausmeister im Planetarium aus und verdiente sich so ein paar Euro zu seiner mageren Rente dazu.

Ihm fiel sofort auf, dass das Bild mit dem Raketenstart von der Wand gefallen war. Grummelnd hängte er es wieder auf. Die Tür in der Wand bemerkte er nicht, denn trotz der starken Brillengläser sah Koslowski schlecht.

Eine Stunde später hörte das Publikum im Saal die Schlussmelodie und “Vielen Dank für Ihren Besuch im Stuttgarter Planetarium. Wir freuen uns, Sie bald wieder begrüßen zu dürfen. Auf Wiedersehen!”, tönte es aus dem Lautsprecher.

Das Licht ging an und die Zuschauer strömten hinaus.

Ruth meinte: “Das war wirklich interessant, nicht wahr, Kinder?”

Sie blickte zur Seite, die beiden Plätze neben ihr waren leer.

Suchend schaute sich die Tante im Saal um, der sich immer weiter leerte. Vielleicht warteten die Kinder draußen auf dem Gang auf sie oder waren auf der Toilette, überlegte Ruth. Doch dort waren ihre Neffen nicht.

Am Getränkestand erkundigte sie sich: “Haben Sie meine beiden Neffen gesehen? Sie haben sich vorhin bei Ihnen etwas zu Trinken gekauft.”

“Wie sehen denn Ihre Neffen aus?”, fragte die Frau, die leere Flaschen in eine Getränkekiste stellte.

“Der Ältere ist neun Jahre alt, hat dunkelbraunes Haar und trägt einen Pullover mit einem T-Rex darauf. Der andere hat blondes Haar, das er zu einem Seitenscheitel trägt. Er hat, glaube ich, einen Pullover mit einem roten Rennauto an.”

Die Verkäuferin kratzte sich an der Stirn. “Mmh … es waren so viele Familien mit ihren Kindern da. Die Fanta ist sogar ausverkauft und muss nachbestellt werden. Keine Ahnung, ob Ihre Neffen dabei waren.”

“Bitte. Denken Sie nach”, bat Ruth.

Die Frau zuckte nur mit den Schultern. “Fragen Sie doch Frau Junginger. Sie kontrolliert die Karten und ist nach der Vorstellung meistens bei der Häberle im Foyer an der Kasse.”

Die Tante murmelte ein Danke und eilte den Korridor entlang.

Hinter dem Kassentresen saßen zwei Frauen und unterhielten sich angeregt.

Ruth grüßte sie und schilderte hastig ihr Anliegen. Die Kassiererin winkte ab: “Ich kann Ihnen nicht helfen.”

Die Kartenabreißerin, die Frau Junginger hieß, überlegte stattdessen. Sie schlug sogar vor, zusammen die Kinder zu suchen.

“Bis zur nächsten Vorstellung habe ich etwas Zeit.”

“Das wäre großartig von Ihnen. Vielen Dank!”, sagte Ruth erleichtert.

Die Frauen gingen durch das Planetarium, riefen die Namen der Kinder, schauten erneut in den Toilettenräumen und im großen Saal nach.

Nirgends waren die Kinder. Die Tante befand sich mittlerweile am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Sie konnte doch nicht ohne ihre Neffen nach Hause fahren. Was sollte sie sonst ihrem Bruder sagen? Ich habe deine Söhne verloren? Sie schlug verzweifelt die Hände vors Gesicht und stöhnte.

Frau Junginger meinte: “Des isch mir äbbes args!”

Sie wechselte ins Hochdeutsche. “Das tut mir wirklich leid. Es ist nicht zu fassen, dass jetzt hier schon wieder Kinder verschwunden sind.”

Ruth wurde hellhörig: “Was meinen Sie mit `schon wieder sind Kinder verschwunden’ ?”

Die Kartenabreißerin bemerkte erst jetzt, dass sie sich verplappert hatte.

“Ach nichts!”, murmelte sie.

Ruth ließ nicht locker. Schließlich berichtete Frau Junginger: “In den letzten Jahren sind drei Kinder verschwunden. Erst vor einem halben Jahr ist der kleine Giovanni wie vom Erdboden verschwunden. Das wurde jedoch totgeschwiegen. Es wurde behauptet, dass der Junge auf dem Nachhauseweg verschwunden sei. Aber das glaube ich nicht!”

Zögernd stellte die Tante die Frage: “Sie meinen, dass diese Kinder aus dem Planetarium entführt worden sind?”

Frau Junginger zuckte mit den Schultern. “Am besten ist es, wir rufen die Polizei an”, empfahl sie.

Hinter dem Kassentresen war ein Telefon. Von dort rief sie die Polizei an. Während Ruth auf die Beamten wartete, ging sie nervös im Foyer auf und ab. Sie verfluchte diesen verregneten Sonntag. Warum hatte sie sich diese Kombitickets aufschwatzen lassen? 20% Rabatt. Lächerlich. Hätte Ruth sie nicht gekauft, würde sie jetzt mit ihren Neffen zuhause sein und “Monopoly” spielen.

Kapitel

Zur gleichen Zeit, in der Ruth fasziniert die Show im Kuppelsaal verfolgte, standen Conrad und Theodor in einem hellen Raum. Sie waren durch die schmale Tür, die sich hinter dem Raketenstartbild verborgen hatte, gegangen. Neugierig schauten sie sich um. Sie waren in einem anderen Korridor, dessen Wände in verschieden Grautönen gestrichen war. “Wo sind wir?”, fragte Theodor.

Achselzuckend sagte Conrad: “Keine Ahnung. Lass uns umkehren und zwei Flaschen Fanta kaufen gehen.”

“Häh, wo ist die Tür?”, wunderte sich Theodor, als er sich wieder zur Wand drehte.

Die Brüder schlugen mit der flachen Hand und klopften mit den Fingerknöcheln an der mausgrauen Wand entlang. So arbeiteten sich einige Meter nach links und rechts. “Hallo! Aufmachen!”, riefen sie.

“Die Tür muss hier irgendwo sein. Wir sind doch nicht blind”, meinte Conrad.

“Tante Ruth wird ganz schön sauer sein, wenn wir nicht rechtzeitig zurückkommen”, befürchtete Conrad. Theodor stimmte zu und starrte seinen älteren Bruder mit großen Augen an.

“Was glotzt du so?”, fuhr dieser ihn an.

“Du siehst irgendwie anders aus. Älter und größer. Du hast auch nicht mehr deinen T-Rex-Pulli an”, behauptete Theodor.

Conrad schaute an sich herunter. Er trug jetzt eine marineblaue Uniform. Auf der linken Brusttasche war das Wort Invictus in goldenen Buchstaben gestickt.

“Wir sind gar keine Kinder mehr”, sagte er verwundert. Sein Bruder trug die gleiche Uniform.

Theodor war verwirrt: “Häh, das verstehe ich nicht. Warum sind wir auf einmal erwachsen?”

“Das weiß ich nicht. Vielleicht sind wir durch einen Zeitreisetunnel gegangen oder wir sind in ein Wurmloch geraten”, mutmaßte Conrad.

“Die Uniform mit den goldenen Knöpfen ist cool, aber die Schuhe sind unbequem”, meinte Theodor.

Er setzte sich auf den Fußboden und war im Begriff die Schuhe auszuziehen. Da rollte ein kleiner kugelförmiger Roboter an ihnen vorbei.

Conrad sagte: “Der sieht aus, wie R2D2 aus ‘Star Wars’, nur mit Greifarmen. Vielleicht drehen sie hier eine Fortsetzung der Sternensaga.”

Theodor war aufgesprungen: “He, R2D2, warte!” und rannte dem Roboter hinterher, der ziemlich flott den Gang hinunter fuhr.